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Baden-Baden: Ein Juwel im Schwarzwald

Eingenistet am westlichen Rand des Schwarzwaldes liegt die Stadt Baden-Baden. Sie ist ein Zentrum der Entspannung und Kultur. Mit einer Einwohnerzahl von etwa 57.000 Menschen bietet der kleinste Stadtkreis Baden-Württembergs eine außergewöhnliche Mischung aus historischem Charme und modernem Luxus.

Die Geschichte der Kurstadt reicht weit zurück. Schon die Römer kannten und schätzten die heißen Thermalquellen der Region. Diese natürlichen Ressourcen nutzten sie zur Errichtung eines Militärkurbads, das zum zentralen Treffpunkt für Erholungssuchende wurde. Die Thermalquellen sind bis heute ein Herzstück der Stadt und ziehen jährlich zahlreiche Besucher an.

Die Kuppel des Friedrichbads in der Innenstadt.

Riesiger Stadtbrand im Mittelalter

Im Mittelalter war die Bäderstadt eine bedeutende Residenzstadt der Markgrafschaft Baden und diente als Namensgeberin für das spätere Großherzogtum Baden. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1689 verlor sie diesen Status jedoch an Rastatt, auch eine der Städte in der ich schon lebte, blieb aber weiterhin von regionaler Bedeutung.

Das 19. Jahrhundert markierte eine neue Ära für Baden-Baden, als die Stadt zu einem Treffpunkt für Adlige und vermögende Bürger aus ganz Europa avancierte. Angezogen durch das Casino und die exklusiven Kurmöglichkeiten entwickelte sich der Ort zur „Sommerhauptstadt Europas“. Prachtvolle Gebäude wie das Kurhaus und das Friedrichsbad zeugen noch heute von dieser glanzvollen Zeit.

Hello, hello! Das ist meine Lieblings-Fotokulisse: Die Aussichtsterrasse am Neuen Schloss.

Stadtteile und markante Lagen

Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die städtische Gliederung der Kurstadt immer wieder gewandelt. Heute besteht sie aus elf Stadtteilen, darunter Balg, Ebersteinburg und Lichtental, sowie mehreren kleineren Wohnplätzen wie Gaisbach oder Gallenbach. Wie in jeder anderen Stadt, haben diese Stadtteile ganze eigene Charaktere mit ihren Besonderheiten und Mentalitäten. Diese Vielfalt in der Gemeindestruktur trägt zur charmanten Atmosphäre bei, die sowohl Einheimische als auch Besucher schätzen.

Die geografische Lage im Tal der Oos bietet nicht nur malerische Aussichten sondern auch ideale Bedingungen für den Weinbau in der Vorbergzone. Der höchste Punkt des Stadtgebietes befindet sich auf der Badener Höhe mit 1.002 Metern – perfekt für Naturfreunde und Wanderer.

Kulturstandort mitten im Schwarzwald

Baden-Baden dient auch als wichtiger Kultur- und Medienstandort mit wichtigen Veranstaltungen wie etwa den halbjährlichen Festspielen, internationalen Galopprennen, dem Oldtimertreff, SWR3 New Pop Festival und natürlich etlichen weiteren Veranstaltungen. Man denke nur an die philharmonischen Nächte und Konzerte. Die Stadt ist darüber hinaus auch Sitz mehrerer bedeutender Medienhäuser, wie etwa, man ahnt es, SWR3, BNN, arte und einiger anderer.

Zu den bemerkenswertesten Ereignissen zählt sicherlich die Aufnahme in die Liste der elf bedeutenden europäischen Kurstädten des UNESCO-Weltkulturerbes im Juli 2021. Dies unterstreicht einmal mehr den international anerkannten Wert dieser außergewöhnlichen Bäderstadt.

Komm nach Baden-Baden, es wird dir gefallen!

Badischer Hof, Villa Solms sowie zahlreiche Kirchen und Kurgebäude gehören zu den geschützten Denkmalobjekten innerhalb des Welterbebereichs, dessen Schutz durch nationale sowie internationale Richtlinien gewährleistet wird.

Ob du nun entspannte Tage in den historischen Thermen verbringen willst, den Schwarzwald entdecken willst, oder kulturelle und sportliche Aktivitäten suchst – Baden-Baden bietet eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Möglichkeiten, um Körper und Geist zu beleben.

Daten zur Geschichte: Beginnen wir mit „Aquae“

Um 80 n.Chr. Die Römer errichten feste Bauten im heutigen Stadtbezirk von Baden-Baden.
Um 200 Erste Blüte der Stadtgemeinde „Aquae“, später Hauptort des Verwaltungsbezirks „Civitas Aurelia
Aquensis“.
259/260 Alemannen beenden die römische Herrschaft.

Von der Spätantike zur ersten markgräflichen Residenz


Um 500 Fränkische Eroberungen
Um 700 Anlage einer Königspfalz in der Stadt
987 Erste Stadtkirche beurkundet
1046 Bis zur Kirchenreform im 19. Jahrhundert bildet der Oosbach die Grenze der Diözesen Speyer und Straßburg.
1112 Hermann II., der Erbauer von Schloss Hohenbaden (Altes Schloss), begründet als „marchio de Baduon“ die Zähringerherrschaft und damit die Markgrafschaft Baden.
1245 Markgräfin Irmengard stiftet das Kloster Lichtenthal.
Um 1250 Markgraf Rudolf I. baut das Schloss Hohenbaden aus.

Schloss Hohenbaden (Altes Schloss) in der Kurstadt Baden-Baden
Das fantastische Alte Schloss (auch bekannt als Schloss Hohenbaden)

Baden-Baden: Kuren, Kriege, Klöster


1349 Die Thermalquellen werden zur Abwehr der Pest geöffnet.
1393-1431 Markgraf Bernhard I. von Baden baut das Schloss Hohenbaden noch weiter aus.
Um 1420 Gründung des Klosters Fremersberg
Um 1431 Ausbau von Schloss Hohenbaden und des Neuen Schlosses durch Markgraf Jakob I.
1453 Die Pfarrkirche wird in eine Stiftskirche (Kollegiatstift) umgewandelt und zur Grablege der Markgrafen.
1473 Kaiser Friedrich III. kommt zur Badekur und zum Fürstentag nach Baden; Anzeichen für eine zweite Blüte der Stadt.
1479 Markgraf Christoph I. verlegt seine Residenz ins Neue Schloss

Das Neue Schloss in der Kurstadt Baden-Baden
Seit Jahren verwahrlost leider das Neue Schloss vor sich hin. Es ist nun im Privatbesitz.


1535 Teilung Badens in die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach
Ab 1556 Reformation in der Kurpfalz und der Markgrafschaft
1574 Ausbau des Neuen Schlosses durch Baumeister Caspar Weinhart und den Maler Tobias Stimmer
1580 Im Zuge der Gegenreformation kommen Jesuiten und andere Orden an den Oberrhein; es folgen
Klosterneugründungen: Kapuzinerkloster (1631) und Frauenkloster vom Heiligen Grab (1687)
1689 Im Orléansschen Krieg wird Baden-Baden fast vollständig niedergebrannt und zerstört.

Aufstieg Baden-Badens zwischen den Fronten


1706 Markgraf Ludwig Wilhelm verlegt die Residenz nach Rastatt; Baden-Baden ist nach dem Stadtbrand nahezu bedeutungslos; Rastatt und Karlsruhe werden Residenzstädte.
1748 Erste Urkunde über konzessioniertes Glücksspiel
1797-99 Der Kongress zu Rastatt „entdeckt“ die Stadt als Kurort; Beginn einer dritten Blütezeit
1806 Baden wird Großherzogtum
1807 Johann Friedrich Cotta lässt durch Friedrich Weinbrenner das ehemalige Kapuzinerkloster zum ersten Luxushotel in Europa umbauen: „Hotel Badischer Hof“ (derweil auf unbestimmte Zeit geschlossen – vor der Schließung war illegales Baden im Außenpool unter Umständen möglich).

