Wer sind diese Künstler? In der heutigen Zeit gelten Menschen, die in den Bereichen bildende Kunst, angewandte Kunst, darstellende Kunst, Literatur und Musik tätig sind, als Künstler. Ihre kreativen Werke werden als Arbeiten oder Kunstwerke bezeichnet. Der gesamte Schaffensprozess eines Künstlers ergibt sein Werk.
Jedoch hat das Konzept des Künstlertums in der deutschen Geistesgeschichte eine tiefere Bedeutung als nur eine berufliche Bezeichnung. Es zeichnet das Bild eines gebildeten Individuums. Goethe und Schiller sahen in einem Künstler den Inbegriff eines gebildeten Menschen. Diese philosophische Idee wurde von Persönlichkeiten wie Wilhelm von Humboldt und Thomas Mann weitergetragen und entwickelt sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der klassischen bis hin zur zeitgenössischen Kunst.
Die Reduzierung des umfassenden Konzepts des Künstlers nahm eine reine Berufsbezeichnung erst im 20. Jahrhundert an. Dies zeigt einen deutlichen Wandel in unserer Auffassung und Wertschätzung von kreativen Individuen und ihrer Arbeit.
Die Gegenwartskünstlerin Lu Yang hat auf der diesjährigen Art Basel ihr neuestes Werk vorgestellt: einen Gestaltwandler-Avatar namens DOKU. Yang ist bekannt für ihre fesselnden Animationen, die das Menschsein im 21. Jahrhundert erforschen. Seit 2018 arbeitet sie mit einem Team aus Wissenschaftlern, 3D-Animatoren und Digitaltechnikern zusammen, die sich auf dem Gebiet der Motion-Capture-Technologie (kurz MoCap) spezialisiert haben. Diese Technologie erfasst die Bewegung von Menschen oder Objekten digital und reproduziert diese in einem virtuellen Umfeld. Das Ergebnis fand ich überwältigend.
Bereits in meinem ersten Artikel über die Art Basel 2024 beschrieb ich meine Begeisterung gegenüber Lu Yang und ihrem gigantischen Kunstwerk. Es war beinahe unmöglich, sich von dem Bildschirm zu entfernen, auf dem das Abenteuer von Avatar DOKU gezeigt wurde. Nicht nur die verrückte, hyperrealistische Animation war das Fesselnde an diesem Werk. Auch die wortlose Geschichte, war spürbar packend und wirkte beinahe hypnotisch auf die vielen Zuschauer, die sich davor versammelten. DOKU entdeckte sozusagen die von Menschenleben verlassene Welt mit den Augen eines Individuums, das diese Welt erstmals betrat. Ich kann gar nicht mehr adäquat schildern, was DOKU in der Animation alles getrieben hat. Ich erinnere mich lediglich daran, all das mit weit aufgerissenen Augen inhaliert zu haben und zwischendurch fassungslos „wie?“ gefragt zu haben.
Copyright: Art Basel Unlimited (Katalog)
„Digitale Reinkarnation“: Wer ist Avatar DOKU?
DOKU ist mehr als ein virtueller Character. Er oder sie repräsentiert einen Menschen in einer digitalen Hülle. Seinen oder ihren Namen trägt DOKU aus der Phrase „Dokusho Dokushi“. Das bedeutet etwa: „Wir werden allein geboren und sterben allein“. Dieser Aspekt des Alleinseins wird in Lu Yangs vorliegender Animation, dem Erzählfilm „DOKU The Flow“, intensiv untersucht. Das Filmprojekt bezeichnet die Künstlerin liebevoll als „digitale Reinkarnation“. Derzeit umfasst es zwei Filme, wovon „DOKU The Flow“ der zweite ist, wenn ich mich nicht komplett irre.
„DOKU The Flow“ stützt sich stark auf die buddhistische Philosophie von Mādhyamika, die besagt, dass alle Phänomene frei von einer inhärenten „Natur“, „Substanz“ und „Essenz“ sind. Über eine Reihe von nichtlinearen Sequenzen präsentiert der Film komplexe 3D-Animationen und zeigt DOKU in verschiedenen digitalen Skins. Die narrative Struktur zielt darauf ab, die traditionelle Realität zu überwinden und einen tiefergehenden Einblick in die ultimative Wahrheit der Leere und Verbundenheit zu erlangen.
Lu Yang – eine Gegenwartskünstlerin mit Message
Lu Yang wurde im Jahr 1984 in Shanghai geboren. Sie nutzt verschiedene Strategien aus Religion, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften, um grundlegende Fragen zu den Zusammenhängen zwischen Körper und Bewusstsein sowie Spiritualität und Wissenschaft zu erforschen. Sie hinterfragt zudem die Grenzen des Menschseins in unserer zunehmend technologischen Welt. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Shanghai und Tokio.
Besuche Lu Yangs Website, wenn du mehr zu ihren Animationen und ihrem Schaffen erfahren willst und wenn du dir einen Eindruck zu DOKUs Bewegungsablauf und seinen oder ihren Formwandlungen verschaffen willst.
Erst neulich habe ich euch von den besten Museen der Bundesrepublik erzählt. Nun. Dieses könnte auch bald auf dieser Liste stehen. Es handelt sich um das höchst umstrittene und von der Presse verhasste Fabergé Museum in Baden-Baden. Hinter einer Paywall verstecken zahlreiche Boulevard-Magazine ihre vernichtenden Kritiken gegen das Kunsthaus. Auch die BNN schießen ordentlich dagegen. Ich kann die Vorwürfe, die gefühlt in alle erdenklichen Richtungen gehen, jedoch nicht einschätzen. Also besuchte ich das Museum unvoreingenommen als Studentin der Kunstgeschichte und sah mir die Exponate aus der Nähe an. Eines davon will ich euch heute vorstellen: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Memoare eines Meisterjuweliers: Qualität der Fabergé-Eier
Franz-Josef Bierbaum, einer der namhaftesten Meisterjuweliere, die für den berühmten Juwelier Peter Carl Fabergé gearbeitet haben, hat in seinen 1919 aufgezeichneten und erst 1992 veröffentlichten Memoaren*, Details zur Herstellung der sogenannten „Kaiser-Eier“ enthüllt.
