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Kunst & Architektur

So entdeckte ich Frank Gehry in Frankfurt

Diese brutalistisch angehauchten Wohnhäuser bemerkte ich bereits, als ich zum aller ersten Mal mit der Straßenbahnlinie 12 nach Frankfurt-Schwanheim einfuhr. Ihre kantigen Fassaden ragten zwischen den Bäumen hervor, sodass mich ihre Architektur magnetisch anzog. Konnten sie wirklich das Werk des fantastischen Frank Gehry sein?

Goldstein-Siedlung in Frankfurt

Treten wir mal einen Schritt zurück und sehen uns die Frankfurter Goldstein-Siedlung an. Immerhin ist das die Gegend, in der unsere Gehry-Bauwerke Mitte der 90er Jahre errichtet wurden.

Ich halte sie für eine der spannendsten Siedlungen der Stadt, die ich bisher näher betrachten konnte. Vor Langer Zeit plante man hier ein Zuhause für alle Gesellschaftsschichten: Arbeiter, Sozialhilfeempfänger, später auch Geflüchtete und sonstige Ausländer. All sie sollten sich hier wohl fühlen und in einem friedlichen Miteinander ihre Kinder großziehen.

Die Idee war herzergreifend human, wenn man mal ganz vergisst, dass die NSDAP da anfangs mitgemischt hat und wir es hierbei mit ursprünglich idealistischen Strukturen und Visionen zu tun haben. Was heute davon übriggeblieben ist, ist eine beachtliche Profitgeilheit einer bestimmten Verwaltungs- und Baufirma, die auf meine Presse-Anfragen mittlerweile allergisch reagiert und nur noch pampig antwortet oder gar Antworten verweigert. Als Journalistin ist es mir manchmal schon eine Ehre, ungeliebt zu sein. In diesem ganz bestimmten Fall ist es das jedenfalls.

Durch Zufall entdeckt

Womit haben wir es also zu tun, wenn wir uns die Wohnhäuser, die sich da in Goldstein zwischen den Bäumen blicken lassen, ansehen? Nachdem sie mir ein ganzes Jahr lang immer wieder ins Auge sprangen, fand ich bei meinem Besuch im Historischen Museum Frankfurt heraus, das sie das Werk Frank Gehrys sind. Ganz durch Zufall las ich bei der Sonderausstellung zu Frankfurter Fotografien aus längst vergangenen Zeiten eine Bildunterschrift, die meine Recherche anregte.

Wie ich die Frank-Gehry-Siedlung in Frankfurt-Goldstein entdeckte.
Da stand ich nun vor dem eingerahmten Bild. Ich erkannte meine geliebten Bauten. Dann las ich das Schildchen unterhalb des hölzernen Rahmens: „Frank Gehry“. Meine Augen weiteten sich.

Verwaltung durch die Nassauische Heimstätte omg

Oh Wunder, oh Wunder. Diese hohe Architektur wird von der Nassauischen Heimstätte (NHW) verwaltet, die ich natürlich an keiner anderen Stelle dieses Textes erwähnt habe. Genau genommen handelt es sich bei den Gehry-Häusern um eine ganze Gehry-Siedlung (in der Goldstein-Siedlung – quasi Siedlung in Siedlung, lol) . Und sie soll damals das gemeinsame Projekt der NHW und des großen Frank Gehry gewesen sein. Die NHW schreibt sogar, das diese Siedlung das Paradebeispiel dafür sei, dass sie auch Non-Profit-Projekte hat. Immerhin blicken wir hier auf ein ganzes Ensemble an Sozialbauten; in verschiedensten architektonischen Ausführungen.

Die Anlage besteht aus 162 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen, darunter auch barrierefreie Ausstattungen. Jede Wohnung bietet durchschnittlich eine Fläche von 73 Quadratmetern. Errichtet wurde die Gehry-Siedlung zwischen 1994 und 1996.

Frank Gehry Siedlung in Frankfurt: Architektur

Gehrys extravagante Handschrift zeigt sich deutlich in der farbenfrohen Gestaltung der Fassaden mit skulpturalen Elementen und den teilweise mit Zinkblech verkleideten Balkonen und Treppenhäusern. Die Balkone sind wie Logen gestaltet und bieten einen Blick auf einen Innenhof mit Spielbereich.

Zu Beginn seiner Karriere baute Gehry konventionell. Gegen Ende der 70er Jahre veränderte er seine architektonische Formensprache. Er begann, vermeintlich „ärmliche“ Materialien wie etwa Sperrholz und Wellblech einzusetzen. Im, Möbelbau sogar Wellpappe. Charakteristisch für Gehrys Baustil sind seitdem abgewinkelte Ebenen, kippende Räume, umgekehrte Formen und eine gebrochene Geometrie. Seine Bauten haben typischerweise auseinanderstrebende Bauelemente, die miteinander verknüpft werden – so, dass es wie ein Ineinanderfließen der Räume wirkt.

Infrastruktur der Frank-Gehry-Siedlung

Nicht nur Design und Ästhetik stehen bei der Siedlung im Vordergrund. Die Infrastruktur spielt ebenfalls eine Rolle in diesem Projekt. In unmittelbarer Nähe zur Wohnanlage stehen den Bewohnern eine Sozialstation, ein Jugendzentrum sowie diverse Geschäfte zur Verfügung. Außerdem eine gepflegte Wiese zum Spazieren- und Gassigehen plus Straßenbahn-Haltestelle.

Architekt Frank Gehry

Frank Owen Gehry, 1929 in Toronto geboren, ist bekannt als Vertreter des Dekonstruktivismus. Seine Bauten sind auffällig collageartig und folgen keinen strengen Konstruktionsprinzipien. Oftmals fließen ganze Gebäude ineinander über und wirken wie glänzende UFOs oder sonstige Objekte, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Mit seinem Stil, den ungewöhnlichen Formen, Farben und Baumaterialien, wie etwa Zinkblech für die Außenfassaden, bringt er ganz neuen Glanz in die Siedlung Goldstein.

Am 5. Dezember 2025 stirbt die Legende und hinterlässt auf ewig ein beachtliches Lebenswerk, das noch viele Generationen nach ihm magnetisieren, faszinieren und inspirieren wird.

Frank Gehry
Da ist der Mann der Stunde (schwarzer Mantel und Brille): Architekt Frank Gehry beim Richtfest der Goldstein-Siedlung. Copyright: Nassauische Heimstätte.

