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Tag 1 in Porto: Das habe ich unternommen

Als ich in einem kleinen Zimmer in Porto aufwachte, wusste ich noch nicht, was mich an diesem Tag erwarten würde. Es regnete ziemlich heftig und ich ließ das Fahrrad stehen. Porto liegt auf einem ziemlich steilen Hügel und mit einem Fahrrad, dessen Bremsen nicht das Gelbe vom Ei sind, wollte ich diesen nicht erkunden. Also ging ich zu Fuß los. Was mir gleich auffiel, war diese entzückende Architektur: Kleine, rechteckige Häuser – bedeckt mit bunten Fliesen in allen möglichen Mustern und Farben. Ein wirklich schöner Ausflug für das Auge.

Eine Häuserreihe in einem steilen Gässchen der portugiesischen Stadt Porto. Bunte Vielfalt, Kopfsteinpflaster und parkende Autos.
Eine kleine Gasse in Porto. Hier sieht man schön, wie steil die Straßen dieser Stadt sind – und auch, wie lebendig die Architektur der kleinen Häuser ist.

Mein erster Tag in Porto verlief planlos

Planlos ging ich durch die Straßen, um das Leben der Portugiesen in Porto aufzufangen. Natürlich ist es anders, als in A Ver-o-Mar, wo ich die Tage zuvor verbracht hatte. Es läuft schneller, ist energischer und bunter. Ich sah viele schöne Menschen, kreative Geschäfte und diese freundlich lockende Kulisse des bunten Meeres aus Fliesenfassaden und roten Dächern. Ich ging in eine Gasse und landete plötzlich auf einem kleinen Aussichtspunkt neben der Igreja da Misericórdia. Ich sah über die gesamte Stadt bis nach Vila Nova de Gaia, während im Hintergrund der Regen rauschte und die Möwen ihre frechen Zwischenrufe absonderten. In diesem Moment wusste ich, dass der „ewig lange“ Weg von A Ver-o-Mar sich in jedem Sinne gelohnt hatte.

Blick über die portugiesische Stadt Porto. Zu sehen sind bunte Häuser, Kirchen, Kathedralen und Co.
Als ich die architektonische Pracht Portos erblickte, war ich kurz sprach- und atemlos. Man beachte nur die Harmonie, Ausgeglichenheit und den Farbreichtum der einzelnen Häuser.

Gefrühstückt hatte ich mitten in der Fußgängerzone. Wahllos ging ich in ein kleines Café und landete einen Volltreffer. Da Fußgängerzone, waren meine Erwartungen aufs Minimalste heruntergeschraubt. Um so mehr wusste ich den guten Kaffee, den ich dort bekam und das köstliche Pastel de Nata (oder Pastel de Belém) zu schätzen. Bestens gelaunt ging es weiter durch die Straßen von Porto.

Portugal: Diese Kirchen habe ich in Porto entdeckt

Wenn ich eine schöne Kirche sehe – dann gehe ich rein. Ich hatte bereits als Kind eine ausgeprägte Affinität für Gotteshäuser, ohne dabei besonders gläubig aufgewachsen zu sein. Klar, liebte ich es damals, mit meiner Mutter in Sochi in eine Kirche zu gehen, um Kerzen aufzustellen, russisch-orthodoxe Ikonen zu begutachten und den engelsgleichen Stimmen der Kirchensänger zu lauschen. Doch die Kunstgeschichte und die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten von Kirchenbauten sowie auch Bibelinhalten hob dieses Interesse auf ein ganz anderes Level.

Also fand ich auch in Porto zwei Kirchen, die mich schwer beeindruckt hatten. Die erste fiel mir durch ihre beachtliche Größe und massive Architektur ins Auge – zumindest im Vergleich zu den zierlichen, farbenfrohen Häuschen, die sie umgaben. Es handelt sich hierbei um die barocke Igreja dos Clérigos mit dem zugehörigen Torre dos Clérigos. Das Innenleben ist an Detailreichtum kaum zu überbieten. Die güldene Orgel, rosafarbenen Säulen und die zart ausgearbeiteten Figuren aus Marmor verleihen der Kirche ihre Einzigartigkeit und geben einen schönen Einblick in den Glauben der Portugiesen im 18. Jahrhundert. Für 8 Euro kannst du das kleine aber feine Kirchenmuseum besuchen und auch den Turm hochwanden, von dem du die Stadt im Panorama-Modus sehen kannst. Hier geht’s zu den besten Aussichtspunkten in Porto.

Innenleben der Kirche Igreja dos Clérigos in Porto, Portugal. Auf dem Bild ist der Altar zu sehen, sowie auch  die charakteristischen barocken Säulen und Goldelemente.
Eine kleine Impression aus der Igreja dos Clérigos. Die barocke Pracht beeindruckt mit ihrer symmetrischen Meisterarbeit. Für mich war der portugiesische Charakter hier deutlich spürbar

Gold im Übermaß: In diese Kirche ging ich als nächstes

Die zweite Kirche zog mich mit ihrer mystischen Dunkelheit und der Menge an Gold in ihren Bann. Ich liebe diesen „Gold-in-die-Fresse-Effekt“. Diesen konnte ich hier gut auskosten, denn die Rokoko-Kirche Igreja Do Carmo hat genug davon. Wie mir ein junger Mann, der dort arbeitete, verriet, handelt es sich bei der inneren Gestaltung um Holzarbeiten, die zunächst rot und dann gold gefärbt worden waren. Die wunderbaren Spiralsäulen sollen dabei eine Hommage an die Vatikankirche sein. 

Die Rokoko-Kirche Igreja Do Carmo von innen. Dem Betrachter fällt gleich das viele Gold und die kleinen Detailarbeiten auf. Zwei Besucher haben sich auf die Bänke platziert und fotografieren die sakralen Künste.
Klein, aber fein: Die Igreja Do Carmo von innen. Hier fiel mir auf, dass in den meisten portugiesischen Kirchen, die ich besuchte, im Hintergrund der Gesang eines Kirchenchors läuft.

In der Igreja Do Carmo in Porto finden Besucher auch etwas, das nicht so ganz zum Rest der Kirche passt. Neben der filigran ausgearbeiteten Marmor-Figuren stehen hie und da auch Holzfiguren, die durch den entstehenden Stilbruch etwas vom Rest der Kirche herausragen. Laut dem jungen Mann soll es sich dabei um Holzfiguren aus dem 19. Jahrhundert handeln. Diese sollen dort irgend wann installiert worden sein und später ihre bunten Gewänder bekommen haben. Seinem Gesicht konnte ich entnehmen, dass er diese ebenso ästhetisch fand, wie ich. 

