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Kunst

Nicolas Poussin: Ein französischer Künstler erobert Rom

Nicolas Poussin (1594 – 1665) gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des klassizistischen Barocks. Erste künstlerische Anregungen erhielt der Franzose durch Werke der Schule von Fontainebleau. In Paris lernte er den Dichter Giambattista Marino kennen, der sein Interesse an der griechischen und römischen Mythologie weckte – Themen, die sein späteres Werk prägen sollten.

Gemälde des französischen Künstlers Nicolas Poussin: Raub der Sabinerinnen
Raub der Sabinerinnen, entstanden zwischen 1637 und 1638. Quelle: Wikipedia

Nicolas Poussin sucht das Schönheitsideal in der Antike – und findet es

Wie auch viele andere Künstler seiner Zeit sah Poussin in der Kunst der Antike ein Ideal menschlicher Schönheit und Tugend. Um diese Vorbilder aus nächster Nähe studieren zu können, wollte er nach Rom. Der Weg dorthin war mühsam. Poussin stammte aus einer verarmten Familie aus der ländlichen Normandie und musste lange sparen, bevor er die Reise wagen konnte. Ein erster Versuch scheiterte am Geldmangel, erst 1624, im Alter von 30 Jahren, erreichte er die „Ewige Stadt„.

Der Anfang war schwer. Die großen Aufträge des Papstes und der römischen Adelsfamilien gingen meist an etablierte italienische Künstler wie etwa Guido Reni oder Carracci. Poussin konzentrierte sich daher auf kleinere Gemälde mit religiösen, mythologischen und historischen Themen, die bald das Interesse privater Sammler fanden.

Ohne Kontakte geht in Rom gar nichts

Entscheidend für seine Karriere waren einflussreiche Förderer. Über eine Empfehlung an den Papstneffen Francesco Barberini gelangte er in die Kreise der römischen Elite. Barberini stellte den Kontakt zum Bankier und Kunstsammler Vincenzo Giustiniani her, der Gemälde von Poussin erwarb und ihm Zugang zu seiner bedeutenden Antikensammlung gewährte. Noch wichtiger wurde Cassiano dal Pozzo, ein Gelehrter und hoher Beamter am päpstlichen Hof.

Poussin, der vermutlich eine Jesuitenschule besucht hatte und anders als viele seiner Kollegen Latein beherrschte, konnte bei dal Pozzo seine humanistische Bildung vertiefen. Dessen berühmtes „Papiermuseum“ umfasste Zeichnungen von rund 1.500 antiken Ruinen, Büsten und Medaillen. Für den jungen Künstler war diese Sammlung von unschätzbarem Wert: Durch das Kopieren verdiente er seinen Lebensunterhalt und studierte zugleich auch die Formenwelt der Antike. Zudem soll er in Rom intensiv die Werke Tizians und Raffaels untersucht haben.

Dal Pozzo entwickelte sich zu einem seiner wichtigsten Auftraggeber und erwarb im Laufe der Jahre rund 50 Gemälde.

Nicolas Poussin, der freiheitsliebende Künstler

Poussin galt als unabhängig und freiheitsliebend. Statt im Haushalt seiner wohlhabenden Mäzene zu leben, wohnte er mit Gleichgesinnten in einem Künstlerviertel Roms. Das internationale Milieu war lebhaft, aber nicht konfliktfrei. Der Biograf Giovanni Battista Passeri berichtet etwa von einer Auseinandersetzung mit bewaffneten Soldaten, bei der Poussin sich mit seiner Zeichenmappe verteidigte und nur knapp einer schweren Verletzung der rechten Hand entging. Danach kleidete er sich so, dass er nicht mehr sofort als Franzose erkannt wurde.

Poussins Rückkehr nach Paris

1640 kehrte Poussin auf Drängen König Ludwigs XIII. nach Paris zurück. Frankreich strebte nach einer führenden Rolle in Europa und nun sollte auch die Kunst diesem Status Ausdruck verleihen. Als „Maler des Königs“ war Poussin zwar privilegiert, musste jedoch Aufgaben übernehmen, die seinem Wesen widersprachen. Er entwarf Dekorationen für die Große Galerie des Louvre, plante Ausstattungen für Innenräume und hatte zahlreiche Mitarbeiter.

Lange hielt es der freiheitsliebende Poussin nicht aus. Er floh nach Rom, wo er wieder das Leben, führte, das er bevorzugte: bescheiden, ohne Dienerschaft und fern vom höfischen Glanz. Während Zeitgenossen wie Rembrandt, Velázquez oder Rubens gesellschaftlichen Aufstieg und Repräsentation suchten, orientierte sich Poussin an antiken Idealen wie Bescheidenheit, Disziplin und geistiger Konzentration.

Bis zu seinem Tod blieb er in Rom. Dennoch wurde er zum wichtigsten Maler Frankreichs seiner Zeit. Heute gilt Poussin nicht nur als bedeutender Maler der klassizistischen Linie, sondern auch zu den geistigen Vorläufern des Akademismus, jener Kunstrichtung, die die Orientierung an antiken Vorbildern zum Maßstab künstlerischer Qualität erhob.


Quellen:

Autoren: Hagen, Rose-Marie und Hagen, Rainer
Aufsatz: Nicolas Poussin „Der Raub der Sabinerinnen“ im Chaos steckt die Idee einer höheren Ordnung
Medium: Art – das Kunstmagazin (Ausgabe aus dem Jahr 1979)

Vervollständigt durch den Wikipedia-Beitrag zu Nicolas Poussin (Abrufdatum: 16.6.2026)

Bildquelle, Titelbild: Wikipedia

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Kultur

Save the Date: Theaterstück „Das Gewohnheitstier“

Heute hab ich euch wieder eine Kulturveranstaltung der besonderen Art herausgesucht: „Das Gewohnheitstier“ ein Theaterstück von Jacob Glötzl. Es wird nur zwei Aufführungen geben: am Freitag, 19. Juni und Sonntag, 21. Juni 2026. Ort: P8², Schauenburgstraße 5, 76135 Karlsruhe.

Theaterstück "Das Gewohnheitstier" in Karlsruhe. Alle Infos hier
„Das Gewohnheitstier“ wird in Karlsruhe aufgeführt. Quelle: Jacob Glötzl

Theaterstück „Das Gewohnheitstier“: Handlung

„Meine Gewohnheit flüstert mir ins Ort, wie ein Parasit nistet sie sich ein, wandert in mein Hirn, manipuliert mich und beeinflusst mein Verhalten. Sie wächst, bis ich mich wie eine Marionette fühle und keine Kontrolle mehr habe.“ So lautet der kleine Vorgeschmack auf das, was uns erwartet.

Das Stück beginnt mit dem Einzug der neuen Mitbewohnerin Sam. Ihr Auftreten verändert die bestehenden Strukturen der WG und bringt die eingespielten Routinen aus dem Gleichgewicht. Die Bewohner reagieren darauf mit Verunsicherung und ziehen sich zunehmend in ihre individuellen Verhaltensmuster zurück. Der Umgang miteinander verschiebt sich. Angst vor Veränderung prägt den Alltag. Im Verlauf steigert sich diese Dynamik. Wird es zu einer Eskalation kommen? Finden wir es raus.

Impressionen von den Proben. Quelle: Jacob Glötzl

Hintergründe zum Kulturprojekt

Ein Theaterprojekt, initiiert, inszeniert und organisiert von Jacob Glötzl (19 Jahre) gemeinsam entwickelt mit jungen Erwachsenen zum Thema „Gewohnheiten und Muster“.

Weitere Infos unter: www.werkraum-karlsruhe.org

  • Eintritt: 12.-/8.-
  • Abendkasse: 14.-/10.-
  • Kartenvorverkauf findet im Werkraum Karlsruhe statt

Titelbild: Jacob Glötzl

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Kunst

Polarisierend, roh, schauderaft: Russian Criminal Tattoo

Hast du dich schon mal gefragt, ob Tattoos Kunst sind? Während du dir möglicherweise eine Begründung für deine Antwort überlegst, erzähle ich dir von meinen persönlichen Highlights aus dem enorm polarisierenden Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1.

