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Ein kleiner Tod: Der Abschied von Teneriffa

Der Tag der Abreise fühlt sich doch immer wie ein kleiner Tod an. Gerne gehe ich da noch ein letztes Mal durch die Gassen und lasse Revue passieren, was ich dort in den Tagen zuvor getrieben habe. In Puerto de la Cruz regnete es an jenem Tag. Viel war nicht zu machen. Teneriffa weinte wohl, weil sie fühlte, dass ich mich wieder zurück nach Deutschland verpissen musste.

Die letzten Momente auf Teneriffa

Daher verabschiedete ich mich von den wogenden Wellen des Atlantischen Ozeans und atmete so tief, wie es nur ging, seine Brise ein. Die Wellen schienen mir heute besonders heftig zu sein. Meinen Kaffee trank ich an der Promenade, dann ging ich durch die kleinen Gässchen. Hier und da sah ich Männer bei Reparaturarbeiten an den Zäunen und Hausfassaden. Die Insel würde ohne mich weiterleben – so wie ich ohne ihr.

Viel Zeit blieb mir nicht. Also beschloss ich meine letzten Minuten auf der Kanarischen Insel so effektiv wie möglich zu verbringen und ging ein paar Runden im Pool schwimmen. Bei Regen ist das sowieso die reinste Romantik.

Adiós Tenerife: Mit dem Shuttle zurück zum Airport

Um 11.30 Uhr sollte mein Shuttle zum Flughafen kommen. Obschon mein Flug erst um 16.50 Uhr ging. Ein bisschen drüber, wenn ihr mich fragt. Zumal ich drei Stunden sinnfrei auf dem Airport herumlümmeln musste. Aber besser zu früh, als zu spät. Oder? Trotzdem ist ein Shuttle-Service vom Flughafen zur Unterkunft und wieder zurück sehr bequem. Man muss sich einfach keine Gedanken um nichts machen.

Ich weiß jetzt schon, dass ich Teneriffa wiedersehen werde. Wann, weiß ich noch nicht. Auch nicht, unter welchen Umständen, und ob ich wieder alleine sein werde, wenn es wieder soweit ist. Ich will nämlich noch einiges anderes erleben und sehen. In erster Linie in Asien, Philippinen genau genommen. Doch die Natur, die friedvolle Atmosphäre und das Klima werden mich bestimmt noch viele Male wieder auf die sonnige Insel Teneriffa locken.


NEWS: Meine Teneriffa-Abenteuer gibt’s jetzt auch im Video-Format auf Tiktok

Alle Bilder in diesem Artikel: © avecMadlen

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Reisen ohne Internet: So war’s auf Teneriffa

Was erwartest du, hier zu lesen? Es war normal. Es war gut. Erstaunlicherweise braucht man das Handy nicht, wenn man so planlos unterwegs ist, wie ich. Ich merke mir einfach den Weg den ich gegangen / gefahren bin und gehe oder fahre ebenden auch wieder zurück. Und wenn ich lustig bin, mit Umwegen. Das Handy brauchte ich ausschließlich zum Bilder machen. Und natürlich Videos machen. Ich hab jetzt nämlich endlich wieder Tiktok. Dort kannst du alle meine Abenteuer im Videoformat erleben.

Aber, wie sonst auch immer, war meine Anreise nicht ohne Abenteuer. Genau weil ich kein Internet hatte, konnte ich mein Hotel nicht finden. Aber die netten Bewohner von Puerto de la Cruz haben mir geholfen. Zwischendurch bin ich aber, zugegeben, fast verzweifelt. Das aber habe ich als Teil meines Experiments verstanden.

Zufall oder Schicksal? Unverhofft finde ich einen Naturpfad

Am schönsten fand ich meinen Geburtstag. Den 30sten wollte ich unbedingt alleine feiern. Ich holte mir morgens eine kleine Torte, pustete die Kerzen aus und setzte mich in einen Bus, von dem ich nicht wusste, wohin er fahren würde. Der Plan war es, da auszusteigen, wo es mir am meisten gefiele. Das war dann die Endstation. Planlos schlenderte ich durch die Gässchen, erlebte die Natur der Kanarischen Insel ganz nah, lernte wie immer Katzen kennen und ging, wohin der Wind mich trug.

Durch mein Treibenlassen entdeckte ich einen Wildpfad. Den hätte ich wahrscheinlich niemals , hätte ich mich bei Google Maps bedient. Dort war es so schön, dass ich an einer Stelle das Gefühl hatte, das Leben neu verstanden zu haben. Es war das beste Geburtstagsgeschenk, das mit Mutter Natur, das Universum, Gott und wer auch immer daran beteiligt gewesen war, hätte machen können.

Internet gab’s nur im Hotel

Es war total befreiend, für keinen verfügbar zu sein, während ich meine Abenteuer gelebt habe. Zu Hause in Deutschland hatte man sogar etwas Verständnis für meine Entscheidung. Im Hotel hab ich dann wieder Internet genutzt, vor allem um meine Mitteilungsbedürftigkeit auf Insta zu befriedigen. Diesmal war diese recht ausgeprägt.

Während meiner Zeit in Portugal, oder meinem Trip in die Türkei, oder sonstigen Auslandsaufenthaltne kam nicht ein kleiner Post von mir. Hängt wohl mit meinem Gemütszustand zusammen. Oder womit auch immer. Wie ist denn das eigentlich bei euch?

Teneriffa: Kurze Kein-Internet-Krise in Güimar

Da fällt mir gerade ein Moment ein, in dem ich wünschte, doch etwas Internet gehabt zu haben. An meinem Tag in Güimar, als ich beschlossen hatte, südlichere Teile Teneriffas zu sehen, hat mich meine Landkarte aus Papier so hart verirrt, dass ich mir einfach nur noch dachte: Yo. Fick doch alles. Fick das Handy, fick das nicht vorhandene Internet – ich will gar nichts mehr. Ich will eine rauchen.

