Kategorien
Kunst & Architektur

Franz Kafka in Frankfurt

Franz Kafka: brillanter Schriftsteller und… Künstler? Ganz genau. Diese bislang wenig bekannte Seite seines Schaffens wurde erst 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, als Prof. Andreas Kilcher von der ETH Zürich Kafkas Zeichnungen edierte.

Die Zeichnungen, die viele Jahre in einem Zürcher Banksafe aufbewahrt wurden, sind nun in einem Band veröffentlicht, der bereits in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurde. Diese Veröffentlichung hat eine neue Dimension von Kafkas künstlerischem Vermächtnis offenbart und bietet neue Perspektiven auf seine literarischen Werke.

Franz Kafka Buch: Die Zeichnungen
Na ratet mal, wer es von seinem Ex zu Weihnachten bekommen hat.

Franz Kafka: Verbindung zwischen Kunst und Literatur

Prof. Kilcher widmet sich in seinem jüngsten Buch „Kafkas Werkstatt. Der Schriftsteller bei der Arbeit“ der Verbindung von Kafkas zeichnerischem und schriftstellerischem Wirken. Er argumentiert, dass Kafkas Schreiben durch visuelle Elemente beeinflusst wurde und dass das Verständnis seiner Zeichnungen auch neues Licht auf sein literarisches Werk wirft.

Am Donnerstag, 12. September, beleuchtet das Jüdische Museum am Bertha-Pappenheim-Platz 1 in Frankfurt diese Thematik. In Kooperation mit dem Buber-Rosenzweig-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt findet um 19 Uhr eine Veranstaltung statt. Bei dieser werden Kafkas Zeichnen und sein Schreiben ins Verhältnis gesetzt.

Das Gespräch mit Prof. Kilcher moderiert Julia Encke, Feuilletonchefin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ich werde vor Ort sein und euch mehr von dieser fantastischen Veranstaltung erzählen.

Kategorien
Kunst & Architektur

Sinnliche Reise durch das Museum Frieder Burda

Unter dem Titel „I Feel the Earth Whisper“ lädt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden Besucher ein, sich auf eine sinnliche Reise durch die Kunst der Natur zu begeben. Die Ausstellung zeigt Werke von Bianca Bondi, Julian Charrière, Sam Falls und Ernesto Neto. Ziel ist es, die Verbundenheit des Menschen mit der Natur zu beleuchten. Ein paar Exponate gefielen mir ziemlich gut, also zeige ich sie euch weiter unten.

Die Schau umfasst Skulpturen, Malereien, Videos und Fotos. Diese Werke sollen den Betrachtern helfen, ihre Rolle als respektvolle Hüter der Erde wiederzuentdecken. „Wir wollen neue, fürsorgliche Beziehungen zwischen Mensch und Erde erzählen – wahre ‚planetare‘ Liebesgeschichten“, so die Kuratoren. Die aktuelle Ausstellung „Heilende Kunst“ im LA8 beschäftigt sich mit einem sehr ähnlichen Thema aus einer anderen Perspektive. Zufall? Ich glaube nicht. Also wenn hingehen, dann wohl in beide Ausstellungen, so wie ich das gemacht habe.

Museum Frieder Burda: „I Feel the Earth Whisper“

Die Künstler haben im Ramen der Frieder-Burda-Ausstellung „I Feel the Earth Whisper“ Installationen geschaffen, die Naturlandschaften ins Museum holen und damit dynamische Räume schaffen. Diese fordern dazu auf, neue Perspektiven einzunehmen und eine Harmonie mit der Erde zu empfinden. So zumindest die Absicht der Künstler und Koratoren. Als ich durch das Werk „The Birth of Contemporous Blue Tree“ im Erdgeschoss lief, spürte ich sogar etwas Derartiges.

Die Installation „The Birth of Contemporous Blue Tree“ ist von Ernesto Neto und symbolisiert die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Sie lädt Besucher dazu ein, alle Sinne zu nutzen: riechen, hören oder berühren. Die Interaktion mit dem Betrachter fand ich wirklich faszinierend. Das gesamte Werk ist handgehäkelt und man muss die Schuhe ausziehen, bevor man es betritt. Ich fands cool. Die von der Kuppel des Werks hängenden Steine in den gehäkelten Schaukeln fand ich schon ganz interessant. Woran sie mich erinnerten, kann ich aus dem Stehgreif gar nicht sagen. Im Inneren der Installation stehen rhythmische Musikinstrumente zur freien Verfügung. Dort habe ich mir ordentlich einen abgetrommelt – und hatte Spaß bei.

Bianca Bondiy und Julian Charrière im Frieder Burda

Die Ausstellung ist aufgeteilt in die vier Künstler und ihre Auffassung von der Thematik Erde. Bianca Bondis beschäftigt sich in ihrer Installation „Salt Kisses My Lichens Away“ mit chemischen Prozessen wie Salzwasserreaktionen. Ihr Ziel ist es, Alltagsgegenstände in Kunst zu verwandeln. „Meine Werke sind eine eindringliche Erinnerung an die fragile Schönheit unseres Ökosystems“, sagt die Künstlerin selbst. In diesem Raum hielt ich mich allerdings nur sehr kurz auf.

Julian Charrière präsentiert unter dem Titel „Where Clouds Become Smoke“ Projekte über die Verflechtung von Mensch und Natur. Ein Highlight ist sein partizipatives Projekt „Calls for Action“. Es nutzt eine Live-Videoübertragung zwischen dem Schwarzwald und einem Küstenwald in Ecuador. Diese Idee fand ich sehr interessant und hab in dem abgedunkelten Raum, wo die Videoübertragung stattfindet, sogar ein Pärchen kennengelernt, das in der Nähe des Küstenwaldes in Ecuador lebte und demnach auch eine starke Verbindung zum Dargestellten hatte. Sie erzählten mir von ihren Spaziergängen durch die dortige Natur. Wir haben wirklich nett geplaudert. Die ölige Lavalampen-Action fand ich auch super und starrte sie richtig lange an.

Mein persönliches Highlight

Sam Falls setzt in seiner Ausstellung „Waldeinsamkeit“ auf natürliche Materialien wie etwa Heilsteine und Keramik aus dem Schwarzwald. Er lässt natürliche Prozesse auf seine Werke einwirken, um Vergänglichkeit und Zeitverlauf hervorzuheben. Am aller geilsten fand ich seinen „Vorhang“ aus den Halbedelsteinen. Es war eins meiner persönlichen Highlights in der gesamten Ausstellung. Ich hätte die Dinger am liebsten angeknabbert. Es war toll, es war anders, es war ästhetisch, es war geil und das beste: ich durfte es anfassen.