Eckdaten:

  • Drawings and Foreword: Danzig Baldaev
  • Photography: Sergei Vasiliev
  • Introduction: Alexei Plutser-Sarno
  • Design and edit: Murray & Sorrell FUEL
  • Editor: Honey Luard
  • Translator: Andrew Bromfielt
  • Co-Ordinators: Anna Benn, Julia Goumen

Hab ich von der S. 12 übernommen. Mir liegt die Enzyklopädie in englischer Sprache vor.

Warum bin ich überhaupt in Besitz eines solchen Buches?

Ich habe jahrelang davon geträumt, es zu besitzen. Es gibt mehrere Bände und die sind sündhaft teuer. Zudem auch sehr beliebt. Zum einen reizt mich die russische Knastromantik. Die düstere Unterwelt zog mich schon immer an. Hin und wieder einen Einblick in die Gedanken der Häftlinge zu bekommen, ist mir irgendwie wichtig, weil die Außenwelt sie schnell vergisst. Dabei geht es mir gerade nicht um verurteilte Mörder. Die vergisst man nur schwer. In den Beispielen, die ich euch heute vorstelle, geht es hauptsächlich um Menschen, die für Fehler anderer Natur büßen mussten. Die Gefängnisse und ihre Tattoo-Symbolik sind jedenfalls eine ganz eigene Welt und nicht alle bekommen die Chance auf einen Einblick.

Außerdem liebe ich Tattoos. Zum einen wollte ich wissen, ob die, die ich bereits habe, eine Bedeutung tragen, für die es in bestimmten Kreisen Ärger geben könnte, andererseits bin immer auf der Suche nach Inspiration. Und wer weiß schon, was ich in diesem langen Leben noch alles ausprobieren werde. Kurz gesagt: Die Anschaffung dieses Buchs war für mich essentiell. Ich bekam es für einen Schnäppchenpreis von 24 Euro. Gebraucht, versteht sich.

Russian Criminal Tattoo: Was mich überrascht hat

Jedes dort aufgeführte Tattoo hat natürlich eine eigene Bedeutung und Symbolik. Und die unterscheidet sich erheblich von allem, was ich bisher in der Kunstgeschichte gelernt habe. Das Buch gibt tiefe Einblicke in den Spirit der Menschen, die für unterschiedlichste Vergehen eingebuchtet wurden. Mein Eindruck: An Melancholie, Lyrik, Hierarchie und Kreativität nur schwer zu überbieten.

Die Sammlung im Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1 besteht überwiegend aus sehr seltenen Tattoos. Die Verfasser haben gut recherchiert, wem sie gehörten, wofür sie standen und vor allem: wofür die Kriminellen einsaßen. Die Bilder sind abgemalt. Größtenteils von Dokumenten aus der Gerichtsmedizin.Von 1910 bis 1997 ist alles dabei. Das Buch erschien erstmals im Jahr 2003.

Kommen wir zu den Geschichten, die unter die Haut gehen: Madonna mit Kind

Inschrift um das Madonnen-Tattoo: Meine Mutter wurde wegen „Getreide“ verurteilt, und ich wurde am 25. Oktober 1935 im Gefängnis geboren. Sitze seit 21.XII.54 und werde im Gefängnis sterben, auf Anordnung des Präsidiums des Obersten Rats vom 4.VI.47 – 25-jährige Haftstrafe.

Bildunterschrift vom Autor des Buchs: Besserungskolonie, Ulan-Ude, Burjatische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik. 1960er Jahre. Brust.

Text: Dieser „Talisman“ der Diebe, basierend auf Raphaels „Madonna aus der Sixtinischen Kapelle“, gehörte einem Sträfling, der wegen des gemeinschaftlichen Diebstahls von Lebensmitteln aus einem Militärdepot in der Stadt Irkutsk zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Er war als „Bely“ (Weißer) bekannt. Laut „Bely“ wurde seine Mutter nach einem Erlass des Rates der Volkskommissare vom 7. August 1935 verurteilt, weil sie nach der Ernte Getreideähren aufgesammelt hatte. Auf den kollektiven Bauernfeldern des Bezirks Nischeudinsk in der Region Irkutsk wurde bei ihr ein Segeltuchsack mit etwa drei Kilogramm Getreide beschlagnahmt. Sie hatte es gesammelt, um ihre beiden Töchter im Alter von fünf und sieben Jahren zu ernähren.

Das Urteil lautete fünf Jahre Haft. „Bely“ brachte sie in einem der Taischet-Lager zur Welt. Er kannte seinen Vater nicht, der 1935 ertrank, während er Baumstämme für den Holzbetrieb zusammenband, für den er arbeitete. Während seine Mutter im Gefängnis war, schickte man seine Schwestern in ein Kinderheim, aus dem sie sie nach ihrer Entlassung im Jahr 1940 abholte. Wenig später holte sie ihren Sohn, der damals kaum noch am Leben war, aus einem Heim für Kinder verurteilter weiblicher Krimineller.

Von Generation zu Generation vererbt

Criminal Russian Tattoo
Knasttattoo aus dem Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1, S.186.

Tattoo-Inschrift: 1872 Sakhalin

Text: Arbeitslager Kolyma. 1940er Jahre. Diese Tätowierung zeigt einen Sträfling mit dem Spitznamen „Kopf“, dessen Kopf zur Hälfte rasiert ist. Er hält eine Kerze und steht vor einem Kreuz. Das Tattoo gehörte ursprünglich Kopfs Großvater, der mit seiner Frau nach Sachalin verbannt und 1872 unter polizeilicher Überwachung freigelassen wurde.

Wie schon sein Vater vor ihm ließ sich Kopf das Tattoo von einem Tätowierer im Kolyma-Lager stechen. Kopf war sehr stolz auf seine Tätowierungen und betrachtete sie als sein Erbe. In Kolyma gehörte er in den 1940er Jahren zu den wenigen verbliebenen alten Sträflingen, die sich selbst als erbliche Diebe im Gesetz verstanden.

Anmerkung von mir: Die Geste, ein Tattoo zu „vererben“ ist absolut neu für mich und ich bin über alle Maße verzückt. Würd ich auf jeden Fall auch so machen. Nicht im gleichen Kontext, versteht sich, aber eins meiner Tattoos an die nächste Generation weiterzugeben, reizt mich irgendwie.

Der Bär mit dem Akkodeon

Knasttattoo aus dem Buch Russian Criminal Tattoo Encyclopedia Volume 1, S.183.

Text: Transitgefängnis Wologda. 1950er Jahre. Das humorvolle Tattoo eines Unruhestifters, typisch für Besserungsarbeitslager im Norden und in der Taiga. Der gebräuchlichste Name für dieses Tattoo, das in zahlreichen verschiedenen Varianten existiert, ist „Mischa der Akkordeonspieler“. Der Träger wurde nach Artikel 74 des Strafgesetzbuches der RSFSR von 1926 verurteilt. Darunter fallen ungebührliche Handlungen, öffentliche Ruhestörung, Pöbeleien, Schlägereien, Randale, grobe Verstöße gegen öffentliche Ordnung.

Anmerkung von mir: Würd ich mir 1 zu 1 so stechen lassen.

Fazit

Um auf meine Aufmacher-Frage einzugehen: Tattoos sind für mich Kunst. Künstler stechen sie für Geld auf unsere Körper. Ein klassischer Kunstmarkt, wie mir scheint. Auch wenn die Abbildungen oder Schriftzüge mit uns sterben. Doch die Tattoos, die ich dir gerade gezeigt habe, leben in Papierform (und offenbar auch Blog-Form) weiter und erzählen weiterhin die Geschichten der Menschen, die sie getragen haben, obwohl die schon längst tot sind.

Lohnt sich der Buchkauf? Ja, lohnt sich auf jeden Fall. Du wirst da noch ganz viele andere verstörende Geschichten, Tätowierungen und Fotos finden. Viele viele Penisse, obszöne Illustrationen, Dinge, die du nicht mal auf Pornhub findest. Aber auch Nazi-Tattoos, antisemitische und regierungsfeindliche Sprüche und Abbildungen, die wir unbedingt kritisch betrachten sollten. Teilweise hat mich das Programm wirklich schockiert. Ein verbotenes Portal in eine geheime Unterwelt sozusagen. Wenn mir Vol. 2 vorliegt, bekommst du das hier auf avecMadlen.com mit.

