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Kunst

Alles, was du über meine Kunst nicht wissen wolltest

Ich mache auch Kunst, die ich bisher nicht wirklich jemandem gezeigt habe. Das sind meine Motive und Arbeitsweisen.

Vermutlich ist das Erste, was man in meinen Bildern wahrnimmt, die Farbe. Dann die Kommunikation darin. Sie besteht zwischen den einzelnen Farben, zwischen den Charakteren. Wenn ich etwas Abstraktes mache, besteht sie auch zwischen den gegenstandslosen Elementen. Zumindest mache ich so lange an ihnen rum, bis es sich für mich danach anfühlt.

Dieses regelmäßige Malen (und Kleben) kam schrittweise in mein Leben. Jetzt ist es die Luft, die ich zum atmen brauche. Das Ventil, durch das ist jede erdenkliche Scheisse verarbeite: Journalismus zum Beispiel ahaha oder Depressionen, oder anderweitigen Schmerz, den mir die Welt manchmal zufügt. Alles, was nach außen will.

Das Material, mit dem ich arbeite

Ich arbeite mir verschiedenen Papiersorten. Gerne fester. Rau, glatt, aquarellig, mit etwas gröberer Struktur. Bei den Bildträgern experimentiere ich gerne mit Sperrholz oder Leinwand. Sperrholz ist verhältnismäßig leicht und lässt sich ganz wunderbar bekleben, besprühen oder bemalen. Leinwand ist ein Klassiker. Am geilsten finde ich es, wenn Papier auf Holz klebt.

Eine bestimmte Sperrholzart, die ich immer und immer wieder verwende kenne ich aus dem Aufenthaltsraum meiner alten Schule. Die Wände wurden eines Tages komplett damit beschlagen. Jedes Mal, wenn ich den Duft frischer Bretter rieche, fühle ich mich wieder in diesen Raum hineinversetzt. Dort herrschte immer eine freie und friedliche Stimmung. Je länger der Raum mit den Brettern beschlagen war, desto mehr Kritzeleien, Sprüche und Penisse fanden sich auf den Wänden wieder. Es war fabelhaft. Da wurde viel mit Kugelschreibern gearbeitet, Edding, Aufklebern… Jeder, wie er wollte. Irgendetwas löst das in mir aus.

Ein bisschen zum Entstehungsprozess meiner Kunst

Meine Bilder entstehen oft impulsiv, seltener geplant – kommt aber auch vor. Wenn ich eine Idee habe, muss sie raus, bevor ich sie verliere. Manchmal setze ich mich auch aus Langeweile hin. Manchmal, weil ich mich ein bisschen zu meinem Glück zwinge.

Ich arbeite recht schnell. Als ich Comic- und Karikaturzeichnen gelernt habe, lernte ich die Spontaneität und Leichtigkeit der Bewegungen mit. Das schätze ich bis heute, weshalb meine Charaktere auch viel comichaftes haben. Nicht nur, weil sie nur aus wenigen Strichen bestehen und flach gehalten sind, sondern auch wegen des charakteristischen, meist schwarzen, Outline.

Bei den Portraits, die in etwa zu 95 Prozent aus Fantasiegestalten bestehen, lasse ich meistens den Pinsel oder den Bleistift führen. Bin selbst immer gespannt, wer dabei rauskommt. Die restlichen 5 Prozent (früher war es genau andersrum) male ich heimlich aus dem echten Leben, zum Beispiel, wenn ich Zug fahre.

Kunstgeschichte nimmt Einfluss auf meine Experimente

Dank des kunsthistorischen Studiums am KIT erfahre ich immer wieder von neuen Methoden und probiere sie aus. So habe ich es etwa mit dem Visualisieren und dann malen probiert. Das war überragend. So gewinnt nicht mehr der Stift die Überhand, sondern dein Geist. Bei den abstrakten Dingern gehe ich nach Kandinsky. Zwar in den aller meisten Fällen ohne Musik, aber der Mann hat so viele gute Gedankengänge mit der Welt geteilt, dass auch ich die Möglichkeit habe, nach ihnen die Farben, Formen und dessen Einwirkung aufeinander – und vor allem auf mich selbst – zu spüren. Und das ist ein sehr schöner und spaßiger Prozess.

Arbeitsweise und beschissene Körperhaltung

Ob ich kontrolliert male oder losgelöst? Je nach dem, was meine Seele verlangt. Wenn ich jedenfalls schlecht gemalt habe, wird das Ding zerschnitten. Die Zuschnitte werden für andere Zwecke verwendet.

