Taiping döste vor sich hin. Eigentlich genau das, was ich nach meinem Unfall brauchte. Die Stadt, gebettet in eine grüne Berglandschaft, hat eine sehr überschaubare Hotelauswahl, das älteste Museum Malaysias, das älteste Gefängnis des Landes (direkt gegenüber), einen gigantischen Park samt Zoo sowie eine beachtliche Tier- und Pflanzenvielfalt.
Wer Taiping wirklich hautnah erleben möchte, sollte sich auf seinen langsamen Rhythmus einstellen. Es gibt hier keine Touristen weit und breit. Demnach sprechen auch bei Weitem nicht alle Einheimischen Englisch. Die Stadt ist auf ihre Einwohner ausgerichtet. Die Strukturen sind für uns Reisende recht unübersichtlich, was den Ort in meinen Augen allerdings besonders reizvoll macht. Ein kleiner Hinweis an alleinreisende Frauen: ihr werdet hier noch mehr auffallen, als an anderen Orten Malaysias.
Streetfood-Meile und Erdbeervodka
Besonders gefallen hat es mir, auf der Food Avenue zu essen. Sie ist wie eine riesige Streetfood-Halle. Die chinesische Küche dominiert hier zwar deutlich im Angebot, aber es finden sich Leckereien aus allen drei Hauptkulturen des Landes. Sogar thailändische Gerichte sowie auch portugiesische Törtchen kann man hier genießen.
Direkt nebendran gibt es Bars und Bistros. In einer davon probierte ich Soju, eine Art Vodka aus Korea mit Erdbeergeschmack (aber auch zig anderen Geschmacksrichtungen), von dem man angeblich todesbesoffen werden soll. Der Kellner warnte mich mit besorgtem Blick. Er meinte, sinngemäß, ich würde danach nicht mehr auf mein Leben klar kommen – allerdings erst eine Stunde nach der Einnahme. Auch meine (Stief-)Schwester riet mir zur Vorsicht, nachdem sie meine Enge-Freunde-Story gesehen hatte. Ihre Worte lauteten in etwa: „Wenn etwas nach Saft schmeckt und ,Vodka‘ im Namen trägt, kann es dich auch mal auf den Mond katapultieren.“ Ich vertraue der Frau. Sie weiß, wovon sie spricht.


Ich bestellte ein Fläschchen, war aber auf der Hut. Vor allem nachdem der Kellner so schockiert darauf reagierte, dass ich mir eine ganze Flasche reinpfeifen würde. Deshalb ein kleines Schlückchen nach dem anderen und zwischendurch auf die Reaktion des Körpers achten. Eine Basis hatte ich mir zuvor angefuttert. Aber nach einer Flasche war ich immer noch so nüchtern wie vorher. Gott sei Dank, dachte ich mir, ging zurück ins Hotel und schlief. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag.
Taiping: Das unternahm ich am Vormittag
Denn nach dem Besuch des Lake Gardens Parks (Eintritt frei) und anschließend des Perak Museums (Eintritt: 5 Ringgit) war ich so platt, dass ich erst einmal ein mehrstündiges Mittagsschläfchen einlegte. Im Zoo war ich nicht. Ich wollte mehr Malaysia und weniger Attraktionen. Ich wette, der Zoo dort ist so krass, wie die Einheimischen erzählen. Aber bei Zoos bin ich mittlerweile vorsichtig. Ich bin mir derzeit nicht sicher, was ich grundsätzlich von ihnen halten soll. Und bis ich diese Frage für mich beantwortet habe, gehe ich nicht hin.


Richtig schön an Malaysia finde ich die vielen Begegnungen mit wilden Tieren, die hier in freier Natur leben. So auch im Lake Gardens Park. Ich sah schneeweiße Kraniche oder Reier – die laufen übrigens auch überall in der Stadt umher –, Störche, Fische, Schildkröten, rote Libellen, leuchtend blaue Vögel, Nashornvögel, riesige Warane – gleich zwei Stück –, jede Menge freche Affen, Schmetterlinge und intensiv nach Honig duftende Blütenbäume.



Es war wunderschön, aber die Folgen meines Rollerunfalls hielten meine Mobilität und somit auch meine Möglichkeiten in Grenzen. Das Perak Museum lag übrigens nur etwa 15 Minuten Fußweg von den Waranen im Park entfernt. Kein ungefährlicher Weg. Dort traf ich einen Holländer, der YouTube-Videos drehte. Mich filmte er ebenfalls. In der Sequenz, die jetzt die YouTube-Runde macht, mansplaint er lediglich das, was er mir zwei Minuten zuvor bereits off camera mansplaint hatte. Er fragte weder nach meinem Namen noch nach sonst etwas. Hatte wohl einfach Ausdrucks- und Redebedarf. Er geleitete mich bis zur Museumskasse und lud mich auf ein späteres Getränk ein. Ich lehnte dankend ab und machte mich aus dem Staub.

Kultur und Historie: Das Museum von Taiping
Ab ins Museum. Dieses gibt einen schönen, tiefen Einblick in die Kulturgeschichte der Region. Es zeigt die indigenen Völker der malaysischen Halbinsel, die Orang Asli – wörtlich übersetzt „ursprüngliche Menschen“. Gezeigt werden ihre hochentwickelten Jagdtechnologien und Musikinstrumente. Am meisten beeindruckten mich eine Eichhörnchenfalle und eine Flöte, die man mit der Nase spielt.
Darüber hinaus gab es Einblicke in traditionelle Trachten und Gesellschaftsspiele. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die Malaien ein sehr verspieltes Volk sind. Ihnen steht viel Unterhaltung zur Verfügung. Sie können relativ kostengünstig ihr eigenes Land bereisen, dabei unzählige Attraktionen nutzen und offenbar auch ohne Alkohol und Drogen richtig gut Spaß haben. Nicht so wie eure Vodka-Prinzessin Madlen 🙂
Spaß. Ich detoxe mehr, als ich es jemals zugeben würde.



Taiping: Eigentlich wollte ich auf den Berg Bukit Larut
Der nächste Tag brach an. Der Tag meiner Weiterreise. Ich erfuhr von der Möglichkeit, mit einem staatlichen Jeep auf den Berg Bukit Larut zu fahren. Von dort aus soll die Aussicht absolut wild sein. An meinem letzten Tag in Taiping hatte ich vor, mir das genauer anzusehen. Die Jeeps fuhren allerdings nicht mehr. Ich kam wohl zu spät. Um 11 Uhr vormittags. Obwohl die laut Stundenplan bis 17 Uhr fahren. Die dort arbeitenden Personen machten Mittagspause und schlugen mir den darauffolgenden Tag vor. Ich aber war auf dem Sprung und wollte weiter in die Cameron Highlands. Daher verzichtete ich auf den Bukit Larut, auch wenn es weh tat.
Der Taxifahrer, der mich zum Busbahnhof brachte, gab mir (oder besser gesagt nun euch) einen Tipp: vorab online buchen. Das ist angeblich möglich, meine Recherchen führten allerdings ins nichts. Vielleicht werdet ihr ja fündig. Solltet ihr mal dort sein, würde ich den Trip auf den Berggipfel so früh wie möglich buchen. Am besten ein paar Tage im Voraus und zwar direkt da an der Kasse. Sicher ist sicher. Ansonsten besteht die Möglichkeit, hochzuwandern. Das soll allerdings ziemlich anstrengend sein. Ich wäre die Erste, die das gerne gemacht hätte, aber mit meinen bereits erwähnten Verletzungen ging das schlicht und einfach nicht.