Kategorien
Kunst

Hat Martin Schaffner von Dürer abgekupfert?

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige ist ein zentrales Thema des Neuen Testaments. Künstler des Spätmittelalters stellten diese Thematik oft auf Flügelaltären dar. Und das sowohl in geschnitzter als auch in gemalter Form. Die vorliegende Szene von Martin Schaffner zeigt die Weisen aus dem Orient, die Gott in der Welt erscheinen und ihn anbeten.

Martin Schaffner: Das bildet die „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ ab

Die Darstellung selbst ist reich an Details. In der Szene sitzt das Christuskind auf dem Schoß Marias. Sie trägt ein edles Kleid aus Goldbrokat und einen blauen Mantel. Der älteste König, kniend, hat sein Geschenk, eine Deckeldose mit Kugelfüßen, abgestellt und verehrt das Kind mit gefalteten Händen. Der – Gott vergib mir, aber so ist die biblische und kunsthistorische Sprache nun Mal – „Mohrenkönig“ öffnet einen Deckelpokal, während der dritte König, einen Buckelpokal haltend, sein Barett lüftet.

Im Hintergrund ist der Nährvater Joseph zu sehen. Ihn umgeben Ochse und Esel in einem Stall, der als herrschaftliche Ruine im Renaissancestil dargestellt ist.

Martin Schaffners Gemälde "Die Heiligen Drei Könige"
Martin Schaffner (um 1477/78-1547) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg: „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ (um 1512/1514). Höhe 78,8 cm; Breite 86,2 cm

Offenbar durch Albrecht Dürer inspiriert

Auffällig ist, dass die Architektur und die Figuren durch Albrecht Dürers Holzschnitte inspiriert wurden, insbesondere durch den Holzschnitt B.87 aus dem „Marienleben“, der dem gleichen Thema gewidmet ist. Martin Schaffner entnahm auch Elemente aus Dürers Holzschnitt der Geburt Christi (B.85), speziell das innere schräge Bretterdach vor dem Rundbogen.

Die Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige signierte Martin Schaffner sogar. Sie weckte schon früh das Interesse von Kennern. Diese Tafel ist ein gutes Beispiel der Verbindung verschiedener Kunstformen und der Bedeutung religiöser Darstellungen in der spätmittelalterlichen Kunst.

Martin Schaffner: Wer ist dieser Typ überhaupt?

Die genauen Geburts- und Sterbedaten von Schaffner sowie Details über seine Ausbildung sind nicht bekannt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Bartholomäus Zeitblom, ein Künstler seiner Zeit, sein Lehrer war. Schaffner wird erstmals 1499 als Maler in der Werkstatt von Jörg Stocker in Ulm erwähnt. Er hat seinen Namen auf dem Ennetacher Altar hinterlassen, ein Kunstwerk, das von Stocker geschaffen wurde.

Später wechselte Schaffner zu einer anderen Werkstatt in Ulm und arbeitete schließlich in Augsburg mit Hans Holbein dem Älteren (ich liebe diesen sexy Motherfucker) zusammen. Sein eigener Stil wurde sowohl von Holbein als auch von Albrecht Dürer und Hans Burgkmair beeinflusst. Ab 1510 zeigen Schaffners Bilder eine klare Perspektive, die Figuren erscheinen räumlicher und die Farben sind harmonisch abgestimmt. Seine Kunst orientierte sich an der italienischen Renaissance und brach mit der traditionellen, regionalen Malweise in Ulm.

1526 wird Schaffner in einem Dokument als Stadtmaler von Ulm bezeichnet. Während einer wichtigen Abstimmung im November 1530 in Ulm stimmte er gegen die Einführung der Reformation. Infolgedessen erhielt er in dem nun protestantischen Ulm nur noch wenige Aufträge. Die letzten ihm sicher zugeschriebenen Werke datieren aus dem Jahr 1535. Er muss jedoch noch mindestens bis 1546 gelebt haben, da sein Name in einer offiziellen Liste aus diesem Jahr erscheint.

Kategorien
Kunst

Für diese Kirche lohnt sich ein Trip nach Hessen

Die Erlöserkirche in Bad Homburg vor der Höhe – als ich sie betrat, blieb mein Herz stehen. Mein Plan war es nicht, in der hessischen Kurstadt dermaßen überwältigt zu werden. Ich wollte in Bad Homburg doch nur etwas herumlungern. Aber die Erlöserkirche ergriff mich und ließ mich staunen wie ein Kind. Farbwahl, Mosaikarbeiten, Decken- und Glasmalereien. All das hat mich zutiefst berührt.

Außenansicht der Bad Homburger Erlöserkirche
Das ist die Außenansicht der Erlöserkirche. So weit, so klar. Wart‘ ab, was innen auf dich wartet.

Evangelische Erlöserkirche in Bad Homburg

Die Bad Homburger Erlöserkirche stellt ein beeindruckendes Musterbeispiel der wilhelminischen Neuromanik dar, geprägt durch Jugendstilelemente. In ihrer Architektur verbindet sie die Vision eines christlichen Kaiserreichs. Wobei sie im Innenraum Elemente der sizilianischen Romanik und außen Merkmale der deutschen Hochromanik aufweist. So heißt es zumindest bei Wikipedia. Als ich die vier Türme von weitem Sah, dachte ich: Frühgotik. Dann kam ich näher und verstand, dass da etwas nicht stimmen kann. Die Kirche ist nämlich anders als andere frühgotische Bauwerke, die ich kenne.

„Franz Schwechten hat die Kirchen 1903-1908 nach Plänen von Max Spitta erbaut.“ Als ich dieses Schild an der Außenfassade las, wurde mir klar, dass dieses üppige Stück „moderner“ Architektur etwas besonderes ist. (Alles was nach dem 18. JH gebaut wurde, ist für mich „modern“.) Der erste Blick nach innen enttäuschte nicht. Mich umgab sogleich eine mystische Atmosphäre, die durch die Innenarchitektur gestützt wurde.