So fühlte es sich an, vor Ort zu sein

Natürlich eilte ich damals hin, als ich erfuhr, dass die Häuser von unserem Architekten-Superstar sind. Der Weg dort hin war für Frankfurt-Verhältnisse idyllisch. Die Architektur – überwältigend. Wenn ihr die Gehry-Siedlung besuchen wollt, beachtet bitte, dass dies der Wohnraum der dort lebenden Menschen ist. Hinterlasst nichts, seid leise und verhaltet euch respektvoll – ihr seid auf fremdem Terrain. Stellt euch darauf ein, dass die Anwohner, die auf den Bänken zwischen den Gebäuden sitzen, euch sofort als Fremdkörper identifizieren werden. Versucht daher eher unauffällig oder gar keine Bilder zu machen, aber nicht so auffällig unauffällig wie ich.

Das hat mir ganz und gar nicht gefallen

Was mir sehr weh tat, war der Zustand der architektonischen Meisterwerke. Genau genommen, das, was die einen oder anderen Bewohner der Siedlung dort veranstaltet haben. Die Wege drum herum waren sehr gepflegt. Bei den Wiesen sah es schon etwas trauriger aus. Die Häuser haben mich teilweise nur noch deprimiert. Kaputte klingeln und Briefkästen, billige und vor allem leere und abgeranzte Blumentöpfe, die von den grafischen Logen-Balkonen hingen, ohne auch nur ansatzweise stilistisch oder farblich dazu zu passen. Billige Sonnenschirme, irgendwelche Boho-Dekoartikel und Lampen, Zäune im rustikalen Stil (!!!), alte ausgeblichene Aufkleber an den Fenstern – einfach nur ein geschmackloser Horror, der diese klare Architektur regelrecht vergewaltigt. Wie immer mache ich keine Bilder vom Hässlichen, weil ich da einfach kein Bock drauf habe. Aber das Hässliche gehört zum Leben dazu – wenn auch nicht auf meinen Blog.

Ich finde diesen Billo-Dekowahn wirklich respektlos gegenüber Frank Gehry. Und das hat nichts mit Geld haben oder nicht haben zu tun. Ich weiß genau, was finanzielle Schwierigkeiten sind. Doch sowas Geschmackloses brachte ich noch nicht einmal zustande, als ich mir während meiner Studienzeit lediglich eine Matratze und ein improvisiertes Bücherregal leisten konnte, welches ich übrigens bis heute nutze. Dennoch merkt man schon, dass die NHW da regelmäßig pflegt. Die Farbe an den Häusern war relativ frisch und die Außenanlagen genossen offenbar Aufmerksamkeit. Die Blechelemente der einzelnen Bauwerke waren in gutem Zustand. Ich nehme stark an, dass da regelmäßig restauriert wird. Zumindest außen.

Zwischen Wohnsiedlung und Kunstobjekt

Beenden wir diesen kleinen Ausflug mit einer positiven Note. Egal wie abgeranzt die Häuser aktuell sind – sie tragen den Geist unserer Legende in sich weiter und werden dies auch noch viele Jahre tun. Vielleicht sieht er mir gerade aus den Wolken dabei zu, wie ich mich über den Zustand auslasse und zeigt mir, wie auch anderen Journalisten vor mir „den Finger“. Vielleicht ist er der veranstalteten Geschmacklosigkeit gegenüber viel toleranter als ich und versteht viel besser als ich, dass die Häuser für das Leben darin gemacht wurden und nicht dafür, um als Kunstobjekte betrachtet zu werden. Wir wissen es nicht.

Bleiben wir mal ganz kurz bei Kunst: Die Gehry-Siedlung befindet sich nur einen kurzen Spaziergang von meinen geliebten Eiermann-Türmen entfernt. Wenn ihr also einen vollumfassenden architektonischen Orgasmus erleben wollt, plant bitte auch einen Besuch zu diesen ausgefallenen Bauwerken in Frankfurt-Niederrad.


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Kunst & Architektur

Städel Frankfurt: Max Beckmann ist da!

Zwei Maxe werden derzeit parallel ausgestellt. Seit heute, 3. Dezember, finden wir Max Beckmann im Frankfurter Städel und Max Liebermann im Frieder Burda Baden-Baden. Widmen wir uns aber meinem Lieblingsmax: Beckmann (1884-1950).

Sein Werk entsteht in einer von Krisen und Umbrüchen geprägten Welt. Diese Erfahrungen wandelt er in seine ganz eigene Bildsprache. Den wohl intimsten Teil der Arbeiten bilden seine Zeichnungen. Wie ein Tagebuch dokumentieren sie Beckmanns künstlerische Entwicklung und dienen ihm gleichzeitig als Medium der Beobachtung, Bildfindung und -Erfindung. Das Städel Museum rückt diese Arbeiten nun in den Mittelpunkt und präsentiert rund 80 Werke aus allen Schaffensphasen. Von bislang wenig bekannten bis hin zu „herausragenden Hauptwerken“, wie das Kunsthaus ankündigt, soll alles dabei sein. Ob ich mich auf die Ausstellung freue? Fuck, yes. Wer kommt mit?

Max Beckmann im Städel: Ein weltweit bedeutender Bestand

Das Städel Museum hat eines der „herausragendsten Beckmann-Bestände weltweit“, heißt es in einer Pressemitteilung. Es widmet sich bereits seit mehr als hundert Jahren der Sammlung, Forschung und Vermittlung seines Werks. In der Ausstellung werden sowohl Zeichnungen aus dem eigenen Bestand als auch Leihgaben internationaler Museen und Privatsammlungen gezeigt. Uns erwarten Werke aus renommierten Kunsthäusern wie etwa dem Museum of Modern Art in New York, British Museum in London, Art Institute of Chicago, Kunstmuseum Basel, der Hamburger Kunsthalle, dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Einzelne Gemälde und Druckgrafiken eröffnen darüber hinaus Einblicke in Beckmanns Arbeitsprozess und das Wechselspiel verschiedener Medien.

„Trotz der Verluste fast aller Werke des Künstlers während der NS-Zeit verfügt das Museum heute über einen Beckmann-Bestand von internationalem Rang. Mit der aktuellen Ausstellung rücken wir nach über vierzig Jahren erstmals wieder gezielt Beckmanns Zeichnungen in den Mittelpunkt“, so Philipp Demandt, Direktor des Städels.

Städel Museum Frankfurt: Rundgang durch die Ausstellung

Die Ausstellung verfolgt in sechs Kapiteln Beckmanns eigenständige künstlerische Entwicklung von der frühen Berliner Zeit bis zu den letzten Lebensjahren in den USA. Ergänzend sind ausgewählte druckgrafische Blätter in einem eigenen Kabinett neben dem Beckmann-Saal in der Dauerausstellung der Moderne zu sehen.

