Die Ausstellung „Plastic World“ fand ich so endgeil, dass ich da zwei Mal hinging. Ich weiß nicht, wie die Schirn Kunsthalle das macht, aber jedes Mal, wenn ich da bin, sehe ich nur Banger. Auch die aktuelle Ausstellung „The Culture“ ist fucking wild. Ich wünschte, ich könnte das vom Städel behaupten. Nicht falsch verstehen. Ich liebe das Städel über alles. Aber die Schirn überrascht jedes Mal aufs Neue mit einem klaren Konzept, einem Roten Faden, der sich durch die gesamte Kunstausstellung zieht und vor allem macht die Schirn in Frankfurt mir die moderne Kunst immer schmackhafter.
Scheiße, keine Ahnung, was das ist…César, Expansion (1991): PolyurethanschaumRichard Artschwager, Exclamation Point (2008): Plastikbürsten auf einem mit Latex überzogenen MahagonikernMonira Al Qadiri, Orbital 1 (2022): 3D-gedruckter Kunststoff mit Autolack lackiert
Das war das Konzept der Ausstellung „Plastic World“
Die Ausstellung befasste sich mit der Rolle von Kunststoffen in der bildenden Kunst. Sie bot einen umfassenden Überblick über die vielfältige Verwendung und Wahrnehmung von Plastikmaterialien im künstlerischen Kontext.
Plastik ist Fantastik
Plastik ist allgegenwärtig in unserem Leben. Es ist billig, nahezu überall erhältlich und spielt eine zentrale Rolle im heutigen Materialgebrauch. In den 1950er-Jahren symbolisierten synthetische Materialien den Geist des Massenkonsums und leiteten das sogenannte „Plastic Age“ ein. Einst als Symbol für Fortschritt und Modernität gepriesen, wird Plastik heute aufgrund seiner Umweltauswirkungen zunehmend kritisch gesehen.
Junge, Otto Pienes‘ Anemones (An Air Aquarium) [1976] blies sich auf und fiel gleich in sich zusammen – in Endlosschleife.
Plastic World in der Schirn: Zwischen Hyperrealismus und Fantasie
„Plastic World“ zeigte die Entwicklung dieser Materialkultur mit über 100 Werken von rund 50 internationalen Künstlern. Die ausgestellten Objekte, Assemblagen (dreidimensionale künstlerische Kompositionen), Installationen und Filme spiegeln jeweils den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit wider. Es war wirklich geil.
Die Auswahl der Werke spiegelt die Vielseitigkeit dieser Materialien wider – sie reichen von verblüffend realistischen Nachahmungen der Natur bis hin zu völlig freien Formschöpfungen.
John de Andrea, Woman Leaning Against Wall (1978): Polyester-Polyvinyl, bemalt in Ölgrisaille. So hyperrealistisch, dass ich kurz zögerte, ihr auf die Brüste zu starren.Mein absoluter Liebling: Garmion von Berta Fischer (2020?).
„Plastic World“ bot mir viel ästhetisches Vergnügen. Die Farben, Formen und Materialien und auch die vielfältige und kreative räumliche Zusammenstellung der Exponate empfand ich als sehr gelungen und staunte wie ein Kind. Zwei Mal. Erfahre hier, wo ich mich endgültig in die Gegenwartskunst verliebte.
Der Crackle-Nagellack ist zurück: Ich erinnere mich an eine Zeit von vor über 12 (?) Jahren: Damals entdeckte ich einen hellgelben Nagellack für satte 17 Euro, der eine sogenannte Crackle-Optik zaubern konnte. Ich war wahnsinnig gespannt, ob es tatsächlich funktionieren würde und kaufte ihn sofort. Der Zauberlack und ich verließen den Shop, gingen nach Hause und Abrakadabra – es hatte tatsächlich funktioniert. Denn als ich den Lack auf den Schwarzen Basis-Nagellack auftrug, schienen die Farbpartikel über mein Nagelbett zu schwimmen und zu unterschiedlichen Grüppchen zusammenzutun.
Schockverliebt feierte ich diesen Trend. Kurze zeit später würde es die Lacke auch in verschiedenen Drogeriemärkten geben – in allen erdenklichen Farben und das auch noch für einen Bruchteil des Preises, den ich bezahlt hatte. Eine ganze Crackle-Ära wurde geboren.
Nach langen, traurigen Jahren, in denen der Crackle-Nagellack nicht im Mainstream-Handel zu finden war, kommt 2024 die große Überraschung: Der coole Nagellacktrend ist wieder zurück. Essence (unbezahlte Werbung) hat ihn schon in die Verkaufsaussteller geballert. Zwar nur in der Farbe schwarz – aber er erfüllt seinen Zweck.
Wie funktioniert der Crackle-Zauber?
Crackle-Nagellack besteht aus Stoffen, die nicht vollständig kompatibel sind. Beim Trocknen stoßen sie sich voneinander ab. Dadurch trocknet dieser Zauber-Topcoat nicht gleichmäßig, sondern zerreißt sofort nach dem Auftragen in mehrere Felder. Die dabei entstehenden Risse sind immer ein absolutes Unikat und geben den Blick auf den andersfarbigen Unterlack frei. Bei meiner Variante habe ich mich für einen Hologramm-Nagellack entschieden. Geplant war eigentlich, die Nägel so zu lassen. Aber da man bei dem Nagellack, den ich verwendete, den Hologramm-Effekt nur aus nächster Nähe sah und er mir von weiter weg eher dezent und langweilig erschien, dachte ich mir: „Scheiß drauf, ich geh’ all in.“
Der durch mein „gewagtes Experiment“ entstandene Look gefällt mir mega gut und kann meine Augen kaum von meinen Nägeln abwenden. Die Kombinationsmöglichkeiten solcher – wie sie ebenfalls genannt werden – „Crackling Nagellacken“ und den jeweiligen Unterlacken sind wahrscheinlich unendlich.
