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Der psychologische Blick auf Egon Schiele

EIN SELBSTBILD.

ICH BIN FÜR MICH UND DIE, DENEN
DIE DURSTIGE TRUNKSUCHT NACH
FREISEIN BEI MIR ALLES SCHENKT,
UND AUCH FÜR ALLE, WEIL ALLE
ICH AUCH LIEBE, – LIEBE.

ICH BIN VON VORNEHMSTEN
DER VORNEHMSTE
UND VON RÜCKGEBERN
DER RÜCKGEBIGSTE

ICH BIN MENSCH, ICH LIEBE
DEN TOD UND LIEBE
DAS LEBEN.

Egon Schiele (1910)

Egon Schiele (1890-1918), österreichischer Künstler. Fotografiert in seinem Atelier. Credit: IMAGO / GRANGER Historical Picture Archive

Die Forschungsfrage verändert sich

Kaum ein Künstler des frühen Expressionismus wirkt auf den ersten Blick so psychologisch lesbar wie Egon Schiele. Seine verwinkelten Körper, die düsteren, Gestalten, Grimassen und die intensiven Blicke vermitteln den Eindruck, als würde uns der Künstler seine Seele offenlegen. Es entsteht die Vorstellung eines zerrissenen, leidenden Menschen. Heute stellt sich die Forschung nicht mehr die Frage: Was verraten Schieles Bilder über seine Psyche? Sondern: Warum wirken sie überhaupt so psychologisch aufgeladen?

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Blick auf Schiele deutlich verändert. Und zwar nach und nach.

Egon Schiele: Ein Rebell seiner Zeit

Das Bild Egon Schieles ist bis heute eng mit seiner Biografie verbunden. Er galt als Rebell, wurde wegen der Verbreitung obszöner Zeichnungen inhaftiert und entwickelte schon früh einen außergewöhnlich expressiven Zeichenstil. Über ihn wird erzählt, er habe niemals einen Radiergummi benutzt und Zeichnungen innerhalb weniger Minuten gefertigt.

In einem Brief schrieb Schiele: „Ich habe zweifellos furchtbare Bilder gemalt. Aber glauben die wirklich, dass ich es mit Absicht getan habe? Nur um das spießige Bürgertum zu erschrecken? Das war nie der Fall. Aber es gibt Gespenster, die aus einem Verlangen heraus entstehen. Und ich habe diese Gespenster gemalt. Nicht weil es mir Freude machte, sondern weil ich es musste.“

Hier geht’s zu der Online-Sammlung des Leopold Museums. Dort findet ihr eine unfassbare Vielfalt an Schiele-Werken in höchster Qualität. Da die urheberrechtlichen Fragen noch nicht geklärt sind, sehe ich bisweilen von einem Download ab.

Spuren in der Kindheit und Familie

Auch seine Kindheit scheint eine psychologische Deutung nahezulegen. Sein Vater war cholerisch und förderte zwar zunächst das zeichnerische Talent seines Sohnes, verbrannte später jedoch einen großen Teil seiner Zeichnungen, weil sie ihm übermäßig erschienen. Nachdem der Vater an Syphilis erkrankte, schien er verrückt zu werden. Er verbrannte den gesamten Aktienbesitz der Familie und starb wenig später.

Es liegt nahe, darin mögliche Ursachen für Schieles Bildwelt zu suchen. Doch erlauben uns die Einblicke in seine Bilder tatsächlich einen Blick in seine Psyche? Oder projizieren wir diesen Blick erst nachträglich hinein?

Egon Schiele (österreich. Maler des Expressionismus 1890-1918)

Egon Schieles Bilder: psychischer Selbstausdruck?

Pia Müller-Tamm setzt sich zunächst mit der Schiele-Interpretation des Kunsthistorikers Werner Hofmann auseinander. Hofmann prägte über Jahrzehnte das Bild Schieles als Künstler des psychischen Selbstausdrucks. Für ihn spiegeln die scheinbar deformierten Körper und nervösen Linien unmittelbar die seelische Verfassung des Künstlers wider.

Immer wieder werden Gegensätze hervorgehoben:

  • Entblößung und Verhüllung
  • Offenbarung und Distanz
  • Verzweiflung und Übersteigerung

Hoffmann beschreibt Schieles Körper in den Selbstbildnissen sogar als einen Leib, der „wie eine einzige Wunde“ erscheint. Der Körper werde damit zum unmittelbaren Ausdruck seelischen Leidens.

Egon Schiele, Aktselbstbildnis 1916. Bleistift, Deckfarben auf Papier. Maße: 29,5 × 45,8 cm. Credit: ALBERTINA, Wien.

Unterstützt wird diese Position durch den Philosophen Jacques LeRider. Er beschreibt Wien um 1900 als eine Kultur der Identitätskrise. Der rasante Modernisierungsprozess habe bei vielen Künstlern ein tiefes Gefühl von Verlust ausgelöst. Schiele erscheint dadurch als besonders sensibler Künstler einer krisenhaften Zeit.

Auch einzelne Werke wurden entsprechend interpretiert

Beim Selbstbildnis mit Hand an der Wange galt etwa das Herunterziehen des Augenlids lange als Symbol von Melancholie oder sogar als bewusste Umdeutung des Schmerzensmannes. Die Augen wurden als Spiegel des Inneren verstanden.

Egon Schiele: „Selbstbildnis mit Hand an der Wange“, 1910​. Gouache, Aquarell und Kohle auf Papier​, 44,3 × 30,5 cm. Credit: IMAGO / GRANGER Historical Picture Archive

Mit den 1990er Jahren kommt der Perspektivwechsel. Pia Müller-Tamm macht deutlich, dass Schieles Selbstporträts nicht mehr als spontane Bekenntnisse gelesen werden können. Vielmehr entstehen sie in einem Spannungsfeld zwischen Selbstentfremdung und bewusster Selbstinszenierung.

Seine Bilder seien keine unmittelbaren Einblicke in seine Persönlichkeit, sondern sorgfältig gestaltete Konstruktionen. Auch seinen schriftlichen Äußerungen begegnet die Forschung nun mit größerer Vorsicht. Sie gelten nicht mehr automatisch als Schlüssel zum Verständnis seiner Kunst. Stattdessen zeigt sich, dass Schiele zahlreiche Bildtraditionen übernimmt und neu kombiniert.

Er greife kunsthistorische Bildformeln ebenso auf wie Fotografien psychisch Kranker oder zeitgenössische pornografische Fotografien. Hinzu kommt ein weiteres Detail: Während seiner Jugend wohnte Schiele im Haus der Familie Holzknecht. Der Sohn der Gastfamilie war Mediziner und beschäftigte sich intensiv mit der damals neuen Radiologie. Schiele zeigte großes Interesse an diesen anatomischen Bildern – Bildern, die damals fast ausschließlich Ärzten und Wissenschaftlern zugänglich waren.

Egon Schiele: geschlechtergeschichtliche Perspektive

Katharina Sykora erweitert diese Gedanken um eine geschlechtergeschichtliche Perspektive. Um 1900 herrschte eine äußerst strenge Trennung zwischen männlichen und weiblichen Rollenbildern. Schiele soll diese Grenze bewusst überschritten haben. Mit seinen Akt-Selbstbildnissen macht er erstmals den männlichen Körper selbst zum Objekt des begehrenden Blickes. Darstellungen, die zuvor fast ausschließlich Frauen – insbesondere Prostituierten in pornografischen Fotografien – vorbehalten waren, überträgt er auf sich selbst.

Der Spiegel dient dabei nicht lediglich der Selbstbeobachtung. Sykora beschreibt ihn vielmehr als eine Art Pornokamera, in der sich Schiele den traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit verweigert. Seine Figuren schwanken häufig zwischen männlichen und weiblichen Merkmalen. Besonders deutlich wird dies etwa im Aktselbstbildnis grimassierend von 1910. Dieses Bild kann so gelesen werden, als hätte sich Schiele mit weiblichen Genitalien dargestellt.

Egon Schiele: Grimassierendes Aktselbstbildnis, 1910​

Bleistift, Kohle, Pinsel, ​

Deckfarben mit proteinhaltigen Bindemitteln, ​

Deckweiß auf Packpapier​
55,8 × 36,7 cm​
Egon Schiele: Grimassierendes Aktselbstbildnis, 1910​. Bleistift, Kohle, Pinsel, ​Deckfarben mit proteinhaltigen Bindemitteln, Deckweiß auf Packpapier​. 55,8 × 36,7 cm​. Credit: ALBERTINA, Wien

Ein kurzer Exkurs

Hier ein Beispiel erotischer Fotografie um 1900, das ebenfalls weit über die damaligen Konventionen hinausgeht. Es scheint fast so, als ob das Bedürfnis nach Tabubrüchen nicht nur Schiele, sondern auch andere Künstler und Fotografen dieser Zeit erfasst.

Weitere Einblicke in diese Entwicklung könnte die derzeitige Ausstellung The First Homosexuals – Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939 im Kunstmuseum Basel liefern, die ich selbst allerdings noch nicht besucht habe. Läuft noch bis 2. August 2026.

Je neuer die Forschung, desto adäquater die Psychoanalyse

Eine Aussage aus dem Ausstellungskatalog „Wien 1900″ aus dem Jahr 2011 greift Schieles Grimassenbilder auf. Dort heißt es ausdrücklich, solche Selbstbildnisse würden „keineswegs Auskunft über das Psychogramm des Künstlers [geben], sondern sind vielmehr als theatralische Inszenierungen zu verstehen.“

Damit wird der gesamte psychologisierende Zugang grundsätzlich infrage gestellt.