Meine Arbeitsweise: Ich sitze auf dem Boden meines Wohnzimmers, der regelmäßig mit Aceton gereinigt werden muss, wegen der ganzen Farbflecken. Um mich herum ein Meer aus verschiedenfarbigen Papieren, die ihren Trocknungsprozess antreten. Hier bereite ich die Hintergründe vor. Im Wohnzimmer passiert quasi alles, was mit Acrylfarbe zu tun hat. Auch einige Portraits.

Da trocknet was…

Im Arbeitszimmer hingegen zeichne ich die comichaften Marker-Zeichnungen. Erst mit Bleistift vorzeichnen, dann Edding. Shoutout an Edding (unbezahlte Werbung). Ich feier die permanenten Marker jeder Form und Größe und neuerdings habe ich auch mal eine Sprühdose ausprobiert. Sie war überragend. Hab sie an einem Vormittag vollständig versprüht. Im Arbeitszimmer mache ich zudem noch die Papierzuschnitte. Im Bett loche ich manchmal die Mini-Blöcke.

Während des Malprozesses höre ich wahnsinnig selten Musik. Ich denk da einfach nie dran. Dabei habe ich eine ganz furchtbare Körperhaltung. Manchmal, wenn ich zu lange auf dem Boden rumsitze, wird mir richtig schlecht. Ist das normal?

Meinungen aus der Außenwelt

Am meisten und am liebsten male ich Gesichter. Und mir ist scheiß fick egal, ob alle die Schnauze voll davon haben. Oder ob es irgendjemanden stört, dass die meisten Charaktere ernst gucken. Seit meinem Interview mit Elena Politowa, weiß ich, was das Richtige für mich ist. Ich liebe Gesichter, ich verliebe mich erst ins Gesicht und dann den Charakter dahinter. Ich hab Bock sie zu malen, ich fühls einfach. Sie sind ernst, weil: Habt ihr bei uns in Deutschland schon mal Leute gesehen, die nicht auf Crack sind und lachend durch die Straßen laufen? Ich auch nicht.

Wenn die Ernsthaftigkeit in meinen Bildern euch stören sollte: Ich nehme auch Aufträge an. Da könnt ihr bestimmen, was ich male. Haut mich einfach an. Momentan bin ich relativ schwer zu kontaktieren, da ich Social-Media-mäßig ein wenig detoxen will. Aber wer sucht, der findet. Dafür hab ich plötzlich viel mehr Zeit für avecMadlen. Demnächst kommt hier ein Onlineshop, in dem ihr fertige Arbeiten kaufen werden könnt.

Signatur und Markenzeichen

Immer häufiger kommt Meine Schrift in den Bildern vor. Neongelb halte ich auch für eines meiner Wiedererkennungswerte, obwohl die Welt der Gegenwartskunst recht voll davon ist. Nicht voll genug, wenn ihr mich fragt. Diese Farbe macht mich mit ihrer Leuchtkraft ganz wuschig. Kandinsky hätte Neongelb gefeiert. Safe.

Meine Bilder sind mit Seriennummern versehen und ich stempel sie auf der Rückseite mit Madlen Romanowna. Also mit meinem echten Namen. Ich bin zwar in der Welt der Medien als Madlen Trefzer bekannt, aber ich hasse diesen Namen, deshalb verwende ich Romanowna, wo ich kann. Es ist der Vatersname, den wir Russen (und andere) von den Vornamen unserer Vätern übernehmen. Mein Vater heißt Roman. Mein voller Name, so wie er im Ausweis steht, lautet Madlen Romanowna Trefzer. Geboren wurde ich mit einem anderen Nachnamen, den ich vielleicht wieder annehme.

Es gibt ein bild, das ich nicht verkaufen würde. Es ist sehr simpel. Ein Kopf, besser gesagt die Silhouette eines Kopfes. Ohne Gesicht. In zartem Neongelb auf Lila Leinwand. Ich liebe es. Ich will es auf z wei ganz bestimmte Arten von Postkarten sehen. Die Farben sind perfekt füreinander. Der Kopf ist leicht geknickt, das ganze wirkt so zart und poetisch. Geb ich nicht her. Es gibt aber Einige, die ich nicht hergebe.

Wie dem auch sei. Freut euch auf den schon sehr bald kommenden Online-Shop. Wenn das Behördliche durch ist, geht es los.

Ich küsse euch,

eure Madlen

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