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Feine Gesellschaft & Kultur: Events am Wochenende

Jedes Wochenende frage ich mich aufs Neue: Was geht in Baden-Baden und Karlsruhe? Daher kommt hier für euch (und auch ein bisschen für mich) dieses neue Format, in dem ich euch die besten Veranstaltungen heraussuche, auf denen ihr euch intellektuell bereichern lassen, interessante Menschen kennenlernen und euch einfach mal inspirieren lassen könnt. Vielleicht sehen wir uns ja auf einer dieser Veranstaltungen am Wochenende vom 26. bis 28. Juni:

Freitag, den 26. Juni 2026

Ein echter Geheimtipp: Die Neue Fledermaus in Karlsruhe. Eine Lesung aus dem Kriminalroman „Das Geheimnis der hohen Eich“ von Rahsan Dogan. Musikalische Begleitung von Dunja Hofheinz. Start um 19 Uhr. Adresse: Am Künstlerhaus 20, 76131 Karlsruhe.

Die Neue Fledermaus Karlsruhe, Veranstaltung. Lesung, Kulturveranstaltung am Wochenende

Veranstaltungen am Samstag, den 27. Juni 2026

Theater Baden-Baden: Die Ballettschule unter der Leitung von Stefan Hammel lädt zu einer festlichen Gala ein: Tänzerinnen und Tänzer aller Altersstufen zeigen ihre Eleganz und Leidenschaft auf der Theaterbühne. 17 bis 19.20 Uhr. Tickets: 39€, ermäßigt 19,50€. Adresse: Goetheplatz 1, 76530 Baden-Baden

und

Galerie Supper in Baden-Baden: Vernissage mit Joerg Eyfferth: „Auf der Suche nach der Wirklichkeit“. 30 Jahre Malerei. 18 bis 20.30 Uhr. Adresse: Kreuzstraße 3, 76530 Baden-Baden.

Joerg Eyfferth in der Galerie Supper. Copyright liegt bei der Galerie Supper Baden-Baden.

oder

Festspielhaus Baden-Baden: Kammermusik mit „Yannick & Friends“. Der prominente der Met-Chefdirigent und Kurator der Sommerfestspiele Yannick Nézet-Séguin präsentiert an diesem Abend Kammermusik in wechselnden Besetzungen. Start um 18 Uhr. Tickets ab 45€. Adresse: Beim Alten Bahnhof 2 76530 Baden-Baden.

Mahler - Symphonie Nr. 1 | Yannick Nézet-Séguin | BRSO
Da die Pressemappe des Festspielhauses zum Heulen unübersichtlich ist und ich kein aktuelles Bild von Yannick Nézet-Séguin bekomme, hier ein Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks von vor etwa 7 Jahren. Zwar kein Kammerkonzert, aber sehr schöne Ausführung. Nézet-Séguin am Dirigentenpult.

Event am Sonntag, den 28. Juni 2026

Theater Baden-Baden: Erneut das Gala-Balett der Baden-Badener Ballettschule. 17 bis 19.20 Uhr. Tickets: 39€, ermäßigt 19,50€. Adresse: Goetheplatz 1 · 76530 Baden-Baden.

Durchgehend am Wochenende (vom 26. – 28. Juni)

Außerdem bietet es sich über das gesamte Wochenende an, in Baden-Baden folgende Ausstellungen zu besuchen:

Frieder Burda: Wettstreit mit der Wirklichkeit, 60 Jahre Fotorealismus. Absolut sehenswert. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Tickets kosten 16€ p.P., ermäßigt: 12€. Hier geht’s zu allen weiteren Ticketpreisen / Kombitickets. Adresse: Lichtentaler Allee 8B, 76530 Baden-Baden.

Fotorealismus im Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Alexandra Averbach, Aurora, 2025, Öl auf Leinwand, 122 x 97 cm, Plus One Gallery, London © Alexandra Averbach, courtesy Plus One Gallery, London, 2026, Foto: Plus One Gallery, London

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden: Bloom Up! Die Sprache der Blumen. Eintrittspreis regulär 10€, ermäßigt 7€. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 18 Uhr. Alle weiteren Infos unter kunsthalle-baden-baden.de. Adresse: Lichtentaler Allee 8A, 76530 Baden-Baden.