Egon Schiele: Ein weiterer Widerspruch zwischen Persönlichkeit und Bildsprache

Schieles Werke kreisen zwar ständig um Themen wie Melancholie, Einsamkeit, Leiden und Tod. Zeitzeugen beschreiben ihn jedoch als lebensfrohen Menschen mit vielen Freunden. Ähnlich wie Kafka.

Vielleicht liegt die größte psychologische Leistung Egon Schieles also gar nicht darin, seine Seele gezeigt zu haben – sondern darin, uns bis heute glauben zu lassen, wir könnten sie sehen. Ob die Nachwelt wohl jemals seine geheimnisvollen Gebärden deuten können wird? Wohl kaum.


Quellen:

Müller-Tamm, Pia: Sehen zeigen – sehen lassen. Blickinszenierung und Betrachteransprache in Schieles figürlichen Darstellungen. In: Müller-Tamm, Pia (Hrsg.): Egon Schiele. Inszenierung und Identität. Köln 1995, S. 16–43.​

Samola, Franz: Egon Schiele: Symbolistische Todesnähe und expressionistische Gebärde. In: Steffen, Barbara (Hrsg.): Wien 1900. Klimt, Schiele und ihre Zeit. Ein Gesamtkunstwerk. Riehen/Basel 2010, S. 91–95.​

Sykora, Katharina: Performative Selbstinszenierung und Geschlechterirritation bei Egon Schiele. In: Müller-Tamm, Pia (Hrsg.): Egon Schiele. Inszenierung und Identität. Köln 1995, S. 44–65.​

Egon Schiele (österreichischer Maler des Expressionismus 1890–1918). Dokumentarfilm. Regie: Herbert Eisenschenk. Österreich 2018. Erstausstrahlung: ARTE, 21.10.2018. Online verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=n7OZysP3v8I (Zugriff: 14.07.2026).​ (Weiter oben eingebettet).

Schiele, Egon: Ein Selbstbild (Gedicht, 1910). In: Egon Schiele Datenbank der Autografen. Online verfügbar unter: egonschiele.at (Zugriff: 15.07.2026).

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Kunst

War Wassily Kandinsky wirklich Synästhetiker?

Die allermeisten Quellen zu Wassily Wassilivitsch Kandinsky, die uns in der Kunstgeschichte begegnen werden, beteuern, er sei Synästhetiker gewesen. Nicht Prof. Dr. Andrea Gottdang. In ihrem Buch Vorbild Musik: Die Geschichte einer Idee in der Malerei im deutschsprachigen Raum rollt sie diese Behauptung wieder auf und fechtet sie an. Sie zeigt, dass ebensowenig Anhaltspunkte vorliegen, um dem Künstler eine Synästhesie zuzuschreiben als auch abzuschreiben. Letztlich stellt sie, wenn auch nur subtil, die Frage, ob dies denn überhaupt eine außerordentliche Rolle für sein Lebenswerk spielen würde. Wenn ihr mich fragt: nö.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky 1912/13. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Wassily Kandinsky: Wie wirkt Farbe auf den Menschen?

Ein zentrales Anliegen Wassily Kandinskys war die Frage, wie Farbe auf den Menschen wirkt. Dabei unterschied er zwischen einer rein physischen und einer psychischen Wirkung der Farbe.

Während die physische Wirkung das unmittelbare Sehen samt körperlicher Reaktion darauf betrifft, richtet sich die psychische Wirkung an die Seele des Betrachters. In Über das Geistige in der Kunst formuliert Kandinsky, dass „jede Farbe die Erinnerung an ein anderes, physisches Agens weckt, das ähnliche seelische Vibrationen verursachte wie die Farbe selbst“. Für ihn beschränkte sich Farbwahrnehmung daher nicht allein auf das Sehen. Vielmehr seien alle Sinne beteiligt: Farben könnten als glatt oder rau, samtig, weich oder hart empfunden werden. Auch das weit verbreitete Empfinden warmer und kalter Farben stammte daher.

Kandinsky versuchte, diese Überlegungen durch zahlreiche Beispiele zu untermauern. Gleichzeitig hoffte er, dass eines Tages allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten der Farbwirkung wissenschaftlich nachgewiesen und systematisiert werden könnten. Ihm war jedoch bewusst, dass jede Farbempfindung immer auch vom individuellen Menschen abhängt. Eine wissenschaftlich fundierte Farbtheorie müsse deshalb gerade auch die Sonder- und Ausnahmefälle erklären können.

Farben und ihre Wirkung

Die Bedeutung der Farben changierte bei Kandinsky im Verlauf der Schaffensjahre. So beschrieb er zunächst die Wirkung der Farben.

Rot wirkte auf ihn lebendig bis unruhig

blau: himmlisch und trat auch als die Farbe des Geistigen auf.

gelb: Aktivität und Helligkeit

grün: Passivität und Selbstzufriedenheit

Später ging er sogar so weit, einzelnen Farben bestimmte Musikinstrumente zuzuordnen. Das Cello etwa klang für ihn blau und die Flöte gelb.

Improvisation 10, 1910

Einflüsse auf Kandinskys Frabtheorien

Bei seiner Suche nach Erklärungsmodellen beschäftigte sich Kandinsky nachweislich unter anderem mit dem theosophischen Gedankengut. Dass er entsprechende Schriften kannte, gilt als gesichert. Weniger eindeutig ist jedoch die Frage, ob diese Vorstellungen seine künstlerische Praxis tatsächlich beeinflussten. Auffällig ist jedenfalls, dass er sich teilweise vom naturwissenschaftlich Erklärbaren ab- und spekulativeren Konzepten zuwandte. Dazu zählt etwa die Chromotherapie, die davon ausgeht, Krankheiten durch die gezielte Anwendung bestimmter Farben heilen zu können. Gleichzeitig scheint Kandinsky durchaus bewusst gewesen zu sein, dass sich seine Überlegungen nicht an jedermann richteten, sondern vielmehr an besonders sensible Menschen.

In diesem Zusammenhang spielen die sogenannten Gedankenformen von Annie Besant und Charles W. Leadbeater eine wichtige Rolle. Diese sollten veranschaulichen, dass Gedanken und Gefühle nicht unsichtbar bleiben, sondern eine eigene Form annehmen können. Ähnlich wie die theosophische Aura seien Gedankenformen nur für besonders sensible Menschen wahrnehmbar. Während die Aura jedoch ein Individuum wie eine Wolke umhüllt, seien Gedankenformen weder persönlicher Natur noch an eine bestimmte Person gebunden, sondern bewegten sich frei im Raum.

Jetzt wird’s esoterisch: Die drei Klassen von Gedankenformen

Besant und Leadbeater unterscheiden drei Klassen von Gedankenformen. Die erste Klasse nimmt die Gestalt des denkenden Menschen an, etwa wenn dieser sich gedanklich an einen anderen Ort versetzt, wo seine Gedankenform von Hellsehern bemerkt werden kann. Die zweite Klasse bildet konkrete Vorstellungen nach, beispielsweise Personen oder Landschaften. Erst die dritte Klasse kann in eigenständige, abstrakte Formen übersetzt werden. Sie bringt Gefühle wie Liebe, Andacht oder Zorn sowie Gemütsbewegungen bei außergewöhnlichen Ereignissen wie einem Schiffbruch oder einer Theaterpremiere zum Ausdruck. Gerade diese dritte Klasse gilt als bildlich darstellbar, da die beiden ersten Klassen lediglich wie gewöhnliche Porträts oder Landschaften erscheinen würden. Lassen wir einfach mal so stehen.

Besant übertrug dieses Modell sogar auf die Musik. Nach ihrer Auffassung besitzt jedes Musikstück eine eigene Gedankenform. Wie diese im Einzelnen ausgesehen haben soll, lässt sich heute allerdings kaum noch nachvollziehen.

Musik in der Kunst von Wassily Kandinsky

Dass Musik für Kandinsky eine zentrale Rolle spielte, zeigt sich auch unabhängig von der Theosophie. Er stand im Austausch mit Arnold Schönberg, einem Musiker, und lebte in einer Zeit, in der die Vorstellung einer „musikalischen Malerei“ sich immer weiter verbreitete.

Die Namensgebungen vieler seiner abstrakten Werke, also Improvisationen und Kompositionen sind auf die Verbindung von Malerei und Musik zurückzuführen. Werke wie Improvisation 2 (1909), gehen sogar noch konkreter auf einzelne Musikwerke ein, in diesem bestimmten Fall etwa Chopins Trauermarsch.

Studie zu Improvisation Nr. 2 (Trauer-marsch), 1909. Quelle: Lenbachhaus München

Das ist de Anhaltspunkt für Kandinskys angebliche Synästhesie

Um nun auf den Anfang zurückzukommen: Immer wieder wird in diesem Zusammenhang behauptet, Kandinsky sei Synästhetiker gewesen. Tatsächlich hat er selbst dies jedoch nie von sich behauptet, obwohl er sich dieses Phänomens bewusst war. Zumal es zu seiner Zeit auch en Vogue war, solche Phänomene bei sich selbst zu beobachten.

