Mit Bloom up! Die Sprache der Blumen laden die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum Karlsruhe zu einem floralen Erlebnis der besonderen Art ein. Die Ausstellung entführt auf einen sinnlich-intellektuellen Rundgang durch 2.500 Jahre Kulturgeschichte der Blume.
Blumen begleiten unser Leben – im Alltag ebenso wie in besonderen Momenten. Sie prägen Rituale, markieren Übergänge und bergen Erinnerungen. In der Kunst werden sie zu Trägerinnen von Widerstand, Liebe, Hoffnung und Protest. In Krisenzeiten können sie Trost spenden und der Sehnsucht nach Schönheit Ausdruck verleihen. Zart und kraftvoll, persönlich und politisch, versöhnlich und widerständig – ihre Bedeutung wandelt sich stets, je nach Zeit, Ort und Kontext.
Bloom up! – Die Ausstellung in Baden-Baden
Bloom up! ist die erste gemeinsame Ausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sie untersucht Blumen in der Kunst als Mittel der Kommunikation. Zudem macht sie die Anwendung floraler Motive von der Antike bis zur Gegenwart sichtbar.
Dialoge zwischen zeitgenössischen künstlerischen Positionen und kunst- und kulturgeschichtlichen Objekten zeigen, wie florale Motive ihre Bedeutung über Jahrhunderte tragen, verschieben oder neu aufladen. Blumen erscheinen hier als Trägerinnen von Geschichte, Emotionen sowie gesellschaftlichen und politischen Debatten. Sie eröffnen Raum für Projektion, Erinnerung und Reflexion.
Als ich die Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ im Museum Frieder Burda betrat, war ich aufs Angenehmste überrascht. Bereits nach wenigen Sekunden merkte ich, dass hier diesmal etwas gezeigt wird, das man nicht alle Tage sieht.
Pedro Campos, A Hot Day II (2008)
Fotorealismus im Frieder Burda: Was Eindruck hinterließ
Mit Fotorealismus hatte ich mich vorher noch nie beschäftigt. Auf der Art Basel kam ich immer mal wieder in Berührung damit, aber ohne jemals wirklich die Hintergründe zu kennen. Selbst in meinem Epochenlexikon fand ich dazu nichts. Wer sich also ernsthaft mit dieser Kunstrichtung befassen will, muss tiefer graben. In unserer Region ist die beste Anlaufstelle für dieses Vorhaben die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe. Hier gibt’s einen kleinen Vorgeschmack auf den Fotorealismus.
Umso spannender war es, völlig unvoreingenommen durch die Ausstellung zu gehen. Was mich am meisten beeindruckte, war die technische Präzision. Immer wieder stand ich vor Gemälden und fragte mich, wie es überhaupt möglich sei, so etwas mit Farbe zu erschaffen. Wie ich mithörte, konnten einige Besucher es kaum glauben, dass es sich bei den Werken nicht um Fotografien handelt. Verständlich. Bei einem winterlichen Architekturbild von New York musste auch ich genauer hinsehen. Unbeschreiblich, wie viel handwerkliches Können in diesen Werken steckt.
Meine Lieblingsbilder
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir: ein gecrashtes grünes Auto, verschiedene Diner-Szenen und die asiatische Frau in städtischer Kulisse. Vor diesem Bild blieb ich am längsten stehen. Es war eines dieser wenigen Werke, das nicht nur durch Dramaturgie, hohe Ästhetik und surreales Lichtspiel fesselt, sondern auch durch die hyperrealistische Ausführung. Fast schon übermenschlich. Wirklich. Ich war elektrisiert. Und ich hoffe, dass keiner meiner Profs oder Kommilitonen dieses schmalzig-schnulzige Gesülze liest, weil ich es selbst gerade ein bisschen peinlich finde, wie sehr meine Emotionen außer Kontrolle geraten.
1: Don Eddy, Wrecking Yard VI (1971) 2: Ralph Goings (??), Blue Diner with Figures (1981) 3 und 4: Johannes Müller-Franken, Castel Rigone (2012)
Generell war die Ausstellung für mich vor allem technisch beeindruckend. Vielleicht habe ich die amerikanischen Künstler unterschätzt. Viele der gezeigten Werke stammen aus den USA, und gerade bei den Stadtansichten, Fahrzeugen und Alltagsszenen wird deutlich, wie konsequent diese Künstler ihre Technik perfektioniert haben.
Wettstreit mit der Wirklichkeit: Ausstellungsprogramm und Präsentation
Ich ziehe meinen Hut vor dem Kurator Dr. Daniel Zamani. Das ist der charismatische junge Kunsthistoriker und Künstlerische Direktor, der uns häufig auf dem Tiktok-Kanal des Frieder Burda begegnet. Den Kanal kann ich übrigens schwer empfehlen. Von allen Museen, die ich abonniert habe, hat das Frieder Burda den mit Abstand elegantesten und spannendsten Content.
Eine solche Auswahl nach Baden-Baden zu holen dürfte einerseits nicht einfach gewesen sein. Andererseits schuf Zamani ein einzigartiges Ensemble an Werken, die die USA der letzten 60 Jahre spiegelt. Als Besucherin fühlte ich mich magisch in diesen Vibe versetzt. Das Ganze wurde natürlich durch üppige Formate und sowieso auch den Realismus intensiviert.
Don Jacot, The Palace Theatre, 1953 (2014)
Besonders schön fand ich diesmal wieder die Wandfarben. Da ist das Frieder Burda grundsätzlich sehr kreativ. Aufregende Schriftwahl bei den Werkbeschriftungen. Doch wie so oft habe ich die Materialangaben vermisst. Ich weiß, ich weiß. Das machen Kuratoren, damit man das Werk als Werk erlebt und nicht gleich anfängt technisch zu analysieren, aber meine Seele verlangt danach – und dagegen bin ich machtlos.
Einige Leihgaben stammen aus renommierten internationalen Sammlungen. Die Qualität der Werke ist außergewöhnlich hoch. Wer Autos liebt, wird auf seine Kosten kommen. Für mich war die Schau eine der besten Ausstellungen, die ich bisher im Museum Frieder Burda gesehen habe. Die russischen Impressionisten von vor einigen Jahren toppt allerdings kaum etwas. Das schreibe ich immer und immer wieder und werde es auch immer und immer wieder hervorholen.
Zugänglich, technisch stark und schier unvergesslich
Das Schöne an der Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ ist zudem ihre Zugänglichkeit. Man muss Kunstgeschichte überhaupt nicht beherrschen. Man muss keine Konzepte (oder Pseudo-Konzepte) entschlüsseln. Man kann einfach staunen. Man sieht, dass hier Menschen am Werk waren, die eine nahezu unglaubliche Technik entwickelt haben und damit Bilder erschaffen, die selbst aus nächster Nähe faszinieren.
1: Karin Kneffel, Ohne Titel, 2004 2: Karin Kneffel, Ohne Titel, 2021
Deshalb würde ich die Ausstellung eigentlich jedem empfehlen, der sich gerne überraschen lässt. Kunstliebhabern sowieso. Aber auch Menschen, die mit zeitgenössischer Kunst sonst wenig bis überhaupt nichts anfangen können. Denn hier steht handwerkliche Meisterschaft im Vordergrund. Und das auf höchstem Niveau. Das sieht man als Profi ebenso gut wie als Laie.
Wie immer sah ich mir die Ausstellung alleine an. Könnte mir gut vorstellen, ein zweites Mal hinzugehen, wenn jemand Lust hat mitzukommen. Sie läuft noch bis zum 2. August 2026. Um nun abschließend auf die Frage in der Überschrift zu antworten: Ja, die Ausstellung lohnt sich absolut. Hier geht’s zu den Tickets.
