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Kategorie:Kunst
Ich liebe die Kunst (und Architektur) mit jeder Faser meines menschlichen Daseins und sie liebt mich. Es ist vor allem die Kunst, die mich an dieses Gefühl erinnert, verliebt zu sein. Sie ergreift mich und sie katapultiert mich in eine Welt, in der meine Lungen mit dem Duft von Farbe und Firnis gefüllt sind, meine Seele frei ist und meine Augen mit ihren Farben leuchten. Es ist die Kunst, die mich aus den düsteren Ecken meiner Gedanken befreit und in sich selbst ertränkt. Sie flutet meine Sinne, meine Gedanken – meine Empfindungen. Sie ist die Leidenschaft, nach der ich immer suchte und sie ist das Kostbarste, das ich habe.
Diese unendliche Liebe zur Kunst – und dementsprechend auch zur Architektur – will ich mit dir teilen. Wenn du kein Bock hast, darüber zu lesen, dann schau dir einfach die Bilder an. Ich wette, du findest etwas, das dich bewegt und inspiriert. Etwas, das du schon lange vermisst hast, oder einfach etwas, das dir optisch gut gefällt.
In dieser Rubrik findest du ikonologische und ikonographische Beiträge, spannende Ausstellungen, Künstler, Architekten, die besten Museen der Welt, Epochen, Handwerk,… – eben alles, was das kreative Herz begehrt.
MUNCH: THE SCREAM, 1893. The Scream. Tempera and pastel on board by Edvard Munch, 1893. PUBLICATIONxNOTxINxUSAxCANxUKxFRAxESPxJPN Copyright: xGRANGERx/xGRANGERx 0033509
Während der Olympischen Winterspiele 1994 hatte er in einem spektakulären Raubzug das weltberühmte Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch gestohlen. Nun ist Pal Enger im Alter von 57 Jahren gestorben. Dies berichteten norwegische Medien am Sonntag, 30. Juni 2024. Der Diebstahl in Oslo erfolgte damals am Tag der Olympia-Eröffnung in Lillehammer am 12. Februar 1994 und hatte weltweit für großes Aufsehen gesorgt.
Pal Enger und ein Kumpan hatten am frühen Morgen mit Hilfe einer Leiter die Fassade der Nationalgalerie in Oslo erklettert, ein Fenster eingeschlagen und das Gemälde herausgeholt. Der frühere Fußballspieler begründete seine Tat später damit, dass er von Munchs Gemälde „Der Schrei“ fasziniert sei. Nach dem Diebstahl versteckte er es unter einem Couchtisch. Drei Monate später kamen ihm die Ermittler auf die Spur und konnten das Kunstwerk sicherstellen.
Edvard Munch, „Der Schrei“ (1893). Tempera und Pastell auf Karton.
Munchs „Der Schrei“: Sechs Jahre Knast für den Dieb
Enger wurde im August 1997 wegen der Tat zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Später beging er weitere Kunstdiebstähle und wurde dafür ebenfalls verurteilt.
„Der Schrei“ ist weltbekannt, das 1893 entstandene Gemälde steht symbolisch für die existentielle Angst und Verzweiflung des Menschen in der Moderne. Munch schuf mehrere Versionen, das von Enger gestohlene Bild gilt unter Experten als die beste. (mad/afp)
Die Gegenwartskünstlerin Lu Yang hat auf der diesjährigen Art Basel ihr neuestes Werk vorgestellt: einen Gestaltwandler-Avatar namens DOKU. Yang ist bekannt für ihre fesselnden Animationen, die das Menschsein im 21. Jahrhundert erforschen. Seit 2018 arbeitet sie mit einem Team aus Wissenschaftlern, 3D-Animatoren und Digitaltechnikern zusammen, die sich auf dem Gebiet der Motion-Capture-Technologie (kurz MoCap) spezialisiert haben. Diese Technologie erfasst die Bewegung von Menschen oder Objekten digital und reproduziert diese in einem virtuellen Umfeld. Das Ergebnis fand ich überwältigend.
Bereits in meinem ersten Artikel über die Art Basel 2024 beschrieb ich meine Begeisterung gegenüber Lu Yang und ihrem gigantischen Kunstwerk. Es war beinahe unmöglich, sich von dem Bildschirm zu entfernen, auf dem das Abenteuer von Avatar DOKU gezeigt wurde. Nicht nur die verrückte, hyperrealistische Animation war das Fesselnde an diesem Werk. Auch die wortlose Geschichte, war spürbar packend und wirkte beinahe hypnotisch auf die vielen Zuschauer, die sich davor versammelten. DOKU entdeckte sozusagen die von Menschenleben verlassene Welt mit den Augen eines Individuums, das diese Welt erstmals betrat. Ich kann gar nicht mehr adäquat schildern, was DOKU in der Animation alles getrieben hat. Ich erinnere mich lediglich daran, all das mit weit aufgerissenen Augen inhaliert zu haben und zwischendurch fassungslos „wie?“ gefragt zu haben.
Copyright: Art Basel Unlimited (Katalog)
„Digitale Reinkarnation“: Wer ist Avatar DOKU?
DOKU ist mehr als ein virtueller Character. Er oder sie repräsentiert einen Menschen in einer digitalen Hülle. Seinen oder ihren Namen trägt DOKU aus der Phrase „Dokusho Dokushi“. Das bedeutet etwa: „Wir werden allein geboren und sterben allein“. Dieser Aspekt des Alleinseins wird in Lu Yangs vorliegender Animation, dem Erzählfilm „DOKU The Flow“, intensiv untersucht. Das Filmprojekt bezeichnet die Künstlerin liebevoll als „digitale Reinkarnation“. Derzeit umfasst es zwei Filme, wovon „DOKU The Flow“ der zweite ist, wenn ich mich nicht komplett irre.
„DOKU The Flow“ stützt sich stark auf die buddhistische Philosophie von Mādhyamika, die besagt, dass alle Phänomene frei von einer inhärenten „Natur“, „Substanz“ und „Essenz“ sind. Über eine Reihe von nichtlinearen Sequenzen präsentiert der Film komplexe 3D-Animationen und zeigt DOKU in verschiedenen digitalen Skins. Die narrative Struktur zielt darauf ab, die traditionelle Realität zu überwinden und einen tiefergehenden Einblick in die ultimative Wahrheit der Leere und Verbundenheit zu erlangen.
