Ein normaler Tag in der nepalesischen Stadt Bhaktapur beginnt bei vielen Bewohnern bereits um 4 Uhr morgens. Nach dem Tempelbesuch geht bei einigen von ihnen das Gemüsegeschäft los; dicht gefolgt vom Einkaufen, etwas Kleines zu frühstücken (z. B. Tee und Kekse), die Kinder für die Schule vorzubereiten und dann das Mittagessen zu kochen.
Nepals Leckereien mit Ursprung in Bhaktapur
Zwei besondere Spezialtäten lohnt es sich unbedingt zu probieren, wenn ihr in Bhaktapur seid. Neben Dal Bhat, dem nepalesische Nationalgericht schlechthin, bestehend aus Linsensuppe (Dal), gekochtem Reis (Bhat) und Gemüsecurry, gibt es in Bhaktapur nämlich auch die eine oder andere authentische Spezialität. So etwa Yomari, die bekannteste Süßspeise der Newar (der indigenen Bevölkerung von Bhaktapur). Es handelt sich um etwas, was wir mit Dampfnudeln aus Reismehlteig vergleichen würden. Befüllt werden sie mit Chaku, einer dicken Melasse oder Rohrzuckermasse, und Sesamsamen. Eine moderne und sehr beliebte Variante wird mit Khuwa gefüllt – einer festen Kondensmilch-Masse.
Juju Dhau, der „Königsjoghurt“ kommt ebenfalls aus Bhaktapur und ist in ganz Nepal berühmt. Er wird aus cremiger Büffelmilch hergestellt, mit Honig oder Gewürzen gesüßt und traditionell in unglasierten Tontöpfen (Katarhi) gereift, die dem Joghurt seine typische, dickflüssige Textur und sein leicht nussiges Aroma verleihen.
Das Leben in Bhaktapur im Vergleich zu Kathmandu
Im Vergleich zu Kathmandu etwa ist das Leben ihn Bhaktapur ein ganz anderes, sagt mir mein Guide Bipin Pradhananga. Zwar hat man hier nicht die vielen Büros und entsprechend auch Bürojobs und auch nicht die unmittelbare Nähe zum Flughafen. Dafür aber frischere Luft und Sauberkeit. Außerdem kennt man sich im Ort. Während Bipin mich rumführt treffen wir vermehrt auf seine Bekannten und Freunde. Mir scheint es zudem ein noch traditionelleres Leben zu sein, als das in Kathmandu. Obwohl Kathmandu im Vergleich zu jeder europäischen Stadt, die ich kenne, durchsetzt ist von Traditionen. Bhaktapur hebt mein Verständnis vom Bewahren traditioneller Werte, Bräuche, Bauweisen und Berufe auf ein ganz anderes Level.
Bipin und ich gehen durch die steinernen Gassen, während ich an jeder Ecke stehenbleibe, um zu staunen. An den Begegnungsstätten treffen wir auf Männer, die mit voller Konzentration Schach spielen. Die geschlossenen Räume über ihnen werden genutzt, um gemeinsam Geburtstage zu feiern, erklärt Bipin. Die Anmietung erfolge über die Stadt und sei durchaus bekömmlich, sodass sich jede Familie eine solche Feier leisten könne.
Eine Bekanntschaft wird zur Freundschaft
Bipin ist ein Multitalent. Viel zu weise für sein Alter. Er spricht Hindi, Newari, Nepali, Pakistani und Englisch. Sein Opa, 98 Jahre alt, war einer der führenden Priester in Bhaktapur. Dieser sorgte während seiner Amtszeit dafür, dass die Kindergottheit Kumari einen Lohn bekommt. Er war der erste in Nepal, der sich dafür einsetzte, erzählt mir Bipin voller stolz. Heute wird das Amt von einem seiner jüngeren Verwandten weitergeführt.
Ich frage ihn: „Was bedeutet es für die Menschen, aus Bhaktapur zu kommen?“ und er antwortet: „Wir glauben, dass wir in unserem letzten Leben besonders gutes Karma hatten. Es ist ein großer Segen, hier zu leben.“ Tourguide ist er nicht immer gewesen, obwohl er für diese Aufgabe wie geschaffen ist. Davor hatte er ein kleines Business: traditionelle Papierherstellung von Lokta-Papierbögen, die es nur in Nepal gibt.

