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Kunst & Architektur

art karlsruhe 2026: Das kommt auf uns zu

Vom 5. bis 8. Februar 2026 findet die art karlsruhe mit rund 180 Galerien aus 18 Ländern statt. Und avecMadlen ist mit dabei! Juhu. Hier geht’s zum Rückblick auf die vergangene Karlsruher Kunstmesse.

Die Messe richtet ihren kuratorischen Blick auf aktuelle Entwicklungen des Kunstmarkts. Ein zentrales Thema ist der Dialog zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst. Von Ernst Ludwig Kirchner bis Mary-Audrey Ramirez, von Joan Miró bis hin zu einer interaktiven KI-Installation spannt die Messe einen Bogen über 125 Jahre Kunstgeschichte und versteht sich als offenes Forum für Austausch und Entdeckungen.

Impressionen art karlsruhe 2025
Credit: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner

Neben langjährig vertretenen Galerien sind auch neue Teilnehmer und Rückkehrer vertreten. Gleichzeitig wächst das Interesse internationaler Galerien weiter. Für den Beirat der art karlsruhe ist das ein Zeichen dafür, dass die Messe für Galerien, Publikum und Markt gleichermaßen relevant bleibt.

art karlsruhe: Offizieller Start mit prominenten Gästen

Der offizielle Auftakt ist das art:opening am 5. Februar um 14:30 Uhr in Halle 3. Staatssekretär Arne Braun, Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Messegeschäftsführerin Britta Wirtz sowie das Leitungsteam der art karlsruhe, Olga Blaß und Kristian Jarmuschek werden anwesend sein.

Im Mittelpunkt steht die Verleihung des art karlsruhe Preises, der vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe vergeben wird. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis zeichnet die überzeugendste one:artist Show aus. Alle one:artist-Präsentationen der Messe sind automatisch nominiert. Das ausgewählte Werk wird vom Kunstmuseum Karlsruhe (ehemals Städtische Galerie Karlsruhe) angekauft.

Skulptur als prägendes Element

Seit ihren Anfängen spielt die Skulptur eine zentrale Rolle auf der Kunstmesse. Auch 2026 bleibt sie ihr charakteristisches Medium. In den Hallen 1, 2 und 4 sind insgesamt 18 großzügige Skulpturenplätze eingerichtet, die Raum für unterschiedliche Materialien und Ausdrucksformen bieten. Ergänzt werden sie durch ausgewählte Skulpturenspots in den Messeumläufen.

Loth Skulpturenpreis 2025: Skultpur der Preisträgerin Eva Hild
Credit: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner
Loth Skulpturenpreis 2025: Skultpur der Preisträgerin Eva Hild
Credit: Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner

Kunst sammeln: Zugänge und Einstiegsformate

Ein weiteres Anliegen der art karlsruhe ist das Thema Kunstsammeln. Damit richtet sich die Messe auch an Menschen, die sich erstmals intensiver mit dem Thema beschäftigen wollen. Der start:block zeigt Werkvorschläge für den Einstieg.

re:discover und re:frame

Mit den Formaten re:discover und re:frame rückt die art karlsruhe Künstlerbiografien und Nachlässe in den Fokus, die bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten haben oder neu betrachtet werden sollen.

Vera Mercer, Kevin Clarke, Detel Aurand oder Oliver Braig stehen 2026 exemplarisch für diesen Ansatz. re:frame zeigt zudem, wie Nachlassarbeit aktiv gestaltet werden kann, etwa durch das Schaulager Adlmannstein oder den Nachlass des 2024 verstorbenen Karlsruher Künstlers Andreas Lau.

Sonderausstellungen mit thematischem Fokus

Sonderausstellungen wird es ebenfalls geben. Die LBBW präsentiert unter dem Titel Digital Traces künstlerische Positionen zur digitalen Gegenwart, darunter Arbeiten von Isa Genzken und Avery Gia Sophie Schramm.