Plot twist: Am nächsten Tag war der unten platzierte Hologramm-Nagellack am Arsch. Ich hasse die Qualität von Essence.
Das ist beim Auftragen des Crackle-Nagellacks schief gegangen
Ich hatte total vergessen, dass der Crackle-Nagellack sich nur schwer in einzelne Felder auftragen kann, wen man zu viel davon aufträgt. Jetzt hab ich den überwiegend schwarzen Salat am rechten kleinen Finger (sieht man nicht auf dem Bild).
Je dünner du den Crackle-Nagellack aufträgst, stärker fallen die Risse aus und umso mehr ist vom Unterlack sichtbar. Je dicker die Crackling-Nagellack-Schicht ist, desto weniger und dünner sind auch die Risse.
Tipps für deine Maniküre: So gelingt der Crackle-Nagellack-Look
Sobald dein Unterlack vollständig getrocknet ist, kannst du mit dem Auftragen des Crackling Nagellacks beginnen. Da er schnell trocknet, solltest du ihn zügig mit schnellen Pinselstrichen auftragen. Kurz nach dem Auftragen wirst du die ersten Risse im Lack sehen, allerdings benötigt er, wie jeder Nagellack, einige Minuten, um vollständig durchzutrocknen. Erst wenn alle Nägel trocken sind, und sich die Farbfelder nicht mehr bewegen, ballerst du den alles abschließenden Topcoat oben drauf. Viel Spaß beim Ausprobieren.
Quellen:
Selbstexperiment
helpster.de: „Wie funktioniert Crackling Nagellack und wie wende ich ihn an?“
Jan. 1, 2011 - JEAN MICHEL BASQUIAT. c. late 1980 s ROSE HARTMAN/ UPDIKE0603 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAg49_
Jan 1 2011 Jean Michel Basquiat C Late 1980 S Rose Hartman PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAg49_
Jean-Michel Basquiat, geboren am 22. Dezember 1960 in New York City, wo er auch am 12. August 1988 verstarb, etablierte sich als eine prägende Figur der Kunstszene als Maler und Zeichner. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er als einer der ersten afroamerikanischen Künstler in der überwiegend weißen Kunstgemeinschaft Anerkennung fand. Obwohl häufig als Graffitikünstler klassifiziert, verneinte Basquiat diese Zuschreibung entschieden und betonte seine Unabhängigkeit von dieser Kunstform. Bis in die Gegenwart sorgt Basquiat mit seinem künstlerischen Erbe für Diskussionen über seine Bedeutung und Position in der Kunstgeschichte.
Dieses Gemälde ist Basquiats Ode an den Saxophonisten Lester Young. Auch im Hip-Hop ist diese Kultur der gegenseitigen Anerkennung weit verbreitet.Der wunderschöne, talentierte Basquiat. Copyright: IMAGO / ZUMA Wire
Jean-Michel Basquiat und Gaffiti
In den pulsierenden Straßen New Yorks der 1970er Jahre waren geprägt von Kriminalität, Korruption und einer neuen Hoffnung, die sich am Horizont abzeichnete. In diesem Umfeld der unbegrenzten Möglichkeiten begann sich eine neue Subkultur zu formen: HipHop. Da Grafitti zu seinen vier charakteristischen Elemente gehörte, begann auch diese Art der Kultur ihre Wurzeln zu schlagen. Anfangs als Vandalismus abgetan, etablierte sich Graffiti bald als eine anerkannte Kunstform, die sich in der ganzen Stadt verbreitete. In dieser blühenden Kultur tauchten auch die ersten bekannten Namen mit ihren charakteristischen Werken auf. Die individuelle Handschrift jedes Künstlers wurde zur Visitenkarte seiner Identität.
Unter diesen Künstlern stach Jean-Michel Basquiat hervor, der unter dem Pseudonym „SAMO“ rätselhafte und philosophische Tags hinterließ. Er fand schon früh seine Leidenschaft für das kreative Ausdrucksmedium. Zusammen mit seiner Mutter, die ihn oft zu Museumsbesuchen mitnahm, entdeckte er seine Liebe zur Kunst. Diese frühen Einflüsse inspirierten Basquiat zu seinen ersten künstlerischen Werken.
Die Eltern trennten sich – die Mutter kam in eine Psychiatrie. Das schwierige Familienverhältnis machte aus Basquiat einen Rebellen. Sein Verhalten führte zu Konflikten und ihn schließlich zur „City-as-School High School“. Dort traf er auf Al Diaz, mit dem er nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch das Konzept von „SAMO“ entwickelte. Ursprünglich war der Name ein Insider-Witz, der sich auf ihre gemeinsamen Aktivitäten bezog. Nämlich kiffen und chillen – „same old shit“. Dann wurde „SAMO“ zu einem Symbol ihrer kritischen Haltung. Ihre Botschaften, mal humorvoll, mal bizarr, wurden bald in ganz New York, besonders in der Graffiti-Szene, bekannt.
Jean-Michels Durchbruch kam unerwartet auf der „Canal Zone Party“, wo er die Anwesenden mit einem „SAMO“-Tag überraschte und damit den Beginn seiner Karriere markierte. Mit 18 Jahren verließ er das Elternhaus, um sich ganz der Kunst zu widmen. Trotz seiner wachsenden Bekanntheit kämpfte Basquiat mit gesellschaftlichen Diskriminierungen. Seine Werke reflektierten zunehmend soziopolitische Themen wie Polizeigewalt, Rassismus und die Kritik an der elitären Kunstszene.
