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Sinnliche Reise durch das Museum Frieder Burda

Unter dem Titel „I Feel the Earth Whisper“ lädt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden Besucher ein, sich auf eine sinnliche Reise durch die Kunst der Natur zu begeben. Die Ausstellung zeigt Werke von Bianca Bondi, Julian Charrière, Sam Falls und Ernesto Neto. Ziel ist es, die Verbundenheit des Menschen mit der Natur zu beleuchten. Ein paar Exponate gefielen mir ziemlich gut, also zeige ich sie euch weiter unten.

Die Schau umfasst Skulpturen, Malereien, Videos und Fotos. Diese Werke sollen den Betrachtern helfen, ihre Rolle als respektvolle Hüter der Erde wiederzuentdecken. „Wir wollen neue, fürsorgliche Beziehungen zwischen Mensch und Erde erzählen – wahre ‚planetare‘ Liebesgeschichten“, so die Kuratoren. Die aktuelle Ausstellung „Heilende Kunst“ im LA8 beschäftigt sich mit einem sehr ähnlichen Thema aus einer anderen Perspektive. Zufall? Ich glaube nicht. Also wenn hingehen, dann wohl in beide Ausstellungen, so wie ich das gemacht habe.

Museum Frieder Burda: „I Feel the Earth Whisper“

Die Künstler haben im Ramen der Frieder-Burda-Ausstellung „I Feel the Earth Whisper“ Installationen geschaffen, die Naturlandschaften ins Museum holen und damit dynamische Räume schaffen. Diese fordern dazu auf, neue Perspektiven einzunehmen und eine Harmonie mit der Erde zu empfinden. So zumindest die Absicht der Künstler und Koratoren. Als ich durch das Werk „The Birth of Contemporous Blue Tree“ im Erdgeschoss lief, spürte ich sogar etwas Derartiges.

Die Installation „The Birth of Contemporous Blue Tree“ ist von Ernesto Neto und symbolisiert die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Sie lädt Besucher dazu ein, alle Sinne zu nutzen: riechen, hören oder berühren. Die Interaktion mit dem Betrachter fand ich wirklich faszinierend. Das gesamte Werk ist handgehäkelt und man muss die Schuhe ausziehen, bevor man es betritt. Ich fands cool. Die von der Kuppel des Werks hängenden Steine in den gehäkelten Schaukeln fand ich schon ganz interessant. Woran sie mich erinnerten, kann ich aus dem Stehgreif gar nicht sagen. Im Inneren der Installation stehen rhythmische Musikinstrumente zur freien Verfügung. Dort habe ich mir ordentlich einen abgetrommelt – und hatte Spaß bei.

Bianca Bondiy und Julian Charrière im Frieder Burda

Die Ausstellung ist aufgeteilt in die vier Künstler und ihre Auffassung von der Thematik Erde. Bianca Bondis beschäftigt sich in ihrer Installation „Salt Kisses My Lichens Away“ mit chemischen Prozessen wie Salzwasserreaktionen. Ihr Ziel ist es, Alltagsgegenstände in Kunst zu verwandeln. „Meine Werke sind eine eindringliche Erinnerung an die fragile Schönheit unseres Ökosystems“, sagt die Künstlerin selbst. In diesem Raum hielt ich mich allerdings nur sehr kurz auf.

Julian Charrière präsentiert unter dem Titel „Where Clouds Become Smoke“ Projekte über die Verflechtung von Mensch und Natur. Ein Highlight ist sein partizipatives Projekt „Calls for Action“. Es nutzt eine Live-Videoübertragung zwischen dem Schwarzwald und einem Küstenwald in Ecuador. Diese Idee fand ich sehr interessant und hab in dem abgedunkelten Raum, wo die Videoübertragung stattfindet, sogar ein Pärchen kennengelernt, das in der Nähe des Küstenwaldes in Ecuador lebte und demnach auch eine starke Verbindung zum Dargestellten hatte. Sie erzählten mir von ihren Spaziergängen durch die dortige Natur. Wir haben wirklich nett geplaudert. Die ölige Lavalampen-Action fand ich auch super und starrte sie richtig lange an.

Mein persönliches Highlight

Sam Falls setzt in seiner Ausstellung „Waldeinsamkeit“ auf natürliche Materialien wie etwa Heilsteine und Keramik aus dem Schwarzwald. Er lässt natürliche Prozesse auf seine Werke einwirken, um Vergänglichkeit und Zeitverlauf hervorzuheben. Am aller geilsten fand ich seinen „Vorhang“ aus den Halbedelsteinen. Es war eins meiner persönlichen Highlights in der gesamten Ausstellung. Ich hätte die Dinger am liebsten angeknabbert. Es war toll, es war anders, es war ästhetisch, es war geil und das beste: ich durfte es anfassen.