Fazit: Lohnt sich das Reisen ohne Internet?

Abschließend lässt sich sagen (Gott, mit diesem Einstieg in den Schlussteil komme ich mir vor wie ChatGPT – if you know, you know): Ich kann den Flugmodus während deiner nächsten Abenteuerreise sehr empfehlen. Es ist ein anderes feeling. Du merkst schnell, wie all deine Sinne geschärft sind und du dich noch mehr auf deinen inneren Kompass, die Instinkte und das Gedächtnis verlassen musst. Und du gehst zudem auch noch verantwortungsvoll damit um.

Außerdem gab es mir, zugegeben, auch ein bisschen den Kick. So nach dem Motto „komme ich an, oder übernachte ich heute mal am Strand?“

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Van Huong: Ein Spaziergang durch Vietnams Geisterstadt

Auf der Halbinsel Van Hương angekommen, merkte ich gleich die Stille, die dort herrschte. Mein Plan war es eigentlich im Meer zu baden und faul am Strand zu liegen, aber ich entschied mich dazu, die Halbinsel, die größer war als vermutet, zu Fuß zu erkunden.

Dort begegnete ich nur sehr wenigen Menschen. Es war der wahrscheinlich friedlichste Ort, an dem ich seit Langem war. Doch ich verstand nicht ganz, was auf Van Huong abging. Einerseits hatte ich den Eindruck, dass die Insel mitten in der Bebauungsphase sei, damit dort eines Tages ein touristisches Zentrum entsteht. Andererseits sahen viele Häuser und einige Baustellen verlassen aus, ohne jemals belebt gewesen zu sein. Das eine oder andere Luxushotel war zwar in Betrieb – außer als ein paar Bauarbeitern und Snackverkäufern bin ich jedoch nicht begegnet.

Fischerboote im stillen Wasser.
So ruhig hier… Sogar des Meeres Wellen scheinen zu schlummern.

Diese Menschenleere führte dazu, dass ich den wenigen Anwesenden noch mehr auffiel, als in den sonstigen nicht-touristischen Gegenden Haiphongs. Ich kann nicht sagen, dass mir das Gefühl besonders gefiel. Aber die Vietnamesen begegneten mir zu jedem Zeitpunkt meiner Reise mit vollem Respekt, Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit. Viets, wenn ihr mich lest: ich liebe euch und eure Kultur.

Ein Blick auf die Karte. Fest stand, dass ganz in meiner Nähe wohl eine künstliche Insel in der Form einer Blume entstand. „Nichts wie hin“, dachte ich mir und betrat den trockenen, staubigen Weg, der mich dort hin führen sollte. Keine Menschenseele weit und Breit. Nur Sonne, Palmen, die staubige Straße und ich. Die Entfernung habe ich wie so oft unterschätzt und ging lang und stur zu meinem Ziel. Bald würde ich es erreichen, oder?

Vietnam: Allein (?) auf der Halbinsel Van Huong

Felder und künstliche Seen, ein paar quakende Enten, in der Ferne ein vielgeschossiges Hotel mit eigenem Strand. Ich ging weiter, genoss dabei die Sonne auf meiner Haut. Ein Lkw mit Schotter kam mir entgegen. Schnurgerade blickte ich daran vorbei und tat so, als wäre ich gar nicht da. Plötzlich hupt der Fahrer. In mir zieht sich alles zusammen. Er zeigt mir Handgesten, dass es da nicht weitergeht. Erzwingen wollte ich es nicht und ging brav zurück in Richtung Ghost-town.

Nachdem ich meine große Runde gedreht, mich in einem verlassenen Hotel umgesehen habe und bis zur vordersten Spitze der Halbinsel gegangen war, hatte ich Hunger und wollte wieder unter Menschen sein. Ein Taxifahrer fuhr mich zurück in die Innenstadt von Haiphong.

Auch spannend: Mitten in der Ha Long Bay kommen mir die Tränen.


Was ist los auf der Halbinsel Van Huong?

Die Halbinsel Van Huong liegt im Stadtbezirk Do Son, etwa 20 Kilometer südlich des Zentrums von Haiphong, der drittgrößten Stadt Vietnams, die ich vollumfassend erkunden konnte. Einst galt Do Son als beliebter Erholungsort für französische Kolonialbeamte, später als Treffpunkt der vietnamesischen Elite. Heute jedoch scheint vieles auf der Halbinsel im Dornröschenschlaf zu liegen.

Einfach unfassbar, diese Architektur.

Van Huong: Großprojekte mit ungewisser Zukunft

Eines der größten Vorhaben ist die künstliche Insel Hoa Phuong Island. Das Projekt wurde erstmals 2003 angekündigt. Geplant war ein luxuriöses Tourismuszentrum mit Villensiedlungen, 5‑Sterne-Hotels, Yachthafen, Einkaufszentren und künstlichen Seen – teilweise in Form einer Blume (Hoa Phuong bedeutet Flamboyant, die Stadtblume von Haiphong).

Der Bauträger war das Unternehmen Glexhomes, das zur Gleximco Group gehört, einem mächtigen vietnamesischen Mischkonzern unter Leitung von Vũ Văn Tiền, einem der reichsten Männer des Landes. Die Bauarbeiten begannen Anfang der 2000er, kamen jedoch nie über erste Aufschüttungen und einige Rohbauten hinaus. Immer wieder wurden neue Etappen angekündigt – zuletzt 2021. Dennoch bleibt das Gelände bis heute weitgehend leer.

