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Kunst & Architektur

Viktor Knack: Ein heller Stern der Gegenwart

Viktor Knack lernte ich kennen, als ich gerade Mal 10 Jahre alt war. Seine Leidenschaft erkannte ich bereits als Kind. Das Feuer in seinen Augen, die Liebe zu den Farben, die Suche nach der perfekten Perspektive – und der leise Ausruf der Freude, wenn er sie dann endlich fand. Er malte seine toskanischen Landschaften mit einem Lächeln im Gesicht. Für mich waren diese Momente eines: Frieden.

Viktor Knack: Amazonen – 1.800 Euro

18 Jahre später treffe ich Viktor Knack in Baden-Baden

Ihn heute wieder zu sehen, war für mich eine Ehre. Ich interviewte ihn vor einem seiner ausgestellten Gemälde in Baden-Baden und nahm das Gesagte auf. Als er aufhörte zu erzählen, rutschte mir vor lauter Nervosität der Finger aus. Ich löschte die Aufnahme. What? Aber ich wäre keine gute Reporterin, wenn ich im Kopfe nicht auch mitschneiden könnte. Er erzählte mir die Geschichte des Bildes, das vor uns hing: Blumenpflückerinnen (2003).

Viktor Knack: Blumenpflückerinnen
Viktor Knack: Blumenpflückerinnen (2003) – 1.100 Euro

„Das Bild, das vor uns hängt, ist mein Versuch, eines meiner anderen Bilder wieder ins Leben zu rufen. Damals malte ich es und wollte es anschließend auf dem Dach meines Autos transportieren“, erzählte Viktor Knack. „Einige Zeit später hielt ich an. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Gemälde nicht richtig fixiert hatte. Ich stieg aus – meine Bilder weg.“ Viktor hatte die beiden Kunstwerke während der Fahrt vom Autodach verloren. Als er den Weg wieder abfuhr, waren sie weg. Ich hoffe, der glückliche Mensch, der seine Gemälde damals auf der Straße fand, ehrt und liebt sie so sehr, wie ich es tun würde.

Mit dem Motiv „Blumenpflückerinnen“ versuchte Viktor Knack den Zauber des verlorenen Bildes wiederherzustellen. Obschon ich nie erfahren werde, wie das ursprüngliche Werk aussah, kann ich darüber spekulieren, dass ihm das gut gelungen ist. Viktor stellt hier, nach meiner Auffassung, die Weiblichkeit in ihrem zartesten Licht dar. „Ich denke, es ist mir gelungen, die Komposition des Ursprungsbildes zu wiederholen – vielleicht sogar die Farbenwelt“, sagt er mit seiner Bescheidenheit, die er über all die Jahre beibehalten hat.

Viktor studierte Kunst an der Universität in Almaty, Kasachstan. Seither war er in zahlreichen Funktionen tätig: Ob als freischaffender Künstler, Dozent oder Leiter verschiedener Kunstschulen.

Blumenpflückerinnen: Viktor verwendete Theaterfarben

Gemalt hat er das Bild mit Theaterfarben. Daher erscheinen sie durch und durch Matt. An vereinzelten Stellen glänzt es – etwa an den Konturen der Frauenfiguren. Viktor sagt, dies sei am Anfang gar nicht so geplant gewesen. Ich finde: Es ist ein glücklicher Zufall, der dem Gemälde eine markante Einzigartigkeit verleiht. Obwohl die Blumenpflückerinnen durch die Farbwahl, Maltechnik und das Spiel mit der Perspektive ohnehin unnachahmlich sind. Das Bild malte Viktor Knack mit einem dicken Pinsel. Er findet, die Pinselstriche passen gut zu der matten Farbe..

Gerne arbeitet der Künstler auch mit Spachtel. Als Kind erkannte ich in ihnen eine sehr hohe Ästhetik. Daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben. Diese Darstellungen sind aber eine ganz eigene Geschichte: Mache dir auf seiner Webseite am besten selbst einen Eindruck.

Als ich ihn auf das Nächste aufmerksam mache, lacht er dezent: „Ja, ich male Frauen gerne – ich finde sie schön.“ Auch Pferde und Landschaften gehören zu dem beständigen Repertoire des aus Syktywkar (Russland) stammenden Künstlers. Übrigens war er damals derjenige, der mir beibrachte, eine Kunstausstellung zuerst ausgiebig anzusehen und zum krönenden Abschluss nochmal einen kurzen Schnelldurchlauf draufzupacken.

Viktor Knack: Gefesselte Pferde (1992) – 1.700 Euro

Lese hier noch ein weiteres Künstlerinterview mit Igor Kaplun.


Anmerkung: Das Interview wurde Januar 2024 geführt. Ich habe es republished.

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Kunst & Architektur

Wer war Lucas Cranach der Ältere? – Kleiner Crashkurs

Mit Lucas Cranach dem Älteren beginnt eine neue Ära in der deutschen Kunst: Eine, die Porträtmaler, Bildung, Begabung und handwerkliches Können miteinander verbindet. Unser Künstler wird 1472 in der oberfränkischen Stadt Kronach geboren. Das Malerhandwerk erlernt er bei seinem Vater Hans Molle, bevor er sich als Geselle auf Wanderschaft begibt. Er wählt den Nachnamen Cranach und signiert seine Bilder mit den berühmten Initialen „LC“. Eine Namensänderung beim Verlassen des Herkunftsorts war im Zeitalter der Renaissance absolut üblich, insbesondere bei Künstlern, Gelehrten und Handwerkern. Lucas Cranach bedeutet so viel wie „Lucas aus Kronach“.