Lu Yang – eine Gegenwartskünstlerin mit Message
Lu Yang wurde im Jahr 1984 in Shanghai geboren. Sie nutzt verschiedene Strategien aus Religion, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften, um grundlegende Fragen zu den Zusammenhängen zwischen Körper und Bewusstsein sowie Spiritualität und Wissenschaft zu erforschen. Sie hinterfragt zudem die Grenzen des Menschseins in unserer zunehmend technologischen Welt. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Shanghai und Tokio.
Besuche Lu Yangs Website, wenn du mehr zu ihren Animationen und ihrem Schaffen erfahren willst und wenn du dir einen Eindruck zu DOKUs Bewegungsablauf und seinen oder ihren Formwandlungen verschaffen willst.
Mit der Art Basel verbinden mich besondere Emotionen und Erinnerungen. Bereits im Kindesalter liebte ich es, die Schweizer Kunstmesse zu besuchen und mir dort die Füße wund zu laufen. Da die Art Basel seit 2002 auch in Miami Beach stattfindet und seit 2013 auch noch in Hongkong, will ich an dieser Stelle verdeutlichen, dass ich auf der Art Basel in Basel war. Auf diesen Moment wartete ich schon lange. Nur kam ich in den letzten Jahren nie dazu, diese gigantische Ausstellung zu besuchen. Nun war es aber soweit: Ich hatte 3,5 Stunden zeit und 100 Prozent Bock.
Gemälde, Drucke und Co. – ich habe den leisen Verdacht, dass ich Farbe mag:
André DerainAndré Derain: Paisage de neige à Chatou (1904-05)Paula Rego: Girl with Sunglasses and Vegetables (1985)Pablo Picasso: Femme dans un fauteuil Li Songsong: I’m smiling (2021)Jörg Immendorff: beben/heben (1983)beben/heben (Fragment)Ein Künstler, dessen Namen ich nicht lesen kann, weil meine Handykamera scheiße ist (Fragment)Srijon Chowdhury: Birth (2024)Christine Tien Wang: Capitalism Cat (2024)Robert Colescott: Lydia, Life, Death and Transfiguration (1967)Liza Lou: Rising Action (2024). Alles Glasperlen, liebe Freunde.Thomás Saraceno: Cirrus unicus parvus nacreous (2024)Peter Schoolwerth: FlashForward: The Best Day of Your Life (2023) keine Ahnung, was das ist, aber ich lieb’sHannah Quinlan & Rosie Hastings: Hier Ist’s Richtig! (2024)
Mein erster Eindruck: Gut, aber nicht ergreifend
Ich habe bei Weitem nicht alles gesehen. Doch die Ausgestellten Exponate der Galeristen (im Erdgeschoss des Hauptgebäudes) habe ich mir als erstes reinziehen können. Zu meinen persönlichen Favoriten gehörten (natürlich) Werke von Alexej Jawlensky und Wassily Kandinsky. Da bekam ich kurz Herzklopfen. Die Werke standen zum Verkauf. Ähnliche sah ich bei der unvergesslichen „Blauer Reiter“ Ausstellung im Lenbachhaus München. Des Weiteren gab es mehrere Skulpturen zeitgenössischer Künstler, die mich nachhaltig beeindruckt haben.
Kandinsky: Murnau mit Kirche II (1910)Jawlensky: Abstrakter Kopf: Inneres Schauen (1927)
Dann gab es noch die andere Seite. Sehr Vieles, was ich im Erdgeschoss sah, fand ich recht ausgelutscht. Mir hat es etwas an Kreativität und Experiment mit Material und Farbe gefehlt. Für Verhältnisse der Art Basel, und wie ich sie immer in Erinnerung hatte, war es für mich persönlich nicht ergreifend genug – zumindest dieses Jahr und dieses Fragment, das ich mir angesehen hatte. Wir erinnern uns an die Art Karlsruhe, die mich ja völlig aus den Socken gescheppert hat. Noch mal: In Basel hatte ich nicht die Zeit, um mir alles anzusehen. Aber ich erinnere mich, wie die Art Basel vor vielen Jahren meine Welt erschüttert hatte. Und das nicht ein Mal. Doch dann…
Mein zweiter Eindruck von der Basel Art 2024
…dann betrat ich das Obere Geschoss des Hauptgebäudes. Und bekam das, wonach ich mich die Stunden zuvor so gesehnt hatte. Im Schnelldurchlauf raste ich durch die Hallen und konsumierte diese wunderbare Kunst mit einer Gier, die sich bereits angestaut hatte. Bei Kunstmessen, finde ich zumindest, ist es immer eine Art (höhö) Konsum der Kunst, weniger ein Genuss. Naja Genuss natürlich auch, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es ist die Masse an Exponaten, die ein Individuum überwältigt und am Ende ist man nur noch dabei, die ausgestellte Kunst zu „bingen“. Tatsache: Die obere Etage des Hauptgebäudes war absolut fantastisch und ich hätte mich gleich nach oben begeben sollen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.
Kommen wir mal zu den Skulpturen und Plastiken (EG und OG gemischt):
Grayson Perry: Rumpleforeskin (2005)John ChamberlainDiese Lady ist, ich nehme stark an, 3D-gedruckt.Richtig gesehen: Im Hintergrund hängt ein Gerhard Richter.Elmgreen & Dragset: Did I grow? (2024), Marmor, Leute!Thomas Schütte: Old Friend Revisited (2021)Keine BeschriftungAuch hier keine BeschriftungDie haben mir richtig gut gefallen. Keine Angaben zum Künstler.Jean-Michel Othoniel (kp, wie die Werke heißen). Entstanden zwischen 2023 und 2024.Ich, wenn ich meinen Husten dramatisiere. Spaß. Keine Beschriftung vor Ort.
Oh Gott, da gab es noch diese riesige, angeschimmelte Wassermelone aus Halbedelsteinen. Liebe auf den ersten Blick und definitiv mein absoluter Favorit auf der Messe. Trotz Beschaffenheit, den imitierten Schimmelflecken und der Größe dieses Kunstwerks habe ich immer noch das Bedrängnis dazu, da reinzubeißen. Es war ein beeindruckendes Spiel mit Format, Material und Thematik. Ich meine, wer will schon aus Schimmel Kunst machen? Sowohl extrem anziehend als auch abstoßend – ich war zutiefst begeistert. Die verwendeten Materialien in diesem Werk: Kirschquarz, Rosenquarz, Achat, rosa Opal, Amazonit, Türkis, Aventurin, Aquamarin, Magnesit, Karneol, Rhodochrosit, Rhyolith, Rhodonit, Quarz, Druzy-Achat, Calcit Citrin, Prehnit, Labradorit, Jaspis, Serpentin, Tigerauge, Acryl, Glas, Gusseisenfliegen, Messingfliegen, Stahlstifte auf beschichtetem Polystyrol, Fiat 850 Sport Spider-Verdeck.
