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Kunst & Architektur

So entdeckte ich Frank Gehry in Frankfurt

Diese brutalistisch angehauchten Wohnhäuser bemerkte ich bereits, als ich zum aller ersten Mal mit der Straßenbahnlinie 12 nach Frankfurt-Schwanheim einfuhr. Ihre kantigen Fassaden ragten zwischen den Bäumen hervor, sodass mich ihre Architektur magnetisch anzog. Konnten sie wirklich das Werk des fantastischen Frank Gehry sein?

Goldstein-Siedlung in Frankfurt

Treten wir mal einen Schritt zurück und sehen uns die Frankfurter Goldstein-Siedlung an. Immerhin ist das die Gegend, in der unsere Gehry-Bauwerke Mitte der 90er Jahre errichtet wurden.

Ich halte sie für eine der spannendsten Siedlungen der Stadt, die ich bisher näher betrachten konnte. Vor Langer Zeit plante man hier ein Zuhause für alle Gesellschaftsschichten: Arbeiter, Sozialhilfeempfänger, später auch Geflüchtete und sonstige Ausländer. All sie sollten sich hier wohl fühlen und in einem friedlichen Miteinander ihre Kinder großziehen.

Die Idee war herzergreifend human, wenn man mal ganz vergisst, dass die NSDAP da anfangs mitgemischt hat und wir es hierbei mit ursprünglich idealistischen Strukturen und Visionen zu tun haben. Was heute davon übriggeblieben ist, ist eine beachtliche Profitgeilheit einer bestimmten Verwaltungs- und Baufirma, die auf meine Presse-Anfragen mittlerweile allergisch reagiert und nur noch pampig antwortet oder gar Antworten verweigert. Als Journalistin ist es mir manchmal schon eine Ehre, ungeliebt zu sein. In diesem ganz bestimmten Fall ist es das jedenfalls.

Durch Zufall entdeckt

Womit haben wir es also zu tun, wenn wir uns die Wohnhäuser, die sich da in Goldstein zwischen den Bäumen blicken lassen, ansehen? Nachdem sie mir ein ganzes Jahr lang immer wieder ins Auge sprangen, fand ich bei meinem Besuch im Historischen Museum Frankfurt heraus, das sie das Werk Frank Gehrys sind. Ganz durch Zufall las ich bei der Sonderausstellung zu Frankfurter Fotografien aus längst vergangenen Zeiten eine Bildunterschrift, die meine Recherche anregte.

Wie ich die Frank-Gehry-Siedlung in Frankfurt-Goldstein entdeckte.
Da stand ich nun vor dem eingerahmten Bild. Ich erkannte meine geliebten Bauten. Dann las ich das Schildchen unterhalb des hölzernen Rahmens: „Frank Gehry“. Meine Augen weiteten sich.

Verwaltung durch die Nassauische Heimstätte omg

Oh Wunder, oh Wunder. Diese hohe Architektur wird von der Nassauischen Heimstätte (NHW) verwaltet, die ich natürlich an keiner anderen Stelle dieses Textes erwähnt habe. Genau genommen handelt es sich bei den Gehry-Häusern um eine ganze Gehry-Siedlung (in der Goldstein-Siedlung – quasi Siedlung in Siedlung, lol) . Und sie soll damals das gemeinsame Projekt der NHW und des großen Frank Gehry gewesen sein. Die NHW schreibt sogar, das diese Siedlung das Paradebeispiel dafür sei, dass sie auch Non-Profit-Projekte hat. Immerhin blicken wir hier auf ein ganzes Ensemble an Sozialbauten; in verschiedensten architektonischen Ausführungen.

Die Anlage besteht aus 162 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen, darunter auch barrierefreie Ausstattungen. Jede Wohnung bietet durchschnittlich eine Fläche von 73 Quadratmetern. Errichtet wurde die Gehry-Siedlung zwischen 1994 und 1996.

Frank Gehry Siedlung in Frankfurt: Architektur

Gehrys extravagante Handschrift zeigt sich deutlich in der farbenfrohen Gestaltung der Fassaden mit skulpturalen Elementen und den teilweise mit Zinkblech verkleideten Balkonen und Treppenhäusern. Die Balkone sind wie Logen gestaltet und bieten einen Blick auf einen Innenhof mit Spielbereich.

Zu Beginn seiner Karriere baute Gehry konventionell. Gegen Ende der 70er Jahre veränderte er seine architektonische Formensprache. Er begann, vermeintlich „ärmliche“ Materialien wie etwa Sperrholz und Wellblech einzusetzen. Im, Möbelbau sogar Wellpappe. Charakteristisch für Gehrys Baustil sind seitdem abgewinkelte Ebenen, kippende Räume, umgekehrte Formen und eine gebrochene Geometrie. Seine Bauten haben typischerweise auseinanderstrebende Bauelemente, die miteinander verknüpft werden – so, dass es wie ein Ineinanderfließen der Räume wirkt.

Infrastruktur der Frank-Gehry-Siedlung

Nicht nur Design und Ästhetik stehen bei der Siedlung im Vordergrund. Die Infrastruktur spielt ebenfalls eine Rolle in diesem Projekt. In unmittelbarer Nähe zur Wohnanlage stehen den Bewohnern eine Sozialstation, ein Jugendzentrum sowie diverse Geschäfte zur Verfügung. Außerdem eine gepflegte Wiese zum Spazieren- und Gassigehen plus Straßenbahn-Haltestelle.

Architekt Frank Gehry

Frank Owen Gehry, 1929 in Toronto geboren, ist bekannt als Vertreter des Dekonstruktivismus. Seine Bauten sind auffällig collageartig und folgen keinen strengen Konstruktionsprinzipien. Oftmals fließen ganze Gebäude ineinander über und wirken wie glänzende UFOs oder sonstige Objekte, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Mit seinem Stil, den ungewöhnlichen Formen, Farben und Baumaterialien, wie etwa Zinkblech für die Außenfassaden, bringt er ganz neuen Glanz in die Siedlung Goldstein.

Am 5. Dezember 2025 stirbt die Legende und hinterlässt auf ewig ein beachtliches Lebenswerk, das noch viele Generationen nach ihm magnetisieren, faszinieren und inspirieren wird.

Frank Gehry
Da ist der Mann der Stunde (schwarzer Mantel und Brille): Architekt Frank Gehry beim Richtfest der Goldstein-Siedlung. Copyright: Nassauische Heimstätte.

So fühlte es sich an, vor Ort zu sein

Natürlich eilte ich damals hin, als ich erfuhr, dass die Häuser von unserem Architekten-Superstar sind. Der Weg dort hin war für Frankfurt-Verhältnisse idyllisch. Die Architektur – überwältigend. Wenn ihr die Gehry-Siedlung besuchen wollt, beachtet bitte, dass dies der Wohnraum der dort lebenden Menschen ist. Hinterlasst nichts, seid leise und verhaltet euch respektvoll – ihr seid auf fremdem Terrain. Stellt euch darauf ein, dass die Anwohner, die auf den Bänken zwischen den Gebäuden sitzen, euch sofort als Fremdkörper identifizieren werden. Versucht daher eher unauffällig oder gar keine Bilder zu machen, aber nicht so auffällig unauffällig wie ich.

Das hat mir ganz und gar nicht gefallen

Was mir sehr weh tat, war der Zustand der architektonischen Meisterwerke. Genau genommen, das, was die einen oder anderen Bewohner der Siedlung dort veranstaltet haben. Die Wege drum herum waren sehr gepflegt. Bei den Wiesen sah es schon etwas trauriger aus. Die Häuser haben mich teilweise nur noch deprimiert. Kaputte klingeln und Briefkästen, billige und vor allem leere und abgeranzte Blumentöpfe, die von den grafischen Logen-Balkonen hingen, ohne auch nur ansatzweise stilistisch oder farblich dazu zu passen. Billige Sonnenschirme, irgendwelche Boho-Dekoartikel und Lampen, Zäune im rustikalen Stil (!!!), alte ausgeblichene Aufkleber an den Fenstern – einfach nur ein geschmackloser Horror, der diese klare Architektur regelrecht vergewaltigt. Wie immer mache ich keine Bilder vom Hässlichen, weil ich da einfach kein Bock drauf habe. Aber das Hässliche gehört zum Leben dazu – wenn auch nicht auf meinen Blog.

