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Bianca Censori in Vanessa Beecrofts Highend-Peepshow

Ein Werk auf der Basel Art 2026, das mich auch Tage nach Messeschluss nicht loslässt. Die Installation trägt gleichzeitig keinen Titel und dennoch einen. Auf dem Ausstellungsschild stand: Untitled (Izanami). Das Werk stammt von der italienisch-amerikanischen Performancekünstlerin Vanessa Beecroft. Im Zentrum steht ein Film, in dem Bianca Censori die japanische Unterweltgöttin Izanami verkörpert. Die Arbeit wurde im Bereich der Unlimited-Halle präsentiert. Um sie zu sehen, stand ich etwa 25 Minuten Schlange. Hat es sich gelohnt? Ich nehme es vorweg: ja.

Werkbeschreibung Untitled (Izanami) von Vanessa Beecroft

Ich kam mitten im Film in den dunklen Raum. Das erste, was ich sah, war Bianca Censori auf dem Boden liegend. Ihr Po streckte sich dem Betrachter entgegen und war in hellblaues, wie Nylon wirkendes Material gehüllt. Im Hintergrund gingen Frauen, aneinandergereiht, von links nach rechts in kleinen Schritten. Die Gesichter waren nicht zu sehen, da in weißen Leintüchern gehüllt. Man sah nur die weißen Absatzschuhe und die zierlichen Beine. Die Szenen wechselten.

Die Architektur wirkte im gesamten Film wie ein verlassenes Hotel, vielleicht im Artdeco-Stil. Mal rekelte sich Bianca Censori auf einem der Hotelbetten, mal kroch sie langsam und auf allen Vieren durch die Gänge. Die Frauen mit asiatischem Aussehen begleiteten sie fast wie Schatten. Es gab Szenen auf dem Krankenhausbett, in denen die Protagonistin apathisch in die Leere Blickte. Dann weinte sie in die Kamera, was auf mich am stärksten wirkte, weil Bianca Censori die Emotion der Trauer meiner subjektiven Meinung nach am besten verkörperte. Ich fing irgendwann auch an zu weinen, weil es mich so durchdrang.

Künstlerin Vanessa Beecroft nimmt Bianca Censori in die Hauptrolle

Erotik zieht sich durch den gesamten Film

In den meisten Szenen war sie sehr erotisch aufgeladen. Ihre Bewegungen, ihre Kleidung, oder die vollkommene Abwesenheit dieser waren sehr wirkungsvoll. Nicht nur für den männlichen Betrachter, obwohl es vor allem die Männer im Zuschauerraum waren, die während der Nacktszenen sofort die Handykameras zückten. Das ließ die einzelnen Herren ein wenig erbärmlich wirken und ich habe Grund zur Annahme, dass dies von der Künstlerin gezielt inszeniert war.

Der gesamte Film war mit schöner japanischer Musik unterlegt, die von Szene zu Szene changierte. Meistens waren alle Frauen recht emotionslos. Dadurch wirkte die Sequenz, in der Bianca in die Kamera weint besonders markant. Ich meine, es war die einzige direkte Emotion, wie während des Films zu Stande kam. Die Wirkung entfaltete sich besonders, da der Blick direkt nach außen zum Betrachter kommunizierte.

Es wurde viel mit weißen Perücken (und mindestens einer roten) gearbeitet. Mal probierte sie die Protagonistin sie am Boden sitzend an, mal trugen alle Figuren die gleichen Haarteile. Ich starrte selbst lange apathisch in die Leere, als ich den Raum mit der Installation verließ. Mein erster Eindruck: Ein Wechselspiel zwischen Psychose und Highend-Peepshow, um es maximal plakativ auszudrücken. Zudem wirkte es auf mich recht Kanye-Coded. Doch dahinter steckt mehr.

Bianca Censori wird zum Kunstobjekt auf der Art Basel 2026. Mehr dazu auf avecMadlen.com #art #basel

Werkbeschreibung auf der Art Basel 2026

Der Google Lens KI-Modus hat sie hier für euch mal übersetzt:

Vanessa Beecroft Untitled (Izanami) 2025
Installation bestehend aus einem im Januar 2025 gedrehten Film, Ton, fünf Gipsplastiken, Krankenhausbett, Stuhl und Lampe; Filmdauer 32’32“.

