Die Nacht birgt viele Versuchungen. Wir sind sexy, jung und wollen heute dumm gehen. Die Uhr schlägt eins. Die Spielbank Baden-Baden macht Umsätze mit den verlorenen Seelen des Mittwochspublikums. Die Männer aus dem internationalen Versicherungswesen sind gutaussehend, die Croupiers charmant, die Cocktails gut.
Jeden Winkel und jede Schnörkelei die dieses Gebäude ausmachen, meine ich zu kennen. Doch die geheimen Gänge hinter den prunkvollen innenarchitektonischen Fassaden lassen sich mit einer ungreifbaren Gewissheit vermuten. Die grüne Kuppel, die floralen Kronleuchter und die Statuen blicken warnend auf mich hernieder. Gleichwohl verfehlt mich die Versuchung. Ich habe spannendere Süchte als die Zockerei.

Ich nähere mich einem Blackjack-Tisch, an dem ein Freund sitzt und gerade sein Budget verzockt. Als er mich erblickt, richtet er beide Hände in meine Richtung. Sein Blick bleibt kurz hängen. Ich höre nicht, was er sagt, aber der Blackjackdealer nickt zustimmend und grinst.
Halb zufällig, halb geplant treffe ich an diesem Mittwochabend alte und neue Freunde. Ich liebe es, sie in Schale geworfen zu sehen. Sie spielen, ich enthalte mich. Und doch habe ich wahnsinnig viel Spaß dabei, ihnen beim Trinken und Zocken zuzusehen. Es ist ihr gebannter Blick auf den Spieltisch, das Besprechen ihrer Strategien, die kleinen Rituale, aber auch ihre ehrliche Verzweiflung und der Griff zum Vodka-Shotglas, die sie in diesem Moment so liebenswert macht. Am Roulettetisch verliert ein Freund fast alles, was er dabeihat. Ich kommentiere: „Für Baden-Württemberg.“

Die anderen wundern sich kurz, warum ich nicht mitspiele. Sie nehmen es aber hin. Meine neue Freundin drückt mir ihre Jetons in die Hand und sagt, ich solle sie dort hinlegen, wo ich es fühle. Ich lasse mich auf das Experiment ein. Doch mein Gefühl unterliegt der Wahrscheinlichkeit und wir verlieren ihren Einsatz.
Ich beobachte die Dynamik zwischen den drei Jungs und dem Mädchen, genieße ihren Humor und ihre Offenheit. Glücksgefühle. Es ist schön, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich dem Spiel hingeben. Als würde eine größere Macht sie langsam immer enger umschließen. Für ein paar Augenblicke scheint alles möglich, solange die nächste Kugel noch rollt.
Wir gehen raus, rauchen und fantasieren darüber, ab welchem Betrag wir alle kündigen würden. Wohin wir auswandern würden. Irgendwann fahre ich nach Hause. Die anderen bleiben. Sie wollen ihren Verlust an den Automaten zurückzocken.
Ihr wollt wissen, was man bei uns im Casino sonst noch für spannende Sachen macht? Dann lasst euch kurz von der Burlesque-Show „Deep Rouge“ verführen.