Ich finde diesen Billo-Dekowahn wirklich respektlos gegenüber Frank Gehry. Und das hat nichts mit Geld haben oder nicht haben zu tun. Ich weiß genau, was finanzielle Schwierigkeiten sind. Doch sowas Geschmackloses brachte ich noch nicht einmal zustande, als ich mir während meiner Studienzeit lediglich eine Matratze und ein improvisiertes Bücherregal leisten konnte, welches ich übrigens bis heute nutze. Dennoch merkt man schon, dass die NHW da regelmäßig pflegt. Die Farbe an den Häusern war relativ frisch und die Außenanlagen genossen offenbar Aufmerksamkeit. Die Blechelemente der einzelnen Bauwerke waren in gutem Zustand. Ich nehme stark an, dass da regelmäßig restauriert wird. Zumindest außen.

Zwischen Wohnsiedlung und Kunstobjekt

Beenden wir diesen kleinen Ausflug mit einer positiven Note. Egal wie abgeranzt die Häuser aktuell sind – sie tragen den Geist unserer Legende in sich weiter und werden dies auch noch viele Jahre tun. Vielleicht sieht er mir gerade aus den Wolken dabei zu, wie ich mich über den Zustand auslasse und zeigt mir, wie auch anderen Journalisten vor mir „den Finger“. Vielleicht ist er der veranstalteten Geschmacklosigkeit gegenüber viel toleranter als ich und versteht viel besser als ich, dass die Häuser für das Leben darin gemacht wurden und nicht dafür, um als Kunstobjekte betrachtet zu werden. Wir wissen es nicht.

Bleiben wir mal ganz kurz bei Kunst: Die Gehry-Siedlung befindet sich nur einen kurzen Spaziergang von meinen geliebten Eiermann-Türmen entfernt. Wenn ihr also einen vollumfassenden architektonischen Orgasmus erleben wollt, plant bitte auch einen Besuch zu diesen ausgefallenen Bauwerken in Frankfurt-Niederrad.


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Kunst & Architektur

Barock zum Staunen: Das verbirgt sich im Rastatter Schloss

Wer nach Rastatt kommt, um nach Barock zu suchen, wird schnell fündig. Auch ich war dort auf den Spuren dieser Epoche. Besonders beeindruckt hat mich das Barockschloss. Ich ging in den vergangenen Jahren, als ich noch in Rastatt lebte, etliche Male daran vorbei, doch wusste es noch nie so richtig zu schätzen. Nun sollte sich das aber ändern: ich würde es auch mal von innen sehen. Das können alle. Betreten werden darf das Schloss allerdings nur im Rahmen einer Führung. Diese kostet 8 € (ermäßigte 4 €).

Einblicke ins Rastatter Schloss

Unsere Gruppe lauschte den Geschichten vom höfischen Leben und der Architektur. Die Dame, die uns durch die barocken Räumlichkeiten führte, teilte ihr Wissen mit einer solch ansteckenden Leidenschaft – es war einfach schön. Ich lernte viel von ihr. Ihre Art zu erzählen war aufregend und lebendig, sodass ich bei dieser Führung am liebsten gleich noch mal mitgemacht hätte.

Im Schlossinneren angekommen deutete sie auf eine Muschelarchitektur und sagte: „Die Muschel ist das Symbol des Barocks.“ Zudem spielte die Barock-Perle, eine unebene, meistens tropfenförmige Perle, eine Schlüsselrolle in der Epoche. Sie ist die Quelle der Ästhetik, die den Barock ausmacht und wurde als das Ideal angesehen. Ihre Struktur spiegelt sich oftmals in all den innen- und außenarchitektonischen Schnörkeleien und Verzierungen wider.

Die Muschel: Oft als Indiz für barocke Architektur zu deuten.

Rokoko im Barockschloss

Wir befanden uns im ehemaligen Einfahrtsbereich des Schlosses. Einer Art „Kutschen-Tiefgarage“ für Gäste, die einfuhren und dabei incognito bleiben wollten. Eine pompöse Deckenarchitektur im Stile des Rokoko begrüßte uns und blickte beinahe spöttisch auf uns herab. Rokoko erkennt man daran, dass die Zierelemente nicht so gleichschenklig sind wie die im Barock. Darüber hinaus ist es kantiger, unebenmäßiger, herausragender.

Dann ging es die Treppen hinauf. Die Dame zeigte uns pompöse doppelte Decken, güldene Verzierungen, Statuen, Reliefs und Gemälde. „Die große Pracht war dazu da, um die Gäste klein zu halten.“ All das war eine Hommage an die griechische Mythologie. Obwohl der Glaube christlich war, ließen die Architekten hier die Griechen hochleben – sie formten ihre Götter aus Stein und mindestens einen sogar aus Bronze. Schließlich galt der christliche Gott als unantastbar und durfte strenggenommen nicht dargestellt werden.

Fakten zum Schloss: Bauherr und Co.

Im größten und prächtigsten Raum des Schlosses, dem Ahnensaal, stießen wir auf noch mehr eindrückliche Elemente des Rokoko. Zahlreiche Fresken schmückten die meterhohen Wände. Sie zeigen nicht nur die Vorfahren des Bauherrn, sondern auch viele gefangene Osmanen. Diese Darstellungen sollten den Besuchern vermitteln, dass der Markgraf von Baden-Baden – auch bekannt als „Türkenlouis“ – als siegreicher Feldherr der Christenheit galt. Er wurde als jener gefeiert, der Europa vor den Osmanen beschützt hatte.

Ahnensaal im Barockschloss Rastatt

Der Markgraf residierte zu Lebzeiten im Schloss Rastatt. Es wurde ab 1697 nach den Entwürfen von Domenico Egidio Rossi erbaut. Zuvor hatte er zusammen mit seiner Frau Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg im Neuen Schloss in Baden-Baden gelebt. Dieses war jedoch von französischen Truppen niedergebrannt worden. Eine neue Residenz musste her.

Franziska Augusta Sibylla und Ihre Schwester Anna Maria Franziska. Unbekannter Künstler.

Das Residenzschloss Rastatt wurde nach dem französischen Vorbild Versailles gebaut. Ganz Europa schaute auf die Machtfülle des französischen Monarchen und versuchte diesem nachzueifern.

Macht: So wurde sie im Barock repräsentiert

Mit dem Bau des Rastatter Schlosses verfolgte Ludwig Wilhelm ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte die Kurwürde erlangen. Nachdem ihm trotz seiner militärischen Erfolge – sowohl in den Türkenkriegen als auch am Rhein – die erhofften Ehren verwehrt blieben, setzte er stattdessen auf repräsentative Architektur. Das prachtvolle Schloss sollte seine Machtansprüche sichtbar untermauern.

Allzu viel hatte Ludwig Wilhelm selbst jedoch nicht von seiner Residenz. Die meiste Zeit verbrachte er im Feld. Bereits 1707 starb er an den Folgen einer Kriegsverletzung.

Dieses Barockjuwel zeigt eindrucksvoll, wie Architektur, Macht, Kunst und Geschichte miteinander verbindet. Du kriegst von Schlössern nicht genug? Hier geht’s zu der atemberaubenden Münchner Residenz.


Alle Bilderrechte bei avecMadlen.com

Die Öffnungszeiten und alle andere Infos rund um deinen Besuch des Rastatter Schlosses findest du hier.

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Kunst & Architektur

Egon Eiermann baut die geilsten Türme Frankfurts

Als ich zum ersten Mal in Frankfurt aufwachte, erblickte ich die Türme von Egon Eiermann. Ich musste gleich ehrlich zu mir selbst sein: Die Konstruktion der beiden architektonischen Meisterwerke war bei Weitem das Beeindruckendste, das ich seit langer Zeit gesehen hatte. Und das, obwohl ich die Architektur vergangener Epochen viel besser kenne und, zugegeben, auch schätze. Bis zu meinem letzten Tag in Frankfurt fuhr ich aufgeregt an der Station „Börostadt Niederrad“ vorbei, weil man dort die Eiermann-Türme direkt aus der Straßenbahn heraus bestaunen kann.