Erst um das Jahr 1500 lassen sich die ersten erhaltenen Werke Lucas Cranachs datieren – zu diesem Zeitpunkt ist der Künstler etwa 30 Jahre alt. In Wien, dem kulturellen und humanistischen Zentrum Mitteleuropas, entstehen frühe Porträts sowie die Schottenkreuzigung.

Cranach ist Teil der künstlerischen Wandlung: Nicht mehr das Handwerk des mittelalterlichen Bildermachers soll im Vordergrund stehen, sondern die Bildung und Begabung des Renaissancemenschen. Im Porträt, einem damals neuen Bildtypus, spiegeln sich die Auftraggeber einer einflussreichen städtischen Gesellschaftsschicht wider: Kaufleute und wohlhabende Bürger.

Cranach: Künstler plus Werkstatt

Hören wir den Namen „Cranach“, so ist meistens Lucas Cranach der Ältere gemeint. Außerdem gab es da noch die Cranach-Werkstatt mit ihren anonymen Meistern, den Umkreis und natürlich auch Sohn Lucas Cranach den Jüngeren, der erst später als eigenständiger Künstler agiert. Er ist es auch, der Cranach d.Ä. als Werkstattleiter ablöst.

Bei machen Bildern lässt es sich trotz Analysen gar nicht so genau sagen, wer sie eigentlich gemalt hat. Manches passierte arbeitsteilig, bei manchen Bildern schafft Lucas Cranach d.Ä. die Vorlagen. Vielleicht kontroliert er das Bild am Ende auch und ergänzt letzte Details.

Im Sinne des damaligen Werkstattgedanken ist das Gesamtwerk als ein Produkt aus mehreren Händen zu betrachten. Ein traditioneller Handwerksbetrieb eben (ähnlich wie bei den Bellini in Venedig). Was die Werkstatt verlässt, wird mit dem Cranach-Emblem versehen – einer Art Markenlogo, das der Künstler im Jahr 1508 mit seinem Wappenbrief erhalten hat. Es zeigt eine Schlange mit aufgestellten Flügeln.

Philipp Melanchthon, zugeschrieben: Cranach-Werkstatt (1532). In der oberen Bildhälfte rechts können wir das Schlangenemblem sehr deutlich erkennen. Copyright: IMAGO / Artokolor

Übergang von Spätmittelalter zu Frührenaissance

Cranach gilt heute als Innovator zwischen Mittelalter und beginnender Neuzeit. Im Repertoire hat er sowohl mythologische als auch biblische Themen. Zusammen mit Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Hans Holbein, Albrecht Alrdorfer und Matthias Grünewald gehört Lucas Cranach d. Ä. zu den bedeutendsten deutschen Künstlern seiner Zeit. Sie alle sind sowohl Kollegen als auch Kontrahenten und kennen das Werk des jeweils anderen. Teilweise sollen sie in ihren Bildern sogar aufeinander reagiert haben. Etwa, indem sie ähnliche Motive malten o.ä.

Wer heute durch ein Cranach-Gemälde blickt, spürt nicht nur die Technik eines Meisters, sondern auch den Geist einer ganzen Epoche, eingefangen in Farbe und Form. Hier geht’s zu Cranachs „blutrünstigen Frauen“ – da ich großer Fan bin, bin ich ständig auf der Suche nach seinen Bildern, sobald ich ein Kunsthaus betrete.


Quelle

Dankend erwähne ich an dieser Stelle ein ganz wunderbares Buch, das ich irgendwo in einem Museumsshop gekauft habe: Cranach A–Z von Teresa Präauer (ISBN: 978-3-7757-5179-7). Die Autorin schreibt in einer klaren und verständlichen Sprache, die nicht nur Kunsthistoriker begeistern kann, sondern auch jene, die sich viele spannende Fakten auf einmal reinballern wollen. Hinzu kommt ihr pointierter Humor und die sagenhafte Illustration des Buches. Sehr empfehlenswert.

Titelbild

Zu sehen ist unser Lucas Cranach d. Ä., laut Inschrift im Alter von 77 Jahren. Vermutlich von seinem Sohn gemalt (1550), manche Quellen schließen ein Selbstbildnis jedoch nicht aus. Man beachte die kontrastiert hervorgehobenen Hände des Künstlers. Sie schufen tausende Werke, die in ihrer Einzigartigkeit unter die Haut gehen. Copyright: IMAGO / H. Tschanz-Hofmann.

Hier nochmal in voller Pracht:

Die anderen ungekennzeichneten Bilder: Copyright avecMadlen.com

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Kunst & Architektur

Kandinsky hört Farben

Hörte Wassily Kandinsky Musik, während er seine Genialität auf die Leinwand brachte? Das werden wir womöglich nie erfahren. Was wir jedoch mit Sicherheit sagen können, ist, dass er sich von den Werken Wagners, Schoenbergs und Mussorgsky’s inspirieren ließ. Seine Erfahrungen beim Musikhören beeinflussten ihn und seine Kunst sehr stark. Klang wandelte er nämlich in Farbbewegung um und nannte seine abstrakten Bilder zudem auch „Impression“, „Improvisation“ oder „Komposition“ – Begriffe, die wir sonst nur aus der klassischen Musik kennen.

links: Improvisation 26 (Rudern), 1912
rechts: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Sommer), 1914

Was hat es mit dem Hören von Farben auf sich?

Dieser Umwandlugsprozess ist weniger mystisch als psychologisch. In der Forschung gibt es sogar einen gesonderten Begriff dafür: Synästhesie. Also der Prozess einer automatischen Kopplungen zwischen zwei verschiedenen Reizen (etwa Chromästhesie: Klänge→Farben). Das kann zum einen an einer engen Verschaltung benachbarter Hirnareale liegen („cross-activation“), oder an einer Enthemmung bestehender Rückkopplungen („disinhibited feedback“). Zweiteres heißt so viel wie: Das Gehirn lässt Infos aus einem Sinnesbereich leichter in andere Bereiche fließen, statt sie zu stoppen. Manche Menschen haben das, manche nicht.

