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Kunst & Architektur

art karlsruhe 2026: Das kommt auf uns zu

Vom 5. bis 8. Februar 2026 findet die art karlsruhe mit rund 180 Galerien aus 18 Ländern statt. Und avecMadlen ist mit dabei! Juhu. Hier geht’s zum Rückblick auf die vergangene Karlsruher Kunstmesse.

Die Messe richtet ihren kuratorischen Blick auf aktuelle Entwicklungen des Kunstmarkts. Ein zentrales Thema ist der Dialog zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst. Von Ernst Ludwig Kirchner bis Mary-Audrey Ramirez, von Joan Miró bis hin zu einer interaktiven KI-Installation spannt die Messe einen Bogen über 125 Jahre Kunstgeschichte und versteht sich als offenes Forum für Austausch und Entdeckungen.

Impressionen art karlsruhe 2025
Credit: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner

Neben langjährig vertretenen Galerien sind auch neue Teilnehmer und Rückkehrer vertreten. Gleichzeitig wächst das Interesse internationaler Galerien weiter. Für den Beirat der art karlsruhe ist das ein Zeichen dafür, dass die Messe für Galerien, Publikum und Markt gleichermaßen relevant bleibt.

art karlsruhe: Offizieller Start mit prominenten Gästen

Der offizielle Auftakt ist das art:opening am 5. Februar um 14:30 Uhr in Halle 3. Staatssekretär Arne Braun, Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Messegeschäftsführerin Britta Wirtz sowie das Leitungsteam der art karlsruhe, Olga Blaß und Kristian Jarmuschek werden anwesend sein.

Im Mittelpunkt steht die Verleihung des art karlsruhe Preises, der vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe vergeben wird. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis zeichnet die überzeugendste one:artist Show aus. Alle one:artist-Präsentationen der Messe sind automatisch nominiert. Das ausgewählte Werk wird vom Kunstmuseum Karlsruhe (ehemals Städtische Galerie Karlsruhe) angekauft.

Skulptur als prägendes Element

Seit ihren Anfängen spielt die Skulptur eine zentrale Rolle auf der Kunstmesse. Auch 2026 bleibt sie ihr charakteristisches Medium. In den Hallen 1, 2 und 4 sind insgesamt 18 großzügige Skulpturenplätze eingerichtet, die Raum für unterschiedliche Materialien und Ausdrucksformen bieten. Ergänzt werden sie durch ausgewählte Skulpturenspots in den Messeumläufen.

Loth Skulpturenpreis 2025: Skultpur der Preisträgerin Eva Hild
Credit: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner
Loth Skulpturenpreis 2025: Skultpur der Preisträgerin Eva Hild
Credit: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner

Kunst sammeln: Zugänge und Einstiegsformate

Ein weiteres Anliegen der art karlsruhe ist das Thema Kunstsammeln. Damit richtet sich die Messe auch an Menschen, die sich erstmals intensiver mit dem Thema beschäftigen wollen. Der start:block zeigt Werkvorschläge für den Einstieg.

re:discover und re:frame

Mit den Formaten re:discover und re:frame rückt die art karlsruhe Künstlerbiografien und Nachlässe in den Fokus, die bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten haben oder neu betrachtet werden sollen.

Vera Mercer, Kevin Clarke, Detel Aurand oder Oliver Braig stehen 2026 exemplarisch für diesen Ansatz. re:frame zeigt zudem, wie Nachlassarbeit aktiv gestaltet werden kann, etwa durch das Schaulager Adlmannstein oder den Nachlass des 2024 verstorbenen Karlsruher Künstlers Andreas Lau.

Sonderausstellungen mit thematischem Fokus

Sonderausstellungen wird es ebenfalls geben. Die LBBW präsentiert unter dem Titel Digital Traces künstlerische Positionen zur digitalen Gegenwart, darunter Arbeiten von Isa Genzken und Avery Gia Sophie Schramm.

Eine von Stefanie Patruno, Direktorin des Kunstmuseums Karlsruhe, kuratierte Ausstellung widmet sich dem Werk des international bekannten Karlsruher Künstlers Rolf Behm. Die Sammlung Dietmar Kohlrusch zeigt erstmals in Karlsruhe zentrale Werke der Pop Art, unter anderem von Andy Warhol, Keith Haring und Roy Lichtenstein.

Rahmenprogramm und Gespräche

Begleitend zur Messe werden täglich geführte Rundgänge mit Kunsthistorikern angeboten, darunter Touren zu aktuellen Tendenzen, Sonderausstellungen oder als Orientierungshilfe für den Einstieg ins Sammeln. Auf mehreren Bühnen stehen Gespräche und Panels auf dem Programm. Das ARTIMA art meeting widmet sich Fragen des zeitgenössischen Sammelns.

Museumsvertreter geben Einblicke in ihre Arbeit und die Herausforderungen institutioneller Sammlungen. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Themen wie Künstlermarketing, Künstliche Intelligenz oder dem Zugang junger Positionen zum Markt.

Impressionen art karlsruhe 2025
Credit: Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Kunst in der Stadt

Während der Messetage reicht das Programm über die Hallen hinaus in die Stadt. Am 5. Februar findet die Eröffnungsparty im Foyer des ZKM statt. Das Kunstrauschen folgt am 6. Februar und geht in eine lange Nacht der Projekträume, mit über 20 beteiligten Offspaces, über. Am selben Abend lädt die After art Party im Nachtwerk mit internationalem DJ-Line-up ein. Am Samstag, 7. Februar, öffnen Karlsruher Galerien zur gallery:night mit anschließendem Afterglow im Hirschhof. Ein kostenloser Shuttle verbindet Messe und Innenstadt.

Impressionen Hallenbauparty im ZKM 2025
Credit: Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Weitere Infos auf art-karlsruhe.de.


Titelbild Credit: Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Quelle: Pressemitteilung der art Karlsruhe

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Kunst & Architektur

Viktor Knack: Ein heller Stern der Gegenwart

Viktor Knack lernte ich kennen, als ich gerade Mal 10 Jahre alt war. Seine Leidenschaft erkannte ich bereits als Kind. Das Feuer in seinen Augen, die Liebe zu den Farben, die Suche nach der perfekten Perspektive – und der leise Ausruf der Freude, wenn er sie dann endlich fand. Er malte seine toskanischen Landschaften mit einem Lächeln im Gesicht. Für mich waren diese Momente eines: Frieden.

Viktor Knack: Amazonen – 1.800 Euro

18 Jahre später treffe ich Viktor Knack in Baden-Baden

Ihn heute wieder zu sehen, war für mich eine Ehre. Ich interviewte ihn vor einem seiner ausgestellten Gemälde in Baden-Baden und nahm das Gesagte auf. Als er aufhörte zu erzählen, rutschte mir vor lauter Nervosität der Finger aus. Ich löschte die Aufnahme. What? Aber ich wäre keine gute Reporterin, wenn ich im Kopfe nicht auch mitschneiden könnte. Er erzählte mir die Geschichte des Bildes, das vor uns hing: Blumenpflückerinnen (2003).

Viktor Knack: Blumenpflückerinnen
Viktor Knack: Blumenpflückerinnen (2003) – 1.100 Euro

„Das Bild, das vor uns hängt, ist mein Versuch, eines meiner anderen Bilder wieder ins Leben zu rufen. Damals malte ich es und wollte es anschließend auf dem Dach meines Autos transportieren“, erzählte Viktor Knack. „Einige Zeit später hielt ich an. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Gemälde nicht richtig fixiert hatte. Ich stieg aus – meine Bilder weg.“ Viktor hatte die beiden Kunstwerke während der Fahrt vom Autodach verloren. Als er den Weg wieder abfuhr, waren sie weg. Ich hoffe, der glückliche Mensch, der seine Gemälde damals auf der Straße fand, ehrt und liebt sie so sehr, wie ich es tun würde.