Titelbild von Tanya Prodaan auf Unsplash

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Nicht verpassen: Kulturabend in Karlsruhe

Orte, Menschen, Zeitreisen: In diesem Format begeben sich am Freitag, 12. Juni, fünf Literatinnen, zwei Schauspielerinnen und zwei Musikerinnen auf eine künstlerische Spurensuche durch die Literaturgeschichte der Region Karlsruhe und Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt stehen prägende historische Persönlichkeiten wie Anna Ettlinger, Bertha Pappenheim und Clara Schumann, die in einen Dialog mit heutigen Stimmen der regionalen Literaturszene sowie mit Zukunftsentwürfen treten.

Die szenische Lesung verbindet Literatur, Musik, Theater, Performance und Videokunst zu einem vielschichtigen Abend. Dabei werden die künstlerischen und historischen Verflechtungen sichtbar gemacht, in denen sich Mut, Solidarität und Transformation als wiederkehrende Kräfte zeigen. Ergänzend werden aktuelle Ideen und Initiativen vorgestellt, die als mögliche Ausgangspunkte für literarisches Arbeiten der Zukunft verstanden werden können.

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Karlsruhe und der Baden-Württemberg Stiftung.

Diese Veranstaltung will ich euch gerne ans Herz legen, sie wird von einer meiner Lieblingskommilitoninnen veranstaltet. Und ich sag euch eins: die Gedanken dieser Frau sind Gold wert. Wenn sie etwas sagt, dann geht das unter die Haut. Ich bin sehr neugierig auf den Abend, weiß aber derzeit noch nicht, ob ich anwesend sein kann.

Mit Mut und Zuversicht – literarische Visionen für morgen

Mitwirkende: Martina Bilke, Ondine Dietz, Silke Karl, Martine Lombard, Hedi Schulitz, Sabine Stern, Ursula Zetzmann sowie im Film Elisabeth Stephan-Geißler (Sopran) und Anna Wegmer (Klavier).

Eine Veranstaltung des Literatursommers 2026 der Baden-Württemberg Stiftung (literatursommer.de) und der GEDOK Karlsruhe in Kooperation mit dem Roten Haus.

Eintritt frei, Spenden willkommen.


Quelle: karlsruhe-erleben.com

Weitere Infos: gedok-karlsruhe.de

Titelbild: Foto von nadi borodina auf Unsplash

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Deep Rouge: Eine Ode an Erotik und Überschuss

Aus dem Nebel erscheint eine Grazie in Schwarz und betritt die Bühne. Ihr Charakter verkörpert den Zeitgeist Zentraleuropas der späten 1930er Jahre. Anmutig schreitet sie über die rote Bühne, während die Plastik ihrer Bewegungen französisch spricht und die Musik im Hintergrund an Marlene Dietrich erinnert. Ihr strenger, verführender Blick hat auch etwas Deutsches an sich. Er durchdringt den Körper des Zuschauers bis in die Zehenspitzen. Wie gebannt sind alle Augen im Salon auf sie gerichtet. Herrschaftlich registriert sie das und erwidert jene, die es würdig sind. Als die Spannung kaum auszuhalten ist, streift sie ihren rechten seidenen Handschuh ab und lässt ihn zu Boden fallen. Später würde sie ihrem Publikum einen Blick auf ihre makellose Porzellanhaut gewähren, die zunächst jedoch von einem Mieder mit güldenen Inkrustationen verdeckt blieb. Was dann im Salon Marlene passierte, hättet ihr mit eigenen Augen sehen sollen.