Hier habe ich in Porto gegessen

Zu Mittag aß ich in einem authentischen Restaurant – „Solar Minho de Vento“. Es gab frisch gefangene Sardinen als Vorspeise und Kabeljau als Hauptgang. Sehr klarer Geschmack, tolle Oliven und aromatisches Gemüse. Hier verstand ich, dass ich rote Paprika doch nicht so hasse, wie bisher vermutet. Zufrieden schlenderte ich weiter durch die Straßen in die Richtung des Museu Nacional de Soares dos Reis

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Die Straßenkinder von Manila

In Manila hat bereits vor einigen Stunden die Dämmerung eingesetzt. Ich laufe wie immer relativ planlos durch die Straßen und werde von den bunten Lichtern vorbeifahrender Jeepneys geblendet. Lärm, Staub und kein fühlbares Anzeichen für Gefahr. Das entspannt mich in der Tiefe und ich befinde mich in meiner euphorischen Phase, in der ich die Stadt mit allen Sinnen einatme und eins mit ihr werde. Manches hier erinnert mich sogar an Vietnam. Das fast kindliche Interesse der Einheimischen, die kleinen schmalen Häuschen und natürlich diese warme Luftfeuchtigkeit, die mir das Gefühl gibt, mit ihr bereits in einem längst vergangenen Leben vereint gewesen zu sein.

Langsam fühle ich, dass ich Hunger habe. So richtig ans Essen habe ich mich hier noch nicht getraut. Immerhin ist das mein erster Abend auf den Philippinen und ich tu mich grundsätzlich schwer damit, Neues zu probieren. Bis mein Bus in Richtung Baler kommt, werden noch fünf Stunden vergehen. Also lasse ich mich von meiner Intuition treiben und laufe durch die nächtliche Menschenmenge. Dann gehe ich in eine Essbude, die sauber aussieht. Hier servieren sie Longsilog. Ein Frühstück, dass man sich hier zu jeder Tageszeit und beinahe überall holen kann: Knoblauchreis, zwei Spiegeleier, Würstchen, Ketchup. Handy laden verboten. In meiner Unsicherheit, ob mir der Akku bis zum Busbahnhof reichen würde, scrolle ich nervös durch Tiktok. Bis ich mich von zwei großen Augen beobachtet fühle.

Philippinos: Das schönste Lächeln der Welt

Ich setze von meinem Handy ab und erblicke ein zartes kleines Mädchen, das neben meinem Tisch steht und mich aus vollem Herzen anlächelt. Die Menschen auf den Philippinen haben das schönste Lächeln der Welt. Ich kann euch nicht sagen, warum. Und es liegt nicht zwingend daran, dass die aller meisten von ihnen einfach schneewüstenweiße Zähne haben. Es ist mehr als das. Sie lächeln dir direkt in die Seele und du kannst gar nicht anders, als es ebenfalls zu tun.

Das kleine Mädchen, nicht älter als sechs, redet mit mir in ihrer Sprache, mischt aber ein paar englische Wörter dazu. Sie sagt „money“ und deutet auf ihren Mund. Das Kind hat Hunger. Ohne Zögern schütte ich ihr alles, was sich in meinem Portemonnaie befindet, in die ausgestreckten Hände. Sie bedankt sich, zieht von dannen. Dann bleibt sie vor der Essbude stehen, dreht sich noch mal um und schenkt mir das süßeste Lächeln, das ich auf dieser Reise sehen würde.

Habe ich ein Kind in Schwierigkeiten gebracht?

Wieder voller Fokus auf Tiktok. Ich schneide mein erstes Manila-Video und schlürfe den köstlichen Kalamansi-Juice, den mir die freundliche junge Frau hinter der Theke empfohlen hatte. Dann höre ich einen Schrei. Ich springe auf. Es ist das kleine Mädchen. Ich sehe, wie ein Junge sie gegen den Baum drückt. Er hat sogar Verstärkung mitgebracht. Sie schreit erneut auf, lacht aber diesmal. Ich bin maximal verwirrt. Gemischte Signale kann ich überhaupt nicht deuten, habe aber stark das Gefühl, dass ich erst mal nicht dazwischengehen sollte. Dennoch halte ich mich bereit und bin mit den Augen und den Gedanken beim Baum da draußen. Er fordert von ihr das Geld, das ich ihr eben gab und versucht ihr in die Hosentasche zu greifen. Sie jedoch kann sich verteidigen und macht sich schnell aus dem Staub.

Mir wird richtig schwarz vor Augen. Was hab ich getan? Hat meine impulsive Fürsorge das Mädchen in Schwierigkeiten gebracht? Irgendwie will ich weinen, muss mich aber ordnen und wenigstens etwas aus der Situation lernen. Ich sitze also da und starre in die Leere. Es vergeht einige Zeit. Dann stehe ich auf und gehe.

Ein kurzer Spaziergang durch das nächtliche Manila

Wieder laufe ich durch die Straßen, durch die Menge. Ich komme an einem Gemüse- und Fischmarkt an. Manche Jungs dort wollen mit mir Selfies machen. Unter einer Bedingung mache ich mit: Im Gegenzug kriege ich auch ein Selfie mit ihnen. Sie sind einverstanden und strahlen freundlich in meine Frontkamera. Ich kaufe mir eine richtig verrückte rote Sonnenbrille am Straßenrand, weil ich meine verloren habe.

Ich scheine das rege Treiben zu verlassen und mein Bauchgefühl sagt mir: Lauf da nicht weiter rein ins Dunkle. Ich höre darauf und biege ab. Wieder Menschenmengen. Die einen warten auf ihren Jeepney, die anderen sitzen gelangweilt hinter ihren üppig dekorierten Obstständen, die dritten drängen sich aneinander vorbei und bleiben mit einem Grinsen stehen, wenn sie mein osteuropäisches Gesicht entdecken, das nicht so ganz zum sonnengeküssten Rest zu passen scheint. Mein Rucksack ist scheiße schwer, ich bin müde und will einfach nur noch ein Nickerchen im Bus machen.

Neue Begegnung mit Straßenkind: Geht meine neue Strategie auf?

