Aus Nepal wollte ich etwas mitnehmen, das mich für immer begleiten würde. Also ging ich ins Tranquil Tattoo Studio in Pokhara. Die beiden Artists saßen auf kleinen Hockern davor. Sie rauchten und hörten leise Musik. Neben dem Zigarettenrauch roch es nach den schwarzen Räucherstäbchen, die ich seit meiner Rückkehr nach Deutschland täglich vermisse.
Tranquil Tattoo Studio Pokhara: Artist Ashim
Ashim war sehr freundlich, geduldig und kompetent. Mein Plan war zunächst ein Schriftzug auf Nepalesisch. Was genau es werden sollte, bleibt wohl zwischen mir und dem Artist. Ich war mir unsicher, wo ich das Tattoo haben wollte. Der Plan war zunächst: rechter Oberarm. In der Nacht zuvor habe ich es mir allerdings mit KI zurechtgeneriert und fand, es sah irgendwie besser ohne aus. Daher dachte ich: vielleicht rund ums Knie? Ich war unentschlossen und wollte eine professionelle Meinung einholen.
Ashim riet mir davon ab. Er wäre für einen geraden, ordentlichen Schriftzug über dem Knie. So ganz konnte mich mit dem Gedanken nicht anfreunden, dachte mir aber irgendwie auch: Yolo. Und stimmte zu.
Warum ich mich umentschieden habe
Als er alles vorbereitete, blätterte ich seine Kunst- und Zeichenbücher durch. Ich hatte geblättert und geblättert. Und dann schlug ich diese eine Seite auf, auf der mich zwei Figuren anleuchteten. Ich spürte sofort eine Verbindung zu ihnen, die ich selbst nur schwer verstand. Aber ich wusste: Die gehören auf mich drauf.
Das alles ging ziemlich schnell. Nur wenige Minuten lagen zwischen meinem ersten Plan und meiner spontanen Umentscheidung. Ich dachte mir: Auweia, hoffentlich habe ich Ashims Zeit nicht verschwendet. Andererseits bin ich noch nie zuvor in den Genuss gekommen, so ein sickes Tattoo zu haben.
Als ich mich ihm mitteilte, wusste ich: Das wird gut. Dass es aber so gut wird, hätte ich nicht gedacht. Wenn jetzt noch irgendetwas schiefgehen sollte, habe ich es genau so gewollt und nicht anders.
Ein empatischer und freundlicher Tattoo-Artist
Ashims Wärme, die er sowohl physisch als auch seelisch ausstrahlte, war ein großes Geschenk für mich. Andererseits erinnerte es mich natürlich auch daran, dass mir seit Jahren menschliche Berührung fehlt. Das habe ich mir aber auch selbst zuzuschreiben. Es war schön, mit einer kleinen, bitteren Note. Und es half mir dabei, die schmerzhafte Nadel etwas besser wegzustecken.

Währenddessen unterhielten wir uns. Er gab mir Einblicke in die Lebensrealität vieler Nepalesen und ich hatte freie Sicht auf die bunten Tattoofarben, die Ashim im Studio ordentlich aufgereiht hatte, die in Europa allerdings mittlerweile illegal sind. Er erzählte mir von Kunden, die extra wegen ihm aus Deutschland anreisen, weil sie wissen, dass er ihnen etwa ganz außerordentliche Türkistöne stechen kann. Er zeigte Bilder von Drachen, Fantasiewesen – es schien fast so, als gebe es keinen Stil, den der Künstler nicht beherrschen würde.
Meine Reaktion und mein Cover-up
Nach etwa eineinhalb Stunden sagte Ashim, er sei fast fertig und brauche eine kleine Pause. Dann machte er ein Foto davon und zeigte es mir. Schließlich kann ich es selbst nicht sehen, da es auf meinem Rücken ist. Ich war völlig überragt von den superfeinen, präzisen Linien.
Nachdem er ganz fertig war, machte er mir noch ein kleines Cover-up. Auf meinem Nacken, direkt über den beiden Figuren stand zunächst „amore.“. Das hat mich seit Jahren komplett abgefuckt. Jetzt steht dort „amoral“. Viel treffender, wenn ihr mich fragt.

Als alles fertig war, war ich natürlich happy af und konnte mich gar nicht mehr vom Spiegel lösen. „That looks so sick, bro“, sagte ich so um die 50 Mal. Auf dem Instagram-Account des Tattoo Studios könnt ihr übrigens sehen, wie mein Tattoo kurz nach dem Stechen aussah.
Ich liebe es.
Es war einfach perfekt. Ungeplant, spontan, schön, fein. Es bedeutete Nepal, es war von einem einzigartigen Artist, es passte zu meiner Anatomie, zu meinem Vibe. Es war alles.
Ihr erinnert euch vielleicht daran, wie ich mich in Vietnam habe tätowieren lassen. Dabei folge ich nur einem einzigen Prinzip: ich lasse mich ausschließlich in den Ländern tätowieren, die ich bedingungslos lieben gelernt habe.
Was die beiden Figuren bedeuten, bleibt bislang etwas zwischen mir und Pokhara. Nicht verraten! Ich habe es mir zur Aufgabe gesetzt, herauszufinden, was sie symbolisieren. Sie sind von nun an meine Begleiter und passen auf mich auf. Meinte zumindest Ashim. Nicht jeder wird sie sehen, also sind sie auch ein kleines bisschen geheim.

Meine Tattoos nach dem Heilungsprozess
Mittlerweile sind etwa drei Wochen vergangen. Meine Tattoos sind längst verheilt, ohne jegliche Komplikationen. Es sieht immer noch so geil aus, wie am ersten Tag. Gepflegt habe ich mit Kokosöl. Weiß nicht, ob das für jeden geeignet ist, für mich wars gut.
Würde ich mich noch mal im Tranquil Tattoo Studio in Pokhara tätowieren lassen? Ja, würde ich. Ich plane es fest ein, bei meiner nächsten Nepal-Reise dort wieder vorbeizukommen und mir von Ashim diesmal die kompletten Beine zuhacken zu lassen. 🙂
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