Bierbaum hebt hervor, dass die Qualität dieser kunstvollen Ostereier während des Ersten Weltkrieges nachgelassen hatte. Anstatt der üblichen luxuriösen Materialien wie Diamanten und Gold wurden die Eier entweder nur in bescheidener Qualität, oder gar nicht hergestellt. Drei relativ einfache Eier sind aus dieser Zeit bekannt: Das „Rote Kreuz Ei“ von 1915 sowie das „Georgische Ei“ und das „Stahlei“, beide aus dem Jahr 1916. Zwei weitere wurden unvollendet: Eins aus Stein und das andere aus Holz.
Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Peter Carl Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke (1917). Zu sehen ist auch das diamantbesetzte Schlüsselchen sowie auch das passende Etui im Hintergrund.
Die Kaiserin Maria Fjodorowna liebte Kunsthandwerk aus karelischer Birke, einer kostbaren Holzsorte aus Karelien, Nordrussland. Also nehme ich mal an, dass das vorliegende Exemplar nach ihrem Geschmack gefertigt wurde. Ein besonderes Detail dieses Eis werde ich euch gar nicht zeigen können – und wahrscheinlich auch selbst nicht sehen: Den in dem Inneren des Kaiser-Eis versteckten Elefanten, der als Glücksbringer dienen sollte.
Ein Brief soll das schlichte Fabergé-Ei historisch einordnen
Das Kaiserliche Osterei wird im Fabergé Museum zusammen mit einem Schlüssel, dem Etui und zwei Begleitpapieren ausgestellt. Eins dieser Papiere ist die Originalrechnung Fabergés an den Kaiser vom 25. April 1917 und das zweite ist ein Brief vom 23.03.1917, geschrieben von Carl Fabergé an den Vorsitzenden der Übergangsregierung, den Justizminister Alexander Kerenskiy. Denn „wie bekannt, war der Russische Kaiser Nikolai der II. zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten und wurde nicht ohne Gewalt in seiner Sommerresidenz unter Hausarrest gehalten“, merkt das Baden-Badener Museum an.
Diplomatisch begann Karl Fabergé seinen Brief an Kerenskiy mit der Beschreibung der schwierigen Situation, in der sich seine Mitarbeiter befanden, leitete über zu der Notwendigkeit, die Militärbestellungen zu erfüllen und erwähnt auch die anstehenden Lohnauszahlungen. Schließlich bittet er den Minister um einen kleinen Gefallen: „Bitte erlauben Sie mir, dem ehemaligen Kaiser und seiner Familie ein paar kleine Gegenstände (Erinnerungstücke, Andenken) zu übergeben, unter anderem zwei kleine Tierfigürchen und ein einfaches Osterei, ohne Luxus und fast unverziert, innen ein kleiner Elefant als „Glücksbringer“.
Geheimnisvolles Verschwinden: War dieses Fabergé-Ei wirklich so schlicht?
Tatsächlich war der Elefant, wie man der Rechnung entnehmen kann, aus Gold und mit 611 Diamantrosen besetzt. Mit einem ebenfalls diamantbesetzten Schlüsselchen (siehe Bild) konnte man den Elefanten im Ei aufziehen und „zum Laufen bringen“, heißt es in den Informationen des Museums.
Es sei durchaus möglich, dass die Übergabe der Tierfiguren genehmigt wurde. Laut dem Protokoll nach der Hinrichtung der Zarenfamilie sollen nämlich etliche solcher Figuren konfisziert und an Moskauer Museen weitergegeben worden sein. Anders sieht es mit unserem „einfachen Osterei“ aus.
Das Fabergé-Ei aus karelischer Birke mit dünner Goldfassung wird in Carl Fabergés Brief an seinen oben bereits erwähnten Meisterjuwelier Franz-Josef Bierbaum angemerkt. Darin schreibt Fabergé, dieses dem Kaiser zu Ostern 1917 gemacht zu haben. Er geht davon aus, dass der Kaiser das Osterei nie bekommen hat. Kerenskiy habe das wohl nicht zugelassen. Wohin es verschwunden ist, wisse Fabergé nicht. „Jedenfalls war ich nach den Durchsuchungen und der ganzen Zerstörung durch die Bolschewiken im Firmengebäude und habe keine Spur von den Sachen gesehen“, heißt es in dem ausgestellten Brief.
Fabergé Museum in Baden-Baden beteuert Echtheit
Das Museum fügt an: „Eine erste Publikation des Birkeneies mit einer Abbildung erfolgte 1997 im Buch ,Kaiserliche Ostereier der Firma Fabergé‘ von Tatjana Fabergé, Valentin Skurlov und L. Proller. Die historische Abbildung wies absolute ldentität mit unserem Ei auf.“ Die Expertise der Punzierung** erfolgte durch den Werkstattmeister H. Wingström. Dieser soll die Markierung Fabergés sowie auch ein Fabergé-Label eindeutig bestätigt haben.
