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Kunst & Architektur

Expressionismus: Von der Brücke bis zum Blauen Reiter

Ach du törichtes Tülpchen, es ist mal wieder so weit: Endlich schreibe ich wieder über Expressionismus, Jawlensky, Kandinsky, Kirchner, Modersohn-Becker, Münter und andere. Diese sollen nun nämlich in einen „imaginären Dialog“ mit österreichischen Expressionisten treten, heißt es in einer Pressemitteilung der Privatstiftung Leopold Museum.

Anhand von 17 Meisterwerken aus Privatsammlungen und der Sammlung Leopold, unter anderem Gabriele Münter, Wassily Kandinsky oder Ernst Ludwig Kirchner, zeigt das Leopold Museum eine erlesene Auswahl an Gemälden des Deutschen Expressionismus. Juhu! Und wer ist jetzt gerade vor Ort, um sich das ganze reinzuziehen? Richtig! Nicht ich, sondern meine Mutter. Noice.

Deutscher Expressionismus in Wien

Die aktuelle Fokuspräsentation Deutscher Expressionismus“ im Rahmen der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ ermöglicht einen Einblick in die unterschiedlichen Ausprägungen expressionistischen deutschen Kunstschaffens. Zu sehen sind die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

17 hochkarätige Werke von Lovis Corinth, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, haha „deutscher Expressionismus“ – if you know it, you know it Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und August Macke begegnen einander in der permanenten Präsentation. Im Leopold Museum findet dies erstmals in dieser fokussierten Form statt. Erinnert uns das mutmaßlich an die Ekstase der Farben beim Blauen Reiter im Münchner Lenbachhaus? Durchaus, durchaus.

lexej von Jawlensky (1864–1941), Mädchen mit grüner Stola, 1909/10, Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Alexej von Jawlensky (1864–1941), „Mädchen mit grüner Stola“ (1909/10). Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf

Das macht diese farbenfrohe Kunstrichtung aus

Der Deutsche Expressionismus zeichnet sich durch die expressive Reduktion der Malmittel und eine radikale Vereinfachung von Form und Farbe aus. Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und regionaler Volkskunst vervollständigen das Bild einer überaus facettenreichen Kunstrichtung. Diese wird durch die Verbindung mit der französischen Avantgarde wie den Nabis und den Fauvisten sowie eigenständige Positionen wie die Paula Modersohn-Beckers abgerundet.

Deutsche wie österreichische Expressionisten hinterfragten und erweiterten den Schönheitsbegriff radikal. Vereint unter einem Dach treten beide Strömungen in dieser Fokus-Schau in einen imaginären Dialog.

Was hat Expressionismus mit wirtschaftlichem Fortschritt zu tun?

Der Begriff Expressionismus wurde in Deutschland erstmals 1911 im Vorwort des Kataloges zur 22. Ausstellung der Berliner Secession in Zusammenhang mit den Werken junger französischer Künstler verwendet.

Der Deutsche Expressionismus wurzelt u.a. in den negativen Begleiterscheinungen des rasanten wirtschaftlichen Fortschritts der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die Schattenseiten der Industrialisierung führten unweigerlich zu sozialen Konflikten. Mit der zunehmenden Entfremdung von Natur und Spiritualität entstand eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Innerlichkeit und freiem Ausdruck. Diese bildete im wilhelminischen Kaiserreich den Nährboden für den Expressionismus.

Die expressionistische Kunst umfasste radikale künstlerische Reaktionen auf den Impressionismus und auf konservative akademische Traditionen. Die Expressionisten nahmen hinsichtlich eines freien Umgangs mit Farbe und Form Anleihen beim Schaffen der französischen Künstlergruppe Nabis („Propheten“), bei den Fauves („Wilde“) um Henri Matisse sowie beim Norweger Edvard Munch. Ebenso bezogen sie Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und aus der regionalen Volkskunst, etwa der Hinterglasmalerei.

Henri Matisse: Servierter Tisch
Hier haben wir einen super frühen Henri Matisse: „Servierter Tisch“(1897), Öl auf Leinwand. Dieses Exemplar wird nicht im Leopold Museum zu sehen sein.

Wiener Leopold Museum: Schwerpunkte der Ausstellung

Die Präsentation Deutscher Expressionismus zeigt ausgewählte Beispiele aus dem Schaffen der Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke, die sich ab 1905 um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel; Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff formierte. Die Künstler rebellierten gegen den Impressionismus und die Wiedergabe der Außenwelt nach tradierten Regeln. Als Teil einer naturbezogenen Lebensreform sollte Kunst „Freiheit verschaffen“, die „unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was […] zum Schaffen drängt“ (Kirchner, 1906).

Die Malerinnen und Maler im Umkreis des Münchner Almanachs Der Blaue Reiter *engelsgesang* begaben sich auf die Suche nach einer neuen Innerlichkeit in der Kunst. Ihre Werke zeichnen sich durch klare Konturen aus, die bisweilen intensive Farbigkeit löste sich zunehmend vom Gegenstand. Die im Leopold Museum ausgestellten Exponate sollen ein eine Hinwendung vom Impressionismus zum Expressionismus nachvollziehbar machen.

Blauer Reiter: Gabriele Münter: In der Erdbeerzeit - 1919
Gabriele Münter von der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“: In der Erdbeerzeit (1919). Wer dieses Werk jedoch in Wien sucht, wird leider nicht fündig. Es gehört nämlich zu der fantastischsten Ausstellung der Welt im Münchner Lenbachhaus.

