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Tag 1 in Porto: Das habe ich unternommen

Als ich in einem kleinen Zimmer in Porto aufwachte, wusste ich noch nicht, was mich an diesem Tag erwarten würde. Es regnete ziemlich heftig und ich ließ das Fahrrad stehen. Porto liegt auf einem ziemlich steilen Hügel und mit einem Fahrrad, dessen Bremsen nicht das Gelbe vom Ei sind, wollte ich diesen nicht erkunden. Also ging ich zu Fuß los. Was mir gleich auffiel, war diese entzückende Architektur: Kleine, rechteckige Häuser – bedeckt mit bunten Fliesen in allen möglichen Mustern und Farben. Ein wirklich schöner Ausflug für das Auge.

Eine Häuserreihe in einem steilen Gässchen der portugiesischen Stadt Porto. Bunte Vielfalt, Kopfsteinpflaster und parkende Autos.
Eine kleine Gasse in Porto. Hier sieht man schön, wie steil die Straßen dieser Stadt sind – und auch, wie lebendig die Architektur der kleinen Häuser ist.

Mein erster Tag in Porto verlief planlos

Planlos ging ich durch die Straßen, um das Leben der Portugiesen in Porto aufzufangen. Natürlich ist es anders, als in A Ver-o-Mar, wo ich die Tage zuvor verbracht hatte. Es läuft schneller, ist energischer und bunter. Ich sah viele schöne Menschen, kreative Geschäfte und diese freundlich lockende Kulisse des bunten Meeres aus Fliesenfassaden und roten Dächern. Ich ging in eine Gasse und landete plötzlich auf einem kleinen Aussichtspunkt neben der Igreja da Misericórdia. Ich sah über die gesamte Stadt bis nach Vila Nova de Gaia, während im Hintergrund der Regen rauschte und die Möwen ihre frechen Zwischenrufe absonderten. In diesem Moment wusste ich, dass der „ewig lange“ Weg von A Ver-o-Mar sich in jedem Sinne gelohnt hatte.

Blick über die portugiesische Stadt Porto. Zu sehen sind bunte Häuser, Kirchen, Kathedralen und Co.
Als ich die architektonische Pracht Portos erblickte, war ich kurz sprach- und atemlos. Man beachte nur die Harmonie, Ausgeglichenheit und den Farbreichtum der einzelnen Häuser.

Gefrühstückt hatte ich mitten in der Fußgängerzone. Wahllos ging ich in ein kleines Café und landete einen Volltreffer. Da Fußgängerzone, waren meine Erwartungen aufs Minimalste heruntergeschraubt. Um so mehr wusste ich den guten Kaffee, den ich dort bekam und das köstliche Pastel de Nata (oder Pastel de Belém) zu schätzen. Bestens gelaunt ging es weiter durch die Straßen von Porto.

Portugal: Diese Kirchen habe ich in Porto entdeckt

Wenn ich eine schöne Kirche sehe – dann gehe ich rein. Ich hatte bereits als Kind eine ausgeprägte Affinität für Gotteshäuser, ohne dabei besonders gläubig aufgewachsen zu sein. Klar, liebte ich es damals, mit meiner Mutter in Sochi in eine Kirche zu gehen, um Kerzen aufzustellen, russisch-orthodoxe Ikonen zu begutachten und den engelsgleichen Stimmen der Kirchensänger zu lauschen. Doch die Kunstgeschichte und die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten von Kirchenbauten sowie auch Bibelinhalten hob dieses Interesse auf ein ganz anderes Level.

Also fand ich auch in Porto zwei Kirchen, die mich schwer beeindruckt hatten. Die erste fiel mir durch ihre beachtliche Größe und massive Architektur ins Auge – zumindest im Vergleich zu den zierlichen, farbenfrohen Häuschen, die sie umgaben. Es handelt sich hierbei um die barocke Igreja dos Clérigos mit dem zugehörigen Torre dos Clérigos. Das Innenleben ist an Detailreichtum kaum zu überbieten. Die güldene Orgel, rosafarbenen Säulen und die zart ausgearbeiteten Figuren aus Marmor verleihen der Kirche ihre Einzigartigkeit und geben einen schönen Einblick in den Glauben der Portugiesen im 18. Jahrhundert. Für 8 Euro kannst du das kleine aber feine Kirchenmuseum besuchen und auch den Turm hochwanden, von dem du die Stadt im Panorama-Modus sehen kannst. Hier geht’s zu den besten Aussichtspunkten in Porto.

