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Alqueva-See – Portugals stille Wasserlandschaft im Alentejo

Der Alentejo im Süden Portugals gilt mit seiner Weite und ruhigen Atmosphäre vielerorts noch als Geheimtipp. Mitten in dieser Landschaft liegt der Alqueva-See. Er gilt als eine der größten künstlichen Wasserlandschaften Europas und ist zugleich ein Ort, an dem sich Naturerlebnis und achtsames Reisen miteinander verbinden. Hier bestimmen jahrhundertealte Traditionen, nachhaltige Lebensweisen und eine enge Verbindung zur Natur bis heute den Alltag. Die verzweigten Ufer, ruhigen Buchten und offenen Horizonte schaffen einen Raum, der sich vom klassischen Reisetakt abhebt.

Blick über den Alqueva-See im Alentejo, Portugal, mit ruhigem Wasser, sanften Hügeln und typischer Landschaft der größten künstlichen Seenlandschaft Europas – beliebtes Reiseziel für Natur, Wassersport und Sternenbeobachtung.

Panorama des Alqueva-Sees im Alentejo in Portugal mit weitem Wasserblick und mediterraner Natur. Der Stausee zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region und zieht Urlauber, Naturliebhaber und Wassersportler an.
©fredericducoutphotography

Der Alqueva-See: Zwischen Wasser und Weite

Die verzweigte Wasserfläche des Alqueva-Sees fügt sich harmonisch in die offene Landschaft des Alentejo ein. Wer hier unterwegs ist, erlebt den See in ganz unterschiedlichen Facetten: im Kajak durch stille Buchten, unter Segeln oder vielleicht sogar vom Deck eines Hausboots – dort, wo sich die Landschaft langsam vorbeibewegt. Der Alqueva-See wirkt dabei fast wie ein Binnenmeer – ruhig, weit und von ungewöhnlicher Stille geprägt.

Entlang der Ufer wechseln sich kleine Anlegestellen, naturbelassene Abschnitte und historische Orte ab. Besonders Monsaraz, auf einem Hügel oberhalb des Sees gelegen, prägt das Bild der Region. Zwischen engen Gassen, weiß getünchten Häusern und weiten Ausblicken wird klar, wie Natur, Kultur und Alltag rund um den Alqueva-See miteinander verbunden sind. Im Juli verwandelt sich das Dörfchen in ein Open-Air Museum, wo man die Sitten und Bräuche des Alentejos kennenlernen kann. Doch auch die weniger bekannten, und dadurch auch ruhigeren Dörfer, sind einen Besuch wert.

©Visit Alentejo

Gleichzeitig steht der Alqueva-See für eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Portugals: Er sichert die Wasserversorgung einer trockenen Region, ermöglicht landwirtschaftliche Nutzung und trägt zur Energiegewinnung bei. Die Entwicklung rund um den See zeigt, wie sich nachhaltige Ressourcennutzung, regionale Wertschöpfung und touristisches Erleben miteinander verbinden lassen.

Die Wunder Portugals: Slow Travel am Wasser

Die enge Verbindung von Landschaft, Alltag und regionaler Kultur prägt auch die Art des Reisens rund um den Alqueva-See. „Slow Tourism“ ist hier weniger Konzept als gelebter Alltag. Statt voller Tagesprogramme bestimmen kleine Dörfer, regionale Küche und eine offene Landschaft den Rhythmus des Aufenthalts. Die Atmosphäre lädt dazu ein, lokale Weine und traditionelle Produkte kennenzulernen. Viele Unterkünfte sind familiär geführt und mit der Umgebung verbunden – oft geprägt von regionaler Architektur, lokaler Handwerkskunst und einem bewussten Umgang mit Ressourcen. Wochenmärkte, lange Abende unter freiem Himmel und Wege durch die offene Landschaft gehören ebenso zum Erlebnis wie die Nähe zur Natur.

Wenn die Dunkelheit leuchtet: Dark Sky Alqueva

Mit dem Einbruch der Dunkelheit eröffnet sich rund um den Alqueva-See eine ganz besondere Sicht auf den Sternenhimmel. Dark Sky Alqueva gilt als ein Ort, an dem die Nacht zum Erlebnis wird. Es ist die weltweit erste Region, die als „Starlight Tourism Destination“ zertifiziert wurde. Hier eröffnet sich ein Nachthimmel, wie ihn viele Menschen in Europa kaum noch kennen: klar, tief und schier unendlich. Die Milchstraße ist sichtbar und die Sternbilder wirken greifbar nah. Ob bei geführten Beobachtungen oder in stiller Eigenregie – der Blick nach oben wird hier zu einem der eindrucksvollsten Reiseerlebnisse überhaupt.

©Miguel Claro

Zwischen Weltkulturerbe und gelebter Tradition

Rund um den Alqueva-See verbindet sich Naturerlebnis mit kulturellen Ausflügen: So liegt die Stadt Évora mit ihrem römischen Tempel, einer gotischen Kathedrale, verwinkelten Gassen und lebendigen Plätzen nur etwa eine Autostunde entfernt. Die Stadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird 2027 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen.

Neben Évora ergänzt auch Elvas mit historischen Festungen das kulturelle Umfeld rund um den Alqueva-See. Die UNESCO-Welterbestadt zählt zu den am besten erhaltenen Festungsstädten Europas. Ihre sternförmigen Wälle, Bastionen und Aquädukte repräsentieren die strategische Rolle des Alentejo als Grenzregion.

Évora ©Visit Alentejo

Lieder über das Leben, die Arbeit und Geschichte: Die Stimmen des Alentejo

Rund um den Alqueva ist der Cante Alentejano bis heute fester Bestandteil der regionalen Kultur. Dabei handelt es sich um einen traditionellen mehrstimmigen Chorgesang, der meist ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen wird. In Tavernen, auf Dorfplätzen und bei lokalen Festen singen die Menschen gemeinsam Lieder über das Leben, die Arbeit und die Geschichte des Alentejo. Seit 2014 gehört der Cante Alentejano zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Die meist männlichen Chöre singen in langsamen, mehrstimmigen Harmonien von Arbeit, Sehnsucht und dem Leben auf dem Land. Der Cante entsteht ohne große Inszenierung und gehört bis heute ebenso zu festlichen Anlässen wie zu lokalen Zusammenkünften.

Über den Alentejo

Zwischen Lissabon und der Algarve, bis hin zur spanischen Grenze, erstreckt sich im Süden Portugals der Alentejo – eine Region mit weiten Horizonten, weiß getünchten Dörfern und spürbarer Authentizität. Im Zentrum liegt der große See von Alqueva, ein beeindruckendes Binnengewässer am Fluss Guadiana, das sich zum Herzen der Region entwickelt hat. Hier vereinen sich Sternenbeobachtung unter einem der dunkelsten Himmel Europas, entspannte Wassererlebnisse, Weinberge und Olivenhaine sowie ikonische Hügeldörfer wie Monsaraz zu einer Kulisse, die wie geschaffen ist für entschleunigtes Reisen und intensive Begegnungen mit der lokalen Kultur.

©fredericducoutphotography

Von Korkverarbeitung, Keramik, gewebten Textilien und Korbflechterei bis hin zu Stickerei und regionaler Gastronomie: in der gesamten Region begegnen Besucher lebendigen Traditionen und handwerklicher Kunstfertigkeit. Diese werden von den lokalen Gemeinschaften bewahrt und zugleich mit zeitgenössischer Kreativität neu interpretiert.

