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Kunst Reisen

Insel-Schätze: Kunst und Handwerk auf Madeira

Madeira, bekannt für seine atemberaubenden Landschaften und das milde Klima, bietet weit mehr als nur natürliche Schönheit. Die portugiesische Insel beeindruckt mit einer facettenreichen Kunst- und Handwerkstradition, die tief in ihrer Geschichte verwurzelt ist. Zugleich lässt die Tradition Raum für moderne Kreativität. Filigrane Stickereien, bemalte Türen oder zeitgenössische Kunst in Museen – Madeiras kreative Szene spiegelt die Vielseitigkeit der Insel wider.

Madeira-Stickerei als traditionelles Handwerk

Die Madeira-Stickerei steht als Symbol für Tradition und Kunstfertigkeit. Ihre Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück– in die Zeit der ersten Besiedlung Madeiras. Schon damals wurden Haushaltsgegenstände, Kleidung und Kirchen mit den detailreichen, von der Inselnatur inspirierten Motiven verziert. Diese Handwerkskunst wurde zunächst wohl von adeligen Damen ausgeführt. Über die Jahrhunderte entwickelte sie sich dann zu einem „Markenzeichen“ des Atlantikarchipels.

Im 19. Jahrhundert erlangte die Madeira-Stickerei durch den Export nach Großbritannien internationale Anerkennung. Die Stickerei erfordert außerordentliche Präzision und Geschick. Verarbeitet werden Materialien wie Leinen und Seide. Wobei Techniken wie der Richelieu- und Knopflochstich für höchste Qualität sorgen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Von Tischdecken und Bettwäsche über Kleidung bis hin zu exklusiven Designerstücken. Mit rund 1.000 Stickerinnen bleibt dieses Kunsthandwerk ein lebendiger Ausdruck madeirensischer Identität.

Korbflechterei auf Madeira

Auch die Korbflechterei hat ihren festen Platz in der madeirensischen Kultur. Sie hat ihren Ursprung in der Gemeinde Camacha, wo die wasserreichen Böden ideale Bedingungen für den Anbau von Weidenbäumen bieten. Seit 1850 werden Körbe, Möbel und die berühmten Korbschlitten von Monte aus den biegsamen Ästen gefertigt. Während der Export heute kaum noch eine Rolle spielt, bewahren einige Handwerker diese traditionsreiche Technik und halten ein Stück Kulturerbe am Leben.

Korbflechterei © Miguel Moniz

Kunst zwischen Geschichte und Moderne 

Madeira vereint auch in der Kunst Tradition und Innovation. Im Museum für sakrale Kunst in Funchal erzählen flämische Gemälde, vergoldete Skulpturen und liturgische Gewänder von der kulturellen Blütezeit der Insel und ihrer historischen Verbindung zu Flandern. Die Quinta das Cruzes, einst Wohnsitz des Madeira-Entdeckers João Gonçalves Zarco, zeigt Möbel, exotische Holzarbeiten und luso-orientalische Kunstwerke. Ein Höhepunkt sind die detailreichen Krippenfiguren aus dem 18. Jahrhundert.

Museum für sakrale Kunst in Funchal © VisitMadeira

Moderne Kunst hat ebenfalls ihren festen Platz auf der Insel. Das MAMMA – Museum für Moderne Kunst Madeira – und die Casa das Mudas in Calheta präsentieren zeitgenössische Werke, die sich mit Themen wie Natur und Identität auseinandersetzen. Besonders die spektakulär über der Steilküste gelegene Casa das Mudas beeindruckt mit ihrer Architektur und einzigartigen Atmosphäre.

Kunst begegnet einem auf Madeira jedoch nicht nur in Museen. Die bemalten Türen in Funchals Altstadt, gestaltet im Rahmen des Projekts „Portas Pintadas“, haben die Stadt in eine lebendige Open-Air-Galerie verwandelt. Die farbenfrohen Werke verschönern das Stadtbild und verbinden architektonische Tradition mit moderner Kunst.

Ein paar Worte über die Insel des ewigen Frühlings

Die autonome Region Madeira gehört zu Portugal und ist knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt. Sie liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel.

Aber auch Kulturhungrige oder Strandurlauber kommen etwa in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten. Weitere Informationen zu Madeira: visitmadeira.com


Quelle: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH

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Kunst

Mind=blown: Henri Matisse in der Schweiz

Die Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler (Riehen, Schweiz) habe ich mir am letzen Tag des Jahres angesehen. Sie war ein schöner Abschluss. Ich würde sie sogar zu den Top 2 Ausstellungen des Jahres 2024 rechnen. Meine Nummer 1 war natürlich die wiedereröffnete Dauerausstellung im Münchner Lenbachhaus: Der Blaue Reiter, der für mich nur schwer zu toppen sein wird.

Seine „Korallen“, meist aus mit Gouache bemaltem, ausgeschnittenem Papier auf Papier, fand ich sehr rührend. Die nette Unbekannte auf dem Bild sicher auch.

Matisse: Erste Retrospektive in der Schweiz

Matisse lief in Riehen so gut, dass er nun bis zum 26. Januar 2025 verlängert wurde. Nutzt also diese wirklich einmalige Chance und fahrt hin. Ihr werdet es nicht bereuen. Zu meinem Erstaunen hat man dort an der Kasse sogar meinen deutschen Presseausweis akzeptiert. Sehr angenehm. War aber schon immer eines meiner liebsten Kunsthäuser – mein „Happyplace“, seit ich ein kleines Mädchen war.

Die Fondation Beyeler zeigt mit dieser Ausstellung die erste Henri-Matisse-Retrospektive in der Schweiz. Wie so oft konnte das renommierte Museum extrem viele bedeutende Werke an Land ziehen. Darunter die Frau, die den Tisch deckt, über die ich euch in meiner Frühbiografie von Henri Matisse erzählt habe. Ihr könnt euch vorstellen, wie schnell mein Herz schlug, als ich vor diesem perfekt erhaltenen Gemälde stand. Es war einfach sagenhaft.

