Die Informationen über das Leben dieses Kunstsammlers sind eher spärlich. Bekannt ist, dass Johann Valentin Prehn ein Konditor-Meister mit einer ausgeprägten Liebe für Kunst war. sind eher spärlich. Sein Handwerk lernte er von seinem Vater Zacharias Ludwig Prehn. 1776 heiratete er Margaretha Rosina Müller. Sein Geschäft befand sich an Zeil in Frankfurt, wo er aufgrund der hohen Qualität seiner Backwaren einen guten Ruf und lukrative Einnahmen genoss. Damit konnte er sich den luxuriösen Lebensstil leisten, eine umfangreiche Kunstsammlung zu besitzen, die heute zum Teil im Historischen Museum Frankfurt ausgestellt wird.
Johann Valentin Prehn: Konditormeister und Kunstsammler
Johann Valentin Prehn war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein talentierter Kunsthandwerker. Er stellte figürliche Tafelaufsätze her und kreierte sogar eine „allegorische Vorstellung“ zur Kaiserkrönung Franz II. in Frankfurt im Jahr 1792.
Die Kunstsammlung des Konditors umfasste alles von Kunstwerken bis hin zu Kuriositäten und einer Bibliothek. Dabei hob sich seine Sammlung durch die Bündelung von über 800 Miniaturgemälden in 32 Holzkästen hervor – eine derartige Kollektion dürfte es in Deutschland kein zweites Mal gegeben haben.
Luxuriöse Kunstsammlung: Cranach, Holbein und sogar Tizian
Die Sammlung enthielt Werke bekannter Künstler aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert wie Cranach, Holbein, Brueghel, Van Goyen, Tizian und andere. Ihr kennt ja meine Vorliebe für Cranach. Ich erblickte die Arbeiten in seinem Stil bereits von Weitem und wusste: hier gefällt es mir doch ganz gut. Einen Holbein sah ich in Frankfurt nicht, schließe aber gar nicht aus, dass ich ihn in meiner wilden Cranach-Ekstase hätte übersehen können. Besonders begeistert zeigte Prehn sich von Landschaftsgemälden, sakralen Historienbildern sowie Portraits und Genrestücken – also von der vollen Palette eigentlich.
Werkstatt CranachWerkstatt / Umkreis von Cranach
Das Leben des Konditors, der auch ein Kunstsammler war, und die Entstehung seiner Kunstsammlung sind bis heute größtenteils unerforscht. Es gibt keine schriftlichen Zeugnisse von Prehn selbst. Daher stützt sich das Wissen um seine Sammlung hauptsächlich auf einen gedruckten Katalog und ein Aquarell von Carl Morgenstern, die 1829 im Zuge der Versteigerung der Sammlung durch Prehns Sohn Ernst Friedrich Carl erstellt wurden.
Ihr glaubt nicht, welches Bild in der Kunstsammlung fehlt
Trotz der außergewöhnlichen Sammlung scheiterte eine Schenkung an das Städel’sche Kunstinstitut 1838. Die Stadt Frankfurt nahm die Sammlung jedoch im Jahr darauf an und überwies sie an die Stadtbibliothek, wo sie ab 1842 besichtigt werden konnte. Auf der Städel’schen Webseite heißt es wiederum: „Seit 1922 Dauerleihgabe des Historischen Museums Frankfurt am Main.“
Nun denn. Um welches Gemälde könnte es sich hier nur handeln? Ihr werdet es mir nicht glauben: Das Paradiesgärtlein (ca. 1410 – 1420) eines oberrheinischen Meisters. Ihr habt richtig gelesen. Die Beinahe-Hauptattracktion des Städels hing früher im Historischen Museum. Ich bin auch total schockiert über diese Information und werde der Sache noch auf den Grund gehen, wartet nur ab. Statt des Paradiesgärtleins hängt nun an der Stelle im Kunstkabinett nun ein Bild des Gemäldes. Da würde sich der Kunstsammler bestimmt freuen.
Das Paradiesgärtlein um 1410/20 hängt nun nicht mehr bei der restlichen Sammlung.
Rekonstruktion der Kunstsammlung
Im Jahr 1988 unternahmen die damaligen Kuratoren des Historischen Museums eine Rekonstruktion der Sammlung basierend auf dem Auktionskatalog von 1829 und arrangierten die Gemälde erneut in den originalen 32 Kästen. In dem Raum, in denen all die Miniaturen hängen, befindet sich ein Bildschirm mit Informationen zu allen ausgestellten Gemälden. Und auch noch ein grünes, in Stoff gebundenes Buch, von dem ich all diese Infos geklaut habe, ohne auch nur ansatzweise daran zu denken, den Autor dieses Buchs zu erwähnen. Schande über mich.
Quellen:
Naja, zum einen das grüne Buch da
und zum anderen: sammlung.staedelmuseum.de / „Das Paradiesgärtlein, ca. 1410 – 1420“
Die außergewöhnliche Kunst des 2022 verstorbenen Cartoonisten Andre Poloczek, besserbekannt als POLO, wird im Caricatura Museum in Frankfurt mit einer umfassenden Ausstellung gewürdigt. Die Ausstellung läuft vom 30. Mai bis zum 1. September 2024. Also bewegt lieber mal eure süßen kleinen Hintern, um noch einen Blick auf sie zu erhaschen. Denn diese Aussellung kann ich euch wärmstens empfehlen. Sie ist zum Lachen, sie ist zum Weinen, sie ist zum Nachdenken. Und sie ist eines der Gründe, warum das Caricatura Museum mein Lieblingsmuseum in FFM ist. Sie zeigt neben klassischen Cartoons auf Papier auch digitale Bildwitze, Malereien, Objekte und allerlei Spielereien.
Cartoonist Andre Poloczek alias POLO
Andre Poloczek alias POLO wurde in Wuppertal im Jahr 1959 geboren und zog später nach Haltern am See. Bereits als Schüler veröffentlichte er 1978 seine ersten Comics und Cartoons. Seine frühe Erfahrung beeinflusste seine künftige Karriere deutlich: Poloczek studierte Germanistik und Soziologie in Wuppertal und setzte seinen Fokus auf die absurden, alltäglichen Ereignisse der Gesellschaft.