Roulette und Romantik: Ein Weltbad entsteht


1815 Die Stadttore werden niedergelegt: zuerst das Ooser Tor; 1821/22 folgen Gernsbacher- und Beuerner Tor; 1834 das Obertor.
1818 Badische Verfassung
1824 Weinbrenner prägt mit seinem klassizistischen Baustil das Stadtbild von Baden-Baden: Neues Konversationshaus (Kurhaus)
1831/32 Durch die Auffüllung des Stadtgrabens entsteht die Grundlage für die heutige Sophienstraße.
1838 Der Bau einer Staatseisenbahn Mannheim-Basel wird beschlossen; Jean Jacques Bénazet ist Pächter der Spielbank; Höhepunkt der dritten Blütezeit
1846 Beim Bau des neuen Dampfbads werden die römischen Kaiser- und Soldatenbäder freigelegt.
10.5.1849 Einmarsch der Bundestruppen unter Prinz Wilhelm von Preußen in Baden-Baden
27.7.1849 Kapitulation der Republikaner in der Garnison Rastatt
1854 Gründung des Kurorchesters


1858 Erste Internationale Rennen in Iffezheim
1862 Liberale Reformen; Judenemanzipation; Eröffnung des Neuen Theaters
1863 Gründung eines Kunstvereins auf Anregung Großherzog Friedrichs I.; Dostojewskij weilt zum ersten Mal in der Kurstadt; die Künstlerinnen Pauline Viardot-Garcia und Clara Schumann lassen sich hier nieder
1864 Johannes Brahms‘ erster Aufenthalt in der Stadt
1865 Besuch von Victor Hugo und Richard Wagner
1867 Der Norddeutsche Bund ordnet die Schließung aller Spielbanken im Bundesgebiet ab 1870 an; Baden-Baden erhält eine Fristverlängerung bis 1872.
1869 Baubeginn des Friedrichsbads
1871 Nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs kommt es in Versailles zur Kaiserproklamation durch Großherzog Friedrich I.
1872 Aufhebung der Spielbank

Baden-Baden: Beschilderung mit Kupferstich (?) aus dem Jahr 1885, der den damaligen Flair der Lichtentaler Allee wiedergibt.
Ihr kennt ja diese Schilder entlang der Lichtentaler Allee, die den Flair der damaligen Zeit widergeben. Diese Darstellung ist aus dem Jahr 1885.


1875 Nietzsche hält sich hier zur Kur auf
1880 Tonkünstlerfest; Bau der Russischen Kirche
1881 Gründung des ersten Tennisclubs Deutschlands in Baden-Baden
1887 Letzter Kuraufenthalt Kaiser Wilhelms I. in Baden-Baden
1898 Die Israelitische Gemeinde baut eine Synagoge.
1909 Max Laeuger entwirft und gestaltet die Gönneranlage.
1913 Eröffnung der Merkurbahn

Die Stadt während der zwei Weltkriege


3.10.1918 Prinz Max von Baden wird deutscher Reichskanzler
10.11.1918 Großherzog Friedrich II. dankt ab
1931 Der Stadtname „Baden-Baden“ löst erst jetzt offiziell den Namen „Baden“ ab.
1933 Machtergreifung der Nationalsozialisten; Wiedereinführung der Spielbank.
30.1.1934 Auflösung des Landtags
9./10.11.1938 Reichskristallnacht: die Synagoge wird niedergebrannt
22./23.10.1940 Deportation der jüdischen Bürger nach Gurs
1943 Schließung der Spielbank

Nachkriegszeit in der Kurstadt


1945 Nach Kriegsende wird die Stadt zum Sitz der französischen Militärverwaltung in Deutschland
1946 Gründung des Südwestfunks in Baden-Baden
1950 Wiedereröffnung der Spielbank und erste Nachkriegssaison des Kurorts
9.12.1951 In einer Volksabstimmung wird über die Zusammenfassung von Baden und Württemberg zum
Südweststaat Baden-Württemberg abgestimmt


1962 Das Augustabad wird abgebrochen und dafür das neue Kurmittelhaus (später Caracalla-Therme) errichtet; Neuordnung des Bäderviertels
1989 Eröffnung des Michaelstunnels
1994 Öffentlich finanzierte Bäder- und Kurverwaltung wird privatisiert; „Baden-Baden Marketing GmbH“ koordiniert die neuen Einzelgesellschaften
1995 Das Inventar des Neuen Schlosses wird versteigert, der Verkauf des Schlosses ist vorgesehen.


Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)

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Naturgewalt Geroldsauer Wasserfall

Es regnete unaufhörlich. Also war es genau die richtige Zeit, um den Geroldsauer Wasserfall aus der Nähe zu betrachten. Ich erwartete ein gewaltiges Naturerlebnis und wurde nicht enttäuscht. Valentina begleitete mich auf dem schmalen, nassen Pfad. Der Hund sollte nämlich auch einen Eindruck von diesem Ort gewinnen. Bereits in dem kleinen Urwäldchen angekommen, füllten sich meine Lungen mit der reinlichen Luft. Es roch nach Regen und nassen Bäumen. Das Wasser überrauschte meine Gedanken. Glücklicherweise.

Geroldsauer Wasserfälle: Valentina und Madlen Romanowna
Das sind wir: Nasse Pfoten, aber glücklich ohne Ende.

Als ich das letzte Mal hier war, im August, rauschte der Grobbach noch leise und sanft in Richtung Innenstadt. Auch damals war es schön. Der Wasserstand war niedrig – der Geräuschpegel entsprechend auch. Eines Nachts ging ich sogar auf eine kleine Wanderung mit dem Ziel, nackt im Wasserfall zu baden. Mein fehlender Mut ließ mich aber nicht viel weiter kommen, als 100 Meter Strom aufwärts. Es war dunkel und gruselig. Ich badete dennoch schnell im Grobbach und machte mich sofort aus dem Staub. Die Idee, nachts im Wasserfall zu baden, lässt mich aber nach wie vor nicht los und ich bin offen für eine kleine Tour, sofern mich mindestens eine Person begleitet. Ich nehme diesmal auch einen Bikini mit, versprochen.

Geroldsauer Wasserfall nach ewigem Regen

Doch das diesmalige Erlebnis nach den ewigen Regenfällen war mit nichts zu vergleichen, was ich bisher am Geroldsauer Wasserfall erlebt habe. Bereits auf dem Weg dorthin, sahen wir etliche Katarakte und Bächlein, die von allen Seiten in den Grobbach herunterstürzten. Einen größeren Wassersturz passierten wir auch. Das machte den Bach mächtig – wenn nicht sogar unheimlich. Fast keine Sau war dort, was natürlich wegen des Wetters verständlich ist, andererseits ein grober Verlust an alle, die sich von den Wetterbedingungen haben abhalten lassen.

Und das Beste: Dort blühte Rhododendron. Als hätte er nur auf uns gewartet, bevor er zu seinem alljährlichen Verblühen überging. Meine Handykamera kann diese Farbpallette nicht ansatzweise übermitteln, aber ich garantiere dir: es war unvergesslich schön. Die Rhododendron-Büsche wachsen hier dank Walter Rieger – Baden-Badens Gartenbaudirektor aus den 50er und 60er Jahren. Er soll sie damals dort angebaut haben und so das Naturgebiet nachhaltig geprägt haben. Neben Rhododendron wächst hier auch eine Vielfalt an Bäumen, Gräsern und zu bestimmten Zeiten auch Pilzen. Doch das wohl wertvollste Gewächs ist ein seltener Farn: Der Entferntfiedrige Dornfarn (Dryopteris remota). Er wurde erstmals im Jahr 1834 entdeckt.

