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Kunst & Architektur

Historisches Museum Frankfurt: Ich glaub‘, es hagelt

Heute besuchte ich erstmals das Historische Museum Frankfurt (HMF). Eigentlich wollte ich ins Caricatura; dieses hatte jedoch zu. Neue Sommer-Öffnungszeiten. Dann fing es wie wilde an zu hageln. Also begab ich mich ins Historische.

Gründung vor rund 150 Jahren

Das HMF wurde 1877/1878 als Initiative der Bürgerschaft gegründet. Das Museum sammelte kulturelle und künstlerische Artefakte, wobei ein besonderer Fokus auf der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Umgebung liegt. Ziel des Museums war es, eine Bildungseinrichtung zu sein und die Erinnerung an die Zeit der Freien Stadt Frankfurt am Leben zu halten.

Das Museum befindet sich in der Frankfurter Altstadt südlich des Römerbergs. Es liegt eingebettet zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Mainkai.

Raum im HMF
Schon ziemlich cool eingerichtet

Historisches Museum Frankfurt: Ein Abriss folgt dem anderen

Im Jahr 1972 wurde das noch intakte Haus Freudenberg abgerissen, um Platz für den modernen Bau des Historischen Museums zu schaffen. Viele bedauerten diesen Verlust, da dieses Haus einer der wenigen Überlebenden aus der Altstadt war, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten. Doch auch dieser Betonbau von 1972 hatte kein langes Leben. Er wurde 2011 ebenfalls abgerissen und durch einen neuen ersetzt.

Nach einer längeren Schließung aufgrund von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurde das sanierte Altbauensemble des Museums am 26. Mai 2012 wiedereröffnet und das neue Gebäude am 7. Oktober 2017 eingeweiht.

Eingangsbereich des Historischen Museums in Frankfurt
Diese schöne Aussicht hat man direkt gegenüber des Eingangs ins Museum.

Das Historische Museum im Zweiten Weltkrieg

Gehen wir mal einen Schritt zurück. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Museum schwere Schäden durch die Luftangriffe auf Frankfurt. Insgesamt warfen britische Flugzeuge während des Krieges 14.017 Tonnen Bomben auf die Stadt. Amerikanische Bomber warfen von Oktober 1943 bis März 1945 weitere 12.197 Tonnen.

Die meisten Ausstellungsstücke im Historischen Museum waren zwar 1942 ausgelagert worden. Dennoch gingen sämtliche Akten, Teile der Bibliothek und alle fest eingebauten Exponate im Krieg verloren. „Verloren“.

Historisches Museum Frankfurt nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde das Museum in seiner ursprünglichen Rolle als Bildungseinrichtung wiedereröffnet. Heute bietet es einen Einblick in die Vergangenheit und sogar Gegenwart Frankfurts.

Zurzeit zeigt das Museum eine Vielzahl von Dauerausstellungen, darunter „MainMetropole: Frankfurter Stadtgeschichte 1866 bis 2001“, „Frankfurt Jetzt!“ und andere. Zudem beherbergt es Ausstellungsstücke wie den Heller-Altar aus der Dominikanerkirche, eine Skulptur von Karl dem Großen und ein Modell der historischen Altstadt.

So fand ich das Historische Museum in FFM

Wie fand ich das Museum? Weiß ich nicht, Digger. Kommen wir erstmal zu den Punkten, die ich gut fand. Dazu gehörte das ganze Aufwendige drum rum. Es ist wirklich interaktiv und macht unter Umständen schon Spaß. Es ist cool gestaltet. Der Mix aus alt und modern, das riesige, bewegliche Karussell in dem Bereich der älteren Stadtgeschichte ist wirklich wild. Man spürt an jeder Ecke, dass da akribisch dran gearbeitet wurde, den Besuchern ein ganzes Erlebnis zu schaffen. In jeder Ecke gibt es irgend eine Action. Das Kabinett mit der Gemäldesammlung ist fucking wild. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Dazu gibt es nochmal ein ausführlicheres Stück.

Doch: Als ich durch die Räumlichkeiten des HMF ging, verließ mich nicht das Gefühl, das Frankfurt gar nicht in Besitz wirklich wertvoller Artefakte ist. Und an dieser Stelle spreche ich für die Exponate, die ich dort an jenem Tag persönlich gesehen habe. Alles was ich sah, war sehr gepflegt und in top Zustand – aber irgend wie ein bisschen arg schlicht. So etwa die Porzellansammlung. Die Exponate hier waren in gutem Zustand, aber sie waren anspruchslos. Ich musste zwangsweise an das Rijksmuseum Amsterdam denken, das ich bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour besuchte. Frankfurt kann da einfach nicht mitreden. Ihr erinnert euch, ich hatte sehr ähnliche Punkte am Frankfurter Museum für Angewandte Kunst auszusetzen. Die „Schneekugel“ im HMF fand ich übrigens auch semi. Sie lag nicht in meinem Interessenbereich und ich kann mir vorstellen, dass gewisse Besucher da durchaus mehr Bock drauf haben könnten, als ich.

Fazit

Werfen wir fürs Fazit einen Blick auf die Preise:

  • Dauerausstellungen (HMF + Junges Museum): 8 €/ermäßigt 4 €
  • Wechselausstellung (HMF): 10 €/ermäßigt 5 €
  • Schneekugel: 3 €/ermäßigt 1,50 €
  • 1-Tagesticket alle Ausstellungen: 12 €/ermäßigt 6 €
  • Öffentliche Führungen: Eintritt zzgl. 3 €
  • Öffentlicher Stadtgang: Eintritt zzgl. 3 €
  • Ausleihe Multimedia-Guide: 3 €

Müsste ich zahlen, würde ich keine 12 Euro blechen, um mir die Ausstellung erneut anzusehen. Was ich jedoch machen würde, wenn ich da jemals wieder Bock drauf bekomme, ist eine öffentliche Führung. Bestimmt kann ich dabei viel über Frankfurt lernen und es anschließend mit euch teilen. Bis dahin würde ich sagen: Wenns draußen hagelt und ihr in der Nähe seid – Yolo. Geht halt hin. Aber in diesen 6 Top-Museen der Bundesrepublik werdet ihr sicherlich mehr Spaß haben. Spoiler-Alarm: Leider ist keins davon in Frankfurt.


