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Mama killt mich: Ich lasse mich in Vietnam tätowieren

Meine Mama killt mich. Ich hab mich in Vietnam tättoowieren lassen. Genau genommen in jener Nacht, als ich auf der Insel Cát Bà war. Mama, ich habe das gemacht, nachdem ich den Tättoowierer und seine Familie kennengelernt habe; nachdem ich mir sein Studio, seine Arbeiten und Materialien angesehen habe; nachdem ich gelesen habe, dass sich die vietnamesischen Tattoostudios an strenge Hygieneregeln halten, was Tättoowierungen angeht. Mir kamen sie viel strenger als in Deutschland vor.

Ich wollte mir eigentlich auf dem Oberarm etwas auf vietnamesisch stechen lassen. Was genau, konnte ich mir jedoch nicht auf die Schnelle ausdenken. Also wurde es ein Drache über dem Knöchel. Das Ding ist weniger als 24 Stunden alt und verheilt schon gut. (Ich schrieb das im November 2024, weniger als 24 Stunden nachdem ich mir das Ding habe machen lassen, logischerweise.)

Wtf, Tattoo-artists?

Mir gefällt es – der Künstler hat es genau auf den Stil meiner Meerjungfrau abgestimmt. Nur weiß ich nicht, was die Tätowierer immer mit ihren scheiß Schattierungen haben. Meine geliebten Tätowierer, schreibt mir mal bitte, was ihr immer mit euren scheiß Schattierungen habt. Gott sei Dank ist der Drache nach seiner vollständigen Abheilung viel heller geworden. Ich habe zwischendurch wirklich Panik geschoben.

Anthony sprach so gut wie gar nicht während des gesamten Prozesses. 100-prozentige Konzentration. „When I tattoo, I forget everything“, erzählte er mir, nachdem wir fertig waren. Selbstverständlich zeigte ich ihm ein paar meiner Comics. Er nannte mich Picasso und meinte, dass ich auch locker Tätöwiererin werden könnte. Ja, auch ich dachte bereits darüber nach. Hätte ich doch nur nicht Mischas Tattoomaschine in den Müll geschmettert, nachdem ich herausfand, dass er mich ersetzt hatte.

Fazit zu meinem Tattoo, das mich für immer an Vietnam erinnern wird

Um nun das ganze abzuschließen: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Tattoo. Es war nicht billig. Es war ganz und gar nicht billig. Aber Anthony hat es in einer halben Stunde runtergestochen – absolut makellos und professionell. Würde ich wieder machen und sogar empfehlen. Wer also plemplem genug ist, um sich spontan auf Cát Bà tätowieren zu lassen, kontaktiert am besten Tattoo-Artist Anthony direkt über Facebook.

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Kunst Reisen

Insel-Schätze: Kunst und Handwerk auf Madeira

Madeira, bekannt für seine atemberaubenden Landschaften und das milde Klima, bietet weit mehr als nur natürliche Schönheit. Die portugiesische Insel beeindruckt mit einer facettenreichen Kunst- und Handwerkstradition, die tief in ihrer Geschichte verwurzelt ist. Zugleich lässt die Tradition Raum für moderne Kreativität. Filigrane Stickereien, bemalte Türen oder zeitgenössische Kunst in Museen – Madeiras kreative Szene spiegelt die Vielseitigkeit der Insel wider.

Madeira-Stickerei als traditionelles Handwerk

Die Madeira-Stickerei steht als Symbol für Tradition und Kunstfertigkeit. Ihre Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück– in die Zeit der ersten Besiedlung Madeiras. Schon damals wurden Haushaltsgegenstände, Kleidung und Kirchen mit den detailreichen, von der Inselnatur inspirierten Motiven verziert. Diese Handwerkskunst wurde zunächst wohl von adeligen Damen ausgeführt. Über die Jahrhunderte entwickelte sie sich dann zu einem „Markenzeichen“ des Atlantikarchipels.

Im 19. Jahrhundert erlangte die Madeira-Stickerei durch den Export nach Großbritannien internationale Anerkennung. Die Stickerei erfordert außerordentliche Präzision und Geschick. Verarbeitet werden Materialien wie Leinen und Seide. Wobei Techniken wie der Richelieu- und Knopflochstich für höchste Qualität sorgen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Von Tischdecken und Bettwäsche über Kleidung bis hin zu exklusiven Designerstücken. Mit rund 1.000 Stickerinnen bleibt dieses Kunsthandwerk ein lebendiger Ausdruck madeirensischer Identität.