Baden-Baden: Naturdenkmal in Geroldsau

Am Wasserfall angekommen, sahen wir das, wonach ich mich gesehnt hatte: Eine gewaltige Wassermenge, die beinahe eskalierend aus ihrer Anhöhe stürzte. Der Hund und ich starrten wie gebannt in das herabfallende Wasser hinein und spürten die mikroskopischen Wasserspritzer in Gesicht und Schnauze. Ohne den Blick vom Wasserfall zu lösen, setzte ich mich auf einen nassen Stein und genoss die Natur um mich herum. Seltene Glücksgefühle überkamen mich und ich vergaß jeden beschissenen Tag, den ich in den letzten Monaten habe über mich ergehen lassen.

Der Geroldsauer Wasserfall befindet sich im Nordschwarzwald. Seine Fallhöhe beträgt sechs Meter. Zu finden ist er, wie der Name bereits verrät, in Geroldsau, einem Stadtteil von Baden-Baden. Jedoch wurde mir mal erklärt, dass sich die Geroldsauer ganz und gar nicht Baden-Baden zugehörig fühlen.

Dank seines einzigartigen geologischen Werts hat der Geroldsauer Wasserfall den Status eines Naturdenkmals erreicht und ist damit ein absolutes Muss für alle Besucher der Stadt. Die Behörden für Naturschutz ordnen ihn aufgrund seiner Seltenheit als äußerst schutzwürdig ein.

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Die Wunder von Zypern: Deshalb solltest du nach Larnaca

Larnaca – eine Hafenstadt im Südosten Zyperns, die ich sofort ins Herz schloss. Ich will nicht behaupten, dass sie die schönste Stadt der Mittelmeerinsel ist, aber sie hat es in sich. Durch die gute Anbindung (Hafen und Airport) ist sie wahrscheinlich besonders international und zählt über 52.000 Einwohner. Was ich dort gemacht habe? Nichts. Ich chillte am Strand und arbeitete hart daran, meine Augenringe loszuwerden. Der Plan ging auf. Nicht eine einzige Museums-Action startete ich in Larnaca. Und ja, ich habe es halbwegs überlebt. Wenn auch so semi.

Große Überraschung am Flughafen in Larnaca

Als wir dort landeten und zum Autoverleih gingen, stellten wir fest: oh, upsi – man fährt in Zypern ja auf der linken Straßenseite, während das Lenkrad rechts im Auto ist. Überraschung! Meine Mutter schaute mich mit großen Augen an und ich wusste: meine Sternstunde hat geschlagen. Mit Wahrheiten und Unwahrheiten überzeugte ich sie nachdrückend davon, mir das Steuer zu überlassen. Ich war wohl einfach viel zu geil drauf, etwas Neues zu fühlen. Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich keine Schwierigkeiten damit, mich an die neue Fahrweise zu gewöhnen. Eine Abenteuerfahrt bis zum Hotel war es aber dennoch.

Aus dem kleinen Leihwagen steigend kam mir schon die warme Meeresluft entgegen. Der Hund liebte es auch so hart wie ich. Dann schlafen, frühstücken, komatös am Strand zur Besinnung kommen, Frankfurt vergessen und im Anschluss die neue Gegend erkunden. In Larnaca kann man offensichtlich bei der Wahl des Speiselokals nichts falsch machen. Alles schmeckt, und zwar überall. An meinem ersten Abend aß ich Muscheln und Grünzeug ­mit Meeresblick – es war perfekt.

Wenn der heilige Hund glücklich ist, dann bin ich es auch.

Larnaca: Alter, ich liebe Zypern

Wir gingen die hölzernen Wanderpfade entlang, sammelten in unseren Schuhinnenräumen Sandanlagerungen und verbrannten in der Sonne. Naja, eigentlich nur ich. Muttern ist da wesentlich robuster. Natürlich probierte ich auch sofort die ganzen Trainingsgeräte aus, die entlang des Strandes an verschiedenen Stellen installiert sind. Training mit Eigengewicht – nicht sonderlich schwer, aber dafür umso spaßiger.

Als wir in den kommenden Tagen auch andere Ecken von Larnaca erkundeten, genoss ich vor allem den Ausblick auf die dicken Villen, Bungalows, Pools und Palmen. Die Mietkosten in Larnaca scheinen meinen ersten Recherchen nach etwas geringer als in Frankfurt zu sein, jedoch auch etwas höher als in anderen zypriotischen Städten. Warum, kann ich auf Anhieb nicht beantworten, aber: auf Zypern lässt es sich offensichtlich gut Leben. Die Menschen sind geladen, glücklich und hart am Chillen.

Mutter von Madlen Terfzer am Strand von Larnaca
Muttern ist mal wieder am Muttern

Kurzer Zwischenschub: Deshalb war avecMadlen down

Gott, bin ich jetzt in diesem Moment froh, wieder in die Tasten zu hauen. Die letzten Wochen war avecMadlen wegen technischer Schwierigkeiten innerhalb der Domain deaktiviert und mein Herz blutete. Jeden Tag. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich so beschissen und deprimiert fühlte. Ok, ich übertreibe. Es war erträglich, aber nicht erfüllend.

Endlich wurde das Problem mithilfe eines netten Callcenter-Mitarbeiters behoben, wenn auch noch nicht bis zum Schluss, und ich kann wieder (auf)atmen. Die Leserzahlen auf das Niveau von vor dem Desaster zu bringen, wird sicher ein bitterer Spaß. Aber egal. Wird schon wieder. Zurück zu Larnaca.

Zeitreise durch Larnaca: Die bedeutsame Geschichte Zyperns

Machen wir eine kleine Zeitreise. Das ehemalige Stadtkönigreich Kition, bekannt für seine beeindruckenden antiken Ruinen aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. (!), zieht immer mehr Historiker und Archäologen an. Gelegen im heutigen Larnaca, war Kition einst das Zentrum eines mächtigen phönizischen Königreiches. Auch der Tempel von Melkart (Ešmun), der in der römischen Ära als Äskulap oder Herkules bekannt war, sowie der Tempel Artemis Paralia bieten besonders faszinierende Einblicke in die Vergangenheit dieser zypriotischen Stadt. Beide habe ich natürlich nicht gesehen, schrieb sie wütend. Nächstes Mal dann.

Archäologische Schätze aus der Antike begeistern hier seit dem 19. Jahrhundert die Welt der Kunsthistoriker. Besonders faszinierend sind die Überreste von Heiligtümern und Zyklopenmauern von Larnaca, die Forscher nach und nach freilegen konnten.

Zypern entdecken: Sehenswürdigkeiten in Larnaca

Zwar habe ich kein einziges, bis auf die Strandpromenade, davon gesehen, aber das sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Larnaca:

„Maddl mit dem Paddel“ – 10 Euro für eine Stunde Spaß in den wogenden Wellen an meinem letzten Tag in Larnaca.

In neuerer Zeit hat sich Larnaca zu einem wichtigen Handelszentrum entwickelt. Die Stadt ist Sitz mehrerer europäischer Konsulate geworden. Nach der türkischen Invasion 1974 und der Schließung des Hafens von Kyrenia und des Flughafens Nikosia hat die Bedeutung dieser Hafenstadt weiter zugenommen.