Auch kunsttechnisch gemmatologische und juweliertechnische Expertisen des Abdrucks eines Fabergé-Labels auf der Innenseite des Etuis sollen eindeutige Resultate ergeben haben. Sie ließen keine Zweifel an der Echtheit des Stückes, heißt es im Bericht des Fabergé Museums.
**Eine Punzierung ist eine Technik, die darin besteht, Muster und Formen von Hand in Metall oder Leder zu prägen. Das Besondere daran ist, dass das Motiv in das Material versenkt und somit als Negativ zu sehen ist. Für diese Art der Gestaltung werden spezielle Werkzeuge namens Punzen oder Punziereisen verwendet. Diese sind eigentlich Metallstifte, deren Ende durch eine einfache geometrische Form gekennzeichnet ist. Für kleine Ornamente nutzen Handwerker oft vorgefertigte Muster auf ihren Punziereisen, da diese stets gleich aussehen – ein Trick, der Zeit und Mühe spart. Die Fähigkeit, Metall oder Leder so exakt zu bearbeiten, verlangt handwerkliches Geschick und Präzision. Gepunzte Kunstwerke strahlen daher einen unverwechselbaren Charme aus und tragen die Handschrift ihres Schöpfers.
Das Caricatura Museum in Frankfurt – ein Haus der Künste, das ich immer und immer wieder besuchen könnte. Am 12. Mai endete dort die mehrfach verlängerte Ausstellung „Ach was. Loriot zum Hundertsten“, die ich mir gerne reingezogen hatte – zwei Mal. Und wir wissen ja, was es heißt, wenn ich zwei Mal in dieselbe Sonderausstellung gehe. Das Caricatura zeigte Loriots Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme und Fotografien sowie Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe und Ausschnitte aus Fernseh- und Kinofilmen. Mir hat es sehr gut gefallen.
Spielkarten, 1973Raketen für Jedermann 2, 1960Umgang mit Bären 4, 1962
Durch diese Ausstellung ehrte das Caricatura den bemerkenswerten Humoristen Loriot, auch bekannt als Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, anlässlich seines 100. Geburtstags. Mit seinem einzigartigen Blick auf die Absurditäten und Grotesken des bürgerlichen Lebens, seinem beispiellosen Umgang mit der deutschen Sprache und seinen berühmten „Knollennasenmännchen“ beeinflusste Loriot jahrzehntelang als Humorspezialist das Medienbild.
Der Künstler Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. Mit seiner humorvollen Kunst hat er das deutsche Kulturleben nachhaltig geprägt.
Das ist der gute Mann: Vicco von Bülow alias Loriot. Copyright: IMAGO / M&K
Insgesamt präsentierte die umfangreiche Loriot-Ausstellung 705 Objekte. Neben bekannten Werken wie den legendären Herren im Bad zeigt die chronologische Ausstellung auch Raritäten. So waren unter anderem Porträtzeichnungen des damals 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg sowie frühe Werbegrafiken zu sehen.
Sequenzen aus „Herren im Bad“Kann ich derzeit nicht zuordnen und bin offen für Hinweise in den Kommentaren.
Kleiner Ausschnitt aus „Herren im Bad“
Das Caricatura Museum in Frankfurt am Main
Das Museum für Komische Kunst ist bekannt für seine Ausstellungen satirischer und humorvoller Kunst. Mit beeindruckenden Ausstellung von Texten, Zeichnungen und Plastiken sowie zahlreichen zeitgenössischen Werken hat es sich das Caricatura Museum als ein Eckpfeiler der komischen Kunstszene etabliert.
Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.
Das Caricatura Museum öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.
Alexej Georgijewitsch von Jawlensky, geboren irgendwann im März 1865 (oder auch 1864) im Russischen Kaiserreich, war ein renommierter Maler des Expressionismus. Er gehört zu der Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“, die von Wassily Kandinsky und Franz Marc initiiert wurde. Ich war Jawlensky auf der Spur und fand den Bro in München, Stuttgart und Wiesbaden.
Reife, circa 1912 (Lenbachhaus)Dame mit Fächer, 1909 (Wiesbaden)Stillleben mit bunter Decke, 1910 (Wiesbaden)
Alexej Jawlenskys Jugend in Russland
Jawlensky wuchs als fünftes Kind von sechs Geschwistern auf und entdeckte seine Leidenschaft für die Malerei im Alter von 17 Jahren. Damals sah er auf der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau erstmals in seinem Leben Gemälde. Diese Begegnung mit der Kunst bewegte ihn dazu, seine malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten eigenständig zu entwickeln. Nach seiner Versetzung als Offizier nach Sankt Petersburg, besuchte er abends die Russische Kunstakademie.
An der Akademie lernte Jawlensky den berühmten Vertreter des russischen Realismus, Ilja Repin kennen. Dieser empfahl ihm 1892 die Ölmalerei bei Marianne von Werefkin (Marianna Werjöwkina, aber auch egal) zu erlernen. Werefkin war eine vermögende Baronin und erfolgreiche Malerin. Darüber hinaus war die gute Frau bekannt als “Russischer Rembrandt”. Sie unterstützte Jawlensky in seiner künstlerischen Entwicklung.
Marianne von Werefkin: Schindelfabrik, 1910 im Museum Wiesbaden – Tempera auf Karton.
Alexej Jawlensky zieht nach München
1896 zog Jawlensky gemeinsam mit Werefkin nach München. Geheiratet haben die beiden Hasen jedoch nicht. Werefkin würde sonst ihre Zarenrente verlieren und das wollte sie nicht. Stattdessen war sie bereit, ihren Jawlensky-Schatz zu fördern, wo es nur ging. Seine Weiterbildung vertraute sie dem Slowenen Anton Ažbe an. Unter Ažbes Anleitung sowie inspiriert durch Künstler wie Lovis Corinth, Wilhelm Leibl und Leo Putz konnte sich Jawlenskys Malerei weiterentwickeln.