Henri Matisse schafft die Grundlage für eine neue Kunst

„Matisse (1869–1954) zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne“, schreibt die Fondation Beyeler in einer Pressemitteilung. Das bahnbrechende Werk des Meisters habe seine Zeit und viele spätere Generationen von Künstlerinnen und Künstlern bis heute wesentlich geprägt. In der Befreiung der Farbe vom Motiv und in der Vereinfachung der Formen habe er die Malerei revolutioniert. Dabei habe er eine bis dahin unbekannte Leichtigkeit in die Kunst gebracht. Und die war deutlich zu spüren, als ich vor seinen lebensfrohen Bildern stand.

Anhand von über 70 Hauptwerken aus europäischen und amerikanischen Museen sowie Privatsammlungen richtet die Ausstellung den Blick auf die Entwicklung und Vielfalt in Henri Matisse’ Schaffen. Sie setzt mit einigen um 1900 entstandenen Bildern der Frühzeit ein, führt über die revolutionären Gemälde des Fauvismus und die experimentellen Werke der 1910er-Jahre hin zu den sinnlichen Gemälden der Nizza-Periode und der 1930er-Jahre, um schliesslich in den legendären Scherenschnitten des Spätwerks der 1940er- und 1950er-Jahre zu gipfeln.

Darüber hinaus zeigt das Museum deutlich, wie sehr die Kunst von Henri Matisse von seinen Reisen geprägt war. So ließ sich der Künstler auf seinen Erkundungen von Ländern wie Italien, Spanien, Russland, Marokko, Amerika und Tahiti immer wieder von der Natur und Kunst anderer Kulturen inspirieren.

Ich werde diese Ausstellung niemals vergessen

Diesmal hat sich die Fondation Beyeler womöglich selbst übertroffen. Denn dass dort eine solch aufsehenerregende Schau gezeigt wurde, liegt bestimmt schon ein paar Jahre zurück. Vermutlich hat mich zuletzt nur Basquiat dort so fasziniert. Obschon die große Rodin-Ausstellung sogar Kunstbanausen im Gedächtnis blieb. Aber ich muss auch zugeben, dass ich vor allem in den letzten Jahren die meisten Ausstellungen verpasst habe.

Danke Mama, dass du das so eingefädelt hast, damit ich die wunderbaren Werke meines geliebten Henri Matisse aus nächster Nähe begutachten konnte.

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Kunst

Hier findest du russische Ikonen in Frankfurt

Russische Ikonen sind religiöse Gemälde, die in der orthodoxen christlichen Tradition eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen als spirituelle Symbole und werden in orthodoxen Kirchen sowie in Privathäusern als Schutz- und Andachtsbilder aufgehängt. Jede Ikone repräsentiert einen Heiligen, eine biblische Figur oder ein religiöses Ereignis. Die Kunst der Ikonenmalerei hat in Russland eine lange Tradition und ist eng mit der orthodoxen Kirche verbunden.

Um so mehr erstaunte es mich, diesen spirituellen Teil meiner Kultur auf der Museumsinsel in Frankfurt zu finden. Im Ikonenmuseum (hier geht’s zum Webauftritt des Museums). Der größte Teil der Dauerausstellung besteht aus russischen Ikonen. Besucher finden dort auch Ikonen aus Griechenland, dem historischen Byzanz, Rumänien, dem Balkanraum und Ägypten.

Russische Ikone mit drei Heiligen im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Die Heiligen Georg, Klemens und Menas | Russland, Nowgorod, 15. Jahrhundert: Malstil und Farbwahl kennzeichnen diese Ikone als ein herausragendes Beispiel der Malschule von Novgorod. Dort hatte sich seit dem 12. Jahrhundert eine eigenständige Maltradition entwickelt, die bis zum 14. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Für die Ikonen der späteren Novgoroder Maltraditiom ist der plastische Stil der Figuren typisch, der die spätbyzantinische Malerei imitiert.

Diese Techniken werden bei der Ikonenmalerei angewandt

Die Ausstellung war sagenhaft. Die Inszenierung war sehr geschmackvoll und passend. Ich muss sagen, dass das das beste war, was ich in Frankfurt seit Langem gesehen habe. Während ich die einzelnen Heiligenbildnisse aus der Nähe betrachtete, musste ich wieder einmal feststellen, wie sehr sich Ikonenmalerei von anderer sakralen Kunst unterscheidet.

Sehr lesenswert:  Interview mit dem zeitgenössischen Ikonenmaler Igor Kaplun

Gemalt wird nämlich auf ganz bestimmte Weise. Die traditionelle Reihenfolge der Tätigkeiten ist entscheidend für den Aufbau von Ikonen, die aus verschiedenen Materialien und Schichten bestehen:

  • Brett auswählen und bearbeiten
  • Vorbereitung des Bretts für das Grundieren, einschließlich Abschleifen
  • Herstellung des Malgrundes
  • Grundierung und Behandlung des Malgrundes
  • Zeichnen, Übertragen, Vergrößern oder Verkleinern der Zeichnung sowie Pauszeichnung
  • Vergoldung der Bildfläche
  • Vorbereitung der Farben und Mischung der Ikonenfarben
  • Ausführung der Detailarbeiten
  • Feine Modellierung der Details
  • Anwendung von verschiedenen Schichten, wie Sankir, erstes, zweites und drittes Ockern, und Ausführung des Inkarnats
  • Nachbearbeitung der Zeichnung und Malerei, einschließlich Einfärben der Flächen der Einfassung, des Randes, der Heiligenscheine und der Beschriftung
  • Schutz der Ikone durch Firnis und Lackierung

Gemalt wird mit Eitempera. Sie besteht aus wasserverdünntem Eigelb als Bindemittel und einem Pigment. Solch strikte regeln sind nur der Ikonenmalerei vorbehalten, soweit ich weiß.