Korbflechterei auf Madeira

Auch die Korbflechterei hat ihren festen Platz in der madeirensischen Kultur. Sie hat ihren Ursprung in der Gemeinde Camacha, wo die wasserreichen Böden ideale Bedingungen für den Anbau von Weidenbäumen bieten. Seit 1850 werden Körbe, Möbel und die berühmten Korbschlitten von Monte aus den biegsamen Ästen gefertigt. Während der Export heute kaum noch eine Rolle spielt, bewahren einige Handwerker diese traditionsreiche Technik und halten ein Stück Kulturerbe am Leben.

Korbflechterei © Miguel Moniz

Kunst zwischen Geschichte und Moderne 

Madeira vereint auch in der Kunst Tradition und Innovation. Im Museum für sakrale Kunst in Funchal erzählen flämische Gemälde, vergoldete Skulpturen und liturgische Gewänder von der kulturellen Blütezeit der Insel und ihrer historischen Verbindung zu Flandern. Die Quinta das Cruzes, einst Wohnsitz des Madeira-Entdeckers João Gonçalves Zarco, zeigt Möbel, exotische Holzarbeiten und luso-orientalische Kunstwerke. Ein Höhepunkt sind die detailreichen Krippenfiguren aus dem 18. Jahrhundert.

Museum für sakrale Kunst in Funchal © VisitMadeira

Moderne Kunst hat ebenfalls ihren festen Platz auf der Insel. Das MAMMA – Museum für Moderne Kunst Madeira – und die Casa das Mudas in Calheta präsentieren zeitgenössische Werke, die sich mit Themen wie Natur und Identität auseinandersetzen. Besonders die spektakulär über der Steilküste gelegene Casa das Mudas beeindruckt mit ihrer Architektur und einzigartigen Atmosphäre.

Kunst begegnet einem auf Madeira jedoch nicht nur in Museen. Die bemalten Türen in Funchals Altstadt, gestaltet im Rahmen des Projekts „Portas Pintadas“, haben die Stadt in eine lebendige Open-Air-Galerie verwandelt. Die farbenfrohen Werke verschönern das Stadtbild und verbinden architektonische Tradition mit moderner Kunst.

Ein paar Worte über die Insel des ewigen Frühlings

Die autonome Region Madeira gehört zu Portugal und ist knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt. Sie liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel.

Aber auch Kulturhungrige oder Strandurlauber kommen etwa in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten. Weitere Informationen zu Madeira: visitmadeira.com


Quelle: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH

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Kunst

Mind=blown: Henri Matisse in der Schweiz

Die Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler (Riehen, Schweiz) habe ich mir am letzen Tag des Jahres angesehen. Sie war ein schöner Abschluss. Ich würde sie sogar zu den Top 2 Ausstellungen des Jahres 2024 rechnen. Meine Nummer 1 war natürlich die wiedereröffnete Dauerausstellung im Münchner Lenbachhaus: Der Blaue Reiter, der für mich nur schwer zu toppen sein wird.

Seine „Korallen“, meist aus mit Gouache bemaltem, ausgeschnittenem Papier auf Papier, fand ich sehr rührend. Die nette Unbekannte auf dem Bild sicher auch.

Matisse: Erste Retrospektive in der Schweiz

Matisse lief in Riehen so gut, dass er nun bis zum 26. Januar 2025 verlängert wurde. Nutzt also diese wirklich einmalige Chance und fahrt hin. Ihr werdet es nicht bereuen. Zu meinem Erstaunen hat man dort an der Kasse sogar meinen deutschen Presseausweis akzeptiert. Sehr angenehm. War aber schon immer eines meiner liebsten Kunsthäuser – mein „Happyplace“, seit ich ein kleines Mädchen war.

Die Fondation Beyeler zeigt mit dieser Ausstellung die erste Henri-Matisse-Retrospektive in der Schweiz. Wie so oft konnte das renommierte Museum extrem viele bedeutende Werke an Land ziehen. Darunter die Frau, die den Tisch deckt, über die ich euch in meiner Frühbiografie von Henri Matisse erzählt habe. Ihr könnt euch vorstellen, wie schnell mein Herz schlug, als ich vor diesem perfekt erhaltenen Gemälde stand. Es war einfach sagenhaft.