Quellen:

  • Ich war natürlich vor Ort, wie ihr sicher rauslesen konntet
  • Webseite des Museums
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Reisen

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt

Inmitten einer gepflegten, weißen Häuserreihe im Stadtteil Bergen-Enkheim fand ich das „Portal“ zur unberührten Natur: das kleinste Naturschutzgebiet Frankfurts. Als ich es betrat, spürte ich sofort die kühle, nasse Luft. Von den alten Bäumen tropfte der Regen und meine Schuhe standen im Matsch. Kaum zu glauben, dass es solche „Goldgruben“ der Natur immer noch in FFM gibt. Zwar ist das Gebiet wirklich sehr klein, aber durchaus sehenswert.

Eingang in das kleinste Naturschutzgebiet von Frankfurt am Main
Direkt zwischen diesen beiden Häusern startete ich.

Das kleinste Naturschutzgebiet der Stadt

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt ist das Mühlbachtal. Es hat eine Fläche von nur 3,28 Hektar. Dieses Gebiet, das seit 1986 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, birgt eine seltene botanische Besonderheit: den Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia). Diese Pflanze ist ein Überbleibsel eines früheren Bachauenwaldes und kommt ausschließlich in diesem Gebiet des Rhein-Main-Gebiets vor. Diese Pflanze war schon immer etwas besonderes für mich. Zwischen den Gewächsen am Wanderpfad konnte ich sie gut in der Ferne erkennen. Der Riesen-Schachtelhalm wächst im Mühlbachtal direkt an einer kleinen tropfenden Wasserquelle.

Die Botanik des Mühlbachtals wird außerdem von Feuchtwiesen, Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen geprägt. Hie und da wachsen auch wilde Pflaumenbäume. Einen besonderen Anblick schaffen Efeugewächse, die von den Baumkronen bis runter auf den Wanderweg hängen. Habe ich auf Empfehlung eines interessanten Dates, das ich kurz vor meinem Trip in die Frankfurter „Wildnis“ hatte, Bäume umarmt und bin barfuß durch die nassen Wiesen gelaufen? Vielleicht. Werde ich das näher erläutern? Wir bleiben gespannt.

Enkheimer Mühlbach – einer der kürzesten Bäche Frankfurts

Der Enkheimer Mühlbach, nach dem das Gebiet benannt wurde, ist mit etwa 180 Metern Länge einer der kürzesten Bäche in FFM. Heutzutage führt er nur noch zeitweise Wasser. Einst speisten mehrere lokale Quellen den Bach und ab 1850 auch der umgeleitete Pfingstborn. Das aus diesen Quellen stammende Wasser wurde in einem Mühlenteich aufgestaut, um die Enkheimer Mühle zu betreiben – eine Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert.

Nachdem die Mühle ihren Betrieb im Jahr 1890 einstellte und der Mühlenteich zugeschüttet wurde, mündet der Enkheimer Mühlbach heute in die lokale Kanalisation. Pläne zur Renaturierung des Baches und zur erneuten Einleitung ins Seckbacher Ried sind allerdings bereits vorhanden, um dessen Wasserhaushalt zu verbessern.

Für Naturliebhaber ist das Gebiet besonders interessant: Sowohl der Enkheimer Mühlbach als auch die Enkheimer Mühle sind Stationen des Quellenwanderwegs im Frankfurter Grüngürtel. Lese hier mehr dazu.

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Kunst & Architektur

Städelfrauen: Meisterwerke von Frauenhand

Künstlerinnen der Moderne rücken in einer neuen Sonderausstellung im Städel Museum in den Fokus. Die Schau feiert die Beiträge von Künstlerinnen wie Louise Breslau, Ottilie W. Roederstein und Marg Moll sowie vielen anderen, die sich erfolgreich im Kunstbetrieb um die Jahrhundertwende behauptet haben. Die Ausstellung würdigt erstmals auch Namen wie Erna Auerbach, Mathilde Battenberg, Ida Gerhardi, Annie Stebler-Hopf, Elizabeth Nourse und Louise Schmidt.

Diese Frauen schufen nicht nur Kunstwerke sondern knüpften auch von Paris und Frankfurt aus internationale Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. Einige prägten als Lehrerinnen und Kunstagentinnen sogar die Geschichte des Städel Museums und der Städelschule.

Städelfrauen
Louise Catherine Breslau (1856-1927): Junge Frau und Chrysanthemen. Portrait von Mina Carlson-Bredberg, 1890. Öl auf Leinwand.

Städelfrauen: Meisterwerke erstmals öffentlich gezeigt

Besucher können rund 80 Gemälde und Skulpturen von 26 verschiedenen Künstlerinnen bewundern. „Wir stellen diese Künstlerinnen mit ihren individuellen Leistungen vor und machen ihre weitverzweigten Netzwerke sichtbar.“ Das erklären Alexander Eiling, Eva-Maria Höllerer und Aude-Line Schamschula, Kuratoren der Ausstellung im Städel Museum in einer Mitteilung. Sie betonen: „Es ist eine Ausstellung über die Selbstermächtigung von Künstlerinnen, die zu ihrer Zeit keine Ausnahmeerscheinungen waren“.

Die ausgestellten Exponate stammen aus renommierten US-amerikanischen und europäischen Museen sowie aus Privatbesitz. Einige dieser Arbeiten werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Auch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter Fotografien und Briefe, die von internationalen Ateliergemeinschaften, professionellen Künstlerinnenverbänden und dem kontinuierlichen Streben nach Anerkennung erzählen ergänzen die Ausstellung.