Kalender-Ikone hängt im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Kalenderikone für das ganze Jahr mit Passionsbild und Gottesmutterdarstellungen | Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – ein sakrales Kunstwerk, das mich besonders erstaunt hatte, da es sich hierbei um Kleinstarbeit handelt: Die Jahresikone beginnt oben links mit dem liturgischen Jahresbeginn, dem 1. September. Das orthodoxe Kirchenjahr endet unten rechts mit dem Monat August. Im Zentrum der Ikone ist das Osterbild dargestellt, um das sich der Passionszyklus Christi gruppiert.

Der Passionszyklus wird wiederum von den 12 Monaten des Jahres umgeben, die durch verschiedene Heilige oder Feste repräsentiert werden. Der äußere Zyklus zeigt schließlich zahlreiche Gottesmutterdarstellungen. Die Kombination all dieser Inhalte macht diese Ikone zu einem typischen Beispiel einer Sammelikone.

Russische Ikonen: Tradition und feste Vorgaben

Natürlich musste ich auch in dieser Ausstellung an Giovanni Bellini denken, wohingegen er die Darstellung der Heiligenbildnisse revolutionierte, als er die Sacra Conversazione ins Leben rief. Ich denke, dass es so etwas in der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht geben könnte. Die Russen lieben ihre Ikonen und wissen das Bewahren ihrer Tradition, zumindest was sakrale Kunst angeht, sehr zu schätzen.

Drei russische Ikonen hängen im Ikonenmuseum in FFM
Vlnr: 1.) Gottesmutter von Kasan (Kasanskaja), Russland nach 1800 – Eitempera auf Holz, Oklad vergoldet
2.) Feuerflammende Gottesmutter (Ognevidnaja), Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz; Oklad: Metall, Samt, Flussperlen, Glassteine und Strass
3.) Gottesmutter als Lebensspendende Quelle, Russland, 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz

Es ist ja nicht nur die technische Ausführung, die seit Jahrhunderten in der russischen Ikonenmalerei unverändert bleibt. Auch die Darstellung der einzelnen Figuren, die Verwendung bestimmter Farben und die Voraussetzungen, die ein Mensch erfüllen muss, der sie letztlich zeichnet, ist fest vorgegeben.

Übrigens: Eine lange Tradition in der Fertigung dieser sakralen Kunstwerke haben Griechenland (seit dem 6. / 7. Jahrhundert), Russland (vermutlich seit dem 10. Jahrhundert) und Äthiopien (seit dem 15. Jahrhundert).

Russische Ikonen: Weitaus mehr als Kunstwerke

Im Teaserbild dieses Artikels siehst du einen Propheten- und Deesisrang aus einer Ikonostase. Nordrussland, Ende 17. Jahrhundert / Anfang 18. Jahrhundert – Eitempera auf Holz.

Russische Ikonen sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Fenster in die spirituelle Geschichte Russlands. Ihre Bedeutung, Geschichte und die Faszination, die sie auf Gläubige und Sammler ausüben, machen sie zu einem einzigartigen und wertvollen Teil des kulturellen Erbes der Welt. Egal, ob aus spirituellen oder künstlerischen Gründen – die Wertschätzung für Ikonen bleibt ungebrochen.

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Kunst

Das Gösser Ornat: Kommunikation mit der Außenwelt

Geistliche Frauen versuchten im Mittelalter mit der Außenwelt zu kommunizieren. Sie taten dies mithilfe von Kunst, da sie in der Klosterkirche nicht anwesend sein durften. Diese Kommunikation war hauptsächlich an Verwandte und an Laien gerichtet, die sich in der Klosterkirche als Pfarrgemeinde versammelten. Die künstlerischen Botschaften sollen den Frauen dazu verholfen haben, in der äußeren Kirche Präsenz zu erlangen, von der sie räumlich getrennt waren.

Das Gösser Ornat ist nicht nur ein liturgisches Gewand, sondern auch ein „Kommunikationsmittel“ der geistlichen Frauen. Es besteht aus Seidenstickereien auf Leinen und zeigt die Marienvita, also das Leben der Jungfrau Maria. Die „Urheberin“ des Bildprogramms, das wir auf dem Gösser Ornat sehen, ist ebenfalls mehrfach dargestellt. Dies ist in der Paramentenkunst des 13. Jahrhunderts absolut einmalig ist.

Das Antependium des Gösser Ornats: Hier ist seine "Urheberin", Äbtissin Kunegunde II, im Gebetsgestus zu sehen. Die Bedeutung der Tiere, die sie umgeben, bleibt bis heute umstritten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Das Antependium des Gösser Ornats (Ein Bildausschnitt von links unten): Hier sehen wir seine „Urheberin“, Äbtissin Kunegunde II, im Gebetsgestus. Die Bedeutung der Tiere, die sie umgeben, bleibt bis heute umstritten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Was ist ein Ornat?

Das (oder der) Ornat ist die festliche Amtstracht eines Geistlichen, Herrschers oder hohen Beamten, die bei feierlichen, weihevollen und repräsentativen Anlässen getragen wird, wie z. B. bei der Krönung das Krönungsornat. Die Bezeichnung Ornat wird auch als Zusammenfassung der für den Gottesdienst verwendeten Paramente benutzt.

Grafik: Hier sind verschiedene Ornate mit ihren Attributen dargestellt. Zu sehen sind Adel und Klerus in üppig geschmückten Gewändern. Unterhalb der fünf prachtvoll gekleideten Personen sind weitere sechs Personen mit Kronen zu sehen.
Hier sind verschiedene Ornate mit ihren Attributen dargestellt.

Paramente sind die im Kirchenraum und in der Liturgie verwendete Textilien, die oftmals künstlerisch aufwendig gestaltet sind. In der katholischen Kirche versteht man unter einem Ornat die für ein Hochamt gebräuchlichen Paramente gleicher Farbe und gleichen Musters mit unterschiedlichem Zubehör.

Das Gösser Ornat beinhaltet mehrere kirchliche Gewänder, die eine liturgische Einheit bilden. Das Ornat wurde im ausgehenden Hochmittelalter im Stift Göß in der Steiermark in Österreich hergestellt.