Innenleben der Kirche Igreja dos Clérigos in Porto, Portugal. Auf dem Bild ist der Altar zu sehen, sowie auch  die charakteristischen barocken Säulen und Goldelemente.
Eine kleine Impression aus der Igreja dos Clérigos. Die barocke Pracht beeindruckt mit ihrer symmetrischen Meisterarbeit. Für mich war der portugiesische Charakter hier deutlich spürbar

Gold im Übermaß: In diese Kirche ging ich als nächstes

Die zweite Kirche zog mich mit ihrer mystischen Dunkelheit und der Menge an Gold in ihren Bann. Ich liebe diesen „Gold-in-die-Fresse-Effekt“. Diesen konnte ich hier gut auskosten, denn die Rokoko-Kirche Igreja Do Carmo hat genug davon. Wie mir ein junger Mann, der dort arbeitete, verriet, handelt es sich bei der inneren Gestaltung um Holzarbeiten, die zunächst rot und dann gold gefärbt worden waren. Die wunderbaren Spiralsäulen sollen dabei eine Hommage an die Vatikankirche sein. 

Die Rokoko-Kirche Igreja Do Carmo von innen. Dem Betrachter fällt gleich das viele Gold und die kleinen Detailarbeiten auf. Zwei Besucher haben sich auf die Bänke platziert und fotografieren die sakralen Künste.
Klein, aber fein: Die Igreja Do Carmo von innen. Hier fiel mir auf, dass in den meisten portugiesischen Kirchen, die ich besuchte, im Hintergrund der Gesang eines Kirchenchors läuft.

In der Igreja Do Carmo in Porto finden Besucher auch etwas, das nicht so ganz zum Rest der Kirche passt. Neben der filigran ausgearbeiteten Marmor-Figuren stehen hie und da auch Holzfiguren, die durch den entstehenden Stilbruch etwas vom Rest der Kirche herausragen. Laut dem jungen Mann soll es sich dabei um Holzfiguren aus dem 19. Jahrhundert handeln. Diese sollen dort irgend wann installiert worden sein und später ihre bunten Gewänder bekommen haben. Seinem Gesicht konnte ich entnehmen, dass er diese ebenso ästhetisch fand, wie ich. 

Hier habe ich in Porto gegessen

Zu Mittag aß ich in einem authentischen Restaurant – „Solar Minho de Vento“. Es gab frisch gefangene Sardinen als Vorspeise und Kabeljau als Hauptgang. Sehr klarer Geschmack, tolle Oliven und aromatisches Gemüse. Hier verstand ich, dass ich rote Paprika doch nicht so hasse, wie bisher vermutet. Zufrieden schlenderte ich weiter durch die Straßen in die Richtung des Museu Nacional de Soares dos Reis

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Die Straßenkinder von Manila

In Manila hat bereits vor einigen Stunden die Dämmerung eingesetzt. Ich laufe wie immer relativ planlos durch die Straßen und werde von den bunten Lichtern vorbeifahrender Jeepneys geblendet. Lärm, Staub und kein fühlbares Anzeichen für Gefahr. Das entspannt mich in der Tiefe und ich befinde mich in meiner euphorischen Phase, in der ich die Stadt mit allen Sinnen einatme und eins mit ihr werde. Manches hier erinnert mich sogar an Vietnam. Das fast kindliche Interesse der Einheimischen, die kleinen schmalen Häuschen und natürlich diese warme Luftfeuchtigkeit, die mir das Gefühl gibt, mit ihr bereits in einem längst vergangenen Leben vereint gewesen zu sein.

Langsam fühle ich, dass ich Hunger habe. So richtig ans Essen habe ich mich hier noch nicht getraut. Immerhin ist das mein erster Abend auf den Philippinen und ich tu mich grundsätzlich schwer damit, Neues zu probieren. Bis mein Bus in Richtung Baler kommt, werden noch fünf Stunden vergehen. Also lasse ich mich von meiner Intuition treiben und laufe durch die nächtliche Menschenmenge. Dann gehe ich in eine Essbude, die sauber aussieht. Hier servieren sie Longsilog. Ein Frühstück, dass man sich hier zu jeder Tageszeit und beinahe überall holen kann: Knoblauchreis, zwei Spiegeleier, Würstchen, Ketchup. Handy laden verboten. In meiner Unsicherheit, ob mir der Akku bis zum Busbahnhof reichen würde, scrolle ich nervös durch Tiktok. Bis ich mich von zwei großen Augen beobachtet fühle.

