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Reisen

Verborgenes Paradies in FFM: Schwanheimer Düne

Im Westen von Frankfurt verbirgt sich auf knapp 60 Hektar ein außergewöhnliches Naturschutzgebiet, das zu den bemerkenswertesten Standorten der Region zählt. Es handelt sich hierbei um die Schwanheimer Düne, eine der seltensten Binnendünen Europas.

Die Düne, die 1984 vom Land Hessen zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, ist Heimat für seltene Pflanzen und Tiere. Besucher können hier unmittelbar die faszinierende Natur der Dünen erfahren, ohne sie zu stören. Dies wird durch einen hölzernen Bohlenweg ermöglicht, der mitten durch die einzigartige Landschaft verläuft. Darüber hinaus sind weitere Teile des Gebiets über sandige Wanderwege zugänglich.

Schwanheimer Füne im Frühling: Ein einzigartiges Naturschutzgebiet in Frankfurt am Main
So wie’s aussieht, traf der diesjährige Frühling hier schon ein: Erste Sonnenstrahlen küssen die Dünen.

Die Entstehung der Schwanheimer Düne in Frankfurt

Die Schwanheimer Düne entstand vor etwa 10.000 Jahren. Winde trugen feinen Sand aus dem Flussbett des Mains hierher und formten dieses beeindruckende Landschaft. Doch auch der Mensch spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des seltenen Naturschutzgebiets: Vor Jahrtausenden rodeten Siedler den bewaldeten Bereich und schufen Raum für die heutige Vegetation. Außerdem bauten sie die Streuopstwiesen an.

Die Düne in Schwanheim ist ein Biotop für eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten. So wächst dort Silbergras, typisch für Binnendünen, sowie Bauernsenf und Sand-Grasnelken. Die alten Kiefern verleihen der Gegend ihren einzigartigen Duft, der mich an subtropische Küsten erinnert. Jeder Besuch in den Schwanheimer Dünen ist einzigartig. Sowohl im Herbst als auch im Winter und Frühjahr ist die Natur und Atmosphäre hier sichtlich verändert. (Ich freue mich bereits auf dem Sommer, denn zu dieser Jahreszeit habe ich die Düne noch nicht erlebt).

Frankfurter Naturschtzgebiet
Der hölzerne Bolenweg führt durch den beeindruckenden Teil der Schwanheimer Düne, wo die alten Kiefern wachsen.

Diese Tiere leben in der Schwanheimer Düne

Unter den seltenen Tierarten befindet sich der Gelbe Pirol, ein Singvogel aus dem Norden und Westen Eurasiens. Auch Steinkäuze, Neuntöter und Grauspechte kann man während eines Spaziergangs durch dieses Areal beobachten.

Persönlich konnte ich bisher Eichelnäher, Greifvögel und Eidechsen beobachten. Menschen und Hunde sind aber auch hin und wieder zu sehen (höhö).

Die Schwanheimer Düne in Frankfurt-Schwanheim. Ein Naturerlebnis der Extraklasse
Zum Vergleich: So sieht die Schwanheimer Düne im Herbst aus.

Eine kleine Wanderung am Frankfurter Naturschutzgebiet

Das Schutzgebiet erstreckt sich über den hölzernen Bohlen weg hinaus bis hin zu Streuobstwiesen zwischen dem sandigen Bereich und dem Kelsterbacher Weg. Hier grenzen sie an das Territorium alter Eichen. Geht man den hölzernen Bolenweg bis zum Schluss, entdeckt man auch die vollständig eingezäunte Schmitt’sche Grube. Dran bleiben – vielleicht gelingt es mir, eines Tages einen legalen Weg zu finden, mir das Gewässer aus der Nähe anzusehen.

Für Wanderfans bietet die Schwanheimer Düne attraktive Routen durch das Frankfurter Naturschutzgebiet. Eine beliebte Strecke startet an der Bushaltestelle „Alter Friedhof Schwanheim“ und führt über die Streuobstwiesen zu den Dünen bis hin zum Mainufer, von dem man mit der Fähre entweder nach FFM-Höchst tuckern kann, oder einfach am Fluss entlang spazieren kann. Hier findest du 5 weitere Orte in Frankfurt, die du unbedingt erlebt haben solltest.


Transparenzhinweis:

Diesen Artikel habe ich anhand eigener Informationen, die du hier vollständig einlesen kannst, durch die KI gejagt und nochmals nachredigiert. Der Ursprungstext ist natürlich um einiges lebendiger, aber zwei Mal das gleiche mit der gleichen Energy zu schreiben ist, glaube ich, Irrsinn.

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Kunst & Architektur

Venezianische Kunst erobert Münchner Pinakothek

Letzter Tag „Venezia 500“ – auf nach München, muchachos! Die Alte Pinakothek präsentierte diese beeindruckende Ausstellung, die sich den revolutionären Entwicklungen in der venezianischen Renaissance-Malerei widmete. Mit einem Fokus auf Porträts und Landschaften aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wurde die Wirkung dieser spezifischen Kunstform auf die europäische Kunstgeschichte deutlich.

Palma il Vecchio: Maria mit Kind und den hl. Ruchus und Lucia | Hier sieht man nicht nur dir schöne Symbiose aus Figuren und Landschaft, sondern auch monumentale Architektur. Diese Kombi gab es damals nur in Venedig.