„Untitled (Izanami)“ ist ein Film von Vanessa Beecroft mit Bianca Censori als Izanami und wird als Installation präsentiert, bei der ein Set aus dem Film Teil des Werks wird. Die Installation erweitert den Film in den physischen Raum mit fünf weißen Gipsplastiken – Liegender Körper, Taillenfragment, Beinfragment, Liegendes Torsofragment und Stehendes Torsofragment – neben einem Krankenhausbett, einem Stuhl und einer Lampe.

Der Film ist inspiriert von Persephones Abstieg in den Hades und neu angesiedelt in einem großen, halb verlassenen Hotel in der Nähe von Tokio. Angesiedelt in Japan und doch den griechischen Mythos aufgreifend, entfaltet sich der Film durch Ritual, Gefangenschaft und Transformation und deutet eine letzte Passage und Identifikation durch Dunkelheit an.

Vanessa Beecroft (geboren 1969 in Genua) ist eine Künstlerin, die in den Bereichen Performance, Skulptur, Fotografie, Film und Installation arbeitet, immer eingebettet in soziopolitische Kritik. Seit den 1990er Jahren stellt sie Frauen in inszenierten Tableaux Vivants und verschiedenen Medien dar. Beecroft lebt und arbeitet in Los Angeles.

Der Text ist wohl von Lia Rumma. Diese wird ebenfalls auf dem Ausstellungsschild erwähnt. So auch ihre Seite liarumma.com

Wir sehen: im Titel steht die japanische Mythologie im Vordergrund. Im weiteren Verlauf des Textes taucht aber auch die griechische auf. Eine solche Kombination ist mir persönlich noch nie untergekommen, was das Ganze durchaus komplex und spannend macht.

Izanami in der japanischen Mythologie

Izanami und Izanagi gelten als die zentralen Schöpfergottheiten der japanischen Mythologie. Der Überlieferung zufolge erschienen sie, nachdem sich Himmel und Erde aus einem ursprünglichen Chaos heraus gebildet hatten. Als göttliches Geschwisterpaar erhielten sie die Aufgabe, die noch formlose Welt zu gestalten. Von einer schwebenden Himmelsbrücke aus tauchten sie einen mit Juwelen geschmückten Speer in den Ur-Ozean. Die herabfallenden Tropfen verdichteten sich zur ersten Landmasse und markierten den Beginn der Schöpfung.

Je nach Quelle wird es unterschiedlich dargelegt, jedoch gebärt Izanami wohl missgebildete Kinder. Später bringt sie den Feuergott Kagutsuchi no Kami (oder Homusubi) zur Welt und erleidet bei der Geburt tödliche Verbrennungen. Sie kommt nach Yomi, das Land der Dunkelheit. Dort verfault ihr Körper und wird mit Maden besetzt. Als ihr Bruder sie so vorfindet, versperrt er die Welt zur Unterwelt mit einem Felsen.

Japanische Mythologie: Das Wesentliche -  Amaterasu, Susanoo, Tsukuyomi, Izanagi und Izanami
Kein Witz, das ist mit abstand das seriöseste, was ich auf YouTube zu dem Thema gefunden habe.

Persephone in der griechischen Mythologie

Persephone ist eine Göttin der Toten, der Unterwelt und der Fruchtbarkeit. Sie ist Tochter von Zeus und seiner Schwester Demeter und trägt zu Beginn ihres Lebens den Namen Kore oder Kora. Ihr eigener Vater verliebte sich in sie. In der Gestalt einer Schlange kroch er in sie und befruchtete sie. Sie gebar Zagreus, der Zeus‘ Nachfolger werden sollte.

Hades, Gott der Unterwelt und Bruder von Zeus, verliebte sich ebenfalls in Kore. Er bat Zeus um sie als Frau, doch erhielt keine Antwort. Also entführte er seine Nichte in die Unterwelt, wo sie den Namen Persephone annahm.