Mein lieber Schatz (ein Geiger) sagte mir neuerdings, er könne das. Was mich überhaupt dazu veranlasste, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Er meinte, meine Sprechstimme würde gülden klingen. Wenn ich lustig gelaunt sei, eher zitronengelb. Wenn ich sowas schon höre, erlebe ich natürlich den Höhenflug des Jahrtausends. Das muss ich hier an der Stelle ganz offen zugeben.

Natürlich ist nicht jeder so gebaut wie dieser Musiker. Aber die aller meisten von uns werden unterscheiden können was mit „warme Farbe“ oder „kühler Ton“ gemeint ist. Was ein warmer Klang ist und was etwa ein metallisches, kaltes Geräusch ist. Und das obwohl Temperaturen weder gesehen noch gehört werden können. Höchstens ihre Auswirkungen. Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will.

Entwurf 2 zu Komposition VII, 1913

Wassily Kandinsky: Synästhesie oder doch nur Strategie

„Farbe ist die Taste, das Auge der Hammer, die Seele das Klavier mit vielen Saiten“, schrieb Kandinsky in „Über das Geistige in der Kunst“ (1911). Vor allem in der abstrakten Phase seiner Kunst lebt er dieses Prinzip und spielt mit der Leuchtkraft und Kombination seiner Farben, die beim Betrachter eine tiefe Emotionalität hervorrufen können. Ich für meinen Teil bin nach einer Kandinsky-Ausstellung sehr auf Endorphinen und erreiche ebenso einen aufgeladenen Zustand, wie nach einem guten klassischen Konzert. Aber ich bin, ihr kennt mich ja, sehr empfänglich für all sowas.

Inwieweit Kandinsky jedoch eine angeborene Synästhesie hatte oder einfach nur konsequent seine Vision der Farben und Klänge durchgedrückt hatte – darüber streitet sich die Forschung bis heute. Doch dass unser geliebter Künstler wirklich wenig Menschen kalt lässt, ist Tatsache. Unzählige Sammlungen und Ausstellungen auf der ganzen Welt, tausende Besucher, tausende Artikel und Kunstbücher, Postkarten, Drucke usw. sprechen meines Achtens ganz dafür, dass er wohl doch mit seiner Kunst in vielen von uns einen ganz bestimmten Punkt unserer Seele berührt, was sonst selten einer schafft.

rechts:  Improvisation 19, 1911
links: St. Georg III, 1911

Farbwirkung und Emotionalität

Kandinsky’s Absichten in der Malerei waren nicht nur ästhetisch geprägt, sondern spirituell-emotional. Mit seinen Farben und Formen wollte er gezielt im Betrachter ähnliche Gefühlsreaktionen auslösen wie Musik es tut. Er war überzeugt, dass Farben eine direkte „seelische Vibration“ hervorrufen können. Daher ordnete er Farben bewusst bestimmten Stimmungen und Klängen zu:

  • Blau steht bei Wassily Kandinsky für Ruhe, Spiritualität und Unendlichkeit.
  • Gelb hat eine exzentrische, hervorbrechende Wirkung und einen hohen, durchdringenden Klang.
  • Rot symbolisiert Energie, Leidenschaft und Dynamik, ist dabei jedoch eine sehr widersprüchliche Farbe in Kandinsky’s Werk. Sie kann sowohl eine warme, reife und energiegeladene Kraft als auch eine innere Unruhe und Erregung darstellen. Rot kann gleichzeitig stürmisch und aufpeitschend, aber auch bodenständig und ruhig sein, je nach Nuance und Kontext.
  • Schwarz und Weiß: repräsentieren Gegensätze wie Dunkelheit und Licht.

Außerdem nutze er bewusst musikalische Begriffe als Malstrategie. „Kompositionen“ waren bei ihm streng geplante, komplexe Werke, „Improvisationen“ hingegen spontanere, emotionale Farbklänge.


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Kunst- und Reiseimpressionen gibt’s jetzt auch im Video-Format: Hier geht’s zu meinem Tiktok-Account

Bebilderung dieses Artikels: © avecMadlen

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Kunst & Architektur

Ein Genie und seine Ikonen: Igor Kaplun

Heute stelle ich euch einen ganz besonderen Menschen vor. Ich habe Igor Kaplun (*1991) vor einiger Zeit bei Instagram gefunden. Er malt Ikonen. Nachdem ich ihn monatelang beobachtet hatte und seinen Stil, Humor sowie auch seine Leidenschaft für Ikonenmalerei kennenlernte, musste ich ihn um ein Interview bitten.

Das ist der Mann der Stunde: Igor Kaplun

Ikonenmalerei: Interview mit einem Gegenwartskünstler

avecMadlen: Wie begann Ihre künstlerische Reise und was hat Sie dazu inspiriert, sich auf Ikonenmalerei zu spezialisieren?

Igor Kaplun: Mein kreativer Weg begann, bevor ich zur Ikonenmalerei kam. Ich habe schon seit meiner Kindheit gezeichnet. Im Grunde war es das Einzige, was mir gut gelang. Deshalb besuchte ich Kunstkurse sowie auch eine Kunstschule. Später, als es Zeit wurde, mich für ein Studium zu entscheiden, wählte ich zwischen Architektur und Buchillustration. Schließlich landete ich an der Fakultät für Malerei.

Meine Lehrer waren Monumentalkünstler. Sie teilten ihre Erfahrungen in Wandmalerei und Mosaik mit uns. Daher war es nur logisch, dass wir uns in den letzten Semestern mit Mosaiken und Kleber auf Baugerüsten in der Nähe von Wänden wiederfanden. Diese Wände gehörten zu einer Kirche. Von diesem Punkt aus war der Schritt zur Ikonenmalerei klein, da ich mich bereits innerhalb der plastischen Welt der Kirchenmalerei befand.