Henri Matisse schafft die Grundlage für eine neue Kunst

„Matisse (1869–1954) zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne“, schreibt die Fondation Beyeler in einer Pressemitteilung. Das bahnbrechende Werk des Meisters habe seine Zeit und viele spätere Generationen von Künstlerinnen und Künstlern bis heute wesentlich geprägt. In der Befreiung der Farbe vom Motiv und in der Vereinfachung der Formen habe er die Malerei revolutioniert. Dabei habe er eine bis dahin unbekannte Leichtigkeit in die Kunst gebracht. Und die war deutlich zu spüren, als ich vor seinen lebensfrohen Bildern stand.

Anhand von über 70 Hauptwerken aus europäischen und amerikanischen Museen sowie Privatsammlungen richtet die Ausstellung den Blick auf die Entwicklung und Vielfalt in Henri Matisse’ Schaffen. Sie setzt mit einigen um 1900 entstandenen Bildern der Frühzeit ein, führt über die revolutionären Gemälde des Fauvismus und die experimentellen Werke der 1910er-Jahre hin zu den sinnlichen Gemälden der Nizza-Periode und der 1930er-Jahre, um schliesslich in den legendären Scherenschnitten des Spätwerks der 1940er- und 1950er-Jahre zu gipfeln.

Darüber hinaus zeigt das Museum deutlich, wie sehr die Kunst von Henri Matisse von seinen Reisen geprägt war. So ließ sich der Künstler auf seinen Erkundungen von Ländern wie Italien, Spanien, Russland, Marokko, Amerika und Tahiti immer wieder von der Natur und Kunst anderer Kulturen inspirieren.

Ich werde diese Ausstellung niemals vergessen

Diesmal hat sich die Fondation Beyeler womöglich selbst übertroffen. Denn dass dort eine solch aufsehenerregende Schau gezeigt wurde, liegt bestimmt schon ein paar Jahre zurück. Vermutlich hat mich zuletzt nur Basquiat dort so fasziniert. Obschon die große Rodin-Ausstellung sogar Kunstbanausen im Gedächtnis blieb. Aber ich muss auch zugeben, dass ich vor allem in den letzten Jahren die meisten Ausstellungen verpasst habe.

Danke Mama, dass du das so eingefädelt hast, damit ich die wunderbaren Werke meines geliebten Henri Matisse aus nächster Nähe begutachten konnte.

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Beauty

Trockene Hände im Winter: So pflegt ihr sie richtig

Wenn das Wetter nasskalt und winterlich ist und die Luft zu Hause wegen der laufenden Heizung austrocknet, brauchen trockene Hände besondere Aufmerksamkeit. Denn in dieser Zeit drohen sie besonders spröde zu werden. Die meist gerötete oder gar rissige Haut spannt und fühlt dabei nicht nur unschön an, sondern sieht schlimmstenfalls auch ungepflegt aus.

Dafür verantwortlich ist der Cocktail aus mehreren Umwelteinflüssen: Die winterliche Kälte hemmt unsere Talgdrüsen, schützendes Hautfett zu produzieren und die trockene Heizungsluft entzieht der Haut zusätzlich Feuchtigkeit. Wer dann noch regelmäßig Hände wäscht, sorgt zwar für Hygiene, merkt aber gar nicht, wie das den Säureschutzmantel der Haut schwächt.

Person in weißem Hemd pflegt ihre Hände mit einer Creme.
Foto von Nataliya Melnychuk auf Unsplash

Trockene Hände brauchen eine natürliche Pflege

Natürliche Wirkstoffe und ein paar neue Angewohnheiten lassen dem einfach entgegenwirken. Um die negativen Effekte der Kälte auszugleichen, brauchen unsere Hände in den kalten Monaten eine besonders fettreiche Pflege. Daher sollten wir am besten drauf achten, dass wir eine reichhaltige Handcreme verwenden und unsere Hände mehrmals am Tag mit ihr eincremen. Natürliche Fette wie Jojoba-, Kokos- oder Olivenöl sind da wohl die beste erste Hilfe.