Hier habe ich die Evangelische Erlöserkirche gerade betreten
Gold in die Fresse: Mein Lieblingseffekt in Gotteshäusern. Alles güldene, was du hier siehst, besteht aus kleinen Mosaiksteinchen.

Außenarchitektur: Das macht die Kirche so besonders

Die Erlöserkirche präsentiert sich als eine Basilika mit vier Türmen und kreuzförmigem Grundriss, ausgestattet mit Emporen. Ihre Blendarkadenfriese und Lisenen sowie der hohe, doppeltürige Portalbogen mit Tympanon zeugen von ihrem repräsentativen Charakter. What? Ok, noch mal auf deutsch: „Blendarkadenfriese“ bezieht sich auf eine Reihe von Blendbögen, die als dekoratives Element in der Fassade eingebaut sind, aber keine strukturelle Funktion haben.

„Lisenen“ sind vertikale Streifen oder leistenförmige Vorlagen an der Wand, die der Struktur ein gerahmtes, strukturiertes Aussehen verleihen. Der „hohe, doppeltürige Portalbogen mit Tympanon“ ist ein weiteres markantes Element: Es handelt sich um einen großen, bogenförmigen Eingang, der aus zwei Türen besteht. Dieser wird von einem Tympanon überdacht; einem dekorativen Flächenstück, oft mit Skulpturen oder Reliefs verziert. Diese Elemente zusammen demonstrieren den prachtvollen und eindrucksvollen Charakter des Bauwerks.

Ich war schon hier starr vor Freude. Dieser Detailreichtum ist einfach anders wild.

Innenarchitektur der Evangelischen Erlöserkirche

Das äußere Erscheinungsbild des sakralen Bauwerks ähnelt den Kathedralen im Rheinland, besonders dem Dom in Speyer, einem bedeutenden Beispiel mittelalterlicher Architektur. Im Innenraum jedoch zeigt sich durch die Gestaltung und die reichhaltigen Goldgrundmosaiken ein starker Einfluss der Kirchenarchitektur Siziliens. „Goldgrundmosaike“ sind Kunstwerke aus kleinen, oft golden schimmernden Steinchen, die zusammen komplexe Bilder oder Muster bilden. Diese Mosaike sind typisch für byzantinische Kirchen und prägen den Innenraum mit ihrer Pracht.

Die Ikonografie, also die bildliche Darstellung in der Kirche, führt die Tradition der sogenannten Kaiserdome des Heiligen Römischen Reiches fort. Diese Dombauten waren Ausdruck der Macht und des Glaubens des Kaiserreichs.

Innenarchitektur: Jesus, Mosaike und Co.

Die Struktur des Gebäudes als Zentralbau spiegelt die neuesten Trends und Diskussionen im evangelischen Kirchenbau des späten 19. Jahrhunderts wider. Die Innenausstattung kombiniert Elemente der byzantinischen Baukunst. Diese sind durch durch opulente Mosaike und großflächige Dekorationen gekennzeichnet. Auch gibt es Elemente des Jugendstils.

Das Bildprogramm der Kirche dreht sich zentral um die Figur Christi. Diese Front in Pantokrator-Mosaik der Apsiswölbung. Das Erlöserthema wird natürlich auch durch den Nachdem der Kirche zum Ausdruck gebracht. Ein „Pantokrator-Mosaik“ ist ein typisches Bildmotiv in christlichen Kirchen, das Christus als allmächtigen Herrscher darstellt. Oft findet man solche Darstellungen in einer Kuppel oder Apsis. Dieses zentrale Thema wird auch im Motiv des Lebensrades aufgegriffen, das in der Kuppel der Kirche zu finden ist und den zyklischen Charakter des Lebens und der Erlösung symbolisiert.

Kategorien
Kunst Reisen

Bad Homburg: Hier habe ich herumgelungert

In Bad Homburg vor der Höhe hatte ich jede Menge Spaß. Ich trudelte dort spätnachmittags ein und ging planlos durch die Straßen. Das ist die Taktik, die ich immer anwende, wenn ich eine neue Stadt besuche. Enttäuscht hat sie mich noch nie. Nach der 20-minütigen Fahrt aus Frankfurt fand ich in Windeseile einen angemessenen Parkplatz. Dann machte ich mich auf zu den spitzen Dächern, die ich bereits aus der Ferne sah.

Diese Kirche besuchte ich in Bad Homburg

Nach einem kleinen Fußmarsch durch den Schnee strandete ich in der Katholischen Pfarrkirche St. Marien – dort endete gerade eine „wilde Party“. Während die Menschen aus dem Gotteshaus strömten, konnte ich mich reinschleichen, um die Innenarchitektur zu begutachten. Erbaut wurde diese Kirche 1892-1895 von Ludwig Becker, einem Dombaumeister aus Mainz. Die Architektur wurde eindeutig von der Früh- und Hochgotischen Bauweise inspiriert.

Die Marienirche hat einen Grundriss mit einem einschiffigen Innenraum. Dieser Raum ist in zwei Teile geteilt: einen langen Hauptraum und einen besonderen Bereich mit kurzen Seiten. Im hinteren Teil gibt es einen fünfeckigen Abschnitt. Auch die Vorderseite der Kirche ist ein wahrer Augenfang. Die Wand des langen Hauptraums hat eine gigantische  Maßwerk-Rose – also, ein rundes Fenster in Form einer Blume.

Marienkirche in Bad Homburg – Außenansicht, Froschperspektive
So sieht die Bad Homburger Marienkirche von außen aus.

Wer hätte das gedacht? Noch eine Kirche

Weiter ging es zu einer anderen Kirche, die sich in unmittelbarer Nähe von der Marienkirche befindet. Die Evangelische Erlöserkirche, erbaut 1903-1908 von Franz Schwechten nach Plänen von Max Spitta, haute mich um. Selten berührt „moderne“ Architektur mein Herz – doch diese Kirche hat mich ergriffen. Vor allem, als ich sie betrat.