Zwischen Tradition und Innovation

avecMadlen: Ihre Werke sind bekannt für ihre einzigartige Mischung aus traditionellen und unkonventionellen Elementen. Wie haben Sie diesen unverwechselbaren Stil entwickelt?

Igor Kaplun: Alle Überlegungen von Künstlern über ihren Stil oder die Suche nach ihrem Stil sind in der Regel sinnlos. Am Anfang des beruflichen Werdegangs beschäftigt es noch, aber wenn man sich in den Arbeitsprozess vertieft (bei mir geschah das etwa im dritten Studienjahr), verschwinden diese Fragen. Der Stil ist kein Ziel, sondern ein Bonus für die Arbeit.

Das Ziel ist es viel mehr, ein gutes, solides Bild zu schaffen. Wenn es um traditionelle und unkonventionelle Elemente geht, habe ich das Gefühl, dass ich innerhalb der Tradition der Ikonenmalerei lebe, aber mit verschiedenen Strömungen und Künstlern der Weltkunst vertraut bin. Daher erscheinen auf meinen Ikonen unterschiedliche plastische Ansätze und Entdeckungen, die sowohl aus der traditionellen Ikone als auch aus der sogenannten „weltlichen“ Malerei stammen.

avecMadlen: Welche spezifischen Aspekte der traditionellen russischen Ikonenmalerei faszinieren Sie am meisten und wie integrieren Sie diese in Ihre zeitgenössischen Arbeiten?

Igor Kaplun: Ich kann sagen, dass ich definitiv die Sprache der Ikonenmalerei benutze – das mittelalterliche Verständnis von Form und eine Reihe von Techniken, mit denen Form und Volumen in einer Ikone dargestellt werden. Außerdem ist mir die Freiheit der Ikone sehr nahe. In der Ikonenmalerei gibt es völlige Freiheit der Darstellung, im Gegensatz zur akademischen Malerei, zum Beispiel.

„Die Idee“ sei eher was für Autoren und Ingenieure

avecMadlen: Können Sie ein Beispiel eines Ihrer Werke nennen, das besonders gut Ihre moderne Interpretation eines traditionellen Themas zeigt?

Igor Kaplun: Leider nein. Ich glaube, dass ich als Künstler, der heute lebt, bereits zeitgenössisch bin. In jedem Fall werde ich meine heutigen Gefühle und mein heutiges Verständnis von Raum und Form zum Ausdruck bringen. Und die Idee – das ist schließlich ein Begriff für Schriftsteller oder Ingenieure. Ein Künstler spricht in einer plastischen Sprache – diese lässt sich schwer in Worte fassen. Wenn das möglich wäre, würde der Künstler nicht malen.

avecMadlen: Wie reagieren Kunsthistoriker oder Anhänger der klassischen Ikonenmalerei auf Ihre innovativen Ansätze?

Igor Kaplun: Ich kenne nicht viele Kunsthistoriker. Ich hoffe, dass der Beruf des Kunsthistorikers einen Blick auf die Gegenwart und die Zukunft richtet und nicht nur auf die Vergangenheit. Das würde nämlich bedeuten, dass er bereit wäre, Neues wahrzunehmen und es „auszuprobieren“. Ich bin offen für jede Meinung, und ich würde sogar sagen, dass mir Meinungen fehlen.

Ikonenmalerei: Mit diesen Materialien malt Kaplun am liebsten

avecMadlen: Gibt es bestimmte Techniken oder Materialien, die Sie bevorzugen?

Igor Kaplun: Ich liebe Tempera und Öl. Ikonen male ich jedoch nur mit traditionellen Materialien: Kasein– oder Eitempera.

avecMadlen: In welcher Weise reflektieren Ihre Werke aktuelle gesellschaftliche oder kulturelle Themen in Russland?

Igor Kaplun: Ich glaube, gar nicht. Ich bin nicht wirklich in der Welt der zeitgenössischen oder konzeptuellen Kunst zu Hause. Es interessiert mich mehr, wenn ich arbeite und sehe, wie die Farben zu Tönen werden und zusammen erklingen.

avecMadlen: Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Balance zwischen Ehrfurcht vor der Tradition und dem Drang zur Innovation?

Igor Kaplun: Für mich gibt es keine solche Schwierigkeit. Respekt vor der Tradition und das Streben nach Innovation existieren in mir untrennbar miteinander, noch bevor ich mir dieser Prozesse bewusst wurde. Ich liebe die Tradition, aber es interessiert mich, Neues zu schaffen. Ich denke, dass die Tradition, wenn sie nichts Neues erschafft, aufhört lebendig zu sein und somit aufhört, Tradition zu sein. Das Neue und die Tradition sind untrennbare Dinge.

Inspitation und Botschaft

avecMadlen: Was inspiriert Sie?

Igor Kaplun: Malerei, Natur und Literatur.

avecMadlenWas möchten Sie mit Ihren Werken ausdrücken und welche Botschaft hoffen Sie, dass Betrachter von ihnen mitnehmen?

Igor Kaplun: Ich hoffe, dass traditionelle Malerei, die auf einer Oberfläche mit Farben gemalt wird, gefragt sein wird. Und dass die Menschen sich diese Kunst anschauen, diskutieren, sich darüber freuen, sie kaufen und zu Hause aufhängen. Ich würde mir sehr wünschen, dass man sich an der Malerei erfreut und dass sie eine der schönen Dinge ist, die den Menschen umgibt.