Philippinos: Das schönste Lächeln der Welt

Ich setze von meinem Handy ab und erblicke ein zartes kleines Mädchen, das neben meinem Tisch steht und mich aus vollem Herzen anlächelt. Die Menschen auf den Philippinen haben das schönste Lächeln der Welt. Ich kann euch nicht sagen, warum. Und es liegt nicht zwingend daran, dass die aller meisten von ihnen einfach schneewüstenweiße Zähne haben. Es ist mehr als das. Sie lächeln dir direkt in die Seele und du kannst gar nicht anders, als es ebenfalls zu tun.

Das kleine Mädchen, nicht älter als sechs, redet mit mir in ihrer Sprache, mischt aber ein paar englische Wörter dazu. Sie sagt „money“ und deutet auf ihren Mund. Das Kind hat Hunger. Ohne Zögern schütte ich ihr alles, was sich in meinem Portemonnaie befindet, in die ausgestreckten Hände. Sie bedankt sich, zieht von dannen. Dann bleibt sie vor der Essbude stehen, dreht sich noch mal um und schenkt mir das süßeste Lächeln, das ich auf dieser Reise sehen würde.

Habe ich ein Kind in Schwierigkeiten gebracht?

Wieder voller Fokus auf Tiktok. Ich schneide mein erstes Manila-Video und schlürfe den köstlichen Kalamansi-Juice, den mir die freundliche junge Frau hinter der Theke empfohlen hatte. Dann höre ich einen Schrei. Ich springe auf. Es ist das kleine Mädchen. Ich sehe, wie ein Junge sie gegen den Baum drückt. Er hat sogar Verstärkung mitgebracht. Sie schreit erneut auf, lacht aber diesmal. Ich bin maximal verwirrt. Gemischte Signale kann ich überhaupt nicht deuten, habe aber stark das Gefühl, dass ich erst mal nicht dazwischengehen sollte. Dennoch halte ich mich bereit und bin mit den Augen und den Gedanken beim Baum da draußen. Er fordert von ihr das Geld, das ich ihr eben gab und versucht ihr in die Hosentasche zu greifen. Sie jedoch kann sich verteidigen und macht sich schnell aus dem Staub.

Mir wird richtig schwarz vor Augen. Was hab ich getan? Hat meine impulsive Fürsorge das Mädchen in Schwierigkeiten gebracht? Irgendwie will ich weinen, muss mich aber ordnen und wenigstens etwas aus der Situation lernen. Ich sitze also da und starre in die Leere. Es vergeht einige Zeit. Dann stehe ich auf und gehe.

Ein kurzer Spaziergang durch das nächtliche Manila

Wieder laufe ich durch die Straßen, durch die Menge. Ich komme an einem Gemüse- und Fischmarkt an. Manche Jungs dort wollen mit mir Selfies machen. Unter einer Bedingung mache ich mit: Im Gegenzug kriege ich auch ein Selfie mit ihnen. Sie sind einverstanden und strahlen freundlich in meine Frontkamera. Ich kaufe mir eine richtig verrückte rote Sonnenbrille am Straßenrand, weil ich meine verloren habe.

Ich scheine das rege Treiben zu verlassen und mein Bauchgefühl sagt mir: Lauf da nicht weiter rein ins Dunkle. Ich höre darauf und biege ab. Wieder Menschenmengen. Die einen warten auf ihren Jeepney, die anderen sitzen gelangweilt hinter ihren üppig dekorierten Obstständen, die dritten drängen sich aneinander vorbei und bleiben mit einem Grinsen stehen, wenn sie mein osteuropäisches Gesicht entdecken, das nicht so ganz zum sonnengeküssten Rest zu passen scheint. Mein Rucksack ist scheiße schwer, ich bin müde und will einfach nur noch ein Nickerchen im Bus machen.

Neue Begegnung mit Straßenkind: Geht meine neue Strategie auf?

In Gedanken versunken spüre ich warme feuchte Händchen an meinem Arm. Diesmal steht ein Junge im Vorschulalter vor mir und schaut zu mir herauf. So ein süßer Bengel. Aber es hat die Augenbrauen zusammengezogen und gibt mir den bösen Blick, obwohl die Händchen sich ganz sanft an mir festhalten. „Give me money!“, fordert er. Ich aber meine, aus meinem vorherigen Fehler gelernt zu haben. Und sage: „I can buy you food. What would you like to eat?“ Er lässt von meinem Arm ab und versucht in die Tasche zu greifen, die ich außer dem blöden Rucksack mit mir rumschleppe. Eigentlich ist er gar nicht blöd, ich hatte ihn bei jedem Städtetrip quer durch Europa dabei, deshalb hänge ich auch so sehr an ihm. Aber ich lenke ab.