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Reisen

Malaysia: Der Night Market in den Cameron Highlands

Es war bereits dunkel, als mich eine Frau zum Night Market fuhr. Die einzige Grab-Fahrerin in den Cameron Highlands (in Malay: Tanah Tinggi Cameron). Voller Bewunderung sagte ich ihr, wie schön es sei, eine Frau am Steuer zu sehen. Wir kamen ins Gespräch, während die Straße sich durch die schwüle Dunkelheit zog, durch die Hügel, die sich nur noch als Schatten abzeichneten.

Night Market in den Cameron Highlands: Wir sind da!

Mitten auf dem Markt ließ sie mich raus. Genau dort, wo die Stände mit den Klamotten aufhörten. Hochwertige Fälschungen; qualitativ teils besser, als das, was man in Europa in den Einkaufszentren bekommt. Und dann stand ich plötzlich da in dieser Verdichtung aus künstlichem Licht, Geräuschkulisse und Bewegung. Hunderte Stimmen, laute Musik. In der Ferne donnerte und blitzte es.

Ich floss in die dichte Menschenmenge hinein und nahm ihr langsames Tempo an. Es passte mir sogar gut, da ich nach dem Unfall sowieso nicht so gut laufen konnte. Die Menge trug sich selbst, und ich ließ mich mitziehen, ohne etwas dagegen einzuwenden. Körper an Körper. Glücklicherweise nur wenig Körperkontakt. Meistens entschuldigten sich die Leute dafür, wenn es doch passierte. Seit Frankfurt reagiere ich relativ empfindlich auf solch dichte Menschenmengen. Normalerweise gehe ich in mich hinein, wenn mir etwas zu viel ist, und nehme das Außen eher als Animation wahr. Aber auf dem Night Market war es anders. Dort gab es viel zu viel Spannendes zu sehen. Meine Augen waren überall.

Farben, Düfte und Geschmäcker: Die schönste Art von Reizüberflutung

Es dampfte und duftete. Das Farbenspektrum flutete mich. Frischer Duft sonnengereifter Erdbeeren und Erdbeersmoothies stieg mir in die Nase. Dann wieder Rauchiges und Gegrilltes. Gedämpfte Süßkartoffeln in Lila, Orange und Weiß. Gleich daneben gedämpfte Maiskolben, geschmorte Fleischbällchen. Pizza, Burger, BBQ, Nudeln, die vor deinen Augen zubereitet werden. Schlüsselanhänger, die ein junger Malay von Hand gravierte. Auf seinem Stang gab es auch Ringe. Ich kaufte einen in schwarz, den ich seit dem Abend nicht ein Mal abgelegt hatte.

Sehenswürdigkeit: Night Market in den Cameron Highlands, Malaysia

Dann kaufte ich mir eine Tüte kleiner weißer Wurzeln, die ich bereits aus Sochi kannte, dort allerdings nur fermentiert gegessen hatte. Diesmal waren sie roh und knackig. Die Verkäuferin riet mir davon ab, viel davon zu essen. Ich dachte mir: Yolo. Am nächsten Tag die wohl verdienten Bauchschmerzen.

Maiskolben und Süßkartoffeln konnte ich mir ebenso wenig entgehen lassen, wie auch weiße Erdbeeren. Der krönende Abschluss: Takoyaki, diese japanischen Octopus-Kugeln, die bei Social Media hin und wieder viral gingen; vermutlich weil dessen Zubereitung so meditativ anzusehen ist. Köstlich. So eine zarte Textur. Würd ich absolut wieder essen, obwohl ich alles Tentakelige grundsätzlich ablehne. Zumindest wenn es in meinem Essen ist.

Ich blieb stehen und sah zu, wie die junge Frau die Takoyaki-Kugeln in den Mulden drehte, wie sie den Teig eingoss, wie alles in gleichmäßigen Bewegungen entstand. Das war echt super. Ich kann jetzt nachvollziehen, warum sowas überhaupt erst viral geht. Ein paar Meter weiter sah ich einer Frau am großen Wok zu. Ihre routinierten Handbewegungen, fast wie im Schlaf. Das was sie machte, sah ebenfalls köstlich aus.

Begegnungen mit Einheimischen und Europäern

Viele Blicke streiften mich. Einige blieben verwundert bei mir hängen oder wanderten nach unten auf mein Knie. Ein bisschen nackt fühlte ich mich schon in Malaysia. Doch die Atmosphäre war, trotz der späten Uhrzeit, sehr freundlich und familiär. Frauen in Grüppchen, Kinder, Familien. Das, was mir in Deutschland immer mehr fehlt.

Die malaysischen Frauen waren es, die mir diese Freundlichkeit während meines gesamten Aufenthaltes schenkten. Besonders auf dem Night Market fiel mir das auf. Gerne denke ich an ihr aller Lächeln zurück, wie sie miteinander quatschten, lachten, mir zunickten. Durch die Frauen gewann Malaysia auch eine entspannte Atmosphäre. Hier in den Cameron Highlands schien sie mir besonders locker, da fast alle im Urlaub waren und daher zufrieden, sorglos und entspannt ihr Geld ausgaben und mit ihren Freundinnen und Schwestern bummelten.

Und mittendrin ich: eine der wenigen weiblichen Gestalten ohne Kopftuch. Zudem eine der wenigsten, die allein unterwegs war. Osteuropäisch aussehend. Und auch noch mit sichtbaren Verletzungen am gesamten Körper. Ich hoffte, dass ich mit meinem jämmerlichen Anblick niemandem die Laune vermieste. Das war teilweise wirklich meine größte Sorge.

Ein paar Europäer traf ich dort auch. Unzufrieden durch die Menge gehend, schlechte Energy verbreitend, wie wir Europäer halt sind höhö. Aber vielleicht hatten die auch einfach nur Bauchschmerzen, weil sie zu viele undefinierbare rohe Wurzeln gefressen hatten. Sonst traf ich kaum Europäer. Die, die ich etwa im Bus traf, waren pärchenweise unterwegs und wirkten viel entspannter als ich. Man fragt sich, warum. Ich hatte da so eine gewisse Ahnung. Neben ihnen fühlte ich mich wie eine Stromkabelkugel von 25.000 Volt. Das missfiel mir. Aber das war irgendwie auch mein eigenes Problem, wisst ihr?

…Und noch einmal, weil’s so schön war 🙂

Steht man in der Mitte des Marktes, ist keines der beiden Enden in Sicht. Erstaunlich groß. Das Licht der Stände beleuchtete die Auslagen beinahe magisch. So, dass ich überall reinbeißen wollte.

Eigentlich wollte ich kein zweites Mal hin. Doch am nächsten Tag hatte ich irgendwie plötzlich doch Bock. Die beiden neu gewonnenen Freundinnen, Jacky und Katharina, steckten mich an. Und ich ließ mich von dem Gefühl und dem Zufall treiben.

Wenn ich allein bin, fühle ich mich ein bisschen wie ein Eindringling, der Alltagssituationen fotografiert und die Privatsphäre der Menschen stört. Was ich vermutlich tatsächlich tue. Aber ich will das einfangen. Damit ich das niemals vergesse. Es sind Momente, die mein Leben bereichern. Menschen, dessen Präsenz meinen Weg erhellen. Wenn ich ihre Privatsphäre für diesen kleinen Augenblick nicht störe, verliere ich sie in wenigen Jahren aus meinem Gedächtnis. So ist der Lauf der Dinge. Aber ich will sie mitnehmen, aus egoistischen Gründen. Sie euch zeigen. Nicht wegen der Reichweite, die kriege ich auch so. Sondern, um euch und meinem späteren ich zu zeigen, was es da für Menschen gibt. Wie sie aussehen, arbeiten, lachen. Es ist doch Magie, wenn wir das einfangen können.

Ich stellte Jacky und Katharina meine Vorgehensweise vor: Erst eine Runde drehen und entscheiden, was ich probiere, dann bei der zweiten Runde in die Tat umsetzen.

Zu Dritt ist es irgendwie am Schönsten

In der Menge war es nicht möglich zu sprechen. Als wir dann irgendwann am Rand mit unseren Vespern saßen, unterhielten wir uns über politische Einstellungen und dergleichen. Schnell wurde klar, wer eher rechts und wer links war. Und wer von den ganzen Himmelsrichtungen nichts hielt, beide Seiten verstand, wenn auch nicht bis ins letzte Detail, am liebsten beobachtete und in seiner ganz eigenen Welt verweilte, während die anderen sich gegenseitig vom eigenen Standpunkt zu überzeugen versuchten.