In Gedanken versunken spüre ich warme feuchte Händchen an meinem Arm. Diesmal steht ein Junge im Vorschulalter vor mir und schaut zu mir herauf. So ein süßer Bengel. Aber es hat die Augenbrauen zusammengezogen und gibt mir den bösen Blick, obwohl die Händchen sich ganz sanft an mir festhalten. „Give me money!“, fordert er. Ich aber meine, aus meinem vorherigen Fehler gelernt zu haben. Und sage: „I can buy you food. What would you like to eat?“ Er lässt von meinem Arm ab und versucht in die Tasche zu greifen, die ich außer dem blöden Rucksack mit mir rumschleppe. Eigentlich ist er gar nicht blöd, ich hatte ihn bei jedem Städtetrip quer durch Europa dabei, deshalb hänge ich auch so sehr an ihm. Aber ich lenke ab.

Ich ziehe vorsichtig seine Hand aus meiner Tasche und sage streng: „Nooo“, und schüttle langsam meinen Kopf. Bevor ich wiederholen kann, dass ich gewillt bin, ihm etwas zu Essen zu kaufen, haut er ab und ruft mir, als würde er mich ein wenig beleidigen wollen, „American […]“ zu. Ich habe das zweite Wort akustisch nicht verstanden, war aber überrascht, dass ich für ihn wie eine Amerikanerin aussah. Ich lief weiter, gähnte zwischendurch und entschied, dass das meine neue Strategie werden würde, wenn die Kinder von Manila wieder Geld von mir fordern sollten. Ob es aber eine richtige ist, weiß ich jedoch bis heute nicht.

Schau hier auch vorbei: Das ist ein Eindruck, den ich in Baler hatte, der mir die Augen öffnete.


  • NEU: Alle meine Reiseabenteuer gibt es seit neuesten Ereignissen auch als im Videoformat auf Tiktok.
  • Alle Bilder unterliegen dem Copyright von avecMadlen.com
  • Das Titelbild stellt keine Straßenkinder dar und dient lediglich als Symbolbild 🙂
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Teneriffa: Einfach planlos durch die Gegend ziehen

Meine Reise nach Teneriffa schenkte ich mir zu meinem 30sten Geburtstag (21. April – safe the Date). Über dieses Geschenk habe ich mich sehr gefreut. Danke Madlen, dass du immer so großzügig bist. Du schlägst mir echt gar nichts aus (an dieser Stelle versuche ich witzig zu sein). Einen Plan hatte ich nicht, was ich an jenem besonderen Tag machen wollte. Bock hatte ich aber auf eine hübsche Geburtstagstorte mit 30 brennenden Kerzen, und darauf, in den erst besten Bus zu steigen und ihn erst dann zu verlassen, wenn mir die Aussicht besonders gut gefiele. Dies tat ich auch.

Teneriffa entdecken: Ich lasse den Zufall entscheiden

Nachdem ich alle Kerzen ausgepustet und ein Stück meiner Torte genossen hatte, stieg ich in einen zufällig gewählten Bus ein und an der Endhaltestelle aus. Dort befand mich in einem entzückenden kleinen Dorf, das aber gebietsmäßig immer noch zu Puerto de la Cruz gehört. Auch hier, wie überall auf der Kanarischen Insel, war die Natur atemberaubend. Ein gigantischer Drachenbaum hier, eine faszinierende Klippe da – ein Waldrand dort drüben. Absolut traumhaft.

Besonders liebte ich es, endlich mal ein Stück Kontrolle abzugeben. Rational veranlagte Menschen kriegen beim Lesen gerade womöglich die Krise. Ich hatte jedoch das starke Bedürfnis, den Zufall und meine Intuition entscheiden zu lassen, was mit mir passiert – und vor allem wo. Es war geil und es hat sich zu 100 Prozent gelohnt. Da ich ohne Internet auf dem Handy unterwegs war, war die ganze Reise gleich noch viel spannender.

Neue pelzige Bekanntschaft geschlossen

Nicht einen blassen Schimmer hatte ich, wo ich gleich lande, wenn ich die Nächste nach links abbiege. Ein kleiner Überraschungseffekt also. So landete ich in einer abgezäunten Gemeinschaft aus künstlerisch angelegten Gärten. Die dort arbeitenden Menschen wussten viel eher als ich, dass ich mich verirrt hatte. Dann, als ich aus diesem kleinen Paradies den Weg hinaus gefunden hatte, war ich nicht weniger ver(w)irrt. Ich passierte Häuschen über Häuschen, landete mehrmals in Sackgassen und entschied mich immer wieder dagegen, umzukehren, sondern bog in neue steile Gässchen ein.

In einer davon traf ich eine verschmuste Katze. Eine Glückskatze wieder mal. Einer meiner Journalistenfreunde sagte mal, dass die Glückskatzen immer besonders verrückt sind. Recht hatte er. Jedes Mal, wenn ich nun so eine treffe, denke ich an seine Worte. Liebe Grüße an der Stelle.
Die pelzige Kleine wollte mich gar nicht loslassen und rieb sich mit dem ganzen dicken Körper an meinen Beinen. Ich fand gefallen dran und verweilte ein wenig mit ihr. Als ich ging, geleitete sie mich mit ihren stillen Schritten bis hin zur Straße.

Wo bin ich denn da gelandet?

Die nächste Gasse, in die ich bog, führte steil abwärts. „Wenn mich der Weg nicht zu einem Strand führt, fange ich an, meinen Ausflug zu hinterfragen“, dachte ich mir. Hier sah ich zahlreiche Eingezäunte Grundstücke. Manche davon wahrscheinlich Ferienhäuser. Ich ging und ging. Ab durch einen Tunnel mit atemberaubenden Fresken – zugegeben: die Streetart hier auf Teneriffa ist einfach next Level.

Ich landete mitten auf einem Schrumepelkartoffelfeld. Und ich liebte alles daran. Weiter kam ich zu einem Wildpfad. Man überlege – ich habe diesen Pfad durch reinen Zufall, oder aber wahrscheinlich mit Gottes Hilfe, gefunden. Mir eröffnete sich eine Naturkulisse, die mir den Atem stocken ließ. Ich  traute meinen Augen kaum. Etwa 200 Meter (ich bin beschissen im Schätzen) über dem Meeresspiegel stand ich da und blickte in den Abgrund. Unter mir: Klippe, Schlucht, freier Fall, Atlantischer Ozean. Endlich fühlte ich wieder, wie es ist, glücklich zu sein.

