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Kategorie:Kunst
Ich liebe die Kunst (und Architektur) mit jeder Faser meines menschlichen Daseins und sie liebt mich. Es ist vor allem die Kunst, die mich an dieses Gefühl erinnert, verliebt zu sein. Sie ergreift mich und sie katapultiert mich in eine Welt, in der meine Lungen mit dem Duft von Farbe und Firnis gefüllt sind, meine Seele frei ist und meine Augen mit ihren Farben leuchten. Es ist die Kunst, die mich aus den düsteren Ecken meiner Gedanken befreit und in sich selbst ertränkt. Sie flutet meine Sinne, meine Gedanken – meine Empfindungen. Sie ist die Leidenschaft, nach der ich immer suchte und sie ist das Kostbarste, das ich habe.
Diese unendliche Liebe zur Kunst – und dementsprechend auch zur Architektur – will ich mit dir teilen. Wenn du kein Bock hast, darüber zu lesen, dann schau dir einfach die Bilder an. Ich wette, du findest etwas, das dich bewegt und inspiriert. Etwas, das du schon lange vermisst hast, oder einfach etwas, das dir optisch gut gefällt.
In dieser Rubrik findest du ikonologische und ikonographische Beiträge, spannende Ausstellungen, Künstler, Architekten, die besten Museen der Welt, Epochen, Handwerk,… – eben alles, was das kreative Herz begehrt.
RECORD DATE NOT STATED Wassily Kandinsky and Gabriele Muenter, 1906-1907. Copyright:xxFinexArtxImages/HeritagexImagesx / IMAGO ,2589260 ACHTUNG: AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright:xFinexArtxImages/HeritagexImagesx / IMAGO
Nach mehr als 100 Jahren kehren Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in einem neuen Film erneut an den Starnberger See zurück. Marcus O. Rosenmüllers Film „Münter & Kandinsky“ beleuchtet die komplexe Liebesgeschichte des Künstlerpaares und wird vor dem Kinostart im Oktober auf dem Fünfseen-Filmfestival gezeigt. Das Drehbuch, geschrieben von Alice Brauner, basiert auf Dokumenten, Tagebucheinträgen und Briefen, wobei viele Dialoge aus Originalzitaten bestehen.
Der Film zeigt jedoch nur eine vereinfachte Darstellung der Beziehung: Ein erfolgreicher Mann verlässt seine kluge Partnerin für eine jüngere Frau. Die Realität war weitaus vielschichtiger.
Gabriele Münter wurde 1877 in Berlin geboren und wuchs in Koblenz auf. Sie kam 1901 nach München, nachdem sie zuvor zwei Jahre durch die USA gereist war und das Fotografieren für sich entdeckt hatte. In München schrieb sie sich in der Schule des Künstlerinnen-Vereins ein, da Frauen kein Studium an der Kunstakademie erlaubt war. Später wechselte sie zur Phalanx-Kunstschule, wo sie einen Bildhauerkurs bei Wilhelm Hüsgen belegte, der auch Abendaktunterricht bei Wassily Kandinsky einschloss.
Kandinsky stammte aus einer wohlhabenden russischen Teehändlerfamilie und hatte ein Jurastudium in Moskau absolviert, bevor er sich 1896 endgültig für die Malerei entschied. In München studierte er bei Franz von Stuck an der Kunstakademie und gründete 1901 die Künstlervereinigung „Phalanx“, wo er auch als Lehrer tätig wurde.
Lehrer und Schülerin verliebten sich schnell ineinander, obwohl Kandinsky verheiratet war. Er versicherte ihr jedoch seine unglückliche Ehe. Anfangs wies Münter ihn zurück, begleitete ihn dann aber doch zu Malferien nach Kochel.
Kandinsky in seinem Atelier. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images
Münter stellt Kandinsky ein Ultimatum
Als Kandinskys Ehefrau Anja Tschimiakin ihren Besuch ankündigte, bat er Münter abzureisen. Sie ging nach Bonn zu ihren Geschwistern und verlangte eine Entscheidung von ihm.
Kandinsky lebte wie auf der Flucht – immer unterwegs zwischen verschiedenen Orten wie Holland, Tunis oder Italien – oft auch am Starnberger See zum Malen oder Urlaub machen. Er schrieb Briefe voller Sehnsucht an Münter und arrangierte Treffen mit ihr in Starnberg. „Ich hoffe sehr, dass ich beim Aussteigen in Starnberg dich am Perron stehen sehe“, schrieb er ihr in einem Brief.