Aus der Baden-Badener Innenstadt ist es nur ein Katzensprung zum Battert mit dem Alten Schloß (auch Schlossruine Hohenbaden genannt). Das erste Residenzschloss der badischen Markgrafenlag seit Beginn des 19. Jahrhunderts mehr als 200 Jahre im Dornröschenschlaf. Es wurde durch die Bemühungen von Friedrich Weinbrenner und seinem Neffen Johann Ludwig Weinbrenner wieder zum Leben erweckt. Das Architekten-Duo entdeckte die Ruine neu und machte sie durch den Bau neuer Wege und die Sicherung der Bausubstanz für die Öffentlichkeit zugänglich.
Das Alte Schloss, das Ende des 16. Jahrhunderts durch einen Brand zerstört wurde, bekam durch die Weinbrenners auch eine brandneue (höhö verstehste?) Stabilität. Sie stützten es ab, verfugten es neu und versahen es mit Treppen, Brücken, Aussichtsplattformen und Schlossgaststätten. Seitdem ist das Schloss zugänglich und zieht Romantiker, Künstler, Spaziergänger und Wanderer aus aller Welt an.
Mittelalter in Baden-Baden: Aus Burg wird Schlossanlage
Vermutlich strebte Hermann II (gest. 1130), der erste badische Markgraf, den Bau einer verteidigungsfähigen Burg an. Zuverlässige Quellen, die das belegen können, gibt es jedoch nicht. Nach ihm und den Markgrafen Hermann III. bis Hermann VI. ist auch der nördliche Teil mit dem viereckigen Bergfried (1) in der ersten Bauphase im 12. Jahrhundert als Hermannsbau (3) bezeichnet. Er bildet den höchstgelegenen Teil der Schlossanlage und wird auch Oberburg genannt. Im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert wurde die Oberburg durch Markgraf Rudolf I. und seine Nachfolger ausgebaut und verstärkt.
Volià der Grundriss. Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)
Rudolf I. hat im Jahre 1257 erstmals eine Urkunde mit „in castro Baden“ signiert. In dieser Bauphase bekam die Burg einen Festungscharakter durch vorgeschobene Zwinger im Süden und Osten. Wenn ich mich nicht komplett irre, ist das genau der Teil des Alten Schlosses, der die letzten Jahre über restauriert wurde und somit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. Bei meinem letzten Besuch jedoch konnte ich endlich einen Blick in den Kerker werfen. Es war dunkel und gruselig. Ich machte schnell Bilder, dann wurde es Zeit, um mein Leben zu rennen.
Grusel-Wusel im Verließ……uuuund nichts wie raus
Bauphasen des Alten Schlosses im 14. Jahrhundert
Im 14. Jahrhundert brachte Markgraf Bernhard I., neben Gebietserweiterungen für Baden, auch Verbesserungen für das Alte Schloss mit sich: Der sogenannte Bernhardsbau (5), ein mächtiger Palast mit einem Rittersaal, entstand um das Jahr 1400.
Bernhards Sohn Jakob I., führte die Tradition fort und erweiterte die Burg von 1437 bis 1453 um den Jakobsbau (6). Damit beendete er auch dises Tradition, denn dieser vierstöckige Wohnbau war die letzte Erweiterung des Alten Schlosses. Dies Objekt wurde als Überbauung der Kapelle im Ostbereich zwischen Oberburg und Bernhardsbau platziert. Parallel zur letzten Ausbautätigkeit am Schloss Hohenbaden beginnt Jakob I. 1430 mit dem Bau des Neuen Schlosses. 1479 wird dieses von Markgraf Christoph I. bezogen. Zum Neuen Schloss gibt es hier bald auch einen Beitrag. Nur Geduld.
Tore des Schlosses: Romanische und gotische Spuren
An keiner Stelle des Alten Schlosses lassen sich die romanischen und gotischen Bauphasen so gut nachvollziehen wie an den Haupttoren: Wenn ich das richtig verstehe, datiert der Autor des vorliegenden Buches einen Torbogen auf um 1300 und einen Spitzbogen auf 1400. Dort seien frühgotische Abschlüsse der Erweiterungsbauten zu erkennen, während die beiden am Burgweg (9) folgenden romanischen Tore (12./13. Jahrhundert) mit ihren Rundbögen auf die ersten Bauphasen des Schlosses hinweisen. Kapiert? Ich auch nicht. Zu viele Tore und zu viele Himmelsrichtungen.
Grüße aus dem Schloss Hohenbaden
Eines aber kann ich über das Alte Schloss sagen: Es ist eine geile Nummer und immer einen Besuch wert. Ich liebe es, jedes Mal aufs Neue durch den Wald zum Schloss zu laufen und kurz vor dem Ziel noch mal Halt in der kleinen Kapelle zu machen. Das bereitet mir einfach Glücksmomente. Und dir bestimmt auch.
Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)
Aus dem Nebel erscheint eine Grazie in Schwarz und betritt die Bühne. Ihr Charakter verkörpert den Zeitgeist Zentraleuropas der späten 1930er Jahre. Anmutig schreitet sie über die rote Bühne, während die Plastik ihrer Bewegungen französisch spricht und die Musik im Hintergrund an Marlene Dietrich erinnert. Ihr strenger, verführender Blick hat auch etwas Deutsches an sich. Er durchdringt den Körper des Zuschauers bis in die Zehenspitzen. Wie gebannt sind alle Augen im Salon auf sie gerichtet. Herrschaftlich registriert sie das und erwidert jene, die es würdig sind. Als die Spannung kaum auszuhalten ist, streift sie ihren rechten seidenen Handschuh ab und lässt ihn zu Boden fallen. Später würde sie ihrem Publikum einen Blick auf ihre makellose Porzellanhaut gewähren, die zunächst jedoch von einem Mieder mit güldenen Inkrustationen verdeckt blieb. Was dann im Salon Marlene passierte, hättet ihr mit eigenen Augen sehen sollen.
„Deep Rouge“-Showgirl Tara D’Arson
Tara D’Arson liebt das Spiel zwischen Fantasie und Wirklichkeit. „Wenn ich die Bühne betrete, bin ich eine andere – ich kann sein, wer ich will“, erzählt sie mir nach Showende. Der Moment, der ihr von jedem Abend in Baden-Baden bleibt, ist, als sie ihre Choreografie im Hosenanzug und Zylinder aufführt: „Ich merkte, wie die Zeit plötzlich stillstand.“ Ein Zustand, in dem sie eine unausgesprochene Verbindung mit ihrem Publikum eingeht und spürt, wie alles den Atem anhält. „Vor allem beobachte ich gerne die Paare im Publikum; wie sich etwas Elektrisierendes zwischen ihnen aufbaut. Ich liebe den Gedanken daran, dass sie Sex haben, wenn sie nach der Show nach Hause gehen“, sagt sie mir, während ich meinen Blick nicht von ihren zweifarbig schimmernden Augen abwenden kann.
Copyright: Tanja Dammert
Tara genoss eine klassische Ballettausbildung, tanzte später Cabaret im Pariser Moulin Rouge und auf den Bühnen von Bordeaux. „Als ich zum ersten Mal eine Broulesque-Show erlebte, wusste ich, dass das meine Bestimmung ist.“ Zehn Jahre lebte sie in Berlin und arbeitete auch dort als Showgirl. Meine Frage, was sie auf der Bühne fühlt, beantwortet sie leidenschaftlich mit „everything“. Ihre Message an die Frauenwelt: „Jede hat diese erotische Energie in sich. Nur hat jede ihren ganz eigenen Weg, um sie nach außen zu tragen.“ Ihre Porzellanpuppenfigur verwöhnt die kürzlich gewordene Mutter mit viel Tanz, Yoga und Pilates; „everything soft“, formuliert sie. Zudem unterrichtet sie Heels, Broulesque und etwas Ballett.
Kulisse der „Deep Rouge“-Show war das Casino Baden-Baden. Entstanden aus der Kooperation von Rizzi & Co. und Industrial Theater verkörpert das neue Format etwas, was es in unserer Stadt noch nicht gab. Zumindest nicht zu meiner Zeit hier.