Die Ausstellung findet anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Museums statt. Gründer Frieder Burda wird mit der Schau für seinen visionären Geist gewürdigt. Sein lichtdurchflutetes Museum bietet eine Symbiose aus Kunst, Architektur und Natur entlang der wunderbaren Lichtentaler Allee in Baden-Baden. „I Feel the Earth Whisper“ ist noch bis zum 3. November 2024 im Museum Frieder Burda zu sehen.

Nach der recht interessanten Ausstellung ging ich ins Untergeschoss und stieß auf meinen geliebten Max Beckmann. Zwei seiner Werke lachten mich dort an.


Quelle: Website museum-frieder-burda.de „I Feel the Earth Whisper“

Bebilderung: Urheberrechte bei avecmadlen.com

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Kunst

Das vielleicht schlichteste Fabergé-Ei der Welt

Erst neulich habe ich euch von den besten Museen der Bundesrepublik erzählt. Nun. Dieses könnte auch bald auf dieser Liste stehen. Es handelt sich um das höchst umstrittene und von der Presse verhasste Fabergé Museum in Baden-Baden. Hinter einer Paywall verstecken zahlreiche Boulevard-Magazine ihre vernichtenden Kritiken gegen das Kunsthaus. Auch die BNN schießen ordentlich dagegen. Ich kann die Vorwürfe, die gefühlt in alle erdenklichen Richtungen gehen, jedoch nicht einschätzen. Also besuchte ich das Museum unvoreingenommen als Studentin der Kunstgeschichte und sah mir die Exponate aus der Nähe an. Eines davon will ich euch heute vorstellen: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.

Memoare eines Meisterjuweliers: Qualität der Fabergé-Eier

Franz-Josef Bierbaum, einer der namhaftesten Meisterjuweliere, die für den berühmten Juwelier Peter Carl Fabergé gearbeitet haben, hat in seinen 1919 aufgezeichneten und erst 1992 veröffentlichten Memoaren*, Details zur Herstellung der sogenannten „Kaiser-Eier“ enthüllt.

Bierbaum hebt hervor, dass die Qualität dieser kunstvollen Ostereier während des Ersten Weltkrieges nachgelassen hatte. Anstatt der üblichen luxuriösen Materialien wie Diamanten und Gold wurden die Eier entweder nur in bescheidener Qualität, oder gar nicht hergestellt. Drei relativ einfache Eier sind aus dieser Zeit bekannt: Das „Rote Kreuz Ei“ von 1915 sowie das „Georgische Ei“ und das „Stahlei“, beide aus dem Jahr 1916. Zwei weitere wurden unvollendet: Eins aus Stein und das andere aus Holz.

Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.

Fabergé-Ei aus karelischer Birke
Peter Carl Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke (1917). Zu sehen ist auch das diamantbesetzte Schlüsselchen sowie auch das passende Etui im Hintergrund.

Die Kaiserin Maria Fjodorowna liebte Kunsthandwerk aus karelischer Birke, einer kostbaren Holzsorte aus Karelien, Nordrussland. Also nehme ich mal an, dass das vorliegende Exemplar nach ihrem Geschmack gefertigt wurde. Ein besonderes Detail dieses Eis werde ich euch gar nicht zeigen können – und wahrscheinlich auch selbst nicht sehen: Den in dem Inneren des Kaiser-Eis versteckten Elefanten, der als Glücksbringer dienen sollte.

Ein Brief soll das schlichte Fabergé-Ei historisch einordnen

Das Kaiserliche Osterei wird im Fabergé Museum zusammen mit einem Schlüssel, dem Etui und zwei Begleitpapieren ausgestellt. Eins dieser Papiere ist die Originalrechnung Fabergés an den Kaiser vom 25. April 1917 und das zweite ist ein Brief vom 23.03.1917, geschrieben von Carl Fabergé an den Vorsitzenden der Übergangsregierung, den Justizminister Alexander Kerenskiy. Denn „wie bekannt, war der Russische Kaiser Nikolai der II. zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten und wurde nicht ohne Gewalt in seiner Sommerresidenz unter Hausarrest gehalten“, merkt das Baden-Badener Museum an.