Persönlich setze ich auch gerne mal auf parfümfreie Handpflege. Meine Erfahrung zeigt, dass je weniger Duftstoffe in einem Kosmetikprodukt enthalten sind, desto weniger versuchen die Hersteller verdächtige Inhaltsstoffe mit chemischen Eigengeruch zu kaschieren. Wirklich pflegend finde ich zum Beispiel die parfümfreie Neutrogena Handcreme oder die etwas parfümierte Olivenöl-Handcreme aus der Apotheke (unbezahlte Werbung).

Trockene Hände pflegen. Person hält eine Cremedose in der Hand und ist dabei, Pflege aufzutragen.
Foto von Nataliya Melnychuk auf Unsplash

Öltherapie für spröde Haut im Winter

Ist die Creme aber gerade alle, kannst du der trockenen Haut auch mit etwas reinem Öl entgegenwirken. Die meisten von uns werden Olivenöl oder gar Kokosöl im Küchenschrank stehen haben. Einfach ein paar Tropfen in die Haut einmassieren und einziehen lassen.

Außerdem ist es sehr wichtig, die Hände nicht zu heiß zu waschen und eine pH-neutrale Seife oder rückfettendes Handwaschöl zu verwenden. Liegt keine Verschmutzung vor, kann es unter Umständen sogar besser sein, die Hände einfach nur zu desinfizieren, statt zu waschen.

Wer seinen Händen den Extra-Pflegekick geben will, trägt eine fettige Creme dick auf und zieht sich Baumwollhandschuhe (ich mache das manchmal auch mit Latexhandschuhen) an und behält das ganze über Nacht an. Am nächsten Morgen fühlen sich die Händchen wie neu geboren an, versprochen. Diese Metthode pflegt die empfindliche Haut an den Händen intensiv und baut ihre wertvollen Schutzbarrieren wieder auf. Diese Methode eignet sich jedoch nicht, wenn ihr zu Allergien neigt, oder Produkte benutzt, bei denen ihr nicht zu 100 Prozent sicher seid, dass eure Haut gut auf sie reagiert.

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Reisen

Vietnams Hauptstadt: Mein erster Eindruck von Hanoi

Ich hatte das Gefühl, im gesamten Hanoi die einzige Person mit runden Augen zu sein. (Wartet ab, ich treffe später noch auf einen ganzen Haufen Europäer.) Viele Einheimische grüßten mich mit einem lauten „Hellloooooo“ auf der Straße. Viele winkten mir zu, oder versuchten anderweitig zu kommunizieren. Ich hab’s geliebt. Zudem fühlte ich mich zu jeder Sekunde meines Aufenthalts in Vietnam willkommen und zu 100 Prozent sicher.

Die Vietnamesen – die, die ich bisher kennengelernt hatte – hatten alle so einen klaren, kindlichen Blick. Es gibt, meiner Wahrnehmung nach, Länder, da weißt du direkt, dass du mit Vorsicht genossen wirst, wenn man dir ansieht, dass du woanders herkommst. Oder es wird versucht, dir etwas für einen höheren Preis zu verkaufen, weil du anders aussiehst, als die Einheimischen. Vietnamesen sind sehr weit weg von so etwas. Sie sind irgendwie echt und unverfälscht – so mein erster Eindruck. Sie freuen sich aufrichtig über Touris und zeigen es ihnen auch. Ich liebe es hier einfach.

Mama macht wieder Ärger

Natürlich hörte ich auf meine Mutter, nachdem sie zuvor mächtig Theater gemacht hatte, und kehrte zurück in Richtung Hotel, sofern sie mit ihrem Einlauf fertig war. Ich bin btw 29 Jahre alt. Trotzdem gehorche ich üblicherweise, nachdem ich lauthals protestiere. Mama ist meine Königin. Danke, Mama, dass du so cool bist.

Hanoi und seine Bewohner kann ich nicht in Worte fassen

Was die Stadt Hanoi ausmacht, kann ich nicht in Worte fassen. In Bildern kann ich es auch nicht zusammenfassen, das muss man gesehen, gehört, gefühlt und gerochen haben. All zu viele Bilder habe ich an meinem ersten Tag nicht gemacht. Ich wollte irgendwie mehr beobachten, als die Kamera zwischen mich und das Geschehen zu stellen. Hanoi soll die Stadt in Vietnam sein, die das traditionelle Leben des Landes am besten widerspiegelt. Das war auch spürbar. Ich durfte die Menschen hautnah in ihrem Alltag beobachten. Ich sah wie sie leben, wie sie arbeiten, wie sie fahren, wie sie mit ihren Familien umgehen.