Mit dem Motiv „Blumenpflückerinnen“ versuchte Viktor Knack den Zauber des verlorenen Bildes wiederherzustellen. Obschon ich nie erfahren werde, wie das ursprüngliche Werk aussah, kann ich darüber spekulieren, dass ihm das gut gelungen ist. Viktor stellt hier, nach meiner Auffassung, die Weiblichkeit in ihrem zartesten Licht dar. „Ich denke, es ist mir gelungen, die Komposition des Ursprungsbildes zu wiederholen – vielleicht sogar die Farbenwelt“, sagt er mit seiner Bescheidenheit, die er über all die Jahre beibehalten hat.

Viktor studierte Kunst an der Universität in Almaty, Kasachstan. Seither war er in zahlreichen Funktionen tätig: Ob als freischaffender Künstler, Dozent oder Leiter verschiedener Kunstschulen.

Blumenpflückerinnen: Viktor verwendete Theaterfarben

Gemalt hat er das Bild mit Theaterfarben. Daher erscheinen sie durch und durch Matt. An vereinzelten Stellen glänzt es – etwa an den Konturen der Frauenfiguren. Viktor sagt, dies sei am Anfang gar nicht so geplant gewesen. Ich finde: Es ist ein glücklicher Zufall, der dem Gemälde eine markante Einzigartigkeit verleiht. Obwohl die Blumenpflückerinnen durch die Farbwahl, Maltechnik und das Spiel mit der Perspektive ohnehin unnachahmlich sind. Das Bild malte Viktor Knack mit einem dicken Pinsel. Er findet, die Pinselstriche passen gut zu der matten Farbe..

Gerne arbeitet der Künstler auch mit Spachtel. Als Kind erkannte ich in ihnen eine sehr hohe Ästhetik. Daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben. Diese Darstellungen sind aber eine ganz eigene Geschichte: Mache dir auf seiner Webseite am besten selbst einen Eindruck.

Als ich ihn auf das Nächste aufmerksam mache, lacht er dezent: „Ja, ich male Frauen gerne – ich finde sie schön.“ Auch Pferde und Landschaften gehören zu dem beständigen Repertoire des aus Syktywkar (Russland) stammenden Künstlers. Übrigens war er damals derjenige, der mir beibrachte, eine Kunstausstellung zuerst ausgiebig anzusehen und zum krönenden Abschluss nochmal einen kurzen Schnelldurchlauf draufzupacken.

Viktor Knack: Gefesselte Pferde (1992) – 1.700 Euro

Lese hier noch ein weiteres Künstlerinterview mit Igor Kaplun.


Anmerkung: Das Interview wurde Januar 2024 geführt. Ich habe es republished.

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Reisen

Die Menschen von Haiphong

Wenn ich daran denke, wie die Vietnamesen zu mir waren, kommen mir die Tränen. Noch nie in meinem gesamten Leben wurde ich so herzlich in einem Land empfangen, wie in Vietnam. Die Menschen winken mir zu, geben mir die Hand, geben mir Fünf, grüßen vom Weiten oder im Vorbeifahren, machen Komplimente und teilen ihr Essen mit mir, sind neugierig. Und das den lieben langen Tag.

Sie wollen wissen, woher ich komme, und wenn ich es Ihnen verrate, fängt die ältere Generation an, ihre Sprachkenntnisse auszupacken, traditionelle Lieder zu singen, oder mir zu sagen, was sie mit meinem Volk gemein haben. Eine schöne Abwechslung.

An einem der Tage war ich allerdings ein bisschen überreizt und wollte für mich sein. Erstaunlich fand ich, dass alle Menschen, die mir an jenem Tag begegneten, das wohl gespürt haben und mir meinen Freiraum ließen. Sie staunten leise darüber, dass sie mir begegneten.

Haiphong: Ich rauche Thuoc Lao und finde neue Freunde

Heute ging ich durch Haiphong, am Fluss entlang. Ein Fischer teilte mit mir seine frittierten Sesambällchen und versuchte mir zu erklären, wie sein heutiger Fang war.

Haiphong, Vietman: Fischer stehen am Fluss mit ihren Angeln und fischen.

Auf die fast gleichen Bällchen, nur mit krümeliger Zuckerglasur und eine Runde Thuoc Lao luden mich vier Jungs vor einer Autowerkstatt ein. Ich teilte dafür meine Mandarinen vom Markt mit ihnen. Sie brachten mir bei zu rauchen, wir unterhielten uns mithilfe von Google Übersetzer und ich zog nach einiger Zeit von dannen. Nun sind wir alle Facebook-Freunde.

lol 🙂

Der Effekt der alleinreisenden Frau

Ich vermute, dass die Leute so auf mich reagieren, weil ich runde Augen und super weiße Haut habe – und Osteuropäerinnen hier nicht all zu oft rumlaufen. Schon gar nicht alleine. Aber der Respekt, die Gastfreundschaft, Neugierde und Aufgeschlossenheit der Einheimischen – so etwas habe ich noch nie erlebt. Obwohl auch die Portugiesen – wahnsinnig freundlich und sichtlich erfreut über meine Anwesenheit – immer versuchten, mit mir trotz Sprachbarriere zu kommunizieren.

Die Vietnamesen geben mir ein Gefühl, dass ich in ihrem Land willkommen bin; dass sie sich über mich freuen und dass sie mich mutmaßlich für etwas besonderes halten. Danke, dass ihr dieses Gefühl in mir freigeschaltet habt. Ich kannte es bisher nämlich gar nicht. Zumindest nicht in dem Ausmaß.

Menschen von Haiphong: Eine vietnamesische Marktfrau an ihrem Kräuter- und Gemüsestand

Die Straßen von Haiphong sind nicht ansatzweise so voll, wie die von Hanoi. Ich bin wieder zu Fuß unterwegs. Wie üblich sind aber die Gehsteige meistens von Cafés, Autos, Mopeds, Motorrädern oder Verkaufswaren jeglicher Art blockiert. Heute werde ich wieder nur Einheimischen begegnen und ihre Regeln und Geheimnisse des Lebens lernen.

Hier erfährst du, wie ich die Umgebung in Haiphong erkundet habe.

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Reisen

Xin chào Việt Nam: Ich lande in der falschen Stadt

Mein Traum wird wahr: ich lande in Vietnam. Eigentlich dachte ich, ich lande in Haiphong, doch irgendwie war es am Ende doch Hanoi. Frag nicht wie. Entweder ich hab mir all den Weg lang hart eingebildet, ich würde nach Haiphong fliegen, obwohl das gar nicht der Fall war, oder es kam zu spontanen Änderungen. Völlig verballert war und bin ich so oder so. Das würde jedenfalls erklären, warum die junge Frau am Frankfurter Flughafen mich mehrere Male skeptisch nach meinem Reiseziel fragte.

Als ich dann allmählich im vietnamesischen Airport herausfand, in welcher Stadt ich mich befand, dacht ich mir kurz: „Wtf geht bei mir schon wieder?“ und kurz darauf: „Scheiß auf mein Luxushotel in Haiphong, ich bleibe hier und schau mir die Hauptstadt an.“ Hatte ich ja sowieso vor. Das Schicksal entschied, dass es jetzt sein würde und Schlafen wollte ich nach dem Langstreckenflug sowieso nicht. Wofür auch?

Guten Morgen aus Hanoi: An diesem brutalistischen Meisterwerk konnte ich nicht einfach vorbei gehen.

In Hanoi besuche ich das Museum

Ich buchte mir für rund 15 Euro ein kleines Zimmer nahe der Innenstadt, ließ meinen Koffer darin und zog gleich los. Mein erstes Ziel war das Hanoi Museum. Verblüfft war ich, als ich erfuhr, dass der Eintritt für alle umsonst ist. Dort sah ich Malereien und Skulpturen von Gegenwartskünstler. Es war expressiv und gefiel mir sehr gut. So etwas habe ich davor noch nicht gesehen. Vor allem gaben die Werke des Künstlers Hoàng Hồng (ich finde online leider keinerlei Infos zu ihm) den Ton an.