Diplomatisch begann Karl Fabergé seinen Brief an Kerenskiy mit der Beschreibung der schwierigen Situation, in der sich seine Mitarbeiter befanden, leitete über zu der Notwendigkeit, die Militärbestellungen zu erfüllen und erwähnt auch die anstehenden Lohnauszahlungen. Schließlich bittet er den Minister um einen kleinen Gefallen: „Bitte erlauben Sie mir, dem ehemaligen Kaiser und seiner Familie ein paar kleine Gegenstände (Erinnerungstücke, Andenken) zu übergeben, unter anderem zwei kleine Tierfigürchen und ein einfaches Osterei, ohne Luxus und fast unverziert, innen ein kleiner Elefant als „Glücksbringer“.

Madlen Romanowna im Fabergé-Museum in Baden-Baden
Fetter Selfie-Spiegel im Fabergé Museum. Eintrittspreis: 24 saftige Kröten, 18 für Presse (jeden Cent wert). Man erinnere sich an meinen Anfall, nachdem ich den vollen Eintritt für die Münchner Residenz blechen musste.

Geheimnisvolles Verschwinden: War dieses Fabergé-Ei wirklich so schlicht?

Tatsächlich war der Elefant, wie man der Rechnung entnehmen kann, aus Gold und mit 611 Diamantrosen besetzt. Mit einem ebenfalls diamantbesetzten Schlüsselchen (siehe Bild) konnte man den Elefanten im Ei aufziehen und „zum Laufen bringen“, heißt es in den Informationen des Museums.

Es sei durchaus möglich, dass die Übergabe der Tierfiguren genehmigt wurde. Laut dem Protokoll nach der Hinrichtung der Zarenfamilie sollen nämlich etliche solcher Figuren konfisziert und an Moskauer Museen weitergegeben worden sein. Anders sieht es mit unserem „einfachen Osterei“ aus.

Das Fabergé-Ei aus karelischer Birke mit dünner Goldfassung wird in Carl Fabergés Brief an seinen oben bereits erwähnten Meisterjuwelier Franz-Josef Bierbaum angemerkt. Darin schreibt Fabergé, dieses dem Kaiser zu Ostern 1917 gemacht zu haben. Er geht davon aus, dass der Kaiser das Osterei nie bekommen hat. Kerenskiy habe das wohl nicht zugelassen. Wohin es verschwunden ist, wisse Fabergé nicht. „Jedenfalls war ich nach den Durchsuchungen und der ganzen Zerstörung durch die Bolschewiken im Firmengebäude und habe keine Spur von den Sachen gesehen“, heißt es in dem ausgestellten Brief.

Fabergé Museum in Baden-Baden beteuert Echtheit

Das Museum fügt an: „Eine erste Publikation des Birkeneies mit einer Abbildung erfolgte 1997 im Buch ,Kaiserliche Ostereier der Firma Fabergé‘ von Tatjana Fabergé, Valentin Skurlov und L. Proller. Die historische Abbildung wies absolute ldentität mit unserem Ei auf.“ Die Expertise der Punzierung** erfolgte durch den Werkstattmeister H. Wingström. Dieser soll die Markierung Fabergés sowie auch ein Fabergé-Label eindeutig bestätigt haben.

Auch kunsttechnisch gemmatologische und juweliertechnische Expertisen des Abdrucks eines Fabergé-Labels auf der Innenseite des Etuis sollen eindeutige Resultate ergeben haben. Sie ließen keine Zweifel an der Echtheit des Stückes, heißt es im Bericht des Fabergé Museums.


*Quellenhinweis: Alle hier verwendeten Informationen habe ich vom Fabergé Museum Baden-Baden. Hier geht es zur Website des Kunsthauses.

**Eine Punzierung ist eine Technik, die darin besteht, Muster und Formen von Hand in Metall oder Leder zu prägen. Das Besondere daran ist, dass das Motiv in das Material versenkt und somit als Negativ zu sehen ist. Für diese Art der Gestaltung werden spezielle Werkzeuge namens Punzen oder Punziereisen verwendet. Diese sind eigentlich Metallstifte, deren Ende durch eine einfache geometrische Form gekennzeichnet ist. Für kleine Ornamente nutzen Handwerker oft vorgefertigte Muster auf ihren Punziereisen, da diese stets gleich aussehen – ein Trick, der Zeit und Mühe spart. Die Fähigkeit, Metall oder Leder so exakt zu bearbeiten, verlangt handwerkliches Geschick und Präzision. Gepunzte Kunstwerke strahlen daher einen unverwechselbaren Charme aus und tragen die Handschrift ihres Schöpfers.

