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Tag 1 in Porto: Das habe ich unternommen

Als ich in einem kleinen Zimmer in Porto aufwachte, wusste ich noch nicht, was mich an diesem Tag erwarten würde. Es regnete ziemlich heftig und ich ließ das Fahrrad stehen. Porto liegt auf einem ziemlich steilen Hügel und mit einem Fahrrad, dessen Bremsen nicht das Gelbe vom Ei sind, wollte ich diesen nicht erkunden. Also ging ich zu Fuß los. Was mir gleich auffiel, war diese entzückende Architektur: Kleine, rechteckige Häuser – bedeckt mit bunten Fliesen in allen möglichen Mustern und Farben. Ein wirklich schöner Ausflug für das Auge.

Eine Häuserreihe in einem steilen Gässchen der portugiesischen Stadt Porto. Bunte Vielfalt, Kopfsteinpflaster und parkende Autos.
Eine kleine Gasse in Porto. Hier sieht man schön, wie steil die Straßen dieser Stadt sind – und auch, wie lebendig die Architektur der kleinen Häuser ist.

Mein erster Tag in Porto verlief planlos

Planlos ging ich durch die Straßen, um das Leben der Portugiesen in Porto aufzufangen. Natürlich ist es anders, als in A Ver-o-Mar, wo ich die Tage zuvor verbracht hatte. Es läuft schneller, ist energischer und bunter. Ich sah viele schöne Menschen, kreative Geschäfte und diese freundlich lockende Kulisse des bunten Meeres aus Fliesenfassaden und roten Dächern. Ich ging in eine Gasse und landete plötzlich auf einem kleinen Aussichtspunkt neben der Igreja da Misericórdia. Ich sah über die gesamte Stadt bis nach Vila Nova de Gaia, während im Hintergrund der Regen rauschte und die Möwen ihre frechen Zwischenrufe absonderten. In diesem Moment wusste ich, dass der „ewig lange“ Weg von A Ver-o-Mar sich in jedem Sinne gelohnt hatte.

Blick über die portugiesische Stadt Porto. Zu sehen sind bunte Häuser, Kirchen, Kathedralen und Co.
Als ich die architektonische Pracht Portos erblickte, war ich kurz sprach- und atemlos. Man beachte nur die Harmonie, Ausgeglichenheit und den Farbreichtum der einzelnen Häuser.

Gefrühstückt hatte ich mitten in der Fußgängerzone. Wahllos ging ich in ein kleines Café und landete einen Volltreffer. Da Fußgängerzone, waren meine Erwartungen aufs Minimalste heruntergeschraubt. Um so mehr wusste ich den guten Kaffee, den ich dort bekam und das köstliche Pastel de Nata (oder Pastel de Belém) zu schätzen. Bestens gelaunt ging es weiter durch die Straßen von Porto.

Portugal: Diese Kirchen habe ich in Porto entdeckt

Wenn ich eine schöne Kirche sehe – dann gehe ich rein. Ich hatte bereits als Kind eine ausgeprägte Affinität für Gotteshäuser, ohne dabei besonders gläubig aufgewachsen zu sein. Klar, liebte ich es damals, mit meiner Mutter in Sochi in eine Kirche zu gehen, um Kerzen aufzustellen, russisch-orthodoxe Ikonen zu begutachten und den engelsgleichen Stimmen der Kirchensänger zu lauschen. Doch die Kunstgeschichte und die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten von Kirchenbauten sowie auch Bibelinhalten hob dieses Interesse auf ein ganz anderes Level.

Also fand ich auch in Porto zwei Kirchen, die mich schwer beeindruckt hatten. Die erste fiel mir durch ihre beachtliche Größe und massive Architektur ins Auge – zumindest im Vergleich zu den zierlichen, farbenfrohen Häuschen, die sie umgaben. Es handelt sich hierbei um die barocke Igreja dos Clérigos mit dem zugehörigen Torre dos Clérigos. Das Innenleben ist an Detailreichtum kaum zu überbieten. Die güldene Orgel, rosafarbenen Säulen und die zart ausgearbeiteten Figuren aus Marmor verleihen der Kirche ihre Einzigartigkeit und geben einen schönen Einblick in den Glauben der Portugiesen im 18. Jahrhundert. Für 8 Euro kannst du das kleine aber feine Kirchenmuseum besuchen und auch den Turm hochwanden, von dem du die Stadt im Panorama-Modus sehen kannst. Hier geht’s zu den besten Aussichtspunkten in Porto.

