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Malaysia: Der Night Market in den Cameron Highlands

Es war bereits dunkel, als mich eine Frau zum Night Market fuhr. Die einzige Grab-Fahrerin in den Cameron Highlands (in Malay: Tanah Tinggi Cameron). Voller Bewunderung sagte ich ihr, wie schön es sei, eine Frau am Steuer zu sehen. Wir kamen ins Gespräch, während die Straße sich durch die schwüle Dunkelheit zog, durch die Hügel, die sich nur noch als Schatten abzeichneten.

Night Market in den Cameron Highlands: Wir sind da!

Mitten auf dem Markt ließ sie mich raus. Genau dort, wo die Stände mit den Klamotten aufhörten. Hochwertige Fälschungen; qualitativ teils besser, als das, was man in Europa in den Einkaufszentren bekommt. Und dann stand ich plötzlich da in dieser Verdichtung aus künstlichem Licht, Geräuschkulisse und Bewegung. Hunderte Stimmen, laute Musik. In der Ferne donnerte und blitzte es.

Ich floss in die dichte Menschenmenge hinein und nahm ihr langsames Tempo an. Es passte mir sogar gut, da ich nach dem Unfall sowieso nicht so gut laufen konnte. Die Menge trug sich selbst, und ich ließ mich mitziehen, ohne etwas dagegen einzuwenden. Körper an Körper. Glücklicherweise nur wenig Körperkontakt. Meistens entschuldigten sich die Leute dafür, wenn es doch passierte. Seit Frankfurt reagiere ich relativ empfindlich auf solch dichte Menschenmengen. Normalerweise gehe ich in mich hinein, wenn mir etwas zu viel ist, und nehme das Außen eher als Animation wahr. Aber auf dem Night Market war es anders. Dort gab es viel zu viel Spannendes zu sehen. Meine Augen waren überall.

Farben, Düfte und Geschmäcker: Die schönste Art von Reizüberflutung

Es dampfte und duftete. Das Farbenspektrum flutete mich. Frischer Duft sonnengereifter Erdbeeren und Erdbeersmoothies stieg mir in die Nase. Dann wieder Rauchiges und Gegrilltes. Gedämpfte Süßkartoffeln in Lila, Orange und Weiß. Gleich daneben gedämpfte Maiskolben, geschmorte Fleischbällchen. Pizza, Burger, BBQ, Nudeln, die vor deinen Augen zubereitet werden. Schlüsselanhänger, die ein junger Malay von Hand gravierte. Auf seinem Stang gab es auch Ringe. Ich kaufte einen in schwarz, den ich seit dem Abend nicht ein Mal abgelegt hatte.

Sehenswürdigkeit: Night Market in den Cameron Highlands, Malaysia

Dann kaufte ich mir eine Tüte kleiner weißer Wurzeln, die ich bereits aus Sochi kannte, dort allerdings nur fermentiert gegessen hatte. Diesmal waren sie roh und knackig. Die Verkäuferin riet mir davon ab, viel davon zu essen. Ich dachte mir: Yolo. Am nächsten Tag die wohl verdienten Bauchschmerzen.

Maiskolben und Süßkartoffeln konnte ich mir ebenso wenig entgehen lassen, wie auch weiße Erdbeeren. Der krönende Abschluss: Takoyaki, diese japanischen Octopus-Kugeln, die bei Social Media hin und wieder viral gingen; vermutlich weil dessen Zubereitung so meditativ anzusehen ist. Köstlich. So eine zarte Textur. Würd ich absolut wieder essen, obwohl ich alles Tentakelige grundsätzlich ablehne. Zumindest wenn es in meinem Essen ist.

Ich blieb stehen und sah zu, wie die junge Frau die Takoyaki-Kugeln in den Mulden drehte, wie sie den Teig eingoss, wie alles in gleichmäßigen Bewegungen entstand. Das war echt super. Ich kann jetzt nachvollziehen, warum sowas überhaupt erst viral geht. Ein paar Meter weiter sah ich einer Frau am großen Wok zu. Ihre routinierten Handbewegungen, fast wie im Schlaf. Das was sie machte, sah ebenfalls köstlich aus.

Begegnungen mit Einheimischen und Europäern

Viele Blicke streiften mich. Einige blieben verwundert bei mir hängen oder wanderten nach unten auf mein Knie. Ein bisschen nackt fühlte ich mich schon in Malaysia. Doch die Atmosphäre war, trotz der späten Uhrzeit, sehr freundlich und familiär. Frauen in Grüppchen, Kinder, Familien. Das, was mir in Deutschland immer mehr fehlt.

Die malaysischen Frauen waren es, die mir diese Freundlichkeit während meines gesamten Aufenthaltes schenkten. Besonders auf dem Night Market fiel mir das auf. Gerne denke ich an ihr aller Lächeln zurück, wie sie miteinander quatschten, lachten, mir zunickten. Durch die Frauen gewann Malaysia auch eine entspannte Atmosphäre. Hier in den Cameron Highlands schien sie mir besonders locker, da fast alle im Urlaub waren und daher zufrieden, sorglos und entspannt ihr Geld ausgaben und mit ihren Freundinnen und Schwestern bummelten.

Und mittendrin ich: eine der wenigen weiblichen Gestalten ohne Kopftuch. Zudem eine der wenigsten, die allein unterwegs war. Osteuropäisch aussehend. Und auch noch mit sichtbaren Verletzungen am gesamten Körper. Ich hoffte, dass ich mit meinem jämmerlichen Anblick niemandem die Laune vermieste. Das war teilweise wirklich meine größte Sorge.

Ein paar Europäer traf ich dort auch. Unzufrieden durch die Menge gehend, schlechte Energy verbreitend, wie wir Europäer halt sind höhö. Aber vielleicht hatten die auch einfach nur Bauchschmerzen, weil sie zu viele undefinierbare rohe Wurzeln gefressen hatten. Sonst traf ich kaum Europäer. Die, die ich etwa im Bus traf, waren pärchenweise unterwegs und wirkten viel entspannter als ich. Man fragt sich, warum. Ich hatte da so eine gewisse Ahnung. Neben ihnen fühlte ich mich wie eine Stromkabelkugel von 25.000 Volt. Das missfiel mir. Aber das war irgendwie auch mein eigenes Problem, wisst ihr?

…Und noch einmal, weil’s so schön war 🙂

Steht man in der Mitte des Marktes, ist keines der beiden Enden in Sicht. Erstaunlich groß. Das Licht der Stände beleuchtete die Auslagen beinahe magisch. So, dass ich überall reinbeißen wollte.

Eigentlich wollte ich kein zweites Mal hin. Doch am nächsten Tag hatte ich irgendwie plötzlich doch Bock. Die beiden neu gewonnenen Freundinnen, Jacky und Katharina, steckten mich an. Und ich ließ mich von dem Gefühl und dem Zufall treiben.

Wenn ich allein bin, fühle ich mich ein bisschen wie ein Eindringling, der Alltagssituationen fotografiert und die Privatsphäre der Menschen stört. Was ich vermutlich tatsächlich tue. Aber ich will das einfangen. Damit ich das niemals vergesse. Es sind Momente, die mein Leben bereichern. Menschen, dessen Präsenz meinen Weg erhellen. Wenn ich ihre Privatsphäre für diesen kleinen Augenblick nicht störe, verliere ich sie in wenigen Jahren aus meinem Gedächtnis. So ist der Lauf der Dinge. Aber ich will sie mitnehmen, aus egoistischen Gründen. Sie euch zeigen. Nicht wegen der Reichweite, die kriege ich auch so. Sondern, um euch und meinem späteren ich zu zeigen, was es da für Menschen gibt. Wie sie aussehen, arbeiten, lachen. Es ist doch Magie, wenn wir das einfangen können.

Ich stellte Jacky und Katharina meine Vorgehensweise vor: Erst eine Runde drehen und entscheiden, was ich probiere, dann bei der zweiten Runde in die Tat umsetzen.

Zu Dritt ist es irgendwie am Schönsten

In der Menge war es nicht möglich zu sprechen. Als wir dann irgendwann am Rand mit unseren Vespern saßen, unterhielten wir uns über politische Einstellungen und dergleichen. Schnell wurde klar, wer eher rechts und wer links war. Und wer von den ganzen Himmelsrichtungen nichts hielt, beide Seiten verstand, wenn auch nicht bis ins letzte Detail, am liebsten beobachtete und in seiner ganz eigenen Welt verweilte, während die anderen sich gegenseitig vom eigenen Standpunkt zu überzeugen versuchten.

Es war ein guter Abend. Die stillen, schwarzen Berge in der Ferne umrahmten die Kulisse. Wir waren zu dritt. Alle Drei junge, alleinreisende Frauen, vereint durch dieselbe Sprache und eine ähnliche Mentalität. Diese Dynamik war irgendwie auch meine Insel der Sicherheit. Mit ihnen fühlte ich mich etwa viel weniger von den einheimischen Männern belästigt. Da es zudem eine Dreierdynamik war, konnte man, anders als bei einer Zweierdynamik, hin und wieder einfach mal gedanklich abdriften und reflektieren. Oder im Gegenteil: sich ein wenig aufspielen und die vorübergehend die unterhaltende Rolle einnehmen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich zwei so ergreifende Bekanntschaften geschlossen hatte. Und mein Fazit lautet: Dreierkonstellationen for life 🙂

Wenn ich erneut hinginge würde ich unbeding wieder den jungen Mais, die Takoyaki und den traditionellen malaysischen Tee mit Kondensmilch probieren. Ich würde wieder diese Wechselwirkung zwischen Düften, Geschmäckern und Farben auf mich wirken lassen. Ich würde beobachten, wie die Menschen das Ganze mit ihrer Energie füllen. Ja, es zieht mich wieder dahin, auch wenn ich mir versprochen habe, Malaysia nicht mehr alleine zu besuchen, sondern nur in Begleitung eines Mannes. Ob ich das einhalten kann, weiß ich noch nicht. Was jedoch feststeht, ist, dass der Night Market eines meiner größten Highlights war, das ich während meiner Reise durch Malaysia erlebt habe.

