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Kunst & Architektur

Baldungs erotisch geladene Maria mit Kind und Edelsteinen

Hans Baldung malte 1530 seine Maria mit Kind und Edelsteinen. Die Muttergottes sitzt vor einer prächtigen, aber auch etwas unklaren Thronarchitektur und wird von einem sanften Engelputto betrachtet. In ihrer demütigen Hingabe hat sie ihre Brust freigelegt, um das Christuskind zu stillen, das auf ihrem Schoß steht. Ein Fuß des Kindes ruht auf den Seiten des heiligen Buches, das die Mutter in ihren Händen hält. Währenddessen legt der Knabe seinen Arm um Marias Hals und drückt sein Gesicht an das ihre, um einen Kuss anzudeuten. Marias Rechte Hand umschließt das Kind mütterlich am Kopf. Die Körperhaltung beider zeigt die innige Verbundenheit, die uns die menschliche Seite der beiden Heiligen zeigt.

Im Hintergrund links unten befinden sich verschiedene Edelsteine. Sie liegen auf der Armstütze der Thronarchitektur, dessen Farblichkeit an künstlichen Marmor erinnert. Die Steine stehen in ihrem kühlen Glanz im Kontrast zur warmen Szene der Mutter mit Kind. Doch ihre Bedeutung bleibt für uns verschleiert. Zudem verleiht die Farbpalette, die Hans Baldung hier benutzt, dem Bild zusätzlich eine gewisse Mysteriosität.

Hans Baldung Grien – Maria mit Kind und Edelsteinen
Hans Baldungs (1484/85 bis 1545) Maria mit Kind und Edelsteinen (1530) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg: Malerei auf Lindenholz. Höhe 99 cm; Breite 68 cm.

Maria mit Kind und Edelsteinen: Baldung schafft Mysterium

In dieser Darstellung spiegelt sich eine geheimnisvolle Aura wider, die dem Betrachter Raum für Interpretation und Reflexion bietet. Interessanterweise basiert dieses Motiv auf einem Gemälde des Künstlers Mabuse. Jedoch fehlen bei Mabuse die schwierig zu deutenden Edelsteine.

Ebenso mysteriös ist Baldungs stillende Madonna mit den Papageien. Kein Wunder, dass die beiden Gemälde im selben Raum im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg hängen.

Hans Baldung Grien – ein Künstler im Schatten Dürers

Hans Baldung Grien, trotz seiner Anerkennung in Fachkreisen, stand und steht in der breiten Öffentlichkeit immer im Schatten des berühmten Nürnberger Meisters Albrecht Dürer. Geboren wurde er im Jahr 1484 in Schwäbisch-Gmünd, doch seine Eltern zogen bald darauf ins elsässische Strasbourg um. Nach einer Lehrzeit bei einem unbekannten Maler ebenda verschlug es ihn nach Nürnberg. Dort arbeitete er ab 1503 in Dürers Werkstatt. Damals erhielt er wahrscheinlich den Beinamen „Grien,“ der auf die Farbe Grün hinweist. Über den genauen Ursprung dieses Namen kann jedoch spekuliert werden kann.

Hans Baldung Grien - Leben und Wirken
Mystische Bildnisse – mystische Persönlichkeiten. Hier erfährst Du ein paar Fakten über Hans Baldungs Leben.

Schon bald wurde er zu Dürers rechter Hand und leitete seine Werkstatt während Dürers Italien-Reise. Im Jahr 1507 verließ Baldung zwar Nürnberg, blieb jedoch eng mit seinem Lehrmeister verbunden. Er profitierte von dessen wichtigen Einflüssen für seine eigene Arbeiten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Halle kehrte er nach Strasbourg zurück. Doch in den Jahren 1512 bis 1516 verlagerte er seine künstlerische Tätigkeit nach Freiburg im Breisgau, wo er mit dem Hochaltar des Münsters sein bedeutendstes Werk schuf.

Im Jahr 1517 kehrte Hans Baldung Grien schließlich endgültig in seine Heimatstadt zurück, wo er als Hofmaler tätig war. Bald darauf wurde er zum Mitglied des Hohen Rates von Strasbourg ernannt. Aus dieser Zeit stammen einige seiner meisterlichen, großformatigen Werke, darunter Darstellungen von Adam und Eva (heute in Budapest), der Venus mit Cupido (im Rijksmuseum Kröller-Müller) und Judith (im Germanischen Nationalmuseum).

Auch diese Madonna ist von Hand Baldung: Auffallend ungewöhnlich ist der flächig rote Hintergrund, der die Aufmerksamkeit auf die plastische Darstellung der Muttergottes in den Vordergrund lenkt. Das schlummernde Kind weist symbolisch auf den bevorstehenden Opfertod Christi hin. Auf der Tafel ist das charakteristische Monogramm von Baldung zu sehen, und in Bezug auf die Datierung gibt es unterschiedliche Lesarten: Einige interpretieren sie als 1514, während andere eine Kombination aus arabischen und römischen Ziffern sehen, die auf 1520 (1510 + X) hinweisen könnten.
Hans Baldung: Adam und Eva im Museum in Budapest
Hier die erwähnten Bildnisse von Adam und Eva (um 1525) im Szépművészeti Múzeum Budapest.

Erotik in Baldungs Andachtsbildern

Obwohl Hans Baldung in der Zeit der Reformation die geistige Befreiung begrüßte, blieb er dem „neuen Glauben“ gegenüber zurückhaltend und trat nicht selbst dazu über. Neben seinen mythologischen Themen, bei denen gelegentlich eine fast schon pornografische Erotik zum Ausdruck kam, schuf er auch zahlreiche Andachtsbilder.

Ebenfalls ein erotisch geladenes Gemälde, aber mit schauderhafter Inzest-Ikonographie: Lot und Seine Töchter.

Die Späten Jahre des Künstlers

Ähnlich wie Albrecht Dürer blieb auch Hans Baldung Grien in seinen späteren, zum Teil schon manieristisch geprägten Werken ein leidenschaftlicher Beobachter der Natur. Trotz ihrer Sinnlichkeit stellen seine zahlreichen Akte keine überidealisierten Schönheiten dar, wie wir das etwa von Lucas Cranach dem Älteren kennen.

Von Baldung sind etwa 100 Ölgemälde erhalten geblieben. Darüber hinaus auch eine beträchtliche Anzahl von Zeichnungen und beinahe 600 Holzschnitten und anderen Druckgrafiken. Ab dem Jahr 1510 signierte er seine Werke mit dem charakteristischen Monogramm, bestehend aus den Buchstaben HBG. Er genoss einen hohen Ruf und verstarb im September 1545 in Strasbourg.


Quellen

  • fotocommunity.de: „Die Renaissance – Bilder einer Epoche“ mit einem Random Textstück (abgerufen am 15.1.2024)
  • objektkatalog.gnm.de: „Maria mit Kind und Edelsteinen“ (abgerufen am 15.1.2024)
  • onlinesammlung.freiburg.de: „Maria mit dem schlafenden Kind, 1520“ (abgerufen am 15.1.2024)

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