Vietnamesen sind wirklich schöne Menschen. Viele Gesichter laden dazu ein, sich in ihnen zu verlieren. Richtige Gesichtszüge, schöner Teint, schöne Augen, Augenbrauen, dichtes Haar und natürlich hohe Wangenknochen. Mit so vielen hübschen Menschen habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Den Kleidungsstil fand ich auch sehr cool – vor allem den der Frauen. Während die Mädels unter 30 tendenziell sehr modisch, süß und entweder feminin oder baggy gekleidet waren, waren die Mädels über 30 eher elegant, figurbetont und oft mit Pumps oder Ballerinas unterwegs. Wirklich auffällig schön mit einem guten Gespür für Farbe und Qualität. Habe oft gestaunt. Die Frauen nahm ich wie geheimnisvolle Schwäne wahr, die mit ihrer Grazie unantastbar und doch sehr zart wirkten.

Die vietnamesische Gemütlichkeit und Küche

Mir gefiel die Lebenshaltung der Vietnamesen. Ich hatte den Eindruck, als würden sie viel achtsamer miteinander umgehen, als wir. Als wären sie auch um Längen entspannter, trotz all der Hektik um sie herum. Viele setzten sich einfach mit ihren Töpfen und Gasbrennern an den Straßenrand und kochten, aßen, plauderten und lachten. Oder saßen, ebenfalls am Straßenrand, in ihren kleinen Cafés mit einem Glas Eistee auf den winzigen Plastikhockern und Scrollten in ihren Handys. Das eine oder andere Mittagsschläfchen durfte ich auch aus nächster Nähe begutachten. Für ihre Gemütlichkeit bewundere ich diese Menschen. Davon brauche ich auch ein bisschen.

Die Essenskultur ist natürlich, wie ihr sicher alle selbst wisst, überwältigend. Wahnsinnig vielfältig, gemüselastig, frisch zubereitet, harmonisch im Geschmack. Mir fiel schnell auf, dass es in Hanoi (und Haiphong) überwiegend vietnamesische Küche gibt, was mich sehr glücklich machte. An so gut wie jeder Ecke kann man gut und authentisch speisen. Ich aß an meinem ersten Tag Nudelchen mit, ich nehme an, Rind. Überraschung. Ich habe Fleisch gegessen, weil man Fotoübersetzern nicht trauen kann. Dazu gab es Eistee und eine kleine klare Suppe.

Als ich nachts durch die Straßen schlenderte, zog ich an unfassbar vielen Streetfoodständen vorbei. Alles sah köstlich aus, aber ich hatte keinen Hunger mehr. Da es so heiß und schwül war, hatte mir mein Mittagessen gereicht. Dank Fotoübersetzer habe ich ein paar Tage später neben Rind sogar auch Schwein probiert. War schon wild. Ne, Wild habe ich nicht gegessen. Noch nicht.

Ich verlasse Hanoi und fahre nach Haiphong

Am nächsten Tag ging es nach Haiphong. Ich wollte unbedingt Zug fahren. Natürlich sind die Züge hier pünktlich. *Räusper-räusper*

Ich konnte ein paar schöne Eindrücke von dieser leuchtend grünen Umgebung mit den kleinen Häusern sammeln. Von den schönen und gepflegten Friedhöfen, den üppigen Landschaften mit Palmen und Bananenbäumen, die strenggenommen auch Palmen sind, den vielen kleinen und großen Gewässern sowie auch von den außergewöhnlichen Brücken, über die wir fuhren. Im Zug kaufte ich mir Essen, das ich zwar nicht zuordnen konnte, welches mir jedoch schmeckte. Vietnamesischen Kaffee gab es auch. Soweit so traumhaft.

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Reisen

So bereite ich mich auf Vietnam vor

Scheiße, gar nicht. Ich sollte aber, ich weiß. Aber auf meinem Schreibtisch liegen noch 3 Interviews, die ich bestenfalls noch vor meiner Abreise abgearbeitet haben sollte. Und wisst ihr was? Die Reise nach Haiphong habe ich mehr oder weniger spontan während einer schlaflosen Nacht in Antalya gebucht. So konnte ich mich bereits in der Türkei auf den nächsten Trip freuen. Zwar wusste ich schon lange, dass ich nach Vietnam will, das aber war’s auch schon. Nun wurde es auch mal konkreter.