Seine Karriere nahm Anfang der 1980er Jahre Fahrt auf. Neben seiner Arbeit als Fotograf schrieb er auch regelmäßig für die Westdeutsche Zeitung und die alternative Zeitung Wupper Nachrichten unter dem Pseudonym „Apo“. Dort erschuf er seine erste Cartoonfigur „Anton von de(r) Gathe“, die schnell sehr beliebt wurde.
Dann ging es mit Andre Poloczek Berg auf
Mitte der 1980er Jahre stellte POLO sein Talent bei ersten eigenen Ausstellungen unter Beweis. In den folgenden Jahren entwickelte sich sein Stil weiter, geprägt durch Comiczeichnenkurse bei namhaften Künstlern wie F.K. Waechter und F.W.Bernstein.
Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten: Im Jahr 2002 erhielt Andre Poloczek den Deutschen Karikaturenpreis in Silber. Seine Werke wurden in renommierten Zeitschriften veröffentlicht und erreichten ein breites Publikum. Von 2009 bis 2011 bildete er gemeinsam mit dem Satiriker und Grafiker Andreas Greve das Cartoon-Duo „Jünger und Schlanker“ und gewann hiermit den „Abräumer“-Sonderpreis des Deutschen Karikaturenpreises.
Zum Ende seiner Karriere engagierte sich POLO besonders für den künstlerischen Nachwuchs: Er leitete verschiedene Kurse im Bereich der Komischen Kunst und unterrichtete an der Junior Uni Wuppertal.
POLO im Caricatura Museum in Frankfurt
POLOs vielfältiges Werk, das von Cartoons über Malereien bis hin zu Illustrationen reicht, wird nun im Caricatura Museum in Frankfurt gewürdigt. Die Ausstellung zeigt nicht nur seine öffentlichen Arbeiten, sondern auch unveröffentlichte Skizzen, Montagen und Kinderbuch-Entwürfe. Persönliche Postkarten sowie extra für die Ausstellung angefertigte Zeichnungen runden die Schau ab.
Parallel zur Ausstellung erscheint ein Buch, das POLOs Schaffen als bedeutenden Vertreter der Komischen Kunst würdigt. Das Buch beinhaltet Texte von MC Graeff, Katharina Greve und Peter P. Neuhaus und ist im Lappan Verlag erhältlich. ISBN: 978-3-8303-3700-3. Wer es also in den wenigen Wochen nicht mehr schafft, das Caricatura zu besuchen, sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen. Es ist auch im Museumsshop erhältlich.
RECORD DATE NOT STATED Wanderer above the Sea of Fog, c. 1817. Creator: Friedrich, Caspar David 1774-1840. Copyright:xxFinexArtxImages/HeritagexImagesx / IMAGO ,2707261 ACHTUNG: AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright:xFinexArtxImages/HeritagexImagesx / IMAGO
Der Run auf Caspar David Friedrich hat der Alten Nationalgalerie in Berlin eine erfolgreiche Ausstellung beschert. Bis zum abschließenden Sonntag, 4. August, kamen nach Angaben des Museums knapp 298.000 Menschen. Die Sonderausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ lief seit April. Wegen des Andrangs auf die Werke des deutschen Romantikers Friedrich (1774–1840) waren die Öffnungszeiten mehrfach ausgeweitet worden.
Die Ausstellung zog viele Museumskollegen, Wissenschaftler und Caspar-David- Friedrich-Experten aus aller Welt an. Besucher reisten etwa aus den USA, Japan, Norwegen oder Italien an. Auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler wie Julie Mehretu, Leiko Ikemura, Thomas Demand und Mark Grotjahn seien vorbeigekommen. „Der Publikumserfolg belegt die bleibende Relevanz dieses bedeutenden Künstlers für die Gegenwart“, sagte Gleis.
Besucher vor der Alten Nationalgalerie: Alles will die Ausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ sehen. Copyright: Jens Kalaene/dpa
„Mönch am Meer“ und „Kreidefelsen auf Rügen“
In Hamburg hatte Friedrich zu Jahresbeginn rund 335.000 Menschen angelockt. Eine weitere Schau gibt es in Dresden. Die Berliner Ausstellung ist Teil einer Reihe thematisch eigenständiger Schauen: Zum Jubiläumsjahr in der Hamburger Kunsthalle, der Alten Nationalgalerie und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die drei Häuser haben die bedeutendsten Bestände an Werken Friedrichs weltweit.
In Hamburg ging es um den Maler in Bezug auf moderne Kunst. Berlin konzentrierte sich auf Arbeit und Wirken Friedrichs. In Dresden haben sich Albertinum und Kupferstich-Kabinett einen Blick auf „Wo alles begann“ vorgenommen.
Neben dem berühmten Bilderpaar „Mönch am Meer“ (1808-1810) und „Abtei im Eichwald“ (1809-1810) waren in Berlin so bekannte Werke wie „Das Eismeer“ (1823/24), „Kreidefelsen auf Rügen“ (1818/1819) oder „Lebensstufen“ (1834) zu sehen. Insgesamt wurden in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mehr als 60 Gemälde und 50 Zeichnungen aus dem In- und Ausland gezeigt.
Caspar David Friedrich, „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) Copyright: IMAGO / Heritage Images
Deutschen Romantiker dem US-Publikum näherbringen
Im kommenden Jahr leihen die beteiligten Häuser zudem Werke nach New York aus, wo das Metropolitan Museum von Februar bis Mai 2025 den deutschen Romantiker Friedrich dem US-amerikanischen Publikum näherbringen will. (dpa/mad)
BILD zu OTS - Alexej von Jawlensky (1864–1941), Mädchen mit grüner Stola, 1909/10, Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Ach du törichtes Tülpchen, es ist mal wieder so weit: Endlich schreibe ich wieder über Expressionismus, Jawlensky, Kandinsky, Kirchner, Modersohn-Becker, Münter und andere. Diese sollen nun nämlich in einen „imaginären Dialog“ mit österreichischen Expressionisten treten, heißt es in einer Pressemitteilung der Privatstiftung Leopold Museum.
Anhand von 17 Meisterwerken aus Privatsammlungen und der Sammlung Leopold, unter anderem Gabriele Münter, Wassily Kandinsky oder Ernst Ludwig Kirchner, zeigt das Leopold Museum eine erlesene Auswahl an Gemälden des Deutschen Expressionismus. Juhu! Und wer ist jetzt gerade vor Ort, um sich das ganze reinzuziehen? Richtig! Nicht ich, sondern meine Mutter. Noice.