Expressionismus in Deutschland und Österreich

Durch die im Leopold Museum gegebene räumliche Nähe zu den Werken österreichischer Ausdruckskunst – von Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer bis zu Anton Kolig, Anton Faistauer und Herbert Boeckl – ermöglicht die Fokusausstellung zum Deutschen Expressionismus nun einen besonders guten Vergleich der länderspezifischen Ausprägungen expressionistischer Strömungen.

Zu den Höhepunkten der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ zählt neben der Kunstproduktion in Wien um 1900 insbesondere die Kunst des österreichischen Expressionismus. Das Museum zeigt auch die weltgrößten Sammlungen von Werken des Expressionismus-Vorreiters Richard Gerstl und von Egon Schiele – einem der wichtigsten österreichischen Protagonisten der Kunstrichtung. Darüber hinaus besitzt das Leopold Museum einige bedeutende Werke des deutschen Impressionismus und Expressionismus, unter anderem von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Beckmann oder Ernst Ludwig Kirchner. Ein Besuch lohnt sich also auch außerhalb aller Sonderausstellungen.


Quelle: presseportal.de: Pressemitteilung des Leopold Museums

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Kunst & Architektur

Art Basel: Sitzt da ein Gorilla unterm Tisch?

Ryan Gander, ein britischer Künstler der Gegenwart, hat auf der Art Basel 2024 sein neues Werk „School of Languages“ vorgestellt. Seine Gorilla-Installation soll die Beziehung zwischen unserer evolutionären Vergangenheit und den dynamischen Aspekten der modernen Gesellschaft untersuchen. Das Kunstwerk soll Verbindungen zwischen dem täglichen Leben und dem Mystischen ziehen.

Mein erster Eindruck von Ganders Gorilla

Bevor ich mich jetzt in die Interpretation dieses Werks stürze, will ich zunächst meine Gefühle vor Ort beschreiben. Ich hatte es eilig. In einer Stunde würde die Art Basel schließen und ich musste mich beeilen, um noch schnell das Beste von der Messe mitzubekommen. Ich ließ meine Mutter also in der Unlimited-Halle stehen und raste davon. Ja, so läuft das bei uns. Sie wollte sowieso im Café chillen. Egal. Ich eilte durch die Messe und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Denn ich sah einen weißen Raum mit weißem Schreibtisch und weißem Ventilator. Um den Tisch herum versammelten sich Menschen mit großen Augen – da musste ich hin.

Als ich näher kam, schien es, als läge unter dem weißen Schreibtisch ein Hund, der da gar nicht hingehörte – so meine ersten Gedanken. Dann ging ich um das Möbelstück herum und sah: einen Gorilla. Mein Sehorgan musste ich zunächst mehrfach fokussieren, um mir ganz sicher zu sein, dass es sich um eine leblose Tierimitation handelte – so echt sah das Tier aus. Darüber hinaus atmete es, machte leichte Handbewegungen und gab auch anderweitige Geräusche von sich. Es war schon irgendwie außergewöhnlich.

"School of Languages" von Ryan Gander: Gorilla unterm Tisch auf der Art Basel 2024

Diese Bedeutungsebene hat der Gorilla laut Künstler

In Ryan Ganders Installationskunstwerk trifft der Betrachter also auf eine Mischung aus Objekten. Im Mittelpunkt steht der Büroschreibtisch im Corporate-Stil. Neben ihm befinden sich ein elektrischer Standventilator und eine digitale Wanduhr. Durch den Ventilator soll der Geruch von Feuchtigkeit und Urin verströmt werden. Vor Ort roch ich persönlich aber nichts dergleichen. Die Figur unter dem Schreibtisch stellt einen lebensgroßen, weiblichen Gorilla dar. Trotz ihrer scheinbaren Schüchternheit zeige sie den Wunsch zu lernen, indem sie Einheiten notiere – so die ikonologische Beschreibung im Katalog. What? Die Bedeutung ihrer Handlung bleibe laut Künstler jedoch für den Betrachter unklar: Notiert sie Zeiteinheiten? Währungseinheiten? Oder gar eine Akkumulation oder einen Rückgang einer anderen Größe? All diese Fragen habe ich mir natürlich nicht gestellt.

Holen wir mal ganz weit aus und ziehen den Messebesucher mit ins interpretative Boot der modernen Künste: Dadurch, dass einige Besucher unter den Schreibtisch blickten, machte es viel mehr den Eindruck, als sei der Gorilla in gewisser Weise ängstlich und nicht gerade gut auf die Menschen zu sprechen. Als würde er dort gezielt Schutz suchen. Dass der Betrachter auf die Installation einwirkt, hätte der Künstler ja aber nicht ahnen können. Oder? Da wären wir wieder bei unseren individuellen Realitäten und Paradigmen.

Ein weiteres bemerkenswertes, von mir jedoch unbemerkt gebliebenes, Detail ist die „Wanduhr, die zwei Anzeigen in einem einzigen Objekt kombiniert“. Diese „divergieren in seltsamen Winkeln und erzeugen dadurch die Illusion von Doppelbildern“, heißt es weiter in dem Art Basel Unlimited-Katalog, was auch immer das bedeuten mag.

Eine kurze Info zum Künstler Ryan Gander

Ryan Gander wurde 1976 in Chester, Großbritannien geboren. Er lebt und arbeitet in Suffolk und soll dafür bekannt sein, traditionelle Vorstellungen von Sprache und Wissen herauszufordern und gleichzeitig neue Wege in der Präsentation und Schaffung von Kunstwerken zu gehen.