Die Annahme des Farbenhörens bei Kandinsky stützt sich vor allem auf seine Schilderung einer Aufführung von Wagners Lohengrin, bei der sich Farben vor sein inneres Auge geschoben hätten, wie er selbst beschrieb. Dieses Erlebnis gilt häufig als wichtigster Beleg für eine synästhetische Wahrnehmung. Wo Andrea Gottdang Gott sei dang höhö wiederum den Finger reinlegt und sagt: nein. Das ist viel zu, achtung, abstrakt. Ne, hat sie natürlich nicht so gesagt, aber auch gezeigt, dass es nicht als das Schlüsselereignis angesehen werden kann, warum Kandinsky erstens in die Kunst ging, obwohl er eigentlich Anwalt war, und zweitens später dann abstrakte Kunst machte und somit eine völlig neue Art schuf, Kunst zu machen, die, wenn wir uns den heutigen Kunstmarkt ansehen, dominierend auftritt.

Wassily Kandinsky - Die Welt hinter den Dingen (russischer Maler, abstrakte Kunst, 1866-1944)
Tolle Reportage! Aber auch hier wird Kandinskys Synästhesie als unanfechtbares Faktum aufgeführt.

Unbefriedigendes Fazit: War Wassily Kandinsky nun Synästhetiker?

Um es auf den Punkt zu bringen: Ob Kandinsky tatsächlich Synästhetiker war, sollte durchaus kritisch betrachtet werden. Und das ist der wahrscheinlich wichtigste Impuls, den Gottdang ihrem Leser mitgibt: nicht einfach das hinzunehmen, was jahrzehntelang von Quelle zu Quelle abgeschrieben wird. Denn viele dieser Ansätze scheitern an ihrer fehlenden Objektivierbarkeit. Das bloße Verwenden farbmusikalischer Metaphern reicht dafür nicht aus, um Kandinsky nachträglich irgend eine Art von Diagnose zuzuschreiben. Ebenso seriös wäre es, mit unseren heutigen Kenntnissen von der sehr ungenauen Wissenschaft Psychologie, Kandinksy nachträglich ins autistische Spektrum einzuordnen, wenn es auch darauf den einen oder anderen Hinweis gibt.

Und gerade diese kritische Einordnung macht deutlich, dass zwischen Kandinskys theoretischen Überlegungen, möglichen theosophischen Einflüssen und seiner tatsächlichen Malerei sorgfältig unterschieden werden muss. Zumal auch die große Vielfalt an Einflüssen auf Kandinskys Kunst beachtet werden sollte. Lebensumstände, wie etwa mehrere Fluchten wegen politischer Umstände in Russland und Deutschland, Kandinskys grenzenlose Offenheit gegenüber interdisziplinären avantgardistischen Strömungen, seine Spiritualität, sowohl im esoterischen als auch religiösem Sinne, natürlich die Musik, Kunst und Philosophie all das sind unter anderem Bausteine, die Kandinskys Geist befeuerten, sodass er seine Kunst schuf. Und: er war ständig auf der Suche nach diesen Eindrücken.

Heiliger Wladimir​ (1911)
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Joerg Eyfferth: Ein Realist der Extraklasse

Faszination Glas und Metall: In der Galerie Supper in Baden-Baden wird derzeit ein außergewöhnlicher Künstler des Realismus ausgestellt: Joerg Eyfferth. Bis zum 12. Juli 2026 könnt ihr dort seine Werke sehen. Bis zum 12. September ist dies nur noch nach Terminvereinbarung möglich.

Was steckt hinter seinen Gemälden? Bei seiner Vernissage verriet er es mir.

So entwicktelte sich Joerg Eyfferths Kunst

Kaum ein anderer Künstler kann Glas und Metall so lebendig und hyperrealistisch wiedergeben wie Eyfferth. Alles begann mit einer Schale. Im Kurzfilm unten zeigt er sie sogar. Zunächst wollte er ihre Oberfläche erkunden. Später kamen Transparenz und Farbigkeit hinzu. Einen festen Plan habe es dabei nie gegeben, sagt er. Seine Ideen entstehen nicht nach Konzept. „Ich sehe etwas, bin begeistert und muss es machen.“ Entscheidend sei, dass ihn ein Motiv wirklich packe. Er müsse dafür brennen, „richtig Bock drauf haben“. Erst wenn es ihm „in den Fingern juckt“, beginnt der Schaffensprozess.

Mit der Zeit richtet sich sein Blick immer stärker auf winzige Details. In Metallschalen entdeckt er Spiegelungen, die er hin und wieder ins Sujet einbaut. Äpfel und Kirschen betrachtet er so genau, dass ihm selbst die feinsten Sprenkel unter ihrer Oberfläche auffallen. Diese Beobachtungen werden zu einem sehr wichtigen Punkt seiner Arbeiten.

Joerg Eyfferth 2009
Ein Film mit und über Joerg Eyfferth aus dem Jahr 2009, der sehr gut das Wesen und die Arbeitsweise wiedergibt.

Kunst und Politik

Was mich immer wieder interessiert, ist, was Künstler über die Aussage meines Professors der Kunstgeschichte „Jede Kunst ist politisch, auch wenn sie unpolitisch ist“ denken. Es beschäftigt mich, weil ich einerseits weiß, dass der Mann wohl gute Gründe hat, um so etwas zu äußern, andererseits bin ich als Journalistin sehr vorsichtig mit solch absolutistischen Feststellungen, die zudem auch der Politik eine Macht zuschreiben, die sie gar nicht haben sollte.

Joerg Eyfferths Position finde ich dabei sehr kraftvoll: „Politische Kunst ist eine individuelle Lebenseinstellung. Die Kunst muss nicht politisch sein. Die Kunst muss gar nichts“, sagt er mir. Eine Botschaft wolle er nicht transportieren. „Politik hat keinen Platz in meiner Kunst.“

Das innere Bedürfnis

Malen ist für Eyfferth ohnehin keine Frage der Umstände. „Ich würde auch auf einer einsamen Insel malen“, sagt er; er muss das einfach machen, anders geht es gar nicht. Während des Malens denke er an nichts. Vielmehr stehe der Prozess selbst im Mittelpunkt. Darüber hinaus tragen die heutigen Bilder bewusst keine Titel. Sie sind durchnummeriert, was einen Interpretationsraum durchaus klein hält.

Mit dieser Technik arbeitet Joerg Eyfferth

Ölfarben waren nicht von Anfang an sein Medium. Im Laufe der Zeit experimentierte Jörg Eyfferth mit Beschleunigern und Verzögerern, mittlerweile arbeitet er am liebsten mit Leinöl. Seine Bilder entstehen in mehreren Schichten – etwa sieben sind es, die er in feinen Lasuren übereinanderlegt.

Auch die Rahmung gehört für ihn zum Werk. Zwischen Bild und Rahmen bleibt immer ein schmaler Spalt. Wichtig sei ihm, dass das Werk von der Wand getrennt ist und zugleich für sich selbst steht. Die Rahmen sind schlicht und elegant, meistens grau. Mittlerweile macht Eyfferth sie selbst.

Werke und Motive

Auf mehreren Gemälden sind Flaschenhälse zu sehen. Die hat der Künstler wie Porträts aufgebaut: Kopf, Hals, Körper. So wirken die Glasflaschen beinahe personifiziert. Aber das wäre wieder zu interpretativ formuliert. Vielmehr ist es wahrscheinlich wieder der Respekt des Künstlers dem Material Glas gegenüber. Stillleben mit Gläsern und Tüchern hatte er in einer Schaffensphase auch vermehrt gemalt, doch hatte sich irgendwann an ihnen sattgesehen.

Für eines der Bilder, das derzeit in der Galerie Supper ausgestellt wird, hat Joerg Eyfferth 28 Jahre gebraucht. „Es kam immer wieder was dazwischen. Das eine Bild, das andere“, erklärt er mir schmunzelnd. Er arbeitet immer parallel an mehreren Bildern.

Künstlerische Entwicklung und Vita

Sein Talent entdeckt er früh. „Ich war schon immer der in der Schule, der zur Tafel geholt wurde, wenn etwas gemalt werden musste“, erinnert er sich. Er hielt an seiner Gabe fest, arbeitete im jugendlichen Alter viel mit Pop-Art. Die erste Ausstellungsbeteiligung folgte mit 17 Jahren. Später war er mehrere Jahre vorübergehend in der Musik unterwegs, lebte sozusagen einen Rock’N’Roll Lifestyle, wie es sich gehört. Hier findet ihr konkrete Eckdaten zu Vita, Engagement und Preisen.

Das sagt Galerist Dirk Supper

„Die Schau in der Galerie entstand relativ kurzfristig. Wir sahen die Ausstellung ‚Wettstreit mit der Wirklichkeit 60 Jahre Fotorealismus‚ und dachten uns, dass unbedingt auch ein deutscher Realist in Baden-Baden repräsentiert werden muss.“


Weitere Infos zum Künstler findet ihr hier.

Zur Website der Galerie Supper geht’s hier.

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Hans Baldung in der Kunsthalle Baden-Baden

In der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden läuft derzeit die Sonderausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“. Wie der Name bereits verrät, steht dort alles im Sinne der Blumen. Ich habe sie mir genauer angesehen. Lohnt sich der Besuch? Ich finde: ja.

Hans Baldung Grien in Baden-Baden

Dort gibt es mehrere Highlights: etwa eine Duftschau im gleichen Raum, in dem Hans Baldung ausgestellt wird. Hans Baldung, Leute. In Baden-Baden. Ein Traum wird für mich wahr! Ausgestellt wird kein einfaches Werk, sondern eine Glasmalerei.