Innenleben der Kirche Igreja dos Clérigos in Porto, Portugal. Auf dem Bild ist der Altar zu sehen, sowie auch  die charakteristischen barocken Säulen und Goldelemente.
Eine kleine Impression aus der Igreja dos Clérigos. Die barocke Pracht beeindruckt mit ihrer symmetrischen Meisterarbeit. Für mich war der portugiesische Charakter hier deutlich spürbar

Gold im Übermaß: In diese Kirche ging ich als nächstes

Die zweite Kirche zog mich mit ihrer mystischen Dunkelheit und der Menge an Gold in ihren Bann. Ich liebe diesen „Gold-in-die-Fresse-Effekt“. Diesen konnte ich hier gut auskosten, denn die Rokoko-Kirche Igreja Do Carmo hat genug davon. Wie mir ein junger Mann, der dort arbeitete, verriet, handelt es sich bei der inneren Gestaltung um Holzarbeiten, die zunächst rot und dann gold gefärbt worden waren. Die wunderbaren Spiralsäulen sollen dabei eine Hommage an die Vatikankirche sein. 

Die Rokoko-Kirche Igreja Do Carmo von innen. Dem Betrachter fällt gleich das viele Gold und die kleinen Detailarbeiten auf. Zwei Besucher haben sich auf die Bänke platziert und fotografieren die sakralen Künste.
Klein, aber fein: Die Igreja Do Carmo von innen. Hier fiel mir auf, dass in den meisten portugiesischen Kirchen, die ich besuchte, im Hintergrund der Gesang eines Kirchenchors läuft.

In der Igreja Do Carmo in Porto finden Besucher auch etwas, das nicht so ganz zum Rest der Kirche passt. Neben der filigran ausgearbeiteten Marmor-Figuren stehen hie und da auch Holzfiguren, die durch den entstehenden Stilbruch etwas vom Rest der Kirche herausragen. Laut dem jungen Mann soll es sich dabei um Holzfiguren aus dem 19. Jahrhundert handeln. Diese sollen dort irgend wann installiert worden sein und später ihre bunten Gewänder bekommen haben. Seinem Gesicht konnte ich entnehmen, dass er diese ebenso ästhetisch fand, wie ich. 

Hier habe ich in Porto gegessen

Zu Mittag aß ich in einem authentischen Restaurant – „Solar Minho de Vento“. Es gab frisch gefangene Sardinen als Vorspeise und Kabeljau als Hauptgang. Sehr klarer Geschmack, tolle Oliven und aromatisches Gemüse. Hier verstand ich, dass ich rote Paprika doch nicht so hasse, wie bisher vermutet. Zufrieden schlenderte ich weiter durch die Straßen in die Richtung des Museu Nacional de Soares dos Reis

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Die besten Aussichtspunkte in Porto 

Es gibt wohl tausende Aussichtspunkte in Porto. Doch von diesen erlebst Du die Stadt in ihrer vollen Pracht. Jeder einzelne Aussichtspunkt (bis auf den letzten) hat mich berührt und hat sich in meinem Herzen ganz tief verankert.

Porto bei Nacht: Brücke und Kloster

Mosteiro da Serra do Pilar: Steht man auf dem Gelände des historischen Nonnenklosters der Nossa Senhora da Serra do Pilar, so hat man die wahrscheinlich schönste Aussicht auf ganz Porto. Und das, auch wenn man sich hier genau genommen gar nicht mehr in Porto befindet, sondern auf der anderen Flussseite – in Vila Nova de Gaia. Als ich dort oben stand, war es schon dunkel und ich durfte die tausend Lichter der Stadt erblicken. Von dort hörte ich sogar die Sängerin, die ihre eigenen Songs am Flussufer von Porto sang.