Laut „stadtkindfrankfurt.de“ soll Egon Eiermann zu den einflussreichsten deutschen Architekten der Nachkriegszeit gehören. Seine beiden Türme in Frankfurt soll er erst im späten Abschnitt seines Lebens für die Firma Olivetti konstruiert haben. Olivetti ist ein Unternehmen, das heutzutage Computer, Bürogeräte und -maschinen sowie Anwendungssoftware herstellt.

Eiermann-Türme in Bürostadt-Niederrad in Frankfurt.
Es ist unfassbar, wie filigran der Architekt seine beiden Türme konstruiert hat. Zum Zeitpunkt der Konstruktion hatte er nur eine begrenzte Fläche, die er nutzen durfte. Das flache Gebäude in der Mitte der beiden Türme, das wir hier im Bild sehen, beeinflusste die Bauweise stark.

Die beiden Bauwerke wurden erst zwei Jahre nach dem Tod von Egon Eiermann fertiggestellt. Dass die extravagantesten Türme Frankfurts direkt am Stadtwald grenzen, intensiviert den Kontrast zwischen Naturkulisse und einer Architektur, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Die Vita des Egon Eiermann

Egon Eiermann wurde am 29. September 1904 in Neuendorf bei Berlin geboren. Seine architektonische Reise begann er nach dem Abitur an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, wo er – man ahnt es – Architektur studierte. Während seines Studiums hatte er das Privileg, von herausragenden Lehrern wie Heinrich Tessenow und Hans Poelzig unterrichtet zu werden, von dem er später auch als Meisterschüler anerkannt wurde.

Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums im Jahr 1927 trat Egon Eiermann seine erste Anstellung im Baubüro der Karstadt AG in Hamburg an. Seine Fähigkeiten und sein Talent als Architekt blühten dort auf und ebneten den Weg für eine herausragende Karriere. 1931 wurde er selbstständiger Architekt und kehrte nach Berlin zurück.

Eiermann: Das macht den Architekten aus

Die Jahre von 1931 bis 1945 waren geprägt von Egon Eiermanns unermüdlichem Schaffen und seiner Leidenschaft für die Architektur. Während dieser Zeit schuf er Werke, die seine innovative Denkweise und sein strenges Designprinzip widerspiegelten. Seine Entwürfe und Projekte zeichneten sich stets durch Klarheit, Funktionalität und zeitlose Eleganz aus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffneten sich für Egon Eiermann neue Möglichkeiten. Im Jahr 1947 wurde er zum Lehrstuhl für Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe berufen. In dieser Position konnte er sein umfangreiches Wissen und seine kreativen Ideen an die nächste Architektengeneration weitergeben. Neben seiner akademischen Laufbahn etablierte er auch sein eigenes Architekturbüro in Karlsruhe.

Fun Fact: Am KIT gibt es ihm zu Ehren sogar einen Egon-Eiermann-Hörsaal. Dort finden Vorlesungen der Architektur und Kunstgeschichte statt.

Egon-Eiermann-Türme im Frankfurter Stadtteil Niederrad.
Allein dafür lohnt es sich nach Frankfurt zu kommen. Traurig finde ich, dass die Grünfläche um die beiden Türme herum immer weiter verwahrlosen, obschon in den Gebäuden noch etwas Leben herrscht.

Eiermann stirbt – doch hinterlässt bleibenden Eindruck

Eiermann verstarb 1970 im Alter von nur 65 Jahren in Baden-Baden. Trotz seines viel zu frühen Todes hinterließ er ein beeindruckendes Erbe in der Welt der Architektur.

Seine Werke und sein Einfluss auf die moderne Architektur sind auch heute noch lebendig und inspirierend für kommende Generationen von Architekten und Designer. Egon Eiermann wird nicht nur für seine herausragenden Bauten, sondern auch für seine unermüdliche Hingabe an die Architektur in Erinnerung bleiben.


Quellen: stadtkindfrankfurt.de und egon-eiermann-gesellschaft.de

Bilderrechte: avecMadlen.com

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Kunst & Architektur

Kirchen: Baden-Badens geheime Schatzkammern

In Baden-Baden liegt Geschichte nicht nur in der Luft. Sie spiegelt sich auch in Stein und Glas wider. Werfen wir doch mal einen Blick auf die architektonischen Meisterwerke der Stadt – die Gotteshäuser. Sie zeigen uns nicht nur, wie unsere Stadtbewohner seit vielen Generationen ihren Glauben leben, sondern geben auch Einblicke in die europäische Baukultur und Experimentierfreude an Gestaltung. Gehen wir sie einmal chronologisch durch und fangen mit der ältesten und wohl bekanntesten Kirche an.

Stiftskirche Liebfrauen in Baden-Baden

Markant thront die Stiftskirche Liebfrauen am Florentinerberg. Ihr rund 68 Meter hoher Turm prägt die Silhouette der Altstadt. Nicht nur meine Fotoarchive sind voll von ihr. Erstmals 987 urkundlich erwähnt, wurde sie im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut, erweitert und geformt. Aus dem 13. Jahrhundert ist der romanische Turmschaft erhalten geblieben, während der Chor und das Langhaus zwischen 1453 und 1474 im spätgotischen Stil erbaut wurden.

Was erwartet uns im Inneren? Die Kirche ist dreischiffig mit Querhaus und Chor angelegt. Ihre Decken sind von Kreuzrippengewölben überspannt, die von Sandsteinpfeilern getragen werden. Im Chor finden wir das aufwendig gestaltete Hochgrab des Markgrafen Ludwig Wilhelm (Türkenluis). Davor bleibe ich immer besonders lange stehen, egal, wie oft ich es bereits gesehen habe.

Die evangelische Stadtkirche

Nachdem 1855 der Grundstein gelegt wurde, fand 1864 die Einweihung der Evangelischen Stadtkirche statt. Ihr denkt euch vielleicht: „Wie bitte?“ Zurecht – bei ihrem Anblick könnte man leicht glauben, sie stamme aus der Hochgotik. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich gehört sie der Neogotik an, einem Stil des 19. Jahrhunderts, der bewusst die Formen und Motive der Gotik wieder aufgriff. Die Neogotik zählt zu den frühesten Unterarten des Historismus, der sich in Kunst und Architektur an den Stilen vergangener Jahrtausende und verschiedener Kulturen orientierte. Wir kennen das etwa auch vom (Neo-)Klassizismus, der sich an der Antike, vor allem am griechischen und römischen Tempelbau, orientiert hatte.

Die Stadtkirche ist meistens geschlossen, weshalb ich sie heute erstmals, nach all den Jahren, betreten habe. Wunderschön – auch von innen: Im Hauptschiff finden wir spitzbogige Fenster mit farbigen Glasmalereien, die viel Tageslicht hineinlassen. Das Kreuzrippengewölbe überspannt den gesamten Raum und über der Empore am Eingang steht seit 1973 eine eindrückliche Orgel, auf der während meines Besuchs fleißig geprobt wurde. Ein magischer Moment, der mir für lange Zeit im Herzen bleiben wird. Die Deckenhöhe beträgt schätzungsweise 15–20 Meter, aber manche von euch werden wissen, wie (un)zuverlässig ich im Schätzen bin, daher Angabe ohne Gewähr.

Stourdza-Kapelle auf dem Michaelsberg

Mit Neoklassizismus geht es weiter. Die rumänisch-orthodoxe Kapelle Heiliger Erzengel Michael, auch bekannt als Stourdza-Kapelle, wurde zwischen 1863 und 1866 nach Plänen der Architekten Leo von Klenze und Georg von Dollmann erbaut. Sie steht auf dem Michaelsberg. Von Weitem erkennen wir sie an einer der zwei güldenen Kuppeln der Stadt. Sie ist 24 Meter hoch und eine Miniaturreplik der Kuppel der Peterskirche in Rom.