Ausstellungsansicht „Beckmann“, Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

Max Beckmann: Anfänge in Berlin

Seine ersten künstlerischen Erfolge erzielte Max Beckmann 1906 in der Ausstellung der Berliner Secession. Akademisch ausgebildet, entwickelte er einen Stil, der dem deutschen Impressionismus nahestand. Dies zeigt sich etwa in den sanften Schraffuren des Selbstporträts von 1912 oder in der atmosphärischen Abendlichen Straßenszene (1913?).

Inhaltlich reizten ihn die großen Themen: In Historiengemälden mit biblischen, mythologischen oder zeitgeschichtlichen Motiven verarbeitete er grundlegende menschliche Konflikte. Mit dem aufkommenden Expressionismus und der wachsenden kritischen Resonanz auf seine Werke begann Beckmann, sich stärker mit persönlichen Erlebnissen auseinanderzusetzen. Dies zeigen die Skizzen zum Entwurf von Die Nacht (1912), die Szenen einer Gewalttat festhalten, von der Beckmann vermutlich selbst Zeuge war.

Der Künstler im Krieg

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Max Beckmann – wie viele Künstler seiner Generation –freiwillig zum Sanitätsdienst in der Hoffnung, neue Impulse für sein Schaffen zu gewinnen. Auf frühere, bildhaft komponierte Werke, die das Grauen des Krieges in Ostpreußen zeigen, folgten in Flandern zunehmend reduzierte Zeichnungen, die den Alltag der Soldaten, das Leid der Verwundeten und die Zerstörungen des Krieges sachlich und knapp festhalten. Werke wie Verwundeter Soldat mit Kopfverband (1915) zeigen den Menschen mit schnellen, kantigen Strichen in seiner Verletzlichkeit, während Aufgebahrter Toter (1915) durch seine eindringliche Bildsprache mit starken perspektivischen Verkürzungen wirkt.

Verwundeter Soldat mit Kopfverband, 1915, Bleistift, 151 × 120 mm, Museum der bildenden Künste Leipzig

Noch im Dezember 1914 entstanden Entwürfe für das Gemälde Auferstehung (Staatsgalerie Stuttgart), das Beckmann 1915 in Straßburg beginnen, aber nie vollenden sollte. Es ist das einzige Ölbild, das Beckmanns Kriegserfahrungen unmittelbar reflektiert. Fernab jeder Hoffnung steigen Tote aus ihren Gräbern in eine zersplitterte Landschaft. Erstmals wird in der Ausstellung eine große Entwurfszeichnung zu diesem Schlüsselwerk präsentiert, die vor wenigen Jahren im Nachlass Mathilde Q. Beckmanns entdeckt wurde.

Einen kleinen Vorgeschmack auf den Stil Max Beckmanns können meine Baden-Badener tatsächlich im Frieder Burda erlangen. Im Untergeschoss, dort, wo der Museumsshop ist, hängt mindestens ein Gemälde Beckmanns, das unsere schöne Stadt zeigt. Mutmaßlich die Trinkhalle.


Quelle: Pressekit des Städel Museums

Beitragsbild: Max Beckmann, Der Mord, 1933 Aquarell und Pinsel in Schwarz über schwarzer Kreide
498 × 455 mm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Dauerleihgabe aus der Sammlung Karin & Rüdiger Volhard

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Kunst & Architektur

Egon Eiermann baut die geilsten Türme Frankfurts

Als ich zum ersten Mal in Frankfurt aufwachte, erblickte ich die Türme von Egon Eiermann. Ich musste gleich ehrlich zu mir selbst sein: Die Konstruktion der beiden architektonischen Meisterwerke war bei Weitem das Beeindruckendste, das ich seit langer Zeit gesehen hatte. Und das, obwohl ich die Architektur vergangener Epochen viel besser kenne und, zugegeben, auch schätze. Bis zu meinem letzten Tag in Frankfurt fuhr ich aufgeregt an der Station „Börostadt Niederrad“ vorbei, weil man dort die Eiermann-Türme direkt aus der Straßenbahn heraus bestaunen kann.

Laut „stadtkindfrankfurt.de“ soll Egon Eiermann zu den einflussreichsten deutschen Architekten der Nachkriegszeit gehören. Seine beiden Türme in Frankfurt soll er erst im späten Abschnitt seines Lebens für die Firma Olivetti konstruiert haben. Olivetti ist ein Unternehmen, das heutzutage Computer, Bürogeräte und -maschinen sowie Anwendungssoftware herstellt.

Eiermann-Türme in Bürostadt-Niederrad in Frankfurt.
Es ist unfassbar, wie filigran der Architekt seine beiden Türme konstruiert hat. Zum Zeitpunkt der Konstruktion hatte er nur eine begrenzte Fläche, die er nutzen durfte. Das flache Gebäude in der Mitte der beiden Türme, das wir hier im Bild sehen, beeinflusste die Bauweise stark.

Die beiden Bauwerke wurden erst zwei Jahre nach dem Tod von Egon Eiermann fertiggestellt. Dass die extravagantesten Türme Frankfurts direkt am Stadtwald grenzen, intensiviert den Kontrast zwischen Naturkulisse und einer Architektur, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Die Vita des Egon Eiermann

Egon Eiermann wurde am 29. September 1904 in Neuendorf bei Berlin geboren. Seine architektonische Reise begann er nach dem Abitur an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, wo er – man ahnt es – Architektur studierte. Während seines Studiums hatte er das Privileg, von herausragenden Lehrern wie Heinrich Tessenow und Hans Poelzig unterrichtet zu werden, von dem er später auch als Meisterschüler anerkannt wurde.

Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums im Jahr 1927 trat Egon Eiermann seine erste Anstellung im Baubüro der Karstadt AG in Hamburg an. Seine Fähigkeiten und sein Talent als Architekt blühten dort auf und ebneten den Weg für eine herausragende Karriere. 1931 wurde er selbstständiger Architekt und kehrte nach Berlin zurück.

Eiermann: Das macht den Architekten aus

Die Jahre von 1931 bis 1945 waren geprägt von Egon Eiermanns unermüdlichem Schaffen und seiner Leidenschaft für die Architektur. Während dieser Zeit schuf er Werke, die seine innovative Denkweise und sein strenges Designprinzip widerspiegelten. Seine Entwürfe und Projekte zeichneten sich stets durch Klarheit, Funktionalität und zeitlose Eleganz aus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffneten sich für Egon Eiermann neue Möglichkeiten. Im Jahr 1947 wurde er zum Lehrstuhl für Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe berufen. In dieser Position konnte er sein umfangreiches Wissen und seine kreativen Ideen an die nächste Architektengeneration weitergeben. Neben seiner akademischen Laufbahn etablierte er auch sein eigenes Architekturbüro in Karlsruhe.

