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„Das ungleiche Paar“ von Lucas Cranach d.Ä.

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) und das Werk „Das ungleiche Paar“ – eine Gesellschaftssatire, die auch heute noch Relevanz besitzt. In diesem Artikel werde ich ein bisschen die Bedeutung des Dargestellten erläutern. Das Kunstwerk hängt im renommierten Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, wo ich auch Cranachs Darstellung der Salome betrachten konnte – eine seiner blutrünstigen Frauen.

„Das ungleiche Paar“ in der Kunst

Seit dem 15. Jahrhundert erfreuten sich Darstellungen von Liebschaften und Affären großer Beliebtheit. Künstler jener Zeit zeigten häufig „ungleiche Paare“, und die variierende Darstellung des „Liebesnarren“, wie man ihn in Liebesgärten und Bordellen findet, war weit verbreitet.

Lucas Cranach der Ältere und "Die Fabel vom Mund der Wahrheit" - ein Gemälde aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
Lucas Cranach d.Ä. „Die Fabel vom Mund der Wahrheit“ (1534): Eine des Ehebruchs angeklagte Frau legt die Hand in den Löwenrachen. Sie bekennt, nur in den Armen ihres Ehemanns und des Narren (in weiß) gelegen zu haben.

Cranachs Paar hat wohl wirklich existiert

Im häufigsten Szenario des „ungleichen Paares“ begehrt ein alter Mann, oft hässlich und maskenhaft dargestellt, eine junge, schöne Frau. Diese erwidert seine Begierde nur im Austausch gegen Geld oder Schmuck. Es gibt jedoch auch Darstellungen alter Frauen mit jungen Liebhabern, die sich aus deren Geldbeutel bedienen. Hier findest du etliche Darstellungen von Cranach zu dieser Thematik.

Zu diesem spezifischen Gemälde gibt es eine interessante Anekdote. Laut dem Oettingen-Wallersteinischen Grundbuch stellt das Bild den Nürnberger Bürgermeister Tucher und seine Magd dar. Angeblich ließ seine Familie das Bild zur Verspottung anfertigen, was dazu führte, dass er die Magd heiratete.

Lucas Cranach d.Ä: "Das ungleiche Paar" Gemälde im Germanischen Nationalmuseum
Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt: „Das ungleiche Paar“ um 1530 im Germanischen Nationalmuseum.

Was zeigt das Gemälde „Das ungleiche Paar“?

Eine junge Frau umarmt einen alten, verliebten Mann, während sie gleichzeitig den Betrachter des Bildes ansieht. Ihr verschlagener Blick macht den Betrachter zum Mitwisser. Der bärtige Mann trägt eine pelzverbrämte Schaube, während die Frau in ein rot-goldenes Kleid mit goldenen Borten an Brust, Schultern und Ärmeln, sowie einer perlenbesetzten Brustplatte gekleidet ist. Sie trägt als Schmuck ein Halsband und eine Hobelspankette. Ihre Haarhaube ist mit Edelsteinen verziert. Das Bild zeigt ein Kniestück vor einer dunklen Wand mit einem Ausblick auf eine Landschaft.


Verwendete Quellen:

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Skandal! Baldungs Madonna macht Furore

Die unkonventionelle Darstellung der stillenden Madonna von Hans Baldung beeindruckt durch ihre absichtliche Künstlichkeit. Auch die stilisierte Abweichung von einer natürlichen Darstellung verleiht dem Gemälde das „gewisse Etwas“. Besonders auffällig sind die intensiven Lichtkontraste und Farben. Ebenso ungewöhnlich sind die exotisch-luxuriösen Akzente und die stark sinnliche Anziehungskraft.

Durch gewagte Elemente wie den Papageienbiss und die Berührung der Brust durch die Lippen des Jungen hat Baldung seiner Darstellung sinnliche Bedeutungen verliehen. Diese geht weit über das Sehen hinaus. Als ich vor dem Gemälde stand, fesselte es mich und ließ mich gar nicht mehr los.
In dieser Darstellung pickt der Papagei, der traditionell das „Ave“ sagt, Maria in den Hals. Damit stellt er ihre Jungfräulichkeit dar. Gleichzeitig zeigt der Christusknabe mit Heiligenschein geradezu ihre Brustspitze. Währenddessen schaut der Knabe intensiv in Richtung des Betrachters.