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Der wilde Taxifahrer von Cameron Highlands

Nachdem ich Jackie auf der Teeplantage in den Cameron Highlands, Malaysia, kennengelernt hatte, beschlossen wir, gemeinsam ein Stück Kuchen essen zu gehen. Ich kannte da ein Café. Ich bestellte ein Grab-Taxi. Das Auto, das uns abholen kam, war, nett gesagt, in die Tage gekommen. Der Fahrer hingegen ein scheinbar blutjunger Malay. Hübscher Junge. Ich hätte ihn auf 18 geschätzt.

Madlen Trefzer auf einer Teeplantage in den Cameron Highlands, Malaysia
Ich meine, das ist das zweite Bild von mir auf Reisen, das kein Selfie ist 🙂 schön! Danke, Jacky. Das auf dem Knie und Arm sind die Folgen meines Unfalls.
Ausblick aus dem Teeshop, in den wir uns kurz vor unserer Abfahrt begeben hatten.

Unser Taxifahrer fuhr wie ein Wahnsinniger

Er fuhr wie ein Wahnsinniger. Kurven, bergauf, bergab. Er fuhr seinem Vordermann derart nah auf, dass zwischen uns und ihm nur wenige Zentimeter verblieben. Ich meine, auch für Jacky zu sprechen, wenn ich sage: wir sahen unser Leben am geistigen Auge vorüberziehen. Dabei hing Mohammed, so hieß der Junge, fortwährend auf Twitter. X mein ich.

Ich bat ihn darum, das Handy zur Seite zu legen. Ich erzählte von meinem Unfall und meinte halb scherzhaft, dass ich hier keinen zweiten erleben wolle. Er legte es weg. Doch sofern er dies tat, wurde sein Fahrstil noch agressiver.

Cameron Highlands: Jacky und ich treffen eine dritte Frau

Jacky und ich blickten uns vieldeutig an, als wir ausstiegen. Bevor wir Kuchen essen gingen, besuchten wir eine nahegelegene Erdbeerfarm (Big Red Strowberry Farm). Viel war da nicht vom Erdbeeranbau zu sehen. Vielleicht war gerade ja keine Saison. Doch es gab dort schöne Blumen. Und wir trafen auf noch mehr deutschsprachige Reisende: Katharina aus Österreich und ihre französische Gang aus dem Elsass.

Wir entführten Katharina ins Café mit dem göttlichen Erdbeerkuchen und Erdbeertee. Ich meine, euch bereits davon erzählt zu haben. Drei junge Frauen. Alle drei allein in Malaysia. Wir sprachen über Politik und Gesellschaft. Über technologische Entwicklungen und Fehlbildungen, über unsere sorgen am künftigen Arbeitsmarkt überlebensfähig zu sein. Ich liebe Frauengespräche.

Wir fahren zusammen auf den Nachtmarkt

Schließlich beschlossen wir, zum Nachtmarkt zu fahren. Katharina bestellte ein Grab-Taxi. Ich sah mir das Bild des Fahrers an. Es war wieder Mohammed. Fuck. Er würde uns ins Verderben fahren. Wir überlegten kurz, ob wir die Fahrt canceln. Aber wir entschieden uns dagegen. In den Cameron Highlands ist es ohnehin sehr schwierig, einen Fahrer zu bekommen, da die wohl Mangelware sind. Stattdessen ließen wir unseren Charme spielen. Fragten ihn aus. Nach seiner Herkunft, Familie, Leben. Und tatsächlich fuhr er anständig, sofern er unser Interesse gespürt hatte. Was eine kleine Nettigkeit nicht alles bewirken kann…

Er machte „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel an. Wir sangen ganz laut mit, freuten uns über den Moment im alten Taxi. Es hatte etwas Magisches. Er erzählte uns, er sei Anwalt für Strafrecht und habe erst vor Kurzem den Job als Taxifahrer angenommen, weil er seinen 9 to 5 Job aufgab. Er komme aus Kuala Lumpur, lebe aber bereits seit einigen Jahren in den Cameron Highlands. Sein Bruder sei dort Polizist. Ich konnte nicht anders, als zu scherzen: „Na das erklärt, warum du es dir immer erlauben kannst, wie ein Verrückter zu fahren.“ Wir lachten. Er auch. Nachdem wir am Markt ausstiegen, sagten mir die Mädels (sie saßen nämlich beide hinten und ich mit meinem unbiegsamen Bein vorne), dass sie beobachtet hätten, wie er mehrmals zu seinem Twitter griff, und dies dann doch unterdrückte. Wie goldig.

Jacky und Katharina mitten in der Menge.

Nicht zu fassen: Eine dritte Begegnung mit dem Taxifahrer?

Als es Zeit wurde, nach Hause zu gehen, bestellten wir uns erneut Fahrer. Die Mädels in ihre Richtung und ich in meine. Ich schaue auf den Bildschirm es war zum dritten Mal Mohammed. Was geht hier eigentlich vor?

Er meinte, das sei gar nicht SOOO ein krasser Zufall, da das Gebiet Cameron Highland wohl etwa nur 20 Fahrer beschäftigt. Er entpuppte sich als sehr spannender Gesprächspartner. Wir unterhielten uns über die Regierungsstrukturen Malaysias. Auch vom philippinischen System hatte der, wohlbemerkt 28-Jährige viel Ahnung. Zynisch war er jedenfalls wie ein richtiger Anwalt. Ich freute mich sehr, dass mein erster Eindruck von ihm nicht ansatzweise stimmte.


Titelbild (Symbolfoto) von Piang Pyy auf Unsplash

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Nahtoderfahrung: Mach bitte niemals meinen Fehler

Tausendfach habe ich über Unfälle berichtet. Dann erlebte ich selbst einen. Heute erzähle ich euch von meiner ganz persönlichen Erfahrung auf „dem Roller des Todes“. Ich übertreibe nicht, es war tatsächlich eine Nahtoderfahrung auf der wunderschönen Insel Pulau Pangkor in Malaysia. Wie es zu meinem Unfall kam und warum der Roller, auf dem es passierte, von Anfang an verflucht schien.

Ankunft auf Pulau Pangkor: Ich miete mir einen Roller

Von Ipoh reiste ich mit dem Bus nach Lumut. Von dort nahm ich die Fähre auf die Insel Pulau Pangkor. Dort angekommen wusste ich ziemlich genau, dass ich mir jetzt einen Roller suchen werde. Ich freute mich seit Wochen drauf. Sobald ich einen Fuß auf die Erde gesetzt hatte, wurde ich schon von einem Rollervermieter angesprochen. Ich schwöre bei Gott, ich hatte kein gutes Gefühl bei ihm. Aber ich ignorierte es, weil ich dachte, dass es die Vorurteile sind, die ich ihm gegenüber womöglich habe.

Er pokerte hoch. „Diesen Preis bezahle ich nicht“, sagte ich und setzte zum Gehen an. Dann machte er mir einen Vorschlag: Er würde mir das Motorrad statt dem Roller geben, was mich die Hälfte kosten würde. Ich so, sinngemäß, „nö, du willst doch nicht, dass ich hier alles übern Haufen fahre“, und drehte mich erneut zum Gehen um. „Wait“, sagte er. Wenn ich kurz warten würde, würde er mir ein Moped besorgen. Ich stimmte zu unter einer Bedingung: 60 Ringgit, nicht mehr. Er holte das Ding. Ein gelbes Moped, top Zustand. Erst nachdem ich bezahlt hatte und bereits kilometerweit weggefahren war, merkte ich, dass der Tank auf null ist.

E wie: ey scheiss doch die Wand an.

Gedanken jeden Aggressionsgrades schossen mir durch den Kopf. Dieser Hund. Ich war müde, hatte eine lange Fahrt hinter mir und wollte nur eins: den Sonnenuntergang sehen. Eine alleinreisende Ausländerin zu verarschen können wirklich nur ganz bestimmte Menschen. Ich wusste nicht, ob mir der Tank zur nächsten Tanke reichen würde, ich wusste auch nicht wo sie war.

Die malaysischen Benzinpreise sind sehr angenehm

Sie befand sich natürlich in entgegengesetzter Richtung. Er hätte es mir doch einfach sagen können. Ich war so wütend. Und ich ließ es ihn spüren. Was ich an diesem Abend lernte: Auf der Insel sind jegliche Adressen und Ortsangaben auf Google Maps ungenau. Ich hatte also kein Plan, wohin ich fahre, ich hatte mein Gepäck dabei, es wurde dunkel, der Tank war leer. Und das Schlimmste: ich hatte hunger.

Als es schon stockfinster war, fand ich eine Tankstelle und tankte voll für 13 Ringgit (!!!). Umgerechnet sind das 2,79 Euro.

Chinesisches Restaurant auf der Insel Pulau Pangkor

Dann ging ich essen. Ich ließ es mir auf den Stress ganz gut gehen. Bestelle mit eine Krabbe, Muscheln und Babykohl. Eine trächtige Hündin bekam auch was ab. Bedient hatte mich der Besitzer.

Erst unterhielten wir uns nett, dann wollte ich, dass er aufhört, mich vollzulabern und mir mein Leben zu mansplainen. Klassiker halt. Als ich bezahlte, ließ er nicht locker. Er begleitete mich zu meinem gelben Roller und versuchte sich zu nähern. Ich weiß nicht, was er vorhatte. Naja. Ich weiß schon, was er vorhatte. Was er sich erlaubte, fragte ich mich aber. Es war schon fast interessant, wie weit er es treiben würde. Er versuchte mir meinen Helm aufzusetzen. Das ließ ich nicht zu, schmetterte seine Hand von mir und verpisste mich asap mit lautem Brumm-Brumm.