Und wenn jemand meine Ikonen oder Bilder mag, freue ich mich sehr. Und wenn nicht – dann gibt es eben genügend große Künstler auf dieser Welt, an denen sich die Betrachter erfreuen können.

Ikonenmalerei: Ein Interwiev mit dem Gegenwartskünstler Igor Kaplun

Wie kann man eine Ikone von Igor Kaplun ergattern?

Der Künstler verkauft seine Ikonen auch ins Ausland. Trotz Einschränkungen und Sanktionen konnte er in diverse europäische Länder verkaufen. In einem einzigen Land kam es bisher jedoch zu Komplikationen an der Grenze: in Deutschland. In Österreich nicht und in der Schweiz bislang auch nicht. Wer Igor Kaplun kontaktieren will, tut dies am besten über Instagram.

Du bist auf der Suche nach Ikonen in deiner Nähe? Entdecke hier das Ikonenmuseum in Frankfurt am Main.


Dieses Interview veröffentlichte ich letztes Jahr schon bei tuellundtrueffel.com. Doch da die Kunst von Igor Kaplun für mich eine Herzensangelegenheit ist, wollte ich sie den Lesern von avecMadlen nicht vorenthalten.

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Kunst & Architektur

Die radikale Veränderung in Kandinskys Malstil

Wassily Kandinsky ist bekannt für seine farbenfrohe und ausdrucksstarke Malerei. Doch sein außerordentliches Werk „Roter Fleck II“ (1921) zeigt eine entscheidende Wendung in seiner künstlerischen Karriere.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, verließ Kandinsky Deutschland und kehrte in sein Heimatland Russland zurück. In dieser Zeit ruhte seine Kunst. Er widmete sich eher politischen und kulturellen Aufgaben.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

„Roter Fleck II“ von Wassily Kandinsky

Das Werk „Roter Fleck II“, das im Münchner Lenbachhaus hängt, steht symbolisch für den bedeutenden Wandel in Kandinskys Ausdrucksweise. Sein typischer lebendiger Farbauftrag wurde durch eine glattere Art der Farbgebung ersetzt. Seine Bilder wirken nun kühler und rationaler. Die geometrischen Formen wie Dreiecke, Kreise und Linien dominieren seine Werke. Das ist ein klarer Einfluss des russischen Konstruktivismus, einer Strömung in der Kunst, die Wert auf geometrische Strukturen legt.

Künstler des Konstruktivismus wie Ljubow Popowa, Wladimir Tatlin und Malewitsch haben sicherlich zu diesem Wandel beigetragen. Dennoch unterscheidet sich Kandinskys Arbeit von ihrer rein konstruktivistischen Ansatzweise. Denn obwohl er geometrische Formen nutzt, sind sie in seinen Werken nicht streng logisch angeordnet.

Ein besonderes Element ist dabei der Kreis – diese Form wird zu einem zentralen Aspekt während seiner Zeit am Bauhaus. Für Kandinsky repräsentiert der Kreis die perfekte Form für sein neues künstlerisches Schaffen. „Neues“, da sein Herz in der frühen Schaffensphase dem Expressionismus gehörte.

Wassily Kandinsky: Roter Felck II im Lenbachhaus München
1921: Roter Fleck II / Öl auf Leinwand

Konstruktivismus: Kandinskys streben nach reinen Formen

Mit seinen geometrischen Formen setzte er seine Suche nach immer reineren Formen fort. Diese sollten keine Erinnerungen oder ablenkende Assoziationen hervorrufen. Im Gegensatz zu anderen abstrakten Künstlern blieb Kandinsky jedoch stets bei der Darstellung von ‚Figuren‘, seien sie nun gegenständlich oder abstrakt.

Insgesamt betrachtet steht „Roter Fleck II“ als Zeichen eines neuen Kapitels in Kandinskys Werk. Es zeigt den Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus und dem Streben nach reinen Formen. Erfahre hier von der größten Sammlung der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, die Kandinsky mitbegründete.


Nicht ausdrücklich gekennzeichnete Bilder in diesem Artikel © avecMadlen

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Kunst & Architektur

War Henri Matisse für die Kunst bestimmt?

Der Maler Henri Matisse, geboren am 31. Dezember 1869 in Le Cateau-Cambrésis im Nordosten Frankreichs, war eigentlich für eine andere Karriere bestimmt. Wie er selbst sagte, sollte er als „Sohn eines Samenhändlers“ im Geschäft seines Vaters nachfolgen.

Henri Matisse: Vase d'anémones, 1946 auf der Art Basel 2024
Henri Matisse: Vase d’anémones (1946) – eines seiner Werke, die ich erst neulich sehen durfte. Dieses fand ich auf der Art Basel 2024.

Henri Matisse: Der lange Weg zu seiner Kunst

Matisse war kein Wunderkind wie Pablo Picasso; statt dessen entwickelte er seine Kunst langsam und kontinuierlich aus seiner Begeisterung für Farbe, Licht und Raum. Seine Eltern Emile Matisse und Héloïse Matisse (geb. Gérard) betrieben ein Lebensmittelgeschäft in Bohain mit angeschlossenen Samen- und Farbenabteilungen.

Ursprünglich absolvierte Matisse humanistische Studien am Henri-Martin-Gymnasium in Saint-Quentin (1882-1887). Es folgte ein zweijähriges Jurastudium in Paris. An wen erinnert uns das nur? Im Jahr 1889 wurde er Anwaltsgehilfe in Saint-Quentin.

Porträt des französischen Künstlers Henri Matisse; schwarz weiß
Henri Matisse, Ende der 1940er Jahre in Frankreich. Copyright: IMAGO/teutopress

Geschenk der Mutter entfacht Henris Leidenschaft

Einen entscheidenden Wendepunkt stellte eine lange Krankheitsphase dar, während der ihm seine Mutter einen Malkasten schenkte, um ihn aufzumuntern. Dieses Geschenk entfachte sein Interesse an der Malerei weiter. Denn es stellte sich heraus: Er hatte bereits zuvor Zeichenkurse besucht.