Bipin Pradhananga engagiert sich ehrenamtlich für die Organisation Thanaka. Normalerweise hilft die Ortsgruppe dabei, Reparaturen an Schulen in Bhaktapur vorzunehmen, oder Mädchen und Frauen handwerklich auszubilden, damit sie durch den Verkauf von Strick oder Töpferei die Chance auf finanzielle Stabilität haben. Seit der verheerenden Flut vom 26. August 2026 kümmert sich Thanaka um die Notversorgung der Flutopfer. Trinkwasser, Reis, Feldbetten und Co. stellen die Mitglieder der Hilfsorganisation denen zur Verfügung, die es am meisten brauchen. Spenden könnt ihr über das non-profit- System „Hello Asso“ oder direkt an meinen Freund Bipin unter folgenden Bankdaten:
Bipin Pradhananga
Kontonummer: 0020 5080 0021 37
SWIFT: NIBLNPKT
Nepal Investment Mega Bank (Bhaktapur Suryabinak Branch)
Betreff: Donation Flood
Nepal nutzt das IBAN-System nicht, daher Kontonummer in Kombination mit SWIFT.
Bhaktapur in Nepal: Schule, Familie und Gesellschaft
Newari ist die indigene Sprache, die die Kinder von Bhaktapur in der Schule lernen. Außerhalb der Schule haben sie die Möglichkeit, verschiedene Musikinstrumente in kleineren vereinsähnlichen Gruppen zu erlernen. Auch traditionelle Holzschnitzerei wird ihnen in diesem Rahmen beigebracht. Dabei zeigen ältere Handwerker der jungen Generation, wie’s geht. So wird die Tradition weitergereicht und gelebt.
Jene, die ein Handwerk, wie etwa das Holzschnitzen, zum Beruf machen, können davon leben, ohne auf eine zweite Einnahmequelle angewiesen zu sein, meint Bipin. Aber sie müssen schon Vollprofis sein.
Viele Jugendliche verlassen ihre Heimat aber auch zum Studieren. Einige gehen dafür ins Ausland. Es sei schwer, danach wieder zurück nach Nepal zu kommen und einen Job zu finden, der genügend Geld einbringt, meint Bipin. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung im Land. Während meiner Reise durch Nepal erzählen mir ganz unterschiedliche Menschen, dass es an zwei Fronten besonders brennt: Bildung und medizinische Versorgung. Die Infrastruktur ist ebenfalls ein Kapitel für sich, doch die Nepalesen scheinen sich damit ganz gut arrangieren zu können.
Hier geht’s zur Übersicht aller Nepal-Artikel, die ich bisher veröffentlicht habe. Es folgen mehr!
Bhaktapur: Stadtgeschichte und Legenden
Die Gründung der Stadt Bhaktapur geht auf das 9. Jahrhundert zurück. Traditionell wird oft das Jahr 889 n. Chr. unter König Ananda Deva genannt. Vom 12. Jahrhundert bis ins späte 15. Jahrhundert war Bhaktapur die Hauptstadt des gesamten Kathmandu-Tals unter der Malla-Dynastie.
Nach dem Tod von König Yaksha Malla im Jahr 1482 wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt: in Kathmandu, Patan und Bhaktapur. Bhaktapur blieb ab dem 16. Jahrhundert bis zur nepalesischen Wiedervereinigung im 18. Jahrhundert die Hauptstadt des gleichnamigen Teilkönigreichs.
Vor vielen Jahren umgaben Stadtmauern und Stadttore den Ort. Eines der Stadttore ist heute noch erhalten. Bhaktapur lag an der historischen Handelsroute zwischen Indien und Tibet. Zwar verlief die Hauptstrecke der klassischen nordchinesischen „Seidenstraße“ weiter nördlich, der Handelsweg durch Bhaktapur gilt jedoch als wichtiger Himalaya-Zweig dieser Straße.



Random Facts über Bhaktapur
Der Grundriss der Altstadt wird häufig mit einer fliegenden Taube (manchmal mit einem fliegenden Pfau) verglichen. Der Name Bhaktapur stammt aus dem Sanskrit (Bhakta = Gläubiger/Verehrer, Pura = Stadt). Die gebräuchliche Übersetzung lautet daher „Stadt der Gläubigen“ oder „Stadt der Devoten“.
Das Kathmandu-Tal, zu dem der Bhaktapur Durbar Square gehört, wurde 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die offizielle Höhenangabe der Stadt liegt bei 1.401 Metern über dem Meeresspiegel.
Bernardo Bertoluccis berühmter Spielfilm „Little Buddha“ (1993) mit Keanu Reeves wurde zu großen Teilen auf dem Durbar Square in Bhaktapur gedreht (der Ort diente als Kulisse für das historische Kapilavastu). Auch in einigen Bollywood-Filmen sind Teile Bhaktapurs zu sehen.
So wird laut Bipin die Tradition weiterhin bewahrt werden können
Ich frage Bipin: Was darf sich in Bhaktapur aus deiner Sicht niemals verändern? Die Optik darf sich niemals verändern, die Festivals und das Verbot für Außenstehende, dort Immobilien kaufen zu dürfen. Was sich aber ruhig ändern könnte: Bipin ist für ein strenges Rauchverbot, obwohl er selbst Kette raucht. Als er das ausspricht, glaube ich es kaum. Zum einen, weil seine Haut fantastisch hydriert ist, andererseits weil er während dieser Stunden keine einzige Zigarette geraucht hatte.


Falls ihr gerne spenden würdet, euch das Ganze aber zu heikel erscheint, weil ihr die ehrliche nepalesische Mentalität einfach noch nicht kennt, gibt es natürlich auch deutsche Vereine, die sich für die Versorgung der Flutopfer einsetzen. Einer davon ist der Freundeskreis Nepalhilfe e.V. (Link führt zur Website). Es ist ein Verein, der die Spendengelder 1 zu 1 an die Menschen überbringt, die es gerade wirklich brauchen. Alles, was ich euch empfehle, habe ich selbst gegengecheckt und kenne die Menschen, die dahinter stehen, persönlich. Daher bin ich sowohl von Bipin als auch vom Freundeskreis selbst überzeugt, und weiß, dass diese Menschen am besten wissen, wo unser Geld am effektivsten eingesetzt werden kann. Daher spendet, was ihr könnt, denn jeder einzelne Euro zählt.
Kontodaten des Vereins:
Empfänger: Freundeskreis Nepalhilfe e.V.
IBAN: DE73 5176 2434 0069 5697 06
SWIFT/BIC-Bankcode: GENODE51BIK
Bank: VR Bank Lahn-Dill eG
Stichwort: NOTHILFE NEPAL