Kathleen Ryan: Bad Melon (2024) – Maße: 120,65 x 128,27 x 95,25 cmRückseite
Highlights von der Art Basel Unlimited
Auch die Unlimited-Halle habe ich besucht. Hier wurden hauptsächlich großformatige Installationen gezeigt. Sehr lange stand ich vor einem Bildschirm, der ein Fantasieszenario aus der Zukunft über die Entstehung (oder den Untergang) des Lebens auf der Erde zeigte. Dieses Stück visueller Kunst faszinierte mich. Die Animation war unglaublich, das Thema war deep, der Film war extrem lang und extrem fantasievoll. Ein Genuss. Davor waren viele begeisterte Besucher versammelt – nicht nur wir. Lu Yangs „DOKU, The Flow“ war definitiv eines der Highlights von der Art Basel.
Lu Yang: DOKU, The Flow 2024.Bitte das Mensch-Kunstwerk-Größenverhältnis beachten.
Ein weiteres herausragenderes Werk war der Käfig aus Glasperlen. Das Ding verdrehte mir den Verstand. Auch dieses fand ich in der Unlimited-Halle und bestaunte es mit offenem Munde. Es hat nämlich sehr schön gefunkelt und allein dieser Kontrast zwischen den glitzernden Glasperlen und dem Stacheldraht mit Drahtgitter zog mich sehr an.
Meine Mutter vor: Security Fence von Liza Lou (2005)DetailaufnahmeGeiles Teil.
Trotz meines ersten Eindrucks mit den „ausgelutschten“, aber nicht üblen Kunstwerken im Erdgeschoss, muss ich sagen, dass die Art Basel im Terminkalender aller Kunstliebhaber niemals fehlen darf. NIEMALS.
Das sind weitere Highlights von der Kunstmesse, die mich fasziniert haben:
David Claerbout: Birdcage (2023), Videoprojektion mit Zoom inMire Lee: The Liars (2021)So Ketten und Latexzeug faszinieren mich immer. Könnte das stundenlang betrachten.Nick Cave: Tondo (2023), hier handelt es sich um bunte Stahldrähte.Peter Zimmermann ticket to (2023), Kunstharz auf Leinwand.Jim Lambie: Sun NecklaceSun Necklace: Fragment
Ein paar kurze Fakten zur Art Basel
Kommen wir zu ein paar spannenden Fakten über die Art Basel: Die weltbekannte Kunstmesse setzt sich als führende Plattform für Galerien durch, um ihre Werke Kunstkennern, Museumsdirektoren und Kuratoren vorzustellen und zu verkaufen. Die Messe wurde 1968 von den Galeristen und Kunsthändlern Trudl Bruckner, Balz Hilt und Ernst Beyeler ins Leben gerufen und hat seitdem stetig an Bedeutung gewonnen.
In der ersten Ausgabe der Messe im Juni 1970 in Basel präsentierten 90 Galerien und 30 Verleger aus zehn verschiedenen Ländern ihre Werke. Dieses Debüt lockte 16.300 Besucher an. 2024 stellten 285 Galerien aus 40 Ländern ihre Arbeiten aus, darunter Werke von über 4.000 Künstlern aus fünf Kontinenten. Laut Angaben der Basler Zeitung besuchten dieses Jahr 91.000 Menschen die Art Basel.
Gruß……und Kuss von der Art Basel
Zum Artikelbild: Sehet, staunet, beneidet – ja, das ist meine Mutter, die auf der diesjährigen Art Basel eine eher merkwürdige Installation begutachtet. Um das ausgestellte Holzhäuschen herum war ein Feuer aus Neonlampen und innen saß die lebensgroße Puppe eines Opas am Tisch. Mit einem Messer in der Hand. Wirklich sehr suspekt. Hierbei handelte es sich um das Kunstwerk „Hell Hole“ von Alex Da Corte.
Erst neulich habe ich euch von den besten Museen der Bundesrepublik erzählt. Nun. Dieses könnte auch bald auf dieser Liste stehen. Es handelt sich um das höchst umstrittene und von der Presse verhasste Fabergé Museum in Baden-Baden. Hinter einer Paywall verstecken zahlreiche Boulevard-Magazine ihre vernichtenden Kritiken gegen das Kunsthaus. Auch die BNN schießen ordentlich dagegen. Ich kann die Vorwürfe, die gefühlt in alle erdenklichen Richtungen gehen, jedoch nicht einschätzen. Also besuchte ich das Museum unvoreingenommen als Studentin der Kunstgeschichte und sah mir die Exponate aus der Nähe an. Eines davon will ich euch heute vorstellen: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Memoare eines Meisterjuweliers: Qualität der Fabergé-Eier
Franz-Josef Bierbaum, einer der namhaftesten Meisterjuweliere, die für den berühmten Juwelier Peter Carl Fabergé gearbeitet haben, hat in seinen 1919 aufgezeichneten und erst 1992 veröffentlichten Memoaren*, Details zur Herstellung der sogenannten „Kaiser-Eier“ enthüllt.
Bierbaum hebt hervor, dass die Qualität dieser kunstvollen Ostereier während des Ersten Weltkrieges nachgelassen hatte. Anstatt der üblichen luxuriösen Materialien wie Diamanten und Gold wurden die Eier entweder nur in bescheidener Qualität, oder gar nicht hergestellt. Drei relativ einfache Eier sind aus dieser Zeit bekannt: Das „Rote Kreuz Ei“ von 1915 sowie das „Georgische Ei“ und das „Stahlei“, beide aus dem Jahr 1916. Zwei weitere wurden unvollendet: Eins aus Stein und das andere aus Holz.
Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Peter Carl Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke (1917). Zu sehen ist auch das diamantbesetzte Schlüsselchen sowie auch das passende Etui im Hintergrund.
Die Kaiserin Maria Fjodorowna liebte Kunsthandwerk aus karelischer Birke, einer kostbaren Holzsorte aus Karelien, Nordrussland. Also nehme ich mal an, dass das vorliegende Exemplar nach ihrem Geschmack gefertigt wurde. Ein besonderes Detail dieses Eis werde ich euch gar nicht zeigen können – und wahrscheinlich auch selbst nicht sehen: Den in dem Inneren des Kaiser-Eis versteckten Elefanten, der als Glücksbringer dienen sollte.