Basquiat, Eyes and Eggs (1983): Ich war schockverliebt, als ich dieses Kunstwerk sah. Deshalb hing es lange Jahre als Kunstdruck in meinem Zimmer.Copyright: IMAGO / Norbert Schmidt
Jean-Michel Basquiat erweiterte seine künstlerische Tätigkeit auf die Musik, indem er 1983 einen Rap-Track produzierte. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber seinem Text, ermöglichte Basquiat den Künstlern Rammellzee und K-Rob, ihre eigene Vision umzusetzen, was zum unkonventionellen Track „Beat Bop“ führte. Dieser Schritt verstärkte seinen Einfluss und seine Bekanntheit in der HipHop-Kultur.
Basquiats Beitrag zur HipHop-Kultur und seine Identifikation mit dieser Bewegung unterstreichen seine Bedeutung als Bindeglied zwischen visueller Kunst und Musik. Sein Streben nach Anerkennung und Authentizität in seiner Kunst machten ihn zu einer Schlüsselfigur, die nicht nur in der Graffiti-Szene, sondern auch in der breiteren kulturellen Landschaft New Yorks und darüber hinaus eine nachhaltige Wirkung hinterließ.
Jean-Michel Basquiat starb im Alter von 27 Jahren in seinem Loft in der Great Jones Street. Im Autopsiebericht des leitenden Untersuchungsarzts des Manhattan Mortuary wird als Todesursache eine „akute Vergiftung durch verschiedene Drogen“ angegeben. Er entwickelte in seinen letzten Lebensjahren eine akute Heroinabhängigkeit. Persönlich verliebte ich mich in Basquiat, als ich vor einigen Jahren in seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler war. Seine Kunst geht direkt ins Herz.
Es war voll, es war laut, es war Frankfurt an einem Mittwoch. Die Ausstellung „The Culture“ in der Schirn Kunsthalle eröffnete mit einer wilden Hip-Hop-Party. DJs traten auf, unzählige Leute tanzten zur Musik und ich war mitten drin. Und das Wichtigste: Ich sah jede Menge Kunst von schwarzen Künstlerinnen und Künstlern. Ihre Werke sind nicht nur unfassbar kreativ, sondern drücken ihre Kultur in einer kraftvollen künstlerischen Sprache aus.
So voll habe ich die Schirn noch nie erlebt – auch wenn sie praktisch immer voll ist.
Kultur HipHop: „The Culture“ in der Schirn-Kunsthalle
Die Ausstellung „The Culture“ in der Schirn widmet sich der bedeutenden Rolle des Hip-Hop in der zeitgenössischen Kunst und Kultur. Sie zeigt Exponate wie etwa Kunstwerke und Mode, die die Verbindung von Hip-Hop zur Pop-Kultur und seine soziale Relevanz verdeutlichen. Besuchen kannst du die Ausstellung noch bis zum 26. Mai 2024.
Mein absolutes Lieblingswerk – hierbei handelt es sich um einen Tintenstrahldruck von Deana Lawson: „Nation“ aus dem Jahr 2018. Die mit Bedacht platzierten Metallelemente in der Bildszene deuten auf die Geschichte der Metallverarbeitung in der afrikanischen Diaspora. Ich liebe es einfach.
Die Geburtsstunde des HipHop
Die Hip-Hop-Kultur, inklusive Rappen, DJing, Breakdance und Graffiti, hat weltweit Bekanntheit und Erfolg erlangt. Ursprünglich eine kleine Subkultur aus der Bronx in New York, erobert Hip-Hop im Sturm die Welt.
Im August 1973, inmitten des finanziellen und sozialen Untergangs der Bronx, führte DJ Kool Herc, ein Sohn jamaikanischer Einwanderer, in einer Blockparty eine innovative Technik vor. Er verlängerte Instrumentalabschnitte von Funk- und Soulsongs durch manuelles Loopen und Samplen mit zwei Plattenspielern und einem Mischpult. Um es kurz zu machen: Der HipHop wurde geboren. Schnell entwickelte sich eine kraftvolle Bewegung, die die gesellschaftlichen Strukturen kritisierte und neue Perspektiven zur Darstellung diasporischer Erfahrungen bot.
Die Sonderausstellung in der Schirn präsentiert über 100 Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler der letzten 20 Jahre. Die Kunsthalle wirbt mit Namen wie Lauren Halsey, Julie Mehretu und Virgil Abloh. Ich jedoch kannte von ihnen nur den großartigen Jean-Michel Basquiat.
Die Kuratoren der Schirn sehen HipHop als einen neuen Kanon. Er soll die westliche kunsthistorische Tradition herausfordern und alternative Ideale von künstlerischer Qualität und Exzellenz vertreten. Die Ausstellung setzt sich mit der visuellen Kultur des HipHop auseinander und zeigt dessen Einfluss auf Malerei, Mode, Architektur und Technologie.
Besondersders ergriffen haben mich zwei Gemälde von Monica Ikegwu. Darauf war eine junge Frau in roter Jacke abgebildet. Die Technik und die Umsetzung erinnerte mich an Idowu Oluwaseun, dessen künstlerisches Schaffen ich wenige Tage zuvor auf der art Karlsruhe sah. Zwar würde er thematisch nicht in die Hip-Hop-Ausstellung passen, trägt mit seiner Kunst jedoch ebenfalls zur Repräsentation schwarzer Kultur bei.