Hier mein geliebtes Kartoffelfeld

Theatralisches Teneriffa: Klippen, Schloss und Ozean

Mitten in den Klippen stand ein verlassenes Schloss. Es sah aus, als sei es nie zu Ende gebaut worden. Und der Wildpfad führte mich panoramamäßig durch die unbeschreibliche Natur inmitten der üppig florierenden Klippen. Ich stand also da – neben mir die Möwen kreis(ch)end – und blickte auf die Schlossmauern herab; sah den Wellen dabei zu, wie sie unermüdlich gegen Felsen schlugen und ihr salziger Schaum sich darüber legte. Es war wie ein Fiebertraum. In diesem Moment dachte ich: „Mein Gott, das Leben hat doch so viel mehr zu bieten, als… [Diesen Teil habe ich bewusst rausgeschnitten.]“

Der Gedanke daran, dass das Leben auch andere Farben spielen kann, machte mich zufrieden. Damit etwas wachsen kann, muss meistens etwas anderes zuvor kaputt gehen.

Ich lasse meinen Geburtstag ausklingen

Nun denn. Als ich auf einer Aussichtsplattform ankam, hatte ich freie Sicht auf den „verbotenen Strand“, wie ich ihn getauft hatte. Von dort sah ich auch ganz genau, wie ich mich nach unten sneaken könnte. Hierfür war ein kleiner Umweg nötig, der wiederum auch atemberaubend schön war.

Am Ende des Tages trug ich dunkelroten Lippenstift auf und ging schick essen. Es gab, ihr ahnt es, Schrumpelkartoffeln! Mir dem Fang des Tages. Das war der schönste Geburtstag, den ich je hatte. Obwohl nicht der erste, den ich alleine verbrachte. Den 23sten feierte ich nämlich ebenfalls allein (aber ungewollt) und wurde zum Abend hin von der Polizei verhaftet hahaha. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ich vielleicht ein andermal erzähle.


NEU: Auf meinem TikTok-Kanal kannst du alle meine Abenteuer im Videoformat erleben.

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Ein kleiner Tod: Der Abschied von Teneriffa

Der Tag der Abreise fühlt sich doch immer wie ein kleiner Tod an. Gerne gehe ich da noch ein letztes Mal durch die Gassen und lasse Revue passieren, was ich dort in den Tagen zuvor getrieben habe. In Puerto de la Cruz regnete es an jenem Tag. Viel war nicht zu machen. Teneriffa weinte wohl, weil sie fühlte, dass ich mich wieder zurück nach Deutschland verpissen musste.

Die letzten Momente auf Teneriffa

Daher verabschiedete ich mich von den wogenden Wellen des Atlantischen Ozeans und atmete so tief, wie es nur ging, seine Brise ein. Die Wellen schienen mir heute besonders heftig zu sein. Meinen Kaffee trank ich an der Promenade, dann ging ich durch die kleinen Gässchen. Hier und da sah ich Männer bei Reparaturarbeiten an den Zäunen und Hausfassaden. Die Insel würde ohne mich weiterleben – so wie ich ohne ihr.

Viel Zeit blieb mir nicht. Also beschloss ich meine letzten Minuten auf der Kanarischen Insel so effektiv wie möglich zu verbringen und ging ein paar Runden im Pool schwimmen. Bei Regen ist das sowieso die reinste Romantik.

Adiós Tenerife: Mit dem Shuttle zurück zum Airport

Um 11.30 Uhr sollte mein Shuttle zum Flughafen kommen. Obschon mein Flug erst um 16.50 Uhr ging. Ein bisschen drüber, wenn ihr mich fragt. Zumal ich drei Stunden sinnfrei auf dem Airport herumlümmeln musste. Aber besser zu früh, als zu spät. Oder? Trotzdem ist ein Shuttle-Service vom Flughafen zur Unterkunft und wieder zurück sehr bequem. Man muss sich einfach keine Gedanken um nichts machen.

Ich weiß jetzt schon, dass ich Teneriffa wiedersehen werde. Wann, weiß ich noch nicht. Auch nicht, unter welchen Umständen, und ob ich wieder alleine sein werde, wenn es wieder soweit ist. Ich will nämlich noch einiges anderes erleben und sehen. In erster Linie in Asien, Philippinen genau genommen. Doch die Natur, die friedvolle Atmosphäre und das Klima werden mich bestimmt noch viele Male wieder auf die sonnige Insel Teneriffa locken.


NEWS: Meine Teneriffa-Abenteuer gibt’s jetzt auch im Video-Format auf Tiktok

Alle Bilder in diesem Artikel: © avecMadlen

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Reisen ohne Internet: So war’s auf Teneriffa

Was erwartest du, hier zu lesen? Es war normal. Es war gut. Erstaunlicherweise braucht man das Handy nicht, wenn man so planlos unterwegs ist, wie ich. Ich merke mir einfach den Weg den ich gegangen / gefahren bin und gehe oder fahre ebenden auch wieder zurück. Und wenn ich lustig bin, mit Umwegen. Das Handy brauchte ich ausschließlich zum Bilder machen. Und natürlich Videos machen. Ich hab jetzt nämlich endlich wieder Tiktok. Dort kannst du alle meine Abenteuer im Videoformat erleben.

Aber, wie sonst auch immer, war meine Anreise nicht ohne Abenteuer. Genau weil ich kein Internet hatte, konnte ich mein Hotel nicht finden. Aber die netten Bewohner von Puerto de la Cruz haben mir geholfen. Zwischendurch bin ich aber, zugegeben, fast verzweifelt. Das aber habe ich als Teil meines Experiments verstanden.

Zufall oder Schicksal? Unverhofft finde ich einen Naturpfad

Am schönsten fand ich meinen Geburtstag. Den 30sten wollte ich unbedingt alleine feiern. Ich holte mir morgens eine kleine Torte, pustete die Kerzen aus und setzte mich in einen Bus, von dem ich nicht wusste, wohin er fahren würde. Der Plan war es, da auszusteigen, wo es mir am meisten gefiele. Das war dann die Endstation. Planlos schlenderte ich durch die Gässchen, erlebte die Natur der Kanarischen Insel ganz nah, lernte wie immer Katzen kennen und ging, wohin der Wind mich trug.

Durch mein Treibenlassen entdeckte ich einen Wildpfad. Den hätte ich wahrscheinlich niemals , hätte ich mich bei Google Maps bedient. Dort war es so schön, dass ich an einer Stelle das Gefühl hatte, das Leben neu verstanden zu haben. Es war das beste Geburtstagsgeschenk, das mit Mutter Natur, das Universum, Gott und wer auch immer daran beteiligt gewesen war, hätte machen können.