Nachdem er sich endgültig für die Malerei entschieden hatte, kehrte er spätestens Anfang 1891 nach Paris zurück, um sich auf der Académie Julian zu lernen. Trotz einer ersten gescheiterten Aufnahmeprüfung an der Ecole des Beaux-Arts, ließ Matisse sich nicht entmutigen. Schließlich wurde er im März 1895 offiziell als Schüler des symbolistischen Malers Gustave Moreau an der Kunstschule akzeptiert.

„Ich bemühe mich darum, eine Kunst zu schaffen, die für jeden Beschauer verständlich ist.“

Henri Matisse

Einflüsse: Die Entwicklung seines eigenen Malstils

Henri Matisse entdeckte den Impressionismus durch seinen Nachbarn und Kollegen Emile Wéry. Diese Entdeckung führte zu einer leidenschaftlichen Begeisterung für die Farben des Regenbogens, die Matisse etwa in seinem Werk „Servierter Tisch“ zum Einsatz brachte. Es ist ein von Camille Pissarro beeinflusster, maßvoller Impressionismus, der die Hinkehr zur reinen Farbe ahnen lässt.

Das wachsende Interesse von Matisse für diese Richtung der Malerei muss Gustave Moreau mit seiner symbolistischen Auffassung geärgert haben. Die Achtung des Lehrers für den Schüler erlitt dadurch dennoch keinen Bruch, da Interieurs, Porträts, Stillleben und Landschaften weiterhin dem System der Valeurs1 unterworfen blieben. Im Jahre 1897 verteidigte Moreau sogar den „Servierten Tisch“, der im „Salon de la Nationale“ ausgestellt wurde, gegen Kritiker.

Henri Matisse: Servierter Tisch
Henri Matisse: Der Servierte Tisch (1897), Öl auf Leinwand; Copyright: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

Henri Matisse: Eine neue Ära der Farben und Darstellungen

Matisse heiratete Amélie-Noémie-Alexandrine Parayre. Sie hatten eine Tochter, Marguerite, und zwei Söhne, Jean und Pierre. Im Jahr 1898 verließ Matisse die Ecole des Beaux-Arts. Dann fuhr er nach Korsika, wo er den Frühling und Sommer in Ajaccio verbrachte. Dort wurde seine Begeisterung für den Süden geweckt. Landschaftsbilder, Stillleben und Interieurs entstanden in zumeist kleinem Format. Das Licht des Mittelmeers hellte die Farbskala immer mehr auf.

Entdecke hier ein paar Impressionen aus der Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler

Paul Cézanne übte zwischen 1900 und 1904 einen entscheidenden Einfluss auf Matisses Werk aus, wie etwa der Männliche Akt „Der Knecht“ zeigt. Männliche Aktbilder gibt es bei Matisse nur in der kurzen Periode von 1899 bis 1903, die mit der Phase seiner intensiven Cézanne-Begeisterung zusammenfällt. Über die Art, das Motiv zu behandeln, notierte er: „Ich betone seinen Charakter und scheue nicht das Risiko, den Charme dranzugeben, um eine größere Standfestigkeit zu erzielen.“

Henri Matisse, Männlicher Akt: Der „Knecht“ (1900), Öl auf Leinwand. Copyright: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

Was bei Bildern wie dem „Männlichen Akt“ an Cézanne erinnert, ist die Darstellungsart. Matisse wählte keine Ruhestellung, sondern eine Körperhaltung voll Spannung. Die gespreizte Stellung der Beine gewährt den festen Stand, von dem er sprach. Die Eleganz weicht der Konstruktion mit Farbflächen. Die Ebenen stoßen hart aneinander.


Quelle: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

  1. Das System der Valeurs (oder deutsch: Wertesystem) der Literatur und Kunst ist ein System der geistigen und künstlerischen Werte, die sich in literarischen und künstlerischen Werken kristallisiert haben und der Seele, dem Intellekt und der Persönlichkeit dienen. Das Wertesystem der Literatur und Kunst besteht aus zehn Werten, darunter Widerspiegeln der Tatsachen, Kreativität, Menschlichkeit, Nation usw. Mehr dazu liest du hier↩︎
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Kunst & Architektur

Wer ist Selma Selman?

Die Künstlerin Selma Selman stammt aus Bosnien und Herzegowina und lebt und arbeitet in New York, Amsterdam sowie Bihać. Nach ihrem Bachelor of Fine Arts an der Fakultät für Malerei der Universität Banja Luka 2014 machte Selman weiter. Sie schloss ihr Studium an der Syracuse University 2018 ab. Und das mit einem Master of Fine Arts in Transmedia, Visual and Performing Arts.

Von 2021 bis 2023 war sie Stipendiatin an der Rijksakademie in Amsterdam. Ihre Werke wurden international gezeigt. Ausgestellt wurde sie unter anderem im Gropius Bau, Hamburger Bahnhof, documenta fifteen, Manifesta 14 in Pristina, Kunstraum Innsbruck, MO Museum Vilnius, Kasseler Kunstverein Museum Fridericianum, National Gallery of Bosnia and Herzegovina, acb Gallery in Budapest und FutuRoma Pavillon auf der Biennale di Venezia 2019.

Seit 2017 richtet Selma Selman in ihrer Heimatstad Bihać das Filmfestival „The Open Screen at Selma’s“ aus. Dieses soll den Austausch der ansässigen Rom*nja mit interessiertem Publikum fördern. Mit „Get the Heck to School” (seit 2017) gründete sie zudem ein Projekt, das insbesondere jungen Romnja-Mädchen eine Schulbildung ermöglichen soll.