Das einzige, was ich euch über Vietnam verraten kann, ist, dass ich etwa 16 Stunden dort hin brauchen werde. Etwa 14 davon werde ich über den Wolken verbringen. Ich will da flugangstmäßig gar nicht drüber nachdenken. Zudem weiß ich, dass dort schöne 18 bis 26 Grad herrschen. Ich erwarte eine recht hohe Luftfeuchtigkeit.

Ein bisschen wenig Info, dafür dass das die längste Reise meines Lebens, die auf einem anderen Kontinent stattfindet, werden soll. Hoffentlich liest Mama das nicht. Sie akzeptiert diese Art zwar an mir, ist aber in diesem Sinne aus etwas anderem Holz geschnitzt. Sie plant alles bis ins kleinste Detail – sagt sie jedenfalls. Ich jedoch lasse alles auf mich zukommen. Ich brauche weder Plan noch sonst was – das wissen wir ja bereits von meiner Portugalreise. Ich brauche nur mein Geld, eine Kamera und die Schlüsselkarte vom Hotelzimmer. Alles andere fügt sich.

Für all unseren Seelenfrieden: Eckdaten zu Haiphong

Also gut. Es ist ja schon fast peinlich, in ein Land einzureisen, ohne groß mit seiner Kultur Bekanntschaft gemacht zu haben. Zwar arbeitete ich mehrere Jahre in einem vietnamesischen Team und durfte auch von ihrer authentischen Küche kosten und dem Klang ihrer Sprache lauschen, groß verständigt haben wir uns jedoch nicht – Sprachbarriere.

Nun zu Haiphong: Hải Phòng ist die drittgrößte Stadt Vietnams und hat Provinzstatus. Die Stadt liegt etwa 100 Kilometer südöstlich von Hanoi, der Hauptstadt Vietnams, im Delta des Roten Flusses. Mit rund zwei Millionen Einwohnern, davon etwa 841.000 im eigentlichen Stadtgebiet, ist Haiphong ein bedeutendes Wirtschaftszentrum Nordvietnams.

Das bedeutet der Name der Stadt

Der Name Haiphong bedeutet „Verteidigung am Meer“. Eine geläufige Bezeichnung ist auch „Stadt der Roten Blumen“ aufgrund der zahlreichen Flammenbäume in der Innenstadt. Diese Bäume sind auch Namensgeber des jährlichen Red Flamboyant Festivals im Mai. Ich werde die Blütezeit diesmal wohl nicht miterleben, da ich Mitte bis Ende November reise.

Die geografische Lage am nördlichen Mündungsarm des Roten Flusses und die Küstenlinie von etwa 95 Kilometern machen Haiphong zu einem strategisch wichtigen Standort. Der Hafen von Haiphong ist der zweitgrößte Vietnams und spielt eine zentrale Rolle für den Überseehandel des Nordens.

Die Geschichte der vietnamesischen Stadt Haiphong

Historisch gesehen hat Haiphong eine bewegte Vergangenheit. Der Ort wurde der Legende nach von Lê Chân gegründet, einer Freiheitskämpferin, die im Jahr 39 n. Chr. gegen die chinesischen Besatzer kämpfte. Mehrere militärische Auseinandersetzungen prägten die Geschichte der Stadt, darunter Siege gegen chinesische und mongolische Flotten in den Jahren 938 und 1287/88.

Im 17. Jahrhundert entwickelte sich aus einem kleinen Militärposten ein bedeutender Handelshafen. Während der französischen Kolonialherrschaft ab 1874 erlebte Haiphong einen entscheidenden Ausbau zu einem Überseehafen, unterstützt durch den Bau von Infrastruktur wie Eisenbahnen.

Jahre des Vietnamkriegs

Während des Vietnamkrieges wurde Haiphong schwer bombardiert, und der Hafen wurde auf Befehl von US-Präsident Richard Nixon vermint. Nach dem Krieg halfen die Sowjetunion und China beim Wiederaufbau der Hafenanlagen.

Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist Haiphong auch ein kulturelles Zentrum mit historischen Sehenswürdigkeiten wie dem städtischen Ausstellungshaus und einer Statue zu Ehren General Lê Châns vor dem Vườn Hoa-Stadtpark. Seit 1960 ist Haiphong römisch-katholischer Bischofssitz und gehört zum Erzbistum Hanoi.