Shades for the individual. Closeup of a variety of lipstick colours. Closeup of a variety of lipstick colours. Copyright: xZoonar.com/YAPR.05x 18518855
Roter Lippenstift ist weit mehr als „nur“ Make-up. Er ist seit Jahrhunderten ein Symbol für Selbstvertrauen, Stärke und zeitlose Eleganz. Ich selbst behauptete mal, dass roter Lippenstift nicht jeder steht – doch das ist Blödsinn. Spätestens als ich die erste Farbe fand, die mir einigermaßen stand, war ich besessen davon. Heute rettet mich roter Lippenstift den Arsch an Tagen, an denen ich mich so gar nicht attraktiv fühle. Mit der richtigen Nuance und Anwendung kann jeder Frau ein roter Lippenstift stehen, unabhängig von ihrem Hautton, Alter, Stil oder Lippenform.
Die Geschichte des roten Lippenstifts
Die Geschichte des Lippenstifts reicht bis ins alte Ägypten zurück, wo er bereits eine bedeutende Rolle in der weiblichen Kultur spielte. Königin Cleopatra war bekannt dafür, ihre Lippen mit einer Mischung aus Karmin und Bienenwachs zu färben. Diese Praxis war nicht nur schön, sondern auch ein Zeichen ihrer königlichen Macht. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Symbolik des roten Lippenstifts weiter und wurde zu einem komplexen Zeichen, das Macht, Rebellion und Schönheit verkörperte. Diese Vielschichtigkeit spiegelte sich in verschiedenen Kulturen und Epochen wider, wobei der Lippenstift immer wieder neue Bedeutungen annahm.
Eine „Renaissance“ des roten Lippenstifts erlebte die Welt im 20. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde er durch Ikonen wie Marilyn Monroe und Audrey Hepburn neu definiert. Diese Frauen machten die rote Farbe ihrer Lippen zum Inbegriff von Glamour und Eleganz. Sie zeigten, dass Lippenstift mehr als nur ein Beauty-Produkt ist: er ist ein mächtiges Symbol, das Weiblichkeit, Selbstbewusstsein und Stil ausdrücken kann. Der rote Lippenstift wurde zu einem unverzichtbaren Accessoire, das bis heute in der Welt der Weiblichkeit seinen festen Platz hat.
Die Psychologie Hinter Rotem Lippenstift
Roter Lippenstift soll die Wahrnehmung von Selbstvertrauen und Kompetenz erhöhen. Ich kann bestätigen, dass ich mich binnen Sekunden nach dem Auftragen um mindestens 62 Prozent sexier fühle. Mir hebt er die Stimmung und macht mich oftmals auch zu einer Bad Bitch. Das wiederum wirkt sich auf mein Benehmen, meine Ausstrahlung und letzten Endes auf die Art aus, wie mich meine Mitmenschen wahrnehmen. Wenn ich mich unattraktiv fühle, trage ich manchmal auch eine kleine Maske auf. Dabei halte ich mich aber stets an mein Gesichtsmasken-Einmaleins.
Zurück zum Thema: Natürlich wirkt der rote Lippi auf viele Menschen auch sehr sexy und extravagant. Ich finde jedoch, es kommt auf die Trägerin und ihre innere Verfassung an. Manche Ladies finde ich verführerisch und sinnlich, wenn sie ihn tragen – andere kraftvoll und dominant.
Den Richtigen Farbton Finden
Verschiedene Untertöne (kühl, warm, neutral) des Lippenstifts ergänzen verschiedene Hauttöne. Doch mit diesem Scheiß kenne ich mich nicht aus – liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein neutraler Hauttyp bin. Mit stehen viele Rottöne, aber der Effekt ist unterschiedlich, sofern ich einen kühleren oder wärmeren Ton benutze. Derzeit bin ich besessen von diesem kranken Lippenstift von Kiko in der Farbe 13 (unbezahlte Werbung). Mein Problem an ihm ist jedoch: Bereits zum zweiten Mal bricht der Stift nach einmaliger Benutzung ab und baumelt dann so bescheuert in dem Gehäuse. Hate it. Die Farbe, die Beschaffenheit und auch die Standfestigkeit des Produktes sind allerdings SO gut, dass ich diesen Schmerz in Kauf nehme – wenn auch nicht gerne.
Mein Tipp für alle, die ausprobieren wollen, ob roter Lippenstift ihnen steht: Probiert alles aus, was geht. Alle Farben und alle Töne, alle Arten: Matt, Liquid Lipstick, Satin-Optik, halbmatt, Hochglanz, roten Gloss – mit und ohne Lipliner. Es wird auf jeden Fall etwas dabei sein, was du an dir selbst geil findest.
Heißer Tipp für vollere Lippen
Roter Lippenstift ist leider auch dafür bekannt, schmale Lippen zu machen. Nun – meiner Meinung nach stimmt das leider. ABER: Wer vollere Lippen will, kann natürlich auch tricksen. Das geht zum Beispiel durch das Übermalen mit einem roten Lipliner. Bei rot nehme ich IMMER einen wasserfesten – hellere Beige-Töne hingegen sind auch in der normalen Variante akzeptabel.
Auch das Vertuschen des Lippenstiftes an der Kontur ist eine zuverlässige Lösung für alle, die den Kussmund etwas voller erscheinen lassen wollen. So einen Look kann man richtig gut casual tragen. Da er etwas ausgeblendet ist, besteht hier kein Anspruch auf Perfektion und das macht den gesamten Make-up-Look etwas locker, aber dennoch extrem sexy. Am besten gelingt das Ausblenden mit einem kleinen Pinsel. Nach der richtigen Einarbeitung des Produktes, merkst du gleich wie weich und verspielt deine Lippen aussehen.