Ein Brief soll das schlichte Fabergé-Ei historisch einordnen
Das Kaiserliche Osterei wird im Fabergé Museum zusammen mit einem Schlüssel, dem Etui und zwei Begleitpapieren ausgestellt. Eins dieser Papiere ist die Originalrechnung Fabergés an den Kaiser vom 25. April 1917 und das zweite ist ein Brief vom 23.03.1917, geschrieben von Carl Fabergé an den Vorsitzenden der Übergangsregierung, den Justizminister Alexander Kerenskiy. Denn „wie bekannt, war der Russische Kaiser Nikolai der II. zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten und wurde nicht ohne Gewalt in seiner Sommerresidenz unter Hausarrest gehalten“, merkt das Baden-Badener Museum an.
Diplomatisch begann Karl Fabergé seinen Brief an Kerenskiy mit der Beschreibung der schwierigen Situation, in der sich seine Mitarbeiter befanden, leitete über zu der Notwendigkeit, die Militärbestellungen zu erfüllen und erwähnt auch die anstehenden Lohnauszahlungen. Schließlich bittet er den Minister um einen kleinen Gefallen: „Bitte erlauben Sie mir, dem ehemaligen Kaiser und seiner Familie ein paar kleine Gegenstände (Erinnerungstücke, Andenken) zu übergeben, unter anderem zwei kleine Tierfigürchen und ein einfaches Osterei, ohne Luxus und fast unverziert, innen ein kleiner Elefant als „Glücksbringer“.
Geheimnisvolles Verschwinden: War dieses Fabergé-Ei wirklich so schlicht?
Tatsächlich war der Elefant, wie man der Rechnung entnehmen kann, aus Gold und mit 611 Diamantrosen besetzt. Mit einem ebenfalls diamantbesetzten Schlüsselchen (siehe Bild) konnte man den Elefanten im Ei aufziehen und „zum Laufen bringen“, heißt es in den Informationen des Museums.
Es sei durchaus möglich, dass die Übergabe der Tierfiguren genehmigt wurde. Laut dem Protokoll nach der Hinrichtung der Zarenfamilie sollen nämlich etliche solcher Figuren konfisziert und an Moskauer Museen weitergegeben worden sein. Anders sieht es mit unserem „einfachen Osterei“ aus.
Das Fabergé-Ei aus karelischer Birke mit dünner Goldfassung wird in Carl Fabergés Brief an seinen oben bereits erwähnten Meisterjuwelier Franz-Josef Bierbaum angemerkt. Darin schreibt Fabergé, dieses dem Kaiser zu Ostern 1917 gemacht zu haben. Er geht davon aus, dass der Kaiser das Osterei nie bekommen hat. Kerenskiy habe das wohl nicht zugelassen. Wohin es verschwunden ist, wisse Fabergé nicht. „Jedenfalls war ich nach den Durchsuchungen und der ganzen Zerstörung durch die Bolschewiken im Firmengebäude und habe keine Spur von den Sachen gesehen“, heißt es in dem ausgestellten Brief.
Fabergé Museum in Baden-Baden beteuert Echtheit
Das Museum fügt an: „Eine erste Publikation des Birkeneies mit einer Abbildung erfolgte 1997 im Buch ,Kaiserliche Ostereier der Firma Fabergé‘ von Tatjana Fabergé, Valentin Skurlov und L. Proller. Die historische Abbildung wies absolute ldentität mit unserem Ei auf.“ Die Expertise der Punzierung** erfolgte durch den Werkstattmeister H. Wingström. Dieser soll die Markierung Fabergés sowie auch ein Fabergé-Label eindeutig bestätigt haben.
Auch kunsttechnisch gemmatologische und juweliertechnische Expertisen des Abdrucks eines Fabergé-Labels auf der Innenseite des Etuis sollen eindeutige Resultate ergeben haben. Sie ließen keine Zweifel an der Echtheit des Stückes, heißt es im Bericht des Fabergé Museums.
**Eine Punzierung ist eine Technik, die darin besteht, Muster und Formen von Hand in Metall oder Leder zu prägen. Das Besondere daran ist, dass das Motiv in das Material versenkt und somit als Negativ zu sehen ist. Für diese Art der Gestaltung werden spezielle Werkzeuge namens Punzen oder Punziereisen verwendet. Diese sind eigentlich Metallstifte, deren Ende durch eine einfache geometrische Form gekennzeichnet ist. Für kleine Ornamente nutzen Handwerker oft vorgefertigte Muster auf ihren Punziereisen, da diese stets gleich aussehen – ein Trick, der Zeit und Mühe spart. Die Fähigkeit, Metall oder Leder so exakt zu bearbeiten, verlangt handwerkliches Geschick und Präzision. Gepunzte Kunstwerke strahlen daher einen unverwechselbaren Charme aus und tragen die Handschrift ihres Schöpfers.
Das Caricatura Museum in Frankfurt – ein Haus der Künste, das ich immer und immer wieder besuchen könnte. Am 12. Mai endete dort die mehrfach verlängerte Ausstellung „Ach was. Loriot zum Hundertsten“, die ich mir gerne reingezogen hatte – zwei Mal. Und wir wissen ja, was es heißt, wenn ich zwei Mal in dieselbe Sonderausstellung gehe. Das Caricatura zeigte Loriots Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme und Fotografien sowie Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe und Ausschnitte aus Fernseh- und Kinofilmen. Mir hat es sehr gut gefallen.
Spielkarten, 1973Raketen für Jedermann 2, 1960Umgang mit Bären 4, 1962
Durch diese Ausstellung ehrte das Caricatura den bemerkenswerten Humoristen Loriot, auch bekannt als Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, anlässlich seines 100. Geburtstags. Mit seinem einzigartigen Blick auf die Absurditäten und Grotesken des bürgerlichen Lebens, seinem beispiellosen Umgang mit der deutschen Sprache und seinen berühmten „Knollennasenmännchen“ beeinflusste Loriot jahrzehntelang als Humorspezialist das Medienbild.
Der Künstler Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. Mit seiner humorvollen Kunst hat er das deutsche Kulturleben nachhaltig geprägt.
Das ist der gute Mann: Vicco von Bülow alias Loriot. Copyright: IMAGO / M&K
Insgesamt präsentierte die umfangreiche Loriot-Ausstellung 705 Objekte. Neben bekannten Werken wie den legendären Herren im Bad zeigt die chronologische Ausstellung auch Raritäten. So waren unter anderem Porträtzeichnungen des damals 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg sowie frühe Werbegrafiken zu sehen.