Rihanna bei der Met Gala 2018: Hier trägt der Megastar ein Gewand, das stark an ein Ornat erinnert.
2018 trägt auch Rihanna bei der Met Gala etwas, das stark an ein Ornat erinnert. Das Thema der damaligen Gala: „Fashion and the Catholic Imagination“. Copyright: IMAGO

Aus welchen Teilen besteht das Gösser Ornat?

Das Gösser Ornat besteht aus den Teilen Antependium, Pluviale, Kasel, Dalmatika und Tunika. Alle Teile haben diverse Funktionen, da sie auch zu unterschiedlichen Anlässen getragen werden konnten.

Hier ist die Tunika des Gösser Ornats zu sehen. Die bestickte Seide aus dem 13. Jahrhundert ist hierbei sichtlich seht gut erhalten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Das ist die Tunika des Gösser Ornats. Man beachte den wunderbaren Zustand der bestickten Seide aus dem 13. Jahrhundert. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Franz Bock erwähnt darüber hinaus zwei Stolen, die dem Gösser Ornat angehören sollen. Seine Theorie wird später von Gudrun Sporbeck widerlegt. Der Verbleib der bei Bock erwähnten Stolen bleibt somit bis heute ungeklärt. Weitere Kleinteile des Ornats befinden sich im Victoria & Albert Museum in London.

Diese Funktionen hatte das Ornat

Das textile Bildmedium des Gösser Ornats kommunizierte den Laien die Botschaften der Schenkung, der Heiligen Drei Könige, der Fundatorin Adala sowie die der jungfräulichen Bräute des Frauenkonvents. Betrachtet man die Abbildungen, so lässt sich entnehmen, dass die Äbtissin Kunegunde II den Armen, die während des Festes gespeist wurden, wie eine Maria lactans entgegentrat, also diejenige, die die Bedürftigen nährte. Heilgeschichtlich wird das Bildprogramm auf Christus bezogen. Aber auch die einzelnen Themenbereiche stehen in enger Verbindung zueinander. 

Die Gösser Stiftskirche war Maria geweiht. Daher scheint die Ikonographie des Ornats in erster Linie auf die Verehrung der Patronin ausgerichtet zu sein. Der Nutzungskontext der Paramente offenbart einen weiteren Marienbezug. Das Gösser Ornat war für die Gedächtnisfeier anlässlich des Todestages der pfalzgräflichen Stiftsgründerin Adala bestimmt.

Ist dieses Datum ein mysteriöser Zufall?

Der Todestag der Stiftsgründerin fällt auf den 7. September, den Tag vor der Geburt Mariens. Zu deren Gedenken wurde ein Gottesdienst gefeiert. Nur an diesem einzigen Tag im Jahr wurde das Gösser Ornat angelegt. Dadurch lässt sich seine relativ gute Erhaltung erklären.

Das liturgische Zentrum des Gedächtnisgottesdienstes war der Katharinenaltar, der mit einem bestimmten Teil des Gösser Ornats geschmückt wurde, nämlich dem Antependium. Für die Gösser Bevölkerung war dieser Gedächtnisgottesdienst ein bedeutsames Fest. Um es zu ehren, waren sie im pfarrkirchlich genutzten Teil der Stiftskirche zugegen.

Sie fertigten das Gösser Ornat – aber nicht für sich selbst

Bei den Festivitäten waren Äbtissin und die Kanonissen nicht wirklich anwesend. Kunegunde II fertigte folglich gemeinsam mit ihren Stiftsdamen die Paramente an, die sie selbst nie angelegt haben. Die Eucharistie fand an einem Altar statt, an dem die Frauen selbst nicht als sichtbar Agierende teilnehmen konnten. Sie waren räumlich davon abgesondert.

Zu sehen ist das Pluviale des Gösser Ornats. Im oberen Teil kann man gut erkennen, wie es vor geraumer Zeit geändert und wieder falsch zusammengenäht wurde. Die abgebildeten Teile passen gar nicht auf das restliche Muster und gehören eigentlich auf die Kasel, die im Titelbild dieses Beitrages hinterlegt ist. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Zu guter Letzt: Das ist das wunderbare Pluviale. Im oberen Teil kann man gut sehen, wie es vor geraumer Zeit geändert und wieder falsch zusammengenäht wurde. Die abgebildeten Teile passen gar nicht auf das restliche Muster und gehören eigentlich auf die Kasel (siehe Titelbild). Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Die räumliche Absonderung wurde durch die Paramente des Gösser Ornats gemildert. Die Inschriften und Porträts von Kunegunde II und ihren Stiftsdamen erlangten in der Gedächtnisfeier und am Altar Präsenz. Die Donatrixporträts und Inschriften befinden sich jeweils auf der Rückseite der Gewänder, also auf der Schauseite der Stiftsdamen. So sollen sie sich an der Feier beteiligt gefühlt haben.


Folgende Quellen habe ich für diesen Beitrag verwendet:

Darüber hinaus trat ich mit dem Museum für Angewandte Kunst Wien in Kontakt und befragte die Mitarbeitenden zum Gösser Ornat. Freundlicherweise gaben sie mir auf alle meine Fragen Antworten. Sie gaben mir sogar Quellen, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Einfach fabelhaft!

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Kunst

Wer ist Selma Selman?

Die Künstlerin Selma Selman stammt aus Bosnien und Herzegowina und lebt und arbeitet in New York, Amsterdam sowie Bihać. Nach ihrem Bachelor of Fine Arts an der Fakultät für Malerei der Universität Banja Luka 2014 machte Selman weiter. Sie schloss ihr Studium an der Syracuse University 2018 ab. Und das mit einem Master of Fine Arts in Transmedia, Visual and Performing Arts.

Von 2021 bis 2023 war sie Stipendiatin an der Rijksakademie in Amsterdam. Ihre Werke wurden international gezeigt. Ausgestellt wurde sie unter anderem im Gropius Bau, Hamburger Bahnhof, documenta fifteen, Manifesta 14 in Pristina, Kunstraum Innsbruck, MO Museum Vilnius, Kasseler Kunstverein Museum Fridericianum, National Gallery of Bosnia and Herzegovina, acb Gallery in Budapest und FutuRoma Pavillon auf der Biennale di Venezia 2019.