Es gibt Ärger

Als nächstes wollte ich losziehen um mir die Cafés und Shops, die direkt an den Gleisen liegen, anzusehen. Daraus jedoch wurde vorerst nichts. Ich verlief mich und hatte schwachen Akku. Zudem machte meine Mutter Theater am Telefon und befahl mir sofort schlafen zu gehen, da sie der Meinung war, mein Zustand nach dem Jetlag sei lebensgefährlich.

Dann machte sie noch mehr Theater, als sie erfuhr, dass ich Eistee mit Eis getrunken hatte. Sie hatte nämlich gelesen, dass das vietnamesische Leitungswasser nicht unbedingt von allen Mägen gut aufgenommen werde. Ich aber konnte der Versuchung nicht widerstehen. Als ich an den Gehwegen entlang der Straßen diese vielen kleinen Cafés aus winzigen Plastikstühlchen, Tischchen, Schirm und Getränkestand sah, wollte ich dort unbedingt Gast sein. Ich sah, wie gemütlich die Einheimischen dort verweilten und das leuchtend gelbe, kalte Getränk schlürften. Also ging ich das vermeintliche Risiko ein und kann nun sagen: Mir ist während der ganzen Zeit in Vietnam nichts passiert, obschon ich mir jeden Tag Eiswürfel en masse reingeschallert habe.

Den Eistee machen Vietnamesen aus einem starken Grüntee, den sie mit Wasser verdünnen. Das servieren sie dann auf Eis. So etwas Einfaches und gleichzeitig Geniales… Ich war hin und weg und zog mir gleich zwei Gläser rein. Die Temperatur lag bei schwülen 28 Grad. Wir hatten November, wohlbemerkt. Hanoi war an diesem Tag ein wenig versmogt. Daher schien die Sonne etwas schleimig auf die Erde herab und verbrannte meine Haut in weniger als einer halben Stunde.

Wild, wilder, Straßenverkehr in Vietnam

Als ich meine rote Haut sah, verstand ich, warum vor allem die Vietnamesinnen lange Kleidung trugen, obwohl es so warm war. Auch die allermeisten Moped- und Motorradfahrerinnen schützten sich vor der intensiven Sonne. Lange Röcke, lange Ärmel oder gar Handschuhe, Masken, Kapuzen, darunter Schirmmützen, darüber Helme – und ab die Post. Zigtausende Mopedfahrer. Hupen: Bürgerpflicht. Hier liest du einen sehr spannenden Artikel von welt.de, der die Situation auf den Straßen Hanois gut wiedergibt.

Ich fand es erstaunlich, wie die Menschen in Vietnam im totalen Verkehrschaos elegant und völlig stressfrei einen spontanen U-Turn einlegen konnten, wie sie auf jeder Spur in jede Himmelsrichtung fuhren, wie sie rote Ampeln ignorierten und dabei nie den Überblick verloren. Da verstand ich, dass Vietnamesen die Welt anders sehen als Europäer. Auch, wie langsam und bewusst die wenigen Fußgänger, die ich dort wahrgenommen hatte, dicht befahrene Straßen überquerten. Fast meditativ, als seien sie eins mit dem Verkehr und als könne ihnen nichts passieren, wenn sie sich nur langsam genug bewegten. Ich habe es dann auch selbst ausprobiert. Funktioniert 10 von 10.


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Kunst & Architektur

Baldungs erotisch geladene Maria mit Kind und Edelsteinen

Hans Baldung malte 1530 seine Maria mit Kind und Edelsteinen. Die Muttergottes sitzt vor einer prächtigen, aber auch etwas unklaren Thronarchitektur und wird von einem sanften Engelputto betrachtet. In ihrer demütigen Hingabe hat sie ihre Brust freigelegt, um das Christuskind zu stillen, das auf ihrem Schoß steht. Ein Fuß des Kindes ruht auf den Seiten des heiligen Buches, das die Mutter in ihren Händen hält. Währenddessen legt der Knabe seinen Arm um Marias Hals und drückt sein Gesicht an das ihre, um einen Kuss anzudeuten. Marias Rechte Hand umschließt das Kind mütterlich am Kopf. Die Körperhaltung beider zeigt die innige Verbundenheit, die uns die menschliche Seite der beiden Heiligen zeigt.

Im Hintergrund links unten befinden sich verschiedene Edelsteine. Sie liegen auf der Armstütze der Thronarchitektur, dessen Farblichkeit an künstlichen Marmor erinnert. Die Steine stehen in ihrem kühlen Glanz im Kontrast zur warmen Szene der Mutter mit Kind. Doch ihre Bedeutung bleibt für uns verschleiert. Zudem verleiht die Farbpalette, die Hans Baldung hier benutzt, dem Bild zusätzlich eine gewisse Mysteriosität.

Hans Baldung Grien – Maria mit Kind und Edelsteinen
Hans Baldungs (1484/85 bis 1545) Maria mit Kind und Edelsteinen (1530) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg: Malerei auf Lindenholz. Höhe 99 cm; Breite 68 cm.

Maria mit Kind und Edelsteinen: Baldung schafft Mysterium

In dieser Darstellung spiegelt sich eine geheimnisvolle Aura wider, die dem Betrachter Raum für Interpretation und Reflexion bietet. Interessanterweise basiert dieses Motiv auf einem Gemälde des Künstlers Mabuse. Jedoch fehlen bei Mabuse die schwierig zu deutenden Edelsteine.

Ebenso mysteriös ist Baldungs stillende Madonna mit den Papageien. Kein Wunder, dass die beiden Gemälde im selben Raum im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg hängen.

Hans Baldung Grien – ein Künstler im Schatten Dürers

Hans Baldung Grien, trotz seiner Anerkennung in Fachkreisen, stand und steht in der breiten Öffentlichkeit immer im Schatten des berühmten Nürnberger Meisters Albrecht Dürer. Geboren wurde er im Jahr 1484 in Schwäbisch-Gmünd, doch seine Eltern zogen bald darauf ins elsässische Strasbourg um. Nach einer Lehrzeit bei einem unbekannten Maler ebenda verschlug es ihn nach Nürnberg. Dort arbeitete er ab 1503 in Dürers Werkstatt. Damals erhielt er wahrscheinlich den Beinamen „Grien,“ der auf die Farbe Grün hinweist. Über den genauen Ursprung dieses Namen kann jedoch spekuliert werden kann.

Hans Baldung Grien - Leben und Wirken
Mystische Bildnisse – mystische Persönlichkeiten. Hier erfährst Du ein paar Fakten über Hans Baldungs Leben.

Schon bald wurde er zu Dürers rechter Hand und leitete seine Werkstatt während Dürers Italien-Reise. Im Jahr 1507 verließ Baldung zwar Nürnberg, blieb jedoch eng mit seinem Lehrmeister verbunden. Er profitierte von dessen wichtigen Einflüssen für seine eigene Arbeiten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Halle kehrte er nach Strasbourg zurück. Doch in den Jahren 1512 bis 1516 verlagerte er seine künstlerische Tätigkeit nach Freiburg im Breisgau, wo er mit dem Hochaltar des Münsters sein bedeutendstes Werk schuf.

Im Jahr 1517 kehrte Hans Baldung Grien schließlich endgültig in seine Heimatstadt zurück, wo er als Hofmaler tätig war. Bald darauf wurde er zum Mitglied des Hohen Rates von Strasbourg ernannt. Aus dieser Zeit stammen einige seiner meisterlichen, großformatigen Werke, darunter Darstellungen von Adam und Eva (heute in Budapest), der Venus mit Cupido (im Rijksmuseum Kröller-Müller) und Judith (im Germanischen Nationalmuseum).