Sequenzen aus „Herren im Bad“Kann ich derzeit nicht zuordnen und bin offen für Hinweise in den Kommentaren.
Kleiner Ausschnitt aus „Herren im Bad“
Das Caricatura Museum in Frankfurt am Main
Das Museum für Komische Kunst ist bekannt für seine Ausstellungen satirischer und humorvoller Kunst. Mit beeindruckenden Ausstellung von Texten, Zeichnungen und Plastiken sowie zahlreichen zeitgenössischen Werken hat es sich das Caricatura Museum als ein Eckpfeiler der komischen Kunstszene etabliert.
Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.
Das Caricatura Museum öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.
Alexej Georgijewitsch von Jawlensky, geboren irgendwann im März 1865 (oder auch 1864) im Russischen Kaiserreich, war ein renommierter Maler des Expressionismus. Er gehört zu der Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“, die von Wassily Kandinsky und Franz Marc initiiert wurde. Ich war Jawlensky auf der Spur und fand den Bro in München, Stuttgart und Wiesbaden.
Reife, circa 1912 (Lenbachhaus)Dame mit Fächer, 1909 (Wiesbaden)Stillleben mit bunter Decke, 1910 (Wiesbaden)
Alexej Jawlenskys Jugend in Russland
Jawlensky wuchs als fünftes Kind von sechs Geschwistern auf und entdeckte seine Leidenschaft für die Malerei im Alter von 17 Jahren. Damals sah er auf der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau erstmals in seinem Leben Gemälde. Diese Begegnung mit der Kunst bewegte ihn dazu, seine malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten eigenständig zu entwickeln. Nach seiner Versetzung als Offizier nach Sankt Petersburg, besuchte er abends die Russische Kunstakademie.
An der Akademie lernte Jawlensky den berühmten Vertreter des russischen Realismus, Ilja Repin kennen. Dieser empfahl ihm 1892 die Ölmalerei bei Marianne von Werefkin (Marianna Werjöwkina, aber auch egal) zu erlernen. Werefkin war eine vermögende Baronin und erfolgreiche Malerin. Darüber hinaus war die gute Frau bekannt als “Russischer Rembrandt”. Sie unterstützte Jawlensky in seiner künstlerischen Entwicklung.
Marianne von Werefkin: Schindelfabrik, 1910 im Museum Wiesbaden – Tempera auf Karton.
Alexej Jawlensky zieht nach München
1896 zog Jawlensky gemeinsam mit Werefkin nach München. Geheiratet haben die beiden Hasen jedoch nicht. Werefkin würde sonst ihre Zarenrente verlieren und das wollte sie nicht. Stattdessen war sie bereit, ihren Jawlensky-Schatz zu fördern, wo es nur ging. Seine Weiterbildung vertraute sie dem Slowenen Anton Ažbe an. Unter Ažbes Anleitung sowie inspiriert durch Künstler wie Lovis Corinth, Wilhelm Leibl und Leo Putz konnte sich Jawlenskys Malerei weiterentwickeln.
Einen besonderen Platz in seiner Schöpfung nimmt das 1900 datierte Porträt „Helene fünfzehnjährig“ ein. Merk dir diesen Namen, denn später wird es ein wenig versaut. Dieses Gemälde deutet den Übergang von Jawlenskys realistischen Werken zu seinem späteren Stil an, obschon die elektrisierenden Farben, für die der Künstler heute bekannt ist, dort noch nicht zum Einsatz kamen.
Ab 1902 begann Jawlensky, Stillleben und Landschaften im neoimpressionistischen Stil zu gestalten. Seine Auseinandersetzung mit der Kunst van Goghs und seine Begegnung mit der Pariser Avantgarde prägten die folgenden Jahre seines Schaffens. Auch Matisse beeinflusste ihn und sein farblicher Stil entwickelte sich immer weiter.
Mystischer Kopf: Meditation, 1936 (Lenbachhaus München)Bildnis von Marianne von Werefkin um 1906 (Wiesbaden)Stillleben mit Samowar, 1901 (Wiesbaden)Da ist sie wieder: Helene im spanischen Kostüm, 1901/02 (Wiesbaden)
Deshalb hatten Jawlensky und Kandinsky Beef
Während seiner Zeit in Deutschland, vor allem im Jahr 1905, produzierte Alexej Jawlensky eine leuchtende Palette an Kunstwerken. Drei Jahre später kam es zu der legendären Zusammenarbeit zwischen Werefkin/Jawlensky und Münter/Kandinsky. Möglicherweise hatte sich danach das Verhältnis zwischen den beiden Malerpaaren kurzfristig getrübt. Werefkin, Jawlensky, Adolf Erbslöh und Oscar Wittenstein beschlossen die Neue Künstlervereinigung München (NKVM) zu gründen. Münter und Kandinsky waren an diesem Projekt zunächst jedoch nicht beteiligt. Darüber ärgerte sich Wassily Kandinsky noch Jahre später.
Doch schon bald sollten sich alle Unstimmigkeiten legen und Kandinsky wurde, wenn auch nur zögernd, 1. Vorsitzender der NKVM. Wenig später, im Jahr 1909, arbeiteten die beiden Künstlerpaare wieder zusammen in Murnau. Dies war genau die Zeit, als der Tänzer Alexander Sacharoff mit Werefkin und Jawlensky seinen großen Auftritt im Odeon in München vorbereitete.
Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909. Dieses fantastische Werk, das mir immer wieder Gänsehaut bereitet, hängt im Lenbachhaus München.
Der Tänzer Alexander Sacharoff und „Die weiße Feder“
Neben diesem berühmten Bildnis des recht femininen Tänzers gibt es noch eins von Jawlensky. Bis vor wenigen Minuten war ich fest davon überzeugt, dass ich des damals in Hamburg bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll-Tour gesehen habe. Nach langer, verzweifelter Suche fand ich jedoch das Gemälde namens „Die weiße Feder“ in einem anderen Ordner. Das Bild hängt tatsächlich in der Stuttgarter Staatsgalerie – eines meiner vier bis fünf liebsten Museen der Bundesrepublik.
Als ich das Stuttgarter Gemälde vor mir sah, war ich gefesselt davon, obwohl mir Alexej Jawlensky zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, noch kein großer Begriff war. Das Bild machte alles mir mir. Es lockte, es erinnerte an etwas, es faszinierte mit seiner Rätselhaftigkeit. Ich stand wie angewurzelt davor und missgenderte meinen Landsmann Sacharoff erstmal hart. Und da ist das Meisterwerk:
Die weiße Feder (Der Tänzer Alexander Sacharoff), 1909 – Öl auf Pappe.