Seit 2017 richtet Selma Selman in ihrer Heimatstad Bihać das Filmfestival „The Open Screen at Selma’s“ aus. Dieses soll den Austausch der ansässigen Rom*nja mit interessiertem Publikum fördern. Mit „Get the Heck to School” (seit 2017) gründete sie zudem ein Projekt, das insbesondere jungen Romnja-Mädchen eine Schulbildung ermöglichen soll.

Selma Selman in der Schirn Kunsthalle Frankfurt
Selma Selman in der Schirn von ihren eigenen Werken. © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Esra Klein

Selma Selman in der Frankfurter Schirn Kunsthalle

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmete der Künstlerin vom 20. Juni bis zum 15. September 2024 eine Soloausstellung. Erst vor wenigen Jahren ist sie in die internationale Kunstwelt vorgedrungen und bezeichnet sich selbst als „gefährlichste Frau der Welt“. Zusammen mit ihrer Familie schlachtet Selman vor Publikum einstige Statussymbole aus. Dabei schlachtet knöpft sie sich etwa Mercedes Benzer vor, um an die wenigen noch verwendbaren Edelmetalle zu gelangen.

Besonders laut sind in der Regel auch die sprachlichen Performances der Künstlerin mit Rom*nja-Hintergrund. In ihnen kommen Wut und der Drang nach einer Umkehrung der Machtverhältnisse zum Ausdruck.

Selma Selman thematisiert Diskriminierung, Gewalt und Sexismus

Selmans Kunst behandelt in unterschiedlichen Medien die Erfahrungen mit Diskriminierung, Gewalt, Sexismus und dem Patriarchat. Ihr Werk umfasst Performances, Skulpturen, Malereien auf Autoteilen und Altmetall, Zeichnungen und Video.

In der Schirn präsentiert die Künstlerin Grafiken, kleine skulpturale Arbeiten aus Edelmetallen und zwei Performances. Die Installation Flowers of Life (2024) aus Mehrschalengreifern verweist auf die Lebensgrundlage ihrer Familie. Die soll auf dem Sammeln und dem Weiterverkauf von Metallschrott fußen.

Die Videoarbeit Crossing the Blue Bridge (2024) basiert auf den Erinnerungen ihrer Mutter an Erlebnisse in ihrer Heimatstadt Bihać während des Bosnienkrieges (1992–1995). Selman nimmt diese familiären Erfahrungen als Ausgangspunkt, um sich selbst als feministisch-aktivistische Künstlerin zu verorten. Heute setzt sich die Künstlerin international für ihre Community einsetzt.

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Kunst

Ikonenmalerei: Exklusives Interview mit Igor Kaplun

Ich freue mich, euch mitteilen zu dürfen, dass der Ikonenmaler Igor Kaplun sich auf ein exklusives Interview mit mit eingelassen hat. Entdecke seine faszinierende Welt der Ikonenmalerei! In unserem spannenden Gespräch erzählt der zeitgenössische Künstler über seinen Werdegang, seinen einzigartigen Stil und die Balance zwischen Tradition und Innovation. Erfahre auf tuellundtrueffel.com mehr über Kapluns Techniken, Inspirationen und wie er es schafft, klassische Ikonenmalerei in die moderne Kunstszene zu integrieren.

Du interessierst dich für Ikonenmalerei? Dann solltest du das Ikonenmuseum in Frankfurt unbedingt kennenlernen.

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Kunst

Franz Kafka in Frankfurt

Franz Kafka: brillanter Schriftsteller und… Künstler? Ganz genau. Diese bislang wenig bekannte Seite seines Schaffens wurde erst 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, als Prof. Andreas Kilcher von der ETH Zürich Kafkas Zeichnungen edierte.

Die Zeichnungen, die viele Jahre in einem Zürcher Banksafe aufbewahrt wurden, sind nun in einem Band veröffentlicht, der bereits in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurde. Diese Veröffentlichung hat eine neue Dimension von Kafkas künstlerischem Vermächtnis offenbart und bietet neue Perspektiven auf seine literarischen Werke.

Franz Kafka Buch: Die Zeichnungen
Na ratet mal, wer es von seinem Ex zu Weihnachten bekommen hat.

Franz Kafka: Verbindung zwischen Kunst und Literatur

Prof. Kilcher widmet sich in seinem jüngsten Buch „Kafkas Werkstatt. Der Schriftsteller bei der Arbeit“ der Verbindung von Kafkas zeichnerischem und schriftstellerischem Wirken. Er argumentiert, dass Kafkas Schreiben durch visuelle Elemente beeinflusst wurde und dass das Verständnis seiner Zeichnungen auch neues Licht auf sein literarisches Werk wirft.

Am Donnerstag, 12. September, beleuchtet das Jüdische Museum am Bertha-Pappenheim-Platz 1 in Frankfurt diese Thematik. In Kooperation mit dem Buber-Rosenzweig-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt findet um 19 Uhr eine Veranstaltung statt. Bei dieser werden Kafkas Zeichnen und sein Schreiben ins Verhältnis gesetzt.

Das Gespräch mit Prof. Kilcher moderiert Julia Encke, Feuilletonchefin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ich werde vor Ort sein und euch mehr von dieser fantastischen Veranstaltung erzählen.

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Sinnliche Reise durch das Museum Frieder Burda

Unter dem Titel „I Feel the Earth Whisper“ lädt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden Besucher ein, sich auf eine sinnliche Reise durch die Kunst der Natur zu begeben. Die Ausstellung zeigt Werke von Bianca Bondi, Julian Charrière, Sam Falls und Ernesto Neto. Ziel ist es, die Verbundenheit des Menschen mit der Natur zu beleuchten. Ein paar Exponate gefielen mir ziemlich gut, also zeige ich sie euch weiter unten.