Heute ist sie nicht nur ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum, sondern auch ein Schauplatz reicher antiker Geschichte, der sowohl für Historiker als auch für Touristen von großem Interesse ist.

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So viel Porto steckt im „hessischen Porto“

Als das „hessische Porto“ bezeichnete ich ein kleines Städtchen am Neckar, als ich einen Artikel über Kurzurlaube in der Region schrieb. Auf den verwendeten Bildern erinnerte mich die Stadt mit ihren Promenadenhäuschen entfernt an meine fantastische Zeit in Porto – und so war der Titel geboren. Die Bilder des Städtchens gefielen mir so gut , dass ich am Tag darauf hinfuhr. Ich hatte nicht all zu viel versprochen: Fluss, Stadtbild vom anderen Ufer des Flusses sowie auch die bergigen kleinen Gassen versetzten mich sofort zurück nach Portugal. Dass ich mich in Deutschland befand, war allerdings deutlich spürbar.

Hirschhorn (Neckar): Ansicht aus der Höhe
Mein Ausblick auf dem Weg zum Schloss.

Hirschhorn (Neckar) – das „hessische Porto“

Während ich das kleine Örtchen Hirschhorn (Neckar) erkundete, fiel mir sofort die geleckte Sauberkeit auf. Jedes Blümchen hatte dort seinen Platz. Vom Kopfsteinpflaster hätte man wahrscheinlich essen können, so sauber war es. Die süßen Fachwerke und Ziegelhäuschen erinnerten zwar entfernt an die zarten Tafelhäuschen in Porto, gaben mir aber ein eindeutiges Hessen-Feeling. 

Beeindruckend fand ich die Natur. Vor allem hoch oben auf dem Schloss – dort lässt es sich über die ganze Region blicken. Fluss, Berge, Frühlingsgrün – es war wirklich traumhaft. Mein Aufenthalt auf dem Schloss war sehr schön, so auch mein Besuch in der kleinen Klosterkapelle. Ich wechselte die Flussseite und setzte mich ins Gras. Von hier hatte ich einen traumhaften Blick auf das „hessische Porto“. Dann malte ich es. Das war das erste Mal, dass ich mich für das Motiv Landschaft entschieden habe. Das sollte auf jeden Fall noch mal ordentlich geübt werden. Aber ich hatte Spaß – und das ist genau das, was zählt.  

Ich steh zur Zeit drauf, mit Tinte zu malen. Das mit der Landschaft üben wir aber noch mal ordentlich.

Hirschhorn am besten mit Heidelberg kombinieren

Was Hirschhorn von Porto unterscheidet, sind natürlich Stille und fatale Langeweile. Ein Tagesausflug lässt sich noch aushalten, ein Kurzurlaub wäre mir etwas zu viel des Guten. Die kleine Landstadt ist der perfekte Ort für alle, die ihre Ruhe suchen. Dort gibt es nämlich nicht all zu viel zu tun, außer spazieren, wandern, auf den Neckar starren und wahrscheinlich essen gehen. Aus den kleinen Restaurants der Ortsmitte roch es nämlich fantastisch. Ich jedoch hatte an diesem Tag nicht so Bock zu essen und hatte nur ein Wasser und einen Kaffee vom Mannheimer Bahnhof. Dafür, und für die Fahrt insgesamt, gingen vier Euro drauf. Bloß kein Beispiel an mir nehmen, man sollte in den Regionen immer Kohle liegen lassen, um die lokalen Unternehmen zu unterstützen.

Wie oft habe ich bereut, mein Fahrrad nicht mitgenommen zu haben? Ja. Mit dem Fahrrad könnte man wunderbar über Neckargemünd nach Heidelberg tuckern. Und in Heidelberg könnte man sich einen traumhaften Tag machen, indem man alles macht, was ich dort damals so gerne gemacht habe.

Hirschhorn: Kurzer Waldtrip durch das „Porto Hessens“

Später gab es noch eine kurze Action durch den Wald. Ich fand den historischen jüdischen Friedhof, der äußerst liebevoll gepflegt war – wie eigentlich alles in Hirschhorn – und genoss das zarte Grün der Bäume, das nur wenige Tage zuvor zum Vorschein kam. All zu lange war ich nicht im Wald, meine Schuhe brachten mich nämlich fast um.

Madlen Romanowna Trefzer in Hirschheim (Neckar)
Ich, wie ich Spaß in Hirschheim habe.

Es war ein fantastischer Tag, den ich mit mir selbst verbrachte. Es herrschte schönstes Wetter und Hirschhorn war mir eine Freude. Alle Menschen, die mir dort begegneten, strahlten mich an, lächelten, nickten und waren einfach genau so süß, wie ihr kleines Landstädtchen am Neckar.

Von Frankfurt fuhr ich 2,5 Stunden mit der Bahn. Mit dem Auto soll es etwas schneller gehen, aber ich wollte unterwegs natürlich wieder Leute in der Bahn malen.

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Verborgenes Paradies in FFM: Schwanheimer Düne

Im Westen von Frankfurt verbirgt sich auf knapp 60 Hektar ein außergewöhnliches Naturschutzgebiet, das zu den bemerkenswertesten Standorten der Region zählt. Es handelt sich hierbei um die Schwanheimer Düne, eine der seltensten Binnendünen Europas.

Die Düne, die 1984 vom Land Hessen zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, ist Heimat für seltene Pflanzen und Tiere. Besucher können hier unmittelbar die faszinierende Natur der Dünen erfahren, ohne sie zu stören. Dies wird durch einen hölzernen Bohlenweg ermöglicht, der mitten durch die einzigartige Landschaft verläuft. Darüber hinaus sind weitere Teile des Gebiets über sandige Wanderwege zugänglich.

Schwanheimer Füne im Frühling: Ein einzigartiges Naturschutzgebiet in Frankfurt am Main
So wie’s aussieht, traf der diesjährige Frühling hier schon ein: Erste Sonnenstrahlen küssen die Dünen.

Die Entstehung der Schwanheimer Düne in Frankfurt

Die Schwanheimer Düne entstand vor etwa 10.000 Jahren. Winde trugen feinen Sand aus dem Flussbett des Mains hierher und formten dieses beeindruckende Landschaft. Doch auch der Mensch spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des seltenen Naturschutzgebiets: Vor Jahrtausenden rodeten Siedler den bewaldeten Bereich und schufen Raum für die heutige Vegetation. Außerdem bauten sie die Streuopstwiesen an.

Die Düne in Schwanheim ist ein Biotop für eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten. So wächst dort Silbergras, typisch für Binnendünen, sowie Bauernsenf und Sand-Grasnelken. Die alten Kiefern verleihen der Gegend ihren einzigartigen Duft, der mich an subtropische Küsten erinnert. Jeder Besuch in den Schwanheimer Dünen ist einzigartig. Sowohl im Herbst als auch im Winter und Frühjahr ist die Natur und Atmosphäre hier sichtlich verändert. (Ich freue mich bereits auf dem Sommer, denn zu dieser Jahreszeit habe ich die Düne noch nicht erlebt).

Frankfurter Naturschtzgebiet
Der hölzerne Bolenweg führt durch den beeindruckenden Teil der Schwanheimer Düne, wo die alten Kiefern wachsen.

Diese Tiere leben in der Schwanheimer Düne

Unter den seltenen Tierarten befindet sich der Gelbe Pirol, ein Singvogel aus dem Norden und Westen Eurasiens. Auch Steinkäuze, Neuntöter und Grauspechte kann man während eines Spaziergangs durch dieses Areal beobachten.

Persönlich konnte ich bisher Eichelnäher, Greifvögel und Eidechsen beobachten. Menschen und Hunde sind aber auch hin und wieder zu sehen (höhö).