Einen besonderen Platz in seiner Schöpfung nimmt das 1900 datierte Porträt „Helene fünfzehnjährig“ ein. Merk dir diesen Namen, denn später wird es ein wenig versaut. Dieses Gemälde deutet den Übergang von Jawlenskys realistischen Werken zu seinem späteren Stil an, obschon die elektrisierenden Farben, für die der Künstler heute bekannt ist, dort noch nicht zum Einsatz kamen.
Ab 1902 begann Jawlensky, Stillleben und Landschaften im neoimpressionistischen Stil zu gestalten. Seine Auseinandersetzung mit der Kunst van Goghs und seine Begegnung mit der Pariser Avantgarde prägten die folgenden Jahre seines Schaffens. Auch Matisse beeinflusste ihn und sein farblicher Stil entwickelte sich immer weiter.
Mystischer Kopf: Meditation, 1936 (Lenbachhaus München)Bildnis von Marianne von Werefkin um 1906 (Wiesbaden)Stillleben mit Samowar, 1901 (Wiesbaden)Da ist sie wieder: Helene im spanischen Kostüm, 1901/02 (Wiesbaden)
Deshalb hatten Jawlensky und Kandinsky Beef
Während seiner Zeit in Deutschland, vor allem im Jahr 1905, produzierte Alexej Jawlensky eine leuchtende Palette an Kunstwerken. Drei Jahre später kam es zu der legendären Zusammenarbeit zwischen Werefkin/Jawlensky und Münter/Kandinsky. Möglicherweise hatte sich danach das Verhältnis zwischen den beiden Malerpaaren kurzfristig getrübt. Werefkin, Jawlensky, Adolf Erbslöh und Oscar Wittenstein beschlossen die Neue Künstlervereinigung München (NKVM) zu gründen. Münter und Kandinsky waren an diesem Projekt zunächst jedoch nicht beteiligt. Darüber ärgerte sich Wassily Kandinsky noch Jahre später.
Doch schon bald sollten sich alle Unstimmigkeiten legen und Kandinsky wurde, wenn auch nur zögernd, 1. Vorsitzender der NKVM. Wenig später, im Jahr 1909, arbeiteten die beiden Künstlerpaare wieder zusammen in Murnau. Dies war genau die Zeit, als der Tänzer Alexander Sacharoff mit Werefkin und Jawlensky seinen großen Auftritt im Odeon in München vorbereitete.
Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909. Dieses fantastische Werk, das mir immer wieder Gänsehaut bereitet, hängt im Lenbachhaus München.
Der Tänzer Alexander Sacharoff und „Die weiße Feder“
Neben diesem berühmten Bildnis des recht femininen Tänzers gibt es noch eins von Jawlensky. Bis vor wenigen Minuten war ich fest davon überzeugt, dass ich des damals in Hamburg bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll-Tour gesehen habe. Nach langer, verzweifelter Suche fand ich jedoch das Gemälde namens „Die weiße Feder“ in einem anderen Ordner. Das Bild hängt tatsächlich in der Stuttgarter Staatsgalerie – eines meiner vier bis fünf liebsten Museen der Bundesrepublik.
Als ich das Stuttgarter Gemälde vor mir sah, war ich gefesselt davon, obwohl mir Alexej Jawlensky zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, noch kein großer Begriff war. Das Bild machte alles mir mir. Es lockte, es erinnerte an etwas, es faszinierte mit seiner Rätselhaftigkeit. Ich stand wie angewurzelt davor und missgenderte meinen Landsmann Sacharoff erstmal hart. Und da ist das Meisterwerk:
Die weiße Feder (Der Tänzer Alexander Sacharoff), 1909 – Öl auf Pappe.
Monogamie? Nein danke!
Als Deutschland während des Ersten Weltkriegs Ausländer zur Ausreise zwang, verließ Jawlensky sein privilegiertes Leben und zog mit seiner Partnerin Marianne von Werefkin, dem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff und dem Sohn Andreas, den Jawlensky mit Helene gezeugt hatte, in die Schweiz. An dieser Stelle werde ich diese Beziehung nicht kommentieren und auch keine Parallelen zu anderen berühmten Dreiecksbeziehungen im Exil ziehen. Dort lebten sie alle zusammen am Genfersee.
Jawlensky musste sich an ein neues, weniger luxuriöses Leben gewöhnen. In seiner einfachen Unterkunft fand er Inspiration in der malerischen Landschaft des Genfersees. Seine Kunstwerke aus dieser Zeit zeigen noch erkennbare Naturdetails wie Bäume, Büsche und den See selbst.
Im Laufe der Zeit wurden diese Detailaufnahmen metaphorischer und spiegelten seine Gefühls-, Seelen- und Geisteswelten wider. Die ersten Arbeiten aus dieser Phase beschrieb Jawlensky als „Lieder ohne Worte“. Sie markierten einen Wendepunkt in seiner Karriere.
Selbstbildnis aus dem Jahr 1912 in Wiesbaden
Noch eine Frau in Alexej Jawlenskys Leben
1916 trat eine neue Förderin in sein Leben: Galka Scheyer. Die um 25 Jahre jüngere Frau unterstützte fortan seine Arbeit, allerdings mit einer vertraglichen Bedingung: 45% seiner Einnahmen aus Bildverkäufen gingen an sie. Autsch.
Mystischer Kopf, angeblich 1916/17. Öl auf Karton. Hängt in Wiesbaden.