Auch diese Madonna ist von Hand Baldung: Auffallend ungewöhnlich ist der flächig rote Hintergrund, der die Aufmerksamkeit auf die plastische Darstellung der Muttergottes in den Vordergrund lenkt. Das schlummernde Kind weist symbolisch auf den bevorstehenden Opfertod Christi hin. Auf der Tafel ist das charakteristische Monogramm von Baldung zu sehen, und in Bezug auf die Datierung gibt es unterschiedliche Lesarten: Einige interpretieren sie als 1514, während andere eine Kombination aus arabischen und römischen Ziffern sehen, die auf 1520 (1510 + X) hinweisen könnten.
Hans Baldung: Adam und Eva im Museum in Budapest
Hier die erwähnten Bildnisse von Adam und Eva (um 1525) im Szépművészeti Múzeum Budapest.

Erotik in Baldungs Andachtsbildern

Obwohl Hans Baldung in der Zeit der Reformation die geistige Befreiung begrüßte, blieb er dem „neuen Glauben“ gegenüber zurückhaltend und trat nicht selbst dazu über. Neben seinen mythologischen Themen, bei denen gelegentlich eine fast schon pornografische Erotik zum Ausdruck kam, schuf er auch zahlreiche Andachtsbilder.

Ebenfalls ein erotisch geladenes Gemälde, aber mit schauderhafter Inzest-Ikonographie: Lot und Seine Töchter.

Die Späten Jahre des Künstlers

Ähnlich wie Albrecht Dürer blieb auch Hans Baldung Grien in seinen späteren, zum Teil schon manieristisch geprägten Werken ein leidenschaftlicher Beobachter der Natur. Trotz ihrer Sinnlichkeit stellen seine zahlreichen Akte keine überidealisierten Schönheiten dar, wie wir das etwa von Lucas Cranach dem Älteren kennen.

Von Baldung sind etwa 100 Ölgemälde erhalten geblieben. Darüber hinaus auch eine beträchtliche Anzahl von Zeichnungen und beinahe 600 Holzschnitten und anderen Druckgrafiken. Ab dem Jahr 1510 signierte er seine Werke mit dem charakteristischen Monogramm, bestehend aus den Buchstaben HBG. Er genoss einen hohen Ruf und verstarb im September 1545 in Strasbourg.


Quellen

  • fotocommunity.de: „Die Renaissance – Bilder einer Epoche“ mit einem Random Textstück (abgerufen am 15.1.2024)
  • objektkatalog.gnm.de: „Maria mit Kind und Edelsteinen“ (abgerufen am 15.1.2024)
  • onlinesammlung.freiburg.de: „Maria mit dem schlafenden Kind, 1520“ (abgerufen am 15.1.2024)
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Kunst & Architektur

So erkennen wir Manierismus

Um 1520 hatte die Malerei ihren Höhepunkt der Vollkommenheit erreicht. Harmonische Bewegungen, die Ruhe ausstrahlen; Darstellungen des idealisierten, heroischen Menschen prägen die Hochrenaissance. Doch diese utopische Vorstellung kann nicht lange bestehen und endet spätestens 1527. Ihr folgt der Manierismus, der sich nur schwer in zeitliche und ästhetische Rahmen setzen lässt.

Mit dem Begriff „Maniera“ bezeichnet man zunächst den Spätstil Michelangelos, der als eine der zentralen Quellen des Manierismus gilt. Darin experimentiert der große Meister mit einer bis dahin unbekannten Vielfalt an Bewegungen und oft komplexen Körperhaltungen. Gemeinsam mit Raffael löst er er sich zunehmend von den Idealen der Renaissance. Der Fokus liegt nahezu vollständig auf dem menschlichen Körper. Viele junge Künstler orientieren sich stark an diesem Stil. Spätere Kritiker erkennen, dass diese jungen Maler mehr die Manier, als den Geist seiner Werke nachahmen. Also geben die dem Zeitabschnitt den Namen „Manierismus“.

Michelangelo, Tondo Doni (Die heilige Familie mit dem Johannesknaben), um 1503/1504 oder um 1507. Galleria degli Uffizi, Florenz.

Eigentlich gar kein Spätwerk. Doch wenn wir genauer hinsehen, erkennen wir schon erste Tendenzen: Die nicht ganz eindeutige Sitzweise der weiblichen Figur, die Spontanität der Bewegung – die sehe ich etwa in der Überreichung des Kindes – und natürlich die satte Farblichkeit mit einer Palette, die nicht ganz Renaissance-typisch ist.

Was währenddessen gesellschaftlich passiert

Der Beginn dieser Epoche fällt im Anschluss an eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und religiöser Erschütterungen. Mit dem Sacco di Roma im Jahr 1527, als spanisch-kaiserliche Truppen Rom plündern und verwüsten, gerät das geistige und kulturelle Zentrum der Hochrenaissance ins Wanken. Die Vorstellung einer stabilen, humanistisch geordneten Welt verlor ihre Glaubwürdigkeit.

Die zuvor angeschlagenen Thesen Luthers (1517) zeigen auch in Italien ihre Nachwirkung. Die Reformation bricht die Einheit einer bisher einzigen Kirche und einer katholischen Wahrheit.

Was passiert in der Kunst?

Die Ideale der Renaissance werden in der Kunst zwar noch aufgegriffen, jedoch auch weiterentwickelt und oft bis zur Übersteigerung getrieben. An die Stelle der Norm tritt das Abnorme. Unnatürliche Proportionen, abrupt verkürzte Raumkonstruktionen, neue Farbkonstellationen, Asymmetrien und verschlüsselte Bildinhalte prägen diese vergleichsweise kurze Epoche von etwa 1527 bis um 1600.

Angolo Bronzino, Allegorie der Liebe, vor 1550, National Gallery, London

Vor allem die erste Generation der Manieristen stellt bewusst die Meister der Renaissance in Frage. Getrieben wird ihre Vision vom Wunsch, die großen Vorbilder zu übertreffen. Manche Künstler erreichen dies durch ungewöhnliche Themen und tiefsinnige Gegenstände, die ihre Werke mit einer Weisheit füllen sollen, dass nur die gut Gebildeten sie verstehen können. Andere gehen noch weiter und schaffen regelrechte Rätselbilder, in denen das Überraschende, Unerwartete oder sogar Unerhörte das Ziel ist.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts reagiert die katholische Kirche mit massiven Eingriffen in die Kunst: Bilder sollen sich an Regeln halten und die katholische Lehre unmissverständlich vermitteln. Besonders deutlich zeigt sich dies an der Kritik an Michelangelos Jüngstem Gericht, das wegen der Vielzahl nackter Figuren als anstößig galt. Forderungen nach der Entfernung des Freskos stehen im Raum. Letztlich wurden die Nacktheit durch nachträglich gemalte Lendenschurze überdeckt. Das betraf die kirchliche Kunst. In der höfischen Malerei galten andere Regeln. Körperbetonte, wenn nicht sogar erotische Darstellungen sind hier weiterhin geschätzt und akzeptiert.

Michelangelo, Jüngstes Gericht, um 1540, Sixtinische Kapelle, Vatikan

Die Schule von Fontainebleau

Bleiben wir mal bei der höfischen Malerei. Die Schule von Fontainebleau ist eigentlich gar keine Schule. Viel mehr eine Künstlergemeinschaft, die den Manierismus nach Frankreich bringt und daraus durch Experimente eine ganz neue Ästhetik und Bildsprache entwickelt. Der Begriff ist zwischenzeitlich problematisch, da mit ihm auch irgendwann der Manierismus, der in Italien geschaffen wurde, betitelt wird.

Doch wie kommt Manierismus überhaupt nach Frankreich? König Franz I. holt gezielt italienische Künstler nach Frankreich, in sein Schloss Fontainebleu, um das Land als neue europäische Kunstmacht zu etablieren. Mit Rosso Fiorentino und Francesco Primaticcio prägen zentrale Vertreter des Manierismus die französische Hofkunst. An die Stelle biblischer Themen traten zunehmend mythologische Darstellungen, in denen Ornament und Figur eng miteinander verschmelzen und ein komplexes, dekorativ aufgeladenes Bildgefüge entsteht.