Monogamie? Nein danke!
Als Deutschland während des Ersten Weltkriegs Ausländer zur Ausreise zwang, verließ Jawlensky sein privilegiertes Leben und zog mit seiner Partnerin Marianne von Werefkin, dem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff und dem Sohn Andreas, den Jawlensky mit Helene gezeugt hatte, in die Schweiz. An dieser Stelle werde ich diese Beziehung nicht kommentieren und auch keine Parallelen zu anderen berühmten Dreiecksbeziehungen im Exil ziehen. Dort lebten sie alle zusammen am Genfersee.
Jawlensky musste sich an ein neues, weniger luxuriöses Leben gewöhnen. In seiner einfachen Unterkunft fand er Inspiration in der malerischen Landschaft des Genfersees. Seine Kunstwerke aus dieser Zeit zeigen noch erkennbare Naturdetails wie Bäume, Büsche und den See selbst.
Im Laufe der Zeit wurden diese Detailaufnahmen metaphorischer und spiegelten seine Gefühls-, Seelen- und Geisteswelten wider. Die ersten Arbeiten aus dieser Phase beschrieb Jawlensky als „Lieder ohne Worte“. Sie markierten einen Wendepunkt in seiner Karriere.
Selbstbildnis aus dem Jahr 1912 in Wiesbaden
Noch eine Frau in Alexej Jawlenskys Leben
1916 trat eine neue Förderin in sein Leben: Galka Scheyer. Die um 25 Jahre jüngere Frau unterstützte fortan seine Arbeit, allerdings mit einer vertraglichen Bedingung: 45% seiner Einnahmen aus Bildverkäufen gingen an sie. Autsch.
Mystischer Kopf, angeblich 1916/17. Öl auf Karton. Hängt in Wiesbaden.
Ende 1917 zogen Jawlensky und Werefkin nach Wollishofen bei Zürich um, wo Jawlensky begann, seine berühmte Serie der „Mystischen Köpfe“ zu malen. Inspiriert von menschlichen Gesichtern – vorwiegend Frauen – schuf er farbenfrohe Porträts mit starkem Ausdruck. Wohin es Alexej Jawlensky und seine Bohème-Familie als nächstes verschlug, erfährst du schon bald auf avecMadlen. Gute Nacht. Ich muss morgen echt früh arbeiten.
Das fantastische Gemälde „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach dem Älteren (1546) beleuchtet die mittelalterliche Badekultur und Heilungsglauben auf provokative Art und Weise. Das Werk zeigt ältere Frauen, die sich in einem Brunnen baden und verjüngen lassen, um danach eine fette Party zu feiern. Männer hingegen scheinen in diesem Gemälde kein Interesse daran zu haben, sich in den Jungbrunnen zu begeben. Dieses Meisterwerk hängt in meiner geliebten Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Dieses Kunsthaus zählt für mich zu den wichtigsten Gründen, warum Berlin die geilste Stadt Deutschlands ist.
Der Jungbrunnen (1546); Maße: 120,6 × 186,1 Zentimeter
„Der Jungbrunnen“ von meinem Lieblings-Cranach
Die Szene im „Jungbrunnen“ spielt sich vor einer mystischen Landschaft ab, die durch ihre irrealen Perspektiven und Proportionen besticht. Während links karge Felsen als Symbol des Alters der Frauen stehen, repräsentiert rechts blühendes Leben die neu gewonnene Jugendlichkeit. Letzteres wird durch ein Wasserspender im Zentrum des Beckens unterstrichen. Bekrönt ist der Spender mit den Figuren von Venus und Amor – hier dienen sie als Symbole für Erneuerung der Liebeskraft.
Eindrücklich zeigt mein geliebter Cranach am linken Rand des Bildes gebrechliche alte Frauen. Sie werden nämlich aus einer kargen Berglandschaft ins Wasserbecken geführt. Nach ihrer Verjüngung treten sie am rechten Rand wieder hervor. Ein junger Mann geleitet sie dann zur Neueinkleidung in ein Zelt – der erste Schritt zurück ins sinnliche Vergnügen.
Links: vor dem BadeRechts: danach
Cranachs Scherzchen und das mittelalterliche Weltbild
Im Kunstwerk finden sich ein paar scherzhafte Bezüge. Zum Beispiel ein möglicher Arzt, der eine nackte alte Frau begutachtet, bevor sie ins Wasser steigt. Aber auch die Zweifel mancher Frauen, ob ein verjüngtes Leben tatsächlich erstrebenswert ist, werden aufgegriffen. Man Blicke nur in die Gesichter dieser Frauen.
Deutlich wird in Cranachs Jungbrunnen auch eine mittelalterliche Weltansicht. So sollen nur Frauen dieses Bad benötigen, da alte Männer sich durch den Umgang mit jungen Frauen automatisch verjüngen würden. Doch trotz des übernatürlichen Themas bleibt Lucas Cranach d. Ä. in seiner Darstellung realistisch. Alle Männer, mit denen sich die verjüngten Frauen abgeben sind ebenfalls jung und galant. Die alten Frauen stellt er auffällig unattraktiv und erloschen dar. Keine Gilfs in Sicht.
Cranachs Jungbrunnen: Schwierigkeiten bei der Zuschreibung
Die Zuschreibung des Gemäldes gestaltet sich schwierig. Sowohl Vater Lucas Cranach der Ältere als auch sein Sohn (Lucas Cranach d. J.) kommen als Urheber infrage. Derzeit neigt die Forschung dazu, es dem Alterswerk des Vaters zuzuordnen.
Das Bild, ausgeführt in Öl auf Lindenholz, trägt das Schlangenzeichen mit Vogelflug aus Cranachs Werkstatt und die Jahreszahl 1546. Es wurde für einen unbekannten Auftraggeber angefertigt und gehört seit 1829/1830 zur Verwaltung der königlichen Schlösser.
Immer öfter erlaube ichmir diesen Spaß: Ich male Menschen in der Bahn. Ich finde es lustig, kann unterwegs meine Fähigkeiten trainieren und mache etwas Sinnvolles, während ich darauf warte, an meiner Station anzukommen. Ich meine auch, dass meine halb-geheime Übeltat kaum einem Mitreisenden auffällt. Denn bewaffnet bin ich mit einem winzigen Block, einem Stift und einer Sonnenbrille, die vor allem den Zweck erfüllt, dass das gemalte „Objekt“ nicht sieht, dass ich es in regelmäßigen Abständen anstarre.