Internet gab’s nur im Hotel

Es war total befreiend, für keinen verfügbar zu sein, während ich meine Abenteuer gelebt habe. Zu Hause in Deutschland hatte man sogar etwas Verständnis für meine Entscheidung. Im Hotel hab ich dann wieder Internet genutzt, vor allem um meine Mitteilungsbedürftigkeit auf Insta zu befriedigen. Diesmal war diese recht ausgeprägt.

Während meiner Zeit in Portugal, oder meinem Trip in die Türkei, oder sonstigen Auslandsaufenthaltne kam nicht ein kleiner Post von mir. Hängt wohl mit meinem Gemütszustand zusammen. Oder womit auch immer. Wie ist denn das eigentlich bei euch?

Teneriffa: Kurze Kein-Internet-Krise in Güimar

Da fällt mir gerade ein Moment ein, in dem ich wünschte, doch etwas Internet gehabt zu haben. An meinem Tag in Güimar, als ich beschlossen hatte, südlichere Teile Teneriffas zu sehen, hat mich meine Landkarte aus Papier so hart verirrt, dass ich mir einfach nur noch dachte: Yo. Fick doch alles. Fick das Handy, fick das nicht vorhandene Internet – ich will gar nichts mehr. Ich will eine rauchen.

Fazit: Lohnt sich das Reisen ohne Internet?

Abschließend lässt sich sagen (Gott, mit diesem Einstieg in den Schlussteil komme ich mir vor wie ChatGPT – if you know, you know): Ich kann den Flugmodus während deiner nächsten Abenteuerreise sehr empfehlen. Es ist ein anderes feeling. Du merkst schnell, wie all deine Sinne geschärft sind und du dich noch mehr auf deinen inneren Kompass, die Instinkte und das Gedächtnis verlassen musst. Und du gehst zudem auch noch verantwortungsvoll damit um.

Außerdem gab es mir, zugegeben, auch ein bisschen den Kick. So nach dem Motto „komme ich an, oder übernachte ich heute mal am Strand?“

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Van Huong: Ein Spaziergang durch Vietnams Geisterstadt

Auf der Halbinsel Van Hương angekommen, merkte ich gleich die Stille, die dort herrschte. Mein Plan war es eigentlich im Meer zu baden und faul am Strand zu liegen, aber ich entschied mich dazu, die Halbinsel, die größer war als vermutet, zu Fuß zu erkunden.

Dort begegnete ich nur sehr wenigen Menschen. Es war der wahrscheinlich friedlichste Ort, an dem ich seit Langem war. Doch ich verstand nicht ganz, was auf Van Huong abging. Einerseits hatte ich den Eindruck, dass die Insel mitten in der Bebauungsphase sei, damit dort eines Tages ein touristisches Zentrum entsteht. Andererseits sahen viele Häuser und einige Baustellen verlassen aus, ohne jemals belebt gewesen zu sein. Das eine oder andere Luxushotel war zwar in Betrieb – außer als ein paar Bauarbeitern und Snackverkäufern bin ich jedoch nicht begegnet.

Fischerboote im stillen Wasser.
So ruhig hier… Sogar des Meeres Wellen scheinen zu schlummern.

Diese Menschenleere führte dazu, dass ich den wenigen Anwesenden noch mehr auffiel, als in den sonstigen nicht-touristischen Gegenden Haiphongs. Ich kann nicht sagen, dass mir das Gefühl besonders gefiel. Aber die Vietnamesen begegneten mir zu jedem Zeitpunkt meiner Reise mit vollem Respekt, Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit. Viets, wenn ihr mich lest: ich liebe euch und eure Kultur.

Ein Blick auf die Karte. Fest stand, dass ganz in meiner Nähe wohl eine künstliche Insel in der Form einer Blume entstand. „Nichts wie hin“, dachte ich mir und betrat den trockenen, staubigen Weg, der mich dort hin führen sollte. Keine Menschenseele weit und Breit. Nur Sonne, Palmen, die staubige Straße und ich. Die Entfernung habe ich wie so oft unterschätzt und ging lang und stur zu meinem Ziel. Bald würde ich es erreichen, oder?

Vietnam: Allein (?) auf der Halbinsel Van Huong

Felder und künstliche Seen, ein paar quakende Enten, in der Ferne ein vielgeschossiges Hotel mit eigenem Strand. Ich ging weiter, genoss dabei die Sonne auf meiner Haut. Ein Lkw mit Schotter kam mir entgegen. Schnurgerade blickte ich daran vorbei und tat so, als wäre ich gar nicht da. Plötzlich hupt der Fahrer. In mir zieht sich alles zusammen. Er zeigt mir Handgesten, dass es da nicht weitergeht. Erzwingen wollte ich es nicht und ging brav zurück in Richtung Ghost-town.

Nachdem ich meine große Runde gedreht, mich in einem verlassenen Hotel umgesehen habe und bis zur vordersten Spitze der Halbinsel gegangen war, hatte ich Hunger und wollte wieder unter Menschen sein. Ein Taxifahrer fuhr mich zurück in die Innenstadt von Haiphong.

Auch spannend: Mitten in der Ha Long Bay kommen mir die Tränen.


Was ist los auf der Halbinsel Van Huong?

Die Halbinsel Van Huong liegt im Stadtbezirk Do Son, etwa 20 Kilometer südlich des Zentrums von Haiphong, der drittgrößten Stadt Vietnams, die ich vollumfassend erkunden konnte. Einst galt Do Son als beliebter Erholungsort für französische Kolonialbeamte, später als Treffpunkt der vietnamesischen Elite. Heute jedoch scheint vieles auf der Halbinsel im Dornröschenschlaf zu liegen.

Einfach unfassbar, diese Architektur.

Van Huong: Großprojekte mit ungewisser Zukunft

Eines der größten Vorhaben ist die künstliche Insel Hoa Phuong Island. Das Projekt wurde erstmals 2003 angekündigt. Geplant war ein luxuriöses Tourismuszentrum mit Villensiedlungen, 5‑Sterne-Hotels, Yachthafen, Einkaufszentren und künstlichen Seen – teilweise in Form einer Blume (Hoa Phuong bedeutet Flamboyant, die Stadtblume von Haiphong).

Der Bauträger war das Unternehmen Glexhomes, das zur Gleximco Group gehört, einem mächtigen vietnamesischen Mischkonzern unter Leitung von Vũ Văn Tiền, einem der reichsten Männer des Landes. Die Bauarbeiten begannen Anfang der 2000er, kamen jedoch nie über erste Aufschüttungen und einige Rohbauten hinaus. Immer wieder wurden neue Etappen angekündigt – zuletzt 2021. Dennoch bleibt das Gelände bis heute weitgehend leer.