So einfach lässt die Stourdza-Kapelle sich jedoch nicht betreten. Man muss schon einen Termin erbitten, um sie von innen zu sehen. Von außen sehen wir einen kubischen Baukörper, dessen Wandflächen abwechselnd mit weißem, rotem und gelbem Sandstein „gestreift“ sind. Die Vorhalle wird von vier ionischen Säulen getragen. Diese Kirche ist für mich immer wieder ein krönender Abschluss, nach einem Spaziergang auf dem Michaelsberg.

Russisch-Orthodoxe Kirche Baden-Baden

1880 bis 1882 folgt der nächste große Bau: Die russisch-orthodoxe Kirche an der Lichtentaler Straße wird nach den Plänen des St. Petersburger Architekten Iwan Strom errichtet. Sie gehört zum nordrussischen bzw. russisch‑orthodoxen Stil mit byzantinischen Elementen. Ihr Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes. Das ist auch bei vielen katholischen Kirchen und Klöstern üblich. Wie ihr euch sicher denken könnt, ist das die zweite güldene Kuppel der Stadt. Nur hat sie eine etwas andere Form: Im Deutschen sagen wir „Zwiebelkuppel“ dazu. Diese wird gekrönt von einem dreibalkigen Kreuz.

Das Mosaik über dem Portal und der prächtig ausgestattete Innenraum stammen vom „Malerfürsten“ Grigor Gagarin. Eine sogenannte Ikonostase aus weißem Marmor trennt den Altarraum vom Gemeinderaum – der Blick auf den Altar wird, wie in der russischen Kultur üblich, nur zu bestimmten Gottesdienstzeiten freigegeben.

Weststadt: Katholische Kirche St. Bernhard

Sehenswert ist auch die katholische Kirche St. Bernhard in der Baden-Badener Weststadt. Sie wurde zwischen 1911 und 1914 nach den Bauplänen von Johannes Schroth erbaut. Diese stießen damals auf deutliche Kritik vom bischöflichen Ordinariat, da sie Jugendstil-Elemente aufwiesen. Der Architekt konnte seine Vision des Bauwerks jedoch verteidigen, indem er argumentierte, dass die katholische Kirche damit mit der Zeit gehe.

Stilistisch prägend ist außerdem eine byzantinisch-frühchristlich wirkende Architektur, die sich in der zentralen Rotunde mit Kuppel widerspiegelt. Ihre Fresken und das einfallende Tageslicht wirkten auf mich überwältigend. Ganz zu schweigen von der gigantischen Orgel auf der Empore über dem Haupteingang.

Den Namen St. Bernhard verdankt das Gotteshaus dem seligen Bernhard von Baden. Der verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch und linderte stattdessen die Armut und Not der Bevölkerung, indem er einen Großteil seines Vermögens hinterließ.


Kein Anspruch auf Vollständigkeit, es gibt nämlich noch mehr Kirchen in Baden-Baden, die ich euch nach und nach hier vorstellen werde. Freut euch also auf Updates.

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Kunst & Architektur Reisen

Schloss Favorite: Hinter den Mauern der Markgräfin

Heute betat ich unverhofft die prunkvollen Räume des Schlosses Favorite in Rastatt. Hinter den kunstvollen Fassaden verbirgt sich das Vermächtnis einer Frau, die sich nicht mit der Rolle der stillen Fürstin und gehorsamen Ehefrau begnügte. Franziska Sibylla Augusta (1675–1733) ließ in Baden einige architektonische Meisterwerke bauen und konnte sich somit als Herrscherin, die im süßen Überschuss lebte, verewigen.

Sibylla Augusta: Kindheit und Intrigen

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1681 wuchs Franziska Sibylla Augusta gemeinsam mit ihrer Schwester Anna Maria Franziska unter der Obhut der Gräfin Polixena von Werschowitz auf, deren Porträt heute in einem der Flure des Schlosses Favorite hängt. Als Tochter des Hauses Sachsen-Lauenburg wurde sie standesgemäß in höfischer Konversation, Malerei und Musik unterrichtet.

Franziska Augusta Sibylla und Ihre Schwester Anna Maria Franziska. In solch einer friedvollen Aufmachung soll man die beiden nur selten erlebt haben. Unklar, wann das Porträt entstand. Vor allem ist auch der Künstler unbekannt.

Sowohl das Verhältnis zur drei Jahre älteren Schwester als auch zur Gräfin war angespannt, da die Werschowitz die Ältere bevorzugt haben soll (Spekulation). Zudem soll bittere Konkurrenz zwischen den beiden Schwestern geherrscht haben. 1689 starb auch der Vater. In höfischen Kreisen wurde gemutmaßt, er sei vergiftet worden. Verdächtigt wurde Gräfin Polixena von Werschowitz, die angeblich auf das Vermögen aus war (ebenfalls Spekulation).

Fünf Tage vor seinem Tod hatte der Vater die Töchter jedoch testamentarisch unter den Schutz des Kaisers gestellt sodass die Gräfin leer ausging.

Ehe mit Türkenlouis

Später heiratete unsere Protagonistin Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, besser bekannt als „Türkenlouis“. Mit gerade einmal 15 Jahren trat sie als seine Gemahlin auf die politische und kulturelle Bühne des badischen Hofes. Er war bei der Eheschließung 34 Jahre alt.

Als Ludwig Wilhelm 1707 im Krieg tödlich verwundet wurde, übernahm Franziska Sibylla Augusta die Regentschaft – die gemeinsamen Kinder waren noch zu jung dafür. Mit kluger Heiratspolitik, einem wachsamen Blick auf die Finanzen und durchgreifenden Verwaltungsreformen erwarb sie sich bald hohes Ansehen und das Vertrauen der Bevölkerung.

Sybilla Augusta als Bauherrin

Ihre Baupolitik schaffte Arbeitsplätze, doch dem Volk ging es erbärmlich. Ihr Versuch, die allgemeine Armut zu lindern, war da. Vor allem entfaltete ihre Bautätigkeit aber ihr künstlerisches Geschick.

Was mir bei unserer Schlossführung gleich ins Auge sprang, war natürlich der üppige Empfangsbereich. Unter anderem wachen in den Ecken des Raumes vier weibliche Figuren mit Füllhörnern über das Geschehen. Diese verweisen auf die katholische Prägung Badens, zu der auch Rastatt zählte: Der Segen der Fruchtbarkeit, so die Botschaft, bewahrte die Region vor Hungersnöten. Ein bisschen widersprüchlich kam mir das schon vor. Einerseits herrschte Armut, andererseits soll es während der Regentschaft von Sybilla Augusta keine außerordentlichen Hungersnöte gegeben haben. Aber dem gehen wir an anderer Stelle genauer auf den Grund.

Schloss Favorite: Bau und Besonderheiten

Als Bauherrin des Schlosses Favorite ließ sie einen privaten Rückzugsort errichten, der auch Ausdruck ihrer Sammelleidenschaft war – insbesondere ihrer Vorliebe für Porzellan. Hierzu gibt es eine gesonderte Führung durch andere Teile des Schlosses, die vor mir bisher jedoch verborgen blieben. Demnächst will ich euch die Porzellansammlung aber zeigen. Immerhin wurde für sie (und ganz nebenbei auch für die beiden Söhne) das Schloss Favorite überhaupt erst erbaut.

Zwischen 1710 und 1730 entstand der Bau unter der Leitung des Architekten Johann Michael Ludwig Rohrer. Die Arbeiten zogen sich über zwei Jahrzehnte hin – immer wieder verzögerten sie sich durch französische Truppenbewegungen in der Region.