Die Schwanheimer Düne in Frankfurt-Schwanheim. Ein Naturerlebnis der Extraklasse
Zum Vergleich: So sieht die Schwanheimer Düne im Herbst aus.

Eine kleine Wanderung am Frankfurter Naturschutzgebiet

Das Schutzgebiet erstreckt sich über den hölzernen Bohlen weg hinaus bis hin zu Streuobstwiesen zwischen dem sandigen Bereich und dem Kelsterbacher Weg. Hier grenzen sie an das Territorium alter Eichen. Geht man den hölzernen Bolenweg bis zum Schluss, entdeckt man auch die vollständig eingezäunte Schmitt’sche Grube. Dran bleiben – vielleicht gelingt es mir, eines Tages einen legalen Weg zu finden, mir das Gewässer aus der Nähe anzusehen.

Für Wanderfans bietet die Schwanheimer Düne attraktive Routen durch das Frankfurter Naturschutzgebiet. Eine beliebte Strecke startet an der Bushaltestelle „Alter Friedhof Schwanheim“ und führt über die Streuobstwiesen zu den Dünen bis hin zum Mainufer, von dem man mit der Fähre entweder nach FFM-Höchst tuckern kann, oder einfach am Fluss entlang spazieren kann. Hier findest du 5 weitere Orte in Frankfurt, die du unbedingt erlebt haben solltest.


Transparenzhinweis:

Diesen Artikel habe ich anhand eigener Informationen, die du hier vollständig einlesen kannst, durch die KI gejagt und nochmals nachredigiert. Der Ursprungstext ist natürlich um einiges lebendiger, aber zwei Mal das gleiche mit der gleichen Energy zu schreiben ist, glaube ich, Irrsinn.

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Kunst & Architektur Reisen

Zwei Nächte in München: Das habe ich getrieben

Meine Zeit in München war im Großen und Ganzen schön. Dort angekommen stürmte ich sofort in die Alte Pinakothek. Auch wenn meine Begleitung versuchte, das renommierte Kunsthaus schlecht zu reden, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Pinakothek eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt ist. Sie beherbergt eine umfangreiche Sammlung europäischer Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Auch zeichnet sich das Museum durch seine beeindruckende Architektur aus. Die Alte Pinakothek ist nicht nur ein Ort der Kunstgeschichte, sondern auch ein kulturelles Wahrzeichen Münchens, das ich niemals NIEMALS verpassen würde.

Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und einer Heiligen (1500-1505). Dieses Gemälde kenne ich seit über 20 Jahren, erstmals gesehen habe ich es in der Sonderausstellung der Alten Pinakothek.

Sonderausstellung in der Alten Pinakothek München

In der Alten Pinakothek erwischte ich auch den vorletzten Tag der Sonderausstellung „Venezia 500“. Sie bezog sich insbesondere auf die Malerei während der Renaissance. Dabei wurden 15 Werke aus der Münchner Sammlung sowie etwa 70 Leihgaben aus internationalen Kunsthäusern gezeigt. Es war eine wirklich sagenhafte Ausstellung. Da ich unersättlich und verwöhnt bin, hätte ich mir mehr Bellini gewünscht – ganz egal ob Jacopo, Gentile oder Giovanni Bellini.

Im Museumsshop der Alten Pinakothek angekommen lauteten meine Worte: „Ich kauf’ hier safe nichts. Gar kein Bock, heute den ganzen Abend lang da so ne scheiß Tüte mitzuschleppen.“ Etwa 25 Sekunden später stand ich da – das Riesenbuch von Hans Baldung mit seiner frivolen Madonna auf dem Titel fest umschlossen.

Spaß in München: So schön war’s

Wenig später traf ich mich mit einer Kollegin und einem Kollegen aus der Münchner Redaktion. Ein Vibe die zwei. Habe es sehr genossen, sie wiederzusehen. Beide sind extrem lustig, gut gelaunt und intelligent. Ihre Geschichten und seine dazu passenden Witze sind eine fatale Kombination. In dem Restaurant, in dem wir saßen, lachte ich natürlich am lautesten und hatte wahrscheinlich auch den größten Spaß.

Viel zu früh ging ich ins Bett und machte mich am nächsten Tag auf den Weg in die Münchner Residenz. Die pompösen Zimmer des Schlosses und das großzügig verteilte Gold darin haben ihren Eindruck hinterlassen. Es gab ziemlich viel zu sehen. Schimmernd und funkelnd wurde es ebenfalls. Erfahre hier, ob sich der beinahe-wuchere Ticketpreis für die Residenz in München lohnt.

München: Rotes Zimmer in der Residenz
An Üppigkeit ist die Münchner Residenz wohl kaum zu überbieten. Eine schöne Erfahrung, die mich eine Menge Geld gekostet hat.

Die Münchener Nächte sind anders wild

Dann wurde der Abend richtig spicy. Ich traf mich mit der gleichen Kollegin wie am Vorabend und einer weiteren Granate aus der Redaktion in München. Eigentlich wollten wir einfach nur eine Stunde unterwegs sein. Zwei Bars und mehrere Lachanfälle später landeten wir – eine im Dirndl, eine im Engelskostüm, eine im Feenkostüm – bei einer der beiden Granaten daheim. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist die Münchner Redaktion am nächsten Morgen. Dann fuhr ich wieder schweren Herzens und Kopfes nach Frankfurt.

Was mir bei dieser Reise in die bayerische Landeshauptstadt auffiel, waren die Menschen. Sie sind schön, weitaus besser angezogen als in den anderen Städten, in denen ich bisher gelebt habe; sie sind sexy, sie flirten ständig und sie können sich benehmen. Einfach angenehm. Darüber hinaus ist München extrem sauber und ist für mich allumfassend die schönste Stadt Deutschlands. Frankfurt liebe ich aber natürlich auch. Keine Frage.

Bei einem vormaligen Besuch in München legte ich noch einen großen, nächtlichen Spaziergang durch die Innenstadt ein. Zu diesem Zeitpunkt herrschte noch der Sommer über die Straßen der Stadt. Ich werde diese Nächte niemals vergessen. 

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Kunst & Architektur

Lohnt sich die Münchner Residenz?

Die Münchner Residenz: Einst war sie der Sitz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Haus Wittelsbach – von 1508 bis 1918. Heute ist die Residenz im Münchener Bezirk Altstadt-Lehel ein einzigartiges Baudenkmal. Immerhin ist sie das größte Stadtschloss Deutschlands, das jedes Jahr Tausende Besucher aus aller Welt anzieht. So auch mich.

Das asoziale an der ganzen Sache war der Preis. Als Pressevertreterin zahle ich nicht, wenn ich über städtische oder kulturelle Einrichtungen schreibe. Da aber mein Presseausweis zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zu mir war, wurde ich zur Kasse gebeten. Der nicht-so-ganz-charmante Kassier zockte mir 20 Euro ab. 20 verschissene Euro. Nun stellt sich die Frage: Lohnt sich die Münchner Residenz für 20 verschissene Euro? Let’s go.

Die Münchner Residenz, ein Juwel inmitten der bayerischen Hauptstadt München, zählt zu den größten Stadtpalästen Europas und ist ein unverzichtbares Ziel für Kultur- und Geschichtsinteressierte aus aller Welt. Dieser prachtvolle Palast, der einst die Residenz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige war, öffnet heute seine Pforten für Besucher, die in die faszinierende Welt der bayerischen Geschichte und Kultur eintauchen möchten.
Wenn ich mich recht entsinne, war das das Arbeitszimmer des Königs. Nagel mich aber nicht darauf fest.