Venedig-Vibes mit der temperamentvollen Jacky Lu
Als die im üppigen Federkleid gekleidete Jacky Lu den Salon stürmt, wird es wild und zügellos. Sie hat nämlich das Temperament einer Diva, das Gesicht einer Pin-up-Malerei und den Körper eines Mannequins. Spielend flirtet sie mit dem einen Kopf kleineren Conférencier und zeigt uns das Funkeln der Strasssteine, die sie unter den pinken Federn trägt. Ihr Tanz scheint Spontanität und Freiheit zu verkörpern – der Blick verrät, dass sie jeden Moment davon genießt. Zusammen mit den Federn legt sie auch den letzten Funken ihrer gespielten Schüchternheit ab und beherrscht die rote Bühne mit ihrer lauten, unantastbaren Erotik.
„I enjoyed myself very much tonigt“, verrät sie mir später, „When I’m on stage, I feel like a queen, I feel like I own everything.“ Sie liebt die glühenden Blicke aus dem Publikum und fühlt sich bei jeder ihrer Shows wie ein vollkommen neuer Charakter. Wie Tara auch, liebt Jacky Lu es, verschiedene Rollen zu spielen, die sie während ihrer Auftritte zu erschaffen scheint. Jede ihrer Shows ist daher anders, oft tanzt die Künstlerin freestyle, obwohl sie sich auch an die Choreographien hält, die ihre kleine Schwester für sie konzipiert. Währenddessen kreiert die große Schwester ihre Bühnenkostüme. Die DNA ihrer Designs ist im venezianischen Carneval verankert. Draußen trägt Jacky Lu meistens Baggy – auch diesen Stil feiert sie. Die, buchstäblich, glanzvollen Roben hebt sie sich aber für die Bühne auf.
Interview 🙂Copyright Bilder 3-5: Tanja Dammert
Ich frage sie, was wir Nicht-Showgirls tun können, um unsere Erotik zu entfachen. Sie gibt mir eine Anleitung zum ausprobieren: „Schließ deine Augen, hab Spaß, mach deine Lieblingsmusik an und stell dir vor, du würdest für jemanden Tanzen, den du richtig gern hast.“
Carlo geleitet uns mit seinem Wiener Charme durch den Abend
Einen festen Platz in der Late-Night-Show hat auch der zierliche Conférencier Carlo aus Wien. Bescheiden beschreibt er sich selbst als „den roten Faden“ des Abends. Dabei nimmt er sowohl die Rolle eines Showmans als auch die eines Zuschauers ein. Nachdem er die Tänzerinnen ankündigt und sie die Bühne zum Leben erwecken, positioniert er sich im Raum und schaut ihnen mit gewisser Theatralik zu – etwa in einer güldenen Badewanne.
Sein Ziel ist es, dem Publikum Freude geben. Er verpackt es in eine Metapher: „Ein Glas zu zerbrechen ist einfach. Eines herzustellen ist die schwierige Aufgabe und erfordert seine Zeit.“ Doch der Artist in vierter Generation weiß genau: „Wenn die Menschen im Publikum sitzen, lassen sie alles hinter sich.“ Alle Nachrichten, Krisen, Medien – all die Reizüberflutung, der der moderne Mensch ausgesetzt ist. Mitten in der Show wirft er ein: „Eine Stadt, in der keine Orgie stattfindet ist eine tote Stadt.“ Meine Augen weiten sich.
Auf ein Wort mit Regisseur Enno-Ilka Uhde
„Eine Orgie kann auch eine Baustelle sein“, löst Regisseur Enno-Ilka Uhde auf. Meinen ersten interpretativen Gedanken fand ich zwar lustiger, der wahre Sinn dieser Phrase ist jedoch auch ganz schlüssig. Für ihn ist „Kunst immer Politik“ und seine Shows seien voll davon. Für die meisten Zuschauer allerdings oft ungreifbar, da subtil hineingeflochten. In der Musikwahl etwa finden wir Indizien dafür: „Die Stücke aus Klassik, Rock, Jazz und Elektro gehen abrupt ineinander über. Der Zuschauer kann nicht erahnen, was als nächstes kommt – wie im Leben selbst.“ Uhde scheint gut damit leben zu können, dass seine versteckten Botschaften nicht bei jedem ankommen und betont: „die Künstler verstehen es aber.“
Ob das die Magie hinter seiner Show ist, können wir nur erahnen. Als er die folgende Phrase ausspricht, muss ich lange in die Leere starren, bis ich wieder auf der Erde ankomme: „Das Überschüssige ist das höchst Notwendige.“ Damit brachte er die Atmosphäre dieser Nacht auf den Punkt und hielt auch mir ganz unverhofft einen kleinen Spiegel hin. Ich fragre ihn, was in ihm passiere, wenn er eine Show, die vorher nur in seiner Fantasie lebte, in die Realität umsetzt. „Depression.“ Wieder weiten sich meine Augen. „Wenn die Show stattfand, ist sie tot.“ Der einzige Weg, mit diesem Schmerz umzugehen, sei es, die nächste Show zu schaffen.
Copyright: Tanja Dammert
„Deep Rouge“ geht schon bald in die nächste Runde
Die nächste „Deep Rouge“-Show wird es im Salon Marlene schon bald wieder geben. Hier gehts zum Veranstaltungskalender und den Tickets. Vielleicht haben die Gäste auch bei den kommenden Shows das Vergnügen, ein paar Worte mit dem Gastgeber Maurice Schreck zu wechseln. Für ihn wird die Einführung der Late-Night-Show zum Erfolg. „Wir sind happy“, teilt er mit Blick nach vorne und will erstmal noch tiefer in die Materie der Dinnershows einsteigen.
An dieser Stelle verabschiede ich mich von euch, da ich nämlich hohen Besuch erwarte. Und wenn ihr bald auch unsere Stadt beehren wollt, um Jacky Lu und Tara D’Arson live zu erleben, dann nehmt euch am besten Zeit für euren unvergesslichen Abend und die Nacht im Casino Baden-Baden. Zieht eure prunkvollsten Ornate an, trinkt an der Bar, verspielt euer Geld beim Blackjack und Poker, genießt die Show, lauscht den Cellos von Sia und Vassily Bystroff, dem Gesang von Liangliang und geht anschließend im Club Bernstein tanzen. Wir wissen ja, was Enno-Ilka Uhde uns zum Thema Überschuss erzählt hat.
Das Frieder Burda Museum in Baden-Baden stellt derzeit das Werk von Max Liebermann im Kontext mit dem deutschen Impressionismus aus. Diesmal kann ich guten Gewissens sagen, dass das die wohl beste Ausstellung seit Langem war, die das Frieder Burda zusammengestellt hatte. Geht unbedingt hin, sie läuft noch bis zum 8. Februar 2026.
1. Max Liebermann, Simson und Delila (1902) 2. Max Liebermann, Biergarten in Laren (1903)
Besonders gut gefiel mir diesmal die Präsentation der Bilder. Wahlweise war die Wandfarbe ausgesprochen harmonisch gewählt, sodass eher schlichte Bilder sehr gut zur Geltung kamen. Auch gab es viele Tafeln neben den Gemälden, die vorikonographisch bis ikonographische, manchmal sogar ikonologische Beschreibungen lieferten. Die waren sehr aufschlussreich und schön formuliert. Allerdings entschieden sich die Kuratoren dafür, das Material der Arbeiten außen vor zu lassen. Ich meine, das Frieder Burda macht diesen Kunstgriff des Öfteren. Mich triggert er enorm, hat aber eine tiefere Bedeutung: meistens tun Kuratoren uns das nämlich an, damit das Werk samt seiner Wirkung für sich steht, anstatt dass wir gleich dazu eingeladen werden, es technisch zu analysieren. Ob das nun aber auch die Absicht im Frieder Burda war, weiß ich (noch) nicht.