Kaum hab ich mich bei der ersten Abbiege verfahren, schon kam der Nächste. Ein älterer Mann mit weißen Bart, der mir nachfuhr und wissen wollte, in welchem Hotel ich untergebracht bin. „I forgot the name“ ist meine Standardantwort seit ich alleine durch die Welt reise. Als wäre das nicht Signal genug, dass ich gerade und grundsätzlich kein Interesse an seinem alten Arsch habe, ließ auch er nicht locker. Wann ließen die jemals locker? Er faselte irgendwas davon, dass ihm die ganze Insel gehörte. Ich richtete meine gespreizte Hand gen sein Gesicht und sagte: „Sorry, sir, i don’t want to talk right now, ok? I’m tired and I just want you to leave me in peace.“ Er fuhr davon. Erstaunlich.

Das Abenteuer geht weiter

Nicht ohne Weiteres fand ich schließlich mein Hotel. Es war sehr schön, der Garten sogar paradiesisch. Die Schilder zeigten eine Makaka mit Banane. „Warnung: Geben Sie Acht auf Ihre Wertsachen!“ Erst dachte ich, das sei ein Witz oder eine Art Meme. Bis ich am nächsten Tag in einem Restaurant eines Besseren belehrt wurde.

Auf ernst aber

Es war noch relativ früh in der Nacht und ich habe, meiner Ansicht nach, noch nicht genug Abenteuer erlebt. Schließlich wollte ich ja auch die kurze Zeit auf der Insel, die ich hatte, nutzen. Also fuhr ich los. Außer mir war sonst kaum jemand unterwegs. Ich wollte wissen, ob ich um die Uhrzeit noch Bier in Malaysia kaufen konnte. Konnte ich. Im 7-eleven in der Nähe des Polizeireviers (falls ihr mal auf Pulau Pangkor seid und auch Bock auf Bier habt). Dann fuhr ich einfach so umher. Es war stockdunkel, Laternen gab es nur selten auf der Strecke.

Da ist er wieder: der bärtige Alte

Lange ließ der Bärtige von vorhin nicht auf sich warten. Er fuhr mir nach, laberte mir während der Fahrt voll, ich verstand nicht, was er von mir wollte. Egal, ob ich langsamer fuhr und zurückblieb oder überholte und auf die Tube drückte. Er verpisste sich einfach nicht. Ich bereute relativ schnell, mich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. Aber ich wollte es offenbar nicht anders.

Er: ein einheimischer Mann, der die letzten 500 Jahre Zeit hatte, um diese Insel in und auswendig zu lernen. Ich: eine Touristin ohne Orientierung. Auf einer fremden Insel in einem fremden Land. Ich malte mir aus, was ich tun würde, wenn es darauf ankäme. Der Alte eskortierte mich durch ganz Pulau Pangkor. Kein Witz. Er war sich nicht zu schade dafür. Was er damit erreichen wollte, weiß ich nicht. Falsche Überfürsorge, weil die Straßen auf der Insel recht hügelig sind und er einer weißen Frau nicht zutraute, zurechnungsfähig auf ihnen fahren zu können? Vielleicht war das ja gar nicht so realitätsfern.

Top. Ich verirre mich nachts im Wald

Zwischendurch, wenn ich abgebremst habe, wartete er hinter der nächsten Kurve auf mich. Als ich vorüberfuhr, versuchte er mich anzuhalten. So um die drei bis vier Mal. Wann würde diese Strecke endlich enden? Ein weiterer Versuch zurückzubleiben. Dummerweise hör ich nicht genau raus, was mein Navi sagt – und biege falsch ab. Jetzt bin ich allein im tropischen Wald. Fick mein Leben.

Nach langem Hin und Her fand ich den Weg hinaus. Wieder war der bärtige Alte dicht hinter mir. In der ersten Menschenmenge verlor ich mich dann nachhaltig. Dummerweise war das ganz in der Nähe meines Hotels. Er würde mich safe finden, wenn er wollen würde. Das gelbe Moped erkennt man nämlich von Weitem. Auch im Dunkeln. Dass der Typ nicht meine größte Sorge werden würde, hätte ich an dem Abend wahrscheinlich nicht mehr vermuten können.

Der perfekte Tag: Strand, Affen, Ananassaft

Der Start in den nächsten Tag war perfekt. Ich machte einen langen Spaziergang am Strand, war baden und aß zu Mittag. Bestellte mir frisch gepressten Ananassaft. Während ich ihn genoss und meine Enge-Freunde-Stories postete (diesmal bin ich irgendwie paranoid, dass Leute meinen Aufenthaltsort erfahren, die es nicht erfahren sollten), tauchte er aus dem Nichts auf: Der Affe, der meinen Saft quer über den Tisch schmetterte und ihn auf dem ganzen Tisch verteilte. Ich schrie auf, denn der Affe kam unerwartet. Als er auf meinem Tisch saß, schöpfte er den Saft in seine kleinen Pfoten und trank ein, zwei Schlucke. Ehe ich mir einfiel, ihn zu filmen, war er auch schon längt über alle Berge.

Da es wieder hell war, und ich plötzlich Dinge sehen konnte, die ich nachts nicht in der Lage war zu sehen, stellte ich fest, dass mir der Rollervermieter auch noch einen defekten Helm gab. Der war in der Mitte komplett gespalten. Komplett. Gespalten. Ich forderte ihn dazu auf, mir einen normalen zu geben. Er tat dies sogleich und entschuldigte sich für alles, was er mir angetan hat. Unterkühlt bedankte ich mich.

Ich war wohl nicht die Erste, die es auf der Insel Pulau Pangkor hingefetzt hat…

Es passiert…

Es ging weiter zu den Wasserfällen. Auf dem Weg dahin passierte der Unfall. Ich weiß immer noch nicht, wie. Ich verlor die Kontrolle über das Moped und wusste ziemlich schnell, dass ich in den Arsch gekniffen bin. Denn ich trug eine kurze Hose und ein Top und landete mit einem lauten Knall – und wahrscheinlich auch Schrei – auf der Schnauze. Der Roller lag auf mir. Ein Mann, mit dem ich kurze Zeit davor im Gespräch war, rannte mir zu Hilfe. Keine Ahnung wie er dort hin kam.

Was kurz nach dem Unfall mit mir passiert

Ich liege auf der Erde, es rauscht und dröhnt in meinen Ohren. Mein Puls ist hörbar. Ich spüre überall am Körper ein ganz merkwürdiges Kribbeln, wie wenn ein Bein gerade einschläft. Nur dermaßen intensiv, dass es schon weh tut. Am Boden liegend frage ich den Mann: „Is my face ok?“ Dann schau mein Bein an. Es sieht böse aus, die erste Blutwelle bahnt sich aus den Poren an. Keine Knochen zu sehen. Schon mal gut. Schmerzen spüre ich nicht. Nur die Gewissheit, dass sie bald kommen.

Ich kann ein paar Sekunden lang nicht atmen. Mich nicht artikulieren, nicht aufstehen, bis mich drei Männer aufheben und auf eine Anhöhe setzen. Ich schau mir meinen Arm an. Das sieht richtig böse aus. Ich habe wohl den ganzen Weg, den ich geschleudert wurde, mit meinem Ellbogen abgebremst. Was mir fehlt, weiß ich nicht. Ich spüre Hitze, Kälte und fange vor Schmerz an zu heulen wie ein wilder Wolf.

Ich baue einen Unfall auf meiner Reise durch Pulau Pangkor – und lande im malaysischen Krankenhaus
Sorry für den abgefuckten Sound (hab ihn isoliert, weil im Hintergrund die Waschmaschine lief).

Der Mann, den ich bereits kannte (von ihm erzähle ich euch ausführlicher in dem eingebetteten YouTube-Video), und ich entscheiden, was wir jetzt mit mir machen. Er ruft seine Freunde an. Die kommen binnen 5 Minuten angefahren. Ein Mädchen versorgt meine Wunde. Ich schreie und weine wieder wie ein Tier vor Schmerzen. Was passiert jetzt mit mir? Ist was gebrochen? Keiner kann es mir sagen. Die vier Freunde sind nämlich Rettungsschwimmer und keine Sanitäter oder Ärzte. Wir entscheiden uns, den Krankenwagen zu rufen, weil es mir irgendwie immer beschissener geht. In der Zwischenzeit halte mich selbst und die anderen bei Laune mit sauschlechten Witzen. Es hilft mir. Zwischendurch muss ich vor Schmerzen schreien.

!!!Trigger-Warnung: eklige Bilder von offenen Wunden.

Mit Tatütata durch Pulau Pangkor

Die Fahrt zum Krankenhaus ist spaßig. Der Doc stellt mir mit ruhiger, sanfter Stimme Fragen fürs Protokoll. Wir unterhalten uns auch über Privates. „Wenn Sie mit einer anderen Person reisen würden, würden Sie sich jetzt nicht so schlecht und allein fühlen“, sagt er vorsichtig. Ich weine unkontrolliert wie ein kleines Mädchen. Schlechter Zeitpunkt, Doc.

Im Krankenhaus werden meine Wunden gereinigt und die Steinchen / Sandkörner mit einer Pinzette aus dem Fleisch gezogen. Ohne Narkose, versteht sich. Die jüngere Krankenschwester sagt irgendwas und verpasst mir eine Spritze. Ich verstehe sie nicht. Also frage ich den Arzt, ob das ein Schmerzmittel sei. Er sagt nein. Es sei eine Impfung gegen Tetanus. Ich sage: Ich habe bereits zwei. Er schweigt.