Die Geisterstadt von Do Son

Wer sich auf der Halbinsel umsieht, entdeckt halbfertige Gebäude, verlassene Zufahrtsstraßen und leerstehende Baucontainer. Teilweise scheint das Projekt komplett eingestellt – offizielle Stellungnahmen dazu gibt es kaum. Auch das benachbarte Projekt Hon Dầu Resort, das ursprünglich botanische Gärten, Themenparks und Konferenzzentren vorsah, entwickelt sich nur schleppend. Einzelne Bereiche – wie ein künstlicher Strand oder kleinere Resorts – sind bereits in Betrieb. Der Rest wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Auf der Halbinsel Van Huong: Luxushotel in Betrieb
Dieses Resort schien mir in Betrieb zu sein.

Eine Halbinsel im Schwebezustand

Laut Plänen der Stadt Haiphong soll Do Son als Küstenstadt mittelfristig wieder touristisch belebt werden. Dazu gehören:

  • ein Fokus auf Vier-Jahreszeiten-Tourismus (Konferenzen, Wellness, Sport),
  • der Ausbau des internationalen Fährhafens in Lạch Huyen,
  • und langfristig der Anschluss an die großen Investitionen im nördlichen Wirtschaftsraum.

Doch die fehlende Investitionssicherheit und veränderte geopolitische Prioritäten scheinen diese Entwicklungen zu bremsen. Einige Flächen sind zudem ökologisch sensibel – der Sandaufschüttung für künstliche Inseln steht oft Widerstand von Umweltorganisationen entgegen.

Van Huong ist also ein Ort voller Widersprüche. Die Visionen von Luxustourismus und wirtschaftlichem Aufschwung stehen leerstehenden Hotelruinen und verlassenen Bauprojekten gegenüber. Während Haiphong rasant wächst, bleibt die Halbinsel in einer Art Warteschleife. Doch genau das macht sie in meinen Augen zu einem verwunschenen Ort, den man unbedingt gesehen haben sollte, wenn man im schillernden Haiphong unterwegs ist. Diese Atmosphäre, der (nicht ganz fertiggestellte) Prunk und die verdächtige Ruhe machen das Erlebnis unvergesslich.


Der Fakten-Teil dieses Beitrags wurde mithilfe von ChatGPT übersetzt und recherchiert. Auf diese Quellen wurde dabei Bezug genommen:

  1. Vietnam Investment Review, „Glexhomes launches Hoa Phuong Island tourism complex“
  2. Vietnam Tonkin Travel, „Hon Dau – A new significant attraction in Haiphong City“
  3. Haiphong.gov.vn (EN) Haiphong develops four-season tourism
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Vietnams schwebende Dörfer: Ha Long Bay

Dass ich hier heute lande, hätte ich nicht gedacht: ich sitze gerade auf einem schwimmenden Dorf in der Ha Long Bay und trinke das beste warme Bier meines Lebens. Mich begleitet ein französisches Paar. Beide sind – danke Gott dafür – sehr reserviert, aber freundlich und aufgeschlossen. Wir sehen unserem Captain gerade zu, wie er versucht mittels einer einzelnen Nylonschnur Fische aus dem Meer zu fangen. Die Sonne scheint auf uns herab und wir werden von hunderten, wenn nicht tausenden steinernen Inseln umgeben.

Ohne Eile trinken wir aus. Der Franzose lädt mich freundlicherweise sogar ein. Unser Schiff wartet schon auf uns, nun holt der Captain seine Zigaretten raus und raucht. Eben zeigte uns der Betreiber des Cafés auf einem der schwimmenden Grundstücke, wie er fischt. Riesige Karpfen fing der Mann heute bereits, die er uns stolz präsentierte.

Weiter geht’s. Während unserer Fahrt durch die Inseln weinte ich. Ich fragte mich andauernd, wie man nur so gesegneter und glücklicher Mensch sei kann, wie ich. Dass ich diese Schönheit der Natur mit meinen eigenen Augen sehen darf, das berührt mich bis in die Mitochondrien.

Ha Long Bay: Zwischen schwimmenden Dörfern und Kalkstein

Kaum ein Ort in Südostasien vereint so viel landschaftliche Poesie mit kultureller Tiefe wie die Ha Long Bay im Norden Vietnams. Mit über 1.600 Kalksteininseln, die wie Skulpturen aus dem smaragdgrünen Wasser ragen, ist sie nicht nur eines der meistfotografierten Naturwunder Asiens, sondern auch ein UNESCO-Weltnaturerbe – und das bereits seit 1994.

Schiffchen fährt durch die Ha Long Bay

„Ha Long“ bedeutet übersetzt „Bucht des herabsteigenden Drachen“. (Witzig, dass ich das jetzt gerade selbst erfahre, mir aber auf der Insel Cat Ba, zu der die Ha Long Bay gehört, einen Drachen habe tätowieren lassen.) Der Legende nach sandten die Götter eine Drachenmutter mit ihren Jungen auf die Erde, um das vietnamesische Volk vor Invasoren1 zu schützen. Die Drachen spuckten Juwelen und Jade2, die sich in Inseln verwandelten und eine natürliche Barriere gegen Feinde bildeten. Als der Frieden gewahrt war, blieben Mutter und Kinder – und legten sich zur Ruhe in den Gewässern der heutigen Bucht.

Geologische Meisterleistung

Die Ha Long Bay ist das Ergebnis von über 500 Millionen Jahren tektonischer und klimatischer Prozesse. Die bizarren Kalkfelsen und Karstformationen entstanden durch Erosion, Verwitterung und den Einfluss des tropischen Meeresklimas. Dort findet man auch Höhlen. Die Hang Sửng Sốt (Surprise Cave) oder die Đầu Gỗ Cave zählen zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen der Region – voller Tropfsteine, die wie eingefrorene Wasserfälle wirken. Die sehe ich mir dann beim nächsten Mal an.