Ich ziehe vorsichtig seine Hand aus meiner Tasche und sage streng: „Nooo“, und schüttle langsam meinen Kopf. Bevor ich wiederholen kann, dass ich gewillt bin, ihm etwas zu Essen zu kaufen, haut er ab und ruft mir, als würde er mich ein wenig beleidigen wollen, „American […]“ zu. Ich habe das zweite Wort akustisch nicht verstanden, war aber überrascht, dass ich für ihn wie eine Amerikanerin aussah. Ich lief weiter, gähnte zwischendurch und entschied, dass das meine neue Strategie werden würde, wenn die Kinder von Manila wieder Geld von mir fordern sollten. Ob es aber eine richtige ist, weiß ich jedoch bis heute nicht.

Schau hier auch vorbei: Das ist ein Eindruck, den ich in Baler hatte, der mir die Augen öffnete.


  • NEU: Alle meine Reiseabenteuer gibt es seit neuesten Ereignissen auch als im Videoformat auf Tiktok.
  • Alle Bilder unterliegen dem Copyright von avecMadlen.com
  • Das Titelbild stellt keine Straßenkinder dar und dient lediglich als Symbolbild 🙂
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Kunst

Kandinsky hört Farben

Hörte Wassily Kandinsky Musik, während er seine Genialität auf die Leinwand brachte? Das werden wir womöglich nie erfahren. Was wir jedoch mit Sicherheit sagen können, ist, dass er sich von den Werken Wagners, Schoenbergs und Mussorgsky’s inspirieren ließ. Seine Erfahrungen beim Musikhören beeinflussten ihn und seine Kunst sehr stark. Klang wandelte er nämlich in Farbbewegung um und nannte seine abstrakten Bilder zudem auch „Impression“, „Improvisation“ oder „Komposition“ – Begriffe, die wir sonst nur aus der klassischen Musik kennen.

links: Improvisation 26 (Rudern), 1912
rechts: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Sommer), 1914

Was hat es mit dem Hören von Farben auf sich?

Dieser Umwandlugsprozess ist weniger mystisch als psychologisch. In der Forschung gibt es sogar einen gesonderten Begriff dafür: Synästhesie. Also der Prozess einer automatischen Kopplungen zwischen zwei verschiedenen Reizen (etwa Chromästhesie: Klänge→Farben). Das kann zum einen an einer engen Verschaltung benachbarter Hirnareale liegen („cross-activation“), oder an einer Enthemmung bestehender Rückkopplungen („disinhibited feedback“). Zweiteres heißt so viel wie: Das Gehirn lässt Infos aus einem Sinnesbereich leichter in andere Bereiche fließen, statt sie zu stoppen. Manche Menschen haben das, manche nicht.

Mein lieber Schatz (ein Geiger) sagte mir neuerdings, er könne das. Was mich überhaupt dazu veranlasste, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Er meinte, meine Sprechstimme würde gülden klingen. Wenn ich lustig gelaunt sei, eher zitronengelb. Wenn ich sowas schon höre, erlebe ich natürlich den Höhenflug des Jahrtausends. Das muss ich hier an der Stelle ganz offen zugeben.

Natürlich ist nicht jeder so gebaut wie dieser Musiker. Aber die aller meisten von uns werden unterscheiden können was mit „warme Farbe“ oder „kühler Ton“ gemeint ist. Was ein warmer Klang ist und was etwa ein metallisches, kaltes Geräusch ist. Und das obwohl Temperaturen weder gesehen noch gehört werden können. Höchstens ihre Auswirkungen. Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will.

Entwurf 2 zu Komposition VII, 1913

Wassily Kandinsky: Synästhesie oder doch nur Strategie

„Farbe ist die Taste, das Auge der Hammer, die Seele das Klavier mit vielen Saiten“, schrieb Kandinsky in „Über das Geistige in der Kunst“ (1911). Vor allem in der abstrakten Phase seiner Kunst lebt er dieses Prinzip und spielt mit der Leuchtkraft und Kombination seiner Farben, die beim Betrachter eine tiefe Emotionalität hervorrufen können. Ich für meinen Teil bin nach einer Kandinsky-Ausstellung sehr auf Endorphinen und erreiche ebenso einen aufgeladenen Zustand, wie nach einem guten klassischen Konzert. Aber ich bin, ihr kennt mich ja, sehr empfänglich für all sowas.