Hans Baldung greift bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück

Ein schwebender Engel mit verschmitztem Gesichtsausdruck berührt gerade Marias durchsichtigen Schleier. Es lässt sich nicht genau deuten, ob er das Marienhaupt enthüllt, oder es verschleiert. Das Gemälde hat etwas Geheimnisvolles an sich, das schwer zu greifen ist. Auch dieses Gemälde einer Baldung-Madonna hat es in sich.

Obwohl das Andachtsbild von Hans Baldung ungewöhnlich und neuartig erscheint, griff er bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück. Er veränderte bekannte Darstellungsweisen, Bilder und Attribute. Darüber hinaus wählte er das Bild einer stillenden Muttergottes, das im Mittelalter sehr beliebt war. In diesem Bild wurde Marias mütterliche Liebe dargestellt. Auch ihre lebensspendende Kraft und ihre Rolle als Fürsprecherin für die sündige Menschheit wird in diesen Darstellungen am deutlichsten.

Die stillende Madonna mit Kind und Papageien von Hans Baldung
Maria mit Kind und Papageien (1533) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von Hans Baldung, auch Grien genannt (1484/85-1545) Oberrhein, Straßburg. Hierbei handelt es sich um Malerei auf Lindenholz. Maße: Höhe 91,5 Zentimeter; Breite 63,3.

Unangemessen: Baldungs Bilder wurden vollständig entfernt

Es ist schwer zu sagen, inwieweit Baldungs persönliche Interpretation des Bildes auf die Wünsche eines elitären Auftraggebers zurückzuführen ist. Es gibt nämlich keine schriftlichen Aufzeichnungen, die darüber Aufschluss geben. Baldung malte das Bild im Jahr 1533 in Straßburg. Diese Stadt galt bereits zwei Jahrzehnte vor der Reformation im Jahr 1524 als ein Zentrum der evangelischen Bewegung. Zwischen 1526 und 1530 verschärfte sich die Situation weiter. Die Messe wurde abgeschafft. Die Bilder – vollständig entfernt, nachdem der Bildersturm nur auf als unangemessen angesehene Bilder abgezielt hatte.

Die Darstellung der stillenden Maria war in diesem Kontext besonders heikel, da gerade dieses Motiv als eines der anstößigsten angesehen wurde. In Straßburg haben Marienbilder, ähnlich wie Baldungs Gemälde aus Nürnberg, Kontroversen ausgelöst. Zum Beispiel wurden im Jahr 1541 Kunstexperten in die Werkstatt des Straßburger Malers Jost Krieg von Barr geschickt, um seine Bilder zu begutachten.

Stillende Maria mit Papageien: Hatte der Künstler eine Strategie?

Sollten seine Marienbilder „schandtlich und entblößt gemalet“ sein, solle man ihm dies untersagen (Rott 1936, S. 227). Es ist möglich, Baldungs nachreformatorische Madonnenbilder als einen Versuch zu interpretieren, ein Bildthema, das in die Kritik der Reformation geraten war, aber in der Tradition eine zentrale Rolle spielte, durch die künstlerische Darstellung zu bewahren. Es könnte eine Strategie gewesen sein, dieses umstrittene Motiv der stillenden Maria in einer künstlerischen Form wiederzubeleben und gleichzeitig die religiösen Bedenken zu umgehen, die mit der traditionellen Darstellung verbunden waren.