Fun Fact: Am KIT gibt es ihm zu Ehren sogar einen Egon-Eiermann-Hörsaal. Dort finden Vorlesungen der Architektur und Kunstgeschichte statt.

Egon-Eiermann-Türme im Frankfurter Stadtteil Niederrad.
Allein dafür lohnt es sich nach Frankfurt zu kommen. Traurig finde ich, dass die Grünfläche um die beiden Türme herum immer weiter verwahrlosen, obschon in den Gebäuden noch etwas Leben herrscht.

Eiermann stirbt – doch hinterlässt bleibenden Eindruck

Eiermann verstarb 1970 im Alter von nur 65 Jahren in Baden-Baden. Trotz seines viel zu frühen Todes hinterließ er ein beeindruckendes Erbe in der Welt der Architektur.

Seine Werke und sein Einfluss auf die moderne Architektur sind auch heute noch lebendig und inspirierend für kommende Generationen von Architekten und Designer. Egon Eiermann wird nicht nur für seine herausragenden Bauten, sondern auch für seine unermüdliche Hingabe an die Architektur in Erinnerung bleiben.


Quellen: stadtkindfrankfurt.de und egon-eiermann-gesellschaft.de

Bilderrechte: avecMadlen.com

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Kunst & Architektur

Hier findest du russische Ikonen in Frankfurt

Russische Ikonen sind religiöse Gemälde, die in der orthodoxen christlichen Tradition eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen als spirituelle Symbole und werden in orthodoxen Kirchen sowie in Privathäusern als Schutz- und Andachtsbilder aufgehängt. Jede Ikone repräsentiert einen Heiligen, eine biblische Figur oder ein religiöses Ereignis. Die Kunst der Ikonenmalerei hat in Russland eine lange Tradition und ist eng mit der orthodoxen Kirche verbunden.

Um so mehr erstaunte es mich, diesen spirituellen Teil meiner Kultur auf der Museumsinsel in Frankfurt zu finden. Im Ikonenmuseum (hier geht’s zum Webauftritt des Museums). Der größte Teil der Dauerausstellung besteht aus russischen Ikonen. Besucher finden dort auch Ikonen aus Griechenland, dem historischen Byzanz, Rumänien, dem Balkanraum und Ägypten.

Russische Ikone mit drei Heiligen im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Die Heiligen Georg, Klemens und Menas | Russland, Nowgorod, 15. Jahrhundert: Malstil und Farbwahl kennzeichnen diese Ikone als ein herausragendes Beispiel der Malschule von Novgorod. Dort hatte sich seit dem 12. Jahrhundert eine eigenständige Maltradition entwickelt, die bis zum 14. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Für die Ikonen der späteren Novgoroder Maltraditiom ist der plastische Stil der Figuren typisch, der die spätbyzantinische Malerei imitiert.

Diese Techniken werden bei der Ikonenmalerei angewandt

Die Ausstellung war sagenhaft. Die Inszenierung war sehr geschmackvoll und passend. Ich muss sagen, dass das das beste war, was ich in Frankfurt seit Langem gesehen habe. Während ich die einzelnen Heiligenbildnisse aus der Nähe betrachtete, musste ich wieder einmal feststellen, wie sehr sich Ikonenmalerei von anderer sakralen Kunst unterscheidet.

Sehr lesenswert:  Interview mit dem zeitgenössischen Ikonenmaler Igor Kaplun

Gemalt wird nämlich auf ganz bestimmte Weise. Die traditionelle Reihenfolge der Tätigkeiten ist entscheidend für den Aufbau von Ikonen, die aus verschiedenen Materialien und Schichten bestehen:

  • Brett auswählen und bearbeiten
  • Vorbereitung des Bretts für das Grundieren, einschließlich Abschleifen
  • Herstellung des Malgrundes
  • Grundierung und Behandlung des Malgrundes
  • Zeichnen, Übertragen, Vergrößern oder Verkleinern der Zeichnung sowie Pauszeichnung
  • Vergoldung der Bildfläche
  • Vorbereitung der Farben und Mischung der Ikonenfarben
  • Ausführung der Detailarbeiten
  • Feine Modellierung der Details
  • Anwendung von verschiedenen Schichten, wie Sankir, erstes, zweites und drittes Ockern, und Ausführung des Inkarnats
  • Nachbearbeitung der Zeichnung und Malerei, einschließlich Einfärben der Flächen der Einfassung, des Randes, der Heiligenscheine und der Beschriftung
  • Schutz der Ikone durch Firnis und Lackierung

Gemalt wird mit Eitempera. Sie besteht aus wasserverdünntem Eigelb als Bindemittel und einem Pigment. Solch strikte regeln sind nur der Ikonenmalerei vorbehalten, soweit ich weiß.

Kalender-Ikone hängt im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Kalenderikone für das ganze Jahr mit Passionsbild und Gottesmutterdarstellungen | Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – ein sakrales Kunstwerk, das mich besonders erstaunt hatte, da es sich hierbei um Kleinstarbeit handelt: Die Jahresikone beginnt oben links mit dem liturgischen Jahresbeginn, dem 1. September. Das orthodoxe Kirchenjahr endet unten rechts mit dem Monat August. Im Zentrum der Ikone ist das Osterbild dargestellt, um das sich der Passionszyklus Christi gruppiert.

Der Passionszyklus wird wiederum von den 12 Monaten des Jahres umgeben, die durch verschiedene Heilige oder Feste repräsentiert werden. Der äußere Zyklus zeigt schließlich zahlreiche Gottesmutterdarstellungen. Die Kombination all dieser Inhalte macht diese Ikone zu einem typischen Beispiel einer Sammelikone.

Russische Ikonen: Tradition und feste Vorgaben

Natürlich musste ich auch in dieser Ausstellung an Giovanni Bellini denken, wohingegen er die Darstellung der Heiligenbildnisse revolutionierte, als er die Sacra Conversazione ins Leben rief. Ich denke, dass es so etwas in der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht geben könnte. Die Russen lieben ihre Ikonen und wissen das Bewahren ihrer Tradition, zumindest was sakrale Kunst angeht, sehr zu schätzen.

