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Kunst & Architektur Reisen

Zwei Nächte in München: Das habe ich getrieben

Meine Zeit in München war im Großen und Ganzen schön. Dort angekommen stürmte ich sofort in die Alte Pinakothek. Auch wenn meine Begleitung versuchte, das renommierte Kunsthaus schlecht zu reden, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Pinakothek eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt ist. Sie beherbergt eine umfangreiche Sammlung europäischer Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Auch zeichnet sich das Museum durch seine beeindruckende Architektur aus. Die Alte Pinakothek ist nicht nur ein Ort der Kunstgeschichte, sondern auch ein kulturelles Wahrzeichen Münchens, das ich niemals NIEMALS verpassen würde.

Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und einer Heiligen (1500-1505). Dieses Gemälde kenne ich seit über 20 Jahren, erstmals gesehen habe ich es in der Sonderausstellung der Alten Pinakothek.

Sonderausstellung in der Alten Pinakothek München

In der Alten Pinakothek erwischte ich auch den vorletzten Tag der Sonderausstellung „Venezia 500“. Sie bezog sich insbesondere auf die Malerei während der Renaissance. Dabei wurden 15 Werke aus der Münchner Sammlung sowie etwa 70 Leihgaben aus internationalen Kunsthäusern gezeigt. Es war eine wirklich sagenhafte Ausstellung. Da ich unersättlich und verwöhnt bin, hätte ich mir mehr Bellini gewünscht – ganz egal ob Jacopo, Gentile oder Giovanni Bellini.

Im Museumsshop der Alten Pinakothek angekommen lauteten meine Worte: „Ich kauf’ hier safe nichts. Gar kein Bock, heute den ganzen Abend lang da so ne scheiß Tüte mitzuschleppen.“ Etwa 25 Sekunden später stand ich da – das Riesenbuch von Hans Baldung mit seiner frivolen Madonna auf dem Titel fest umschlossen.

Spaß in München: So schön war’s

Wenig später traf ich mich mit einer Kollegin und einem Kollegen aus der Münchner Redaktion. Ein Vibe die zwei. Habe es sehr genossen, sie wiederzusehen. Beide sind extrem lustig, gut gelaunt und intelligent. Ihre Geschichten und seine dazu passenden Witze sind eine fatale Kombination. In dem Restaurant, in dem wir saßen, lachte ich natürlich am lautesten und hatte wahrscheinlich auch den größten Spaß.

Viel zu früh ging ich ins Bett und machte mich am nächsten Tag auf den Weg in die Münchner Residenz. Die pompösen Zimmer des Schlosses und das großzügig verteilte Gold darin haben ihren Eindruck hinterlassen. Es gab ziemlich viel zu sehen. Schimmernd und funkelnd wurde es ebenfalls. Erfahre hier, ob sich der beinahe-wuchere Ticketpreis für die Residenz in München lohnt.

München: Rotes Zimmer in der Residenz
An Üppigkeit ist die Münchner Residenz wohl kaum zu überbieten. Eine schöne Erfahrung, die mich eine Menge Geld gekostet hat.

Die Münchener Nächte sind anders wild

Dann wurde der Abend richtig spicy. Ich traf mich mit der gleichen Kollegin wie am Vorabend und einer weiteren Granate aus der Redaktion in München. Eigentlich wollten wir einfach nur eine Stunde unterwegs sein. Zwei Bars und mehrere Lachanfälle später landeten wir – eine im Dirndl, eine im Engelskostüm, eine im Feenkostüm – bei einer der beiden Granaten daheim. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist die Münchner Redaktion am nächsten Morgen. Dann fuhr ich wieder schweren Herzens und Kopfes nach Frankfurt.

Was mir bei dieser Reise in die bayerische Landeshauptstadt auffiel, waren die Menschen. Sie sind schön, weitaus besser angezogen als in den anderen Städten, in denen ich bisher gelebt habe; sie sind sexy, sie flirten ständig und sie können sich benehmen. Einfach angenehm. Darüber hinaus ist München extrem sauber und ist für mich allumfassend die schönste Stadt Deutschlands. Frankfurt liebe ich aber natürlich auch. Keine Frage.

Bei einem vormaligen Besuch in München legte ich noch einen großen, nächtlichen Spaziergang durch die Innenstadt ein. Zu diesem Zeitpunkt herrschte noch der Sommer über die Straßen der Stadt. Ich werde diese Nächte niemals vergessen. 

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Kunst & Architektur

Lohnt sich die Münchner Residenz?

Die Münchner Residenz: Einst war sie der Sitz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Haus Wittelsbach – von 1508 bis 1918. Heute ist die Residenz im Münchener Bezirk Altstadt-Lehel ein einzigartiges Baudenkmal. Immerhin ist sie das größte Stadtschloss Deutschlands, das jedes Jahr Tausende Besucher aus aller Welt anzieht. So auch mich.

Das asoziale an der ganzen Sache war der Preis. Als Pressevertreterin zahle ich nicht, wenn ich über städtische oder kulturelle Einrichtungen schreibe. Da aber mein Presseausweis zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zu mir war, wurde ich zur Kasse gebeten. Der nicht-so-ganz-charmante Kassier zockte mir 20 Euro ab. 20 verschissene Euro. Nun stellt sich die Frage: Lohnt sich die Münchner Residenz für 20 verschissene Euro? Let’s go.

Die Münchner Residenz, ein Juwel inmitten der bayerischen Hauptstadt München, zählt zu den größten Stadtpalästen Europas und ist ein unverzichtbares Ziel für Kultur- und Geschichtsinteressierte aus aller Welt. Dieser prachtvolle Palast, der einst die Residenz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige war, öffnet heute seine Pforten für Besucher, die in die faszinierende Welt der bayerischen Geschichte und Kultur eintauchen möchten.
Wenn ich mich recht entsinne, war das das Arbeitszimmer des Königs. Nagel mich aber nicht darauf fest.