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Baden-Baden: Ein Juwel im Schwarzwald

Eingenistet am westlichen Rand des Schwarzwaldes liegt die Stadt Baden-Baden. Sie ist ein Zentrum der Entspannung und Kultur. Mit einer Einwohnerzahl von etwa 57.000 Menschen bietet der kleinste Stadtkreis Baden-Württembergs eine außergewöhnliche Mischung aus historischem Charme und modernem Luxus.

Die Geschichte der Kurstadt reicht weit zurück. Schon die Römer kannten und schätzten die heißen Thermalquellen der Region. Diese natürlichen Ressourcen nutzten sie zur Errichtung eines Militärkurbads, das zum zentralen Treffpunkt für Erholungssuchende wurde. Die Thermalquellen sind bis heute ein Herzstück der Stadt und ziehen jährlich zahlreiche Besucher an.

Die Kuppel des Friedrichbads in der Innenstadt.

Riesiger Stadtbrand im Mittelalter

Im Mittelalter war die Bäderstadt eine bedeutende Residenzstadt der Markgrafschaft Baden und diente als Namensgeberin für das spätere Großherzogtum Baden. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1689 verlor sie diesen Status jedoch an Rastatt, auch eine der Städte in der ich schon lebte, blieb aber weiterhin von regionaler Bedeutung.

Das 19. Jahrhundert markierte eine neue Ära für Baden-Baden, als die Stadt zu einem Treffpunkt für Adlige und vermögende Bürger aus ganz Europa avancierte. Angezogen durch das Casino und die exklusiven Kurmöglichkeiten entwickelte sich der Ort zur „Sommerhauptstadt Europas“. Prachtvolle Gebäude wie das Kurhaus und das Friedrichsbad zeugen noch heute von dieser glanzvollen Zeit.

Hello, hello! Das ist meine Lieblings-Fotokulisse: Die Aussichtsterrasse am Neuen Schloss.

Stadtteile und markante Lagen

Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die städtische Gliederung der Kurstadt immer wieder gewandelt. Heute besteht sie aus elf Stadtteilen, darunter Balg, Ebersteinburg und Lichtental, sowie mehreren kleineren Wohnplätzen wie Gaisbach oder Gallenbach. Wie in jeder anderen Stadt, haben diese Stadtteile ganze eigene Charaktere mit ihren Besonderheiten und Mentalitäten. Diese Vielfalt in der Gemeindestruktur trägt zur charmanten Atmosphäre bei, die sowohl Einheimische als auch Besucher schätzen.

Die geografische Lage im Tal der Oos bietet nicht nur malerische Aussichten sondern auch ideale Bedingungen für den Weinbau in der Vorbergzone. Der höchste Punkt des Stadtgebietes befindet sich auf der Badener Höhe mit 1.002 Metern – perfekt für Naturfreunde und Wanderer.

Kulturstandort mitten im Schwarzwald

Baden-Baden dient auch als wichtiger Kultur- und Medienstandort mit wichtigen Veranstaltungen wie etwa den halbjährlichen Festspielen, internationalen Galopprennen, dem Oldtimertreff, SWR3 New Pop Festival und natürlich etlichen weiteren Veranstaltungen. Man denke nur an die philharmonischen Nächte und Konzerte. Die Stadt ist darüber hinaus auch Sitz mehrerer bedeutender Medienhäuser, wie etwa, man ahnt es, SWR3, BNN, arte und einiger anderer.

Zu den bemerkenswertesten Ereignissen zählt sicherlich die Aufnahme in die Liste der elf bedeutenden europäischen Kurstädten des UNESCO-Weltkulturerbes im Juli 2021. Dies unterstreicht einmal mehr den international anerkannten Wert dieser außergewöhnlichen Bäderstadt.

Komm nach Baden-Baden, es wird dir gefallen!

Badischer Hof, Villa Solms sowie zahlreiche Kirchen und Kurgebäude gehören zu den geschützten Denkmalobjekten innerhalb des Welterbebereichs, dessen Schutz durch nationale sowie internationale Richtlinien gewährleistet wird.

Ob du nun entspannte Tage in den historischen Thermen verbringen willst, den Schwarzwald entdecken willst, oder kulturelle und sportliche Aktivitäten suchst – Baden-Baden bietet eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Möglichkeiten, um Körper und Geist zu beleben.