Eugenie Bandell (1857-1918): Sonne am Mittag (Wilhelmsbad), 1913. Öl auf Leinwand.

Ausstellung im Städel Museum: Spiegel der gesellschaftlichen Umbrüche

Die ausgestellten Künstlerinnen zeichnen sich durch ihre Eigenständigkeit und Professionalität aus, in einem Kulturbetrieb, der zu ihrer Zeit von männlichen „Künstlergenies“ bestimmt wurde.

Die Ausstellung zeigt die stilistisch unterschiedlichen Herangehensweisen weiblicher Künstlerinnen und spiegelt die radikalen gesellschaftlichen und ästhetischen Umbrüche ihrer Zeit wider. Dabei setzten sie sich mit ihrer eigenen Existenz in einem männlich dominierten Umfeld auseinander und stellten traditionelle Geschlechterrollen infrage. Neben Malerei und Zeichnung eroberten sie auch die als „männlichste“ Gattung geltende Bildhauerei.

So fand ich die Städelfrauen im Städel

„Städelfrauen“ ist mal wieder eine gelungene Ausstellung. Ich bin sehr froh drum, dass die Kuratorinnen und Kuratoren des Städels sich wieder mal für ein klares Konzept entschieden haben. Jedes Mal freue ich mich über einfache und nachvollziehbare Strukturen einer Sonderausstellung, denn ich bin der Überzeugung, dass alles Geniale einfach ist.

Eugenie Bandell: Gelb und blau (Stillleben), um 1909. Öl auf Leinwand.
Fragment von: Eugenie Bandell, Gelb und blau (Stillleben). Ich liebe diese spachtelähnliche Technik, die hier so präzise mit einem Borstenpinsel ausgeführt wurde.

Ich war sehr gerührt. Es war schmerzhaft zu erkennen, dass Frauen um 1900 nicht ansatzweise die gleichen Chancen hatten, wie Männer. Auch in der Kunst nicht. Aber das ist natürlich nichts Neues. Die Tatsache, dass die Künstlerinnen trotz allen Schwierigkeiten Wege fanden, um ihre Träume zu verwirklichen und ihrem Bedürfnis, Kunst auszuleben, folgten, jagt mir Tränen in die Augen. Denn bisher wusste ich gar nicht zu schätzen, was für ein Glück ich habe, dieses Handwerk – wenn auch in einer ganz anderen Dimension; wir erinnern uns, ich bin werdende Karikatur- und Comiczeichnerin – erlernen zu dürfen, ohne auch nur den Hauch eines Widerstandes zu spüren bekommen zu haben. Und das alles, weil ebendiese Künstlerinnen damals dafür kämpften, dass meine Generation alles machen kann, worauf sie Bock hat.

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Reisen

In diesen Städten habe ich bereits gelebt

Umgezogen bin ich oft. Ich liebe es einfach, neue Städte im Detail zu erkunden, um sie dann wieder zu verlassen – wissentlich, was sie bewegt. Das Gefühl, dann eines Morgens in einer neuen Stadt aufzuwachen, rauszugehen und die ersten Vibes aufzufangen, die sie mir bereithält, ist für mich unbezahlbar. Manche fragen mich, wovor ich wegrenne – aber die haben das Leben nicht verstanden.

Das sind die Städte, in denen ich gelebt habe – chronologisch geordnet und sogar von 1 (lame) bis 10 (premium) bewertet:

Sochi (10 von 10) – die Stadt am Meer

Sochi ist das Paradies auf Erden. Von hier komme ich. Unten das Schwarze Meer und oben die verschneiten Berge – ein verrückteres Naturerlebnis habe ich sonst nirgends gesehen. Die Stadt hat 343.334 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010) und gehört zu den beliebtesten Kurorten Russlands. Ich komme gerne hierher zurück, zumal einige meiner nächsten Verwandten hier leben. Am meisten gefällt mir ihre Hektik, Pracht, das Klima (Subtropen) und das Essen.

Der Hafen von Sochi: Angeblich soll mein Uropa väterlicherseits daran mitgebaut haben. Copyright: IMAGO / Pond5 Images

Lörrach, ew… (3 von 10)

Kulturschock, nachdem Mama uns 2002 von Russland nach Lörrach brachte. Hier lebte ich bis zu meinem 20. Lebensjahr. Diese Zeit verdränge ich ganz gerne. Das einzige, was mich davor bewahrt hat, in dieser hässlichen Kleinstadt mit 48.158 Einwohnern ( Stand 2008) einzugehen, war wohl die Nähe zu Basel. Dort schien das Leben immer so farbenfroh und lebenswert. Basel besuche ich heute noch gerne – zumindest plane ich seit geraumer Zeit schon einen kleinen Besuch dort.

Man gönnt sich ja sonst nichts: Baden-Baden (9 von 10)

Vornehme Schönheit trifft auf gediegenen Rentnerflair. Genau das Richtige, was ich in dieser Zeit gebraucht hatte. Heute komme ich regelmäßig nach Baden-Baden und wundere mich immer wieder aufs Neue, wie hier so Vieles unverändert stillstehen kann. Seinen eigenen Charme hat das schon, aber wenn alles um dich herum stillsteht, drohst auch du irgendwann stillzustehen. Glaube ich. Doch manchmal tut das der Seele auch ganz wohl. Der um Baden-Baden liegende Schwarzwald ist absolut atemberaubend. Eine seltene Naturkulisse in Deutschland, die ich erst zu schätzen lernte, nachdem ich aus Baden-Baden bereits die Fliege gemacht hatte. Die baden-württembergische Kurstadt hat 55.123 Einwohner (Stand 2019) und ist die Partnerstadt von Sochi. Zufall? Ich glaube kaum. Lese hier über die Geroldsauer Wasserfälle – eins meiner Lieblings-Ausflugsziele.

