Angekommen in Ipoh merkte ich bereits am Bahnhof, dass hier die Natur und der Vibe besonders sind. Ich lud mein Zeug in meinem Horrorhotel ab und zog einfach los, um die Gegend zu Fuß zu erkunden. Schnell stellte ich fest, dass ich ganz nah am indischen Viertel wohnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht so genau, wie ich mich in Malaysia kleiden sollte. In Kuala Lumpur hab ich mich im Trägertop extrem fehl am Platz gefühlt, da ich von den Männern massiv angestarrt wurde. Dabei soll Ipoh noch konservativer sein. Wir erinnern uns: ich wusste bis zuletzt nicht, dass ich nach Malaysia reisen würde. Hätte ich das auch nur ansatzweise erahnen können, hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas nicht so ganz „offenherziges“ wie ein Trägertop angezogen.
In einem der indischen Läden holte ich mir etwas Langärmliges. Als ich rausging, fing der Tropenregen an. Es war magisch. Ich stand unter einem Dach und durfte das Naturspektakel aus nächster Nähe erleben. Die riesigen tropfen Trommelten auf die blechernen Dächer alter Daimler hernieder. Schnell bildeten sich kleine Bäche mit strömendem Regenwasser an den Straßenrändern. Alles andere schien stillzustehen. Von einer Sekunde auf die nächste löste sich auch die schwere hitzige Luft auf.
Ipoh: Ich entdecke die Stadt bei Regen
Als der Regen weniger wurde, holte ich mir einen Schirm und ging weiter. In wenigen Minuten war ich ziemlich nass. Mein neues indisches Gewand, meine Tasche, die Jeans… Da es aber warm war und ziemlich viele Passanten ebenso nass waren wie ich, störte mich das nicht. Ich ging vorbei an indischen Geschäften, Restaurants, die auf Bananenblättern servieren, Schmuckläden, indischen Lebensmitteln, kleinen Tonschälchen. Am meisten gefiel mit der direkt vor Ort geflochtene Blumenschmuck.



Das finde ich in Malaysia auch so spannend – hier leben drei wesentliche Kulturen miteinander (oder zumindest nebeneinander her): muslimisch geprägte Malaien sowie Inder und Chinesen. Wie ein gesprächiger Grab-Fahrer mir am nächsten Tag erklären würde, leben sie auch in Harmonie und haben Respekt voreinander. Ich sah einige Freundesgruppen, etwa mehrere muslimische Mädchen und eine Chinesin. Die Chinesen scheinen mir, so wie bereits in Shanghai beobachtet, auch in Malaysia mit der Mode sehr experimentell zu sein. Spätestens als ich ein Mädchen mit super knapper Hotpants und tiefem Ausschnitt sah, verstand ich, dass meine Befürchtung, jemandem mit meinem Kleidungsstil zu nahe zu treten, wahrscheinlich eher unbegründet war. Angestarrt wurde ich, von Männern versteht sich, aber dennoch. Scheißegal, was ich hatte.
Ich laufe rum, bis es dunkel wird (gar kein Bock auf mein Hotel)
Die malaysische Sprache habe ich bis jetzt noch nicht so richtig aufgenommen, da sich die Menschen untereinander sehr leise unterhalten. Sie erinnert mich, vom Klangmuster her, an die philippinischen Sprachen. Englisch sprechen in Malaysia die aller meisten. Probleme, mich zu verständigen, habe ich kaum.
Von „Little India“ ging ich weiter zu einem Volkspark. Davor stand das Regenwasser teils knöcheltief, während in den Pfützen gelbe Blüten von den herabschmetternden Tropfen hin und her gewirbelt wurden. Hie und da versteckte sich jemand unter einem Dach. Es war schön.



Das Essen in Malaysia
Lange war ich unterwegs. Aß Tofu mit Gemüse, Ingwerreis und süß-sauer Soße. Alles, was ich bisher probierte, war köstlich. In Kuala Lupur aß ich etwas aus der kaschmirischen Küche, am Bahnhof zog ich mir Sushi rein. Egal, was ich probierte, es war einfach mega geil.
Ich hatte den Eindruck, dass das Essen nicht nur einen zentralen kulturellen Punkt ausmachte, sondern auch dass die Malaysier ziemlich hohe Ansprüche an ihr Essen hatten. Frische und Qualität, Vielfalt und geschmack scheinen hier viel essenzieller zu sein, als in dem einen oder anderen westlichen Land.
Und da frage ich mich schon, warum ich noch nie im Leben in einem malaysischen Restaurant war. Mir fiel auch noch nie eines auf. Aber ich lebe ja auch in Baden-Baden ahaha. Im Moment.
Ipoh: Nichts gesehen, aber viel gefühlt
Es war ein geladener Tag. Voller Wiedersprüche, Entdeckungen und Neugierde. Ein Tag, an dem ich nicht eine einzige Sehenswürdigkeit erblickt hatte, aber den Puls von Ipoh kennenlernte. Sehen durfte, wie die Leute hier leben, essen, arbeiten, miteinander umgehen, auf mich reagieren. Alle waren freundlich und reserviert. Vor allem die Frauen. Aber Frauen gehen auf Reisen IMMER gut mit mir um.
Jetzt lese ich gerade, dass die Stadt (Stand 2005) rund 675 000 Einwohner hatte. Den Eindruck machte sie natürlich nicht auf mich. Ich dachte, es seien circa 10 Mal weniger. Muss mal kurz darüber reflektieren.