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Kunst & Architektur

Das vielleicht schlichteste Fabergé-Ei der Welt

Erst neulich habe ich euch von den besten Museen der Bundesrepublik erzählt. Nun. Dieses könnte auch bald auf dieser Liste stehen. Es handelt sich um das höchst umstrittene und von der Presse verhasste Fabergé Museum in Baden-Baden. Hinter einer Paywall verstecken zahlreiche Boulevard-Magazine ihre vernichtenden Kritiken gegen das Kunsthaus. Auch die BNN schießen ordentlich dagegen. Ich kann die Vorwürfe, die gefühlt in alle erdenklichen Richtungen gehen, jedoch nicht einschätzen. Also besuchte ich das Museum unvoreingenommen als Studentin der Kunstgeschichte und sah mir die Exponate aus der Nähe an. Eines davon will ich euch heute vorstellen: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.

Memoare eines Meisterjuweliers: Qualität der Fabergé-Eier

Franz-Josef Bierbaum, einer der namhaftesten Meisterjuweliere, die für den berühmten Juwelier Peter Carl Fabergé gearbeitet haben, hat in seinen 1919 aufgezeichneten und erst 1992 veröffentlichten Memoaren*, Details zur Herstellung der sogenannten „Kaiser-Eier“ enthüllt.

Bierbaum hebt hervor, dass die Qualität dieser kunstvollen Ostereier während des Ersten Weltkrieges nachgelassen hatte. Anstatt der üblichen luxuriösen Materialien wie Diamanten und Gold wurden die Eier entweder nur in bescheidener Qualität, oder gar nicht hergestellt. Drei relativ einfache Eier sind aus dieser Zeit bekannt: Das „Rote Kreuz Ei“ von 1915 sowie das „Georgische Ei“ und das „Stahlei“, beide aus dem Jahr 1916. Zwei weitere wurden unvollendet: Eins aus Stein und das andere aus Holz.

Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.

Fabergé-Ei aus karelischer Birke
Peter Carl Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke (1917). Zu sehen ist auch das diamantbesetzte Schlüsselchen sowie auch das passende Etui im Hintergrund.

Die Kaiserin Maria Fjodorowna liebte Kunsthandwerk aus karelischer Birke, einer kostbaren Holzsorte aus Karelien, Nordrussland. Also nehme ich mal an, dass das vorliegende Exemplar nach ihrem Geschmack gefertigt wurde. Ein besonderes Detail dieses Eis werde ich euch gar nicht zeigen können – und wahrscheinlich auch selbst nicht sehen: Den in dem Inneren des Kaiser-Eis versteckten Elefanten, der als Glücksbringer dienen sollte.

Ein Brief soll das schlichte Fabergé-Ei historisch einordnen

Das Kaiserliche Osterei wird im Fabergé Museum zusammen mit einem Schlüssel, dem Etui und zwei Begleitpapieren ausgestellt. Eins dieser Papiere ist die Originalrechnung Fabergés an den Kaiser vom 25. April 1917 und das zweite ist ein Brief vom 23.03.1917, geschrieben von Carl Fabergé an den Vorsitzenden der Übergangsregierung, den Justizminister Alexander Kerenskiy. Denn „wie bekannt, war der Russische Kaiser Nikolai der II. zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten und wurde nicht ohne Gewalt in seiner Sommerresidenz unter Hausarrest gehalten“, merkt das Baden-Badener Museum an.

Diplomatisch begann Karl Fabergé seinen Brief an Kerenskiy mit der Beschreibung der schwierigen Situation, in der sich seine Mitarbeiter befanden, leitete über zu der Notwendigkeit, die Militärbestellungen zu erfüllen und erwähnt auch die anstehenden Lohnauszahlungen. Schließlich bittet er den Minister um einen kleinen Gefallen: „Bitte erlauben Sie mir, dem ehemaligen Kaiser und seiner Familie ein paar kleine Gegenstände (Erinnerungstücke, Andenken) zu übergeben, unter anderem zwei kleine Tierfigürchen und ein einfaches Osterei, ohne Luxus und fast unverziert, innen ein kleiner Elefant als „Glücksbringer“.

Madlen Romanowna im Fabergé-Museum in Baden-Baden
Fetter Selfie-Spiegel im Fabergé Museum. Eintrittspreis: 24 saftige Kröten, 18 für Presse (jeden Cent wert). Man erinnere sich an meinen Anfall, nachdem ich den vollen Eintritt für die Münchner Residenz blechen musste.

Geheimnisvolles Verschwinden: War dieses Fabergé-Ei wirklich so schlicht?

Tatsächlich war der Elefant, wie man der Rechnung entnehmen kann, aus Gold und mit 611 Diamantrosen besetzt. Mit einem ebenfalls diamantbesetzten Schlüsselchen (siehe Bild) konnte man den Elefanten im Ei aufziehen und „zum Laufen bringen“, heißt es in den Informationen des Museums.

Es sei durchaus möglich, dass die Übergabe der Tierfiguren genehmigt wurde. Laut dem Protokoll nach der Hinrichtung der Zarenfamilie sollen nämlich etliche solcher Figuren konfisziert und an Moskauer Museen weitergegeben worden sein. Anders sieht es mit unserem „einfachen Osterei“ aus.

Das Fabergé-Ei aus karelischer Birke mit dünner Goldfassung wird in Carl Fabergés Brief an seinen oben bereits erwähnten Meisterjuwelier Franz-Josef Bierbaum angemerkt. Darin schreibt Fabergé, dieses dem Kaiser zu Ostern 1917 gemacht zu haben. Er geht davon aus, dass der Kaiser das Osterei nie bekommen hat. Kerenskiy habe das wohl nicht zugelassen. Wohin es verschwunden ist, wisse Fabergé nicht. „Jedenfalls war ich nach den Durchsuchungen und der ganzen Zerstörung durch die Bolschewiken im Firmengebäude und habe keine Spur von den Sachen gesehen“, heißt es in dem ausgestellten Brief.