Demeter suchte verzweifelt nach ihrer Tochter. In ihrem Frust hinderte sie alle Pflanzen am Wachstum. Die ganze Welt drohte, am Hunger zugrunde zu gehen. Schließlich einigten sich die Götter darauf, dass Persephone nur einen Teil des Jahres in der Unterwelt weilen sollte. Wenn Kore als Persephone in der Unterwelt regiert, kommt es daher zum Winter. Und zum Sommer, wenn Kore bei ihrer Mutter lebt. Somit ist es eine allegorische Darstellung des Zyklus der Jahreszeiten.

Persephone - Liebe und Leben im Totenreich - griechische Mythen und Legenden | Animation
Same here.

Ok, was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Je mehr ich recherchiere, desto weniger verstehe ich. Was ich erkenne, sind die Parallelen zwischen den beiden Mythologien: Schöpfungsmythos, Gottheiten, Inzest, Frauen in der Unterwelt. Den Vibe der Gefangenschaft in der Unterwelt und der weiblichen Gottheiten erkenne ich in Vanessa Beecroft „Untitled (Izanami)“ klar wieder. Vielleicht ist auch Biancas Mantel in einer der Sequenzen ein Hinweis darauf, dass sie gerade von der Unterwelt (Winter) in die richtige Welt emporsteigt. Zumal sie dabei auch die Treppe nimmt (siehe Clip, der hoffentlich wegen der Nacktdarstellungen nicht gleich blockiert wird).

Was ich noch sehe, ist die Verführungsmacht der Frauen. Die mit ihrer Schönheit sogar Zeus zu inzestuösen Handlungen verleiten könnten.

Die Künstlerin sich hat sich von den Mythologien inspirieren lassen. Und sie nicht exakt wiedergegeben. Weshalb wir nach einer Konkretheit wahrscheinlich lange suchen können.

Bianca Censori und das Schönheitsideal

Anfangs dachte ich, Bianca erzählt auch ein Stück ihrer eigenen Geschichte. Ihren Schmerz vielleicht. Die Art, wie sie sich zum hoch ästhetischen Erotikobjekt formen lässt und den Prozess dabei selbst mitgestaltet.

Natürlich geht es dabei auch um das gegenwärtige Körperideal der Frau, das Bianca Censori erfüllt und wahrscheinlich auch prägt. Und alle, die sich gerade fragen, was ein Promi in der Welt der Kunst zu suchen hat ich denke, es war nie anders. Sich in der Kunst zu verewigen war das Privileg der Reichen und Schönen und ist es noch heute.

Wir erinnern uns wohl alle an diese Performance bei den Grammy Awards in Los Angeles. Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Die Künstlerin Vanessa Beecroft

Es kommt aber noch eine wichtige Komponente hinzu: Die Künstlerin selbst. Sie schafft neben der Fusion aus japanischer und griechischer Mythologie auch Motive von Identitätsverlust, Vervielfältigung und medialer Inszenierung.

Ein zentraler Punkt ihres Werks ist, dass sie die gesellschaftliche Reaktion auf den weiblichen Körper sichtbar machen will. Dabei soll sie sich weniger für die Nacktheit selbst als die Verlegenheit, Scham und Projektionen, die Nacktheit beim Publikum auslöst, interessieren. Dadurch macht sie die Reaktion des Publikums angeblich zum eigentlichen Material ihrer Kunst. Also auch das, was ich hier gerade mache ist lediglich eine Erweiterung ihres Werks, die sie wahrscheinlich vorhergesehen hat. Die nackten Frauen sind damit zwar Motiv, aber auch der Auslöser, der gesellschaftliche Mechanismen offenlegt.