Runde Kuppel mit Jesusbildnis in der Evangelischen Erlöserkirche
Ist sie nicht absolut atemberaubend? Ich ging mit offenem Munde durch das Kirchenschiff der Erlöserkirche und erregte mit meiner Benommenheit die Aufmerksamkeit eines Kaffeekränzchens aus 5 Damen. Die Kränzchenanführerin erklärte den anderen gerade, warum diese Kirche nichts mit byzantinischer Architektur zu tun hatte, doch untermauerte ihre Argumente nicht mit Fakten. Sehr sympathisch.

Die dunkle Atmosphäre in der Erlöserkirche in Bad Homburg hatte etwas tief spirituelles. Winzige Mosaiksteinen aus Türkis oder mit Goldpigmenten zierten den gesamten Innenraum der Kirche. Hinzu kamen ornamentale Deckenmalereien, eine runde Kuppel und auch Glasfenster, wie ich sie nur in der Nürnberger St. Lorenz Kirche erlebt hatte. Ich habe noch nie etwas ähnliches gesehen. Schon gar nicht in Deutschland. Schon gar nicht aus diesem Jahrhundert. Mich überkam eine Euphorie und ich beschloss, Bad Homburg zu DER Kurstadt in Deutschland zu benennen. Doch es sollte anders kommen.

Schloss und Schlosspark Bad Homburg – und dann die Innenstadt

Nachdem ich nicht ins Bad Homburger Schloss reinkam, weil geschlossen, aber dennoch schlau genug war, von der anderen Seite in den Schlossgarten zu gelangen, stand ich da und betrachtete diese wunderbare, verschneite Natur. Unterhalb des Schlosses befindet sich nämlich ein Park mit See und Enten.

Ich entschied mich, eine Runde durch die Stadt zu drehen. Gleich fiel mit die Gepflegtheit der Häuser auf. Sie sahen aus, als seien sie alle frisch renoviert und frisch gestrichen worden. Inmitten dieser ordentlicher, kleiner, farblich aufeinander abgestimmter Häuschen fanden sich auch hessische Fachwerke, die das Stadtbild Bad Homburgs märchenhaft gestalteten. Hie und da sah ich auch das eine oder andere Türmchen – vermutlich Wassertürmchen (aber ohne Gewehr). Dann betrat ich die Innenstadt und wurde sogleich ernüchtert. Nur mal zum Vergleich: Baden-Baden hat mich noch nie ernüchtert und bleibt (für mich) daher die schönste Kurstadt Deutschlands.

Kategorien
Kunst

„Das ungleiche Paar“ von Lucas Cranach d.Ä.

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) und das Werk „Das ungleiche Paar“ – eine Gesellschaftssatire, die auch heute noch Relevanz besitzt. In diesem Artikel werde ich ein bisschen die Bedeutung des Dargestellten erläutern. Das Kunstwerk hängt im renommierten Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, wo ich auch Cranachs Darstellung der Salome betrachten konnte – eine seiner blutrünstigen Frauen.

„Das ungleiche Paar“ in der Kunst

Seit dem 15. Jahrhundert erfreuten sich Darstellungen von Liebschaften und Affären großer Beliebtheit. Künstler jener Zeit zeigten häufig „ungleiche Paare“, und die variierende Darstellung des „Liebesnarren“, wie man ihn in Liebesgärten und Bordellen findet, war weit verbreitet.

Lucas Cranach der Ältere und "Die Fabel vom Mund der Wahrheit" - ein Gemälde aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
Lucas Cranach d.Ä. „Die Fabel vom Mund der Wahrheit“ (1534): Eine des Ehebruchs angeklagte Frau legt die Hand in den Löwenrachen. Sie bekennt, nur in den Armen ihres Ehemanns und des Narren (in weiß) gelegen zu haben.

Cranachs Paar hat wohl wirklich existiert

Im häufigsten Szenario des „ungleichen Paares“ begehrt ein alter Mann, oft hässlich und maskenhaft dargestellt, eine junge, schöne Frau. Diese erwidert seine Begierde nur im Austausch gegen Geld oder Schmuck. Es gibt jedoch auch Darstellungen alter Frauen mit jungen Liebhabern, die sich aus deren Geldbeutel bedienen. Hier findest du etliche Darstellungen von Cranach zu dieser Thematik.

Zu diesem spezifischen Gemälde gibt es eine interessante Anekdote. Laut dem Oettingen-Wallersteinischen Grundbuch stellt das Bild den Nürnberger Bürgermeister Tucher und seine Magd dar. Angeblich ließ seine Familie das Bild zur Verspottung anfertigen, was dazu führte, dass er die Magd heiratete.

Lucas Cranach d.Ä: "Das ungleiche Paar" Gemälde im Germanischen Nationalmuseum
Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt: „Das ungleiche Paar“ um 1530 im Germanischen Nationalmuseum.

Was zeigt das Gemälde „Das ungleiche Paar“?

Eine junge Frau umarmt einen alten, verliebten Mann, während sie gleichzeitig den Betrachter des Bildes ansieht. Ihr verschlagener Blick macht den Betrachter zum Mitwisser. Der bärtige Mann trägt eine pelzverbrämte Schaube, während die Frau in ein rot-goldenes Kleid mit goldenen Borten an Brust, Schultern und Ärmeln, sowie einer perlenbesetzten Brustplatte gekleidet ist. Sie trägt als Schmuck ein Halsband und eine Hobelspankette. Ihre Haarhaube ist mit Edelsteinen verziert. Das Bild zeigt ein Kniestück vor einer dunklen Wand mit einem Ausblick auf eine Landschaft.


