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Kunst

Skandal! Baldungs Madonna macht Furore

Die unkonventionelle Darstellung der stillenden Madonna von Hans Baldung beeindruckt durch ihre absichtliche Künstlichkeit. Auch die stilisierte Abweichung von einer natürlichen Darstellung verleiht dem Gemälde das „gewisse Etwas“. Besonders auffällig sind die intensiven Lichtkontraste und Farben. Ebenso ungewöhnlich sind die exotisch-luxuriösen Akzente und die stark sinnliche Anziehungskraft.

Durch gewagte Elemente wie den Papageienbiss und die Berührung der Brust durch die Lippen des Jungen hat Baldung seiner Darstellung sinnliche Bedeutungen verliehen. Diese geht weit über das Sehen hinaus. Als ich vor dem Gemälde stand, fesselte es mich und ließ mich gar nicht mehr los.
In dieser Darstellung pickt der Papagei, der traditionell das „Ave“ sagt, Maria in den Hals. Damit stellt er ihre Jungfräulichkeit dar. Gleichzeitig zeigt der Christusknabe mit Heiligenschein geradezu ihre Brustspitze. Währenddessen schaut der Knabe intensiv in Richtung des Betrachters.

Hans Baldung greift bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück

Ein schwebender Engel mit verschmitztem Gesichtsausdruck berührt gerade Marias durchsichtigen Schleier. Es lässt sich nicht genau deuten, ob er das Marienhaupt enthüllt, oder es verschleiert. Das Gemälde hat etwas Geheimnisvolles an sich, das schwer zu greifen ist. Auch dieses Gemälde einer Baldung-Madonna hat es in sich.

Obwohl das Andachtsbild von Hans Baldung ungewöhnlich und neuartig erscheint, griff er bewusst auf ältere Bildtraditionen zurück. Er veränderte bekannte Darstellungsweisen, Bilder und Attribute. Darüber hinaus wählte er das Bild einer stillenden Muttergottes, das im Mittelalter sehr beliebt war. In diesem Bild wurde Marias mütterliche Liebe dargestellt. Auch ihre lebensspendende Kraft und ihre Rolle als Fürsprecherin für die sündige Menschheit wird in diesen Darstellungen am deutlichsten.

Die stillende Madonna mit Kind und Papageien von Hans Baldung
Maria mit Kind und Papageien (1533) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von Hans Baldung, auch Grien genannt (1484/85-1545) Oberrhein, Straßburg. Hierbei handelt es sich um Malerei auf Lindenholz. Maße: Höhe 91,5 Zentimeter; Breite 63,3.

Unangemessen: Baldungs Bilder wurden vollständig entfernt

Es ist schwer zu sagen, inwieweit Baldungs persönliche Interpretation des Bildes auf die Wünsche eines elitären Auftraggebers zurückzuführen ist. Es gibt nämlich keine schriftlichen Aufzeichnungen, die darüber Aufschluss geben. Baldung malte das Bild im Jahr 1533 in Straßburg. Diese Stadt galt bereits zwei Jahrzehnte vor der Reformation im Jahr 1524 als ein Zentrum der evangelischen Bewegung. Zwischen 1526 und 1530 verschärfte sich die Situation weiter. Die Messe wurde abgeschafft. Die Bilder – vollständig entfernt, nachdem der Bildersturm nur auf als unangemessen angesehene Bilder abgezielt hatte.

Die Darstellung der stillenden Maria war in diesem Kontext besonders heikel, da gerade dieses Motiv als eines der anstößigsten angesehen wurde. In Straßburg haben Marienbilder, ähnlich wie Baldungs Gemälde aus Nürnberg, Kontroversen ausgelöst. Zum Beispiel wurden im Jahr 1541 Kunstexperten in die Werkstatt des Straßburger Malers Jost Krieg von Barr geschickt, um seine Bilder zu begutachten.

Stillende Maria mit Papageien: Hatte der Künstler eine Strategie?

Sollten seine Marienbilder „schandtlich und entblößt gemalet“ sein, solle man ihm dies untersagen (Rott 1936, S. 227). Es ist möglich, Baldungs nachreformatorische Madonnenbilder als einen Versuch zu interpretieren, ein Bildthema, das in die Kritik der Reformation geraten war, aber in der Tradition eine zentrale Rolle spielte, durch die künstlerische Darstellung zu bewahren. Es könnte eine Strategie gewesen sein, dieses umstrittene Motiv der stillenden Maria in einer künstlerischen Form wiederzubeleben und gleichzeitig die religiösen Bedenken zu umgehen, die mit der traditionellen Darstellung verbunden waren.

Die künstliche Darstellung in Baldungs Werken lässt vermuten, dass er möglicherweise einen exklusiven Kreis von Altgläubigen ansprach. Diese Interpretation kann jedoch nicht durch historische Quellen gestützt werden kann. Es ist denkbar, dass Baldung durch seine Herkunft aus einer Gelehrtenfamilie mit einflussreichen Verbindungen zum habsburgischen Hof und zur katholisch gebliebenen Universität Freiburg einen Kundenstamm entwickelte, den er auch nach der Reformation weiter bediente. Diese Verbindungen könnten dazu beigetragen haben, dass er einen Markt für seine Kunstwerke fand, die die traditionelle religiöse Ikonografie beibehielten. Solche Darstellungen wurden womöglich von Altgläubigen geschätzt.

Ausstellungsfilm "Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens" | AM
Andere Werke des Künstlers: Ausstellungsfilm des Freiburger Augustinermuseums „Geheimnisse der Bilder. Die Gemälde Hans Baldung Griens“

Was war das Ziel von Hans Baldung?

Die Betrachtung von Weber am Bach aus dem Jahr 2006 interessiert sich für die mögliche Verbindung zwischen der betonten Fleischlichkeit in Baldungs Gemälde und der Straßburger Synode gegen die Täufer im Jahr 1533. Gemäß dieser Interpretation könnte das Gemälde dazu dienen, die „Zwei-Naturen-Lehre“ Christi und die Mutterschaft Mariens zu bekräftigen. In diesem Zeitabschnitt wurde sie von Täufern in Frage gestellt.