Daten zur Geschichte: Beginnen wir mit „Aquae“

Um 80 n.Chr. Die Römer errichten feste Bauten im heutigen Stadtbezirk von Baden-Baden.
Um 200 Erste Blüte der Stadtgemeinde „Aquae“, später Hauptort des Verwaltungsbezirks „Civitas Aurelia
Aquensis“.
259/260 Alemannen beenden die römische Herrschaft.

Von der Spätantike zur ersten markgräflichen Residenz


Um 500 Fränkische Eroberungen
Um 700 Anlage einer Königspfalz in der Stadt
987 Erste Stadtkirche beurkundet
1046 Bis zur Kirchenreform im 19. Jahrhundert bildet der Oosbach die Grenze der Diözesen Speyer und Straßburg.
1112 Hermann II., der Erbauer von Schloss Hohenbaden (Altes Schloss), begründet als „marchio de Baduon“ die Zähringerherrschaft und damit die Markgrafschaft Baden.
1245 Markgräfin Irmengard stiftet das Kloster Lichtenthal.
Um 1250 Markgraf Rudolf I. baut das Schloss Hohenbaden aus.

Schloss Hohenbaden (Altes Schloss) in der Kurstadt Baden-Baden
Das fantastische Alte Schloss (auch bekannt als Schloss Hohenbaden)

Baden-Baden: Kuren, Kriege, Klöster


1349 Die Thermalquellen werden zur Abwehr der Pest geöffnet.
1393-1431 Markgraf Bernhard I. von Baden baut das Schloss Hohenbaden noch weiter aus.
Um 1420 Gründung des Klosters Fremersberg
Um 1431 Ausbau von Schloss Hohenbaden und des Neuen Schlosses durch Markgraf Jakob I.
1453 Die Pfarrkirche wird in eine Stiftskirche (Kollegiatstift) umgewandelt und zur Grablege der Markgrafen.
1473 Kaiser Friedrich III. kommt zur Badekur und zum Fürstentag nach Baden; Anzeichen für eine zweite Blüte der Stadt.
1479 Markgraf Christoph I. verlegt seine Residenz ins Neue Schloss

Das Neue Schloss in der Kurstadt Baden-Baden
Seit Jahren verwahrlost leider das Neue Schloss vor sich hin. Es ist nun im Privatbesitz.


1535 Teilung Badens in die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach
Ab 1556 Reformation in der Kurpfalz und der Markgrafschaft
1574 Ausbau des Neuen Schlosses durch Baumeister Caspar Weinhart und den Maler Tobias Stimmer
1580 Im Zuge der Gegenreformation kommen Jesuiten und andere Orden an den Oberrhein; es folgen
Klosterneugründungen: Kapuzinerkloster (1631) und Frauenkloster vom Heiligen Grab (1687)
1689 Im Orléansschen Krieg wird Baden-Baden fast vollständig niedergebrannt und zerstört.

Aufstieg Baden-Badens zwischen den Fronten


1706 Markgraf Ludwig Wilhelm verlegt die Residenz nach Rastatt; Baden-Baden ist nach dem Stadtbrand nahezu bedeutungslos; Rastatt und Karlsruhe werden Residenzstädte.
1748 Erste Urkunde über konzessioniertes Glücksspiel
1797-99 Der Kongress zu Rastatt „entdeckt“ die Stadt als Kurort; Beginn einer dritten Blütezeit
1806 Baden wird Großherzogtum
1807 Johann Friedrich Cotta lässt durch Friedrich Weinbrenner das ehemalige Kapuzinerkloster zum ersten Luxushotel in Europa umbauen: „Hotel Badischer Hof“ (derweil auf unbestimmte Zeit geschlossen – vor der Schließung war illegales Baden im Außenpool unter Umständen möglich).

Roulette und Romantik: Ein Weltbad entsteht


1815 Die Stadttore werden niedergelegt: zuerst das Ooser Tor; 1821/22 folgen Gernsbacher- und Beuerner Tor; 1834 das Obertor.
1818 Badische Verfassung
1824 Weinbrenner prägt mit seinem klassizistischen Baustil das Stadtbild von Baden-Baden: Neues Konversationshaus (Kurhaus)
1831/32 Durch die Auffüllung des Stadtgrabens entsteht die Grundlage für die heutige Sophienstraße.
1838 Der Bau einer Staatseisenbahn Mannheim-Basel wird beschlossen; Jean Jacques Bénazet ist Pächter der Spielbank; Höhepunkt der dritten Blütezeit
1846 Beim Bau des neuen Dampfbads werden die römischen Kaiser- und Soldatenbäder freigelegt.
10.5.1849 Einmarsch der Bundestruppen unter Prinz Wilhelm von Preußen in Baden-Baden
27.7.1849 Kapitulation der Republikaner in der Garnison Rastatt
1854 Gründung des Kurorchesters