Der rote Lippenstift ist ein also kraftvolles Werkzeug, das Frauen weltweit ermächtigt und inspiriert. Mit der richtigen Schattierung und Anwendung kann er jeder Frau stehen. Garantiert. Es geht nicht nur darum, den perfekten Farbton zu finden, sondern auch darum, das Selbstvertrauen zu haben, ihn zu tragen. Der rote Lippenstift ist ein Statement und eine Hommage an die unzähligen starken Frauen, die ihn vor uns getragen haben.
Der nigerianische Künstler Idowu Oluwaseun verwebt in seinen Kunstwerken die kraftvolle Schönheit afrikanischer Frauen. Seine Arbeiten spielen an der Grenze zwischen Malerei und Mode. Er schafft eine kreative Kreuzung, die nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch inhaltlich tiefgründig. Oluwaseun nutzt seine Kunst als eine Bühne, um Frauen eine Stimme zu geben. Dabei will er ihre Weltanschauungen und Erfahrungen in den Vordergrund rücken, um die besondere Rolle der Frau in der afrikanischen Kultur zu beleuchten. Eines seiner Werke sah ich auf der art Karlsruhe – hier geht’s zu weiteren Highlights der diesjährigen Kunstmesse.
Als ich dieses gigantische Gemälde auf der art Karlsruhe sah, blieb ich wie angewurzelt stehen. Schnell bemerkte der zuständige Galerist mein Interesse – und wahrscheinlich auch meinen auf der Brust baumelnden Pressepass – und kam mit mir ins Gespräch.
Idowu Oluwaseuns Gemälde können in der Düsseldorfer Galerie Voss käuflich erworben werden. (Unbezahlte Werbung)
Idowu Oluwaseun hinterfragt Hierarchien – mit seiner Kunst
Ein prägnantes Beispiel für Oluwaseuns Ansatz ist sein Gemälde „Propped“ aus dem Jahr 2023. In diesem Werk fordert er konventionelle Machtstrukturen heraus. Er stellt eine Frau dar, die mutig auf zwei Hockern steht – ein Symbol, das traditionell mit Männern oder Monarchen assoziiert wird. Diese Darstellung ist ein bewusster Akt, der bestehende Hierarchien in Frage stellt, ohne dabei in direkte Vergleiche zwischen den Geschlechtern abzugleiten. Oluwaseun konzentriert sich vielmehr darauf, die innere Stärke, Widerstandsfähigkeit und das Können der Frauen in den Vordergrund zu stellen – und wenn du mich fragst, gelingt ihm das.
„Propped II“ Copyright: Galerie Voss
Ikonischen Frauen, wie etwa Funmilayo Ransome-Kuti, eine Vorreiterin für Frauenrechte und Schlüsselfigur im Kampf um Nigerias Unabhängigkeit, inspirieren den Künstler. Mit seiner Malerei erweckt Oluwaseun die Errungenschaften und den soziopolitischen Einfluss solch kraftvoller Frauen erneut zum Leben. Seine Werke strahlen eine dominante Aura aus und fangen das Wesen der porträtierten Frauen ein, deren Gesichter oft von Stoffen umhüllt sind. Diese Stoffe kommunizieren durch ihre Form und Farbe die individuelle Motivation der Frauen. Darüber hinaus verweisen sie auf die sozialen, kulturellen oder politischen Kontexte ihrer Regionen.
Oluwaseuns arbeitet mit der nigerianischen Modedesignerin Ejiro Amos Tafiri zusammen. Sie ist bekannt für ihre innovativen und kulturell verwurzelten Designs. Diese Kooperation verschafft seinen Gemälden eine neue Dimension. Tafiris Beitrag verleiht den Geschichten afrikanischer Frauen eine zusätzliche Tiefe und trägt dazu bei, das nigerianische Kulturerbe lebendig zu halten. Ihre Kleidungsstücke verstärken nicht nur die visuelle Anziehungskraft der Gemälde, sondern sind auch entscheidend für die Schaffung der individuellen Persönlichkeiten.
Indem Oluwaseun und Tafiri Hand in Hand arbeiten, bringen sie die reichen Erzählungen afrikanischer Frauen ins Rampenlicht und fordern den Betrachter dazu auf, ihre Erfahrungen und Beiträge zur Gesellschaft neu zu bewerten.
„Prestine II“ (2023) – Acryl auf Leinwand. Copyright: idowuoluwaseun.com
Idowu Oluwaseun und Ejiro Amos Tafiri: Mode als Ausdruck von Kultur und Tradition
Oluwaseun wurde 1982 in Lagos (Nigeria) geboren und ist derzeit in Houston (Texas) ansässig. Er vereint seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf und seine Leidenschaft für Themen wie Tradition und Identität, um einzigartige Porträts zu schaffen, die das Wesen afrikanischer Menschen einfangen. Tafiri, Absolventin des Yaba College of Technology und Gründerin ihres gleichnamigen Labels, bringt traditionelle afrikanische Kleidungsstile mit modernen Techniken zusammen und präsentiert ihre innovativen Kollektionen auf internationalen Bühnen.
Diese künstlerische Synergie zwischen Oluwaseun und Tafiri unterstreicht die Bedeutung von Mode als Ausdruck von Kultur und Tradition. Diese Verbindung von Mode und Malerei stellt die afrikanische Frau, ihre Geschichte und ihre unerschütterliche Stärke auf ein Pedestal. „Pedestal heißt auch die Bilderreihe von Idowu Oluwaseun – hier gibt es weitere Gemälde von ihm.
Letzter Tag art Karlsruhe. Lustlos, aber gut gelaunt schleppe ich mich zwei Stunden vor Feierabend hin. Ich hoffe gar nicht erst darauf, überrascht zu werden, denn ich meine, alles mögliche bereits gesehen zu haben. Dann betrete ich die Ausstellungshallen.