Blühende Kunst aus Venedig – in München

Die Ausstellung zeigte 15 Meisterwerke aus der Münchner Sammlung und etwa 70 internationale Leihgaben. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den charakteristischen Merkmalen und Errungenschaften der damals in Venedig blühenden Malkunst. Die führenden Meister dieser Zeit zeichneten sich durch ihr tiefes Verständnis für das Wesen von Mensch und Natur aus. Sie verstanden es, beide Aspekte auch in Bezug zueinander darzustellen und erreichten dabei eine bisher unbekannte Intensität.

Die Gemälde wurden in der Ausstellung hinsichtlich ihres Entstehungszusammenhangs sowie ihrer zeitgenössischen Interpretationsweisen beleuchtet. Dabei erfolgte eine thematische Gliederung, aber auch Kontraste durch Gegenüberstellungen mit Zeichnungen und Skulpturen.

Venezianische Kunst: Giovanni Bellini auch dabei

Einige meiner Lieblingswerke waren dabei. So zum Beispiel eine Sacra Conversazione von Giovanni Bellini, die ich bereits im Kindesalter in einem meiner Bücher entdeckt hatte. Mir blieb das Gemälde all die Jahre in Erinnerung, weil die Proportionen des Kindes so absonderlich waren. Der viel zu kleine Kopf rief bei mir bereits bei erstem Betrachten damals Unbehagen hervor. Doch dadurch, dass ich es mir so oft ansah, habe ich zu diesem Bild eine besondere Verbindung. Es war schon später an der Uni emotional, dieses Gemälde auf dem Abbild des Beamers zu begutachten, als ich ein Seminar zu den Bellinis belegte. Das Brettchen live und in Farbe zu sehen, war natürlich anders wild und rief in mir besonders heftige Gefühle hervor.

Giovanni Bellini in der Alten Pinakothek in München, als venezianische Kunst in der "Venezia 500" Ausstellung gezeigt wurde.
Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und einer Heiligen, 1500-1505

Hätte ich ich mir von „Venezia 500“ mehr Bellinis erhofft, als tatsächlich da waren? Ja, hätte ich. Aber da spricht aus mir definitiv auch die Bellini-Fanatikerin. Für einen Einblick in die venezianische Kunst der Renaissance war die Ausstellung in der Alten Pinakothek absolut meisterhaft. Es gab von allem etwas und die Einblicke waren sowohl für Laien als auch für diejenigen, die dieser Kunst verfallen sind, tief und lehrreich.

„Venezia 500“ in der Alten Pinakothek: Ausgestellte Künstler

Zu den ausgestellten Künstlern gehören neben Giovanni Bellini auch Giorgione, Palma Vecchio, Lorenzo Lotto sowie Tizian und Tintoretto. Ihre Darstellungen individueller Persönlichkeiten wechseln zwischen realistischem Bildnis, Idealbildnis (ein idealisiertes Porträt), repräsentativem Porträt (das Macht und Status darstellt) und lyrischem Porträt (das eher Gefühle und Stimmungen einfängt).

Ihr Talent für atmosphärische Landschaftsmalerei hat dieses Genre als eigenständiges Bildthema etabliert. Die Ausstellung „Venezia 500“ bot einen faszinierenden Einblick in diese außergewöhnliche Periode des künstlerischen Wandels. Wer sie verpasst hat, könnte in der Alten Pinakothek aber dennoch auf seine Kosten kommen. Immerhin gehören mindestens 15 hauseigene Werke der venezianischen Kunst in der Renaissance an und können in der Dauerausstellung besichtigt werden. Wer sich in München aber regelrecht die Birne wegkatapultieren lassen will, besucht am besten diese geile Ausstellung, die allerdings nicht das Geringste mit Venedig oder Renaissance zu tun hat.

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Kunst & Architektur

Wassily Kandinsky: Ein russisches Genie

Die Welt der modernen Kunst wäre ohne ihn nicht dieselbe. Wassily Kandinsky, russischer Maler und Grafiker, hinterließ eine bedeutende Spur in der Kunstgeschichte. Außer als in Russland lebte und wirkte dieses Phänomen auch in Deutschland und Frankreich. Sein Schaffen wusste ich nie zu schätzen – bis auf diesen einen Tag, als ich die neu formulierte Ausstellung „Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus sah. Sagen wir: sie hinterließ ihre Spuren; ohne an dieser Stelle wieder sexuell zu werden.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer um 1912. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Von Moskau bis nach München: Kandinskys frühe Jahre

Kandinsky wurde am 16. Dezember 1866 in Moskau geboren. Nach seinem abgeschlossenen Jurastudium an der renommierten Lomonossow-Universität entschied er sich gegen eine juristische Laufbahn, obwohl ihm hierzu alle Türen offen standen. Stattdessen zog er nach München, um Malerei zu studieren. Als er nämlich ein kleiner Junge war, schleppte ihn seine Mutter in Kunstausstellungen, die ihn für den Rest seines Lebens prägten. Die Magie der Formen und vor allem Farben würde Kandinsky nie wieder loslassen.

Nachdem er sich als Expressionist bewies, war er Vorreiter der abstrakten Kunst. Von sich selbst soll Kandinsky behauptet haben, das erste abstrakte Bild der Welt geschaffen zu haben. Ebendieser Umbruch der Künste gibt auch den Geist der damaligen Zeit gut wieder: Im späten 19. Jahrhundert durchlebte die Welt einen gewissen Wandel. Die Entdeckung der Radioaktivität sowie auch die Atomtheorie katapultierten Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in eine neues Zeitalter. Vergleicht man seine expressionistischen und abskrakten Werke, so spürt man die Auswirkungen dieser Veränderung deutlich. Doch auch wenn der Russe die Gabe hatte, mit seiner Kunst das auszudrücken, was nur schwer in Worte zu fassen war, war es für ihn sehr schwer, in der Münchener Kunstszene Fuß zu fassen.

