Mit jeder Treppe wird die Musik etwas lauter. Als ich „Jazz Upstairs“ betrete, ist der Laden bumsvoll. Ich muss erstmal suchen, bis ich einen Sitzplatz finde. Fuchsiafarbene Lichter funkeln mir von der Bühne entgegen, auf der sich vier junge Männer der Musik hingeben. Gerade erklingen Country angehauchte Gitarrenriffs, begleitet von einer Mundharmonika. Ich bin überrumpelt von der Energie, die mir entgegenströmt.
Eine ausgefallene Jazzbar in einem unscheinbaren Haus
Das „Jazz Upstairs“ liegt an der Lazimpat Road in Kathmandu. Das Haus, in dem sich die Bar befindet, ist vollkommen unscheinbar. Es sieht ein bisschen aus wie ein Wohnhaus. Drinnen ist es gemütlich. Die Wände sind, wie so vieles in Kathmandu, aus Ziegelsteinen. Über den Gästen hängt eine ganz außergewöhnlich verzierte Decke. Darauf sind Porträts zu sehen. Es gibt eine große Bar mit einer beachtlichen Cocktailauswahl sowie auch eine spannende Speisekarte.

Vor allem fällt mir aber das Publikum auf. Gen Z. Fast ausschließlich. Alle sind sexy gekleidet. Sehr modisch, ausgefallen, teilweise crazy. Zumindest vom Kleidungsstil unterscheidet sich das Publikum stark von den Menschen, die tagsüber durch die Straßen gehen. Es fühlt sich an wie eine ganz eigene Insel des Jazz. Des Erlebens dieser Musik.
In Kathmandu verbindet der Jazz
Ich sehe durch die Menge. Die einen haben ihre Augen geschlossen und jammen im Takt mit der Musik. Die anderen haben ihren Kopf nach hinten gelehnt und blicken entspannt in die Höhe oder auf die Bühne. Die Dritten sitzen eingekuschelt in den niedrigen Sesseln und sind einfach voll im Moment.

Die Menschen sind wegen der Musik da. Aber es ist auch ein schönes Gemeinschaftserlebnis. Fremde sitzen zusammen an einem Tisch, trinken etwas und richten ihre Aufmerksamkeit immer wieder auf die Bühne. Ich sitze mit einem jungen Mann und dessen Freund. Später gesellt sich eine Europäerin und deren Freundin zu uns an einem Tisch. Wir fünf sitzen direkt bei den Verstärkern. Es ist zu laut, um uns wirklich zu verständigen. Unser aller Augen sind auf die Bühne gerichtet.
„Shesh the Blues Outfit“ – die Band des Abends
Dort spielt „Shesh the Blues Outfit“. Die Band gewinnt den Raum mit jeder Note für sich. Von diesen schönen, talentierten jungen Männern kann man kaum ein Auge lösen. Man sieht ihnen an, wie sie ihren Auftritt, ihre Instrumente und die gemeinsame Harmonie genießen.

Plötzlich steht der junge Mann auf, der mit mir zusammen am Tisch sitzt. Er wirkt freundlich und entspannt. Sein Outfit unscheinbar. Als er ans Mikrofon tritt, präsentiert er seine dunkle, fast dramatische Bassstimme. Dazu spielt er Mundharmonika. Die Stimme scheint gar nicht zu seinem lockeren Auftritt zu passen, was bei mir einen wahnsinnigen Überraschungseffekt hervorruft. Aus dem Staunen komme ich gar nicht mehr raus.
Und während ich durch den Raum blicke, spüre ich ganz deutlich, wie diese jungen Menschen den Abend genießen. Sie sind da, weil sie Jazz lieben. Sie lassen sich auf die Musik ein, lassen sie durch den gesamten Körper strömen, wirken ganz aufgeladen davon und strahlen eine unendliche Zufriedenheit aus. Es wärmt mir das Herz, zu sehen, wie junge Menschen sich für Jazz begeistern können. Alles zusammen einfach wild, sexy, highclass. Das ist das „Jazz Upstairs“, das ihr unbedingt besuchen solltet, wenn ihr in Nepal seid.


2: Da hab ich versucht, diese affengeile Karikatur einzufangen.
Nepal, ich liebe dich
Ich trinke zuerst einen Daiquiri, danach ein Bier und zum Schluss einen Manhattan. Zwei nette Männer lerne ich dort kennen. Ich genieße unsere Gespräche. Sie sind einfach so locker und freundschaftlich, dass ich wirklich sagen muss: so nett habe ich mich in keinem anderen Land der Welt unterhalten. Dieser Respekt und das ruhige Interesse, das mir dort als Mensch entgegengebracht wird, ist schon einzigartig. Und das erlebe ich an vielen Orten Nepals. Es ist ein Umgang, den ich so noch gar nicht kenne und der meine Seele heilt. Einfach schön. Aber auch schwer in Worte zu fassen, da es, wie so vieles andere in Nepal auch, einfach erlebt werden sollte.
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Ihr habt sicher von der verheerenden Flutkatastrophe in Nepal gehört. Ihr könnt auf unterschiedliche Weise helfen. Zum einen könnt ihr das Land besuchen. Die Menschen dort warten sehnsüchtig auf euch. Viele Existenzen sind direkt vom Tourismus abhängig. Ich will nicht propagieren, dass es dort besonders sicher sei. Schließlich war es am Himalaya grundsätzlich noch nie so richtig sicher. Ich würde jedenfalls sofort wieder gehen. Aber das ist jedem selbst überlassen.
Wenn ihr von Deutschland aus helfen wollt, könnt ihr das über den Verein Freundeskreis Nepalhilfe e.V. tun. (Link führt direkt auf die Website).
Kontodaten des Vereins:
Empfänger: Freundeskreis Nepalhilfe e.V.
IBAN: DE73 5176 2434 0069 5697 06
SWIFT/BIC-Bankcode: GENODE51BIK
Bank: VR Bank Lahn-Dill eG
Stichwort: NOTHILFE NEPAL
Hier geht’s zur Website der Bar „Jazz Upstairs“. Und hier zur Facebook-Seite der Bar.