Verwendete Quellen:

Kategorien
Kunst Reisen

Romantische Altstadt in Hanau-Steinheim

In der Hanau-Steinheim Altstadt landete ich direkt nach meinem Ausflug in die Alte Fasanerie. Die aufregende Architektur der beiden prominenten Türme (Alte Pfarrkirche und Schloss Steinheim) bemerkte ich bereits von der Autobahn aus. Im Ort angekommen, ging ich durch die Gassen, während es um mich herum schon zu Dämmern anfing. Diese wunderbaren Sehenswürdigkeiten habe ich dort entdeckt:

Altstadt in Hanau-Steinheim: Alte Pfarrkirche

Das erste Gebäude, das ich sah, war die Alte Pfarrkirche Sankt Johann Baptist. Man erwähnte die mittelalterliche Kirche erstmals im Jahr 1329 in einer Urkunde, zunächst als Kapelle. 1449 wurde das Gebäude unter Dietrich Schenk von Erbach, Kurfürst-Erzbischof von Mainz, zur Pfarrkirche erhoben. Die gotische Saalkirche hat viele Veränderungen durchgemacht. Zwischen 1504 und 1509 wurde auch noch ein Chor mit einem speziellen Abschluss und einem besonderen Gewölbe hinzugefügt.

Der Turm der Kirche sieht im Vergleich zur zierlichen gotischen Architektur sehr stark und historisch aus. Er hat zwar keinen Helm, aber er ist mit vier kleinen Türmchen an den Ecken verziert. Dadurch erinnerte er mich etwas an eine mittelalterliche Burg. Im Jahr 1876 bis 1879 wurde die Kirche gründlich renoviert. Pierre Cuypers leitete die Renovierung, wodurch sich das Aussehen der Kirche stark veränderte. Zum Beispiel wurde das Gewölbe im Kirchenschiff durch eine Holzdecke ersetzt. Später, im Jahr 1950, wurde die Kirche erneut renoviert.

Alte Pfarrkirche in der Altstadt in Hanau-Steinheim
Ebendiese vier Türmchen da oben sah ich bereits von der Autobahn aus. Eine wirklich außergewöhnliche Architektur.

Die Pressmauer von Steinheim

Die Altstadt in Hanau-Steinheim überraschte mich erneut, als ich vor einer großen, alten Mauer stand. 1320 errichtete man diese Pressmauer. Die dicke Mauer war einst die Wehranlage von Steinheim. Möglicherweise entstand der Name „Pressmauer“, weil die Häuser wegen der Enge an die Stadtmauer gedrängt wurden.

Pressmauer mit Blick auf Schloss Steinheim
Ein Abschnitt der Pessmauer und die mittelalterliche Burg. Rechts im Bild (hinter der Laterne) ist der neuere Anbau zu sehen.

Schloss Steinheim in der Hanauer Altstadt

Vom einen Ende der Pressmauer aus sieht man am anderen Ende das Steinheimer Schloss. Man erwähnte das Steinheimer Schlossburg erstmals im Jahr 1222. Damals waren die Herren von Eppstein in ihre Besitzer. Früher nannten sie sich „von Hainhausen“ und besaßen außerdem auch einiges an Land in der Umgebung. Landvogt Ulrich I. von Hanau eroberte die Burg um 1300 in einem „Streit“ zwischen König Albrecht I. und dem Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein und zerstörte sie teilweise. Nur wenige Jahre später wurde sie wieder aufgebaut.

Wahrscheinlich hatten die Eppsteiner finanzielle Probleme und mussten die Burg zur Hälfte an die Grafen von Katzenelnbogen (kein Scheiß, die heißen wirklich so) und die Herren von Hanau verpfänden. Nachdem die Burg einige Male den Besitzer gewechselt hatte, baute man sie später zu einer Art Schloss aus. Im Jahr 1572 fügte man dem Hauptgebäude einen Treppenturm hinzu, der mit dem Wappen von Daniel Brendel von Homburg verziert war. Die Architektur des Schlossartigen Gebäudes passt nicht im Geringsten mit der mittelalterlichen Burg zusammen. Aber das kommt bei europäischen Schlössern oft vor. Vor allem wenn neue Herrscher einzogen und den Flair ihrer Epoche einbringen wollten. Zumeist taten sie das mithilfe von Bauwerken.

Mittelalterlicher Turm des Schlosses Steinheim in der Hanauer Altstadt
Hier nochmal die Burg in ihrer Vollen Pracht. Wie bei der Alten Pfarrkirche auch, sehen wir hier diese mehreckigen kleinen Türmchen oberhalb des Bauwerks – entzückend.

Heutige Nutzung des Schlosses in der Altstadt in Hanau-Steinheim

Im Hauptgebäude des Schlosses gibt es heutzutage Wohnräume und das Museum Schloss Steinheim. Dieses zeigt vor allem die Geschichte von Steinheim und auch die Geschichte der Region, besonders die Zeit bevor es die Stadt Hanau überhaupt gab. Leider kam ich eine Minute nach Feierabend. Man kann auch den Turm des Schlosses besichtigen, wenn man an einer Führung teilnimmt.

Des Weiteren sah ich den Marstall, spazierte durch die süßen Gässlein mit den traditionellen Fachwerkhäusern und genoss die friedliche Atmosphäre des Samstagabends. Es war wirklich schön und ich komme garantiert wieder, um diesen Ort jemandem zu zeigen.


Quellen:

  • Wikipedia / St. Johann Baptist (Steinheim)
  • Beschilderung an der Pressmauer mit historischem Hinweis
  • Wikipedia / Schloss Steinheim
Kategorien
Kunst

Skandal! Baldungs Madonna macht Furore

Die unkonventionelle Darstellung der stillenden Madonna von Hans Baldung beeindruckt durch ihre absichtliche Künstlichkeit. Auch die stilisierte Abweichung von einer natürlichen Darstellung verleiht dem Gemälde das „gewisse Etwas“. Besonders auffällig sind die intensiven Lichtkontraste und Farben. Ebenso ungewöhnlich sind die exotisch-luxuriösen Akzente und die stark sinnliche Anziehungskraft.