1. Heinrich Hübner, Rittersporn (1913). Für alle, die sich nach der Haftbefehl-Doku fragen, wie Rittersporn aussieht 😛 2. Sabine Lepsius, Mädchen im Sonntagskleid (1914) 3. Lovis Corinth, Die Lesende (1911)
Frieder Burda: Exklusive Einblicke in Privatsammlungen
Viele Gemälde kamen aus Privatsammlungen, was bedeutet, dass wir sie sonst kaum zu Gesicht bekommen. Das steigert die Exklusivität dieser Ausstellung enorm. Gezeigt werden dabei nicht nur Arbeiten von Max Liebermann, sondern auch von Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde. Ergänzt wird das Ganze um einige Werke von Malern, die weniger bekannt sind: darunter Dora Hitz, Philipp Franck, Friedrich Kallmorgen, Gotthardt Kuehl, Christian Landenberg.
Die Bilder von Lovis Corinth ragten für mein ästhetisches Empfinden besonders hervor. Anders als viele andere Impressionisten arbeitet er viel mit gedämmten Farben, spielt auf seine ganz individuelle Weise mit Schatten und Lichteinfall und zeigt uns eine Pinselstrich-Dynamik, die sich deutlich von den anderen Exponaten dieser Ausstellung unterschied. Jedes Gemälde, vor dem ich innehalten musste, war von Corinth. Somit konnte ich also einen (für mich) neuen Künstler entdecken, über den ich mehr erfahren will und vielleicht demnächst sogar etwas publiziere. Und mehr kann man sich von einer Ausstellung eigentlich gar nicht wünschen. Es gab sogar zwei Gänsehautmomente. Diese beiden Gemälde haben es mir besonders angetan:
Das Frieder Burda beschreibt den „Impressionismus in Deutschland“, so heißt nämlich die Ausstellung, als eine der einflussreichsten Bewegungen der europäischen Kunstgeschichte. Die etwa 100 Leihgaben, die dort gezeigt werden, belichten diese Thematik. Es ist sozusagen die Deutsche Variante einer Stilrichtung, die ihren Ausgangspunkt in den 1860er Jahren um französische Künstler wie Claude Monet und Pierre Auguste Renoir gefunden hatte. Im Fokus steht natürlich Max Liebermann (1847–1935), der der Künstlerbewegung zum Durchbruch verhalf.
So wie diese Ausstellung war (und immer noch ist) sollten alle Ausstellungen im Frieder Burda aufgebaut sein. Das ist meine Traumvorstellung. Denn für Corinth und Liebermann und den Impressionismus im Allgemeinen kommen Kunstkenner auch mal von weiter weg nach Baden-Baden. Bitte mehr davon <3
Die Ausstellung „Impressionismus in Deutschland“ könnt ihr hier mit „I Feel the Earth Whisper“ vergleichen. Beide wurden im Frieder Burda ausgestellt. Welche spricht euch mehr an?
In Baden-Baden liegt Geschichte nicht nur in der Luft. Sie spiegelt sich auch in Stein und Glas wider. Werfen wir doch mal einen Blick auf die architektonischen Meisterwerke der Stadt – die Gotteshäuser. Sie zeigen uns nicht nur, wie unsere Stadtbewohner seit vielen Generationen ihren Glauben leben, sondern geben auch Einblicke in die europäische Baukultur und Experimentierfreude an Gestaltung. Gehen wir sie einmal chronologisch durch und fangen mit der ältesten und wohl bekanntesten Kirche an.
Stiftskirche Liebfrauen in Baden-Baden
Markant thront die Stiftskirche Liebfrauen am Florentinerberg. Ihr rund 68 Meter hoher Turm prägt die Silhouette der Altstadt. Nicht nur meine Fotoarchive sind voll von ihr. Erstmals 987 urkundlich erwähnt, wurde sie im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut, erweitert und geformt. Aus dem 13. Jahrhundert ist der romanische Turmschaft erhalten geblieben, während der Chor und das Langhaus zwischen 1453 und 1474 im spätgotischen Stil erbaut wurden.
Was erwartet uns im Inneren? Die Kirche ist dreischiffig mit Querhaus und Chor angelegt. Ihre Decken sind von Kreuzrippengewölben überspannt, die von Sandsteinpfeilern getragen werden. Im Chor finden wir das aufwendig gestaltete Hochgrab des Markgrafen Ludwig Wilhelm (Türkenluis). Davor bleibe ich immer besonders lange stehen, egal, wie oft ich es bereits gesehen habe.
Die evangelische Stadtkirche
Nachdem 1855 der Grundstein gelegt wurde, fand 1864 die Einweihung der Evangelischen Stadtkirche statt. Ihr denkt euch vielleicht: „Wie bitte?“ Zurecht – bei ihrem Anblick könnte man leicht glauben, sie stamme aus der Hochgotik. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich gehört sie der Neogotik an, einem Stil des 19. Jahrhunderts, der bewusst die Formen und Motive der Gotik wieder aufgriff. Die Neogotik zählt zu den frühesten Unterarten des Historismus, der sich in Kunst und Architektur an den Stilen vergangener Jahrtausende und verschiedener Kulturen orientierte. Wir kennen das etwa auch vom (Neo-)Klassizismus, der sich an der Antike, vor allem am griechischen und römischen Tempelbau, orientiert hatte.
Die Stadtkirche ist meistens geschlossen, weshalb ich sie heute erstmals, nach all den Jahren, betreten habe. Wunderschön – auch von innen: Im Hauptschiff finden wir spitzbogige Fenster mit farbigen Glasmalereien, die viel Tageslicht hineinlassen. Das Kreuzrippengewölbe überspannt den gesamten Raum und über der Empore am Eingang steht seit 1973 eine eindrückliche Orgel, auf der während meines Besuchs fleißig geprobt wurde. Ein magischer Moment, der mir für lange Zeit im Herzen bleiben wird. Die Deckenhöhe beträgt schätzungsweise 15–20 Meter, aber manche von euch werden wissen, wie (un)zuverlässig ich im Schätzen bin, daher Angabe ohne Gewähr.
Stourdza-Kapelle auf dem Michaelsberg
Mit Neoklassizismus geht es weiter. Die rumänisch-orthodoxe Kapelle Heiliger Erzengel Michael, auch bekannt als Stourdza-Kapelle, wurde zwischen 1863 und 1866 nach Plänen der Architekten Leo von Klenze und Georg von Dollmann erbaut. Sie steht auf dem Michaelsberg. Von Weitem erkennen wir sie an einer der zwei güldenen Kuppeln der Stadt. Sie ist 24 Meter hoch und eine Miniaturreplik der Kuppel der Peterskirche in Rom.
So einfach lässt die Stourdza-Kapelle sich jedoch nicht betreten. Man muss schon einen Termin erbitten, um sie von innen zu sehen. Von außen sehen wir einen kubischen Baukörper, dessen Wandflächen abwechselnd mit weißem, rotem und gelbem Sandstein „gestreift“ sind. Die Vorhalle wird von vier ionischen Säulen getragen. Diese Kirche ist für mich immer wieder ein krönender Abschluss, nach einem Spaziergang auf dem Michaelsberg.
Russisch-Orthodoxe Kirche Baden-Baden
1880 bis 1882 folgt der nächste große Bau: Die russisch-orthodoxe Kirche an der Lichtentaler Straße wird nach den Plänen des St. Petersburger Architekten Iwan Strom errichtet. Sie gehört zum nordrussischen bzw. russisch‑orthodoxen Stil mit byzantinischen Elementen. Ihr Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes. Das ist auch bei vielen katholischen Kirchen und Klöstern üblich. Wie ihr euch sicher denken könnt, ist das die zweite güldene Kuppel der Stadt. Nur hat sie eine etwas andere Form: Im Deutschen sagen wir „Zwiebelkuppel“ dazu. Diese wird gekrönt von einem dreibalkigen Kreuz.