Geile Fakten und Legenden rund ums Schloss Favorite

  • Es gilt als das einzige fast unveränderte Porzellanschloss Deutschlands.
  • Die Bauarbeiten begannen nur 3 Jahre nach dem Tod von Türkenlouis.
  • Das „Florentiner Kabinett“ im Schloss ist einzigartig in Europa und besteht aus 758 Paneelen aus Marmor, Granit und Halbedelsteinen. Unser Schlossführer nannte sie etwas verallgemeinert, aber umso verständlicher, „Steinbilder“. Sehr eindrücklich und sehenswert.
  • Der barocke Lustgarten rund um das Schloss wurde später in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet, der den Charakter der Gesamtanlage bis heute prägt.
  • Das Schloss wurde mehrfach für Film- und Fernsehproduktionen genutzt, darunter als Hauptschauplatz des ARD-Märchenfilms „Der Froschkönig“ im Jahr 2008.
  • Und mein persönlicher Favorit (haha verstehste, wegen Schloss Favorite xD) ist die Legende zur Kieselstein-Fassade: Die Markgräfin Sibylla Augusta soll während des Baus des Schlosses arme Kinder gebeten haben, in Bächen und im Flussbett der Murg Kieselsteine zu sammeln. Für jedes Körbchen bezahlte sie mit einigen Kreuzern1 und einem Stück Brot. Diese Geste wird als Umsetzung des biblischen Mottos „Steine zu Brot“ interpretiert. Die gesammelten Kieselsteine wurden anschließend als Verzierung an der Fassade des Schlosses angebracht und machen es absolut einzigartig.

Auch interessant: So erkennst du Barock auf den ersten Blick

Schlusswort

An dieser Stelle möchte ich zum Ende kommen und meine Eindrücke im Schlossinneren mit euch teilen. Besonders überragend fand ich den bereits erwähnten Empfangsbereich: Wände mit einem leuchtend roten, künstlich hergestellten Marmor, der etwa dreimal so kostbar sein soll, wie echter Marmor. Damals mischte man nämlich feinstes Edelstein-Pulver aus Granat, Lapislazuli und anderen in eine Betonmasse, um Farbintensität und Glanz zu erzeugen. Des Weiteren viel Gold und barocke Schnörkeleien, Skulpturen, handbemalte Platten, Reliefs und, und, und… Wirklich sehenswert. Führung gibt’s für 10 €, Ermäßigte 5€.

Eines meiner weiteren Lieblingsprunkstücke des Schlosses ist das Spiegelkabinett. Es diente weniger dem persönlichen Blick als dem gesellschaftlichen Statement – ein Symbol von Macht, Glanz und unerschütterlichem Selbstverständnis.

Ungewöhnlich an unserer Sybilla Augusta ist also nicht nur ihr architektonisches Erbe, sondern auch ihre Position: In einer Zeit, in der Machtfragen fast ausschließlich Männersache waren, gelang es ihr, als Frau Einfluss zu nehmen – und Markgräfin zu werden. Lieben wir! Oder?


NEU

Auf meinem TikTok-Account kannst du dir das Schloss Favorite sowie alle anderen Highlights aus der Region im Videoformat ansehen.

Fußnote

  1. Der Kreuzer war eine kleine Münze im Heiligen Römischen Reich und später in vielen deutschen Staaten. Sie diente als Zahlungsmittel für alltägliche Dinge und hatte nur einen geringen Wert – vergleichbar mit ein paar Cent heute. ↩︎

Bebilderung

Das Porträt der beiden Schwestern unterliegt urheberrechtlich der Stadt Rastatt.
Das linke Bild des Florentiner Kabinetts: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl
Alle restlichen Bilder: avecMadlen.com

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Tag des offenen Denkmals: Programm in Frakfurt

Endlich ist es soweit. Nachdem ich vor zwei Jahren meinen Spaß am Tag des offenen Denkmals in Heidelberg hatte, lädt dieselbe Veranstaltung auch am Sonntag, 8. September, zu einer Erkundung in Frankfurt ein. Also nicht nur in Frankfurt, sondern bundesweit – ich bin aber in FFM für euch am Start. Das ist die Gelegenheit, die Stadtgeschichte deiner Stadt hautnah zu erleben. An diesem besonderen Tag öffnen zahlreiche historische Stätten und Denkmäler ihre Tore, die sonst verschlossen bleiben.

Hier geht’s zur damaligen Fotostreckenstory in Heidelberg – wie immer mit ganz viel Liebe in jedem Pixel.

Tag des offenen Denkmals in FFM: Programm

Das Programm umfasst eine Vielzahl von Veranstaltungen, Führungen und Aktivitäten. Diese werden von lokalen Experten und Geschichtenerzählern begleitet. In Frankfurt ist das allerdings wie immer so, dass die Führungen auf nur 20 Besucher beschränkt sind – und das mit Voranmeldung. Trauriger Scheiß, aber so ist es leider immer in FFM. Alles, was Spaß macht, ist ausgebucht, bevor überhaupt ein Termin feststeht (ich übertreibe an dieser Stelle etwas, aber ihr kennt’s sicher auch).

Die Organisatoren ermuntern Frankfurter sowie auch Touristen, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Insgesamt stehen 19 Bauwerke zur Besichtigung offen:

  • Alte Nikolaikirche (Römerberg 11)
  • Altes Portal des Frankfurter Hauptfriedhofs (Eckenheimer Landstr. 188-190)
  • Dorfkirche Unterliederbach (Heugasse 1)
  • Dreikönigskirche (Dreikönigsstr. 32)
  • Ehemalige Bonifatius-Kapelle (Oberer Kalbacher Weg 7)
  • Ehemalige DB-Zentrale (Stephensonstraße 1)
  • Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“ (Taunusanlage 20)
  • Evangelische Kreuzkirche (Weinstr. 25)
  • Frauenfriedenskirche (Zeppelinallee)
  • Hellerhofsiedlung und Alte Hellerhofsiedlung (Rebstöcker Str. 95)
  • Justinuskirche Höchst (Justinusplatz 2)
  • Kirche St. Leonhard (Am Leonhardstor 25)- Lohrpark (Auf dem Lohr 9)
  • Römische Raststation Heidenschloß (Oeserstr. 180)
  • Studierendenhaus (Mertonstr. 26-28)
  • Töpferhaus (Erich-Ollenhauer-Ring)
  • Villa 102 (Bockenheimer Landstr. 102)
  • Wasserwerk Griesheim (Oeserstr. 181)
  • Willemerschule (Willemerstr. 8–10)

Eine Stadtkarte auf der Website des Veranstalters hilft bei der Planung des Besuchs.

Tag des offenen Denkmals: Meine persönlichen Highlights

Zu den besonderen Highlights gehört für mich persönlich die Justinuskirche Höchst, die mitten in der Höchster Altstadt liegt und zwischen den Jahren 830 bis 850 erbaut wurde. Der Besuch dieser historischen Kirche lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch die nahegelegene Fachwerkstraße verbinden. Am Höchster Schloss findet zudem ein Jazzfestival statt. Eintritt frei. Warum ist diese Kirche für mich so ein besonderer Ort? Naja. Das ist genau die Kirche, in dessen Kräutergarten ich einbrechen wollte, als der Zahnarzt und ich unser erstes Date hatten. Ich habe es NICHT getan, ok? Weil ich ein anständiger Mensch bin.

Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist das ehemalige Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“. Da plane ich dieses Jahr auf jeden Fall hinzugehen. Ich erzähle euch im Nachklang, wer mich dahin begleitet. Das Gebäude stammt jedenfalls aus den Jahren zwischen 1898 und 1900 und steht derzeit leer. Es zeichnet sich durch seine klassizistische und barocke Bauweise aus. Besonders heiß bin ich auf die Innenräume – mal sehen, wie weit ich mit meinem Presseausweis komme.

Auf diesen Brutalisten freue ich mich besonders

Auch das Bürogebäude der ehemaligen Hauptverwaltung der Deutsche Bahn AG in Frankfurt-Gallus ist für mich ein absolutes Highlight und ich brenne auf den Besuch dieses Brutalisten. Auch wenn es nicht so hoch ist, wie manche Wolkenkratzer, die die Frankfurter Skyline zieren, ist es dennoch ein Hochhaus. Es wurde in den Jahren zwischen 1991 und 1993 erbaut und anschließend als Kulturdenkmal eingestuft.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals in Frankfurt, Heidelberg und all den anderen wunderbaren Städten Deutschlands, findet ihr auf der offiziellen Website der Veranstalter.


