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Der „verbotene Strand“ von Teneriffa

Wenn ich nicht weiß, was ich auf einer Reise unternehmen soll, gehe ich tief in mich hinein. Dort lausche ich dann meinem Herzen, meinen Bedürfnissen. Am Tag vor meiner Abreise hatte ich wohl Lust auf den „verbotenen Strand“, auf dem ich die Tage zuvor bereits war. Also machte ich mich auf den Weg, kletterte über jenen Zaun, passierte das Baustellennetz mit den Verbotsschildern und ging den steilen Pfad hinunter.

Verboten war das Betreten des Strandes wegen Einsturzgefahr. Die betraf definitiv den Pfad, der zum Strand hinunter führte. An einer Stelle war er wohl wegen eines Erdrutschs bereits eingestürzt und somit nicht sicher. Mich und vereinzelte andere Abenteuerlustige hielt das aber nicht davon ab, unseren Spaß zu haben. Die meisten ließen sich jedoch von den Verbotsschildern einschüchtern. Besser für uns so hatten wir alle viel mehr von unserem „verbotenen Strand“.

Erstmals betrat ich ihn zu meinem 30sten Geburtstag. Ich fand ihn durch Zufall. Hier kannst du genauer nachlesen, wie es dazu kam. Der Ausblick war wuchtig. Hier hatte man freie Sicht auf zwei gigantische Vulkanfelsen, die über Jahre vom Salz der mächtigen Wellen abgetragen wurden, sodass einer von beiden wie eine naturgemachte Arc de Triumphe aus dem Wasser empor ragte.

Teneriffas Vielfalt an Gesteinsarten und Meeresbewohnern

Alle Steine hier waren erstaunlich. Ein Bereich bestand aus glatten, runden Steinen. Schwarz, Grau; manche porös wie es sich für Vulkangestein eben gehört. Perfekt rund, dadurch dass sie alle vermutlich schon lange dem Salz des Ozeans ausgesetzt sind. Ein weiterer Abschnitt war durch mächtige Gesteinklotzen besetzt, die in der Sonne glänzten so, als seien sie nass. Waren sie aber gar nicht. Vielmehr waren sie trocken und warm; nur hatten sie diese faszinierend glatte Oberfläche. Auf ihnen lebten kleine Krabben, Muscheln, und Meeresschnecken, die sich mit jedem Schritt, den ich näher kam immer weiter verkrochen.

Als ich die glänzenden Steine näher begutachtete, bekam ich große Lust, über sie zu spazieren. Von einem Stein auf den anderen zu hüpfen. Zu sehen, wie die Wellen alles mit ihrem Schaum bedecken. Neue Blickwinkel meines „verbotenen Strandes“ zu entdecken. Ich liebte alles an meinem Strand. Meine Lust zu klettern brachte mir fast den Tod. Daher achtet, wenn ihr sowas macht, auf das richtige Schuhwerk. Aber damit war meine Lust nach Adrenalin nicht gestillt. Von einem Stein aus sah ich eine natürliche Höhle, die wie eine kleine Lounge für Meeresfreaks aussah.

Ab zum Wildpfad

Und da auch die nicht genug war, kletterte ich den Berg hinauf, der mich zum Wildpfad führen würde. Ich hatte Angst, aber auch viel zu viel Spaß. Der weg war trocken, staubig, eng. Auch hier bestand höchstwahrscheinlich Einsturzgefahr. Die Aussicht war es aber wert. Hier oben fand ich Frieden.

Oben angekommen kletterte ich erneut über Zäune, um wieder auf den „legalen“ Pfad zu gelangen. Ich hatte richtig Spaß. Am schönsten fand ich die Vegetation: Kakteen, Löwenzahn, der ganz und gar nicht so aussieht wie der bei uns, Kamille, wilde Blümchen, fikusartige Gewächse. Für mich war diese Vielfalt auf Teneriffa pure Exotik. Besonders beeindruckend fand ich es, die gigantischen Wellen auch mal von Hinten zu sehen. Wie sie langsam in Richtung Strand ankommen, sich auftürmen, wie sie sich an den Steinen zerschlagen einfach traumhaft schön.

Ich könnte wetten, dass dieser wilde Strand bald schon wieder zugänglich und ungefährlich ist. So können ihn viel mehr Menschen aus der Nähe erleben.

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Herrschaft des Ozeans

Welle für Welle für Welle zieht er dich in seinen schier endlosen Bann. Der Atlantische Ozean hat eine fatale Magie an sich, die dich zu manchem Zeitpunkt dazu einladen könnte, mit ihr in der Tiefe zu verschmelzen. Die zerstörerisch anmutigen Wellen zerschlagen sich auf Gesteinen zu weißem Schaum. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre eins mit ihnen. Mein Auge will sich nicht von ihnen lösen. Wie sie sich auftürmen und beim Überschlag ihre Farbe ändern. Manchmal will ich in jenem Moment in einer Welle sein. Es reizt mich daher, mindestens ein Mal das Surfen auszuprobieren. Segeln ist bereits eines meiner Suchtmittel, aber ich mutmaße mal, dass das Surfen noch weiter ins Innere des Ozeans hineingeht.

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wohl in der Tiefe wäre. Manchmal stelle ich mir vor, während eines Sturms in einem kleinen Boot zu sitzen und der Naturgewalt allein ausgesetzt zu sein.

Diese Anziehung erlebte ich bereits in Portugal. Auch früher schon. Jahrzehnte zuvor, zu Hause am Schwarzen Meer. Da sind die Wellen aber nicht so hoch zumindest dann nicht, wenn es nicht stürmt. Ihre zerstörerische Macht ist wahrscheinlich das, was ich so fesselnd finde. Mein Blick versinkt ja regelrecht darin. Wellen sind eine dieser Erscheinungen, denen ich ewig zusehen, ewig zuhören könnte.

Die Gewalt des Meeres, oder des Ozeans, fordert mich dazu auf, sie voller Demut zu betrachten. Zu jedem Zeitpunkt muss uns klar sein, dass das Wasser dem Menschen weit überlegen ist. Und man geht besser mit der Natur, als gegen sie. So bleibt man vielleicht eher vor dem frohen Tode bewahrt. Warum sind Segelboote oder -schiffe das sicherste Transportmittel auf hoher See? Weil sie mit dem Wind und den Wellen gehen der Sonne entgegen.


Die beiden Bilder und der Text entstanden auf der Kanarischen Insel Teneriffa.

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