Das Mosaik über dem Portal und der prächtig ausgestattete Innenraum stammen vom „Malerfürsten“ Grigor Gagarin. Eine sogenannte Ikonostase aus weißem Marmor trennt den Altarraum vom Gemeinderaum – der Blick auf den Altar wird, wie in der russischen Kultur üblich, nur zu bestimmten Gottesdienstzeiten freigegeben.
Weststadt: Katholische Kirche St. Bernhard
Sehenswert ist auch die katholische Kirche St. Bernhard in der Baden-Badener Weststadt. Sie wurde zwischen 1911 und 1914 nach den Bauplänen von Johannes Schroth erbaut. Diese stießen damals auf deutliche Kritik vom bischöflichen Ordinariat, da sie Jugendstil-Elemente aufwiesen. Der Architekt konnte seine Vision des Bauwerks jedoch verteidigen, indem er argumentierte, dass die katholische Kirche damit mit der Zeit gehe.
Stilistisch prägend ist außerdem eine byzantinisch-frühchristlich wirkende Architektur, die sich in der zentralen Rotunde mit Kuppel widerspiegelt. Ihre Fresken und das einfallende Tageslicht wirkten auf mich überwältigend. Ganz zu schweigen von der gigantischen Orgel auf der Empore über dem Haupteingang.
Den Namen St. Bernhard verdankt das Gotteshaus dem seligen Bernhard von Baden. Der verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch und linderte stattdessen die Armut und Not der Bevölkerung, indem er einen Großteil seines Vermögens hinterließ.
Kein Anspruch auf Vollständigkeit, es gibt nämlich noch mehr Kirchen in Baden-Baden, die ich euch nach und nach hier vorstellen werde. Freut euch also auf Updates.
Unter dem Titel „I Feel the Earth Whisper“ lädt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden Besucher ein, sich auf eine sinnliche Reise durch die Kunst der Natur zu begeben. Die Ausstellung zeigt Werke von Bianca Bondi, Julian Charrière, Sam Falls und Ernesto Neto. Ziel ist es, die Verbundenheit des Menschen mit der Natur zu beleuchten. Ein paar Exponate gefielen mir ziemlich gut, also zeige ich sie euch weiter unten.
Die Schau umfasst Skulpturen, Malereien, Videos und Fotos. Diese Werke sollen den Betrachtern helfen, ihre Rolle als respektvolle Hüter der Erde wiederzuentdecken. „Wir wollen neue, fürsorgliche Beziehungen zwischen Mensch und Erde erzählen – wahre ‚planetare‘ Liebesgeschichten“, so die Kuratoren. Die aktuelle Ausstellung „Heilende Kunst“ im LA8 beschäftigt sich mit einem sehr ähnlichen Thema aus einer anderen Perspektive. Zufall? Ich glaube nicht. Also wenn hingehen, dann wohl in beide Ausstellungen, so wie ich das gemacht habe.
Museum Frieder Burda: „I Feel the Earth Whisper“
Die Künstler haben im Ramen der Frieder-Burda-Ausstellung „I Feel the Earth Whisper“ Installationen geschaffen, die Naturlandschaften ins Museum holen und damit dynamische Räume schaffen. Diese fordern dazu auf, neue Perspektiven einzunehmen und eine Harmonie mit der Erde zu empfinden. So zumindest die Absicht der Künstler und Koratoren. Als ich durch das Werk „The Birth of Contemporous Blue Tree“ im Erdgeschoss lief, spürte ich sogar etwas Derartiges.
Die Installation „The Birth of Contemporous Blue Tree“ ist von Ernesto Neto und symbolisiert die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Sie lädt Besucher dazu ein, alle Sinne zu nutzen: riechen, hören oder berühren. Die Interaktion mit dem Betrachter fand ich wirklich faszinierend. Das gesamte Werk ist handgehäkelt und man muss die Schuhe ausziehen, bevor man es betritt. Ich fands cool. Die von der Kuppel des Werks hängenden Steine in den gehäkelten Schaukeln fand ich schon ganz interessant. Woran sie mich erinnerten, kann ich aus dem Stehgreif gar nicht sagen. Im Inneren der Installation stehen rhythmische Musikinstrumente zur freien Verfügung. Dort habe ich mir ordentlich einen abgetrommelt – und hatte Spaß bei.
Bianca Bondiy und Julian Charrière im Frieder Burda
Die Ausstellung ist aufgeteilt in die vier Künstler und ihre Auffassung von der Thematik Erde. Bianca Bondis beschäftigt sich in ihrer Installation „Salt Kisses My Lichens Away“ mit chemischen Prozessen wie Salzwasserreaktionen. Ihr Ziel ist es, Alltagsgegenstände in Kunst zu verwandeln. „Meine Werke sind eine eindringliche Erinnerung an die fragile Schönheit unseres Ökosystems“, sagt die Künstlerin selbst. In diesem Raum hielt ich mich allerdings nur sehr kurz auf.
Julian Charrière präsentiert unter dem Titel „Where Clouds Become Smoke“ Projekte über die Verflechtung von Mensch und Natur. Ein Highlight ist sein partizipatives Projekt „Calls for Action“. Es nutzt eine Live-Videoübertragung zwischen dem Schwarzwald und einem Küstenwald in Ecuador. Diese Idee fand ich sehr interessant und hab in dem abgedunkelten Raum, wo die Videoübertragung stattfindet, sogar ein Pärchen kennengelernt, das in der Nähe des Küstenwaldes in Ecuador lebte und demnach auch eine starke Verbindung zum Dargestellten hatte. Sie erzählten mir von ihren Spaziergängen durch die dortige Natur. Wir haben wirklich nett geplaudert. Die ölige Lavalampen-Action fand ich auch super und starrte sie richtig lange an.
hallooooo 🙂Calls of action (2004)Love-In Semeru (2018)
Mein persönliches Highlight
Sam Falls setzt in seiner Ausstellung „Waldeinsamkeit“ auf natürliche Materialien wie etwa Heilsteine und Keramik aus dem Schwarzwald. Er lässt natürliche Prozesse auf seine Werke einwirken, um Vergänglichkeit und Zeitverlauf hervorzuheben. Am aller geilsten fand ich seinen „Vorhang“ aus den Halbedelsteinen. Es war eins meiner persönlichen Highlights in der gesamten Ausstellung. Ich hätte die Dinger am liebsten angeknabbert. Es war toll, es war anders, es war ästhetisch, es war geil und das beste: ich durfte es anfassen.
Healing Sculpture (Curtain) 2017
Die Ausstellung findet anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Museums statt. Gründer Frieder Burda wird mit der Schau für seinen visionären Geist gewürdigt. Sein lichtdurchflutetes Museum bietet eine Symbiose aus Kunst, Architektur und Natur entlang der wunderbaren Lichtentaler Allee in Baden-Baden. „I Feel the Earth Whisper“ ist noch bis zum 3. November 2024 im Museum Frieder Burda zu sehen.
So ist die Atmo im UGBasquiat-Buch -Blättereien
Nach der recht interessanten Ausstellung ging ich ins Untergeschoss und stieß auf meinen geliebten Max Beckmann. Zwei seiner Werke lachten mich dort an.
Quelle: Website museum-frieder-burda.de „I Feel the Earth Whisper“
Erst neulich habe ich euch von den besten Museen der Bundesrepublik erzählt. Nun. Dieses könnte auch bald auf dieser Liste stehen. Es handelt sich um das höchst umstrittene und von der Presse verhasste Fabergé Museum in Baden-Baden. Hinter einer Paywall verstecken zahlreiche Boulevard-Magazine ihre vernichtenden Kritiken gegen das Kunsthaus. Auch die BNN schießen ordentlich dagegen. Ich kann die Vorwürfe, die gefühlt in alle erdenklichen Richtungen gehen, jedoch nicht einschätzen. Also besuchte ich das Museum unvoreingenommen als Studentin der Kunstgeschichte und sah mir die Exponate aus der Nähe an. Eines davon will ich euch heute vorstellen: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Memoare eines Meisterjuweliers: Qualität der Fabergé-Eier
Franz-Josef Bierbaum, einer der namhaftesten Meisterjuweliere, die für den berühmten Juwelier Peter Carl Fabergé gearbeitet haben, hat in seinen 1919 aufgezeichneten und erst 1992 veröffentlichten Memoaren*, Details zur Herstellung der sogenannten „Kaiser-Eier“ enthüllt.