Eine von Stefanie Patruno, Direktorin des Kunstmuseums Karlsruhe, kuratierte Ausstellung widmet sich dem Werk des international bekannten Karlsruher Künstlers Rolf Behm. Die Sammlung Dietmar Kohlrusch zeigt erstmals in Karlsruhe zentrale Werke der Pop Art, unter anderem von Andy Warhol, Keith Haring und Roy Lichtenstein.

Rahmenprogramm und Gespräche

Begleitend zur Messe werden täglich geführte Rundgänge mit Kunsthistorikern angeboten, darunter Touren zu aktuellen Tendenzen, Sonderausstellungen oder als Orientierungshilfe für den Einstieg ins Sammeln. Auf mehreren Bühnen stehen Gespräche und Panels auf dem Programm. Das ARTIMA art meeting widmet sich Fragen des zeitgenössischen Sammelns.

Museumsvertreter geben Einblicke in ihre Arbeit und die Herausforderungen institutioneller Sammlungen. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Themen wie Künstlermarketing, Künstliche Intelligenz oder dem Zugang junger Positionen zum Markt.

Impressionen art karlsruhe 2025
Credit: Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Kunst in der Stadt

Während der Messetage reicht das Programm über die Hallen hinaus in die Stadt. Am 5. Februar findet die Eröffnungsparty im Foyer des ZKM statt. Das Kunstrauschen folgt am 6. Februar und geht in eine lange Nacht der Projekträume, mit über 20 beteiligten Offspaces, über. Am selben Abend lädt die After art Party im Nachtwerk mit internationalem DJ-Line-up ein. Am Samstag, 7. Februar, öffnen Karlsruher Galerien zur gallery:night mit anschließendem Afterglow im Hirschhof. Ein kostenloser Shuttle verbindet Messe und Innenstadt.

Impressionen Hallenbauparty im ZKM 2025
Credit: Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Weitere Infos auf art-karlsruhe.de.


Titelbild Credit: Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Quelle: Pressemitteilung der art Karlsruhe

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Kunst & Architektur

Art Basel: Sitzt da ein Gorilla unterm Tisch?

Ryan Gander, ein britischer Künstler der Gegenwart, hat auf der Art Basel 2024 sein neues Werk „School of Languages“ vorgestellt. Seine Gorilla-Installation soll die Beziehung zwischen unserer evolutionären Vergangenheit und den dynamischen Aspekten der modernen Gesellschaft untersuchen. Das Kunstwerk soll Verbindungen zwischen dem täglichen Leben und dem Mystischen ziehen.

Mein erster Eindruck von Ganders Gorilla

Bevor ich mich jetzt in die Interpretation dieses Werks stürze, will ich zunächst meine Gefühle vor Ort beschreiben. Ich hatte es eilig. In einer Stunde würde die Art Basel schließen und ich musste mich beeilen, um noch schnell das Beste von der Messe mitzubekommen. Ich ließ meine Mutter also in der Unlimited-Halle stehen und raste davon. Ja, so läuft das bei uns. Sie wollte sowieso im Café chillen. Egal. Ich eilte durch die Messe und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Denn ich sah einen weißen Raum mit weißem Schreibtisch und weißem Ventilator. Um den Tisch herum versammelten sich Menschen mit großen Augen – da musste ich hin.

Als ich näher kam, schien es, als läge unter dem weißen Schreibtisch ein Hund, der da gar nicht hingehörte – so meine ersten Gedanken. Dann ging ich um das Möbelstück herum und sah: einen Gorilla. Mein Sehorgan musste ich zunächst mehrfach fokussieren, um mir ganz sicher zu sein, dass es sich um eine leblose Tierimitation handelte – so echt sah das Tier aus. Darüber hinaus atmete es, machte leichte Handbewegungen und gab auch anderweitige Geräusche von sich. Es war schon irgendwie außergewöhnlich.

