Eine geschenkte Radierung brachte Dirk Supper auf den Geschmack. Er war Anfang 20, als ihm die Mutter seiner damaligen Freundin ein Werk des Künstlers Ottmar Effinowicz schenkte. „Damit wurde bei mir der Fadenstich gesetzt“, erinnert sich Dirk. Auf die erste Radierung folgten signierte Kunstpostkarten, schließlich erste Grafiken. Bald interessierte ihn auch die kaufmännische Seite der Kunst.
Aus Faszination wurde Beruf. Als Dirk die Künstlerin Monika Thiele kennenlernte, wollte er ihre Werke ausstellen. In seiner damaligen Wohnung fragte er den Vermieter, ob sich ein Durchbruch zu den benachbarten Räumen schaffen ließe. Dort, im Pforzheim, eröffnete er 2002 seine erste Galerie für zeitgenössische Kunst. Vier Jahre später zog es ihn nach Karlsruhe. Seit 2012 ist die Galerie Supper in Baden-Baden beheimatet.
Das Problem mit den jungen Galerien
Doch einen Namen auf dem Kunstmarkt zu etablieren, braucht Zeit – und wirtschaftliches Durchhaltevermögen. „Sammler kaufen tendenziell nicht bei jungen Galerien. Geschweige denn jungen Galeristen“, sagt Dirk. Dahinter steckt ein Risiko: Wer eine junge Galerie unterstützt, muss darauf vertrauen, dass sie sich langfristig behauptet. Schließlich hängt auch die weitere Präsenz der vertretenen Künstler davon ab.
Dirk Supper setzt auf eine Programmgalerie. Er wählt die Künstler und ihre Arbeiten gezielt aus und versucht, ihnen einen Platz auf dem Kunstmarkt zu verschaffen. „Meine Galerie steht für hohes handwerkliches Können.“ Doch was macht Kunst für ihn wertvoll? Wie viel darf der Markt bestimmen? Und woran erkennt er Künstler, deren Arbeiten er für ausstellungswürdig hält? Im Gespräch erklärt Dirk, was ihn antreibt und welche Haltung seine Galerie prägt.
Dirk Supper im Interview mit avecMadlen
avecMadlen: Was muss Kunst in dir auslösen?
Dirk Supper: Es schwingt immer ein persönlicher Geschmack mit. Du musst als Galerist für die Kunst brennen und die Emotion und den Intellekt, der dahinter steckt, mit Leidenschaft an den Betrachter vermitteln. Mich spricht die Kunst an, die einen intellektuellen als auch emotionalen Anstoß geben kann. Ästhetik ist mir auch wichtig – nicht zwingend Schönheit. Ein großer Sammler sagte mir mal sinngemäß: „Ein schönes Bild, das nichts in mir auslöst, ist Kitsch. Echte Kunst hat hingegen einen Bruch, eine Dissonanz, die ein Spannungsfeld eröffnet.“
avecMadlen: Macht es einen Unterschied, ob ein Künstler an einer Kunstakademie gelernt hat?
Dirk Supper: Es ist für den Markt schon vorteilhaft, wenn ein Künstler bei einem etablierten Meister gelernt hat. Das sehen sowohl Sammler als auch Kuratoren gerne.
avecMadlen: Wie entdeckst du neue Talente?
Dirk Supper: Ich hatte schon immer meine Vorlieben. Erst hatte ich bei Künstlern angefragt, dann empfahlen sie mir andere Künstler. Mittlerweile hab ich genug Schaffende für 5-6 Ausstellungen im Jahr. Demnächst folgt auch ein Künstleraustausch mit der Galerie Stefanie Boos in Heidelberg. Meine Künstler werden dort ausgestellt, ihre Künstler werden in der Galerie Supper zu sehen sein.
avecMadlen: Wie politisch muss Kunst heute sein?
Dirk Supper: Kunst muss gut sein, sonst muss sie gar nichts.
Witzig, etwas Ähnliches sagte mir auch Joerg Eyfferth in unserem Interview, den ich im Sommer bei Dirk kennengelernt hatte.
avecMadlen: Ist der Kunstmarkt zu sehr vom Geld bestimmt?
Dirk Supper: Er ist ein Wirtschaftszweig wie jeder andere Markt auch. Und ja, es geht auch um Geld.
avecMadlen: Wer entscheidet, was Kunst wert ist?
Dirk Supper: Schlussendlich der Käufer. Er ist bereit, das auszugeben.
avecMadlen: Welche Rolle spielen heute soziale Medien für den Kunstmarkt?
Dirk Supper: Das ist ein neuer Wettbewerb, der durchaus Relevanz hat. Social Media kann Galeriearbeit allerdings nicht ersetzten. Auch kein Netzwerk aufbauen, keine Ausstellungen organisieren. Die öffentliche Wirkung der Galeristen und Kuratoren hat gesellschaftliches Gewicht. Wo pilgern denn die ganzen Kuratoren hin? Zu Social Media oder vielmehr zur Art Basel?
avecMadlen: Welche Begegnung hat deinen Blick auf Kunst verändert?
Dirk Supper: Solche Begegnungen habe ich nach wie vor jeden Monat. Denn Kunst ist frei und offen. Und wenn auch dein Geist offen ist, begegnest du immer wieder Menschen, die dich berühren. Eine Galerie sollte zudem etwas Dynamisches und Junges haben, zugleich aber auch das Reifere mit dem Jüngeren verbinden. Ich brauche die Reibung. Und ich brache Menschen, die mir auch einmal eine andere Perspektive zeigen, über die es sich zu diskutieren lohnt.
avecMadlen: Was fehlt der Kunstszene in Baden-Baden?
Dirk Supper: Weitere Programmgalerien.

avecMadlen: Welche Künstler sollte man gerade im Blick behalten?
Dirk Supper: Die, die einen Ansprechen. Ich rate meinen Käufern von strategischen Käufen mit der Erwartung einer baldigen Wertsteigerung ab. So wird dem Kunstwerk seine Kraft genommen. Und das ist nicht richtig.
avecMadlen: Was möchtest du mit deiner Galerie erreichen?
Dirk Supper: Dass ich die Künstler da positionieren kann, wo sie hingehören. Und das ist in der obersten Liga. Oder zumindest, dass ich etwas dazu beisteuern kann.
avecMadlen: Welche Frage sollte man dir über Kunst öfter stellen?
Dirk Supper: „Warum zeigst du die Kunst die du zeigst?“
avecMadlen: Und warum zeigst du gerade Leonhard Wachter und Pauline Schulte?
Dirk Supper: Ich suchte stets nach etwas Neuem. Die ganz neue Kunst habe ich schon lange nicht mehr gezeigt und wollte wieder am Puls sein. Deshalb war ich an der Kunstakademie und schaute mich um. Doch Leonhard Wachter und Pauline Schulte überzeugten mich mehr als alles, was ich dort entdeckt habe. Wachter beobachte ich schon lange. Er experimentierte in seiner Anfangszeit aber sehr viel. Als er schließlich seinen Stil fand, war es an der Zeit, ihn zu zeigen. Pauline wurde von einer ehemaligen Mitarbeiterin empfohlen. Für mich ergab es Sinn, beide Künstler in einer gemeinsamen Ausstellung zusammenzubringen.


2: Pauline Schulte
Wollt ihr mal eine zynische Galeristen-Position erfahren? Die hier hat mich nachhaltig ernüchtert.
Offizielle Seite der Galerie Supper.
Offizielle Seite der Künstlerin Monika Thiele