Deutscher Expressionismus in Wien
Die aktuelle Fokuspräsentation „Deutscher Expressionismus“ im Rahmen der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ ermöglicht einen Einblick in die unterschiedlichen Ausprägungen expressionistischen deutschen Kunstschaffens. Zu sehen sind die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
17 hochkarätige Werke von Lovis Corinth, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, haha „deutscher Expressionismus“ – if you know it, you know itPaula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und August Macke begegnen einander in der permanenten Präsentation. Im Leopold Museum findet dies erstmals in dieser fokussierten Form statt. Erinnert uns das mutmaßlich an die Ekstase der Farben beim Blauen Reiter im Münchner Lenbachhaus? Durchaus, durchaus.
Alexej von Jawlensky (1864–1941), „Mädchen mit grüner Stola“ (1909/10). Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Das macht diese farbenfrohe Kunstrichtung aus
Der Deutsche Expressionismus zeichnet sich durch die expressive Reduktion der Malmittel und eine radikale Vereinfachung von Form und Farbe aus. Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und regionaler Volkskunst vervollständigen das Bild einer überaus facettenreichen Kunstrichtung. Diese wird durch die Verbindung mit der französischen Avantgarde wie den Nabis und den Fauvisten sowie eigenständige Positionen wie die Paula Modersohn-Beckers abgerundet.
Deutsche wie österreichische Expressionisten hinterfragten und erweiterten den Schönheitsbegriff radikal. Vereint unter einem Dach treten beide Strömungen in dieser Fokus-Schau in einen imaginären Dialog.
Was hat Expressionismus mit wirtschaftlichem Fortschritt zu tun?
Der Begriff Expressionismus wurde in Deutschland erstmals 1911 im Vorwort des Kataloges zur 22. Ausstellung der Berliner Secession in Zusammenhang mit den Werken junger französischer Künstler verwendet.
Der Deutsche Expressionismus wurzelt u.a. in den negativen Begleiterscheinungen des rasanten wirtschaftlichen Fortschritts der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die Schattenseiten der Industrialisierung führten unweigerlich zu sozialen Konflikten. Mit der zunehmenden Entfremdung von Natur und Spiritualität entstand eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Innerlichkeit und freiem Ausdruck. Diese bildete im wilhelminischen Kaiserreich den Nährboden für den Expressionismus.
Die expressionistische Kunst umfasste radikale künstlerische Reaktionen auf den Impressionismus und auf konservative akademische Traditionen. Die Expressionisten nahmen hinsichtlich eines freien Umgangs mit Farbe und Form Anleihen beim Schaffen der französischen Künstlergruppe Nabis („Propheten“), bei den Fauves („Wilde“) um Henri Matisse sowie beim Norweger Edvard Munch. Ebenso bezogen sie Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und aus der regionalen Volkskunst, etwa der Hinterglasmalerei.
Hier haben wir einen super frühen Henri Matisse: „Servierter Tisch“(1897), Öl auf Leinwand. Dieses Exemplar wird nicht im Leopold Museum zu sehen sein.
Wiener Leopold Museum: Schwerpunkte der Ausstellung
Die Präsentation Deutscher Expressionismus zeigt ausgewählte Beispiele aus dem Schaffen der Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke, die sich ab 1905 um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel; Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff formierte. Die Künstler rebellierten gegen den Impressionismus und die Wiedergabe der Außenwelt nach tradierten Regeln. Als Teil einer naturbezogenen Lebensreform sollte Kunst „Freiheit verschaffen“, die „unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was […] zum Schaffen drängt“ (Kirchner, 1906).
Die Malerinnen und Maler im Umkreis des Münchner Almanachs Der Blaue Reiter*engelsgesang* begaben sich auf die Suche nach einer neuen Innerlichkeit in der Kunst. Ihre Werke zeichnen sich durch klare Konturen aus, die bisweilen intensive Farbigkeit löste sich zunehmend vom Gegenstand. Die im Leopold Museum ausgestellten Exponate sollen ein eine Hinwendung vom Impressionismus zum Expressionismus nachvollziehbar machen.
Gabriele Münter von der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“: In der Erdbeerzeit (1919). Wer dieses Werk jedoch in Wien sucht, wird leider nicht fündig. Es gehört nämlich zu der fantastischsten Ausstellung der Welt im Münchner Lenbachhaus.
Expressionismus in Deutschland und Österreich
Durch die im Leopold Museum gegebene räumliche Nähe zu den Werken österreichischer Ausdruckskunst – von Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer bis zu Anton Kolig, Anton Faistauer und Herbert Boeckl – ermöglicht die Fokusausstellung zum Deutschen Expressionismus nun einen besonders guten Vergleich der länderspezifischen Ausprägungen expressionistischer Strömungen.
Zu den Höhepunkten der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ zählt neben der Kunstproduktion in Wien um 1900 insbesondere die Kunst des österreichischen Expressionismus. Das Museum zeigt auch die weltgrößten Sammlungen von Werken des Expressionismus-Vorreiters Richard Gerstl und von Egon Schiele – einem der wichtigsten österreichischen Protagonisten der Kunstrichtung. Darüber hinaus besitzt das Leopold Museum einige bedeutende Werke des deutschen Impressionismus und Expressionismus, unter anderem von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Beckmann oder Ernst Ludwig Kirchner. Ein Besuch lohnt sich also auch außerhalb aller Sonderausstellungen.
Quelle: presseportal.de: Pressemitteilung des Leopold Museums
Mit der Art Basel verbinden mich besondere Emotionen und Erinnerungen. Bereits im Kindesalter liebte ich es, die Schweizer Kunstmesse zu besuchen und mir dort die Füße wund zu laufen. Da die Art Basel seit 2002 auch in Miami Beach stattfindet und seit 2013 auch noch in Hongkong, will ich an dieser Stelle verdeutlichen, dass ich auf der Art Basel in Basel war. Auf diesen Moment wartete ich schon lange. Nur kam ich in den letzten Jahren nie dazu, diese gigantische Ausstellung zu besuchen. Nun war es aber soweit: Ich hatte 3,5 Stunden zeit und 100 Prozent Bock.