Münter zeigte große Geduld mit seinen unsteten Gemütszuständen, doch schrieb in einem ihrer Briefe: „Das Leben war zu provisorisch… um befriedigend zu sein.“
Kandinskys Kunst verändert sich
Am 17. Juni 1908 suchten beide erstmals aktiv nach einer festen Bleibe im Land – ihre erste Station war Starnberg. Der mondäne Kurort erschreckte sie jedoch; von der Einsamkeit Südtiroler Berge kommend suchten sie das Weite Richtung Murnau – wo sie schließlich heimisch wurden. Dort fanden sie zur neuartigen Malerei mit intensiven Farben; diese Phase veränderte bald darauf grundlegend die Kunstgeschichte.
Der Film „Münter & Kandinsky“ läuft erstmals am Mittwoch (4. September) um 17 Uhr in Gauting noch vor dem eigentlichen offizielle Veröffentlichungsdatum im Oktober. Ab dann wird eine Kinoformatierung starten, auf die ich natürlich hot hot hot bin. Vielleicht wird das mein erster Kinobesuch nach 5 Jahren (wenn nicht noch davor etwas derart interessantes rauskommt).
Ich freue mich, euch das Museum LA8 vorzustellen. Dieses Kunsthaus ist mit Sicherheit eine kleine kulturelle Bereicherung für jeden Besuch in der wunderschönen Kurstadt Baden-Baden.
Das Museum LA8, eingebettet im historischen Zentrum von Baden-Baden, bietet einen tiefen Einblick in die Kunst und Kultur des 19. Jahrhunderts. Es ist Teil der Stiftung Gesellschaft für Geschichte des Welthandels, die sich darauf konzentriert, historische Zusammenhänge aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Zu finden ist das LA8 direkt an der Lichtentaler Allee in der Nähe des Museums Frieder Burda sowie auch der Baden-Badener Kunsthalle.
Ausstellung „Heilende Kunst“ im LA8
Ich liebe das LA8 in Baden-Baden
Die Ausstellungen im Museum sind sorgfältig kuratiert und thematisieren bedeutende Entwicklungen und Ereignisse des 19. und manchmal auch 20. Jahrhunderts. Besucher können sich auf Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Grafik freuen sowie auf interessante Exponate aus dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte. Durch wechselnde Sonderausstellungen bleibt das Angebot stets spannend und abwechslungsreich. Ich war erst wenige Male hier, doch wurde nie enttäuscht. Die Sonderausstellungen ragten für mich durch ihre Klaren Konzepte und Linien heraus. Dabei konnte ich natürlich auch jedes Mal über spannende Künstlerbewegungen und Kulturen lernen. Das Interessante dabei ist, dass das LA8 stets bekannte Künstler ausstellt. In jeder Thematik findet sich mindestens ein richtiger Banger wieder.
Der Museumsbesuch wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt. Zu den Angeboten zählen Führungen, Vorträge und Workshops, die es ermöglichen, noch tiefer in die behandelten Themen einzutauchen und mehr über die ausgestellten Werke und deren historischen Kontext zu erfahren.
Hi allerseits 😛
Öffnungszeiten und Preise
Öffnungszeiten: – Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr – Montag: geschlossen
Eintrittspreise: – Erwachsene: 7 Euro – Ermäßigt (Schüler, Studenten): 5 Euro – Kinder unter 6 Jahren: frei – Familienkarte (2 Erwachsene + Kinder): 15 Euro
Das Museum LA8 liegt zentral und ist gut zu erreichen: Lichtentaler Allee 8 76530 Baden-Baden
Kombiniert euren Museumsbesuch mit einer Wanderung
Ich kann das Museum LA8 jedem Besucher von Baden-Baden wärmstens empfehlen. Es bietet eine hervorragende Gelegenheit, spannende historische Einblicke zu gewinnen und beeindruckende Kunstwerke zu bewundern. Macht euren Aufenthalt in Baden-Baden mit einem Besuch dieses außergewöhnlichen Museums unvergesslich! Und geht im Anschluss rauf auf das Schloss Hohenbaden (alias Altes Schloss).
Nur wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 entwickelt sich in Casablanca ein pulsierendes Zentrum kultureller Erneuerung. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert das einflussreiche Wirken der Casablanca Art School in einer ersten großen Ausstellung. Diese läuft noch bis zum 13. Oktober 2024.
Mohamed Melehi: Ohne Titel (1962)Mohamed Melehi: Ohne Titel (1969)
Wer waren die Köpfe hinter der Künstlerbewegung?
Die Hauptvertreterinnen dieser innovativen Kunsthochschule, Farid Belkahia (1934–2014), Mohammed Chabâa (1935–2013), Bert Flint (1931–2022), Toni Maraini (1941) und Mohamed Melehi (1936–2020), werden zusammen mit Studierenden, Lehrenden und assoziierten Künstlerinnen schnell zu einem Motor für die Entwicklung einer postkolonialen modernen Kunst in der Region.