Ziel des Künstlers könnte es sein, diese zu bekräftigen und in ein entsprechendes Andachtsbild zu übersetzen, das sowohl neue als auch traditionelle Kunstliebhaber anspricht. Dies könnte eine weitere mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Darstellung von Baldungs Werk sein und auf eine gezielte theologische Botschaft hinweisen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Deutung spekulativ ist, da es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, die Baldungs Absichten bei der Schaffung des Gemäldes eindeutig belegen könnten.

Baldungs Gemälde könnte nach dieser Theorie als ein theologisches Bekenntnis zur wahren Mutterschaft Mariens betrachtet werden. Es scheint, dass die Auftraggeber und Käufer solcher eigenwilligen Werke eine Vorliebe für gewagte und hintergründige Meisterwerke des berühmten Straßburger Malers hatten.


Verwendete Quellen: Objektkatalog des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg

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Reisen

Greffern? Wtf ist Greffern?

Greffern: Die Nähe zu Baden-Baden und Rastatt macht diesen Ort besonders attraktiv, aber lässt ihn auch gleichzeitig etwas verblassen. Denn Natur, Wald und Gewässer gibt es in dieser Region en masse. Greffern hat jedoch etwas Einzigartiges an sich, das es nur dort zu finden gibt – nämlich künstliche Gewässer und Wanderwege in beträchtlicher Anzahl.

Kleines Boot treibt auf dem Baggersee in Greffern
Die stille Idylle im Winter: An diesem Ort hört dich niemand schreien – Spaß, da sind schon viele Gassi-Gänger unterwegs.

Das ist die Geschichte von Greffern

Greffern, seit 1974 ein Ortsteil von Rheinmünster, ist ein kleines Dorf in Baden-Württemberg. Im Jahr 2018 zählte es 2051 Einwohner und ist damit der größte Ortsteil in der Gemeinde. Das Dorf liegt rechtsrheinisch am Rhein und grenzt unmittelbar an Frankreich. Südwestlich erstreckt sich der Altrheinarm Kirchhöfel, während westlich der Grefferner Altrhein zu finden ist. Auf der anderen Seite des Rheins liegen Dalhunden und Drusenheim.

Greffern im Sommer: Ein kleiner Steg am Wasser und der sich andeutende Sonnenuntergang in der Ferne
Der Traum im Sommer: Dank der vielen Gewässer ist auch die Flora und die Fauna entsprechend vielfältig – auf diesem kleinen Steg traf meine Mutter mal auf eine Wasserschlange. Sie kommt bis heute nicht auf diese Begegnung klar.

Die Geschichte von Greffern ist eng mit dem Rhein verbunden. Vor der Rheinbegradigung musste das Dorf mehrmals verlegt werden, aufgrund der ständig wechselnden Flussverläufe. Im Jahr 2005 wurde der Polder Söllingen/Greffern fertiggestellt, um die unbesiedelten Rheinauen zwischen Freistett und Hügelsheim gezielt zu überfluten und somit zum Hochwasserschutz beizutragen. Das bedeutet, dass während wir hier in Hessen halber ertrinken – zumindest die Schafe – die Bewohner von Greffern friedlich durch die Wälder wandern können, ohne dabei auf Hochwasser zu stoßen.

Sommerliche Pflanzen an einem klaren See
Auch diese Aufnahme machte ich im Sommer – zu dieser Jahreszeit gibt es natürlich viel mehr Action an den Gewässern. Endeckt habe ich dort schon sämtliche Enten, Schwäne, Fische, Insekten, ein Ree, einen verwöhnten Chihuahua und weitere.

Mit der Fähre nach Frankreich

Die Geschichte von Greffern reicht bis in die römische Zeit zurück. In der Nähe der Schule wurde ein römisches Fundstück, vermutlich ein Altarstein, öffentlich aufgestellt und zeugt von dieser langen Geschichte. Obwohl ich mit Valentina dort hin und wieder Gassi gehe, habe ich diesen Stein noch nie gesehen. Egal, nächstes Mal achte ich besser drauf. Erfahre hier, wo der Hund in Frankfurt am liebsten Gassi geht.

Von Greffern aus gibt es eine Fähre, die den Rhein nach Drusenheim in Frankreich überquert. Dies verbindet die beiden Gemeinden auf charmante Weise und ermöglicht eine grenzüberschreitende Erkundung. Natürlich ist auch der Spaßfaktor nicht gerade gering, wenn man innerhalb von 5-10 Minuten Bootsfahrt in einem anderen Land steht.

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Reisen

Die besten Aussichtspunkte in Porto 

Es gibt wohl tausende Aussichtspunkte in Porto. Doch von diesen erlebst Du die Stadt in ihrer vollen Pracht. Jeder einzelne Aussichtspunkt (bis auf den letzten) hat mich berührt und hat sich in meinem Herzen ganz tief verankert.

Porto bei Nacht: Brücke und Kloster

Mosteiro da Serra do Pilar: Steht man auf dem Gelände des historischen Nonnenklosters der Nossa Senhora da Serra do Pilar, so hat man die wahrscheinlich schönste Aussicht auf ganz Porto. Und das, auch wenn man sich hier genau genommen gar nicht mehr in Porto befindet, sondern auf der anderen Flussseite – in Vila Nova de Gaia. Als ich dort oben stand, war es schon dunkel und ich durfte die tausend Lichter der Stadt erblicken. Von dort hörte ich sogar die Sängerin, die ihre eigenen Songs am Flussufer von Porto sang.

Ein wunderbarer Aussichtspunkt in Porto: Das historische Nonnenkloster Mosteiro da Serra do Pilar
Auf diesem Bild sind beide Aussichtspunkte vereint: Hier stehe ich auch der Ponte Dom Luís I und fotografiere den Mosteiro da Serra do Pilar. Der Ausblick auf die Stadt ist im Teaserbild zu sehen.