Münchener Residenz: Auch sie war mal klein

Über vier Jahrhunderte hinweg haben renommierte Architekten das Erscheinungsbild der Residenz geprägt. Am Werk waren Friedrich Sustris, Joseph Effner, François de Cuvilliés d. Ä. und Leo von Klenze. Der Wandel vom schlichten Wehrbau zur monumentalen Vierflügelanlage spiegelt dabei verschiedenste Baustile wider. Von der Renaissance über Barock und Rokoko bis hin zum Klassizismus ist jeder Stil vertreten.

Die eindrucksvolle Anlage besteht aus vier Hauptbauten: dem Festsaalbau an der Hofgartenstraße, dem Apothekenbau am Marstallplatz, dem Königsbau am Max-Joseph-Platz und dem Maximiliansbau an der Residenzstraße. Auch das Cuvilliés-Theater, die Allerheiligen-Hofkirche sowie der Hofgarten und der Marstall gehören zum Ensemble.

40.000 Quardarmeter Grundfläche

Zu den Zeiten des Zweiten Weltkriegs wurde die Münchner Residenz stark beschädigt. Doch dank der Arbeit des Architekten Otto Meitinger konnte sie wieder in ihrer ganzen Pracht aufgebaut werden.

Heute beeindruckt die Münchner Residenz nicht nur durch ihre Größe von mehr als 40.000 Quadratmetern Grundfläche. Sie beherbergt auch eines der bedeutendsten Schlossmuseen Europas mit über 150 Schauräumen. Ihre Besucher können sich auf eine Zeitreise durch verschiedene Epochen begeben und dabei zahlreiche Kunstschätze bewundern.

Die Residenz München, gelegen im Herzen der Stadt, nahe dem Odeonsplatz, erstreckt sich über ein beeindruckendes Areal und fasziniert mit ihrer architektonischen Vielfalt, die von der Renaissance über den Barock und das Rokoko bis hin zum Klassizismus reicht. Besucher können durch eine Vielzahl von Räumen wandeln, darunter prunkvolle Festsäle, intime Appartements und beeindruckende Hofgärten, die alle ihre eigene Geschichte erzählen und einen Einblick in das Leben der bayerischen Monarchie bieten.
Schöne Deckenmalereien im Schlafzimmer der Herzogin. Da würde ich auch gerne mal drin… schlafen.

Die Geschichte der Münchner Residenz

Die Münchner Residenz ist mehr als nur ein architektonisches Meisterwerk. Sie ist auch ein historischer Ort, der bereits vor Jahrtausenden von Menschen genutzt wurde. Bei archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2014 stießen die Forscher direkt auf ein fast unversehrtes Grab aus der spätbronzezeitlichen Epoche. Der genaue Fundort war unterhalb des Apothekenhofes.

Die Residenz begann ihre Geschichte im 14. Jahrhundert als Neuveste (eine gotische Wasserburg). Damals war sie von der Stadt aus nur über eine befestigte Brücke erreichbar. Mit der Zeit verlor die Burg ihren Verteidigungscharakter und wurde zum herzoglichen Wohnsitz. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte und erweiterte sich die Neuveste. Ein Großteil dieser Veränderungen fand im 16. und 17. Jahrhundert statt. Unter Herzog Wilhelm IV. löste die Neuveste den Alten Hof als herzoglichen Wohnsitz ab und wurde zur neuzeitlichen Residenz.

Ein Leben im Überfluss – wie sich das wohl anfühlt? Man beachte die überaus aufwendigen Parkettarbeiten.

Münchner Residenz: Mehr als 150 Schauräume

Im 19. Jahrhundert fanden weitere bedeutende bauliche Veränderungen statt. Insbesondere König Ludwig I. veranlasste größere Ausbauarbeiten. Leo von Klenze errichtete Flügel des Königsbaus und des Festsaalbaus sowie der Allerheiligen-Hofkirche im klassizistischen Stil. Stehen wir vor der Residenz, blickt auf uns ein schöner Stil-Mix herab, der im ersten Moment relativ schwer zuzuordnen ist.

Heute zeigt das Residenzmuseum mehr als 150 Schauräume, darunter prunkvolle Säle, repräsentative Wohnräume und wertvolle Kunstschätze. Eines der Highlights ist das Antiquarium, der größte Renaissancesaal nördlich der Alpen, der im Erdgeschoss des Gebäudes platziert ist. In den 20-Euro-Ticketpreis mit einbegriffen sind auch die Porzellansammlungen, Miniaturgemälde, die Schatzkammer und das Cuvilliés-Theater.

Antiquarium in der Münchener Residenz
Das Antiquarium in der Münchener Residenz – einfach unvergesslich.

Die Münchner Residenz bietet also einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit. Von den Anfängen als mittelalterliche Burg bis hin zu ihrer Entwicklung zu einem der größten Stadtpaläste. Mein Gefühl sagt mir, dass sich der Eintritt für 20 Tacken lohnt. Ich konnte bei Weitem nicht alle Teile des Schlosses bestaunen. Erfahre hier, was ich sonst noch in München getrieben habe.

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Kunst & Architektur

Hat Martin Schaffner von Dürer abgekupfert?

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige ist ein zentrales Thema des Neuen Testaments. Künstler des Spätmittelalters stellten diese Thematik oft auf Flügelaltären dar. Und das sowohl in geschnitzter als auch in gemalter Form. Die vorliegende Szene von Martin Schaffner zeigt die Weisen aus dem Orient, die Gott in der Welt erscheinen und ihn anbeten.