In der Bucht finden wir mehrere schwimmende Dörfer, darunter Cửa Vạn oder Vung Viêng. Die Menschen hier leben traditionell vom Fischfang und der Austernzucht, viele Familien bewohnen seit Generationen Hausboote. Der Zugang zu Bildung, Strom und Trinkwasser war lange Zeit prekär. Inzwischen werden jedoch mobile Schulen, Solaranlagen und staatliche Programme zur nachhaltigen Entwicklung eingesetzt. Dennoch droht vielen Dörfern die Umsiedlung, teils aus Umwelt-, teils aus Tourismusgründen.

Tourismus: Chance und Herausforderung

Ha Long Bay zieht jährlich rund 14 Millionen Besucher an – davon etwa die Hälfte internationale Reisende wie meine Wenigkeit. Während luxuriöse Kreuzfahrten mit Kajakausflügen, Seafood-Dinnern und Sonnenuntergang an Deck die romantische Vorstellung vom Leben auf See bedienen, kämpfen die Behörden gleichzeitig mit den Folgen des Massentourismus: Müll im Wasser, Lärm, Korallensterben. Um dem entgegenzuwirken, hat die Provinz Quảng Ninh strenge Regulierungen eingeführt. Nur lizensierte Boote dürfen in bestimmten Zonen verkehren, Einwegplastik ist auf vielen Schiffen verboten, und der Zugang zu besonders sensiblen Höhlen wird stark kontrolliert.

Gleichzeitig mehren sich die Initiativen für sanfteren Tourismus. Einige Anbieter setzen auf Zero-Waste-Konzepte, Bildungsangebote zu Ökosystemen oder die Integration lokaler Fischer in geführte Programme. Auch Ha Longs Status als UNESCO-Erbe zwingt zum Handeln: 2019 drohte die Aberkennung des Titels, sollte die Bucht nicht besser geschützt werden. Seither ist die Umweltpolitik deutlich sichtbarer geworden.

Ha Long Bay ist überwältigend schön. Einfach Gänsehaut. Aber sie ist weit mehr als ein Postkartenmotiv. Sie ist ein lebendiges Naturwunder, kulturelles Symbol und ökologisches Mahnmal zugleich. Wer sie bereist, sollte wissen, dass er Teil eines fragilen Systems wird – und entsprechend respektvoll handeln. Denn die Zukunft dieses ruhenden Drachen liegt nicht in alten Mythen, sondern in heutigen Entscheidungen.


  1. Invasoren sind Eindringlinge, meist in einem militärischen oder feindlichen Zusammenhang. Der Begriff bezeichnet Gruppen oder Staaten, die gewaltsam in ein fremdes Gebiet eindringen, um es zu besetzen oder zu erobern. ↩︎
  2. Jade ist ein Sammelbegriff für zwei verschiedene, aber ähnlich aussehende Mineralien: Nephrit und Jadeit. Beide gelten als wertvolle Schmuck- und Heilsteine.
    Jadeit ist seltener und härter, oft intensiv grün, aber auch in Lavendel, Weiß, Gelb oder Rosa zu finden. Nephrit ist meist grünlich oder weißlich und etwas weicher.
    Jade wird seit Jahrtausenden besonders in China, Mittelamerika und Neuseeland als kulturell bedeutsamer Stein verwendet – für Schmuck, Werkzeuge, Statuetten oder Rituale. Sie steht symbolisch oft für Reinheit, Weisheit und Harmonie. ↩︎

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Mama killt mich: Ich lasse mich in Vietnam tätowieren

Meine Mama killt mich. Ich hab mich in Vietnam tättoowieren lassen. Genau genommen in jener Nacht, als ich auf der Insel Cát Bà war. Mama, ich habe das gemacht, nachdem ich den Tättoowierer und seine Familie kennengelernt habe; nachdem ich mir sein Studio, seine Arbeiten und Materialien angesehen habe; nachdem ich gelesen habe, dass sich die vietnamesischen Tattoostudios an strenge Hygieneregeln halten, was Tättoowierungen angeht. Mir kamen sie viel strenger als in Deutschland vor.

Ich wollte mir eigentlich auf dem Oberarm etwas auf vietnamesisch stechen lassen. Was genau, konnte ich mir jedoch nicht auf die Schnelle ausdenken. Also wurde es ein Drache über dem Knöchel. Das Ding ist weniger als 24 Stunden alt und verheilt schon gut. (Ich schrieb das im November 2024, weniger als 24 Stunden nachdem ich mir das Ding habe machen lassen, logischerweise.)

Wtf, Tattoo-artists?

Mir gefällt es – der Künstler hat es genau auf den Stil meiner Meerjungfrau abgestimmt. Nur weiß ich nicht, was die Tätowierer immer mit ihren scheiß Schattierungen haben. Meine geliebten Tätowierer, schreibt mir mal bitte, was ihr immer mit euren scheiß Schattierungen habt. Gott sei Dank ist der Drache nach seiner vollständigen Abheilung viel heller geworden. Ich habe zwischendurch wirklich Panik geschoben.

Anthony sprach so gut wie gar nicht während des gesamten Prozesses. 100-prozentige Konzentration. „When I tattoo, I forget everything“, erzählte er mir, nachdem wir fertig waren. Selbstverständlich zeigte ich ihm ein paar meiner Comics. Er nannte mich Picasso und meinte, dass ich auch locker Tätöwiererin werden könnte. Ja, auch ich dachte bereits darüber nach. Hätte ich doch nur nicht Mischas Tattoomaschine in den Müll geschmettert, nachdem ich herausfand, dass er mich ersetzt hatte.

Fazit zu meinem Tattoo, das mich für immer an Vietnam erinnern wird

Um nun das ganze abzuschließen: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Tattoo. Es war nicht billig. Es war ganz und gar nicht billig. Aber Anthony hat es in einer halben Stunde runtergestochen – absolut makellos und professionell. Würde ich wieder machen und sogar empfehlen. Wer also plemplem genug ist, um sich spontan auf Cát Bà tätowieren zu lassen, kontaktiert am besten Tattoo-Artist Anthony direkt über Facebook.

