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Lazy Days in Portugal: Das tat ich bei Regen

Ich stand vor dem Spiegel und trug mehr Make-Up auf, als die Tage zuvor. Meine Mutter hatte mich nämlich angerufen und mein äußeres Erscheinungsbild kritisiert. Ich würde mich wie ein Tomboy kleiden, meinte sie in ihren eigenen Worten und war ganz und gar nicht glücklich, dass ich mir einen Regen-Poncho geholt habe, der mich in ein undefinierbares Etwas verwandelte. Recht hatte sie irgend wie und wir wissen ja (fast) alle, was so ein bisschen Make-Up mit unserer „inneren Göttin“ machen kann.

Das Dumme ist, dass über A Ver-o-Mar – und anderen Teilen Portugals – den ganzen Tag das fieseste Pisswetter herrschte. Beinahe hätte meine Faulheit gesiegt und ich wäre im Hotel geblieben. Doch es kam anders. Mein erster Versuch aus dem Haus zu gehen, endete erfolgreich am Strand. Ich beobachtete einen Surfer, der auf seinem Brett Dinge machte, die ich mich niemals trauen würde. Die Wellen schienen ihn zu verschlucken und wieder auszuspucken. Später hatte ich das unerwartete Glück, ihn Oberkörperfrei zu sehen, was mich einerseits faszinierte, andererseits aber schnell in die Flucht trieb, weil mich solche Situationen einfach viel zu nervös machen.

Regen in Portugal: Auf dem Strand von A Ver-o-Mar haben sich Möwen und andere Vögel versammelt.
Der Atlantische Ozean in Portugal: Zu sehen ist der Surfer zwar nicht, dafür aber jede Menge Möwen und Enten (?).

Planlos durch den Regen in Portugal

Beim zweiten Versuch, das Hotel zu verlassen, schnappte ich das Fahrrad, mit dem ich wenige Tage zuvor nach Porto gefahren bin, und fuhr planlos durch den Regen. Natürlich zog ich dafür meinen geilen Regenponcho an und schickte meiner Mutter ein Foto davon. Als ich es machte, bekam ich einen heftigen Lachanfall. Ich fühle mich jedes Mal witzig, wenn ich auch nur im Geringsten gegen das Weltbild meiner Mutter rebellierte. Bis heute ist das so und ich kann nichts dagegen tun, auch wenn ich genau weiß, dass ich für diese Art von Gefühlen viel zu alt bin.

Regen in Portugal: Madlen Trefzer lacht in die Kamera mit ihrem Regenponcho über den Kopf gezogen.
Mein Regenponcho und ich – ein einmaliges Team. Muttern ist da fehl am Platz.

Lachend fuhr ich weiter durch den Regen. Mein Ziel war ein Objekt in Póvoa de Varzim, das ich am Tag zuvor aus der Ferne gesehen hatte. Ich konnte mir ausmalen, was es war, doch ich wollte es genau wissen. Als ich an jenem Ort ankam, bewahrheiteten sich meine Vermutungen. Es war eine Aussichtsplattform auf einem Felsen. Doch da der Ozean stürmisch war, war auch der Zutritt zu der Plattform überschwemmt. Angst davor, nass zu werden, hatte ich nicht – der Regen hatte bereits dafür gesorgt.

Die Atlantik zog mich wieder in ihren Bann

So stand ich also starr im Regen und am Strand, das Augenmerk auf die hölzerne Plattform auf dem Felsen gerichtet, die von stürmischen Salzwasser-Explosionen umringt war. Es war wie der beste Film, den ich seit Langem gesehen hatte. Die Macht der Wellen ist vor allem während der Winterzeit in Portugal so ausschlaggebend. Davon hatte man mit schon einige Male erzählt, aber das mit eigenen Augen zu sehen, ist mit nichts zu vergleichen. 

Regen in Portugal: Auf einem Felsen steht eine hölzerne Aussichtsplattform. Der Himmel sieht bedrohlich grau aus, gleichzeitig sind aber Sonnenstrahlen zu sehen. Eine riesige Welle explodiert förmlich in unmittelbarer Nähe der Plattform. Das Foto wurde am Strand aufgenommen von Póvoa de Varzim.
Jetzt schau sich einer diese Macht der Wellen an. Ich werde ihren Duft, ihren Klang und ihre Kraft niemals vergessen.

Der Atlantische Ozean zog mich also in seinen Bann und ließ gar nicht mehr los. Besessen von dem Gedanken, auf die kleine Plattform zu klettern, um den meterhohen Wellen noch näher zu sein, stand ich da und sah, dass dieses Vorhaben auch durchaus gefährlich werden könnte.

Portugal: Das Unvorhersehbare des Ozeans

Es war die Macht der Wellen, die genau vor der Treppe zum Felsen aufeinander schlug, die mir Sorgen bereitete. Dies geschah offenbar regelmäßig, denn die ersten drei steinernen Treppen waren von der Kraft des Salzwassers bereits gänzlich abgetragen. Lange wartete ich auf einen Moment, in dem die stürmischen Wellen abklangen, doch er kam nicht. Viel eher wurden sie größer, je später es wurde. 