Das denke ich über Ganders Gorilla

Was denken wir über dieses Kunstwerk? Ich fang mal an: Es ist cool. Es war cool, bis ich die Bedeutungsebene von Gander gelesen hatte. Genau das ist der Punkt, über den ich mich bereits tausendfach ausgekotzt hatte. Moderne Künstler bekleben ihre Werke regelrecht mit irgend welchen tieferen Symbolen und Bedeutungen. Wir erinnern uns an meinen Anfall, den ich nach der Nicolas Party Ausstellung in Baden-Baden hatte. Auch damals fand ich es unerträglich, dass Banalitäten irgend welche Biblischen Bedeutungsebenen zugeschrieben wurden, die da gar keinen Platz hatten.

Nun. Bei unserem Gorilla von Ryan Gander ist es nicht so extrem. Hier kann weder die Sprache von Banalitäten noch von talentfreier Zone sein. Immerhin ist das Werk wirklich interessant und ruft bei dem Betrachter eindeutig Emotionen hervor. Aber ich persönlich nehme mir hier das Recht raus zu sagen, dass mir die Beschreibung des Künstlers bisschen zu dick aufgetragen erscheint. Ich liebe die einfachen Dinge, weil sie genial sind. Und in ebendieser Einfachheit liegt meiner Meinung nach auch eine Kunst – gewissermaßen.

Ich fand das Kunstwerk „School of Languages“ nice. Aber Lu Yangs Avatar DOKU, dessen Film „The Flow“ nur wenige Meter weiter auf der Art Unlimited ausgestellt wurde, kann der liebenswerte Gorilla leider nicht das Wasser reichen. Nicht weil das DOKU-Werk etwa einfach gemacht oder aufgebaut ist. Weil es selbsterklärend, zugänglich und durch die Darstellungen der Künstlerin tief philosophisch ist, ohne dass sie es notwendig hatte, irgendwelchen unscheinbaren Elementen eine zweite Bedeutungsebene zu verpassen. Und diesen Effekt können meistens nur Genies erzeugen.

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Kunst & Architektur

Städelfrauen: Meisterwerke von Frauenhand

Künstlerinnen der Moderne rücken in einer neuen Sonderausstellung im Städel Museum in den Fokus. Die Schau feiert die Beiträge von Künstlerinnen wie Louise Breslau, Ottilie W. Roederstein und Marg Moll sowie vielen anderen, die sich erfolgreich im Kunstbetrieb um die Jahrhundertwende behauptet haben. Die Ausstellung würdigt erstmals auch Namen wie Erna Auerbach, Mathilde Battenberg, Ida Gerhardi, Annie Stebler-Hopf, Elizabeth Nourse und Louise Schmidt.

Diese Frauen schufen nicht nur Kunstwerke sondern knüpften auch von Paris und Frankfurt aus internationale Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. Einige prägten als Lehrerinnen und Kunstagentinnen sogar die Geschichte des Städel Museums und der Städelschule.

Städelfrauen
Louise Catherine Breslau (1856-1927): Junge Frau und Chrysanthemen. Portrait von Mina Carlson-Bredberg, 1890. Öl auf Leinwand.

Städelfrauen: Meisterwerke erstmals öffentlich gezeigt

Besucher können rund 80 Gemälde und Skulpturen von 26 verschiedenen Künstlerinnen bewundern. „Wir stellen diese Künstlerinnen mit ihren individuellen Leistungen vor und machen ihre weitverzweigten Netzwerke sichtbar.“ Das erklären Alexander Eiling, Eva-Maria Höllerer und Aude-Line Schamschula, Kuratoren der Ausstellung im Städel Museum in einer Mitteilung. Sie betonen: „Es ist eine Ausstellung über die Selbstermächtigung von Künstlerinnen, die zu ihrer Zeit keine Ausnahmeerscheinungen waren“.

Die ausgestellten Exponate stammen aus renommierten US-amerikanischen und europäischen Museen sowie aus Privatbesitz. Einige dieser Arbeiten werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Auch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter Fotografien und Briefe, die von internationalen Ateliergemeinschaften, professionellen Künstlerinnenverbänden und dem kontinuierlichen Streben nach Anerkennung erzählen ergänzen die Ausstellung.

Eugenie Bandell (1857-1918): Sonne am Mittag (Wilhelmsbad), 1913. Öl auf Leinwand.

Ausstellung im Städel Museum: Spiegel der gesellschaftlichen Umbrüche

Die ausgestellten Künstlerinnen zeichnen sich durch ihre Eigenständigkeit und Professionalität aus, in einem Kulturbetrieb, der zu ihrer Zeit von männlichen „Künstlergenies“ bestimmt wurde.

Die Ausstellung zeigt die stilistisch unterschiedlichen Herangehensweisen weiblicher Künstlerinnen und spiegelt die radikalen gesellschaftlichen und ästhetischen Umbrüche ihrer Zeit wider. Dabei setzten sie sich mit ihrer eigenen Existenz in einem männlich dominierten Umfeld auseinander und stellten traditionelle Geschlechterrollen infrage. Neben Malerei und Zeichnung eroberten sie auch die als „männlichste“ Gattung geltende Bildhauerei.

So fand ich die Städelfrauen im Städel

„Städelfrauen“ ist mal wieder eine gelungene Ausstellung. Ich bin sehr froh drum, dass die Kuratorinnen und Kuratoren des Städels sich wieder mal für ein klares Konzept entschieden haben. Jedes Mal freue ich mich über einfache und nachvollziehbare Strukturen einer Sonderausstellung, denn ich bin der Überzeugung, dass alles Geniale einfach ist.

Eugenie Bandell: Gelb und blau (Stillleben), um 1909. Öl auf Leinwand.
Fragment von: Eugenie Bandell, Gelb und blau (Stillleben). Ich liebe diese spachtelähnliche Technik, die hier so präzise mit einem Borstenpinsel ausgeführt wurde.