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Vietnams Hauptstadt: Mein erster Eindruck von Hanoi

Ich hatte das Gefühl, im gesamten Hanoi die einzige Person mit runden Augen zu sein. (Wartet ab, ich treffe später noch auf einen ganzen Haufen Europäer.) Viele Einheimische grüßten mich mit einem lauten „Hellloooooo“ auf der Straße. Viele winkten mir zu, oder versuchten anderweitig zu kommunizieren. Ich hab’s geliebt. Zudem fühlte ich mich zu jeder Sekunde meines Aufenthalts in Vietnam willkommen und zu 100 Prozent sicher.

Die Vietnamesen – die, die ich bisher kennengelernt hatte – hatten alle so einen klaren, kindlichen Blick. Es gibt, meiner Wahrnehmung nach, Länder, da weißt du direkt, dass du mit Vorsicht genossen wirst, wenn man dir ansieht, dass du woanders herkommst. Oder es wird versucht, dir etwas für einen höheren Preis zu verkaufen, weil du anders aussiehst, als die Einheimischen. Vietnamesen sind sehr weit weg von so etwas. Sie sind irgendwie echt und unverfälscht – so mein erster Eindruck. Sie freuen sich aufrichtig über Touris und zeigen es ihnen auch. Ich liebe es hier einfach.

Mama macht wieder Ärger

Natürlich hörte ich auf meine Mutter, nachdem sie zuvor mächtig Theater gemacht hatte, und kehrte zurück in Richtung Hotel, sofern sie mit ihrem Einlauf fertig war. Ich bin btw 29 Jahre alt. Trotzdem gehorche ich üblicherweise, nachdem ich lauthals protestiere. Mama ist meine Königin. Danke, Mama, dass du so cool bist.

Hanoi und seine Bewohner kann ich nicht in Worte fassen

Was die Stadt Hanoi ausmacht, kann ich nicht in Worte fassen. In Bildern kann ich es auch nicht zusammenfassen, das muss man gesehen, gehört, gefühlt und gerochen haben. All zu viele Bilder habe ich an meinem ersten Tag nicht gemacht. Ich wollte irgendwie mehr beobachten, als die Kamera zwischen mich und das Geschehen zu stellen. Hanoi soll die Stadt in Vietnam sein, die das traditionelle Leben des Landes am besten widerspiegelt. Das war auch spürbar. Ich durfte die Menschen hautnah in ihrem Alltag beobachten. Ich sah wie sie leben, wie sie arbeiten, wie sie fahren, wie sie mit ihren Familien umgehen.

Vietnamesen sind wirklich schöne Menschen. Viele Gesichter laden dazu ein, sich in ihnen zu verlieren. Richtige Gesichtszüge, schöner Teint, schöne Augen, Augenbrauen, dichtes Haar und natürlich hohe Wangenknochen. Mit so vielen hübschen Menschen habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Den Kleidungsstil fand ich auch sehr cool – vor allem den der Frauen. Während die Mädels unter 30 tendenziell sehr modisch, süß und entweder feminin oder baggy gekleidet waren, waren die Mädels über 30 eher elegant, figurbetont und oft mit Pumps oder Ballerinas unterwegs. Wirklich auffällig schön mit einem guten Gespür für Farbe und Qualität. Habe oft gestaunt. Die Frauen nahm ich wie geheimnisvolle Schwäne wahr, die mit ihrer Grazie unantastbar und doch sehr zart wirkten.

Die vietnamesische Gemütlichkeit und Küche

Mir gefiel die Lebenshaltung der Vietnamesen. Ich hatte den Eindruck, als würden sie viel achtsamer miteinander umgehen, als wir. Als wären sie auch um Längen entspannter, trotz all der Hektik um sie herum. Viele setzten sich einfach mit ihren Töpfen und Gasbrennern an den Straßenrand und kochten, aßen, plauderten und lachten. Oder saßen, ebenfalls am Straßenrand, in ihren kleinen Cafés mit einem Glas Eistee auf den winzigen Plastikhockern und Scrollten in ihren Handys. Das eine oder andere Mittagsschläfchen durfte ich auch aus nächster Nähe begutachten. Für ihre Gemütlichkeit bewundere ich diese Menschen. Davon brauche ich auch ein bisschen.

Die Essenskultur ist natürlich, wie ihr sicher alle selbst wisst, überwältigend. Wahnsinnig vielfältig, gemüselastig, frisch zubereitet, harmonisch im Geschmack. Mir fiel schnell auf, dass es in Hanoi (und Haiphong) überwiegend vietnamesische Küche gibt, was mich sehr glücklich machte. An so gut wie jeder Ecke kann man gut und authentisch speisen. Ich aß an meinem ersten Tag Nudelchen mit, ich nehme an, Rind. Überraschung. Ich habe Fleisch gegessen, weil man Fotoübersetzern nicht trauen kann. Dazu gab es Eistee und eine kleine klare Suppe.

Als ich nachts durch die Straßen schlenderte, zog ich an unfassbar vielen Streetfoodständen vorbei. Alles sah köstlich aus, aber ich hatte keinen Hunger mehr. Da es so heiß und schwül war, hatte mir mein Mittagessen gereicht. Dank Fotoübersetzer habe ich ein paar Tage später neben Rind sogar auch Schwein probiert. War schon wild. Ne, Wild habe ich nicht gegessen. Noch nicht.