Martin Schaffner: Das bildet die „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ ab

Die Darstellung selbst ist reich an Details. In der Szene sitzt das Christuskind auf dem Schoß Marias. Sie trägt ein edles Kleid aus Goldbrokat und einen blauen Mantel. Der älteste König, kniend, hat sein Geschenk, eine Deckeldose mit Kugelfüßen, abgestellt und verehrt das Kind mit gefalteten Händen. Der – Gott vergib mir, aber so ist die biblische und kunsthistorische Sprache nun Mal – „Mohrenkönig“ öffnet einen Deckelpokal, während der dritte König, einen Buckelpokal haltend, sein Barett lüftet.

Im Hintergrund ist der Nährvater Joseph zu sehen. Ihn umgeben Ochse und Esel in einem Stall, der als herrschaftliche Ruine im Renaissancestil dargestellt ist.

Martin Schaffners Gemälde "Die Heiligen Drei Könige"
Martin Schaffner (um 1477/78-1547) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg: „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ (um 1512/1514). Höhe 78,8 cm; Breite 86,2 cm

Offenbar durch Albrecht Dürer inspiriert

Auffällig ist, dass die Architektur und die Figuren durch Albrecht Dürers Holzschnitte inspiriert wurden, insbesondere durch den Holzschnitt B.87 aus dem „Marienleben“, der dem gleichen Thema gewidmet ist. Martin Schaffner entnahm auch Elemente aus Dürers Holzschnitt der Geburt Christi (B.85), speziell das innere schräge Bretterdach vor dem Rundbogen.

Die Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige signierte Martin Schaffner sogar. Sie weckte schon früh das Interesse von Kennern. Diese Tafel ist ein gutes Beispiel der Verbindung verschiedener Kunstformen und der Bedeutung religiöser Darstellungen in der spätmittelalterlichen Kunst.

Martin Schaffner: Wer ist dieser Typ überhaupt?

Die genauen Geburts- und Sterbedaten von Schaffner sowie Details über seine Ausbildung sind nicht bekannt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Bartholomäus Zeitblom, ein Künstler seiner Zeit, sein Lehrer war. Schaffner wird erstmals 1499 als Maler in der Werkstatt von Jörg Stocker in Ulm erwähnt. Er hat seinen Namen auf dem Ennetacher Altar hinterlassen, ein Kunstwerk, das von Stocker geschaffen wurde.

Später wechselte Schaffner zu einer anderen Werkstatt in Ulm und arbeitete schließlich in Augsburg mit Hans Holbein dem Älteren (ich liebe diesen sexy Motherfucker) zusammen. Sein eigener Stil wurde sowohl von Holbein als auch von Albrecht Dürer und Hans Burgkmair beeinflusst. Ab 1510 zeigen Schaffners Bilder eine klare Perspektive, die Figuren erscheinen räumlicher und die Farben sind harmonisch abgestimmt. Seine Kunst orientierte sich an der italienischen Renaissance und brach mit der traditionellen, regionalen Malweise in Ulm.

1526 wird Schaffner in einem Dokument als Stadtmaler von Ulm bezeichnet. Während einer wichtigen Abstimmung im November 1530 in Ulm stimmte er gegen die Einführung der Reformation. Infolgedessen erhielt er in dem nun protestantischen Ulm nur noch wenige Aufträge. Die letzten ihm sicher zugeschriebenen Werke datieren aus dem Jahr 1535. Er muss jedoch noch mindestens bis 1546 gelebt haben, da sein Name in einer offiziellen Liste aus diesem Jahr erscheint.

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Kunst & Architektur

Für diese Kirche lohnt sich ein Trip nach Hessen

Die Erlöserkirche in Bad Homburg vor der Höhe – als ich sie betrat, blieb mein Herz stehen. Mein Plan war es nicht, in der hessischen Kurstadt dermaßen überwältigt zu werden. Ich wollte in Bad Homburg doch nur etwas herumlungern. Aber die Erlöserkirche ergriff mich und ließ mich staunen wie ein Kind. Farbwahl, Mosaikarbeiten, Decken- und Glasmalereien. All das hat mich zutiefst berührt.

Außenansicht der Bad Homburger Erlöserkirche
Das ist die Außenansicht der Erlöserkirche. So weit, so klar. Wart‘ ab, was innen auf dich wartet.

Evangelische Erlöserkirche in Bad Homburg

Die Bad Homburger Erlöserkirche stellt ein beeindruckendes Musterbeispiel der wilhelminischen Neuromanik dar, geprägt durch Jugendstilelemente. In ihrer Architektur verbindet sie die Vision eines christlichen Kaiserreichs. Wobei sie im Innenraum Elemente der sizilianischen Romanik und außen Merkmale der deutschen Hochromanik aufweist. So heißt es zumindest bei Wikipedia. Als ich die vier Türme von weitem Sah, dachte ich: Frühgotik. Dann kam ich näher und verstand, dass da etwas nicht stimmen kann. Die Kirche ist nämlich anders als andere frühgotische Bauwerke, die ich kenne.

„Franz Schwechten hat die Kirchen 1903-1908 nach Plänen von Max Spitta erbaut.“ Als ich dieses Schild an der Außenfassade las, wurde mir klar, dass dieses üppige Stück „moderner“ Architektur etwas besonderes ist. (Alles was nach dem 18. JH gebaut wurde, ist für mich „modern“.) Der erste Blick nach innen enttäuschte nicht. Mich umgab sogleich eine mystische Atmosphäre, die durch die Innenarchitektur gestützt wurde.

Hier habe ich die Evangelische Erlöserkirche gerade betreten
Gold in die Fresse: Mein Lieblingseffekt in Gotteshäusern. Alles güldene, was du hier siehst, besteht aus kleinen Mosaiksteinchen.

Außenarchitektur: Das macht die Kirche so besonders

Die Erlöserkirche präsentiert sich als eine Basilika mit vier Türmen und kreuzförmigem Grundriss, ausgestattet mit Emporen. Ihre Blendarkadenfriese und Lisenen sowie der hohe, doppeltürige Portalbogen mit Tympanon zeugen von ihrem repräsentativen Charakter. What? Ok, noch mal auf deutsch: „Blendarkadenfriese“ bezieht sich auf eine Reihe von Blendbögen, die als dekoratives Element in der Fassade eingebaut sind, aber keine strukturelle Funktion haben.