Ich war sehr gerührt. Es war schmerzhaft zu erkennen, dass Frauen um 1900 nicht ansatzweise die gleichen Chancen hatten, wie Männer. Auch in der Kunst nicht. Aber das ist natürlich nichts Neues. Die Tatsache, dass die Künstlerinnen trotz allen Schwierigkeiten Wege fanden, um ihre Träume zu verwirklichen und ihrem Bedürfnis, Kunst auszuleben, folgten, jagt mir Tränen in die Augen. Denn bisher wusste ich gar nicht zu schätzen, was für ein Glück ich habe, dieses Handwerk – wenn auch in einer ganz anderen Dimension; wir erinnern uns, ich bin werdende Karikatur- und Comiczeichnerin – erlernen zu dürfen, ohne auch nur den Hauch eines Widerstandes zu spüren bekommen zu haben. Und das alles, weil ebendiese Künstlerinnen damals dafür kämpften, dass meine Generation alles machen kann, worauf sie Bock hat.

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Kunst & Architektur

Rekordfinderlohn für gestohlenes Ernst Fuchs Bild

Vor über einem Jahr, im Juni 2023, stahlen bislang unbekannte Täter ein Gemälde von Ernst Fuchs. Hierbei handelt es sich um das Werk „Hinter dem Schweißtuch der Veronika“. Es hing ehemals in der Otto-Wagner-Villa, dem Museum in Wien/Hütteldorf. Trotz einjähriger Fahndung der Kriminalpolizei ist die Suche bislang erfolglos geblieben. Ein Nachkomme des Künstlers reagiert nun mit einer Erhöhung des Finderlohns.

So gab das Ernst Fuchs Museum bekannt, den ursprünglich ausgeschriebenen Finderlohn von 5.000 Euro auf 30.000 Euro zu erhöhen. So sieht das vermisste Kunstwerk aus:

Gemälde von Ernst Fuchs, „Hinter dem Schweißtuch der Veronika“ aus dem Jahr 1953, Mischtechnik auf Pergament, 14 x 18 Zentimeter.

Ernst Fuchs: Sohn erklärt emotionale Komponente des Gemäldes

„Für meinen Vater hatte das Bild eine besondere Bedeutung, weil es eines der wenigen erhaltenen Werke aus der für ihn so künstlerisch prägenden Pariser Zeit war. Damals hatte er kein Atelier und schuf daher nur kleinformatige Bilder“, erzählt Tillmann Fuchs, Sohn des wichtigen Vertreters der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“. „Deshalb haben wir uns entschieden, nun den Finderlohn für Hinweise, die zur Rückgabe des Bildes führen, drastisch zu erhöhen“, so Fuchs weiter.

Hinweise (auch anonym) werden an das Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer +43 (0) 1-31310-33800 erbeten.

Auch interessant: Dieb des wohl berühmtesten Munch-Gemäldes „Der Schrei“ ist gestorben.


Quelle: presseportal.de

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Kunst & Architektur

Kandinsky-Knüller in Amsterdamer Museum

Das Amsterdamer Kunstmuseum H’ART feiert mit einer großen Kandinsky-Ausstellung seine Wiedereröffnung. Mehr als 60 Werke des berühmten Malers und Pioniers der abstrakten Kunst, Wassily Kandinsky (1866-1944), sind dort ab sofort zu sehen. Es ist zugleich der Start einer Zusammenarbeit mit dem Pariser Museum Centre Pompidou. Die gezeigten Kunstwerke stammen aus dem Pariser Museum, das eine der größten Kandinsky-Sammlungen besitzt.

Die Ausstellung folgt der Lebensgeschichte des Malers von seinen frühen figurativen Werken, den impressionistischen bis zu den abstrakten Gemälden mit geometrischen Formen. „Kandinskys Lebensgeschichte ist auch die Geschichte der abstrakten Kunst“, sagte Kuratorin Birgit Boelens. Krisen, Kriege, Revolution und persönliche Schicksalsschläge beeinflussten unseren geliebten Helden Kandinsky. „Seine Geschichte spiegelt sich im Reichtum und der Diversität seiner Kunst.“ So weit, so gut.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Unser Gott Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Wassily Kandinsky: Spitzenwerke in Amsterdam

Wie wir bereits alle wissen, weil wir regelmäßig avec Madlen lesen, wuchs Kandinsky im russischen Zarenreich auf. Er verließ seine Heimat nach einer kurzen Karriere als Jurist 1896, um in Deutschland Künstler zu werden. Nach langen Reisen ließ er sich in München nieder. Er gehörte neben unserem Schatz Alexej Jawlensky zu den Mitgründern der Gruppe „Der blaue Reiter“. Kandinsky war auch Dozent am Bauhaus in Weimar und Dessau. Schließlich floh er vor den Nationalsozialisten nach Paris. Dort starb er 1944.

Zentral in der Ausstellung stehen abstrakte Spitzenwerke wie „Mit dem schwarzen Bogen“ (1912), „Im Grau“ (1919) oder „Auf Weiß“ 1923. Außerdem wurde der „Salon“ mit vier Meter hohen Wandmalereien im Amsterdamer Museum aufgebaut. Besucher können nun selbst ein Kunstwerk betreten. Das Original, das Kandinsky mit seinen Bauhaus-Studenten 1922 geschaffen hatte, gibt es nicht mehr. Doch das Werk war 1977 für die Eröffnung des Centre Pompidou rekonstruiert worden.

Moment Mal… Ist H’ART ein neues Museum in Amsterdam?