1858 Erste Internationale Rennen in Iffezheim
1862 Liberale Reformen; Judenemanzipation; Eröffnung des Neuen Theaters
1863 Gründung eines Kunstvereins auf Anregung Großherzog Friedrichs I.; Dostojewskij weilt zum ersten Mal in der Kurstadt; die Künstlerinnen Pauline Viardot-Garcia und Clara Schumann lassen sich hier nieder
1864 Johannes Brahms‘ erster Aufenthalt in der Stadt
1865 Besuch von Victor Hugo und Richard Wagner
1867 Der Norddeutsche Bund ordnet die Schließung aller Spielbanken im Bundesgebiet ab 1870 an; Baden-Baden erhält eine Fristverlängerung bis 1872.
1869 Baubeginn des Friedrichsbads
1871 Nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs kommt es in Versailles zur Kaiserproklamation durch Großherzog Friedrich I.
1872 Aufhebung der Spielbank

Baden-Baden: Beschilderung mit Kupferstich (?) aus dem Jahr 1885, der den damaligen Flair der Lichtentaler Allee wiedergibt.
Ihr kennt ja diese Schilder entlang der Lichtentaler Allee, die den Flair der damaligen Zeit widergeben. Diese Darstellung ist aus dem Jahr 1885.


1875 Nietzsche hält sich hier zur Kur auf
1880 Tonkünstlerfest; Bau der Russischen Kirche
1881 Gründung des ersten Tennisclubs Deutschlands in Baden-Baden
1887 Letzter Kuraufenthalt Kaiser Wilhelms I. in Baden-Baden
1898 Die Israelitische Gemeinde baut eine Synagoge.
1909 Max Laeuger entwirft und gestaltet die Gönneranlage.
1913 Eröffnung der Merkurbahn

Die Stadt während der zwei Weltkriege


3.10.1918 Prinz Max von Baden wird deutscher Reichskanzler
10.11.1918 Großherzog Friedrich II. dankt ab
1931 Der Stadtname „Baden-Baden“ löst erst jetzt offiziell den Namen „Baden“ ab.
1933 Machtergreifung der Nationalsozialisten; Wiedereinführung der Spielbank.
30.1.1934 Auflösung des Landtags
9./10.11.1938 Reichskristallnacht: die Synagoge wird niedergebrannt
22./23.10.1940 Deportation der jüdischen Bürger nach Gurs
1943 Schließung der Spielbank

Nachkriegszeit in der Kurstadt


1945 Nach Kriegsende wird die Stadt zum Sitz der französischen Militärverwaltung in Deutschland
1946 Gründung des Südwestfunks in Baden-Baden
1950 Wiedereröffnung der Spielbank und erste Nachkriegssaison des Kurorts
9.12.1951 In einer Volksabstimmung wird über die Zusammenfassung von Baden und Württemberg zum
Südweststaat Baden-Württemberg abgestimmt


1962 Das Augustabad wird abgebrochen und dafür das neue Kurmittelhaus (später Caracalla-Therme) errichtet; Neuordnung des Bäderviertels
1989 Eröffnung des Michaelstunnels
1994 Öffentlich finanzierte Bäder- und Kurverwaltung wird privatisiert; „Baden-Baden Marketing GmbH“ koordiniert die neuen Einzelgesellschaften
1995 Das Inventar des Neuen Schlosses wird versteigert, der Verkauf des Schlosses ist vorgesehen.


Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)

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Naturgewalt Geroldsauer Wasserfall

Es regnete unaufhörlich. Also war es genau die richtige Zeit, um den Geroldsauer Wasserfall aus der Nähe zu betrachten. Ich erwartete ein gewaltiges Naturerlebnis und wurde nicht enttäuscht. Valentina begleitete mich auf dem schmalen, nassen Pfad. Der Hund sollte nämlich auch einen Eindruck von diesem Ort gewinnen. Bereits in dem kleinen Urwäldchen angekommen, füllten sich meine Lungen mit der reinlichen Luft. Es roch nach Regen und nassen Bäumen. Das Wasser überrauschte meine Gedanken. Glücklicherweise.