Ein wunderbarer Aussichtspunkt in Porto: Das historische Nonnenkloster Mosteiro da Serra do Pilar
Auf diesem Bild sind beide Aussichtspunkte vereint: Hier stehe ich auch der Ponte Dom Luís I und fotografiere den Mosteiro da Serra do Pilar. Der Ausblick auf die Stadt ist im Teaserbild zu sehen.

Ponte Dom Luís I: Da diese Brücke sich ganz in der Nähe des Klosters Mosteiro da Serra do Pilar befindet, kann man das historische Bauwerk auch von hier aus wunderbar begutachten. Darüber hinaus scheint man regelrecht über dem Fluss Douro zu schweben, während man auf der „zweiten Etage“ der Ponte Dom Luís I steht. Von hier aus hatte ich den Panoramablick über Porto und auch Vila Nova de Gaia. Die Brücke selbst ist natürlich ebenfalls ein wahrer Hingucker. Geplant wurde sie nämlich von Théophile Seyrig – Gustave Eiffels Geschäftspartner.

Aussichtspunkte in Porto, die ich nie vergessen werde

Igreja e Torre dos Clérigos: In dieser Kirche kann man ein kleines Kirchenmuseum und nachts die „Spiritus“-Lichtershow besuchen. Beides habe ich gemacht – am besten gefiel mir jedoch der Ausblick aus dem Kirchturm. Nach dort oben führen ein paar Treppen und ist man erstmal im Turm angekommen, kann man über die gesamte Stadt blicken. Ein fantastischer Aussichtspunkt – und das mitten in der City.

Panoramablick über die gesamte Stadt: Porto im Nebel
Porto badete im Nebel… Das Reisen außerhalb der Saison hat aber auch etwas Gutes: Es sind viel weniger Menschen unterwegs und man lernt viele Einheimische kennen.

Vom Boot: Wird in einer Stadt, durch die ich gerade reise, eine Bootsfahrt angeboten, dann bin ich am Start. Auch während meiner Kunstreise habe ich mehrere Bootsfahrten gemacht, die mir bis heute in Erinnerung geblieben sind. Die jeweiligen Ausblicke sind anders wild – so insbesondere der Ausblick auf Porto und dessen Promenade. Mit dem Boot machte ich eine große Runde auf dem Douro und durfte währenddessen sogar ein paar Fakten zu den Brücken erfahren. Die Stadtgeschichte kam bei dieser Rundfahrt ebenfalls nicht zu kurz.

Während meiner Bootstour konnte ich diese Stadt in Portugal aus einer ganz neuen Perspektive sehen.
Die kleinen Häusergruppen waren das Süßeste, das ich je gesehen hatte. Ich hatte in dieser Stadt einfach durchgehend Glücksgefühle.

Ausblick auf die gesamte Stadt

Kleine Aussichtsplattform neben der Igreja da Misericórdia: Diesen Aussichtspunkt entdeckte ich völlig unverhofft. Doch er berührte mich um so mehr, da es mein erster Tag in Porto war. Als Orientierungspunkt habe ich mir die Kirche aus dem 16. JH gemerkt – die Igreja da Misericórdia. Es war ein schönes Erlebnis – und vor allem auch ein unvergesslicher Ausblick über all die roten Dächer Portos. Obwohl es regnete hatte ich hier ein breites, wenn auch nasses, Grinsen im Gesicht.

Ausblick von einer Aussichtsplattform in Porto. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe der Kirche, die ich im Text beschreibe.
Ist das nicht traumhaft? Auf dieser kleinen Aussichtsplattform spürte ich erstmals den Spirit von Portugal.

Seilbahn neben dem Mosteiro da Serra do Pilar: Da wären wir wieder – bei dem historischen Nonnenkloster in Vila Nova de Gaia. Unterhalb des gigantischen Bauwerks befindet sich eine Seilbahn. Ich wette ein Tütchen Gras darauf, dass man von hier aus einen ganz berauschenden Ausblick auf Porto und den Douro hat. Ich selbst bin die Seilbahn nicht gefahren, denn ich kam buchstäblich eine Minute nach Feierabend. Aber wäre ich nicht zu spät gekommen, hätte ich nie diese Bekanntschaft gemacht.