Fabergé Museum in Baden-Baden beteuert Echtheit

Das Museum fügt an: „Eine erste Publikation des Birkeneies mit einer Abbildung erfolgte 1997 im Buch ,Kaiserliche Ostereier der Firma Fabergé‘ von Tatjana Fabergé, Valentin Skurlov und L. Proller. Die historische Abbildung wies absolute ldentität mit unserem Ei auf.“ Die Expertise der Punzierung** erfolgte durch den Werkstattmeister H. Wingström. Dieser soll die Markierung Fabergés sowie auch ein Fabergé-Label eindeutig bestätigt haben.

Auch kunsttechnisch gemmatologische und juweliertechnische Expertisen des Abdrucks eines Fabergé-Labels auf der Innenseite des Etuis sollen eindeutige Resultate ergeben haben. Sie ließen keine Zweifel an der Echtheit des Stückes, heißt es im Bericht des Fabergé Museums.


*Quellenhinweis: Alle hier verwendeten Informationen habe ich vom Fabergé Museum Baden-Baden. Hier geht es zur Website des Kunsthauses.

**Eine Punzierung ist eine Technik, die darin besteht, Muster und Formen von Hand in Metall oder Leder zu prägen. Das Besondere daran ist, dass das Motiv in das Material versenkt und somit als Negativ zu sehen ist. Für diese Art der Gestaltung werden spezielle Werkzeuge namens Punzen oder Punziereisen verwendet. Diese sind eigentlich Metallstifte, deren Ende durch eine einfache geometrische Form gekennzeichnet ist. Für kleine Ornamente nutzen Handwerker oft vorgefertigte Muster auf ihren Punziereisen, da diese stets gleich aussehen – ein Trick, der Zeit und Mühe spart. Die Fähigkeit, Metall oder Leder so exakt zu bearbeiten, verlangt handwerkliches Geschick und Präzision. Gepunzte Kunstwerke strahlen daher einen unverwechselbaren Charme aus und tragen die Handschrift ihres Schöpfers.

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Kunst & Architektur

Verborgene Schätze von Loriot im Caricatura Museum

Das Caricatura Museum in Frankfurt – ein Haus der Künste, das ich immer und immer wieder besuchen könnte. Am 12. Mai endete dort die mehrfach verlängerte Ausstellung „Ach was. Loriot zum Hundertsten“, die ich mir gerne reingezogen hatte – zwei Mal. Und wir wissen ja, was es heißt, wenn ich zwei Mal in dieselbe Sonderausstellung gehe. Das Caricatura zeigte Loriots Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme und Fotografien sowie Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe und Ausschnitte aus Fernseh- und Kinofilmen. Mir hat es sehr gut gefallen.

Durch diese Ausstellung ehrte das Caricatura den bemerkenswerten Humoristen Loriot, auch bekannt als Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, anlässlich seines 100. Geburtstags. Mit seinem einzigartigen Blick auf die Absurditäten und Grotesken des bürgerlichen Lebens, seinem beispiellosen Umgang mit der deutschen Sprache und seinen berühmten „Knollennasenmännchen“ beeinflusste Loriot jahrzehntelang als Humorspezialist das Medienbild.

Der Künstler Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. Mit seiner humorvollen Kunst hat er das deutsche Kulturleben nachhaltig geprägt.

Das ist der gute Mann: Vicco von Bülow alias Loriot. Copyright: IMAGO / M&K

Komische Kunst: Loriot-Ausstellung in Frankfurt

In meinem Studium als Karikatur- und Comiczeichnerin begegne ich Loriots Sinn für Humor immer wieder als dem Höchstmaß aller karikaturistischen Dinge. Hier kannst du dir meine ersten Versuche in diesem Bereich reinziehen. Ich zeichne nämlich heimlich Leute in der Bahn.

Insgesamt präsentierte die umfangreiche Loriot-Ausstellung 705 Objekte. Neben bekannten Werken wie den legendären Herren im Bad zeigt die chronologische Ausstellung auch Raritäten. So waren unter anderem Porträtzeichnungen des damals 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg sowie frühe Werbegrafiken zu sehen.

Loriot: Die Ente bleibt draussen
Kleiner Ausschnitt aus „Herren im Bad“

Das Caricatura Museum in Frankfurt am Main

Das Museum für Komische Kunst ist bekannt für seine Ausstellungen satirischer und humorvoller Kunst. Mit beeindruckenden Ausstellung von Texten, Zeichnungen und Plastiken sowie zahlreichen zeitgenössischen Werken hat es sich das Caricatura Museum als ein Eckpfeiler der komischen Kunstszene etabliert.

Auch interessant: Hier erfährst du von den sechs besten Museen der Bundesrepublik.

Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.

Das Caricatura Museum öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.

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Kunst & Architektur

Alexej von Jawlensky – ein Künstlerleben voller Drama

Alexej Georgijewitsch von Jawlensky, geboren irgendwann im März 1865 (oder auch 1864) im Russischen Kaiserreich, war ein renommierter Maler des Expressionismus. Er gehört zu der Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“, die von Wassily Kandinsky und Franz Marc initiiert wurde. Ich war Jawlensky auf der Spur und fand den Bro in München, Stuttgart und Wiesbaden.

Alexej Jawlenskys Jugend in Russland

Jawlensky wuchs als fünftes Kind von sechs Geschwistern auf und entdeckte seine Leidenschaft für die Malerei im Alter von 17 Jahren. Damals sah er auf der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau erstmals in seinem Leben Gemälde. Diese Begegnung mit der Kunst bewegte ihn dazu, seine malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten eigenständig zu entwickeln. Nach seiner Versetzung als Offizier nach Sankt Petersburg, besuchte er abends die Russische Kunstakademie.

An der Akademie lernte Jawlensky den berühmten Vertreter des russischen Realismus, Ilja Repin kennen. Dieser empfahl ihm 1892 die Ölmalerei bei Marianne von Werefkin (Marianna Werjöwkina, aber auch egal) zu erlernen. Werefkin war eine vermögende Baronin und erfolgreiche Malerin. Darüber hinaus war die gute Frau bekannt als “Russischer Rembrandt”. Sie unterstützte Jawlensky in seiner künstlerischen Entwicklung.