Geroldsauer Wasserfälle: Valentina und Madlen Romanowna
Das sind wir: Nasse Pfoten, aber glücklich ohne Ende.

Als ich das letzte Mal hier war, im August, rauschte der Grobbach noch leise und sanft in Richtung Innenstadt. Auch damals war es schön. Der Wasserstand war niedrig – der Geräuschpegel entsprechend auch. Eines Nachts ging ich sogar auf eine kleine Wanderung mit dem Ziel, nackt im Wasserfall zu baden. Mein fehlender Mut ließ mich aber nicht viel weiter kommen, als 100 Meter Strom aufwärts. Es war dunkel und gruselig. Ich badete dennoch schnell im Grobbach und machte mich sofort aus dem Staub. Die Idee, nachts im Wasserfall zu baden, lässt mich aber nach wie vor nicht los und ich bin offen für eine kleine Tour, sofern mich mindestens eine Person begleitet. Ich nehme diesmal auch einen Bikini mit, versprochen.

Geroldsauer Wasserfall nach ewigem Regen

Doch das diesmalige Erlebnis nach den ewigen Regenfällen war mit nichts zu vergleichen, was ich bisher am Geroldsauer Wasserfall erlebt habe. Bereits auf dem Weg dorthin, sahen wir etliche Katarakte und Bächlein, die von allen Seiten in den Grobbach herunterstürzten. Einen größeren Wassersturz passierten wir auch. Das machte den Bach mächtig – wenn nicht sogar unheimlich. Fast keine Sau war dort, was natürlich wegen des Wetters verständlich ist, andererseits ein grober Verlust an alle, die sich von den Wetterbedingungen haben abhalten lassen.

Und das Beste: Dort blühte Rhododendron. Als hätte er nur auf uns gewartet, bevor er zu seinem alljährlichen Verblühen überging. Meine Handykamera kann diese Farbpallette nicht ansatzweise übermitteln, aber ich garantiere dir: es war unvergesslich schön. Die Rhododendron-Büsche wachsen hier dank Walter Rieger – Baden-Badens Gartenbaudirektor aus den 50er und 60er Jahren. Er soll sie damals dort angebaut haben und so das Naturgebiet nachhaltig geprägt haben. Neben Rhododendron wächst hier auch eine Vielfalt an Bäumen, Gräsern und zu bestimmten Zeiten auch Pilzen. Doch das wohl wertvollste Gewächs ist ein seltener Farn: Der Entferntfiedrige Dornfarn (Dryopteris remota). Er wurde erstmals im Jahr 1834 entdeckt.

Baden-Baden: Naturdenkmal in Geroldsau

Am Wasserfall angekommen, sahen wir das, wonach ich mich gesehnt hatte: Eine gewaltige Wassermenge, die beinahe eskalierend aus ihrer Anhöhe stürzte. Der Hund und ich starrten wie gebannt in das herabfallende Wasser hinein und spürten die mikroskopischen Wasserspritzer in Gesicht und Schnauze. Ohne den Blick vom Wasserfall zu lösen, setzte ich mich auf einen nassen Stein und genoss die Natur um mich herum. Seltene Glücksgefühle überkamen mich und ich vergaß jeden beschissenen Tag, den ich in den letzten Monaten habe über mich ergehen lassen.

Der Geroldsauer Wasserfall befindet sich im Nordschwarzwald. Seine Fallhöhe beträgt sechs Meter. Zu finden ist er, wie der Name bereits verrät, in Geroldsau, einem Stadtteil von Baden-Baden. Jedoch wurde mir mal erklärt, dass sich die Geroldsauer ganz und gar nicht Baden-Baden zugehörig fühlen.

Dank seines einzigartigen geologischen Werts hat der Geroldsauer Wasserfall den Status eines Naturdenkmals erreicht und ist damit ein absolutes Muss für alle Besucher der Stadt. Die Behörden für Naturschutz ordnen ihn aufgrund seiner Seltenheit als äußerst schutzwürdig ein.

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Kunst Reisen

Hier findest du Antiquitäten in Baden-Baden

Baden-Baden beherbergt eine wahre Schatzkammer für Vintage-Liebhaber und Antiquitäten-Enthusiasten. Wenn du aus der Kurstadt kommst, weißt du genau, was jetzt folgt.