"School of Languages" von Ryan Gander: Gorilla unterm Tisch auf der Art Basel 2024

Diese Bedeutungsebene hat der Gorilla laut Künstler

In Ryan Ganders Installationskunstwerk trifft der Betrachter also auf eine Mischung aus Objekten. Im Mittelpunkt steht der Büroschreibtisch im Corporate-Stil. Neben ihm befinden sich ein elektrischer Standventilator und eine digitale Wanduhr. Durch den Ventilator soll der Geruch von Feuchtigkeit und Urin verströmt werden. Vor Ort roch ich persönlich aber nichts dergleichen. Die Figur unter dem Schreibtisch stellt einen lebensgroßen, weiblichen Gorilla dar. Trotz ihrer scheinbaren Schüchternheit zeige sie den Wunsch zu lernen, indem sie Einheiten notiere – so die ikonologische Beschreibung im Katalog. What? Die Bedeutung ihrer Handlung bleibe laut Künstler jedoch für den Betrachter unklar: Notiert sie Zeiteinheiten? Währungseinheiten? Oder gar eine Akkumulation oder einen Rückgang einer anderen Größe? All diese Fragen habe ich mir natürlich nicht gestellt.

Holen wir mal ganz weit aus und ziehen den Messebesucher mit ins interpretative Boot der modernen Künste: Dadurch, dass einige Besucher unter den Schreibtisch blickten, machte es viel mehr den Eindruck, als sei der Gorilla in gewisser Weise ängstlich und nicht gerade gut auf die Menschen zu sprechen. Als würde er dort gezielt Schutz suchen. Dass der Betrachter auf die Installation einwirkt, hätte der Künstler ja aber nicht ahnen können. Oder? Da wären wir wieder bei unseren individuellen Realitäten und Paradigmen.

Ein weiteres bemerkenswertes, von mir jedoch unbemerkt gebliebenes, Detail ist die „Wanduhr, die zwei Anzeigen in einem einzigen Objekt kombiniert“. Diese „divergieren in seltsamen Winkeln und erzeugen dadurch die Illusion von Doppelbildern“, heißt es weiter in dem Art Basel Unlimited-Katalog, was auch immer das bedeuten mag.

Eine kurze Info zum Künstler Ryan Gander

Ryan Gander wurde 1976 in Chester, Großbritannien geboren. Er lebt und arbeitet in Suffolk und soll dafür bekannt sein, traditionelle Vorstellungen von Sprache und Wissen herauszufordern und gleichzeitig neue Wege in der Präsentation und Schaffung von Kunstwerken zu gehen.

Das denke ich über Ganders Gorilla

Was denken wir über dieses Kunstwerk? Ich fang mal an: Es ist cool. Es war cool, bis ich die Bedeutungsebene von Gander gelesen hatte. Genau das ist der Punkt, über den ich mich bereits tausendfach ausgekotzt hatte. Moderne Künstler bekleben ihre Werke regelrecht mit irgend welchen tieferen Symbolen und Bedeutungen. Wir erinnern uns an meinen Anfall, den ich nach der Nicolas Party Ausstellung in Baden-Baden hatte. Auch damals fand ich es unerträglich, dass Banalitäten irgend welche Biblischen Bedeutungsebenen zugeschrieben wurden, die da gar keinen Platz hatten.

Nun. Bei unserem Gorilla von Ryan Gander ist es nicht so extrem. Hier kann weder die Sprache von Banalitäten noch von talentfreier Zone sein. Immerhin ist das Werk wirklich interessant und ruft bei dem Betrachter eindeutig Emotionen hervor. Aber ich persönlich nehme mir hier das Recht raus zu sagen, dass mir die Beschreibung des Künstlers bisschen zu dick aufgetragen erscheint. Ich liebe die einfachen Dinge, weil sie genial sind. Und in ebendieser Einfachheit liegt meiner Meinung nach auch eine Kunst – gewissermaßen.