Die internationale Vermarktung des Alentejo, umgesetzt durch die ARPTA, wird durch die Europäische Union im Rahmen der Programme Alentejo 2030 und Portugal 2030 unterstützt. Diese Förderung dient der Finanzierung der Positionierung der Region als internationales Reiseziel und steht im Einklang mit den Zielen der Kohäsionspolitik der Europäischen Union in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Kultur und Tourismus.


Quelle: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH
Doris Palito | Frederike Fahr
Hanauer Landstr. 184
60314 Frankfurt
www.visitalentejo.pt, www.gce-agency.com

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Fiebertraum Kuala Lumpur: Diesen Tag vergesse ich nie

Mein erster Tag in Malaysia war aufregend. Ich spürte die Vision der Architekten und Stadtplaner. Diese futuristischen Gebäude könnten unterschiedlicher kaum sein. Gleichzeitig harmonieren sie auf einem ganz anderen Level miteinander.

Die Stadt ist sauber, es gibt eine Hochbahn (Monorail), viele Restaurants, Geschäfte und Moped-Werkstätten. Die Einheimischen empfingen mich freundlich. Die Malaien und die meisten Chinesen waren mir gegenüber korrekt, empathisch und ich habe mich in deren Gesellschaft sicher und willkommen gefühlt. Als Frau ist es nicht immer ohne, alleine durch die Welt zu reisen. Aber es macht viel zu viel Spaß, als dass ich jemals darauf verzichten könnte.

Bis auf ein paar merkwürdige Situationen, die sich im weiteren Verlauf meiner Reise durch Malaysia massiv häufen würden, fand ich alles ziemlich cool. Naja, fast.

#kualalumpur #malaysia #travel #reiseblog #bigcityvibes #asia #reiseabenteuer #traffic #architecture

Das erste Horrorhotel in Malaysia

Mein Hotel sah nicht wie auf den Bildern aus. In so einer Absteige habe ich noch nie genächtigt. Zumindest nicht bis zu diesem Tag. Was ich nicht wusste (aber ihr wisst es jetzt): hier in Malaysia gibt es in den aller meisten Städten eine Touristen-Taxe. Plus: es ist üblich, dass die Hotelbetreiber einen Geldbetrag als Pfand verlangen. Vor der Abreise kriegt man den wieder.

Diese Prozesse zogen sich in die Länge, was mir missfiel. Ich war dehydriert, rote Fresse, hatte mich eben erst mit dem Grab-Fahrer gezankt – komplett gejetlagt. Das Zimmer war nicht bezugsfertig. Man ließ mich dennoch rein. Noch während ich meinen aufs Ambiente bezogenen Schock verarbeitete, klopfte es natürlich an der Tür. Ein Mann trat ein und zeigte mir, dass meine Dusche nicht funktionierte. Er fing an, darin rumzustochern. Ich fragte zwischendrin, ob ich Bettwäsche kriegen würde. Würde ich nicht. Während er die Dusche reparierte, spritzte das Wasser quer durch das gesamte Zimmer. Daraufhin musste die Situation dringlichst verlassen.

Kuala Lumpur: Mal ehrlich, ohne Chaos wäre es doch langweilig

Während ich da so stand und die Stadtsilhouette vom Hotelflur beobachtete, musste ich schmunzeln. Eine chaotische Anreise gehört einfach zu meinen unverzichtbaren Ritualen. Ihr erinnert euch: In Vietnam landete ich einfach mal in der falschen Stadt, auf Teneriffa fand ich mein Hotel gar nicht und hatte auch kein Internet, um danach zu suchen und auf den Philippinen ging mir sowieso der Allerwerteste auf Grundeis.

Love ya

Die Zeit rannte. Irgendwann zog ich den Mann aus meinem Zimmer und den Zimmerschlüssel aus seiner Hand, um mich umzuziehen und anschließend Malaysias Hauptstadt mit ihren über zwei Millionen Einwohnern näher kennenzulernen.

In einer Obsthalle

Ich ging planlos durch die heißen, von der Mittagssonne gezeichneten Straßen Kuala Lumpurs. Wie auch schon in den anderen Teilen Südostasiens, fiel ich hier auf. Ich sah eine Markthalle und ging hinein. Asiatische Märkte sind ein Vibe. Die Farben, Düfte, Spezialitäten… Jedes Mal ein unvergleichliches Erlebnis.

Rambutan

Die Händler waren freundlich und setzten mir, anders als auf den Philippinen, keine Touristenpreise auf. Sie ließen mich Marian Plum („Mini-Mango“) probieren – köstlich. Wie Mango, nur um einiges geschmacksintensiver und aromatischer. Die sauren Noten waren pointierter, die Süße war üppiger. Die Schale rundete das Ganze mit einer leichten Herbe ab. Ich kaufte. Dann nahm ich noch Rambutan, das ich bereits aus Vietnam kannte, und Salak (Schlangefrucht) mit. Salak war geschmacklich bahnbrechend. Ich hab selten etwas gegessen, das eine so harmonische und gleichzeitig breite Geschmackspalette in sich trug. Dabei war die Textur auch sehr, für mich zumindest, extraordinär. Die Frucht erinnerte mich an Jackfruit, aber gehaltener und tiefer. Weniger glibschig und faserig, dafür glatt von angenehmer Festigkeit. Wobei ich glibschig auch total abfeier.

Was ich in Malaysia nicht probiert hatte ist Durian. Bereue ich es? Ein wenig. Hierbei handelt es sich um diese Frucht, die so sehr stinkt, dass man sie weder in Hotels noch in Taxis mitnehmen darf. Und das hat mich ehrlich gesagt ein wenig abgeschreckt. Ich probierte es mit einem Durian-Wassereis, aber auch das konnte ich nicht essen. Wegen des Geruchs, versteht sich.

… und dann diese Begegnung

Ich zog von dannen. Ein älterer Mann in der Nähe des Marktes versuchte mir irgendetwas anzudrehen. Ich lehnte dankend ab und ging weiter, ohne mich umzudrehen. My bad. Er ging mir hinterher. Plötzlich zerrte er an meinen Haaren. Das war unerwartet, creepy und auch ziemlich schmerzhaft. Meine Reaktion war überraschend kontrolliert. Mein Unterbewusstsein beschloss wohl kein all zu großes Fass aufzumachen, da es nicht einschätzen konnte, wozu der Mann sonst noch fähig war.

Ich brauchte ein paar Minuten, um auf die Situation klarzukommen. Ich wolle es nicht dramatisieren, aber ich empfand es durchaus als gewaltsamen Angriff auf meine Intimsphäre. Das sind genau die Momente, die nicht passieren würden, wenn ich mit einem Mann unterwegs gewesen wäre. Irgend etwas musste ich aber daraus lernen. Mir wurde etwa klarer, wie sehr ich den Umgang deutscher Männer mit mir liebe und schätze. Ich fühle mich gesehen, respektiert und ernstgenommen. Mehr als Mensch, weniger als Frau, allerdings. Damit kann ich aber arbeiten. Also buchstäblich arbeiten haha.