Werefkin
Marianne von Werefkin: Schindelfabrik, 1910 im Museum Wiesbaden – Tempera auf Karton.

Alexej Jawlensky zieht nach München

1896 zog Jawlensky gemeinsam mit Werefkin nach München. Geheiratet haben die beiden Hasen jedoch nicht. Werefkin würde sonst ihre Zarenrente verlieren und das wollte sie nicht. Stattdessen war sie bereit, ihren Jawlensky-Schatz zu fördern, wo es nur ging. Seine Weiterbildung vertraute sie dem Slowenen Anton Ažbe an. Unter Ažbes Anleitung sowie inspiriert durch Künstler wie Lovis Corinth, Wilhelm Leibl und Leo Putz konnte sich Jawlenskys Malerei weiterentwickeln.

Einen besonderen Platz in seiner Schöpfung nimmt das 1900 datierte Porträt „Helene fünfzehnjährig“ ein. Merk dir diesen Namen, denn später wird es ein wenig versaut. Dieses Gemälde deutet den Übergang von Jawlenskys realistischen Werken zu seinem späteren Stil an, obschon die elektrisierenden Farben, für die der Künstler heute bekannt ist, dort noch nicht zum Einsatz kamen.

Ab 1902 begann Jawlensky, Stillleben und Landschaften im neoimpressionistischen Stil zu gestalten. Seine Auseinandersetzung mit der Kunst van Goghs und seine Begegnung mit der Pariser Avantgarde prägten die folgenden Jahre seines Schaffens. Auch Matisse beeinflusste ihn und sein farblicher Stil entwickelte sich immer weiter.

Deshalb hatten Jawlensky und Kandinsky Beef

Während seiner Zeit in Deutschland, vor allem im Jahr 1905, produzierte Alexej Jawlensky eine leuchtende Palette an Kunstwerken. Drei Jahre später kam es zu der legendären Zusammenarbeit zwischen Werefkin/Jawlensky und Münter/Kandinsky. Möglicherweise hatte sich danach das Verhältnis zwischen den beiden Malerpaaren kurzfristig getrübt. Werefkin, Jawlensky, Adolf Erbslöh und Oscar Wittenstein beschlossen die Neue Künstlervereinigung München (NKVM) zu gründen. Münter und Kandinsky waren an diesem Projekt zunächst jedoch nicht beteiligt. Darüber ärgerte sich Wassily Kandinsky noch Jahre später. 

Doch schon bald sollten sich alle Unstimmigkeiten legen und Kandinsky wurde, wenn auch nur zögernd, 1. Vorsitzender der NKVM. Wenig später, im Jahr 1909, arbeiteten die beiden Künstlerpaare wieder zusammen in Murnau. Dies war genau die Zeit, als der Tänzer Alexander Sacharoff mit Werefkin und Jawlensky seinen großen Auftritt im Odeon in München vorbereitete.

Alexej von Jawlensky: Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909
Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909. Dieses fantastische Werk, das mir immer wieder Gänsehaut bereitet, hängt im Lenbachhaus München.

Der Tänzer Alexander Sacharoff und „Die weiße Feder“

Neben diesem berühmten Bildnis des recht femininen Tänzers gibt es noch eins von Jawlensky. Bis vor wenigen Minuten war ich fest davon überzeugt, dass ich des damals in Hamburg bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll-Tour gesehen habe. Nach langer, verzweifelter Suche fand ich jedoch das Gemälde namens „Die weiße Feder“ in einem anderen Ordner. Das Bild hängt tatsächlich in der Stuttgarter Staatsgalerie – eines meiner vier bis fünf liebsten Museen der Bundesrepublik.

Als ich das Stuttgarter Gemälde vor mir sah, war ich gefesselt davon, obwohl mir Alexej Jawlensky zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, noch kein großer Begriff war. Das Bild machte alles mir mir. Es lockte, es erinnerte an etwas, es faszinierte mit seiner Rätselhaftigkeit. Ich stand wie angewurzelt davor und missgenderte meinen Landsmann Sacharoff erstmal hart. Und da ist das Meisterwerk:

Gemälde von Alexej von Jawlensky: Die weiße Feder (Alexander Sacharoff)

Die weiße Feder (Der Tänzer Alexander Sacharoff), 1909 – Öl auf Pappe.

Monogamie? Nein danke!

Als Deutschland während des Ersten Weltkriegs Ausländer zur Ausreise zwang, verließ Jawlensky sein privilegiertes Leben und zog mit seiner Partnerin Marianne von Werefkin, dem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff und dem Sohn Andreas, den Jawlensky mit Helene gezeugt hatte, in die Schweiz. An dieser Stelle werde ich diese Beziehung nicht kommentieren und auch keine Parallelen zu anderen berühmten Dreiecksbeziehungen im Exil ziehen. Dort lebten sie alle zusammen am Genfersee.

Jawlensky musste sich an ein neues, weniger luxuriöses Leben gewöhnen. In seiner einfachen Unterkunft fand er Inspiration in der malerischen Landschaft des Genfersees. Seine Kunstwerke aus dieser Zeit zeigen noch erkennbare Naturdetails wie Bäume, Büsche und den See selbst. 

Im Laufe der Zeit wurden diese Detailaufnahmen metaphorischer und spiegelten seine Gefühls-, Seelen- und Geisteswelten wider. Die ersten Arbeiten aus dieser Phase beschrieb Jawlensky als „Lieder ohne Worte“. Sie markierten einen Wendepunkt in seiner Karriere.

Selbstbildnis aus dem Jahr 1912 in Wiesbaden

Noch eine Frau in Alexej Jawlenskys Leben

1916 trat eine neue Förderin in sein Leben: Galka Scheyer. Die um 25 Jahre jüngere Frau unterstützte fortan seine Arbeit, allerdings mit einer vertraglichen Bedingung: 45% seiner Einnahmen aus Bildverkäufen gingen an sie. Autsch.

Mystischer Kopf
Mystischer Kopf, angeblich 1916/17. Öl auf Karton. Hängt in Wiesbaden.