Baden-Baden: Eine der Städte, in denen ich gelebt habe.
Hier oben stehe ich immer wieder gerne und blicke auf das Friedrichsbad, die Baden-Badener Stiftskirche und den Rest der Stadt hernieder.

Wilde Zeit in Rastatt (8 von 10)

Rastatt als Stadt ist nicht gerade besonders. Aber ich hatte hier eine gute, wilde Zeit gelebt. Ich arbeitete extrem hart und ließ es auch ordentlich krachen. Dabei hatte ich einen sehr merkwürdigen Freundeskreis. Hier entschied ich mich dazu, Journalistin zu werden und habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Naja, paar Mal vielleicht. Höchstens vier Mal im Jahr. Rastatt hat 47.523 Einwohner (Stand 2008) und beherbergt ganz schön viele verrückte Gestalten – durchaus liebenswert.

Das Rastatter Barockschloss. Copyright: IMAGO / Pond5 Images

Hier floss das bayerische Weißbier: Lindau (6 von 10)

Die bayerische Inselstadt ist eine 10 von 10 ABER karrieretechnisch ging hier kaum etwas. Ich habe mich in Lindau vor Langeweile fast todgesoffen, kein Spaß. Ich fühlte mich extrem einsam, doch eben deshalb habe ich ein Stück weit zu mir selbst gefunden. Am meisten liebte ich die Natur: Den Bodensee, die Wanderrouten, die Sonnenuntergänge – es war ein absoluter Traum. Außerdem waren die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Lindau einfach premium. Werde nie die Birnen, Kräuter oder Äpfel vergessen. Einfach anders wild. Lindau zählt 24.673 Einwohner (Stand 2008).

Jap, das ist die Insel Lindau, Ausblick auf den Hafen am Bodensee. Copyright: IMAGO / Alexander Rochau

Karlsruhe (4 von 10) – eine Stadt für sich

Karlsruhe ist eklig, alter. Meine Karlsruher-Phase dauerte glücklicherweise nicht all zu lange und war geprägt von lauter Scheiß: Einem Lockdown nach dem anderen, meinem unerträglichen Studium der Technischen Redaktion mit Fokus auf Kommunikation- und Medienmanagement, meinem psychisch labilen Mitbewohner und Ekelwetter. Hass Karlsruhe, ehrlich. Ist wie Lörrach, nur in groß, mit 313.092 Einwohnern (Stand 2019).

Was maßen sich eigentlich die Heidelberger an? (7 von 10)

Heidelberg ist super schön. Die Natur, die Altstadt, die Sauberkeit, das Mitbestimmungsrecht der Bürger, der sorgsame Umgang der Bürger mit der Stadt und natürlich die wunderbare Uni. Weniger gefallen hat mir die Überheblichkeit der Heidelberger. Ich bin weitaus nicht die einzige, die der Meinung ist, dass die etwas zu viel von ihrer Stadt halten. Heidelberger fühlen sich so geil, dass sie die Stadt allen ernstes als europäische Kulturhauptstadt beworben haben. Alle, die nicht aus Heidelberg kommen, fragen mich „womit denn?“, wenn ich diese Tatsache droppe, die Heidelberger hingegen rallen gar nicht, warum das so abstrus ist und sagen oftmals sowas wie „Hä? Warum denn nicht? Wir haben doch ein Schloss“. Lol. Dennoch liebenswert und lustig. Einwohnerzahl: 160.355 (Stand 2019). Erfahre hier, was es sich in Heidelberg unbedingt zu sehen lohnt

Heidelberg ist eine Stadt mit 162.273 Einwohnern (31. Dezember 2022) in Baden-Württemberg. Die Stadt liegt am Neckar an der Stelle, wo dieser den Odenwald verlässt und in den Oberrheingraben eintritt. Die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt ist bekannt für ihre malerische Altstadt, ihre Schlossruine und die Ruprecht-Karls-Universität, welche die älteste Hochschule auf dem Gebiet des heutigen Deutschland ist. Die Stadt zieht Besucher und Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. Hinsichtlich der Einwohnerzahl ist Heidelberg die fünftgrößte Stadt Baden-Württembergs und auf Platz 50 der größten Städte Deutschlands. Sie ist ein Stadtkreis und zugleich Sitz des umliegenden Rhein-Neckar-Kreises. Das dicht besiedelte Rhein-Neckar-Gebiet, in dem Heidelberg gemeinsam mit den Großstädten Mannheim und Ludwigshafen am Rhein liegt, wird als Metropolregion Rhein-Neckar bezeichnet.
Jahaa, ihr habt ein nettes Schloss, liebe Heidelberger. Aber chillt mal, es gibt in Deutschland auch noch geilere Städte.

Mannheim – eine Stadt, die im Herzen bleibt (7 von 10)

Eine gemäßigt wilde Zeit verbrachte ich im weitaus weniger überheblichen Mannheim. Hier erlebte ich viele Abenteuer und war dankbar für jeden einzelnen Tag. Gearbeitet habe ich weiterhin in Heidelberg und pendelte im Sommer von Stadt zu Stadt mit dem Fahrrad. Lese hier, was ich eines Nachts Lustiges auf dem Weg nach Hause erlebt habe. Mannheim ist echter, einfacher und vielfältiger als Heidelberg. Mit 309.370 Einwohnern (Stand 2019) auch knapp doppelt so groß. Ich hatte wirklich Spaß dabei, die Stadt zu erkunden, wenn sie auch richtig hässliche und eklige Ecken hat. Aber auch schöne. Wirklich.