Die Stadt pulsierte. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Die höchst ästhetische Zusammensetzung der Architekturwerke verschiedener Bauphasen hier halte ich für ein Phänomen. Wie noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass die einzelnen Gebäude in einem Dialog zueinander stehen. Sie vervollständigen sich gegenseitig und ihre Einwirkung aufeinander verändert sich mit jedem einzelnen, die perspektivische Sicht verändernden Schritt durch die heißen Straßen. In solchen Momenten wünsche ich mir so sehr, mich wenigstens ein kleines bisschen mit Architektur auszukennen. Aber den Wunsch erfülle ich mir: ab nächstes Semester gönn ich mir Architektur im Nebenfach.

Die nackte Frau auf der Straße

Als ich weiter ging sah ich eine Frau am Boden liegen. Ich hab mir nichts dabei gedacht, denn ich hatte am frühen Nachmittag viele Leute auf dem Boden liegen sehen. Jedes Mal unsicher, ob sie sich von der drückenden Hitze erholen, oder ob sie Obdachlos sind. Viele von ihnen waren nämlich gut und sauber gekleidet. Als ich aber nähertrat, erkannte ich zunächst die langen braunen Beine und kurz darauf den entblößten Schritt. Es war schauderhaft. Für Kuala Lumpur ist das wohl ganz und gar nicht die Norm. Aber wie in jeder anderen Großstadt gibt es auch hier einen Gesellschaftsrand.

Die Frau bewegte sich. Vorüber gingen neugierige Männer. Einer davon blieb stehen, überlegte, ging weiter, blieb wieder stehen, schaute sich um, näherte sich wieder. Ich hatte einfach wahnsinnige Angst, dass sie, sobald es dämmert, sexueller Gewalt ausgesetzt sein würde. Ich ging in einen nahegelegenen Laden und kaufte ihr eine Hose und eine Flasche Wasser. Als ich wieder bei ihr war, reagierte sie nicht. Aber sie bewegte sich. Ihr Kopf war, anders als der Körper, zugedeckt. Unter der Decke murmelte sie etwas. Ihr Bauch sah aus, als sei sie mehrfache Mutter. Sonst war ihre goldbraune Haut glatt und nicht älter als meine.

Ich legte die kleine Tüte vorsichtig neben sie und entfernte mich. Dann wählte ich den Notruf 999. Merkt euch diese Zahl, wenn ihr in Malaysia seid. Dort verwies man mich an die Rufnummer 103. 103 war nicht oder nicht mehr erreichbar. Fuck. Ich suchte einen verantwortungsvoll aussehenden Erwachsenen. Und fand ihn bei Domino’s Pizza. Ich entschied mich gezielt für einen Konzernmitarbeiter, weil etwa ein Ladenbesitzer, so meine Erfahrung, seinen Laden eher nicht für eine Frau in Not schließen würde. Ich führte den freundlichen jungen Mann den ganzen Weg zurück. Dort hin, wo die Frau lag. Als er in etwa drei Metern Nähe war, blieb er stehen und winkte ab. Ich sah, dass er sie wohl kannte. „She’s crazy“, sagte er. Einen ID hätte sie auch nicht. Man kenne sie in diesem Teil der Stadt. Er ging zurück auf seine Arbeit. Ich blieb stehen und überlegte.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich davon ablassen durfte. Die Situation bekam nicht unter Kontrolle, auch wenn ich es so sehr wollte. Der Anblick der nackten Frau am Boden schneidet mir eine Wunde ins Herz. Ihr Anblick trifft mich in etwa so schwer, wie die Erfahrung mit den Straßenkindern in Manila.

Kuala Lumpur: Ein verrückter Tag neigt sich dem Ende zu

Ich brauchte langsam eine Pause von meinem Tag voller Kontraste und ging zurück zum Hotel. Unten im Gebäude befindet sich ein Kashmir Restaurant, das ich bereits Vormittags ins Visier genommen hatte. Hausgemachte Küche mit scharfem Wumms, sehr schmackhaft. Habe es genossen. Während ich da saß, fiel der erste Regen seit meiner Ankunft in Malaysia. Während unter seiner Gewalt alles abkühlte, wuchs in mir der Wusch empor, die Stadt im nassen Zustand kennenzulernen. Also spazierte ich planlos durch die Straßen, bis es dunkel wurde. Bevor ich schlafen ging, wollte ich nochmal nach der Frau sehen. Sie lag dort nicht mehr. Und die kleine Tüte war auch weg. Am nächsten Morgen reiste ich weiter nach Ipoh.

Kuala Lumpur bei Nacht :) #reiseblog #kualalumpur #reiseabenteuer #bigcityvibes #asia #malaysia

Was kann ich abschließend sagen? Ich liebe Kuala Lumpur. Es war gut, es war verrückt, es war ein bisschen gefährlich. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Aber vor allem war es ein Tag, an dem ich deutlich das durch meine Adern fließende Leben gespürt habe. Deshalb werde ich ihn niemals vergessen.

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Reisen mit Hund: Daran solltest du denken

Wir lieben sie, wir verwöhnen sie – wir tragen vor allem aber auch die Verantwortung für sie. Hunde sind längst nicht nur Haustiere. Sie sind ein fester Bestandteil der Familie und damit oftmals auch treue Begleiter im Urlaub. Ob innerhalb Deutschlands oder auf Reisen ins Ausland: Das gemeinsame Abenteuer will gut vorbereitet sein. Mit der richtigen Planung kann Mensch wie Tier die Urlaubszeit entspannt und sicher genießen.

Reisedokumente und Kennzeichnung

Für Reisen innerhalb der EU ist ein gültiger EU-Heimtierausweis Pflicht. Dieser dokumentiert unter anderem den aktuellen Impfstatus. Ebenso vorgeschrieben ist die eindeutige Kennzeichnung des Hundes mittels Mikrochip. Ohne diese Voraussetzungen kann es bei Grenzübertritten zu Problemen kommen. Nicht verpflichtend vorgeschrieben, aber unbedingt zu empfehlen ist der Eintrag von Chip- und Halterdaten in den einschlägigen Tierregistern.

Vor der Reise: Impfschutz rechtzeitig prüfen

Ein vollständiger Impfschutz gegen Tollwut ist Voraussetzung für die Einreise in viele Länder. Die vorgegebenen zeitlichen Fristen sind unbedingt zu beachten. Für einige Länder muss der Tollwutimpfschutz auch serologisch nachgewiesen werden. Das bedeutet so viel wie: der Nachweis erfolgt über eine Blutuntersuchung. „Serologisch“ bezieht sich auf das Blutserum, also den flüssigen Bestandteil des Blutes. In diesem Fall wird im Labor geprüft, ob im Blut genügend Antikörper gegen Tollwut vorhanden sind. Diese Antikörper zeigen, dass der Körper nach der Impfung ausreichend Schutz aufgebaut hat.

Kurz gesagt: Nicht die Impfung selbst wird bestätigt, sondern ihre Wirkung im Blut messbar nachgewiesen. Ein guter Impfschutz gegen die wichtigsten auch hier bedeutenden Krankheiten ist daher unbedingt empfehlenswert. Ggf. empfiehlt sich bei Reisen in südliche Länder auch die Impfung gegen die Infektionserkrankung Leishmaniose. Da es einige Zeit dauert bis nach einer Impfung der vollständige Impfschutz ausgebildet ist, sollte der Impfstatus frühzeitig durch den Tierarzt überprüft werden. Für einige Länder wie UK, Irland, Malta, Finnland oder Norwegen ist auch eine vom Tierarzt dokumentierte Behandlung gegen den Fuchsbandwurm Vorschrift.