Ihr Anliegen ist die Öffnung zu den lokalen künstlerischen Traditionen und zur neuen sozialen Wirklichkeit. Unter anderem im Dialog mit den Ideen des Bauhaus wird das Verhältnis zwischen Kunst, Handwerk, Design und Architektur im lokalen Kontext neu bestimmt, künstlerische Einflüsse aus westlichen Metropolen werden mit Elementen des während der Kolonialzeit unterdrückten lokalen Kulturerbes kombiniert. Die Schirn präsentiert rund 100 Werke von 22 Künstlerinnen. Darunter großformatige abstrakte Gemälde, urbane Wandbilder, Kunsthandwerk, Grafiken, Innenarchitektur und Typografie, sowie auch selten gezeigte Filme, Zeitschriften und Fotografien. Sichtbar wird eine spezifisch marokkanische Kunstszene, die sich transnational verortet.
Chaïbia Talal, Hochzeitszeremonie (1983) – Öl auf Leinwand. Talal war die berühmteste autodidaktische Künstlerin Marokkos und gehörte keiner Schule oder Gruppe an. Ihre Arbeiten waren als „naive“ oder Volkskunst abgetan worden, aber die Künstlerinnen der Casablanca Art School schätzten sie und teilten Talals Interesse für die traditionelle Bildsprache und Mythologie. Mohamed Melehi und seine Kolleginnen zeigten ihre Werke bei der Exposition nationale des arts plastiques in der Galerie Nationale Bab Rouah in Rabat (1976) und luden Talal 1986 zur Teilnahme am Kulturfestival Asilah Moussem Culturel ein.
Das sagt der Schirn-Direktort zu der Ausstellung
Das sagt Sebastian Baden, Direktor der Schirn, über die Ausstellung: „Dies ist die erste institutionelle Ausstellung, die das einflussreiche Vermächtnis der Casablanca Art School umfassend vorstellt. Nach der Unabhängigkeit Marokkos gestalteten die Lehrenden und Studierenden der Kunsthochschule von Casablanca einen besonderen Ort für das Kunstschaffen und Kunststudium. Ihr Ziel war es, die Kunst zu dekolonisieren und zu liberalisieren, ihre Werke platzierten sie mit Zeitschriften, Wandgemälden im öffentlichen Raum und Festivals unmittelbar in den Alltag der Menschen. Es ist an der Zeit für eine umfassende Würdigung dieser international vernetzten, wichtigen künstlerischen Bewegung. Diese Schau erweitert die bisherige westliche Deutung der Entwicklung der modernen abstrakten Malerei um eine neue, internationale Perspektive und trägt damit zur Ausdifferenzierung des kunsthistorischen Kanons bei.“
Die Ausstellung ist chronologisch-thematisch in acht Sektionen gegliedert. Diese stellen Werke und zentrale Aspekte des Wirkens der Künstlerinnen der Kunsthochschule von Casablanca sowie einzelne Positionen aus deren Umfeld vor.
Die Anfänge der Casablanca Art School
Die 1919 während des französischen Protektorats gegründete École Municipale des Beaux-Arts de Casablanca (Kunsthochschule von Casablanca – die mit der von ihr ausgehenden künstlerischen Bewegung international als Casablanca Art School bekannt wurde) folgte zunächst westlichen pädagogischen Ansätzen aus der Zeit ihrer Gründung.
Wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos wurde der Künstler Farid Belkahia zum Direktor ernannt. Er leitete die Kunstschule von 1962 bis 1974. Belkahia wollte die marokkanische bildende Kunst und ihr Studium neu gestalten und öffnete die Schule auch für marokkanische und weibliche Studierende. Die Kunsthochschule von Casablanca konzipierte Kunst und Kunststudium in Marokko völlig neu.
Mohamed Melehi: Flame (1976)Mohamed Melehi: Volcanique (1985)Malika Agueznay: Composition (1986)Mustapha Hafid: Voyage cosmique (1972)Tolle Bücher zum Blättern gab es auchMohammed Chabâa: Ohne TitelMohamed Melehi: Ohne Titel (1975)Ahmed Cherkaoui: Talismal no. 3 (1966)Mohamed Ataallah: Composition, Tanger (1965)Mohamed Ataallah: Multiple Flame & Multiple Marrakech (1969)Mohammed Chabâa: Composition (1967)Ahmed Cherkaoui: La Chute de l’étoile (Der Fall des Sterns) 1963
Casablanca Art School: Experimente mit interdisziplinärer Kunst
In der Schirn werden Farid Belkahia, Mohammed Chabâa und Mohamed Melehi mit einer Auswahl eigener Werke vorgestellt. Hierbei hadelt es sich um das künstlerische Kern-Trio der Schule. Beeinflusst durch ihre Studien im Ausland und den interdisziplinären Ansatz des Bauhaus verbanden die als Dozenten tätigen Künstler Ideen aus Kunst, Kunsthandwerk, Design und Architektur.