Artikelbildquelle: IMAGO / xWolfgangxKaehlerx xAvalonx 0554390097

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Blog Reisen

Mein Herz bricht am Flughafen von Antalya

Das ist eine Geschichte, die eher was für Russen ist. Wer also an Russophobie leidet, sollte vielleicht eher diese Geschichte über Antalya lesen.

„Antalya ist in den letzen zwei Jahren zu einem Ort der warmen Begegnungen geworden“, sagte Ilyas, der mich am Bazaar von Kaleiçi kurz zuvor um 500 Lira ärmer gemacht hatte – für einen mutmaßlich traditionellen Tee, den ich niemals trinken würde und der mich darüber hinaus vielleicht auch ein bisschen high gemacht hat. Ich fand Ilyas einfach cool – er hatte einen warmherzigen Vibe. Er lebte seit 15 Jahren in Antalya und kam ursprünglich aus Kasachstan. Auch im Moskau lebte er einige Zeit, wie er mir erzählte.

Ilyas gewann mein Vertrauen mit seinen ehrlichen, lieben Augen und seiner sanften, freundlichen Stimme. Geschichten wie meine hörte er oft. Seit es Russen verboten wurde, in etliche europäische Länder einzureisen – und es in Migration lebenden Russen mit, beispielsweise, deutschen Pässen, extrem erschwert wurde, nach Russland einzureisen, wurden sämtliche Familien auseinandergerissen. Antalya – und die Türkei im Allgemeinen – wurde dadurch zu einem regelrechten Zufluchtsort für Russen. Hier vereinten sich Familien und konnten sich nach den schmerzvollen Jahren ohneeinander wieder in den Armen liegen, weinen, die Hände halten, bis zu den Tränen lachen und miteinander melancholisch sein, so wie ihre zarten, wenn auch unzerstörbaren Gemüter es verlangen.

Omas Augen brechen mir das Herz

Noch heute Morgen sah ich meine Mutter die Rolltreppe hochrollen, die sie zu der Passkontrolle führen würde. „Wir sehen uns in … Deutschland“, sagte ich. Meine Mutter verstand, worauf ich hinaus will. Ich blieb noch ein Paar Tage in Antalya. Ich als Helicopterenkelin würde es nämlich nicht zulassen, dass meine geliebte Oma auch nur eine Stunde allein durch den fremden Airport umherirrt. Ich wollte sie bis zum Gate begleiten – sie jedoch ließen mich nicht. Also tat ich alles in meiner Macht stehende und nicht stehende, um ihren Flug zurück nach Russland so angenehm und stressfrei wie nur möglich zu gestalten – natürlich erfolgreich.

Als meine Mutter diese Treppe also hinauffuhr, sagte Oma zu mir: „Lass sie uns begleiten – mit den Augen.“ Wir sahen hinauf zu ihr. Dann sah ich rüber zu meiner Babushka. Ihre hellgrauen Augen blickten noch immer meiner Mutter nach. Sie hatten einen Ausdruck, als werde ihr gerade ihr geliebtes Kind gewaltsam entrissen. Und dennoch bargen sie neben all dem Schmerz auch eine tiefe Akzeptanz. Einen Frieden, der die Seele in Starre versetzt. Ich fragte sie, ob sie in Ordnung sei, wie ich dies in den letzten drei Tagen tausendfach tat. Sie antwortete kurz und in einer etwas höheren Tonlage als gewohnt, während sie zur Seite nickte: „Ja.“ Wir gingen, als Maman außer Sichtweite war.

Ich weine im Hotel, während draußen die Sonne lacht

Während wir uns auf den Weg zum anderen Terminal machten, gab ich mir alle Mühe, dass Babushka mein vor Schmerz verzerrtes, nasses Gesicht nicht sah. Dafür sahen es alle anderen Passagiere. Sie verstanden mich aber. Auch während ich diese Zeilen in mein Tablet reinschmettere, verläuft mein Maskara über Wangen, Mund und Nase. Es schüttelt mich regelrecht.

Während ich hier auf dem Bett des Hotels „Frankfurt“ sitze, brennt draußen die Sonne und die wenigen November-Touristen schlendern tiefenentspannt durch die historischen Straßen der Stadt. Auch ich tat dies bereits. Ich trank xxx Tassen türkischen Çay, rauchte Shisha und schlenderte durch Kaleiçi. Ich musste dringend zurück ins Hotel, um mein Handy zu laden.