Wassily Kandinsky trifft auf Franz Marc

Mit seinem Freund Franz Marc gründete er 1911 die Künstlergemeinschaft Der Blaue Reiter, die den Expressionismus maßgeblich prägen sollte. Laut arsmundi.de soll Wassily Kandinsky den Namen der Künstlergruppe folgendermaßen erklärt haben: „Den ‚Blauen Reiter‘ erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau. Franz Marc die Pferde, ich die Reiter. So kam der Name von selbst.“ Andere wiederum ordnen der Namensgebung eine höhere Bedeutung zu. So soll die Farbe Blau den geistigen Charakter der Arbeiten repräsentieren (was auch immer das heißen soll). Der Reiter wiederum soll eine Art Vorwärtsbewegung verkörpern, da diese Künstler Pioniere auf ihrem Gebiet waren.

Der Durchbruch kam mit einer bahnbrechenden Ausstellung in München im Dezember desselben Jahres.

Das Jahr des Durchbruchs, 1911: Allerheiligen II, Öl auf Leinwand

Schöpferische Phase am Bauhaus

1922 wurde der Ausnahmekünstler ans Bauhaus geholt – die deutsche Designschule in (damals) Dessau. Dort durchlebte Kandinsky seine große schöpferische Phase. Laut seiner Frau Nina seien zwischen 1925 und 1933 289 Aquarelle und 259 Bilder entstanden. Jedes Blatt, jedes Bild sei dabei ein vollendetes Werk gewesen.

Am Bauhaus entwickelte er seine Theorien über Farbe und Form. Dabei sah er Farben nicht nur als optische Eindrücke an, sondern auch als Klänge. Deshalb glich er seine Bilder auch der Musik an, während er an eine „synästhetische“ Wahrnehmung glaubte. Für Kandinsky verkörperte jede Farbe also einen bestimmten Klang. Farbe und Form sollen beim Betrachter ähnliche Einwirkungen auf die Psyche haben, wie das Hören musikalischer Werke. Ähnlich wie bei Musikstücken teilte er seine Werke in „Improvisationen“, „Impressionen“ und „Kompositionen“ ein.

Wassily Kandinsky verlässt Deutschland

Nachdem das Bauhaus 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, emigrierte Kandinsky nach Frankreich. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod im Jahr 1944 weiter an seinen revolutionären Ansätzen in der Kunst.

Kandinskys Einfluss reicht weit über sein Lebenswerk hinaus. Als Lehrer hat er Generationen von jungen Künstlern inspiriert und beeinflusst. Seine Theorien zur Farbe und Form haben die Art und Weise verändert, wie wir heute über Kunst denken. Auf die dazwischenliegenden Stationen seines Lebens werde ich an anderer Stelle noch genauer eingehen.


Quellen:

  • arsmundi.de: „Der Blaue Reiter“ – Die Spitze des deutschen Expressionismus
  • bauhaus-entdecken.de: Wassily Kandinsky (1866 – 1944)
  • Hajo Düchting: Wassily Kandinsky, Verlag: Klinkhardt & Biermann
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Kunst & Architektur

Faszination Berta Fischer: Plastic at its best

Auf die Berliner Künstlerin Berta Fischer stieß ich, als ich in der Schirn-Ausstellung „Plastic World“ war. Ihr schwebendes Exponat, das den Namen Garmion trägt, starrte ich minutenlang und voller Begeisterung an, ohne dass es mir dabei langweilig wurde. Das Spiel mit dem Licht, das sich auf dem Boden der Kunsthalle in Form von kleinen bunten Lichtblicken widerspiegelte war ihr durch den mehrfarbigen, 3-dimensional geformten Kunststoff gelungen. Es war viel mehr, als ein Exponat – es war ein Erlebnis. Die hologrammartige Beschichtung, die Schwerelosigkeit, die scheinbare Geschmeidigkeit des offenbar harten Materials machte etwas mit mir.

Schirn Kunsthalle Frankfurt: Berta Fischers Raumkonstruktion „Garmion“ in der „Plastic World“-Ausstellung.

Wie macht Berta Fischer das?

In ihrer Arbeit verwendet Fischer vorwiegend Acrylglas, ein transparentes Kunststoffmaterial, das für die Schaffung leichter und farbenvielfältiger Skulpturen bekannt ist.

Die Künstlerin ist bekannt für ihre komplexen, großformatigen Raumkonstruktionen. Sie verwendet industriell gefertigte Acrylglas-Platten und formt sie mit Wärme zu skulpturalen Formen. Manchmal kombiniert sie verschiedene Arten des Materials. Einige beschichtet mit farbigem Film, andere lässt sie transparent oder bringt sie mit Hilfe von Bestrahlung selbst zum Leuchten, um ihre charakteristischen Lichteffekte zu erzielen.

Copyright: galeriebarbaraweiss.de

Neben ihrer Arbeit mit Acrylglas fasziniert Fischer auch mit Elementen wie Neonlichtschnüren und Folien. Die Ehre, hierauf ein Auge zu werfen hatte ich bislang jedoch nicht.

Einzigartige Kunst – einzigartige Frau

Viele ihrer Kunstwerke sind unbetitelt, was den Betrachtern mehr Raum für eigene Gedanken und Interpretationen lässt. Andere Werke tragen Titel wie „Nirix“ oder „Aedrus“. Berta Fischer erfindet diese Begriffe selbst und stellt durch Internetrecherchen sicher, dass ihre Fantasienamen – ebenso wie ihre Kunst – einzigartig sind.