Luzius ZiermannLucia MattesLucia MattesSala LieberOh Schridde… Hab den Namen des Künstlers / der Künstlerin verschallert, weil der Galerist so attraktiv war.Frank Hauptvogel
art Karlsruhe: Chagall in die Fresse
Das erste was ich sehe, ist eine riesige Farblithographie von Chagall, die zum Verkauf steht. Meine Hände zittern, der Atem stockt. 88K soll sie kosten, wie der Herr aus der Galerie Rudolf mir auf Anfrage verrät. Recht bodenständiger Preis, auch wenn ich mit Chagall eine sehr komische Beziehung führe. Unfassbare Werke stellt diese Galerie zum Verkauf aus – unfassbare! Frecherweise hängt gleich daneben auch noch eine Landschaft von Otto Dix. Ich weiß, dass wenn ich jetzt nicht die Fliege mache, ich womöglich ohnmächtig werde.
Take My Money: Marc Chagall (1887-1985) „Romeo und Julia“. Farblithographie angeführt von Charles Sorlier auf Vélin d‘ Arche 1964. Auflage 200 Exemplare, signiert.
Ich liebe diese Kunstmesse, wtf?
Was ich auf der art Karlsruhe sehe, gefällt mir nicht nur. Es berührt mich und es inspiriert mich. Die Farben, die Innovationen und die Wege der Expressionen. Ich liebe es, ich kann nichts sagen. Ich bin wirklich überrascht. Das letzte Mal, als ich diese Messe (evtl. 2017?) besuchte, fand ich es nicht so knorke. Ich weiß nicht, warum. Ebendas war auch der Grund, weshalb ich diesmal keine Erwartungen hatte.
Idowu Oluwaseun – von ihm wirst du hier schon bald mehr lesen.Jochen Schambeck / Öl (!) auf LeinwandJochen SchambeckJunge, Junge… Hier ging mir so einer ab: David CernyMandira HelmichMandira HelmichBabak Saed: „Sehnsucht“ – so kraftvoll und berührendPeggy WautersFranziska Maderthaner
Sogar „welt.de“ schreibt: „Die art Karlsruhe hat sich behutsam erneuert, ohne ihr Erfolgsrezept zu verraten.“ Nachvollziehbar. Im Zentrum steht Klassische Moderne und die Kunst nach 1945. Davon gibt es auch reichlich. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich hinsehen soll. Alles ist so geil, so bunt, so voll von Zeitgeist und Energie. Ich liebe es, aber ich wiederhole mich.
Vor über einem halben Jahr zog ich nach Frankfurt am Main wegen meines Jobs. Ich brauchte erstmal Anlauf, aber ich habe in dieser Zeit die Stadt zu würdigen und zu lieben gelernt. Woanders will ich an diesem Punkt meines Lebens nicht sein. Die Mainmetropole hat mich aufgenommen und wir viben miteinander wie zwei verliebte Teenager. Diese Dinge liebe ich besonders an der Stadt:
Das macht mich an Frankfurt emotional
An Frankfurt liebe ich am meisten die Skyline. Klingt banal, ich weiß. Aber ich kann mich nicht an die Schönheit der gläsernen Hausfassaden gewöhnen. Immer wenn ich in meiner Redaktion arbeite und nach draußen blicke, überkommt mich ein Gefühl der Euphorie. Denn ich sehe von dort das Bankenviertel mit all seinen Wolkenkratzern und architektonischen Meisterwerken. Bei Nacht ist Frankfurt noch viel intensiver. Es raubt mir den Atem, auf die nächtliche Stadt zu blicken.
Die Kontroversen: Das, was mich anfangs noch so abgeschreckt hat, weiß ich mittlerweile zu schätzen. In Frankfurt siehst du sowohl den Glanz als auch die Schattenseiten des Lebens. Du erlebst täglich das Schöne und auch das Hässliche – das abgejunkte und nach Pisse stinkende und gleichzeitig das sanfte und unschuldige. Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber ich fühle mich gewissermaßen am Leben, wenn mir beide Extreme vor Augen gehalten werden. Sich da mittendrin aufzuhalten fühlt sich manchmal surreal und verrückt an – gleichzeitig aber auch so echt, wie kaum etwas anderes.
Guten Morgen, Frankfurt! So wunderschön ist es hier manchmal.
Das macht die Stadt so lebenswert für mich
Die Menschen: Bevor ich in die Mainmetropole zog, hatte ich Angst vor den Menschenmassen, die dir hier beispielsweise an der Zeil oder Konsti täglich begegnen könnten. Mittlerweile komme ich gut damit zurecht und liebe das Gefühl der Anonymität. Ich liebe es, dass es hier keine Sau bockt, wer ich bin und was ich mache. Ich liebe es aber auch, dass viele Menschen – vor allem junge Menschen – hier so unerwartet süß und zugänglich sind.
Stadtskandale habe ich schon immer geliebt. Genau genommen, über diese zu schreiben. In Frankfurt geht das natürlich etwas wilder zu, als beispielsweise in einem verkorksten Heidelberg. Stadtskandale aufzudecken, ist natürlich noch viel geiler, als nur von ihnen zu berichten. Das Letzte, was mir so gut gefiel, waren die Händler in der Kleinmarkthalle, die sich vom anstehenden Umbau hintergangen fühlen. Von diesem Termin habe ich lange nicht so viel erhofft, wie ich letztelendes bekommen habe. Besonders spannend waren auch die andauernden Recherchearbeiten und das ewige Warten auf ein Statement der Stadt.
Ja, auch das ist Frankfurt: Die Schwanheimer Düne genau genommen.