Ich verlasse Hanoi und fahre nach Haiphong

Am nächsten Tag ging es nach Haiphong. Ich wollte unbedingt Zug fahren. Natürlich sind die Züge hier pünktlich. *Räusper-räusper*

Ich konnte ein paar schöne Eindrücke von dieser leuchtend grünen Umgebung mit den kleinen Häusern sammeln. Von den schönen und gepflegten Friedhöfen, den üppigen Landschaften mit Palmen und Bananenbäumen, die strenggenommen auch Palmen sind, den vielen kleinen und großen Gewässern sowie auch von den außergewöhnlichen Brücken, über die wir fuhren. Im Zug kaufte ich mir Essen, das ich zwar nicht zuordnen konnte, welches mir jedoch schmeckte. Vietnamesischen Kaffee gab es auch. Soweit so traumhaft.

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Mein Herz bricht am Flughafen von Antalya

Das ist eine Geschichte, die eher was für Russen ist. Wer also an Russophobie leidet, sollte vielleicht eher diese Geschichte über Antalya lesen.

„Antalya ist in den letzen zwei Jahren zu einem Ort der warmen Begegnungen geworden“, sagte Ilyas, der mich am Bazaar von Kaleiçi kurz zuvor um 500 Lira ärmer gemacht hatte – für einen mutmaßlich traditionellen Tee, den ich niemals trinken würde und der mich darüber hinaus vielleicht auch ein bisschen high gemacht hat. Ich fand Ilyas einfach cool – er hatte einen warmherzigen Vibe. Er lebte seit 15 Jahren in Antalya und kam ursprünglich aus Kasachstan. Auch im Moskau lebte er einige Zeit, wie er mir erzählte.

Ilyas gewann mein Vertrauen mit seinen ehrlichen, lieben Augen und seiner sanften, freundlichen Stimme. Geschichten wie meine hörte er oft. Seit es Russen verboten wurde, in etliche europäische Länder einzureisen – und es in Migration lebenden Russen mit, beispielsweise, deutschen Pässen, extrem erschwert wurde, nach Russland einzureisen, wurden sämtliche Familien auseinandergerissen. Antalya – und die Türkei im Allgemeinen – wurde dadurch zu einem regelrechten Zufluchtsort für Russen. Hier vereinten sich Familien und konnten sich nach den schmerzvollen Jahren ohneeinander wieder in den Armen liegen, weinen, die Hände halten, bis zu den Tränen lachen und miteinander melancholisch sein, so wie ihre zarten, wenn auch unzerstörbaren Gemüter es verlangen.

Omas Augen brechen mir das Herz

Noch heute Morgen sah ich meine Mutter die Rolltreppe hochrollen, die sie zu der Passkontrolle führen würde. „Wir sehen uns in … Deutschland“, sagte ich. Meine Mutter verstand, worauf ich hinaus will. Ich blieb noch ein Paar Tage in Antalya. Ich als Helicopterenkelin würde es nämlich nicht zulassen, dass meine geliebte Oma auch nur eine Stunde allein durch den fremden Airport umherirrt. Ich wollte sie bis zum Gate begleiten – sie jedoch ließen mich nicht. Also tat ich alles in meiner Macht stehende und nicht stehende, um ihren Flug zurück nach Russland so angenehm und stressfrei wie nur möglich zu gestalten – natürlich erfolgreich.

Als meine Mutter diese Treppe also hinauffuhr, sagte Oma zu mir: „Lass sie uns begleiten – mit den Augen.“ Wir sahen hinauf zu ihr. Dann sah ich rüber zu meiner Babushka. Ihre hellgrauen Augen blickten noch immer meiner Mutter nach. Sie hatten einen Ausdruck, als werde ihr gerade ihr geliebtes Kind gewaltsam entrissen. Und dennoch bargen sie neben all dem Schmerz auch eine tiefe Akzeptanz. Einen Frieden, der die Seele in Starre versetzt. Ich fragte sie, ob sie in Ordnung sei, wie ich dies in den letzten drei Tagen tausendfach tat. Sie antwortete kurz und in einer etwas höheren Tonlage als gewohnt, während sie zur Seite nickte: „Ja.“ Wir gingen, als Maman außer Sichtweite war.

Ich weine im Hotel, während draußen die Sonne lacht

Während wir uns auf den Weg zum anderen Terminal machten, gab ich mir alle Mühe, dass Babushka mein vor Schmerz verzerrtes, nasses Gesicht nicht sah. Dafür sahen es alle anderen Passagiere. Sie verstanden mich aber. Auch während ich diese Zeilen in mein Tablet reinschmettere, verläuft mein Maskara über Wangen, Mund und Nase. Es schüttelt mich regelrecht.

Während ich hier auf dem Bett des Hotels „Frankfurt“ sitze, brennt draußen die Sonne und die wenigen November-Touristen schlendern tiefenentspannt durch die historischen Straßen der Stadt. Auch ich tat dies bereits. Ich trank xxx Tassen türkischen Çay, rauchte Shisha und schlenderte durch Kaleiçi. Ich musste dringend zurück ins Hotel, um mein Handy zu laden.


Eine ganz kurze Erklärung zum Artikelbild: Logischer wäre es natürlich, ein Bild vom Flughafen zu nehmen. Ästhetischer und bedeutsamer finde ich es jedoch, einen Sonnenuntergang zu nehmen, den wir uns gemeinsam als Familie angesehen hatten.

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Dieses Hotel in Antalya kann ich empfehlen

In Antalya lebte ich im Hotel Frankfurt (unbezahlte Werbung). Es liegt mitten in der Altstadt Kaleiçi und ist nur 5 Minuten Fußweg vom Meer entfernt. Hier war ich mitten im Geschehen. Der Hauswirt war ein Türke, der in jungen Jahren Deutsch studiert hatte. Er sprach sehr gut. Natürlich steckte ich ihm sofort, dass ich in Frankfurt lebe und es total witzig fand, in einem Hotel namens „Frankfurt“ unterzukommen. Er nahm mich sehr warm auf.