Inwieweit Kandinsky jedoch eine angeborene Synästhesie hatte oder einfach nur konsequent seine Vision der Farben und Klänge durchgedrückt hatte – darüber streitet sich die Forschung bis heute. Doch dass unser geliebter Künstler wirklich wenig Menschen kalt lässt, ist Tatsache. Unzählige Sammlungen und Ausstellungen auf der ganzen Welt, tausende Besucher, tausende Artikel und Kunstbücher, Postkarten, Drucke usw. sprechen meines Achtens ganz dafür, dass er wohl doch mit seiner Kunst in vielen von uns einen ganz bestimmten Punkt unserer Seele berührt, was sonst selten einer schafft.

rechts:  Improvisation 19, 1911
links: St. Georg III, 1911

Farbwirkung und Emotionalität

Kandinsky’s Absichten in der Malerei waren nicht nur ästhetisch geprägt, sondern spirituell-emotional. Mit seinen Farben und Formen wollte er gezielt im Betrachter ähnliche Gefühlsreaktionen auslösen wie Musik es tut. Er war überzeugt, dass Farben eine direkte „seelische Vibration“ hervorrufen können. Daher ordnete er Farben bewusst bestimmten Stimmungen und Klängen zu:

  • Blau steht bei Wassily Kandinsky für Ruhe, Spiritualität und Unendlichkeit.
  • Gelb hat eine exzentrische, hervorbrechende Wirkung und einen hohen, durchdringenden Klang.
  • Rot symbolisiert Energie, Leidenschaft und Dynamik, ist dabei jedoch eine sehr widersprüchliche Farbe in Kandinsky’s Werk. Sie kann sowohl eine warme, reife und energiegeladene Kraft als auch eine innere Unruhe und Erregung darstellen. Rot kann gleichzeitig stürmisch und aufpeitschend, aber auch bodenständig und ruhig sein, je nach Nuance und Kontext.
  • Schwarz und Weiß: repräsentieren Gegensätze wie Dunkelheit und Licht.

Außerdem nutze er bewusst musikalische Begriffe als Malstrategie. „Kompositionen“ waren bei ihm streng geplante, komplexe Werke, „Improvisationen“ hingegen spontanere, emotionale Farbklänge.


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Kunst- und Reiseimpressionen gibt’s jetzt auch im Video-Format: Hier geht’s zu meinem Tiktok-Account

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Reisen

Teneriffa: Einfach planlos durch die Gegend ziehen

Meine Reise nach Teneriffa schenkte ich mir zu meinem 30sten Geburtstag (21. April – safe the Date). Über dieses Geschenk habe ich mich sehr gefreut. Danke Madlen, dass du immer so großzügig bist. Du schlägst mir echt gar nichts aus (an dieser Stelle versuche ich witzig zu sein). Einen Plan hatte ich nicht, was ich an jenem besonderen Tag machen wollte. Bock hatte ich aber auf eine hübsche Geburtstagstorte mit 30 brennenden Kerzen, und darauf, in den erst besten Bus zu steigen und ihn erst dann zu verlassen, wenn mir die Aussicht besonders gut gefiele. Dies tat ich auch.

Teneriffa entdecken: Ich lasse den Zufall entscheiden

Nachdem ich alle Kerzen ausgepustet und ein Stück meiner Torte genossen hatte, stieg ich in einen zufällig gewählten Bus ein und an der Endhaltestelle aus. Dort befand mich in einem entzückenden kleinen Dorf, das aber gebietsmäßig immer noch zu Puerto de la Cruz gehört. Auch hier, wie überall auf der Kanarischen Insel, war die Natur atemberaubend. Ein gigantischer Drachenbaum hier, eine faszinierende Klippe da – ein Waldrand dort drüben. Absolut traumhaft.

Besonders liebte ich es, endlich mal ein Stück Kontrolle abzugeben. Rational veranlagte Menschen kriegen beim Lesen gerade womöglich die Krise. Ich hatte jedoch das starke Bedürfnis, den Zufall und meine Intuition entscheiden zu lassen, was mit mir passiert – und vor allem wo. Es war geil und es hat sich zu 100 Prozent gelohnt. Da ich ohne Internet auf dem Handy unterwegs war, war die ganze Reise gleich noch viel spannender.