Frankfurt am Main: Big crush? (7 von 10)

Nun lebe ich seit etwa einem Jahr in Frankfurt. Anfangs war es schwierig, mich mit der Stadt anzufreunden. Gründe dafür sind: Kriminalität, Dreck, Drogen, der Gestank von Kerosin und die riesigen Menschenmassen in der Innenstadt. Dann konnte ich mich jedoch einfinden und liebte eine Zeit lang mein Leben in der Mainmetropole. Die Stadt kann schon vielseitig, geil, laut, aufgeschlossen, kulturell, historisch, wild und kontrovers sein. Immerhin zählt sie 753.056 (Stand 2019) Einwohner.

Die leutende Frankfurter Skyline bei Nacht
Die leuchtende Frankfurter Skyline bei Nacht – ich liebe dich, FFM. Manchmal jedenfalls.

Nun muss ich sagen: ne. Nicht ganz mein Fall. Entweder, ich fand es vorübergehend so geil, weil ich das Leben in den wirklich schönen Städten bereits verdrängt hatte, oder ich atmete zu viel Crack am Bahnhof ein. (Spaß.) Frankfurt lässt mich wieder relativ kalt. Vielleicht treffe ich die falschen Menschen. Vielleicht wächst mir das Widerwärtige dieser Stadt langsam über den Kopf. Ich weiß es nicht. Diese 5 Dinge liebe ich aber an Frankfurt.

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Kunst & Architektur

Verborgene Schätze von Loriot im Caricatura Museum

Das Caricatura Museum in Frankfurt – ein Haus der Künste, das ich immer und immer wieder besuchen könnte. Am 12. Mai endete dort die mehrfach verlängerte Ausstellung „Ach was. Loriot zum Hundertsten“, die ich mir gerne reingezogen hatte – zwei Mal. Und wir wissen ja, was es heißt, wenn ich zwei Mal in dieselbe Sonderausstellung gehe. Das Caricatura zeigte Loriots Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme und Fotografien sowie Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe und Ausschnitte aus Fernseh- und Kinofilmen. Mir hat es sehr gut gefallen.

Durch diese Ausstellung ehrte das Caricatura den bemerkenswerten Humoristen Loriot, auch bekannt als Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, anlässlich seines 100. Geburtstags. Mit seinem einzigartigen Blick auf die Absurditäten und Grotesken des bürgerlichen Lebens, seinem beispiellosen Umgang mit der deutschen Sprache und seinen berühmten „Knollennasenmännchen“ beeinflusste Loriot jahrzehntelang als Humorspezialist das Medienbild.

Der Künstler Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. Mit seiner humorvollen Kunst hat er das deutsche Kulturleben nachhaltig geprägt.

Das ist der gute Mann: Vicco von Bülow alias Loriot. Copyright: IMAGO / M&K

Komische Kunst: Loriot-Ausstellung in Frankfurt

In meinem Studium als Karikatur- und Comiczeichnerin begegne ich Loriots Sinn für Humor immer wieder als dem Höchstmaß aller karikaturistischen Dinge. Hier kannst du dir meine ersten Versuche in diesem Bereich reinziehen. Ich zeichne nämlich heimlich Leute in der Bahn.

Insgesamt präsentierte die umfangreiche Loriot-Ausstellung 705 Objekte. Neben bekannten Werken wie den legendären Herren im Bad zeigt die chronologische Ausstellung auch Raritäten. So waren unter anderem Porträtzeichnungen des damals 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg sowie frühe Werbegrafiken zu sehen.

Loriot: Die Ente bleibt draussen
Kleiner Ausschnitt aus „Herren im Bad“

Das Caricatura Museum in Frankfurt am Main

Das Museum für Komische Kunst ist bekannt für seine Ausstellungen satirischer und humorvoller Kunst. Mit beeindruckenden Ausstellung von Texten, Zeichnungen und Plastiken sowie zahlreichen zeitgenössischen Werken hat es sich das Caricatura Museum als ein Eckpfeiler der komischen Kunstszene etabliert.

Auch interessant: Hier erfährst du von den sechs besten Museen der Bundesrepublik.

Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.

Das Caricatura Museum öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.

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Kunst & Architektur Reisen

Wie ich heimlich Leute zeichne

Immer öfter erlaube ich mir diesen Spaß: Ich male Menschen in der Bahn. Ich finde es lustig, kann unterwegs meine Fähigkeiten trainieren und mache etwas Sinnvolles, während ich darauf warte, an meiner Station anzukommen. Ich meine auch, dass meine halb-geheime Übeltat kaum einem Mitreisenden auffällt. Denn bewaffnet bin ich mit einem winzigen Block, einem Stift und einer Sonnenbrille, die vor allem den Zweck erfüllt, dass das gemalte „Objekt“ nicht sieht, dass ich es in regelmäßigen Abständen anstarre.

In Frankfurt habe ich extrem viele Gesichter gesehen, die mich faszinieren. Die Frankfurter haben nun mal das „gewisse Etwas“. Seit ich im Thema Comic und Karikatur bin, sehe ich den Menschen viel intensiver in ihre Gesichter. Dort entdecke ich jedes Mal aufs neue faszinierende Züge, Besonderheiten und Charakteristiken. Ich achte viel mehr auf die Gesichtsausdrücke, seit ich sie zu Papier bringen will. Es erstaunt mich immer wieder, wie vielen Menschen die Emotionen ins Gesicht geschrieben sind. Zuvor fiel mir das nie auf. 

Versteckte Kunst in der Bahn: Gesichtszüge und Emotionen

Manchmal passiert es, dass ich Menschen zeichne, und die Zeichnung zwar durchaus aussieht wie ein eigener Charakter, jedoch nicht ansatzweise dem Modell ähnelt. Aber daran arbeite ich. Es gibt durchaus auch „einfache“ Gesichter. Nicht etwa, weil sie einfache Gesichtszüge haben, sondern weil sie derart charakteristische Merkmale in sich tragen, dass es mir als Anfängerin besonders gut gelingt, diese aufzugreifen und zu malen. 