Münchener Residenz: Auch sie war mal klein

Über vier Jahrhunderte hinweg haben renommierte Architekten das Erscheinungsbild der Residenz geprägt. Am Werk waren Friedrich Sustris, Joseph Effner, François de Cuvilliés d. Ä. und Leo von Klenze. Der Wandel vom schlichten Wehrbau zur monumentalen Vierflügelanlage spiegelt dabei verschiedenste Baustile wider. Von der Renaissance über Barock und Rokoko bis hin zum Klassizismus ist jeder Stil vertreten.

Die eindrucksvolle Anlage besteht aus vier Hauptbauten: dem Festsaalbau an der Hofgartenstraße, dem Apothekenbau am Marstallplatz, dem Königsbau am Max-Joseph-Platz und dem Maximiliansbau an der Residenzstraße. Auch das Cuvilliés-Theater, die Allerheiligen-Hofkirche sowie der Hofgarten und der Marstall gehören zum Ensemble.

40.000 Quardarmeter Grundfläche

Zu den Zeiten des Zweiten Weltkriegs wurde die Münchner Residenz stark beschädigt. Doch dank der Arbeit des Architekten Otto Meitinger konnte sie wieder in ihrer ganzen Pracht aufgebaut werden.

Heute beeindruckt die Münchner Residenz nicht nur durch ihre Größe von mehr als 40.000 Quadratmetern Grundfläche. Sie beherbergt auch eines der bedeutendsten Schlossmuseen Europas mit über 150 Schauräumen. Ihre Besucher können sich auf eine Zeitreise durch verschiedene Epochen begeben und dabei zahlreiche Kunstschätze bewundern.

Die Residenz München, gelegen im Herzen der Stadt, nahe dem Odeonsplatz, erstreckt sich über ein beeindruckendes Areal und fasziniert mit ihrer architektonischen Vielfalt, die von der Renaissance über den Barock und das Rokoko bis hin zum Klassizismus reicht. Besucher können durch eine Vielzahl von Räumen wandeln, darunter prunkvolle Festsäle, intime Appartements und beeindruckende Hofgärten, die alle ihre eigene Geschichte erzählen und einen Einblick in das Leben der bayerischen Monarchie bieten.
Schöne Deckenmalereien im Schlafzimmer der Herzogin. Da würde ich auch gerne mal drin… schlafen.

Die Geschichte der Münchner Residenz

Die Münchner Residenz ist mehr als nur ein architektonisches Meisterwerk. Sie ist auch ein historischer Ort, der bereits vor Jahrtausenden von Menschen genutzt wurde. Bei archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2014 stießen die Forscher direkt auf ein fast unversehrtes Grab aus der spätbronzezeitlichen Epoche. Der genaue Fundort war unterhalb des Apothekenhofes.

Die Residenz begann ihre Geschichte im 14. Jahrhundert als Neuveste (eine gotische Wasserburg). Damals war sie von der Stadt aus nur über eine befestigte Brücke erreichbar. Mit der Zeit verlor die Burg ihren Verteidigungscharakter und wurde zum herzoglichen Wohnsitz. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte und erweiterte sich die Neuveste. Ein Großteil dieser Veränderungen fand im 16. und 17. Jahrhundert statt. Unter Herzog Wilhelm IV. löste die Neuveste den Alten Hof als herzoglichen Wohnsitz ab und wurde zur neuzeitlichen Residenz.

Ein Leben im Überfluss – wie sich das wohl anfühlt? Man beachte die überaus aufwendigen Parkettarbeiten.

Münchner Residenz: Mehr als 150 Schauräume

Im 19. Jahrhundert fanden weitere bedeutende bauliche Veränderungen statt. Insbesondere König Ludwig I. veranlasste größere Ausbauarbeiten. Leo von Klenze errichtete Flügel des Königsbaus und des Festsaalbaus sowie der Allerheiligen-Hofkirche im klassizistischen Stil. Stehen wir vor der Residenz, blickt auf uns ein schöner Stil-Mix herab, der im ersten Moment relativ schwer zuzuordnen ist.

Heute zeigt das Residenzmuseum mehr als 150 Schauräume, darunter prunkvolle Säle, repräsentative Wohnräume und wertvolle Kunstschätze. Eines der Highlights ist das Antiquarium, der größte Renaissancesaal nördlich der Alpen, der im Erdgeschoss des Gebäudes platziert ist. In den 20-Euro-Ticketpreis mit einbegriffen sind auch die Porzellansammlungen, Miniaturgemälde, die Schatzkammer und das Cuvilliés-Theater.

Antiquarium in der Münchener Residenz
Das Antiquarium in der Münchener Residenz – einfach unvergesslich.

Die Münchner Residenz bietet also einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit. Von den Anfängen als mittelalterliche Burg bis hin zu ihrer Entwicklung zu einem der größten Stadtpaläste. Mein Gefühl sagt mir, dass sich der Eintritt für 20 Tacken lohnt. Ich konnte bei Weitem nicht alle Teile des Schlosses bestaunen. Erfahre hier, was ich sonst noch in München getrieben habe.

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Bad Homburg: Hier habe ich herumgelungert

In Bad Homburg vor der Höhe hatte ich jede Menge Spaß. Ich trudelte dort spätnachmittags ein und ging planlos durch die Straßen. Das ist die Taktik, die ich immer anwende, wenn ich eine neue Stadt besuche. Enttäuscht hat sie mich noch nie. Nach der 20-minütigen Fahrt aus Frankfurt fand ich in Windeseile einen angemessenen Parkplatz. Dann machte ich mich auf zu den spitzen Dächern, die ich bereits aus der Ferne sah.

Diese Kirche besuchte ich in Bad Homburg

Nach einem kleinen Fußmarsch durch den Schnee strandete ich in der Katholischen Pfarrkirche St. Marien – dort endete gerade eine „wilde Party“. Während die Menschen aus dem Gotteshaus strömten, konnte ich mich reinschleichen, um die Innenarchitektur zu begutachten. Erbaut wurde diese Kirche 1892-1895 von Ludwig Becker, einem Dombaumeister aus Mainz. Die Architektur wurde eindeutig von der Früh- und Hochgotischen Bauweise inspiriert.

Die Marienirche hat einen Grundriss mit einem einschiffigen Innenraum. Dieser Raum ist in zwei Teile geteilt: einen langen Hauptraum und einen besonderen Bereich mit kurzen Seiten. Im hinteren Teil gibt es einen fünfeckigen Abschnitt. Auch die Vorderseite der Kirche ist ein wahrer Augenfang. Die Wand des langen Hauptraums hat eine gigantische  Maßwerk-Rose – also, ein rundes Fenster in Form einer Blume.

Marienkirche in Bad Homburg – Außenansicht, Froschperspektive
So sieht die Bad Homburger Marienkirche von außen aus.

Wer hätte das gedacht? Noch eine Kirche

Weiter ging es zu einer anderen Kirche, die sich in unmittelbarer Nähe von der Marienkirche befindet. Die Evangelische Erlöserkirche, erbaut 1903-1908 von Franz Schwechten nach Plänen von Max Spitta, haute mich um. Selten berührt „moderne“ Architektur mein Herz – doch diese Kirche hat mich ergriffen. Vor allem, als ich sie betrat.

Runde Kuppel mit Jesusbildnis in der Evangelischen Erlöserkirche
Ist sie nicht absolut atemberaubend? Ich ging mit offenem Munde durch das Kirchenschiff der Erlöserkirche und erregte mit meiner Benommenheit die Aufmerksamkeit eines Kaffeekränzchens aus 5 Damen. Die Kränzchenanführerin erklärte den anderen gerade, warum diese Kirche nichts mit byzantinischer Architektur zu tun hatte, doch untermauerte ihre Argumente nicht mit Fakten. Sehr sympathisch.