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Mit dem Fahrrad nach Porto – eine „kleine“ Reise

Portugal badet in Regenschauern – und ich bin mitten drin. Meine Mutter macht sich Sorgen, aber ich beruhige sie mit den Worten „Eine Reise lässt sich planen – ein Abenteuer nicht“. Nach 28 Jahren hinterfragt sie gar nichts mehr von dem, was ich von mir gebe. Ich entschied mich dazu, mit dem Rad von A Ver-o-Mar nach Porto zu fahren. Zunächst legte ich aber einen Fußmarsch von anderthalb Stunden zurück, um zum nächsten Fahrradverleih zu kommen. Dort angekommen ging die Reise los.

Das Navi zeigte circa 2 Stunden Fahrradfahrt an – die gesamte Kurzreise sollte sich entlang des Strandes erstrecken. Also vertraute ich auf meine Intuition und ließ Google Maps ausgeschaltet, um Akku zu sparen. Vier Stunden später war ich noch immer unterwegs. Ich dachte, dass mein Hintern sich bald von mir verabschiedet und verkündet, dass wir nun getrennte Wege gehen sollten.

Auf dem Bild ist ein Holzsteg zu sehen, der sich entlang des Atlantischen Ozeans in Portugal erstreckt. Er ist mit Sand bedeckt und der Himmel ist grau.
Der Blick zurück: Im Hintergrund siehst du den monströsen Wellenbrecher von Póvoa de Varzim unter grauem Himmel.

Der Weg nach Porto: Ein Naturerlebnis mit Ozeanblick

Doch was ich während der verhältnismäßig langen Fahrt erlebt habe, kann ich nur schwer in Worte fassen. An der Küste Portugals finden Fußgänger zahlreiche Holzstege, die mitten durch die Natur führen. Von den meisten Stegen kann man den Atlantischen Ozean in all seiner Kraft und Pracht sehen. Nicht auf allen Wegen sind Fahrräder erlaubt, aber es gibt immer Möglichkeiten, sie zu umfahren. 

Also fuhr ich durch die kleinen Dörfer, durch die Dünen und durch all die Landschaften, die mein Auge noch nie erblickt hatte, während ich die Zeit, die Arbeit und all das andere, was mich davon abhält, wild zu sein, vergaß. Hier in Portugal ist es wirklich schwer, nicht stehen zu bleiben und inne zu halten. Mir begegneten viele Menschen, die auf einer Anhöhe standen und mit dem freien Blick in den Ozean in seine gigantischen Wellen hinein meditierten.

Zwei kleine Häuser mit Fliesenfassaden in einem portugiesischen Dorf auf dem Weg nach Porto.
Hier fuhr ich durch eines der portugiesischen Dörfer. Da ich dort zur Zeit der Siesta entlang fuhr, nahm ich die wunderbarsten Düfte der regionalen Küche wahr.

Ein Moment in Portugal: Die Macht des Ozeans

Als ich ihrem Beispiel folgte und meine Gedanken im Ozean versenkte, spürte ich diese aufkommende innere Freude. Sie entflammte allerdings aus dem Abgründen meiner Seele. Während ich die meterhohen Wellen nämlich bestaunte, war ich mir dessen völlig bewusst, dass jede davon mich mit Leichtigkeit verschlucken könnte. Dieser Gedanke ließ mich so bedeutungslos wie nur selten fühlen und die Erkenntnis dessen machte mich frei von all dem, was noch nie eine Rolle gespielt hatte.

Wie lange dieses Gefühl anhalten würde, war unklar. Deutlich spürte ich aber dieses Leuchten in meinen Augen, das ich auch bei meinem Vater beobachtete, während er durch die stürmischen Wellen des Schwarzen Meeres segelte. Es ist jedes Mal das Wasser und dessen Macht über den Menschen, das sich in den Augen widerspiegelt.