Durch gewagte Elemente wie den Papageienbiss und die Berührung der Brust durch die Lippen des Jungen hat Baldung seiner Darstellung sinnliche Bedeutungen verliehen. Diese geht weit über das Sehen hinaus. Als ich vor dem Gemälde stand, fesselte es mich und ließ mich gar nicht mehr los.
In dieser Darstellung pickt der Papagei, der traditionell das „Ave“ sagt, Maria in den Hals. Damit stellt er ihre Jungfräulichkeit dar. Gleichzeitig zeigt der Christusknabe mit Heiligenschein geradezu ihre Brustspitze. Währenddessen schaut der Knabe intensiv in Richtung des Betrachters.

Hans Baldung greift bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück

Ein schwebender Engel mit verschmitztem Gesichtsausdruck berührt gerade Marias durchsichtigen Schleier. Es lässt sich nicht genau deuten, ob er das Marienhaupt enthüllt, oder es verschleiert. Das Gemälde hat etwas Geheimnisvolles an sich, das schwer zu greifen ist. Auch dieses Gemälde einer Baldung-Madonna hat es in sich.

Obwohl das Andachtsbild von Hans Baldung ungewöhnlich und neuartig erscheint, griff er bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück. Er veränderte bekannte Darstellungsweisen, Bilder und Attribute. Darüber hinaus wählte er das Bild einer stillenden Muttergottes, das im Mittelalter sehr beliebt war. In diesem Bild wurde Marias mütterliche Liebe dargestellt. Auch ihre lebensspendende Kraft und ihre Rolle als Fürsprecherin für die sündige Menschheit wird in diesen Darstellungen am deutlichsten.

Die stillende Madonna mit Kind und Papageien von Hans Baldung
Maria mit Kind und Papageien (1533) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von Hans Baldung, auch Grien genannt (1484/85-1545) Oberrhein, Straßburg. Hierbei handelt es sich um Malerei auf Lindenholz. Maße: Höhe 91,5 Zentimeter; Breite 63,3.

Unangemessen: Baldungs Bilder wurden vollständig entfernt

Es ist schwer zu sagen, inwieweit Baldungs persönliche Interpretation des Bildes auf die Wünsche eines elitären Auftraggebers zurückzuführen ist. Es gibt nämlich keine schriftlichen Aufzeichnungen, die darüber Aufschluss geben. Baldung malte das Bild im Jahr 1533 in Straßburg. Diese Stadt galt bereits zwei Jahrzehnte vor der Reformation im Jahr 1524 als ein Zentrum der evangelischen Bewegung. Zwischen 1526 und 1530 verschärfte sich die Situation weiter. Die Messe wurde abgeschafft. Die Bilder – vollständig entfernt, nachdem der Bildersturm nur auf als unangemessen angesehene Bilder abgezielt hatte.

Die Darstellung der stillenden Maria war in diesem Kontext besonders heikel, da gerade dieses Motiv als eines der anstößigsten angesehen wurde. In Straßburg haben Marienbilder, ähnlich wie Baldungs Gemälde aus Nürnberg, Kontroversen ausgelöst. Zum Beispiel wurden im Jahr 1541 Kunstexperten in die Werkstatt des Straßburger Malers Jost Krieg von Barr geschickt, um seine Bilder zu begutachten.

Stillende Maria mit Papageien: Hatte der Künstler eine Strategie?

Sollten seine Marienbilder „schandtlich und entblößt gemalet“ sein, solle man ihm dies untersagen (Rott 1936, S. 227). Es ist möglich, Baldungs nachreformatorische Madonnenbilder als einen Versuch zu interpretieren, ein Bildthema, das in die Kritik der Reformation geraten war, aber in der Tradition eine zentrale Rolle spielte, durch die künstlerische Darstellung zu bewahren. Es könnte eine Strategie gewesen sein, dieses umstrittene Motiv der stillenden Maria in einer künstlerischen Form wiederzubeleben und gleichzeitig die religiösen Bedenken zu umgehen, die mit der traditionellen Darstellung verbunden waren.

Die künstliche Darstellung in Baldungs Werken lässt vermuten, dass er möglicherweise einen exklusiven Kreis von Altgläubigen ansprach. Diese Interpretation kann jedoch nicht durch historische Quellen gestützt werden kann. Es ist denkbar, dass Baldung durch seine Herkunft aus einer Gelehrtenfamilie mit einflussreichen Verbindungen zum habsburgischen Hof und zur katholisch gebliebenen Universität Freiburg einen Kundenstamm entwickelte, den er auch nach der Reformation weiter bediente. Diese Verbindungen könnten dazu beigetragen haben, dass er einen Markt für seine Kunstwerke fand, die die traditionelle religiöse Ikonografie beibehielten. Solche Darstellungen wurden womöglich von Altgläubigen geschätzt.

Ausstellungsfilm "Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens" | AM
Andere Werke des Künstlers: Ausstellungsfilm des Freiburger Augustinermuseums „Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens“

Was war das Ziel von Hans Baldung?

Die Betrachtung von Weber am Bach aus dem Jahr 2006 interessiert sich für die mögliche Verbindung zwischen der betonten Fleischlichkeit in Baldungs Gemälde und der Straßburger Synode gegen die Täufer im Jahr 1533. Gemäß dieser Interpretation könnte das Gemälde dazu dienen, die „Zwei-Naturen-Lehre“ Christi und die Mutterschaft Mariens zu bekräftigen. In diesem Zeitabschnitt wurde sie von Täufern in Frage gestellt.

Ziel des Künstlers könnte es sein, diese zu bekräftigen und in ein entsprechendes Andachtsbild zu übersetzen, das sowohl neue als auch traditionelle Kunstliebhaber anspricht. Dies könnte eine weitere mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Darstellung von Baldungs Werk sein und auf eine gezielte theologische Botschaft hinweisen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Deutung spekulativ ist, da es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, die Baldungs Absichten bei der Schaffung des Gemäldes eindeutig belegen könnten.