Ende 1917 zogen Jawlensky und Werefkin nach Wollishofen bei Zürich um, wo Jawlensky begann, seine berühmte Serie der „Mystischen Köpfe“ zu malen. Inspiriert von menschlichen Gesichtern – vorwiegend Frauen – schuf er farbenfrohe Porträts mit starkem Ausdruck. Wohin es Alexej Jawlensky und seine Bohème-Familie als nächstes verschlug, erfährst du schon bald auf avecMadlen. Gute Nacht. Ich muss morgen echt früh arbeiten.
Der venezianische Maler Lorenzo Lotto, bekannt für seinen unkonventionellen Stil, hat in einem seiner frühen Werke die mystische Vermählung der Heiligen Katharina von Alexandria dargestellt. Dieses Thema war insbesondere für die Andacht junger Frauen beliebt. Dieses eindrückliche Werk sah ich auf der Finissance der Venezia 500 in München. Meinen Blick konnte ich lange nicht davon lösen.
Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506 (Fragment)
Lorenzo Lotto: Die Vermählung der Heiligen Katharina
Laut Legende suchte die heilige Katharina einen Ehemann, der ihr an Stand, Vermögen und Intellekt ebenbürtig war. Sie wandte sich an einen Einsiedler um Rat, der ihr ein Bildnis der Madonna zeigte und Christus als idealen Gemahl vorschlug. In einem darauffolgenden Traum überreichte der Christusknabe Katharina symbolisch einen Ring zur Bestätigung ihrer mystischen Hochzeit.
Lotto’s ungewöhnliche Komposition lässt den Blick auf einen intensiven Abendhimmel frei und unterstreicht den visionären Charakter dieser Szene. Seine eigenwillige und fantasievolle Bildsprache zeugt von seiner ständigen Suche nach innovativen ikonographischen Lösungen für seine Kunstwerke.
Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506
Das ist über den venezianischen Künstler bekannt
Lorenzo Lotto, geboren 1480 in Venedig und verstorben vor Juli 1557 in Loreto, zeichnete sich als bedeutender italienischer Maler der Hochrenaissance und des frühen Manierismus aus. Trotz seiner unklaren Jugend- und Ausbildungszeit stieg er wegen seines einzigartigen Stils und seiner eigenständigen Interpretationen zu einem gefragten Künstler auf.
Lotto war stark von den Arbeiten Giovanni Bellinis und Albrecht Dürers beeinflusst, wie seine frühen Werke verraten. Seine erste Erwähnung als Maler datiert auf den 10. Juni 1503, als er in Treviso im Veneto lebte. Zu dieser Zeit hatte Lotto bereits einen hervorragenden Ruf erworben und wurde in Dokumenten aus dem Jahr 1505 sogar als „sehr berühmter Maler“ bezeichnet.
Lorenzo Lotto: Diese Lebensjahre sind besonders wichtig
Neben seiner Arbeit in verschiedenen italienischen Städten, darunter Rom und Bergamo, schuf er bedeutende Werke für Kirchen wie die Pala di Santa Cristina bei Treviso oder das große Polyptychon für die Kirche San Domenico in Recanati. Bemerkenswert ist auch seine künstlerische Phase während seines Aufenthalts in Bergamo zwischen 1512 oder 1513 bis Ende 1525. Diese Phase gilt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ als eine besonders fruchtbare Zeit von Lottos Leben.
Trotz finanzieller Schwierigkeiten und persönlicher Rückschläge blieb Lotto seiner Leidenschaft treu und widmete sein Leben ganz der Kunst. Seine letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen im Kloster Santa Casa in Loreto, wo er trotz schwindender Augenkraft weiterhin malte.
Spätwerk des Lorenzo Lotto: Bildnis des Giovanni della Volta mit Frau und Kindern (1547)
Sein Werk ist fantasievoll und formal vielfältig – es steht grundsätzlich in der koloristischen Tradition der venezianischen Malerei nach Giovanni Bellini und Vivarini, jedoch mit ganz eigenständigen zügen. Sein Streben nach Natürlichkeit bleibt dabei stets erkennbar. Dies und sein virtuoser Umgang mit Licht und Schatten verleihen vielen seiner Bildkompositionen eine gewisse Unmittelbarkeit sowie etwas Mystisches.
1914: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Summer)
Die Welt der modernen Kunst wäre ohne ihn nicht dieselbe. Wassily Kandinsky, russischer Maler und Grafiker, hinterließ eine bedeutende Spur in der Kunstgeschichte. Außer als in Russland lebte und wirkte dieses Phänomen auch in Deutschland und Frankreich. Sein Schaffen wusste ich nie zu schätzen – bis auf diesen einen Tag, als ich die neu formulierte Ausstellung „Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus sah. Sagen wir: sie hinterließ ihre Spuren; ohne an dieser Stelle wieder sexuell zu werden.
Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer um 1912. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images
Von Moskau bis nach München: Kandinskys frühe Jahre
Kandinsky wurde am 16. Dezember 1866 in Moskau geboren. Nach seinem abgeschlossenen Jurastudium an der renommierten Lomonossow-Universität entschied er sich gegen eine juristische Laufbahn, obwohl ihm hierzu alle Türen offen standen. Stattdessen zog er nach München, um Malerei zu studieren. Als er nämlich ein kleiner Junge war, schleppte ihn seine Mutter in Kunstausstellungen, die ihn für den Rest seines Lebens prägten. Die Magie der Formen und vor allem Farben würde Kandinsky nie wieder loslassen.