Die Ausstellung findet anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Museums statt. Gründer Frieder Burda wird mit der Schau für seinen visionären Geist gewürdigt. Sein lichtdurchflutetes Museum bietet eine Symbiose aus Kunst, Architektur und Natur entlang der wunderbaren Lichtentaler Allee in Baden-Baden. „I Feel the Earth Whisper“ ist noch bis zum 3. November 2024 im Museum Frieder Burda zu sehen.

Nach der recht interessanten Ausstellung ging ich ins Untergeschoss und stieß auf meinen geliebten Max Beckmann. Zwei seiner Werke lachten mich dort an.


Quelle: Website museum-frieder-burda.de „I Feel the Earth Whisper“

Bebilderung: Urheberrechte bei avecmadlen.com

Kategorien
Kunst & Architektur

Heilende Kunst: Kohlrabi-Aposteln und nackte Hippies

Bei meiner letzten Tour durch mein geliebtes Baden-Baden entdeckte ich das Museum LA8 neu. Ich überflog die Ausstellungsbeschreibung und las dort den Namen Rudolf Steiner. Für mich stand sofort fest: ich muss da hin. Die Ausstellung hieß „Heilende Kunst“. Diese läuft auch noch bis zum 12. Januar 2025. Ich wurde im LA8 sehr herzlich empfangen. So etwas hatte ich noch nie erlebt – doch, im Fabergé Museum, ebenfalls in Baden-Baden vielleicht. Es war mal wieder so, als wäre ich nach einer langen Zeit nach Hause zurückgekehrt. Es war schön.

Ich nehme es gleich vorweg: Die Ausstellung war spannend, es waren einige bekannte Künstler dabei, ich konnte zahlreiche Anregungen mitnehmen und die öffentliche Führung, die mir die süße Frau am Eingang ans Herz gelegt hatte, war aufschlussreich, inspirierend und absolut empfehlenswert. Durchgeführt wurde sie von Elisabeth Gurock. Sie erzählte fesselnd, humorvoll, spannend und man spürte in jedem Satz, wie sehr sie für ihre Thematik brennt. Ich genoss jede Sekunde davon und konnte folgendes aus dieser Sonderausstellung mitnehmen (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

„Heilende Kunst“: Der Mensch gegen die Industrialisierung

Das Thema Ernährung hat schon im Zeitalter der Industrialisierung eine große Rolle gespielt. Die Menschen experimentierten mit Vegetarismus, Rohkost und verzichteten auf Genussmittel wie Alkohol und Tabak. Ihnen war klar, dass der Wunsch nach einer Veränderung immer beim Individuum selbst beginnen muss. Dieser Wunsch wurde wiederum durch die Folgen der Industrialisierung hervorgerufen. Wir erinnern uns: Sie startete 1711 in England mit der Dampfmaschine und kam im 19. Jahrhundert auch auf dem restlichen Kontinent an. Hier geht es zum Zeitstrahl der Industrialisierung.

Die Menschen hatten es satt. Sie fingen an, die negativen Auswirkungen der Industrialisierung wahrzunehmen: Schwindende Flächen, Arbeitsstellenverlust, miserable Lebensverhältnisse, Luftverpestung, Verschmutzung der Gewässer und viele andere Nachteile. Gehobene Gesellschaftsschichten, vor allem die mit einem kritischen Geist, wussten, dass sie aufstehen und etwas tun müssen. Geboren war eine ganze Bewegung von Industrialisierungsgegnern, die eine Lebensweise im Einklang mit der Natur angestrebt hatten.

LA8 Museum in Baden-Baden

Künstler und Kohlrabi-Apostel Karl Wilhelm Diefenbach

Einer der wichtigsten Vertreter dieser Bewegung war Karl Wilhelm Diefenbach. Nach einer langen Krankheitsphase hatte er ein Erweckungserlebnis, nach dem er eine Umstellung wollte. Er wurde Vegetarier, verzichtete auf Genussmittel und trug eine Kutte. Seine Kritiker nannten ihn „Kohlrabi-Apostel“. Davon ließ sich Diefenbach jedoch nicht aufhalten und gründete eine Kommune mit seinen Anhängern in der Nähe Münchens, wo er ganz und gar nicht willkommen war.

"Heilende Kunst": Gemälde von Karl Wilhelm Diefenbach im Museum LA8 in Baden-Baden
Diefenbach war als bekennender Pazifist, Nudist und Vegetarier. Barfuß und in eine Kutte gehüllt prangerte er vor dem Münchner Hofbräuhaus den „Tiermord“ an. „Lieber sterben, als meine Ideale verleugnen.“ Von der Nachwelt wurde Diefenbach weitgehend vergessen. Der dem Symbolismus der Jahrhundertwende nahestehende Künstler fand zu einer eigenständigen, überraschend modernen Bildsprache, die ihre Spuren bei Schülern wie František Kupka hinterlassen hat. Das. „Du sollst nicht töten“ (1902) gilt als eines der Hauptwerke des Künstlers.

Das vorliegende Bild gehört dem Städel Museum in Frankfurt und ist eine Leihgabe für die Ausstellung „Heildende Kunst“. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt dabei den Tieren. Das pathetische an diesem Gemälde: Karl Wilhelm Diefenbach malte sein eigenes Gesicht in der Darstellung Gottes.

Heilende Kunst im LA8: Karl Wilhelm Diefenbach
Und das ist der Mann der Stunde: Karl Wilhelm Diefenbach

Nackte Selbstversorger in Ascona

Ein weiterer wichtiger Akteur dieser Bewegung war Henri Oedenkoven. Er war zum einen Sohn eines Industriellen, zum anderen aber Mitbegründer des alternativen Siedlungsprojektes Monte Verità in Ascona. Oedenkoven war angewidert von der kapitalistischen Industriegesellschaft, also nutzte er das Familienvermögen für den Ausbau eines vegetarischen Zentrums, das sich zu einem spirituellen Sanatorium entwickelt hatte.

Die Ausstellung „Heilende Kunst“ präsentiert eine durch und durch interessante Fotogalerie seiner Anhänger, die nackt an der Sonne Gemüse ernteten. Ein Sanatorium, das ich nur zu gerne besuchen würde. Die Menschen, die dort lebten und arbeiteten, brachen wohl aus der von Zivilisation strotzenden Gesellschaft aus und wollten offenbar zurück zu ihrem natürlichen Ursprung. Sie versprachen sich Heilung durch nackte Arbeit, Selbstversorgung und Gemüseanbau. Eigentlich völlig logisch, oder?