Ich fand das Kunstwerk „School of Languages“ nice. Aber Lu Yangs Avatar DOKU, dessen Film „The Flow“ nur wenige Meter weiter auf der Art Unlimited ausgestellt wurde, kann der liebenswerte Gorilla leider nicht das Wasser reichen. Nicht weil das DOKU-Werk etwa einfach gemacht oder aufgebaut ist. Weil es selbsterklärend, zugänglich und durch die Darstellungen der Künstlerin tief philosophisch ist, ohne dass sie es notwendig hatte, irgendwelchen unscheinbaren Elementen eine zweite Bedeutungsebene zu verpassen. Und diesen Effekt können meistens nur Genies erzeugen.

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Kunst & Architektur

Lu Yangs neue Ära der Kunst: Avatar DOKU

Die Gegenwartskünstlerin Lu Yang hat auf der diesjährigen Art Basel ihr neuestes Werk vorgestellt: einen Gestaltwandler-Avatar namens DOKU. Yang ist bekannt für ihre fesselnden Animationen, die das Menschsein im 21. Jahrhundert erforschen. Seit 2018 arbeitet sie mit einem Team aus Wissenschaftlern, 3D-Animatoren und Digitaltechnikern zusammen, die sich auf dem Gebiet der Motion-Capture-Technologie (kurz MoCap) spezialisiert haben. Diese Technologie erfasst die Bewegung von Menschen oder Objekten digital und reproduziert diese in einem virtuellen Umfeld. Das Ergebnis fand ich überwältigend.

Bereits in meinem ersten Artikel über die Art Basel 2024 beschrieb ich meine Begeisterung gegenüber Lu Yang und ihrem gigantischen Kunstwerk. Es war beinahe unmöglich, sich von dem Bildschirm zu entfernen, auf dem das Abenteuer von Avatar DOKU gezeigt wurde. Nicht nur die verrückte, hyperrealistische Animation war das Fesselnde an diesem Werk. Auch die wortlose Geschichte, war spürbar packend und wirkte beinahe hypnotisch auf die vielen Zuschauer, die sich davor versammelten. DOKU entdeckte sozusagen die von Menschenleben verlassene Welt mit den Augen eines Individuums, das diese Welt erstmals betrat. Ich kann gar nicht mehr adäquat schildern, was DOKU in der Animation alles getrieben hat. Ich erinnere mich lediglich daran, all das mit weit aufgerissenen Augen inhaliert zu haben und zwischendurch fassungslos „wie?“ gefragt zu haben.

Lu Yang: Avatar DOKU
Copyright: Art Basel Unlimited (Katalog)

„Digitale Reinkarnation“: Wer ist Avatar DOKU?

DOKU ist mehr als ein virtueller Character. Er oder sie repräsentiert einen Menschen in einer digitalen Hülle. Seinen oder ihren Namen trägt DOKU aus der Phrase „Dokusho Dokushi“. Das bedeutet etwa: „Wir werden allein geboren und sterben allein“. Dieser Aspekt des Alleinseins wird in Lu Yangs vorliegender Animation, dem Erzählfilm „DOKU The Flow“, intensiv untersucht. Das Filmprojekt bezeichnet die Künstlerin liebevoll als „digitale Reinkarnation“. Derzeit umfasst es zwei Filme, wovon „DOKU The Flow“ der zweite ist, wenn ich mich nicht komplett irre.

„DOKU The Flow“ stützt sich stark auf die buddhistische Philosophie von Mādhyamika, die besagt, dass alle Phänomene frei von einer inhärenten „Natur“, „Substanz“ und „Essenz“ sind. Über eine Reihe von nichtlinearen Sequenzen präsentiert der Film komplexe 3D-Animationen und zeigt DOKU in verschiedenen digitalen Skins. Die narrative Struktur zielt darauf ab, die traditionelle Realität zu überwinden und einen tiefergehenden Einblick in die ultimative Wahrheit der Leere und Verbundenheit zu erlangen.

Lu Yang – eine Gegenwartskünstlerin mit Message

Lu Yang wurde im Jahr 1984 in Shanghai geboren. Sie nutzt verschiedene Strategien aus Religion, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften, um grundlegende Fragen zu den Zusammenhängen zwischen Körper und Bewusstsein sowie Spiritualität und Wissenschaft zu erforschen. Sie hinterfragt zudem die Grenzen des Menschseins in unserer zunehmend technologischen Welt. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Shanghai und Tokio.