Einerseits reproduzieren Beecrofts Arbeiten die Tradition des weiblichen Aktes. Andererseits legen sie wohl den voyeuristischen Blick des Publikums offen. Die Besucher werden gezwungen, sich zu fragen, warum sie hinschauen und was sie dabei empfinden. Meine Antwort darauf: Weil Bianca Censori so schön und irgendwie auch, durch gewisse Schlagzeilen wiederum, so polarisierend ist, dass ich persönlich total neugierig auf sie bin. Schon während ich in der Schlange zu Beecrofts Installation stand, war ich voyaristisch aufgeladen, zumal ich nicht mal den Kontext erahnen konnte, in dem mir Bianca gleich begegnen würde. Was ich dabei empfunden habe, als ich den Kontext dann vorgeführt bekam? Wahrscheinlich Begeisterung, aber auch Verwirrung, da ich sofort versuchte zu analysieren, es aber nicht verstand. Die Frauenkörper genoss ich visuell jedoch sehr. Die Outfits ebenfalls. Das alles entsprach meinen ästhetischen Vorstellungen und wahrscheinlich auch den ästhetischen Vorstellungen der Gesellschaft, in der wir heute leben.

Nach dieser Recherche kann ich sagen, dass der Film vielleicht gar nicht Kanye-coded ist, sondern Kanyes Kunst hin und wieder Beecroft-Coded sein könnte, da die Künstlerin wohl auch ihren Einfluss auf ihn übt. Würde ich mir „Untitled (Izanami)“ wieder reinziehen wollen? Jederzeit wieder. Habe ich den konzeptionellen Teil dieser Installation verstanden? Wohl kaum. Bitte teilt mir mir eure Eindrücke.

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Daddies & Baddies: So war der letzte Tag auf der Art Basel 2026

Sonntag, letzter Messetag. Schon die ersten Minuten auf der Art Basel 2026 sind die reinste Reizüberflutung und ich liebe alles daran. Kaum betrete ich die Halle 1, hängen dort Kandinsky, Jawlensky, Chagall und Miró. Der Tag ist damit eigentlich schon gewonnen. Das nächste, was mir auffällt: Die Messe wiederholt sich nicht. Wer die Art Basel 2024 besucht hat, sucht vergeblich nach bekannten Mustern. Die diesjährige Ausgabe wirkt völlig anders. Neuer, wilder, intensiver und damit auch sich selbst treu.

Die Farblichkeit wirkt elektrisierend auf mich. Gelb begegnet mir immer wieder auf eine Weise, die ich noch nicht kenne. Viel Rot und Kornblumenblau fallen mir ins Auge. Leuchtende Farben dominieren die Gänge. Abstrakte Arbeiten sind allgegenwärtig. Großformate ziehen die Blicke auf sich, kleinere Werke behaupten sich durch ihre Wirkung. Fotorealismus bleibt dagegen eher eine Randerscheinung. Vermisst habe ich ihn trotzdem ein wenig. Zugegeben, ich achtete nur darauf, weil ich immer noch von der aktuell laufenden Ausstellung im Frieder Burda so geflasht bin.

Art Basel 2026: Gemälde dominieren den Markt

Auf der Basel Art liegt der Schwerpunkt dieses Jahr klar auf dem Gemälde, so wie wir es noch kennen. KI spielt erstaunlich wenig Rolle, wenn ich mich nicht irre. Hab jetzt, zugegeben, nicht jedes Schild gelesen, aber so wirkte es auf mich. Viele Künstler experimentieren mit Texturen und Hängungen. Neue Materialien stehen neben alten, die neu interpretiert werden. Skulpturen sind ebenfalls stark vertreten. Besonders häufig begegnen Bronze und mutmaßlich Aluminium. Also Metall. Die Gemälde lenken die Aufmerksamkeit jedoch immer wieder auf sich, vor allem durch ihre Farblichkeit und Komplexität. Immer wieder taucht der Frauenakt als Motiv auf. Landschaften hingegen sind erfreulich selten vertreten. Zum Glück. Landschaften machen mich krank (frag nicht haha).

Politische Kunst tritt vergleichsweise zurück. Mein Professor sagt zwar, jede Kunst sei politisch. Man kann allerdings auch behaupten, alles habe mit Sex zu tun. Alles habe mit Geld zu tun. Alles habe mit Gott zu tun. Die Basel Art hat mich persönlich mit solchen Grundsatzdebatten nur wenig konfrontiert. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Kunst selbst. Viele Werke besitzen Museumsqualität. Das überrascht allerdings kaum. Es ist schließlich die Art Basel.