Ponte Dom Luís I: Da diese Brücke sich ganz in der Nähe des Klosters Mosteiro da Serra do Pilar befindet, kann man das historische Bauwerk auch von hier aus wunderbar begutachten. Darüber hinaus scheint man regelrecht über dem Fluss Douro zu schweben, während man auf der „zweiten Etage“ der Ponte Dom Luís I steht. Von hier aus hatte ich den Panoramablick über Porto und auch Vila Nova de Gaia. Die Brücke selbst ist natürlich ebenfalls ein wahrer Hingucker. Geplant wurde sie nämlich von Théophile Seyrig – Gustave Eiffels Geschäftspartner.

Aussichtspunkte in Porto, die ich nie vergessen werde

Igreja e Torre dos Clérigos: In dieser Kirche kann man ein kleines Kirchenmuseum und nachts die „Spiritus“-Lichtershow besuchen. Beides habe ich gemacht – am besten gefiel mir jedoch der Ausblick aus dem Kirchturm. Nach dort oben führen ein paar Treppen und ist man erstmal im Turm angekommen, kann man über die gesamte Stadt blicken. Ein fantastischer Aussichtspunkt – und das mitten in der City.

Panoramablick über die gesamte Stadt: Porto im Nebel
Porto badete im Nebel… Das Reisen außerhalb der Saison hat aber auch etwas Gutes: Es sind viel weniger Menschen unterwegs und man lernt viele Einheimische kennen.

Vom Boot: Wird in einer Stadt, durch die ich gerade reise, eine Bootsfahrt angeboten, dann bin ich am Start. Auch während meiner Kunstreise habe ich mehrere Bootsfahrten gemacht, die mir bis heute in Erinnerung geblieben sind. Die jeweiligen Ausblicke sind anders wild – so insbesondere der Ausblick auf Porto und dessen Promenade. Mit dem Boot machte ich eine große Runde auf dem Douro und durfte währenddessen sogar ein paar Fakten zu den Brücken erfahren. Die Stadtgeschichte kam bei dieser Rundfahrt ebenfalls nicht zu kurz.

Während meiner Bootstour konnte ich diese Stadt in Portugal aus einer ganz neuen Perspektive sehen.
Die kleinen Häusergruppen waren das Süßeste, das ich je gesehen hatte. Ich hatte in dieser Stadt einfach durchgehend Glücksgefühle.

Ausblick auf die gesamte Stadt

Kleine Aussichtsplattform neben der Igreja da Misericórdia: Diesen Aussichtspunkt entdeckte ich völlig unverhofft. Doch er berührte mich um so mehr, da es mein erster Tag in Porto war. Als Orientierungspunkt habe ich mir die Kirche aus dem 16. JH gemerkt – die Igreja da Misericórdia. Es war ein schönes Erlebnis – und vor allem auch ein unvergesslicher Ausblick über all die roten Dächer Portos. Obwohl es regnete hatte ich hier ein breites, wenn auch nasses, Grinsen im Gesicht.

Ausblick von einer Aussichtsplattform in Porto. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe der Kirche, die ich im Text beschreibe.
Ist das nicht traumhaft? Auf dieser kleinen Aussichtsplattform spürte ich erstmals den Spirit von Portugal.

Seilbahn neben dem Mosteiro da Serra do Pilar: Da wären wir wieder – bei dem historischen Nonnenkloster in Vila Nova de Gaia. Unterhalb des gigantischen Bauwerks befindet sich eine Seilbahn. Ich wette ein Tütchen Gras darauf, dass man von hier aus einen ganz berauschenden Ausblick auf Porto und den Douro hat. Ich selbst bin die Seilbahn nicht gefahren, denn ich kam buchstäblich eine Minute nach Feierabend. Aber wäre ich nicht zu spät gekommen, hätte ich nie diese Bekanntschaft gemacht.

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Kunst

Gemäldegalerie Berlin: Giovanni Bellini’s Maria

Dieses Gemälde von Giovanni Bellini wurde während einer Phase in seiner Karriere geschaffen, in der er noch stark von dem Stil seines Schwagers Andrea Mantegna beeinflusst war. Dennoch zeigt Bellini in seinem Kunstwerk seine eigenen kreativen Lösungen.

Gemälde wird Bellini’s Werkstatt zugeschrieben

Dass die Landschaft in dem Berliner Gemälde, bei dem das intensive Licht zurückhaltender ist, deutet möglicherweise auf das Werk eines seiner Studenten. Eine andere Version dieses Gemäldes, die sich heute im Rijksmuseum in Amsterdam befindet, lässt erkennen, dass der Künstler bereits an der Reproduktion seiner eigenen Werke arbeitete. Immerhin ist Giovanni Bellini bekannt dafür, seine Andachtsbilder – vor allem die Madonnen – in mehreren Versionen hervorgebracht zu haben, um die Effizienz seiner Bildproduktion zu erhöhen.

Andachtsbilder sind meistens gemalte oder geschnitzte Bilder von religiösen Geschichten und Ereignissen aus dem Christentum. Sie sollen den Gläubigen helfen, in ihrem Glauben zu meditieren und zu beten. Oft zeigen diese Bilder Szenen aus dem Leben und Leiden von Jesus Christus, Maria und den Heiligen.

Während meiner Kunstreise sag ich in der Berliner Gemäldegalerie Giovanni Bellinis Madonna
Giovanni Bellini (um 1435 bis 1516) und Werkstatt in der Berliner Gemäldegalerie: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht – um 1460

Giovanni Bellini: Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung steht

Typisch Bellini ist für mich persönlich in diesem Bild die Brüstung, die zwischen dem Betrachter und der heiligen Madonna eine Distanz schafft. Jesus wiederum steht symbolisch auf der mutmaßlichen Balustrade, um die Verkörperung des sowohl menschlichen als auch himmlischen zu verdeutlichen. Darüber hinaus ist die Landschaft hinter den beiden Figuren sehr ausdrucksstark und erinnert mich an andere Werke Bellinis. Was natürlich nicht zu bedeuten hat, dass er dieses Werk alleine gemalt hat.