Jean Mignon, das Urteil des Paris, um 1544–1545, Louvre

Immer mehr gewinnt die Schule von Fontainebleu an Ornamentarik im Hintergrund der Figuren. Das soll besondere künstlerische Rafinesse zeigen. Hier in diesem Bild ist jedoch wenig Ornamentarik. Das, was allerdings stark den französischen Manierismus repräsentiert, sind die Figuren, die regelrecht in den Hintergrund „eingebettet“ sind. Sie verschmelzen fast mit dem Hintergrund, weil er ebenso reichhaltig ist.

So erkennst du Manierismus

In der Malerei des Manierismus wird Bewegung stark betont. Eine neue Figurenform entsteht: die Figura serpentinata, die sich spiralförmig zu winden scheint. Die Perspektive dient nicht mehr allein dazu, den Raum gesetzmäßig darzustellen, sondern wird eingesetzt, um mit ihm zu spielen, metaphorische Aussagen zu erzeugen oder Inhalte zu verschleiern. Häufig begegnen uns fragende Blicke aus dem Bild heraus, und die klassische Bildsprache wird buchstäblich verzerrt, wie etwa bei Darstellungen in Konvexspiegeln oder bei Parmigianino.

Parmigianino, Selbstporträt im konvexen Spiegel, 1524, Kunsthistorisches Museum, Wien

Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Madonna mit dem langen Hals. Auch ihre Finger sind ungewöhnlich verlängert. Das wirkt anmutig und elegant, zugleich aber unnatürlich, besonders in der Körperhaltung. Das Christuskind scheint jeden Moment vom Schoß zu fallen. Der Vorhang im Hintergrund zerstört ein logisches Raumgefüge, und Marias Körperposition ist schwer einzuordnen: Etwas zwischen Stehen und Sitzen.

Parmigianino, Madonna mit dem Langen Hals, 1534/1535, Uffizien, Florenz

Den Höhepunkt des Manierismus erreichte Domenikos Theotokopolus (1541-1614), auch bekannt als der Grieche, „El Greco“, da er aus Kreta kommt. Dort erlernt er die griechische Ikonenmalerei. Als er nach Venedig kommt, sieht er erstmals, was sich in der Kunst gemacht hat. Als Tizians Schüler geht er neue Wege. Und bringt seinen einzigartigen Stil nach Spanien, wo er die bisherige, konservative Kunsttradition nachhaltig beeinflusst.

El Greco, Das Begräbnis des Grafen von Orgaz,1586 und 1588

Manieristische Skulpturen

Eines der Haupterkennungsmerkmale manieristischer Skulpturen ist die Spontaneität der Bewegungen. Beispiele hierfür liefert Giambologna, eigentlich Jean de Boulogne (1529–1608), mit seinen Werken Fliegender Merkur und Raub der Sabinerin. In ihnen vereint sich Bewegung mit Ausdruck in einem zuvor unbekannten Maß. Giambologna stellte sich dabei bewusst eine scheinbar unmögliche Aufgabe: Eine Statue zu schaffen, die gegen alle Gesetze der Schwerkraft zu fliegen scheint. Merkur berührt den Luftstrom aus dem Mund einer Maske nur mit seiner Fußspitze.

Architektur im Manierismus

Florenz blieb im 16. Jahrhundert das führende Kunstzentrum, maßgeblich geprägt durch das Mäzenatentum der Medici. Giorgio Vasari entwarf hier die Uffizien als Verwaltungsgebäude. In ihrer Architektur zeigt sich der manieristische Gestaltungswille: Die gleichförmige Abfolge dekorativer Elemente erzeugt einen starken Sog- und Tiefeneffekt, der Bau wirkt bewusst in die Länge gezogen.

Architektonisch macht sich die Epoche bemerkbar durch ungewöhnliche Lösungen, Gegensätze und asymmetrische Ordnungen. Klassische Bauelemente wie Säulen verlieren dabei ihre tragende Funktion und werden zu rein dekorativen Motiven, ergänzt durch ornamentale Details wie Fruchtgirlanden und Skulpturen, die an das Prinzip der Figura serpentinata erinnern.


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Quellen:

Ernst H. Gombrich, Die Geschichte der Kunst
Henry Zerner, Die Schule von Fontainebleu: das graphische Werk, 1982
Gerd Betz, Wie erkenne ich Manieristische Kunst? – Architektur, Skulptur, Malerei
André Perret, Die Zyklen der europäischen Architektur: eine Theorie dynamischer Zyklen der europäischen Architekturgeschichte seit dem Jahr 1000
Klaus Jan Philipp, Das Buch der Architektur, 2017

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Kultur

Wassily Kandinsky: Nur Bilder

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky in seinem Atelier, 1912. Geboren: 16. Dezember 1866 (nach gregorianischem Kalender), gestorben am 13. Dezember, 1944. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Improvisationen

Improvisation 13 (1910), ZKM Kunsthalle Karlsruhe
Improvisation Klamm (1914), Lenbachhaus München

Unbenannte Improvisation I (1914), Lenbachhaus München

Kompositionen

Komposition (1922), Lenbachhaus München
Komposition 8 (1923),  Guggenheim Museum New York
Entwurf zu Komposition VII (1913), Lenbachhaus München
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Blog

Allein an Weihnachten? Ideen jenseits von Kitsch und Zwang

Unsere Gesellschaft scheint immer weiter zu vereinsamen. Das führt dazu, dass wir auch an vermeintlich „wichtigen Tagen“ mit uns selbst alleine sind – an Weihnachten etwa. Zwei Dinge will ich dir mitgeben, bevor ich weiterschreibe. Erstens: So wie dir geht es gerade auch mindestens 6 Millionen anderen Menschen in Deutschland. Und zweitens: Wir sollten von unserer bis in die Perversion romantisierten Vorstellung vom perfekten Weihnachtsfest im Kreise der Familie ablassen. Diese Erwartungshaltung führt überhaupt erst dazu, dass wir das Gefühl der Einsamkeit nur schwer ertragen können. Wenn es allerdings bereits dabei ist aufzukommen, tun wir Folgendes.

Ein paar Wochen noch bis Weihnachten? Easy!

Wir planen eine Single-Party bei uns zu Hause. Für all jene, die an Weihnachten auch alleine sind. Wir müssen jetzt nicht komplett übertreiben, aber ein Kuchen, ein paar Häppchen und Cocktails sollten drin sein. Auch wenn es „nur“ eine Party aus drei Personen wird. Es wird für alle drei sicherlich besser, als einer depressiven Episode zu verfallen.

Wenn wir allerdings gar keine Freunde haben und wenn es die Arbeit, Finanzen und Zeit zulässt, buchen wir uns eine Reise. Egal wohin. Hauptsache, wir katapultieren uns aus der Realität irgendwo hin, wo es schön und neu ist. Damit sind eigentlich auch alle weihnachtlichen Probleme gelöst. Vorausgesetzt, wir suchen uns ein Land, das nicht gerade streng katholisch ist und wo uns die Tradition, mit der gesamten Familie zu feiern, noch ordentlich unter die Nase gerieben wird. Dennoch können wir auch da einfach raus in die Natur oder ans Meer oder den Ozean, um alle Gedanken und Gefühle besser verarbeiten zu können. Natürlich ist nicht jeder so privilegiert, einfach abzuhauen, wenn ihm danach ist. Ich bin es dieses Jahr ebenso wenig. Daher müssen wir noch kreativer werden.

Ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest

Wenige Tage davor werden viele von uns bereits wissen, dass sie Weihnachten auf sich selbst gestellt sind. Und deshalb besorgen wir uns einen kleinen (oder großen) Weihnachtsbaum, schmücken ihn ganz nach unserem Geschmack – kitschig, monochrom, mit Lametta oder Bonbons – am besten so, wie wir lustig sind. Dann backen wir Plätzchen und verschenken sie NICHT. Die sind nämlich für uns. So können wir das Weihnachtsfeeling auskosten, sind aber nicht auf die Anwesenheit anderer Menschen gestellt.