Neue pelzige Bekanntschaft geschlossen

Nicht einen blassen Schimmer hatte ich, wo ich gleich lande, wenn ich die Nächste nach links abbiege. Ein kleiner Überraschungseffekt also. So landete ich in einer abgezäunten Gemeinschaft aus künstlerisch angelegten Gärten. Die dort arbeitenden Menschen wussten viel eher als ich, dass ich mich verirrt hatte. Dann, als ich aus diesem kleinen Paradies den Weg hinaus gefunden hatte, war ich nicht weniger ver(w)irrt. Ich passierte Häuschen über Häuschen, landete mehrmals in Sackgassen und entschied mich immer wieder dagegen, umzukehren, sondern bog in neue steile Gässchen ein.

In einer davon traf ich eine verschmuste Katze. Eine Glückskatze wieder mal. Einer meiner Journalistenfreunde sagte mal, dass die Glückskatzen immer besonders verrückt sind. Recht hatte er. Jedes Mal, wenn ich nun so eine treffe, denke ich an seine Worte. Liebe Grüße an der Stelle.
Die pelzige Kleine wollte mich gar nicht loslassen und rieb sich mit dem ganzen dicken Körper an meinen Beinen. Ich fand gefallen dran und verweilte ein wenig mit ihr. Als ich ging, geleitete sie mich mit ihren stillen Schritten bis hin zur Straße.

Wo bin ich denn da gelandet?

Die nächste Gasse, in die ich bog, führte steil abwärts. „Wenn mich der Weg nicht zu einem Strand führt, fange ich an, meinen Ausflug zu hinterfragen“, dachte ich mir. Hier sah ich zahlreiche Eingezäunte Grundstücke. Manche davon wahrscheinlich Ferienhäuser. Ich ging und ging. Ab durch einen Tunnel mit atemberaubenden Fresken – zugegeben: die Streetart hier auf Teneriffa ist einfach next Level.

Ich landete mitten auf einem Schrumepelkartoffelfeld. Und ich liebte alles daran. Weiter kam ich zu einem Wildpfad. Man überlege – ich habe diesen Pfad durch reinen Zufall, oder aber wahrscheinlich mit Gottes Hilfe, gefunden. Mir eröffnete sich eine Naturkulisse, die mir den Atem stocken ließ. Ich  traute meinen Augen kaum. Etwa 200 Meter (ich bin beschissen im Schätzen) über dem Meeresspiegel stand ich da und blickte in den Abgrund. Unter mir: Klippe, Schlucht, freier Fall, Atlantischer Ozean. Endlich fühlte ich wieder, wie es ist, glücklich zu sein.

Hier mein geliebtes Kartoffelfeld

Theatralisches Teneriffa: Klippen, Schloss und Ozean

Mitten in den Klippen stand ein verlassenes Schloss. Es sah aus, als sei es nie zu Ende gebaut worden. Und der Wildpfad führte mich panoramamäßig durch die unbeschreibliche Natur inmitten der üppig florierenden Klippen. Ich stand also da – neben mir die Möwen kreis(ch)end – und blickte auf die Schlossmauern herab; sah den Wellen dabei zu, wie sie unermüdlich gegen Felsen schlugen und ihr salziger Schaum sich darüber legte. Es war wie ein Fiebertraum. In diesem Moment dachte ich: „Mein Gott, das Leben hat doch so viel mehr zu bieten, als… [Diesen Teil habe ich bewusst rausgeschnitten.]“

Der Gedanke daran, dass das Leben auch andere Farben spielen kann, machte mich zufrieden. Damit etwas wachsen kann, muss meistens etwas anderes zuvor kaputt gehen.

Ich lasse meinen Geburtstag ausklingen

Nun denn. Als ich auf einer Aussichtsplattform ankam, hatte ich freie Sicht auf den „verbotenen Strand“, wie ich ihn getauft hatte. Von dort sah ich auch ganz genau, wie ich mich nach unten sneaken könnte. Hierfür war ein kleiner Umweg nötig, der wiederum auch atemberaubend schön war.

Am Ende des Tages trug ich dunkelroten Lippenstift auf und ging schick essen. Es gab, ihr ahnt es, Schrumpelkartoffeln! Mir dem Fang des Tages. Das war der schönste Geburtstag, den ich je hatte. Obwohl nicht der erste, den ich alleine verbrachte. Den 23sten feierte ich nämlich ebenfalls allein (aber ungewollt) und wurde zum Abend hin von der Polizei verhaftet hahaha. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ich vielleicht ein andermal erzähle.


NEU: Auf meinem TikTok-Kanal kannst du alle meine Abenteuer im Videoformat erleben.

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