Als ich dieses Bild in der Gemäldegalerie – die für mich Grund genug ist, Berlin zur geilsten Stadt der Bundesrepublik zu ernennen – sah, wurde ich ganz starr. Das Gemälde der venezianischen Meisterwerkstatt kannte ich bisher nur aus den Büchern. Direkt davor zu stehen, und jeden kleinen Pinselstrich von Bellini und seiner Werkstatt zu begutachten, ist natürlich anders wild.

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Kunst

So sexy ist „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in München war, fiel mir das Gemälde „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael (1566-1638) sofort auf. Ich habe viel in meinem Leben gesehen, doch etwas faszinierte mich an diesem Kunstwerk. War es die Dramatik? Waren es die unverschämt gut geformten Körper der dargestellten Figuren?

Das ist auf dem Bild „Die Sintflut“ von Joachim Wtewael zu sehen

In einer schönen Landschaft, die an einen fjordartigen* Ort erinnert, sieht man Menschen in großer Not. Die auf dem Gemälde abgebildeten Männer und Frauen sind nackt und zeigen ihre übermäßige Angst mit pathetischen Gesten. Das Wasser scheint schnell anzusteigen – die Figuren suchen verzweifelt Schutz auf den Felsen und in den Bäumen.

Auf der linken Seite im Vordergrund sehen wir einen Baum, den ein Mann versucht zu erklimmen, um sich vor dem Wasser zu retten. Ganz unten links sitzt eine Mutter mit ihrem Kind. Sie versucht vergebens unter ihrem Tuch Schutz zu finden.

In der Mitte vorne ist eine Gruppe von vier Menschen, die hektisch gestikulieren und nach Hilfe suchen. Und auf der rechten Seite sieht man zwei Eichenbäume, auf die Männer klettern, um sich vor dem steigenden Wasser zu retten. Die Szene ist sehr dramatisch und voller Spannung.

Dieses Gemälde des niederländischen Künstlers Joachim Anthonisz Wtewael (1566 bis 1638) heißt "Die Sintflut". Es wurde um 1590/1600 gemalt und es handelt sich hierbei um Öl auf Leinwand. Derzeit hängt das Kunstwerk im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Das Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphose.
Wtewael, Joachim Anthonisz. (1566-1638) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung. Öl auf Leinwand – um 1590/1600

Ikonographische Beschreibung des Gemäldes

Joachim Wtewaels Gemälde beschreibt nicht die biblische, sondern die mythologische Sintflut nach Ovids Metamorphosen: Rechts auf der Anhöhe bringen die Göttin Iris und der bärtige Aeolus Wasser und Wind. Die sündigen Menschen versuchen, sich vor den Fluten zu retten.

Durch die unnatürliche Farbpalette soll, laut Germanischem Nationalmuseum, das Gekünstelte im Bild betont werden. Diese im niederländischen Manierismus beliebte Darstellung diente Wtewael zur Erprobung extremer Posen. In Robustheit und Volumen zeigen die Aktdarstellungen den Einfluss Michelangelos

Als ich das Werk von Joachim Wtewael sah

Als ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vor diesem Gemälde stand, fiel mir – neben all den Wahnsinns-Körpern – sofort ins Auge, wie individuell der Künstler die Komposition gestaltete. Ebendiese gepaart mit dem Schattenspiel, das sich bei Wtewael in der Muskulatur der Dargestellten widerspiegelt, sorgt meines Achtens für die nötige Portion Dramatik in dem Gemälde.

Im Germanischen Nationalmuseum sah ich auch mehrere bedeutsame Werke von Lucas Cranach d.Ä.


*Fjord: Ein Fjord ist wie eine lange Bucht im Land. Er entsteht, wenn ein Gletscher vom Meer ins Land hineinwandert und ein tiefes Tal hinterlässt. In Norwegen und anderen Orten nennt man solche Meeresarme Fjorde.

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Reisen

Mit dem Fahrrad nach Porto – eine „kleine“ Reise

Portugal badet in Regenschauern – und ich bin mitten drin. Meine Mutter macht sich Sorgen, aber ich beruhige sie mit den Worten „Eine Reise lässt sich planen – ein Abenteuer nicht“. Nach 28 Jahren hinterfragt sie gar nichts mehr von dem, was ich von mir gebe. Ich entschied mich dazu, mit dem Rad von A Ver-o-Mar nach Porto zu fahren. Zunächst legte ich aber einen Fußmarsch von anderthalb Stunden zurück, um zum nächsten Fahrradverleih zu kommen. Dort angekommen ging die Reise los.

Das Navi zeigte circa 2 Stunden Fahrradfahrt an – die gesamte Kurzreise sollte sich entlang des Strandes erstrecken. Also vertraute ich auf meine Intuition und ließ Google Maps ausgeschaltet, um Akku zu sparen. Vier Stunden später war ich noch immer unterwegs. Ich dachte, dass mein Hintern sich bald von mir verabschiedet und verkündet, dass wir nun getrennte Wege gehen sollten.

Auf dem Bild ist ein Holzsteg zu sehen, der sich entlang des Atlantischen Ozeans in Portugal erstreckt. Er ist mit Sand bedeckt und der Himmel ist grau.
Der Blick zurück: Im Hintergrund siehst du den monströsen Wellenbrecher von Póvoa de Varzim unter grauem Himmel.

Der Weg nach Porto: Ein Naturerlebnis mit Ozeanblick

Doch was ich während der verhältnismäßig langen Fahrt erlebt habe, kann ich nur schwer in Worte fassen. An der Küste Portugals finden Fußgänger zahlreiche Holzstege, die mitten durch die Natur führen. Von den meisten Stegen kann man den Atlantischen Ozean in all seiner Kraft und Pracht sehen. Nicht auf allen Wegen sind Fahrräder erlaubt, aber es gibt immer Möglichkeiten, sie zu umfahren. 

Also fuhr ich durch die kleinen Dörfer, durch die Dünen und durch all die Landschaften, die mein Auge noch nie erblickt hatte, während ich die Zeit, die Arbeit und all das andere, was mich davon abhält, wild zu sein, vergaß. Hier in Portugal ist es wirklich schwer, nicht stehen zu bleiben und inne zu halten. Mir begegneten viele Menschen, die auf einer Anhöhe standen und mit dem freien Blick in den Ozean in seine gigantischen Wellen hinein meditierten.