Oder wir buchen uns ein Solo-Dinner in einem völlig überteuerten Restaurant, das wir schon lange mal besuchen wollten, kochen alternativ ein 5-Gänge-Menü zu Hause, lassen uns am 24. Dezember tätowieren, vorausgesetzt unser Tattoo-Artist macht da mit, oder fangen endlich das neue Hobby an, das wir seit Jahren vor uns her schieben. Wie wir damit anfangen ist egal. Ob wir gleich loslegen, ob wir uns auf YouTube Tutorials zu unserem Traum-Hobby reinziehen oder die ersten Vorbereitungen dafür treffen – alles macht Sinn.

(Freiwillige) Arbeit an Weihnachten

Oder wir gehen halt arbeiten. Bisher hat mir noch nie ein Arbeitgeber gesagt „nein, du bleibst zu Hause.“ In der Heidelberger Redaktion hatte ich das große Glück, dass meine Lieblingskollegin an Heiligabend mit mir zusammen die Stellung hielt. Recht still, aber fokussiert saßen wir den ganzen Abend nebeneinander und hauten in die Tasten. Jene, die selbständig sind, wissen sowieso, was zu tun ist: sich derart mit Arbeit zuzuladen, bis wir vergessen, wo oben und unten ist. Natürlich ist nicht jeder Job so und deshalb suchen wir nach einer anderen sinnvollen Aufgabe.

Ehrenamt: Manche Gemeinden (etwa Rastatt und Baden-Baden) organisieren an Heiligabend ein gemeinsames Abendessen für Leute, die alleine feiern müssen und dies nur schwer ertragen können. Als Gast würde ich da persönlich nicht hingehen, da ich Aktivität brauche. Als freiwillige Helferin hingegen schon. Letztens hatte ich ein Interview mit den Organisatoren der Baden-Badener Initiative „Gemeinsam an Heiligabend“. Es war sehr spannend, was die zu erzählen hatten und eine Message kann ich davon an euch weitertragen: Helfende Hände werden niemals abgelehnt. Selbst wenn alle Posten vergeben sind, könnt ihr durch den Saal gehen und die Gäste, die vielleicht genauso einsam sind, wie ihr es gerade seid, bespaßen, sie kennenlernen und ihnen ein gutes Gefühl geben. Meistens sind es, zumindest bei uns in der Region, ältere Frauen, die ein solches Angebot in Anspruch nehmen. Wenn ihr ihnen etwas von eurer Wärme und Aufmerksamkeit schenkt, fühlt ihr euch nicht mehr so alleine und habt dabei das Prinzip der Nächstenliebe erfüllt. Informiert euch über Angebote in eurer Stadt. Selbst wenn ihr spontan hingeht, wird euch kaum jemand vor die Tür setzen und eure Hilfe ablehnen.

O-oh, es ist bereits Heiligabend! Was tun?

Das Erste, was wir an Heiligabend machen: wir machen uns hübsch. Frisieren uns, cremen uns ein, parfümieren uns, wenn wir Lidschatten benutzen, dann den richtig extravaganten, für den wir bisher nicht den passenden Anlass hatten – wir schaffen eine Full-Glam-Eskalation, ziehen unsere schönsten „Ornate“ und den üppigsten Schmuck an und genießen uns selbst.

Foto von yunona uritsky auf Unsplash

An Heiligabend, wenn es nicht gerade ein Sonntag ist, haben die Läden bis zur Mittagszeit noch offen. Wir nutzen das, gehen noch ein bisschen bummeln, gehen durch die Stadt, trinken dort einen Tee oder Kaffe, gehen vielleicht sogar zum Gottesdienst, auch wenn wir nicht katholisch sind, aber unser Glaube es zulässt, eine Kirche zu betreten.

Allein an Weihnachten: Wanderung und Unterhaltungsprogramm

Wir könnten auch wandern gehen. Für Baden-Württemberg und Hessen habe ich hier ein paar schöne Ausflugstipps publiziert. Die können wir nutzen, wenn das Wetter mitmacht. Oder wir gehen eben „all in“ bei Schlamm und Regen – ist auch recht abenteuerlich und mit Sicherheit nur schwer zu vergessen. Und wer will nicht eines Tages jemandem erzählen, wie er mal an Heiligabend die Offenbarung erlangt hatte, als er knöcheltief im nassen Dreck auf einem Berg mitten im Schwarzwald stand?

Alternativ schauen wir, ob es noch Tickets für die Oper, Theater, Konzert, Kino, Comedy-Show – egal was – gibt. Single-Plätze sind in letzter Minute wesentlich einfacher zu ergattern.

Eine kleine anonyme Freude

Wir könnten auch einfach jemandem ganz anonym ein Geschenk vor die Tür legen. Dafür steigern wir uns maximal in die Situation rein, tun so als seien wir 007 höchstpersönlich und platzieren es mit übertriebener Dramaturgie am Zielort. Tut dies aber NICHT bei Ex-Partnern oder Situationships. Wir wollen Spaß haben und nicht noch weiter in unserer Verzweiflung versinken. Hierfür eignen sich eher neutrale Personen besonders gut: Nachbarn, alte Klassenkameraden, ehemalige Kollegen, Omis und Opis in eurer Stadt, von denen ihr genau wisst, dass sie an Weihnachten ebenso einsam sein könnten. Ein Päckchen eurer selbstgebackenen Plätzchen, die ihr eigentlich für euch selbst geplant habt, wären etwa eine nette Geste.

Foto von Jess Bailey auf Unsplash

Abends zu Hause schauen wir uns dann einen schönen Film an. Nicht gerade einen weihnachtlichen, da in den Hollywoodfilmen dieses überromantisierte Familiengesülze oftmals stark propagiert wird. Und das ist das aller Letzte, was wir brauchen. Wir schauen uns irgend etwas Neutraleres an. Etwa eine nicht romantische Komödie, eine Biographie, einen Cartoon, eine Doku, avecMadlen auf YouTube, Tatort in der ARD-Mediathek oder, wenn es uns richtig dreckig geht, etwas Blutigeres: Quentin Tarantino Filme, Krimis, Horrorfilme, mörderische Dokumentationen. Wenn wir erstmal abgetrennte Körperextremitäten sehen, erkennen wir schnell, wie gut es uns eigentlich geht.

Allein an Weihnachten: Das lassen wir schön bleiben

Was wir NICHT machen: Saufen, Drogen nehmen, auf fragwürdige Dates gehen oder einfach weinend im Bett liegen. Ich verbiete euch das. Vor ein paar Jahren wollte ich mich betrinken, um das ganze zu vergessen, aber mein Nervensystem hat den Alkohol komplett blockiert. Also war mir einfach nur schlecht und mein Kopf war völlig nüchtern. Ich erkannte: das war ein schlechter Plan. Sorry fürs oversharen, aber es ist wie es ist. Schaut auch bei meinem Artikel „Allein an Valentinstag“ vorbei. Dort findet ihr weitere Ideen, die ihr auch an Weihnachten machen könnt. Und wenn’s gar nicht geht: schreibt mir bei Insta. Ich werde safe die meiste Zeit auch alleine sein und mich über eine nette Nachricht freuen.

Ho-ho-haltet die Ohren steif und denkt daran: wir alle gestalten unsere eigene Realität. Fühlt euch gedrückt und frohe Weihnachten. Eure Madlen.


Resume Installation

Copyright: Beitragsbild von Callum Blacoe auf Unsplash

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Kunst & Architektur

So entdeckte ich Frank Gehry in Frankfurt

Diese brutalistisch angehauchten Wohnhäuser bemerkte ich bereits, als ich zum aller ersten Mal mit der Straßenbahnlinie 12 nach Frankfurt-Schwanheim einfuhr. Ihre kantigen Fassaden ragten zwischen den Bäumen hervor, sodass mich ihre Architektur magnetisch anzog. Konnten sie wirklich das Werk des fantastischen Frank Gehry sein?