Berta Fischer wurde 1973 in Düsseldorf geboren. Sie hat ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zwischen 1993 und 1998 absolviert und während ihrer Studienzeit im Jahr 1995 ein Praktikum bei Electronic Arts Intermix in New York agelegt. Im Folgejahr erhielt sie das Günther Schroff Stipendium der HFG in Karlsruhe. Nach dem Abschluss ihres Diploms im Jahr 1998 hat Fischer ihre künstlerische Laufbahn erfolgreich weiterverfolgt. Ihre Arbeit wurde durch das Kunstfonds-Stipendium aus Bonn im Jahr 2003 anerkannt. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.


Quellen:

  • gallerytalk.net: „Zwischen Raum und Zeit: Berta Fischer über Kunstkonsum, Atmosphäre und unbetitelte Werke“
  • artnet.de: „Berta Fischer“
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Kunst & Architektur

Ekstase der Farben: Der Blaue Reiter

„Der Blaue Reiter“ zerfickte meine Vorstellungen von Gut und Böse. Mit anderen Worten: Ich war nicht vorbereitet auf das, was auf mich im Münchner Lenbachhaus warten würde. Noch immer brennt mir der Vibrant der Farben in den Augen und ich sehne mich nach der Ausstellung schon fast, wie nach einem Schuss Heroin. Es war die beste Kunstausstellung meines Lebens. Glaub ich zumindest. Schon als ich den ersten Raum betrat, spürte ich deutlich mein schönes Russland in der Luft. Mich begrüßte Kandinskys frühe Phase – russische Landschaften und das einfache Leben in der heiligen Rus‘.

Frühes Gemälde von Kandiksky bei der Ausstellung "Der Blaue Reiter" im Lenbachhaus
Wassily Kandinsky (1866-1944) Zubrovsky Platz (1916), Öl auf Leinwand auf Karton.

„Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus München

Das Lenbachhaus in München ist, eigenen Angaben nach, Besitzer der weltweit größten Sammlung an Kunstwerken der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. Als eine der bedeutendsten Gruppen der modernen Kunst, prägte sie eine abstrakte Formensprache. Ihr zugehörig waren fantastische Künstler wie Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Franz Marc, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin. Ihr gemeinsamer Glaube an die „geistige“ Dimension der Kunst schuf vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. Die Theorie mit der Spiritualität im Bild habe ich (noch) nicht aufgreifen können, sie zu spüren bekam ich aber deutlich. Von der Kunst dieser Genies wurde ein Teil meiner Seele berührt, der sich schon lange nicht mehr regte.

Die Ausstellung führt ihre Besucher vom Entstehen erster Ölstudien Kandinskys und Münters über Murnauer Landschaftsbilder bis hin zu farbenprächtigen Gemälden wie „Blaues Pferd I“ und „Der Tiger“ von Franz Marc. Die erste Schau des Blauen Reiter fand im Winter 1911 in der Münchner Galerie Thannhauser statt. Dabei traten auch neue Künstlerfreunde wie August Macke und Heinrich Campendonk ins Rampenlicht. Natürlich durften auch sie nicht bei der Ausstellung im Lenbachhaus fehlen. Macke bescherte mir mit seinen Darstellungen Gänsehaut am ganzen Körper. Vor Kandinsky musste ich weinen – ich hatte nie einen Bezug zu seiner Kunst aber seit dem Tag im Lenbachhaus denke ich an nichts anderes mehr.

Kandinsky in die Fresse: Ich will noch ’ne Runde!

Besondere Höhepunkte waren die separaten Räume für die berühmten Riesengemälde Kandinskys. So viel Kandinsky-in-die-Fresse habe ich noch nie erlebt und hätte auch nie gedacht, dass er so süchtig machen könnte. Ich durchlebte alle Stadien der Emotionalität und musste am Ende feststellen, dass ich nun wahrscheinlich sein allegrößter Fan bin. Die Ausstellung im Lenbachhaus war mit der Ausstellung des „Blauen Reiters“ in Basel damals (oder?) bei Gott nicht zu vergleichen. Sie war mit nichts zu vergleichen. Nicht einmal mit der „Plastic World“, die ich in der Schirn zwei Mal besuchen musste, weil es mir so sehr gefiel. Obwohl die intensität des Farbenspiels dort ein entfernt ähnliches war.

Ein weiteres Kabinett im Lenbachhaus zeigte exklusive Arbeiten von Alexej von Jawlensky aus verschiedenen Schaffensphasen. Darunter befanden sich selten gezeigte Gemälde wie „Der Bucklige“ und „Sitzender Akt“. In weiteren Räumen mischten sich Jugendstilwerke mit Kandinskys Frühwerk sowie Kunstwerken von Gabriele Münter, August Macke, Franz Marc und Heinrich und Ada Campendonk.

„Der Blaue Reiter“: Jeder Raum mit Bedacht gewählt

In einem weiteren Abschnitt sind bekannte Werke wie „Der Tiger“ von Franz Marc oder August Mackes „Hutladen“ und „Türkisches Café“ zu sehen. Der große Oberlichtsaal präsentiert ausgewählte Arbeiten aus dem Nachexpressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Diese zwischen 1918 und den 1940er-Jahren entstandenen Werke deutscher und internationaler Künstler spiegeln eindrucksvoll die außergewöhnliche Vielfalt dieser Epoche wider.