„Lisenen“ sind vertikale Streifen oder leistenförmige Vorlagen an der Wand, die der Struktur ein gerahmtes, strukturiertes Aussehen verleihen. Der „hohe, doppeltürige Portalbogen mit Tympanon“ ist ein weiteres markantes Element: Es handelt sich um einen großen, bogenförmigen Eingang, der aus zwei Türen besteht. Dieser wird von einem Tympanon überdacht; einem dekorativen Flächenstück, oft mit Skulpturen oder Reliefs verziert. Diese Elemente zusammen demonstrieren den prachtvollen und eindrucksvollen Charakter des Bauwerks.

Ich war schon hier starr vor Freude. Dieser Detailreichtum ist einfach anders wild.

Innenarchitektur der Evangelischen Erlöserkirche

Das äußere Erscheinungsbild des sakralen Bauwerks ähnelt den Kathedralen im Rheinland, besonders dem Dom in Speyer, einem bedeutenden Beispiel mittelalterlicher Architektur. Im Innenraum jedoch zeigt sich durch die Gestaltung und die reichhaltigen Goldgrundmosaiken ein starker Einfluss der Kirchenarchitektur Siziliens. „Goldgrundmosaike“ sind Kunstwerke aus kleinen, oft golden schimmernden Steinchen, die zusammen komplexe Bilder oder Muster bilden. Diese Mosaike sind typisch für byzantinische Kirchen und prägen den Innenraum mit ihrer Pracht.

Die Ikonografie, also die bildliche Darstellung in der Kirche, führt die Tradition der sogenannten Kaiserdome des Heiligen Römischen Reiches fort. Diese Dombauten waren Ausdruck der Macht und des Glaubens des Kaiserreichs.

Innenarchitektur: Jesus, Mosaike und Co.

Die Struktur des Gebäudes als Zentralbau spiegelt die neuesten Trends und Diskussionen im evangelischen Kirchenbau des späten 19. Jahrhunderts wider. Die Innenausstattung kombiniert Elemente der byzantinischen Baukunst. Diese sind durch durch opulente Mosaike und großflächige Dekorationen gekennzeichnet. Auch gibt es Elemente des Jugendstils.

Das Bildprogramm der Kirche dreht sich zentral um die Figur Christi. Diese Front in Pantokrator-Mosaik der Apsiswölbung. Das Erlöserthema wird natürlich auch durch den Nachdem der Kirche zum Ausdruck gebracht. Ein „Pantokrator-Mosaik“ ist ein typisches Bildmotiv in christlichen Kirchen, das Christus als allmächtigen Herrscher darstellt. Oft findet man solche Darstellungen in einer Kuppel oder Apsis. Dieses zentrale Thema wird auch im Motiv des Lebensrades aufgegriffen, das in der Kuppel der Kirche zu finden ist und den zyklischen Charakter des Lebens und der Erlösung symbolisiert.

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Kunst & Architektur Reisen

Bad Homburg: Hier habe ich herumgelungert

In Bad Homburg vor der Höhe hatte ich jede Menge Spaß. Ich trudelte dort spätnachmittags ein und ging planlos durch die Straßen. Das ist die Taktik, die ich immer anwende, wenn ich eine neue Stadt besuche. Enttäuscht hat sie mich noch nie. Nach der 20-minütigen Fahrt aus Frankfurt fand ich in Windeseile einen angemessenen Parkplatz. Dann machte ich mich auf zu den spitzen Dächern, die ich bereits aus der Ferne sah.

Diese Kirche besuchte ich in Bad Homburg

Nach einem kleinen Fußmarsch durch den Schnee strandete ich in der Katholischen Pfarrkirche St. Marien – dort endete gerade eine „wilde Party“. Während die Menschen aus dem Gotteshaus strömten, konnte ich mich reinschleichen, um die Innenarchitektur zu begutachten. Erbaut wurde diese Kirche 1892-1895 von Ludwig Becker, einem Dombaumeister aus Mainz. Die Architektur wurde eindeutig von der Früh- und Hochgotischen Bauweise inspiriert.

Die Marienirche hat einen Grundriss mit einem einschiffigen Innenraum. Dieser Raum ist in zwei Teile geteilt: einen langen Hauptraum und einen besonderen Bereich mit kurzen Seiten. Im hinteren Teil gibt es einen fünfeckigen Abschnitt. Auch die Vorderseite der Kirche ist ein wahrer Augenfang. Die Wand des langen Hauptraums hat eine gigantische  Maßwerk-Rose – also, ein rundes Fenster in Form einer Blume.

Marienkirche in Bad Homburg – Außenansicht, Froschperspektive
So sieht die Bad Homburger Marienkirche von außen aus.

Wer hätte das gedacht? Noch eine Kirche

Weiter ging es zu einer anderen Kirche, die sich in unmittelbarer Nähe von der Marienkirche befindet. Die Evangelische Erlöserkirche, erbaut 1903-1908 von Franz Schwechten nach Plänen von Max Spitta, haute mich um. Selten berührt „moderne“ Architektur mein Herz – doch diese Kirche hat mich ergriffen. Vor allem, als ich sie betrat.

Runde Kuppel mit Jesusbildnis in der Evangelischen Erlöserkirche
Ist sie nicht absolut atemberaubend? Ich ging mit offenem Munde durch das Kirchenschiff der Erlöserkirche und erregte mit meiner Benommenheit die Aufmerksamkeit eines Kaffeekränzchens aus 5 Damen. Die Kränzchenanführerin erklärte den anderen gerade, warum diese Kirche nichts mit byzantinischer Architektur zu tun hatte, doch untermauerte ihre Argumente nicht mit Fakten. Sehr sympathisch.