Transparenzhinweis: Hierbei handelt es sich um einen Artikel, den ich zunächst für ein anderes Medium geschrieben habe und dann eiskalt durch die KI gejagt und meinen Senf zugefügt habe.

Zum Bild: Das Höchster Schloss kann nicht besucht werden. Wie gesagt findet in dessen Innenhof das Jazzfestival statt. Der Turm jedoch bleibt auch zum Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit verschlossen. Leider.

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Kloster Eberbach: Die Geschichte des Kunstdenkmals

Das Kloster Eberbach ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Eltville am Rhein im hessischen Rheingau. Diese Klosteranlage gilt als eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Europas. Kein Wunder. Denn das, was ich an diesem fantastischen Bauwerk so beeindruckend finde, ist die Sorgfalt, mit der es all die Jahre gepflegt und restauriert wurde. Ich bin mir ganz sicher, so etwas findet man nur in Deutschland. Wenn man bedenkt, wie alt diese Gemäuer sind und für wie wenig Menschen sie ursprünglich errichtet wurden, verschlägt es einem die Sprache, wenn man sich ihrer Monumentalität bewusst wird. Berühmt ist das Kloster Eberbach seine atemberaubenden romanische und frühgotische Architektur sowie auch seinen Weinbau. Das Kloster Eberbach liegt mitten im Naturpark Rhein-Taunus.

Kloster Eberbach - Klosteranlage in Eltville am Rhein, Hessen
Kloster Eberbach: Das ist die Gesamtansicht, wenn man vom Hügel auf das fantastische Bauwerk herabblickt.

Kloster Eberbach – die Gründung

Die Gründung des Klosters geht auf Bernhard von Clairvaux zurück. Am 13. Februar 1136 gründeten Abt Ruthard und zwölf Mönche aus Clairvaux das Kloster Eberbach. Unter dem Patrozinium der Maria Immaculata und Johannes der Täufer begann die Geschichte dieser bedeutenden Abtei.

Bereits 1142 gründete Eberbach sein erstes Tochterkloster Schönau im Odenwald, gefolgt von Otterberg in der Pfalz (1144/1145) und Hocht bei Lüttich (1155). Eine erste Krise durchlebte das Kloster während der Kirchenspaltung um 1160 bis 1170, als es Papst Alexander III. gegen die Päpste des Kaisers Friedrich Barbarossa unterstützte. Mönche flohen nach Frankreich und kehrten später in ihr aufstrebendes Kloster zurück.

Tochterkloster wird gegründet

1174 folgte die Gründung des Tochterklosters Arnsburg in der Wetterau. Obwohl ein geplantes Tochterkloster im Königreich Sizilien im frühen 13. Jahrhundert nicht gegründet werden konnte, übersiedelten einige Eberbacher Mönche 1217 zum Kloster Sambucina.

Von 1232 bis 1234 besetzte Erzbischof Siegfried III. von Eppstein das Kloster Lorsch mit Mönchen aus Eberbach, um es nach den Regeln der Zisterzienser zu reformieren – jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Eine geplante Klostergründung im Hanauer Wald um 1234 scheiterte an den Grafen von Hanau.

Die Klosteranlage ist mit Sicherheit eines der schönsten und bedeutsamsten Orte in ganz Hessen.

Kloster Eberbach: So viele Mönche lebten hier zur Blütezeit

Eberbach folgte strengen Benediktregeln, wodurch das Klosterleben für Adlige unattraktiv war. Die Mönche stammten daher aus nichtadligen Schichten. Der Konvent bestand zur Blütezeit aus etwa 300 Personen: 100 Mönchen und rund 200 Laienbrüdern (Konversen).

Die Konversen waren überwiegend Bauern und nahmen nur eingeschränkt am spirituellen Leben teil. Bücherlesen war ihnen verboten und sie hatten kein Wahlrecht bei der Abtwahl. Trotz dieser Einschränkungen bot die Stellung eines Konversen bessere Lebensbedingungen als ein Leben als einfacher Bauer oder Lohnarbeiter.

Das Kloster Eberbach ist ein beeindruckendes Zeugnis zisterziensischer Baukunst und religiöser Geschichte – ein unverzichtbares Kulturdenkmal, das nur etwa 40 Minuten Fahrt von Frankfurt liegt. Ich liebe diesen Ort wie wahnsinnig und würde am liebsten jeden Tag hier verbringen.

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Hier stehen die ältesten Fachwerke Deutschlands

Im südlichsten Teil von Niedersachsen, rund um die Universitätsstadt Göttingen, befindet sich eine Region zwischen Harz und Weserbergland, die geprägt ist von Fachwerkbauten aus sechs Jahrhunderten. Besonders gut erhalten und idyllisch liegen die fünf historischen Altstädte Duderstadt, Einbeck, Hann, Münden, Northeim und Osterode am Harz eingebettet in eine waldreiche Landschaft. Sie haben sich zum „Fachwerk5Eck“ zusammengeschlossen.

Die ältesten Häuser erlebten bereits die Entdeckung Amerikas. Andere Gebäude entstanden etwa um die Zeit der Reformation und bis zur Französischen Revolution. Diese sind oft durch traditionelle Schnitzkunst verziert und gekennzeichnet. Die Erbauer waren Landwirte, Handwerker und Händler – die Städte Teil der historischen Hanse. Geschichtlich bedeutend ist die ungewöhnlich hohe Zahl der Baudenkmäler, die heute Rundgänge durch mittelalterliche Stadtkulissen erlauben, umgeben von Stadtmauern und Wallanlagen.

Fachwerke in Duderstadt – die Perle des Eichsfelds

Eines der ältesten Fachwerk-Rathäuser Deutschlands steht in Duderstadt. Besucher können es auf sieben Etagen erkunden, vom Turmfenster über die Dächer der Stadt schauen, über eine Webcam die Fledermäuse bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten und bis in die Folterkammer im Gewölbekeller hinabsteigen. Wahrzeichen der Stadt ist der Westerturm mit seiner markant gedrehten Spitze. Dort, am letzten erhaltenen mittelalterlichen Stadttor, gibt es ein kleines, modernes Museum über das Schützenwesen.

In Duderstadt kannst du eins der ältesten Rathäuser entdecken. © Daniel Li Photography

Als Kontrast dazu befindet sich am Stadtrand mit der HGN-Halle eine Ausstellung moderner Kunst. Duderstadt ist eingebettet in die Naturlandschaft des Eichsfelds mit zahlreichen Wander- und Fahrradwegen, die durch Wiesen, Felder und kleine Wälder führen. Darunter der ehemalige deutsch-deutsche Grenzstreifen, der als artenreicher Lebensraum, dem „Grünen Band“, erhalten geblieben ist. Über die Geschichte der Teilung informiert das Grenzlandmuseum Eichsfeld am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Duderstadt-Worbis.

Bier- und Oldtimerstadt Einbeck

Die Wiege des Bockbieres steht in Einbeck. Hier wird bereits seit 1378 gebraut. Die Stadt ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Fachwerke mit ganz eigenem Charakter. Zudem ist man in Einbeck am Ort der größten Oldtimersammlung Europas, dem Technikmuseum PS.Speicher. Hiergibt es auf 22.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche historische Motorräder, Autos, Busse und Nutzfahrzeuge zu entdecken. Die Stadt Einbeck ist außerdem bekannt für die traditionelle Herstellung von Stoffen im Blaudruckverfahren.

Auch in der Einbecker Senfmühle kann man nach Voranmeldung bei der Produktion über die Schultern blicken. Für Ausflüge in die Umgebung per Rad oder zu Fuß bieten sich das Leinetal und die Ruine Heldenburg an. Das große Vogelschutzgebiet Leinepolder können Besucher auf eigene Faust durch Hörstationen oder bei Führungen mit Naturscouts erkunden.