Selma Selman in der Schirn Kunsthalle Frankfurt
Selma Selman in der Schirn von ihren eigenen Werken. © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Esra Klein

Selma Selman in der Frankfurter Schirn Kunsthalle

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmete der Künstlerin vom 20. Juni bis zum 15. September 2024 eine Soloausstellung. Erst vor wenigen Jahren ist sie in die internationale Kunstwelt vorgedrungen und bezeichnet sich selbst als „gefährlichste Frau der Welt“. Zusammen mit ihrer Familie schlachtet Selman vor Publikum einstige Statussymbole aus. Dabei schlachtet knöpft sie sich etwa Mercedes Benzer vor, um an die wenigen noch verwendbaren Edelmetalle zu gelangen.

Besonders laut sind in der Regel auch die sprachlichen Performances der Künstlerin mit Rom*nja-Hintergrund. In ihnen kommen Wut und der Drang nach einer Umkehrung der Machtverhältnisse zum Ausdruck.

Selma Selman thematisiert Diskriminierung, Gewalt und Sexismus

Selmans Kunst behandelt in unterschiedlichen Medien die Erfahrungen mit Diskriminierung, Gewalt, Sexismus und dem Patriarchat. Ihr Werk umfasst Performances, Skulpturen, Malereien auf Autoteilen und Altmetall, Zeichnungen und Video.

In der Schirn präsentiert die Künstlerin Grafiken, kleine skulpturale Arbeiten aus Edelmetallen und zwei Performances. Die Installation Flowers of Life (2024) aus Mehrschalengreifern verweist auf die Lebensgrundlage ihrer Familie. Die soll auf dem Sammeln und dem Weiterverkauf von Metallschrott fußen.

Die Videoarbeit Crossing the Blue Bridge (2024) basiert auf den Erinnerungen ihrer Mutter an Erlebnisse in ihrer Heimatstadt Bihać während des Bosnienkrieges (1992–1995). Selman nimmt diese familiären Erfahrungen als Ausgangspunkt, um sich selbst als feministisch-aktivistische Künstlerin zu verorten. Heute setzt sich die Künstlerin international für ihre Community einsetzt.

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Kunst & Architektur

Ikonenmalerei: Exklusives Interview mit Igor Kaplun

Ich freue mich, euch mitteilen zu dürfen, dass der Ikonenmaler Igor Kaplun sich auf ein exklusives Interview mit mit eingelassen hat. Entdecke seine faszinierende Welt der Ikonenmalerei! In unserem spannenden Gespräch erzählt der zeitgenössische Künstler über seinen Werdegang, seinen einzigartigen Stil und die Balance zwischen Tradition und Innovation. Erfahre auf tuellundtrueffel.com mehr über Kapluns Techniken, Inspirationen und wie er es schafft, klassische Ikonenmalerei in die moderne Kunstszene zu integrieren.

Du interessierst dich für Ikonenmalerei? Dann solltest du das Ikonenmuseum in Frankfurt unbedingt kennenlernen.

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Kunst & Architektur

Kandinsky und Münter verfilmt: Eine bodenlose Liebe

Nach mehr als 100 Jahren kehren Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in einem neuen Film erneut an den Starnberger See zurück. Marcus O. Rosenmüllers Film „Münter & Kandinsky“ beleuchtet die komplexe Liebesgeschichte des Künstlerpaares und wird vor dem Kinostart im Oktober auf dem Fünfseen-Filmfestival gezeigt. Das Drehbuch, geschrieben von Alice Brauner, basiert auf Dokumenten, Tagebucheinträgen und Briefen, wobei viele Dialoge aus Originalzitaten bestehen.

Der Film zeigt jedoch nur eine vereinfachte Darstellung der Beziehung: Ein erfolgreicher Mann verlässt seine kluge Partnerin für eine jüngere Frau. Die Realität war weitaus vielschichtiger.

Wenn ihr Interesse an Kandinsky und dem Blauen Reiter habt, ist das bundesweit das BESTE, was ihr euch ansehen könnt.

Das war Gabriele Münter für Wassily Kandinsky

Gabriele Münter wurde 1877 in Berlin geboren und wuchs in Koblenz auf. Sie kam 1901 nach München, nachdem sie zuvor zwei Jahre durch die USA gereist war und das Fotografieren für sich entdeckt hatte. In München schrieb sie sich in der Schule des Künstlerinnen-Vereins ein, da Frauen kein Studium an der Kunstakademie erlaubt war. Später wechselte sie zur Phalanx-Kunstschule, wo sie einen Bildhauerkurs bei Wilhelm Hüsgen belegte, der auch Abendaktunterricht bei Wassily Kandinsky einschloss.

Kandinsky stammte aus einer wohlhabenden russischen Teehändlerfamilie und hatte ein Jurastudium in Moskau absolviert, bevor er sich 1896 endgültig für die Malerei entschied. In München studierte er bei Franz von Stuck an der Kunstakademie und gründete 1901 die Künstlervereinigung „Phalanx“, wo er auch als Lehrer tätig wurde.

Lehrer und Schülerin verliebten sich schnell ineinander, obwohl Kandinsky verheiratet war. Er versicherte ihr jedoch seine unglückliche Ehe. Anfangs wies Münter ihn zurück, begleitete ihn dann aber doch zu Malferien nach Kochel.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Kandinsky in seinem Atelier. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Münter stellt Kandinsky ein Ultimatum

Als Kandinskys Ehefrau Anja Tschimiakin ihren Besuch ankündigte, bat er Münter abzureisen. Sie ging nach Bonn zu ihren Geschwistern und verlangte eine Entscheidung von ihm.

