Das Caricatura Museum in Frankfurt – ein Haus der Künste, das ich immer und immer wieder besuchen könnte. Am 12. Mai endete dort die mehrfach verlängerte Ausstellung „Ach was. Loriot zum Hundertsten“, die ich mir gerne reingezogen hatte – zwei Mal. Und wir wissen ja, was es heißt, wenn ich zwei Mal in dieselbe Sonderausstellung gehe. Das Caricatura zeigte Loriots Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme und Fotografien sowie Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe und Ausschnitte aus Fernseh- und Kinofilmen. Mir hat es sehr gut gefallen.
Spielkarten, 1973Raketen für Jedermann 2, 1960Umgang mit Bären 4, 1962
Durch diese Ausstellung ehrte das Caricatura den bemerkenswerten Humoristen Loriot, auch bekannt als Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, anlässlich seines 100. Geburtstags. Mit seinem einzigartigen Blick auf die Absurditäten und Grotesken des bürgerlichen Lebens, seinem beispiellosen Umgang mit der deutschen Sprache und seinen berühmten „Knollennasenmännchen“ beeinflusste Loriot jahrzehntelang als Humorspezialist das Medienbild.
Der Künstler Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. Mit seiner humorvollen Kunst hat er das deutsche Kulturleben nachhaltig geprägt.
Das ist der gute Mann: Vicco von Bülow alias Loriot. Copyright: IMAGO / M&K
Insgesamt präsentierte die umfangreiche Loriot-Ausstellung 705 Objekte. Neben bekannten Werken wie den legendären Herren im Bad zeigt die chronologische Ausstellung auch Raritäten. So waren unter anderem Porträtzeichnungen des damals 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg sowie frühe Werbegrafiken zu sehen.
Sequenzen aus „Herren im Bad“Kann ich derzeit nicht zuordnen und bin offen für Hinweise in den Kommentaren.
Kleiner Ausschnitt aus „Herren im Bad“
Das Caricatura Museum in Frankfurt am Main
Das Museum für Komische Kunst ist bekannt für seine Ausstellungen satirischer und humorvoller Kunst. Mit beeindruckenden Ausstellung von Texten, Zeichnungen und Plastiken sowie zahlreichen zeitgenössischen Werken hat es sich das Caricatura Museum als ein Eckpfeiler der komischen Kunstszene etabliert.
Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.
Das Caricatura Museum öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.
Da stand ich nun vor dem Spiegel. Ich trat näher. Ganz nah, bis ich nur noch mein Gesicht erblicken konnte. Suchend nach der Makellosigkeit, die meine Mutter immer wieder darin fand. Ich fragte mich, wo sie diese sah. Dann schaute ich mir tief in die Augen. Sie waren so wie immer, aber nicht wiederzuerkennen. Ich trat erschrocken zurück.
Tänzelnd vor dem Spiegel betrachtete ich das Gesamtbild. Dann wurde die Frau im Spiegel wieder völlig ernst. Sie schaute seriös, dann wieder voller Seelenschmerz, dann machte sie mir Rehaugen und wurde wieder ernst. Ich merkte, dass die Frau im Spiegel innerlich lacht. Ob über mich oder etwas anderes – wohl eher über mich, ja. Ich erschrak und wich erneut zurück.
Ich suchte Schutz vor ihren durchdringenden Blicken hinter dem Türrahmen und bemerkte jetzt erst meinen rasenden Puls. Mit wurde klar, dass ich diese Frau nicht kenne. Aber sie zieht mich magnetisch an und sie ist immer da – ich sehe sie nur nie. Oder eben nur in Spiegeln. Ich musste mich sammeln. Doch ich hatte Angst, wieder aus der Tür hervorzukommen und ihren Blick aufs Neue über mich ergehen zu lassen. Aber ich musste.
Also ging ich an ihr vorbei zum Lichtschalter. Ein flüchtiger Blickkontakt verriet, dass sie meine Angst genauestens roch. Sie schien mir, als würde sie ihre Erkenntnis zu ihrem Vorteil nutzen wollen. Die Frau im Spiegel schnitt eine satanische Grimasse. Nun erreichte ich auch schon den Lichtschalter. Als nächstes müsste ich auch noch in der Dunkelheit an ihr vorbeischreiten.