Goldstein-Siedlung in Frankfurt

Treten wir mal einen Schritt zurück und sehen uns die Frankfurter Goldstein-Siedlung an. Immerhin ist das die Gegend, in der unsere Gehry-Bauwerke Mitte der 90er Jahre errichtet wurden.

Ich halte sie für eine der spannendsten Siedlungen der Stadt, die ich bisher näher betrachten konnte. Vor Langer Zeit plante man hier ein Zuhause für alle Gesellschaftsschichten: Arbeiter, Sozialhilfeempfänger, später auch Geflüchtete und sonstige Ausländer. All sie sollten sich hier wohl fühlen und in einem friedlichen Miteinander ihre Kinder großziehen.

Die Idee war herzergreifend human, wenn man mal ganz vergisst, dass die NSDAP da anfangs mitgemischt hat und wir es hierbei mit ursprünglich idealistischen Strukturen und Visionen zu tun haben. Was heute davon übriggeblieben ist, ist eine beachtliche Profitgeilheit einer bestimmten Verwaltungs- und Baufirma, die auf meine Presse-Anfragen mittlerweile allergisch reagiert und nur noch pampig antwortet oder gar Antworten verweigert. Als Journalistin ist es mir manchmal schon eine Ehre, ungeliebt zu sein. In diesem ganz bestimmten Fall ist es das jedenfalls.

Durch Zufall entdeckt

Womit haben wir es also zu tun, wenn wir uns die Wohnhäuser, die sich da in Goldstein zwischen den Bäumen blicken lassen, ansehen? Nachdem sie mir ein ganzes Jahr lang immer wieder ins Auge sprangen, fand ich bei meinem Besuch im Historischen Museum Frankfurt heraus, das sie das Werk Frank Gehrys sind. Ganz durch Zufall las ich bei der Sonderausstellung zu Frankfurter Fotografien aus längst vergangenen Zeiten eine Bildunterschrift, die meine Recherche anregte.

Wie ich die Frank-Gehry-Siedlung in Frankfurt-Goldstein entdeckte.
Da stand ich nun vor dem eingerahmten Bild. Ich erkannte meine geliebten Bauten. Dann las ich das Schildchen unterhalb des hölzernen Rahmens: „Frank Gehry“. Meine Augen weiteten sich.

Verwaltung durch die Nassauische Heimstätte omg

Oh Wunder, oh Wunder. Diese hohe Architektur wird von der Nassauischen Heimstätte (NHW) verwaltet, die ich natürlich an keiner anderen Stelle dieses Textes erwähnt habe. Genau genommen handelt es sich bei den Gehry-Häusern um eine ganze Gehry-Siedlung (in der Goldstein-Siedlung – quasi Siedlung in Siedlung, lol) . Und sie soll damals das gemeinsame Projekt der NHW und des großen Frank Gehry gewesen sein. Die NHW schreibt sogar, das diese Siedlung das Paradebeispiel dafür sei, dass sie auch Non-Profit-Projekte hat. Immerhin blicken wir hier auf ein ganzes Ensemble an Sozialbauten; in verschiedensten architektonischen Ausführungen.

Die Anlage besteht aus 162 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen, darunter auch barrierefreie Ausstattungen. Jede Wohnung bietet durchschnittlich eine Fläche von 73 Quadratmetern. Errichtet wurde die Gehry-Siedlung zwischen 1994 und 1996.

Frank Gehry Siedlung in Frankfurt: Architektur

Gehrys extravagante Handschrift zeigt sich deutlich in der farbenfrohen Gestaltung der Fassaden mit skulpturalen Elementen und den teilweise mit Zinkblech verkleideten Balkonen und Treppenhäusern. Die Balkone sind wie Logen gestaltet und bieten einen Blick auf einen Innenhof mit Spielbereich.

Zu Beginn seiner Karriere baute Gehry konventionell. Gegen Ende der 70er Jahre veränderte er seine architektonische Formensprache. Er begann, vermeintlich „ärmliche“ Materialien wie etwa Sperrholz und Wellblech einzusetzen. Im, Möbelbau sogar Wellpappe. Charakteristisch für Gehrys Baustil sind seitdem abgewinkelte Ebenen, kippende Räume, umgekehrte Formen und eine gebrochene Geometrie. Seine Bauten haben typischerweise auseinanderstrebende Bauelemente, die miteinander verknüpft werden – so, dass es wie ein Ineinanderfließen der Räume wirkt.

Infrastruktur der Frank-Gehry-Siedlung

Nicht nur Design und Ästhetik stehen bei der Siedlung im Vordergrund. Die Infrastruktur spielt ebenfalls eine Rolle in diesem Projekt. In unmittelbarer Nähe zur Wohnanlage stehen den Bewohnern eine Sozialstation, ein Jugendzentrum sowie diverse Geschäfte zur Verfügung. Außerdem eine gepflegte Wiese zum Spazieren- und Gassigehen plus Straßenbahn-Haltestelle.

Architekt Frank Gehry

Frank Owen Gehry, 1929 in Toronto geboren, ist bekannt als Vertreter des Dekonstruktivismus. Seine Bauten sind auffällig collageartig und folgen keinen strengen Konstruktionsprinzipien. Oftmals fließen ganze Gebäude ineinander über und wirken wie glänzende UFOs oder sonstige Objekte, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Mit seinem Stil, den ungewöhnlichen Formen, Farben und Baumaterialien, wie etwa Zinkblech für die Außenfassaden, bringt er ganz neuen Glanz in die Siedlung Goldstein.

Am 5. Dezember 2025 stirbt die Legende und hinterlässt auf ewig ein beachtliches Lebenswerk, das noch viele Generationen nach ihm magnetisieren, faszinieren und inspirieren wird.

Frank Gehry
Da ist der Mann der Stunde (schwarzer Mantel und Brille): Architekt Frank Gehry beim Richtfest der Goldstein-Siedlung. Copyright: Nassauische Heimstätte.

So fühlte es sich an, vor Ort zu sein

Natürlich eilte ich damals hin, als ich erfuhr, dass die Häuser von unserem Architekten-Superstar sind. Der Weg dort hin war für Frankfurt-Verhältnisse idyllisch. Die Architektur – überwältigend. Wenn ihr die Gehry-Siedlung besuchen wollt, beachtet bitte, dass dies der Wohnraum der dort lebenden Menschen ist. Hinterlasst nichts, seid leise und verhaltet euch respektvoll – ihr seid auf fremdem Terrain. Stellt euch darauf ein, dass die Anwohner, die auf den Bänken zwischen den Gebäuden sitzen, euch sofort als Fremdkörper identifizieren werden. Versucht daher eher unauffällig oder gar keine Bilder zu machen, aber nicht so auffällig unauffällig wie ich.

Das hat mir ganz und gar nicht gefallen

Was mir sehr weh tat, war der Zustand der architektonischen Meisterwerke. Genau genommen, das, was die einen oder anderen Bewohner der Siedlung dort veranstaltet haben. Die Wege drum herum waren sehr gepflegt. Bei den Wiesen sah es schon etwas trauriger aus. Die Häuser haben mich teilweise nur noch deprimiert. Kaputte klingeln und Briefkästen, billige und vor allem leere und abgeranzte Blumentöpfe, die von den grafischen Logen-Balkonen hingen, ohne auch nur ansatzweise stilistisch oder farblich dazu zu passen. Billige Sonnenschirme, irgendwelche Boho-Dekoartikel und Lampen, Zäune im rustikalen Stil (!!!), alte ausgeblichene Aufkleber an den Fenstern – einfach nur ein geschmackloser Horror, der diese klare Architektur regelrecht vergewaltigt. Wie immer mache ich keine Bilder vom Hässlichen, weil ich da einfach kein Bock drauf habe. Aber das Hässliche gehört zum Leben dazu – wenn auch nicht auf meinen Blog.