Kandinsky lebte wie auf der Flucht – immer unterwegs zwischen verschiedenen Orten wie Holland, Tunis oder Italien – oft auch am Starnberger See zum Malen oder Urlaub machen. Er schrieb Briefe voller Sehnsucht an Münter und arrangierte Treffen mit ihr in Starnberg. „Ich hoffe sehr, dass ich beim Aussteigen in Starnberg dich am Perron stehen sehe“, schrieb er ihr in einem Brief.

Münter zeigte große Geduld mit seinen unsteten Gemütszuständen, doch schrieb in einem ihrer Briefe: „Das Leben war zu provisorisch… um befriedigend zu sein.“

Kandinskys Kunst verändert sich

Am 17. Juni 1908 suchten beide erstmals aktiv nach einer festen Bleibe im Land – ihre erste Station war Starnberg. Der mondäne Kurort erschreckte sie jedoch; von der Einsamkeit Südtiroler Berge kommend suchten sie das Weite Richtung Murnau – wo sie schließlich heimisch wurden. Dort fanden sie zur neuartigen Malerei mit intensiven Farben; diese Phase veränderte bald darauf grundlegend die Kunstgeschichte.

Hier erfährst du welches Gemälde Kandinskys ein entscheidender Wendepunkt in seiner Kunst war.

Der Film „Münter & Kandinsky“ läuft erstmals am Mittwoch (4. September) um 17 Uhr in Gauting noch vor dem eigentlichen offizielle Veröffentlichungsdatum im Oktober. Ab dann wird eine Kinoformatierung starten, auf die ich natürlich hot hot hot bin. Vielleicht wird das mein erster Kinobesuch nach 5 Jahren (wenn nicht noch davor etwas derart interessantes rauskommt).


Quelle: sueddeutsche.de, „Stelldichein am See“

Artikelbild-Copyright: IMAGO / Heritage Images

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Kunst & Architektur

Nur noch wenige Tage POLO im Caricatura

Die außergewöhnliche Kunst des 2022 verstorbenen Cartoonisten Andre Poloczek, besserbekannt als POLO, wird im Caricatura Museum in Frankfurt mit einer umfassenden Ausstellung gewürdigt. Die Ausstellung läuft vom 30. Mai bis zum 1. September 2024. Also bewegt lieber mal eure süßen kleinen Hintern, um noch einen Blick auf sie zu erhaschen. Denn diese Aussellung kann ich euch wärmstens empfehlen. Sie ist zum Lachen, sie ist zum Weinen, sie ist zum Nachdenken. Und sie ist eines der Gründe, warum das Caricatura Museum mein Lieblingsmuseum in FFM ist. Sie zeigt neben klassischen Cartoons auf Papier auch digitale Bildwitze, Malereien, Objekte und allerlei Spielereien.

Cartoonist Andre Poloczek alias POLO

Andre Poloczek alias POLO wurde in Wuppertal im Jahr 1959 geboren und zog später nach Haltern am See. Bereits als Schüler veröffentlichte er 1978 seine ersten Comics und Cartoons. Seine frühe Erfahrung beeinflusste seine künftige Karriere deutlich: Poloczek studierte Germanistik und Soziologie in Wuppertal und setzte seinen Fokus auf die absurden, alltäglichen Ereignisse der Gesellschaft.

Seine Karriere nahm Anfang der 1980er Jahre Fahrt auf. Neben seiner Arbeit als Fotograf schrieb er auch regelmäßig für die Westdeutsche Zeitung und die alternative Zeitung Wupper Nachrichten unter dem Pseudonym „Apo“. Dort erschuf er seine erste Cartoonfigur „Anton von de(r) Gathe“, die schnell sehr beliebt wurde.

Dann ging es mit Andre Poloczek Berg auf

Mitte der 1980er Jahre stellte POLO sein Talent bei ersten eigenen Ausstellungen unter Beweis. In den folgenden Jahren entwickelte sich sein Stil weiter, geprägt durch Comiczeichnenkurse bei namhaften Künstlern wie F.K. Waechter und F.W.Bernstein.

Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten: Im Jahr 2002 erhielt Andre Poloczek den Deutschen Karikaturenpreis in Silber. Seine Werke wurden in renommierten Zeitschriften veröffentlicht und erreichten ein breites Publikum. Von 2009 bis 2011 bildete er gemeinsam mit dem Satiriker und Grafiker Andreas Greve das Cartoon-Duo „Jünger und Schlanker“ und gewann hiermit den „Abräumer“-Sonderpreis des Deutschen Karikaturenpreises.

Zum Ende seiner Karriere engagierte sich POLO besonders für den künstlerischen Nachwuchs: Er leitete verschiedene Kurse im Bereich der Komischen Kunst und unterrichtete an der Junior Uni Wuppertal.

POLO im Caricatura Museum in Frankfurt

POLOs vielfältiges Werk, das von Cartoons über Malereien bis hin zu Illustrationen reicht, wird nun im Caricatura Museum in Frankfurt gewürdigt. Die Ausstellung zeigt nicht nur seine öffentlichen Arbeiten, sondern auch unveröffentlichte Skizzen, Montagen und Kinderbuch-Entwürfe. Persönliche Postkarten sowie extra für die Ausstellung angefertigte Zeichnungen runden die Schau ab.

Parallel zur Ausstellung erscheint ein Buch, das POLOs Schaffen als bedeutenden Vertreter der Komischen Kunst würdigt. Das Buch beinhaltet Texte von MC Graeff, Katharina Greve und Peter P. Neuhaus und ist im Lappan Verlag erhältlich. ISBN: 978-3-8303-3700-3. Wer es also in den wenigen Wochen nicht mehr schafft, das Caricatura zu besuchen, sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen. Es ist auch im Museumsshop erhältlich.

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