Die dunkle Atmosphäre in der Erlöserkirche in Bad Homburg hatte etwas tief spirituelles. Winzige Mosaiksteinen aus Türkis oder mit Goldpigmenten zierten den gesamten Innenraum der Kirche. Hinzu kamen ornamentale Deckenmalereien, eine runde Kuppel und auch Glasfenster, wie ich sie nur in der Nürnberger St. Lorenz Kirche erlebt hatte. Ich habe noch nie etwas ähnliches gesehen. Schon gar nicht in Deutschland. Schon gar nicht aus diesem Jahrhundert. Mich überkam eine Euphorie und ich beschloss, Bad Homburg zu DER Kurstadt in Deutschland zu benennen. Doch es sollte anders kommen.

Schloss und Schlosspark Bad Homburg – und dann die Innenstadt

Nachdem ich nicht ins Bad Homburger Schloss reinkam, weil geschlossen, aber dennoch schlau genug war, von der anderen Seite in den Schlossgarten zu gelangen, stand ich da und betrachtete diese wunderbare, verschneite Natur. Unterhalb des Schlosses befindet sich nämlich ein Park mit See und Enten.

Ich entschied mich, eine Runde durch die Stadt zu drehen. Gleich fiel mit die Gepflegtheit der Häuser auf. Sie sahen aus, als seien sie alle frisch renoviert und frisch gestrichen worden. Inmitten dieser ordentlicher, kleiner, farblich aufeinander abgestimmter Häuschen fanden sich auch hessische Fachwerke, die das Stadtbild Bad Homburgs märchenhaft gestalteten. Hie und da sah ich auch das eine oder andere Türmchen – vermutlich Wassertürmchen (aber ohne Gewehr). Dann betrat ich die Innenstadt und wurde sogleich ernüchtert. Nur mal zum Vergleich: Baden-Baden hat mich noch nie ernüchtert und bleibt (für mich) daher die schönste Kurstadt Deutschlands.

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„Das ungleiche Paar“ von Lucas Cranach d.Ä.

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) und das Werk „Das ungleiche Paar“ – eine Gesellschaftssatire, die auch heute noch Relevanz besitzt. In diesem Artikel werde ich ein bisschen die Bedeutung des Dargestellten erläutern. Das Kunstwerk hängt im renommierten Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, wo ich auch Cranachs Darstellung der Salome betrachten konnte – eine seiner blutrünstigen Frauen.

„Das ungleiche Paar“ in der Kunst

Seit dem 15. Jahrhundert erfreuten sich Darstellungen von Liebschaften und Affären großer Beliebtheit. Künstler jener Zeit zeigten häufig „ungleiche Paare“, und die variierende Darstellung des „Liebesnarren“, wie man ihn in Liebesgärten und Bordellen findet, war weit verbreitet.

Lucas Cranach der Ältere und "Die Fabel vom Mund der Wahrheit" - ein Gemälde aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
Lucas Cranach d.Ä. „Die Fabel vom Mund der Wahrheit“ (1534): Eine des Ehebruchs angeklagte Frau legt die Hand in den Löwenrachen. Sie bekennt, nur in den Armen ihres Ehemanns und des Narren (in weiß) gelegen zu haben.

Cranachs Paar hat wohl wirklich existiert

Im häufigsten Szenario des „ungleichen Paares“ begehrt ein alter Mann, oft hässlich und maskenhaft dargestellt, eine junge, schöne Frau. Diese erwidert seine Begierde nur im Austausch gegen Geld oder Schmuck. Es gibt jedoch auch Darstellungen alter Frauen mit jungen Liebhabern, die sich aus deren Geldbeutel bedienen. Hier findest du etliche Darstellungen von Cranach zu dieser Thematik.

Zu diesem spezifischen Gemälde gibt es eine interessante Anekdote. Laut dem Oettingen-Wallersteinischen Grundbuch stellt das Bild den Nürnberger Bürgermeister Tucher und seine Magd dar. Angeblich ließ seine Familie das Bild zur Verspottung anfertigen, was dazu führte, dass er die Magd heiratete.

Lucas Cranach d.Ä: "Das ungleiche Paar" Gemälde im Germanischen Nationalmuseum
Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt: „Das ungleiche Paar“ um 1530 im Germanischen Nationalmuseum.

Was zeigt das Gemälde „Das ungleiche Paar“?

Eine junge Frau umarmt einen alten, verliebten Mann, während sie gleichzeitig den Betrachter des Bildes ansieht. Ihr verschlagener Blick macht den Betrachter zum Mitwisser. Der bärtige Mann trägt eine pelzverbrämte Schaube, während die Frau in ein rot-goldenes Kleid mit goldenen Borten an Brust, Schultern und Ärmeln, sowie einer perlenbesetzten Brustplatte gekleidet ist. Sie trägt als Schmuck ein Halsband und eine Hobelspankette. Ihre Haarhaube ist mit Edelsteinen verziert. Das Bild zeigt ein Kniestück vor einer dunklen Wand mit einem Ausblick auf eine Landschaft.


Verwendete Quellen:

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Romantische Altstadt in Hanau-Steinheim

In der Hanau-Steinheim Altstadt landete ich direkt nach meinem Ausflug in die Alte Fasanerie. Die aufregende Architektur der beiden prominenten Türme (Alte Pfarrkirche und Schloss Steinheim) bemerkte ich bereits von der Autobahn aus. Im Ort angekommen, ging ich durch die Gassen, während es um mich herum schon zu Dämmern anfing. Diese wunderbaren Sehenswürdigkeiten habe ich dort entdeckt:

Altstadt in Hanau-Steinheim: Alte Pfarrkirche

Das erste Gebäude, das ich sah, war die Alte Pfarrkirche Sankt Johann Baptist. Man erwähnte die mittelalterliche Kirche erstmals im Jahr 1329 in einer Urkunde, zunächst als Kapelle. 1449 wurde das Gebäude unter Dietrich Schenk von Erbach, Kurfürst-Erzbischof von Mainz, zur Pfarrkirche erhoben. Die gotische Saalkirche hat viele Veränderungen durchgemacht. Zwischen 1504 und 1509 wurde auch noch ein Chor mit einem speziellen Abschluss und einem besonderen Gewölbe hinzugefügt.