Es war ein guter Abend. Die stillen, schwarzen Berge in der Ferne umrahmten die Kulisse. Wir waren zu dritt. Alle Drei junge, alleinreisende Frauen, vereint durch dieselbe Sprache und eine ähnliche Mentalität. Diese Dynamik war irgendwie auch meine Insel der Sicherheit. Mit ihnen fühlte ich mich etwa viel weniger von den einheimischen Männern belästigt. Da es zudem eine Dreierdynamik war, konnte man, anders als bei einer Zweierdynamik, hin und wieder einfach mal gedanklich abdriften und reflektieren. Oder im Gegenteil: sich ein wenig aufspielen und die vorübergehend die unterhaltende Rolle einnehmen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich zwei so ergreifende Bekanntschaften geschlossen hatte. Und mein Fazit lautet: Dreierkonstellationen for life 🙂

Wenn ich erneut hinginge würde ich unbeding wieder den jungen Mais, die Takoyaki und den traditionellen malaysischen Tee mit Kondensmilch probieren. Ich würde wieder diese Wechselwirkung zwischen Düften, Geschmäckern und Farben auf mich wirken lassen. Ich würde beobachten, wie die Menschen das Ganze mit ihrer Energie füllen. Ja, es zieht mich wieder dahin, auch wenn ich mir versprochen habe, Malaysia nicht mehr alleine zu besuchen, sondern nur in Begleitung eines Mannes. Ob ich das einhalten kann, weiß ich noch nicht. Was jedoch feststeht, ist, dass der Night Market eines meiner größten Highlights war, das ich während meiner Reise durch Malaysia erlebt habe.

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Der wilde Taxifahrer von Cameron Highlands

Nachdem ich Jackie auf der Teeplantage in den Cameron Highlands, Malaysia, kennengelernt hatte, beschlossen wir, gemeinsam ein Stück Kuchen essen zu gehen. Ich kannte da ein Café. Ich bestellte ein Grab-Taxi. Das Auto, das uns abholen kam, war, nett gesagt, in die Tage gekommen. Der Fahrer hingegen ein scheinbar blutjunger Malay. Hübscher Junge. Ich hätte ihn auf 18 geschätzt.

Madlen Trefzer auf einer Teeplantage in den Cameron Highlands, Malaysia
Ich meine, das ist das zweite Bild von mir auf Reisen, das kein Selfie ist 🙂 schön! Danke, Jacky. Das auf dem Knie und Arm sind die Folgen meines Unfalls.
Ausblick aus dem Teeshop, in den wir uns kurz vor unserer Abfahrt begeben hatten.

Unser Taxifahrer fuhr wie ein Wahnsinniger

Er fuhr wie ein Wahnsinniger. Kurven, bergauf, bergab. Er fuhr seinem Vordermann derart nah auf, dass zwischen uns und ihm nur wenige Zentimeter verblieben. Ich meine, auch für Jacky zu sprechen, wenn ich sage: wir sahen unser Leben am geistigen Auge vorüberziehen. Dabei hing Mohammed, so hieß der Junge, fortwährend auf Twitter. X mein ich.

Ich bat ihn darum, das Handy zur Seite zu legen. Ich erzählte von meinem Unfall und meinte halb scherzhaft, dass ich hier keinen zweiten erleben wolle. Er legte es weg. Doch sofern er dies tat, wurde sein Fahrstil noch agressiver.

Cameron Highlands: Jacky und ich treffen eine dritte Frau

Jacky und ich blickten uns vieldeutig an, als wir ausstiegen. Bevor wir Kuchen essen gingen, besuchten wir eine nahegelegene Erdbeerfarm (Big Red Strowberry Farm). Viel war da nicht vom Erdbeeranbau zu sehen. Vielleicht war gerade ja keine Saison. Doch es gab dort schöne Blumen. Und wir trafen auf noch mehr deutschsprachige Reisende: Katharina aus Österreich und ihre französische Gang aus dem Elsass.

Wir entführten Katharina ins Café mit dem göttlichen Erdbeerkuchen und Erdbeertee. Ich meine, euch bereits davon erzählt zu haben. Drei junge Frauen. Alle drei allein in Malaysia. Wir sprachen über Politik und Gesellschaft. Über technologische Entwicklungen und Fehlbildungen, über unsere sorgen am künftigen Arbeitsmarkt überlebensfähig zu sein. Ich liebe Frauengespräche.

Wir fahren zusammen auf den Nachtmarkt

Schließlich beschlossen wir, zum Nachtmarkt zu fahren. Katharina bestellte ein Grab-Taxi. Ich sah mir das Bild des Fahrers an. Es war wieder Mohammed. Fuck. Er würde uns ins Verderben fahren. Wir überlegten kurz, ob wir die Fahrt canceln. Aber wir entschieden uns dagegen. In den Cameron Highlands ist es ohnehin sehr schwierig, einen Fahrer zu bekommen, da die wohl Mangelware sind. Stattdessen ließen wir unseren Charme spielen. Fragten ihn aus. Nach seiner Herkunft, Familie, Leben. Und tatsächlich fuhr er anständig, sofern er unser Interesse gespürt hatte. Was eine kleine Nettigkeit nicht alles bewirken kann…

Er machte „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel an. Wir sangen ganz laut mit, freuten uns über den Moment im alten Taxi. Es hatte etwas Magisches. Er erzählte uns, er sei Anwalt für Strafrecht und habe erst vor Kurzem den Job als Taxifahrer angenommen, weil er seinen 9 to 5 Job aufgab. Er komme aus Kuala Lumpur, lebe aber bereits seit einigen Jahren in den Cameron Highlands. Sein Bruder sei dort Polizist. Ich konnte nicht anders, als zu scherzen: „Na das erklärt, warum du es dir immer erlauben kannst, wie ein Verrückter zu fahren.“ Wir lachten. Er auch. Nachdem wir am Markt ausstiegen, sagten mir die Mädels (sie saßen nämlich beide hinten und ich mit meinem unbiegsamen Bein vorne), dass sie beobachtet hätten, wie er mehrmals zu seinem Twitter griff, und dies dann doch unterdrückte. Wie goldig.

Jacky und Katharina mitten in der Menge.

Nicht zu fassen: Eine dritte Begegnung mit dem Taxifahrer?

Als es Zeit wurde, nach Hause zu gehen, bestellten wir uns erneut Fahrer. Die Mädels in ihre Richtung und ich in meine. Ich schaue auf den Bildschirm es war zum dritten Mal Mohammed. Was geht hier eigentlich vor?

Er meinte, das sei gar nicht SOOO ein krasser Zufall, da das Gebiet Cameron Highland wohl etwa nur 20 Fahrer beschäftigt. Er entpuppte sich als sehr spannender Gesprächspartner. Wir unterhielten uns über die Regierungsstrukturen Malaysias. Auch vom philippinischen System hatte der, wohlbemerkt 28-Jährige viel Ahnung. Zynisch war er jedenfalls wie ein richtiger Anwalt. Ich freute mich sehr, dass mein erster Eindruck von ihm nicht ansatzweise stimmte.


Titelbild (Symbolfoto) von Piang Pyy auf Unsplash

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Reisen

Fünf unvergessliche Aktivitäten auf Madeira

Madeira ist wie gemacht für Reisende, die Natur, Bewegung und eine entspannte Zeit verbinden möchten. Zwischen wilden Küsten, geheimnisvollen Lorbeerwäldern und vulkanischen Landschaften entsteht eine Kulisse, die inspiriert und entschleunigt. Dies fünf Aktivitäten zeigen, wie abwechslungsreich die portugiesische Insel Madeira ist.

Wale und Delfine hautnah erleben

Leinen los für eines der beeindruckendsten Naturerlebnisse Madeiras: eine Bootstour zu den Walen und Delfinen. In den Gewässern rund um die Insel leben verschiedene Arten, wie etwa Fleckendelfine, Tümmler, Pilot- und Pottwale. Hier hat man beste Voraussetzungen für Sichtungen. Die Tiere kann man in freier Wildbahn erleben und mit etwas Glück auch Meeresschildkröten oder die geschützten Mönchsrobben der Desertas-Inseln entdecken. Dank ganzjährig angenehmer Temperaturen ist dieses Abenteuer zu jeder Jahreszeit möglich.