Baddies & Daddies: Das hotte Publikum auf der Art Basel

Das Publikum bewegt sich zwischen Luxusmesse und Laufsteg. Viele Daddies und Baddies. Viele schöne Menschen, sexy, wohlhabend, elegant gekleidet. Ich wusste teilweise gar nicht, wo ich hinsehen sollte. Leinen ist überall zu sehen, ebenso kunstvoller Schmuck. Manche Outfits wirken gewagt, andere zeitlos. Russisch hört man an jeder Ecke.

Auffällig oft höre ich denselben Satz: „Das ist schön.“ Ich will das keinesfalls bewerten. Es ist reizend, wenn Menschen ihre Begeisterung offen zeigen. Ein bisschen einfallslos finde ich das aber schon und frage mich: ist das euer einziger Anspruch an Kunst? Oder bin ich gerade zu tief in meinem eigenen Film?

Die Basel Art 2026 war unfassbar! #baselart #kunstmesse #biancacensori #kunstblog #modernart

Weirde Scheisse habe ich diesmal vermisst

Die großen WTF-Momente fehlen. Früher war insbesondere die zweite Etage manchmal der „Darkroom“ der Art Basel. Der Ort für das Weirde, Verstörende, Unberechenbare. Diesmal suche ich danach vergeblich. Die Kunst ist experimentell, ideenreich und vielseitig. Doch sie will selten schockieren. Oder ich bin bereits abgestumpft. Zu den wenigen Ausnahmen gehört eine Installation in der Unlimited-Halle mit Bianca Censori in der Hauptrolle. Die Besucher stehen Schlange, um in den entsprechenden Raum zu gelangen. In dem Film begleitet man sie durch eine geheimnisvolle japanische Welt der Erotik.

Vanessa Beecroft, Untitled (Izanami), 2025; Featuring Bianca Censori

Eine Nebenhandlung bleibt mir besonders im Gedächtnis: Eine Mutter besucht die Installation gemeinsam mit ihrem vielleicht drei- oder vierjährigen Sohn. Ich persönlich fand das ein bisschen schwierig, das Kind mit dieser Highend-Peepshow zu konfrontieren. Das ist so das Merkwürdigste, was ich an dem Tag beobachte. Andererseits würde ich an ihrer Stelle auch nicht auf Biancas Performance verzichten wollen, weil ich ein Kind habe, wisst ihr?

Eine der schönsten Beobachtungen mache ich gleich daneben. Vor einem winzigen Mäuschen-Kunstwerk steht eine ganze Brigade von Besuchern. Die Mitarbeiterin, die das Werk beaufsichtigt, erzählt von ihren Erfahrungen. Der Künstler wolle die Menschen dazu auffordern, näher heranzutreten. Die meisten Erwachsenen bleiben jedoch auf Distanz. Kinder hingehen gehen intuitiv näher heran oder knien sich vor das Werk. Wenig später sitzen tatsächlich zwei Kinder auf den Knien vor dem Mäuschen und betrachten es neugierig aus nächster Nähe. Das war wirklich süß zu sehen, wie sie diese Kunst erleben.

Die Kunstmesse neigt sich dem Feierabend

Während die Besucher auch am letzten Tag noch voller Energie durch die Hallen ziehen, zeigt sich bei den Galeristen allmählich Erschöpfung. Manche sitzen ohne Schuhe auf dem Boden und blicken ins Leere. Andere stellen wenige Stunden vor Messeschluss bereits die Dom-Pérignon-Flasche bereit. Wieder andere rätseln darüber, wie sie die Kunstwerke von den Wänden bekommen sollen. An Abbau denkt trotzdem noch niemand ernsthaft. Die Besucher jedenfalls nicht. Gehen kommt auch um 18 Uhr für die meisten noch nicht in Frage.

Als ich die Messe verlasse, bleibt vor allem ein Eindruck zurück: herausragende Farblichkeit, grenzenloser Ideenreichtum, ein Spiegel gelebter Gegenwart. Und vielleicht noch etwas anderes: Dass die Kunstwelt nicht immer provozieren muss.

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