Der Turm der Kirche sieht im Vergleich zur zierlichen gotischen Architektur sehr stark und historisch aus. Er hat zwar keinen Helm, aber er ist mit vier kleinen Türmchen an den Ecken verziert. Dadurch erinnerte er mich etwas an eine mittelalterliche Burg. Im Jahr 1876 bis 1879 wurde die Kirche gründlich renoviert. Pierre Cuypers leitete die Renovierung, wodurch sich das Aussehen der Kirche stark veränderte. Zum Beispiel wurde das Gewölbe im Kirchenschiff durch eine Holzdecke ersetzt. Später, im Jahr 1950, wurde die Kirche erneut renoviert.

Alte Pfarrkirche in der Altstadt in Hanau-Steinheim
Ebendiese vier Türmchen da oben sah ich bereits von der Autobahn aus. Eine wirklich außergewöhnliche Architektur.

Die Pressmauer von Steinheim

Die Altstadt in Hanau-Steinheim überraschte mich erneut, als ich vor einer großen, alten Mauer stand. 1320 errichtete man diese Pressmauer. Die dicke Mauer war einst die Wehranlage von Steinheim. Möglicherweise entstand der Name „Pressmauer“, weil die Häuser wegen der Enge an die Stadtmauer gedrängt wurden.

Pressmauer mit Blick auf Schloss Steinheim
Ein Abschnitt der Pessmauer und die mittelalterliche Burg. Rechts im Bild (hinter der Laterne) ist der neuere Anbau zu sehen.

Schloss Steinheim in der Hanauer Altstadt

Vom einen Ende der Pressmauer aus sieht man am anderen Ende das Steinheimer Schloss. Man erwähnte das Steinheimer Schlossburg erstmals im Jahr 1222. Damals waren die Herren von Eppstein in ihre Besitzer. Früher nannten sie sich „von Hainhausen“ und besaßen außerdem auch einiges an Land in der Umgebung. Landvogt Ulrich I. von Hanau eroberte die Burg um 1300 in einem „Streit“ zwischen König Albrecht I. und dem Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein und zerstörte sie teilweise. Nur wenige Jahre später wurde sie wieder aufgebaut.

Wahrscheinlich hatten die Eppsteiner finanzielle Probleme und mussten die Burg zur Hälfte an die Grafen von Katzenelnbogen (kein Scheiß, die heißen wirklich so) und die Herren von Hanau verpfänden. Nachdem die Burg einige Male den Besitzer gewechselt hatte, baute man sie später zu einer Art Schloss aus. Im Jahr 1572 fügte man dem Hauptgebäude einen Treppenturm hinzu, der mit dem Wappen von Daniel Brendel von Homburg verziert war. Die Architektur des Schlossartigen Gebäudes passt nicht im Geringsten mit der mittelalterlichen Burg zusammen. Aber das kommt bei europäischen Schlössern oft vor. Vor allem wenn neue Herrscher einzogen und den Flair ihrer Epoche einbringen wollten. Zumeist taten sie das mithilfe von Bauwerken.

Mittelalterlicher Turm des Schlosses Steinheim in der Hanauer Altstadt
Hier nochmal die Burg in ihrer Vollen Pracht. Wie bei der Alten Pfarrkirche auch, sehen wir hier diese mehreckigen kleinen Türmchen oberhalb des Bauwerks – entzückend.

Heutige Nutzung des Schlosses in der Altstadt in Hanau-Steinheim

Im Hauptgebäude des Schlosses gibt es heutzutage Wohnräume und das Museum Schloss Steinheim. Dieses zeigt vor allem die Geschichte von Steinheim und auch die Geschichte der Region, besonders die Zeit bevor es die Stadt Hanau überhaupt gab. Leider kam ich eine Minute nach Feierabend. Man kann auch den Turm des Schlosses besichtigen, wenn man an einer Führung teilnimmt.

Des Weiteren sah ich den Marstall, spazierte durch die süßen Gässlein mit den traditionellen Fachwerkhäusern und genoss die friedliche Atmosphäre des Samstagabends. Es war wirklich schön und ich komme garantiert wieder, um diesen Ort jemandem zu zeigen.


Quellen:

  • Wikipedia / St. Johann Baptist (Steinheim)
  • Beschilderung an der Pressmauer mit historischem Hinweis
  • Wikipedia / Schloss Steinheim
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Kunst & Architektur

Skandal! Baldungs Madonna macht Furore

Die unkonventionelle Darstellung der stillenden Madonna von Hans Baldung beeindruckt durch ihre absichtliche Künstlichkeit. Auch die stilisierte Abweichung von einer natürlichen Darstellung verleiht dem Gemälde das „gewisse Etwas“. Besonders auffällig sind die intensiven Lichtkontraste und Farben. Ebenso ungewöhnlich sind die exotisch-luxuriösen Akzente und die stark sinnliche Anziehungskraft.

Durch gewagte Elemente wie den Papageienbiss und die Berührung der Brust durch die Lippen des Jungen hat Baldung seiner Darstellung sinnliche Bedeutungen verliehen. Diese geht weit über das Sehen hinaus. Als ich vor dem Gemälde stand, fesselte es mich und ließ mich gar nicht mehr los.
In dieser Darstellung pickt der Papagei, der traditionell das „Ave“ sagt, Maria in den Hals. Damit stellt er ihre Jungfräulichkeit dar. Gleichzeitig zeigt der Christusknabe mit Heiligenschein geradezu ihre Brustspitze. Währenddessen schaut der Knabe intensiv in Richtung des Betrachters.