Ende 1917 zogen Jawlensky und Werefkin nach Wollishofen bei Zürich um, wo Jawlensky begann, seine berühmte Serie der „Mystischen Köpfe“ zu malen. Inspiriert von menschlichen Gesichtern – vorwiegend Frauen – schuf er farbenfrohe Porträts mit starkem Ausdruck. Wohin es Alexej Jawlensky und seine Bohème-Familie als nächstes verschlug, erfährst du schon bald auf avecMadlen. Gute Nacht. Ich muss morgen echt früh arbeiten.

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Kunst & Architektur

Nackte Provokation: Cranachs Symbolik im Jungbrunnen

Das fantastische Gemälde „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach dem Älteren (1546) beleuchtet die mittelalterliche Badekultur und Heilungsglauben auf provokative Art und Weise. Das Werk zeigt ältere Frauen, die sich in einem Brunnen baden und verjüngen lassen, um danach eine fette Party zu feiern. Männer hingegen scheinen in diesem Gemälde kein Interesse daran zu haben, sich in den Jungbrunnen zu begeben. Dieses Meisterwerk hängt in meiner geliebten Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Dieses Kunsthaus zählt für mich zu den wichtigsten Gründen, warum Berlin die geilste Stadt Deutschlands ist.

Gemälde "Der Jungbrunnen" von Lucas Cranach dem Älteren in der Gemäldegalerie Berlin
Der Jungbrunnen (1546); Maße: 120,6 × 186,1 Zentimeter

„Der Jungbrunnen“ von meinem Lieblings-Cranach

Die Szene im „Jungbrunnen“ spielt sich vor einer mystischen Landschaft ab, die durch ihre irrealen Perspektiven und Proportionen besticht. Während links karge Felsen als Symbol des Alters der Frauen stehen, repräsentiert rechts blühendes Leben die neu gewonnene Jugendlichkeit. Letzteres wird durch ein Wasserspender im Zentrum des Beckens unterstrichen. Bekrönt ist der Spender mit den Figuren von Venus und Amor – hier dienen sie als Symbole für Erneuerung der Liebeskraft.

Eindrücklich zeigt mein geliebter Cranach am linken Rand des Bildes gebrechliche alte Frauen. Sie werden nämlich aus einer kargen Berglandschaft ins Wasserbecken geführt. Nach ihrer Verjüngung treten sie am rechten Rand wieder hervor. Ein junger Mann geleitet sie dann zur Neueinkleidung in ein Zelt – der erste Schritt zurück ins sinnliche Vergnügen.

Cranachs Scherzchen und das mittelalterliche Weltbild

Im Kunstwerk finden sich ein paar scherzhafte Bezüge. Zum Beispiel ein möglicher Arzt, der eine nackte alte Frau begutachtet, bevor sie ins Wasser steigt. Aber auch die Zweifel mancher Frauen, ob ein verjüngtes Leben tatsächlich erstrebenswert ist, werden aufgegriffen. Man Blicke nur in die Gesichter dieser Frauen.

Deutlich wird in Cranachs Jungbrunnen auch eine mittelalterliche Weltansicht. So sollen nur Frauen dieses Bad benötigen, da alte Männer sich durch den Umgang mit jungen Frauen automatisch verjüngen würden. Doch trotz des übernatürlichen Themas bleibt Lucas Cranach d. Ä. in seiner Darstellung realistisch. Alle Männer, mit denen sich die verjüngten Frauen abgeben sind ebenfalls jung und galant. Die alten Frauen stellt er auffällig unattraktiv und erloschen dar. Keine Gilfs in Sicht.

Hier siehst du Cranachs blutrünstige Frauen – diese Darstellungen habes es in sich.

Cranachs Jungbrunnen: Schwierigkeiten bei der Zuschreibung

Die Zuschreibung des Gemäldes gestaltet sich schwierig. Sowohl Vater Lucas Cranach der Ältere als auch sein Sohn (Lucas Cranach d. J.) kommen als Urheber infrage. Derzeit neigt die Forschung dazu, es dem Alterswerk des Vaters zuzuordnen.

Das Bild, ausgeführt in Öl auf Lindenholz, trägt das Schlangenzeichen mit Vogelflug aus Cranachs Werkstatt und die Jahreszahl 1546. Es wurde für einen unbekannten Auftraggeber angefertigt und gehört seit 1829/1830 zur Verwaltung der königlichen Schlösser.

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Kunst & Architektur Reisen

Wie ich heimlich Leute zeichne

Immer öfter erlaube ich mir diesen Spaß: Ich male Menschen in der Bahn. Ich finde es lustig, kann unterwegs meine Fähigkeiten trainieren und mache etwas Sinnvolles, während ich darauf warte, an meiner Station anzukommen. Ich meine auch, dass meine halb-geheime Übeltat kaum einem Mitreisenden auffällt. Denn bewaffnet bin ich mit einem winzigen Block, einem Stift und einer Sonnenbrille, die vor allem den Zweck erfüllt, dass das gemalte „Objekt“ nicht sieht, dass ich es in regelmäßigen Abständen anstarre.

In Frankfurt habe ich extrem viele Gesichter gesehen, die mich faszinieren. Die Frankfurter haben nun mal das „gewisse Etwas“. Seit ich im Thema Comic und Karikatur bin, sehe ich den Menschen viel intensiver in ihre Gesichter. Dort entdecke ich jedes Mal aufs neue faszinierende Züge, Besonderheiten und Charakteristiken. Ich achte viel mehr auf die Gesichtsausdrücke, seit ich sie zu Papier bringen will. Es erstaunt mich immer wieder, wie vielen Menschen die Emotionen ins Gesicht geschrieben sind. Zuvor fiel mir das nie auf. 

Versteckte Kunst in der Bahn: Gesichtszüge und Emotionen

Manchmal passiert es, dass ich Menschen zeichne, und die Zeichnung zwar durchaus aussieht wie ein eigener Charakter, jedoch nicht ansatzweise dem Modell ähnelt. Aber daran arbeite ich. Es gibt durchaus auch „einfache“ Gesichter. Nicht etwa, weil sie einfache Gesichtszüge haben, sondern weil sie derart charakteristische Merkmale in sich tragen, dass es mir als Anfängerin besonders gut gelingt, diese aufzugreifen und zu malen. 