Gemälde, Drucke und Co. – ich habe den leisen Verdacht, dass ich Farbe mag:
André DerainAndré Derain: Paisage de neige à Chatou (1904-05)Paula Rego: Girl with Sunglasses and Vegetables (1985)Pablo Picasso: Femme dans un fauteuil Li Songsong: I’m smiling (2021)Jörg Immendorff: beben/heben (1983)beben/heben (Fragment)Ein Künstler, dessen Namen ich nicht lesen kann, weil meine Handykamera scheiße ist (Fragment)Srijon Chowdhury: Birth (2024)Christine Tien Wang: Capitalism Cat (2024)Robert Colescott: Lydia, Life, Death and Transfiguration (1967)Liza Lou: Rising Action (2024). Alles Glasperlen, liebe Freunde.Thomás Saraceno: Cirrus unicus parvus nacreous (2024)Peter Schoolwerth: FlashForward: The Best Day of Your Life (2023) keine Ahnung, was das ist, aber ich lieb’sHannah Quinlan & Rosie Hastings: Hier Ist’s Richtig! (2024)
Mein erster Eindruck: Gut, aber nicht ergreifend
Ich habe bei Weitem nicht alles gesehen. Doch die Ausgestellten Exponate der Galeristen (im Erdgeschoss des Hauptgebäudes) habe ich mir als erstes reinziehen können. Zu meinen persönlichen Favoriten gehörten (natürlich) Werke von Alexej Jawlensky und Wassily Kandinsky. Da bekam ich kurz Herzklopfen. Die Werke standen zum Verkauf. Ähnliche sah ich bei der unvergesslichen „Blauer Reiter“ Ausstellung im Lenbachhaus München. Des Weiteren gab es mehrere Skulpturen zeitgenössischer Künstler, die mich nachhaltig beeindruckt haben.
Kandinsky: Murnau mit Kirche II (1910)Jawlensky: Abstrakter Kopf: Inneres Schauen (1927)
Dann gab es noch die andere Seite. Sehr Vieles, was ich im Erdgeschoss sah, fand ich recht ausgelutscht. Mir hat es etwas an Kreativität und Experiment mit Material und Farbe gefehlt. Für Verhältnisse der Art Basel, und wie ich sie immer in Erinnerung hatte, war es für mich persönlich nicht ergreifend genug – zumindest dieses Jahr und dieses Fragment, das ich mir angesehen hatte. Wir erinnern uns an die Art Karlsruhe, die mich ja völlig aus den Socken gescheppert hat. Noch mal: In Basel hatte ich nicht die Zeit, um mir alles anzusehen. Aber ich erinnere mich, wie die Art Basel vor vielen Jahren meine Welt erschüttert hatte. Und das nicht ein Mal. Doch dann…
Mein zweiter Eindruck von der Basel Art 2024
…dann betrat ich das Obere Geschoss des Hauptgebäudes. Und bekam das, wonach ich mich die Stunden zuvor so gesehnt hatte. Im Schnelldurchlauf raste ich durch die Hallen und konsumierte diese wunderbare Kunst mit einer Gier, die sich bereits angestaut hatte. Bei Kunstmessen, finde ich zumindest, ist es immer eine Art (höhö) Konsum der Kunst, weniger ein Genuss. Naja Genuss natürlich auch, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es ist die Masse an Exponaten, die ein Individuum überwältigt und am Ende ist man nur noch dabei, die ausgestellte Kunst zu „bingen“. Tatsache: Die obere Etage des Hauptgebäudes war absolut fantastisch und ich hätte mich gleich nach oben begeben sollen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.
Kommen wir mal zu den Skulpturen und Plastiken (EG und OG gemischt):
Grayson Perry: Rumpleforeskin (2005)John ChamberlainDiese Lady ist, ich nehme stark an, 3D-gedruckt.Richtig gesehen: Im Hintergrund hängt ein Gerhard Richter.Elmgreen & Dragset: Did I grow? (2024), Marmor, Leute!Thomas Schütte: Old Friend Revisited (2021)Keine BeschriftungAuch hier keine BeschriftungDie haben mir richtig gut gefallen. Keine Angaben zum Künstler.Jean-Michel Othoniel (kp, wie die Werke heißen). Entstanden zwischen 2023 und 2024.Ich, wenn ich meinen Husten dramatisiere. Spaß. Keine Beschriftung vor Ort.
Oh Gott, da gab es noch diese riesige, angeschimmelte Wassermelone aus Halbedelsteinen. Liebe auf den ersten Blick und definitiv mein absoluter Favorit auf der Messe. Trotz Beschaffenheit, den imitierten Schimmelflecken und der Größe dieses Kunstwerks habe ich immer noch das Bedrängnis dazu, da reinzubeißen. Es war ein beeindruckendes Spiel mit Format, Material und Thematik. Ich meine, wer will schon aus Schimmel Kunst machen? Sowohl extrem anziehend als auch abstoßend – ich war zutiefst begeistert. Die verwendeten Materialien in diesem Werk: Kirschquarz, Rosenquarz, Achat, rosa Opal, Amazonit, Türkis, Aventurin, Aquamarin, Magnesit, Karneol, Rhodochrosit, Rhyolith, Rhodonit, Quarz, Druzy-Achat, Calcit Citrin, Prehnit, Labradorit, Jaspis, Serpentin, Tigerauge, Acryl, Glas, Gusseisenfliegen, Messingfliegen, Stahlstifte auf beschichtetem Polystyrol, Fiat 850 Sport Spider-Verdeck.
Kathleen Ryan: Bad Melon (2024) – Maße: 120,65 x 128,27 x 95,25 cmRückseite
Highlights von der Art Basel Unlimited
Auch die Unlimited-Halle habe ich besucht. Hier wurden hauptsächlich großformatige Installationen gezeigt. Sehr lange stand ich vor einem Bildschirm, der ein Fantasieszenario aus der Zukunft über die Entstehung (oder den Untergang) des Lebens auf der Erde zeigte. Dieses Stück visueller Kunst faszinierte mich. Die Animation war unglaublich, das Thema war deep, der Film war extrem lang und extrem fantasievoll. Ein Genuss. Davor waren viele begeisterte Besucher versammelt – nicht nur wir. Lu Yangs „DOKU, The Flow“ war definitiv eines der Highlights von der Art Basel.
Lu Yang: DOKU, The Flow 2024.Bitte das Mensch-Kunstwerk-Größenverhältnis beachten.