In Frankfurthabe ich extrem viele Gesichter gesehen, die mich faszinieren. Die Frankfurter haben nun mal das „gewisse Etwas“. Seit ich im Thema Comic und Karikatur bin, sehe ich den Menschen viel intensiver in ihre Gesichter. Dort entdecke ich jedes Mal aufs neue faszinierende Züge, Besonderheiten und Charakteristiken. Ich achte viel mehr auf die Gesichtsausdrücke, seit ich sie zu Papier bringen will. Es erstaunt mich immer wieder, wie vielen Menschen die Emotionen ins Gesicht geschrieben sind. Zuvor fiel mir das nie auf.
Versteckte Kunst in der Bahn: Gesichtszüge und Emotionen
Manchmal passiert es, dass ich Menschen zeichne, und die Zeichnung zwar durchaus aussieht wie ein eigener Charakter, jedoch nicht ansatzweise dem Modell ähnelt. Aber daran arbeite ich. Es gibt durchaus auch „einfache“ Gesichter. Nicht etwa, weil sie einfache Gesichtszüge haben, sondern weil sie derart charakteristische Merkmale in sich tragen, dass es mir als Anfängerin besonders gut gelingt, diese aufzugreifen und zu malen.
Ich liebe jedes einzelne Gesicht in meinem winzigen Block. Zu jeder Person, die ich gemalt habe, hatte ich eine geheime Verbindung, von der die gemalte Person selbst nie erfahren wird. Die Endergebnisse bringen mich zum Lachen oder machen mich nachdenklich. Natürlich fühle ich mit und frage mich zwangsläufig, was in dem Leben meiner Modelle abgeht, wenn sie auf mich traurig, wütend ängstlich oder zerstreut wirken.
Heimlich malen: So suche ich mir meine Modelle aus
Es ist auch schon vorgekommen, dass meine Modelle sofort ausgestiegen sind, nachdem ich sie angefangen habe zu malen. In diesen Situationen fantasiere ich den Rest ihres Gesichts einfach dazu.
Wie ich meine „Objekte“ aussuche, ist einfach: Ich male wahllos alle Menschen, die in meine Sichtweite kommen. Natürlich, wenn ein gewisser Sicherheitsabstand zwischen uns herrscht. Schließlich will ich niemanden verunsichern oder gar jemandem zu nahe treten, wenn ich eine Karikatur überzogen darstelle – oder sie schlicht und einfach nicht so klappt, wie ich es will. Einen großen Bogen mache ich derzeit um schöne, junge Frauen: Noch habe ich es nicht gelernt, ihre Schönheit zu greifen und wiederzugeben. Aber auch daran arbeite ich.
Der venezianische Maler Lorenzo Lotto, bekannt für seinen unkonventionellen Stil, hat in einem seiner frühen Werke die mystische Vermählung der Heiligen Katharina von Alexandria dargestellt. Dieses Thema war insbesondere für die Andacht junger Frauen beliebt. Dieses eindrückliche Werk sah ich auf der Finissance der Venezia 500 in München. Meinen Blick konnte ich lange nicht davon lösen.
Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506 (Fragment)
Lorenzo Lotto: Die Vermählung der Heiligen Katharina
Laut Legende suchte die heilige Katharina einen Ehemann, der ihr an Stand, Vermögen und Intellekt ebenbürtig war. Sie wandte sich an einen Einsiedler um Rat, der ihr ein Bildnis der Madonna zeigte und Christus als idealen Gemahl vorschlug. In einem darauffolgenden Traum überreichte der Christusknabe Katharina symbolisch einen Ring zur Bestätigung ihrer mystischen Hochzeit.
Lotto’s ungewöhnliche Komposition lässt den Blick auf einen intensiven Abendhimmel frei und unterstreicht den visionären Charakter dieser Szene. Seine eigenwillige und fantasievolle Bildsprache zeugt von seiner ständigen Suche nach innovativen ikonographischen Lösungen für seine Kunstwerke.
Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506
Das ist über den venezianischen Künstler bekannt
Lorenzo Lotto, geboren 1480 in Venedig und verstorben vor Juli 1557 in Loreto, zeichnete sich als bedeutender italienischer Maler der Hochrenaissance und des frühen Manierismus aus. Trotz seiner unklaren Jugend- und Ausbildungszeit stieg er wegen seines einzigartigen Stils und seiner eigenständigen Interpretationen zu einem gefragten Künstler auf.
Lotto war stark von den Arbeiten Giovanni Bellinis und Albrecht Dürers beeinflusst, wie seine frühen Werke verraten. Seine erste Erwähnung als Maler datiert auf den 10. Juni 1503, als er in Treviso im Veneto lebte. Zu dieser Zeit hatte Lotto bereits einen hervorragenden Ruf erworben und wurde in Dokumenten aus dem Jahr 1505 sogar als „sehr berühmter Maler“ bezeichnet.
Lorenzo Lotto: Diese Lebensjahre sind besonders wichtig
Neben seiner Arbeit in verschiedenen italienischen Städten, darunter Rom und Bergamo, schuf er bedeutende Werke für Kirchen wie die Pala di Santa Cristina bei Treviso oder das große Polyptychon für die Kirche San Domenico in Recanati. Bemerkenswert ist auch seine künstlerische Phase während seines Aufenthalts in Bergamo zwischen 1512 oder 1513 bis Ende 1525. Diese Phase gilt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ als eine besonders fruchtbare Zeit von Lottos Leben.
Trotz finanzieller Schwierigkeiten und persönlicher Rückschläge blieb Lotto seiner Leidenschaft treu und widmete sein Leben ganz der Kunst. Seine letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen im Kloster Santa Casa in Loreto, wo er trotz schwindender Augenkraft weiterhin malte.
Spätwerk des Lorenzo Lotto: Bildnis des Giovanni della Volta mit Frau und Kindern (1547)
Sein Werk ist fantasievoll und formal vielfältig – es steht grundsätzlich in der koloristischen Tradition der venezianischen Malerei nach Giovanni Bellini und Vivarini, jedoch mit ganz eigenständigen zügen. Sein Streben nach Natürlichkeit bleibt dabei stets erkennbar. Dies und sein virtuoser Umgang mit Licht und Schatten verleihen vielen seiner Bildkompositionen eine gewisse Unmittelbarkeit sowie etwas Mystisches.