Hans Baldung greift bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück

Ein schwebender Engel mit verschmitztem Gesichtsausdruck berührt gerade Marias durchsichtigen Schleier. Es lässt sich nicht genau deuten, ob er das Marienhaupt enthüllt, oder es verschleiert. Das Gemälde hat etwas Geheimnisvolles an sich, das schwer zu greifen ist. Auch dieses Gemälde einer Baldung-Madonna hat es in sich.

Obwohl das Andachtsbild von Hans Baldung ungewöhnlich und neuartig erscheint, griff er bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück. Er veränderte bekannte Darstellungsweisen, Bilder und Attribute. Darüber hinaus wählte er das Bild einer stillenden Muttergottes, das im Mittelalter sehr beliebt war. In diesem Bild wurde Marias mütterliche Liebe dargestellt. Auch ihre lebensspendende Kraft und ihre Rolle als Fürsprecherin für die sündige Menschheit wird in diesen Darstellungen am deutlichsten.

Die stillende Madonna mit Kind und Papageien von Hans Baldung
Maria mit Kind und Papageien (1533) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von Hans Baldung, auch Grien genannt (1484/85-1545) Oberrhein, Straßburg. Hierbei handelt es sich um Malerei auf Lindenholz. Maße: Höhe 91,5 Zentimeter; Breite 63,3.

Unangemessen: Baldungs Bilder wurden vollständig entfernt

Es ist schwer zu sagen, inwieweit Baldungs persönliche Interpretation des Bildes auf die Wünsche eines elitären Auftraggebers zurückzuführen ist. Es gibt nämlich keine schriftlichen Aufzeichnungen, die darüber Aufschluss geben. Baldung malte das Bild im Jahr 1533 in Straßburg. Diese Stadt galt bereits zwei Jahrzehnte vor der Reformation im Jahr 1524 als ein Zentrum der evangelischen Bewegung. Zwischen 1526 und 1530 verschärfte sich die Situation weiter. Die Messe wurde abgeschafft. Die Bilder – vollständig entfernt, nachdem der Bildersturm nur auf als unangemessen angesehene Bilder abgezielt hatte.

Die Darstellung der stillenden Maria war in diesem Kontext besonders heikel, da gerade dieses Motiv als eines der anstößigsten angesehen wurde. In Straßburg haben Marienbilder, ähnlich wie Baldungs Gemälde aus Nürnberg, Kontroversen ausgelöst. Zum Beispiel wurden im Jahr 1541 Kunstexperten in die Werkstatt des Straßburger Malers Jost Krieg von Barr geschickt, um seine Bilder zu begutachten.

Stillende Maria mit Papageien: Hatte der Künstler eine Strategie?

Sollten seine Marienbilder „schandtlich und entblößt gemalet“ sein, solle man ihm dies untersagen (Rott 1936, S. 227). Es ist möglich, Baldungs nachreformatorische Madonnenbilder als einen Versuch zu interpretieren, ein Bildthema, das in die Kritik der Reformation geraten war, aber in der Tradition eine zentrale Rolle spielte, durch die künstlerische Darstellung zu bewahren. Es könnte eine Strategie gewesen sein, dieses umstrittene Motiv der stillenden Maria in einer künstlerischen Form wiederzubeleben und gleichzeitig die religiösen Bedenken zu umgehen, die mit der traditionellen Darstellung verbunden waren.

Die künstliche Darstellung in Baldungs Werken lässt vermuten, dass er möglicherweise einen exklusiven Kreis von Altgläubigen ansprach. Diese Interpretation kann jedoch nicht durch historische Quellen gestützt werden kann. Es ist denkbar, dass Baldung durch seine Herkunft aus einer Gelehrtenfamilie mit einflussreichen Verbindungen zum habsburgischen Hof und zur katholisch gebliebenen Universität Freiburg einen Kundenstamm entwickelte, den er auch nach der Reformation weiter bediente. Diese Verbindungen könnten dazu beigetragen haben, dass er einen Markt für seine Kunstwerke fand, die die traditionelle religiöse Ikonografie beibehielten. Solche Darstellungen wurden womöglich von Altgläubigen geschätzt.

Ausstellungsfilm "Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens" | AM
Andere Werke des Künstlers: Ausstellungsfilm des Freiburger Augustinermuseums „Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens“

Was war das Ziel von Hans Baldung?

Die Betrachtung von Weber am Bach aus dem Jahr 2006 interessiert sich für die mögliche Verbindung zwischen der betonten Fleischlichkeit in Baldungs Gemälde und der Straßburger Synode gegen die Täufer im Jahr 1533. Gemäß dieser Interpretation könnte das Gemälde dazu dienen, die „Zwei-Naturen-Lehre“ Christi und die Mutterschaft Mariens zu bekräftigen. In diesem Zeitabschnitt wurde sie von Täufern in Frage gestellt.

Ziel des Künstlers könnte es sein, diese zu bekräftigen und in ein entsprechendes Andachtsbild zu übersetzen, das sowohl neue als auch traditionelle Kunstliebhaber anspricht. Dies könnte eine weitere mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Darstellung von Baldungs Werk sein und auf eine gezielte theologische Botschaft hinweisen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Deutung spekulativ ist, da es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, die Baldungs Absichten bei der Schaffung des Gemäldes eindeutig belegen könnten.

Baldungs Gemälde könnte nach dieser Theorie als ein theologisches Bekenntnis zur wahren Mutterschaft Mariens betrachtet werden. Es scheint, dass die Auftraggeber und Käufer solcher eigenwilligen Werke eine Vorliebe für gewagte und hintergründige Meisterwerke des berühmten Straßburger Malers hatten.