Wie lange das her ist, will er wissen. Schon so ein paar Jahre, sage ich. Er ist sichtlich erleichtert. Man habe mir eine Dosis verabreicht, die man wohl ein Mal jährlich verabreicht bekommen kann. Irgendwie so. Ich vertraue ihm, ich habe keine andere Wahl. Ich glaube an alles, was er entscheidet. Weil ich meinen Körper und Geist auf eine schnelle Genesung einstellen will. Wenn er die Leute so heilt, dann wird das richtig sein. Ich spüre, dass ich diesem Mann voll und ganz vertrauen kann.

So wunderschön endete der Abend dann: ich am Leben, mit Blick auf meinen lang ersehnten Sonnenuntergang

Wie viel Glück kann man eigentlich haben?

Wenn ich jetzt, knapp zwei Monate später, darüber nachdenke, dann sehe ich mehrere Fehler: ich habe meine Erlebnisse in Malaysia zu schnell konsumiert. Durch den Unfall wurde mein Leben derart ausgebremst – das wirkt bis heute nach. Des Weiteren habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört und hatte wahrscheinlich auch nicht genug Respekt vor dem Fahrzeug.

Glück gehabt hingegen habe ich damit, dass ich den defekten Helm etwa 10 Minuten bevor es knallte, ausgetauscht bekommen habe. Ich würde sonst nicht leben. Meine Sonnenbrille zersprang auch so schon in mehrere Teile und ich habe bis heute eine Narbe auf der Augenbraue. Ich habe mir nichts gebrochen oder gerissen. Das ist sowas von crazy. Da ich derzeit wieder moppelig bin, denke ich, dass mein Fettgewebe mich hat richtig weich landen lassen. Naja, den Umständen entsprechend. Jedenfalls kann ich seit wenigen Tagen wieder normal gehen; und das mit sehr geringem Schmerzpegel. Ich weiß nicht, warum Gott mich so sehr liebt.

Das Moped hatte nicht einen Kratzer. Der Rollervermieter bekam vom Unfall mit und schrieb mir, als ich noch im Krankenhaus war. Er wollte das Ding abholen, weil er schon die nächste Mieterin gefunden hatte. Ich hatte kaum Zeit, im Hotel meine blutverschmierte Kleidung abzulegen – schon stand er vor meiner Tür und hetzte.

Ich denke, ich mach hier mal einen Punkt. Alle weiteren Details hab ich euch im Video erzählt. Teilt doch gerne in den Kommentaren hier oder auf Insta, Tiktok, Facebook, Whatsapp oder whatever, eure Erfahrungen, falls ihr ähnliche hattet, was ihr von dem Ganzen haltet und ob ihr irgendwie anders gehandelt hättet als ich. Passt auf euch, hört auf euer Bauchgefühl, fahrt vorsichtig.

Kuss, Madlen.

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Malaysias gut gehütetes Geheimnis: Taiping

Taiping döste vor sich hin. Eigentlich genau das, was ich nach meinem Unfall brauchte. Die Stadt, gebettet in eine grüne Berglandschaft, hat eine sehr überschaubare Hotelauswahl, das älteste Museum Malaysias, das älteste Gefängnis des Landes (direkt gegenüber), einen gigantischen Park samt Zoo sowie eine beachtliche Tier- und Pflanzenvielfalt.

Wer Taiping wirklich hautnah erleben möchte, sollte sich auf seinen langsamen Rhythmus einstellen. Es gibt hier keine Touristen weit und breit. Demnach sprechen auch bei Weitem nicht alle Einheimischen Englisch. Die Stadt ist auf ihre Einwohner ausgerichtet. Die Strukturen sind für uns Reisende recht unübersichtlich, was den Ort in meinen Augen allerdings besonders reizvoll macht. Ein kleiner Hinweis an alleinreisende Frauen: ihr werdet hier noch mehr auffallen, als an anderen Orten Malaysias.

Streetfood-Meile und Erdbeervodka

Besonders gefallen hat es mir, auf der Food Avenue zu essen. Sie ist wie eine riesige Streetfood-Halle. Die chinesische Küche dominiert hier zwar deutlich im Angebot, aber es finden sich Leckereien aus allen drei Hauptkulturen des Landes. Sogar thailändische Gerichte sowie auch portugiesische Törtchen kann man hier genießen.

Direkt nebendran gibt es Bars und Bistros. In einer davon probierte ich Soju, eine Art Vodka aus Korea mit Erdbeergeschmack (aber auch zig anderen Geschmacksrichtungen), von dem man angeblich todesbesoffen werden soll. Der Kellner warnte mich mit besorgtem Blick. Er meinte, sinngemäß, ich würde danach nicht mehr auf mein Leben klar kommen – allerdings erst eine Stunde nach der Einnahme. Auch meine (Stief-)Schwester riet mir zur Vorsicht, nachdem sie meine Enge-Freunde-Story gesehen hatte. Ihre Worte lauteten in etwa: „Wenn etwas nach Saft schmeckt und ,Vodka‘ im Namen trägt, kann es dich auch mal auf den Mond katapultieren.“ Ich vertraue der Frau. Sie weiß, wovon sie spricht.

Ich bestellte ein Fläschchen, war aber auf der Hut. Vor allem nachdem der Kellner so schockiert darauf reagierte, dass ich mir eine ganze Flasche reinpfeifen würde. Deshalb ein kleines Schlückchen nach dem anderen und zwischendurch auf die Reaktion des Körpers achten. Eine Basis hatte ich mir zuvor angefuttert. Aber nach einer Flasche war ich immer noch so nüchtern wie vorher. Gott sei Dank, dachte ich mir, ging zurück ins Hotel und schlief. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag.

Taiping: Das unternahm ich am Vormittag

Denn nach dem Besuch des Lake Gardens Parks (Eintritt frei) und anschließend des Perak Museums (Eintritt: 5 Ringgit) war ich so platt, dass ich erst einmal ein mehrstündiges Mittagsschläfchen einlegte. Im Zoo war ich nicht. Ich wollte mehr Malaysia und weniger Attraktionen. Ich wette, der Zoo dort ist so krass, wie die Einheimischen erzählen. Aber bei Zoos bin ich mittlerweile vorsichtig. Ich bin mir derzeit nicht sicher, was ich grundsätzlich von ihnen halten soll. Und bis ich diese Frage für mich beantwortet habe, gehe ich nicht hin.

Richtig schön an Malaysia finde ich die vielen Begegnungen mit wilden Tieren, die hier in freier Natur leben. So auch im Lake Gardens Park. Ich sah schneeweiße Kraniche oder Reier – die laufen übrigens auch überall in der Stadt umher –, Störche, Fische, Schildkröten, rote Libellen, leuchtend blaue Vögel, Nashornvögel, riesige Warane – gleich zwei Stück –, jede Menge freche Affen, Schmetterlinge und intensiv nach Honig duftende Blütenbäume.

Es war wunderschön, aber die Folgen meines Rollerunfalls hielten meine Mobilität und somit auch meine Möglichkeiten in Grenzen. Das Perak Museum lag übrigens nur etwa 15 Minuten Fußweg von den Waranen im Park entfernt. Kein ungefährlicher Weg. Dort traf ich einen Holländer, der YouTube-Videos drehte. Mich filmte er ebenfalls. In der Sequenz, die jetzt die YouTube-Runde macht, mansplaint er lediglich das, was er mir zwei Minuten zuvor bereits off camera mansplaint hatte. Er fragte weder nach meinem Namen noch nach sonst etwas. Hatte wohl einfach Ausdrucks- und Redebedarf. Er geleitete mich bis zur Museumskasse und lud mich auf ein späteres Getränk ein. Ich lehnte dankend ab und machte mich aus dem Staub.

Kultur und Historie: Das Museum von Taiping

Ab ins Museum. Dieses gibt einen schönen, tiefen Einblick in die Kulturgeschichte der Region. Es zeigt die indigenen Völker der malaysischen Halbinsel, die Orang Asli – wörtlich übersetzt „ursprüngliche Menschen“. Gezeigt werden ihre hochentwickelten Jagdtechnologien und Musikinstrumente. Am meisten beeindruckten mich eine Eichhörnchenfalle und eine Flöte, die man mit der Nase spielt.

Darüber hinaus gab es Einblicke in traditionelle Trachten und Gesellschaftsspiele. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die Malaien ein sehr verspieltes Volk sind. Ihnen steht viel Unterhaltung zur Verfügung. Sie können relativ kostengünstig ihr eigenes Land bereisen, dabei unzählige Attraktionen nutzen und offenbar auch ohne Alkohol und Drogen richtig gut Spaß haben. Nicht so wie eure Vodka-Prinzessin Madlen 🙂

Spaß. Ich detoxe mehr, als ich es jemals zugeben würde.

Taiping: Eigentlich wollte ich auf den Berg Bukit Larut

Der nächste Tag brach an. Der Tag meiner Weiterreise. Ich erfuhr von der Möglichkeit, mit einem staatlichen Jeep auf den Berg Bukit Larut zu fahren. Von dort aus soll die Aussicht absolut wild sein. An meinem letzten Tag in Taiping hatte ich vor, mir das genauer anzusehen. Die Jeeps fuhren allerdings nicht mehr. Ich kam wohl zu spät. Um 11 Uhr vormittags. Obwohl die laut Stundenplan bis 17 Uhr fahren. Die dort arbeitenden Personen machten Mittagspause und schlugen mir den darauffolgenden Tag vor. Ich aber war auf dem Sprung und wollte weiter in die Cameron Highlands. Daher verzichtete ich auf den Bukit Larut, auch wenn es weh tat.