Das sogenannte Dorothea-Fenster entstand 1513 für den Kreuzgang des neu erbauten Kartäuserklosters am Johannisberg in Freiburg. Es gehört zu einer Serie monumentaler Glasmalereien, die für ihre Entstehungszeit ungewöhnlich großformatig waren und nahezu lebensgroße Figuren zeigen. Entworfen wurde das Fenster von Hans Baldung Grien (1484/1485–1545), der dabei mit dem Glasmaler Hans Gitschmann zusammenarbeitete und möglicherweise auch selbst an der Ausführung beteiligt war. Dargestellt ist neben der Heiligen Dorothea auch der Stifter Franz Wolfgang Graf von Zollern mit seinem Wappen.

Die Legende der heiligen Dorothea

Die Darstellung greift eine christliche Heiligenlegende auf. Während der Christenverfolgung im Römischen Reich weigerte sich Dorothea, einen heidnischen Mann zu heiraten, da sie ihr Leben bereits Christus geweiht hatte. Sie wurde deshalb zum Tode verurteilt. Auf dem Weg zur Hinrichtung verspottete sie ihr Ankläger und forderte sie auf, ihm Früchte aus dem Garten ihres himmlischen Bräutigams zu schicken. Der Legende nach erschien daraufhin durch göttliches Eingreifen ein Knabe mit einem Blumenkranz und einem Korb voller Blüten, aus denen ein himmlischer Duft strömte. Das Wunder bewegte den Ankläger zur Bekehrung zum Christentum, worauf auch er hingerichtet wurde.

Diese Erzählung bildet den Ausgangspunkt für die Geruchsinstallation der norwegischen Künstlerin Sissel Tolaas. Sie gilt als Spezialistin für Gerüche, sammelt Duftmoleküle und verfügt über ein Archiv von rund 10.000 Gerüchen, die sie synthetisch reproduziert und zu neuen Kompositionen verbindet. Für die Ausstellung setzte sie sich mit der Dorothea-Legende sowie mit der Geschichte und den Herkunftsorten der historischen Glasfenster auseinander. Inspiriert vom wundersamen Blumenduft der Legende entwickelte sie eine Duftinstallation, die die jahrhundertealte Erzählung auf sinnliche Weise erfahrbar macht.

Aus diesen Boxen kamen die Duftmoleküle raus, wahrscheinlich mithilfe einer Zeitschaltuhr. Sehr spezifisch und cool, bin aber sowieso der größte Fan von Duftausstellungen.

Kunsthalle Baden-Baden: Ein Film über Blumen

Zudem gibt es noch einen Raum mit Videokunst von Jonas Mekas. Requiem heißt der Film und ist aus dem Jahr 2019. Eine 84 Minuten lange Videoaufnahme, die stellenweise etwas amateurhaft wirkt. Der Künstler nimmt Blumen auf während die Kameraführung teils verwackelt, teils dynamisch ist. Wie ich unschwer heraushören konnte, HASSTEN es zwei ältere Menschen, die neben mir im Raum saßen. Ich fands geil. Es erinnerte mich sofort an meine eigenen Blumenvideos auf TikTok und YouTube.

Das steht auf dem Ausstellungsschildchen zum Film: Über mehr als 30 Jahre hinweg filmte Jonas Mekas immer wieder Blumen und blühende Bäume in Städten und auf Wiesen mit seiner Sony-Videokamera oder einer Nikon-Kompaktkamera. Pflanzen und Blüten tauchen in seinen tagebuchartig erzählenden Filmen bestehend aus Alltagsszenen mit Freunden und Familie wiederholt auf. Im Film Requiem, seiner letzten Arbeit, überwiegen die Bilder der Blumen. Giuseppe Verdis Requiem ist eine Vertonung der Totenmesse, komponiert anlässlich des Todes des italienischen Dichters Alessandro Manzoni. An einigen Stellen lässt Mekas Verdis Musik mit Umgebungsgeräuschen seiner Filmaufnahmen überlagern.

So wirkte Jonas Mekas‘ Werk auf mich

Was mir sonst noch auffiel: Der Künstler baute im weiteren Verlauf des Videos Sequenzen von leidenden Menschen ein. Elend, Armut, Hunger und Krieg zeigten die Bilder. Das Ganze dramatisch von dieser Opernmusik begleitet, die eine sehr absichtsvolle Wechselwirkung mit der Kameraführung hat, wie ich finde. Mir zeigte der Film, wie die Schönheit der Blumen mit den hässlichen Taten des Menschen koexistiert. Auf ein und demselben Planeten. Und wie unabhängig vom Weltgeschehen Blumen gedeihen. Sein Video zeig ich euch an dieser Stelle nicht, dass müsst ihr euch schon selbst anschauen.

Ich war ganz aufgewühlt danach. Zudem erkannte ich, dass meine Blumenvideos erstens ausgebaut werden können und zweitens, dass die Zusammenstellung solcher Videos gewissermaßen ebenfalls einen künstlerischen Prozess durchläuft. Dadurch, dass ich sowas in der Art selbst mache, konnte ich die Vision des Künstlers deutlich spüren. Und ich habe mich natürlich auch gleich zu einem neuen Video inspiriert gefühlt:

#flowers #blumen #nature #positivevibes #summer #bloom

Und das ist etwas, was mir immer wieder begegnet: Wenn man Kunst macht, egal, ob man es gut kann oder nicht – völlig egal –, kann man viele Prozesse viel besser verstehen und sieht auch in der Kunst großer Schaffender mehr, als viele andere. Man versteht sie aus einer ganz neuen Perspektive oder entwickelt neue Gedanken.

Im gleichen Raum wie der Film hing eine florentinische Pietra Dura mit Verkündigungsbildern. Dadurch empfand ich die Ausstellung als sehr breit aufgestellt, quer durch die Epochen und Disziplinen der Kunst. Und alles hat mit Blumen zu tun. Obwohl die Ausstellungsräume der Kunsthalle doch sehr klein sind und eigentlich binnen fünf Minuten durchgesehen werden können.

Giovanni Battista Foggini, Einlegearbeit aus verschiedenen Halbedelsteinen in einem vergoldeten Holzrahmen, Florenz, 1720.

Fazit zur Ausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“

Die Schau hat mich sehr beschäftigt und mir auch ästhetisch zugesprochen. Ich bin glücklich darüber, dass dank des Umbaus im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe auch mehr Bewegung in die Baden-Badener Kunstszene kommt. Würde auch ein zweites Mal hingehen.

Die Ausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden läuft bis zum 10. Januar 2027.


Quelle: Historische Fakten den Ausstellungsschildern entnommen.

Hier gehts zu den Ticketpreisen der Kunsthalle Baden-Baden

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Bianca Censori in Vanessa Beecrofts Highend-Peepshow

Ein Werk auf der Basel Art 2026, das mich auch Tage nach Messeschluss nicht loslässt. Die Installation trägt gleichzeitig keinen Titel und dennoch einen. Auf dem Ausstellungsschild stand: Untitled (Izanami). Das Werk stammt von der italienisch-amerikanischen Performancekünstlerin Vanessa Beecroft. Im Zentrum steht ein Film, in dem Bianca Censori die japanische Unterweltgöttin Izanami verkörpert. Die Arbeit wurde im Bereich der Unlimited-Halle präsentiert. Um sie zu sehen, stand ich etwa 25 Minuten Schlange. Hat es sich gelohnt? Ich nehme es vorweg: ja.

Werkbeschreibung Untitled (Izanami) von Vanessa Beecroft

Ich kam mitten im Film in den dunklen Raum. Das erste, was ich sah, war Bianca Censori auf dem Boden liegend. Ihr Po streckte sich dem Betrachter entgegen und war in hellblaues, wie Nylon wirkendes Material gehüllt. Im Hintergrund gingen Frauen, aneinandergereiht, von links nach rechts in kleinen Schritten. Die Gesichter waren nicht zu sehen, da in weißen Leintüchern gehüllt. Man sah nur die weißen Absatzschuhe und die zierlichen Beine. Die Szenen wechselten.

Die Architektur wirkte im gesamten Film wie ein verlassenes Hotel, vielleicht im Artdeco-Stil. Mal rekelte sich Bianca Censori auf einem der Hotelbetten, mal kroch sie langsam und auf allen Vieren durch die Gänge. Die Frauen mit asiatischem Aussehen begleiteten sie fast wie Schatten. Es gab Szenen auf dem Krankenhausbett, in denen die Protagonistin apathisch in die Leere Blickte. Dann weinte sie in die Kamera, was auf mich am stärksten wirkte, weil Bianca Censori die Emotion der Trauer meiner subjektiven Meinung nach am besten verkörperte. Ich fing irgendwann auch an zu weinen, weil es mich so durchdrang.

Künstlerin Vanessa Beecroft nimmt Bianca Censori in die Hauptrolle

Erotik zieht sich durch den gesamten Film

In den meisten Szenen war sie sehr erotisch aufgeladen. Ihre Bewegungen, ihre Kleidung, oder die vollkommene Abwesenheit dieser waren sehr wirkungsvoll. Nicht nur für den männlichen Betrachter, obwohl es vor allem die Männer im Zuschauerraum waren, die während der Nacktszenen sofort die Handykameras zückten. Das ließ die einzelnen Herren ein wenig erbärmlich wirken und ich habe Grund zur Annahme, dass dies von der Künstlerin gezielt inszeniert war.