Bierbaum hebt hervor, dass die Qualität dieser kunstvollen Ostereier während des Ersten Weltkrieges nachgelassen hatte. Anstatt der üblichen luxuriösen Materialien wie Diamanten und Gold wurden die Eier entweder nur in bescheidener Qualität, oder gar nicht hergestellt. Drei relativ einfache Eier sind aus dieser Zeit bekannt: Das „Rote Kreuz Ei“ von 1915 sowie das „Georgische Ei“ und das „Stahlei“, beide aus dem Jahr 1916. Zwei weitere wurden unvollendet: Eins aus Stein und das andere aus Holz.
Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Peter Carl Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke (1917). Zu sehen ist auch das diamantbesetzte Schlüsselchen sowie auch das passende Etui im Hintergrund.
Die Kaiserin Maria Fjodorowna liebte Kunsthandwerk aus karelischer Birke, einer kostbaren Holzsorte aus Karelien, Nordrussland. Also nehme ich mal an, dass das vorliegende Exemplar nach ihrem Geschmack gefertigt wurde. Ein besonderes Detail dieses Eis werde ich euch gar nicht zeigen können – und wahrscheinlich auch selbst nicht sehen: Den in dem Inneren des Kaiser-Eis versteckten Elefanten, der als Glücksbringer dienen sollte.
Ein Brief soll das schlichte Fabergé-Ei historisch einordnen
Das Kaiserliche Osterei wird im Fabergé Museum zusammen mit einem Schlüssel, dem Etui und zwei Begleitpapieren ausgestellt. Eins dieser Papiere ist die Originalrechnung Fabergés an den Kaiser vom 25. April 1917 und das zweite ist ein Brief vom 23.03.1917, geschrieben von Carl Fabergé an den Vorsitzenden der Übergangsregierung, den Justizminister Alexander Kerenskiy. Denn „wie bekannt, war der Russische Kaiser Nikolai der II. zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten und wurde nicht ohne Gewalt in seiner Sommerresidenz unter Hausarrest gehalten“, merkt das Baden-Badener Museum an.
Diplomatisch begann Karl Fabergé seinen Brief an Kerenskiy mit der Beschreibung der schwierigen Situation, in der sich seine Mitarbeiter befanden, leitete über zu der Notwendigkeit, die Militärbestellungen zu erfüllen und erwähnt auch die anstehenden Lohnauszahlungen. Schließlich bittet er den Minister um einen kleinen Gefallen: „Bitte erlauben Sie mir, dem ehemaligen Kaiser und seiner Familie ein paar kleine Gegenstände (Erinnerungstücke, Andenken) zu übergeben, unter anderem zwei kleine Tierfigürchen und ein einfaches Osterei, ohne Luxus und fast unverziert, innen ein kleiner Elefant als „Glücksbringer“.
Geheimnisvolles Verschwinden: War dieses Fabergé-Ei wirklich so schlicht?
Tatsächlich war der Elefant, wie man der Rechnung entnehmen kann, aus Gold und mit 611 Diamantrosen besetzt. Mit einem ebenfalls diamantbesetzten Schlüsselchen (siehe Bild) konnte man den Elefanten im Ei aufziehen und „zum Laufen bringen“, heißt es in den Informationen des Museums.
Es sei durchaus möglich, dass die Übergabe der Tierfiguren genehmigt wurde. Laut dem Protokoll nach der Hinrichtung der Zarenfamilie sollen nämlich etliche solcher Figuren konfisziert und an Moskauer Museen weitergegeben worden sein. Anders sieht es mit unserem „einfachen Osterei“ aus.
Das Fabergé-Ei aus karelischer Birke mit dünner Goldfassung wird in Carl Fabergés Brief an seinen oben bereits erwähnten Meisterjuwelier Franz-Josef Bierbaum angemerkt. Darin schreibt Fabergé, dieses dem Kaiser zu Ostern 1917 gemacht zu haben. Er geht davon aus, dass der Kaiser das Osterei nie bekommen hat. Kerenskiy habe das wohl nicht zugelassen. Wohin es verschwunden ist, wisse Fabergé nicht. „Jedenfalls war ich nach den Durchsuchungen und der ganzen Zerstörung durch die Bolschewiken im Firmengebäude und habe keine Spur von den Sachen gesehen“, heißt es in dem ausgestellten Brief.
Fabergé Museum in Baden-Baden beteuert Echtheit
Das Museum fügt an: „Eine erste Publikation des Birkeneies mit einer Abbildung erfolgte 1997 im Buch ,Kaiserliche Ostereier der Firma Fabergé‘ von Tatjana Fabergé, Valentin Skurlov und L. Proller. Die historische Abbildung wies absolute ldentität mit unserem Ei auf.“ Die Expertise der Punzierung** erfolgte durch den Werkstattmeister H. Wingström. Dieser soll die Markierung Fabergés sowie auch ein Fabergé-Label eindeutig bestätigt haben.
Auch kunsttechnisch gemmatologische und juweliertechnische Expertisen des Abdrucks eines Fabergé-Labels auf der Innenseite des Etuis sollen eindeutige Resultate ergeben haben. Sie ließen keine Zweifel an der Echtheit des Stückes, heißt es im Bericht des Fabergé Museums.
**Eine Punzierung ist eine Technik, die darin besteht, Muster und Formen von Hand in Metall oder Leder zu prägen. Das Besondere daran ist, dass das Motiv in das Material versenkt und somit als Negativ zu sehen ist. Für diese Art der Gestaltung werden spezielle Werkzeuge namens Punzen oder Punziereisen verwendet. Diese sind eigentlich Metallstifte, deren Ende durch eine einfache geometrische Form gekennzeichnet ist. Für kleine Ornamente nutzen Handwerker oft vorgefertigte Muster auf ihren Punziereisen, da diese stets gleich aussehen – ein Trick, der Zeit und Mühe spart. Die Fähigkeit, Metall oder Leder so exakt zu bearbeiten, verlangt handwerkliches Geschick und Präzision. Gepunzte Kunstwerke strahlen daher einen unverwechselbaren Charme aus und tragen die Handschrift ihres Schöpfers.
Eingenistet am westlichen Rand des Schwarzwaldes liegt die Stadt Baden-Baden. Sie ist ein Zentrum der Entspannung und Kultur. Mit einer Einwohnerzahl von etwa 57.000 Menschen bietet der kleinste Stadtkreis Baden-Württembergs eine außergewöhnliche Mischung aus historischem Charme und modernem Luxus.
Die Geschichte der Kurstadt reicht weit zurück. Schon die Römer kannten und schätzten die heißen Thermalquellen der Region. Diese natürlichen Ressourcen nutzten sie zur Errichtung eines Militärkurbads, das zum zentralen Treffpunkt für Erholungssuchende wurde. Die Thermalquellen sind bis heute ein Herzstück der Stadt und ziehen jährlich zahlreiche Besucher an.
Die Kuppel des Friedrichbads in der Innenstadt.
Riesiger Stadtbrand im Mittelalter
Im Mittelalter war die Bäderstadt eine bedeutende Residenzstadt der Markgrafschaft Baden und diente als Namensgeberin für das spätere Großherzogtum Baden. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1689 verlor sie diesen Status jedoch an Rastatt, auch eine der Städte in der ich schon lebte, blieb aber weiterhin von regionaler Bedeutung.