Um es auf den Punkt zu bringen: Jeder Raum in der Lenbachhaus-Ausstellung „Der Blaue Reiter“ eröffnet ein neues Portal in eine Welt des Schönen und Wunderbaren – der außergewöhnlichen Farben und der abstrakten und weniger abstrakten Formen. Ich bin total verrückt nach dieser Künstlergruppe und wette, dass ich mir den „Blauen Reiter – eine neue Sprache“ (so der vollständige Name dieser Fantastik) noch weitere Male reinziehen werde. Ein Ablaufdatum dafür ist nicht auffindbar. Ich gehe davon aus, dass das nun zur Dauerausstellung gehört sicher bin ich mir allerdings nicht.

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Kunst & Architektur

Schirn: Eine meiner Lieblingsadressen in Frankfurt

Die Schirn Kunsthalle, ein bekanntes Ausstellungshaus in Frankfurt, feiert eine bemerkenswerte Geschichte nach ihrer Eröffnung im Jahr 1986. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie mehr als 200 Ausstellungen präsentiert und genießt sowohl national als auch international hohes Ansehen.

Ausstellungsraum der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt
Ausstellungsansicht „GILBERT & GEORGE. THE GREAT EXHIBITION“, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2021, Foto: Norbert Miguletz

Diese Kunsthalle in Frankfurt ist eine wahre Perle

Das Gebäude der Schirn wurde von dem Architekturbüro BJSS entworfen und gebaut. Die Halle selbst liegt im Herzen der Frankfurter Altstadt und bietet eine Gesamtausstellungsfläche von 2.000 Quadratmetern. Die markante fünfgeschossige Kunsthalle ist mit hellem Sandstein verkleidet und muss schon bald restauriert werden.

Der Name „Schirn“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „scranna“ ab, was einen offenen Verkaufsstand bedeutet. Dies bezieht sich auf die Geschichte des Standortes. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war hier nämlich das Zentrum der Altstadt mit den Verkaufsständen der Frankfurter Metzgerzunft.

Diese Museen haben mit der Frankfurter Schirn kooperiert

Seit ihrer Gründung hat die Schirn beeindruckende Partnerschaften mit weltbekannten Institutionen wie dem Centre Pompidou, der Tate Gallery, dem Guggenheim Museum, der Eremitage in Sankt Petersburg und dem Museum of Modern Art in New York aufgebaut. Sie organisiert thematisch ausgewählte Ausstellungen und Projekte zu einzelnen Künstlern, obwohl sie keine eigene Sammlung besitzt. Erfahre hier, welche Ausstellung mich bis jetzt am meisten fasziniert hat.

Rotunde der Schirn Kunsthalle Frankfurt, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

Kuratoren in der Schirn

In jüngerer Zeit hatte das Rennomierte Kunstmuseum einige herausragende Direktoren. Christoph Vitali leitete die Schirn von 1985 bis 1993 und etablierte sie als bedeutenden Ausstellungsort. Max Hollein übernahm im Oktober 2001 die Leitung und hat seitdem durch provokative Titel, außergewöhnliche Ausstellungen und verbesserte finanzielle Ausstattung die Besucherzahlen verdreifacht.

Seit 2022 ist Sebastian Baden der neue Direktor des Kunsthauses. Er ist ehemaliger Kurator für zeitgenössische Kunst, Skulptur und Neue Medien an der Kunsthalle Mannheim.


Titelbild: Außenansicht des Kunsthauses in Frankfurt © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2020, Foto: Norbert Miguletz

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Kunst & Architektur

Plastic World: Diese Ausstellung werde ich nie vergessen

Die Ausstellung „Plastic World“ fand ich so endgeil, dass ich da zwei Mal hinging. Ich weiß nicht, wie die Schirn Kunsthalle das macht, aber jedes Mal, wenn ich da bin, sehe ich nur Banger. Auch die aktuelle Ausstellung „The Culture“ ist fucking wild. Ich wünschte, ich könnte das vom Städel behaupten. Nicht falsch verstehen. Ich liebe das Städel über alles. Aber die Schirn überrascht jedes Mal aufs Neue mit einem klaren Konzept, einem Roten Faden, der sich durch die gesamte Kunstausstellung zieht und vor allem macht die Schirn in Frankfurt mir die moderne Kunst immer schmackhafter.

Das war das Konzept der Ausstellung „Plastic World“

Die Ausstellung befasste sich mit der Rolle von Kunststoffen in der bildenden Kunst. Sie bot einen umfassenden Überblick über die vielfältige Verwendung und Wahrnehmung von Plastikmaterialien im künstlerischen Kontext.

Plastik ist Fantastik

Plastik ist allgegenwärtig in unserem Leben. Es ist billig, nahezu überall erhältlich und spielt eine zentrale Rolle im heutigen Materialgebrauch. In den 1950er-Jahren symbolisierten synthetische Materialien den Geist des Massenkonsums und leiteten das sogenannte „Plastic Age“ ein. Einst als Symbol für Fortschritt und Modernität gepriesen, wird Plastik heute aufgrund seiner Umweltauswirkungen zunehmend kritisch gesehen.

Plastic World Ausstellung in der Schirn Kunsthalle
Junge, Otto Pienes‘ Anemones (An Air Aquarium) [1976] blies sich auf und fiel gleich in sich zusammen – in Endlosschleife.

Plastic World in der Schirn: Zwischen Hyperrealismus und Fantasie

„Plastic World“ zeigte die Entwicklung dieser Materialkultur mit über 100 Werken von rund 50 internationalen Künstlern. Die ausgestellten Objekte, Assemblagen (dreidimensionale künstlerische Kompositionen), Installationen und Filme spiegeln jeweils den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit wider. Es war wirklich geil.

