In der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden läuft derzeit die Sonderausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“. Wie der Name bereits verrät, steht dort alles im Sinne der Blumen. Ich habe sie mir genauer angesehen. Lohnt sich der Besuch? Ich finde: ja.
Hans Baldung Grien in Baden-Baden
Dort gibt es mehrere Highlights: etwa eine Duftschau im gleichen Raum, in dem Hans Baldung ausgestellt wird. Hans Baldung, Leute. In Baden-Baden. Ein Traum wird für mich wahr! Ausgestellt wird kein einfaches Werk, sondern eine Glasmalerei.
Das sogenannte Dorothea-Fenster entstand 1513 für den Kreuzgang des neu erbauten Kartäuserklosters am Johannisberg in Freiburg. Es gehört zu einer Serie monumentaler Glasmalereien, die für ihre Entstehungszeit ungewöhnlich großformatig waren und nahezu lebensgroße Figuren zeigen. Entworfen wurde das Fenster von Hans Baldung Grien (1484/1485–1545), der dabei mit dem Glasmaler Hans Gitschmann zusammenarbeitete und möglicherweise auch selbst an der Ausführung beteiligt war. Dargestellt ist neben der Heiligen Dorothea auch der Stifter Franz Wolfgang Graf von Zollern mit seinem Wappen.


Die Legende der heiligen Dorothea
Die Darstellung greift eine christliche Heiligenlegende auf. Während der Christenverfolgung im Römischen Reich weigerte sich Dorothea, einen heidnischen Mann zu heiraten, da sie ihr Leben bereits Christus geweiht hatte. Sie wurde deshalb zum Tode verurteilt. Auf dem Weg zur Hinrichtung verspottete sie ihr Ankläger und forderte sie auf, ihm Früchte aus dem Garten ihres himmlischen Bräutigams zu schicken. Der Legende nach erschien daraufhin durch göttliches Eingreifen ein Knabe mit einem Blumenkranz und einem Korb voller Blüten, aus denen ein himmlischer Duft strömte. Das Wunder bewegte den Ankläger zur Bekehrung zum Christentum, worauf auch er hingerichtet wurde.
Diese Erzählung bildet den Ausgangspunkt für die Geruchsinstallation der norwegischen Künstlerin Sissel Tolaas. Sie gilt als Spezialistin für Gerüche, sammelt Duftmoleküle und verfügt über ein Archiv von rund 10.000 Gerüchen, die sie synthetisch reproduziert und zu neuen Kompositionen verbindet. Für die Ausstellung setzte sie sich mit der Dorothea-Legende sowie mit der Geschichte und den Herkunftsorten der historischen Glasfenster auseinander. Inspiriert vom wundersamen Blumenduft der Legende entwickelte sie eine Duftinstallation, die die jahrhundertealte Erzählung auf sinnliche Weise erfahrbar macht.

Kunsthalle Baden-Baden: Ein Film über Blumen
Zudem gibt es noch einen Raum mit Videokunst von Jonas Mekas. Requiem heißt der Film und ist aus dem Jahr 2019. Eine 84 Minuten lange Videoaufnahme, die stellenweise etwas amateurhaft wirkt. Der Künstler nimmt Blumen auf während die Kameraführung teils verwackelt, teils dynamisch ist. Wie ich unschwer heraushören konnte, HASSTEN es zwei ältere Menschen, die neben mir im Raum saßen. Ich fands geil. Es erinnerte mich sofort an meine eigenen Blumenvideos auf TikTok und YouTube.
Das steht auf dem Ausstellungsschildchen zum Film: Über mehr als 30 Jahre hinweg filmte Jonas Mekas immer wieder Blumen und blühende Bäume in Städten und auf Wiesen mit seiner Sony-Videokamera oder einer Nikon-Kompaktkamera. Pflanzen und Blüten tauchen in seinen tagebuchartig erzählenden Filmen bestehend aus Alltagsszenen mit Freunden und Familie wiederholt auf. Im Film Requiem, seiner letzten Arbeit, überwiegen die Bilder der Blumen. Giuseppe Verdis Requiem ist eine Vertonung der Totenmesse, komponiert anlässlich des Todes des italienischen Dichters Alessandro Manzoni. An einigen Stellen lässt Mekas Verdis Musik mit Umgebungsgeräuschen seiner Filmaufnahmen überlagern.
So wirkte Jonas Mekas‘ Werk auf mich
Was mir sonst noch auffiel: Der Künstler baute im weiteren Verlauf des Videos Sequenzen von leidenden Menschen ein. Elend, Armut, Hunger und Krieg zeigten die Bilder. Das Ganze dramatisch von dieser Opernmusik begleitet, die eine sehr absichtsvolle Wechselwirkung mit der Kameraführung hat, wie ich finde. Mir zeigte der Film, wie die Schönheit der Blumen mit den hässlichen Taten des Menschen koexistiert. Auf ein und demselben Planeten. Und wie unabhängig vom Weltgeschehen Blumen gedeihen. Sein Video zeig ich euch an dieser Stelle nicht, dass müsst ihr euch schon selbst anschauen.
Ich war ganz aufgewühlt danach. Zudem erkannte ich, dass meine Blumenvideos erstens ausgebaut werden können und zweitens, dass die Zusammenstellung solcher Videos gewissermaßen ebenfalls einen künstlerischen Prozess durchläuft. Dadurch, dass ich sowas in der Art selbst mache, konnte ich die Vision des Künstlers deutlich spüren. Und ich habe mich natürlich auch gleich zu einem neuen Video inspiriert gefühlt:
Und das ist etwas, was mir immer wieder begegnet: Wenn man Kunst macht, egal, ob man es gut kann oder nicht – völlig egal –, kann man viele Prozesse viel besser verstehen und sieht auch in der Kunst großer Schaffender mehr, als viele andere. Man versteht sie aus einer ganz neuen Perspektive oder entwickelt neue Gedanken.
Im gleichen Raum wie der Film hing eine florentinische Pietra Dura mit Verkündigungsbildern. Dadurch empfand ich die Ausstellung als sehr breit aufgestellt, quer durch die Epochen und Disziplinen der Kunst. Und alles hat mit Blumen zu tun. Obwohl die Ausstellungsräume der Kunsthalle doch sehr klein sind und eigentlich binnen fünf Minuten durchgesehen werden können.

Fazit zur Ausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“
Die Schau hat mich sehr beschäftigt und mir auch ästhetisch zugesprochen. Ich bin glücklich darüber, dass dank des Umbaus im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe auch mehr Bewegung in die Baden-Badener Kunstszene kommt. Würde auch ein zweites Mal hingehen.
Die Ausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden läuft bis zum 10. Januar 2027.
Quelle: Historische Fakten den Ausstellungsschildern entnommen.
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