Die dunkle Atmosphäre in der Erlöserkirche in Bad Homburg hatte etwas tief spirituelles. Winzige Mosaiksteinen aus Türkis oder mit Goldpigmenten zierten den gesamten Innenraum der Kirche. Hinzu kamen ornamentale Deckenmalereien, eine runde Kuppel und auch Glasfenster, wie ich sie nur in der Nürnberger St. Lorenz Kirche erlebt hatte. Ich habe noch nie etwas ähnliches gesehen. Schon gar nicht in Deutschland. Schon gar nicht aus diesem Jahrhundert. Mich überkam eine Euphorie und ich beschloss, Bad Homburg zu DER Kurstadt in Deutschland zu benennen. Doch es sollte anders kommen.

Schloss und Schlosspark Bad Homburg – und dann die Innenstadt

Nachdem ich nicht ins Bad Homburger Schloss reinkam, weil geschlossen, aber dennoch schlau genug war, von der anderen Seite in den Schlossgarten zu gelangen, stand ich da und betrachtete diese wunderbare, verschneite Natur. Unterhalb des Schlosses befindet sich nämlich ein Park mit See und Enten.

Ich entschied mich, eine Runde durch die Stadt zu drehen. Gleich fiel mit die Gepflegtheit der Häuser auf. Sie sahen aus, als seien sie alle frisch renoviert und frisch gestrichen worden. Inmitten dieser ordentlicher, kleiner, farblich aufeinander abgestimmter Häuschen fanden sich auch hessische Fachwerke, die das Stadtbild Bad Homburgs märchenhaft gestalteten. Hie und da sah ich auch das eine oder andere Türmchen – vermutlich Wassertürmchen (aber ohne Gewehr). Dann betrat ich die Innenstadt und wurde sogleich ernüchtert. Nur mal zum Vergleich: Baden-Baden hat mich noch nie ernüchtert und bleibt (für mich) daher die schönste Kurstadt Deutschlands.

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Romantische Altstadt in Hanau-Steinheim

In der Hanau-Steinheim Altstadt landete ich direkt nach meinem Ausflug in die Alte Fasanerie. Die aufregende Architektur der beiden prominenten Türme (Alte Pfarrkirche und Schloss Steinheim) bemerkte ich bereits von der Autobahn aus. Im Ort angekommen, ging ich durch die Gassen, während es um mich herum schon zu Dämmern anfing. Diese wunderbaren Sehenswürdigkeiten habe ich dort entdeckt:

Altstadt in Hanau-Steinheim: Alte Pfarrkirche

Das erste Gebäude, das ich sah, war die Alte Pfarrkirche Sankt Johann Baptist. Man erwähnte die mittelalterliche Kirche erstmals im Jahr 1329 in einer Urkunde, zunächst als Kapelle. 1449 wurde das Gebäude unter Dietrich Schenk von Erbach, Kurfürst-Erzbischof von Mainz, zur Pfarrkirche erhoben. Die gotische Saalkirche hat viele Veränderungen durchgemacht. Zwischen 1504 und 1509 wurde auch noch ein Chor mit einem speziellen Abschluss und einem besonderen Gewölbe hinzugefügt.

Der Turm der Kirche sieht im Vergleich zur zierlichen gotischen Architektur sehr stark und historisch aus. Er hat zwar keinen Helm, aber er ist mit vier kleinen Türmchen an den Ecken verziert. Dadurch erinnerte er mich etwas an eine mittelalterliche Burg. Im Jahr 1876 bis 1879 wurde die Kirche gründlich renoviert. Pierre Cuypers leitete die Renovierung, wodurch sich das Aussehen der Kirche stark veränderte. Zum Beispiel wurde das Gewölbe im Kirchenschiff durch eine Holzdecke ersetzt. Später, im Jahr 1950, wurde die Kirche erneut renoviert.

Alte Pfarrkirche in der Altstadt in Hanau-Steinheim
Ebendiese vier Türmchen da oben sah ich bereits von der Autobahn aus. Eine wirklich außergewöhnliche Architektur.

Die Pressmauer von Steinheim

Die Altstadt in Hanau-Steinheim überraschte mich erneut, als ich vor einer großen, alten Mauer stand. 1320 errichtete man diese Pressmauer. Die dicke Mauer war einst die Wehranlage von Steinheim. Möglicherweise entstand der Name „Pressmauer“, weil die Häuser wegen der Enge an die Stadtmauer gedrängt wurden.

Pressmauer mit Blick auf Schloss Steinheim
Ein Abschnitt der Pessmauer und die mittelalterliche Burg. Rechts im Bild (hinter der Laterne) ist der neuere Anbau zu sehen.

Schloss Steinheim in der Hanauer Altstadt

Vom einen Ende der Pressmauer aus sieht man am anderen Ende das Steinheimer Schloss. Man erwähnte das Steinheimer Schlossburg erstmals im Jahr 1222. Damals waren die Herren von Eppstein in ihre Besitzer. Früher nannten sie sich „von Hainhausen“ und besaßen außerdem auch einiges an Land in der Umgebung. Landvogt Ulrich I. von Hanau eroberte die Burg um 1300 in einem „Streit“ zwischen König Albrecht I. und dem Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein und zerstörte sie teilweise. Nur wenige Jahre später wurde sie wieder aufgebaut.

Wahrscheinlich hatten die Eppsteiner finanzielle Probleme und mussten die Burg zur Hälfte an die Grafen von Katzenelnbogen (kein Scheiß, die heißen wirklich so) und die Herren von Hanau verpfänden. Nachdem die Burg einige Male den Besitzer gewechselt hatte, baute man sie später zu einer Art Schloss aus. Im Jahr 1572 fügte man dem Hauptgebäude einen Treppenturm hinzu, der mit dem Wappen von Daniel Brendel von Homburg verziert war. Die Architektur des Schlossartigen Gebäudes passt nicht im Geringsten mit der mittelalterlichen Burg zusammen. Aber das kommt bei europäischen Schlössern oft vor. Vor allem wenn neue Herrscher einzogen und den Flair ihrer Epoche einbringen wollten. Zumeist taten sie das mithilfe von Bauwerken.

Mittelalterlicher Turm des Schlosses Steinheim in der Hanauer Altstadt
Hier nochmal die Burg in ihrer Vollen Pracht. Wie bei der Alten Pfarrkirche auch, sehen wir hier diese mehreckigen kleinen Türmchen oberhalb des Bauwerks – entzückend.

Heutige Nutzung des Schlosses in der Altstadt in Hanau-Steinheim

Im Hauptgebäude des Schlosses gibt es heutzutage Wohnräume und das Museum Schloss Steinheim. Dieses zeigt vor allem die Geschichte von Steinheim und auch die Geschichte der Region, besonders die Zeit bevor es die Stadt Hanau überhaupt gab. Leider kam ich eine Minute nach Feierabend. Man kann auch den Turm des Schlosses besichtigen, wenn man an einer Führung teilnimmt.

Des Weiteren sah ich den Marstall, spazierte durch die süßen Gässlein mit den traditionellen Fachwerkhäusern und genoss die friedliche Atmosphäre des Samstagabends. Es war wirklich schön und ich komme garantiert wieder, um diesen Ort jemandem zu zeigen.