Ein weiteres herausragenderes Werk war der Käfig aus Glasperlen. Das Ding verdrehte mir den Verstand. Auch dieses fand ich in der Unlimited-Halle und bestaunte es mit offenem Munde. Es hat nämlich sehr schön gefunkelt und allein dieser Kontrast zwischen den glitzernden Glasperlen und dem Stacheldraht mit Drahtgitter zog mich sehr an.
Meine Mutter vor: Security Fence von Liza Lou (2005)DetailaufnahmeGeiles Teil.
Trotz meines ersten Eindrucks mit den „ausgelutschten“, aber nicht üblen Kunstwerken im Erdgeschoss, muss ich sagen, dass die Art Basel im Terminkalender aller Kunstliebhaber niemals fehlen darf. NIEMALS.
Das sind weitere Highlights von der Kunstmesse, die mich fasziniert haben:
David Claerbout: Birdcage (2023), Videoprojektion mit Zoom inMire Lee: The Liars (2021)So Ketten und Latexzeug faszinieren mich immer. Könnte das stundenlang betrachten.Nick Cave: Tondo (2023), hier handelt es sich um bunte Stahldrähte.Peter Zimmermann ticket to (2023), Kunstharz auf Leinwand.Jim Lambie: Sun NecklaceSun Necklace: Fragment
Ein paar kurze Fakten zur Art Basel
Kommen wir zu ein paar spannenden Fakten über die Art Basel: Die weltbekannte Kunstmesse setzt sich als führende Plattform für Galerien durch, um ihre Werke Kunstkennern, Museumsdirektoren und Kuratoren vorzustellen und zu verkaufen. Die Messe wurde 1968 von den Galeristen und Kunsthändlern Trudl Bruckner, Balz Hilt und Ernst Beyeler ins Leben gerufen und hat seitdem stetig an Bedeutung gewonnen.
In der ersten Ausgabe der Messe im Juni 1970 in Basel präsentierten 90 Galerien und 30 Verleger aus zehn verschiedenen Ländern ihre Werke. Dieses Debüt lockte 16.300 Besucher an. 2024 stellten 285 Galerien aus 40 Ländern ihre Arbeiten aus, darunter Werke von über 4.000 Künstlern aus fünf Kontinenten. Laut Angaben der Basler Zeitung besuchten dieses Jahr 91.000 Menschen die Art Basel.
Gruß……und Kuss von der Art Basel
Zum Artikelbild: Sehet, staunet, beneidet – ja, das ist meine Mutter, die auf der diesjährigen Art Basel eine eher merkwürdige Installation begutachtet. Um das ausgestellte Holzhäuschen herum war ein Feuer aus Neonlampen und innen saß die lebensgroße Puppe eines Opas am Tisch. Mit einem Messer in der Hand. Wirklich sehr suspekt. Hierbei handelte es sich um das Kunstwerk „Hell Hole“ von Alex Da Corte.
Das Caricatura Museum in Frankfurt – ein Haus der Künste, das ich immer und immer wieder besuchen könnte. Am 12. Mai endete dort die mehrfach verlängerte Ausstellung „Ach was. Loriot zum Hundertsten“, die ich mir gerne reingezogen hatte – zwei Mal. Und wir wissen ja, was es heißt, wenn ich zwei Mal in dieselbe Sonderausstellung gehe. Das Caricatura zeigte Loriots Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme und Fotografien sowie Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe und Ausschnitte aus Fernseh- und Kinofilmen. Mir hat es sehr gut gefallen.
Spielkarten, 1973Raketen für Jedermann 2, 1960Umgang mit Bären 4, 1962
Durch diese Ausstellung ehrte das Caricatura den bemerkenswerten Humoristen Loriot, auch bekannt als Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, anlässlich seines 100. Geburtstags. Mit seinem einzigartigen Blick auf die Absurditäten und Grotesken des bürgerlichen Lebens, seinem beispiellosen Umgang mit der deutschen Sprache und seinen berühmten „Knollennasenmännchen“ beeinflusste Loriot jahrzehntelang als Humorspezialist das Medienbild.
Der Künstler Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. Mit seiner humorvollen Kunst hat er das deutsche Kulturleben nachhaltig geprägt.
Das ist der gute Mann: Vicco von Bülow alias Loriot. Copyright: IMAGO / M&K
Insgesamt präsentierte die umfangreiche Loriot-Ausstellung 705 Objekte. Neben bekannten Werken wie den legendären Herren im Bad zeigt die chronologische Ausstellung auch Raritäten. So waren unter anderem Porträtzeichnungen des damals 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg sowie frühe Werbegrafiken zu sehen.
Sequenzen aus „Herren im Bad“Kann ich derzeit nicht zuordnen und bin offen für Hinweise in den Kommentaren.
Kleiner Ausschnitt aus „Herren im Bad“
Das Caricatura Museum in Frankfurt am Main
Das Museum für Komische Kunst ist bekannt für seine Ausstellungen satirischer und humorvoller Kunst. Mit beeindruckenden Ausstellung von Texten, Zeichnungen und Plastiken sowie zahlreichen zeitgenössischen Werken hat es sich das Caricatura Museum als ein Eckpfeiler der komischen Kunstszene etabliert.
Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.
Das Caricatura Museum öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.
Zum Staunen geht man im Liebighaus in den Keller. Das ist mitunter eines der Erkenntnisse, die ich im Jahr 2024 gewinnen konnte. Als mich meine Mama in Frankfurt besuchte, gingen wir ins Liebighaus, um uns die dortige Skulpturensammlung anzusehen. Von ihr blieb ich größtenteils unbeeindruckt, weil das Neue und das Alte Musem Berlin mich für andere Museen versaut haben. Doch im Untergeschoss des Frankfurter Kunsthauses fand ich Schätze, die ich in der Form noch nie zuvor gesehen hatte – zumindest nicht in diesem Ausmaße.
Denn dort befindet sich die Elfenbeinsammlung von Reiner Winkler (1925–2020). Der Sammler schuf eine ganze Kollektion an Elfenbeinskulpturen mit dem Schwerpunkt Barock. Winkler baute seine Sammlung seit 1962 kontinuierlich auf. Im Laufe seiner Sammeltätigkeiten entwickelte er einen spezifischen Geschmack und konzentrierte sich schließlich voll und ganz auf Elfenbeinskulpturen des 17. und 18., in geringem Umfang auch des frühen 19. Jahrhunderts.