Nachdem er sich als Expressionist bewies, war er Vorreiter der abstrakten Kunst. Von sich selbst soll Kandinsky behauptet haben, das erste abstrakte Bild der Welt geschaffen zu haben. Ebendieser Umbruch der Künste gibt auch den Geist der damaligen Zeit gut wieder: Im späten 19. Jahrhundert durchlebte die Welt einen gewissen Wandel. Die Entdeckung der Radioaktivität sowie auch die Atomtheorie katapultierten Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in eine neues Zeitalter. Vergleicht man seine expressionistischen und abskrakten Werke, so spürt man die Auswirkungen dieser Veränderung deutlich. Doch auch wenn der Russe die Gabe hatte, mit seiner Kunst das auszudrücken, was nur schwer in Worte zu fassen war, war es für ihn sehr schwer, in der Münchener Kunstszene Fuß zu fassen.
1902: Bergige Landschaft mit See1906-09: Murnau und Oberau. Das Bild rechts Oben ist von seiner Lebensgefährtin Gabriele Münter.1909: Orientalisches1913: Entwurf 3 zu Komposition VII1914: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Summer)1916: Zubrovsky Platz1921: Roter Fleck II
Wassily Kandinsky trifft auf Franz Marc
Mit seinem Freund Franz Marc gründete er 1911 die Künstlergemeinschaft Der Blaue Reiter, die den Expressionismus maßgeblich prägen sollte. Laut arsmundi.de soll Wassily Kandinsky den Namen der Künstlergruppe folgendermaßen erklärt haben: „Den ‚Blauen Reiter‘ erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau. Franz Marc die Pferde, ich die Reiter. So kam der Name von selbst.“ Andere wiederum ordnen der Namensgebung eine höhere Bedeutung zu. So soll die Farbe Blau den geistigen Charakter der Arbeiten repräsentieren (was auch immer das heißen soll). Der Reiter wiederum soll eine Art Vorwärtsbewegung verkörpern, da diese Künstler Pioniere auf ihrem Gebiet waren.
Der Durchbruch kam mit einer bahnbrechenden Ausstellung in München im Dezember desselben Jahres.
Das Jahr des Durchbruchs, 1911: Allerheiligen II, Öl auf Leinwand
Schöpferische Phase am Bauhaus
1922 wurde der Ausnahmekünstler ans Bauhaus geholt – die deutsche Designschule in (damals) Dessau. Dort durchlebte Kandinsky seine große schöpferische Phase. Laut seiner Frau Nina seien zwischen 1925 und 1933 289 Aquarelle und 259 Bilder entstanden. Jedes Blatt, jedes Bild sei dabei ein vollendetes Werk gewesen.
Am Bauhaus entwickelte er seine Theorien über Farbe und Form. Dabei sah er Farben nicht nur als optische Eindrücke an, sondern auch als Klänge. Deshalb glich er seine Bilder auch der Musik an, während er an eine „synästhetische“ Wahrnehmung glaubte. Für Kandinsky verkörperte jede Farbe also einen bestimmten Klang. Farbe und Form sollen beim Betrachter ähnliche Einwirkungen auf die Psyche haben, wie das Hören musikalischer Werke. Ähnlich wie bei Musikstücken teilte er seine Werke in „Improvisationen“, „Impressionen“ und „Kompositionen“ ein.
Wassily Kandinsky verlässt Deutschland
Nachdem das Bauhaus 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, emigrierte Kandinsky nach Frankreich. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod im Jahr 1944 weiter an seinen revolutionären Ansätzen in der Kunst.
Kandinskys Einfluss reicht weit über sein Lebenswerk hinaus. Als Lehrer hat er Generationen von jungen Künstlern inspiriert und beeinflusst. Seine Theorien zur Farbe und Form haben die Art und Weise verändert, wie wir heute über Kunst denken. Auf die dazwischenliegenden Stationen seines Lebens werde ich an anderer Stelle noch genauer eingehen.
Quellen:
arsmundi.de: „Der Blaue Reiter“ – Die Spitze des deutschen Expressionismus
Auf die Berliner Künstlerin Berta Fischer stieß ich, als ich in der Schirn-Ausstellung „Plastic World“ war. Ihr schwebendes Exponat, das den Namen Garmion trägt, starrte ich minutenlang und voller Begeisterung an, ohne dass es mir dabei langweilig wurde. Das Spiel mit dem Licht, das sich auf dem Boden der Kunsthalle in Form von kleinen bunten Lichtblicken widerspiegelte war ihr durch den mehrfarbigen, 3-dimensional geformten Kunststoff gelungen. Es war viel mehr, als ein Exponat – es war ein Erlebnis. Die hologrammartige Beschichtung, die Schwerelosigkeit, die scheinbare Geschmeidigkeit des offenbar harten Materials machte etwas mit mir.
Schirn Kunsthalle Frankfurt: Berta Fischers Raumkonstruktion „Garmion“ in der „Plastic World“-Ausstellung.
Wie macht Berta Fischer das?
In ihrer Arbeit verwendet Fischer vorwiegend Acrylglas, ein transparentes Kunststoffmaterial, das für die Schaffung leichter und farbenvielfältiger Skulpturen bekannt ist.
Die Künstlerin ist bekannt für ihre komplexen, großformatigen Raumkonstruktionen. Sie verwendet industriell gefertigte Acrylglas-Platten und formt sie mit Wärme zu skulpturalen Formen. Manchmal kombiniert sie verschiedene Arten des Materials. Einige beschichtet mit farbigem Film, andere lässt sie transparent oder bringt sie mit Hilfe von Bestrahlung selbst zum Leuchten, um ihre charakteristischen Lichteffekte zu erzielen.
Neben ihrer Arbeit mit Acrylglas fasziniert Fischer auch mit Elementen wie Neonlichtschnüren und Folien. Die Ehre, hierauf ein Auge zu werfen hatte ich bislang jedoch nicht.