Die Schau umfasst Skulpturen, Malereien, Videos und Fotos. Diese Werke sollen den Betrachtern helfen, ihre Rolle als respektvolle Hüter der Erde wiederzuentdecken. „Wir wollen neue, fürsorgliche Beziehungen zwischen Mensch und Erde erzählen – wahre ‚planetare‘ Liebesgeschichten“, so die Kuratoren. Die aktuelle Ausstellung „Heilende Kunst“ im LA8 beschäftigt sich mit einem sehr ähnlichen Thema aus einer anderen Perspektive. Zufall? Ich glaube nicht. Also wenn hingehen, dann wohl in beide Ausstellungen, so wie ich das gemacht habe.

Museum Frieder Burda: „I Feel the Earth Whisper“

Die Künstler haben im Ramen der Frieder-Burda-Ausstellung „I Feel the Earth Whisper“ Installationen geschaffen, die Naturlandschaften ins Museum holen und damit dynamische Räume schaffen. Diese fordern dazu auf, neue Perspektiven einzunehmen und eine Harmonie mit der Erde zu empfinden. So zumindest die Absicht der Künstler und Koratoren. Als ich durch das Werk „The Birth of Contemporous Blue Tree“ im Erdgeschoss lief, spürte ich sogar etwas Derartiges.

Die Installation „The Birth of Contemporous Blue Tree“ ist von Ernesto Neto und symbolisiert die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Sie lädt Besucher dazu ein, alle Sinne zu nutzen: riechen, hören oder berühren. Die Interaktion mit dem Betrachter fand ich wirklich faszinierend. Das gesamte Werk ist handgehäkelt und man muss die Schuhe ausziehen, bevor man es betritt. Ich fands cool. Die von der Kuppel des Werks hängenden Steine in den gehäkelten Schaukeln fand ich schon ganz interessant. Woran sie mich erinnerten, kann ich aus dem Stehgreif gar nicht sagen. Im Inneren der Installation stehen rhythmische Musikinstrumente zur freien Verfügung. Dort habe ich mir ordentlich einen abgetrommelt – und hatte Spaß bei.

Bianca Bondiy und Julian Charrière im Frieder Burda

Die Ausstellung ist aufgeteilt in die vier Künstler und ihre Auffassung von der Thematik Erde. Bianca Bondis beschäftigt sich in ihrer Installation „Salt Kisses My Lichens Away“ mit chemischen Prozessen wie Salzwasserreaktionen. Ihr Ziel ist es, Alltagsgegenstände in Kunst zu verwandeln. „Meine Werke sind eine eindringliche Erinnerung an die fragile Schönheit unseres Ökosystems“, sagt die Künstlerin selbst. In diesem Raum hielt ich mich allerdings nur sehr kurz auf.

Julian Charrière präsentiert unter dem Titel „Where Clouds Become Smoke“ Projekte über die Verflechtung von Mensch und Natur. Ein Highlight ist sein partizipatives Projekt „Calls for Action“. Es nutzt eine Live-Videoübertragung zwischen dem Schwarzwald und einem Küstenwald in Ecuador. Diese Idee fand ich sehr interessant und hab in dem abgedunkelten Raum, wo die Videoübertragung stattfindet, sogar ein Pärchen kennengelernt, das in der Nähe des Küstenwaldes in Ecuador lebte und demnach auch eine starke Verbindung zum Dargestellten hatte. Sie erzählten mir von ihren Spaziergängen durch die dortige Natur. Wir haben wirklich nett geplaudert. Die ölige Lavalampen-Action fand ich auch super und starrte sie richtig lange an.

Mein persönliches Highlight

Sam Falls setzt in seiner Ausstellung „Waldeinsamkeit“ auf natürliche Materialien wie etwa Heilsteine und Keramik aus dem Schwarzwald. Er lässt natürliche Prozesse auf seine Werke einwirken, um Vergänglichkeit und Zeitverlauf hervorzuheben. Am aller geilsten fand ich seinen „Vorhang“ aus den Halbedelsteinen. Es war eins meiner persönlichen Highlights in der gesamten Ausstellung. Ich hätte die Dinger am liebsten angeknabbert. Es war toll, es war anders, es war ästhetisch, es war geil und das beste: ich durfte es anfassen.

Die Ausstellung findet anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Museums statt. Gründer Frieder Burda wird mit der Schau für seinen visionären Geist gewürdigt. Sein lichtdurchflutetes Museum bietet eine Symbiose aus Kunst, Architektur und Natur entlang der wunderbaren Lichtentaler Allee in Baden-Baden. „I Feel the Earth Whisper“ ist noch bis zum 3. November 2024 im Museum Frieder Burda zu sehen.

Nach der recht interessanten Ausstellung ging ich ins Untergeschoss und stieß auf meinen geliebten Max Beckmann. Zwei seiner Werke lachten mich dort an.


Quelle: Website museum-frieder-burda.de „I Feel the Earth Whisper“

Bebilderung: Urheberrechte bei avecmadlen.com

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Heilende Kunst: Kohlrabi-Aposteln und nackte Hippies

Bei meiner letzten Tour durch mein geliebtes Baden-Baden entdeckte ich das Museum LA8 neu. Ich überflog die Ausstellungsbeschreibung und las dort den Namen Rudolf Steiner. Für mich stand sofort fest: ich muss da hin. Die Ausstellung hieß „Heilende Kunst“. Diese läuft auch noch bis zum 12. Januar 2025. Ich wurde im LA8 sehr herzlich empfangen. So etwas hatte ich noch nie erlebt – doch, im Fabergé Museum, ebenfalls in Baden-Baden vielleicht. Es war mal wieder so, als wäre ich nach einer langen Zeit nach Hause zurückgekehrt. Es war schön.