Schönheit: Ein Grundbedürfnis des Menschen

1900 kam das Motto „zurück zur Natur“ auch in die Häuser der Reichen und Schönen. Die Arts & Crafts Bewegung wurde geboren. William Morris, Maler, Architekt, Dichter, Kunstgewerbler, Ingenieur und einer der wichtigsten Vertreter dieser Bewegung, erkannte, dass Schönheit ein Grundbedürfnis des Menschen ist. Das, was ich euch schon seit einiger Zeit predige. Er wollte weg von der Massenproduktion, die für ihn (und für alle anderen klar denkenden Menschen) ästhetisch unbefriedigend war.

Seine Idee griff Johann Heinrich Vogeler auf und brachte sie nach Deutschland. Er überdachte die Prinzipien von Morris und bezog die Idee dieser Ästhetik auf Kleidung, Geschirr, Besteck, Handtücher – eben auf alles, was in einem Haus zu finden sein könnte. Er sah das Haus sozusagen als Gesamtkunstwerk an. Schließlich mutierte Vogeler vom Ästhet in einen radikalen Kommunisten und verließ Deutschland.

Modell des Goetheanums im Museum LA8

In der LA8-Ausstellung „Heilende Kunst“ wird auch eins meiner ganz persönlichen Highlights ausgestellt: Das Goetheanum von (bitte jetzt Engelsgesang einsetzten) Rudolf Steiner. Also, nicht das ganze Goetheanum, nein, natürlich nicht. Lediglich die beiden Modelle: Der erste, vollständig aus Holz bestehende Tempel, der durch mutmaßliche Brandstiftung 1920 den Flammen zum Opfer fiel, und das zweite, steinerne (höhö Steiner) Goetheanum, das bis heute in Dornach vor sich hin steht und alle Interessierten zu einem unvergesslichen Besuch einlädt.

2014, glaube ich, war ich vor Ort. Es war wahnsinnig faszinierend. Das Goetheanum hat keinen einzigen rechten Winkel im gesamten Baukomplex. Es hat freie Räume, ein absolut verrücktes Spiel mit dem durch die Fenster eindringendes Licht – die Atmosphäre darin ist maximal sexuell aufgeladen. Ich bin demnächst wieder vor Ort und entdecke es für euch neu. Bleibt also dran. Es lohnt sich. Ich werde dann auch versuchen, mich dem schwierigen Thema Rudolf Steiner anzunehmen.


Quellen:

Kategorien
Kunst & Architektur Reisen

Tag des offenen Denkmals: Programm in Frakfurt

Endlich ist es soweit. Nachdem ich vor zwei Jahren meinen Spaß am Tag des offenen Denkmals in Heidelberg hatte, lädt dieselbe Veranstaltung auch am Sonntag, 8. September, zu einer Erkundung in Frankfurt ein. Also nicht nur in Frankfurt, sondern bundesweit – ich bin aber in FFM für euch am Start. Das ist die Gelegenheit, die Stadtgeschichte deiner Stadt hautnah zu erleben. An diesem besonderen Tag öffnen zahlreiche historische Stätten und Denkmäler ihre Tore, die sonst verschlossen bleiben.

Hier geht’s zur damaligen Fotostreckenstory in Heidelberg – wie immer mit ganz viel Liebe in jedem Pixel.

Tag des offenen Denkmals in FFM: Programm

Das Programm umfasst eine Vielzahl von Veranstaltungen, Führungen und Aktivitäten. Diese werden von lokalen Experten und Geschichtenerzählern begleitet. In Frankfurt ist das allerdings wie immer so, dass die Führungen auf nur 20 Besucher beschränkt sind – und das mit Voranmeldung. Trauriger Scheiß, aber so ist es leider immer in FFM. Alles, was Spaß macht, ist ausgebucht, bevor überhaupt ein Termin feststeht (ich übertreibe an dieser Stelle etwas, aber ihr kennt’s sicher auch).

Die Organisatoren ermuntern Frankfurter sowie auch Touristen, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Insgesamt stehen 19 Bauwerke zur Besichtigung offen:

  • Alte Nikolaikirche (Römerberg 11)
  • Altes Portal des Frankfurter Hauptfriedhofs (Eckenheimer Landstr. 188-190)
  • Dorfkirche Unterliederbach (Heugasse 1)
  • Dreikönigskirche (Dreikönigsstr. 32)
  • Ehemalige Bonifatius-Kapelle (Oberer Kalbacher Weg 7)
  • Ehemalige DB-Zentrale (Stephensonstraße 1)
  • Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“ (Taunusanlage 20)
  • Evangelische Kreuzkirche (Weinstr. 25)
  • Frauenfriedenskirche (Zeppelinallee)
  • Hellerhofsiedlung und Alte Hellerhofsiedlung (Rebstöcker Str. 95)
  • Justinuskirche Höchst (Justinusplatz 2)
  • Kirche St. Leonhard (Am Leonhardstor 25)- Lohrpark (Auf dem Lohr 9)
  • Römische Raststation Heidenschloß (Oeserstr. 180)
  • Studierendenhaus (Mertonstr. 26-28)
  • Töpferhaus (Erich-Ollenhauer-Ring)
  • Villa 102 (Bockenheimer Landstr. 102)
  • Wasserwerk Griesheim (Oeserstr. 181)
  • Willemerschule (Willemerstr. 8–10)

Eine Stadtkarte auf der Website des Veranstalters hilft bei der Planung des Besuchs.

Tag des offenen Denkmals: Meine persönlichen Highlights

Zu den besonderen Highlights gehört für mich persönlich die Justinuskirche Höchst, die mitten in der Höchster Altstadt liegt und zwischen den Jahren 830 bis 850 erbaut wurde. Der Besuch dieser historischen Kirche lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch die nahegelegene Fachwerkstraße verbinden. Am Höchster Schloss findet zudem ein Jazzfestival statt. Eintritt frei. Warum ist diese Kirche für mich so ein besonderer Ort? Naja. Das ist genau die Kirche, in dessen Kräutergarten ich einbrechen wollte, als der Zahnarzt und ich unser erstes Date hatten. Ich habe es NICHT getan, ok? Weil ich ein anständiger Mensch bin.

Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist das ehemalige Verwaltungsgebäude der Frankfurter Versicherungsgesellschaft „Providentia“. Da plane ich dieses Jahr auf jeden Fall hinzugehen. Ich erzähle euch im Nachklang, wer mich dahin begleitet. Das Gebäude stammt jedenfalls aus den Jahren zwischen 1898 und 1900 und steht derzeit leer. Es zeichnet sich durch seine klassizistische und barocke Bauweise aus. Besonders heiß bin ich auf die Innenräume – mal sehen, wie weit ich mit meinem Presseausweis komme.

Auf diesen Brutalisten freue ich mich besonders

Auch das Bürogebäude der ehemaligen Hauptverwaltung der Deutsche Bahn AG in Frankfurt-Gallus ist für mich ein absolutes Highlight und ich brenne auf den Besuch dieses Brutalisten. Auch wenn es nicht so hoch ist, wie manche Wolkenkratzer, die die Frankfurter Skyline zieren, ist es dennoch ein Hochhaus. Es wurde in den Jahren zwischen 1991 und 1993 erbaut und anschließend als Kulturdenkmal eingestuft.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals in Frankfurt, Heidelberg und all den anderen wunderbaren Städten Deutschlands, findet ihr auf der offiziellen Website der Veranstalter.


Transparenzhinweis: Hierbei handelt es sich um einen Artikel, den ich zunächst für ein anderes Medium geschrieben habe und dann eiskalt durch die KI gejagt und meinen Senf zugefügt habe.

Zum Bild: Das Höchster Schloss kann nicht besucht werden. Wie gesagt findet in dessen Innenhof das Jazzfestival statt. Der Turm jedoch bleibt auch zum Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit verschlossen. Leider.

Kategorien
Kunst & Architektur

Kandinsky und Münter verfilmt: Eine bodenlose Liebe

Nach mehr als 100 Jahren kehren Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in einem neuen Film erneut an den Starnberger See zurück. Marcus O. Rosenmüllers Film „Münter & Kandinsky“ beleuchtet die komplexe Liebesgeschichte des Künstlerpaares und wird vor dem Kinostart im Oktober auf dem Fünfseen-Filmfestival gezeigt. Das Drehbuch, geschrieben von Alice Brauner, basiert auf Dokumenten, Tagebucheinträgen und Briefen, wobei viele Dialoge aus Originalzitaten bestehen.

Der Film zeigt jedoch nur eine vereinfachte Darstellung der Beziehung: Ein erfolgreicher Mann verlässt seine kluge Partnerin für eine jüngere Frau. Die Realität war weitaus vielschichtiger.

Wenn ihr Interesse an Kandinsky und dem Blauen Reiter habt, ist das bundesweit das BESTE, was ihr euch ansehen könnt.

Das war Gabriele Münter für Wassily Kandinsky

Gabriele Münter wurde 1877 in Berlin geboren und wuchs in Koblenz auf. Sie kam 1901 nach München, nachdem sie zuvor zwei Jahre durch die USA gereist war und das Fotografieren für sich entdeckt hatte. In München schrieb sie sich in der Schule des Künstlerinnen-Vereins ein, da Frauen kein Studium an der Kunstakademie erlaubt war. Später wechselte sie zur Phalanx-Kunstschule, wo sie einen Bildhauerkurs bei Wilhelm Hüsgen belegte, der auch Abendaktunterricht bei Wassily Kandinsky einschloss.

Kandinsky stammte aus einer wohlhabenden russischen Teehändlerfamilie und hatte ein Jurastudium in Moskau absolviert, bevor er sich 1896 endgültig für die Malerei entschied. In München studierte er bei Franz von Stuck an der Kunstakademie und gründete 1901 die Künstlervereinigung „Phalanx“, wo er auch als Lehrer tätig wurde.

Lehrer und Schülerin verliebten sich schnell ineinander, obwohl Kandinsky verheiratet war. Er versicherte ihr jedoch seine unglückliche Ehe. Anfangs wies Münter ihn zurück, begleitete ihn dann aber doch zu Malferien nach Kochel.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Kandinsky in seinem Atelier. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

Münter stellt Kandinsky ein Ultimatum

Als Kandinskys Ehefrau Anja Tschimiakin ihren Besuch ankündigte, bat er Münter abzureisen. Sie ging nach Bonn zu ihren Geschwistern und verlangte eine Entscheidung von ihm.

Kandinsky lebte wie auf der Flucht – immer unterwegs zwischen verschiedenen Orten wie Holland, Tunis oder Italien – oft auch am Starnberger See zum Malen oder Urlaub machen. Er schrieb Briefe voller Sehnsucht an Münter und arrangierte Treffen mit ihr in Starnberg. „Ich hoffe sehr, dass ich beim Aussteigen in Starnberg dich am Perron stehen sehe“, schrieb er ihr in einem Brief.

Münter zeigte große Geduld mit seinen unsteten Gemütszuständen, doch schrieb in einem ihrer Briefe: „Das Leben war zu provisorisch… um befriedigend zu sein.“

Kandinskys Kunst verändert sich

Am 17. Juni 1908 suchten beide erstmals aktiv nach einer festen Bleibe im Land – ihre erste Station war Starnberg. Der mondäne Kurort erschreckte sie jedoch; von der Einsamkeit Südtiroler Berge kommend suchten sie das Weite Richtung Murnau – wo sie schließlich heimisch wurden. Dort fanden sie zur neuartigen Malerei mit intensiven Farben; diese Phase veränderte bald darauf grundlegend die Kunstgeschichte.

Hier erfährst du welches Gemälde Kandinskys ein entscheidender Wendepunkt in seiner Kunst war.

Der Film „Münter & Kandinsky“ läuft erstmals am Mittwoch (4. September) um 17 Uhr in Gauting noch vor dem eigentlichen offizielle Veröffentlichungsdatum im Oktober. Ab dann wird eine Kinoformatierung starten, auf die ich natürlich hot hot hot bin. Vielleicht wird das mein erster Kinobesuch nach 5 Jahren (wenn nicht noch davor etwas derart interessantes rauskommt).


Quelle: sueddeutsche.de, „Stelldichein am See“

Artikelbild-Copyright: IMAGO / Heritage Images

Kategorien
Kunst & Architektur

Deshalb sollet ihr das LA8 in Baden-Baden besuchen

Ich freue mich, euch das Museum LA8 vorzustellen. Dieses Kunsthaus ist mit Sicherheit eine kleine kulturelle Bereicherung für jeden Besuch in der wunderschönen Kurstadt Baden-Baden.