Ich weiß, dass sie jetzt auch da ist. Sie lebt. Im Bett liegend sah ich ihren Schatten über die Wand wandern. Sie war nicht ich, denn ich lag regungslos auf einer Stelle. Als sie bemerkte, dass ich sie wieder sehe, ging sie aus dem Zimmer zurück in meine Gedanken und tauchte als einäugiger, grau befellter Vierbeiner auf und schrie in einem klirrenden Ton, den nur ich hören konnte.
Ein kleiner Kommi zu der „Frau im Spiegel“
Was soll ich zu meiner Verteidigung sagen? Ich war bekifft, nehme ich mal an. Ich konnte mich lange Zeit nicht mit der Frau im Spiegel anfreunden, weil ich sie nicht so gut kannte, wie es mir lieb gewesen wäre. Dann änderte sich das langsam. Diese Geschichte entstand im Jahr 2018 – dem Jahr, in dem auch „die Verschmelzung“ entstand. Ich hatte wirklich Spaß daran, mich kreativ auszuprobieren und meinen Dämonen zu erlauben, meinen Körper und meinen Geist zu verlassen. Dann wuchs mir kruzerhand das alles über den Kopf.
Habe ich mir einen abgegruselt, als ich diese Geschichte runtergetippt habe? JA!
Mittlerweile gehe ich mit meinen Dämonen anders um. Naja. Wirklich? Weiß ich nicht genau. Nach wie vor schreibe ich – jedoch bin ich der Realität, was auch immer sie ist, viel näher als damals. Momentan benutze ich das Zeichnen als Dämonen-Ventil. Denn ich zeichne derzeit – Achtung – Dämonen. Macht irgendwie Bock. Bilder zeig ich hier demnächst dann auch.
Alexej Georgijewitsch von Jawlensky, geboren irgendwann im März 1865 (oder auch 1864) im Russischen Kaiserreich, war ein renommierter Maler des Expressionismus. Er gehört zu der Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“, die von Wassily Kandinsky und Franz Marc initiiert wurde. Ich war Jawlensky auf der Spur und fand den Bro in München, Stuttgart und Wiesbaden.
Reife, circa 1912 (Lenbachhaus)Dame mit Fächer, 1909 (Wiesbaden)Stillleben mit bunter Decke, 1910 (Wiesbaden)
Alexej Jawlenskys Jugend in Russland
Jawlensky wuchs als fünftes Kind von sechs Geschwistern auf und entdeckte seine Leidenschaft für die Malerei im Alter von 17 Jahren. Damals sah er auf der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau erstmals in seinem Leben Gemälde. Diese Begegnung mit der Kunst bewegte ihn dazu, seine malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten eigenständig zu entwickeln. Nach seiner Versetzung als Offizier nach Sankt Petersburg, besuchte er abends die Russische Kunstakademie.
An der Akademie lernte Jawlensky den berühmten Vertreter des russischen Realismus, Ilja Repin kennen. Dieser empfahl ihm 1892 die Ölmalerei bei Marianne von Werefkin (Marianna Werjöwkina, aber auch egal) zu erlernen. Werefkin war eine vermögende Baronin und erfolgreiche Malerin. Darüber hinaus war die gute Frau bekannt als “Russischer Rembrandt”. Sie unterstützte Jawlensky in seiner künstlerischen Entwicklung.
Marianne von Werefkin: Schindelfabrik, 1910 im Museum Wiesbaden – Tempera auf Karton.
Alexej Jawlensky zieht nach München
1896 zog Jawlensky gemeinsam mit Werefkin nach München. Geheiratet haben die beiden Hasen jedoch nicht. Werefkin würde sonst ihre Zarenrente verlieren und das wollte sie nicht. Stattdessen war sie bereit, ihren Jawlensky-Schatz zu fördern, wo es nur ging. Seine Weiterbildung vertraute sie dem Slowenen Anton Ažbe an. Unter Ažbes Anleitung sowie inspiriert durch Künstler wie Lovis Corinth, Wilhelm Leibl und Leo Putz konnte sich Jawlenskys Malerei weiterentwickeln.