Die Auswahl der Werke spiegelt die Vielseitigkeit dieser Materialien wider – sie reichen von verblüffend realistischen Nachahmungen der Natur bis hin zu völlig freien Formschöpfungen. 

John de Andrea, Woman Leaning Against Wall (1978): Polyester-Polyvinyl, bemalt in Ölgrisaille. So hyperrealistisch, dass ich kurz zögerte, ihr auf die Brüste zu starren.
Mein absoluter Liebling: Garmion von Berta Fischer (2020?).

„Plastic World“ bot mir viel ästhetisches Vergnügen. Die Farben, Formen und Materialien und auch die vielfältige und kreative räumliche Zusammenstellung der Exponate empfand ich als sehr gelungen und staunte wie ein Kind. Zwei Mal. Erfahre hier, wo ich mich endgültig in die Gegenwartskunst verliebte.


Quellen:

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Beauty

Crackle-Nagellack: Das Comeback des Jahres

Der Crackle-Nagellack ist zurück: Ich erinnere mich an eine Zeit von vor über 12 (?) Jahren: Damals entdeckte ich einen hellgelben Nagellack für satte 17 Euro, der eine sogenannte Crackle-Optik zaubern konnte. Ich war wahnsinnig gespannt, ob es tatsächlich funktionieren würde und kaufte ihn sofort. Der Zauberlack und ich verließen den Shop, gingen nach Hause und Abrakadabra – es hatte tatsächlich funktioniert. Denn als ich den Lack auf den Schwarzen Basis-Nagellack auftrug, schienen die Farbpartikel über mein Nagelbett zu schwimmen und zu unterschiedlichen Grüppchen zusammenzutun. 

Schockverliebt feierte ich diesen Trend. Kurze zeit später würde es die Lacke auch in verschiedenen Drogeriemärkten geben – in allen erdenklichen Farben und das auch noch für einen Bruchteil des Preises, den ich bezahlt hatte. Eine ganze Crackle-Ära wurde geboren. 

Nach langen, traurigen Jahren, in denen der Crackle-Nagellack nicht im Mainstream-Handel zu finden war, kommt 2024 die große Überraschung: Der coole Nagellacktrend ist wieder zurück. Essence (unbezahlte Werbung) hat ihn schon in die Verkaufsaussteller geballert. Zwar nur in der Farbe schwarz – aber er erfüllt seinen Zweck. 

Wie funktioniert der Crackle-Zauber?

Crackle-Nagellack besteht aus Stoffen, die nicht vollständig kompatibel sind. Beim Trocknen stoßen sie sich voneinander ab. Dadurch trocknet dieser Zauber-Topcoat nicht gleichmäßig, sondern zerreißt sofort nach dem Auftragen in mehrere Felder. Die dabei entstehenden Risse sind immer ein absolutes Unikat und geben den Blick auf den andersfarbigen Unterlack frei. Bei meiner Variante habe ich mich für einen Hologramm-Nagellack entschieden. Geplant war eigentlich, die Nägel so zu lassen. Aber da man bei dem Nagellack, den ich verwendete, den Hologramm-Effekt nur aus nächster Nähe sah und er mir von weiter weg eher dezent und langweilig erschien, dachte ich mir: „Scheiß drauf, ich geh’ all in.“ 

Der durch mein „gewagtes Experiment“ entstandene Look gefällt mir mega gut und kann meine Augen kaum von meinen Nägeln abwenden. Die Kombinationsmöglichkeiten solcher – wie sie ebenfalls genannt werden – „Crackling Nagellacken“ und den jeweiligen Unterlacken sind wahrscheinlich unendlich.

Plot twist: Am nächsten Tag war der unten platzierte Hologramm-Nagellack am Arsch. Ich hasse die Qualität von Essence.

Das ist beim Auftragen des Crackle-Nagellacks schief gegangen

Ich hatte total vergessen, dass der Crackle-Nagellack sich nur schwer in einzelne Felder auftragen kann, wen man zu viel davon aufträgt. Jetzt hab ich den überwiegend schwarzen Salat am rechten kleinen Finger (sieht man nicht auf dem Bild). 

Je dünner du den Crackle-Nagellack aufträgst, stärker fallen die Risse aus und umso mehr ist vom Unterlack sichtbar. Je dicker die Crackling-Nagellack-Schicht ist, desto weniger und dünner sind auch die Risse.

Tipps für deine Maniküre: So gelingt der Crackle-Nagellack-Look

Der Lack ist empfindlich und neigt dazu, abzublättern. Daher lohnt sich in jedem Fall ein Finish mit einem hochwertigen transparenten Topcoat. Erfahre hier, welcher Nagellacktrend 2024 noch einfacher, aber mindestens gleich cool ist.

Sobald dein Unterlack vollständig getrocknet ist, kannst du mit dem Auftragen des Crackling Nagellacks beginnen. Da er schnell trocknet, solltest du ihn zügig mit schnellen Pinselstrichen auftragen. Kurz nach dem Auftragen wirst du die ersten Risse im Lack sehen, allerdings benötigt er, wie jeder Nagellack, einige Minuten, um vollständig durchzutrocknen. Erst wenn alle Nägel trocken sind, und sich die Farbfelder nicht mehr bewegen, ballerst du den alles abschließenden Topcoat oben drauf. Viel Spaß beim Ausprobieren. 