Wie soll ich danach denn jemals wieder auf mein Leben klarkommen? Das ist die Kreuzabnahme Christi aus Süddeutschland, möglicherweise Augsburg, 17. JH. (Fragment. Gesamtwerk im Titelbild.)
Elfenbeinsammlung im Liebighaus Frankfurt
Winkler war der Liebighaus Skulpturensammlung zu Lebzeiten eng verbunden. Mehrfach stellte er dem Museum Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung. Ebendort hat seine Sammlung nun „ihre neue und endgültige Heimat“ gefunden und bleibt somit „als ,Gesamtkunstwerk‘ erhalten“, wie es sich Reiner Winkler ausdrücklich wünschte. Die Exponate sind merkbar erlesen und an Einzigartigkeit kaum zu überbieten. Aus dem Staunen kam ich also gar nicht heraus.
Seit 2019 waren schon zahlreiche Meisterwerke bekannter Bildschnitzer im Liebighaus unter dem Ausstellungstitel „White Wedding zu sehen. Mit der Folgeausstellung „Splendid White“ (2022) wurde die Elfenbein-Sammlung Reiner Winklers im Liebieghaus vervollständigt und ist nun als Dauerausstellung zu sehen. Der Eintritt kostet regulär 8 Euro.
Süddeutschland, wahrscheinlich Augsburg, aus dem 17. JH: Darstellung der acht Haupttugenden. Sieh dir hier Mal diesen Schmuck an und stell dir vor, dass jede einzelne Figur dabei kaum größer ist, als dein kleiner Finger. Ich liebe es einfach. Die Materialmischung ist so wild und so unnötig prunkvoll.
Wie wurde mit Elfenbein gearbeitet?
Es ist die Frage nach dem wie, die immer wieder aufkam, während wir uns die Elfenbein-Sammlung im Liebighaus ansahen. Wie konnte das „weiße Gold“ so bearbeitet werden, dass die Figuren auf den Reliefplatten derart filigran und winzig waren? Hierfür blicken wir kurz in die Geschichte zurück:
Süditalien/Sizilien, 18. JH: Sturz der abtrünnigen EngelMuttern ließ dieses Exponat recht kalt, doch ich war kurz davor, die Scheibe anzulecken, so geil wie ich es fand…
Bereits in der Altsteinzeit schätzten Menschen Elfenbein als besonders kostbares Material, weil es Holz und andere Rohstoffe beachtlich überdauerte. Um Elfenbein zu schnitzen, benutzten unsere Vorfahren Werkzeuge wie Klingen, Bohrer und spitze Stifte aus Feuerstein. Das wissen wir anhand der Spuren auf zahlreichen Artefakten dieses Zeitalters. Irgendwann wechselten die Elfenbeinschnitzer zu Metallwerkzeugen, die deutlich effektiver waren. Trotz dieser Weiterentwicklung bei Werkzeugen blieb die Kunst des Elfenbeinschnitzens über Tausende von Jahren erstaunlich konstant.
Elfenbein: Lag der hohe Grad der Ästhetik am Werkzeug? Nö!
Die handwerklichen Fertigkeiten und das kreative Geschick der Schnitzer prägten diese Kunstform in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte. Selbst die Erfindung von Maschinen veränderte die Grundlagen des Handwerks kaum, eröffnete aber neue Gestaltungsmöglichkeiten. So ermöglichten etwa Drehbänke das Drechseln von Elfenbein und die Herstellung von sogenannten Wunderkugeln. Hierbei handelt es sich um kunstvolle Kugeln mit ineinander verschachtelten Verzierungen, die aus einem einzigen Stück Elfenbein gefertigt wurden.
Im 17. Jahrhundert erreichte die Elfenbeinschnitzerei in Europa einen künstlerischen Höhepunkt. Im Barock verzichtete man im Gegensatz zum farbenfrohen Mittelalter auf zusätzliche Bemalung, um den natürlichen, warmen Farbton des Elfenbeins wirken zu lassen. Künstler schufen in diesem Jahrhundert vermehrt Skulpturen, Reliefs und prunkvolle Gefäße mit eingearbeiteten Metallelementen.
Johann Ulrich Hurter: Deckelhumpen mit Triton und Nereiden, um 1700Süddeutschland, 17.JH: Minerva führt die Bildhauerei und Malerei den sieben freien Künsten zu & Darstellung der acht Haupttugenden…wild alterJean-Antonie Belleteste (1731-1811): Verkündigung an MariaJean-Antonie Belleteste (1731-1811): Marias HeimsuchungDer Gähnende (nach Franz Xaver), 19. JHDas ist das Werk vom Titelbild: Die Kreuzabnahme Christi
Die Elfenbeinkunst erlebte mit den prächtigen Werken im Stil der Chryselephantin, einer Kombination aus Gold (oft durch vergoldete Bronze ersetzt) und Elfenbein, während des Jugendstils und Art déco eine letzte Blüte.
Die folgenden Exponate haben nicht das Geringste mit Elfenbein zu tun, außer dass sich mit der Reiner-Winkler-Sammlung zusammen ein Dach teilen. Es sind meine persönlichen Mega-Highlights aus Marmor, Bronze (teilvergoldet) sowie auch Holz:
Johann Heinrich von Dannecker – Adriane auf dem Panther (1803-1814)François Duquesnoy (1597-1643) – Marienbüste und ChristusbüsteNiederbayern um 1440-1450 – MuttergottesChristuskinder aus Deutschland – 16. JH… und natürlich meine Lieblingsthematik: Der Kopf des Täufers
Letzter Tag „Venezia 500“ – auf nach München, muchachos! Die Alte Pinakothek präsentierte diese beeindruckende Ausstellung, die sich den revolutionären Entwicklungen in der venezianischen Renaissance-Malerei widmete. Mit einem Fokus auf Porträts und Landschaften aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wurde die Wirkung dieser spezifischen Kunstform auf die europäische Kunstgeschichte deutlich.
Palma il Vecchio: Maria mit Kind und den hl. Ruchus und Lucia | Hier sieht man nicht nur dir schöne Symbiose aus Figuren und Landschaft, sondern auch monumentale Architektur. Diese Kombi gab es damals nur in Venedig.