Das 19. Jahrhundert markierte eine neue Ära für Baden-Baden, als die Stadt zu einem Treffpunkt für Adlige und vermögende Bürger aus ganz Europa avancierte. Angezogen durch das Casino und die exklusiven Kurmöglichkeiten entwickelte sich der Ort zur „Sommerhauptstadt Europas“. Prachtvolle Gebäude wie das Kurhaus und das Friedrichsbad zeugen noch heute von dieser glanzvollen Zeit.
Hello, hello! Das ist meine Lieblings-Fotokulisse: Die Aussichtsterrasse am Neuen Schloss.
Stadtteile und markante Lagen
Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die städtische Gliederung der Kurstadt immer wieder gewandelt. Heute besteht sie aus elf Stadtteilen, darunter Balg, Ebersteinburg und Lichtental, sowie mehreren kleineren Wohnplätzen wie Gaisbach oder Gallenbach. Wie in jeder anderen Stadt, haben diese Stadtteile ganze eigene Charaktere mit ihren Besonderheiten und Mentalitäten. Diese Vielfalt in der Gemeindestruktur trägt zur charmanten Atmosphäre bei, die sowohl Einheimische als auch Besucher schätzen.
Die geografische Lage im Tal der Oos bietet nicht nur malerische Aussichten sondern auch ideale Bedingungen für den Weinbau in der Vorbergzone. Der höchste Punkt des Stadtgebietes befindet sich auf der Badener Höhe mit 1.002 Metern – perfekt für Naturfreunde und Wanderer.
Das Neue SchlossBlick auf die StiftskircheEngelsstatueNeues SchlossStiftskirche vom Alten Dampfbad gesehenGeroldsauer Wasserfall
Kulturstandort mitten im Schwarzwald
Baden-Baden dient auch als wichtiger Kultur- und Medienstandort mit wichtigen Veranstaltungen wie etwa den halbjährlichen Festspielen, internationalen Galopprennen, dem Oldtimertreff, SWR3 New Pop Festival und natürlich etlichen weiteren Veranstaltungen. Man denke nur an die philharmonischen Nächte und Konzerte. Die Stadt ist darüber hinaus auch Sitz mehrerer bedeutender Medienhäuser, wie etwa, man ahnt es, SWR3, BNN, arte und einiger anderer.
Zu den bemerkenswertesten Ereignissen zählt sicherlich die Aufnahme in die Liste der elf bedeutenden europäischen Kurstädten des UNESCO-Weltkulturerbes im Juli 2021. Dies unterstreicht einmal mehr den international anerkannten Wert dieser außergewöhnlichen Bäderstadt.
Komm nach Baden-Baden, es wird dir gefallen!
Badischer Hof, Villa Solms sowie zahlreiche Kirchen und Kurgebäude gehören zu den geschützten Denkmalobjekten innerhalb des Welterbebereichs, dessen Schutz durch nationale sowie internationale Richtlinien gewährleistet wird.
Ob du nun entspannte Tage in den historischen Thermen verbringen willst, den Schwarzwald entdecken willst, oder kulturelle und sportliche Aktivitäten suchst – Baden-Baden bietet eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Möglichkeiten, um Körper und Geist zu beleben.
Daten zur Geschichte: Beginnen wir mit „Aquae“
Um 80 n.Chr. Die Römer errichten feste Bauten im heutigen Stadtbezirk von Baden-Baden. Um 200 Erste Blüte der Stadtgemeinde „Aquae“, später Hauptort des Verwaltungsbezirks „Civitas Aurelia Aquensis“. 259/260 Alemannen beenden die römische Herrschaft.
Von der Spätantike zur ersten markgräflichen Residenz
Um 500 Fränkische Eroberungen Um 700 Anlage einer Königspfalz in der Stadt 987 Erste Stadtkirche beurkundet 1046 Bis zur Kirchenreform im 19. Jahrhundert bildet der Oosbach die Grenze der Diözesen Speyer und Straßburg. 1112 Hermann II., der Erbauer von Schloss Hohenbaden (Altes Schloss), begründet als „marchio de Baduon“ die Zähringerherrschaft und damit die Markgrafschaft Baden. 1245 Markgräfin Irmengard stiftet das Kloster Lichtenthal. Um 1250 Markgraf Rudolf I. baut das Schloss Hohenbaden aus.
Das fantastische Alte Schloss (auch bekannt als Schloss Hohenbaden)
Baden-Baden: Kuren, Kriege, Klöster
1349 Die Thermalquellen werden zur Abwehr der Pest geöffnet. 1393-1431 Markgraf Bernhard I. von Baden baut das Schloss Hohenbaden noch weiter aus. Um 1420 Gründung des Klosters Fremersberg Um 1431 Ausbau von Schloss Hohenbaden und des Neuen Schlosses durch Markgraf Jakob I. 1453 Die Pfarrkirche wird in eine Stiftskirche (Kollegiatstift) umgewandelt und zur Grablege der Markgrafen. 1473 Kaiser Friedrich III. kommt zur Badekur und zum Fürstentag nach Baden; Anzeichen für eine zweite Blüte der Stadt. 1479 Markgraf Christoph I. verlegt seine Residenz ins Neue Schloss
Seit Jahren verwahrlost leider das Neue Schloss vor sich hin. Es ist nun im Privatbesitz.
1535 Teilung Badens in die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach Ab 1556 Reformation in der Kurpfalz und der Markgrafschaft 1574 Ausbau des Neuen Schlosses durch Baumeister Caspar Weinhart und den Maler Tobias Stimmer 1580 Im Zuge der Gegenreformation kommen Jesuiten und andere Orden an den Oberrhein; es folgen Klosterneugründungen: Kapuzinerkloster (1631) und Frauenkloster vom Heiligen Grab (1687) 1689 Im Orléansschen Krieg wird Baden-Baden fast vollständig niedergebrannt und zerstört.
Aufstieg Baden-Badens zwischen den Fronten
1706 Markgraf Ludwig Wilhelm verlegt die Residenz nach Rastatt; Baden-Baden ist nach dem Stadtbrand nahezu bedeutungslos; Rastatt und Karlsruhe werden Residenzstädte. 1748 Erste Urkunde über konzessioniertes Glücksspiel 1797-99 Der Kongress zu Rastatt „entdeckt“ die Stadt als Kurort; Beginn einer dritten Blütezeit 1806 Baden wird Großherzogtum 1807 Johann Friedrich Cotta lässt durch Friedrich Weinbrenner das ehemalige Kapuzinerkloster zum ersten Luxushotel in Europa umbauen: „Hotel Badischer Hof“ (derweil auf unbestimmte Zeit geschlossen – vor der Schließung war illegales Baden im Außenpool unter Umständen möglich).
Roulette und Romantik: Ein Weltbad entsteht
1815 Die Stadttore werden niedergelegt: zuerst das Ooser Tor; 1821/22 folgen Gernsbacher- und Beuerner Tor; 1834 das Obertor. 1818 Badische Verfassung 1824 Weinbrenner prägt mit seinem klassizistischen Baustil das Stadtbild von Baden-Baden: Neues Konversationshaus (Kurhaus) 1831/32 Durch die Auffüllung des Stadtgrabens entsteht die Grundlage für die heutige Sophienstraße. 1838 Der Bau einer Staatseisenbahn Mannheim-Basel wird beschlossen; Jean Jacques Bénazet ist Pächter der Spielbank; Höhepunkt der dritten Blütezeit 1846 Beim Bau des neuen Dampfbads werden die römischen Kaiser- und Soldatenbäder freigelegt. 10.5.1849 Einmarsch der Bundestruppen unter Prinz Wilhelm von Preußen in Baden-Baden 27.7.1849 Kapitulation der Republikaner in der Garnison Rastatt 1854 Gründung des Kurorchesters
1858 Erste Internationale Rennen in Iffezheim 1862 Liberale Reformen; Judenemanzipation; Eröffnung des Neuen Theaters 1863 Gründung eines Kunstvereins auf Anregung Großherzog Friedrichs I.; Dostojewskij weilt zum ersten Mal in der Kurstadt; die Künstlerinnen Pauline Viardot-Garcia und Clara Schumann lassen sich hier nieder 1864 Johannes Brahms‘ erster Aufenthalt in der Stadt 1865 Besuch von Victor Hugo und Richard Wagner 1867 Der Norddeutsche Bund ordnet die Schließung aller Spielbanken im Bundesgebiet ab 1870 an; Baden-Baden erhält eine Fristverlängerung bis 1872. 1869 Baubeginn des Friedrichsbads 1871 Nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs kommt es in Versailles zur Kaiserproklamation durch Großherzog Friedrich I. 1872 Aufhebung der Spielbank
Ihr kennt ja diese Schilder entlang der Lichtentaler Allee, die den Flair der damaligen Zeit widergeben. Diese Darstellung ist aus dem Jahr 1885.