Die Geisterstadt von Do Son

Wer sich auf der Halbinsel umsieht, entdeckt halbfertige Gebäude, verlassene Zufahrtsstraßen und leerstehende Baucontainer. Teilweise scheint das Projekt komplett eingestellt – offizielle Stellungnahmen dazu gibt es kaum. Auch das benachbarte Projekt Hon Dầu Resort, das ursprünglich botanische Gärten, Themenparks und Konferenzzentren vorsah, entwickelt sich nur schleppend. Einzelne Bereiche – wie ein künstlicher Strand oder kleinere Resorts – sind bereits in Betrieb. Der Rest wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Auf der Halbinsel Van Huong: Luxushotel in Betrieb
Dieses Resort schien mir in Betrieb zu sein.

Eine Halbinsel im Schwebezustand

Laut Plänen der Stadt Haiphong soll Do Son als Küstenstadt mittelfristig wieder touristisch belebt werden. Dazu gehören:

  • ein Fokus auf Vier-Jahreszeiten-Tourismus (Konferenzen, Wellness, Sport),
  • der Ausbau des internationalen Fährhafens in Lạch Huyen,
  • und langfristig der Anschluss an die großen Investitionen im nördlichen Wirtschaftsraum.

Doch die fehlende Investitionssicherheit und veränderte geopolitische Prioritäten scheinen diese Entwicklungen zu bremsen. Einige Flächen sind zudem ökologisch sensibel – der Sandaufschüttung für künstliche Inseln steht oft Widerstand von Umweltorganisationen entgegen.

Van Huong ist also ein Ort voller Widersprüche. Die Visionen von Luxustourismus und wirtschaftlichem Aufschwung stehen leerstehenden Hotelruinen und verlassenen Bauprojekten gegenüber. Während Haiphong rasant wächst, bleibt die Halbinsel in einer Art Warteschleife. Doch genau das macht sie in meinen Augen zu einem verwunschenen Ort, den man unbedingt gesehen haben sollte, wenn man im schillernden Haiphong unterwegs ist. Diese Atmosphäre, der (nicht ganz fertiggestellte) Prunk und die verdächtige Ruhe machen das Erlebnis unvergesslich.


Der Fakten-Teil dieses Beitrags wurde mithilfe von ChatGPT übersetzt und recherchiert. Auf diese Quellen wurde dabei Bezug genommen:

  1. Vietnam Investment Review, „Glexhomes launches Hoa Phuong Island tourism complex“
  2. Vietnam Tonkin Travel, „Hon Dau – A new significant attraction in Haiphong City“
  3. Haiphong.gov.vn (EN) Haiphong develops four-season tourism
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Vietnams schwebende Dörfer: Ha Long Bay

Dass ich hier heute lande, hätte ich nicht gedacht: ich sitze gerade auf einem schwimmenden Dorf in der Ha Long Bay und trinke das beste warme Bier meines Lebens. Mich begleitet ein französisches Paar. Beide sind – danke Gott dafür – sehr reserviert, aber freundlich und aufgeschlossen. Wir sehen unserem Captain gerade zu, wie er versucht mittels einer einzelnen Nylonschnur Fische aus dem Meer zu fangen. Die Sonne scheint auf uns herab und wir werden von hunderten, wenn nicht tausenden steinernen Inseln umgeben.

Ohne Eile trinken wir aus. Der Franzose lädt mich freundlicherweise sogar ein. Unser Schiff wartet schon auf uns, nun holt der Captain seine Zigaretten raus und raucht. Eben zeigte uns der Betreiber des Cafés auf einem der schwimmenden Grundstücke, wie er fischt. Riesige Karpfen fing der Mann heute bereits, die er uns stolz präsentierte.

Weiter geht’s. Während unserer Fahrt durch die Inseln weinte ich. Ich fragte mich andauernd, wie man nur so gesegneter und glücklicher Mensch sei kann, wie ich. Dass ich diese Schönheit der Natur mit meinen eigenen Augen sehen darf, das berührt mich bis in die Mitochondrien.

Ha Long Bay: Zwischen schwimmenden Dörfern und Kalkstein

Kaum ein Ort in Südostasien vereint so viel landschaftliche Poesie mit kultureller Tiefe wie die Ha Long Bay im Norden Vietnams. Mit über 1.600 Kalksteininseln, die wie Skulpturen aus dem smaragdgrünen Wasser ragen, ist sie nicht nur eines der meistfotografierten Naturwunder Asiens, sondern auch ein UNESCO-Weltnaturerbe – und das bereits seit 1994.

Schiffchen fährt durch die Ha Long Bay

„Ha Long“ bedeutet übersetzt „Bucht des herabsteigenden Drachen“. (Witzig, dass ich das jetzt gerade selbst erfahre, mir aber auf der Insel Cat Ba, zu der die Ha Long Bay gehört, einen Drachen habe tätowieren lassen.) Der Legende nach sandten die Götter eine Drachenmutter mit ihren Jungen auf die Erde, um das vietnamesische Volk vor Invasoren1 zu schützen. Die Drachen spuckten Juwelen und Jade2, die sich in Inseln verwandelten und eine natürliche Barriere gegen Feinde bildeten. Als der Frieden gewahrt war, blieben Mutter und Kinder – und legten sich zur Ruhe in den Gewässern der heutigen Bucht.

Geologische Meisterleistung

Die Ha Long Bay ist das Ergebnis von über 500 Millionen Jahren tektonischer und klimatischer Prozesse. Die bizarren Kalkfelsen und Karstformationen entstanden durch Erosion, Verwitterung und den Einfluss des tropischen Meeresklimas. Dort findet man auch Höhlen. Die Hang Sửng Sốt (Surprise Cave) oder die Đầu Gỗ Cave zählen zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen der Region – voller Tropfsteine, die wie eingefrorene Wasserfälle wirken. Die sehe ich mir dann beim nächsten Mal an.

In der Bucht finden wir mehrere schwimmende Dörfer, darunter Cửa Vạn oder Vung Viêng. Die Menschen hier leben traditionell vom Fischfang und der Austernzucht, viele Familien bewohnen seit Generationen Hausboote. Der Zugang zu Bildung, Strom und Trinkwasser war lange Zeit prekär. Inzwischen werden jedoch mobile Schulen, Solaranlagen und staatliche Programme zur nachhaltigen Entwicklung eingesetzt. Dennoch droht vielen Dörfern die Umsiedlung, teils aus Umwelt-, teils aus Tourismusgründen.