Eine ganz kurze Erklärung zum Artikelbild: Logischer wäre es natürlich, ein Bild vom Flughafen zu nehmen. Ästhetischer und bedeutsamer finde ich es jedoch, einen Sonnenuntergang zu nehmen, den wir uns gemeinsam als Familie angesehen hatten.

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Kaleiçi in Antalya: Das türkische Juwel, das entdeckt werden will

Kaleiçi, das historische Stadtzentrum von Antalya in der Türkei, bietet eine beeindruckende Reise durch verschiedene Epochen. Bis in die Neuzeit war fast die gesamte Stadt von den Stadtmauern umschlossen. Besucher können hier Bauwerke aus der römischen, byzantinischen, seldschukischen, osmanischen und modernen türkischen Republik entdecken. Der Großteil der Gebäude stammt jedoch aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert.

Während einige traditionelle türkische Häuser noch von Einheimischen bewohnt werden, wurden viele in Boutique-Hotels, Restaurants und Geschäfte umgewandelt. Diese Geschäfte bieten Kunsthandwerk und andere Volkskunst zum Verkauf an. Auch wird hier alles angeboten, was das touristische Herz begehrt.

Handgenähte Lederschuhe, die ich in einem kleinen Laden in Kaleiçi gefunden habe.

Das Viertel Kaleiçi wurde von der Gemeinde Antalya umfassend restauriert. Das ist auch deutlich spürbar: Sämtliche Hausfassaden sind frisch gestrichen, die ältesten Bauwerke sind gut gepflegt und die Straßen sind sauber und neu belegt. Es ist ein Genuss, den historischen Stadtteil Antalyas zu Fuß zu entdecken. Auch mit der Retro-Straßenbahn kann man sich hier gut fortbewegen.

Die Perle von Antalya: Hier liegt Kaleiçi

Das Stadtteil Kaleiçi liegt im zentralöstlichen Teil der Stadt an der Mittelmeerküste und ist bekannt für seinen Yachthafen aus der Römerzeit. Der Name „Kaleiçi“ bedeutet „Im Kale“ oder „Inneres Kale“, wobei „Kale“ selbst Burg oder Festung bedeutet.

Kaleiçi ist ein lebendiges Beispiel für die reiche Geschichte und Kultur Antalyas und zieht sowohl Einheimische als auch Touristen an. Ein Besuch dieses verwunschenen Stadtteils lohnt sich allemal. Seine kleinen Gässchen, die hellen, steinernen Bauwerke, die vielen Blumen und Katzen sowie auch die zahlreichen Aussichtsplattformen locken begeisterte Augen aus aller Welt an. Es gibt viel zu entdecken: Strände, einen großen Bazaar, ein Archäologisches Museum und vieles mehr.

An jeder Ecke gibt es etwas zu Essen oder einen Çay, Abenteuerausflüge, Souvenirs und viel anderes zu entdecken. Man kann es natürlich wie ich machen und einfach nur planlos durch die Gassen von Kaleiçi schlendern, bis man etwas sieht, was einem gefällt.

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Dieses Hotel in Antalya kann ich empfehlen

In Antalya lebte ich im Hotel Frankfurt (unbezahlte Werbung). Es liegt mitten in der Altstadt Kaleiçi und ist nur 5 Minuten Fußweg vom Meer entfernt. Hier war ich mitten im Geschehen. Der Hauswirt war ein Türke, der in jungen Jahren Deutsch studiert hatte. Er sprach sehr gut. Natürlich steckte ich ihm sofort, dass ich in Frankfurt lebe und es total witzig fand, in einem Hotel namens „Frankfurt“ unterzukommen. Er nahm mich sehr warm auf.

Das Hotel in Antalya war von einer fantastischen Sauberkeit. Der Mann hielt sich bedeckt, doch war immer genau dann da, wenn ich ihn brauchte. Er kannte dieses Hotel wie seine rechte Jackentasche und pflegte es mit einer Leidenschaft, die ich nur bei ehemaligen Brenners-Mitarbeitern beobachtet hatte. Erfahre bei tuellundtrueffel.com alle weiteren Details zu diesem Hotel.

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