Das Museum LA8, eingebettet im historischen Zentrum von Baden-Baden, bietet einen tiefen Einblick in die Kunst und Kultur des 19. Jahrhunderts. Es ist Teil der Stiftung Gesellschaft für Geschichte des Welthandels, die sich darauf konzentriert, historische Zusammenhänge aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Zu finden ist das LA8 direkt an der Lichtentaler Allee in der Nähe des Museums Frieder Burda sowie auch der Baden-Badener Kunsthalle.

LA8 Museum in Baden-Baden
Ausstellung „Heilende Kunst“ im LA8

Ich liebe das LA8 in Baden-Baden

Die Ausstellungen im Museum sind sorgfältig kuratiert und thematisieren bedeutende Entwicklungen und Ereignisse des 19. und manchmal auch 20. Jahrhunderts. Besucher können sich auf Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Grafik freuen sowie auf interessante Exponate aus dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte. Durch wechselnde Sonderausstellungen bleibt das Angebot stets spannend und abwechslungsreich. Ich war erst wenige Male hier, doch wurde nie enttäuscht. Die Sonderausstellungen ragten für mich durch ihre Klaren Konzepte und Linien heraus. Dabei konnte ich natürlich auch jedes Mal über spannende Künstlerbewegungen und Kulturen lernen. Das Interessante dabei ist, dass das LA8 stets bekannte Künstler ausstellt. In jeder Thematik findet sich mindestens ein richtiger Banger wieder.

Der Museumsbesuch wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt. Zu den Angeboten zählen Führungen, Vorträge und Workshops, die es ermöglichen, noch tiefer in die behandelten Themen einzutauchen und mehr über die ausgestellten Werke und deren historischen Kontext zu erfahren.

Madlen Trefzer im Museum LA8
Hi allerseits 😛

Öffnungszeiten und Preise

Öffnungszeiten:
– Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
– Montag: geschlossen

Eintrittspreise:
– Erwachsene: 7 Euro
– Ermäßigt (Schüler, Studenten): 5 Euro
– Kinder unter 6 Jahren: frei
– Familienkarte (2 Erwachsene + Kinder): 15 Euro

Das Museum LA8 liegt zentral und ist gut zu erreichen:
Lichtentaler Allee 8
76530 Baden-Baden

Weitere Informationen findet ihr auf der Website des Museums.

Kombiniert euren Museumsbesuch mit einer Wanderung

Ich kann das Museum LA8 jedem Besucher von Baden-Baden wärmstens empfehlen. Es bietet eine hervorragende Gelegenheit, spannende historische Einblicke zu gewinnen und beeindruckende Kunstwerke zu bewundern. Macht euren Aufenthalt in Baden-Baden mit einem Besuch dieses außergewöhnlichen Museums unvergesslich! Und geht im Anschluss rauf auf das Schloss Hohenbaden (alias Altes Schloss).

Kategorien
Kunst & Architektur

Die verborgene Magie der Casablanca Art School

Nur wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 entwickelt sich in Casablanca ein pulsierendes Zentrum kultureller Erneuerung. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert das einflussreiche Wirken der Casablanca Art School in einer ersten großen Ausstellung. Diese läuft noch bis zum 13. Oktober 2024.

Wer waren die Köpfe hinter der Künstlerbewegung?

Die Hauptvertreterinnen dieser innovativen Kunsthochschule, Farid Belkahia (1934–2014), Mohammed Chabâa (1935–2013), Bert Flint (1931–2022), Toni Maraini (1941) und Mohamed Melehi (1936–2020), werden zusammen mit Studierenden, Lehrenden und assoziierten Künstlerinnen schnell zu einem Motor für die Entwicklung einer postkolonialen modernen Kunst in der Region.

Ihr Anliegen ist die Öffnung zu den lokalen künstlerischen Traditionen und zur neuen sozialen Wirklichkeit. Unter anderem im Dialog mit den Ideen des Bauhaus wird das Verhältnis zwischen Kunst, Handwerk, Design und Architektur im lokalen Kontext neu bestimmt, künstlerische Einflüsse aus westlichen Metropolen werden mit Elementen des während der Kolonialzeit unterdrückten lokalen Kulturerbes kombiniert. Die Schirn präsentiert rund 100 Werke von 22 Künstlerinnen. Darunter großformatige abstrakte Gemälde, urbane Wandbilder, Kunsthandwerk, Grafiken, Innenarchitektur und Typografie, sowie auch selten gezeigte Filme, Zeitschriften und Fotografien. Sichtbar wird eine spezifisch marokkanische Kunstszene, die sich transnational verortet.

Das sagt der Schirn-Direktort zu der Ausstellung

Das sagt Sebastian Baden, Direktor der Schirn, über die Ausstellung: „Dies ist die erste institutionelle Ausstellung, die das einflussreiche Vermächtnis der Casablanca Art School umfassend vorstellt. Nach der Unabhängigkeit Marokkos gestalteten die Lehrenden und Studierenden der Kunsthochschule von Casablanca einen besonderen Ort für das Kunstschaffen und Kunststudium. Ihr Ziel war es, die Kunst zu dekolonisieren und zu liberalisieren, ihre Werke platzierten sie mit Zeitschriften, Wandgemälden im öffentlichen Raum und Festivals unmittelbar in den Alltag der Menschen. Es ist an der Zeit für eine umfassende Würdigung dieser international vernetzten, wichtigen künstlerischen Bewegung. Diese Schau erweitert die bisherige westliche Deutung der Entwicklung der modernen abstrakten Malerei um eine neue, internationale Perspektive und trägt damit zur Ausdifferenzierung des kunsthistorischen Kanons bei.“

Die Ausstellung ist chronologisch-thematisch in acht Sektionen gegliedert. Diese stellen Werke und zentrale Aspekte des Wirkens der Künstlerinnen der Kunsthochschule von Casablanca sowie einzelne Positionen aus deren Umfeld vor.

Die Anfänge der Casablanca Art School

Die 1919 während des französischen Protektorats gegründete École Municipale des Beaux-Arts de Casablanca (Kunsthochschule von Casablanca – die mit der von ihr ausgehenden künstlerischen Bewegung international als Casablanca Art School bekannt wurde) folgte zunächst westlichen pädagogischen Ansätzen aus der Zeit ihrer Gründung.

Wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos wurde der Künstler Farid Belkahia zum Direktor ernannt. Er leitete die Kunstschule von 1962 bis 1974. Belkahia wollte die marokkanische bildende Kunst und ihr Studium neu gestalten und öffnete die Schule auch für marokkanische und weibliche Studierende. Die Kunsthochschule von Casablanca konzipierte Kunst und Kunststudium in Marokko völlig neu.