Auch die Natur in und um Mainhattan ist buchstäblich wild: Der Frankfurter Stadtwald ist wunderschön, die Schwanheimer Düne, der Taunuswald – hier gibt es genug zu sehen. Und wenn dir das nicht reicht, dann solltest du unbedingt diese Orte in Frankfurt besuchen.
Peter Paul Rubens, Venus vor dem Spiegel, um 1614–15
Venus, in der römischen Mythologie bekannt als die Göttin der Liebe, entstand aus der Inspiration durch die griechische Göttin Aphrodite. Mit anderen Worten: Die Römer schufen Venus, indem sie Aspekte von Aphrodite übernahmen und an ihre eigene Kultur anpassten. Dieser Vorgang, bei dem Elemente aus verschiedenen Kulturen übernommen und miteinander verschmolzen werden, war besonders in der Zeit des Hellenismus verbreitet. In der Hellenismus-Epoche nahm die griechische Kultur Einfluss auf Gebiete, die weit über die Grenzen Griechenlands reichten.
Venus wird vor allem als Göttin der Schönheit, Fruchtbarkeit und Liebe verehrt. Typischerweise wird sie mit Symbolen wie der Rose, der Myrte und dem Apfel dargestellt. Diese Attribute symbolisieren jeweils Liebe, Schönheit und Verführung. Darüber hinaus kann sie auch von Tieren begleitet sein, die für sie von Bedeutung sind, einschließlich der Taube, des Sperlings, des Kaninchens, des Delphins und des Schwans (wobei ich beim Schwan aufpassen würde – könnte nämlich oftmals der der Leda sein). Alle beigefügten Tiere repräsentieren verschiedene Aspekte der Liebe und Fruchtbarkeit.
Hier eine Darstellung der Venus von Lucas Cranach dem Älteren im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg: Man sieht die Göttin mit ihrem Sohn Amor als Honigdieb (1537).
Venus war nicht immer die Allegorie der Liebe und Schönheit
In ihren frühesten Anfängen wurde Venus gar nicht mit der romantischen Liebe assoziiert, sondern galt als Schutzpatronin des Garten- und Weinbaus sowie als Symbol für sinnliche Freuden und den Frühling.
Das lateinische Wort „venus“, aus dem ihr Name stammt, bezieht sich auf Konzepte der Anziehung und Schönheit und ist verwandt mit Worten wie „venustas“ (Anmut), „venerari“ (verehren) und „venos“ (Huld und Liebreiz), die alle aus derselben sprachlichen Wurzel kommen. Ursprünglich bezeichnete „venus“ einen allgemeinen Zauber oder Charme, bevor es zur Personifizierung in der Figur der Göttin Venus kam.
Zahlreiche Mythen und Legenden, die sich um Venus ranken, bieten Künstlern und Schriftstellern viel Spielraum für Interpretationen. So kann die Darstellung der Venus in der Kunst je nach Zeitperiode und künstlerischem Kontext stark variieren, was ihre Rolle und Bedeutung in der jeweiligen Kultur widerspiegelt.
Paul Peter Rubens: Venus vor dem Spiegel
Kommen wir zu Rubens‘ Venus: Haut so zart wie Seide, Haar, das wie Gold im Licht schimmert. Paul Peter Rubens lässt in seinem Gemälde „Venus vor dem Spiegel“ die Göttin der Schönheit in all ihrer Pracht erstrahlen. Dabei erweckt der Künstler den Eindruck, als würde die sinnliche Schönheit direkt den Betrachter anblicken.
Peter Paul Rubens, Venus vor dem Spiegel, um 1614–15, Copyright: LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz-Vienna
In seiner meisterhaften Darstellung von nackter Haut und glänzendem Haar hat Rubens die Venus inszeniert und schafft damit ein Sinnbild der Schönheit schlechthin. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird durch den prominenten Spiegel auf Venus gelenkt, das ihr Antlitz wie ein Porträt rahmt.
Ein weiterer Blickfang sind die wenigen, aber kostbaren Schmuckstücke, die eher zur Unterstreichung ihrer Nacktheit als zur Beeinträchtigung ihrer natürlichen Blöße dienen. Die subtile Malweise von Rubens ist unverkennbar und trägt maßgeblich zu den sinnlichen Qualitäten des Gemäldes bei. Man beachte dabei das sanft eingearbeitete Wangenrot der Göttin, sowie auch das zart andeutende Gewand, das ihre Hüften umschmeichelt.
Das Motiv des Spiegels gibt in diesem Gemälde den Ton an. Doch diese Darstellung, in Verbindung mit Venus und Amor, war nicht exklusiv für Rubens reserviert. Auch Tizian und Veronese griffen auf dieses Thema zurück und dienten somit als Inspiration für Rubens.
Die schöne Venus: Was bedeutet der vorgehaltene Spiegel?
Ob der von Sohnemann Amor vorgehaltene Spiegel eine tiefgreifende Bedeutung trägt, kann ich nicht so genau einschätzen. Es bietet sich allerdings durchaus an, über die Symbolik des Spiegels nachzudenken. Die Künstlerin Lea Finke hat in ihrem coolen Blog (Quelle unten) den Spiegel als Bedeutungsträger in der Kunst thematisiert. Das könnte laut ihr die Darstellung eines Spiegels bedeuten:
Erkenntnis: Der Spiegel als Symbol der Selbsterkenntnis sowie die Suche nach der Wahrheit.
Illusion: Die Darstellung eines Spiegels kann auch das genaue Gegenteil Bedeuten, nämlich Illusion und Täuschung.
Vergänglichkeit: Oftmals soll ein Spiegel in der Malerei auch daran erinnern, dass die Jugend nicht ewig währt.