Einzigartige Kunst – einzigartige Frau
Viele ihrer Kunstwerke sind unbetitelt, was den Betrachtern mehr Raum für eigene Gedanken und Interpretationen lässt. Andere Werke tragen Titel wie „Nirix“ oder „Aedrus“. Berta Fischer erfindet diese Begriffe selbst und stellt durch Internetrecherchen sicher, dass ihre Fantasienamen – ebenso wie ihre Kunst – einzigartig sind.
Berta Fischer wurde 1973 in Düsseldorf geboren. Sie hat ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zwischen 1993 und 1998 absolviert und während ihrer Studienzeit im Jahr 1995 ein Praktikum bei Electronic Arts Intermix in New York agelegt. Im Folgejahr erhielt sie das Günther Schroff Stipendium der HFG in Karlsruhe. Nach dem Abschluss ihres Diploms im Jahr 1998 hat Fischer ihre künstlerische Laufbahn erfolgreich weiterverfolgt. Ihre Arbeit wurde durch das Kunstfonds-Stipendium aus Bonn im Jahr 2003 anerkannt. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.
Quellen:
gallerytalk.net: „Zwischen Raum und Zeit: Berta Fischer über Kunstkonsum, Atmosphäre und unbetitelte Werke“
Jan. 1, 2011 - JEAN MICHEL BASQUIAT. c. late 1980 s ROSE HARTMAN/ UPDIKE0603 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAg49_
Jan 1 2011 Jean Michel Basquiat C Late 1980 S Rose Hartman PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAg49_
Jean-Michel Basquiat, geboren am 22. Dezember 1960 in New York City, wo er auch am 12. August 1988 verstarb, etablierte sich als eine prägende Figur der Kunstszene als Maler und Zeichner. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er als einer der ersten afroamerikanischen Künstler in der überwiegend weißen Kunstgemeinschaft Anerkennung fand. Obwohl häufig als Graffitikünstler klassifiziert, verneinte Basquiat diese Zuschreibung entschieden und betonte seine Unabhängigkeit von dieser Kunstform. Bis in die Gegenwart sorgt Basquiat mit seinem künstlerischen Erbe für Diskussionen über seine Bedeutung und Position in der Kunstgeschichte.
Dieses Gemälde ist Basquiats Ode an den Saxophonisten Lester Young. Auch im Hip-Hop ist diese Kultur der gegenseitigen Anerkennung weit verbreitet.Der wunderschöne, talentierte Basquiat. Copyright: IMAGO / ZUMA Wire
Jean-Michel Basquiat und Gaffiti
In den pulsierenden Straßen New Yorks der 1970er Jahre waren geprägt von Kriminalität, Korruption und einer neuen Hoffnung, die sich am Horizont abzeichnete. In diesem Umfeld der unbegrenzten Möglichkeiten begann sich eine neue Subkultur zu formen: HipHop. Da Grafitti zu seinen vier charakteristischen Elemente gehörte, begann auch diese Art der Kultur ihre Wurzeln zu schlagen. Anfangs als Vandalismus abgetan, etablierte sich Graffiti bald als eine anerkannte Kunstform, die sich in der ganzen Stadt verbreitete. In dieser blühenden Kultur tauchten auch die ersten bekannten Namen mit ihren charakteristischen Werken auf. Die individuelle Handschrift jedes Künstlers wurde zur Visitenkarte seiner Identität.
Unter diesen Künstlern stach Jean-Michel Basquiat hervor, der unter dem Pseudonym „SAMO“ rätselhafte und philosophische Tags hinterließ. Er fand schon früh seine Leidenschaft für das kreative Ausdrucksmedium. Zusammen mit seiner Mutter, die ihn oft zu Museumsbesuchen mitnahm, entdeckte er seine Liebe zur Kunst. Diese frühen Einflüsse inspirierten Basquiat zu seinen ersten künstlerischen Werken.
Die Eltern trennten sich – die Mutter kam in eine Psychiatrie. Das schwierige Familienverhältnis machte aus Basquiat einen Rebellen. Sein Verhalten führte zu Konflikten und ihn schließlich zur „City-as-School High School“. Dort traf er auf Al Diaz, mit dem er nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch das Konzept von „SAMO“ entwickelte. Ursprünglich war der Name ein Insider-Witz, der sich auf ihre gemeinsamen Aktivitäten bezog. Nämlich kiffen und chillen – „same old shit“. Dann wurde „SAMO“ zu einem Symbol ihrer kritischen Haltung. Ihre Botschaften, mal humorvoll, mal bizarr, wurden bald in ganz New York, besonders in der Graffiti-Szene, bekannt.
Jean-Michels Durchbruch kam unerwartet auf der „Canal Zone Party“, wo er die Anwesenden mit einem „SAMO“-Tag überraschte und damit den Beginn seiner Karriere markierte. Mit 18 Jahren verließ er das Elternhaus, um sich ganz der Kunst zu widmen. Trotz seiner wachsenden Bekanntheit kämpfte Basquiat mit gesellschaftlichen Diskriminierungen. Seine Werke reflektierten zunehmend soziopolitische Themen wie Polizeigewalt, Rassismus und die Kritik an der elitären Kunstszene.
Basquiat, Eyes and Eggs (1983): Ich war schockverliebt, als ich dieses Kunstwerk sah. Deshalb hing es lange Jahre als Kunstdruck in meinem Zimmer.Copyright: IMAGO / Norbert Schmidt
Jean-Michel Basquiat erweiterte seine künstlerische Tätigkeit auf die Musik, indem er 1983 einen Rap-Track produzierte. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber seinem Text, ermöglichte Basquiat den Künstlern Rammellzee und K-Rob, ihre eigene Vision umzusetzen, was zum unkonventionellen Track „Beat Bop“ führte. Dieser Schritt verstärkte seinen Einfluss und seine Bekanntheit in der HipHop-Kultur.