Tourismus: Chance und Herausforderung

Ha Long Bay zieht jährlich rund 14 Millionen Besucher an – davon etwa die Hälfte internationale Reisende wie meine Wenigkeit. Während luxuriöse Kreuzfahrten mit Kajakausflügen, Seafood-Dinnern und Sonnenuntergang an Deck die romantische Vorstellung vom Leben auf See bedienen, kämpfen die Behörden gleichzeitig mit den Folgen des Massentourismus: Müll im Wasser, Lärm, Korallensterben. Um dem entgegenzuwirken, hat die Provinz Quảng Ninh strenge Regulierungen eingeführt. Nur lizensierte Boote dürfen in bestimmten Zonen verkehren, Einwegplastik ist auf vielen Schiffen verboten, und der Zugang zu besonders sensiblen Höhlen wird stark kontrolliert.

Gleichzeitig mehren sich die Initiativen für sanfteren Tourismus. Einige Anbieter setzen auf Zero-Waste-Konzepte, Bildungsangebote zu Ökosystemen oder die Integration lokaler Fischer in geführte Programme. Auch Ha Longs Status als UNESCO-Erbe zwingt zum Handeln: 2019 drohte die Aberkennung des Titels, sollte die Bucht nicht besser geschützt werden. Seither ist die Umweltpolitik deutlich sichtbarer geworden.

Ha Long Bay ist überwältigend schön. Einfach Gänsehaut. Aber sie ist weit mehr als ein Postkartenmotiv. Sie ist ein lebendiges Naturwunder, kulturelles Symbol und ökologisches Mahnmal zugleich. Wer sie bereist, sollte wissen, dass er Teil eines fragilen Systems wird – und entsprechend respektvoll handeln. Denn die Zukunft dieses ruhenden Drachen liegt nicht in alten Mythen, sondern in heutigen Entscheidungen.


  1. Invasoren sind Eindringlinge, meist in einem militärischen oder feindlichen Zusammenhang. Der Begriff bezeichnet Gruppen oder Staaten, die gewaltsam in ein fremdes Gebiet eindringen, um es zu besetzen oder zu erobern. ↩︎
  2. Jade ist ein Sammelbegriff für zwei verschiedene, aber ähnlich aussehende Mineralien: Nephrit und Jadeit. Beide gelten als wertvolle Schmuck- und Heilsteine.
    Jadeit ist seltener und härter, oft intensiv grün, aber auch in Lavendel, Weiß, Gelb oder Rosa zu finden. Nephrit ist meist grünlich oder weißlich und etwas weicher.
    Jade wird seit Jahrtausenden besonders in China, Mittelamerika und Neuseeland als kulturell bedeutsamer Stein verwendet – für Schmuck, Werkzeuge, Statuetten oder Rituale. Sie steht symbolisch oft für Reinheit, Weisheit und Harmonie. ↩︎

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So sicher ist Ägypten für alleinreisende Frauen

Ägypten fasziniert mich immer wieder aufs Neue mit seinen antiken Schätzen, lebendigen Städten und atemberaubenden Landschaften. Dieses Jahr könnte ich dort wieder landen, um eine liebe Freundin zu treffen. Doch es stellt sich die Frage nach der Sicherheit.

Für alleinreisende Frauen bietet das Land natürlich einzigartige Erlebnisse, erfordert jedoch kulturelles Feingefühl und sorgfältige Planung. Mit den richtigen Strategien lässt sich Ägypten sicher und unvergesslich entdecken.

Kulturelle Sensibilität und angemessene Kleidung

In Ägypten ist konservative Kleidung ein Zeichen des Respekts gegenüber der lokalen Kultur. Empfehlenswert sind locker sitzende, nicht durchsichtige Kleidungsstücke, die Schultern, Oberarme, Brust und Beine bedecken. Diese Outfits schützen nicht nur vor der intensiven Sonne, sondern minimieren auch unerwünschte Aufmerksamkeit.

Besonders in Moscheen sollte zusätzlich ein Kopftuch getragen werden. Auch außerhalb religiöser Stätten wird es von vielen Einheimischen als respektvolle Geste empfunden – insbesondere in ländlicheren Regionen. Ein leichtes Tuch im Gepäck ist daher in jedem Fall sinnvoll. Es muss nicht gleich ein Hijab sein. Dieser würde, falls du eine Frau mit europäischem Erscheinungsbild bist, nur noch mehr unnötiges Interesse erregen.

Foto von Phillip Wang auf Unsplash

Sichere Unterkünfte und Transportmittel in Ägypten

Die Wahl einer sicheren Unterkunft ist entscheidend. Hotels mit positiven Bewertungen, insbesondere von alleinreisenden Frauen, bieten oft ein höheres Maß an Sicherheit. In Städten wie Kairo und Alexandria sind App-basierte Fahrdienste wie Uber und Careem eine zuverlässige Alternative zu herkömmlichen Taxis. Zudem haben viele öffentliche Verkehrsmittel spezielle Bereiche für Frauen, die zusätzlichen Schutz bieten.

Verhalten im öffentlichen Raum

Selbstbewusstes Auftreten, ohne provozierend zu wirken, hilft, unangenehme Situationen zu vermeiden. Direkter Blickkontakt mit Männern kann missverstanden werden und sollte vermieden werden. Ja, ich fasse es selbst nicht, dass ich das jetzt gerade, im Jahr 2025 niederschreibe.

In überfüllten Verkehrsmitteln oder auf Märkten ist es ratsam, Abstand zu halten und bei Bedarf deutlich „Nein“ zu sagen. Auf arabisch: لا، شكراً – laa, shukran. Ein Ehering kann zudem signalisieren, dass man nicht an Flirts interessiert ist.

Am Abend empfiehlt es sich, auf belebte und gut beleuchtete Gegenden zu achten oder das Hotel frühzeitig wieder aufzusuchen. In touristischen Zonen ist es meist unproblematisch, später unterwegs zu sein, doch nicht ohne Vorsicht. Wer abends ausgehen möchte, sollte idealerweise mit vertrauenswürdigen Begleitpersonen unterwegs sein.

Foto von Tom Podmore auf Unsplash

Reiseplanung und Notfallvorsorge

Vor der Reise sollten wichtige Dokumente wie Reisepass, Visum und Versicherungspolicen digital und in Papierform gesichert werden. Eine lokale SIM-Karte ermöglicht ständige Erreichbarkeit. Es ist hilfreich, sich grundlegende arabische Phrasen anzueignen und stets die Kontaktdaten der Unterkunft sowie der Botschaft griffbereit zu haben.