Ich liebe jedes einzelne Gesicht in meinem winzigen Block. Zu jeder Person, die ich gemalt habe, hatte ich eine geheime Verbindung, von der die gemalte Person selbst nie erfahren wird. Die Endergebnisse bringen mich zum Lachen oder machen mich nachdenklich. Natürlich fühle ich mit und frage mich zwangsläufig, was in dem Leben meiner Modelle abgeht, wenn sie auf mich traurig, wütend ängstlich oder zerstreut wirken. 

Heimlich malen: So suche ich mir meine Modelle aus

Es ist auch schon vorgekommen, dass meine Modelle sofort ausgestiegen sind, nachdem ich sie angefangen habe zu malen. In diesen Situationen fantasiere ich den Rest ihres Gesichts einfach dazu.

Wie ich meine „Objekte“ aussuche, ist einfach: Ich male wahllos alle Menschen, die in meine Sichtweite kommen. Natürlich, wenn ein gewisser Sicherheitsabstand zwischen uns herrscht. Schließlich will ich niemanden verunsichern oder gar jemandem zu nahe treten, wenn ich eine Karikatur überzogen darstelle – oder sie schlicht und einfach nicht so klappt, wie ich es will. Einen großen Bogen mache ich derzeit um schöne, junge Frauen: Noch habe ich es nicht gelernt, ihre Schönheit zu greifen und wiederzugeben. Aber auch daran arbeite ich.

Der König der Comics und Karikaturen: Erfahre hier alles über eine einzig wahren Loriot.

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Kunst & Architektur

Renaissance: Lorenzo Lottos eigenwilliger Stil

Der venezianische Maler Lorenzo Lotto, bekannt für seinen unkonventionellen Stil, hat in einem seiner frühen Werke die mystische Vermählung der Heiligen Katharina von Alexandria dargestellt. Dieses Thema war insbesondere für die Andacht junger Frauen beliebt. Dieses eindrückliche Werk sah ich auf der Finissance der Venezia 500 in München. Meinen Blick konnte ich lange nicht davon lösen.

Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506 (Fragment)

Lorenzo Lotto: Die Vermählung der Heiligen Katharina

Laut Legende suchte die heilige Katharina einen Ehemann, der ihr an Stand, Vermögen und Intellekt ebenbürtig war. Sie wandte sich an einen Einsiedler um Rat, der ihr ein Bildnis der Madonna zeigte und Christus als idealen Gemahl vorschlug. In einem darauffolgenden Traum überreichte der Christusknabe Katharina symbolisch einen Ring zur Bestätigung ihrer mystischen Hochzeit.

Lotto’s ungewöhnliche Komposition lässt den Blick auf einen intensiven Abendhimmel frei und unterstreicht den visionären Charakter dieser Szene. Seine eigenwillige und fantasievolle Bildsprache zeugt von seiner ständigen Suche nach innovativen ikonographischen Lösungen für seine Kunstwerke.

Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der heiligen Katharina
Lorenzo Lotto: Die mystische Vermählung der hl. Katharina, circa 1506

Das ist über den venezianischen Künstler bekannt

Lorenzo Lotto, geboren 1480 in Venedig und verstorben vor Juli 1557 in Loreto, zeichnete sich als bedeutender italienischer Maler der Hochrenaissance und des frühen Manierismus aus. Trotz seiner unklaren Jugend- und Ausbildungszeit stieg er wegen seines einzigartigen Stils und seiner eigenständigen Interpretationen zu einem gefragten Künstler auf.

Lotto war stark von den Arbeiten Giovanni Bellinis und Albrecht Dürers beeinflusst, wie seine frühen Werke verraten. Seine erste Erwähnung als Maler datiert auf den 10. Juni 1503, als er in Treviso im Veneto lebte. Zu dieser Zeit hatte Lotto bereits einen hervorragenden Ruf erworben und wurde in Dokumenten aus dem Jahr 1505 sogar als „sehr berühmter Maler“ bezeichnet.

Curator's introduction | Lorenzo Lotto Portraits | National Gallery

Lorenzo Lotto: Diese Lebensjahre sind besonders wichtig

Neben seiner Arbeit in verschiedenen italienischen Städten, darunter Rom und Bergamo, schuf er bedeutende Werke für Kirchen wie die Pala di Santa Cristina bei Treviso oder das große Polyptychon für die Kirche San Domenico in Recanati. Bemerkenswert ist auch seine künstlerische Phase während seines Aufenthalts in Bergamo zwischen 1512 oder 1513 bis Ende 1525. Diese Phase gilt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ als eine besonders fruchtbare Zeit von Lottos Leben.

Trotz finanzieller Schwierigkeiten und persönlicher Rückschläge blieb Lotto seiner Leidenschaft treu und widmete sein Leben ganz der Kunst. Seine letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen im Kloster Santa Casa in Loreto, wo er trotz schwindender Augenkraft weiterhin malte.

Lorenzo Lotto: Bildnis des Giovanni della Volta mit Frau und Kindern (1547)
Spätwerk des Lorenzo Lotto: Bildnis des Giovanni della Volta mit Frau und Kindern (1547)

Sein Werk ist fantasievoll und formal vielfältig – es steht grundsätzlich in der koloristischen Tradition der venezianischen Malerei nach Giovanni Bellini und Vivarini, jedoch mit ganz eigenständigen zügen. Sein Streben nach Natürlichkeit bleibt dabei stets erkennbar. Dies und sein virtuoser Umgang mit Licht und Schatten verleihen vielen seiner Bildkompositionen eine gewisse Unmittelbarkeit sowie etwas Mystisches.


Verwendete Quellen:

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Kunst & Architektur

Elysium aus Elfenbein: Das Liebighaus in Frankfurt

Zum Staunen geht man im Liebighaus in den Keller. Das ist mitunter eines der Erkenntnisse, die ich im Jahr 2024 gewinnen konnte. Als mich meine Mama in Frankfurt besuchte, gingen wir ins Liebighaus, um uns die dortige Skulpturensammlung anzusehen. Von ihr blieb ich größtenteils unbeeindruckt, weil das Neue und das Alte Musem Berlin mich für andere Museen versaut haben. Doch im Untergeschoss des Frankfurter Kunsthauses fand ich Schätze, die ich in der Form noch nie zuvor gesehen hatte – zumindest nicht in diesem Ausmaße.