Mohammed Chabâa: Ohne Titel (1977)
Ein Fokus ihrer Kunst war die Erforschung des afrikanischen und amazighischen Erbes. Es wurden Exkursionen unternommen, bei denen die lokale Archäologie, Keramik, Kalligrafie, religiöse Gemälde sowie Techniken der Weberei, Lederverarbeitung, Schmuckherstellung und Tätowierung studiert wurden.
Mohamed Melehi unterrichtete Malerei, Collage und Fotografie, Mohammed Chabâa Grafikdesign und Raumgestaltung, Bert Flint Visuelle Anthropologie. Die italienische Kunsthistorikerin Toni Maraini richtete den ersten Studiengang in Marokko für die Kunstgeschichte der Moderne ein und formulierte die Visionen der Gruppe in programmatischen Texten und Essays. Kurzzeitig lehrte auch André Elbaz an der Schule.
Liebe Grüße von der Casablanca-Ausstellung <3 das hinter mir ist ein Wandgemälde.Hier die Panoramaansicht:
So fand ich die Ausstellung
Spätestens nachdem ich meinen geliebten Wassily Kandinsky näher kennengelernt hatte, fühlte ich mich zu der abstrakten Kunst hingezogen. Auch bei der Casablanca-Art-School-Ausstellung konnte ich diese Anziehung zum Gezeigten deutlich spüren, jedoch natürlich nicht in diesem verrückten Ausmaße, wie zum Beispiel in der Blauer Reiter Ausstellung im Lenbahhaus in München. Trotzdem fand ich die Ausstellung in der Schirn schön und inspirierend. Man kann die Exponate gut verarbeiten, die Farben freuen das Auge. Vieles kann man zu Hause nachmachen und sich selbst in einfachen Pinselstrichen kreativ ausleben. Wenn man will.
Besonders bemerkenswert fand ich diesmal die Raumgestaltung in der Schirn. Sie war wie eine ganz eigene Form von Kunst. Außerdem war es schön, Marokko von dieser besonderen Seite zu erleben. Parallel zu der Casablanca Art School läuft in der Schirn Kunsthalle eine Solo-Ausstellung von Selma Selman. Kombiticket kostet regulär 16 Euro. Beide Ausstellungen lohnen sich.
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet der Künstlerin Selma Selman (*1991) nur noch bis zum 15. September 2024 eine Soloausstellung. Nichts wie hin also, wenn ihr auf sowas steht.
„Selma Selman ist eine der energischsten Künstlerinnen der jungen Generation“, findet Sebastian Baden, Direktor der Schirn. „In ihrem emanzipatorischen Werk arbeitet sie eng mit ihrer Familie zusammen. Sie überträgt mit ihren Performances die Lebensrealität nichtprivilegierter Minderheiten in den Ausstellungsraum.“, heißt es weiter
Sebastian Baden sagt überdies, Selmans Arbeit fordere eine kulturelle und ökonomische Umdeutung scheinbar festgelegter Normen, Werte und Zuschreibungen. Für die Ausstellung in der Schirn habe die Künstlerin zwei neue, raumgreifende Arbeiten geschaffen. Darin beziehe sie sich auf Traumata ihrer Elterngeneration und verarbeite diese mit poetischen Gesten.
„Flowers of Life“ zeigt nur wenige Exponate
Stellt euch darauf ein, dass es nur wenige Exponate zu bestaunen gibt. Die Video-Arbeiten jedoch sind knapp eine halbe Stunde lang. Diese wiederum habe ich mir nicht reingezogen, weil ich erst im Nachhinein erfahren habe, dass sie von großer Bedeutung sind. Fan bin ich grundsätzlich nicht von sowas, außer es handelt sich natürlich um so eine crazy Action wie Avatar DOKU bei der Art Basel 2024. Doch ich muss sagen, dass die anderen Besucher der Ausstellung ziemlich von Selmans Videos gefesselt zu sein schienen.