Baldungs Gemälde könnte nach dieser Theorie als ein theologisches Bekenntnis zur wahren Mutterschaft Mariens betrachtet werden. Es scheint, dass die Auftraggeber und Käufer solcher eigenwilligen Werke eine Vorliebe für gewagte und hintergründige Meisterwerke des berühmten Straßburger Malers hatten.


Verwendete Quellen: Objektkatalog des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg

Kategorien
Kunst

Gemäldegalerie Berlin: Giovanni Bellini’s Maria

Dieses Gemälde von Giovanni Bellini wurde während einer Phase in seiner Karriere geschaffen, in der er noch stark von dem Stil seines Schwagers Andrea Mantegna beeinflusst war. Dennoch zeigt Bellini in seinem Kunstwerk seine eigenen kreativen Lösungen.

Gemälde wird Bellini’s Werkstatt zugeschrieben

Dass die Landschaft in dem Berliner Gemälde, bei dem das intensive Licht zurückhaltender ist, deutet möglicherweise auf das Werk eines seiner Studenten. Eine andere Version dieses Gemäldes, die sich heute im Rijksmuseum in Amsterdam befindet, lässt erkennen, dass der Künstler bereits an der Reproduktion seiner eigenen Werke arbeitete. Immerhin ist Giovanni Bellini bekannt dafür, seine Andachtsbilder – vor allem die Madonnen – in mehreren Versionen hervorgebracht zu haben, um die Effizienz seiner Bildproduktion zu erhöhen.

Andachtsbilder sind meistens gemalte oder geschnitzte Bilder von religiösen Geschichten und Ereignissen aus dem Christentum. Sie sollen den Gläubigen helfen, in ihrem Glauben zu meditieren und zu beten. Oft zeigen diese Bilder Szenen aus dem Leben und Leiden von Jesus Christus, Maria und den Heiligen.

Während meiner Kunstreise sag ich in der Berliner Gemäldegalerie Giovanni Bellinis Madonna
Giovanni Bellini (um 1435 bis 1516) und Werkstatt in der Berliner Gemäldegalerie: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht – um 1460

Giovanni Bellini: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht

Typisch Bellini ist für mich persönlich in diesem Bild die Brüstung, die zwischen dem Betrachter und der heiligen Madonna eine Distanz schafft. Jesus wiederum steht symbolisch auf der mutmaßlichen Balustrade, um die Verkörperung des sowohl menschlichen als auch himmlischen zu verdeutlichen. Darüber hinaus ist die Landschaft hinter den beiden Figuren sehr ausdrucksstark und erinnert mich an andere Werke Bellinis. Was natürlich nicht zu bedeuten hat, dass er dieses Werk alleine gemalt hat.

Als ich dieses Bild in der Gemäldegalerie – die für mich Grund genug ist, Berlin zur geilsten Stadt der Bundesrepublik zu ernennen – sah, wurde ich ganz starr. Das Gemälde der venezianischen Meisterwerkstatt kannte ich bisher nur aus den Büchern. Direkt davor zu stehen, und jeden kleinen Pinselstrich von Bellini und seiner Werkstatt zu begutachten, ist natürlich anders wild.

Kategorien
Kunst

So sexy ist „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in München war, fiel mir das Gemälde „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael (1566-1638) sofort auf. Ich habe viel in meinem Leben gesehen, doch etwas faszinierte mich an diesem Kunstwerk. War es die Dramatik? Waren es die unverschämt gut geformten Körper der dargestellten Figuren?

Das ist auf dem Bild „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael zu sehen

In einer schönen Landschaft, die an einen fjordartigen* Ort erinnert, sieht man Menschen in großer Not. Die auf dem Gemälde abgebildeten Männer und Frauen sind nackt und zeigen ihre übermäßige Angst mit pathetischen Gesten. Das Wasser scheint schnell anzusteigen – die Figuren suchen verzweifelt Schutz auf den Felsen und in den Bäumen.

Auf der linken Seite im Vordergrund sehen wir einen Baum, den ein Mann versucht zu erklimmen, um sich vor dem Wasser zu retten. Ganz unten links sitzt eine Mutter mit ihrem Kind. Sie versucht vergebens unter ihrem Tuch Schutz zu finden.

In der Mitte vorne ist eine Gruppe von vier Menschen, die hektisch gestikulieren und nach Hilfe suchen. Und auf der rechten Seite sieht man zwei Eichenbäume, auf die Männer klettern, um sich vor dem steigenden Wasser zu retten. Die Szene ist sehr dramatisch und voller Spannung.

Dieses Gemälde des niederländischen Künstlers Joachim Anthonisz Wtewael (1566 bis 1638) heißt "Die Sintflut". Es wurde um 1590/1600 gemalt und es handelt sich hierbei um Öl auf Leinwand. Derzeit hängt das Kunstwerk im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Das Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphose.
Wtewael, Joachim Anthonisz. (1566-1638) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung. Öl auf Leinwand – um 1590/1600

Ikonographische Beschreibung des Gemäldes

Joachim Wtewaels Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphosen: Rechts auf der Anhöhe bringen die Göttin Iris und der bärtige Aeolus Wasser und Wind. Die sündigen Menschen versuchen, sich vor den Fluten zu retten.

Durch die unnatürliche Farbpalette soll, laut Germanischem Nationalmuseum, das Gekünstelte im Bild betont werden. Diese im niederländischen Manierismus beliebte Darstellung diente Wtewael zur Erprobung extremer Posen. In Robustheit und Volumen zeigen die Aktdarstellungen den Einfluss Michelangelos

Als ich das Werk von Joachim Wtewael sah

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vor diesem Gemälde stand, fiel mir – neben all den Wahnsinns-Körpern – sofort ins Auge, wie individuell der Künstler die Komposition gestaltete. Ebendiese gepaart mit dem Schattenspiel, das sich bei Wtewael in der Muskulatur der Dargestellten widerspiegelt, sorgt meines Achtens für die nötige Portion Dramatik in dem Gemälde.