Der gesamte Film war mit schöner japanischer Musik unterlegt, die von Szene zu Szene changierte. Meistens waren alle Frauen recht emotionslos. Dadurch wirkte die Sequenz, in der Bianca in die Kamera weint besonders markant. Ich meine, es war die einzige direkte Emotion, wie während des Films zu Stande kam. Die Wirkung entfaltete sich besonders, da der Blick direkt nach außen zum Betrachter kommunizierte.

Es wurde viel mit weißen Perücken (und mindestens einer roten) gearbeitet. Mal probierte sie die Protagonistin sie am Boden sitzend an, mal trugen alle Figuren die gleichen Haarteile. Ich starrte selbst lange apathisch in die Leere, als ich den Raum mit der Installation verließ. Mein erster Eindruck: Ein Wechselspiel zwischen Psychose und Highend-Peepshow, um es maximal plakativ auszudrücken. Zudem wirkte es auf mich recht Kanye-Coded. Doch dahinter steckt mehr.

Bianca Censori wird zum Kunstobjekt auf der Art Basel 2026. Mehr dazu auf avecMadlen.com #art #basel

Werkbeschreibung auf der Art Basel 2026

Der Google Lens KI-Modus hat sie hier für euch mal übersetzt:

Vanessa Beecroft Untitled (Izanami) 2025
Installation bestehend aus einem im Januar 2025 gedrehten Film, Ton, fünf Gipsplastiken, Krankenhausbett, Stuhl und Lampe; Filmdauer 32’32“.

„Untitled (Izanami)“ ist ein Film von Vanessa Beecroft mit Bianca Censori als Izanami und wird als Installation präsentiert, bei der ein Set aus dem Film Teil des Werks wird. Die Installation erweitert den Film in den physischen Raum mit fünf weißen Gipsplastiken – Liegender Körper, Taillenfragment, Beinfragment, Liegendes Torsofragment und Stehendes Torsofragment – neben einem Krankenhausbett, einem Stuhl und einer Lampe.

Der Film ist inspiriert von Persephones Abstieg in den Hades und neu angesiedelt in einem großen, halb verlassenen Hotel in der Nähe von Tokio. Angesiedelt in Japan und doch den griechischen Mythos aufgreifend, entfaltet sich der Film durch Ritual, Gefangenschaft und Transformation und deutet eine letzte Passage und Identifikation durch Dunkelheit an.

Vanessa Beecroft (geboren 1969 in Genua) ist eine Künstlerin, die in den Bereichen Performance, Skulptur, Fotografie, Film und Installation arbeitet, immer eingebettet in soziopolitische Kritik. Seit den 1990er Jahren stellt sie Frauen in inszenierten Tableaux Vivants und verschiedenen Medien dar. Beecroft lebt und arbeitet in Los Angeles.

Der Text ist wohl von Lia Rumma. Diese wird ebenfalls auf dem Ausstellungsschild erwähnt. So auch ihre Seite liarumma.com

Wir sehen: im Titel steht die japanische Mythologie im Vordergrund. Im weiteren Verlauf des Textes taucht aber auch die griechische auf. Eine solche Kombination ist mir persönlich noch nie untergekommen, was das Ganze durchaus komplex und spannend macht.

Izanami in der japanischen Mythologie

Izanami und Izanagi gelten als die zentralen Schöpfergottheiten der japanischen Mythologie. Der Überlieferung zufolge erschienen sie, nachdem sich Himmel und Erde aus einem ursprünglichen Chaos heraus gebildet hatten. Als göttliches Geschwisterpaar erhielten sie die Aufgabe, die noch formlose Welt zu gestalten. Von einer schwebenden Himmelsbrücke aus tauchten sie einen mit Juwelen geschmückten Speer in den Ur-Ozean. Die herabfallenden Tropfen verdichteten sich zur ersten Landmasse und markierten den Beginn der Schöpfung.

Je nach Quelle wird es unterschiedlich dargelegt, jedoch gebärt Izanami wohl missgebildete Kinder. Später bringt sie den Feuergott Kagutsuchi no Kami (oder Homusubi) zur Welt und erleidet bei der Geburt tödliche Verbrennungen. Sie kommt nach Yomi, das Land der Dunkelheit. Dort verfault ihr Körper und wird mit Maden besetzt. Als ihr Bruder sie so vorfindet, versperrt er die Welt zur Unterwelt mit einem Felsen.

Japanische Mythologie: Das Wesentliche -  Amaterasu, Susanoo, Tsukuyomi, Izanagi und Izanami
Kein Witz, das ist mit abstand das seriöseste, was ich auf YouTube zu dem Thema gefunden habe.

Persephone in der griechischen Mythologie

Persephone ist eine Göttin der Toten, der Unterwelt und der Fruchtbarkeit. Sie ist Tochter von Zeus und seiner Schwester Demeter und trägt zu Beginn ihres Lebens den Namen Kore oder Kora. Ihr eigener Vater verliebte sich in sie. In der Gestalt einer Schlange kroch er in sie und befruchtete sie. Sie gebar Zagreus, der Zeus‘ Nachfolger werden sollte.

Hades, Gott der Unterwelt und Bruder von Zeus, verliebte sich ebenfalls in Kore. Er bat Zeus um sie als Frau, doch erhielt keine Antwort. Also entführte er seine Nichte in die Unterwelt, wo sie den Namen Persephone annahm.

Demeter suchte verzweifelt nach ihrer Tochter. In ihrem Frust hinderte sie alle Pflanzen am Wachstum. Die ganze Welt drohte, am Hunger zugrunde zu gehen. Schließlich einigten sich die Götter darauf, dass Persephone nur einen Teil des Jahres in der Unterwelt weilen sollte. Wenn Kore als Persephone in der Unterwelt regiert, kommt es daher zum Winter. Und zum Sommer, wenn Kore bei ihrer Mutter lebt. Somit ist es eine allegorische Darstellung des Zyklus der Jahreszeiten.

Persephone - Liebe und Leben im Totenreich - griechische Mythen und Legenden | Animation
Same here.

Ok, was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Je mehr ich recherchiere, desto weniger verstehe ich. Was ich erkenne, sind die Parallelen zwischen den beiden Mythologien: Schöpfungsmythos, Gottheiten, Inzest, Frauen in der Unterwelt. Den Vibe der Gefangenschaft in der Unterwelt und der weiblichen Gottheiten erkenne ich in Vanessa Beecroft „Untitled (Izanami)“ klar wieder. Vielleicht ist auch Biancas Mantel in einer der Sequenzen ein Hinweis darauf, dass sie gerade von der Unterwelt (Winter) in die richtige Welt emporsteigt. Zumal sie dabei auch die Treppe nimmt (siehe Clip, der hoffentlich wegen der Nacktdarstellungen nicht gleich blockiert wird).

Was ich noch sehe, ist die Verführungsmacht der Frauen. Die mit ihrer Schönheit sogar Zeus zu inzestuösen Handlungen verleiten könnten.

Die Künstlerin sich hat sich von den Mythologien inspirieren lassen. Und sie nicht exakt wiedergegeben. Weshalb wir nach einer Konkretheit wahrscheinlich lange suchen können.

Bianca Censori und das Schönheitsideal

Anfangs dachte ich, Bianca erzählt auch ein Stück ihrer eigenen Geschichte. Ihren Schmerz vielleicht. Die Art, wie sie sich zum hoch ästhetischen Erotikobjekt formen lässt und den Prozess dabei selbst mitgestaltet.

Natürlich geht es dabei auch um das gegenwärtige Körperideal der Frau, das Bianca Censori erfüllt und wahrscheinlich auch prägt. Und alle, die sich gerade fragen, was ein Promi in der Welt der Kunst zu suchen hat ich denke, es war nie anders. Sich in der Kunst zu verewigen war das Privileg der Reichen und Schönen und ist es noch heute.

Wir erinnern uns wohl alle an diese Performance bei den Grammy Awards in Los Angeles. Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Die Künstlerin Vanessa Beecroft

Es kommt aber noch eine wichtige Komponente hinzu: Die Künstlerin selbst. Sie schafft neben der Fusion aus japanischer und griechischer Mythologie auch Motive von Identitätsverlust, Vervielfältigung und medialer Inszenierung.

Ein zentraler Punkt ihres Werks ist, dass sie die gesellschaftliche Reaktion auf den weiblichen Körper sichtbar machen will. Dabei soll sie sich weniger für die Nacktheit selbst als die Verlegenheit, Scham und Projektionen, die Nacktheit beim Publikum auslöst, interessieren. Dadurch macht sie die Reaktion des Publikums angeblich zum eigentlichen Material ihrer Kunst. Also auch das, was ich hier gerade mache ist lediglich eine Erweiterung ihres Werks, die sie wahrscheinlich vorhergesehen hat. Die nackten Frauen sind damit zwar Motiv, aber auch der Auslöser, der gesellschaftliche Mechanismen offenlegt.

Einerseits reproduzieren Beecrofts Arbeiten die Tradition des weiblichen Aktes. Andererseits legen sie wohl den voyeuristischen Blick des Publikums offen. Die Besucher werden gezwungen, sich zu fragen, warum sie hinschauen und was sie dabei empfinden. Meine Antwort darauf: Weil Bianca Censori so schön und irgendwie auch, durch gewisse Schlagzeilen wiederum, so polarisierend ist, dass ich persönlich total neugierig auf sie bin. Schon während ich in der Schlange zu Beecrofts Installation stand, war ich voyaristisch aufgeladen, zumal ich nicht mal den Kontext erahnen konnte, in dem mir Bianca gleich begegnen würde. Was ich dabei empfunden habe, als ich den Kontext dann vorgeführt bekam? Wahrscheinlich Begeisterung, aber auch Verwirrung, da ich sofort versuchte zu analysieren, es aber nicht verstand. Die Frauenkörper genoss ich visuell jedoch sehr. Die Outfits ebenfalls. Das alles entsprach meinen ästhetischen Vorstellungen und wahrscheinlich auch den ästhetischen Vorstellungen der Gesellschaft, in der wir heute leben.