Im Zentrum der Ausstellung steht die und titelgebende Arbeit „Flowers of Life“ (2024). Die raumeinnehmende Installation besteht aus vier gebrauchten Mehrschalengreifern, wie sie auf Baustellen oder Schrottplätzen zum Einsatz kommen. Sie erinnern an bestimmte Szenen aus den Matrix-Filmen. Selma Selman aber verwandelt die massiven Maschinen in blumenartige kinetische Skulpturen, deren Blüten sich mithilfe eines Motors langsam öffnen und schließen. Im Inneren der massiven Metallblüten enthüllen sie Miniaturmalereien der Künstlerin, die Augen von Frauen mit eindringlichem Blick zeigen sollen.
offengeschlossen
„Flowers of Life“: Umkehrung von männlich und weiblich
Mit „Flowers of Life“ knüpft Selman an ihre bekannten Paintings on Metal (seit 2014) an, Arbeiten mit Altmetall, die zwischen Malerei und Skulptur changieren und auf den Schrotthandel ihrer Familie verweisen. Die sinnlich-florale Interpretation von „Flowers of Life“ spielt mit der Umkehrung von männlichen und weiblichen Zuschreibungen und offenbart zugleich die Frauen als zentrale Trägerinnen der Gemeinschaft.
Mit ihrer Formensprache deutet Selman stigmatisierende Stereotype um, die die patriarchale Mehrheitsgesellschaft rund um die Kultur der Romnja und die Rolle der Frauen konstruiert hat. Die Installation wird begleitet von dem Duft „The Most Dangerous Woman in the World“ (2024), den die Künstlerin in Kollaboration mit Expertinnen kreierte. Dies soll einen Geruch von Motoröl im Raum um die Skulpturen verbreiten. Ich wiederum interpretierte dies als Pheromon-Duft und war kurz davor, da mitten in der Schirn mein Top auszuziehen. Nur ein kleiner Spaß am Rande.
Selmans Herkunft und die Einbeziehung ihrer Familie in ihre künstlerische Praxis sind integraler Bestandteil ihres Werkes. Und das ist eins der vielen Dinge, die ich an ihrer Kunst cool finde. Insbesondere die intensive Zusammenarbeit mit ihrer Mutter dreht sich um autobiografische Erfahrungen, Sichtbarkeit und Emanzipation als Frau und Romni und hat sich bereits in zahlreichen Werken niedergeschlagen.
Selma Selman: „Crossing the Blue Bridge“
Kommen wir nun zu der filmischen Arbeit „Crossing the Blue Bridge“ (2024, 27:15 Min.), die die Schirn in einer Installation auf zwei Leinwänden zeigt. „Crossing the Blue Bridge“ handelt vom Fortwirken historischer Traumata, von Fürsorge, Mut und Widerständigkeit. Selman schlüpft in die Rolle ihrer Mutter und reinszeniert deren Erinnerung. Der Film geht von Erlebnissen ihrer Mutter im Bosnienkrieg aus.
An einem Tag der Waffenruhe im Jahr 1994 ging die Mutter mit Selmans Schwester in die Stadt, um Lebensmittel zu besorgen und musste auf dem Heimweg die mit Leichen und Tierkadavern übersäte Alija-Izetbegović-Brücke in Bihać überqueren. Beim Versuch die Augen des Kindes zu verdecken und zugleich den schweren Korb mit Lebensmittel zu tragen, wehte der starke Wind ihr die Haare ins Gesicht und verdeckte die Sicht. Selman wiederholt dieses Motiv in ihrer Inszenierung.
Selma Selman, Crossing the Blue Bridge, 2024, 27:15 Min, Filmstill, Courtesy of the artist
In einem eindringlich vorgetragenen Text auf Englisch, Bosnisch und Romanes verbindet sie es u.a. mit Figuren der griechischen Mythologie und stilisiert ihre Mutter zu einer Heldin, die mitverantwortlich ist, dass sich ihre Tochter heute unter widrigsten Bedingungen zu behaupten weiß. Die blaue Brücke wird so auch zu einem Sinnbild für Selmans künstlerischen Aktivismus, mit dem sie neue Wege erschließt. Das alles und vor allem die Thematik der Mutter als Heldin macht mich natürlich wahnsinnig emotional, weshalb ich tendiere, da tatsächlich noch einmal hinzugehen und mir die Video-Arbeiten vollständig reinzuziehen, damit ich da überhaupt mitreden kann.
Das sagt der Kurator der Schirn Kunsthalle Frankfurt
Matthias Ulrich, Kurator der Ausstellung, über die Künstlerin: „Selma Selman verbindet in ihrem Werk partizipative Kunst, Institutionskritik, Aktivismus und Performance. Im Mittelpunkt steht die Künstlerin selbst. Mit protestierender Stimme und visionärer Präsenz ergreift sie in ihrer Kunst das Wort. Sie führt sich selbst vor und setzt ihren Körper, ihre Stimme und ihre Identität als ein Medium ihrer künstlerischen Praxis sowie der Selbstermächtigung ein. Dabei sind reale soziale Veränderung und gesellschaftlicher Wandel, die Sichtbarmachung und die Stärkung marginalisierten Gruppen und ihrer Community stets das unbedingte Ziel ihrer Kunst.