Der Taxifahrer, der mich zum Busbahnhof brachte, gab mir (oder besser gesagt nun euch) einen Tipp: vorab online buchen. Das ist angeblich möglich, meine Recherchen führten allerdings ins nichts. Vielleicht werdet ihr ja fündig. Solltet ihr mal dort sein, würde ich den Trip auf den Berggipfel so früh wie möglich buchen. Am besten ein paar Tage im Voraus und zwar direkt da an der Kasse. Sicher ist sicher. Ansonsten besteht die Möglichkeit, hochzuwandern. Das soll allerdings ziemlich anstrengend sein. Ich wäre die Erste, die das gerne gemacht hätte, aber mit meinen bereits erwähnten Verletzungen ging das schlicht und einfach nicht.

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Haiphong bei Nacht: Von Lebensart und dunklen Gassen

Vietnam nachts zu erkunden ist wirklich traumhaft. Es war irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr. Wie immer hatte ich kein Ziel, keinen Plan und keine Route. Einfach loslaufen und gucken, was passiert. Die Nacht war warm und ein wenig schwül. Mitten im Dezember fühlte sich Vietnam an wie Hochsommer. Dabei hing hier und da Weihnachtsdeko: Palmen, die mit Lichterketten geschmückt waren, Santa Claus und Weihnachtssterne vor tropischer Kulisse.

Ich lief durch die Straßen von Haiphong und war tiefenentspannt, glücklich, neugierig. Vor allem aber fühlte ich mich sicher. Während ich durch die Nacht schlenderte, roch es nach Benzin, heißem Gummi auf Asphalt und immer wieder nach vietnamesischer Küche. Nach Brühen, Kräutern und Gewürzen, die ich bis heute vermisse. Aus den Häusern und Restaurants drangen Stimmen. Vietnamesisch klingt für meine Ohren oft beinahe singend. Die Menschen plauderten, lachten, aßen gemeinsam oder saßen einfach beisammen.

Kinder, tanzende Senioren und meine geliebte Kaviarpizza

Kinder spielten draußen, obwohl es schon spät war. Einige waren vielleicht sieben, andere zehn Jahre alt. Als sie mich entdeckten, jubelten sie sofort los. Eine Mädchengruppe lief hinter mir her, umkreiste mich. Die Kleinen riefen „beautiful!“ und grinsten mich mit einer Herzlichkeit an, die mich ergriff. Zwischendurch hielten immer wieder Einheimische auf ihren Mopeds an und boten mir an, mich ein Stück mitzunehmen. Auf den Spiel- und Sportplätzen lief V-Pop. Senioren machten dazu ihre Gymnastikübungen. Kinder lachten. Motoren brummten. Die Stadt lebte.

Das Viertel, in dem ich wohnte, wirkte vergleichsweise westlich. Dort gab es schicke Cafés, Cupcake-Läden und Restaurants, in denen millionenschwere Influencerinnen tagsüber ihren Content produzierten. Pizza mit Kaviar wurde serviert – die fehlt mir bis heute.

Haiphong bei Nacht: Ab in die dunklen Gassen

Es zog mich auf die andere Seite der dicht befahrenen Straße. Dorthin wo es dunkler war und das andere Leben stattfand. Kaum überquerte man die breite Hauptstraße, die die zwei Stadtteile voneinander trennte, veränderte sich die Atmosphäre. Plötzlich saß das halbe Viertel in riesigen offenen Cafés zusammen. Menschen aßen Streetfood, tranken Tee und unterhielten sich. Überall standen die kleinen bunten Plastikhocker, auf denen man so tief sitzt, dass man fast in der asiatischen Hocke landet. Irgendetwas daran fand ich unglaublich anziehend.

Trotzdem brauchte ich eine Weile, bis ich mich traute, mich dazuzusetzen. Denn ja, auch ich habe nicht die größten Eier der Welt, obwohl ich grundsätzlich im yolo-Modus bin. Manchmal kickt eben die Social Anxiety rein. Irgendwie hatte ich hier das Gefühl, in eine große Familienfeier hineinzulaufen, zu der ich nicht eingeladen war. Ich fiel ohnehin auf. Nicht nur, weil ich Osteuropäerin bin, sondern auch, weil ich alleine unterwegs war. Die Menschen dort kamen gemeinsam. Familien, Freunde, Nachbarn. Ich hingegen lief alleine durch ihre Welt. Also blieb ich zunächst Beobachterin.

Glaskasten-Wohnzimmer: So leben die Vietnamesen

Und dabei fiel mir etwas auf, das mich bis heute fasziniert: Die Häuser. In Hanoi hatte ich dieses Phänomen bereits bemerkt, doch in Haiphong begegnete es mir überall. Viele Familien leben in schmalen, oft dreistöckigen Häusern. Unten befindet sich ein Geschäft, ein Café oder ein kleiner Laden. Darüber liegen die Wohnräume.

Manchmal allerdings befindet sich direkt im Erdgeschoss das Wohnzimmer. Mit einer kompletten Glasfront. Wer vorbeigeht, kann sehen, wie die Familie zu Abend isst, auf dem Sofa sitzt, Fernsehen schaut oder einfach entspannt. Anfangs hat mich das komplett geflasht. Ich erinnere mich an einen Abend auf einem Nachtmarkt in Hanoi. Menschenmassen schoben sich durch die Straßen. Und einen Meter weiter saß eine Familie in ihrem verglasten Wohnzimmer und verbrachte einen ganz gewöhnlichen Abend. Als würden zwei Welten unmittelbar nebeneinander existieren.

Auch in Haiphong sah ich diese Szenen ständig. Familien auf weichen Sofas. Menschen, die auf ihren Teppichen lagen. Jugendliche, die am Handy scrollten. Manche dösten einfach vor sich hin. Sie chillten. Und ich stellte fest, wie sehr ich es liebte, Menschen beim Chillen zuzusehen. Genau dort wurde mir etwas bewusst.

Vietnam upgradet meinen eigenen Lebensstil

In meiner eigenen Kindheit wurde Nichtstun konsequent bestraft. Einfach herumliegen, Löcher in die Decke starren; auf dem Sofa sitzen und nichts Produktives tun. Dafür schämte ich mich wahnsinnig lange. In Vietnam schien niemand ein Problem damit zu haben. Die Menschen ruhten sich aus. Ganz selbstverständlich. Sichtbar für alle. Hinter Glasfassaden, mitten in der Stadt, mitten in ihrem Ladengeschäft, auf dem Moped, am Straßenrand, in Cafés.

Niemand versteckte es. Niemand entschuldigte sich dafür. Diese Beobachtung hat nachhaltig etwas in mir verändert. Seit meiner Vietnam-Reise chille ich bewusst. Ich bin sogar schon soweit, dass wenn ich auf meinem Balkon sitze und die Nachbarn mich beim Chillen beobachten, ich mich nicht einmal mehr fürs Nichtstun schäme. Ich sitze einfach da und chille unverschämt weiter. Ohne schlechtes Gewissen. Das hat meine Lebensqualität enorm gesteigert. Außerdem kann ich mich viel besser erholen.

Neugierde gewinnt die Überhand: Ich fühle mich als ein kleiner Eindringling

Während meiner Spaziergänge blieb ich oft nur wenige Meter von diesen Wohnzimmern entfernt stehen. Ich fühlte mich manchmal wie ein kleiner Eindringling. Neugierig war ich trotzdem. Also wandte ich schnell wieder den Blick ab, aus Respekt. Gleichzeitig wollte ich jede Nuance dieser Atmosphäre aufsaugen. Dabei schienen sich die Viets überhaupt nicht an meiner Anwesenheit zu stören. Diese Offenheit hat mich begeistert.

Ich schwöre, ich liebe Vietnamesen. Ihre reiche Kultur und die mir bis dahin völlig unbekannte Lebensweise hat mich als Mensch einfach wachsen und blühen lassen. Ich bin unendlich dankbar dafür. Jede Reise bringt mir grundsätzlich so viel bei. Ich bin froh, dass die nächste bereits gebucht ist.

Gemeinschaft und Sauberkeit in Vietnam

Vielleicht interpretiere ich zu viel hinein, aber ich habe den Eindruck, dass die Architektur solcher Häuser die Menschen als Gesellschaft näher zusammenrücken lässt. In Vietnam erzählen viele, dass Freunde auch mal unangekündigt vorbeikommen. Dass sie mithelfen, wenn gekocht wird, oder die Wäsche gemacht wird. Dass Alltag etwas Gemeinsames ist. Ich weiß nicht, ob das überall so stimmt. Aber ich weiß, dass ein Teil von mir sich nach dieser Form von Gemeinschaft sehnt.

Noch etwas fiel mir auf: Die Sauberkeit. Abends sah ich häufig Frauen in der Hocke sitzen und Geschirr spülen. Anschließend wurden die Gehwege gefegt, gewischt und vom letzten Staubkorn befreit. Der Müll wurde ordentlich in kleine Tüten verpackt und für die Abholung am nächsten Morgen bereitgestellt. Diese Akribie beeindruckte mich. Dabei waren die großen Straßen oft tiefschwarz von den Abgasen der Mopeds. Die Wohnviertel hingegen wirkten liebevoll gepflegt.

Die Menschen selbst erschienen mir außergewöhnlich sauber. Kein Parfüm, keine Körpergerüche. Einfach Seife und Reinheit. Ja, ich gestehe, ich hab tatsächlich an ein paar Menschen geschnuppert.

Wie dem auch sei. Nach diesem nächtlichen Ausflug, mit all seinen Eindrücken,erlaubte ich mir, am nächsten Tag einfach mal nichts zu tun. Ich lag faul am Pool herum, guckte Tatort, ließ mich massieren und war einfach im Moment. Ich musste wohl Kräfte sammeln für meine abenteuerliche Reise zum Elefantenberg.