Ein Hund mit Koffer
Bildrechte: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.; Fotograf: Andrea Klostermann / BfT

Parasitenprophylaxe nicht vergessen

Je nach Reiseziel besteht ein erhöhtes Risiko für Ektoparasiten wie Zecken, Flöhe oder durch Mücken. Diese können verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter beispielsweise Leishmanien oder Babesien. Seid auc vor Würmern und Herzwürmern gewarnt. Vor allem in südlichen Regionen. Um den Hund bestmöglich zu schützen, sollte eine geeignete Parasitenprophylaxe vor der Reise gemeinsam mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Transport und Versorgung unterwegs

Während der Reise muss der Hund sicher untergebracht sein, beispielsweise in einer Transportbox oder durch andere geeignete Sicherungssysteme im Fahrzeug. Regelmäßige Pausen, ausreichend Wasser und Schutz vor Hitze sind essenziell. Besonders im Sommer kann es schnell zu lebensbedrohlicher Überhitzung kommen. Daher darf der Hund selbst bei kurzen Pausen niemals im Auto zurückgelassen werden.

Chihuaha-Besitzer müssen sich womöglich noch intensiver um ihre zierlichen, aber nicht minder dramatischen Tiere kümmern. Das Flugzeug ist zu laut, lange Autofahrten zu anstrengend und Züge sowieso eine Instand-Panikattacke für die Minis. Wir haben unsere Valentina mal mit nach Zypern genommen (siehe Titelbild). Sie durfte im Salon mitfliegen. Nur erste Klasse gestattet. Fragt nicht mich, fragt Lufthansa, was das sollte. Der Hund kam nicht auf sein Leben klar. Aber im zypriotischen Klima ist sie derart aufgegangen – das war schon sehr schön mit anzusehen.

Dafür fährt sie regelmäßig in die Schweiz oder nach Italien, wo sie komplett chillt und regelmäßige Pinkelpausen bekommt. Diese Fahrten verträgt sie gut.

Andere Länder – andere Sitten

Einige Länder haben spezifische Einreisebestimmungen oder Einschränkungen für bestimmte Hunderassen. Auch regionale Gesundheitsrisiken und tierärztliche Versorgungsmöglichkeiten vor Ort sollten vorab recherchiert werden. Es empfiehlt sich, bereits vor der Abreise eine Tierarztpraxis am Urlaubsort zu identifizieren. Zudem sollten auch die Rückreisebestimmungen aus Drittländern beachtet werden, um Probleme bei der Wiedereinreise zu vermeiden.

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke kann im Notfall hilfreich sein. Dazu gehören z.B. Mittel gegen Übelkeit und Durchfall, Verbandsmaterial für kleinere Verletzungen sowie Augenpflegeprodukte, beispielsweise bei Reizungen durch Sand oder Staub. Bei bekannten Allergien und chronischen Erkrankungen legt der Bundesverband für Tiergesundheit ans Herz, entsprechende Medikamente unbedingt mitzuführen. Informiert sich der Tierhalter frühzeitig und holt sich den Rat seiner Tierarztpraxis ein, steht einem entspannten Urlaub mit Hund nicht mehr viel im Weg.

Weitere Informationen: Reisen mit Hund: Gut vorbereitet ins Ausland – 10 Tipps für eine gute Reise


Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbands für Tiergesundheit e.V., www.bft-online.de

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Malaysia: Ipoh begrüßt mich mit tropischem Regen

Angekommen in Ipoh merkte ich bereits am Bahnhof, dass hier die Natur und der Vibe besonders sind. Ich lud mein Zeug in meinem Horrorhotel ab und zog einfach los, um die Gegend zu Fuß zu erkunden. Schnell stellte ich fest, dass ich ganz nah am indischen Viertel wohnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht so genau, wie ich mich in Malaysia kleiden sollte. In Kuala Lumpur hab ich mich im Trägertop extrem fehl am Platz gefühlt, da ich von den Männern massiv angestarrt wurde. Dabei soll Ipoh noch konservativer sein. Wir erinnern uns: ich wusste bis zuletzt nicht, dass ich nach Malaysia reisen würde. Hätte ich das auch nur ansatzweise erahnen können, hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas nicht so ganz „offenherziges“ wie ein Trägertop angezogen.

In einem der indischen Läden holte ich mir etwas Langärmliges. Als ich rausging, fing der Tropenregen an. Es war magisch. Ich stand unter einem Dach und durfte das Naturspektakel aus nächster Nähe erleben. Die riesigen tropfen Trommelten auf die blechernen Dächer alter Daimler hernieder. Schnell bildeten sich kleine Bäche mit strömendem Regenwasser an den Straßenrändern. Alles andere schien stillzustehen. Von einer Sekunde auf die nächste löste sich auch die schwere hitzige Luft auf.

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Ipoh: Ich entdecke die Stadt bei Regen

Als der Regen weniger wurde, holte ich mir einen Schirm und ging weiter. In wenigen Minuten war ich ziemlich nass. Mein neues indisches Gewand, meine Tasche, die Jeans… Da es aber warm war und ziemlich viele Passanten ebenso nass waren wie ich, störte mich das nicht. Ich ging vorbei an indischen Geschäften, Restaurants, die auf Bananenblättern servieren, Schmuckläden, indischen Lebensmitteln, kleinen Tonschälchen. Am meisten gefiel mit der direkt vor Ort geflochtene Blumenschmuck.

Das finde ich in Malaysia auch so spannend hier leben drei wesentliche Kulturen miteinander (oder zumindest nebeneinander her): muslimisch geprägte Malaien sowie Inder und Chinesen. Wie ein gesprächiger Grab-Fahrer mir am nächsten Tag erklären würde, leben sie auch in Harmonie und haben Respekt voreinander. Ich sah einige Freundesgruppen, etwa mehrere muslimische Mädchen und eine Chinesin. Die Chinesen scheinen mir, so wie bereits in Shanghai beobachtet, auch in Malaysia mit der Mode sehr experimentell zu sein. Spätestens als ich ein Mädchen mit super knapper Hotpants und tiefem Ausschnitt sah, verstand ich, dass meine Befürchtung, jemandem mit meinem Kleidungsstil zu nahe zu treten, wahrscheinlich eher unbegründet war. Angestarrt wurde ich, von Männern versteht sich, aber dennoch. Scheißegal, was ich hatte.

Ich laufe rum, bis es dunkel wird (gar kein Bock auf mein Hotel)

Die malaysische Sprache habe ich bis jetzt noch nicht so richtig aufgenommen, da sich die Menschen untereinander sehr leise unterhalten. Sie erinnert mich, vom Klangmuster her, an die philippinischen Sprachen. Englisch sprechen in Malaysia die aller meisten. Probleme, mich zu verständigen, habe ich kaum.

Von „Little India“ ging ich weiter zu einem Volkspark. Davor stand das Regenwasser teils knöcheltief, während in den Pfützen gelbe Blüten von den herabschmetternden Tropfen hin und her gewirbelt wurden. Hie und da versteckte sich jemand unter einem Dach. Es war schön.

Das Essen in Malaysia

Lange war ich unterwegs. Aß Tofu mit Gemüse, Ingwerreis und süß-sauer Soße. Alles, was ich bisher probierte, war köstlich. In Kuala Lupur aß ich etwas aus der kaschmirischen Küche, am Bahnhof zog ich mir Sushi rein. Egal, was ich probierte, es war einfach mega geil.