Fazit
Wie das in der modernen Kunst eben ist, hat auch Selma Selman tiefere Bedeutungsebenen in ihrem künstlerischen Schaffen. Während ich dort war, fand ich die Atmosphäre in dem Raum sehr anziehend. Irgendwie dunkel und gruselig, dann noch diese riesigen Metallblüten mittendrin, die sich langsam bewegen und auch noch der sexy Duft überall im Raum. Ich befand mich jedoch maximal 5 Minuten drin. Ich bin jemand, der sich doch mehr von der Ästhetik angesprochen und angezogen fühlt. Erst, als ich mich später dann in die Bedeutung des Ganzen eingelesen hatte, fand ich die Idee dahinter sehr kraftvoll.
Vor allem finde ich es geil, wie eine junge Frau die Traumata ihrer Mutter nimmt und durch sie ihre Kunst beeinflussen lässt. Das geht wirklich wahnsinnig tief ins Herz. So hat das ganze natürlich einen sehr starken Charakter, sodass man diese Verbindung zwischen Mutter und Tochter als außenstehender Betrachter deutlich spürt. Das finde ich wirklich schön. Außerdem finde ich es anziehend, dass sie sich selbst als Kunstobjekt in Szene setzt. Sehr narzisstisch und dadurch auch sehr sympathisch. Darüber hinaus lässt sie ihre Wurzeln und ihre Herkunft durch ihre Kunst hochleben und für mich ist das immer ein sehr nachvollziehbarer Punkt.
halli hallöööööchen aus der Schirn, meine süßen Lieblingsleser <3
Ihr wisst, wie sehr ich aufgezwungene Bedeutungsebenen in der Kunst hasse. Wir erinnern uns nur mal an meinen Anfall nach der Frieder-Burda-Ausstellung mit Nicolas Party. Was an Selma Selmans schaffen anders ist, ist dass sie ihre persönliche Familiengeschichte zur Bedeutungsebene macht. Und nicht irgendwelche ausgelutschten biblischen Passagen. Dadurch hat ihre Angehensweise nicht diese Banalität, die ich so abgrundtief hasse. Und auch wenn ihre Kunstobjekte nicht gerade alle Sinne meines ästhetischen Empfindens ansprechen, finde ich es geil, was sie macht. Doof hingegen fand ich die runden Zeichnungen. Die sprachen mich weder ästhetisch noch technisch noch sonst wie an. Hingehen lohnt sich aber dennoch.
ich weiß ja nicht…Selma Selman, Superpositional Intersectionalism – Sleeping Guards, 2023, Buntstiftzeichnung auf Papier, Ø 30cm, Courtesy of the artist
Ok. Eine Sache noch, dann mach ich hier Feierabend, ernsthaft aber. Ich finde es schön, dass parallel zu „Flowers of Life“ im Städel Museum die Ausstellung „Städelfrauen“ läuft. So hat der diesjährige Sommer in Frankfurt einen eindeutig feministischen Flair angenommen. Angenehm. Tschüss.
Lissabon ist nicht nur für seine Azulejos, gelbe Straßenbahnen, architektonischen Wahrzeichen, und spektakulären Aussichten bekannt. Auch die besondere und international bekannte Straßenkunst (oder eben Street Art) Lissabons verleiht der portugiesischen Hauptstadt ihren besonderen Flair. Überall in den Gassen der Tejo-Metropole sind die außergewöhnlichen und facettenreichen Kunstwerke zu finden. Selbst die Lissabonner Metrostationen zieren einmalige Wandmalereien.
Street Art in der Lissabonner Metro
Seit der Einführung der Lissabonner Metro im Jahr 1959 verliehen namhafte Künstler jeder Lissabonner Metro-Station ihre einzigartige Gestaltung. So verwandelten elf internationale Künstler – im Rahmen der Expo 1998 – die eigens für die Weltausstellung errichtete Haltestelle „Oriente“in eine Kunsthalle.
Die Station „Laranjeiras“ (Orangenbäume) verzierte der portugiesische Künstler Rolando Sá Nogueira gänzlich im Sinne des Stationsnamens. Beim Bahnhof „Jardim Zoológico“ dominiert als Motiv die tropische Flora und Fauna. Jeder U-Bahn-Stopp ist jeweils einem individuellen Thema gewidmet, was dem Lissabonner Untergrund seinen ganz eigenen Charme verleiht.