Nenene. Das Amsterdamer Museum Hermitage hatte sich 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges von seinem Muttermuseum Eremitage in Sankt Petersburg getrennt und den Namen in H’ART geändert. Eine vollkommen nötige Aktion, wenn ihr mich fragt. Denn als ich es während meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour damals noch unter dem Namen „Hermitage“ besuchte und bei der Rembrandt-Sammlung nur drei echte Rembrandts hingen, war ich etwas verwundert, dass ein solches Etablissement einen solch kraftvollen Namen trägt.

Nun ist die Kooperation aufgelöst und das Kunsthaus wird mit dem Centre Pompidou, dem British Museum in London und dem Smithsonian American Art Museum in Washington D.C. zusammenarbeiten. Dennoch stellen die mit Kandinsky einen waschechten Russen aus. Ich hoffe, sie haben seinen Steckbrief gelesen.

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Kunst & Architektur

Kunstsammlungen Zwickau haben ab sofort geschlossen

Die Kunstsammlungen von Zwickau, die insbesondere das Werk des Expressionisten Max Pechstein pflegen, haben nun für mehrere Jahre ihre Pforten geschlossen. Schon bald haben Bauarbeiter das Sagen in dem denkmalgeschützten Kunsthaus. Bis zum 30. Juni konnten Besucher die Gelegenheit nutzen, und einen vorerst letzten Blick auf die Kunstsammlung werfen. Ja, auch ich habe diese Gelegenheit vollkommen verschallert.

Blick auf die Kunstsammlungen Zwickau. Wegen Bauarbeiten an dem Gebäude aus dem Jahr 1914 schließt das Museum Ende Juni für mehrere Jahre. Copyright: Hendrik Schmidt/dpa

Kunstsammlungen Zwickau: Bauarbeiten in Millionenhöhe

8,5 Millionen Euro hat die sächsische Stadt Zwickau als Kosten für die Bauarbeiten veranschlagt. Rund 3,3 Millionen Euro fließen als Fördermittel, wie der für Finanzen und Kultur zuständige Bürgermeister Sebastian Lasch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. Ziel sei es, vor allem den Brandschutz auf Vordermann zu bringen und das Gebäude energetisch zu sanieren. Wir kennen das ja von der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, die ebenfalls bald schließen soll.

Zu der energetischen Sanierung im Zwickauer Kunsthaus gehörten Arbeiten an Fassade und Fenstern, aber auch die Ertüchtigung von Fluchtwegen, Elektrotechnik und Brandmeldeanlagen. Lasch sagte: „Das muss dringend getan werden“, sonst drohe die Schließung. Er spricht von einer Teilsanierung. Damit werde das 1914 eröffnete Gebäude fit gemacht für weitere 30 bis 40 Jahre Museumsbetrieb.

Kunstsammlungen Zwickau. Copyright: Hendrik Schmidt/dpa

Pechstein-Gemälde gehen auf Tour

Wenn das Museum schließt, ziehen zunächst die Kunstwerke um, bevor 2025 bis 2027 die Bauarbeiten laufen. 2028 – so der aktuelle Plan – kehrt die Kunst zurück und wird wieder Besuchern zugänglich. Bis dahin befinden sich viele Werke im Depot.

Doch ganz verzichten müssen Kunstliebhaber in den kommenden Jahren nicht auf die Schätze der Sammlung. Die Gemälde des Zwickauers Max Pechstein gehen auf Reisen, um Werbung für Zwickau und die Kunstsammlungen zu machen. Lasch verspricht eine internationale Pechstein-Tournee, ohne dabei genauere Details zu nennen.

„Best of“-Schau in Zwickau

In Zwickau selbst wird eine Übergangsschau in der Galerie am Domhof eingerichtet. In drei Räumen stellt das Kunsthaus dort ab Anfang 2025 ausgewählte Werke verschiedener Künstler als «Best of» der Sammlung aus. Leben und Werk Max Pechsteins (1881-1955) wird leider nur rein digital präsentiert. Dazu gehören ein Dokumentarfilm sowie VR-Brillen, um in seine Bilderwelten einzutauchen.

Das Museum beherbergt außer Pechstein-Arbeiten auch sakrale Kunst aus Bildschnitzerwerkstätten der Vorreformation, Altmeisterliches, Kunst der Romantik und des Klassizismus bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten, wie etwa der Leipziger Schule.

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Kunst & Architektur

Dieb von Edvard Munchs „Der Schrei“ ist tot

Während der Olympischen Winterspiele 1994 hatte er in einem spektakulären Raubzug das weltberühmte Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch gestohlen. Nun ist Pal Enger im Alter von 57 Jahren gestorben. Dies berichteten norwegische Medien am Sonntag, 30. Juni 2024. Der Diebstahl in Oslo erfolgte damals am Tag der Olympia-Eröffnung in Lillehammer am 12. Februar 1994 und hatte weltweit für großes Aufsehen gesorgt.

Pal Enger und ein Kumpan hatten am frühen Morgen mit Hilfe einer Leiter die Fassade der Nationalgalerie in Oslo erklettert, ein Fenster eingeschlagen und das Gemälde herausgeholt. Der frühere Fußballspieler begründete seine Tat später damit, dass er von Munchs Gemälde „Der Schrei“ fasziniert sei. Nach dem Diebstahl versteckte er es unter einem Couchtisch. Drei Monate später kamen ihm die Ermittler auf die Spur und konnten das Kunstwerk sicherstellen.

Edward Munch: Der Schrei 1893
Edvard Munch, „Der Schrei“ (1893). Tempera und Pastell auf Karton.