Die künstliche Darstellung in Baldungs Werken lässt vermuten, dass er möglicherweise einen exklusiven Kreis von Altgläubigen ansprach. Diese Interpretation kann jedoch nicht durch historische Quellen gestützt werden kann. Es ist denkbar, dass Baldung durch seine Herkunft aus einer Gelehrtenfamilie mit einflussreichen Verbindungen zum habsburgischen Hof und zur katholisch gebliebenen Universität Freiburg einen Kundenstamm entwickelte, den er auch nach der Reformation weiter bediente. Diese Verbindungen könnten dazu beigetragen haben, dass er einen Markt für seine Kunstwerke fand, die die traditionelle religiöse Ikonografie beibehielten. Solche Darstellungen wurden womöglich von Altgläubigen geschätzt.

Ausstellungsfilm "Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens" | AM
Andere Werke des Künstlers: Ausstellungsfilm des Freiburger Augustinermuseums „Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens“

Was war das Ziel von Hans Baldung?

Die Betrachtung von Weber am Bach aus dem Jahr 2006 interessiert sich für die mögliche Verbindung zwischen der betonten Fleischlichkeit in Baldungs Gemälde und der Straßburger Synode gegen die Täufer im Jahr 1533. Gemäß dieser Interpretation könnte das Gemälde dazu dienen, die „Zwei-Naturen-Lehre“ Christi und die Mutterschaft Mariens zu bekräftigen. In diesem Zeitabschnitt wurde sie von Täufern in Frage gestellt.

Ziel des Künstlers könnte es sein, diese zu bekräftigen und in ein entsprechendes Andachtsbild zu übersetzen, das sowohl neue als auch traditionelle Kunstliebhaber anspricht. Dies könnte eine weitere mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Darstellung von Baldungs Werk sein und auf eine gezielte theologische Botschaft hinweisen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Deutung spekulativ ist, da es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, die Baldungs Absichten bei der Schaffung des Gemäldes eindeutig belegen könnten.

Baldungs Gemälde könnte nach dieser Theorie als ein theologisches Bekenntnis zur wahren Mutterschaft Mariens betrachtet werden. Es scheint, dass die Auftraggeber und Käufer solcher eigenwilligen Werke eine Vorliebe für gewagte und hintergründige Meisterwerke des berühmten Straßburger Malers hatten.


Verwendete Quellen: Objektkatalog des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg

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Gemäldegalerie Berlin: Giovanni Bellini’s Maria

Dieses Gemälde von Giovanni Bellini wurde während einer Phase in seiner Karriere geschaffen, in der er noch stark von dem Stil seines Schwagers Andrea Mantegna beeinflusst war. Dennoch zeigt Bellini in seinem Kunstwerk seine eigenen kreativen Lösungen.

Gemälde wird Bellini’s Werkstatt zugeschrieben

Dass die Landschaft in dem Berliner Gemälde, bei dem das intensive Licht zurückhaltender ist, deutet möglicherweise auf das Werk eines seiner Studenten. Eine andere Version dieses Gemäldes, die sich heute im Rijksmuseum in Amsterdam befindet, lässt erkennen, dass der Künstler bereits an der Reproduktion seiner eigenen Werke arbeitete. Immerhin ist Giovanni Bellini bekannt dafür, seine Andachtsbilder – vor allem die Madonnen – in mehreren Versionen hervorgebracht zu haben, um die Effizienz seiner Bildproduktion zu erhöhen.

Andachtsbilder sind meistens gemalte oder geschnitzte Bilder von religiösen Geschichten und Ereignissen aus dem Christentum. Sie sollen den Gläubigen helfen, in ihrem Glauben zu meditieren und zu beten. Oft zeigen diese Bilder Szenen aus dem Leben und Leiden von Jesus Christus, Maria und den Heiligen.

Während meiner Kunstreise sag ich in der Berliner Gemäldegalerie Giovanni Bellinis Madonna
Giovanni Bellini (um 1435 bis 1516) und Werkstatt in der Berliner Gemäldegalerie: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht – um 1460

Giovanni Bellini: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht

Typisch Bellini ist für mich persönlich in diesem Bild die Brüstung, die zwischen dem Betrachter und der heiligen Madonna eine Distanz schafft. Jesus wiederum steht symbolisch auf der mutmaßlichen Balustrade, um die Verkörperung des sowohl menschlichen als auch himmlischen zu verdeutlichen. Darüber hinaus ist die Landschaft hinter den beiden Figuren sehr ausdrucksstark und erinnert mich an andere Werke Bellinis. Was natürlich nicht zu bedeuten hat, dass er dieses Werk alleine gemalt hat.