Namhafte Künstler verewigten sich auch auf diversen Schiffsanlegern, Mauern, Hausfassaden oder Müllcontainern. Dadurch machten sie Lissabon zu einem der wichtigsten Orte der Street Art. Und das europaweit. Insbesondere die Werke Alexandre Fartos aka Vhils und Pixel Panchos erfreuen sich weltweiter Bekanntheit.
Vhils arbeitet mit Hammer und Meißel. Mit diesen Werkzeugen lässt er auf Fassaden überdimensionale Portraits entstehen. Pixel Pancho hingegen reichert sie mit seiner Graffiti-Kunst an. So etwa schmückt das alte Zollamtgebäude im Garten „Jardim do Tabaco“ ein beeindruckendes Bildnis der beiden Künstler.
Interessierte können bei verschiedenen Touren tiefer in die populäre Lissabonner Street-Art eintauchen und dabei natürlich auch jede Menge Hintergrundinformationen zu Kunst und Künstlern erhalten.
Quelle: presseportal.de Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH
Das Kloster Eberbach ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Eltville am Rhein im hessischen Rheingau. Diese Klosteranlage gilt als eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Europas. Kein Wunder. Denn das, was ich an diesem fantastischen Bauwerk so beeindruckend finde, ist die Sorgfalt, mit der es all die Jahre gepflegt und restauriert wurde. Ich bin mir ganz sicher, so etwas findet man nur in Deutschland. Wenn man bedenkt, wie alt diese Gemäuer sind und für wie wenig Menschen sie ursprünglich errichtet wurden, verschlägt es einem die Sprache, wenn man sich ihrer Monumentalität bewusst wird. Berühmt ist das Kloster Eberbach seine atemberaubenden romanische und frühgotische Architektur sowie auch seinen Weinbau. Das Kloster Eberbach liegt mitten im Naturpark Rhein-Taunus.
Kloster Eberbach: Das ist die Gesamtansicht, wenn man vom Hügel auf das fantastische Bauwerk herabblickt.
Kloster Eberbach – die Gründung
Die Gründung des Klosters geht auf Bernhard von Clairvaux zurück. Am 13. Februar 1136 gründeten Abt Ruthard und zwölf Mönche aus Clairvaux das Kloster Eberbach. Unter dem Patrozinium der Maria Immaculata und Johannes der Täufer begann die Geschichte dieser bedeutenden Abtei.
Bereits 1142 gründete Eberbach sein erstes Tochterkloster Schönau im Odenwald, gefolgt von Otterberg in der Pfalz (1144/1145) und Hocht bei Lüttich (1155). Eine erste Krise durchlebte das Kloster während der Kirchenspaltung um 1160 bis 1170, als es Papst Alexander III. gegen die Päpste des Kaisers Friedrich Barbarossa unterstützte. Mönche flohen nach Frankreich und kehrten später in ihr aufstrebendes Kloster zurück.
Tochterkloster wird gegründet
1174 folgte die Gründung des Tochterklosters Arnsburg in der Wetterau. Obwohl ein geplantes Tochterkloster im Königreich Sizilien im frühen 13. Jahrhundert nicht gegründet werden konnte, übersiedelten einige Eberbacher Mönche 1217 zum Kloster Sambucina.
Von 1232 bis 1234 besetzte Erzbischof Siegfried III. von Eppstein das Kloster Lorsch mit Mönchen aus Eberbach, um es nach den Regeln der Zisterzienser zu reformieren – jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Eine geplante Klostergründung im Hanauer Wald um 1234 scheiterte an den Grafen von Hanau.
Die Klosteranlage ist mit Sicherheit eines der schönsten und bedeutsamsten Orte in ganz Hessen.
Kloster Eberbach: So viele Mönche lebten hier zur Blütezeit
Eberbach folgte strengen Benediktregeln, wodurch das Klosterleben für Adlige unattraktiv war. Die Mönche stammten daher aus nichtadligen Schichten. Der Konvent bestand zur Blütezeit aus etwa 300 Personen: 100 Mönchen und rund 200 Laienbrüdern (Konversen).
Die Konversen waren überwiegend Bauern und nahmen nur eingeschränkt am spirituellen Leben teil. Bücherlesen war ihnen verboten und sie hatten kein Wahlrecht bei der Abtwahl. Trotz dieser Einschränkungen bot die Stellung eines Konversen bessere Lebensbedingungen als ein Leben als einfacher Bauer oder Lohnarbeiter.
Das Kloster Eberbach ist ein beeindruckendes Zeugnis zisterziensischer Baukunst und religiöser Geschichte – ein unverzichtbares Kulturdenkmal, das nur etwa 40 Minuten Fahrt von Frankfurt liegt. Ich liebe diesen Ort wie wahnsinnig und würde am liebsten jeden Tag hier verbringen.
