Meine erste Vernissage in Armando’s Bar in Baden-Baden war ein Abend voller Begegnungen, lachender Gesichter und einer Energie, die ich so nicht erwartet hatte. Jetzt folgt eine zweite Ausstellung am 24. Oktober 2026. Die BNN werden da sein. Ich bin nervös as fuck.

Warum machen wir eine zweite Vernissage?
Meine Süßen, ich muss euch von diesem Abend erzählen, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Von meiner ersten Vernissage. Von 130 Porträts auf einer Glasvitrine, von Menschen, die ich zum ersten Mal getroffen habe, und von diesem überwältigenden Gefühl, wenn man etwas wagt, vor dem man sich lange gedrückt hat.
Ich bin voll mit Klebeband und einer Vision, die hoffentlich aufgeht
Zu Hause saß ich zusammengekrümmt auf dem Boden und beklebte die Ecken meiner Bilder mit doppelseitigem Klebeband. Ein Bild nach dem anderen. Zwischendurch legte ich die Porträts probeweise aus, um zu sehen, wie meine Installation überhaupt wirken würde. Gottloser Zeitdruck.
Die Bilder sollten auf Armando’s Glasvitrine. Das bedeutete: Sie mussten von beiden Seiten gut aussehen. Es war also nicht damit getan, sie einfach irgendwo festzukleben. Die ganze Sache sollte schließlich auch aus dem Inneren der Bar funktionieren und das noch mit einer mehr oder minder harmonischen Aneinanderreihung der Bilder.


2. Das war mein erster Versuch.
130 Porträts – scheiße, reichen die überhaupt?
Ich hatte ungefähr 130 Porträts für die Vitrine vorgesehen und war gespannt, ob das überhaupt reichen würde. Noch viel gespannter war ich darauf, ob die Installation am Ende tatsächlich so aussehen würde, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Erstaunlicherweise war ich dabei aber relativ entspannt. Wie immer halt. Ich machte einfach weiter, klebte, probierte aus und vertraute darauf, dass es schon irgendwie werden würde.
Dabei hatte ich diese Idee schon ewig im Kopf. Ich wollte meine Bilder ausstellen, sie aus meiner eigenen kleinen Welt herausholen und anderen Menschen zeigen. Nur hatte ich mich nie getraut, Armando danach zu fragen. Bis ich eines Abends mit meiner Freundin Zoe in seiner Bar saß und es dann doch einfach getan habe. Armando war sofort dabei – mein Glück konnte ich kaum fassen, doch ergriff es.
Und plötzlich wurde aus einer Idee etwas Konkretes: ein Termin, eine Vitrine und schließlich dieser Abend.

Wenn eine Vision plötzlich Wirklichkeit wird
Ich hatte in den vergangenen zwei Jahren ungefähr 250 bis 300 schnelle Bilder gemalt. Die meisten davon zeigten Fantasiegesichter. Etwa zehn Prozent waren Menschen, die ich kannte, oder Gesichter, die ich etwa heimlich in der Frankfurter U-Bahn gemalt habe.
Es sind Gesichter, die mich beschäftigen. Menschen, die mir auffallen, deren Ausdruck ich festhalten möchte, oder Figuren, die einfach aus meiner Fantasie entstehen. In Armando’s Bar nahmen die Menschen mir gegenüber bewusst Platz, um sich malen zu lassen. Manchmal dauert das zwei Minuten, manchmal sieben. Das hängt ganz davon ab, wie sehr ich währenddessen in Gespräche verwickelt werde. Das war ein anderes Gefühl, als zu Hause am Tisch oder irgendwo mit Sonnenbrille in den Öffis zu sitzen und ein Blatt nach dem anderen zu füllen.
Unser Konzept: Drinks&Characters
Meine Kunst, wenn man sie denn überhaupt so nennen will, war auf einmal Teil eines Ortes, an dem Menschen zusammenkamen, sich unterhielten, lachten und ihre Drinks genossen. Zwischen gedimmtem Licht, dem Rauschen beiläufiger Gespräche und den ständigen Umarmungen bekam sie eine ganz andere Lebendigkeit. Es fühlte sich an, als würden meine Portraits zum Leben erwachen.
Und genau das war es, was mich so glücklich machte: Ich konnte meine Bilder nicht länger nur aus meiner eigenen Perspektive betrachten. Andere Menschen konnten sie entdecken, mochten sie oder setzten sich mit ihnen auseinander. Sie bekamen eine eigene Existenz außerhalb meiner vier Wände.
Ein freier Platz gegenüber – und plötzlich stimmte die Chemie
Armando schlug mir einen Ecktisch vor, auf dem ich mich und mein Malzeug ausbreiten konnte. Den Anfang machte einer seiner Freunde, den ich an diesem Abend kennenlernte. Ich überredete ihn regelrecht, sich mir gegenüberzusetzen. Und plötzlich hatten wir einen Vibe. Wir scherzten miteinander, unterhielten uns und hatten, hoffentlich beide, unseren Spaß.
Das war einer dieser Momente, in denen ich merkte, wie schön diese Idee eigentlich war. Da saß ein Mensch vor mir, den ich zuvor nicht wirklich kannte. Ich machte ein paar Striche auf Papier, und wenige Minuten später hielten wir beide etwas in den Händen, das vorher nicht existiert hatte: eine kleine Erinnerung an diese Begegnung, an diesen Abend.
Natürlich treffe ich beim Zeichnen nicht immer jedes Gesicht so, wie ich es gerne hätte. Das ärgert mich regelmäßig. Ich sehe dann die Stellen, an denen ich etwas anders hätte machen wollen, einen Ausdruck, der mir nicht ganz gelungen ist, oder ein Detail, das ich verfehlt habe. Ich bin ja schließlich Amateurin.