Abenteuer an der Küste: Kajak und Schnorcheln

Ein Ausflug mit der Fähre nach Porto Santo ist ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Nach der Überfahrt eröffnet sich ein fast neun Kilometer langer goldener Sandstrand. Dessen feiner Sand und das kristallklare Wasser laden zu einem perfekten Strandtag ein. Wer es lieber aktiv mag, kann die Küste beim Kajakfahren erkunden; dabei versteckte Buchten entdecken und die beeindruckende Küstenlandschaft vom Meer aus genießen.

Auch auf Madeira selbst ist das Inselgefühl stets präsent. Beim Schnorcheln tauchen Reisende in eine faszinierende Unterwasserwelt ein. In den klaren, angenehm milden Gewässern begegnet man farbenfrohen Fischschwärmen und beeindruckenden Felsformationen, oft in geschützten Naturreservaten. Kajaktouren entlang der Küste eröffnen zudem immer wieder neue, spektakuläre Ausblicke.

Wanderungen auf Madeira

Madeiras Wanderwege bieten viele einfache Touren für Amateure, oder Leute, die gerade noch eine Knieverletzung beklagen. Ein Klassiker ist der PR11 „Vereda dos Balcões“ bei Ribeiro Frio – kurz, unkompliziert und mit großem Panorama-Finale. Entlang einer Levada führt der Weg durch den üppigen Lorbeerwald bis zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf Täler und Berge. Etwas länger, aber ebenfalls gut machbar, ist der PR 6.2 Levada do Alecrim im Gebiet von Rabaçal. Auf rund 3,5 Kilometern geht es durch abwechslungsreiche Natur auf etwa 1.300 Metern Höhe – inklusive eines kleinen Wasserfalls und eines natürlichen Beckens, das unterwegs für eine erfrischende Pause sorgt.

PR 11_Vereda dos Balcões ©Francisco Correia

Traditionelle Korbschlittenfahrt

Einsteigen, festhalten und los geht’s: Die berühmten Korbschlitten von Madeira bescheren Reisenden ein ebenso nostalgisches wie überraschend rasantes Erlebnis.

Carreiros do Monte ©miguelmoniz

Seit dem 19. Jahrhundert gleiten die handgefertigten Wagen die steilen Straßen hinab, gelenkt von den traditionell gekleideten „Carreiros“, die mit viel Geschick und ihren Gummisohlen bremsen und steuern. Auf der rund zwei Kilometer langen Strecke erlebt man eine Mischung aus Nervenkitzel, Tradition und spektakulären Ausblicken über Funchal und den Atlantik.

Natürliche Lavapools in Porto Moniz

Die Naturschwimmbecken von Porto Moniz zählen zu den bekanntesten Ausflugzielen der Insel. Über Jahrtausende in vulkanischem Gestein entstanden und kontinuierlich vom Atlantik gespeist, verbinden sie ursprüngliche Landschaft mit Infrastruktur. Neben dem Naturerlebnis gibt es auch den nahegelegenen Strand von Seixal: Ein schwarzer Sandstrand, eingerahmt von steilen Klippen und üppiger Vegetation, der mit seiner geschützten Lage und seiner außergewöhnlichen Kulisse zu den schönsten der Insel zählt.

Piscinas naturais do Cachalote ©JoanaCarvalho

Über die portugiesische Insel Madeira

Die autonome Region Madeira, die zu Portugal gehört und knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt ist, liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel Madeira zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel. Aber auch Kulturhungrige oder Strandurlauber kommen zum Beispiel in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten.


Weitere Informationen zu Madeira: www.visitmadeira.com/de/
Quelle: presseportal.de

Titelbild: Piscinas naturais do Cachalote ©JoanaCarvalho


Pressekontakt:
Global Communication Experts GmbH
Doris Palito | Teresa Berberich | Elena Kohler
Hanauer Landstr. 184
60314 Frankfurt
Tel.: +49 69 17 53 71-046 | -050 | -042
E-Mail: madeira@gce-agency.com
Internet: www.gce-agency.com

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Kunst

Coming Soon: Blumen-Ausstellung in Baden-Baden

Mit Bloom up! Die Sprache der Blumen laden die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum Karlsruhe zu einem floralen Erlebnis der besonderen Art ein. Die Ausstellung entführt auf einen sinnlich-intellektuellen Rundgang durch 2.500 Jahre Kulturgeschichte der Blume. 

Blumen begleiten unser Leben – im Alltag ebenso wie in besonderen Momenten. Sie prägen Rituale, markieren Übergänge und bergen Erinnerungen. In der Kunst werden sie zu Trägerinnen von Widerstand, Liebe, Hoffnung und Protest. In Krisenzeiten können sie Trost spenden und der Sehnsucht nach Schönheit Ausdruck verleihen. Zart und kraftvoll, persönlich und politisch, versöhnlich und widerständig – ihre Bedeutung wandelt sich stets, je nach Zeit, Ort und Kontext.

Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri, 2024, Analog C-print, 32 × 41.4 cm, AP II/II of an edition of 2 + II AP © Courtesy of the artist and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

Bloom up! – Die Ausstellung in Baden-Baden

Bloom up! ist die erste gemeinsame Ausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sie untersucht Blumen in der Kunst als Mittel der Kommunikation. Zudem macht sie die Anwendung floraler Motive von der Antike bis zur Gegenwart sichtbar.

Dialoge zwischen zeitgenössischen künstlerischen Positionen und kunst- und kulturgeschichtlichen Objekten zeigen, wie florale Motive ihre Bedeutung über Jahrhunderte tragen, verschieben oder neu aufladen. Blumen erscheinen hier als Trägerinnen von Geschichte, Emotionen sowie gesellschaftlichen und politischen Debatten. Sie eröffnen Raum für Projektion, Erinnerung und Reflexion.

Ausstellungsbeginn: Samstag, 13. Juni

Hier geht’s zu der Liste der besonders sehenswerten Ausstellungen im Juni 2026.


Quelle: kunsthalle-baden-baden.de

Titelbild: Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri, 2024. Analog C-print, 32 × 41.4 cm, AP II/II of an edition of 2 + II AP © Courtesy of the artist and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

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Kultur

Nicht verpassen: Kulturabend in Karlsruhe

Orte, Menschen, Zeitreisen: In diesem Format begeben sich am Freitag, 12. Juni, fünf Literatinnen, zwei Schauspielerinnen und zwei Musikerinnen auf eine künstlerische Spurensuche durch die Literaturgeschichte der Region Karlsruhe und Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt stehen prägende historische Persönlichkeiten wie Anna Ettlinger, Bertha Pappenheim und Clara Schumann, die in einen Dialog mit heutigen Stimmen der regionalen Literaturszene sowie mit Zukunftsentwürfen treten.

Die szenische Lesung verbindet Literatur, Musik, Theater, Performance und Videokunst zu einem vielschichtigen Abend. Dabei werden die künstlerischen und historischen Verflechtungen sichtbar gemacht, in denen sich Mut, Solidarität und Transformation als wiederkehrende Kräfte zeigen. Ergänzend werden aktuelle Ideen und Initiativen vorgestellt, die als mögliche Ausgangspunkte für literarisches Arbeiten der Zukunft verstanden werden können.

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Karlsruhe und der Baden-Württemberg Stiftung.

Diese Veranstaltung will ich euch gerne ans Herz legen, sie wird von einer meiner Lieblingskommilitoninnen veranstaltet. Und ich sag euch eins: die Gedanken dieser Frau sind Gold wert. Wenn sie etwas sagt, dann geht das unter die Haut. Ich bin sehr neugierig auf den Abend, weiß aber derzeit noch nicht, ob ich anwesend sein kann.

Mit Mut und Zuversicht – literarische Visionen für morgen

Mitwirkende: Martina Bilke, Ondine Dietz, Silke Karl, Martine Lombard, Hedi Schulitz, Sabine Stern, Ursula Zetzmann sowie im Film Elisabeth Stephan-Geißler (Sopran) und Anna Wegmer (Klavier).

Eine Veranstaltung des Literatursommers 2026 der Baden-Württemberg Stiftung (literatursommer.de) und der GEDOK Karlsruhe in Kooperation mit dem Roten Haus.