Drei russische Ikonen hängen im Ikonenmuseum in FFM
Vlnr: 1.) Gottesmutter von Kasan (Kasanskaja), Russland nach 1800 – Eitempera auf Holz, Oklad vergoldet
2.) Feuerflammende Gottesmutter (Ognevidnaja), Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz; Oklad: Metall, Samt, Flussperlen, Glassteine und Strass
3.) Gottesmutter als Lebensspendende Quelle, Russland, 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz

Es ist ja nicht nur die technische Ausführung, die seit Jahrhunderten in der russischen Ikonenmalerei unverändert bleibt. Auch die Darstellung der einzelnen Figuren, die Verwendung bestimmter Farben und die Voraussetzungen, die ein Mensch erfüllen muss, der sie letztlich zeichnet, ist fest vorgegeben.

Übrigens: Eine lange Tradition in der Fertigung dieser sakralen Kunstwerke haben Griechenland (seit dem 6. / 7. Jahrhundert), Russland (vermutlich seit dem 10. Jahrhundert) und Äthiopien (seit dem 15. Jahrhundert).

Russische Ikonen: Weitaus mehr als Kunstwerke

Im Teaserbild dieses Artikels siehst du einen Propheten- und Deesisrang aus einer Ikonostase. Nordrussland, Ende 17. Jahrhundert / Anfang 18. Jahrhundert – Eitempera auf Holz.

Russische Ikonen sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Fenster in die spirituelle Geschichte Russlands. Ihre Bedeutung, Geschichte und die Faszination, die sie auf Gläubige und Sammler ausüben, machen sie zu einem einzigartigen und wertvollen Teil des kulturellen Erbes der Welt. Egal, ob aus spirituellen oder künstlerischen Gründen – die Wertschätzung für Ikonen bleibt ungebrochen.

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Kunst & Architektur

Franz Kafka in Frankfurt

Franz Kafka: brillanter Schriftsteller und… Künstler? Ganz genau. Diese bislang wenig bekannte Seite seines Schaffens wurde erst 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, als Prof. Andreas Kilcher von der ETH Zürich Kafkas Zeichnungen edierte.

Die Zeichnungen, die viele Jahre in einem Zürcher Banksafe aufbewahrt wurden, sind nun in einem Band veröffentlicht, der bereits in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurde. Diese Veröffentlichung hat eine neue Dimension von Kafkas künstlerischem Vermächtnis offenbart und bietet neue Perspektiven auf seine literarischen Werke.

Franz Kafka Buch: Die Zeichnungen
Na ratet mal, wer es von seinem Ex zu Weihnachten bekommen hat.

Franz Kafka: Verbindung zwischen Kunst und Literatur

Prof. Kilcher widmet sich in seinem jüngsten Buch „Kafkas Werkstatt. Der Schriftsteller bei der Arbeit“ der Verbindung von Kafkas zeichnerischem und schriftstellerischem Wirken. Er argumentiert, dass Kafkas Schreiben durch visuelle Elemente beeinflusst wurde und dass das Verständnis seiner Zeichnungen auch neues Licht auf sein literarisches Werk wirft.

Am Donnerstag, 12. September, beleuchtet das Jüdische Museum am Bertha-Pappenheim-Platz 1 in Frankfurt diese Thematik. In Kooperation mit dem Buber-Rosenzweig-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt findet um 19 Uhr eine Veranstaltung statt. Bei dieser werden Kafkas Zeichnen und sein Schreiben ins Verhältnis gesetzt.

Das Gespräch mit Prof. Kilcher moderiert Julia Encke, Feuilletonchefin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ich werde vor Ort sein und euch mehr von dieser fantastischen Veranstaltung erzählen.

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Kunst & Architektur Reisen

Tag des offenen Denkmals: Programm in Frakfurt

Endlich ist es soweit. Nachdem ich vor zwei Jahren meinen Spaß am Tag des offenen Denkmals in Heidelberg hatte, lädt dieselbe Veranstaltung auch am Sonntag, 8. September, zu einer Erkundung in Frankfurt ein. Also nicht nur in Frankfurt, sondern bundesweit – ich bin aber in FFM für euch am Start. Das ist die Gelegenheit, die Stadtgeschichte deiner Stadt hautnah zu erleben. An diesem besonderen Tag öffnen zahlreiche historische Stätten und Denkmäler ihre Tore, die sonst verschlossen bleiben.

Hier geht’s zur damaligen Fotostreckenstory in Heidelberg – wie immer mit ganz viel Liebe in jedem Pixel.

Tag des offenen Denkmals in FFM: Programm

Das Programm umfasst eine Vielzahl von Veranstaltungen, Führungen und Aktivitäten. Diese werden von lokalen Experten und Geschichtenerzählern begleitet. In Frankfurt ist das allerdings wie immer so, dass die Führungen auf nur 20 Besucher beschränkt sind – und das mit Voranmeldung. Trauriger Scheiß, aber so ist es leider immer in FFM. Alles, was Spaß macht, ist ausgebucht, bevor überhaupt ein Termin feststeht (ich übertreibe an dieser Stelle etwas, aber ihr kennt’s sicher auch).

Die Organisatoren ermuntern Frankfurter sowie auch Touristen, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Insgesamt stehen 19 Bauwerke zur Besichtigung offen:

  • Alte Nikolaikirche (Römerberg 11)
  • Altes Portal des Frankfurter Hauptfriedhofs (Eckenheimer Landstr. 188-190)
  • Dorfkirche Unterliederbach (Heugasse 1)
  • Dreikönigskirche (Dreikönigsstr. 32)
  • Ehemalige Bonifatius-Kapelle (Oberer Kalbacher Weg 7)
  • Ehemalige DB-Zentrale (Stephensonstraße 1)
  • Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“ (Taunusanlage 20)
  • Evangelische Kreuzkirche (Weinstr. 25)
  • Frauenfriedenskirche (Zeppelinallee)
  • Hellerhofsiedlung und Alte Hellerhofsiedlung (Rebstöcker Str. 95)
  • Justinuskirche Höchst (Justinusplatz 2)
  • Kirche St. Leonhard (Am Leonhardstor 25)- Lohrpark (Auf dem Lohr 9)
  • Römische Raststation Heidenschloß (Oeserstr. 180)
  • Studierendenhaus (Mertonstr. 26-28)
  • Töpferhaus (Erich-Ollenhauer-Ring)
  • Villa 102 (Bockenheimer Landstr. 102)
  • Wasserwerk Griesheim (Oeserstr. 181)
  • Willemerschule (Willemerstr. 8–10)

Eine Stadtkarte auf der Website des Veranstalters hilft bei der Planung des Besuchs.