Nach dieser Recherche kann ich sagen, dass der Film vielleicht gar nicht Kanye-coded ist, sondern Kanyes Kunst hin und wieder Beecroft-Coded sein könnte, da die Künstlerin wohl auch ihren Einfluss auf ihn übt. Würde ich mir „Untitled (Izanami)“ wieder reinziehen wollen? Jederzeit wieder. Habe ich den konzeptionellen Teil dieser Installation verstanden? Wohl kaum. Bitte teilt mir mir eure Eindrücke.

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Kultur

Feine Gesellschaft & Kultur: Events am Wochenende

Jedes Wochenende frage ich mich aufs Neue: Was geht in Baden-Baden und Karlsruhe? Daher kommt hier für euch (und auch ein bisschen für mich) dieses neue Format, in dem ich euch die besten Veranstaltungen heraussuche, auf denen ihr euch intellektuell bereichern lassen, interessante Menschen kennenlernen und euch einfach mal inspirieren lassen könnt. Vielleicht sehen wir uns ja auf einer dieser Veranstaltungen am Wochenende vom 26. bis 28. Juni:

Freitag, den 26. Juni 2026

Ein echter Geheimtipp: Die Neue Fledermaus in Karlsruhe. Eine Lesung aus dem Kriminalroman „Das Geheimnis der hohen Eich“ von Rahsan Dogan. Musikalische Begleitung von Dunja Hofheinz. Start um 19 Uhr. Adresse: Am Künstlerhaus 20, 76131 Karlsruhe.

Die Neue Fledermaus Karlsruhe, Veranstaltung. Lesung, Kulturveranstaltung am Wochenende

Veranstaltungen am Samstag, den 27. Juni 2026

Theater Baden-Baden: Die Ballettschule unter der Leitung von Stefan Hammel lädt zu einer festlichen Gala ein: Tänzerinnen und Tänzer aller Altersstufen zeigen ihre Eleganz und Leidenschaft auf der Theaterbühne. 17 bis 19.20 Uhr. Tickets: 39€, ermäßigt 19,50€. Adresse: Goetheplatz 1, 76530 Baden-Baden

und

Galerie Supper in Baden-Baden: Vernissage mit Joerg Eyfferth: „Auf der Suche nach der Wirklichkeit“. 30 Jahre Malerei. 18 bis 20.30 Uhr. Adresse: Kreuzstraße 3, 76530 Baden-Baden.

Joerg Eyfferth in der Galerie Supper. Copyright liegt bei der Galerie Supper Baden-Baden.

oder

Festspielhaus Baden-Baden: Kammermusik mit „Yannick & Friends“. Der prominente der Met-Chefdirigent und Kurator der Sommerfestspiele Yannick Nézet-Séguin präsentiert an diesem Abend Kammermusik in wechselnden Besetzungen. Start um 18 Uhr. Tickets ab 45€. Adresse: Beim Alten Bahnhof 2 76530 Baden-Baden.

Mahler - Symphonie Nr. 1 | Yannick Nézet-Séguin | BRSO
Da die Pressemappe des Festspielhauses zum Heulen unübersichtlich ist und ich kein aktuelles Bild von Yannick Nézet-Séguin bekomme, hier ein Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks von vor etwa 7 Jahren. Zwar kein Kammerkonzert, aber sehr schöne Ausführung. Nézet-Séguin am Dirigentenpult.

Event am Sonntag, den 28. Juni 2026

Theater Baden-Baden: Erneut das Gala-Balett der Baden-Badener Ballettschule. 17 bis 19.20 Uhr. Tickets: 39€, ermäßigt 19,50€. Adresse: Goetheplatz 1 · 76530 Baden-Baden.

Durchgehend am Wochenende (vom 26. – 28. Juni)

Außerdem bietet es sich über das gesamte Wochenende an, in Baden-Baden folgende Ausstellungen zu besuchen:

Frieder Burda: Wettstreit mit der Wirklichkeit, 60 Jahre Fotorealismus. Absolut sehenswert. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Tickets kosten 16€ p.P., ermäßigt: 12€. Hier geht’s zu allen weiteren Ticketpreisen / Kombitickets. Adresse: Lichtentaler Allee 8B, 76530 Baden-Baden.

Fotorealismus im Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Alexandra Averbach, Aurora, 2025, Öl auf Leinwand, 122 x 97 cm, Plus One Gallery, London © Alexandra Averbach, courtesy Plus One Gallery, London, 2026, Foto: Plus One Gallery, London

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden: Bloom Up! Die Sprache der Blumen. Eintrittspreis regulär 10€, ermäßigt 7€. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 18 Uhr. Alle weiteren Infos unter kunsthalle-baden-baden.de. Adresse: Lichtentaler Allee 8A, 76530 Baden-Baden.


Titelbild von Tanya Prodaan auf Unsplash

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Kunst

Daddies & Baddies: So war der letzte Tag auf der Art Basel 2026

Sonntag, letzter Messetag. Schon die ersten Minuten auf der Art Basel 2026 sind die reinste Reizüberflutung und ich liebe alles daran. Kaum betrete ich die Halle 1, hängen dort Kandinsky, Jawlensky, Chagall und Miró. Der Tag ist damit eigentlich schon gewonnen. Das nächste, was mir auffällt: Die Messe wiederholt sich nicht. Wer die Art Basel 2024 besucht hat, sucht vergeblich nach bekannten Mustern. Die diesjährige Ausgabe wirkt völlig anders. Neuer, wilder, intensiver und damit auch sich selbst treu.

Die Farblichkeit wirkt elektrisierend auf mich. Gelb begegnet mir immer wieder auf eine Weise, die ich noch nicht kenne. Viel Rot und Kornblumenblau fallen mir ins Auge. Leuchtende Farben dominieren die Gänge. Abstrakte Arbeiten sind allgegenwärtig. Großformate ziehen die Blicke auf sich, kleinere Werke behaupten sich durch ihre Wirkung. Fotorealismus bleibt dagegen eher eine Randerscheinung. Vermisst habe ich ihn trotzdem ein wenig. Zugegeben, ich achtete nur darauf, weil ich immer noch von der aktuell laufenden Ausstellung im Frieder Burda so geflasht bin.

Art Basel 2026: Gemälde dominieren den Markt

Auf der Basel Art liegt der Schwerpunkt dieses Jahr klar auf dem Gemälde, so wie wir es noch kennen. KI spielt erstaunlich wenig Rolle, wenn ich mich nicht irre. Hab jetzt, zugegeben, nicht jedes Schild gelesen, aber so wirkte es auf mich. Viele Künstler experimentieren mit Texturen und Hängungen. Neue Materialien stehen neben alten, die neu interpretiert werden. Skulpturen sind ebenfalls stark vertreten. Besonders häufig begegnen Bronze und mutmaßlich Aluminium. Also Metall. Die Gemälde lenken die Aufmerksamkeit jedoch immer wieder auf sich, vor allem durch ihre Farblichkeit und Komplexität. Immer wieder taucht der Frauenakt als Motiv auf. Landschaften hingegen sind erfreulich selten vertreten. Zum Glück. Landschaften machen mich krank (frag nicht haha).

Politische Kunst tritt vergleichsweise zurück. Mein Professor sagt zwar, jede Kunst sei politisch. Man kann allerdings auch behaupten, alles habe mit Sex zu tun. Alles habe mit Geld zu tun. Alles habe mit Gott zu tun. Die Basel Art hat mich persönlich mit solchen Grundsatzdebatten nur wenig konfrontiert. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Kunst selbst. Viele Werke besitzen Museumsqualität. Das überrascht allerdings kaum. Es ist schließlich die Art Basel.

Baddies & Daddies: Das hotte Publikum auf der Art Basel

Das Publikum bewegt sich zwischen Luxusmesse und Laufsteg. Viele Daddies und Baddies. Viele schöne Menschen, sexy, wohlhabend, elegant gekleidet. Ich wusste teilweise gar nicht, wo ich hinsehen sollte. Leinen ist überall zu sehen, ebenso kunstvoller Schmuck. Manche Outfits wirken gewagt, andere zeitlos. Russisch hört man an jeder Ecke.

Auffällig oft höre ich denselben Satz: „Das ist schön.“ Ich will das keinesfalls bewerten. Es ist reizend, wenn Menschen ihre Begeisterung offen zeigen. Ein bisschen einfallslos finde ich das aber schon und frage mich: ist das euer einziger Anspruch an Kunst? Oder bin ich gerade zu tief in meinem eigenen Film?

Die Basel Art 2026 war unfassbar! #baselart #kunstmesse #biancacensori #kunstblog #modernart

Weirde Scheisse habe ich diesmal vermisst

Die großen WTF-Momente fehlen. Früher war insbesondere die zweite Etage manchmal der „Darkroom“ der Art Basel. Der Ort für das Weirde, Verstörende, Unberechenbare. Diesmal suche ich danach vergeblich. Die Kunst ist experimentell, ideenreich und vielseitig. Doch sie will selten schockieren. Oder ich bin bereits abgestumpft. Zu den wenigen Ausnahmen gehört eine Installation in der Unlimited-Halle mit Bianca Censori in der Hauptrolle. Die Besucher stehen Schlange, um in den entsprechenden Raum zu gelangen. In dem Film begleitet man sie durch eine geheimnisvolle japanische Welt der Erotik.