Verwendete Quellen: Objektkatalog des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg

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Kunst & Architektur

Gemäldegalerie Berlin: Giovanni Bellini’s Maria

Dieses Gemälde von Giovanni Bellini wurde während einer Phase in seiner Karriere geschaffen, in der er noch stark von dem Stil seines Schwagers Andrea Mantegna beeinflusst war. Dennoch zeigt Bellini in seinem Kunstwerk seine eigenen kreativen Lösungen.

Gemälde wird Bellini’s Werkstatt zugeschrieben

Dass die Landschaft in dem Berliner Gemälde, bei dem das intensive Licht zurückhaltender ist, deutet möglicherweise auf das Werk eines seiner Studenten. Eine andere Version dieses Gemäldes, die sich heute im Rijksmuseum in Amsterdam befindet, lässt erkennen, dass der Künstler bereits an der Reproduktion seiner eigenen Werke arbeitete. Immerhin ist Giovanni Bellini bekannt dafür, seine Andachtsbilder – vor allem die Madonnen – in mehreren Versionen hervorgebracht zu haben, um die Effizienz seiner Bildproduktion zu erhöhen.

Andachtsbilder sind meistens gemalte oder geschnitzte Bilder von religiösen Geschichten und Ereignissen aus dem Christentum. Sie sollen den Gläubigen helfen, in ihrem Glauben zu meditieren und zu beten. Oft zeigen diese Bilder Szenen aus dem Leben und Leiden von Jesus Christus, Maria und den Heiligen.

Während meiner Kunstreise sag ich in der Berliner Gemäldegalerie Giovanni Bellinis Madonna
Giovanni Bellini (um 1435 bis 1516) und Werkstatt in der Berliner Gemäldegalerie: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht – um 1460

Giovanni Bellini: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht

Typisch Bellini ist für mich persönlich in diesem Bild die Brüstung, die zwischen dem Betrachter und der heiligen Madonna eine Distanz schafft. Jesus wiederum steht symbolisch auf der mutmaßlichen Balustrade, um die Verkörperung des sowohl menschlichen als auch himmlischen zu verdeutlichen. Darüber hinaus ist die Landschaft hinter den beiden Figuren sehr ausdrucksstark und erinnert mich an andere Werke Bellinis. Was natürlich nicht zu bedeuten hat, dass er dieses Werk alleine gemalt hat.

Als ich dieses Bild in der Gemäldegalerie – die für mich Grund genug ist, Berlin zur geilsten Stadt der Bundesrepublik zu ernennen – sah, wurde ich ganz starr. Das Gemälde der venezianischen Meisterwerkstatt kannte ich bisher nur aus den Büchern. Direkt davor zu stehen, und jeden kleinen Pinselstrich von Bellini und seiner Werkstatt zu begutachten, ist natürlich anders wild.

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So sexy ist „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in München war, fiel mir das Gemälde „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael (1566-1638) sofort auf. Ich habe viel in meinem Leben gesehen, doch etwas faszinierte mich an diesem Kunstwerk. War es die Dramatik? Waren es die unverschämt gut geformten Körper der dargestellten Figuren?

Das ist auf dem Bild „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael zu sehen

In einer schönen Landschaft, die an einen fjordartigen* Ort erinnert, sieht man Menschen in großer Not. Die auf dem Gemälde abgebildeten Männer und Frauen sind nackt und zeigen ihre übermäßige Angst mit pathetischen Gesten. Das Wasser scheint schnell anzusteigen – die Figuren suchen verzweifelt Schutz auf den Felsen und in den Bäumen.

Auf der linken Seite im Vordergrund sehen wir einen Baum, den ein Mann versucht zu erklimmen, um sich vor dem Wasser zu retten. Ganz unten links sitzt eine Mutter mit ihrem Kind. Sie versucht vergebens unter ihrem Tuch Schutz zu finden.

In der Mitte vorne ist eine Gruppe von vier Menschen, die hektisch gestikulieren und nach Hilfe suchen. Und auf der rechten Seite sieht man zwei Eichenbäume, auf die Männer klettern, um sich vor dem steigenden Wasser zu retten. Die Szene ist sehr dramatisch und voller Spannung.

Dieses Gemälde des niederländischen Künstlers Joachim Anthonisz Wtewael (1566 bis 1638) heißt "Die Sintflut". Es wurde um 1590/1600 gemalt und es handelt sich hierbei um Öl auf Leinwand. Derzeit hängt das Kunstwerk im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Das Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphose.
Wtewael, Joachim Anthonisz. (1566-1638) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung. Öl auf Leinwand – um 1590/1600

Ikonographische Beschreibung des Gemäldes

Joachim Wtewaels Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphosen: Rechts auf der Anhöhe bringen die Göttin Iris und der bärtige Aeolus Wasser und Wind. Die sündigen Menschen versuchen, sich vor den Fluten zu retten.

Durch die unnatürliche Farbpalette soll, laut Germanischem Nationalmuseum, das Gekünstelte im Bild betont werden. Diese im niederländischen Manierismus beliebte Darstellung diente Wtewael zur Erprobung extremer Posen. In Robustheit und Volumen zeigen die Aktdarstellungen den Einfluss Michelangelos

Als ich das Werk von Joachim Wtewael sah

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vor diesem Gemälde stand, fiel mir – neben all den Wahnsinns-Körpern – sofort ins Auge, wie individuell der Künstler die Komposition gestaltete. Ebendiese gepaart mit dem Schattenspiel, das sich bei Wtewael in der Muskulatur der Dargestellten widerspiegelt, sorgt meines Achtens für die nötige Portion Dramatik in dem Gemälde.

Im Germanischen Nationalmuseum sah ich auch mehrere bedeutsame Werke von Lucas Cranach d.Ä.


*Fjord: Ein Fjord ist wie eine lange Bucht im Land. Er entsteht, wenn ein Gletscher vom Meer ins Land hineinwandert und ein tiefes Tal hinterlässt. In Norwegen und anderen Orten nennt man solche Meeresarme Fjorde.

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