Tag des offenen Denkmals: Meine persönlichen Highlights

Zu den besonderen Highlights gehört für mich persönlich die Justinuskirche Höchst, die mitten in der Höchster Altstadt liegt und zwischen den Jahren 830 bis 850 erbaut wurde. Der Besuch dieser historischen Kirche lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch die nahegelegene Fachwerkstraße verbinden. Am Höchster Schloss findet zudem ein Jazzfestival statt. Eintritt frei. Warum ist diese Kirche für mich so ein besonderer Ort? Naja. Das ist genau die Kirche, in dessen Kräutergarten ich einbrechen wollte, als der Zahnarzt und ich unser erstes Date hatten. Ich habe es NICHT getan, ok? Weil ich ein anständiger Mensch bin.

Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist das ehemalige Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“. Da plane ich dieses Jahr auf jeden Fall hinzugehen. Ich erzähle euch im Nachklang, wer mich dahin begleitet. Das Gebäude stammt jedenfalls aus den Jahren zwischen 1898 und 1900 und steht derzeit leer. Es zeichnet sich durch seine klassizistische und barocke Bauweise aus. Besonders heiß bin ich auf die Innenräume – mal sehen, wie weit ich mit meinem Presseausweis komme.

Auf diesen Brutalisten freue ich mich besonders

Auch das Bürogebäude der ehemaligen Hauptverwaltung der Deutsche Bahn AG in Frankfurt-Gallus ist für mich ein absolutes Highlight und ich brenne auf den Besuch dieses Brutalisten. Auch wenn es nicht so hoch ist, wie manche Wolkenkratzer, die die Frankfurter Skyline zieren, ist es dennoch ein Hochhaus. Es wurde in den Jahren zwischen 1991 und 1993 erbaut und anschließend als Kulturdenkmal eingestuft.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals in Frankfurt, Heidelberg und all den anderen wunderbaren Städten Deutschlands, findet ihr auf der offiziellen Website der Veranstalter.


Transparenzhinweis: Hierbei handelt es sich um einen Artikel, den ich zunächst für ein anderes Medium geschrieben habe und dann eiskalt durch die KI gejagt und meinen Senf zugefügt habe.

Zum Bild: Das Höchster Schloss kann nicht besucht werden. Wie gesagt findet in dessen Innenhof das Jazzfestival statt. Der Turm jedoch bleibt auch zum Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit verschlossen. Leider.

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Kunst & Architektur

Die verborgene Magie der Casablanca Art School

Nur wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 entwickelt sich in Casablanca ein pulsierendes Zentrum kultureller Erneuerung. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert das einflussreiche Wirken der Casablanca Art School in einer ersten großen Ausstellung. Diese läuft noch bis zum 13. Oktober 2024.

Wer waren die Köpfe hinter der Künstlerbewegung?

Die Hauptvertreterinnen dieser innovativen Kunsthochschule, Farid Belkahia (1934–2014), Mohammed Chabâa (1935–2013), Bert Flint (1931–2022), Toni Maraini (1941) und Mohamed Melehi (1936–2020), werden zusammen mit Studierenden, Lehrenden und assoziierten Künstlerinnen schnell zu einem Motor für die Entwicklung einer postkolonialen modernen Kunst in der Region.

Ihr Anliegen ist die Öffnung zu den lokalen künstlerischen Traditionen und zur neuen sozialen Wirklichkeit. Unter anderem im Dialog mit den Ideen des Bauhaus wird das Verhältnis zwischen Kunst, Handwerk, Design und Architektur im lokalen Kontext neu bestimmt, künstlerische Einflüsse aus westlichen Metropolen werden mit Elementen des während der Kolonialzeit unterdrückten lokalen Kulturerbes kombiniert. Die Schirn präsentiert rund 100 Werke von 22 Künstlerinnen. Darunter großformatige abstrakte Gemälde, urbane Wandbilder, Kunsthandwerk, Grafiken, Innenarchitektur und Typografie, sowie auch selten gezeigte Filme, Zeitschriften und Fotografien. Sichtbar wird eine spezifisch marokkanische Kunstszene, die sich transnational verortet.

Das sagt der Schirn-Direktort zu der Ausstellung

Das sagt Sebastian Baden, Direktor der Schirn, über die Ausstellung: „Dies ist die erste institutionelle Ausstellung, die das einflussreiche Vermächtnis der Casablanca Art School umfassend vorstellt. Nach der Unabhängigkeit Marokkos gestalteten die Lehrenden und Studierenden der Kunsthochschule von Casablanca einen besonderen Ort für das Kunstschaffen und Kunststudium. Ihr Ziel war es, die Kunst zu dekolonisieren und zu liberalisieren, ihre Werke platzierten sie mit Zeitschriften, Wandgemälden im öffentlichen Raum und Festivals unmittelbar in den Alltag der Menschen. Es ist an der Zeit für eine umfassende Würdigung dieser international vernetzten, wichtigen künstlerischen Bewegung. Diese Schau erweitert die bisherige westliche Deutung der Entwicklung der modernen abstrakten Malerei um eine neue, internationale Perspektive und trägt damit zur Ausdifferenzierung des kunsthistorischen Kanons bei.“

Die Ausstellung ist chronologisch-thematisch in acht Sektionen gegliedert. Diese stellen Werke und zentrale Aspekte des Wirkens der Künstlerinnen der Kunsthochschule von Casablanca sowie einzelne Positionen aus deren Umfeld vor.

Die Anfänge der Casablanca Art School

Die 1919 während des französischen Protektorats gegründete École Municipale des Beaux-Arts de Casablanca (Kunsthochschule von Casablanca – die mit der von ihr ausgehenden künstlerischen Bewegung international als Casablanca Art School bekannt wurde) folgte zunächst westlichen pädagogischen Ansätzen aus der Zeit ihrer Gründung.

Wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos wurde der Künstler Farid Belkahia zum Direktor ernannt. Er leitete die Kunstschule von 1962 bis 1974. Belkahia wollte die marokkanische bildende Kunst und ihr Studium neu gestalten und öffnete die Schule auch für marokkanische und weibliche Studierende. Die Kunsthochschule von Casablanca konzipierte Kunst und Kunststudium in Marokko völlig neu.

Casablanca Art School: Experimente mit interdisziplinärer Kunst

In der Schirn werden Farid Belkahia, Mohammed Chabâa und Mohamed Melehi mit einer Auswahl eigener Werke vorgestellt. Hierbei hadelt es sich um das künstlerische Kern-Trio der Schule. Beeinflusst durch ihre Studien im Ausland und den interdisziplinären Ansatz des Bauhaus verbanden die als Dozenten tätigen Künstler Ideen aus Kunst, Kunsthandwerk, Design und Architektur.

Mohammed Chabâa: Ohne Titel (1977)

Ein Fokus ihrer Kunst war die Erforschung des afrikanischen und amazighischen Erbes. Es wurden Exkursionen unternommen, bei denen die lokale Archäologie, Keramik, Kalligrafie, religiöse Gemälde sowie Techniken der Weberei, Lederverarbeitung, Schmuckherstellung und Tätowierung studiert wurden.