Blühende Kunst aus Venedig – in München
Die Ausstellung zeigte 15 Meisterwerke aus der Münchner Sammlung und etwa 70 internationale Leihgaben. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den charakteristischen Merkmalen und Errungenschaften der damals in Venedig blühenden Malkunst. Die führenden Meister dieser Zeit zeichneten sich durch ihr tiefes Verständnis für das Wesen von Mensch und Natur aus. Sie verstanden es, beide Aspekte auch in Bezug zueinander darzustellen und erreichten dabei eine bisher unbekannte Intensität.
Die Gemälde wurden in der Ausstellung hinsichtlich ihres Entstehungszusammenhangs sowie ihrer zeitgenössischen Interpretationsweisen beleuchtet. Dabei erfolgte eine thematische Gliederung, aber auch Kontraste durch Gegenüberstellungen mit Zeichnungen und Skulpturen.
Lorenzo Lotto: Bildnis eines jungen Mannes, circa 1509/10Giovanni Bellini: Bildnis eines jungen Senators, um 1480/1500Antonio Rizzo: Bildnis des Dogen Cristoforo Moro, circa 1462/64Giovanni Bellini: Maria mit Kind in einer Landschaft, circa 1508Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506Tizian: Junge Frau bei der Toilette, circa 1515Bernardino Licinio: Das Konzert 1518/20Tizian: Bildnis der Isabella von Portugal, 1548
Venezianische Kunst: Giovanni Bellini auch dabei
Einige meiner Lieblingswerke waren dabei. So zum Beispiel eine Sacra Conversazione von Giovanni Bellini, die ich bereits im Kindesalter in einem meiner Bücher entdeckt hatte. Mir blieb das Gemälde all die Jahre in Erinnerung, weil die Proportionen des Kindes so absonderlich waren. Der viel zu kleine Kopf rief bei mir bereits bei erstem Betrachten damals Unbehagen hervor. Doch dadurch, dass ich es mir so oft ansah, habe ich zu diesem Bild eine besondere Verbindung. Es war schon später an der Uni emotional, dieses Gemälde auf dem Abbild des Beamers zu begutachten, als ich ein Seminar zu den Bellinis belegte. Das Brettchen live und in Farbe zu sehen, war natürlich anders wild und rief in mir besonders heftige Gefühle hervor.
Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und einer Heiligen, 1500-1505
Hätte ich ich mir von „Venezia 500“ mehr Bellinis erhofft, als tatsächlich da waren? Ja, hätte ich. Aber da spricht aus mir definitiv auch die Bellini-Fanatikerin. Für einen Einblick in die venezianische Kunst der Renaissance war die Ausstellung in der Alten Pinakothek absolut meisterhaft. Es gab von allem etwas und die Einblicke waren sowohl für Laien als auch für diejenigen, die dieser Kunst verfallen sind, tief und lehrreich.
„Venezia 500“ in der Alten Pinakothek: Ausgestellte Künstler
Zu den ausgestellten Künstlern gehören neben Giovanni Bellini auch Giorgione, Palma Vecchio, Lorenzo Lotto sowie Tizian und Tintoretto. Ihre Darstellungen individueller Persönlichkeiten wechseln zwischen realistischem Bildnis, Idealbildnis (ein idealisiertes Porträt), repräsentativem Porträt (das Macht und Status darstellt) und lyrischem Porträt (das eher Gefühle und Stimmungen einfängt).
Ihr Talent für atmosphärische Landschaftsmalerei hat dieses Genre als eigenständiges Bildthema etabliert. Die Ausstellung „Venezia 500“ bot einen faszinierenden Einblick in diese außergewöhnliche Periode des künstlerischen Wandels. Wer sie verpasst hat, könnte in der Alten Pinakothek aber dennoch auf seine Kosten kommen. Immerhin gehören mindestens 15 hauseigene Werke der venezianischen Kunst in der Renaissance an und können in der Dauerausstellung besichtigt werden. Wer sich in München aber regelrecht die Birne wegkatapultieren lassen will, besucht am besten diese geile Ausstellung, die allerdings nicht das Geringste mit Venedig oder Renaissance zu tun hat.
„Der Blaue Reiter“ zerfickte meine Vorstellungen von Gut und Böse. Mit anderen Worten: Ich war nicht vorbereitet auf das, was auf mich im Münchner Lenbachhaus warten würde. Noch immer brennt mir der Vibrant der Farben in den Augen und ich sehne mich nach der Ausstellung schon fast, wie nach einem Schuss Heroin. Es war die beste Kunstausstellung meines Lebens. Glaub ich zumindest. Schon als ich den ersten Raum betrat, spürte ich deutlich mein schönes Russland in der Luft. Mich begrüßte Kandinskys frühe Phase – russische Landschaften und das einfache Leben in der heiligen Rus‘.
Wassily Kandinsky (1866-1944) Zubrovsky Platz (1916), Öl auf Leinwand auf Karton.
„Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus München
Das Lenbachhaus in München ist, eigenen Angaben nach, Besitzer der weltweit größten Sammlung an Kunstwerken der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. Als eine der bedeutendsten Gruppen der modernen Kunst, prägte sie eine abstrakte Formensprache. Ihr zugehörig waren fantastische Künstler wie Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Franz Marc, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin. Ihr gemeinsamer Glaube an die „geistige“ Dimension der Kunst schuf vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. Die Theorie mit der Spiritualität im Bild habe ich (noch) nicht aufgreifen können, sie zu spüren bekam ich aber deutlich. Von der Kunst dieser Genies wurde ein Teil meiner Seele berührt, der sich schon lange nicht mehr regte.
Die Ausstellung führt ihre Besucher vom Entstehen erster Ölstudien Kandinskys und Münters über Murnauer Landschaftsbilder bis hin zu farbenprächtigen Gemälden wie „Blaues Pferd I“ und „Der Tiger“ von Franz Marc. Die erste Schau des Blauen Reiter fand im Winter 1911 in der Münchner Galerie Thannhauser statt. Dabei traten auch neue Künstlerfreunde wie August Macke und Heinrich Campendonk ins Rampenlicht. Natürlich durften auch sie nicht bei der Ausstellung im Lenbachhaus fehlen. Macke bescherte mir mit seinen Darstellungen Gänsehaut am ganzen Körper. Vor Kandinsky musste ich weinen – ich hatte nie einen Bezug zu seiner Kunst aber seit dem Tag im Lenbachhaus denke ich an nichts anderes mehr.