Ich hatte den Eindruck, dass das Essen nicht nur einen zentralen kulturellen Punkt ausmachte, sondern auch dass die Malaysier ziemlich hohe Ansprüche an ihr Essen hatten. Frische und Qualität, Vielfalt und geschmack scheinen hier viel essenzieller zu sein, als in dem einen oder anderen westlichen Land.

Und da frage ich mich schon, warum ich noch nie im Leben in einem malaysischen Restaurant war. Mir fiel auch noch nie eines auf. Aber ich lebe ja auch in Baden-Baden ahaha. Im Moment.

Ipoh: Nichts gesehen, aber viel gefühlt

Es war ein geladener Tag. Voller Wiedersprüche, Entdeckungen und Neugierde. Ein Tag, an dem ich nicht eine einzige Sehenswürdigkeit erblickt hatte, aber den Puls von Ipoh kennenlernte. Sehen durfte, wie die Leute hier leben, essen, arbeiten, miteinander umgehen, auf mich reagieren. Alle waren freundlich und reserviert. Vor allem die Frauen. Aber Frauen gehen auf Reisen IMMER gut mit mir um.

Jetzt lese ich gerade, dass die Stadt (Stand 2005) rund 675 000 Einwohner hatte. Den Eindruck machte sie natürlich nicht auf mich. Ich dachte, es seien circa 10 Mal weniger. Muss mal kurz darüber reflektieren.

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Reisen

Kurz vor Abreise: Flug nach Bali annulliert

Es war soweit. In 24 Stunden würde ich nach Bali fliegen. Ich buchte bereits vor Monaten, was mir eigentlich gar nicht ähnlich sieht, aber ich musste meine Reise diesmal auf einen bestimmten Zeitraum legen. Da heute mein letzter Tag in Deutschland war, hatte ich 700 Sachen zu erledigen und zudem noch zwei Reportagen auf dem Tisch. Alle stressten mich, als hätten sie sich abgesprochen. Dann kam die alles entscheidende Mail.

Meine Reiseagentur blies meine Reise ab. Knapp 24 Stunden vor Abflug. Das Ding ist: Ich hätte eine Zwischenladung in Katar gehabt. Und in Nahost geht der Bevölkerung der Arsch auf Grundeis. Es herrscht Krieg. Wohl zu riskant, um dort zu landen. Zumal der Luftraum teils geschlossen ist. Warum das super gute Vergleichsportal CHECK24 dennoch Last-Minute-Flüge über Nahost anbietet, ist eine interessante Frage, die ich nicht beantworten kann.

Ich muss nach Asien. Was mache ich jetzt?

Ich war genervt und enttäuscht. Aber ich war entschlossen. Deshalb ging ich schlafen und fuhr am nächsten Morgen zum Frankfurter Flughafen. Dort hieß es: „Es steht schon seit Wochen fest, dass nichts nach Katar fliegt.“ Die Wahrheit: es stand nicht fest. Jede Fluggesellschaft genießt ihre eigenen Regelungen. Ich hätte es riskiert, in Katar zwischenzulanden.

Am Stand einer Last-Minute-Reiseagentur wollte ich schon immer mal stehen, um weiß Gott wohin zu reisen. Nach Corona änderte sich wohl die Preispolitik solcher Flughafenstände. Die Preise vor Ort am Schalter sind heute nämlich höher, als wenn man selbst im Internet bucht.

Das Schicksal hat entschieden: Es sollte Malaysia werden

Mit leeren Händen kam ich nicht nach Frankfurt. Dennoch war das Budget begrenzt. „Malaysia“, sagte die pissige Frankfurterin am Schalter etwas über dem genannten Budget. Let’s fetz. Meinen Rucksack hab ich für alle Lebenslagen gepackt. Ich war sogar bereit für die Mongolei. Als ich allerdings erfuhr, dass dort kuschelige  -9 Grad herrschen, war ich, um ehrlich zu sein, mental etwas weniger bereit auf diese Art von Abenteuer. Ein wenig wärmer müsste es schon sein.

Also dann ab nach Kuala Lumpur. Mit 21 Stunden Aufenthalt in Istanbul. Viel bekam ich von der Stadt nicht mit. Ich bin seit Monaten chronisch übermüdet und mein Nervensystem beschloss gerade in Istanbul runterzufahren. Ich fand ein kleines Hotel, fuhr mit der Metro hin und ging fußläufig weiter. Wurde fast kein einziges Mal um mein Geld betrogen hahaha. Naja. Fast.

Der Flug nach Kuala Lumpur, Malaysia

Jetzt sitze ich seit über 7 Stunden im Flugzeug. Turkish Airlines verwöhnen einen auf Langstrecken, wie ich gerade erfahre. In 3 Stunden lande ich in der Hauptstadt von Malaysia. Ich bin aufgeregt wie Scheiße. Was mich dort wohl erwarten wird… Diesmal bin ich ohne Hotelbuchung unterwegs. Daher bin ich frei, mich durch das ganze Land zu bewegen, wenn ich lustig bin.

Meine Mutter äußert nicht mal mehr Einwände. Sie weiß, sie ist machtlos gegen Asien. Da ich, wie während des Flugs nach Vietnam auch, nicht schlafen kann, wird das wieder ein benebeltes Jetlag-Abenteuer, wenn ich dort ankomme… Ich bleibe einen Tag in der Hauptstadt und dann mal sehen, was mir einfällt.

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Auf den Spuren der Markgrafen: Altes Schloss von Baden-Baden

Aus der Baden-Badener Innenstadt ist es nur ein Katzensprung zum Battert mit dem Alten Schloß (auch Schlossruine Hohenbaden genannt). Das erste Residenzschloss der badischen Markgrafenlag seit Beginn des 19. Jahrhunderts mehr als 200 Jahre im Dornröschenschlaf. Es wurde durch die Bemühungen von Friedrich Weinbrenner und seinem Neffen Johann Ludwig Weinbrenner wieder zum Leben erweckt. Das Architekten-Duo entdeckte die Ruine neu und machte sie durch den Bau neuer Wege und die Sicherung der Bausubstanz für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Alte Schloss, das Ende des 16. Jahrhunderts durch einen Brand zerstört wurde, bekam durch die Weinbrenners auch eine brandneue (höhö verstehste?) Stabilität. Sie stützten es ab, verfugten es neu und versahen es mit Treppen, Brücken, Aussichtsplattformen und Schlossgaststätten. Seitdem ist das Schloss zugänglich und zieht Romantiker, Künstler, Spaziergänger und Wanderer aus aller Welt an.

Altes Schloss in Baden-Baden

Mittelalter in Baden-Baden: Aus Burg wird Schlossanlage

Vermutlich strebte Hermann II (gest. 1130), der erste badische Markgraf, den Bau einer verteidigungsfähigen Burg an. Zuverlässige Quellen, die das belegen können, gibt es jedoch nicht. Nach ihm und den Markgrafen Hermann III. bis Hermann VI. ist auch der nördliche Teil mit dem viereckigen Bergfried (1) in der ersten Bauphase im 12. Jahrhundert als Hermannsbau (3) bezeichnet. Er bildet den höchstgelegenen Teil der Schlossanlage und wird auch Oberburg genannt. Im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert wurde die Oberburg durch Markgraf Rudolf I. und seine Nachfolger ausgebaut und verstärkt.