Munchs „Der Schrei“: Sechs Jahre Knast für den Dieb

Enger wurde im August 1997 wegen der Tat zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Später beging er weitere Kunstdiebstähle und wurde dafür ebenfalls verurteilt.

„Der Schrei“ ist weltbekannt, das 1893 entstandene Gemälde steht symbolisch für die existentielle Angst und Verzweiflung des Menschen in der Moderne. Munch schuf mehrere Versionen, das von Enger gestohlene Bild gilt unter Experten als die beste. (mad/afp)

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Kunst & Architektur

Lu Yangs neue Ära der Kunst: Avatar DOKU

Die Gegenwartskünstlerin Lu Yang hat auf der diesjährigen Art Basel ihr neuestes Werk vorgestellt: einen Gestaltwandler-Avatar namens DOKU. Yang ist bekannt für ihre fesselnden Animationen, die das Menschsein im 21. Jahrhundert erforschen. Seit 2018 arbeitet sie mit einem Team aus Wissenschaftlern, 3D-Animatoren und Digitaltechnikern zusammen, die sich auf dem Gebiet der Motion-Capture-Technologie (kurz MoCap) spezialisiert haben. Diese Technologie erfasst die Bewegung von Menschen oder Objekten digital und reproduziert diese in einem virtuellen Umfeld. Das Ergebnis fand ich überwältigend.

Bereits in meinem ersten Artikel über die Art Basel 2024 beschrieb ich meine Begeisterung gegenüber Lu Yang und ihrem gigantischen Kunstwerk. Es war beinahe unmöglich, sich von dem Bildschirm zu entfernen, auf dem das Abenteuer von Avatar DOKU gezeigt wurde. Nicht nur die verrückte, hyperrealistische Animation war das Fesselnde an diesem Werk. Auch die wortlose Geschichte, war spürbar packend und wirkte beinahe hypnotisch auf die vielen Zuschauer, die sich davor versammelten. DOKU entdeckte sozusagen die von Menschenleben verlassene Welt mit den Augen eines Individuums, das diese Welt erstmals betrat. Ich kann gar nicht mehr adäquat schildern, was DOKU in der Animation alles getrieben hat. Ich erinnere mich lediglich daran, all das mit weit aufgerissenen Augen inhaliert zu haben und zwischendurch fassungslos „wie?“ gefragt zu haben.

Lu Yang: Avatar DOKU
Copyright: Art Basel Unlimited (Katalog)

„Digitale Reinkarnation“: Wer ist Avatar DOKU?

DOKU ist mehr als ein virtueller Character. Er oder sie repräsentiert einen Menschen in einer digitalen Hülle. Seinen oder ihren Namen trägt DOKU aus der Phrase „Dokusho Dokushi“. Das bedeutet etwa: „Wir werden allein geboren und sterben allein“. Dieser Aspekt des Alleinseins wird in Lu Yangs vorliegender Animation, dem Erzählfilm „DOKU The Flow“, intensiv untersucht. Das Filmprojekt bezeichnet die Künstlerin liebevoll als „digitale Reinkarnation“. Derzeit umfasst es zwei Filme, wovon „DOKU The Flow“ der zweite ist, wenn ich mich nicht komplett irre.

„DOKU The Flow“ stützt sich stark auf die buddhistische Philosophie von Mādhyamika, die besagt, dass alle Phänomene frei von einer inhärenten „Natur“, „Substanz“ und „Essenz“ sind. Über eine Reihe von nichtlinearen Sequenzen präsentiert der Film komplexe 3D-Animationen und zeigt DOKU in verschiedenen digitalen Skins. Die narrative Struktur zielt darauf ab, die traditionelle Realität zu überwinden und einen tiefergehenden Einblick in die ultimative Wahrheit der Leere und Verbundenheit zu erlangen.

Lu Yang – eine Gegenwartskünstlerin mit Message

Lu Yang wurde im Jahr 1984 in Shanghai geboren. Sie nutzt verschiedene Strategien aus Religion, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften, um grundlegende Fragen zu den Zusammenhängen zwischen Körper und Bewusstsein sowie Spiritualität und Wissenschaft zu erforschen. Sie hinterfragt zudem die Grenzen des Menschseins in unserer zunehmend technologischen Welt. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Shanghai und Tokio.

Besuche Lu Yangs Website, wenn du mehr zu ihren Animationen und ihrem Schaffen erfahren willst und wenn du dir einen Eindruck zu DOKUs Bewegungsablauf und seinen oder ihren Formwandlungen verschaffen willst.


Quelle:  Art Basel Unlimited (Katalog), 2024

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Kunst & Architektur Reisen

Auf den Spuren der Markgrafen: Altes Schloss von Baden-Baden

Aus der Baden-Badener Innenstadt ist es nur ein Katzensprung zum Battert mit dem Alten Schloß (auch Schlossruine Hohenbaden genannt). Das erste Residenzschloss der badischen Markgrafenlag seit Beginn des 19. Jahrhunderts mehr als 200 Jahre im Dornröschenschlaf. Es wurde durch die Bemühungen von Friedrich Weinbrenner und seinem Neffen Johann Ludwig Weinbrenner wieder zum Leben erweckt. Das Architekten-Duo entdeckte die Ruine neu und machte sie durch den Bau neuer Wege und die Sicherung der Bausubstanz für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Alte Schloss, das Ende des 16. Jahrhunderts durch einen Brand zerstört wurde, bekam durch die Weinbrenners auch eine brandneue (höhö verstehste?) Stabilität. Sie stützten es ab, verfugten es neu und versahen es mit Treppen, Brücken, Aussichtsplattformen und Schlossgaststätten. Seitdem ist das Schloss zugänglich und zieht Romantiker, Künstler, Spaziergänger und Wanderer aus aller Welt an.