Casablanca Art School: Experimente mit interdisziplinärer Kunst

In der Schirn werden Farid Belkahia, Mohammed Chabâa und Mohamed Melehi mit einer Auswahl eigener Werke vorgestellt. Hierbei hadelt es sich um das künstlerische Kern-Trio der Schule. Beeinflusst durch ihre Studien im Ausland und den interdisziplinären Ansatz des Bauhaus verbanden die als Dozenten tätigen Künstler Ideen aus Kunst, Kunsthandwerk, Design und Architektur.

Mohammed Chabâa: Ohne Titel (1977)

Ein Fokus ihrer Kunst war die Erforschung des afrikanischen und amazighischen Erbes. Es wurden Exkursionen unternommen, bei denen die lokale Archäologie, Keramik, Kalligrafie, religiöse Gemälde sowie Techniken der Weberei, Lederverarbeitung, Schmuckherstellung und Tätowierung studiert wurden.

Mohamed Melehi unterrichtete Malerei, Collage und Fotografie, Mohammed Chabâa Grafikdesign und Raumgestaltung, Bert Flint Visuelle Anthropologie. Die italienische Kunsthistorikerin Toni Maraini richtete den ersten Studiengang in Marokko für die Kunstgeschichte der Moderne ein und formulierte die Visionen der Gruppe in programmatischen Texten und Essays. Kurzzeitig lehrte auch André Elbaz an der Schule.

Madlen Romanowna Trefzer in der Schirn Kunsthalle
Liebe Grüße von der Casablanca-Ausstellung <3 das hinter mir ist ein Wandgemälde.
Hier die Panoramaansicht:

So fand ich die Ausstellung

Spätestens nachdem ich meinen geliebten Wassily Kandinsky näher kennengelernt hatte, fühlte ich mich zu der abstrakten Kunst hingezogen. Auch bei der Casablanca-Art-School-Ausstellung konnte ich diese Anziehung zum Gezeigten deutlich spüren, jedoch natürlich nicht in diesem verrückten Ausmaße, wie zum Beispiel in der Blauer Reiter Ausstellung im Lenbahhaus in München. Trotzdem fand ich die Ausstellung in der Schirn schön und inspirierend. Man kann die Exponate gut verarbeiten, die Farben freuen das Auge. Vieles kann man zu Hause nachmachen und sich selbst in einfachen Pinselstrichen kreativ ausleben. Wenn man will.

Besonders bemerkenswert fand ich diesmal die Raumgestaltung in der Schirn. Sie war wie eine ganz eigene Form von Kunst. Außerdem war es schön, Marokko von dieser besonderen Seite zu erleben. Parallel zu der Casablanca Art School läuft in der Schirn Kunsthalle eine Solo-Ausstellung von Selma Selman. Kombiticket kostet regulär 16 Euro. Beide Ausstellungen lohnen sich.


Quellen:

  • Pressemitteilung der Schirn Kunsthalle Frankfurt
  • Ausstellungstexte
  • Natürlich war ich auch vor Ort
Kategorien
Kunst & Architektur

So war die Ausstellung „Flowers of Life“ in der Schirn

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet der Künstlerin Selma Selman (*1991) nur noch bis
zum 15. September 2024
eine Soloausstellung. Nichts wie hin also, wenn ihr auf sowas steht.

Selma Selman in der Schirn Kunsthalle Frankfurt
Selma Selman, „Flowers of Life“, Porträt der Künstlerin. © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Esra Klein

Das sagt der Direktor der Schirn zur Ausstellung

„Selma Selman ist eine der energischsten Künstlerinnen der jungen Generation“, findet Sebastian Baden, Direktor der Schirn. „In ihrem emanzipatorischen Werk arbeitet sie eng mit ihrer Familie zusammen. Sie überträgt mit ihren Performances die Lebensrealität nichtprivilegierter Minderheiten in den Ausstellungsraum.“, heißt es weiter

Sebastian Baden sagt überdies, Selmans Arbeit fordere eine kulturelle und ökonomische Umdeutung scheinbar festgelegter Normen, Werte und Zuschreibungen. Für die Ausstellung in der Schirn habe die Künstlerin zwei neue, raumgreifende Arbeiten geschaffen. Darin beziehe sie sich auf Traumata ihrer Elterngeneration und verarbeite diese mit poetischen Gesten.

„Flowers of Life“ zeigt nur wenige Exponate

Stellt euch darauf ein, dass es nur wenige Exponate zu bestaunen gibt. Die Video-Arbeiten jedoch sind knapp eine halbe Stunde lang. Diese wiederum habe ich mir nicht reingezogen, weil ich erst im Nachhinein erfahren habe, dass sie von großer Bedeutung sind. Fan bin ich grundsätzlich nicht von sowas, außer es handelt sich natürlich um so eine crazy Action wie Avatar DOKU bei der Art Basel 2024. Doch ich muss sagen, dass die anderen Besucher der Ausstellung ziemlich von Selmans Videos gefesselt zu sein schienen.

Im Zentrum der Ausstellung steht die und titelgebende Arbeit „Flowers of Life“ (2024). Die raumeinnehmende Installation besteht aus vier gebrauchten Mehrschalengreifern, wie sie auf Baustellen oder Schrottplätzen zum Einsatz kommen. Sie erinnern an bestimmte Szenen aus den Matrix-Filmen. Selma Selman aber verwandelt die massiven Maschinen in blumenartige kinetische Skulpturen, deren Blüten sich mithilfe eines Motors langsam öffnen und schließen. Im Inneren der massiven Metallblüten enthüllen sie Miniaturmalereien der Künstlerin, die Augen von Frauen mit eindringlichem Blick zeigen sollen.

„Flowers of Life“: Umkehrung von männlich und weiblich

Mit „Flowers of Life“ knüpft Selman an ihre bekannten Paintings on Metal (seit 2014) an, Arbeiten mit Altmetall, die zwischen Malerei und Skulptur changieren und auf den Schrotthandel ihrer Familie verweisen. Die sinnlich-florale Interpretation von „Flowers of Life“ spielt mit der Umkehrung von männlichen und weiblichen Zuschreibungen und offenbart zugleich die Frauen als zentrale Trägerinnen der Gemeinschaft.