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Fibertraum Kuala Lumpur: Diesen Tag vergesse ich nie

Mein erster Tag in Malaysia war aufregend. Ich spürte die Vision der Architekten und Stadtplaner. Diese futuristischen Gebäude könnten unterschiedlicher kaum sein. Gleichzeitig harmonieren sie auf einem ganz anderen Level miteinander.

Die Stadt ist sauber, es gibt eine Hochbahn (Monorail), viele Restaurants, Geschäfte und Moped-Werkstätten. Die Einheimischen empfingen mich freundlich. Die Malaien und die meisten Chinesen waren mir gegenüber korrekt, empathisch und ich habe mich in deren Gesellschaft sicher und willkommen gefühlt. Als Frau ist es nicht immer ohne, alleine durch die Welt zu reisen. Aber es macht viel zu viel Spaß, als dass ich jemals darauf verzichten könnte.

Bis auf ein paar merkwürdige Situationen, die sich im weiteren Verlauf meiner Reise durch Malaysia massiv häufen würden, fand ich alles ziemlich cool. Naja, fast.

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Das erste Horrorhotel in Malaysia

Mein Hotel sah nicht wie auf den Bildern aus. In so einer Absteige habe ich noch nie genächtigt. Zumindest nicht bis zu diesem Tag. Was ich nicht wusste (aber ihr wisst es jetzt): hier in Malaysia gibt es in den aller meisten Städten eine Touristen-Taxe. Plus: es ist üblich, dass die Hotelbetreiber einen Geldbetrag als Pfand verlangen. Vor der Abreise kriegt man den wieder.

Diese Prozesse zogen sich in die Länge, was mir missfiel. Ich war dehydriert, rote Fresse, hatte mich eben erst mit dem Grab-Fahrer gezankt – komplett gejetlagt. Das Zimmer war nicht bezugsfertig. Man ließ mich dennoch rein. Noch während ich meinen aufs Ambiente bezogenen Schock verarbeitete, klopfte es natürlich an der Tür. Ein Mann trat ein und zeigte mir, dass meine Dusche nicht funktionierte. Er fing an, darin rumzustochern. Ich fragte zwischendrin, ob ich Bettwäsche kriegen würde. Würde ich nicht. Während er die Dusche reparierte, spritzte das Wasser quer durch das gesamte Zimmer. Daraufhin musste die Situation dringlichst verlassen.

Kuala Lumpur: Mal ehrlich, ohne Chaos wäre es doch langweilig

Während ich da so stand und die Stadtsilhouette vom Hotelflur beobachtete, musste ich schmunzeln. Eine chaotische Anreise gehört einfach zu meinen unverzichtbaren Ritualen. Ihr erinnert euch: In Vietnam landete ich einfach mal in der falschen Stadt, auf Teneriffa fand ich mein Hotel gar nicht und hatte auch kein Internet, um danach zu suchen und auf den Philippinen ging mir sowieso der Allerwerteste auf Grundeis.

Love ya

Die Zeit rannte. Irgendwann zog ich den Mann aus meinem Zimmer und den Zimmerschlüssel aus seiner Hand, um mich umzuziehen und anschließend Malaysias Hauptstadt mit ihren über zwei Millionen Einwohnern näher kennenzulernen.

In einer Obsthalle

Ich ging planlos durch die heißen, von der Mittagssonne gezeichneten Straßen Kuala Lumpurs. Wie auch schon in den anderen Teilen Südostasiens, fiel ich hier auf. Ich sah eine Markthalle und ging hinein. Asiatische Märkte sind ein Vibe. Die Farben, Düfte, Spezialitäten… Jedes Mal ein unvergleichliches Erlebnis.

Rambutan

Die Händler waren freundlich und setzten mir, anders als auf den Philippinen, keine Touristenpreise auf. Sie ließen mich Marian Plum („Mini-Mango“) probieren – köstlich. Wie Mango, nur um einiges geschmacksintensiver und aromatischer. Die sauren Noten waren pointierter, die Süße war üppiger. Die Schale rundete das Ganze mit einer leichten Herbe ab. Ich kaufte. Dann nahm ich noch Rambutan, das ich bereits aus Vietnam kannte, und Salak (Schlangefrucht) mit. Salak war geschmacklich bahnbrechend. Ich hab selten etwas gegessen, das eine so harmonische und gleichzeitig breite Geschmackspalette in sich trug. Dabei war die Textur auch sehr, für mich zumindest, extraordinär. Die Frucht erinnerte mich an Jackfruit, aber gehaltener und tiefer. Weniger glibschig und faserig, dafür glatt von angenehmer Festigkeit. Wobei ich glibschig auch total abfeier.

Was ich in Malaysia nicht probiert hatte ist Durian. Bereue ich es? Ein wenig. Hierbei handelt es sich um diese Frucht, die so sehr stinkt, dass man sie weder in Hotels noch in Taxis mitnehmen darf. Und das hat mich ehrlich gesagt ein wenig abgeschreckt. Ich probierte es mit einem Durian-Wassereis, aber auch das konnte ich nicht essen. Wegen des Geruchs, versteht sich.

… und dann diese Begegnung

Ich zog von dannen. Ein älterer Mann in der Nähe des Marktes versuchte mir irgendetwas anzudrehen. Ich lehnte dankend ab und ging weiter, ohne mich umzudrehen. My bad. Er ging mir hinterher. Plötzlich zerrte er an meinen Haaren. Das war unerwartet, creepy und auch ziemlich schmerzhaft. Meine Reaktion war überraschend kontrolliert. Mein Unterbewusstsein beschloss wohl kein all zu großes Fass aufzumachen, da es nicht einschätzen konnte, wozu der Mann sonst noch fähig war.

Ich brauchte ein paar Minuten, um auf die Situation klarzukommen. Ich wolle es nicht dramatisieren, aber ich empfand es durchaus als gewaltsamen Angriff auf meine Intimsphäre. Das sind genau die Momente, die nicht passieren würden, wenn ich mit einem Mann unterwegs gewesen wäre. Irgend etwas musste ich aber daraus lernen. Mir wurde etwa klarer, wie sehr ich den Umgang deutscher Männer mit mir liebe und schätze. Ich fühle mich gesehen, respektiert und ernstgenommen. Mehr als Mensch, weniger als Frau, allerdings. Damit kann ich aber arbeiten. Also buchstäblich arbeiten haha.

Die Stadt pulsierte. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Die höchst ästhetische Zusammensetzung der Architekturwerke verschiedener Bauphasen hier halte ich für ein Phänomen. Wie noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass die einzelnen Gebäude in einem Dialog zueinander stehen. Sie vervollständigen sich gegenseitig und ihre Einwirkung aufeinander verändert sich mit jedem einzelnen, die perspektivische Sicht verändernden Schritt durch die heißen Straßen. In solchen Momenten wünsche ich mir so sehr, mich wenigstens ein kleines bisschen mit Architektur auszukennen. Aber den Wunsch erfülle ich mir: ab nächstes Semester gönn ich mir Architektur im Nebenfach.

Die nackte Frau auf der Straße

Als ich weiter ging sah ich eine Frau am Boden liegen. Ich hab mir nichts dabei gedacht, denn ich hatte am frühen Nachmittag viele Leute auf dem Boden liegen sehen. Jedes Mal unsicher, ob sie sich von der drückenden Hitze erholen, oder ob sie Obdachlos sind. Viele von ihnen waren nämlich gut und sauber gekleidet. Als ich aber nähertrat, erkannte ich zunächst die langen braunen Beine und kurz darauf den entblößten Schritt. Es war schauderhaft. Für Kuala Lumpur ist das wohl ganz und gar nicht die Norm. Aber wie in jeder anderen Großstadt gibt es auch hier einen Gesellschaftsrand.

Die Frau bewegte sich. Vorüber gingen neugierige Männer. Einer davon blieb stehen, überlegte, ging weiter, blieb wieder stehen, schaute sich um, näherte sich wieder. Ich hatte einfach wahnsinnige Angst, dass sie, sobald es dämmert, sexueller Gewalt ausgesetzt sein würde. Ich ging in einen nahegelegenen Laden und kaufte ihr eine Hose und eine Flasche Wasser. Als ich wieder bei ihr war, reagierte sie nicht. Aber sie bewegte sich. Ihr Kopf war, anders als der Körper, zugedeckt. Unter der Decke murmelte sie etwas. Ihr Bauch sah aus, als sei sie mehrfache Mutter. Sonst war ihre goldbraune Haut glatt und nicht älter als meine.

Ich legte die kleine Tüte vorsichtig neben sie und entfernte mich. Dann wählte ich den Notruf 999. Merkt euch diese Zahl, wenn ihr in Malaysia seid. Dort verwies man mich an die Rufnummer 103. 103 war nicht oder nicht mehr erreichbar. Fuck. Ich suchte einen verantwortungsvoll aussehenden Erwachsenen. Und fand ihn bei Domino’s Pizza. Ich entschied mich gezielt für einen Konzernmitarbeiter, weil etwa ein Ladenbesitzer, so meine Erfahrung, seinen Laden eher nicht für eine Frau in Not schließen würde. Ich führte den freundlichen jungen Mann den ganzen Weg zurück. Dort hin, wo die Frau lag. Als er in etwa drei Metern Nähe war, blieb er stehen und winkte ab. Ich sah, dass er sie wohl kannte. „She’s crazy“, sagte er. Einen ID hätte sie auch nicht. Man kenne sie in diesem Teil der Stadt. Er ging zurück auf seine Arbeit. Ich blieb stehen und überlegte.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich davon ablassen durfte. Die Situation bekam nicht unter Kontrolle, auch wenn ich es so sehr wollte. Der Anblick der nackten Frau am Boden schneidet mir eine Wunde ins Herz. Ihr Anblick trifft mich in etwa so schwer, wie die Erfahrung mit den Straßenkindern in Manila.