Altes Schloss in Baden-Baden

Mittelalter in Baden-Baden: Aus Burg wird Schlossanlage

Vermutlich strebte Hermann II (gest. 1130), der erste badische Markgraf, den Bau einer verteidigungsfähigen Burg an. Zuverlässige Quellen, die das belegen können, gibt es jedoch nicht. Nach ihm und den Markgrafen Hermann III. bis Hermann VI. ist auch der nördliche Teil mit dem viereckigen Bergfried (1) in der ersten Bauphase im 12. Jahrhundert als Hermannsbau (3) bezeichnet. Er bildet den höchstgelegenen Teil der Schlossanlage und wird auch Oberburg genannt. Im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert wurde die Oberburg durch Markgraf Rudolf I. und seine Nachfolger ausgebaut und verstärkt.

Altes Schloss Baden-Baden Grundriss mit Bezifferung.
Volià der Grundriss. Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)

Rudolf I. hat im Jahre 1257 erstmals eine Urkunde mit „in castro Baden“ signiert. In dieser Bauphase bekam die Burg einen Festungscharakter durch vorgeschobene Zwinger im Süden und Osten. Wenn ich mich nicht komplett irre, ist das genau der Teil des Alten Schlosses, der die letzten Jahre über restauriert wurde und somit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. Bei meinem letzten Besuch jedoch konnte ich endlich einen Blick in den Kerker werfen. Es war dunkel und gruselig. Ich machte schnell Bilder, dann wurde es Zeit, um mein Leben zu rennen.

Bauphasen des Alten Schlosses im 14. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert brachte Markgraf Bernhard I., neben Gebietserweiterungen für Baden, auch Verbesserungen für das Alte Schloss mit sich: Der sogenannte Bernhardsbau (5), ein mächtiger Palast mit einem Rittersaal, entstand um das Jahr 1400.

Bernhards Sohn Jakob I., führte die Tradition fort und erweiterte die Burg von 1437 bis 1453 um den Jakobsbau (6). Damit beendete er auch dises Tradition, denn dieser vierstöckige Wohnbau war die letzte Erweiterung des Alten Schlosses. Dies Objekt wurde als Überbauung der Kapelle im Ostbereich zwischen Oberburg und Bernhardsbau platziert. Parallel zur letzten Ausbautätigkeit am Schloss Hohenbaden beginnt Jakob I. 1430 mit dem Bau des Neuen Schlosses. 1479 wird dieses von Markgraf Christoph I. bezogen. Zum Neuen Schloss gibt es hier bald auch einen Beitrag. Nur Geduld.

Tore des Schlosses: Romanische und gotische Spuren

An keiner Stelle des Alten Schlosses lassen sich die romanischen und gotischen Bauphasen so gut nachvollziehen wie an den Haupttoren: Wenn ich das richtig verstehe, datiert der Autor des vorliegenden Buches einen Torbogen auf um 1300 und einen Spitzbogen auf 1400. Dort seien frühgotische Abschlüsse der Erweiterungsbauten zu erkennen, während die beiden am Burgweg (9) folgenden romanischen Tore (12./13. Jahrhundert) mit ihren Rundbögen auf die ersten Bauphasen des Schlosses hinweisen. Kapiert? Ich auch nicht. Zu viele Tore und zu viele Himmelsrichtungen.

Grüße aus dem Schloss Hohenbaden

Eines aber kann ich über das Alte Schloss sagen: Es ist eine geile Nummer und immer einen Besuch wert. Ich liebe es, jedes Mal aufs Neue durch den Wald zum Schloss zu laufen und kurz vor dem Ziel noch mal Halt in der kleinen Kapelle zu machen. Das bereitet mir einfach Glücksmomente. Und dir bestimmt auch.


Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)

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Kunst & Architektur

Art Basel: Highlights von der Kunstmesse

Mit der Art Basel verbinden mich besondere Emotionen und Erinnerungen. Bereits im Kindesalter liebte ich es, die Schweizer Kunstmesse zu besuchen und mir dort die Füße wund zu laufen. Da die Art Basel seit 2002 auch in Miami Beach stattfindet und seit 2013 auch noch in Hongkong, will ich an dieser Stelle verdeutlichen, dass ich auf der Art Basel in Basel war. Auf diesen Moment wartete ich schon lange. Nur kam ich in den letzten Jahren nie dazu, diese gigantische Ausstellung zu besuchen. Nun war es aber soweit: Ich hatte 3,5 Stunden zeit und 100 Prozent Bock.

Gemälde, Drucke und Co. – ich habe den leisen Verdacht, dass ich Farbe mag:

Mein erster Eindruck: Gut, aber nicht ergreifend

Ich habe bei Weitem nicht alles gesehen. Doch die Ausgestellten Exponate der Galeristen (im Erdgeschoss des Hauptgebäudes) habe ich mir als erstes reinziehen können. Zu meinen persönlichen Favoriten gehörten (natürlich) Werke von Alexej Jawlensky und Wassily Kandinsky. Da bekam ich kurz Herzklopfen. Die Werke standen zum Verkauf. Ähnliche sah ich bei der unvergesslichen „Blauer Reiter“ Ausstellung im Lenbachhaus München. Des Weiteren gab es mehrere Skulpturen zeitgenössischer Künstler, die mich nachhaltig beeindruckt haben.