Einen besonderen Platz in seiner Schöpfung nimmt das 1900 datierte Porträt „Helene fünfzehnjährig“ ein. Merk dir diesen Namen, denn später wird es ein wenig versaut. Dieses Gemälde deutet den Übergang von Jawlenskys realistischen Werken zu seinem späteren Stil an, obschon die elektrisierenden Farben, für die der Künstler heute bekannt ist, dort noch nicht zum Einsatz kamen.
Ab 1902 begann Jawlensky, Stillleben und Landschaften im neoimpressionistischen Stil zu gestalten. Seine Auseinandersetzung mit der Kunst van Goghs und seine Begegnung mit der Pariser Avantgarde prägten die folgenden Jahre seines Schaffens. Auch Matisse beeinflusste ihn und sein farblicher Stil entwickelte sich immer weiter.
Mystischer Kopf: Meditation, 1936 (Lenbachhaus München)Bildnis von Marianne von Werefkin um 1906 (Wiesbaden)Stillleben mit Samowar, 1901 (Wiesbaden)Da ist sie wieder: Helene im spanischen Kostüm, 1901/02 (Wiesbaden)
Deshalb hatten Jawlensky und Kandinsky Beef
Während seiner Zeit in Deutschland, vor allem im Jahr 1905, produzierte Alexej Jawlensky eine leuchtende Palette an Kunstwerken. Drei Jahre später kam es zu der legendären Zusammenarbeit zwischen Werefkin/Jawlensky und Münter/Kandinsky. Möglicherweise hatte sich danach das Verhältnis zwischen den beiden Malerpaaren kurzfristig getrübt. Werefkin, Jawlensky, Adolf Erbslöh und Oscar Wittenstein beschlossen die Neue Künstlervereinigung München (NKVM) zu gründen. Münter und Kandinsky waren an diesem Projekt zunächst jedoch nicht beteiligt. Darüber ärgerte sich Wassily Kandinsky noch Jahre später.
Doch schon bald sollten sich alle Unstimmigkeiten legen und Kandinsky wurde, wenn auch nur zögernd, 1. Vorsitzender der NKVM. Wenig später, im Jahr 1909, arbeiteten die beiden Künstlerpaare wieder zusammen in Murnau. Dies war genau die Zeit, als der Tänzer Alexander Sacharoff mit Werefkin und Jawlensky seinen großen Auftritt im Odeon in München vorbereitete.
Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909. Dieses fantastische Werk, das mir immer wieder Gänsehaut bereitet, hängt im Lenbachhaus München.
Der Tänzer Alexander Sacharoff und „Die weiße Feder“
Neben diesem berühmten Bildnis des recht femininen Tänzers gibt es noch eins von Jawlensky. Bis vor wenigen Minuten war ich fest davon überzeugt, dass ich des damals in Hamburg bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll-Tour gesehen habe. Nach langer, verzweifelter Suche fand ich jedoch das Gemälde namens „Die weiße Feder“ in einem anderen Ordner. Das Bild hängt tatsächlich in der Stuttgarter Staatsgalerie – eines meiner vier bis fünf liebsten Museen der Bundesrepublik.
Als ich das Stuttgarter Gemälde vor mir sah, war ich gefesselt davon, obwohl mir Alexej Jawlensky zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, noch kein großer Begriff war. Das Bild machte alles mir mir. Es lockte, es erinnerte an etwas, es faszinierte mit seiner Rätselhaftigkeit. Ich stand wie angewurzelt davor und missgenderte meinen Landsmann Sacharoff erstmal hart. Und da ist das Meisterwerk:
Die weiße Feder (Der Tänzer Alexander Sacharoff), 1909 – Öl auf Pappe.
Monogamie? Nein danke!