Das Hotel in Antalya war von einer fantastischen Sauberkeit. Der Mann hielt sich bedeckt, doch war immer genau dann da, wenn ich ihn brauchte. Er kannte dieses Hotel wie seine rechte Jackentasche und pflegte es mit einer Leidenschaft, die ich nur bei ehemaligen Brenners-Mitarbeitern beobachtet hatte. Erfahre bei tuellundtrueffel.com alle weiteren Details zu diesem Hotel.

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Lazy Days in Portugal: Das tat ich bei Regen

Ich stand vor dem Spiegel und trug mehr Make-Up auf, als die Tage zuvor. Meine Mutter hatte mich nämlich angerufen und mein äußeres Erscheinungsbild kritisiert. Ich würde mich wie ein Tomboy kleiden, meinte sie in ihren eigenen Worten und war ganz und gar nicht glücklich, dass ich mir einen Regen-Poncho geholt habe, der mich in ein undefinierbares Etwas verwandelte. Recht hatte sie irgend wie und wir wissen ja (fast) alle, was so ein bisschen Make-Up mit unserer „inneren Göttin“ machen kann.

Das Dumme ist, dass über A Ver-o-Mar – und anderen Teilen Portugals – den ganzen Tag das fieseste Pisswetter herrschte. Beinahe hätte meine Faulheit gesiegt und ich wäre im Hotel geblieben. Doch es kam anders. Mein erster Versuch aus dem Haus zu gehen, endete erfolgreich am Strand. Ich beobachtete einen Surfer, der auf seinem Brett Dinge machte, die ich mich niemals trauen würde. Die Wellen schienen ihn zu verschlucken und wieder auszuspucken. Später hatte ich das unerwartete Glück, ihn Oberkörperfrei zu sehen, was mich einerseits faszinierte, andererseits aber schnell in die Flucht trieb, weil mich solche Situationen einfach viel zu nervös machen.

Regen in Portugal: Auf dem Strand von A Ver-o-Mar haben sich Möwen und andere Vögel versammelt.
Der Atlantische Ozean in Portugal: Zu sehen ist der Surfer zwar nicht, dafür aber jede Menge Möwen und Enten (?).

Planlos durch den Regen in Portugal

Beim zweiten Versuch, das Hotel zu verlassen, schnappte ich das Fahrrad, mit dem ich wenige Tage zuvor nach Porto gefahren bin, und fuhr planlos durch den Regen. Natürlich zog ich dafür meinen geilen Regenponcho an und schickte meiner Mutter ein Foto davon. Als ich es machte, bekam ich einen heftigen Lachanfall. Ich fühle mich jedes Mal witzig, wenn ich auch nur im Geringsten gegen das Weltbild meiner Mutter rebellierte. Bis heute ist das so und ich kann nichts dagegen tun, auch wenn ich genau weiß, dass ich für diese Art von Gefühlen viel zu alt bin.

Regen in Portugal: Madlen Trefzer lacht in die Kamera mit ihrem Regenponcho über den Kopf gezogen.
Mein Regenponcho und ich – ein einmaliges Team. Muttern ist da fehl am Platz.

Lachend fuhr ich weiter durch den Regen. Mein Ziel war ein Objekt in Póvoa de Varzim, das ich am Tag zuvor aus der Ferne gesehen hatte. Ich konnte mir ausmalen, was es war, doch ich wollte es genau wissen. Als ich an jenem Ort ankam, bewahrheiteten sich meine Vermutungen. Es war eine Aussichtsplattform auf einem Felsen. Doch da der Ozean stürmisch war, war auch der Zutritt zu der Plattform überschwemmt. Angst davor, nass zu werden, hatte ich nicht – der Regen hatte bereits dafür gesorgt.

Die Atlantik zog mich wieder in ihren Bann

So stand ich also starr im Regen und am Strand, das Augenmerk auf die hölzerne Plattform auf dem Felsen gerichtet, die von stürmischen Salzwasser-Explosionen umringt war. Es war wie der beste Film, den ich seit Langem gesehen hatte. Die Macht der Wellen ist vor allem während der Winterzeit in Portugal so ausschlaggebend. Davon hatte man mit schon einige Male erzählt, aber das mit eigenen Augen zu sehen, ist mit nichts zu vergleichen. 

Regen in Portugal: Auf einem Felsen steht eine hölzerne Aussichtsplattform. Der Himmel sieht bedrohlich grau aus, gleichzeitig sind aber Sonnenstrahlen zu sehen. Eine riesige Welle explodiert förmlich in unmittelbarer Nähe der Plattform. Das Foto wurde am Strand aufgenommen von Póvoa de Varzim.
Jetzt schau sich einer diese Macht der Wellen an. Ich werde ihren Duft, ihren Klang und ihre Kraft niemals vergessen.

Der Atlantische Ozean zog mich also in seinen Bann und ließ gar nicht mehr los. Besessen von dem Gedanken, auf die kleine Plattform zu klettern, um den meterhohen Wellen noch näher zu sein, stand ich da und sah, dass dieses Vorhaben auch durchaus gefährlich werden könnte.

Portugal: Das Unvorhersehbare des Ozeans

Es war die Macht der Wellen, die genau vor der Treppe zum Felsen aufeinander schlug, die mir Sorgen bereitete. Dies geschah offenbar regelmäßig, denn die ersten drei steinernen Treppen waren von der Kraft des Salzwassers bereits gänzlich abgetragen. Lange wartete ich auf einen Moment, in dem die stürmischen Wellen abklangen, doch er kam nicht. Viel eher wurden sie größer, je später es wurde. 

Als ich mich dennoch näherte passierte es plötzlich: Die Wellen deckten mich kniehoch in ihr kaltes nass ein. Angenehm. War aber nicht das erste Mal, dass ich das Unvorhersehbare des Ozeans in Portugal unterschätzte. Ich gestehe, ich traute mich letztlich nicht auf den Felsen. Stattdessen fuhr ich weiter durch den Regen und landete an diesem tollen Ort in Póvoa de Varzim.