Denn dort befindet sich die Elfenbeinsammlung von Reiner Winkler (1925–2020). Der Sammler schuf eine ganze Kollektion an Elfenbeinskulpturen mit dem Schwerpunkt Barock. Winkler baute seine Sammlung seit 1962 kontinuierlich auf. Im Laufe seiner Sammeltätigkeiten entwickelte er einen spezifischen Geschmack und konzentrierte sich schließlich voll und ganz auf Elfenbeinskulpturen des 17. und 18., in geringem Umfang auch des frühen 19. Jahrhunderts.

Wie soll ich danach denn jemals wieder auf mein Leben klarkommen? Das ist die Kreuzabnahme Christi aus Süddeutschland, möglicherweise Augsburg, 17. JH. (Fragment. Gesamtwerk im Titelbild.)

Elfenbeinsammlung im Liebighaus Frankfurt

Winkler war der Liebighaus Skulpturensammlung zu Lebzeiten eng verbunden. Mehrfach stellte er dem Museum Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung. Ebendort hat seine Sammlung nun „ihre neue und endgültige Heimat“ gefunden und bleibt somit „als ,Gesamtkunstwerk‘ erhalten“, wie es sich Reiner Winkler ausdrücklich wünschte. Die Exponate sind merkbar erlesen und an Einzigartigkeit kaum zu überbieten. Aus dem Staunen kam ich also gar nicht heraus.

Seit 2019 waren schon zahlreiche Meisterwerke bekannter Bildschnitzer im Liebighaus unter dem Ausstellungstitel „White Wedding zu sehen. Mit der Folgeausstellung „Splendid White“ (2022) wurde die Elfenbein-Sammlung Reiner Winklers im Liebieghaus vervollständigt und ist nun als Dauerausstellung zu sehen. Der Eintritt kostet regulär 8 Euro.

Süddeutschland, wahrscheinlich Augsburg, aus dem 17. JH: Darstellung der acht Haupttugenden. Sieh dir hier Mal diesen Schmuck an und stell dir vor, dass jede einzelne Figur dabei kaum größer ist, als dein kleiner Finger. Ich liebe es einfach. Die Materialmischung ist so wild und so unnötig prunkvoll.

Wie wurde mit Elfenbein gearbeitet?

Es ist die Frage nach dem wie, die immer wieder aufkam, während wir uns die Elfenbein-Sammlung im Liebighaus ansahen. Wie konnte das „weiße Gold“ so bearbeitet werden, dass die Figuren auf den Reliefplatten derart filigran und winzig waren? Hierfür blicken wir kurz in die Geschichte zurück:

Bereits in der Altsteinzeit schätzten Menschen Elfenbein als besonders kostbares Material, weil es Holz und andere Rohstoffe beachtlich überdauerte. Um Elfenbein zu schnitzen, benutzten unsere Vorfahren Werkzeuge wie Klingen, Bohrer und spitze Stifte aus Feuerstein. Das wissen wir anhand der Spuren auf zahlreichen Artefakten dieses Zeitalters. Irgendwann wechselten die Elfenbeinschnitzer zu Metallwerkzeugen, die deutlich effektiver waren. Trotz dieser Weiterentwicklung bei Werkzeugen blieb die Kunst des Elfenbeinschnitzens über Tausende von Jahren erstaunlich konstant.

Elfenbein: Lag der hohe Grad der Ästhetik am Werkzeug? Nö!

Die handwerklichen Fertigkeiten und das kreative Geschick der Schnitzer prägten diese Kunstform in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte. Selbst die Erfindung von Maschinen veränderte die Grundlagen des Handwerks kaum, eröffnete aber neue Gestaltungsmöglichkeiten. So ermöglichten etwa Drehbänke das Drechseln von Elfenbein und die Herstellung von sogenannten Wunderkugeln. Hierbei handelt es sich um kunstvolle Kugeln mit ineinander verschachtelten Verzierungen, die aus einem einzigen Stück Elfenbein gefertigt wurden.

Im 17. Jahrhundert erreichte die Elfenbeinschnitzerei in Europa einen künstlerischen Höhepunkt. Im Barock verzichtete man im Gegensatz zum farbenfrohen Mittelalter auf zusätzliche Bemalung, um den natürlichen, warmen Farbton des Elfenbeins wirken zu lassen. Künstler schufen in diesem Jahrhundert vermehrt Skulpturen, Reliefs und prunkvolle Gefäße mit eingearbeiteten Metallelementen.

Die Elfenbeinkunst erlebte mit den prächtigen Werken im Stil der Chryselephantin, einer Kombination aus Gold (oft durch vergoldete Bronze ersetzt) und Elfenbein, während des Jugendstils und Art déco eine letzte Blüte.


Die folgenden Exponate haben nicht das Geringste mit Elfenbein zu tun, außer dass sich mit der Reiner-Winkler-Sammlung zusammen ein Dach teilen. Es sind meine persönlichen Mega-Highlights aus Marmor, Bronze (teilvergoldet) sowie auch Holz:


Quelle: liebighaus.de / Renaissance bis Klassizismus

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Kunst & Architektur

Venezianische Kunst erobert Münchner Pinakothek

Letzter Tag „Venezia 500“ – auf nach München, muchachos! Die Alte Pinakothek präsentierte diese beeindruckende Ausstellung, die sich den revolutionären Entwicklungen in der venezianischen Renaissance-Malerei widmete. Mit einem Fokus auf Porträts und Landschaften aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wurde die Wirkung dieser spezifischen Kunstform auf die europäische Kunstgeschichte deutlich.

Palma il Vecchio: Maria mit Kind und den hl. Ruchus und Lucia | Hier sieht man nicht nur dir schöne Symbiose aus Figuren und Landschaft, sondern auch monumentale Architektur. Diese Kombi gab es damals nur in Venedig.