Eintritt frei, Spenden willkommen.


Quelle: karlsruhe-erleben.com

Weitere Infos: gedok-karlsruhe.de

Titelbild: Foto von nadi borodina auf Unsplash

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Alles auf den letzten Drücker – aber warum?


In den letzten 5 Tagen habe ich 8 Bücher runtergelernt und 8 entsprechende Klausuren rausgeschallert. Alles auf den letzten Drücker, aber ich habe es geschafft! Sogar 40 Minuten vor der Deadline. Na, wer macht das auch gerne? Seid ehrlich.

Sehen wir doch mal genauer hin, was dahinter steckt. Das Aufschieben von Aufgaben heißt Prokrastination im Fachjargon. Rund 20 Prozent der Erwachsenen sollen laut Studien chronisch prokrastinieren. Bei Studierenden sind es sogar bis zu 70 Prozent. Doch was genau bringt uns dazu, wichtige Aufgaben immer wieder hinauszuzögern – manchmal bis zur letzten Minute? Und was sagt dieses Verhalten über unsere Psyche aus?

Psychologische Erklärungen: Warum wir Dinge aufschieben

Prokrastination ist weniger ein Zeitproblem, sondern eine emotionale „Besonderheit“. Wir schieben Aufgaben oft dann auf, wenn sie mit negativen Gefühlen wie Angst, Überforderung, Langeweile oder Perfektionismus verbunden sind. In dem Moment, in dem wir etwas auf später verschieben, fühlen wir uns zwar ganz wohlig, blenden dabei aber aus, dass dieses Verhalten später negative Konsequenzen mit sich bringen kann.

Auch wer hohe Ansprüche an sich selbst stellt, aber innerlich zweifelt, nutzt das Aufschieben unbewusst als Schutzmechanismus. Misslingt das gewünschte Ergebnis nämlich, kann man es auf den Zeitdruck schieben – nicht auf die eigene Unfähigkeit. Diese Art kognitive Dissonanz schützt das fragile Selbstwertgefühl.

Foto von Aarón Blanco Tejedor auf Unsplash

Außerdem: Dopamin und Reizüberflutung

Neurologisch betrachtet aktiviert das Aufschieben kurzfristig das mesolimbische Belohnungssystem1 – der Verzicht auf unangenehme Aufgaben wird mit Dopamin belohnt. Gleichzeitig bleibt das präfrontale Cortex2, zuständig für Planung und Impulskontrolle, oft unteraktiviert; insbesondere bei Menschen mit ADHS oder impulsiver Persönlichkeitsstruktur.

Wer von euch hat eigentlich ADHS? Schreibt mal.

In einer Welt mit unzähligen Optionen (vor allem im digitalen Alltag) fällt es vielen schwer, Prioritäten zu setzen. Wer sich nicht entscheiden kann, entscheidet sich oft gar nicht – und wartet auf den „letzten Drücker“, wo externe Zwänge den Entscheidungsspielraum reduzieren.

Was sagt Prokrastination über den Charakter oder die Psyche aus?

  • Impulsivität und geringe Selbstkontrolle: Besonders bei Menschen mit ausgeprägter Impulsivität tritt Prokrastination häufiger auf.
  • Perfektionismus: Paradoxerweise schieben Perfektionisten oft auf – aus Angst, etwas nicht perfekt zu machen.
  • Neurotizismus: Menschen mit hoher emotionaler Labilität neigen dazu, unangenehme Emotionen durch Vermeidung zu regulieren.
  • Geringe Selbstwirksamkeit: Wer nicht daran glaubt, Aufgaben erfolgreich bewältigen zu können, prokrastiniert häufiger.
  • Vermeidungsmotivation: Aufgaben werden nicht aktiv angegangen, sondern eher „abgewehrt“ – ein passives Coping-Muster.

Es ist jedoch wichtig zu betonen: Prokrastination ist kein Zeichen von Faulheit, sondern oft ein Hinweis auf tieferliegende psychische oder emotionale Herausforderungen.

Prokrastination – Warum schieben wir so viel auf? | Quarks Dimension Ralph

Vorteile des „letzten Drückers“ – ja, die gibt es auch

  • Kreativität durch Zeitdruck: Zeitnot kann kreative Lösungsfindung fördern.
  • Fokus und Effizienz: Kurz vor der Deadline konzentriert sich der Geist auf das Wesentliche, Ablenkungen werden ausgeblendet. Bei mir selbst habe ich beobachtet, wie ich wirklich nur 20% der Inhalte meiner Lehrbücher Konsumiert habe, aber dennoch einen maximalen Effekt zu erzeugen versucht habe. Letztlich auch mit Erfolg.
  • Dopamin-Kick: Für manche ist die Deadline ein Ansporn – das Gefühl, es „doch noch geschafft zu haben“, erzeugt Hochgefühle. Beim Einsenden meiner letzten Klausur habe ich dieses Gefühl noch ein paar Minuten ausgezögert. Ich saß vor dem Bildschirm und klickte absichtlich nicht auf Absenden, um den Zustand dieser besonderen Freude, alles rechtzeitig und zu meiner Zufriedenheit erledigt zu haben, auszukosten. Ich sag’s euch: das war pure Magie, ein sehr besonderes Gefühl. Alles kribbelte, ich spürte Freude, Stolz, Erleichterung und Aufgeregtheit in einem. Mich würde es nicht wundern, wenn meine Pupillen in jenem Moment geweitet wären.
  • Optimierung durch Adrenalin: Manche Menschen arbeiten tatsächlich besser unter Druck – ihr Körper nutzt Stress als Motor.

Nachteile und Risiken von Prokrastination

  • Chronischer Stress: Dauerhafte Prokrastination führt zu erhöhtem Cortisolspiegel, Schlafproblemen und psychischer Belastung.
  • Selbstzweifel: Der wiederkehrende Kreislauf aus Aufschieben und schlechtem Gewissen untergräbt das Selbstwertgefühl.
  • Qualitätsverluste: Spontan zusammengezimmerte Ergebnisse sind oft schlechter durchdacht.
  • Karriere- und Beziehungsprobleme: Wer Deadlines verpasst oder unzuverlässig wirkt, gerät beruflich und sozial unter Druck.
  • Teufelskreis: Prokrastination kann Teil von depressiven oder angstbasierten Mustern sein – und diese wiederum verstärken.

Die Lösung könnte einfacher sein, als man denkt

„Alles auf den letzten Drücker“ zu machen, ist also mehr als nur undurchdachtes Aufschieben. Es ist oft ein Versuch, innere Spannungen zu regulieren – manchmal erfolgreich, oft aber auf Kosten der eigenen Zufriedenheit und weitestgehend auch der Gesundheit. Was machen wir also dagegen?

Zeitmanagement ist an der Stelle nicht das Problem, wie viele rationale Menschen denen könnten. Die Lösung liegt in der Auseinandersetzung mit den dahinterliegenden Emotionen, Überzeugungen und inneren Mustern. Nur wer diese versteht, kann nachhaltige Strategien entwickeln. Daher ist es in diesem und in vielen anderen Bereichen wichtig innezuhalten und sich zu fragen: „Was passiert gerade mit mir?“, „Wird mein Verhalten vielleicht durch X, Y, Z hervorgerufen?“ und „Wie fühle ich mich dabei?“

Passt auf euch auf, fordert nicht zu viel von euch selbst und fühlt euch geherzt. Eure Madlen.


  1. Das mesolimbische Belohnungssystem ist ein Teil unseres Gehirns, der auf unmittelbare Belohnung ausgerichtet ist. Es spielt eine zentrale Rolle bei Motivation, Lustempfinden und impulsivem Verhalten – und bevorzugt das schnelle Glück (z. B. Scrollen oder Naschen) gegenüber langfristigem Nutzen (z. B. Lernen oder Aufräumen). ↩︎
  2. Der präfrontale Cortex ist der Teil des Gehirns, der für Planung, Selbstkontrolle und langfristiges Denken zuständig ist. Er hilft uns, Impulse zu zügeln – zum Beispiel nicht sofort TikTok zu öffnen, sondern erst den Text zu beenden. Leider ist er oft schwächer als unser Belohnungssystem. ↩︎

Titelbild von Tim Gouw auf Unsplash

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Nahtoderfahrung: Mach bitte niemals meinen Fehler

Tausendfach habe ich über Unfälle berichtet. Dann erlebte ich selbst einen. Heute erzähle ich euch von meiner ganz persönlichen Erfahrung auf „dem Roller des Todes“. Ich übertreibe nicht, es war tatsächlich eine Nahtoderfahrung auf der wunderschönen Insel Pulau Pangkor in Malaysia. Wie es zu meinem Unfall kam und warum der Roller, auf dem es passierte, von Anfang an verflucht schien.