Als ich dieses Bild in der Gemäldegalerie – die für mich Grund genug ist, Berlin zur geilsten Stadt der Bundesrepublik zu ernennen – sah, wurde ich ganz starr. Das Gemälde der venezianischen Meisterwerkstatt kannte ich bisher nur aus den Büchern. Direkt davor zu stehen, und jeden kleinen Pinselstrich von Bellini und seiner Werkstatt zu begutachten, ist natürlich anders wild.

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So sexy ist „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in München war, fiel mir das Gemälde „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael (1566-1638) sofort auf. Ich habe viel in meinem Leben gesehen, doch etwas faszinierte mich an diesem Kunstwerk. War es die Dramatik? Waren es die unverschämt gut geformten Körper der dargestellten Figuren?

Das ist auf dem Bild „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael zu sehen

In einer schönen Landschaft, die an einen fjordartigen* Ort erinnert, sieht man Menschen in großer Not. Die auf dem Gemälde abgebildeten Männer und Frauen sind nackt und zeigen ihre übermäßige Angst mit pathetischen Gesten. Das Wasser scheint schnell anzusteigen – die Figuren suchen verzweifelt Schutz auf den Felsen und in den Bäumen.

Auf der linken Seite im Vordergrund sehen wir einen Baum, den ein Mann versucht zu erklimmen, um sich vor dem Wasser zu retten. Ganz unten links sitzt eine Mutter mit ihrem Kind. Sie versucht vergebens unter ihrem Tuch Schutz zu finden.

In der Mitte vorne ist eine Gruppe von vier Menschen, die hektisch gestikulieren und nach Hilfe suchen. Und auf der rechten Seite sieht man zwei Eichenbäume, auf die Männer klettern, um sich vor dem steigenden Wasser zu retten. Die Szene ist sehr dramatisch und voller Spannung.

Dieses Gemälde des niederländischen Künstlers Joachim Anthonisz Wtewael (1566 bis 1638) heißt "Die Sintflut". Es wurde um 1590/1600 gemalt und es handelt sich hierbei um Öl auf Leinwand. Derzeit hängt das Kunstwerk im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Das Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphose.
Wtewael, Joachim Anthonisz. (1566-1638) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung. Öl auf Leinwand – um 1590/1600

Ikonographische Beschreibung des Gemäldes

Joachim Wtewaels Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphosen: Rechts auf der Anhöhe bringen die Göttin Iris und der bärtige Aeolus Wasser und Wind. Die sündigen Menschen versuchen, sich vor den Fluten zu retten.

Durch die unnatürliche Farbpalette soll, laut Germanischem Nationalmuseum, das Gekünstelte im Bild betont werden. Diese im niederländischen Manierismus beliebte Darstellung diente Wtewael zur Erprobung extremer Posen. In Robustheit und Volumen zeigen die Aktdarstellungen den Einfluss Michelangelos

Als ich das Werk von Joachim Wtewael sah

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vor diesem Gemälde stand, fiel mir – neben all den Wahnsinns-Körpern – sofort ins Auge, wie individuell der Künstler die Komposition gestaltete. Ebendiese gepaart mit dem Schattenspiel, das sich bei Wtewael in der Muskulatur der Dargestellten widerspiegelt, sorgt meines Achtens für die nötige Portion Dramatik in dem Gemälde.

Im Germanischen Nationalmuseum sah ich auch mehrere bedeutsame Werke von Lucas Cranach d.Ä.


*Fjord: Ein Fjord ist wie eine lange Bucht im Land. Er entsteht, wenn ein Gletscher vom Meer ins Land hineinwandert und ein tiefes Tal hinterlässt. In Norwegen und anderen Orten nennt man solche Meeresarme Fjorde.

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