Besuche Lu Yangs Website, wenn du mehr zu ihren Animationen und ihrem Schaffen erfahren willst und wenn du dir einen Eindruck zu DOKUs Bewegungsablauf und seinen oder ihren Formwandlungen verschaffen willst.


Quelle:  Art Basel Unlimited (Katalog), 2024

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Kunst & Architektur

Art Basel: Highlights von der Kunstmesse

Mit der Art Basel verbinden mich besondere Emotionen und Erinnerungen. Bereits im Kindesalter liebte ich es, die Schweizer Kunstmesse zu besuchen und mir dort die Füße wund zu laufen. Da die Art Basel seit 2002 auch in Miami Beach stattfindet und seit 2013 auch noch in Hongkong, will ich an dieser Stelle verdeutlichen, dass ich auf der Art Basel in Basel war. Auf diesen Moment wartete ich schon lange. Nur kam ich in den letzten Jahren nie dazu, diese gigantische Ausstellung zu besuchen. Nun war es aber soweit: Ich hatte 3,5 Stunden zeit und 100 Prozent Bock.

Gemälde, Drucke und Co. – ich habe den leisen Verdacht, dass ich Farbe mag:

Mein erster Eindruck: Gut, aber nicht ergreifend

Ich habe bei Weitem nicht alles gesehen. Doch die Ausgestellten Exponate der Galeristen (im Erdgeschoss des Hauptgebäudes) habe ich mir als erstes reinziehen können. Zu meinen persönlichen Favoriten gehörten (natürlich) Werke von Alexej Jawlensky und Wassily Kandinsky. Da bekam ich kurz Herzklopfen. Die Werke standen zum Verkauf. Ähnliche sah ich bei der unvergesslichen „Blauer Reiter“ Ausstellung im Lenbachhaus München. Des Weiteren gab es mehrere Skulpturen zeitgenössischer Künstler, die mich nachhaltig beeindruckt haben.

Dann gab es noch die andere Seite. Sehr Vieles, was ich im Erdgeschoss sah, fand ich recht ausgelutscht. Mir hat es etwas an Kreativität und Experiment mit Material und Farbe gefehlt. Für Verhältnisse der Art Basel, und wie ich sie immer in Erinnerung hatte, war es für mich persönlich nicht ergreifend genug – zumindest dieses Jahr und dieses Fragment, das ich mir angesehen hatte. Wir erinnern uns an die Art Karlsruhe, die mich ja völlig aus den Socken gescheppert hat. Noch mal: In Basel hatte ich nicht die Zeit, um mir alles anzusehen. Aber ich erinnere mich, wie die Art Basel vor vielen Jahren meine Welt erschüttert hatte. Und das nicht ein Mal. Doch dann…

Mein zweiter Eindruck von der Basel Art 2024

…dann betrat ich das Obere Geschoss des Hauptgebäudes. Und bekam das, wonach ich mich die Stunden zuvor so gesehnt hatte. Im Schnelldurchlauf raste ich durch die Hallen und konsumierte diese wunderbare Kunst mit einer Gier, die sich bereits angestaut hatte. Bei Kunstmessen, finde ich zumindest, ist es immer eine Art (höhö) Konsum der Kunst, weniger ein Genuss. Naja Genuss natürlich auch, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es ist die Masse an Exponaten, die ein Individuum überwältigt und am Ende ist man nur noch dabei, die ausgestellte Kunst zu „bingen“. Tatsache: Die obere Etage des Hauptgebäudes war absolut fantastisch und ich hätte mich gleich nach oben begeben sollen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.