Ankunft auf Pulau Pangkor: Ich miete mir einen Roller

Von Ipoh reiste ich mit dem Bus nach Lumut. Von dort nahm ich die Fähre auf die Insel Pulau Pangkor. Dort angekommen wusste ich ziemlich genau, dass ich mir jetzt einen Roller suchen werde. Ich freute mich seit Wochen drauf. Sobald ich einen Fuß auf die Erde gesetzt hatte, wurde ich schon von einem Rollervermieter angesprochen. Ich schwöre bei Gott, ich hatte kein gutes Gefühl bei ihm. Aber ich ignorierte es, weil ich dachte, dass es die Vorurteile sind, die ich ihm gegenüber womöglich habe.

Er pokerte hoch. „Diesen Preis bezahle ich nicht“, sagte ich und setzte zum Gehen an. Dann machte er mir einen Vorschlag: Er würde mir das Motorrad statt dem Roller geben, was mich die Hälfte kosten würde. Ich so, sinngemäß, „nö, du willst doch nicht, dass ich hier alles übern Haufen fahre“, und drehte mich erneut zum Gehen um. „Wait“, sagte er. Wenn ich kurz warten würde, würde er mir ein Moped besorgen. Ich stimmte zu unter einer Bedingung: 60 Ringgit, nicht mehr. Er holte das Ding. Ein gelbes Moped, top Zustand. Erst nachdem ich bezahlt hatte und bereits kilometerweit weggefahren war, merkte ich, dass der Tank auf null ist.

E wie: ey scheiss doch die Wand an.

Gedanken jeden Aggressionsgrades schossen mir durch den Kopf. Dieser Hund. Ich war müde, hatte eine lange Fahrt hinter mir und wollte nur eins: den Sonnenuntergang sehen. Eine alleinreisende Ausländerin zu verarschen können wirklich nur ganz bestimmte Menschen. Ich wusste nicht, ob mir der Tank zur nächsten Tanke reichen würde, ich wusste auch nicht wo sie war.

Die malaysischen Benzinpreise sind sehr angenehm

Sie befand sich natürlich in entgegengesetzter Richtung. Er hätte es mir doch einfach sagen können. Ich war so wütend. Und ich ließ es ihn spüren. Was ich an diesem Abend lernte: Auf der Insel sind jegliche Adressen und Ortsangaben auf Google Maps ungenau. Ich hatte also kein Plan, wohin ich fahre, ich hatte mein Gepäck dabei, es wurde dunkel, der Tank war leer. Und das Schlimmste: ich hatte hunger.

Als es schon stockfinster war, fand ich eine Tankstelle und tankte voll für 13 Ringgit (!!!). Umgerechnet sind das 2,79 Euro.

Chinesisches Restaurant auf der Insel Pulau Pangkor

Dann ging ich essen. Ich ließ es mir auf den Stress ganz gut gehen. Bestelle mit eine Krabbe, Muscheln und Babykohl. Eine trächtige Hündin bekam auch was ab. Bedient hatte mich der Besitzer.

Erst unterhielten wir uns nett, dann wollte ich, dass er aufhört, mich vollzulabern und mir mein Leben zu mansplainen. Klassiker halt. Als ich bezahlte, ließ er nicht locker. Er begleitete mich zu meinem gelben Roller und versuchte sich zu nähern. Ich weiß nicht, was er vorhatte. Naja. Ich weiß schon, was er vorhatte. Was er sich erlaubte, fragte ich mich aber. Es war schon fast interessant, wie weit er es treiben würde. Er versuchte mir meinen Helm aufzusetzen. Das ließ ich nicht zu, schmetterte seine Hand von mir und verpisste mich asap mit lautem Brumm-Brumm.

Kaum hab ich mich bei der ersten Abbiege verfahren, schon kam der Nächste. Ein älterer Mann mit weißen Bart, der mir nachfuhr und wissen wollte, in welchem Hotel ich untergebracht bin. „I forgot the name“ ist meine Standardantwort seit ich alleine durch die Welt reise. Als wäre das nicht Signal genug, dass ich gerade und grundsätzlich kein Interesse an seinem alten Arsch habe, ließ auch er nicht locker. Wann ließen die jemals locker? Er faselte irgendwas davon, dass ihm die ganze Insel gehörte. Ich richtete meine gespreizte Hand gen sein Gesicht und sagte: „Sorry, sir, i don’t want to talk right now, ok? I’m tired and I just want you to leave me in peace.“ Er fuhr davon. Erstaunlich.

Das Abenteuer geht weiter

Nicht ohne Weiteres fand ich schließlich mein Hotel. Es war sehr schön, der Garten sogar paradiesisch. Die Schilder zeigten eine Makaka mit Banane. „Warnung: Geben Sie Acht auf Ihre Wertsachen!“ Erst dachte ich, das sei ein Witz oder eine Art Meme. Bis ich am nächsten Tag in einem Restaurant eines Besseren belehrt wurde.

Auf ernst aber

Es war noch relativ früh in der Nacht und ich habe, meiner Ansicht nach, noch nicht genug Abenteuer erlebt. Schließlich wollte ich ja auch die kurze Zeit auf der Insel, die ich hatte, nutzen. Also fuhr ich los. Außer mir war sonst kaum jemand unterwegs. Ich wollte wissen, ob ich um die Uhrzeit noch Bier in Malaysia kaufen konnte. Konnte ich. Im 7-eleven in der Nähe des Polizeireviers (falls ihr mal auf Pulau Pangkor seid und auch Bock auf Bier habt). Dann fuhr ich einfach so umher. Es war stockdunkel, Laternen gab es nur selten auf der Strecke.

Da ist er wieder: der bärtige Alte

Lange ließ der Bärtige von vorhin nicht auf sich warten. Er fuhr mir nach, laberte mir während der Fahrt voll, ich verstand nicht, was er von mir wollte. Egal, ob ich langsamer fuhr und zurückblieb oder überholte und auf die Tube drückte. Er verpisste sich einfach nicht. Ich bereute relativ schnell, mich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. Aber ich wollte es offenbar nicht anders.

Er: ein einheimischer Mann, der die letzten 500 Jahre Zeit hatte, um diese Insel in und auswendig zu lernen. Ich: eine Touristin ohne Orientierung. Auf einer fremden Insel in einem fremden Land. Ich malte mir aus, was ich tun würde, wenn es darauf ankäme. Der Alte eskortierte mich durch ganz Pulau Pangkor. Kein Witz. Er war sich nicht zu schade dafür. Was er damit erreichen wollte, weiß ich nicht. Falsche Überfürsorge, weil die Straßen auf der Insel recht hügelig sind und er einer weißen Frau nicht zutraute, zurechnungsfähig auf ihnen fahren zu können? Vielleicht war das ja gar nicht so realitätsfern.

Top. Ich verirre mich nachts im Wald

Zwischendurch, wenn ich abgebremst habe, wartete er hinter der nächsten Kurve auf mich. Als ich vorüberfuhr, versuchte er mich anzuhalten. So um die drei bis vier Mal. Wann würde diese Strecke endlich enden? Ein weiterer Versuch zurückzubleiben. Dummerweise hör ich nicht genau raus, was mein Navi sagt – und biege falsch ab. Jetzt bin ich allein im tropischen Wald. Fick mein Leben.

Nach langem Hin und Her fand ich den Weg hinaus. Wieder war der bärtige Alte dicht hinter mir. In der ersten Menschenmenge verlor ich mich dann nachhaltig. Dummerweise war das ganz in der Nähe meines Hotels. Er würde mich safe finden, wenn er wollen würde. Das gelbe Moped erkennt man nämlich von Weitem. Auch im Dunkeln. Dass der Typ nicht meine größte Sorge werden würde, hätte ich an dem Abend wahrscheinlich nicht mehr vermuten können.