Transparenzhinweis: Diese Geschichte fand Ende November/ Anfang Dezember 2023 statt und wurde auch da verfasst.

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Wen ich in Porto kennenlernte

Meine Bekanntschaft in Porto – Als ich lange nach der Dämmerung noch in Porto unterwegs war, wollte ich mir die Stadt von oben ansehen. Es war ein traumhafter Anblick, als ich am Mosteiro da Serra do Pilar stand und rüber auf das andere Ufer sah. Deutlich spürte ich das Leben, das unten tobte und war in dem Moment so glücklich, dass ich wiederum etwas traurig wurde, dass ich all das mit niemandem teilen konnte. 

Als ich mich dazu entschied, eine Runde mit der Seilbahn über Porto zu schweben, war ich genau eine Minute zu spät, um mir Tickets an der Kasse holen zu können. Also beschloss ich die Stadt weiterhin aus der Höhe zu betrachten und begab mich auf die Brücke in unmittelbarer Nähe. Dabei handelte es sich um die Ponte Dom Luís I, einer Fachwerk-Bogenbrücke über den Douro zwischen Porto und Vila Nova de Gaia. Erbaut wurde sie von François Gustave Théophile Seyrig (* 19. Februar 1843 in Berlin; † 5. Juli 1923). 1869 gründete er zusammen mit Gustave Eiffel das Unternehmen „Eiffel et Cie.“. 10 Jahre später trennten sich beide wieder.

Die Brücke Ponte Dom Luís I in Porto bei Nacht – mit Blick über die gesamte Stadt
Das ist die Schönheit – erbaut wurde sie 1881-1886. Die Gesamtlänge beträgt 385,25 Meter und die Höhe etwa 60 Meter.

Eine Bekanntschaft in Porto: Wir begegneten uns auf der Brücke

Als ich auf diesem monströsen Bauwerk aus Metall stand, hörte ich – wie so selten in vergangener Zeit – russische Sprache. Zwei Touristen waren dabei, Fotos vor dem erhöhten Kloster Mosteiro da Serra do Pilar zu machen. Die Frau sagte zum Mann, der, wie sich kurze Zeit später herausstellte, ihr Sohn war, dass sie gerne ein Foto mit ihm zusammen hätte. Ich drehte mich zu den beiden um und bot meine Dienste an. Und so machte ich eine Bekanntschaft in Porto.

„Woher kommst du?“ Fragte mich Irina. In vergangener Zeit versetzt mich diese Frage in Schockstarre. Ich antwortete vorsichtig: „Aus Sochi.“ Es stellte sich heraus, dass die beiden aus St. Petersburg stammen. Eine Stadt, die ich liebe und ehre. Vor circa 18 Jahren seien die beiden ausgewandert und haben ihr leben in Finnland aufgebaut. Der Sohn, Alexej, lebt derzeit auf den Ålandinseln – einer Inselgruppe, die aus über 6700 Inseln und Schären besteht und zwischen Finnland und Schweden liegt.

Madlen Trefzer vor dem Mosteiro da Serra do Pilar in Porto, Portugal, bei Nacht. Das Kloster ist hell beleuchtet.
Natürlich revanchierte sich meine neue Bekanntschaft bei mit mit einem Foto von mir. Obwohl ich mich bis zuletzt dagegen gewehrt hatte; gegen Irinas Überredungskünste hatte ich keinerlei Chancen.

Meine Bekanntschaft und ich: Wir trafen uns am nächsten Tag

Eins führte zum anderen und meine neue Bekanntschaft und ich zogen zusammen durch die nächtliche Stadt. Wir erzählten einander von unserem Leben und teilten unsere Begeisterung für Porto. Ein Tag zuvor seien Irina und Alexej in Lissabon gewesen. Eine Stadt, die ich in den nächsten 2-3 Jahren auch unbedingt erleben will. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Es hatte aufgehört zu regnen und wir schlenderten durch die Gässchen, während ich von meiner langen Fahrradtour von A Ver-o-Mar nach Porto erzählt hatte, die ich ein paar Tage zuvor gemacht habe.

Am nächsten Tag überredete ich meine neue Bekanntschaft dazu, mit mir zusammen den Ozean anzusehen. Wir trafen uns in Póvoa de Varzim – und ich schleppte sie den ganzen Weg zu Fuß nach A Ver-o-Mar, bis ich um ein Haar meinen Flug zurück nach Frankfurt verpasst hatte. 

Atlantischer Ozean in Portugal: Der Strand von A Ver-o-Mar bei schönem Wetter.
Diese fantastische Aussicht auf den Atlantischen Ozean durfte ich mit Irina und Alexej teilen. Hier waren wir ungefähr auf halbem Wege von Póvoa de Varzim nach A Ver-o-Mar.

Das Teaserbild, das du oben siehst, ist übrigens auch auf unserem „kleinen“ Spaziergang an der Küste entstanden. Hier sieht man einen der vielen kleinen Holzstege, die oftmals entlang des Strandes führen.

Wir halten den Kontakt aufrecht

Irina und Alexej waren begeistert, von der Schönheit der Natur Portugals. Obwohl es all die Tage zuvor in Strömen geregnet hatte – das habe ich in Portugal übrigens bei Regenwetter unternommen – kam nun zu meinem Abschied die Sonne raus. 

Alexej und ich schreiben hin und wieder mal. Ich hatte den beiden versprochen, dass wenn sie jemals nach Deutschland kommen sollten, ich ihnen eine Städte- und Museumstour der Extraklasse organisiere. Vielleicht werden wir uns aber auch in Finnland wiedersehen. Wer weiß, welche Lieder das Leben noch spielt. 

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