Mohamed Melehi unterrichtete Malerei, Collage und Fotografie, Mohammed Chabâa Grafikdesign und Raumgestaltung, Bert Flint Visuelle Anthropologie. Die italienische Kunsthistorikerin Toni Maraini richtete den ersten Studiengang in Marokko für die Kunstgeschichte der Moderne ein und formulierte die Visionen der Gruppe in programmatischen Texten und Essays. Kurzzeitig lehrte auch André Elbaz an der Schule.

Madlen Romanowna Trefzer in der Schirn Kunsthalle
Liebe Grüße von der Casablanca-Ausstellung <3 das hinter mir ist ein Wandgemälde.
Hier die Panoramaansicht:

So fand ich die Ausstellung

Spätestens nachdem ich meinen geliebten Wassily Kandinsky näher kennengelernt hatte, fühlte ich mich zu der abstrakten Kunst hingezogen. Auch bei der Casablanca-Art-School-Ausstellung konnte ich diese Anziehung zum Gezeigten deutlich spüren, jedoch natürlich nicht in diesem verrückten Ausmaße, wie zum Beispiel in der Blauer Reiter Ausstellung im Lenbahhaus in München. Trotzdem fand ich die Ausstellung in der Schirn schön und inspirierend. Man kann die Exponate gut verarbeiten, die Farben freuen das Auge. Vieles kann man zu Hause nachmachen und sich selbst in einfachen Pinselstrichen kreativ ausleben. Wenn man will.

Besonders bemerkenswert fand ich diesmal die Raumgestaltung in der Schirn. Sie war wie eine ganz eigene Form von Kunst. Außerdem war es schön, Marokko von dieser besonderen Seite zu erleben. Parallel zu der Casablanca Art School läuft in der Schirn Kunsthalle eine Solo-Ausstellung von Selma Selman. Kombiticket kostet regulär 16 Euro. Beide Ausstellungen lohnen sich.


Quellen:

  • Pressemitteilung der Schirn Kunsthalle Frankfurt
  • Ausstellungstexte
  • Natürlich war ich auch vor Ort
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Kunst & Architektur

J.V. Prehn: Tags Konditor nachts Kunstsammler

Die Informationen über das Leben dieses Kunstsammlers sind eher spärlich. Bekannt ist, dass Johann Valentin Prehn ein Konditor-Meister mit einer ausgeprägten Liebe für Kunst war. sind eher spärlich. Sein Handwerk lernte er von seinem Vater Zacharias Ludwig Prehn. 1776 heiratete er Margaretha Rosina Müller. Sein Geschäft befand sich an Zeil in Frankfurt, wo er aufgrund der hohen Qualität seiner Backwaren einen guten Ruf und lukrative Einnahmen genoss. Damit konnte er sich den luxuriösen Lebensstil leisten, eine umfangreiche Kunstsammlung zu besitzen, die heute zum Teil im Historischen Museum Frankfurt ausgestellt wird.

Johann Valentin Prehn: Konditormeister und Kunstsammler

Johann Valentin Prehn war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein talentierter Kunsthandwerker. Er stellte figürliche Tafelaufsätze her und kreierte sogar eine „allegorische Vorstellung“ zur Kaiserkrönung Franz II. in Frankfurt im Jahr 1792.

Die Kunstsammlung des Konditors umfasste alles von Kunstwerken bis hin zu Kuriositäten und einer Bibliothek. Dabei hob sich seine Sammlung durch die Bündelung von über 800 Miniaturgemälden in 32 Holzkästen hervor – eine derartige Kollektion dürfte es in Deutschland kein zweites Mal gegeben haben.

Luxuriöse Kunstsammlung: Cranach, Holbein und sogar Tizian

Die Sammlung enthielt Werke bekannter Künstler aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert wie Cranach, Holbein, Brueghel, Van Goyen, Tizian und andere. Ihr kennt ja meine Vorliebe für Cranach. Ich erblickte die Arbeiten in seinem Stil bereits von Weitem und wusste: hier gefällt es mir doch ganz gut. Einen Holbein sah ich in Frankfurt nicht, schließe aber gar nicht aus, dass ich ihn in meiner wilden Cranach-Ekstase hätte übersehen können. Besonders begeistert zeigte Prehn sich von Landschaftsgemälden, sakralen Historienbildern sowie Portraits und Genrestücken – also von der vollen Palette eigentlich.

Das Leben des Konditors, der auch ein Kunstsammler war, und die Entstehung seiner Kunstsammlung sind bis heute größtenteils unerforscht. Es gibt keine schriftlichen Zeugnisse von Prehn selbst. Daher stützt sich das Wissen um seine Sammlung hauptsächlich auf einen gedruckten Katalog und ein Aquarell von Carl Morgenstern, die 1829 im Zuge der Versteigerung der Sammlung durch Prehns Sohn Ernst Friedrich Carl erstellt wurden.

Ihr glaubt nicht, welches Bild in der Kunstsammlung fehlt

Trotz der außergewöhnlichen Sammlung scheiterte eine Schenkung an das Städel’sche Kunstinstitut 1838. Die Stadt Frankfurt nahm die Sammlung jedoch im Jahr darauf an und überwies sie an die Stadtbibliothek, wo sie ab 1842 besichtigt werden konnte. Auf der Städel’schen Webseite heißt es wiederum: „Seit 1922 Dauerleihgabe des Historischen Museums Frankfurt am Main.“

Nun denn. Um welches Gemälde könnte es sich hier nur handeln? Ihr werdet es mir nicht glauben: Das Paradiesgärtlein (ca. 1410 – 1420) eines oberrheinischen Meisters. Ihr habt richtig gelesen. Die Beinahe-Hauptattracktion des Städels hing früher im Historischen Museum. Ich bin auch total schockiert über diese Information und werde der Sache noch auf den Grund gehen, wartet nur ab. Statt des Paradiesgärtleins hängt nun an der Stelle im Kunstkabinett nun ein Bild des Gemäldes. Da würde sich der Kunstsammler bestimmt freuen.

Kunstsammler aus Frankfurt: Dieses Bild des Paradiesgärtleins aus dem frühen 15. Jahrhunderts hängt nun nicht mehr beim Rest der Sammlung,
Das Paradiesgärtlein um 1410/20 hängt nun nicht mehr bei der restlichen Sammlung.