Ich nehme es gleich vorweg: Die Ausstellung war spannend, es waren einige bekannte Künstler dabei, ich konnte zahlreiche Anregungen mitnehmen und die öffentliche Führung, die mir die süße Frau am Eingang ans Herz gelegt hatte, war aufschlussreich, inspirierend und absolut empfehlenswert. Durchgeführt wurde sie von Elisabeth Gurock. Sie erzählte fesselnd, humorvoll, spannend und man spürte in jedem Satz, wie sehr sie für ihre Thematik brennt. Ich genoss jede Sekunde davon und konnte folgendes aus dieser Sonderausstellung mitnehmen (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

„Heilende Kunst“: Der Mensch gegen die Industrialisierung

Das Thema Ernährung hat schon im Zeitalter der Industrialisierung eine große Rolle gespielt. Die Menschen experimentierten mit Vegetarismus, Rohkost und verzichteten auf Genussmittel wie Alkohol und Tabak. Ihnen war klar, dass der Wunsch nach einer Veränderung immer beim Individuum selbst beginnen muss. Dieser Wunsch wurde wiederum durch die Folgen der Industrialisierung hervorgerufen. Wir erinnern uns: Sie startete 1711 in England mit der Dampfmaschine und kam im 19. Jahrhundert auch auf dem restlichen Kontinent an. Hier geht es zum Zeitstrahl der Industrialisierung.

Die Menschen hatten es satt. Sie fingen an, die negativen Auswirkungen der Industrialisierung wahrzunehmen: Schwindende Flächen, Arbeitsstellenverlust, miserable Lebensverhältnisse, Luftverpestung, Verschmutzung der Gewässer und viele andere Nachteile. Gehobene Gesellschaftsschichten, vor allem die mit einem kritischen Geist, wussten, dass sie aufstehen und etwas tun müssen. Geboren war eine ganze Bewegung von Industrialisierungsgegnern, die eine Lebensweise im Einklang mit der Natur angestrebt hatten.

LA8 Museum in Baden-Baden

Künstler und Kohlrabi-Apostel Karl Wilhelm Diefenbach

Einer der wichtigsten Vertreter dieser Bewegung war Karl Wilhelm Diefenbach. Nach einer langen Krankheitsphase hatte er ein Erweckungserlebnis, nach dem er eine Umstellung wollte. Er wurde Vegetarier, verzichtete auf Genussmittel und trug eine Kutte. Seine Kritiker nannten ihn „Kohlrabi-Apostel“. Davon ließ sich Diefenbach jedoch nicht aufhalten und gründete eine Kommune mit seinen Anhängern in der Nähe Münchens, wo er ganz und gar nicht willkommen war.

"Heilende Kunst": Gemälde von Karl Wilhelm Diefenbach im Museum LA8 in Baden-Baden
Diefenbach war als bekennender Pazifist, Nudist und Vegetarier. Barfuß und in eine Kutte gehüllt prangerte er vor dem Münchner Hofbräuhaus den „Tiermord“ an. „Lieber sterben, als meine Ideale verleugnen.“ Von der Nachwelt wurde Diefenbach weitgehend vergessen. Der dem Symbolismus der Jahrhundertwende nahestehende Künstler fand zu einer eigenständigen, überraschend modernen Bildsprache, die ihre Spuren bei Schülern wie František Kupka hinterlassen hat. Das. „Du sollst nicht töten“ (1902) gilt als eines der Hauptwerke des Künstlers.

Das vorliegende Bild gehört dem Städel Museum in Frankfurt und ist eine Leihgabe für die Ausstellung „Heildende Kunst“. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt dabei den Tieren. Das pathetische an diesem Gemälde: Karl Wilhelm Diefenbach malte sein eigenes Gesicht in der Darstellung Gottes.

Heilende Kunst im LA8: Karl Wilhelm Diefenbach
Und das ist der Mann der Stunde: Karl Wilhelm Diefenbach

Nackte Selbstversorger in Ascona

Ein weiterer wichtiger Akteur dieser Bewegung war Henri Oedenkoven. Er war zum einen Sohn eines Industriellen, zum anderen aber Mitbegründer des alternativen Siedlungsprojektes Monte Verità in Ascona. Oedenkoven war angewidert von der kapitalistischen Industriegesellschaft, also nutzte er das Familienvermögen für den Ausbau eines vegetarischen Zentrums, das sich zu einem spirituellen Sanatorium entwickelt hatte.

Die Ausstellung „Heilende Kunst“ präsentiert eine durch und durch interessante Fotogalerie seiner Anhänger, die nackt an der Sonne Gemüse ernteten. Ein Sanatorium, das ich nur zu gerne besuchen würde. Die Menschen, die dort lebten und arbeiteten, brachen wohl aus der von Zivilisation strotzenden Gesellschaft aus und wollten offenbar zurück zu ihrem natürlichen Ursprung. Sie versprachen sich Heilung durch nackte Arbeit, Selbstversorgung und Gemüseanbau. Eigentlich völlig logisch, oder?

Schönheit: Ein Grundbedürfnis des Menschen

1900 kam das Motto „zurück zur Natur“ auch in die Häuser der Reichen und Schönen. Die Arts & Crafts Bewegung wurde geboren. William Morris, Maler, Architekt, Dichter, Kunstgewerbler, Ingenieur und einer der wichtigsten Vertreter dieser Bewegung, erkannte, dass Schönheit ein Grundbedürfnis des Menschen ist. Das, was ich euch schon seit einiger Zeit predige. Er wollte weg von der Massenproduktion, die für ihn (und für alle anderen klar denkenden Menschen) ästhetisch unbefriedigend war.

Seine Idee griff Johann Heinrich Vogeler auf und brachte sie nach Deutschland. Er überdachte die Prinzipien von Morris und bezog die Idee dieser Ästhetik auf Kleidung, Geschirr, Besteck, Handtücher – eben auf alles, was in einem Haus zu finden sein könnte. Er sah das Haus sozusagen als Gesamtkunstwerk an. Schließlich mutierte Vogeler vom Ästhet in einen radikalen Kommunisten und verließ Deutschland.

Modell des Goetheanums im Museum LA8

In der LA8-Ausstellung „Heilende Kunst“ wird auch eins meiner ganz persönlichen Highlights ausgestellt: Das Goetheanum von (bitte jetzt Engelsgesang einsetzten) Rudolf Steiner. Also, nicht das ganze Goetheanum, nein, natürlich nicht. Lediglich die beiden Modelle: Der erste, vollständig aus Holz bestehende Tempel, der durch mutmaßliche Brandstiftung 1920 den Flammen zum Opfer fiel, und das zweite, steinerne (höhö Steiner) Goetheanum, das bis heute in Dornach vor sich hin steht und alle Interessierten zu einem unvergesslichen Besuch einlädt.