Mit ihrer Formensprache deutet Selman stigmatisierende Stereotype um, die die patriarchale Mehrheitsgesellschaft rund um die Kultur der Romnja und die Rolle der Frauen konstruiert hat. Die Installation wird begleitet von dem Duft „The Most Dangerous Woman in the World“ (2024), den die Künstlerin in Kollaboration mit Expertinnen kreierte. Dies soll einen Geruch von Motoröl im Raum um die Skulpturen verbreiten. Ich wiederum interpretierte dies als Pheromon-Duft und war kurz davor, da mitten in der Schirn mein Top auszuziehen. Nur ein kleiner Spaß am Rande.

Selmans Herkunft und die Einbeziehung ihrer Familie in ihre künstlerische Praxis sind integraler
Bestandteil ihres Werkes. Und das ist eins der vielen Dinge, die ich an ihrer Kunst cool finde. Insbesondere die intensive Zusammenarbeit mit ihrer Mutter dreht sich um autobiografische Erfahrungen, Sichtbarkeit und Emanzipation als Frau und Romni und hat sich bereits in zahlreichen Werken niedergeschlagen.

Selma Selman: „Crossing the Blue Bridge“

Kommen wir nun zu der filmischen Arbeit „Crossing the Blue Bridge“ (2024, 27:15 Min.), die die Schirn in einer Installation auf zwei Leinwänden zeigt. „Crossing the Blue Bridge“ handelt vom Fortwirken historischer Traumata, von Fürsorge, Mut und Widerständigkeit. Selman schlüpft in die Rolle ihrer Mutter und reinszeniert deren Erinnerung. Der Film geht von Erlebnissen ihrer Mutter im Bosnienkrieg aus.

An einem Tag der Waffenruhe im Jahr 1994 ging die Mutter mit Selmans Schwester in die Stadt, um Lebensmittel zu besorgen und musste auf dem Heimweg die mit Leichen und Tierkadavern übersäte Alija-Izetbegović-Brücke in Bihać überqueren. Beim Versuch die Augen des Kindes zu verdecken und zugleich den schweren Korb mit Lebensmittel zu tragen, wehte der starke Wind ihr die Haare ins Gesicht und verdeckte die Sicht. Selman wiederholt dieses Motiv in ihrer Inszenierung.

In einem eindringlich vorgetragenen Text auf Englisch, Bosnisch und Romanes verbindet sie es u.a. mit Figuren der griechischen Mythologie und stilisiert ihre Mutter zu einer Heldin, die mitverantwortlich ist, dass sich ihre Tochter heute unter widrigsten Bedingungen zu behaupten weiß. Die blaue Brücke wird
so auch zu einem Sinnbild für Selmans künstlerischen Aktivismus, mit dem sie neue Wege erschließt. Das alles und vor allem die Thematik der Mutter als Heldin macht mich natürlich wahnsinnig emotional, weshalb ich tendiere, da tatsächlich noch einmal hinzugehen und mir die Video-Arbeiten vollständig reinzuziehen, damit ich da überhaupt mitreden kann.

Das sagt der Kurator der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Matthias Ulrich, Kurator der Ausstellung, über die Künstlerin: „Selma Selman verbindet in ihrem Werk partizipative Kunst, Institutionskritik, Aktivismus und Performance. Im Mittelpunkt steht die Künstlerin selbst. Mit protestierender Stimme und visionärer Präsenz ergreift sie in ihrer Kunst das Wort. Sie führt sich selbst vor und setzt ihren Körper, ihre Stimme und ihre Identität als ein Medium ihrer künstlerischen Praxis sowie der Selbstermächtigung ein. Dabei sind reale soziale Veränderung und gesellschaftlicher Wandel, die Sichtbarmachung und die Stärkung marginalisierten Gruppen und ihrer Community stets das unbedingte Ziel ihrer Kunst.

Fazit

Wie das in der modernen Kunst eben ist, hat auch Selma Selman tiefere Bedeutungsebenen in ihrem künstlerischen Schaffen. Während ich dort war, fand ich die Atmosphäre in dem Raum sehr anziehend. Irgendwie dunkel und gruselig, dann noch diese riesigen Metallblüten mittendrin, die sich langsam bewegen und auch noch der sexy Duft überall im Raum. Ich befand mich jedoch maximal 5 Minuten drin. Ich bin jemand, der sich doch mehr von der Ästhetik angesprochen und angezogen fühlt. Erst, als ich mich später dann in die Bedeutung des Ganzen eingelesen hatte, fand ich die Idee dahinter sehr kraftvoll.

Vor allem finde ich es geil, wie eine junge Frau die Traumata ihrer Mutter nimmt und durch sie ihre Kunst beeinflussen lässt. Das geht wirklich wahnsinnig tief ins Herz. So hat das ganze natürlich einen sehr starken Charakter, sodass man diese Verbindung zwischen Mutter und Tochter als außenstehender Betrachter deutlich spürt. Das finde ich wirklich schön. Außerdem finde ich es anziehend, dass sie sich selbst als Kunstobjekt in Szene setzt. Sehr narzisstisch und dadurch auch sehr sympathisch. Darüber hinaus lässt sie ihre Wurzeln und ihre Herkunft durch ihre Kunst hochleben und für mich ist das immer ein sehr nachvollziehbarer Punkt.

Selfie von Madlen Romanowna Trefzer in der Schirn Kunsthalle
halli hallöööööchen aus der Schirn, meine süßen Lieblingsleser <3

Ihr wisst, wie sehr ich aufgezwungene Bedeutungsebenen in der Kunst hasse. Wir erinnern uns nur mal an meinen Anfall nach der Frieder-Burda-Ausstellung mit Nicolas Party. Was an Selma Selmans schaffen anders ist, ist dass sie ihre persönliche Familiengeschichte zur Bedeutungsebene macht. Und nicht irgendwelche ausgelutschten biblischen Passagen. Dadurch hat ihre Angehensweise nicht diese Banalität, die ich so abgrundtief hasse. Und auch wenn ihre Kunstobjekte nicht gerade alle Sinne meines ästhetischen Empfindens ansprechen, finde ich es geil, was sie macht. Doof hingegen fand ich die runden Zeichnungen. Die sprachen mich weder ästhetisch noch technisch noch sonst wie an. Hingehen lohnt sich aber dennoch.

Ok. Eine Sache noch, dann mach ich hier Feierabend, ernsthaft aber. Ich finde es schön, dass parallel zu „Flowers of Life“ im Städel Museum die Ausstellung „Städelfrauen“ läuft. So hat der diesjährige Sommer in Frankfurt einen eindeutig feministischen Flair angenommen. Angenehm. Tschüss.