Der perfekte Tag: Strand, Affen, Ananassaft

Der Start in den nächsten Tag war perfekt. Ich machte einen langen Spaziergang am Strand, war baden und aß zu Mittag. Bestellte mir frisch gepressten Ananassaft. Während ich ihn genoss und meine Enge-Freunde-Stories postete (diesmal bin ich irgendwie paranoid, dass Leute meinen Aufenthaltsort erfahren, die es nicht erfahren sollten), tauchte er aus dem Nichts auf: Der Affe, der meinen Saft quer über den Tisch schmetterte und ihn auf dem ganzen Tisch verteilte. Ich schrie auf, denn der Affe kam unerwartet. Als er auf meinem Tisch saß, schöpfte er den Saft in seine kleinen Pfoten und trank ein, zwei Schlucke. Ehe ich mir einfiel, ihn zu filmen, war er auch schon längt über alle Berge.

Da es wieder hell war, und ich plötzlich Dinge sehen konnte, die ich nachts nicht in der Lage war zu sehen, stellte ich fest, dass mir der Rollervermieter auch noch einen defekten Helm gab. Der war in der Mitte komplett gespalten. Komplett. Gespalten. Ich forderte ihn dazu auf, mir einen normalen zu geben. Er tat dies sogleich und entschuldigte sich für alles, was er mir angetan hat. Unterkühlt bedankte ich mich.

Ich war wohl nicht die Erste, die es auf der Insel Pulau Pangkor hingefetzt hat…

Es passiert…

Es ging weiter zu den Wasserfällen. Auf dem Weg dahin passierte der Unfall. Ich weiß immer noch nicht, wie. Ich verlor die Kontrolle über das Moped und wusste ziemlich schnell, dass ich in den Arsch gekniffen bin. Denn ich trug eine kurze Hose und ein Top und landete mit einem lauten Knall – und wahrscheinlich auch Schrei – auf der Schnauze. Der Roller lag auf mir. Ein Mann, mit dem ich kurze Zeit davor im Gespräch war, rannte mir zu Hilfe. Keine Ahnung wie er dort hin kam.

Was kurz nach dem Unfall mit mir passiert

Ich liege auf der Erde, es rauscht und dröhnt in meinen Ohren. Mein Puls ist hörbar. Ich spüre überall am Körper ein ganz merkwürdiges Kribbeln, wie wenn ein Bein gerade einschläft. Nur dermaßen intensiv, dass es schon weh tut. Am Boden liegend frage ich den Mann: „Is my face ok?“ Dann schau mein Bein an. Es sieht böse aus, die erste Blutwelle bahnt sich aus den Poren an. Keine Knochen zu sehen. Schon mal gut. Schmerzen spüre ich nicht. Nur die Gewissheit, dass sie bald kommen.

Ich kann ein paar Sekunden lang nicht atmen. Mich nicht artikulieren, nicht aufstehen, bis mich drei Männer aufheben und auf eine Anhöhe setzen. Ich schau mir meinen Arm an. Das sieht richtig böse aus. Ich habe wohl den ganzen Weg, den ich geschleudert wurde, mit meinem Ellbogen abgebremst. Was mir fehlt, weiß ich nicht. Ich spüre Hitze, Kälte und fange vor Schmerz an zu heulen wie ein wilder Wolf.

Ich baue einen Unfall auf meiner Reise durch Pulau Pangkor – und lande im malaysischen Krankenhaus
Sorry für den abgefuckten Sound (hab ihn isoliert, weil im Hintergrund die Waschmaschine lief).

Der Mann, den ich bereits kannte (von ihm erzähle ich euch ausführlicher in dem eingebetteten YouTube-Video), und ich entscheiden, was wir jetzt mit mir machen. Er ruft seine Freunde an. Die kommen binnen 5 Minuten angefahren. Ein Mädchen versorgt meine Wunde. Ich schreie und weine wieder wie ein Tier vor Schmerzen. Was passiert jetzt mit mir? Ist was gebrochen? Keiner kann es mir sagen. Die vier Freunde sind nämlich Rettungsschwimmer und keine Sanitäter oder Ärzte. Wir entscheiden uns, den Krankenwagen zu rufen, weil es mir irgendwie immer beschissener geht. In der Zwischenzeit halte mich selbst und die anderen bei Laune mit sauschlechten Witzen. Es hilft mir. Zwischendurch muss ich vor Schmerzen schreien.

!!!Trigger-Warnung: eklige Bilder von offenen Wunden.

Mit Tatütata durch Pulau Pangkor

Die Fahrt zum Krankenhaus ist spaßig. Der Doc stellt mir mit ruhiger, sanfter Stimme Fragen fürs Protokoll. Wir unterhalten uns auch über Privates. „Wenn Sie mit einer anderen Person reisen würden, würden Sie sich jetzt nicht so schlecht und allein fühlen“, sagt er vorsichtig. Ich weine unkontrolliert wie ein kleines Mädchen. Schlechter Zeitpunkt, Doc.

Im Krankenhaus werden meine Wunden gereinigt und die Steinchen / Sandkörner mit einer Pinzette aus dem Fleisch gezogen. Ohne Narkose, versteht sich. Die jüngere Krankenschwester sagt irgendwas und verpasst mir eine Spritze. Ich verstehe sie nicht. Also frage ich den Arzt, ob das ein Schmerzmittel sei. Er sagt nein. Es sei eine Impfung gegen Tetanus. Ich sage: Ich habe bereits zwei. Er schweigt.

Wie lange das her ist, will er wissen. Schon so ein paar Jahre, sage ich. Er ist sichtlich erleichtert. Man habe mir eine Dosis verabreicht, die man wohl ein Mal jährlich verabreicht bekommen kann. Irgendwie so. Ich vertraue ihm, ich habe keine andere Wahl. Ich glaube an alles, was er entscheidet. Weil ich meinen Körper und Geist auf eine schnelle Genesung einstellen will. Wenn er die Leute so heilt, dann wird das richtig sein. Ich spüre, dass ich diesem Mann voll und ganz vertrauen kann.

So wunderschön endete der Abend dann: ich am Leben, mit Blick auf meinen lang ersehnten Sonnenuntergang

Wie viel Glück kann man eigentlich haben?

Wenn ich jetzt, knapp zwei Monate später, darüber nachdenke, dann sehe ich mehrere Fehler: ich habe meine Erlebnisse in Malaysia zu schnell konsumiert. Durch den Unfall wurde mein Leben derart ausgebremst – das wirkt bis heute nach. Des Weiteren habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört und hatte wahrscheinlich auch nicht genug Respekt vor dem Fahrzeug.

Glück gehabt hingegen habe ich damit, dass ich den defekten Helm etwa 10 Minuten bevor es knallte, ausgetauscht bekommen habe. Ich würde sonst nicht leben. Meine Sonnenbrille zersprang auch so schon in mehrere Teile und ich habe bis heute eine Narbe auf der Augenbraue. Ich habe mir nichts gebrochen oder gerissen. Das ist sowas von crazy. Da ich derzeit wieder moppelig bin, denke ich, dass mein Fettgewebe mich hat richtig weich landen lassen. Naja, den Umständen entsprechend. Jedenfalls kann ich seit wenigen Tagen wieder normal gehen; und das mit sehr geringem Schmerzpegel. Ich weiß nicht, warum Gott mich so sehr liebt.

Das Moped hatte nicht einen Kratzer. Der Rollervermieter bekam vom Unfall mit und schrieb mir, als ich noch im Krankenhaus war. Er wollte das Ding abholen, weil er schon die nächste Mieterin gefunden hatte. Ich hatte kaum Zeit, im Hotel meine blutverschmierte Kleidung abzulegen – schon stand er vor meiner Tür und hetzte.

Ich denke, ich mach hier mal einen Punkt. Alle weiteren Details hab ich euch im Video erzählt. Teilt doch gerne in den Kommentaren hier oder auf Insta, Tiktok, Facebook, Whatsapp oder whatever, eure Erfahrungen, falls ihr ähnliche hattet, was ihr von dem Ganzen haltet und ob ihr irgendwie anders gehandelt hättet als ich. Passt auf euch, hört auf euer Bauchgefühl, fahrt vorsichtig.

Kuss, Madlen.

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