Blühende Kunst aus Venedig – in München

Die Ausstellung zeigte 15 Meisterwerke aus der Münchner Sammlung und etwa 70 internationale Leihgaben. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den charakteristischen Merkmalen und Errungenschaften der damals in Venedig blühenden Malkunst. Die führenden Meister dieser Zeit zeichneten sich durch ihr tiefes Verständnis für das Wesen von Mensch und Natur aus. Sie verstanden es, beide Aspekte auch in Bezug zueinander darzustellen und erreichten dabei eine bisher unbekannte Intensität.

Die Gemälde wurden in der Ausstellung hinsichtlich ihres Entstehungszusammenhangs sowie ihrer zeitgenössischen Interpretationsweisen beleuchtet. Dabei erfolgte eine thematische Gliederung, aber auch Kontraste durch Gegenüberstellungen mit Zeichnungen und Skulpturen.

Venezianische Kunst: Giovanni Bellini auch dabei

Einige meiner Lieblingswerke waren dabei. So zum Beispiel eine Sacra Conversazione von Giovanni Bellini, die ich bereits im Kindesalter in einem meiner Bücher entdeckt hatte. Mir blieb das Gemälde all die Jahre in Erinnerung, weil die Proportionen des Kindes so absonderlich waren. Der viel zu kleine Kopf rief bei mir bereits bei erstem Betrachten damals Unbehagen hervor. Doch dadurch, dass ich es mir so oft ansah, habe ich zu diesem Bild eine besondere Verbindung. Es war schon später an der Uni emotional, dieses Gemälde auf dem Abbild des Beamers zu begutachten, als ich ein Seminar zu den Bellinis belegte. Das Brettchen live und in Farbe zu sehen, war natürlich anders wild und rief in mir besonders heftige Gefühle hervor.

Giovanni Bellini in der Alten Pinakothek in München, als venezianische Kunst in der "Venezia 500" Ausstellung gezeigt wurde.
Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und einer Heiligen, 1500-1505

Hätte ich ich mir von „Venezia 500“ mehr Bellinis erhofft, als tatsächlich da waren? Ja, hätte ich. Aber da spricht aus mir definitiv auch die Bellini-Fanatikerin. Für einen Einblick in die venezianische Kunst der Renaissance war die Ausstellung in der Alten Pinakothek absolut meisterhaft. Es gab von allem etwas und die Einblicke waren sowohl für Laien als auch für diejenigen, die dieser Kunst verfallen sind, tief und lehrreich.

„Venezia 500“ in der Alten Pinakothek: Ausgestellte Künstler

Zu den ausgestellten Künstlern gehören neben Giovanni Bellini auch Giorgione, Palma Vecchio, Lorenzo Lotto sowie Tizian und Tintoretto. Ihre Darstellungen individueller Persönlichkeiten wechseln zwischen realistischem Bildnis, Idealbildnis (ein idealisiertes Porträt), repräsentativem Porträt (das Macht und Status darstellt) und lyrischem Porträt (das eher Gefühle und Stimmungen einfängt).

Ihr Talent für atmosphärische Landschaftsmalerei hat dieses Genre als eigenständiges Bildthema etabliert. Die Ausstellung „Venezia 500“ bot einen faszinierenden Einblick in diese außergewöhnliche Periode des künstlerischen Wandels. Wer sie verpasst hat, könnte in der Alten Pinakothek aber dennoch auf seine Kosten kommen. Immerhin gehören mindestens 15 hauseigene Werke der venezianischen Kunst in der Renaissance an und können in der Dauerausstellung besichtigt werden. Wer sich in München aber regelrecht die Birne wegkatapultieren lassen will, besucht am besten diese geile Ausstellung, die allerdings nicht das Geringste mit Venedig oder Renaissance zu tun hat.

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Wassily Kandinsky: Ein russisches Genie

Die Welt der modernen Kunst wäre ohne ihn nicht dieselbe. Wassily Kandinsky, russischer Maler und Grafiker, hinterließ eine bedeutende Spur in der Kunstgeschichte. Außer als in Russland lebte und wirkte dieses Phänomen auch in Deutschland und Frankreich. Sein Schaffen wusste ich nie zu schätzen – bis auf diesen einen Tag, als ich die neu formulierte Ausstellung „Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus sah. Sagen wir: sie hinterließ ihre Spuren; ohne an dieser Stelle wieder sexuell zu werden.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer um 1912. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Von Moskau bis nach München: Kandinskys frühe Jahre

Kandinsky wurde am 16. Dezember 1866 in Moskau geboren. Nach seinem abgeschlossenen Jurastudium an der renommierten Lomonossow-Universität entschied er sich gegen eine juristische Laufbahn, obwohl ihm hierzu alle Türen offen standen. Stattdessen zog er nach München, um Malerei zu studieren. Als er nämlich ein kleiner Junge war, schleppte ihn seine Mutter in Kunstausstellungen, die ihn für den Rest seines Lebens prägten. Die Magie der Formen und vor allem Farben würde Kandinsky nie wieder loslassen.

Nachdem er sich als Expressionist bewies, war er Vorreiter der abstrakten Kunst. Von sich selbst soll Kandinsky behauptet haben, das erste abstrakte Bild der Welt geschaffen zu haben. Ebendieser Umbruch der Künste gibt auch den Geist der damaligen Zeit gut wieder: Im späten 19. Jahrhundert durchlebte die Welt einen gewissen Wandel. Die Entdeckung der Radioaktivität sowie auch die Atomtheorie katapultierten Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in eine neues Zeitalter. Vergleicht man seine expressionistischen und abskrakten Werke, so spürt man die Auswirkungen dieser Veränderung deutlich. Doch auch wenn der Russe die Gabe hatte, mit seiner Kunst das auszudrücken, was nur schwer in Worte zu fassen war, war es für ihn sehr schwer, in der Münchener Kunstszene Fuß zu fassen.