Als ich mich dennoch näherte passierte es plötzlich: Die Wellen deckten mich kniehoch in ihr kaltes nass ein. Angenehm. War aber nicht das erste Mal, dass ich das Unvorhersehbare des Ozeans in Portugal unterschätzte. Ich gestehe, ich traute mich letztlich nicht auf den Felsen. Stattdessen fuhr ich weiter durch den Regen und landete an diesem tollen Ort in Póvoa de Varzim.


Transparenzhinweis: Diese Geschichte fand Ende November/ Anfang Dezember 2023 statt und wurde auch da verfasst.

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Meine Quellen der Inspiration

Quellen der Inspiration sind so individuell wie wir Menschen selbst. Sie können uns in unerwarteten Momenten und durch unterschiedlichste Auslöser begegnen: Kunstwerke, inspirierende Menschen oder berührende Momente. Doch manchmal sind es auch die scheinbar negativen oder ungewöhnlichen Dinge, die uns zu kreativen Höhenflügen verhelfen können. Heute will ich mit euch ein paar meiner persönlichen Inspirationsquellen teilen, die auf den ersten Blick vielleicht banal erscheinen mögen, aber mich immer wieder aufs Neue antreiben.

Negative Inspiration: Schlechte Ausstellungen und Co.

Schlechte Ausstellungen. Die guten inspirieren mich natürlich auch. Aber eben auf einer ganz anderen Ebene. Während ich über die Guten schreiben will, will ich die Schlechten zu meinem Eigen machen und sie in meiner eigenen Art reproduzieren. Nachdem ich mir schlechte Ausstellungen reinziehe, bin ich meistens wütend und kann an nichts anderes mehr denken, bis ich mir eines der Exponate imitiert habe. Für mich ist das eine „Negativinspiration“, die Spaß macht und dabei eine intime und emotional geladene Erfahrung ist.

Madlen Romanowna: Stillleben 2024
Das war spaßig. Inspiriert wurde das von einem Gemälde von Nicolas Party. Der Künstler gab seinen Werken mehr Bedeutung, als es je angemessen sein würde. Als angehende Kunsthistorikerin (und Fan der Alten Meister) bekam ich zunächst ein nervöses Zucken im Auge und schließlich auch in den Fingern.

Menschen, die mir seelischen Schmerz zufügen. Der Klassiker. Manche Situationen erlebe ich so intensiv, dass ich mich danach tagelang in meiner Wohnung einsperren muss, um überhaupt verarbeiten zu können (ich bin neurotypisch btw). Mit ein bisschen Glück durchlebe ich dabei einen unendlichen Flow. Worte, Themen, Skizzen, Ideen sprudeln nur so aus mir heraus, machen dabei Sinn und werden auch noch zu etwas Größerem, als ursprünglich geplant. Im weitesten Sinne bin ich dankbar – ohne dieser Zwischenfälle wäre ich wahrscheinlich nicht so erfüllt. Immer wieder sage ich, dass es nicht darauf ankommt, wie heftig der emotionale Schmerz ist, der dir zugefügt wurde, oder wie groß das Problem ist, mit dem du klarkommen musst – viel wichtiger ist, wie du damit umgehst. Also versuch das Ganze in Inspiration umzuwandeln. Faustregel, die ich dabei allerdings aufstellen musste: Immer erst dann publizieren, wenn ich wieder abgekühlt bin. Nicht, dass avecMadlen wieder verboten wird.

Auch im Schönen suche ich die Inspiration

Menschen, die meine Energie spiegeln. Am liebsten bin ich zwar immer noch mit mir selbst, habe aber mit den Jahren gelernt, dass nicht alle Mitmenschen mich überfordern. Es gibt auch jene, mit denen ich Zeit verbringe und mich danach gut fühle. Manche Begegnungen gehen dabei so tief unter die Haut, dass sie in meinem Kopf Steine ins Rollen bringen. Je seltener das passiert, desto mehr wachse ich durch diese intensiven Begegnungen und es kommen Stücke wie etwa „Diese Liebe macht mich wahnsinnig“ zustande.

Die Natur – sie ist ein Teil von mir und ich bin ihre treue Dienerin. Geht es mir wegen Punkt 1 oder 2 schlecht, sperre ich mich erst ein bisschen in meiner Wohnung ein, mache mein Ding und traue mich später aus der Tür, um mir einen zweiten Inspirationsschub zu holen. Mein Kopf wird frei, wenn ich in einen Wald hinein starre. Wenn ich Gräser, Büsche, Blätter berühre und an Blumen rieche, komme ich sofort wieder zur Vernunft. Auch dann, wenn ich meine Hände in der Erde vergrabe, Samen säe, Äste schneide, gieße, grabe und Blätter sammle, fühle ich mich glücklich und inspiriert.