„Deep Rouge“-Showgirl Tara D’Arson

Tara D’Arson liebt das Spiel zwischen Fantasie und Wirklichkeit. „Wenn ich die Bühne betrete, bin ich eine andere – ich kann sein, wer ich will“, erzählt sie mir nach Showende. Der Moment, der ihr von jedem Abend in Baden-Baden bleibt, ist, als sie ihre Choreografie im Hosenanzug und Zylinder aufführt: „Ich merkte, wie die Zeit plötzlich stillstand.“ Ein Zustand, in dem sie eine unausgesprochene Verbindung mit ihrem Publikum eingeht und spürt, wie alles den Atem anhält. „Vor allem beobachte ich gerne die Paare im Publikum; wie sich etwas Elektrisierendes zwischen ihnen aufbaut. Ich liebe den Gedanken daran, dass sie Sex haben, wenn sie nach der Show nach Hause gehen“, sagt sie mir, während ich meinen Blick nicht von ihren zweifarbig schimmernden Augen abwenden kann.

Copyright: Tanja Dammert 

Tara genoss eine klassische Ballettausbildung, tanzte später Cabaret im Pariser Moulin Rouge und auf den Bühnen von Bordeaux. „Als ich zum ersten Mal eine Broulesque-Show erlebte, wusste ich, dass das meine Bestimmung ist.“ Zehn Jahre lebte sie in Berlin und arbeitete auch dort als Showgirl. Meine Frage, was sie auf der Bühne fühlt, beantwortet sie leidenschaftlich mit „everything“. Ihre Message an die Frauenwelt: „Jede hat diese erotische Energie in sich. Nur hat jede ihren ganz eigenen Weg, um sie nach außen zu tragen.“ Ihre Porzellanpuppenfigur verwöhnt die kürzlich gewordene Mutter mit viel Tanz, Yoga und Pilates; „everything soft“, formuliert sie. Zudem unterrichtet sie Heels, Broulesque und etwas Ballett.

Kulisse der „Deep Rouge“-Show war das Casino Baden-Baden. Entstanden aus der Kooperation von Rizzi & Co. und Industrial Theater verkörpert das neue Format etwas, was es in unserer Stadt noch nicht gab. Zumindest nicht zu meiner Zeit hier.

Venedig-Vibes mit der temperamentvollen Jacky Lu

Als die im üppigen Federkleid gekleidete Jacky Lu den Salon stürmt, wird es wild und zügellos. Sie hat nämlich das Temperament einer Diva, das Gesicht einer Pin-up-Malerei und den Körper eines Mannequins. Spielend flirtet sie mit dem einen Kopf kleineren Conférencier und zeigt uns das Funkeln der Strasssteine, die sie unter den pinken Federn trägt. Ihr Tanz scheint Spontanität und Freiheit zu verkörpern – der Blick verrät, dass sie jeden Moment davon genießt. Zusammen mit den Federn legt sie auch den letzten Funken ihrer gespielten Schüchternheit ab und beherrscht die rote Bühne mit ihrer lauten, unantastbaren Erotik.

„I enjoyed myself very much tonigt“, verrät sie mir später, „When I’m on stage, I feel like a queen, I feel like I own everything.“ Sie liebt die glühenden Blicke aus dem Publikum und fühlt sich bei jeder ihrer Shows wie ein vollkommen neuer Charakter. Wie Tara auch, liebt Jacky Lu es, verschiedene Rollen zu spielen, die sie während ihrer Auftritte zu erschaffen scheint. Jede ihrer Shows ist daher anders, oft tanzt die Künstlerin freestyle, obwohl sie sich auch an die Choreographien hält, die ihre kleine Schwester für sie konzipiert. Währenddessen kreiert die große Schwester ihre Bühnenkostüme. Die DNA ihrer Designs ist im venezianischen Carneval verankert. Draußen trägt Jacky Lu meistens Baggy – auch diesen Stil feiert sie. Die, buchstäblich, glanzvollen Roben hebt sie sich aber für die Bühne auf.

Ich frage sie, was wir Nicht-Showgirls tun können, um unsere Erotik zu entfachen. Sie gibt mir eine Anleitung zum ausprobieren: „Schließ deine Augen, hab Spaß, mach deine Lieblingsmusik an und stell dir vor, du würdest für jemanden Tanzen, den du richtig gern hast.“

Carlo geleitet uns mit seinem Wiener Charme durch den Abend

Einen festen Platz in der Late-Night-Show hat auch der zierliche Conférencier Carlo aus Wien. Bescheiden beschreibt er sich selbst als „den roten Faden“ des Abends. Dabei nimmt er sowohl die Rolle eines Showmans als auch die eines Zuschauers ein. Nachdem er die Tänzerinnen ankündigt und sie die Bühne zum Leben erwecken, positioniert er sich im Raum und schaut ihnen mit gewisser Theatralik zu – etwa in einer güldenen Badewanne.