Im Germanischen Nationalmuseum sah ich auch mehrere bedeutsame Werke von Lucas Cranach d.Ä.


*Fjord: Ein Fjord ist wie eine lange Bucht im Land. Er entsteht, wenn ein Gletscher vom Meer ins Land hineinwandert und ein tiefes Tal hinterlässt. In Norwegen und anderen Orten nennt man solche Meeresarme Fjorde.

Kategorien
Kunst

Impressionen: Nürnberger St. Lorenz Kirche

Für drei Tage und zwei Nächte hatte ich das Vergnügen, im schönen Nürnberg zu sein. Ich sah mir die Operette „Die Fledermaus“ im Staatstheater an, besuchte natürlich das bedeutsame Germanische Nationalmuseum und sah mir die St. Lorenz Kirche genauer an. Viel Zeit hatte ich nicht, aber ich konnte folgende Eindrücke sammeln:

Was für ein Anblick... Ich habe die St. Lorenz Kirche in Nürnberg bei gutem Wetter erwischt
Die St. Lorenz Kirche in Nürnberg ist eine gotische Kirche. Sie ist dem Heiligen Lorenz gewidmet.

Das Rosettenfenster, das du nur auf dem Bild der Außenfassade siehst, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert. Dies konnte erfolgen, weil Originalteile des Fensters im Depot des Germanischen Nationalmuseums gefunden wurden. In diesem Museum habe ich übrigens einige Lucas Cranachs gesichtet.

Bau der St. Lorenz Kirche in Nürnberg braucht über 200 Jahre

Der Bau der dreischiffigen Basilika begann um 1250. Der spätgotische Hallenchor wurde 1477 vollendet. Als ich vor diesem gigantischen Bauwerk stand, wurde mir klar, wie unbedeutend und klein ich bin.

Innenräume der St. Lorenz Kirche in Nürnberg
Seit der Reformation ist die Lorenzkirche neben der Sebalduskirche eine der beiden großen evangelischen Stadtkirchen Nürnbergs, die beide zum Dekanat Nürnberg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehören. 

Kirchenfenster in der St. Lorenz Kirche zu Nürnberg

Im Chor und im Langhaus der Kirche gibt es wichtige spätgotische Bleiglasfenster. Die Fenster im Hallenchor wurden im Jahr 1476/77 von Michael Wolgemut gestaltet. Teilweise basieren sie auf den Entwürfen von Hans Pleydenwurff, der im Jahr 1472 verstorben war. Wolgemut hatte zu dieser Zeit die Werkstatt von Pleydenwurff übernommen. Einer der Lehrlinge, die dort später von 1486 bis 1490 arbeiteten, war – halt dich fest – Albrecht Dürer:

Kirchenfenster in Nürnberg
Schmidtmayer-Fenster (von Albrecht Dürer und Hans Süß von Kulmbach)
Kirchenfenster, Malereien
Wenn jemand eine Ahnung davon hat, wessen Fenster das ist, gerne in die Kommentare schreiben.

Als ich durch diese wunderbare Kirche ging, hatte ich eine heftige Reizüberflutung. Mein Auge musste sich erstmal an die leuchtenden Farben der Kirchenfenster gewöhnen. Gleichzeitig sind die Gedanken von der Höhe der Kirchendecke überwältigt. Ich musste meinen Kopf ganz weit nach hinten fallen lassen, um die Schönheit der Gewölbe zu erblicken. Dabei versuchte ich natürlich meinen Mund zuzuhalten, denn ich kam aus dem Staunen gar nicht raus.

Kirchenfenster in der Nürnberger St. Lorenz Kirche
Hier sieht man den Annenaltar (1510, von Hans Süß von Kulmbach). Dahinter befinden sich die
Haller-Fenster (links) und die Knorr-Fenster (links).

Einzigartige Feinarbeit: Ein 20 Meter hohes Tabernakel

Das Sakramentshaus St. Lorenz, entstanden zwischen 1493 und 1496, ist ein rund 20 Meter hohes und zirka 3,40 Meter breites Tabernakel. Hier werden die geweihten Hostien aufbewahrt. Oberhalb des eigentlichen Sakramentsschränkchens sind verschiedene Szenen des Leidens Christi dargestellt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach und Gewölbe stark beschädigt. Der Bau wurde jedoch wiederhergestellt. Die sehr bedeutende spätgotische Ausstattung blieb durch Auslagerung weitgehend erhalten.
Kategorien
Kunst Reisen

Meine Kunstreise: Art, Drugs and Rock ’n‘ Roll

Eines Tages brannte mir die Sicherung durch. Ich packte mein Geld und fuhr los. Der Plan war der, keinen richtigen Plan zu haben. Also fuhr ich nach Amsterdam, um vom dortigen Marihuana noch planloser zu werden. Da ich Kunst sehen wollte, wusste ich bereits zu Beginn meines Trips, dass das eine Kunstreise werden sollte. Zunächst besuchte ich die wichtigsten Museen der Stadt – bis auf das Van-Gogh-Museum, das habe ich nämlich noch vor mir.

Meine Kunstreise durch vier Städte: Man sieht den Kanal von Amsterdam durch ein Bullauge, das zu dem kleinen Hausboot gehört, auf dem ich gelebt habe.
Diesen Ausblick konnte ich in Amsterdam von meinem Bett aus genießen. Ich werde dieses Abenteuer niemals vergessen.