Altes Schloss Baden-Baden Grundriss mit Bezifferung.
Volià der Grundriss. Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)

Rudolf I. hat im Jahre 1257 erstmals eine Urkunde mit „in castro Baden“ signiert. In dieser Bauphase bekam die Burg einen Festungscharakter durch vorgeschobene Zwinger im Süden und Osten. Wenn ich mich nicht komplett irre, ist das genau der Teil des Alten Schlosses, der die letzten Jahre über restauriert wurde und somit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. Bei meinem letzten Besuch jedoch konnte ich endlich einen Blick in den Kerker werfen. Es war dunkel und gruselig. Ich machte schnell Bilder, dann wurde es Zeit, um mein Leben zu rennen.

Bauphasen des Alten Schlosses im 14. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert brachte Markgraf Bernhard I., neben Gebietserweiterungen für Baden, auch Verbesserungen für das Alte Schloss mit sich: Der sogenannte Bernhardsbau (5), ein mächtiger Palast mit einem Rittersaal, entstand um das Jahr 1400.

Bernhards Sohn Jakob I., führte die Tradition fort und erweiterte die Burg von 1437 bis 1453 um den Jakobsbau (6). Damit beendete er auch dises Tradition, denn dieser vierstöckige Wohnbau war die letzte Erweiterung des Alten Schlosses. Dies Objekt wurde als Überbauung der Kapelle im Ostbereich zwischen Oberburg und Bernhardsbau platziert. Parallel zur letzten Ausbautätigkeit am Schloss Hohenbaden beginnt Jakob I. 1430 mit dem Bau des Neuen Schlosses. 1479 wird dieses von Markgraf Christoph I. bezogen. Zum Neuen Schloss gibt es hier bald auch einen Beitrag. Nur Geduld.

Tore des Schlosses: Romanische und gotische Spuren

An keiner Stelle des Alten Schlosses lassen sich die romanischen und gotischen Bauphasen so gut nachvollziehen wie an den Haupttoren: Wenn ich das richtig verstehe, datiert der Autor des vorliegenden Buches einen Torbogen auf um 1300 und einen Spitzbogen auf 1400. Dort seien frühgotische Abschlüsse der Erweiterungsbauten zu erkennen, während die beiden am Burgweg (9) folgenden romanischen Tore (12./13. Jahrhundert) mit ihren Rundbögen auf die ersten Bauphasen des Schlosses hinweisen. Kapiert? Ich auch nicht. Zu viele Tore und zu viele Himmelsrichtungen.

Grüße aus dem Schloss Hohenbaden

Eines aber kann ich über das Alte Schloss sagen: Es ist eine geile Nummer und immer einen Besuch wert. Ich liebe es, jedes Mal aufs Neue durch den Wald zum Schloss zu laufen und kurz vor dem Ziel noch mal Halt in der kleinen Kapelle zu machen. Das bereitet mir einfach Glücksmomente. Und dir bestimmt auch.


Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)

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Reisen

Die Menschen von Haiphong

Wenn ich daran denke, wie die Vietnamesen zu mir waren, kommen mir die Tränen. Noch nie in meinem gesamten Leben wurde ich so herzlich in einem Land empfangen, wie in Vietnam. Die Menschen winken mir zu, geben mir die Hand, geben mir Fünf, grüßen vom Weiten oder im Vorbeifahren, machen Komplimente und teilen ihr Essen mit mir, sind neugierig. Und das den lieben langen Tag.

Sie wollen wissen, woher ich komme, und wenn ich es Ihnen verrate, fängt die ältere Generation an, ihre Sprachkenntnisse auszupacken, traditionelle Lieder zu singen, oder mir zu sagen, was sie mit meinem Volk gemein haben. Eine schöne Abwechslung.

An einem der Tage war ich allerdings ein bisschen überreizt und wollte für mich sein. Erstaunlich fand ich, dass alle Menschen, die mir an jenem Tag begegneten, das wohl gespürt haben und mir meinen Freiraum ließen. Sie staunten leise darüber, dass sie mir begegneten.

Haiphong: Ich rauche Thuoc Lao und finde neue Freunde

Heute ging ich durch Haiphong, am Fluss entlang. Ein Fischer teilte mit mir seine frittierten Sesambällchen und versuchte mir zu erklären, wie sein heutiger Fang war.

Haiphong, Vietman: Fischer stehen am Fluss mit ihren Angeln und fischen.

Auf die fast gleichen Bällchen, nur mit krümeliger Zuckerglasur und eine Runde Thuoc Lao luden mich vier Jungs vor einer Autowerkstatt ein. Ich teilte dafür meine Mandarinen vom Markt mit ihnen. Sie brachten mir bei zu rauchen, wir unterhielten uns mithilfe von Google Übersetzer und ich zog nach einiger Zeit von dannen. Nun sind wir alle Facebook-Freunde.

lol 🙂

Der Effekt der alleinreisenden Frau

Ich vermute, dass die Leute so auf mich reagieren, weil ich runde Augen und super weiße Haut habe – und Osteuropäerinnen hier nicht all zu oft rumlaufen. Schon gar nicht alleine. Aber der Respekt, die Gastfreundschaft, Neugierde und Aufgeschlossenheit der Einheimischen – so etwas habe ich noch nie erlebt. Obwohl auch die Portugiesen – wahnsinnig freundlich und sichtlich erfreut über meine Anwesenheit – immer versuchten, mit mir trotz Sprachbarriere zu kommunizieren.

Die Vietnamesen geben mir ein Gefühl, dass ich in ihrem Land willkommen bin; dass sie sich über mich freuen und dass sie mich mutmaßlich für etwas besonderes halten. Danke, dass ihr dieses Gefühl in mir freigeschaltet habt. Ich kannte es bisher nämlich gar nicht. Zumindest nicht in dem Ausmaß.

Menschen von Haiphong: Eine vietnamesische Marktfrau an ihrem Kräuter- und Gemüsestand

Die Straßen von Haiphong sind nicht ansatzweise so voll, wie die von Hanoi. Ich bin wieder zu Fuß unterwegs. Wie üblich sind aber die Gehsteige meistens von Cafés, Autos, Mopeds, Motorrädern oder Verkaufswaren jeglicher Art blockiert. Heute werde ich wieder nur Einheimischen begegnen und ihre Regeln und Geheimnisse des Lebens lernen.

Hier erfährst du, wie ich die Umgebung in Haiphong erkundet habe.

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Xin chào Việt Nam: Ich lande in der falschen Stadt

Mein Traum wird wahr: ich lande in Vietnam. Eigentlich dachte ich, ich lande in Haiphong, doch irgendwie war es am Ende doch Hanoi. Frag nicht wie. Entweder ich hab mir all den Weg lang hart eingebildet, ich würde nach Haiphong fliegen, obwohl das gar nicht der Fall war, oder es kam zu spontanen Änderungen. Völlig verballert war und bin ich so oder so. Das würde jedenfalls erklären, warum die junge Frau am Frankfurter Flughafen mich mehrere Male skeptisch nach meinem Reiseziel fragte.

Als ich dann allmählich im vietnamesischen Airport herausfand, in welcher Stadt ich mich befand, dacht ich mir kurz: „Wtf geht bei mir schon wieder?“ und kurz darauf: „Scheiß auf mein Luxushotel in Haiphong, ich bleibe hier und schau mir die Hauptstadt an.“ Hatte ich ja sowieso vor. Das Schicksal entschied, dass es jetzt sein würde und Schlafen wollte ich nach dem Langstreckenflug sowieso nicht. Wofür auch?