Franz Marc: Das Äffchen, 1912Kandinsky: Orientalisches, 1909Gabriele Münter: Äpfel und Narzissen, 1909Christian Schad: Operation, 1929Josef Scharl: Drei Korporierte (Larven), 1925Gabriele Münter: Sinnende, 1917Kandinsky: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Summer), 1914Gabriele Münter: In der Erdbeerzeit – 1919
Kandinsky in die Fresse: Ich will noch ’ne Runde!
Besondere Höhepunkte waren die separaten Räume für die berühmten Riesengemälde Kandinskys. So viel Kandinsky-in-die-Fresse habe ich noch nie erlebt und hätte auch nie gedacht, dass er so süchtig machen könnte. Ich durchlebte alle Stadien der Emotionalität und musste am Ende feststellen, dass ich nun wahrscheinlich sein allegrößter Fan bin. Die Ausstellung im Lenbachhaus war mit der Ausstellung des „Blauen Reiters“ in Basel damals (oder?) bei Gott nicht zu vergleichen. Sie war mit nichts zu vergleichen. Nicht einmal mit der „Plastic World“, die ich in der Schirn zwei Mal besuchen musste, weil es mir so sehr gefiel. Obwohl die intensität des Farbenspiels dort ein entfernt ähnliches war.
Ein weiteres Kabinett im Lenbachhaus zeigte exklusive Arbeiten von Alexej von Jawlensky aus verschiedenen Schaffensphasen. Darunter befanden sich selten gezeigte Gemälde wie „Der Bucklige“ und „Sitzender Akt“. In weiteren Räumen mischten sich Jugendstilwerke mit Kandinskys Frühwerk sowie Kunstwerken von Gabriele Münter, August Macke, Franz Marc und Heinrich und Ada Campendonk.
Franz Marc: Blaues Pferd I, 1911Wassily Kandinsky, my loveWilly Jaeckel: Dame mit Zigarette, 1925Paul Klee: Rausch, 1939
„Der Blaue Reiter“: Jeder Raum mit Bedacht gewählt
In einem weiteren Abschnitt sind bekannte Werke wie „Der Tiger“ von Franz Marc oder August Mackes „Hutladen“ und „Türkisches Café“ zu sehen. Der große Oberlichtsaal präsentiert ausgewählte Arbeiten aus dem Nachexpressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Diese zwischen 1918 und den 1940er-Jahren entstandenen Werke deutscher und internationaler Künstler spiegeln eindrucksvoll die außergewöhnliche Vielfalt dieser Epoche wider.
Um es auf den Punkt zu bringen: Jeder Raum in der Lenbachhaus-Ausstellung „Der Blaue Reiter“ eröffnet ein neues Portal in eine Welt des Schönen und Wunderbaren – der außergewöhnlichen Farben und der abstrakten und weniger abstrakten Formen. Ich bin total verrückt nach dieser Künstlergruppe und wette, dass ich mir den „Blauen Reiter – eine neue Sprache“ (so der vollständige Name dieser Fantastik) noch weitere Male reinziehen werde. Ein Ablaufdatum dafür ist nicht auffindbar. Ich gehe davon aus, dass das nun zur Dauerausstellung gehört – sicher bin ich mir allerdings nicht.
Die Ausstellung „Plastic World“ fand ich so endgeil, dass ich da zwei Mal hinging. Ich weiß nicht, wie die Schirn Kunsthalle das macht, aber jedes Mal, wenn ich da bin, sehe ich nur Banger. Auch die aktuelle Ausstellung „The Culture“ ist fucking wild. Ich wünschte, ich könnte das vom Städel behaupten. Nicht falsch verstehen. Ich liebe das Städel über alles. Aber die Schirn überrascht jedes Mal aufs Neue mit einem klaren Konzept, einem Roten Faden, der sich durch die gesamte Kunstausstellung zieht und vor allem macht die Schirn in Frankfurt mir die moderne Kunst immer schmackhafter.
Scheiße, keine Ahnung, was das ist…César, Expansion (1991): PolyurethanschaumRichard Artschwager, Exclamation Point (2008): Plastikbürsten auf einem mit Latex überzogenen MahagonikernMonira Al Qadiri, Orbital 1 (2022): 3D-gedruckter Kunststoff mit Autolack lackiert
Das war das Konzept der Ausstellung „Plastic World“
Die Ausstellung befasste sich mit der Rolle von Kunststoffen in der bildenden Kunst. Sie bot einen umfassenden Überblick über die vielfältige Verwendung und Wahrnehmung von Plastikmaterialien im künstlerischen Kontext.
Plastik ist Fantastik
Plastik ist allgegenwärtig in unserem Leben. Es ist billig, nahezu überall erhältlich und spielt eine zentrale Rolle im heutigen Materialgebrauch. In den 1950er-Jahren symbolisierten synthetische Materialien den Geist des Massenkonsums und leiteten das sogenannte „Plastic Age“ ein. Einst als Symbol für Fortschritt und Modernität gepriesen, wird Plastik heute aufgrund seiner Umweltauswirkungen zunehmend kritisch gesehen.
Junge, Otto Pienes‘ Anemones (An Air Aquarium) [1976] blies sich auf und fiel gleich in sich zusammen – in Endlosschleife.
Plastic World in der Schirn: Zwischen Hyperrealismus und Fantasie
„Plastic World“ zeigte die Entwicklung dieser Materialkultur mit über 100 Werken von rund 50 internationalen Künstlern. Die ausgestellten Objekte, Assemblagen (dreidimensionale künstlerische Kompositionen), Installationen und Filme spiegeln jeweils den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit wider. Es war wirklich geil.
Die Auswahl der Werke spiegelt die Vielseitigkeit dieser Materialien wider – sie reichen von verblüffend realistischen Nachahmungen der Natur bis hin zu völlig freien Formschöpfungen.
John de Andrea, Woman Leaning Against Wall (1978): Polyester-Polyvinyl, bemalt in Ölgrisaille. So hyperrealistisch, dass ich kurz zögerte, ihr auf die Brüste zu starren.Mein absoluter Liebling: Garmion von Berta Fischer (2020?).
„Plastic World“ bot mir viel ästhetisches Vergnügen. Die Farben, Formen und Materialien und auch die vielfältige und kreative räumliche Zusammenstellung der Exponate empfand ich als sehr gelungen und staunte wie ein Kind. Zwei Mal. Erfahre hier, wo ich mich endgültig in die Gegenwartskunst verliebte.