Ich liebe jedes einzelne Gesicht in meinem winzigen Block. Zu jeder Person, die ich gemalt habe, hatte ich eine geheime Verbindung, von der die gemalte Person selbst nie erfahren wird. Die Endergebnisse bringen mich zum Lachen oder machen mich nachdenklich. Natürlich fühle ich mit und frage mich zwangsläufig, was in dem Leben meiner Modelle abgeht, wenn sie auf mich traurig, wütend ängstlich oder zerstreut wirken. 

Heimlich malen: So suche ich mir meine Modelle aus

Es ist auch schon vorgekommen, dass meine Modelle sofort ausgestiegen sind, nachdem ich sie angefangen habe zu malen. In diesen Situationen fantasiere ich den Rest ihres Gesichts einfach dazu.

Wie ich meine „Objekte“ aussuche, ist einfach: Ich male wahllos alle Menschen, die in meine Sichtweite kommen. Natürlich, wenn ein gewisser Sicherheitsabstand zwischen uns herrscht. Schließlich will ich niemanden verunsichern oder gar jemandem zu nahe treten, wenn ich eine Karikatur überzogen darstelle – oder sie schlicht und einfach nicht so klappt, wie ich es will. Einen großen Bogen mache ich derzeit um schöne, junge Frauen: Noch habe ich es nicht gelernt, ihre Schönheit zu greifen und wiederzugeben. Aber auch daran arbeite ich.

Der König der Comics und Karikaturen: Erfahre hier alles über eine einzig wahren Loriot.

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Kunst & Architektur

Elysium aus Elfenbein: Das Liebighaus in Frankfurt

Zum Staunen geht man im Liebighaus in den Keller. Das ist mitunter eines der Erkenntnisse, die ich im Jahr 2024 gewinnen konnte. Als mich meine Mama in Frankfurt besuchte, gingen wir ins Liebighaus, um uns die dortige Skulpturensammlung anzusehen. Von ihr blieb ich größtenteils unbeeindruckt, weil das Neue und das Alte Musem Berlin mich für andere Museen versaut haben. Doch im Untergeschoss des Frankfurter Kunsthauses fand ich Schätze, die ich in der Form noch nie zuvor gesehen hatte – zumindest nicht in diesem Ausmaße.

Denn dort befindet sich die Elfenbeinsammlung von Reiner Winkler (1925–2020). Der Sammler schuf eine ganze Kollektion an Elfenbeinskulpturen mit dem Schwerpunkt Barock. Winkler baute seine Sammlung seit 1962 kontinuierlich auf. Im Laufe seiner Sammeltätigkeiten entwickelte er einen spezifischen Geschmack und konzentrierte sich schließlich voll und ganz auf Elfenbeinskulpturen des 17. und 18., in geringem Umfang auch des frühen 19. Jahrhunderts.

Wie soll ich danach denn jemals wieder auf mein Leben klarkommen? Das ist die Kreuzabnahme Christi aus Süddeutschland, möglicherweise Augsburg, 17. JH. (Fragment. Gesamtwerk im Titelbild.)

Elfenbeinsammlung im Liebighaus Frankfurt

Winkler war der Liebighaus Skulpturensammlung zu Lebzeiten eng verbunden. Mehrfach stellte er dem Museum Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung. Ebendort hat seine Sammlung nun „ihre neue und endgültige Heimat“ gefunden und bleibt somit „als ,Gesamtkunstwerk‘ erhalten“, wie es sich Reiner Winkler ausdrücklich wünschte. Die Exponate sind merkbar erlesen und an Einzigartigkeit kaum zu überbieten. Aus dem Staunen kam ich also gar nicht heraus.

Seit 2019 waren schon zahlreiche Meisterwerke bekannter Bildschnitzer im Liebighaus unter dem Ausstellungstitel „White Wedding zu sehen. Mit der Folgeausstellung „Splendid White“ (2022) wurde die Elfenbein-Sammlung Reiner Winklers im Liebieghaus vervollständigt und ist nun als Dauerausstellung zu sehen. Der Eintritt kostet regulär 8 Euro.

Süddeutschland, wahrscheinlich Augsburg, aus dem 17. JH: Darstellung der acht Haupttugenden. Sieh dir hier Mal diesen Schmuck an und stell dir vor, dass jede einzelne Figur dabei kaum größer ist, als dein kleiner Finger. Ich liebe es einfach. Die Materialmischung ist so wild und so unnötig prunkvoll.

Wie wurde mit Elfenbein gearbeitet?

Es ist die Frage nach dem wie, die immer wieder aufkam, während wir uns die Elfenbein-Sammlung im Liebighaus ansahen. Wie konnte das „weiße Gold“ so bearbeitet werden, dass die Figuren auf den Reliefplatten derart filigran und winzig waren? Hierfür blicken wir kurz in die Geschichte zurück:

Bereits in der Altsteinzeit schätzten Menschen Elfenbein als besonders kostbares Material, weil es Holz und andere Rohstoffe beachtlich überdauerte. Um Elfenbein zu schnitzen, benutzten unsere Vorfahren Werkzeuge wie Klingen, Bohrer und spitze Stifte aus Feuerstein. Das wissen wir anhand der Spuren auf zahlreichen Artefakten dieses Zeitalters. Irgendwann wechselten die Elfenbeinschnitzer zu Metallwerkzeugen, die deutlich effektiver waren. Trotz dieser Weiterentwicklung bei Werkzeugen blieb die Kunst des Elfenbeinschnitzens über Tausende von Jahren erstaunlich konstant.

Elfenbein: Lag der hohe Grad der Ästhetik am Werkzeug? Nö!

