Nachdem ich Jackie auf der Teeplantage in den Cameron Highlands, Malaysia, kennengelernt hatte, beschlossen wir, gemeinsam ein Stück Kuchen essen zu gehen. Ich kannte da ein Café. Ich bestellte ein Grab-Taxi. Das Auto, das uns abholen kam, war, nett gesagt, in die Tage gekommen. Der Fahrer hingegen ein scheinbar blutjunger Malay. Hübscher Junge. Ich hätte ihn auf 18 geschätzt.


Unser Taxifahrer fuhr wie ein Wahnsinniger
Er fuhr wie ein Wahnsinniger. Kurven, bergauf, bergab. Er fuhr seinem Vordermann derart nah auf, dass zwischen uns und ihm nur wenige Zentimeter verblieben. Ich meine, auch für Jacky zu sprechen, wenn ich sage: wir sahen unser Leben am geistigen Auge vorüberziehen. Dabei hing Mohammed, so hieß der Junge, fortwährend auf Twitter. X mein ich.
Ich bat ihn darum, das Handy zur Seite zu legen. Ich erzählte von meinem Unfall und meinte halb scherzhaft, dass ich hier keinen zweiten erleben wolle. Er legte es weg. Doch sofern er dies tat, wurde sein Fahrstil noch agressiver.
Cameron Highlands: Jacky und ich treffen eine dritte Frau
Jacky und ich blickten uns vieldeutig an, als wir ausstiegen. Bevor wir Kuchen essen gingen, besuchten wir eine nahegelegene Erdbeerfarm (Big Red Strowberry Farm). Viel war da nicht vom Erdbeeranbau zu sehen. Vielleicht war gerade ja keine Saison. Doch es gab dort schöne Blumen. Und wir trafen auf noch mehr deutschsprachige Reisende: Katharina aus Österreich und ihre französische Gang aus dem Elsass.


Wir entführten Katharina ins Café mit dem göttlichen Erdbeerkuchen und Erdbeertee. Ich meine, euch bereits davon erzählt zu haben. Drei junge Frauen. Alle drei allein in Malaysia. Wir sprachen über Politik und Gesellschaft. Über technologische Entwicklungen und Fehlbildungen, über unsere sorgen am künftigen Arbeitsmarkt überlebensfähig zu sein. Ich liebe Frauengespräche.

Wir fahren zusammen auf den Nachtmarkt
Schließlich beschlossen wir, zum Nachtmarkt zu fahren. Katharina bestellte ein Grab-Taxi. Ich sah mir das Bild des Fahrers an. Es war wieder Mohammed. Fuck. Er würde uns ins Verderben fahren. Wir überlegten kurz, ob wir die Fahrt canceln. Aber wir entschieden uns dagegen. In den Cameron Highlands ist es ohnehin sehr schwierig, einen Fahrer zu bekommen, da die wohl Mangelware sind. Stattdessen ließen wir unseren Charme spielen. Fragten ihn aus. Nach seiner Herkunft, Familie, Leben. Und tatsächlich fuhr er anständig, sofern er unser Interesse gespürt hatte. Was eine kleine Nettigkeit nicht alles bewirken kann…
Er machte „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel an. Wir sangen ganz laut mit, freuten uns über den Moment im alten Taxi. Es hatte etwas Magisches. Er erzählte uns, er sei Anwalt für Strafrecht und habe erst vor Kurzem den Job als Taxifahrer angenommen, weil er seinen 9 to 5 Job aufgab. Er komme aus Kuala Lumpur, lebe aber bereits seit einigen Jahren in den Cameron Highlands. Sein Bruder sei dort Polizist. Ich konnte nicht anders, als zu scherzen: „Na das erklärt, warum du es dir immer erlauben kannst, wie ein Verrückter zu fahren.“ Wir lachten. Er auch. Nachdem wir am Markt ausstiegen, sagten mir die Mädels (sie saßen nämlich beide hinten und ich mit meinem unbiegsamen Bein vorne), dass sie beobachtet hätten, wie er mehrmals zu seinem Twitter griff, und dies dann doch unterdrückte. Wie goldig.


Nicht zu fassen: Eine dritte Begegnung mit dem Taxifahrer?
Als es Zeit wurde, nach Hause zu gehen, bestellten wir uns erneut Fahrer. Die Mädels in ihre Richtung und ich in meine. Ich schaue auf den Bildschirm – es war zum dritten Mal Mohammed. Was geht hier eigentlich vor?
Er meinte, das sei gar nicht SOOO ein krasser Zufall, da das Gebiet Cameron Highland wohl etwa nur 20 Fahrer beschäftigt. Er entpuppte sich als sehr spannender Gesprächspartner. Wir unterhielten uns über die Regierungsstrukturen Malaysias. Auch vom philippinischen System hatte der, wohlbemerkt 28-Jährige viel Ahnung. Zynisch war er jedenfalls wie ein richtiger Anwalt. Ich freute mich sehr, dass mein erster Eindruck von ihm nicht ansatzweise stimmte.