Als Deutschland während des Ersten Weltkriegs Ausländer zur Ausreise zwang, verließ Jawlensky sein privilegiertes Leben und zog mit seiner Partnerin Marianne von Werefkin, dem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff und dem Sohn Andreas, den Jawlensky mit Helene gezeugt hatte, in die Schweiz. An dieser Stelle werde ich diese Beziehung nicht kommentieren und auch keine Parallelen zu anderen berühmten Dreiecksbeziehungen im Exil ziehen. Dort lebten sie alle zusammen am Genfersee.
Jawlensky musste sich an ein neues, weniger luxuriöses Leben gewöhnen. In seiner einfachen Unterkunft fand er Inspiration in der malerischen Landschaft des Genfersees. Seine Kunstwerke aus dieser Zeit zeigen noch erkennbare Naturdetails wie Bäume, Büsche und den See selbst.
Im Laufe der Zeit wurden diese Detailaufnahmen metaphorischer und spiegelten seine Gefühls-, Seelen- und Geisteswelten wider. Die ersten Arbeiten aus dieser Phase beschrieb Jawlensky als „Lieder ohne Worte“. Sie markierten einen Wendepunkt in seiner Karriere.
Selbstbildnis aus dem Jahr 1912 in Wiesbaden
Noch eine Frau in Alexej Jawlenskys Leben
1916 trat eine neue Förderin in sein Leben: Galka Scheyer. Die um 25 Jahre jüngere Frau unterstützte fortan seine Arbeit, allerdings mit einer vertraglichen Bedingung: 45% seiner Einnahmen aus Bildverkäufen gingen an sie. Autsch.
Mystischer Kopf, angeblich 1916/17. Öl auf Karton. Hängt in Wiesbaden.
Ende 1917 zogen Jawlensky und Werefkin nach Wollishofen bei Zürich um, wo Jawlensky begann, seine berühmte Serie der „Mystischen Köpfe“ zu malen. Inspiriert von menschlichen Gesichtern – vorwiegend Frauen – schuf er farbenfrohe Porträts mit starkem Ausdruck. Wohin es Alexej Jawlensky und seine Bohème-Familie als nächstes verschlug, erfährst du schon bald auf avecMadlen. Gute Nacht. Ich muss morgen echt früh arbeiten.
Das fantastische Gemälde „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach dem Älteren (1546) beleuchtet die mittelalterliche Badekultur und Heilungsglauben auf provokative Art und Weise. Das Werk zeigt ältere Frauen, die sich in einem Brunnen baden und verjüngen lassen, um danach eine fette Party zu feiern. Männer hingegen scheinen in diesem Gemälde kein Interesse daran zu haben, sich in den Jungbrunnen zu begeben. Dieses Meisterwerk hängt in meiner geliebten Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Dieses Kunsthaus zählt für mich zu den wichtigsten Gründen, warum Berlin die geilste Stadt Deutschlands ist.
Der Jungbrunnen (1546); Maße: 120,6 × 186,1 Zentimeter
„Der Jungbrunnen“ von meinem Lieblings-Cranach
Die Szene im „Jungbrunnen“ spielt sich vor einer mystischen Landschaft ab, die durch ihre irrealen Perspektiven und Proportionen besticht. Während links karge Felsen als Symbol des Alters der Frauen stehen, repräsentiert rechts blühendes Leben die neu gewonnene Jugendlichkeit. Letzteres wird durch ein Wasserspender im Zentrum des Beckens unterstrichen. Bekrönt ist der Spender mit den Figuren von Venus und Amor – hier dienen sie als Symbole für Erneuerung der Liebeskraft.
Eindrücklich zeigt mein geliebter Cranach am linken Rand des Bildes gebrechliche alte Frauen. Sie werden nämlich aus einer kargen Berglandschaft ins Wasserbecken geführt. Nach ihrer Verjüngung treten sie am rechten Rand wieder hervor. Ein junger Mann geleitet sie dann zur Neueinkleidung in ein Zelt – der erste Schritt zurück ins sinnliche Vergnügen.