Sein Ziel ist es, dem Publikum Freude geben. Er verpackt es in eine Metapher: „Ein Glas zu zerbrechen ist einfach. Eines herzustellen ist die schwierige Aufgabe und erfordert seine Zeit.“ Doch der Artist in vierter Generation weiß genau: „Wenn die Menschen im Publikum sitzen, lassen sie alles hinter sich.“ Alle Nachrichten, Krisen, Medien – all die Reizüberflutung, der der moderne Mensch ausgesetzt ist. Mitten in der Show wirft er ein: „Eine Stadt, in der keine Orgie stattfindet ist eine tote Stadt.“ Meine Augen weiten sich.

Auf ein Wort mit Regisseur Enno-Ilka Uhde

„Eine Orgie kann auch eine Baustelle sein“, löst Regisseur Enno-Ilka Uhde auf. Meinen ersten interpretativen Gedanken fand ich zwar lustiger, der wahre Sinn dieser Phrase ist jedoch auch ganz schlüssig. Für ihn ist „Kunst immer Politik“ und seine Shows seien voll davon. Für die meisten Zuschauer allerdings oft ungreifbar, da subtil hineingeflochten. In der Musikwahl etwa finden wir Indizien dafür: „Die Stücke aus Klassik, Rock, Jazz und Elektro gehen abrupt ineinander über. Der Zuschauer kann nicht erahnen, was als nächstes kommt – wie im Leben selbst.“ Uhde scheint gut damit leben zu können, dass seine versteckten Botschaften nicht bei jedem ankommen und betont: „die Künstler verstehen es aber.“

Ob das die Magie hinter seiner Show ist, können wir nur erahnen. Als er die folgende Phrase ausspricht, muss ich lange in die Leere starren, bis ich wieder auf der Erde ankomme: „Das Überschüssige ist das höchst Notwendige.“ Damit brachte er die Atmosphäre dieser Nacht auf den Punkt und hielt auch mir ganz unverhofft einen kleinen Spiegel hin. Ich fragre ihn, was in ihm passiere, wenn er eine Show, die vorher nur in seiner Fantasie lebte, in die Realität umsetzt. „Depression.“ Wieder weiten sich meine Augen. „Wenn die Show stattfand, ist sie tot.“ Der einzige Weg, mit diesem Schmerz umzugehen, sei es, die nächste Show zu schaffen.

Copyright: Tanja Dammert 

„Deep Rouge“ geht schon bald in die nächste Runde

Die nächste „Deep Rouge“-Show wird es im Salon Marlene schon bald wieder geben. Hier gehts zum Veranstaltungskalender und den Tickets. Vielleicht haben die Gäste auch bei den kommenden Shows das Vergnügen, ein paar Worte mit dem Gastgeber Maurice Schreck zu wechseln. Für ihn wird die Einführung der Late-Night-Show zum Erfolg. „Wir sind happy“, teilt er mit Blick nach vorne und will erstmal noch tiefer in die Materie der Dinnershows einsteigen.

An dieser Stelle verabschiede ich mich von euch, da ich nämlich hohen Besuch erwarte. Und wenn ihr bald auch unsere Stadt beehren wollt, um Jacky Lu und Tara D’Arson live zu erleben, dann nehmt euch am besten Zeit für euren unvergesslichen Abend und die Nacht im Casino Baden-Baden. Zieht eure prunkvollsten Ornate an, trinkt an der Bar, verspielt euer Geld beim Blackjack und Poker, genießt die Show, lauscht den Cellos von Sia und Vassily Bystroff, dem Gesang von Liangliang und geht anschließend im Club Bernstein tanzen. Wir wissen ja, was Enno-Ilka Uhde uns zum Thema Überschuss erzählt hat.

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