Kuala Lumpur: Ein verrückter Tag neigt sich dem Ende zu

Ich brauchte langsam eine Pause von meinem Tag voller Kontraste und ging zurück zum Hotel. Unten im Gebäude befindet sich ein Kashmir Restaurant, das ich bereits Vormittags ins Visier genommen hatte. Hausgemachte Küche mit scharfem Wumms, sehr schmackhaft. Habe es genossen. Während ich da saß, fiel der erste Regen seit meiner Ankunft in Malaysia. Während unter seiner Gewalt alles abkühlte, wuchs in mir der Wusch empor, die Stadt im nassen Zustand kennenzulernen. Also spazierte ich planlos durch die Straßen, bis es dunkel wurde. Bevor ich schlafen ging, wollte ich nochmal nach der Frau sehen. Sie lag dort nicht mehr. Und die kleine Tüte war auch weg. Am nächsten Morgen reiste ich weiter nach Ipoh.

Kuala Lumpur bei Nacht :) #reiseblog #kualalumpur #reiseabenteuer #bigcityvibes #asia #malaysia

Was kann ich abschließend sagen? Ich liebe Kuala Lumpur. Es war gut, es war verrückt, es war ein bisschen gefährlich. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Aber vor allem war es ein Tag, an dem ich deutlich das durch meine Adern fließende Leben gespürt habe. Deshalb werde ich ihn niemals vergessen.

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Malaysia: Ipoh begrüßt mich mit tropischem Regen

Angekommen in Ipoh merkte ich bereits am Bahnhof, dass hier die Natur und der Vibe besonders sind. Ich lud mein Zeug in meinem Horrorhotel ab und zog einfach los, um die Gegend zu Fuß zu erkunden. Schnell stellte ich fest, dass ich ganz nah am indischen Viertel wohnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht so genau, wie ich mich in Malaysia kleiden sollte. In Kuala Lumpur hab ich mich im Trägertop extrem fehl am Platz gefühlt, da ich von den Männern massiv angestarrt wurde. Dabei soll Ipoh noch konservativer sein. Wir erinnern uns: ich wusste bis zuletzt nicht, dass ich nach Malaysia reisen würde. Hätte ich das auch nur ansatzweise erahnen können, hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas nicht so ganz „offenherziges“ wie ein Trägertop angezogen.

In einem der indischen Läden holte ich mir etwas Langärmliges. Als ich rausging, fing der Tropenregen an. Es war magisch. Ich stand unter einem Dach und durfte das Naturspektakel aus nächster Nähe erleben. Die riesigen tropfen Trommelten auf die blechernen Dächer alter Daimler hernieder. Schnell bildeten sich kleine Bäche mit strömendem Regenwasser an den Straßenrändern. Alles andere schien stillzustehen. Von einer Sekunde auf die nächste löste sich auch die schwere hitzige Luft auf.

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Ipoh: Ich entdecke die Stadt bei Regen

Als der Regen weniger wurde, holte ich mir einen Schirm und ging weiter. In wenigen Minuten war ich ziemlich nass. Mein neues indisches Gewand, meine Tasche, die Jeans… Da es aber warm war und ziemlich viele Passanten ebenso nass waren wie ich, störte mich das nicht. Ich ging vorbei an indischen Geschäften, Restaurants, die auf Bananenblättern servieren, Schmuckläden, indischen Lebensmitteln, kleinen Tonschälchen. Am meisten gefiel mit der direkt vor Ort geflochtene Blumenschmuck.

Das finde ich in Malaysia auch so spannend – hier leben drei wesentliche Kulturen miteinander (oder zumindest nebeneinander her): muslimisch geprägte Malaien sowie Inder und Chinesen. Wie ein gesprächiger Grab-Fahrer mir am nächsten Tag erklären würde, leben sie auch in Harmonie und haben Respekt voreinander. Ich sah einige Freundesgruppen, etwa mehrere muslimische Mädchen und eine Chinesin. Die Chinesen scheinen mir, so wie bereits in Shanghai beobachtet, auch in Malaysia mit der Mode sehr experimentell zu sein. Spätestens als ich ein Mädchen mit super knapper Hotpants und tiefem Ausschnitt sah, verstand ich, dass meine Befürchtung, jemandem mit meinem Kleidungsstil zu nahe zu treten, wahrscheinlich eher unbegründet war. Angestarrt wurde ich, von Männern versteht sich, aber dennoch. Scheißegal, was ich hatte.

Ich laufe rum, bis es dunkel wird (gar kein Bock auf mein Hotel)

Die malaysische Sprache habe ich bis jetzt noch nicht so richtig aufgenommen, da sich die Menschen untereinander sehr leise unterhalten. Sie erinnert mich, vom Klangmuster her, an die philippinischen Sprachen. Englisch sprechen in Malaysia die aller meisten. Probleme, mich zu verständigen, habe ich kaum.

Von „Little India“ ging ich weiter zu einem Volkspark. Davor stand das Regenwasser teils knöcheltief, während in den Pfützen gelbe Blüten von den herabschmetternden Tropfen hin und her gewirbelt wurden. Hie und da versteckte sich jemand unter einem Dach. Es war schön.

Das Essen in Malaysia

Lange war ich unterwegs. Aß Tofu mit Gemüse, Ingwerreis und süß-sauer Soße. Alles, was ich bisher probierte, war köstlich. In Kuala Lupur aß ich etwas aus der kaschmirischen Küche, am Bahnhof zog ich mir Sushi rein. Egal, was ich probierte, es war einfach mega geil.

Ich hatte den Eindruck, dass das Essen nicht nur einen zentralen kulturellen Punkt ausmachte, sondern auch dass die Malaysier ziemlich hohe Ansprüche an ihr Essen hatten. Frische und Qualität, Vielfalt und geschmack scheinen hier viel essenzieller zu sein, als in dem einen oder anderen westlichen Land.

Und da frage ich mich schon, warum ich noch nie im Leben in einem malaysischen Restaurant war. Mir fiel auch noch nie eines auf. Aber ich lebe ja auch in Baden-Baden ahaha. Im Moment.

Ipoh: Nichts gesehen, aber viel gefühlt

Es war ein geladener Tag. Voller Wiedersprüche, Entdeckungen und Neugierde. Ein Tag, an dem ich nicht eine einzige Sehenswürdigkeit erblickt hatte, aber den Puls von Ipoh kennenlernte. Sehen durfte, wie die Leute hier leben, essen, arbeiten, miteinander umgehen, auf mich reagieren. Alle waren freundlich und reserviert. Vor allem die Frauen. Aber Frauen gehen auf Reisen IMMER gut mit mir um.

Jetzt lese ich gerade, dass die Stadt (Stand 2005) rund 675 000 Einwohner hatte. Den Eindruck machte sie natürlich nicht auf mich. Ich dachte, es seien circa 10 Mal weniger. Muss mal kurz darüber reflektieren.

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Kurz vor Abreise: Flug nach Bali annulliert

Es war soweit. In 24 Stunden würde ich nach Bali fliegen. Ich buchte bereits vor Monaten, was mir eigentlich gar nicht ähnlich sieht, aber ich musste meine Reise diesmal auf einen bestimmten Zeitraum legen. Da heute mein letzter Tag in Deutschland war, hatte ich 700 Sachen zu erledigen und zudem noch zwei Reportagen auf dem Tisch. Alle stressten mich, als hätten sie sich untereinander abgesprochen. Dann kam die alles entscheidende Mail.

Meine Reiseagentur blies meine Reise ab. Knapp 24 Stunden vor Abflug. Das Ding ist: Ich hätte eine Zwischenladung in Katar gehabt. Und in Nahost geht der Bevölkerung der Arsch auf Grundeis. Es herrscht Krieg. Angeblich zu riskant, dort zu landen. Zumal der Luftraum teils geschlossen ist. Warum das super gute Vergleichsportal CHECK24 dennoch Last-Minute-Flüge über Nahost anbietet, ist eine interessante Frage, die ich nicht beantworten kann.

Ich muss nach Asien. Was mache ich jetzt?

Ich gestehe, ich hatte kurz einen Nervenzusammenbruch. Aber ich war entschlossen. Deshalb ging ich schlafen und fuhr am nächsten Morgen zum Frankfurter Flughafen. Dort hieß es: „Es steht schon seit Wochen fest, dass nichts nach Katar fliegt.“ Die Wahrheit: es stand nicht fest. Jede Fluggesellschaft genießt eigene Regelungen. Ich hätte es riskiert, in Katar zwischenzulanden.

Am Stand einer Last-Minute-Reiseagentur wollte ich schon immer mal stehen, um weiß Gott wohin zu reisen. Nach Corona änderte sich wohl die Preispolitik solcher Flughafenstände. Die Preise vor Ort am Schalter sind heute nämlich höher, als wenn man selbst im Internet bucht.

Das Schicksal hat entschieden: Es sollte Malaysia werden

Mit leeren Händen kam ich nicht nach Frankfurt. Dennoch war das Budget begrenzt. „Malaysia“, sagte die pissige Frankfurterin am Schalter – etwas über dem genannten Budget. Let’s fetz. Meinen Rucksack hab ich für alle Lebenslagen gepackt. Ich war sogar bereit für die Mongolei. Als ich allerdings erfuhr, dass dort kuschelige  -9 Grad herrschen, war ich, tbh, mental etwas weniger bereit auf diese Art von Abenteuer. Etwas wärmer müsste es schon sein.

Also dann ab nach Kuala Lumpur. Mit 21 Stündigem Aufenthalt in Istanbul. Viel bekam ich von der Stadt nicht mit. Ich bin seit Monaten chronisch übermüdet und mein Nervensystem beschloss gerade in Istanbul runterzufahren. Ich fand ein kleines Hotel, fuhr mit der Metro hin und ging fußläufig weiter. Wurde fast kein einziges Mal um mein Geld betrogen hahaha. Naja. Fast.