Schönheit: „Von der Antike bis zur Gegenwart haben Künstler den Spiegel als ein ikonisches Symbol der Weiblichkeit und Schönheit genutzt. Die römische Göttin Venus wird oft mit einem Spiegel dargestellt, der ihre Schönheit und ihr Selbstbewusstsein betont“, schreibt Finke. In der Porträtmalerei diene der Spiegel oftmals als Requisit zur Unterstreichung der Attraktivität des Dargestellten. Klingt doch passend zu unserer Rubens-Venus, oder?
Hier gibt es sie zu sehen
Wer die zarte Venus mit dem Spiegel von Paul Peter Rubens aus nächster Nähe bestaunen will, sollte sich die Sonderausstellung „HERKULES DER KÜNSTE Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein und das Wien um 1700“ nicht entgehen lassen. Sie startet am 16. Februar und endet am 1. April 2024 im Gartenpalais Liechtenstein, Fürstengasse 1, 1090 Wien.
Quellen:
Der weibliche Akt im Kontext am Beispiel der Venus: Eine Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines Masters der Geisteswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz – vorgelegt von Patrick Hämmerle, BA.
presseportal.de: Sonderausstellung HERKULES DER KÜNSTE (16. Februar bis 1. April) im Gartenpalais Liechtenstein
Giovanni Bellini, auch als Giambellino oder Gian Bellin bekannt, war ein venezianischer Maler. Er wurde etwa 1437 in Venedig geboren wurde starb ebenda am 29. November 1516. Er war nicht nur Künstler, sondern auch ein wichtiger Akteur in der Gründung der venezianischen Schule der Frührenaissance. Diese initiierte er gemeinsam mit seinem Bruder Gentile Bellini. Darüber hinaus war er ein raffinierter Geschäftsmann.
Tizian: Das Porträt des großen Giovanni Bellini (1511/1512)
Das Schicksal machte Giovanni Bellini zum Künstler
Giovanni Bellini kam aus einer Familie von Künstlern. Sein Vater Jacopo Bellini war ebenfalls ein begnadeter Maler. Die Anfänge Giovannis als Maler waren stark geprägt durch den Stil seines Schwagers Andrea Mantegna. Durch ihn kam Giovanni in Berührung mit dem Werk des großen Francesco Squarcione und den Skulpturen von Donatello. Diese beiden Männer waren sehr einflussreiche Akteure der italienischen Renaissance.
Giovanni Bellini: Der Doge Leonardo Loredan (1438-1521) mit seinen vier Söhnen (1507), Gemäldegalerie Berlin. Leider extrem beschissener Zustand.
Das Geschäft boomt: Bellini vervielfacht Andachtsbilder
Kommen wir zu Giovanni’s eigenen Werken: Den größten Teil seines Repertoires bildeten Andachtsbilder, insbesondere Darstellungen von Madonna mit Kind. Für diese Bilder ließ er sich von griechischen und byzantinischen Ikonen inspirieren. Die flachen Gemälde, meist religiösen Inhalts, waren im damaligen Venedig weit verbreitet. Allerdings verwandelte Bellini diese traditionellen Bilder in Werke voll emotionaler Tiefe und manchmal auch gefühlsbetonter Beziehung zwischen Mutter und Kind.
Der Geschäftsmann in ihm kam zum Vorschein, als er eine Methode entwickelte, die Bilder schnell und effizient zu vervielfältigen. Der Gute benutzte Schablonen und Karton-Vorlagen, um die Grundumrisse der Figuren festzulegen. Manche Arbeitsschritte, wie etwa Grundierung, überließ er wohl seiner Werkstatt. Bei einigen Gemälden malte Bellini nur die Pigmentschicht oder prüfte gar nur die Qualität des fertigen Bildes. Diese werden heute üblicherweise der Bellini-Werkstatt zugeschrieben.
Giovanni Bellini: „Beweinung Christi“ oder „Der Leichnam Christi von Maria und Johannes gehalten“, 1490 – 1500, Gemäldegalerie Berlin
Giovanni Bellini: Entwicklung des Portraits
Neben diesen Andachtsbildern war Giovanni Bellini maßgeblich an der Entwicklung des Portraits in der venezianischen Malerei beteiligt. Hierbei wurde er durch Antonello da Messina beeinflusst, einen sizilianischen Maler. Dieser bevorzugte, ähnlich wie Bellini, das Dreiviertelprofil. Die Idee der Landschaft im Hintergrund übernahm Giovanni Bellini ebenfalls von ihm und hob es auf ein höheres Level. Hie und da erblickt man bei ihm nämlich zusätzlich zur Landschaft auch noch außergewöhnliche Architekturelemente.
Giovanni Bellini: Maria mit Kind zwischen Johannes d.T. und einer Heiligen (1500–1505), 55 x 77 cm; Venedig, Gallerie dell’Accademia.
Höhepunkt und Verlust seiner Gemälde
Im Jahr 1483 erreichte Giovanni Bellinis Karriere einen Höhepunkt: Er wurde zum offiziellen Maler der Republik Venedig ernannt. Gleich darauf bekam er den Auftrag zur Ausmalung des Sala del Maggior Consiglio im Dogenpalast.
Leider gingen viele seiner Werke bei einem Großbrand im Dogenpalast 1577 verloren. Dann stahlen Unbekannte 1993 eines seiner Bildnisse der Madonna mit Kind (1480) aus der Cappella Valier der Kirche Madonna dell’Orto in Cannaregio. Bis heute konnte niemand das Gemälde auffinden. Trotz dieser Verluste bleibt Bellini eine unvergessliche Figur in der Geschichte der Kunst.