1875 Nietzsche hält sich hier zur Kur auf 1880 Tonkünstlerfest; Bau der Russischen Kirche 1881 Gründung des ersten Tennisclubs Deutschlands in Baden-Baden 1887 Letzter Kuraufenthalt Kaiser Wilhelms I. in Baden-Baden 1898 Die Israelitische Gemeinde baut eine Synagoge. 1909 Max Laeuger entwirft und gestaltet die Gönneranlage. 1913 Eröffnung der Merkurbahn
Die Stadt während der zwei Weltkriege
3.10.1918 Prinz Max von Baden wird deutscher Reichskanzler 10.11.1918 Großherzog Friedrich II. dankt ab 1931 Der Stadtname „Baden-Baden“ löst erst jetzt offiziell den Namen „Baden“ ab. 1933 Machtergreifung der Nationalsozialisten; Wiedereinführung der Spielbank. 30.1.1934 Auflösung des Landtags 9./10.11.1938 Reichskristallnacht: die Synagoge wird niedergebrannt 22./23.10.1940 Deportation der jüdischen Bürger nach Gurs 1943 Schließung der Spielbank
Nachkriegszeit in der Kurstadt
1945 Nach Kriegsende wird die Stadt zum Sitz der französischen Militärverwaltung in Deutschland 1946 Gründung des Südwestfunks in Baden-Baden 1950 Wiedereröffnung der Spielbank und erste Nachkriegssaison des Kurorts 9.12.1951 In einer Volksabstimmung wird über die Zusammenfassung von Baden und Württemberg zum Südweststaat Baden-Württemberg abgestimmt
1962 Das Augustabad wird abgebrochen und dafür das neue Kurmittelhaus (später Caracalla-Therme) errichtet; Neuordnung des Bäderviertels 1989 Eröffnung des Michaelstunnels 1994 Öffentlich finanzierte Bäder- und Kurverwaltung wird privatisiert; „Baden-Baden Marketing GmbH“ koordiniert die neuen Einzelgesellschaften 1995 Das Inventar des Neuen Schlosses wird versteigert, der Verkauf des Schlosses ist vorgesehen.
Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)
Es regnete unaufhörlich. Also war es genau die richtige Zeit, um den Geroldsauer Wasserfall aus der Nähe zu betrachten. Ich erwartete ein gewaltiges Naturerlebnis und wurde nicht enttäuscht. Valentina begleitete mich auf dem schmalen, nassen Pfad. Der Hund sollte nämlich auch einen Eindruck von diesem Ort gewinnen. Bereits in dem kleinen Urwäldchen angekommen, füllten sich meine Lungen mit der reinlichen Luft. Es roch nach Regen und nassen Bäumen. Das Wasser überrauschte meine Gedanken. Glücklicherweise.
Das sind wir: Nasse Pfoten, aber glücklich ohne Ende.
Als ich das letzte Mal hier war, im August, rauschte der Grobbach noch leise und sanft in Richtung Innenstadt. Auch damals war es schön. Der Wasserstand war niedrig – der Geräuschpegel entsprechend auch. Eines Nachts ging ich sogar auf eine kleine Wanderung mit dem Ziel, nackt im Wasserfall zu baden. Mein fehlender Mut ließ mich aber nicht viel weiter kommen, als 100 Meter Strom aufwärts. Es war dunkel und gruselig. Ich badete dennoch schnell im Grobbach und machte mich sofort aus dem Staub. Die Idee, nachts im Wasserfall zu baden, lässt mich aber nach wie vor nicht los und ich bin offen für eine kleine Tour, sofern mich mindestens eine Person begleitet. Ich nehme diesmal auch einen Bikini mit, versprochen.
Geroldsauer Wasserfall nach ewigem Regen
Doch das diesmalige Erlebnis nach den ewigen Regenfällen war mit nichts zu vergleichen, was ich bisher am Geroldsauer Wasserfall erlebt habe. Bereits auf dem Weg dorthin, sahen wir etliche Katarakte und Bächlein, die von allen Seiten in den Grobbach herunterstürzten. Einen größeren Wassersturz passierten wir auch. Das machte den Bach mächtig – wenn nicht sogar unheimlich. Fast keine Sau war dort, was natürlich wegen des Wetters verständlich ist, andererseits ein grober Verlust an alle, die sich von den Wetterbedingungen haben abhalten lassen.
Und das Beste: Dort blühte Rhododendron. Als hätte er nur auf uns gewartet, bevor er zu seinem alljährlichen Verblühen überging. Meine Handykamera kann diese Farbpallette nicht ansatzweise übermitteln, aber ich garantiere dir: es war unvergesslich schön. Die Rhododendron-Büsche wachsen hier dank Walter Rieger – Baden-Badens Gartenbaudirektor aus den 50er und 60er Jahren. Er soll sie damals dort angebaut haben und so das Naturgebiet nachhaltig geprägt haben. Neben Rhododendron wächst hier auch eine Vielfalt an Bäumen, Gräsern und zu bestimmten Zeiten auch Pilzen. Doch das wohl wertvollste Gewächs ist ein seltener Farn: Der Entferntfiedrige Dornfarn (Dryopteris remota). Er wurde erstmals im Jahr 1834 entdeckt.
Geroldsauer WasserfallKleiner Katarakt umgeben von Entferntfiedrigem DornfarnRhododendron vor Ort
Baden-Baden: Naturdenkmal in Geroldsau
Am Wasserfall angekommen, sahen wir das, wonach ich mich gesehnt hatte: Eine gewaltige Wassermenge, die beinahe eskalierend aus ihrer Anhöhe stürzte. Der Hund und ich starrten wie gebannt in das herabfallende Wasser hinein und spürten die mikroskopischen Wasserspritzer in Gesicht und Schnauze. Ohne den Blick vom Wasserfall zu lösen, setzte ich mich auf einen nassen Stein und genoss die Natur um mich herum. Seltene Glücksgefühle überkamen mich und ich vergaß jeden beschissenen Tag, den ich in den letzten Monaten habe über mich ergehen lassen.
Aussicht vom Holzsteg über dem WasserfallAuf dem PfadValentina im BlütenmeerUnfassbar, diese Wassermengen. Üblicherweise sind sie etwa drei Mal weniger. Schätze ich mal.
Der Geroldsauer Wasserfall befindet sich im Nordschwarzwald. Seine Fallhöhe beträgt sechs Meter. Zu finden ist er, wie der Name bereits verrät, in Geroldsau, einem Stadtteil von Baden-Baden. Jedoch wurde mir mal erklärt, dass sich die Geroldsauer ganz und gar nicht Baden-Baden zugehörig fühlen.
Dank seines einzigartigen geologischen Werts hat der Geroldsauer Wasserfall den Status eines Naturdenkmals erreicht und ist damit ein absolutes Muss für alle Besucher der Stadt. Die Behörden für Naturschutz ordnen ihn aufgrund seiner Seltenheit als äußerst schutzwürdig ein.