Kommen wir mal zu den Skulpturen und Plastiken (EG und OG gemischt):

Oh Gott, da gab es noch diese riesige, angeschimmelte Wassermelone aus Halbedelsteinen. Liebe auf den ersten Blick und definitiv mein absoluter Favorit auf der Messe. Trotz Beschaffenheit, den imitierten Schimmelflecken und der Größe dieses Kunstwerks habe ich immer noch das Bedrängnis dazu, da reinzubeißen. Es war ein beeindruckendes Spiel mit Format, Material und Thematik. Ich meine, wer will schon aus Schimmel Kunst machen? Sowohl extrem anziehend als auch abstoßend – ich war zutiefst begeistert. Die verwendeten Materialien in diesem Werk: Kirschquarz, Rosenquarz, Achat, rosa Opal, Amazonit, Türkis, Aventurin, Aquamarin, Magnesit, Karneol, Rhodochrosit, Rhyolith, Rhodonit, Quarz, Druzy-Achat, Calcit Citrin, Prehnit, Labradorit, Jaspis, Serpentin, Tigerauge, Acryl, Glas, Gusseisenfliegen, Messingfliegen, Stahlstifte auf beschichtetem Polystyrol, Fiat 850 Sport Spider-Verdeck.

Highlights von der Art Basel Unlimited

Auch die Unlimited-Halle habe ich besucht. Hier wurden hauptsächlich großformatige Installationen gezeigt. Sehr lange stand ich vor einem Bildschirm, der ein Fantasieszenario aus der Zukunft über die Entstehung (oder den Untergang) des Lebens auf der Erde zeigte. Dieses Stück visueller Kunst faszinierte mich. Die Animation war unglaublich, das Thema war deep, der Film war extrem lang und extrem fantasievoll. Ein Genuss. Davor waren viele begeisterte Besucher versammelt – nicht nur wir. Lu Yangs „DOKU, The Flow“ war definitiv eines der Highlights von der Art Basel.

Ein weiteres herausragenderes Werk war der Käfig aus Glasperlen. Das Ding verdrehte mir den Verstand. Auch dieses fand ich in der Unlimited-Halle und bestaunte es mit offenem Munde. Es hat nämlich sehr schön gefunkelt und allein dieser Kontrast zwischen den glitzernden Glasperlen und dem Stacheldraht mit Drahtgitter zog mich sehr an.

Trotz meines ersten Eindrucks mit den „ausgelutschten“, aber nicht üblen Kunstwerken im Erdgeschoss, muss ich sagen, dass die Art Basel im Terminkalender aller Kunstliebhaber niemals fehlen darf. NIEMALS.

Das sind weitere Highlights von der Kunstmesse, die mich fasziniert haben:

Ein paar kurze Fakten zur Art Basel

Kommen wir zu ein paar spannenden Fakten über die Art Basel: Die weltbekannte Kunstmesse setzt sich als führende Plattform für Galerien durch, um ihre Werke Kunstkennern, Museumsdirektoren und Kuratoren vorzustellen und zu verkaufen. Die Messe wurde 1968 von den Galeristen und Kunsthändlern Trudl Bruckner, Balz Hilt und Ernst Beyeler ins Leben gerufen und hat seitdem stetig an Bedeutung gewonnen.

In der ersten Ausgabe der Messe im Juni 1970 in Basel präsentierten 90 Galerien und 30 Verleger aus zehn verschiedenen Ländern ihre Werke. Dieses Debüt lockte 16.300 Besucher an. 2024 stellten 285 Galerien aus 40 Ländern ihre Arbeiten aus, darunter Werke von über 4.000 Künstlern aus fünf Kontinenten. Laut Angaben der Basler Zeitung besuchten dieses Jahr 91.000 Menschen die Art Basel.


Zum Artikelbild: Sehet, staunet, beneidet – ja, das ist meine Mutter, die auf der diesjährigen Art Basel eine eher merkwürdige Installation begutachtet. Um das ausgestellte Holzhäuschen herum war ein Feuer aus Neonlampen und innen saß die lebensgroße Puppe eines Opas am Tisch. Mit einem Messer in der Hand. Wirklich sehr suspekt. Hierbei handelte es sich um das Kunstwerk „Hell Hole“ von Alex Da Corte.

