Diese Ausstellung ist bereits seit Wochen beendet, doch ich will sie mit diesen Zeilen gewissermaßen wiederaufleben lassen. Im Alten Dampfbad in Baden-Baden hatten meine Freundin Zoe und ich eine sehr persönliche und emotionale Begegnung mit der Mutter des ausgestellten Künstlers. Ihr Name: Renate Baumgardt-Hildenbrand. Sie erzählte uns von seinem Leid, von der Kunst, die aus diesem Schmerz erwuchs, von seinem letzten Wunsch und von einer Wut, die ihn zum Schöpfer machte.
Es geht um Jan Hildenbrand alias JINX und seine Ausstellung „Lebensmut“. Die Werke des viel zu früh verstorbenen Künstlers bewegen sich „zwischen Lebenswut und Lebensmut“. Darin brachte er Linien, Strukturen und Fantasiegestalten zu Papier. Im Mai 2021 hatte ihn eine schwere Erkrankung plötzlich an den Rollstuhl gefesselt und auf ständige medizinische Hilfe angewiesen gemacht.

Die Vita von Jan Hildenbrand alias JINX
Geboren wurde er am 11. April 1979 und malte bereits seit seiner frühen Kindheit: Comics und fantasievolle Geschichten reizten ihn besonders. Später präsentierte er seine Bilder bei verschiedenen Ausstellungen in Baden-Baden. „Am Tag vor seinem Tod hat er mich gebeten, seine Bilder auszustellen“, sagte seine Mutter. Er starb am 6. März 2023 im Alter von 43 Jahren.
Im Laufe der Zeit hatte er sich den Namen JINX gegeben, was auf deutsch verhext oder verflucht bedeutet. Wegen eines angeborenen schweren Herzfehlers hat er sich oft als Außenseiter gefühlt. Im Malen fand er jedoch einen Weg zu sich selbst und eine Verbindung zu seiner Umwelt. Er sagte: „Ich möchte die Betrachter der Bilder anregen, darüber nachzudenken, was sie in diesen Bildern sehen.“


Eine „außerordentliche Wucht“ in der Kunst
Bernd Hefter, der Journalist, der auch das Künstlerinnenporträt über mich verfasst hat, widmete Jan Hildenbrand einen Beitrag in den BNN. Darin beschreibt er dessen Werk als eines von „außerordentlicher Wucht“.
Im Alten Dampfbad waren die Bilder aus seinen letzten Lebensjahren zu sehen. Er malte sie, als er querschnittsgelähmt ihm Rollstuhl saß. „In meinen Bildern stecken 90 Prozent Wut, fünf Prozent Ausgeglichenheit und fünf Prozent geheimnisvolle Energie“, zitierte Hefter. Diese Worte sprach JINX bei seiner ersten Ausstellung im Alten Dampfbad vor 14 Jahren aus.


Geheimnisvolle Bedeutung und fantastische Wesen
Ornamente, eine starke Farblichkeit, Mosaikmuster und mittendrin seine magischen Wesen, Tiere, wie etwa Affen, Vögel und Käfer sowie auch Hände, die laut Mutter Renate ein Symbol für selbstbestimmtes Handeln waren, das er so vermisste.
Es ist unbestritten: Seine Bilder haben Wirkungsmacht. Selbst wenn man den Kontext nicht kennt, spürt der Betrachter eine zügellose Energie. Mal wirken die Werke fröhlicher, mal verzweifelter, mal wütender. Laut Hefter sind sie der Ausdruck JINX‘ Gemütszustands.