Vanessa Beecroft, Untitled (Izanami), 2025; Featuring Bianca Censori

Eine Nebenhandlung bleibt mir besonders im Gedächtnis: Eine Mutter besucht die Installation gemeinsam mit ihrem vielleicht drei- oder vierjährigen Sohn. Ich persönlich fand das ein bisschen schwierig, das Kind mit dieser Highend-Peepshow zu konfrontieren. Das ist so das Merkwürdigste, was ich an dem Tag beobachte. Andererseits würde ich an ihrer Stelle auch nicht auf Biancas Performance verzichten wollen, weil ich ein Kind habe, wisst ihr?

Eine der schönsten Beobachtungen mache ich gleich daneben. Vor einem winzigen Mäuschen-Kunstwerk steht eine ganze Brigade von Besuchern. Die Mitarbeiterin, die das Werk beaufsichtigt, erzählt von ihren Erfahrungen. Der Künstler wolle die Menschen dazu auffordern, näher heranzutreten. Die meisten Erwachsenen bleiben jedoch auf Distanz. Kinder hingehen gehen intuitiv näher heran oder knien sich vor das Werk. Wenig später sitzen tatsächlich zwei Kinder auf den Knien vor dem Mäuschen und betrachten es neugierig aus nächster Nähe. Das war wirklich süß zu sehen, wie sie diese Kunst erleben.

Die Kunstmesse neigt sich dem Feierabend

Während die Besucher auch am letzten Tag noch voller Energie durch die Hallen ziehen, zeigt sich bei den Galeristen allmählich Erschöpfung. Manche sitzen ohne Schuhe auf dem Boden und blicken ins Leere. Andere stellen wenige Stunden vor Messeschluss bereits die Dom-Pérignon-Flasche bereit. Wieder andere rätseln darüber, wie sie die Kunstwerke von den Wänden bekommen sollen. An Abbau denkt trotzdem noch niemand ernsthaft. Die Besucher jedenfalls nicht. Gehen kommt auch um 18 Uhr für die meisten noch nicht in Frage.

Als ich die Messe verlasse, bleibt vor allem ein Eindruck zurück: herausragende Farblichkeit, grenzenloser Ideenreichtum, ein Spiegel gelebter Gegenwart. Und vielleicht noch etwas anderes: Dass die Kunstwelt nicht immer provozieren muss.

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Kunst

Nicolas Poussin: Ein französischer Künstler erobert Rom

Nicolas Poussin (1594 – 1665) gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des klassizistischen Barocks. Erste künstlerische Anregungen erhielt der Franzose durch Werke der Schule von Fontainebleau. In Paris lernte er den Dichter Giambattista Marino kennen, der sein Interesse an der griechischen und römischen Mythologie weckte – Themen, die sein späteres Werk prägen sollten.

Gemälde des französischen Künstlers Nicolas Poussin: Raub der Sabinerinnen
Raub der Sabinerinnen, entstanden zwischen 1637 und 1638. Quelle: Wikipedia

Nicolas Poussin sucht das Schönheitsideal in der Antike – und findet es

Wie auch viele andere Künstler seiner Zeit sah Poussin in der Kunst der Antike ein Ideal menschlicher Schönheit und Tugend. Um diese Vorbilder aus nächster Nähe studieren zu können, wollte er nach Rom. Der Weg dorthin war mühsam. Poussin stammte aus einer verarmten Familie aus der ländlichen Normandie und musste lange sparen, bevor er die Reise wagen konnte. Ein erster Versuch scheiterte am Geldmangel, erst 1624, im Alter von 30 Jahren, erreichte er die „Ewige Stadt„.

Der Anfang war schwer. Die großen Aufträge des Papstes und der römischen Adelsfamilien gingen meist an etablierte italienische Künstler wie etwa Guido Reni oder Carracci. Poussin konzentrierte sich daher auf kleinere Gemälde mit religiösen, mythologischen und historischen Themen, die bald das Interesse privater Sammler fanden.

Ohne Kontakte geht in Rom gar nichts

Entscheidend für seine Karriere waren einflussreiche Förderer. Über eine Empfehlung an den Papstneffen Francesco Barberini gelangte er in die Kreise der römischen Elite. Barberini stellte den Kontakt zum Bankier und Kunstsammler Vincenzo Giustiniani her, der Gemälde von Poussin erwarb und ihm Zugang zu seiner bedeutenden Antikensammlung gewährte. Noch wichtiger wurde Cassiano dal Pozzo, ein Gelehrter und hoher Beamter am päpstlichen Hof.

Poussin, der vermutlich eine Jesuitenschule besucht hatte und anders als viele seiner Kollegen Latein beherrschte, konnte bei dal Pozzo seine humanistische Bildung vertiefen. Dessen berühmtes „Papiermuseum“ umfasste Zeichnungen von rund 1.500 antiken Ruinen, Büsten und Medaillen. Für den jungen Künstler war diese Sammlung von unschätzbarem Wert: Durch das Kopieren verdiente er seinen Lebensunterhalt und studierte zugleich auch die Formenwelt der Antike. Zudem soll er in Rom intensiv die Werke Tizians und Raffaels untersucht haben.

Dal Pozzo entwickelte sich zu einem seiner wichtigsten Auftraggeber und erwarb im Laufe der Jahre rund 50 Gemälde.

Nicolas Poussin, der freiheitsliebende Künstler

Poussin galt als unabhängig und freiheitsliebend. Statt im Haushalt seiner wohlhabenden Mäzene zu leben, wohnte er mit Gleichgesinnten in einem Künstlerviertel Roms. Das internationale Milieu war lebhaft, aber nicht konfliktfrei. Der Biograf Giovanni Battista Passeri berichtet etwa von einer Auseinandersetzung mit bewaffneten Soldaten, bei der Poussin sich mit seiner Zeichenmappe verteidigte und nur knapp einer schweren Verletzung der rechten Hand entging. Danach kleidete er sich so, dass er nicht mehr sofort als Franzose erkannt wurde.

Poussins Rückkehr nach Paris

1640 kehrte Poussin auf Drängen König Ludwigs XIII. nach Paris zurück. Frankreich strebte nach einer führenden Rolle in Europa und nun sollte auch die Kunst diesem Status Ausdruck verleihen. Als „Maler des Königs“ war Poussin zwar privilegiert, musste jedoch Aufgaben übernehmen, die seinem Wesen widersprachen. Er entwarf Dekorationen für die Große Galerie des Louvre, plante Ausstattungen für Innenräume und hatte zahlreiche Mitarbeiter.

Lange hielt es der freiheitsliebende Poussin nicht aus. Er floh nach Rom, wo er wieder das Leben, führte, das er bevorzugte: bescheiden, ohne Dienerschaft und fern vom höfischen Glanz. Während Zeitgenossen wie Rembrandt, Velázquez oder Rubens gesellschaftlichen Aufstieg und Repräsentation suchten, orientierte sich Poussin an antiken Idealen wie Bescheidenheit, Disziplin und geistiger Konzentration.

Bis zu seinem Tod blieb er in Rom. Dennoch wurde er zum wichtigsten Maler Frankreichs seiner Zeit. Heute gilt Poussin nicht nur als bedeutender Maler der klassizistischen Linie, sondern auch zu den geistigen Vorläufern des Akademismus, jener Kunstrichtung, die die Orientierung an antiken Vorbildern zum Maßstab künstlerischer Qualität erhob.


Quellen:

Autoren: Hagen, Rose-Marie und Hagen, Rainer
Aufsatz: Nicolas Poussin „Der Raub der Sabinerinnen“ im Chaos steckt die Idee einer höheren Ordnung
Medium: Art – das Kunstmagazin (Ausgabe aus dem Jahr 1979)

Vervollständigt durch den Wikipedia-Beitrag zu Nicolas Poussin (Abrufdatum: 16.6.2026)

Bildquelle, Titelbild: Wikipedia

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Kunst

Polarisierend, roh, schauderaft: Russian Criminal Tattoo

Hast du dich schon mal gefragt, ob Tattoos Kunst sind? Während du dir möglicherweise eine Begründung für deine Antwort überlegst, erzähle ich dir von meinen persönlichen Highlights aus dem enorm polarisierenden Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1.

Eckdaten:

  • Drawings and Foreword: Danzig Baldaev
  • Photography: Sergei Vasiliev
  • Introduction: Alexei Plutser-Sarno
  • Design and edit: Murray & Sorrell FUEL
  • Editor: Honey Luard
  • Translator: Andrew Bromfielt
  • Co-Ordinators: Anna Benn, Julia Goumen

Hab ich von der S. 12 übernommen. Mir liegt die Enzyklopädie in englischer Sprache vor.

Warum bin ich überhaupt in Besitz eines solchen Buches?

Ich habe jahrelang davon geträumt, es zu besitzen. Es gibt mehrere Bände und die sind sündhaft teuer. Zudem auch sehr beliebt. Zum einen reizt mich die russische Knastromantik. Die düstere Unterwelt zog mich schon immer an. Hin und wieder einen Einblick in die Gedanken der Häftlinge zu bekommen, ist mir irgendwie wichtig, weil die Außenwelt sie schnell vergisst. Dabei geht es mir gerade nicht um verurteilte Mörder. Die vergisst man nur schwer. In den Beispielen, die ich euch heute vorstelle, geht es hauptsächlich um Menschen, die für Fehler anderer Natur büßen mussten. Die Gefängnisse und ihre Tattoo-Symbolik sind jedenfalls eine ganz eigene Welt und nicht alle bekommen die Chance auf einen Einblick.