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Kunst & Architektur

Gegenwartskunst: Überwältigt von Idowu Oluwaseun

Der nigerianische Künstler Idowu Oluwaseun verwebt in seinen Kunstwerken die kraftvolle Schönheit afrikanischer Frauen. Seine Arbeiten spielen an der Grenze zwischen Malerei und Mode. Er schafft eine kreative Kreuzung, die nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch inhaltlich tiefgründig. Oluwaseun nutzt seine Kunst als eine Bühne, um Frauen eine Stimme zu geben. Dabei will er ihre Weltanschauungen und Erfahrungen in den Vordergrund rücken, um die besondere Rolle der Frau in der afrikanischen Kultur zu beleuchten. Eines seiner Werke sah ich auf der art Karlsruhe – hier geht’s zu weiteren Highlights der diesjährigen Kunstmesse.

Idowu Oluwaseun: Gemälde auf der Kunstmesse art Karlsruhe. Abgebildet sind zwei afrikanische Frauen.
Als ich dieses gigantische Gemälde auf der art Karlsruhe sah, blieb ich wie angewurzelt stehen. Schnell bemerkte der zuständige Galerist mein Interesse – und wahrscheinlich auch meinen auf der Brust baumelnden Pressepass – und kam mit mir ins Gespräch.

Idowu Oluwaseuns Gemälde können in der Düsseldorfer Galerie Voss käuflich erworben werden. (Unbezahlte Werbung)

Idowu Oluwaseun hinterfragt Hierarchien – mit seiner Kunst

Ein prägnantes Beispiel für Oluwaseuns Ansatz ist sein Gemälde „Propped“ aus dem Jahr 2023. In diesem Werk fordert er konventionelle Machtstrukturen heraus. Er stellt eine Frau dar, die mutig auf zwei Hockern steht – ein Symbol, das traditionell mit Männern oder Monarchen assoziiert wird. Diese Darstellung ist ein bewusster Akt, der bestehende Hierarchien in Frage stellt, ohne dabei in direkte Vergleiche zwischen den Geschlechtern abzugleiten. Oluwaseun konzentriert sich vielmehr darauf, die innere Stärke, Widerstandsfähigkeit und das Können der Frauen in den Vordergrund zu stellen – und wenn du mich fragst, gelingt ihm das.

„Propped II“ Copyright: Galerie Voss

Ikonischen Frauen, wie etwa Funmilayo Ransome-Kuti, eine Vorreiterin für Frauenrechte und Schlüsselfigur im Kampf um Nigerias Unabhängigkeit, inspirieren den Künstler. Mit seiner Malerei erweckt Oluwaseun die Errungenschaften und den soziopolitischen Einfluss solch kraftvoller Frauen erneut zum Leben. Seine Werke strahlen eine dominante Aura aus und fangen das Wesen der porträtierten Frauen ein, deren Gesichter oft von Stoffen umhüllt sind. Diese Stoffe kommunizieren durch ihre Form und Farbe die individuelle Motivation der Frauen. Darüber hinaus verweisen sie auf die sozialen, kulturellen oder politischen Kontexte ihrer Regionen.

Eine Kooperation zwischen Künstler und Designerin

Oluwaseuns arbeitet mit der nigerianischen Modedesignerin Ejiro Amos Tafiri zusammen. Sie ist bekannt für ihre innovativen und kulturell verwurzelten Designs. Diese Kooperation verschafft seinen Gemälden eine neue Dimension. Tafiris Beitrag verleiht den Geschichten afrikanischer Frauen eine zusätzliche Tiefe und trägt dazu bei, das nigerianische Kulturerbe lebendig zu halten. Ihre Kleidungsstücke verstärken nicht nur die visuelle Anziehungskraft der Gemälde, sondern sind auch entscheidend für die Schaffung der individuellen Persönlichkeiten.