2014, glaube ich, war ich vor Ort. Es war wahnsinnig faszinierend. Das Goetheanum hat keinen einzigen rechten Winkel im gesamten Baukomplex. Es hat freie Räume, ein absolut verrücktes Spiel mit dem durch die Fenster eindringendes Licht – die Atmosphäre darin ist maximal sexuell aufgeladen. Ich bin demnächst wieder vor Ort und entdecke es für euch neu. Bleibt also dran. Es lohnt sich. Ich werde dann auch versuchen, mich dem schwierigen Thema Rudolf Steiner anzunehmen.


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Tag des offenen Denkmals: Programm in Frakfurt

Endlich ist es soweit. Nachdem ich vor zwei Jahren meinen Spaß am Tag des offenen Denkmals in Heidelberg hatte, lädt dieselbe Veranstaltung auch am Sonntag, 8. September, zu einer Erkundung in Frankfurt ein. Also nicht nur in Frankfurt, sondern bundesweit – ich bin aber in FFM für euch am Start. Das ist die Gelegenheit, die Stadtgeschichte deiner Stadt hautnah zu erleben. An diesem besonderen Tag öffnen zahlreiche historische Stätten und Denkmäler ihre Tore, die sonst verschlossen bleiben.

Hier geht’s zur damaligen Fotostreckenstory in Heidelberg – wie immer mit ganz viel Liebe in jedem Pixel.

Tag des offenen Denkmals in FFM: Programm

Das Programm umfasst eine Vielzahl von Veranstaltungen, Führungen und Aktivitäten. Diese werden von lokalen Experten und Geschichtenerzählern begleitet. In Frankfurt ist das allerdings wie immer so, dass die Führungen auf nur 20 Besucher beschränkt sind – und das mit Voranmeldung. Trauriger Scheiß, aber so ist es leider immer in FFM. Alles, was Spaß macht, ist ausgebucht, bevor überhaupt ein Termin feststeht (ich übertreibe an dieser Stelle etwas, aber ihr kennt’s sicher auch).

Die Organisatoren ermuntern Frankfurter sowie auch Touristen, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Insgesamt stehen 19 Bauwerke zur Besichtigung offen:

  • Alte Nikolaikirche (Römerberg 11)
  • Altes Portal des Frankfurter Hauptfriedhofs (Eckenheimer Landstr. 188-190)
  • Dorfkirche Unterliederbach (Heugasse 1)
  • Dreikönigskirche (Dreikönigsstr. 32)
  • Ehemalige Bonifatius-Kapelle (Oberer Kalbacher Weg 7)
  • Ehemalige DB-Zentrale (Stephensonstraße 1)
  • Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“ (Taunusanlage 20)
  • Evangelische Kreuzkirche (Weinstr. 25)
  • Frauenfriedenskirche (Zeppelinallee)
  • Hellerhofsiedlung und Alte Hellerhofsiedlung (Rebstöcker Str. 95)
  • Justinuskirche Höchst (Justinusplatz 2)
  • Kirche St. Leonhard (Am Leonhardstor 25)- Lohrpark (Auf dem Lohr 9)
  • Römische Raststation Heidenschloß (Oeserstr. 180)
  • Studierendenhaus (Mertonstr. 26-28)
  • Töpferhaus (Erich-Ollenhauer-Ring)
  • Villa 102 (Bockenheimer Landstr. 102)
  • Wasserwerk Griesheim (Oeserstr. 181)
  • Willemerschule (Willemerstr. 8–10)

Eine Stadtkarte auf der Website des Veranstalters hilft bei der Planung des Besuchs.

Tag des offenen Denkmals: Meine persönlichen Highlights

Zu den besonderen Highlights gehört für mich persönlich die Justinuskirche Höchst, die mitten in der Höchster Altstadt liegt und zwischen den Jahren 830 bis 850 erbaut wurde. Der Besuch dieser historischen Kirche lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch die nahegelegene Fachwerkstraße verbinden. Am Höchster Schloss findet zudem ein Jazzfestival statt. Eintritt frei. Warum ist diese Kirche für mich so ein besonderer Ort? Naja. Das ist genau die Kirche, in dessen Kräutergarten ich einbrechen wollte, als der Zahnarzt und ich unser erstes Date hatten. Ich habe es NICHT getan, ok? Weil ich ein anständiger Mensch bin.

Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist das ehemalige Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“. Da plane ich dieses Jahr auf jeden Fall hinzugehen. Ich erzähle euch im Nachklang, wer mich dahin begleitet. Das Gebäude stammt jedenfalls aus den Jahren zwischen 1898 und 1900 und steht derzeit leer. Es zeichnet sich durch seine klassizistische und barocke Bauweise aus. Besonders heiß bin ich auf die Innenräume – mal sehen, wie weit ich mit meinem Presseausweis komme.

Auf diesen Brutalisten freue ich mich besonders

Auch das Bürogebäude der ehemaligen Hauptverwaltung der Deutsche Bahn AG in Frankfurt-Gallus ist für mich ein absolutes Highlight und ich brenne auf den Besuch dieses Brutalisten. Auch wenn es nicht so hoch ist, wie manche Wolkenkratzer, die die Frankfurter Skyline zieren, ist es dennoch ein Hochhaus. Es wurde in den Jahren zwischen 1991 und 1993 erbaut und anschließend als Kulturdenkmal eingestuft.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals in Frankfurt, Heidelberg und all den anderen wunderbaren Städten Deutschlands, findet ihr auf der offiziellen Website der Veranstalter.


Transparenzhinweis: Hierbei handelt es sich um einen Artikel, den ich zunächst für ein anderes Medium geschrieben habe und dann eiskalt durch die KI gejagt und meinen Senf zugefügt habe.

Zum Bild: Das Höchster Schloss kann nicht besucht werden. Wie gesagt findet in dessen Innenhof das Jazzfestival statt. Der Turm jedoch bleibt auch zum Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit verschlossen. Leider.

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