Außerdem liebe ich Tattoos. Zum einen wollte ich wissen, ob die, die ich bereits habe, eine Bedeutung tragen, für die es in bestimmten Kreisen Ärger geben könnte, andererseits bin immer auf der Suche nach Inspiration. Und wer weiß schon, was ich in diesem langen Leben noch alles ausprobieren werde. Kurz gesagt: Die Anschaffung dieses Buchs war für mich essentiell. Ich bekam es für einen Schnäppchenpreis von 24 Euro. Gebraucht, versteht sich.

Russian Criminal Tattoo: Was mich überrascht hat

Jedes dort aufgeführte Tattoo hat natürlich eine eigene Bedeutung und Symbolik. Und die unterscheidet sich erheblich von allem, was ich bisher in der Kunstgeschichte gelernt habe. Das Buch gibt tiefe Einblicke in den Spirit der Menschen, die für unterschiedlichste Vergehen eingebuchtet wurden. Mein Eindruck: An Melancholie, Lyrik, Hierarchie und Kreativität nur schwer zu überbieten.

Die Sammlung im Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1 besteht überwiegend aus sehr seltenen Tattoos. Die Verfasser haben gut recherchiert, wem sie gehörten, wofür sie standen und vor allem: wofür die Kriminellen einsaßen. Die Bilder sind abgemalt. Größtenteils von Dokumenten aus der Gerichtsmedizin.Von 1910 bis 1997 ist alles dabei. Das Buch erschien erstmals im Jahr 2003.

Kommen wir zu den Geschichten, die unter die Haut gehen: Madonna mit Kind

Inschrift um das Madonnen-Tattoo: Meine Mutter wurde wegen „Getreide“ verurteilt, und ich wurde am 25. Oktober 1935 im Gefängnis geboren. Sitze seit 21.XII.54 und werde im Gefängnis sterben, auf Anordnung des Präsidiums des Obersten Rats vom 4.VI.47 – 25-jährige Haftstrafe.

Bildunterschrift vom Autor des Buchs: Besserungskolonie, Ulan-Ude, Burjatische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik. 1960er Jahre. Brust.

Text: Dieser „Talisman“ der Diebe, basierend auf Raphaels „Madonna aus der Sixtinischen Kapelle“, gehörte einem Sträfling, der wegen des gemeinschaftlichen Diebstahls von Lebensmitteln aus einem Militärdepot in der Stadt Irkutsk zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Er war als „Bely“ (Weißer) bekannt. Laut „Bely“ wurde seine Mutter nach einem Erlass des Rates der Volkskommissare vom 7. August 1935 verurteilt, weil sie nach der Ernte Getreideähren aufgesammelt hatte. Auf den kollektiven Bauernfeldern des Bezirks Nischeudinsk in der Region Irkutsk wurde bei ihr ein Segeltuchsack mit etwa drei Kilogramm Getreide beschlagnahmt. Sie hatte es gesammelt, um ihre beiden Töchter im Alter von fünf und sieben Jahren zu ernähren.

Das Urteil lautete fünf Jahre Haft. „Bely“ brachte sie in einem der Taischet-Lager zur Welt. Er kannte seinen Vater nicht, der 1935 ertrank, während er Baumstämme für den Holzbetrieb zusammenband, für den er arbeitete. Während seine Mutter im Gefängnis war, schickte man seine Schwestern in ein Kinderheim, aus dem sie sie nach ihrer Entlassung im Jahr 1940 abholte. Wenig später holte sie ihren Sohn, der damals kaum noch am Leben war, aus einem Heim für Kinder verurteilter weiblicher Krimineller.

Von Generation zu Generation vererbt

Criminal Russian Tattoo
Knasttattoo aus dem Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1, S.186.

Tattoo-Inschrift: 1872 Sakhalin

Text: Arbeitslager Kolyma. 1940er Jahre. Diese Tätowierung zeigt einen Sträfling mit dem Spitznamen „Kopf“, dessen Kopf zur Hälfte rasiert ist. Er hält eine Kerze und steht vor einem Kreuz. Das Tattoo gehörte ursprünglich Kopfs Großvater, der mit seiner Frau nach Sachalin verbannt und 1872 unter polizeilicher Überwachung freigelassen wurde.

Wie schon sein Vater vor ihm ließ sich Kopf das Tattoo von einem Tätowierer im Kolyma-Lager stechen. Kopf war sehr stolz auf seine Tätowierungen und betrachtete sie als sein Erbe. In Kolyma gehörte er in den 1940er Jahren zu den wenigen verbliebenen alten Sträflingen, die sich selbst als erbliche Diebe im Gesetz verstanden.

Anmerkung von mir: Die Geste, ein Tattoo zu „vererben“ ist absolut neu für mich und ich bin über alle Maße verzückt. Würd ich auf jeden Fall auch so machen. Nicht im gleichen Kontext, versteht sich, aber eins meiner Tattoos an die nächste Generation weiterzugeben, reizt mich irgendwie.

Der Bär mit dem Akkodeon

Knasttattoo aus dem Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1, S.183.

Text: Transitgefängnis Wologda. 1950er Jahre. Das humorvolle Tattoo eines Unruhestifters, typisch für Besserungsarbeitslager im Norden und in der Taiga. Der gebräuchlichste Name für dieses Tattoo, das in zahlreichen verschiedenen Varianten existiert, ist „Mischa der Akkordeonspieler“. Der Träger wurde nach Artikel 74 des Strafgesetzbuches der RSFSR von 1926 verurteilt. Darunter fallen ungebührliche Handlungen, öffentliche Ruhestörung, Pöbeleien, Schlägereien, Randale, grobe Verstöße gegen öffentliche Ordnung.

Anmerkung von mir: Würd ich mir 1 zu 1 so stechen lassen.

Fazit

Um auf meine Aufmacher-Frage einzugehen: Tattoos sind für mich Kunst. Künstler stechen sie für Geld auf unsere Körper. Ein klassischer Kunstmarkt, wie mir scheint. Auch wenn die Abbildungen oder Schriftzüge mit uns sterben. Doch die Tattoos, die ich dir gerade gezeigt habe, leben in Papierform (und offenbar auch Blog-Form) weiter und erzählen weiterhin die Geschichten der Menschen, die sie getragen haben, obwohl die schon längst tot sind.

Lohnt sich der Buchkauf? Ja, lohnt sich auf jeden Fall. Du wirst da noch ganz viele andere verstörende Geschichten, Tätowierungen und Fotos finden. Viele viele Penisse, obszöne Illustrationen, Dinge, die du nicht mal auf Pornhub findest. Aber auch Nazi-Tattoos, antisemitische und regierungsfeindliche Sprüche und Abbildungen, die wir unbedingt kritisch betrachten sollten. Teilweise hat mich das Programm wirklich schockiert. Ein verbotenes Portal in eine geheime Unterwelt sozusagen. Wenn mir Vol. 2 vorliegt, bekommst du das hier auf avecMadlen.com mit.

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Kunst

Coming Soon: Blumen-Ausstellung in Baden-Baden

Mit Bloom up! Die Sprache der Blumen laden die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum Karlsruhe zu einem floralen Erlebnis der besonderen Art ein. Die Ausstellung entführt auf einen sinnlich-intellektuellen Rundgang durch 2.500 Jahre Kulturgeschichte der Blume. 

Blumen begleiten unser Leben – im Alltag ebenso wie in besonderen Momenten. Sie prägen Rituale, markieren Übergänge und bergen Erinnerungen. In der Kunst werden sie zu Trägerinnen von Widerstand, Liebe, Hoffnung und Protest. In Krisenzeiten können sie Trost spenden und der Sehnsucht nach Schönheit Ausdruck verleihen. Zart und kraftvoll, persönlich und politisch, versöhnlich und widerständig – ihre Bedeutung wandelt sich stets, je nach Zeit, Ort und Kontext.

Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri, 2024, Analog C-print, 32 × 41.4 cm, AP II/II of an edition of 2 + II AP © Courtesy of the artist and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

Bloom up! – Die Ausstellung in Baden-Baden

Bloom up! ist die erste gemeinsame Ausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sie untersucht Blumen in der Kunst als Mittel der Kommunikation. Zudem macht sie die Anwendung floraler Motive von der Antike bis zur Gegenwart sichtbar.

Dialoge zwischen zeitgenössischen künstlerischen Positionen und kunst- und kulturgeschichtlichen Objekten zeigen, wie florale Motive ihre Bedeutung über Jahrhunderte tragen, verschieben oder neu aufladen. Blumen erscheinen hier als Trägerinnen von Geschichte, Emotionen sowie gesellschaftlichen und politischen Debatten. Sie eröffnen Raum für Projektion, Erinnerung und Reflexion.

Ausstellungsbeginn: Samstag, 13. Juni

Hier geht’s zu der Liste der besonders sehenswerten Ausstellungen im Juni 2026.


Quelle: kunsthalle-baden-baden.de

Titelbild: Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri, 2024. Analog C-print, 32 × 41.4 cm, AP II/II of an edition of 2 + II AP © Courtesy of the artist and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

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