Zwei kleine Häuser mit Fliesenfassaden in einem portugiesischen Dorf auf dem Weg nach Porto.
Hier fuhr ich durch eines der portugiesischen Dörfer. Da ich dort zur Zeit der Siesta entlang fuhr, nahm ich die wunderbarsten Düfte der regionalen Küche wahr.

Ein Moment in Portugal: Die Macht des Ozeans

Als ich ihrem Beispiel folgte und meine Gedanken im Ozean versenkte, spürte ich diese aufkommende innere Freude. Sie entflammte allerdings aus dem Abgründen meiner Seele. Während ich die meterhohen Wellen nämlich bestaunte, war ich mir dessen völlig bewusst, dass jede davon mich mit Leichtigkeit verschlucken könnte. Dieser Gedanke ließ mich so bedeutungslos wie nur selten fühlen und die Erkenntnis dessen machte mich frei von all dem, was noch nie eine Rolle gespielt hatte.

Wie lange dieses Gefühl anhalten würde, war unklar. Deutlich spürte ich aber dieses Leuchten in meinen Augen, das ich auch bei meinem Vater beobachtete, während er durch die stürmischen Wellen des Schwarzen Meeres segelte. Es ist jedes Mal das Wasser und dessen Macht über den Menschen, das sich in den Augen widerspiegelt.

Der Atlantische Ozean und ein Holzsteg, der an der Küste entlang führt umgeben von Pflanzen und Gestein.
Die Schönheit dieser Natur ließ mich erstarren. Ich verliebte mich sofort in das Zusammenspiel der Gesteine, der scheinbar unberührten Natur und natürlich des Ozeans.

So lange brauchte ich mit dem Fahrrad nach Porto

Diese lockende, gar beängstigende Schönheit des Ozeans ist hypnotisierend und offenbar auch der beste Grund dafür, weshalb ich von A Ver-o-Mar nach Porto knapp fünf Stunden gebraucht hatte. Könnte natürlich aber auch teilweise daran gelegen haben, dass in einem Abschnitt der Holzsteg komplett mit Sand überschüttet war und ich das Fahrrad ein paar Kilometer lang schieben musste. Vielleicht war der – teilweise heftige – Wind für diesen sandigen Zwischenfall verantwortlich – vielleicht war es aber auch so gedacht. Ich werde es wohl nie erfahren.

Mit dem Fahrrad nach Porto: Ein Einmaliger Ausblick auf den rauschenden Atlantischen Ozean
Auch war ein Wegabschnitt des Holzsteges mit Treppen versehen, was mich dazu brachte, das Fahrrad zu packen und damit über das am Rande liegende Gestein zu klettern. Nichts für schwache Schultern – oder Nerven.

Aber ich genoss auch das Fahrrad-Schieben durch den scheinbar ewigen Sand. So konnte ich die Agaven, Kakteen und Silbergräser besser bestaunen und lernte auf meinem Weg auch einen hilfsbereiten Einheimischen kennen. Mir fiel schnell auf, dass die Portugiesen, die mir begegneten, sehr freundlich, interessiert und aufmerksam waren. In ihrem Land fühlte ich mich zu jeder Zeit willkommen und war von ihrer offenen, entspannten und lebendigen Art sehr angetan.

Mit dem Fahrrad nach Porto: Am Ende des Tages wartete auf mich der schönste Sonnenuntergang
Hier sah ich die untergehende Sonne in Porto und plötzlich wurde es ganz still um mich. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich noch gar nicht ahnen können, dass das erst der Beginn eines Abenteuers war.

Nachdem ich mich halbwegs traute, in den Wellen des Ozeans baden zu gehen, erreichte ich zum Sonnenuntergang Porto und buchte mir dort auf die Schnelle eine Übernachtung in einem Hostel. Am nächsten Morgen regnete es den ganzen Tag, doch dieses Abenteuer sollte dort auf mich warten.

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Kunst

Impressionen: Nürnberger St. Lorenz Kirche

Für drei Tage und zwei Nächte hatte ich das Vergnügen, im schönen Nürnberg zu sein. Ich sah mir die Operette „Die Fledermaus“ im Staatstheater an, besuchte natürlich das bedeutsame Germanische Nationalmuseum und sah mir die St. Lorenz Kirche genauer an. Viel Zeit hatte ich nicht, aber ich konnte folgende Eindrücke sammeln:

Was für ein Anblick... Ich habe die St. Lorenz Kirche in Nürnberg bei gutem Wetter erwischt
Die St. Lorenz Kirche in Nürnberg ist eine gotische Kirche. Sie ist dem Heiligen Lorenz gewidmet.

Das Rosettenfenster, das du nur auf dem Bild der Außenfassade siehst, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert. Dies konnte erfolgen, weil Originalteile des Fensters im Depot des Germanischen Nationalmuseums gefunden wurden. In diesem Museum habe ich übrigens einige Lucas Cranachs gesichtet.

Bau der St. Lorenz Kirche in Nürnberg braucht über 200 Jahre

Der Bau der dreischiffigen Basilika begann um 1250. Der spätgotische Hallenchor wurde 1477 vollendet. Als ich vor diesem gigantischen Bauwerk stand, wurde mir klar, wie unbedeutend und klein ich bin.

Innenräume der St. Lorenz Kirche in Nürnberg
Seit der Reformation ist die Lorenzkirche neben der Sebalduskirche eine der beiden großen evangelischen Stadtkirchen Nürnbergs, die beide zum Dekanat Nürnberg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehören. 

Kirchenfenster in der St. Lorenz Kirche zu Nürnberg

Im Chor und im Langhaus der Kirche gibt es wichtige spätgotische Bleiglasfenster. Die Fenster im Hallenchor wurden im Jahr 1476/77 von Michael Wolgemut gestaltet. Teilweise basieren sie auf den Entwürfen von Hans Pleydenwurff, der im Jahr 1472 verstorben war. Wolgemut hatte zu dieser Zeit die Werkstatt von Pleydenwurff übernommen. Einer der Lehrlinge, die dort später von 1486 bis 1490 arbeiteten, war – halt dich fest – Albrecht Dürer:

Kirchenfenster in Nürnberg
Schmidtmayer-Fenster (von Albrecht Dürer und Hans Süß von Kulmbach)
Kirchenfenster, Malereien
Wenn jemand eine Ahnung davon hat, wessen Fenster das ist, gerne in die Kommentare schreiben.