Wassily Kandinsky trifft auf Franz Marc

Mit seinem Freund Franz Marc gründete er 1911 die Künstlergemeinschaft Der Blaue Reiter, die den Expressionismus maßgeblich prägen sollte. Laut arsmundi.de soll Wassily Kandinsky den Namen der Künstlergruppe folgendermaßen erklärt haben: „Den ‚Blauen Reiter‘ erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau. Franz Marc die Pferde, ich die Reiter. So kam der Name von selbst.“ Andere wiederum ordnen der Namensgebung eine höhere Bedeutung zu. So soll die Farbe Blau den geistigen Charakter der Arbeiten repräsentieren (was auch immer das heißen soll). Der Reiter wiederum soll eine Art Vorwärtsbewegung verkörpern, da diese Künstler Pioniere auf ihrem Gebiet waren.

Der Durchbruch kam mit einer bahnbrechenden Ausstellung in München im Dezember desselben Jahres.

Das Jahr des Durchbruchs, 1911: Allerheiligen II, Öl auf Leinwand

Schöpferische Phase am Bauhaus

1922 wurde der Ausnahmekünstler ans Bauhaus geholt – die deutsche Designschule in (damals) Dessau. Dort durchlebte Kandinsky seine große schöpferische Phase. Laut seiner Frau Nina seien zwischen 1925 und 1933 289 Aquarelle und 259 Bilder entstanden. Jedes Blatt, jedes Bild sei dabei ein vollendetes Werk gewesen.

Am Bauhaus entwickelte er seine Theorien über Farbe und Form. Dabei sah er Farben nicht nur als optische Eindrücke an, sondern auch als Klänge. Deshalb glich er seine Bilder auch der Musik an, während er an eine „synästhetische“ Wahrnehmung glaubte. Für Kandinsky verkörperte jede Farbe also einen bestimmten Klang. Farbe und Form sollen beim Betrachter ähnliche Einwirkungen auf die Psyche haben, wie das Hören musikalischer Werke. Ähnlich wie bei Musikstücken teilte er seine Werke in „Improvisationen“, „Impressionen“ und „Kompositionen“ ein.

Wassily Kandinsky verlässt Deutschland

Nachdem das Bauhaus 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, emigrierte Kandinsky nach Frankreich. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod im Jahr 1944 weiter an seinen revolutionären Ansätzen in der Kunst.

Kandinskys Einfluss reicht weit über sein Lebenswerk hinaus. Als Lehrer hat er Generationen von jungen Künstlern inspiriert und beeinflusst. Seine Theorien zur Farbe und Form haben die Art und Weise verändert, wie wir heute über Kunst denken. Auf die dazwischenliegenden Stationen seines Lebens werde ich an anderer Stelle noch genauer eingehen.


Quellen:

  • arsmundi.de: „Der Blaue Reiter“ – Die Spitze des deutschen Expressionismus
  • bauhaus-entdecken.de: Wassily Kandinsky (1866 – 1944)
  • Hajo Düchting: Wassily Kandinsky, Verlag: Klinkhardt & Biermann
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Faszination Berta Fischer: Plastic at its best

Auf die Berliner Künstlerin Berta Fischer stieß ich, als ich in der Schirn-Ausstellung „Plastic World“ war. Ihr schwebendes Exponat, das den Namen Garmion trägt, starrte ich minutenlang und voller Begeisterung an, ohne dass es mir dabei langweilig wurde. Das Spiel mit dem Licht, das sich auf dem Boden der Kunsthalle in Form von kleinen bunten Lichtblicken widerspiegelte war ihr durch den mehrfarbigen, 3-dimensional geformten Kunststoff gelungen. Es war viel mehr, als ein Exponat – es war ein Erlebnis. Die hologrammartige Beschichtung, die Schwerelosigkeit, die scheinbare Geschmeidigkeit des offenbar harten Materials machte etwas mit mir.

Schirn Kunsthalle Frankfurt: Berta Fischers Raumkonstruktion „Garmion“ in der „Plastic World“-Ausstellung.

Wie macht Berta Fischer das?

In ihrer Arbeit verwendet Fischer vorwiegend Acrylglas, ein transparentes Kunststoffmaterial, das für die Schaffung leichter und farbenvielfältiger Skulpturen bekannt ist.

Die Künstlerin ist bekannt für ihre komplexen, großformatigen Raumkonstruktionen. Sie verwendet industriell gefertigte Acrylglas-Platten und formt sie mit Wärme zu skulpturalen Formen. Manchmal kombiniert sie verschiedene Arten des Materials. Einige beschichtet mit farbigem Film, andere lässt sie transparent oder bringt sie mit Hilfe von Bestrahlung selbst zum Leuchten, um ihre charakteristischen Lichteffekte zu erzielen.

Copyright: galeriebarbaraweiss.de

Neben ihrer Arbeit mit Acrylglas fasziniert Fischer auch mit Elementen wie Neonlichtschnüren und Folien. Die Ehre, hierauf ein Auge zu werfen hatte ich bislang jedoch nicht.

Einzigartige Kunst – einzigartige Frau

Viele ihrer Kunstwerke sind unbetitelt, was den Betrachtern mehr Raum für eigene Gedanken und Interpretationen lässt. Andere Werke tragen Titel wie „Nirix“ oder „Aedrus“. Berta Fischer erfindet diese Begriffe selbst und stellt durch Internetrecherchen sicher, dass ihre Fantasienamen – ebenso wie ihre Kunst – einzigartig sind.

Berta Fischer wurde 1973 in Düsseldorf geboren. Sie hat ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zwischen 1993 und 1998 absolviert und während ihrer Studienzeit im Jahr 1995 ein Praktikum bei Electronic Arts Intermix in New York agelegt. Im Folgejahr erhielt sie das Günther Schroff Stipendium der HFG in Karlsruhe. Nach dem Abschluss ihres Diploms im Jahr 1998 hat Fischer ihre künstlerische Laufbahn erfolgreich weiterverfolgt. Ihre Arbeit wurde durch das Kunstfonds-Stipendium aus Bonn im Jahr 2003 anerkannt. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.


Quellen:

  • gallerytalk.net: „Zwischen Raum und Zeit: Berta Fischer über Kunstkonsum, Atmosphäre und unbetitelte Werke“
  • artnet.de: „Berta Fischer“
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