Quellen:

  • Wikipedia / St. Johann Baptist (Steinheim)
  • Beschilderung an der Pressmauer mit historischem Hinweis
  • Wikipedia / Schloss Steinheim
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Alte Fasanerie – meine Highlights im Wildpark

Der Wildpark Alte Fasanerie ist ein Wildgehege, das sich bei von Klein-Auheim befindet, einem Stadtteil von Hanau. Das Gehege erstreckt sich über eine Fläche von 107 Hektar und beheimatet eine vielfältige Gruppe von etwa 40 Tierarten aus Mittel- und Nordeuropa. Die Ursprünge dieses Geheges reichen bis ins Jahr 1705 zurück, als Erzbischof Lothar Franz von Schönborn die Fasanerie gründete. Heute ist das ein schönes Ausflugsziel mit Erlebnis-Faktor. Von Frankfurt fuhr ich 26 Minuten.

Hier sieht man, wie ich ein Pony durch die Alte Fasanerie führe
Ein süßer Moment vorweg: Ich durfte mir für 4 Euro ein Pony ausleihen und es eine kleine Runde um das Gehege führen. Es war ziemlich stur und uneinsichtig – aber ich habe es geliebt. Warum es einen Maulkorb trägt? Nun, entweder weil es a) ein bissiges Pony ist, oder b) weil es während des Rundgangs unter keinen umständen etwas vom Boden fressen darf. *

Alte Fasanerie: Ein fantastischer Tag in Hanau

Ich schrieb bereits einige Male über das tierische Treiben in der Alten Fasanerie. Heute beschloss ich jedoch, mir das ganze aus der Nähe anzusehen und fuhr nach Hanau. Mich erwartete ein riesiger Park mit süßen Tierchen und extrem wenig Besuchern, obwohl es Samstag war. Ich gehe davon aus, dass die winterlichen Außentemperaturen viele eingeschüchtert hatten. Doch ich wollte unbedingt wieder die kalte Luft an meinem Gesicht brennen spüren und verbrachte in dem Wildpark mehrere Stunden. 

Der Eintritt kostet 8 Euro. Für 2 weitere Euro gibt es an der Kasse Futter, womit man die Mufflons, Hirsche und Wildschweine füttern kann. Los geht’s: Das erste was ich sah, waren freilaufende Pfauen. Schöne Tiere… Sie fraßen anderen Besuchern den getrockneten Mais aus der Hand, der in dem Futter – das eigentlich für die anderen Tiere bestimmt war – mit drin war. Ich traute mich nicht, weil ich nicht genau wusste, ob das den prachtvollen Vögeln nicht schadet. 

Wildpark in Hanau: Von Auerochsen bis Wildkatzen

Nachdem ich von den Mufflons vollständig ignoriert wurde, ging ich weiter zu den Auerochsen. Ich erkannte sie sofort von Weitem, weil ich letztens über ihren Nachwuchs berichtet hatte. Die kleinen Kälber waren absolut niedlich. In der Zwischenzeit muss noch ein drittes Kälblein hinzugekommen sein. Es war kleiner, als die beiden anderen und seine Fellstruktur war glatter und welliger. Ich schätze, es war zu diesem Zeitpunkt nur wenige Tage alt.

Auerochsen in der Alten Fasanerie – dem Wildpark in Hanau. Neulich hatten die Tiere Nachwuchs – ich durfte die kleinen Kälber begutachten.
Das kleine Kälblein hat einfach das Heu vom Rücken des Auerochsen gefressen. Das Jungtier war so tollpatschig und verspielt – ich wollte dort gar nicht mehr weg…

Als nächstes ging ich zu den Wildkatzen. Da ich auch über sie berichtet hatte, war ich ganz aufgeregt, sie zu sehen. Ich sah nur eine – sitzend auf einem Baum – und war sehr erstaunt darüber, wie winzig sie war. Das Bild des Wildkaters, das ich in meinem Bericht verwendete, ließ mich mutmaßen, dass es sich hierbei um Tiere handelt, die so groß sind, wie Labradore. Doch die vom Aussterben bedrohten Wildkatzen sind kaum größer als Hauskatzen.

Die Alte Fasanerie klärt darüber auf, dass die Reviere der Wildkatzen gefährdet sind. Der Bau von Straßen zerschneidet ihre Lebensräume – wie den vieler anderer Tiere auch. Laut Wildpark ist der einzige Weg, das Überleben der Katzen zu sichern, neue Waldgebiete zu schaffen. 

In einem Gehege: Wildkatze sitzt auf einem Baum

Ein Hirsch frisst mir aus der Hand

Nachdem ich mich von den Samtpfoten verabschiedet hatte, ging ich weiter zu den Hirschen. Ein Exemplar fraß mir das Futter direkt aus der Hand. Der Hirsch war so vergnügt mit den Leckereien, dass er meinen kleinen Finger auch fast für eines hielt. Es war ein wirklich schönes Erlebnis, dieses große, wilde Tier so nah zu sehen und seine vorsichtigen Bisse durch den Handschuh zu spüren. Richtig „wild“ auf das Futter waren auch die Wildschweine. Sie kamen mit der ganzen Familie angerannt, um davon zu kosten. 

Hirsch frisst mir aus der Hand
Lecker… Dieser Hirsch hat mit viel Genuss an den Leckerlis geknuspert. Definitiv ein Highlight in der Alten Fasanerie, das ich nicht vergessen werde.

Alte Fasanerie: Wölfe aus der Tundra

Nachdem ich mir einen Kräutertee geholt habe, ging ich zu den Tundrawölfen – auch über diese anmutigen Tiere habe ich bereits berichtet. Bisher habe ich noch nie einem Wolf in die Augen geblickt. In der Alten Fasanerie war meine Premiere. Es fühlte sich sehr ungewöhnlich an. Mir war klar, dass eine Begegnung in der freien Wildbahn durchaus  tödlich enden könnte. Gleichzeitig bewunderte ich ihren wilden, gefährlichen und ungezügelten Blick. 

Der Tundrawolf in der Alten Fasanerie
Schönes Raubtier… Ich denke, der Tundrawolf war mein größtes Highlight in dem Wildpark.

Der Tundrawolf ist in Finnland und Russland verbreitet. Jungtiere werden vom gesamten Rudel großgezogen. Nach ein bis drei Jahren verlassen die Jungtiere ihr Rudel. Sie siedeln sich in der Nähe an, oder wandern fort. Die weißen Wölfe erbeuten Rehe, Rothirsche und Wildschweine. In manchen Regionen sollen sie sogar Jagd auf Hirsche machen. In der Alten Fasanerie leben zwei Exemplare: sie sind Geschwister. Erstaunlich fand ich es, wie schnell und leise sie sich durch ihr Quartier bewegten. Kaum machte es den Anschein, als läge das Tier schlummernd auf dem Waldboden, schon sprang es geräuschlos auf und lief ans andere Ende des großen Geheges. Absolut sehenswert!

Ich konnte trotz aller Anstrengungen nicht den gesamten Park und bei weitem nicht alle Tierarten erkunden. Die Alte Fasanerie beherbergt zusätzlich zu den bereits erwähnten Tieren auch Heckrinder, Wisente, Europäische Wölfe und Luchse. Neben Wildtieren sind auch verschiedene Haustierrassen wie Rhönschafe, Thüringer Waldziegen, Bentheimer Landschweine und Skudden zu bewundern. In kleineren Gehegen findet man Wildkatzen, Waschbären, Füchse, Dachse, Frettchen und Steinmarder. Die Vogelvolieren beherbergen Gold-, Silber- und Jagdfasan, Uhus, Schnee-Eulen, Krähen, Kolkraben sowie verschiedene Taubenarten. Ich freue mich schon riesig auf meinen nächsten Ausflug in den Hanauer Wildpark.


b)… es ist b).

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