Links: vor dem BadeRechts: danach
Cranachs Scherzchen und das mittelalterliche Weltbild
Im Kunstwerk finden sich ein paar scherzhafte Bezüge. Zum Beispiel ein möglicher Arzt, der eine nackte alte Frau begutachtet, bevor sie ins Wasser steigt. Aber auch die Zweifel mancher Frauen, ob ein verjüngtes Leben tatsächlich erstrebenswert ist, werden aufgegriffen. Man Blicke nur in die Gesichter dieser Frauen.
Deutlich wird in Cranachs Jungbrunnen auch eine mittelalterliche Weltansicht. So sollen nur Frauen dieses Bad benötigen, da alte Männer sich durch den Umgang mit jungen Frauen automatisch verjüngen würden. Doch trotz des übernatürlichen Themas bleibt Lucas Cranach d. Ä. in seiner Darstellung realistisch. Alle Männer, mit denen sich die verjüngten Frauen abgeben sind ebenfalls jung und galant. Die alten Frauen stellt er auffällig unattraktiv und erloschen dar. Keine Gilfs in Sicht.
Cranachs Jungbrunnen: Schwierigkeiten bei der Zuschreibung
Die Zuschreibung des Gemäldes gestaltet sich schwierig. Sowohl Vater Lucas Cranach der Ältere als auch sein Sohn (Lucas Cranach d. J.) kommen als Urheber infrage. Derzeit neigt die Forschung dazu, es dem Alterswerk des Vaters zuzuordnen.
Das Bild, ausgeführt in Öl auf Lindenholz, trägt das Schlangenzeichen mit Vogelflug aus Cranachs Werkstatt und die Jahreszahl 1546. Es wurde für einen unbekannten Auftraggeber angefertigt und gehört seit 1829/1830 zur Verwaltung der königlichen Schlösser.
Es brach die frühe Weihnachtszeit an, als J. eines morgens aufwachte und sie weg war. Verschwunden, verschollen, entführt – in Luft aufgelöst. Sein Körper schien gelähmt oder beeinträchtigt, doch wie so oft wusste er nicht, die sich ergebene Situation zu beherrschen.
J. wusste, sie kommt zurück. Wo sollte sie denn ohne in hin? Er dachte, der Fels zu sein, den sie sich immer erträumt hatte. Warum sollte sie fort gehen? Sie würde schon wiederkommen – schließlich waren sie durch den Bund eines Versprechens füreinander bestimmt.
Mit dieser Überzeugung kroch J. aus seinem reizlosen Bette, in dem er bereits seit Tagen alleine schlief, ohne diese bis dahin bemerkt zu haben. Er fragte sich unaufhörlich, was sie geritten haben könnte, dass sie kurzerhand unterblieb. Sie war doch wohl irre.
Um Gras über die Sache wachsen zu lassen, lebte J. die nächste Zeit in dem Wunschtraum, sie durch Zufriedenlassen wieder zur Besinnung zu bringen. Jedoch vergingen Stunden, Tage, ja, sogar Wochen ohne jeder Spur von ihr. Hatte sie sich in einen anderen vernarrt? War sie es vielleicht schon die lange, trostlose Zeit ihrer Zweisamkeit? War sie überhaupt noch bei Sinnen? J. wusste keine Antwort darauf, die plausibel genug wäre, um dieses abwegige Verhalten, das sie ihm bot, darzulegen.
An ihre letzten Worte erinnerte er sich nicht. Und auch nicht an die Worte davor. Hatte er sie nicht gehört? Gehört, aber nicht hingehört? Dies spielte für ihn keine treffliche Rolle. Es war allein ihre Entscheidung, die sie aus heiterem Himmel gefällt hatte.
Was er nicht ahnte, ist dass sie nie weg war. Sie war da – in seiner Nähe, in seinem Bette. Bloß übersah er sie konsequent. Als er aber nichtstuend auf ihre Rückkehr wartete und sich ihrer Schuld an diesem Bruch so klar wie nie zuvor war, wurde sie immer unsichtbarer, bis sie schließlich, eine Schrift hinterlassend, irreversibel verschwand. Diese Schrift lesend verließ J. das Haus, ging über die eisigen, verschneiten Straßen, bis er letzlich eine vergleichbar vereinsamte Laterne fand, die herrenlos in einem dunklen Winkel vor sich hin leuchtete. Ihr Licht erhellte nicht das Geringste ihrer Umgebung.