Als ich durch diese wunderbare Kirche ging, hatte ich eine heftige Reizüberflutung. Mein Auge musste sich erstmal an die leuchtenden Farben der Kirchenfenster gewöhnen. Gleichzeitig sind die Gedanken von der Höhe der Kirchendecke überwältigt. Ich musste meinen Kopf ganz weit nach hinten fallen lassen, um die Schönheit der Gewölbe zu erblicken. Dabei versuchte ich natürlich meinen Mund zuzuhalten, denn ich kam aus dem Staunen gar nicht raus.

Kirchenfenster in der Nürnberger St. Lorenz Kirche
Hier sieht man den Annenaltar (1510, von Hans Süß von Kulmbach). Dahinter befinden sich die
Haller-Fenster (links) und die Knorr-Fenster (links).

Einzigartige Feinarbeit: Ein 20 Meter hohes Tabernakel

Das Sakramentshaus St. Lorenz, entstanden zwischen 1493 und 1496, ist ein rund 20 Meter hohes und zirka 3,40 Meter breites Tabernakel. Hier werden die geweihten Hostien aufbewahrt. Oberhalb des eigentlichen Sakramentsschränkchens sind verschiedene Szenen des Leidens Christi dargestellt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach und Gewölbe stark beschädigt. Der Bau wurde jedoch wiederhergestellt. Die sehr bedeutende spätgotische Ausstattung blieb durch Auslagerung weitgehend erhalten.
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Diese Promis standen schon vor meiner Kamera

Im Beruf einer Journalistin kommt es oftmals vor, dass plötzlich Promis vor der Kamera stehen. Die ersten Male waren ganz aufregend, dann wurde das irgendwann zur Gewohnheit. Mein größter Traum ist es, Anna Netrebko vor der Kamera zu haben. Mal sehen, wann er in Erfüllung geht. Bis dahin hatte ich mit folgenden Promis und Bekanntheiten das Vergnügen:

Christian Sievers: Kein anderer, als ZDF-Moderator Christian Sievers inspirierte mich dazu, Journalistin zu werden. Nachdem ich sein Buch „Grauzonen“ las, wusste ich, dass ich diesen Beruf geil finde und machen will. Ich verfolgte meinen Traum und muss rückblickend sagen, dass das ein ganz guter Weg war. Während des Radio-Regenbogen-Awards 2023 war es endlich soweit: Christian Sievers betrat den Roten Teppich und ich wurde in Starre versetzt. Der Held meiner Jugend stand vor mir und ich machte Bilder von ihm, die ich später als Screensaver benutzen würde. Angesprochen habe ich ihn natürlich nicht – viel zu nervös.

Christian Sievers steht auf dem Roten Teppich umgeben von anderen Journalisten und Event-Gästen
Christian Sievers alter… Zwar schoss auch ich ein paar Bilder von ihm, aber die meiste Zeit bewunderte ich ihn einfach nur von der Reporter-Tribüne.

Alice Weidel: Die AfD-Politikerin ist sehr, sehr, SEHR selbstbewusst. Während der Pressekonferenz bei der Hessenwahl 2023 pöbelte sie einen Journalisten an. Dann sah sie ihn von oben nach unten an und fragte: „Na, mach‘ ich Sie nervös?“ Daraufhin lachte sie provokant und spielte im nächsten Moment mit einer anderen Kamera, die auf sie gerichtet war. Bei meinen Fragen mache sich Alice Weidel nicht mal die Mühe, zuzuhören – geschweige denn zu antworten. Dennoch fand ich ihren Auftritt interessant zu beobachten. Sie verhielt sich wie ein Superstar und fühlte sich sehr wohl während des gigantischen Medienrummels um ihre Person.

Alice Weidel stand vor meiner Kamera bei der Hessen-Wahl 2023
Es war ein sehr eigenartiges Gefühl, Alice Weidel vor der Kamera zu haben. Ich sah sie sehr lange an und verstand einerseits den Hype um sie – andererseits verstand ich auch, dass sie ein Mensch ist genau wie ich. Mit ihren Fehlern, mit ihren Träumen, mit ihren Schwächen und ihren Ideologien und Vorstellungen.

Männer, die uns aus dem TV geläufig sind

Steinmeier und Kretschmann: Diese beiden alten Säcke sah ich während der Eröffnung der Bundesgartenschau in Mannheim. Hier geht es zu der Fotostory, die ich an diesem Tag erstellt habe. Das BKA-Aufgebot war absolut übertrieben. Mehr Beamte als Journalisten. Die regulären BUGA23-Gäste verhielten sich allerdings auch völlig geisteskrank, diesen beiden Politikern gegenüber. Zitternde Münder, überwältigte Worte, wie etwa „Herr Kretschmann, ich bin ihr größter Fan“ und laufende Handykameras, soweit das Auge reicht. Warum, verstehe ich bis heute nicht ganz.

Steinmeier hatte ich schon Mal vor der Kamera, als ich über die Eröffnung der Bundesgartenschau schrieb.
Frank-Walter Steinmeier ist nicht nur ein steinalter Sack, sondern auch Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. War ich aufgeregt, ihn zu sehen? I guess…
Politik hautnah: Kretschmann und ich bei der BUGA23

Harald Glööckler: Ich durfte den exzentrischen Modedesigner bei seiner Geburtstagsfeier in Berlin, der geilsten Stadt der Bundesrepublik, fotografieren. Später würde er mir exklusive Details zu seiner Ehe mit Dieter liefern. Ich mag Herrn Glööckler – er ist sehr aufgeschlossen, bodenständig und respektvoll. Etwas, was ich von keinem einzigen Polit-Promi behaupten kann, den ich bislang kennengelernt habe.