Der Atlantische Ozean und ein Holzsteg, der an der Küste entlang führt umgeben von Pflanzen und Gestein.
Die Schönheit dieser Natur ließ mich erstarren. Ich verliebte mich sofort in das Zusammenspiel der Gesteine, der scheinbar unberührten Natur und natürlich des Ozeans.

So lange brauchte ich mit dem Fahrrad nach Porto

Diese lockende, gar beängstigende Schönheit des Ozeans ist hypnotisierend und offenbar auch der beste Grund dafür, weshalb ich von A Ver-o-Mar nach Porto knapp fünf Stunden gebraucht hatte. Könnte natürlich aber auch teilweise daran gelegen haben, dass in einem Abschnitt der Holzsteg komplett mit Sand überschüttet war und ich das Fahrrad ein paar Kilometer lang schieben musste. Vielleicht war der – teilweise heftige – Wind für diesen sandigen Zwischenfall verantwortlich – vielleicht war es aber auch so gedacht. Ich werde es wohl nie erfahren.

Mit dem Fahrrad nach Porto: Ein Einmaliger Ausblick auf den rauschenden Atlantischen Ozean
Auch war ein Wegabschnitt des Holzsteges mit Treppen versehen, was mich dazu brachte, das Fahrrad zu packen und damit über das am Rande liegende Gestein zu klettern. Nichts für schwache Schultern – oder Nerven.

Aber ich genoss auch das Fahrrad-Schieben durch den scheinbar ewigen Sand. So konnte ich die Agaven, Kakteen und Silbergräser besser bestaunen und lernte auf meinem Weg auch einen hilfsbereiten Einheimischen kennen. Mir fiel schnell auf, dass die Portugiesen, die mir begegneten, sehr freundlich, interessiert und aufmerksam waren. In ihrem Land fühlte ich mich zu jeder Zeit willkommen und war von ihrer offenen, entspannten und lebendigen Art sehr angetan.

Mit dem Fahrrad nach Porto: Am Ende des Tages wartete auf mich der schönste Sonnenuntergang
Hier sah ich die untergehende Sonne in Porto und plötzlich wurde es ganz still um mich. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich noch gar nicht ahnen können, dass das erst der Beginn eines Abenteuers war.

Nachdem ich mich halbwegs traute, in den Wellen des Ozeans baden zu gehen, erreichte ich zum Sonnenuntergang Porto und buchte mir dort auf die Schnelle eine Übernachtung in einem Hostel. Am nächsten Morgen regnete es den ganzen Tag, doch dieses Abenteuer sollte dort auf mich warten.

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Wen ich in Porto kennenlernte

Meine Bekanntschaft in Porto – Als ich lange nach der Dämmerung noch in Porto unterwegs war, wollte ich mir die Stadt von oben ansehen. Es war ein traumhafter Anblick, als ich am Mosteiro da Serra do Pilar stand und rüber auf das andere Ufer sah. Deutlich spürte ich das Leben, das unten tobte und war in dem Moment so glücklich, dass ich wiederum etwas traurig wurde, dass ich all das mit niemandem teilen konnte. 

Als ich mich dazu entschied, eine Runde mit der Seilbahn über Porto zu schweben, war ich genau eine Minute zu spät, um mir Tickets an der Kasse holen zu können. Also beschloss ich die Stadt weiterhin aus der Höhe zu betrachten und begab mich auf die Brücke in unmittelbarer Nähe. Dabei handelte es sich um die Ponte Dom Luís I, einer Fachwerk-Bogenbrücke über den Douro zwischen Porto und Vila Nova de Gaia. Erbaut wurde sie von François Gustave Théophile Seyrig (* 19. Februar 1843 in Berlin; † 5. Juli 1923). 1869 gründete er zusammen mit Gustave Eiffel das Unternehmen „Eiffel et Cie.“. 10 Jahre später trennten sich beide wieder.

Die Brücke Ponte Dom Luís I in Porto bei Nacht – mit Blick über die gesamte Stadt
Das ist die Schönheit – erbaut wurde sie 1881-1886. Die Gesamtlänge beträgt 385,25 Meter und die Höhe etwa 60 Meter.