Die handwerklichen Fertigkeiten und das kreative Geschick der Schnitzer prägten diese Kunstform in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte. Selbst die Erfindung von Maschinen veränderte die Grundlagen des Handwerks kaum, eröffnete aber neue Gestaltungsmöglichkeiten. So ermöglichten etwa Drehbänke das Drechseln von Elfenbein und die Herstellung von sogenannten Wunderkugeln. Hierbei handelt es sich um kunstvolle Kugeln mit ineinander verschachtelten Verzierungen, die aus einem einzigen Stück Elfenbein gefertigt wurden.

Im 17. Jahrhundert erreichte die Elfenbeinschnitzerei in Europa einen künstlerischen Höhepunkt. Im Barock verzichtete man im Gegensatz zum farbenfrohen Mittelalter auf zusätzliche Bemalung, um den natürlichen, warmen Farbton des Elfenbeins wirken zu lassen. Künstler schufen in diesem Jahrhundert vermehrt Skulpturen, Reliefs und prunkvolle Gefäße mit eingearbeiteten Metallelementen.

Die Elfenbeinkunst erlebte mit den prächtigen Werken im Stil der Chryselephantin, einer Kombination aus Gold (oft durch vergoldete Bronze ersetzt) und Elfenbein, während des Jugendstils und Art déco eine letzte Blüte.


Die folgenden Exponate haben nicht das Geringste mit Elfenbein zu tun, außer dass sich mit der Reiner-Winkler-Sammlung zusammen ein Dach teilen. Es sind meine persönlichen Mega-Highlights aus Marmor, Bronze (teilvergoldet) sowie auch Holz:


Quelle: liebighaus.de / Renaissance bis Klassizismus

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Kunst & Architektur

Schirn: Eine meiner Lieblingsadressen in Frankfurt

Die Schirn Kunsthalle, ein bekanntes Ausstellungshaus in Frankfurt, feiert eine bemerkenswerte Geschichte nach ihrer Eröffnung im Jahr 1986. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie mehr als 200 Ausstellungen präsentiert und genießt sowohl national als auch international hohes Ansehen.

Ausstellungsraum der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt
Ausstellungsansicht „GILBERT & GEORGE. THE GREAT EXHIBITION“, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2021, Foto: Norbert Miguletz

Diese Kunsthalle in Frankfurt ist eine wahre Perle

Das Gebäude der Schirn wurde von dem Architekturbüro BJSS entworfen und gebaut. Die Halle selbst liegt im Herzen der Frankfurter Altstadt und bietet eine Gesamtausstellungsfläche von 2.000 Quadratmetern. Die markante fünfgeschossige Kunsthalle ist mit hellem Sandstein verkleidet und muss schon bald restauriert werden.

Der Name „Schirn“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „scranna“ ab, was einen offenen Verkaufsstand bedeutet. Dies bezieht sich auf die Geschichte des Standortes. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war hier nämlich das Zentrum der Altstadt mit den Verkaufsständen der Frankfurter Metzgerzunft.

Diese Museen haben mit der Frankfurter Schirn kooperiert

Seit ihrer Gründung hat die Schirn beeindruckende Partnerschaften mit weltbekannten Institutionen wie dem Centre Pompidou, der Tate Gallery, dem Guggenheim Museum, der Eremitage in Sankt Petersburg und dem Museum of Modern Art in New York aufgebaut. Sie organisiert thematisch ausgewählte Ausstellungen und Projekte zu einzelnen Künstlern, obwohl sie keine eigene Sammlung besitzt. Erfahre hier, welche Ausstellung mich bis jetzt am meisten fasziniert hat.

Rotunde der Schirn Kunsthalle Frankfurt, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

Kuratoren in der Schirn

In jüngerer Zeit hatte das Rennomierte Kunstmuseum einige herausragende Direktoren. Christoph Vitali leitete die Schirn von 1985 bis 1993 und etablierte sie als bedeutenden Ausstellungsort. Max Hollein übernahm im Oktober 2001 die Leitung und hat seitdem durch provokative Titel, außergewöhnliche Ausstellungen und verbesserte finanzielle Ausstattung die Besucherzahlen verdreifacht.

Seit 2022 ist Sebastian Baden der neue Direktor des Kunsthauses. Er ist ehemaliger Kurator für zeitgenössische Kunst, Skulptur und Neue Medien an der Kunsthalle Mannheim.


Titelbild: Außenansicht des Kunsthauses in Frankfurt © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2020, Foto: Norbert Miguletz

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Kunst & Architektur

Plastic World: Diese Ausstellung werde ich nie vergessen

Die Ausstellung „Plastic World“ fand ich so endgeil, dass ich da zwei Mal hinging. Ich weiß nicht, wie die Schirn Kunsthalle das macht, aber jedes Mal, wenn ich da bin, sehe ich nur Banger. Auch die aktuelle Ausstellung „The Culture“ ist fucking wild. Ich wünschte, ich könnte das vom Städel behaupten. Nicht falsch verstehen. Ich liebe das Städel über alles. Aber die Schirn überrascht jedes Mal aufs Neue mit einem klaren Konzept, einem Roten Faden, der sich durch die gesamte Kunstausstellung zieht und vor allem macht die Schirn in Frankfurt mir die moderne Kunst immer schmackhafter.

Das war das Konzept der Ausstellung „Plastic World“

Die Ausstellung befasste sich mit der Rolle von Kunststoffen in der bildenden Kunst. Sie bot einen umfassenden Überblick über die vielfältige Verwendung und Wahrnehmung von Plastikmaterialien im künstlerischen Kontext.

Plastik ist Fantastik

Plastik ist allgegenwärtig in unserem Leben. Es ist billig, nahezu überall erhältlich und spielt eine zentrale Rolle im heutigen Materialgebrauch. In den 1950er-Jahren symbolisierten synthetische Materialien den Geist des Massenkonsums und leiteten das sogenannte „Plastic Age“ ein. Einst als Symbol für Fortschritt und Modernität gepriesen, wird Plastik heute aufgrund seiner Umweltauswirkungen zunehmend kritisch gesehen.