Ich finde diesen Billo-Dekowahn wirklich respektlos gegenüber Frank Gehry. Und das hat nichts mit Geld haben oder nicht haben zu tun. Ich weiß genau, was finanzielle Schwierigkeiten sind. Doch sowas Geschmackloses brachte ich noch nicht einmal zustande, als ich mir während meiner Studienzeit lediglich eine Matratze und ein improvisiertes Bücherregal leisten konnte, welches ich übrigens bis heute nutze. Dennoch merkt man schon, dass die NHW da regelmäßig pflegt. Die Farbe an den Häusern war relativ frisch und die Außenanlagen genossen offenbar Aufmerksamkeit. Die Blechelemente der einzelnen Bauwerke waren in gutem Zustand. Ich nehme stark an, dass da regelmäßig restauriert wird. Zumindest außen.

Zwischen Wohnsiedlung und Kunstobjekt

Beenden wir diesen kleinen Ausflug mit einer positiven Note. Egal wie abgeranzt die Häuser aktuell sind – sie tragen den Geist unserer Legende in sich weiter und werden dies auch noch viele Jahre tun. Vielleicht sieht er mir gerade aus den Wolken dabei zu, wie ich mich über den Zustand auslasse und zeigt mir, wie auch anderen Journalisten vor mir „den Finger“. Vielleicht ist er der veranstalteten Geschmacklosigkeit gegenüber viel toleranter als ich und versteht viel besser als ich, dass die Häuser für das Leben darin gemacht wurden und nicht dafür, um als Kunstobjekte betrachtet zu werden. Wir wissen es nicht.

Bleiben wir mal ganz kurz bei Kunst: Die Gehry-Siedlung befindet sich nur einen kurzen Spaziergang von meinen geliebten Eiermann-Türmen entfernt. Wenn ihr also einen vollumfassenden architektonischen Orgasmus erleben wollt, plant bitte auch einen Besuch zu diesen ausgefallenen Bauwerken in Frankfurt-Niederrad.


Quellen:

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Kunst & Architektur

Städel Frankfurt: Max Beckmann ist da!

Zwei Maxe werden derzeit parallel ausgestellt. Seit heute, 3. Dezember, finden wir Max Beckmann im Frankfurter Städel und Max Liebermann im Frieder Burda Baden-Baden. Widmen wir uns aber meinem Lieblingsmax: Beckmann (1884-1950).

Sein Werk entsteht in einer von Krisen und Umbrüchen geprägten Welt. Diese Erfahrungen wandelt er in seine ganz eigene Bildsprache. Den wohl intimsten Teil der Arbeiten bilden seine Zeichnungen. Wie ein Tagebuch dokumentieren sie Beckmanns künstlerische Entwicklung und dienen ihm gleichzeitig als Medium der Beobachtung, Bildfindung und -Erfindung. Das Städel Museum rückt diese Arbeiten nun in den Mittelpunkt und präsentiert rund 80 Werke aus allen Schaffensphasen. Von bislang wenig bekannten bis hin zu „herausragenden Hauptwerken“, wie das Kunsthaus ankündigt, soll alles dabei sein. Ob ich mich auf die Ausstellung freue? Fuck, yes. Wer kommt mit?

Max Beckmann im Städel: Ein weltweit bedeutender Bestand

Das Städel Museum hat eines der „herausragendsten Beckmann-Bestände weltweit“, heißt es in einer Pressemitteilung. Es widmet sich bereits seit mehr als hundert Jahren der Sammlung, Forschung und Vermittlung seines Werks. In der Ausstellung werden sowohl Zeichnungen aus dem eigenen Bestand als auch Leihgaben internationaler Museen und Privatsammlungen gezeigt. Uns erwarten Werke aus renommierten Kunsthäusern wie etwa dem Museum of Modern Art in New York, British Museum in London, Art Institute of Chicago, Kunstmuseum Basel, der Hamburger Kunsthalle, dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Einzelne Gemälde und Druckgrafiken eröffnen darüber hinaus Einblicke in Beckmanns Arbeitsprozess und das Wechselspiel verschiedener Medien.

„Trotz der Verluste fast aller Werke des Künstlers während der NS-Zeit verfügt das Museum heute über einen Beckmann-Bestand von internationalem Rang. Mit der aktuellen Ausstellung rücken wir nach über vierzig Jahren erstmals wieder gezielt Beckmanns Zeichnungen in den Mittelpunkt“, so Philipp Demandt, Direktor des Städels.

Städel Museum Frankfurt: Rundgang durch die Ausstellung

Die Ausstellung verfolgt in sechs Kapiteln Beckmanns eigenständige künstlerische Entwicklung von der frühen Berliner Zeit bis zu den letzten Lebensjahren in den USA. Ergänzend sind ausgewählte druckgrafische Blätter in einem eigenen Kabinett neben dem Beckmann-Saal in der Dauerausstellung der Moderne zu sehen.

Ausstellungsansicht „Beckmann“, Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

Max Beckmann: Anfänge in Berlin

Seine ersten künstlerischen Erfolge erzielte Max Beckmann 1906 in der Ausstellung der Berliner Secession. Akademisch ausgebildet, entwickelte er einen Stil, der dem deutschen Impressionismus nahestand. Dies zeigt sich etwa in den sanften Schraffuren des Selbstporträts von 1912 oder in der atmosphärischen Abendlichen Straßenszene (1913?).

Inhaltlich reizten ihn die großen Themen: In Historiengemälden mit biblischen, mythologischen oder zeitgeschichtlichen Motiven verarbeitete er grundlegende menschliche Konflikte. Mit dem aufkommenden Expressionismus und der wachsenden kritischen Resonanz auf seine Werke begann Beckmann, sich stärker mit persönlichen Erlebnissen auseinanderzusetzen. Dies zeigen die Skizzen zum Entwurf von Die Nacht (1912), die Szenen einer Gewalttat festhalten, von der Beckmann vermutlich selbst Zeuge war.

Der Künstler im Krieg

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Max Beckmann – wie viele Künstler seiner Generation –freiwillig zum Sanitätsdienst in der Hoffnung, neue Impulse für sein Schaffen zu gewinnen. Auf frühere, bildhaft komponierte Werke, die das Grauen des Krieges in Ostpreußen zeigen, folgten in Flandern zunehmend reduzierte Zeichnungen, die den Alltag der Soldaten, das Leid der Verwundeten und die Zerstörungen des Krieges sachlich und knapp festhalten. Werke wie Verwundeter Soldat mit Kopfverband (1915) zeigen den Menschen mit schnellen, kantigen Strichen in seiner Verletzlichkeit, während Aufgebahrter Toter (1915) durch seine eindringliche Bildsprache mit starken perspektivischen Verkürzungen wirkt.

Verwundeter Soldat mit Kopfverband, 1915, Bleistift, 151 × 120 mm, Museum der bildenden Künste Leipzig

Noch im Dezember 1914 entstanden Entwürfe für das Gemälde Auferstehung (Staatsgalerie Stuttgart), das Beckmann 1915 in Straßburg beginnen, aber nie vollenden sollte. Es ist das einzige Ölbild, das Beckmanns Kriegserfahrungen unmittelbar reflektiert. Fernab jeder Hoffnung steigen Tote aus ihren Gräbern in eine zersplitterte Landschaft. Erstmals wird in der Ausstellung eine große Entwurfszeichnung zu diesem Schlüsselwerk präsentiert, die vor wenigen Jahren im Nachlass Mathilde Q. Beckmanns entdeckt wurde.

Einen kleinen Vorgeschmack auf den Stil Max Beckmanns können meine Baden-Badener tatsächlich im Frieder Burda erlangen. Im Untergeschoss, dort, wo der Museumsshop ist, hängt mindestens ein Gemälde Beckmanns, das unsere schöne Stadt zeigt. Mutmaßlich die Trinkhalle.


Quelle: Pressekit des Städel Museums

Beitragsbild: Max Beckmann, Der Mord, 1933 Aquarell und Pinsel in Schwarz über schwarzer Kreide
498 × 455 mm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Dauerleihgabe aus der Sammlung Karin & Rüdiger Volhard

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