Harald Glööckler stand schon Mal vor meiner Kamera
Bei Gott: Es ist nicht das beste Foto von mir… Aber ist das nicht iconic, dass wir zu seinem Geburtstag einfach im Partnerlook gekommen sind?

Diese Musiker standen schon mal vor meiner Kamera…

Leony und Zoe Wees: Zu dem Zeitpunkt, als ich sie fotografierte, wusste ich gar nicht, wer die beiden sind. Später würde ich feststellen, dass ich die Songs dieser jungen, erfolgreichen Frauen kenne und sogar auch sehr mag.

Die Söhne Mannheims: Leider ohne Xavier Naidoo – mit ist völlig egal, was Xavier von sich gibt. Er hat die Stimme eines Engels und ist für mich der beste Vokalist dieses Landes. An diesem Abend habe ich ihn sehr vermisst. Dennoch habe ich das Konzert der Söhne in Mannheim sehr genossen. Sie traten als Jazz Department auf. Wie hart mir bei dem Konzert einer abging, erfährst du in diesem Artikel.

Diese Comedians habe ich schon fotografiert

Bülent Ceylan: Den Komiker hatte ich mehrere Male vor der Kamera. Jedes Mal war er sehr charmant, freundlich und voller Energie. Von Nahem sieht er super gepflegt aus und irgendwann will ich, dass er seine Skincare-Routine mit mir teilt. Auch wenn er seine Witze angeblich gar nicht selbst schreiben soll ­­– die Tatsache, dass er der geborene Entertainer ist, kann ihm keiner nehmen.

Christine Preyon: Bekannt als „Birte Schneider“ aus der heute Show. Ich war damals Fan und durfte den Weltfrauentag damit verbringen, Christine Preyon aus dem Publikum anzuhimmeln. Ich traute mich sogar später auf die Bühne zu kommen, um sie nach einem Autogramm zu fragen. Wir kamen ins Gespräch und sie merkte ganz offensichtlich, wie hart ich am Fangirlen war. Absolute Screensaver-Kandidatin.

Dieses Urgestein stand auch schon mal vor meiner Kamera

Claudia Roth: Die Grünen-Ikone sah ich bei der Frankfurter Buchmesse. Viel hat sie nicht gesagt, jedoch äußerte sie etwas, was mir wieder ein wenig Hoffnung in die Menschlichkeit zurückgab: Sie verurteilte den politischen und gesellschaftlichen Boykott der russischen Kultur

Olaf Thon: Der Schalke04-Legende begegnete ich relativ am Anfang meiner journalistischen Karriere. Damals spielte er im Zeichen der Freundschaft als Gastspieler in einem kleinen Sportverein. Das fand in irgendeinem winzigen Kaff in der Nähe von Rastatt statt. 

Wie konnte ich ihn nur vergessen…

Das Beste kommt zum Schluss: Auch der superschöne Elyas M’Barek stand mal vor meiner Kamera. Es war mein erster Tag bei meinem jetzigen Arbeitgeber. Ich war bei der Einarbeitung in der Berliner Zentralredaktion. Hin und wieder kommen Promis dort rein und erzählen ein bisschen von sich. Als ich M’Barek zum ersten Mal sah, war ich schockverliebt. Ich habe zwar immer noch so gut wie keine Filme mit ihm gesehen, aber von diesem Mann konnte ich meine Augen kaum abwenden. Er hat so einen sexy Glow und ein Charisma, das einfach mitreißt. Ich nahm es mir zum Ziel, den Schönling anzulabern und fragte irgendwas über seine neue Hafermilch, die er uns präsentierte, was er jedoch abrupt verneinte. Völlig egal, ich hatte einen Wortwechsel mit dem wahrscheinlich schönsten Promi, den ich je vor meiner Kamera hatte. Zumindest bis jetzt.

Elyas M’Barek… Du meine Fresse war der Typ sexy.

Das ist der kleine Haufen Promis, der mit auf Anhieb einfällt. Natürlich hatte ich noch ganz viele andere gestalten vor der Kamera – wie etwa Nancy Faeser, Boris Rhein und die ganzen Hessen-Personen. Auf dieser Gala fotografierte ich Sally von „Sally’s Welt“, Nico Schwanz, sowie auch Renata und Valentin Lusin.

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„Die Fledermaus“ in Nürnberg – so war die Operette

In Nürnberg war das Leben einfach. Innerhalb der wenigen Tage, die ich dort verbrachte, genoss ich das Kulturprogramm der Stadt so gut ich konnte. Ich begutachtete im Germanischen Nationalmuseum erotische Kunst des 16. Jahrhunderts, schaute mir die Altstadt an und ging in die Oper.

Operette in Nürnberg: „Die Fledermaus“

In der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss dreht sich alles um Gabriel von Eisenstein, der eine Gefängnisstrafe antreten muss, weil er eine Amtsperson beleidigt hat. Doch sein Freund Dr. Falke hat bereits einen Plan, um ihm eine letzte Nacht voller Vergnügen zu bescheren. Er überredet Eisenstein, sich auf einer Party beim Prinzen Orlofsky zu amüsieren. Was Eisenstein jedoch nicht weiß, ist, dass Dr. Falke Rache an ihm nehmen will, weil er ihn einst blamiert hat. Ursprünglich sollte die Operette nämlich „Die Rache einer Fledermaus“ heißen – der Titel wurde später gekürzt.

Rosalinde von Eisenstein ist nicht all zu traurig über den Abschied ihres Mannes ins Gefängnis. Gleichzeitig erlaubt sie ihrem Kammermädchen Adele, ihre angeblich kranke Tante zu besuchen. Als alle weg sind, taucht ihr Liebhaber Alfred auf, um sich mit Rosalinde zu vergnügen. Doch ihre prickelnde Zweisamkeit wird gestört, als der Gefängnisdirektor Frank auftaucht, um Eisenstein abzuholen. Um Rosalinde zu schützen, spielt Alfred mit und gibt sich als ihr Mann aus.