Quellen:

  • Selbstexperiment
  • helpster.de: „Wie funktioniert Crackling Nagellack und wie wende ich ihn an?“
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Kunst & Architektur

Was hatte Basquiat mit HipHop zu tun?

Jean-Michel Basquiat, geboren am 22. Dezember 1960 in New York City, wo er auch am 12. August 1988 verstarb, etablierte sich als eine prägende Figur der Kunstszene als Maler und Zeichner. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er als einer der ersten afroamerikanischen Künstler in der überwiegend weißen Kunstgemeinschaft Anerkennung fand. Obwohl häufig als Graffitikünstler klassifiziert, verneinte Basquiat diese Zuschreibung entschieden und betonte seine Unabhängigkeit von dieser Kunstform. Bis in die Gegenwart sorgt Basquiat mit seinem künstlerischen Erbe für Diskussionen über seine Bedeutung und Position in der Kunstgeschichte.

Jean-Michel Basquiat und Gaffiti

In den pulsierenden Straßen New Yorks der 1970er Jahre waren geprägt von Kriminalität, Korruption und einer neuen Hoffnung, die sich am Horizont abzeichnete. In diesem Umfeld der unbegrenzten Möglichkeiten begann sich eine neue Subkultur zu formen: HipHop. Da Grafitti zu seinen vier charakteristischen Elemente gehörte, begann auch diese Art der Kultur ihre Wurzeln zu schlagen. Anfangs als Vandalismus abgetan, etablierte sich Graffiti bald als eine anerkannte Kunstform, die sich in der ganzen Stadt verbreitete. In dieser blühenden Kultur tauchten auch die ersten bekannten Namen mit ihren charakteristischen Werken auf. Die individuelle Handschrift jedes Künstlers wurde zur Visitenkarte seiner Identität.

Erfahre hier mehr zur Hip-Hop-Ausstellung „The Culture“ in der Schirn. Spoiler-Alarm: Dort hängt das Lester Young Gemälde von Basquiat.

Unter diesen Künstlern stach Jean-Michel Basquiat hervor, der unter dem Pseudonym „SAMO“ rätselhafte und philosophische Tags hinterließ. Er fand schon früh seine Leidenschaft für das kreative Ausdrucksmedium. Zusammen mit seiner Mutter, die ihn oft zu Museumsbesuchen mitnahm, entdeckte er seine Liebe zur Kunst. Diese frühen Einflüsse inspirierten Basquiat zu seinen ersten künstlerischen Werken.

September 27, 2019, London, UK: London, UK. Technicians hold Jean-Michel Basquiat s artwork titled Pyro during the preview of Sotheby s Frieze Week Contemporary Art Sale. The auction will take place on 3rd October 2019. London UK PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAl94 20190927zafl94019 Copyright: xDinendraxHariax
Jean-Michael-Basquiat, Pyro (1984) / Copyright: IMAGO/xDinendraxHariax

Basquiats erste Werke als „SAMO“

Die Eltern trennten sich – die Mutter kam in eine Psychiatrie. Das schwierige Familienverhältnis machte aus Basquiat einen Rebellen. Sein Verhalten führte zu Konflikten und ihn schließlich zur „City-as-School High School“. Dort traf er auf Al Diaz, mit dem er nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch das Konzept von „SAMO“ entwickelte. Ursprünglich war der Name ein Insider-Witz, der sich auf ihre gemeinsamen Aktivitäten bezog. Nämlich kiffen und chillen – „same old shit“. Dann wurde „SAMO“ zu einem Symbol ihrer kritischen Haltung. Ihre Botschaften, mal humorvoll, mal bizarr, wurden bald in ganz New York, besonders in der Graffiti-Szene, bekannt.

Jean-Michels Durchbruch kam unerwartet auf der „Canal Zone Party“, wo er die Anwesenden mit einem „SAMO“-Tag überraschte und damit den Beginn seiner Karriere markierte. Mit 18 Jahren verließ er das Elternhaus, um sich ganz der Kunst zu widmen. Trotz seiner wachsenden Bekanntheit kämpfte Basquiat mit gesellschaftlichen Diskriminierungen. Seine Werke reflektierten zunehmend soziopolitische Themen wie Polizeigewalt, Rassismus und die Kritik an der elitären Kunstszene.

Basquiat: Eyes and Eggs
Basquiat, Eyes and Eggs (1983): Ich war schockverliebt, als ich dieses Kunstwerk sah. Deshalb hing es lange Jahre als Kunstdruck in meinem Zimmer. Copyright: IMAGO / Norbert Schmidt

Jean-Michel Basquiat versucht sich in der Musik

The Culture: Hip-Hop Ausstellung in der Schirn Kunsthalle. Bild von Basquiat
Rammellzee und K-Rob, mit Jean-Michel Basquiat, Beat Bop / Test Pressing, 1983, Nachdruck 2001, Vinylplatte, 31,1 × 31,1 cm, The Museum of Modern Art, New York. Commitee on Prints and Illustrated Books Fund, 2013, © Rammellzee Estate. Digitales Bild © The Museum of Modern Art/Lizenziert von SCALA / Art Resource, NY

Jean-Michel Basquiat erweiterte seine künstlerische Tätigkeit auf die Musik, indem er 1983 einen Rap-Track produzierte. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber seinem Text, ermöglichte Basquiat den Künstlern Rammellzee und K-Rob, ihre eigene Vision umzusetzen, was zum unkonventionellen Track „Beat Bop“ führte. Dieser Schritt verstärkte seinen Einfluss und seine Bekanntheit in der HipHop-Kultur.