Quelle meiner Inspiration: Die Schwanheimer Düne. Hier komme ich her, um mich instand aufladen zu lassen.
Eine der Quellen meiner Inspiration: Die Schwanheimer Düne. Hier kam ich her, um mich instand aufzuladen. Seit ich wieder in Baden-Baden lebe, wurde die Düne von den Geroldsauer Wasserfällen abgelöst.

Herbst, depressive Verstimmungen und Romane

Der Herbst. Er ist eine Inspiration an sich. Das Wetter wird trüb und traurig, die Blätter färben sich gülden und depressive Verstimmungen kommen wie bestellt. Die Kombi aus Herbst und Verstimmung ist eh ein Unschlagbares Duo und daher oft auch inspirierend. Ich tendiere dazu, mich mit dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen und das Größere zu erkennen – auch dann, wenn es gar nicht da ist. Wie die meisten von euch aber wissen, können depressive Verstimmungen leicht in richtige Depressionen übergehen und dann geht bei mir leider gar nichts mehr. Aber ja, der Herbst ist super, um sich Denkanstöße zu holen.

Bücher. Selbsterklärend. Romane, biografische Sachbücher, Monographien zum Thema Kunst und Modezeitschriften am liebsten. Bei literarischen Meisterwerken am liebsten Kafka, Dostojewski und Erich Maria Remarque.

Psychischer Druck als Inspirationsquelle

Unter Druck entstehen Diamanten. Ich liebe den Druck, den meine Psyche an mir selbst übt. Es ist wie ein Sich-Selbst-Auffressen, das mich gleichzeitig beflügelt. Einen positiven Effekt hat Druck aber nur dann, wenn ich ihm gerecht werde und ihn gezielt dazu nutze, um über mich selbst hinaus zu wachsen. Sei es, um meine Emotionen unter Kontrolle zu nehmen und meine Gedanken zu strukturieren, oder um jene Emotionen in Texte oder andere kreative Tätigkeiten umzuwandeln. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Druck ich als Quelle der Inspiration verwende: Zeitdruck, Perfektionsdruck, Gelddruck, zu Hohe Erwartungen an mich selbst, Ungeduld – jede Art des Drucks inspiriert in irgendeiner Weise.

Zwei Extreme, die mich wahrscheinlich am meisten inspirieren

Industriebauwerke. Gott, ich HASSE Industriebauwerke. Sie machen mir Angst, sie widern mich an, sie sind das, was in meinen Augen direkt aus der Hölle kommt. Rohre, Rauch, massige Gebäudeteile, die das Landschaftsbild versauen, ekelhafte Wendetreppen und Leitern aus Metall sowie rot blinkende Warnlichter. Ich hasse es so sehr, dass es mich jedes Mal durchschüttelt, wenn ich davorstehe. Diese eigenartige Erfahrung inspiriert mich aber jedes Mal aufs Neue. Merkwürdig, oder? Ich weiß gar nicht, wo dieser Ekel herkommt, ein paar einschneidende Erfahrungen machte ich jedoch. Wenn ich bereit bin, sie zu teilen, lasse ich es euch wissen.

Meine geliebten Leser. Für mich ist jede Reaktion auf mein „pseudointellektuelles Geschreibsel“, wie einst ein Leser sagte, ein Geschenk. Ich liebe jedes Wort, das ihr mir schreibt, nachdem ihr mich gelesen habt. Ich könnte jedes Mal vor Glück weinen, wenn ihr mir mitteilt, dass ihr das Gleiche durchlebt habt, dass ihr meine Worte nachvollziehen könnt, oder dass ihr meine Geschichten witzig oder geil oder spannend fandet. Für meine Leser ALLES. Egal, von welchen Portalen, Zeitungen, Kanälen ihr mich auch lesen mögt – ihr seid die Besten und Geilsten. Hört niemals auf, mir eure Kommentare und Nachrichten zu schreiben, auch wenn ihr mich einfach nur kritisieren wollt und mir mitteilen wollt, dass ich wieder mal nur Scheiße publiziere. Ich lebe dafür, euch zu unterhalten, zu inspirieren und von euch inspiriert zu werden. Danke, dass es euch gibt.


Zum Beitragsbild: Das ist Nicolas Party’s, wie ich ihn gerne nenne, „Osthaufen“. Dieses Werk existiert nicht mehr, da es wieder von den Wänden des Museums Frieder Burda in Baden-Baden abgetragen wurde. Das Bild an sich gehörte zu den stärksten Arbeiten, die dort zu dem Zeitpunkt ausgestellt wurden. Die leuchtenden Farben mochte ich besonders. Doch die Bedeutungstiefe der Früchte, die als die menschliche Sexualität im Bezug auf Adam, Eva, Kain und Abel zu lesen war, fand ich etwas weit hergeholt. Aber so ist die Kunst der Gegenwart nun mal. Manchmal zumindest.

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