Quellen:

  • Pressemitteilung der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main
  • und natürlich war ich vor Ort, meine Lieben
Kategorien
Kunst & Architektur Reisen

Lissabon: Europas Street-Art-Hotspot

Lissabon ist nicht nur für seine Azulejos, gelbe Straßenbahnen, architektonischen Wahrzeichen, und spektakulären Aussichten bekannt. Auch die besondere und international bekannte Straßenkunst (oder eben Street Art) Lissabons verleiht der portugiesischen Hauptstadt ihren besonderen Flair. Überall in den Gassen der Tejo-Metropole sind die außergewöhnlichen und facettenreichen Kunstwerke zu finden. Selbst die Lissabonner Metrostationen zieren einmalige Wandmalereien.

Street Art in der Lissabonner Metro

Seit der Einführung der Lissabonner Metro im Jahr 1959 verliehen namhafte Künstler jeder Lissabonner Metro-Station ihre einzigartige Gestaltung. So verwandelten elf internationale Künstler – im Rahmen der Expo 1998 – die eigens für die Weltausstellung errichtete Haltestelle „Oriente“ in eine Kunsthalle.

Die Station „Laranjeiras“ (Orangenbäume) verzierte der portugiesische Künstler Rolando Sá Nogueira gänzlich im Sinne des Stationsnamens. Beim Bahnhof „Jardim Zoológico“ dominiert als Motiv die tropische Flora und Fauna. Jeder U-Bahn-Stopp ist jeweils einem individuellen Thema gewidmet, was dem Lissabonner Untergrund seinen ganz eigenen Charme verleiht.

Street Art in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon
©Turismo de Lisboa

Straßenkünstler Vhils und Pixel Pancho

Namhafte Künstler verewigten sich auch auf diversen Schiffsanlegern, Mauern, Hausfassaden oder Müllcontainern. Dadurch machten sie Lissabon zu einem der wichtigsten Orte der Street Art. Und das europaweit. Insbesondere die Werke Alexandre Fartos aka Vhils und Pixel Panchos erfreuen sich weltweiter Bekanntheit.

Vhils arbeitet mit Hammer und Meißel. Mit diesen Werkzeugen lässt er auf Fassaden überdimensionale Portraits entstehen. Pixel Pancho hingegen reichert sie mit seiner Graffiti-Kunst an. So etwa schmückt das alte Zollamtgebäude im Garten „Jardim do Tabaco“ ein beeindruckendes Bildnis der beiden Künstler.

Interessierte können bei verschiedenen Touren tiefer in die populäre Lissabonner Street-Art eintauchen und dabei natürlich auch jede Menge Hintergrundinformationen zu Kunst und Künstlern erhalten.


Quelle: presseportal.de Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH

Kategorien
Kunst & Architektur Reisen

Kloster Eberbach: Die Geschichte des Kunstdenkmals

Das Kloster Eberbach ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Eltville am Rhein im hessischen Rheingau. Diese Klosteranlage gilt als eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Europas. Kein Wunder. Denn das, was ich an diesem fantastischen Bauwerk so beeindruckend finde, ist die Sorgfalt, mit der es all die Jahre gepflegt und restauriert wurde. Ich bin mir ganz sicher, so etwas findet man nur in Deutschland. Wenn man bedenkt, wie alt diese Gemäuer sind und für wie wenig Menschen sie ursprünglich errichtet wurden, verschlägt es einem die Sprache, wenn man sich ihrer Monumentalität bewusst wird. Berühmt ist das Kloster Eberbach seine atemberaubenden romanische und frühgotische Architektur sowie auch seinen Weinbau. Das Kloster Eberbach liegt mitten im Naturpark Rhein-Taunus.

Kloster Eberbach - Klosteranlage in Eltville am Rhein, Hessen
Kloster Eberbach: Das ist die Gesamtansicht, wenn man vom Hügel auf das fantastische Bauwerk herabblickt.

Kloster Eberbach – die Gründung

Die Gründung des Klosters geht auf Bernhard von Clairvaux zurück. Am 13. Februar 1136 gründeten Abt Ruthard und zwölf Mönche aus Clairvaux das Kloster Eberbach. Unter dem Patrozinium der Maria Immaculata und Johannes der Täufer begann die Geschichte dieser bedeutenden Abtei.

Bereits 1142 gründete Eberbach sein erstes Tochterkloster Schönau im Odenwald, gefolgt von Otterberg in der Pfalz (1144/1145) und Hocht bei Lüttich (1155). Eine erste Krise durchlebte das Kloster während der Kirchenspaltung um 1160 bis 1170, als es Papst Alexander III. gegen die Päpste des Kaisers Friedrich Barbarossa unterstützte. Mönche flohen nach Frankreich und kehrten später in ihr aufstrebendes Kloster zurück.

Tochterkloster wird gegründet

1174 folgte die Gründung des Tochterklosters Arnsburg in der Wetterau. Obwohl ein geplantes Tochterkloster im Königreich Sizilien im frühen 13. Jahrhundert nicht gegründet werden konnte, übersiedelten einige Eberbacher Mönche 1217 zum Kloster Sambucina.

Von 1232 bis 1234 besetzte Erzbischof Siegfried III. von Eppstein das Kloster Lorsch mit Mönchen aus Eberbach, um es nach den Regeln der Zisterzienser zu reformieren – jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Eine geplante Klostergründung im Hanauer Wald um 1234 scheiterte an den Grafen von Hanau.

Die Klosteranlage ist mit Sicherheit eines der schönsten und bedeutsamsten Orte in ganz Hessen.

Kloster Eberbach: So viele Mönche lebten hier zur Blütezeit

Eberbach folgte strengen Benediktregeln, wodurch das Klosterleben für Adlige unattraktiv war. Die Mönche stammten daher aus nichtadligen Schichten. Der Konvent bestand zur Blütezeit aus etwa 300 Personen: 100 Mönchen und rund 200 Laienbrüdern (Konversen).

Die Konversen waren überwiegend Bauern und nahmen nur eingeschränkt am spirituellen Leben teil. Bücherlesen war ihnen verboten und sie hatten kein Wahlrecht bei der Abtwahl. Trotz dieser Einschränkungen bot die Stellung eines Konversen bessere Lebensbedingungen als ein Leben als einfacher Bauer oder Lohnarbeiter.

Das Kloster Eberbach ist ein beeindruckendes Zeugnis zisterziensischer Baukunst und religiöser Geschichte – ein unverzichtbares Kulturdenkmal, das nur etwa 40 Minuten Fahrt von Frankfurt liegt. Ich liebe diesen Ort wie wahnsinnig und würde am liebsten jeden Tag hier verbringen.

Die mobile Version verlassen