Nürnberger Opernhaus: In diesem wunderschönen, riesigen Gebäude habe ich die Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauss gesehen
Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verzehnfachte die Bevölkerung in Nürnberg. Die Notwendigkeit eines neuen Theaters wurde schon 1887 erkannt – bis diese Pläne jedoch umgesetzt wurden, vergingen mehr als zehn Jahre. Ja, den Steppenwolf hätte man auch sehen können, aber ich wollte „Die Fledermaus“.

„Die Fledermaus“ in Nürnberg – Operette mit Witz

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als alle zur Party beim Prinzen Orlofsky kommen. Eisenstein tritt unter dem Namen „Marquis Renard“ auf, Adele – die sich ebenfalls auf der Party vergnügt, anstatt bei ihrer angeblich kranken Tante zu sein – als die junge Schauspielerin „Olga“ und Frank als „Chevalier Chagrin“. Selbst Rosalinde taucht als ungarische Gräfin verkleidet auf. Sie stiehlt Eisenstein seine Taschenuhr, um später seine Untreue zu beweisen.

Dank Champagner erzählt Eisenstein vor allen Gästen von seinem früheren Streich gegen Dr. Falke. Er sich vergnügt daran, wie er ihn in seinem Fledermauskostüm (sie waren auf einem Maskenball) dem Spott der Marktfrauen und Gassenbuben aussetzte. Doch die Party endet, als Gefängnisdirektor Frank seinen Dienst antritt. Von ihm erfährt Eisenstein, dass er ihn bereits am Vortag abgeholt hätte, was jedoch offenbar nicht stimmt. Es war ja schließlich sein Doppelgänger Alfred. Als Gattin Rosalinde auftaucht und ihm die gestohlene Uhr vorzeigt, ist Eisenstein sprachlos.

Schließlich kommt die ganze Festgesellschaft mit Prinz Orlofsky und Dr. Falke an. Es wird klar, dass die gesamte Inszenierung Falkes Rache an Eisenstein war. Köstlich amüsiert von den Geschehnissen verspricht Prinz Orlofsky Adele, sie bei ihrer schauspielerischen Karriere zu unterstützen. Happy End!

Operette "Die Fledermaus" im Nürnberger Staatstheater
Ganz vorne sind Prinz(-essin) Orlofsky auf der sich dem Ende neigenden Party. Die Operette wurde übrigens 1874 in Wien uraufgeführt und gilt als Höhepunkt der sogenannten „Goldenen Operettenära“.

Mein Feedback zu „Die Fledermaus“ in Nürnberg

Die Inszenierung in der Nürnberger Oper fand ich gut. Die Schauspieler haben sauber gespielt, obwohl es einige Krankheitsfälle gab. Es mussten weniger erfahrene Schauspieler kurzfristig einspringen – laut Sprecher habe man nur ein einziges Mal zusammen proben können. Dafür hat die Besatzung das wirklich toll gemeistert. Die Kostüme waren schön aufeinander abgestimmt. Die Souffleuse war auf der Bühne sehr kreativ mit eingebunden und wirkte in dem einen oder anderen lustigen Moment mit. Von dem Ausdruck und der Leidenschaft aller Schauspielerinnen und Schauspieler war ich sehr gefesselt.

Die Eheleute Eisenstein haben fantastisch gesungen. Vor allem Rosalinde war überragend – ihr gehörte die Bühne und jedes einzelne Ohr im Saal. Sie sang wie eine Sirene – etwa wie die Chorengel in der polnischen Kirche, in der ich mich blamiert habe. Beim Bühnenbild hätte ich mir etwas mehr gewünscht, obwohl ich die Idee ziemlich aufregend fand, dass Orlofskys Party wohl auf einem Schiff stattfand.

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Klassiker: Ich blamiere mich in einer polnischen Kirche

Wie ich so bin, musste ich mir während meiner Kunstreise durch Amsterdam, Hamburg, Berlin und Breslau natürlich auch die Kirchen in der jeweiligen Stadt ansehen. So kam es auch in Polen dazu, dass ich eine betrat, die mich schon von außen besonders angesprochen hat. 

Breslauer Kirche von innen: Man sieht den seitlichen Altar, die sakralen Gemälde und auch die Skulpturen
Die Breslauer Kirche von innen: Dieses Foto entstand Sekunden vor meiner Peinlich-Aktion

In der Breslauer Kirche: Ich dachte, ich sei allein

Da saß, stand und ging ich nun durch die sakralen Räume der Kirche in Breslau. Es war still und ich war allein. Scheinbar. Wie aus dem Nichts stürmten etwa 8 bis 10 junge Menschen in das Gotteshaus und platzierten sich auf den Bänken. Sobald sie knieten, fing es an: Ich hörte die schönsten Singstimmen, die ich seit Langem gehört hatte und befand mich wohl mitten in einem Gottesdienst. 

Unter der Gruppe der Singenden war nur ein Mädchen. Sie war etwa in meinem Alter und hellte den Gesang ihrer Kameraden auf. Ich wurde starr. Durfte ich überhaupt hier sein? Wäre es komisch, wenn ich jetzt ginge? Ich war etwas unentschlossen und darüber hinaus auch die einzige Person in der Kirche, die weder kniete noch sang. Sollte ich mitsingen? 

Peinlicher Abgang aus dem Gotteshaus in Breslau

Nachdem ich wieder bei Sinnen war, entschied ich mich zu gehen. Ich hoffte, die singenden Engel würden es mir nicht übelnehmen. Ich machte mich langsam aus dem Staub. Aber natürlich gelang es mir nicht, unauffällig zu verschwinden. Ich knallte mehrfach gegen die Kirchenbänke und kam einfach nicht mehr klar auf meine Tollpatschigkeit. Die knarrende Kirchentür war mir bei meinem dramatischen Abgang auch nicht gerade behilflich. Doch sie hinter mir zuzuziehen, brachte ich nicht übers Herz. 

So stand ich also mit dem Gesicht in der Kirche und mit dem Rest meines Körpers bereits in der eisigen Kälte. Die Sängerin bemerkte meinen bewundernden Blick und lächelte, während sie das Gebet weiter sang. Ich hätte bleiben sollen. 

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