Dann gab es noch die andere Seite. Sehr Vieles, was ich im Erdgeschoss sah, fand ich recht ausgelutscht. Mir hat es etwas an Kreativität und Experiment mit Material und Farbe gefehlt. Für Verhältnisse der Art Basel, und wie ich sie immer in Erinnerung hatte, war es für mich persönlich nicht ergreifend genug – zumindest dieses Jahr und dieses Fragment, das ich mir angesehen hatte. Wir erinnern uns an die Art Karlsruhe, die mich ja völlig aus den Socken gescheppert hat. Noch mal: In Basel hatte ich nicht die Zeit, um mir alles anzusehen. Aber ich erinnere mich, wie die Art Basel vor vielen Jahren meine Welt erschüttert hatte. Und das nicht ein Mal. Doch dann…

Mein zweiter Eindruck von der Basel Art 2024

…dann betrat ich das Obere Geschoss des Hauptgebäudes. Und bekam das, wonach ich mich die Stunden zuvor so gesehnt hatte. Im Schnelldurchlauf raste ich durch die Hallen und konsumierte diese wunderbare Kunst mit einer Gier, die sich bereits angestaut hatte. Bei Kunstmessen, finde ich zumindest, ist es immer eine Art (höhö) Konsum der Kunst, weniger ein Genuss. Naja Genuss natürlich auch, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es ist die Masse an Exponaten, die ein Individuum überwältigt und am Ende ist man nur noch dabei, die ausgestellte Kunst zu „bingen“. Tatsache: Die obere Etage des Hauptgebäudes war absolut fantastisch und ich hätte mich gleich nach oben begeben sollen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.

Kommen wir mal zu den Skulpturen und Plastiken (EG und OG gemischt):

Oh Gott, da gab es noch diese riesige, angeschimmelte Wassermelone aus Halbedelsteinen. Liebe auf den ersten Blick und definitiv mein absoluter Favorit auf der Messe. Trotz Beschaffenheit, den imitierten Schimmelflecken und der Größe dieses Kunstwerks habe ich immer noch das Bedrängnis dazu, da reinzubeißen. Es war ein beeindruckendes Spiel mit Format, Material und Thematik. Ich meine, wer will schon aus Schimmel Kunst machen? Sowohl extrem anziehend als auch abstoßend – ich war zutiefst begeistert. Die verwendeten Materialien in diesem Werk: Kirschquarz, Rosenquarz, Achat, rosa Opal, Amazonit, Türkis, Aventurin, Aquamarin, Magnesit, Karneol, Rhodochrosit, Rhyolith, Rhodonit, Quarz, Druzy-Achat, Calcit Citrin, Prehnit, Labradorit, Jaspis, Serpentin, Tigerauge, Acryl, Glas, Gusseisenfliegen, Messingfliegen, Stahlstifte auf beschichtetem Polystyrol, Fiat 850 Sport Spider-Verdeck.

Highlights von der Art Basel Unlimited

Auch die Unlimited-Halle habe ich besucht. Hier wurden hauptsächlich großformatige Installationen gezeigt. Sehr lange stand ich vor einem Bildschirm, der ein Fantasieszenario aus der Zukunft über die Entstehung (oder den Untergang) des Lebens auf der Erde zeigte. Dieses Stück visueller Kunst faszinierte mich. Die Animation war unglaublich, das Thema war deep, der Film war extrem lang und extrem fantasievoll. Ein Genuss. Davor waren viele begeisterte Besucher versammelt – nicht nur wir. Lu Yangs „DOKU, The Flow“ war definitiv eines der Highlights von der Art Basel.

Ein weiteres herausragenderes Werk war der Käfig aus Glasperlen. Das Ding verdrehte mir den Verstand. Auch dieses fand ich in der Unlimited-Halle und bestaunte es mit offenem Munde. Es hat nämlich sehr schön gefunkelt und allein dieser Kontrast zwischen den glitzernden Glasperlen und dem Stacheldraht mit Drahtgitter zog mich sehr an.

Trotz meines ersten Eindrucks mit den „ausgelutschten“, aber nicht üblen Kunstwerken im Erdgeschoss, muss ich sagen, dass die Art Basel im Terminkalender aller Kunstliebhaber niemals fehlen darf. NIEMALS.

Das sind weitere Highlights von der Kunstmesse, die mich fasziniert haben:

Ein paar kurze Fakten zur Art Basel

Kommen wir zu ein paar spannenden Fakten über die Art Basel: Die weltbekannte Kunstmesse setzt sich als führende Plattform für Galerien durch, um ihre Werke Kunstkennern, Museumsdirektoren und Kuratoren vorzustellen und zu verkaufen. Die Messe wurde 1968 von den Galeristen und Kunsthändlern Trudl Bruckner, Balz Hilt und Ernst Beyeler ins Leben gerufen und hat seitdem stetig an Bedeutung gewonnen.

In der ersten Ausgabe der Messe im Juni 1970 in Basel präsentierten 90 Galerien und 30 Verleger aus zehn verschiedenen Ländern ihre Werke. Dieses Debüt lockte 16.300 Besucher an. 2024 stellten 285 Galerien aus 40 Ländern ihre Arbeiten aus, darunter Werke von über 4.000 Künstlern aus fünf Kontinenten. Laut Angaben der Basler Zeitung besuchten dieses Jahr 91.000 Menschen die Art Basel.


Zum Artikelbild: Sehet, staunet, beneidet – ja, das ist meine Mutter, die auf der diesjährigen Art Basel eine eher merkwürdige Installation begutachtet. Um das ausgestellte Holzhäuschen herum war ein Feuer aus Neonlampen und innen saß die lebensgroße Puppe eines Opas am Tisch. Mit einem Messer in der Hand. Wirklich sehr suspekt. Hierbei handelte es sich um das Kunstwerk „Hell Hole“ von Alex Da Corte.

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