Dreiflüssestadt Hannoversch Münden

Wo Fulda und Werra zusammenfließen und die Weser ihren Ursprung hat, liegt seit dem 12. Jahrhundert die Stadt Hannoversch Münden (auch bekannt als Hann. Münden). Damals erbauten reiche Händler die Stadt der vielen Fachwerkshäuser. Die Flussnähe prägte ihre Entwicklung, sodass sie heute ein fast mediterranes Flair hat. Es lohnt ein Bummel entlang der Ufer, den sogenannten Schlagden, vorbei am Welfenschloss, dem Renaissance-Rathaus mit Glockenspiel und den Brücken bis zum bekannten Weserstein.

Für einen weiten Blick über die Stadt kann man die Tillyschanze zu Fuß von der Innenstadt aus erwandern. Wer die Wassernähe nutzen will, kann dies bei einer Flussschifffahrt oder Kanutour tun. Zahlreiche Wander- und Radwege, wie der bekannte Weserradweg, führen entlang der Flüsse. Auch Camping ist auf der Insel Tanzwerder umgeben von Wasser möglich.

Ausflugstipp: Fachwerke in Hann. Münden
Mediterranes Flair in der Dreiflüssestadt Hann. Münden © Hann. Münden Marketing GmbH

Fachwerke, Figuren und Seenplatte in Northeim

Neben all den Fachwerken ist wohl das erstaunlichste Gebäude von Northeim das Theater der Nacht – ein Figurentheater im ehemaligen Feuerwehrhaus. Die Fassade zieren Nasen, das Dach erinnert an den Rücken eines Drachen, oder den Hut einer Hexe. Im Inneren ist das Treppengeländer einem Drachengerippe nachempfunden. Angeboten werden Figurentheater-Stücke für alle Altersgruppen. Nach einem Spaziergang durch die Stadt, vorbei an einer alten Klosteranlage, einer ehemaligen Militärwache und durch die Gassen ist ein Ausflug zur Northeimer Seenplatte reizvoll. Auf dem Großen Freizeitsee können Tretboote und Stand-Up Paddling Boards geliehen werden.

Fachwerke und Co.: Osterode, das Tor zum Harz

Schon im Mittelalter war Osterode ein wichtiger Zugang zum Harz. Mit Eseln versorgten die Bewohner die Bergbaustädte mit Getreide. Daran erinnern das Harzkornmagazin, der Kornmarkt und das Eseltreiberdenkmal in Osterode.

Beim Stadtspaziergang fallen außerdem architektonisch die Ratswaage, das Alte Rathaus, das Ritterhaus und die Schachtruppvilla auf. Für Ausflüge in den Harz ist Osterode auch heute noch ein guter Startpunkt. Überregionale Wanderwege, wie der Karstwanderweg, der Baudensteig und der Hexenstieg können hier gestartet werden. Radwege gibt es sogar speziell für Mountainbiker und Rennradfahrer. Der Harz ist bekannt für seine Stauseen. Am Nordufer der Sösetalsperre liegt ein Steinbruch mit zehn Kletter-Touren. Am Südufer liegt neben einem Campingplatz eine Waldvogelstation mit heimischen Wasser-, Sing- und Greifvögeln.

Fachwerke in Osterode am Harz
Spaziergang durch die mittelalterlichen Gassen in Osterode am Harz © Daniel Li Photography

Region mitten in Deutschland

Die Region mitten in Deutschland bietet durch ihre historischen Altstädte, die abwechslungsreichen Naturräume und die Nähe zu Göttingen ein breites Spektrum an Aktivitäten auf engstem Raum. Über die Attraktionen informiert die Website fachwerk5eck.de.

Auch interessant: Entdecke hier das Alte Schloss von Baden-Baden.


Quelle: Pressemitteilung der Geschäftsstelle Fachwerk5Eck

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Reisen

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt

Inmitten einer gepflegten, weißen Häuserreihe im Stadtteil Bergen-Enkheim fand ich das „Portal“ zur unberührten Natur: das kleinste Naturschutzgebiet Frankfurts. Als ich es betrat, spürte ich sofort die kühle, nasse Luft. Von den alten Bäumen tropfte der Regen und meine Schuhe standen im Matsch. Kaum zu glauben, dass es solche „Goldgruben“ der Natur immer noch in FFM gibt. Zwar ist das Gebiet wirklich sehr klein, aber durchaus sehenswert.

Eingang in das kleinste Naturschutzgebiet von Frankfurt am Main
Direkt zwischen diesen beiden Häusern startete ich.

Das kleinste Naturschutzgebiet der Stadt

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt ist das Mühlbachtal. Es hat eine Fläche von nur 3,28 Hektar. Dieses Gebiet, das seit 1986 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, birgt eine seltene botanische Besonderheit: den Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia). Diese Pflanze ist ein Überbleibsel eines früheren Bachauenwaldes und kommt ausschließlich in diesem Gebiet des Rhein-Main-Gebiets vor. Diese Pflanze war schon immer etwas besonderes für mich. Zwischen den Gewächsen am Wanderpfad konnte ich sie gut in der Ferne erkennen. Der Riesen-Schachtelhalm wächst im Mühlbachtal direkt an einer kleinen tropfenden Wasserquelle.

Die Botanik des Mühlbachtals wird außerdem von Feuchtwiesen, Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen geprägt. Hie und da wachsen auch wilde Pflaumenbäume. Einen besonderen Anblick schaffen Efeugewächse, die von den Baumkronen bis runter auf den Wanderweg hängen. Habe ich auf Empfehlung eines interessanten Dates, das ich kurz vor meinem Trip in die Frankfurter „Wildnis“ hatte, Bäume umarmt und bin barfuß durch die nassen Wiesen gelaufen? Vielleicht. Werde ich das näher erläutern? Wir bleiben gespannt.

Enkheimer Mühlbach – einer der kürzesten Bäche Frankfurts

Der Enkheimer Mühlbach, nach dem das Gebiet benannt wurde, ist mit etwa 180 Metern Länge einer der kürzesten Bäche in FFM. Heutzutage führt er nur noch zeitweise Wasser. Einst speisten mehrere lokale Quellen den Bach und ab 1850 auch der umgeleitete Pfingstborn. Das aus diesen Quellen stammende Wasser wurde in einem Mühlenteich aufgestaut, um die Enkheimer Mühle zu betreiben – eine Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert.

Nachdem die Mühle ihren Betrieb im Jahr 1890 einstellte und der Mühlenteich zugeschüttet wurde, mündet der Enkheimer Mühlbach heute in die lokale Kanalisation. Pläne zur Renaturierung des Baches und zur erneuten Einleitung ins Seckbacher Ried sind allerdings bereits vorhanden, um dessen Wasserhaushalt zu verbessern.

Für Naturliebhaber ist das Gebiet besonders interessant: Sowohl der Enkheimer Mühlbach als auch die Enkheimer Mühle sind Stationen des Quellenwanderwegs im Frankfurter Grüngürtel. Lese hier mehr dazu.

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Kunst & Architektur

Die 6 besten Museen der Bundesrepublik

Und jetzt mal ohne Witz: Für mich gibt es ein paar Kunsthäuser in Deutschland, die alles rausreißen. Diese Museen sind die besten in der ganzen Bundesrepublik. Für mich zumindest – aber ich habe bei Weitem nicht alle gesehen. Zumindest noch nicht. Hier sind meine absoluten Lieblingsadressen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Reihenfolge spielt übrigens keine treffliche Rolle.

Stuttgarter Staatsgalerie: bedeutende Kunstsammlung Deutschlands

Die Stuttgarter Staatsgalerie: Der Tag, an dem ich ihre Hallen betrat, wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Die Sammlung der Staatsgalerie umfasst insgesamt rund 5.000 Gemälde und Plastiken und geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die Staatsgalerie ist eines der wichtigsten Kunstmuseen in Baden-Württemberg und eine der renommiertesten Kunstsammlungen Deutschlands. Sie gewährt ihren Besuchern einen Einblick in die Vielfältigkeit der Kunstgeschichte. Gegründet wurde sie von König Wilhelm I. von Württemberg als Museum der Bildenden Künste.