Eine Bekanntschaft in Porto: Wir begegneten uns auf der Brücke

Als ich auf diesem monströsen Bauwerk aus Metall stand, hörte ich – wie so selten in vergangener Zeit – russische Sprache. Zwei Touristen waren dabei, Fotos vor dem erhöhten Kloster Mosteiro da Serra do Pilar zu machen. Die Frau sagte zum Mann, der, wie sich kurze Zeit später herausstellte, ihr Sohn war, dass sie gerne ein Foto mit ihm zusammen hätte. Ich drehte mich zu den beiden um und bot meine Dienste an. Und so machte ich eine Bekanntschaft in Porto.

„Woher kommst du?“ Fragte mich Irina. In vergangener Zeit versetzt mich diese Frage in Schockstarre. Ich antwortete vorsichtig: „Aus Sochi.“ Es stellte sich heraus, dass die beiden aus St. Petersburg stammen. Eine Stadt, die ich liebe und ehre. Vor circa 18 Jahren seien die beiden ausgewandert und haben ihr leben in Finnland aufgebaut. Der Sohn, Alexej, lebt derzeit auf den Ålandinseln – einer Inselgruppe, die aus über 6700 Inseln und Schären besteht und zwischen Finnland und Schweden liegt.

Madlen Trefzer vor dem Mosteiro da Serra do Pilar in Porto, Portugal, bei Nacht. Das Kloster ist hell beleuchtet.
Natürlich revanchierte sich meine neue Bekanntschaft bei mit mit einem Foto von mir. Obwohl ich mich bis zuletzt dagegen gewehrt hatte; gegen Irinas Überredungskünste hatte ich keinerlei Chancen.

Meine Bekanntschaft und ich: Wir trafen uns am nächsten Tag

Eins führte zum anderen und meine neue Bekanntschaft und ich zogen zusammen durch die nächtliche Stadt. Wir erzählten einander von unserem Leben und teilten unsere Begeisterung für Porto. Ein Tag zuvor seien Irina und Alexej in Lissabon gewesen. Eine Stadt, die ich in den nächsten 2-3 Jahren auch unbedingt erleben will. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Es hatte aufgehört zu regnen und wir schlenderten durch die Gässchen, während ich von meiner langen Fahrradtour von A Ver-o-Mar nach Porto erzählt hatte, die ich ein paar Tage zuvor gemacht habe.

Am nächsten Tag überredete ich meine neue Bekanntschaft dazu, mit mir zusammen den Ozean anzusehen. Wir trafen uns in Póvoa de Varzim – und ich schleppte sie den ganzen Weg zu Fuß nach A Ver-o-Mar, bis ich um ein Haar meinen Flug zurück nach Frankfurt verpasst hatte. 

Atlantischer Ozean in Portugal: Der Strand von A Ver-o-Mar bei schönem Wetter.
Diese fantastische Aussicht auf den Atlantischen Ozean durfte ich mit Irina und Alexej teilen. Hier waren wir ungefähr auf halbem Wege von Póvoa de Varzim nach A Ver-o-Mar.

Das Teaserbild, das du oben siehst, ist übrigens auch auf unserem „kleinen“ Spaziergang an der Küste entstanden. Hier sieht man einen der vielen kleinen Holzstege, die oftmals entlang des Strandes führen.

Wir halten den Kontakt aufrecht

Irina und Alexej waren begeistert, von der Schönheit der Natur Portugals. Obwohl es all die Tage zuvor in Strömen geregnet hatte – das habe ich in Portugal übrigens bei Regenwetter unternommen – kam nun zu meinem Abschied die Sonne raus. 

Alexej und ich schreiben hin und wieder mal. Ich hatte den beiden versprochen, dass wenn sie jemals nach Deutschland kommen sollten, ich ihnen eine Städte- und Museumstour der Extraklasse organisiere. Vielleicht werden wir uns aber auch in Finnland wiedersehen. Wer weiß, welche Lieder das Leben noch spielt. 

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