Rekonstruktion der Kunstsammlung

Im Jahr 1988 unternahmen die damaligen Kuratoren des Historischen Museums eine Rekonstruktion der Sammlung basierend auf dem Auktionskatalog von 1829 und arrangierten die Gemälde erneut in den originalen 32 Kästen. In dem Raum, in denen all die Miniaturen hängen, befindet sich ein Bildschirm mit Informationen zu allen ausgestellten Gemälden. Und auch noch ein grünes, in Stoff gebundenes Buch, von dem ich all diese Infos geklaut habe, ohne auch nur ansatzweise daran zu denken, den Autor dieses Buchs zu erwähnen. Schande über mich.


Quellen:

  • Naja, zum einen das grüne Buch da
  • und zum anderen: sammlung.staedelmuseum.de / „Das Paradiesgärtlein, ca. 1410 – 1420“
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Blog Reisen

Ein Blick in die Sterne

Ich will etwas Neues fühlen. Deshalb gehe ich in Richtung Wald. Es ist schon Dunkel und Frankfurt ist Frankfurt. Also bleibe ich kurz vor dem Waldrand abrupt stehen. Meine Füße wollen da nicht weiter rein. Ursprünglich wollte ich den Meteorstrom von der Schwanheimer Wiese aus beobachten und ggf. weiter zur Schwanheimer Düne gehen. Dort hat man, laut mir, freie Sicht auf den Himmel und die Lichter der Stadt stören nicht beim Blick in die Sterne. Aber ich trau mich nicht in den Wald, verdammt noch mal. Das macht mich bockig.

Wenige Minuten später liege ich auf meiner Veranda, weil ich keinen Balkon habe, und starre in den nächtlichen Himmel. Meinen Lesern versprach ich heute ab 23 Uhr Sternschnuppen en masse. Auf diese warte ich auch. Ich warte, doch sie lassen sich nicht blicken. Leise spielt meine Jazz-Playlist im Hintergrund und je länger ich nach oben blicke, desto bedeutungsloser komme ich mir vor. Desto kleiner scheint mir all das, was mich bedrückt und beschäftigt. Desto spannender erscheint mir das Funkeln der Sterne.

Ich starre sie so lange an, bis ich selbst Sternschnuppen sehe. Da eine, und dort noch eine. Bilde ich sie mir ein? Keine Ahnung. Wahrscheinlich wird das das Geheimnis bleiben, das das Universum vor mir hat. Ich lausche der Nacht. Es sind zu viele Flugzeuge am Himmel. Zu viele Gedanken in meinem Kopf, die ich längst hätte loslassen sollen und zu wenig Wörter, um sie jemals jemandem erklären zu können.

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Kunst & Architektur

Caricatura: Das beste Museum in FFM

Es ist das Museum mit dem mutmaßlich höchsten Komikgehalt in der deutschen Museumslandschaft: das Caricatura Museum Frankfurt. Mit Karikaturen, Bildgeschichten, Cartoons und Comics zeigt das Museum für Komische Kunst die Vielfalt des Genres.

2008 eröffnete das Caricatura in der Mainmetropole. Der Standort soll dabei kein Zufall gewesen sein: Seit den frühen 60er Jahren behauptet sich Frankfurt als Hauptstadt der Satire (und ganz nebenbei auch die der Kriminalität). Die hier gegründeten Satiremagazine Pardon und Titanic lockten zahlreiche Künstler wie F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler (der Urheber des ICH-Denkmals in Frankfurt), F.K. Waechter sowie Autoren wie Bernd Eilert, Eckhard Henscheid und Pit Knorr in die Stadt. Sie schrieben als Künstlergruppe Neue Frankfurter Schule Satiregeschichte und prägen bis heute die deutsche Komiklandschaft.

Die Sammlung im Caricatura Museum

Den Grundstock der Sammlung bilden die Werke der Neuen Frankfurter Schule mit mehr als 10.000 Originalzeichnungen von den genannten Künstlern. Die Sammlung wird ergänzt durch rund 6.500 Bilder weiterer Karikaturisten und Karikaturistinnen, darunter Franziska Becker, Greser & Lenz, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Ralf König, Marie Marcks, Felix Mussil, Bernd Pfarr, POLO und Gerhard Seyfried.

Das erste Obergeschoss des Caricatura Museums ist der Sammlung des Hauses gewidmet. Hier werden in regelmäßigen Neuhängungen die Werke des Sammlungsbestandes präsentiert. Geplant ist, das erste Obergeschoss um ein Kabinett zu erweitern, in dem kurzfristig aktuelle und vielfältige Themen und Ausflüge in die Nachbardisziplinen präsentiert werden. Zumindest schreibt das das Caricatura selbst. Ich hingegen habe dort während der Loriot-Ausstellung Loriot gesehen. Und während der POLO-Ausstellung das hier:

Die im Erdgeschoss und in der Galerie angesiedelten Wechselausstellungen präsentieren Werke weiterer namhafter Vertreterinnen und Vertreter der Komischen Kunst. Sammelausstellungen wie Einzelausstellungen. National wie international. Klassiker wie Zeitgenössisches.

Ausstellungen und Veranstaltungen

Die Ausstellungen des Caricatura Museums werden regelmäßig um verschiedene öffentliche Veranstaltungen in und vor den Räumlichkeiten des Hauses ergänzt. Dazu gehören unter anderem Führungen, Lesungen, Konzerte, Buchvorstellungen und manchmal auch Workshops, die ich bis jetzt noch nicht belegen konnte, weil sie fortwährend ausgebucht sind.

Außerdem gibt es noch das Festival der Komik, das jährlich im Rahmen des Museumsuferfestes stattfindet. Dieses präsentiert drei Tage lang „erlesenste satirische Bühnenkunst“ direkt vor den Türen des Museums, heißt es in einer Mitteilung. Persönlich muss ich sagen, dass das Caricatura mein absolutes Lieblingsmuseum ist in Frankfurt. Sorry Schirn und Städel.

Auch interessant: Hier erfährst du von den sechs besten Museen der Bundesrepublik.

Kurz zur Geschichte des Museums

Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Caricatura Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.

Das Caricatura öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.

Im Haus gibt es außerdem eine kleine Buchhandlung. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr mir oder anderen Personen, die ihr liebt, schenken sollt, geht einfach da hin. Es ist ein regelrechtes Schlaraffenland für alle, die einen zarten Dachschaden haben. Außerdem gibt es Postkarten en masse; all das natürlich mit Satire, Karikaturen, Comics, Tuschezeichnungen, Witzen und Co. Ernsthaft. Geht da hin.


Quellen:

  • Ich war mehrmals vor Ort
  • Pressemitteilung des Caricatura Museums Frankfurt
  • Website des Caricatura Museums
  • Wikipedia: Caricatura Museum für Komische Kunst
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