Plastic World Ausstellung in der Schirn Kunsthalle
Junge, Otto Pienes‘ Anemones (An Air Aquarium) [1976] blies sich auf und fiel gleich in sich zusammen – in Endlosschleife.

Plastic World in der Schirn: Zwischen Hyperrealismus und Fantasie

„Plastic World“ zeigte die Entwicklung dieser Materialkultur mit über 100 Werken von rund 50 internationalen Künstlern. Die ausgestellten Objekte, Assemblagen (dreidimensionale künstlerische Kompositionen), Installationen und Filme spiegeln jeweils den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit wider. Es war wirklich geil.

Die Auswahl der Werke spiegelt die Vielseitigkeit dieser Materialien wider – sie reichen von verblüffend realistischen Nachahmungen der Natur bis hin zu völlig freien Formschöpfungen. 

John de Andrea, Woman Leaning Against Wall (1978): Polyester-Polyvinyl, bemalt in Ölgrisaille. So hyperrealistisch, dass ich kurz zögerte, ihr auf die Brüste zu starren.
Mein absoluter Liebling: Garmion von Berta Fischer (2020?).

„Plastic World“ bot mir viel ästhetisches Vergnügen. Die Farben, Formen und Materialien und auch die vielfältige und kreative räumliche Zusammenstellung der Exponate empfand ich als sehr gelungen und staunte wie ein Kind. Zwei Mal. Erfahre hier, wo ich mich endgültig in die Gegenwartskunst verliebte.


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Wild as f*ck: Hip-Hop-Ausstellung in der Schirn

Es war voll, es war laut, es war Frankfurt an einem Mittwoch. Die Ausstellung „The Culture“ in der Schirn Kunsthalle eröffnete mit einer wilden Hip-Hop-Party. DJs traten auf, unzählige Leute tanzten zur Musik und ich war mitten drin. Und das Wichtigste: Ich sah jede Menge Kunst von schwarzen Künstlerinnen und Künstlern. Ihre Werke sind nicht nur unfassbar kreativ, sondern drücken ihre Kultur in einer kraftvollen künstlerischen Sprache aus.

Party in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Ausstellungseröffnung
So voll habe ich die Schirn noch nie erlebt – auch wenn sie praktisch immer voll ist.

Kultur HipHop: „The Culture“ in der Schirn-Kunsthalle

Die Ausstellung „The Culture“ in der Schirn widmet sich der bedeutenden Rolle des Hip-Hop in der zeitgenössischen Kunst und Kultur. Sie zeigt Exponate wie etwa Kunstwerke und Mode, die die Verbindung von Hip-Hop zur Pop-Kultur und seine soziale Relevanz verdeutlichen. Besuchen kannst du die Ausstellung noch bis zum 26. Mai 2024.

The Culture: Hiphop-Ausstellung in der Schirn
Mein absolutes Lieblingswerk – hierbei handelt es sich um einen Tintenstrahldruck von Deana Lawson: „Nation“ aus dem Jahr 2018. Die mit Bedacht platzierten Metallelemente in der Bildszene deuten auf die Geschichte der Metallverarbeitung in der afrikanischen Diaspora. Ich liebe es einfach.

Die Geburtsstunde des HipHop

Die Hip-Hop-Kultur, inklusive Rappen, DJing, Breakdance und Graffiti, hat weltweit Bekanntheit und Erfolg erlangt. Ursprünglich eine kleine Subkultur aus der Bronx in New York, erobert Hip-Hop im Sturm die Welt.

Im August 1973, inmitten des finanziellen und sozialen Untergangs der Bronx, führte DJ Kool Herc, ein Sohn jamaikanischer Einwanderer, in einer Blockparty eine innovative Technik vor. Er verlängerte Instrumentalabschnitte von Funk- und Soulsongs durch manuelles Loopen und Samplen mit zwei Plattenspielern und einem Mischpult. Um es kurz zu machen: Der HipHop wurde geboren. Schnell entwickelte sich eine kraftvolle Bewegung, die die gesellschaftlichen Strukturen kritisierte und neue Perspektiven zur Darstellung diasporischer Erfahrungen bot.

Auch Jean-Michael Basquiat dabei

Die Sonderausstellung in der Schirn präsentiert über 100 Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler der letzten 20 Jahre. Die Kunsthalle wirbt mit Namen wie Lauren Halsey, Julie Mehretu und Virgil Abloh. Ich jedoch kannte von ihnen nur den großartigen Jean-Michel Basquiat.

Die Kuratoren der Schirn sehen HipHop als einen neuen Kanon. Er soll die westliche kunsthistorische Tradition herausfordern und alternative Ideale von künstlerischer Qualität und Exzellenz vertreten. Die Ausstellung setzt sich mit der visuellen Kultur des HipHop auseinander und zeigt dessen Einfluss auf Malerei, Mode, Architektur und Technologie.

Besondersders ergriffen haben mich zwei Gemälde von Monica Ikegwu. Darauf war eine junge Frau in roter Jacke abgebildet. Die Technik und die Umsetzung erinnerte mich an Idowu Oluwaseun, dessen künstlerisches Schaffen ich wenige Tage zuvor auf der art Karlsruhe sah. Zwar würde er thematisch nicht in die Hip-Hop-Ausstellung passen, trägt mit seiner Kunst jedoch ebenfalls zur Repräsentation schwarzer Kultur bei.

THE CULTURE. Hip-Hop und zeitgenössische Kunst im 21. Jahrhundert, Ausstellungsansicht, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Emily Piwowar / NÓI Crew
Monica Ikegwu – Open/Closed, 2021, Öl auf Leinwand, je 121,9 × 91,4 cm | THE CULTURE. Hip-Hop und zeitgenössische Kunst im 21. Jahrhundert, Ausstellungsansicht, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Emily Piwowar / NÓI Crew

Quellen:

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