Während ich in Baden-Baden, der Stadt, die für ihre Eleganz und ihren kulturellen Reichtum bekannt ist, lebte, musste ich so manch einen Scheißjob machen – und das natürlich für extrem wenig Geld. Meine Liebe zum Schönen und Wunderbaren war dabei keineswegs geringer, als sie es heute ist. Der großartige Laden, den ich dir nun vorstellen will, ist ein Juwel und ein unverzichtbarer Anlaufpunkt für alle, die auf der Suche nach einzigartigen Schätzen sind, sich aber finanziell nicht all zu weit aus dem Fenster lehnen können. Oder wollen.

Second-Hand Möbel und Antiquitäten in Baden-Baden

Den Laden namens „Heinzelmännchen-Service & Licht und Hoffnung e.V.“ kennt wohl jeder Baden-Badener. Er bietet eine beeindruckende Auswahl an Second-Hand Möbeln, die von Rustikal bis Modern reicht. Von Barock über Biedermeier bis hin zu Art Déco findest Du hier Stücke, die Geschichten erzählen und deinen Wohnraum mit ihrem zeitlosen Charme bereichern. Vintage-Sofas, Retro-Schränke, liebevoll restaurierten Esstische oder antike Kommoden – hier gibt es für jeden Geschmack und Stil das Richtige. Dabei geht der Erlös an einen guten Zweck. 

Zeichnung eines französischen Büros in den 1920er Jahren. Ausgestattet ist der Raum mit Art déco Möbelstücken. Besonders auffällig sind dabei die beiden Sessel.
Art déco (Symbolbild): Die Zeichnung eines kleinen Pariser Büros um 1925. Flächige und symmetriebetonte Motive sind typisch für Art déco. Die „Einfachheit“ der – damals neuen – Formen lässt sie bis heute modern erscheinen. Copyright: IMAGO

Sofern ich mich richtig erinnere, steht der Verein „Licht und Hoffnung“ für drogenkranke Menschen ein. Dort bekommen sie die Chance, sich handwerklich zu betätigen, indem sie kleinere und größere Reparaturarbeiten an Möbeln vornehmen. Im Gegenzug bekommen Unterstützung vom Verein. Die Arbeit dieser Menschen ermöglicht den Erwerb qualitativ hochwertiger Möbel – und das obwohl sie teilweise schon einige Jahrzehnte alt sind.

Kunst und Bücher kaufen in Baden-Baden

Damals holte ich mir dort alles Mögliche an Vintage-Möbeln und Antiquitäten. In Erinnerung geblieben ist mir eine Stehlampe aus den 1940er Jahren, diverse Kunstdrucke, CDs, Uhren, Vasen und natürlich meine heilige Goethe-Sammlung im Inselverlag. Schneeweißer, fester Einband – unbezahlbarer Inhalt. 

Ja, Bücherwürmer und Kunstliebhaber werden in diesem Geschäft ihr Paradies finden. Die umfangreiche Sammlung seltener Bücher und Gemälde ist Highlight-verdächtig. Hier kannst du in vergangenen Zeiten und vergessenen Welten schwelgen. Ein ehemaliger Nachbar meiner Mutter, Kunstsammler, erzählte mal, wie er dort angeblich ein Millionenkunstwerk für unter zehn Euro erworben hatte. Ich vergaß inzwischen, um welchen Künstler es sich dabei handelte, wage aber zu vermuten, dass es ein französischer Impressionist war.

Mit etwas Glück, nimmt die eine oder andere Verkäuferin dein Interesse für antike Bücher wahr und öffnet dir die „geheime Schranktür“, hinter der sich Erstausgaben, Unikate und andere Schätze befinden.

Porzellan und Co.: Antiquitäten-Alarm bei „Heinzelmännchen“

Das „Heinzelmännchen“ bietet eine erlesene Auswahl an Geschirr und Tischkultur. Von klassischem Porzellan über Vintage-Vasen in den verrücktesten Formen und Farben bis hin zu einmaligen Besteck-Sets aus vergangenen Epochen ist hier jedes kleine Detail dabei, mit dem Du dein Zuhause dekorieren und verschönern kannst. 

Ich holte mit damals Porzellantöpfe, -tassen und anderen Krimskrams. Das zweckentfremdete ich dann als Blumentöpfe. Waren mir die Behältnisse wiederum „zu weiß“, malte ich mit Acrylfarben auf ihnen. So erinnere ich mich an meine Version der Sternennacht von Van Gogh und eine AK-47 in Regenbogenfarben.

Zu finden ist der einzigartige Laden mit den Antiquitäten in der Ooser Hauptstraße 17a, 76532 Baden-Baden. Eine eigene Website gibt es nicht – oder aber ich habe sie nicht gefunden.

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