Ein Blickfang ist der 1843 eröffnete Gründungsbau von Gottlob Georg Barth, die klassizistische Alte Staatsgalerie. Hier wird Malerei ab dem Hochmittelalter sowie Skulptur ab dem 19. Jahrhundert gezeigt. Der 1984 eröffnete, etwas merkwürdige Erweiterungsbau von James Stirling, setzt ein weiteres Glanzlicht. Hierbei handelt es sie um die postmoderne Neue Staatsgalerie. Sie gilt als Meisterwerk dieses Baustils in Deutschland. Kann man, muss man aber nicht verstehen.

Ich freue mich schon auf die Kunsthalle in Karlsruhe

Sehnsüchtig warte ich auf die Wiedereröffnung der Karlsruher Kunsthalle. Diese soll nach Abschluss der laufenden Bauarbeiten erfolgen. Und ich bin dann sowas von am Start, Leute. Ich weiß sogar schon, was ich anziehe, obwohl das Eröffnunfsdatum noch gar nicht feststeht und auch lange noch nicht feststehen wird. Die Ehre, die Kunsthalle selbst zu besuchen, hatte ich noch nicht, aber seit geraumer Zeit wird ein Teil der Dauerausstellung im ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) gezeigt. Unfassbar schön – Gänsehautmomente. Würde ich jederzeit wieder besuchen. Gerne auch mit Begleitung.

Die Karlsruher Kunsthalle ist ein Museum der Bildenden Kunst. Sie beherbergt überwiegend Gemälde von deutschen, französischen und niederländischen Meistern aus insgesamt acht Jahrhunderten. Sie hat beeindruckende Exponate wie etwa einige Cranachs (ihr kennt ja meine Obsession mit diesem Mann), Dürer, Hans Thoma und andere. Die Gemälde sind top restauriert und außergewöhnlich erlesen. Dort sah ich den krassesten Rodin meines Lebens. Das Motiv war ein Klassiker – die Umsetzung war das, was mich aus der Bahn warf.

Oh mein GOTT: Das ist wahrscheinlich das beste Museum Deutschlands

Die Liebe erfüllt meinen Brustraum, wenn ich an meinen Tag im Lenbachhaus in München zurückdenke. Hierbei spreche ich natürlich ausschließlich von der üppigen Dauerausstellung „Der Blaue Reiter“. Leck mich fett, das war… ich weiß nicht. Mir fehlen bis heute die Worte, um diese Ausstellung angemessen zu beschreiben. Sie war einfach wie ein feuchter Fiebertraum, bei dem du dir nie sicher sein kannst, ob du es wirklich gewagt hast, ihn zu träumen. Fahr einfach hin, ernsthaft. Du wirst es nicht bereuen – egal ob du Kunsthistoriker, Laie oder Kunsthasser bist. „Der Blaue Reiter“ wird dich mit seiner Farbekstase ich würde ja schreiben: „in alle Körperöffnungen bis zum Höhepunkt penetrieren“, unterlasse es aber und schreibe lieber inspirieren.

Im Lenbachhaus wirst du, neben den unheimlich dreisten Kassenmitarbeiterinnen und den unterirdisch schlechten Gegenwartskünstlern, Wassily Kandinsky von einer ganz neuen Seite erleben. Du wirst Werke aller Mitglieder der Künstlergruppe „der Blaue Reiter“ sehen, du wirst Alexej Jawlenskys Stil spüren, mindestens einen Orgasmus vom Gesehenen haben und schließlich das Lenbachhaus wie auf Drogen verlassen und mit einem heiteren Glow im Gesicht nach Hause fahren. Meine Münchner Freunde, die noch immer nicht im Lenbachhaus waren, kann und will ich einfach nicht verstehen. Geht doch einfach hin, verdammt.

Die besten Museen Deutschlands: Gemäldegalerie

Die gute alte Gemäldegalerie in Berlin: Sie ist eine meiner großen Lieben. Wie viele von euch wissen, vergöttere ich neben Kandinsky und Jawlensky natürlich auch die alten Meister. Und davon gibt es in der Gemäldegalerie en masse. Sandro Botticelli, Lucas Cranach (was sonst), Giovanni Bellini, Caravaggio und andere Titane der Kunstgeschichte warten auf dich in der atemberaubenden Gemäldegalerie. Du wirst in jedem Raum staunen und dir denken, wie frech es von Berlin ist, alles Schöne für sich zu beanspruchen. Die Gemäldegalerie ist eindeutig eines der Gründe, warum Berlin die geilste Stadt Deutschlands ist.

Zugegeben: Ich hatte einen kleinen „Moment“, als ich letztens wieder dort war. In einem der Rubens-Räume spürte ich ein kleines Down und erschrak. Für eine kurze Zeit fühlte es sich an, als sei ich kunstmäßig ausgebrannt. Ich sah mir seine riesigen Gemälde an – ich kannte sie ja bereits – und ich spürte keine Begeisterung, nichts. Fuck. Es ist für immer vorbei, dachte ich mir. Aber der Schreck hielt nicht lange, denn ich betrat den nächsten Raum mit den deutschen Meistern und es wurde wieder sagenhaft wie immer. Will nicht sagen, dass Rubens das Problem sei – es gibt durchaus Bilder von ihm, die mir immer wieder den Atem Rauben, aber der Moment war echt merkwürdig. Das bedeutet für mich: Erst mal kurze Pause von der Gemäldegalerie – aber du solltest unbedingt hin.

Antikensammlung im Alten Museum Berlin

Das, was im Alten Museum in Berlin ausgestellt wird, ist leider nicht mein Topic. Zumindest noch nicht. Aber anhand der Qualität, Wucht und Menge der dortigen Exponate verstehe ich genau, dass dieses Kunsthaus mich für alle anderen deutschen Skulpturensammlungen verdorben hat. Das stellte ich zuletzt im Frankfurter Liebighaus fest – obwohl die dort ausgestellte Elfenbeinsammlung beeindruckend ist, wenn auch aus einem ganz anderen Zeitalter.

Denn das Alte Museum stellt seit 1904 antike Kunst aus. Es befindet sich am Lustgarten in Berlin-Mitte und gehört zum Bauensemble der Museumsinsel und damit zum Weltkulturerbe der UNESCO. Von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente dieses bedeutende Bauwerk des deutschen Klassizismus vorübergehend als Möbelspeicher. Nach dem Wiederaufbau des Gebäudes wurden die Exponate der unglaublich geilen Antikensammlung wieder hier untergebracht.

Seit Juli 2010 wird im Obergeschoss die etruskische und römische Sammlung präsentiert. Das Hauptgeschoss beherbergt die griechische Antikensammlung. Darüber hinaus beheimatet das Alte Museum auch eine Kabinettausstellung mit antiken Münzen. Das interessiert mich aber leider nicht die Bohne. Kann man sich aber mit Sicherheit auch mal reinziehen, wenn man diese Vorliebe hat.

Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg

Nürnberg beherbergt ein wahres Juwel der Kulturgeschichte – das Germanische Nationalmuseum (GNM). Als größtes kulturgeschichtliches Museum im deutschsprachigen Raum und eines meiner persönlichen Lieblingsmuseen, zieht es jährlich über 435.000 Besucher an und ist damit eines der meistbesuchten Museen in Deutschland. Seine Sammlung umfasst 1,3 Millionen Objekte, von denen „nur“ 25.000 ausgestellt sind. Dadurch bekommen Besucher einen tiefen Einblick in die germanische Kulturgeschichte.

Damals ging ich ohne jegliche Erwartungen ins Germanische Nationalmuseum. Es hat mich völlig von den Socken gehauen. Ich entdeckte dort nicht nur meine Vorliebe für Hans Baldung, sondern konnte dort auch seine frivolen Madonnen aus der Nähe betrachten. Darüber Hinaus hat das GNM eine reichhaltige Sammlung an Lucassen Cranachen, die es sich immer zu sehen lohnt. Es war absolut sagenhaft. Das Museum gehört für mich definitiv zu den besten Deutschlands.


PS: Ich hätte dir gerne mehr Bilder gegeben, aber in der Zwischenzeit ist mein Fotohandy mit dem ganzen Material flöten gegangen.

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