Der Flug nach Kuala Lumpur, Malaysia

Jetzt sitze ich seit über 7 Stunden im Flugzeug. Turkish Airlines verwöhnen einen auf Langstrecken, wie ich gerade erfahre. In 3 Stunden lande ich in der Hauptstadt von Malaysia. Ich bin aufgeregt wie Scheiße. Was mich dort wohl erwarten wird… Diesmal bin ich ohne Hotelbuchung unterwegs. Daher bin ich frei, mich durch das ganze Land zu bewegen, wenn ich lustig bin.

Meine Mutter äußert nicht mal mehr Einwände. Sie weiß, sie ist machtlos gegen Asien. Da ich, wie während des Flugs nach Vietnam auch, nicht schlafen kann, wird das wieder ein benebeltes Jetlag-Abenteuer, wenn ich dort ankomme… Ich bleibe einen Tag in der Hauptstadt und dann mal sehen, was mir einfällt.

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Die Menschen von Haiphong

Wenn ich daran denke, wie die Vietnamesen zu mir waren, kommen mir die Tränen. Noch nie in meinem gesamten Leben wurde ich so herzlich in einem Land empfangen, wie in Vietnam. Die Menschen winken mir zu, geben mir die Hand, geben mir Fünf, grüßen vom Weiten oder im Vorbeifahren, machen Komplimente und teilen ihr Essen mit mir, sind neugierig. Und das den lieben langen Tag.

Sie wollen wissen, woher ich komme, und wenn ich es Ihnen verrate, fängt die ältere Generation an, ihre Sprachkenntnisse auszupacken, traditionelle Lieder zu singen, oder mir zu sagen, was sie mit meinem Volk gemein haben. Eine schöne Abwechslung.

An einem der Tage war ich allerdings ein bisschen überreizt und wollte für mich sein. Erstaunlich fand ich, dass alle Menschen, die mir an jenem Tag begegneten, das wohl gespürt haben und mir meinen Freiraum ließen. Sie staunten leise darüber, dass sie mir begegneten.

Haiphong: Ich rauche Thuoc Lao und finde neue Freunde

Heute ging ich durch Haiphong, am Fluss entlang. Ein Fischer teilte mit mir seine frittierten Sesambällchen und versuchte mir zu erklären, wie sein heutiger Fang war.

Haiphong, Vietman: Fischer stehen am Fluss mit ihren Angeln und fischen.

Auf die fast gleichen Bällchen, nur mit krümeliger Zuckerglasur und eine Runde Thuoc Lao luden mich vier Jungs vor einer Autowerkstatt ein. Ich teilte dafür meine Mandarinen vom Markt mit ihnen. Sie brachten mir bei zu rauchen, wir unterhielten uns mithilfe von Google Übersetzer und ich zog nach einiger Zeit von dannen. Nun sind wir alle Facebook-Freunde.

lol 🙂

Der Effekt der alleinreisenden Frau

Ich vermute, dass die Leute so auf mich reagieren, weil ich runde Augen und super weiße Haut habe – und Osteuropäerinnen hier nicht all zu oft rumlaufen. Schon gar nicht alleine. Aber der Respekt, die Gastfreundschaft, Neugierde und Aufgeschlossenheit der Einheimischen – so etwas habe ich noch nie erlebt. Obwohl auch die Portugiesen – wahnsinnig freundlich und sichtlich erfreut über meine Anwesenheit – immer versuchten, mit mir trotz Sprachbarriere zu kommunizieren.

Die Vietnamesen geben mir ein Gefühl, dass ich in ihrem Land willkommen bin; dass sie sich über mich freuen und dass sie mich mutmaßlich für etwas besonderes halten. Danke, dass ihr dieses Gefühl in mir freigeschaltet habt. Ich kannte es bisher nämlich gar nicht. Zumindest nicht in dem Ausmaß.

Menschen von Haiphong: Eine vietnamesische Marktfrau an ihrem Kräuter- und Gemüsestand

Die Straßen von Haiphong sind nicht ansatzweise so voll, wie die von Hanoi. Ich bin wieder zu Fuß unterwegs. Wie üblich sind aber die Gehsteige meistens von Cafés, Autos, Mopeds, Motorrädern oder Verkaufswaren jeglicher Art blockiert. Heute werde ich wieder nur Einheimischen begegnen und ihre Regeln und Geheimnisse des Lebens lernen.

Hier erfährst du, wie ich die Umgebung in Haiphong erkundet habe.

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Xin chào Việt Nam: Ich lande in der falschen Stadt

Mein Traum wird wahr: ich lande in Vietnam. Eigentlich dachte ich, ich lande in Haiphong, doch irgendwie war es am Ende doch Hanoi. Frag nicht wie. Entweder ich hab mir all den Weg lang hart eingebildet, ich würde nach Haiphong fliegen, obwohl das gar nicht der Fall war, oder es kam zu spontanen Änderungen. Völlig verballert war und bin ich so oder so. Das würde jedenfalls erklären, warum die junge Frau am Frankfurter Flughafen mich mehrere Male skeptisch nach meinem Reiseziel fragte.

Als ich dann allmählich im vietnamesischen Airport herausfand, in welcher Stadt ich mich befand, dacht ich mir kurz: „Wtf geht bei mir schon wieder?“ und kurz darauf: „Scheiß auf mein Luxushotel in Haiphong, ich bleibe hier und schau mir die Hauptstadt an.“ Hatte ich ja sowieso vor. Das Schicksal entschied, dass es jetzt sein würde und Schlafen wollte ich nach dem Langstreckenflug sowieso nicht. Wofür auch?

Guten Morgen aus Hanoi: An diesem brutalistischen Meisterwerk konnte ich nicht einfach vorbei gehen.

In Hanoi besuche ich das Museum

Ich buchte mir für rund 15 Euro ein kleines Zimmer nahe der Innenstadt, ließ meinen Koffer darin und zog gleich los. Mein erstes Ziel war das Hanoi Museum. Verblüfft war ich, als ich erfuhr, dass der Eintritt für alle umsonst ist. Dort sah ich Malereien und Skulpturen von Gegenwartskünstler. Es war expressiv und gefiel mir sehr gut. So etwas habe ich davor noch nicht gesehen. Vor allem gaben die Werke des Künstlers Hoàng Hồng (ich finde online leider keinerlei Infos zu ihm) den Ton an.

Es gibt Ärger

Als nächstes wollte ich losziehen um mir die Cafés und Shops, die direkt an den Gleisen liegen, anzusehen. Daraus jedoch wurde vorerst nichts. Ich verlief mich und hatte schwachen Akku. Zudem machte meine Mutter Theater am Telefon und befahl mir sofort schlafen zu gehen, da sie der Meinung war, mein Zustand nach dem Jetlag sei lebensgefährlich.

Dann machte sie noch mehr Theater, als sie erfuhr, dass ich Eistee mit Eis getrunken hatte. Sie hatte nämlich gelesen, dass das vietnamesische Leitungswasser nicht unbedingt von allen Mägen gut aufgenommen werde. Ich aber konnte der Versuchung nicht widerstehen. Als ich an den Gehwegen entlang der Straßen diese vielen kleinen Cafés aus winzigen Plastikstühlchen, Tischchen, Schirm und Getränkestand sah, wollte ich dort unbedingt Gast sein. Ich sah, wie gemütlich die Einheimischen dort verweilten und das leuchtend gelbe, kalte Getränk schlürften. Also ging ich das vermeintliche Risiko ein und kann nun sagen: Mir ist während der ganzen Zeit in Vietnam nichts passiert, obschon ich mir jeden Tag Eiswürfel en masse reingeschallert habe.

Den Eistee machen Vietnamesen aus einem starken Grüntee, den sie mit Wasser verdünnen. Das servieren sie dann auf Eis. So etwas Einfaches und gleichzeitig Geniales… Ich war hin und weg und zog mir gleich zwei Gläser rein. Die Temperatur lag bei schwülen 28 Grad. Wir hatten November, wohlbemerkt. Hanoi war an diesem Tag ein wenig versmogt. Daher schien die Sonne etwas schleimig auf die Erde herab und verbrannte meine Haut in weniger als einer halben Stunde.

Wild, wilder, Straßenverkehr in Vietnam

Als ich meine rote Haut sah, verstand ich, warum vor allem die Vietnamesinnen lange Kleidung trugen, obwohl es so warm war. Auch die allermeisten Moped- und Motorradfahrerinnen schützten sich vor der intensiven Sonne. Lange Röcke, lange Ärmel oder gar Handschuhe, Masken, Kapuzen, darunter Schirmmützen, darüber Helme – und ab die Post. Zigtausende Mopedfahrer. Hupen: Bürgerpflicht. Hier liest du einen sehr spannenden Artikel von welt.de, der die Situation auf den Straßen Hanois gut wiedergibt.

Ich fand es erstaunlich, wie die Menschen in Vietnam im totalen Verkehrschaos elegant und völlig stressfrei einen spontanen U-Turn einlegen konnten, wie sie auf jeder Spur in jede Himmelsrichtung fuhren, wie sie rote Ampeln ignorierten und dabei nie den Überblick verloren. Da verstand ich, dass Vietnamesen die Welt anders sehen als Europäer. Auch, wie langsam und bewusst die wenigen Fußgänger, die ich dort wahrgenommen hatte, dicht befahrene Straßen überquerten. Fast meditativ, als seien sie eins mit dem Verkehr und als könne ihnen nichts passieren, wenn sie sich nur langsam genug bewegten. Ich habe es dann auch selbst ausprobiert. Funktioniert 10 von 10.


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