Indem Oluwaseun und Tafiri Hand in Hand arbeiten, bringen sie die reichen Erzählungen afrikanischer Frauen ins Rampenlicht und fordern den Betrachter dazu auf, ihre Erfahrungen und Beiträge zur Gesellschaft neu zu bewerten.

„Prestine II“ (2023) – Acryl auf Leinwand. Copyright: idowuoluwaseun.com

Idowu Oluwaseun und Ejiro Amos Tafiri: Mode als Ausdruck von Kultur und Tradition

Oluwaseun wurde 1982 in Lagos (Nigeria) geboren und ist derzeit in Houston (Texas) ansässig. Er vereint seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf und seine Leidenschaft für Themen wie Tradition und Identität, um einzigartige Porträts zu schaffen, die das Wesen afrikanischer Menschen einfangen. Tafiri, Absolventin des Yaba College of Technology und Gründerin ihres gleichnamigen Labels, bringt traditionelle afrikanische Kleidungsstile mit modernen Techniken zusammen und präsentiert ihre innovativen Kollektionen auf internationalen Bühnen.

Diese künstlerische Synergie zwischen Oluwaseun und Tafiri unterstreicht die Bedeutung von Mode als Ausdruck von Kultur und Tradition. Diese Verbindung von Mode und Malerei stellt die afrikanische Frau, ihre Geschichte und ihre unerschütterliche Stärke auf ein Pedestal. „Pedestal heißt auch die Bilderreihe von Idowu Oluwaseun – hier gibt es weitere Gemälde von ihm.


Quellen:

  • galerievoss.de: „Idowu Oluwaseun | PEDESTAL 09.12.2023 – 10.02.2024“
  • Gespräch mit Galerist auf der art Karlsruhe
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Kunst & Architektur

Was geht denn bei der art Karlsruhe ab?

Letzter Tag art Karlsruhe. Lustlos, aber gut gelaunt schleppe ich mich zwei Stunden vor Feierabend hin. Ich hoffe gar nicht erst darauf, überrascht zu werden, denn ich meine, alles mögliche bereits gesehen zu haben. Dann betrete ich die Ausstellungshallen.

art Karlsruhe: Chagall in die Fresse

Das erste was ich sehe, ist eine riesige Farblithographie von Chagall, die zum Verkauf steht. Meine Hände zittern, der Atem stockt. 88K soll sie kosten, wie der Herr aus der Galerie Rudolf mir auf Anfrage verrät. Recht bodenständiger Preis, auch wenn ich mit Chagall eine sehr komische Beziehung führe. Unfassbare Werke stellt diese Galerie zum Verkauf aus – unfassbare! Frecherweise hängt gleich daneben auch noch eine Landschaft von Otto Dix. Ich weiß, dass wenn ich jetzt nicht die Fliege mache, ich womöglich ohnmächtig werde.

art Karlsruhe: Marc Chagall
Take My Money: Marc Chagall (1887-1985) „Romeo und Julia“. Farblithographie angeführt von Charles Sorlier auf Vélin d‘ Arche 1964. Auflage 200 Exemplare, signiert.

Ich liebe diese Kunstmesse, wtf?

Was ich auf der art Karlsruhe sehe, gefällt mir nicht nur. Es berührt mich und es inspiriert mich. Die Farben, die Innovationen und die Wege der Expressionen. Ich liebe es, ich kann nichts sagen. Ich bin wirklich überrascht. Das letzte Mal, als ich diese Messe (evtl. 2017?) besuchte, fand ich es nicht so knorke. Ich weiß nicht, warum. Ebendas war auch der Grund, weshalb ich diesmal keine Erwartungen hatte. 

Sogar „welt.de“ schreibt: „Die art Karlsruhe hat sich behutsam erneuert, ohne ihr Erfolgsrezept zu verraten.“ Nachvollziehbar. Im Zentrum steht Klassische Moderne und die Kunst nach 1945. Davon gibt es auch reichlich. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich hinsehen soll. Alles ist so geil, so bunt, so voll von Zeitgeist und Energie. Ich liebe es, aber ich wiederhole mich. 

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