Guten Morgen aus Hanoi: An diesem brutalistischen Meisterwerk konnte ich nicht einfach vorbei gehen.

In Hanoi besuche ich das Museum

Ich buchte mir für rund 15 Euro ein kleines Zimmer nahe der Innenstadt, ließ meinen Koffer darin und zog gleich los. Mein erstes Ziel war das Hanoi Museum. Verblüfft war ich, als ich erfuhr, dass der Eintritt für alle umsonst ist. Dort sah ich Malereien und Skulpturen von Gegenwartskünstler. Es war expressiv und gefiel mir sehr gut. So etwas habe ich davor noch nicht gesehen. Vor allem gaben die Werke des Künstlers Hoàng Hồng (ich finde online leider keinerlei Infos zu ihm) den Ton an.

Es gibt Ärger

Als nächstes wollte ich losziehen um mir die Cafés und Shops, die direkt an den Gleisen liegen, anzusehen. Daraus jedoch wurde vorerst nichts. Ich verlief mich und hatte schwachen Akku. Zudem machte meine Mutter Theater am Telefon und befahl mir sofort schlafen zu gehen, da sie der Meinung war, mein Zustand nach dem Jetlag sei lebensgefährlich.

Dann machte sie noch mehr Theater, als sie erfuhr, dass ich Eistee mit Eis getrunken hatte. Sie hatte nämlich gelesen, dass das vietnamesische Leitungswasser nicht unbedingt von allen Mägen gut aufgenommen werde. Ich aber konnte der Versuchung nicht widerstehen. Als ich an den Gehwegen entlang der Straßen diese vielen kleinen Cafés aus winzigen Plastikstühlchen, Tischchen, Schirm und Getränkestand sah, wollte ich dort unbedingt Gast sein. Ich sah, wie gemütlich die Einheimischen dort verweilten und das leuchtend gelbe, kalte Getränk schlürften. Also ging ich das vermeintliche Risiko ein und kann nun sagen: Mir ist während der ganzen Zeit in Vietnam nichts passiert, obschon ich mir jeden Tag Eiswürfel en masse reingeschallert habe.

Den Eistee machen Vietnamesen aus einem starken Grüntee, den sie mit Wasser verdünnen. Das servieren sie dann auf Eis. So etwas Einfaches und gleichzeitig Geniales… Ich war hin und weg und zog mir gleich zwei Gläser rein. Die Temperatur lag bei schwülen 28 Grad. Wir hatten November, wohlbemerkt. Hanoi war an diesem Tag ein wenig versmogt. Daher schien die Sonne etwas schleimig auf die Erde herab und verbrannte meine Haut in weniger als einer halben Stunde.

Wild, wilder, Straßenverkehr in Vietnam

Als ich meine rote Haut sah, verstand ich, warum vor allem die Vietnamesinnen lange Kleidung trugen, obwohl es so warm war. Auch die allermeisten Moped- und Motorradfahrerinnen schützten sich vor der intensiven Sonne. Lange Röcke, lange Ärmel oder gar Handschuhe, Masken, Kapuzen, darunter Schirmmützen, darüber Helme – und ab die Post. Zigtausende Mopedfahrer. Hupen: Bürgerpflicht. Hier liest du einen sehr spannenden Artikel von welt.de, der die Situation auf den Straßen Hanois gut wiedergibt.

Ich fand es erstaunlich, wie die Menschen in Vietnam im totalen Verkehrschaos elegant und völlig stressfrei einen spontanen U-Turn einlegen konnten, wie sie auf jeder Spur in jede Himmelsrichtung fuhren, wie sie rote Ampeln ignorierten und dabei nie den Überblick verloren. Da verstand ich, dass Vietnamesen die Welt anders sehen als Europäer. Auch, wie langsam und bewusst die wenigen Fußgänger, die ich dort wahrgenommen hatte, dicht befahrene Straßen überquerten. Fast meditativ, als seien sie eins mit dem Verkehr und als könne ihnen nichts passieren, wenn sie sich nur langsam genug bewegten. Ich habe es dann auch selbst ausprobiert. Funktioniert 10 von 10.


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Madeira, das Paradies für Achtsamkeit und Erholung

Madeira, die „Insel des ewigen Frühlings“, begeistert mit majestätischen Bergen, Levadas und grünen Küstenpfaden. Zwischen all den Abenteuerorten offenbart sich eine sanfte, fast meditative Seite: ein Refugium für Achtsamkeit und Erholung. Dank des ganzjährig milden Klimas finden Reisende auf der portugiesischen Inselgruppe ideale Bedingungen, um innezuhalten und die Natur zu spüren. Wer das Besondere sucht, entdeckt auf Madeira und deren kleine Schwesterinsel Porto Santo einzigartige Formen der Entspannung.

Madeira: Waldbaden im UNESCO-Naturpark

Ein Großteil Madeiras ist als Naturpark geschützt und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Lorbeerwälder, moosbewachsene Steinen und sanft plätschernden Bächlein finden wir hier an jeder Ecke. Die Natur hier bietet den idealen Rahmen fürs Waldbaden – eine Praxis, die Körper und Seele ins Gleichgewicht bringt.

Atemübungen, Meditationen unter mächtigen Baumstämmen oder stille Pausen auf sonnengefluteten Lichtungen lassen uns die heilsame Kraft der Insel intensiv spüren. Der Duft der Pflanzenvielfalt, das Lichtspiel und die Ruhe der Natur entfalten eine heilsame Wirkung.

©Henrique Seruca

Yoga und Klangreisen am Atlantik

Die Lage Madeiras im Atlantischen Ozean macht die Insel zu einem einzigartigen Ort für Yoga, Meditation und Klangreisen. Umgeben von der Weite des Meeres, der klaren Luft und sattem Grün entsteht eine Atmosphäre, die Körper und Geist zur Ruhe kommen lässt. Das Rauschen der Wellen wirkt wie eine reinigende Kraft, die Spannungen löst und neue Energie schenkt. Ob auf einer Klippe hoch über dem Atlantik, an einem schwarzen Sandstrand oder auf einer einsamen Waldlichtung – fast überall auf Madeira lässt sich die Yogamatte ausrollen und bewusst durchatmen. Entsprechende geführte Kurse sind vor Ort ebenfalls schnell gefunden.

©Savoy Signature

Wellness-Innovationen in Funchal

Auch für Regeneration und Gesundheit gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Neben klassischen Massage- und Wellnessangeboten, die nach einem aktiven Tag wohltuend wirken, finden zunehmend moderne Methoden ihren Platz: Lichttherapien, Kältekammern oder Sauerstoffanwendungen. Ergänzt wird das durch traditionelle Verfahren, ganzheitliche Retreats wie die Thalassotherapie, bei der die Wirkung des Meeres für Stressabbau oder zur Linderung von Beschwerden wie Rheuma oder Arthritis genutzt wird. Einige Hotels bieten ein breites Spektrum dieser Behandlungen an, sodass man gar nicht lange suchen muss.

Heilsamer Sand auf Porto Santo

Ein Geheimtipp für Wellnessreisende liegt nur wenige Kilometer entfernt, auf der Nachbarinsel Porto Santo. Während Madeira mit Bergen und Wäldern begeistert, ist Porto Santo für seinen goldgelben Sandstrand bekannt. Der feine, goldene Sand der Insel ist reich an Mineralien und bekannt für seine therapeutischen Eigenschaften und lädt zu einem wohltuenden Sandbad ein.