Rammellzee vs. K-Rob - Beat Bop

Basquiats Beitrag zur HipHop-Kultur und seine Identifikation mit dieser Bewegung unterstreichen seine Bedeutung als Bindeglied zwischen visueller Kunst und Musik. Sein Streben nach Anerkennung und Authentizität in seiner Kunst machten ihn zu einer Schlüsselfigur, die nicht nur in der Graffiti-Szene, sondern auch in der breiteren kulturellen Landschaft New Yorks und darüber hinaus eine nachhaltige Wirkung hinterließ.

Jean-Michel Basquiat starb im Alter von 27 Jahren in seinem Loft in der Great Jones Street. Im Autopsiebericht des leitenden Untersuchungsarzts des Manhattan Mortuary wird als Todesursache eine „akute Vergiftung durch verschiedene Drogen“ angegeben. Er entwickelte in seinen letzten Lebensjahren eine akute Heroinabhängigkeit. Persönlich verliebte ich mich in Basquiat, als ich vor einigen Jahren in seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler war. Seine Kunst geht direkt ins Herz.


Quelle:

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Kunst & Architektur

Wild as f*ck: Hip-Hop-Ausstellung in der Schirn

Es war voll, es war laut, es war Frankfurt an einem Mittwoch. Die Ausstellung „The Culture“ in der Schirn Kunsthalle eröffnete mit einer wilden Hip-Hop-Party. DJs traten auf, unzählige Leute tanzten zur Musik und ich war mitten drin. Und das Wichtigste: Ich sah jede Menge Kunst von schwarzen Künstlerinnen und Künstlern. Ihre Werke sind nicht nur unfassbar kreativ, sondern drücken ihre Kultur in einer kraftvollen künstlerischen Sprache aus.

Party in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Ausstellungseröffnung
So voll habe ich die Schirn noch nie erlebt – auch wenn sie praktisch immer voll ist.

Kultur HipHop: „The Culture“ in der Schirn-Kunsthalle

Die Ausstellung „The Culture“ in der Schirn widmet sich der bedeutenden Rolle des Hip-Hop in der zeitgenössischen Kunst und Kultur. Sie zeigt Exponate wie etwa Kunstwerke und Mode, die die Verbindung von Hip-Hop zur Pop-Kultur und seine soziale Relevanz verdeutlichen. Besuchen kannst du die Ausstellung noch bis zum 26. Mai 2024.

The Culture: Hiphop-Ausstellung in der Schirn
Mein absolutes Lieblingswerk – hierbei handelt es sich um einen Tintenstrahldruck von Deana Lawson: „Nation“ aus dem Jahr 2018. Die mit Bedacht platzierten Metallelemente in der Bildszene deuten auf die Geschichte der Metallverarbeitung in der afrikanischen Diaspora. Ich liebe es einfach.

Die Geburtsstunde des HipHop

Die Hip-Hop-Kultur, inklusive Rappen, DJing, Breakdance und Graffiti, hat weltweit Bekanntheit und Erfolg erlangt. Ursprünglich eine kleine Subkultur aus der Bronx in New York, erobert Hip-Hop im Sturm die Welt.

Im August 1973, inmitten des finanziellen und sozialen Untergangs der Bronx, führte DJ Kool Herc, ein Sohn jamaikanischer Einwanderer, in einer Blockparty eine innovative Technik vor. Er verlängerte Instrumentalabschnitte von Funk- und Soulsongs durch manuelles Loopen und Samplen mit zwei Plattenspielern und einem Mischpult. Um es kurz zu machen: Der HipHop wurde geboren. Schnell entwickelte sich eine kraftvolle Bewegung, die die gesellschaftlichen Strukturen kritisierte und neue Perspektiven zur Darstellung diasporischer Erfahrungen bot.

Auch Jean-Michael Basquiat dabei

Die Sonderausstellung in der Schirn präsentiert über 100 Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler der letzten 20 Jahre. Die Kunsthalle wirbt mit Namen wie Lauren Halsey, Julie Mehretu und Virgil Abloh. Ich jedoch kannte von ihnen nur den großartigen Jean-Michel Basquiat.

Die Kuratoren der Schirn sehen HipHop als einen neuen Kanon. Er soll die westliche kunsthistorische Tradition herausfordern und alternative Ideale von künstlerischer Qualität und Exzellenz vertreten. Die Ausstellung setzt sich mit der visuellen Kultur des HipHop auseinander und zeigt dessen Einfluss auf Malerei, Mode, Architektur und Technologie.

Besondersders ergriffen haben mich zwei Gemälde von Monica Ikegwu. Darauf war eine junge Frau in roter Jacke abgebildet. Die Technik und die Umsetzung erinnerte mich an Idowu Oluwaseun, dessen künstlerisches Schaffen ich wenige Tage zuvor auf der art Karlsruhe sah. Zwar würde er thematisch nicht in die Hip-Hop-Ausstellung passen, trägt mit seiner Kunst jedoch ebenfalls zur Repräsentation schwarzer Kultur bei.

THE CULTURE. Hip-Hop und zeitgenössische Kunst im 21. Jahrhundert, Ausstellungsansicht, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Emily Piwowar / NÓI Crew
Monica Ikegwu – Open/Closed, 2021, Öl auf Leinwand, je 121,9 × 91,4 cm | THE CULTURE. Hip-Hop und zeitgenössische Kunst im 21. Jahrhundert, Ausstellungsansicht, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Emily Piwowar / NÓI Crew

Quellen:

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