J. stellte sich unter die Laterne und umfasste sie. Für einen Augenblick dachte er, sie wieder in seinen Armen zu halten und die Stimme zu hören, für die er bislang so taub gewesen ist. Er entkleidete sich sogar, um dieses Gefühl zu intensivieren.
Als der Frühling anflaniert kam, fand ein Arbeiter der Baden-Badener Stadtwerke die kaputte Laterne vor, die in erfrorene Reste menschlichen Fleisches geschmückt war und eine Glückseligkeit überkam sein Herz, wie er sie bislang noch nie verspürt hatte.
Ein Kommentar zu dieser kleinen Geschichte
Nun. Ganz davon abgesehen, dass diese Geschichte – und vielleicht auch mein Scheffelpreis – mir meinen ersten Job im Journalismus sicherten, war es ein Ausbruch meiner emotionalen Angestautheit, die mein erster Verlobter J. nicht verstehen wollte. Einerseits hatte ich Schwierigkeiten damit, adäquat zu artikulieren, was ich auf dem Herzen habe, andererseits wollte er es auch gar nicht wissen oder verstehen. Wiederum muss ich sagen, dass wir beide damals sehr jung waren und dass diese leere Schlucht zwischen zwei Individuen, die versuchen miteinander zu sein, vielen Leuten bekannt vorkommen sollte. Oder könnte.
„Die Verschmelzung“ entstand 2018. Die Trennung hatte mich damals schwer mitgenommen (obviously) und ich verkackte in diesem emotionalen Zustand halber mein ganzes Abitur am Rastatter Abendgymnasium. Aber alles, was in dieser Phase meines Lebens passierte, brachte mich näher mit mir selbst zusammen und zeigte mir den Weg auf, den ich wirklich beschreiten wollte.
Ich hatte wahnsinnig Spaß dran, diese Geschichte zu schreiben. Damals war ich so weit weg davon, mir vorstellen zu können, dass ich sie eines Tages veröffentliche. Oder dass das Schreiben eines Tages ernsthaft zu meinem Beruf wird. Aber so geht es vielen in meiner Branche. Grüße gehen raus an J. – schreib mir bloß nicht, Bruder.
Larnaca – eine Hafenstadt im Südosten Zyperns, die ich sofort ins Herz schloss. Ich will nicht behaupten, dass sie die schönste Stadt der Mittelmeerinsel ist, aber sie hat es in sich. Durch die gute Anbindung (Hafen und Airport) ist sie wahrscheinlich besonders international und zählt über 52.000 Einwohner. Was ich dort gemacht habe? Nichts. Ich chillte am Strand und arbeitete hart daran, meine Augenringe loszuwerden. Der Plan ging auf. Nicht eine einzige Museums-Action startete ich in Larnaca. Und ja, ich habe es halbwegs überlebt. Wenn auch so semi.
Große Überraschung am Flughafen in Larnaca
Als wir dort landeten und zum Autoverleih gingen, stellten wir fest: oh, upsi – man fährt in Zypern ja auf der linken Straßenseite, während das Lenkrad rechts im Auto ist. Überraschung! Meine Mutter schaute mich mit großen Augen an und ich wusste: meine Sternstunde hat geschlagen. Mit Wahrheiten und Unwahrheiten überzeugte ich sie nachdrückend davon, mir das Steuer zu überlassen. Ich war wohl einfach viel zu geil drauf, etwas Neues zu fühlen. Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich keine Schwierigkeiten damit, mich an die neue Fahrweise zu gewöhnen. Eine Abenteuerfahrt bis zum Hotel war es aber dennoch.
Aus dem kleinen Leihwagen steigend kam mir schon die warme Meeresluft entgegen. Der Hund liebte es auch so hart wie ich. Dann schlafen, frühstücken, komatös am Strand zur Besinnung kommen, Frankfurt vergessen und im Anschluss die neue Gegend erkunden. In Larnaca kann man offensichtlich bei der Wahl des Speiselokals nichts falsch machen. Alles schmeckt, und zwar überall. An meinem ersten Abend aß ich Muscheln und Grünzeug mit Meeresblick – es war perfekt.