Reaktionen auf meine Portraits
Aber die Reaktionen an diesem Abend waren großartig. Es wurde gelacht, gelobt und gestaunt. Die Menschen waren wahnsinnig gut gelaunt. Manche erkannten sich sofort wieder, andere ein bisschen. Aber sie freuten sich alle riesig über ihre Porträts. Später hörte ich, dass einige davon von ihren Besitzern sogar eingerahmt wurden.
Wenn ich selbst mit einem Ergebnis nicht ganz zufrieden war, sagte ich den betreffenden Menschen, dass wir später am Abend gerne noch ein zweites Bild versuchen könnten.
Ein kleiner Sonnenschein aus der Schweiz
Es gab an diesem Abend viele Begegnungen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Eine davon war ein Mädchen aus der Schweiz, das mit ihrem Freund am Tresen saß, ganz in meiner Nähe. Ich fragte sie, ob ich sie zeichnen dürfe. Und während ich ihr kleines Porträt (A6-Format) malte, unterhielten wir uns. Sie erzählte mir, was die beiden zusammen in Baden-Baden machten, später kam sie auch mit meiner Freundin ins Gespräch. Es war einfach schön.
Aber vor allem lächelte sie. Jedes Mal, wenn ich zu ihr aufsah und ihr ins Gesicht blickte, strahlte sie mich an. Ich fand das wahnsinnig süß. Sie hatte für mich neben ihrem freundlichen, offenen Strahlen etwas ganz Zartes. Sie war wirklich ein kleiner Sonnenschein. Und ich saß dort, zeichnete und durfte diese Begegnung einfach erleben. Für mich war das ein Geschenk. Ein paar Minuten, ein kleines Porträt und ein Mensch, dessen Lächeln mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Menschen, die ich liebe – und Menschen, die ich gerade erst kennenlerne
Am Anfang des Abends war ich vor allem mit Menschen zusammen, die ich liebe. Mit Freunden, die ich teilweise sehr lange nicht mehr gesehen hatte. Es war schön, sie an diesem Ort um mich zu haben und einen Anlass zu teilen, der für mich persönlich so viel bedeutete.
Im Laufe des Abends kamen immer mehr Begegnungen dazu. Es war spannend, so viele neue Menschen auf diese Art kennenzulernen. Sie waren alle verschieden. Und wenn ich sie zeichnete, blickten sie mich auf ganz unterschiedliche Weise an. Die einen sind ein bisschen aufgeregt und beobachten dich neugierig. Manche unterhalten sich munter, andere konzentrieren sich auf mich. Und wieder andere sind ganz in sich gekehrt.
Die Atmosphäre in der Bar war wunderbar. Das gedimmte Licht, die Gespräche, das Lachen, die Musik. Es war lebendig, offen und herzlich. Armando selbst ist auch ein toller Gastgeber. Ein ruhiger, offener Typ, der mir das Gefühl gab, dass ihm meine Vision wichtig war und dass er mir mit meinem Vorhaben vertraute. Das bedeutete mir viel.
Das mit den Texten…
Eigentlich bin ich, wie ihr wisst, in der Welt der Texte zu Hause. Seit etwa zehn Jahren schreibe ich. Seit acht Jahren lasse ich sie veröffentlichen. Ich liebe Texte, ich lebe sie, ich feile an ihnen und versuche, sie immer weiter zu perfektionieren. Nicht alle. Diesen hier zum Beispiel nicht so. Der darf einfach sein wie er ist.
Über die Jahre haben mir Leser schöne Briefe geschrieben. Mittlerweile gibt es Menschen, die meine Arbeit regelmäßig verfolgen und mich als Autorin schätzen. Es gibt Rückmeldungen, die mir alles bedeuten:
- „Ich habe diesen Abend genauso erlebt. Nur könnte ich das niemals so in Worte fassen.“
- „Du sprichst mir aus der Seele.“
- „Es war, als sei ich selbst dabei gewesen.“
Solche Sätze treffen mich mitten ins Herz. Sie zeigen mir, dass etwas, das schaffe, bei einem anderen Menschen genau da ankommt, wo es ankommen soll. Aber solche Rückmeldungen bekomme ich viel zu selten. Oft liegen zwischen dem Schreiben und dem Moment, in dem ich erfahre, was ein Text bei jemandem ausgelöst hat, Tage, Wochen, Monate und Jahre.
Das mit der Kunst ist anders
Bei meinen Porträts war das anders. Ich saß Menschen gegenüber, zeichnete für ein paar Minuten und konnte die Reaktion unmittelbar erleben. Ein Lächeln. Ein Lachen. Ein erstaunter Blick. Ein Kompliment. Manchmal regelrechter Jubel. Ich schwöre sogar.
Da war sie, diese Freude. Ganz unmittelbar und ohne Umwege. Und vor allem: völlig unverhofft. Mit ein paar amateurhaften Strichen etwas zu schaffen, das einem anderen Menschen Freude macht – das hat mich überwältigt. Ich glaube, ich hatte an diesem Abend Glücksgefühle im Übermaß. Die Menschen haben mich aufgeladen. Ihre Offenheit, Begeisterung und ihre Freude haben mir eine Energie gegeben, die ich so nicht erwartet hatte. Das war unbezahlbar.
Irgendwann musst du der Welt zeigen, dass du da bist
Es gibt einen Punkt, an dem du, als blutiger Anfänger, über deinen eigenen Schatten springen musst. Du kannst deine Bilder zu Hause aufbewahren. Du kannst weiter an ihnen arbeiten, jede kleine Unvollkommenheit korrigieren und warten, bis du irgendwann glaubst, gut genug zu sein. Du kannst dir immer wieder überlegen, was andere darüber denken könnten und dass du der Welt der Künste nicht gerecht bist.
Oder du gehst raus und zeigst dich mit all deinen amateurhaften Bildern. Mit all deinen ungekonnten Griffen. Mit allem, was dir vielleicht noch nicht so gelingt, wie du es gerne hättest. Scheiß auf die Angst. Geh da raus. Es wird immer Menschen geben, die mit deiner Arbeit nichts anfangen können und dich belächeln. Aber es wird auch Menschen geben, die sich darüber freuen. Menschen, die etwas darin entdecken, die sich angesprochen fühlen oder die durch deine Arbeit einen schönen Moment erleben. Und das kannst du vorher nicht wissen.

Am 24. Oktober steht die nächste Vernissage an. Und obwohl ich mich auf das nächste Mal freue, mache ich mir gerade ein bisschen in die Hose, weil ich Angst habe, dass die nächste Vitrine nicht so nice aussehen wird wie die erste. So viel also zu meiner neu gewonnenen Furchtlosigkeit.
Jana Ebert sagte mir, dass der Zweifel dazugehört. Und wisst ihr was? Ich denke, sie hat vollkommen recht.
Hier geht’s zur offiziellen Website von Armando’s Bar.
Hier geht’s zum offiziellen Instagram-Account von Armando’s Bar. Ich kann euch diesen Ort auch außerhalb von Veranstaltungen sehr empfehlen. Es kommen immer nette und aufgeschlossene Menschen. Hab da schon einige Bekanntschaften geschlossen, die mich sehr glücklich gemacht haben. Und das will ich euch keineswegs vorenthalten.