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Empfehlenswerte Reiseziele für alleinreisende Frauen

Städte wie Kairo, Luxor, Assuan, Hurghada und Sharm El Sheikh gelten als besonders sicher für Frauen. Diese Orte bieten nicht nur beeindruckende Sehenswürdigkeiten, sondern auch eine Infrastruktur, die auf die Bedürfnisse von Touristinnen zugeschnitten ist.


Quellen:

  • Urlaubspiraten
    Ein Erfahrungsbericht über die Sicherheit und das Verhalten als alleinreisende Frau in Ägypten.

Titelbild von Tom Podmore auf Unsplash

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Dein ultimativer Guide für den Teneriffa-Urlaub

Teneriffa, die größte der Kanarischen Inseln, begeistert auch 2025 mit ihrer Vielfalt: von atemberaubenden Vulkanlandschaften über malerische Strände bis hin zu charmanten Dörfern. Damit dein Aufenthalt unvergesslich wird, findest du hier die wichtigsten Informationen und Tipps.

Do’s – was du auf Teneriffa unbedingt tun solltest

  • Natur erkunden: Besuche den Teide-Nationalpark, wandere durch den Anaga-Wald und genieße die Vielfalt der Insel.
  • Lokale Küche probieren: Lass dir Gerichte wie Papas Arrugadas mit Mojo-Sauce oder frischen Fisch in Küstenrestaurants schmecken.
  • Auto mieten: Ein Mietwagen bietet dir die Flexibilität, abgelegene Strände und Dörfer zu entdecken. Mit dem Bus klappt’s aber auch prima – ich habe das Auto zu keinem Zeitpunkt vermisst.
  • Sonnenschutz nicht vergessen: Die kanarische Sonne ist intensiv. Sonnencreme und Kopfbedeckung sind ein Muss. Das merkst du spätestens, wenn du all die Touris an ihrem feuerroten Sonnenbrand erkennst, der einige Tage anhält.
Tipp: Auf Teneriffa Sonnenschutz nicht vergessen! Die Sonne kann recht aggressiv sein
Foto von Sarah Sheedy auf Unsplash

Dont’s – was du vermeiden solltest

  • Nur eine Region besuchen: Teneriffa bietet sowohl im Norden als auch im Süden einzigartige Erlebnisse – nutze die Vielfalt!
  • Umweltbelastung ignorieren: Vermeide überfüllte Strände und respektiere Naturschutzgebiete, um die Umwelt zu schonen.

Die Reise nach Teneriffa: Aktuelle Preise 2025

  • Unterkünfte: Günstige Hotels ab ca. 70 €, 3-Sterne-Hotels ab 85 €, Luxusressorts ab 150 € pro Nacht. Ich buche am häufigsten über Check24.
  • Essen & Trinken: Ein einfaches Gericht kostet etwa 10–15 €, ein Menü in einem gehobenen Restaurant ca. 25–40 €. In den Supermärkten sind die Preise mindestens so hoch, wie bei uns in Deutschland. Vor allem für Produkte, die vom Festland importiert wurden – so zumindest mein Eindruck. Einheimisches Obst und Gemüse kam mir günstiger vor.
  • Mietwagen: Tagespreise liegen zwischen 25–50 €, abhängig von Saison und Fahrzeugtyp.
  • Flüge: Hin- und Rückflug ab Deutschland ab ca. 200 €, je nach Buchungszeitpunkt und Airline.
Foto von Bastian Pudill auf Unsplash

Wichtige Hinweise & aktuelle Entwicklungen

Teneriffa ist ein attraktives Reiseziel mit vielfältigen Möglichkeiten – vor allem Naturliebhaber gehen hier auf. Mit der richtigen Vorbereitung und einem bewussten Verhalten kannst du die Schönheit der Insel gleich noch viel mehr genießen.


Titelbild von Hert Niks auf Unsplash

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Mama killt mich: Ich lasse mich in Vietnam tätowieren

Meine Mama killt mich. Ich hab mich in Vietnam tättoowieren lassen. Genau genommen in jener Nacht, als ich auf der Insel Cát Bà war. Mama, ich habe das gemacht, nachdem ich den Tättoowierer und seine Familie kennengelernt habe; nachdem ich mir sein Studio, seine Arbeiten und Materialien angesehen habe; nachdem ich gelesen habe, dass sich die vietnamesischen Tattoostudios an strenge Hygieneregeln halten, was Tättoowierungen angeht. Mir kamen sie viel strenger als in Deutschland vor.

Ich wollte mir eigentlich auf dem Oberarm etwas auf vietnamesisch stechen lassen. Was genau, konnte ich mir jedoch nicht auf die Schnelle ausdenken. Also wurde es ein Drache über dem Knöchel. Das Ding ist weniger als 24 Stunden alt und verheilt schon gut. (Ich schrieb das im November 2024, weniger als 24 Stunden nachdem ich mir das Ding habe machen lassen, logischerweise.)

Wtf, Tattoo-artists?

Mir gefällt es – der Künstler hat es genau auf den Stil meiner Meerjungfrau abgestimmt. Nur weiß ich nicht, was die Tätowierer immer mit ihren scheiß Schattierungen haben. Meine geliebten Tätowierer, schreibt mir mal bitte, was ihr immer mit euren scheiß Schattierungen habt. Gott sei Dank ist der Drache nach seiner vollständigen Abheilung viel heller geworden. Ich habe zwischendurch wirklich Panik geschoben.

Anthony sprach so gut wie gar nicht während des gesamten Prozesses. 100-prozentige Konzentration. „When I tattoo, I forget everything“, erzählte er mir, nachdem wir fertig waren. Selbstverständlich zeigte ich ihm ein paar meiner Comics. Er nannte mich Picasso und meinte, dass ich auch locker Tätöwiererin werden könnte. Ja, auch ich dachte bereits darüber nach. Hätte ich doch nur nicht Mischas Tattoomaschine in den Müll geschmettert, nachdem ich herausfand, dass er mich ersetzt hatte.

Fazit zu meinem Tattoo, das mich für immer an Vietnam erinnern wird

Um nun das ganze abzuschließen: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Tattoo. Es war nicht billig. Es war ganz und gar nicht billig. Aber Anthony hat es in einer halben Stunde runtergestochen – absolut makellos und professionell. Würde ich wieder machen und sogar empfehlen. Wer also plemplem genug ist, um sich spontan auf Cát Bà tätowieren zu lassen, kontaktiert am besten Tattoo-Artist Anthony direkt über Facebook.

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