Madeira: Sandstrand, Erholung, Spa und Co.
Praia do Porto Santo ©Francisco Correia

Ein paar Worte zu Madeira

Die autonome Region Madeira, die zu Portugal gehört und knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt ist, liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel Madeira zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel. Aber auch Kulturverliebte und Strandurlauber kommen etwa in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten.


Bild- und Textquelle: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH (Madeira Promotion Bureau)

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Elefantenberg Haiphong: „Du bist in Gefahr!“

Da stand ich nun. Mitten auf der Straße. Mein Fahrer war längst über alle Berge, und die Berge, die ich sehen wollte waren nicht ansatzweise in Sicht. Was also tun? Ich folgte der Adresse zum Elefantenberg, die ich bisweilen herausrecherchiert hatte und begab mich auf einen schmalen Pfad, der mich zum ersehnten Ziel führen sollte.

Es war eine unvergessliche Naturszene. Ich wanderte quer über ein gigantisches Feld, sah eine weiße Entenfamilie dort grasen, sah, wie die trockene Erde in tiefe Risse zerteilt war. Sah das grünste Gras, das ich wahrscheinlich je gesehen hatte und kam am anderen Ufer des Flusses an, an dem ich zuvor schon stand.

Da war er nun: der Elefantenberg

Dann kapierte ich endlich, wo der Elefantenberg war. Er türmte sich direkt vor mir auf. Seine Schönheit machte mich ganz benommen. Ich ging über den Feldweg, der von kleinen Blümchen und hohen Halmen gesäumt war, direkt auf ihn zu. Die Sonne leuchtete schon neon-rot am Horizont. Kam ich näher, so verschwand sie hinter dem Berg. Machte ich ein paar Schritte zurück, so tauchte die Feuerkugel über mir wieder auf. Ich beschloss weiterzugehen. Von Weitem sah ich bereits, dass ich diesen Berg heute wohl eher nicht besteigen würde, da meine Lebensmüdigkeit sich in Grenzen hält, aber ich wollte wenigstens noch etwas näher ran.

Elefantenberg in Haiphong, Vietnam

Wenig später blieb ich stehen. Irgend etwas in mir wollte nicht weitergehen. Ein paar hundert Meter von mir entfernt sah ich eine mutmaßliche Fabrik. Sie grenzte mehr oder minder an meinem Elefantenberg und ich müsste das Fabrikgelände betreten, um zum eigentlichen Ziel zu gelangen. Das jedoch fühlte sich für mich zu verrückt an, zumal auf dem Fabrikgelände Objekte herumlagen, die ich von Weitem als riesige Gaskartuschen identifiziert hatte. Und vor Fabriken, Kraftwerken und vielen weiteren zeitgenössischen Industriebauten fürchte ich mich auf eine ganz merkwürdige Art und Weise, wie ihr bereits wisst, da ihr meine persönlichen Quellen der Inspiration gelesen habt.

Auch der Rückweg war ereignisreich

Ich ging zurück, setzte mich auf eine aus der Erde ragende Wurzel und sah der Sonne bei ihrem Untergang zu. Hinter mir fuhr ein leises Frachtschiff vor sich hin – der Abend war perfekt. Dann, als die Dämmerung sich bereits andeutete, begab ich mich auf den Rückweg. Wahrscheinlich nahm ich die Straße, über die ich bereits zuvor mit dem Fahrer fuhr, so genau weiß ich es aber nicht. Am Straßenrand verkaufte eine Frau Gurken aus Eigenanbau und zeigte darauf, als ich an ihr vorüberging. Ich kaufte. Sie waren köstlich. Sie waren so gut, ich war empört darüber, nicht mehr gekauft zu haben.

Dann ging ich wieder eine dicht befahrene Straße entlang. In einem meiner anderen Artikel hab ich euch bereits davon erzählt, dass Vietnam – zumindest die Teile Hanois und Haiphongs die ich kennengelernt habe – nicht wirklich auf Fußgänger zugeschnitten sind. Man bewegt sich dort auf Rollern, Mopeds und Motorrädern fort. Für die gegebenen Verhältnisse sind das die wahrscheinlich sichersten Fahrzeuge. Zumindest, wenn man mit ihnen aufgewachsen ist und sich wie die Einheimischen in einer unübersichtlichen Verkehrssituation orientieren muss.

Gefährliche Gegend: Ich fahre mit einer Unbekannten

Lange ging ich nicht. Vorbei am riesigen Gelände meiner mutmaßlichen Fabrik, vorbei an Wohnhäusern am Straßenrand entlang. Auf der anderen Straßenseite hielt ein Mädchen. Sie schaute zu mir und deutete auf den Rücksitz ihres Rollers. Ich lehnte dankend, mit Hand am Herz und kleiner Kopfverbeugung ab. Sie fuhr davon. Wenig später fuhr sie mir schon von der anderen Straßenseite entgegen und hielt an. Sie zeigte mir ihr Handy auf dem mithilfe von einer Übersetzer-App geschrieben stand: „Komm mit mir. Du bist in Gefahr. Diese Gegend ist nicht sicher.“ Was aber genau gefährlich war, verstand ich nicht. Der zügellose Verkehr? Die Kriminalitätsrate dieser Gegend? Die Dämmerung? Ich werde es wohl nie erfahren. Wir fuhren los. Ich ohne Helm, sie mit einer Hand am Handy – es war ne schöne Fahrt.

Die nächtliche Wärme umarmte meine unbedeckte Haut an den Beinen, der warme Wind blies, zusammen mit den Abgasen anderer Mopeds und Busse, sanft in mein Gesicht. Wilder Verkehr, leuchtende Reklamen – wusch, wusch, wusch – eine nach der anderen. Das Mädchen sprach in ihr Handy und zeigte es mir erneut. Sie fragte, wo ich hin will. „Eat“, sagte ich, sie nickte. Sie schlug mir sogar vor, mich bis in mein Hotel zu fahren, aber ich überredete sie, es nicht zu tun. Es wäre viel zu weit gewesen und ich wollte vorher noch etwas Schönes in diesem neu entdeckten Stadtteil Haiphongs futtern.

Abenteuer endet: ich suche mir etwas zu Essen

Einige Zeit später setzte mich an einem belebten Kreisel ab und ich drückte ihr 200K in die Hand. Mit großen Augen sah sie mich an: „No.“ Und ich: „Yes“. Dann faltete ich meine Hände vor der Brust und legte anschließend beide Hände aufs Herz. „Cảm ơn“ (danke), sagte ich, worauf sie mit einem akzeptierenden Lächeln ihren Kopf schüttelte und winkend wieder davonfuhr.

„Was stelle ich jetzt an?“, war der erste Gedanke, der mir in meiner neu gewonnenen Einsamkeit kam. Viel war es dann aber doch nicht. Ich ging Suppe essen, dann vietnamesischen Eistee trinken und dann ließ ich mir ein Taxi zurück ins Hotel bestellen. Als ich hinten drin saß, reichten meine Mundwinkel mir fast bis zu den Ohren. Wieder zog die Leuchtreklame mit einem wusch-wusch-wusch an mir vorbei, wieder fuhren die anderen Verkehrsteilnehmer viel zu dicht an das Taxi heran. Hupen, Brummen, Menschen am Straßenrand, die rituell Papier und Falschgeld verbrennen und dabei meditativ in die Flammen und den an ihnen vorbeiziehenden Verkehr hineinblicken. Ich liebe dich, Vietnam!

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