Meine Kunstreise startete in Amsterdam

Was soll ich sagen? Ich liebe diese Stadt. Ihre Dynamik, Offenheit, ihre Hausboote und die aufeinander abgestimmte Architektur gefielen mit schon immer. Ich verbrachte dort Tage des Glückes und lebte selbst auf einem kleinen Hausboot. Das fühlte sich so surreal an ­– vor allem in diesen Momenten, als ich von meinem Bett aus durch das Bullauge auf den Kanal blickte. In diesen Momenten verliebte ich mich aufs Neue in mich selbst und war dankbar für meine Spontanität, die Fähigkeit immer und überall alleine sein zu können und natürlich auch für meine Furchtlosigkeit vor Planlosigkeit.

Während meiner Kunstreise war ich im Rijksmuseum in Amsterdam. Dort habe ich Rembrandts Nachtwache gesehen.
Rembrandt van Rijn im Rijksmuseum, Amsterdam: Die Nachtwache, 1642 – Öl auf Leinwand (Ausschnitt)

Nachdem ich am letzten Tag in Amsterdam zwei weitere Kunsthäuser und den Hortus Botanicus besucht hatte, machte ich etwa vier bis fünf Bootstouren. Dann wurde es aller höchste Eisenbahn, meine Kunstreise nach Hamburg zu versetzen. Um nicht unnötig Zeit und Geld zu verschwenden, verzichtete ich zwischen den Städten auf Hotelzimmer. Ich buchte mir nächtliche Flixbusse und schlief während der Fahrt – nur zu empfehlen, wenn du einen trainierten Rücken hast, der es dir ermöglicht, in komplett verkrüppelten Positionen zu schlafen. 

Weiter geht’s nach Deutschland: Hamburger Kunsthalle

In Hamburg angekommen, ging ich in die Kunsthalle. Die dortige Ausstellung hieß „Femme Fatale“ und war sagenhaft. Am Abend ging ich auf die Reeperbahn – dort war auch mein Hotel – und kaufte mir eine absolut nuttige Hose in Hochglanz. Ich habe es voll gefühlt. In Hamburg blieb ich zwei Tage.

Herrmann Kaulbach (1846-1909) in der Hamburger Kunsthalle: Lucrezia Borgia, 1882 – Öl auf Leinwand

Ursprünglich wollte ich vom Hamburger Flughafen nach Portugal fliegen, doch habe es mir anders überlegt, als ich die Last-Minute-Preise sah. Laut einer Flughafenmitarbeiterin seien diese nach der Corona-Pandemie in die Höhe geschossen. Aus diesem Grund flog ich erst einige Monate später nach Porto – und war absolut überwältigt von dieser geilen Stadt.

Ich setzte meine Kunstreise in Berlin fort

Doch zunächst musste ich improvisieren. Kurzerhand entschied ich mich dazu, nach Berlin zu fahren. Dort würde ich in einer netten Absteige 3 Nächte verbringen und pflichtgemäß im „Homeoffice“ arbeiten. In Berlin tobte ich mich aus. Ich war in der Gemäldegalerie, im Museum für Kunstgewerbe und in der Neuen Nationalgalerie. Es war himmlisch. Die Gemäldegalerie ist mitunter einer der Gründe, weshalb ich Berlin zu der geilsten Stadt Deutschlands erklärt habe

Während meiner Reise sag ich in der Berliner Gemäldegalerie Giovanni Bellinis Madonna
Halleluja! Gleich in der zweiten Halle der Gemäldegalerie blieb ich wie angewurzelt stehen. Denn ich sah: Giovanni Bellinis Maria mit dem Kind (etwa 1460) – Tempera auf Pappelholz.

Eines Morgens packte mich der Berlin-Vibe und ich stellte mich oberkörperfrei auf die Fensterbank. Ich blickte durch das offene Fenster über Charlottenburg, über die Autofahrer und Passanten hinweg ­– und sie blickten zu mir herauf. Aber fremde, nackte Frauen waren sie wohl alle gewohnt, weshalb es mir noch mehr gefiel, dort oben stehen zu bleiben und den Morgen anzutreffen.

Ab nach Breslau – ich bin zum ersten Mal in Polen

Wo sollte die nächste Reise hingehen? Ich hatte noch zwei Tage Zeit, bis unserer Redaktion endgültig der Homeoffice gestrichen wurde und fuhr spontan nach Polen. Nachts am Bahnhof in Breslau (polnisch: Wrocław) angekommen, hoffte ich darauf, Geld wechseln zu können – sonst wäre ich im Arsch. Dort hatte um die Uhrzeit tatsächlich alles offen und der Geldwechsel klappte binnen Sekunden. Ich hielt erstmals Złoty in meiner Hand. Jetzt konnte es losgehen. Die Innenstadt von Breslau gefiel mir sehr gut. Bunte, gepflegte Häuschen, wenig Touristen, Sauberkeit – soweit das Auge reicht. 

Bunte Häuserreihe, die ich während meiner Kunstreise in Breslau fotografiert habe.
Die ganze Innenstadt von Breslau sieht so aus – wie in einem kleinen, polnischen Märchen.

Es war ein netter Trip – mein erstes Mal in Polen übrigens. Doch die Museen haben mich dort nicht umgehauen. Denn im Breslauer Rathaus-Museum, wo ich war, warben die Aussteller mit Dalí und Miró. Ausgestellt wurden jedoch Werke von Amateurkünstlern, die sich von Dalí und Miró haben inspirieren lassen. Vielleicht war das auf dem Ausstellungsbanner auch so deklariert, das aber hätte ich gar nicht verstehen können. Egal – dafür habe ich dank anderen Exponaten, die dort dauerausgestellt waren, etwas über die Stadtgeschichte gelernt.

Besonders gefallen hat mir der unvergessliche Blick über die gesamte Stadt auf dem Turm einer Kirche. Von dort konnte man fast bis in die unendliche Weite sehen. Auch habe ich üppige Architektur bestaunen können. Insbesondere die Außenarchitektur von Kirchen fand ich in Breslau sehr ansprechend. Erfahre hier, wie ich mich blamiert habe, als ich eine der Polnischen Kirchen betreten habe.

Die mobile Version verlassen