Basquiats Beitrag zur HipHop-Kultur und seine Identifikation mit dieser Bewegung unterstreichen seine Bedeutung als Bindeglied zwischen visueller Kunst und Musik. Sein Streben nach Anerkennung und Authentizität in seiner Kunst machten ihn zu einer Schlüsselfigur, die nicht nur in der Graffiti-Szene, sondern auch in der breiteren kulturellen Landschaft New Yorks und darüber hinaus eine nachhaltige Wirkung hinterließ.
Jean-Michel Basquiat starb im Alter von 27 Jahren in seinem Loft in der Great Jones Street. Im Autopsiebericht des leitenden Untersuchungsarzts des Manhattan Mortuary wird als Todesursache eine „akute Vergiftung durch verschiedene Drogen“ angegeben. Er entwickelte in seinen letzten Lebensjahren eine akute Heroinabhängigkeit. Persönlich verliebte ich mich in Basquiat, als ich vor einigen Jahren in seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler war. Seine Kunst geht direkt ins Herz.
Giovanni Bellini, auch als Giambellino oder Gian Bellin bekannt, war ein venezianischer Maler. Er wurde etwa 1437 in Venedig geboren wurde starb ebenda am 29. November 1516. Er war nicht nur Künstler, sondern auch ein wichtiger Akteur in der Gründung der venezianischen Schule der Frührenaissance. Diese initiierte er gemeinsam mit seinem Bruder Gentile Bellini. Darüber hinaus war er ein raffinierter Geschäftsmann.
Tizian: Das Porträt des großen Giovanni Bellini (1511/1512)
Das Schicksal machte Giovanni Bellini zum Künstler
Giovanni Bellini kam aus einer Familie von Künstlern. Sein Vater Jacopo Bellini war ebenfalls ein begnadeter Maler. Die Anfänge Giovannis als Maler waren stark geprägt durch den Stil seines Schwagers Andrea Mantegna. Durch ihn kam Giovanni in Berührung mit dem Werk des großen Francesco Squarcione und den Skulpturen von Donatello. Diese beiden Männer waren sehr einflussreiche Akteure der italienischen Renaissance.
Giovanni Bellini: Der Doge Leonardo Loredan (1438-1521) mit seinen vier Söhnen (1507), Gemäldegalerie Berlin. Leider extrem beschissener Zustand.
Das Geschäft boomt: Bellini vervielfacht Andachtsbilder
Kommen wir zu Giovanni’s eigenen Werken: Den größten Teil seines Repertoires bildeten Andachtsbilder, insbesondere Darstellungen von Madonna mit Kind. Für diese Bilder ließ er sich von griechischen und byzantinischen Ikonen inspirieren. Die flachen Gemälde, meist religiösen Inhalts, waren im damaligen Venedig weit verbreitet. Allerdings verwandelte Bellini diese traditionellen Bilder in Werke voll emotionaler Tiefe und manchmal auch gefühlsbetonter Beziehung zwischen Mutter und Kind.
Der Geschäftsmann in ihm kam zum Vorschein, als er eine Methode entwickelte, die Bilder schnell und effizient zu vervielfältigen. Der Gute benutzte Schablonen und Karton-Vorlagen, um die Grundumrisse der Figuren festzulegen. Manche Arbeitsschritte, wie etwa Grundierung, überließ er wohl seiner Werkstatt. Bei einigen Gemälden malte Bellini nur die Pigmentschicht oder prüfte gar nur die Qualität des fertigen Bildes. Diese werden heute üblicherweise der Bellini-Werkstatt zugeschrieben.
Giovanni Bellini: „Beweinung Christi“ oder „Der Leichnam Christi von Maria und Johannes gehalten“, 1490 – 1500, Gemäldegalerie Berlin
Giovanni Bellini: Entwicklung des Portraits
Neben diesen Andachtsbildern war Giovanni Bellini maßgeblich an der Entwicklung des Portraits in der venezianischen Malerei beteiligt. Hierbei wurde er durch Antonello da Messina beeinflusst, einen sizilianischen Maler. Dieser bevorzugte, ähnlich wie Bellini, das Dreiviertelprofil. Die Idee der Landschaft im Hintergrund übernahm Giovanni Bellini ebenfalls von ihm und hob es auf ein höheres Level. Hie und da erblickt man bei ihm nämlich zusätzlich zur Landschaft auch noch außergewöhnliche Architekturelemente.
Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes d.T. und einer Heiligen (1500–1505), 55 x 77 cm; Venedig, Gallerie dell’Accademia.
Höhepunkt und Verlust seiner Gemälde
Im Jahr 1483 erreichte Giovanni Bellinis Karriere einen Höhepunkt: Er wurde zum offiziellen Maler der Republik Venedig ernannt. Gleich darauf bekam er den Auftrag zur Ausmalung des Sala del Maggior Consiglio im Dogenpalast.
Leider gingen viele seiner Werke bei einem Großbrand im Dogenpalast 1577 verloren. Dann stahlen Unbekannte 1993 eines seiner Bildnisse der Madonna mit Kind (1480) aus der Cappella Valier der Kirche Madonna dell’Orto in Cannaregio. Bis heute konnte niemand das Gemälde auffinden. Trotz dieser Verluste bleibt Bellini eine unvergessliche Figur in der Geschichte der Kunst.