Zum Staunen geht man im Liebighaus in den Keller. Das ist mitunter eines der Erkenntnisse, die ich im Jahr 2024 gewinnen konnte. Als mich meine Mama in Frankfurt besuchte, gingen wir ins Liebighaus, um uns die dortige Skulpturensammlung anzusehen. Von ihr blieb ich größtenteils unbeeindruckt, weil das Neue und das Alte Musem Berlin mich für andere Museen versaut haben. Doch im Untergeschoss des Frankfurter Kunsthauses fand ich Schätze, die ich in der Form noch nie zuvor gesehen hatte – zumindest nicht in diesem Ausmaße.
Denn dort befindet sich die Elfenbeinsammlung von Reiner Winkler (1925–2020). Der Sammler schuf eine ganze Kollektion an Elfenbeinskulpturen mit dem Schwerpunkt Barock. Winkler baute seine Sammlung seit 1962 kontinuierlich auf. Im Laufe seiner Sammeltätigkeiten entwickelte er einen spezifischen Geschmack und konzentrierte sich schließlich voll und ganz auf Elfenbeinskulpturen des 17. und 18., in geringem Umfang auch des frühen 19. Jahrhunderts.
Wie soll ich danach denn jemals wieder auf mein Leben klarkommen? Das ist die Kreuzabnahme Christi aus Süddeutschland, möglicherweise Augsburg, 17. JH. (Fragment. Gesamtwerk im Titelbild.)
Elfenbeinsammlung im Liebighaus Frankfurt
Winkler war der Liebighaus Skulpturensammlung zu Lebzeiten eng verbunden. Mehrfach stellte er dem Museum Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung. Ebendort hat seine Sammlung nun „ihre neue und endgültige Heimat“ gefunden und bleibt somit „als ,Gesamtkunstwerk‘ erhalten“, wie es sich Reiner Winkler ausdrücklich wünschte. Die Exponate sind merkbar erlesen und an Einzigartigkeit kaum zu überbieten. Aus dem Staunen kam ich also gar nicht heraus.
Seit 2019 waren schon zahlreiche Meisterwerke bekannter Bildschnitzer im Liebighaus unter dem Ausstellungstitel „White Wedding zu sehen. Mit der Folgeausstellung „Splendid White“ (2022) wurde die Elfenbein-Sammlung Reiner Winklers im Liebieghaus vervollständigt und ist nun als Dauerausstellung zu sehen. Der Eintritt kostet regulär 8 Euro.
Süddeutschland, wahrscheinlich Augsburg, aus dem 17. JH: Darstellung der acht Haupttugenden. Sieh dir hier Mal diesen Schmuck an und stell dir vor, dass jede einzelne Figur dabei kaum größer ist, als dein kleiner Finger. Ich liebe es einfach. Die Materialmischung ist so wild und so unnötig prunkvoll.
Wie wurde mit Elfenbein gearbeitet?
Es ist die Frage nach dem wie, die immer wieder aufkam, während wir uns die Elfenbein-Sammlung im Liebighaus ansahen. Wie konnte das „weiße Gold“ so bearbeitet werden, dass die Figuren auf den Reliefplatten derart filigran und winzig waren? Hierfür blicken wir kurz in die Geschichte zurück:
Süditalien/Sizilien, 18. JH: Sturz der abtrünnigen EngelMuttern ließ dieses Exponat recht kalt, doch ich war kurz davor, die Scheibe anzulecken, so geil wie ich es fand…
Bereits in der Altsteinzeit schätzten Menschen Elfenbein als besonders kostbares Material, weil es Holz und andere Rohstoffe beachtlich überdauerte. Um Elfenbein zu schnitzen, benutzten unsere Vorfahren Werkzeuge wie Klingen, Bohrer und spitze Stifte aus Feuerstein. Das wissen wir anhand der Spuren auf zahlreichen Artefakten dieses Zeitalters. Irgendwann wechselten die Elfenbeinschnitzer zu Metallwerkzeugen, die deutlich effektiver waren. Trotz dieser Weiterentwicklung bei Werkzeugen blieb die Kunst des Elfenbeinschnitzens über Tausende von Jahren erstaunlich konstant.
Elfenbein: Lag der hohe Grad der Ästhetik am Werkzeug? Nö!
Die handwerklichen Fertigkeiten und das kreative Geschick der Schnitzer prägten diese Kunstform in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte. Selbst die Erfindung von Maschinen veränderte die Grundlagen des Handwerks kaum, eröffnete aber neue Gestaltungsmöglichkeiten. So ermöglichten etwa Drehbänke das Drechseln von Elfenbein und die Herstellung von sogenannten Wunderkugeln. Hierbei handelt es sich um kunstvolle Kugeln mit ineinander verschachtelten Verzierungen, die aus einem einzigen Stück Elfenbein gefertigt wurden.
Im 17. Jahrhundert erreichte die Elfenbeinschnitzerei in Europa einen künstlerischen Höhepunkt. Im Barock verzichtete man im Gegensatz zum farbenfrohen Mittelalter auf zusätzliche Bemalung, um den natürlichen, warmen Farbton des Elfenbeins wirken zu lassen. Künstler schufen in diesem Jahrhundert vermehrt Skulpturen, Reliefs und prunkvolle Gefäße mit eingearbeiteten Metallelementen.
Johann Ulrich Hurter: Deckelhumpen mit Triton und Nereiden, um 1700Süddeutschland, 17.JH: Minerva führt die Bildhauerei und Malerei den sieben freien Künsten zu & Darstellung der acht Haupttugenden…wild alterJean-Antonie Belleteste (1731-1811): Verkündigung an MariaJean-Antonie Belleteste (1731-1811): Marias HeimsuchungDer Gähnende (nach Franz Xaver), 19. JHDas ist das Werk vom Titelbild: Die Kreuzabnahme Christi
Die Elfenbeinkunst erlebte mit den prächtigen Werken im Stil der Chryselephantin, einer Kombination aus Gold (oft durch vergoldete Bronze ersetzt) und Elfenbein, während des Jugendstils und Art déco eine letzte Blüte.
Die folgenden Exponate haben nicht das Geringste mit Elfenbein zu tun, außer dass sich mit der Reiner-Winkler-Sammlung zusammen ein Dach teilen. Es sind meine persönlichen Mega-Highlights aus Marmor, Bronze (teilvergoldet) sowie auch Holz:
Johann Heinrich von Dannecker – Adriane auf dem Panther (1803-1814)François Duquesnoy (1597-1643) – Marienbüste und ChristusbüsteNiederbayern um 1440-1450 – MuttergottesChristuskinder aus Deutschland – 16. JH… und natürlich meine Lieblingsthematik: Der Kopf des Täufers