Wenn der heilige Hund glücklich ist, dann bin ich es auch.
Larnaca: Alter, ich liebe Zypern
Wir gingen die hölzernen Wanderpfade entlang, sammelten in unseren Schuhinnenräumen Sandanlagerungen und verbrannten in der Sonne. Naja, eigentlich nur ich. Muttern ist da wesentlich robuster. Natürlich probierte ich auch sofort die ganzen Trainingsgeräte aus, die entlang des Strandes an verschiedenen Stellen installiert sind. Training mit Eigengewicht – nicht sonderlich schwer, aber dafür umso spaßiger.
Als wir in den kommenden Tagen auch andere Ecken von Larnaca erkundeten, genoss ich vor allem den Ausblick auf die dicken Villen, Bungalows, Pools und Palmen. Die Mietkosten in Larnaca scheinen meinen ersten Recherchen nach etwas geringer als in Frankfurt zu sein, jedoch auch etwas höher als in anderen zypriotischen Städten. Warum, kann ich auf Anhieb nicht beantworten, aber: auf Zypern lässt es sich offensichtlich gut Leben. Die Menschen sind geladen, glücklich und hart am Chillen.
Muttern ist mal wieder am Muttern
Kurzer Zwischenschub: Deshalb war avecMadlen down
Gott, bin ich jetzt in diesem Moment froh, wieder in die Tasten zu hauen. Die letzten Wochen war avecMadlen wegen technischer Schwierigkeiten innerhalb der Domain deaktiviert und mein Herz blutete. Jeden Tag. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich so beschissen und deprimiert fühlte. Ok, ich übertreibe. Es war erträglich, aber nicht erfüllend.
Endlich wurde das Problem mithilfe eines netten Callcenter-Mitarbeiters behoben, wenn auch noch nicht bis zum Schluss, und ich kann wieder (auf)atmen. Die Leserzahlen auf das Niveau von vor dem Desaster zu bringen, wird sicher ein bitterer Spaß. Aber egal. Wird schon wieder. Zurück zu Larnaca.
Zeitreise durch Larnaca: Die bedeutsame Geschichte Zyperns
Machen wir eine kleine Zeitreise. Das ehemalige Stadtkönigreich Kition, bekannt für seine beeindruckenden antiken Ruinen aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. (!), zieht immer mehr Historiker und Archäologen an. Gelegen im heutigen Larnaca, war Kition einst das Zentrum eines mächtigen phönizischen Königreiches. Auch der Tempel von Melkart (Ešmun), der in der römischen Ära als Äskulap oder Herkules bekannt war, sowie der Tempel Artemis Paraliabieten besonders faszinierende Einblicke in die Vergangenheit dieser zypriotischen Stadt. Beide habe ich natürlich nicht gesehen, schrieb sie wütend. Nächstes Mal dann.
Archäologische Schätze aus der Antike begeistern hier seit dem 19. Jahrhundert die Welt der Kunsthistoriker. Besonders faszinierend sind die Überreste von Heiligtümern und Zyklopenmauern von Larnaca, die Forscher nach und nach freilegen konnten.
Zypern entdecken: Sehenswürdigkeiten in Larnaca
Zwar habe ich kein einziges, bis auf die Strandpromenade, davon gesehen, aber das sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Larnaca:
„Maddl mit dem Paddel“ – 10 Euro für eine Stunde Spaß in den wogenden Wellenan meinem letzten Tag in Larnaca.
In neuerer Zeit hat sich Larnaca zu einem wichtigen Handelszentrum entwickelt. Die Stadt ist Sitz mehrerer europäischer Konsulate geworden. Nach der türkischen Invasion 1974 und der Schließung des Hafens von Kyrenia und des Flughafens Nikosia hat die Bedeutung dieser Hafenstadt weiter zugenommen.
Heute ist sie nicht nur ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum, sondern auch ein Schauplatz reicher antiker Geschichte, der sowohl für Historiker als auch für Touristen von großem Interesse ist.