Die Informationen über das Leben dieses Kunstsammlers sind eher spärlich. Bekannt ist, dass Johann Valentin Prehn ein Konditor-Meister mit einer ausgeprägten Liebe für Kunst war. sind eher spärlich. Sein Handwerk lernte er von seinem Vater Zacharias Ludwig Prehn. 1776 heiratete er Margaretha Rosina Müller. Sein Geschäft befand sich an Zeil in Frankfurt, wo er aufgrund der hohen Qualität seiner Backwaren einen guten Ruf und lukrative Einnahmen genoss. Damit konnte er sich den luxuriösen Lebensstil leisten, eine umfangreiche Kunstsammlung zu besitzen, die heute zum Teil im Historischen Museum Frankfurt ausgestellt wird.
Johann Valentin Prehn: Konditormeister und Kunstsammler
Johann Valentin Prehn war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein talentierter Kunsthandwerker. Er stellte figürliche Tafelaufsätze her und kreierte sogar eine „allegorische Vorstellung“ zur Kaiserkrönung Franz II. in Frankfurt im Jahr 1792.
Die Kunstsammlung des Konditors umfasste alles von Kunstwerken bis hin zu Kuriositäten und einer Bibliothek. Dabei hob sich seine Sammlung durch die Bündelung von über 800 Miniaturgemälden in 32 Holzkästen hervor – eine derartige Kollektion dürfte es in Deutschland kein zweites Mal gegeben haben.
Luxuriöse Kunstsammlung: Cranach, Holbein und sogar Tizian
Die Sammlung enthielt Werke bekannter Künstler aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert wie Cranach, Holbein, Brueghel, Van Goyen, Tizian und andere. Ihr kennt ja meine Vorliebe für Cranach. Ich erblickte die Arbeiten in seinem Stil bereits von Weitem und wusste: hier gefällt es mir doch ganz gut. Einen Holbein sah ich in Frankfurt nicht, schließe aber gar nicht aus, dass ich ihn in meiner wilden Cranach-Ekstase hätte übersehen können. Besonders begeistert zeigte Prehn sich von Landschaftsgemälden, sakralen Historienbildern sowie Portraits und Genrestücken – also von der vollen Palette eigentlich.
Werkstatt CranachWerkstatt / Umkreis von Cranach
Das Leben des Konditors, der auch ein Kunstsammler war, und die Entstehung seiner Kunstsammlung sind bis heute größtenteils unerforscht. Es gibt keine schriftlichen Zeugnisse von Prehn selbst. Daher stützt sich das Wissen um seine Sammlung hauptsächlich auf einen gedruckten Katalog und ein Aquarell von Carl Morgenstern, die 1829 im Zuge der Versteigerung der Sammlung durch Prehns Sohn Ernst Friedrich Carl erstellt wurden.
Ihr glaubt nicht, welches Bild in der Kunstsammlung fehlt
Trotz der außergewöhnlichen Sammlung scheiterte eine Schenkung an das Städel’sche Kunstinstitut 1838. Die Stadt Frankfurt nahm die Sammlung jedoch im Jahr darauf an und überwies sie an die Stadtbibliothek, wo sie ab 1842 besichtigt werden konnte. Auf der Städel’schen Webseite heißt es wiederum: „Seit 1922 Dauerleihgabe des Historischen Museums Frankfurt am Main.“
Nun denn. Um welches Gemälde könnte es sich hier nur handeln? Ihr werdet es mir nicht glauben: Das Paradiesgärtlein (ca. 1410 – 1420) eines oberrheinischen Meisters. Ihr habt richtig gelesen. Die Beinahe-Hauptattracktion des Städels hing früher im Historischen Museum. Ich bin auch total schockiert über diese Information und werde der Sache noch auf den Grund gehen, wartet nur ab. Statt des Paradiesgärtleins hängt nun an der Stelle im Kunstkabinett nun ein Bild des Gemäldes. Da würde sich der Kunstsammler bestimmt freuen.
Das Paradiesgärtlein um 1410/20 hängt nun nicht mehr bei der restlichen Sammlung.
Rekonstruktion der Kunstsammlung
Im Jahr 1988 unternahmen die damaligen Kuratoren des Historischen Museums eine Rekonstruktion der Sammlung basierend auf dem Auktionskatalog von 1829 und arrangierten die Gemälde erneut in den originalen 32 Kästen. In dem Raum, in denen all die Miniaturen hängen, befindet sich ein Bildschirm mit Informationen zu allen ausgestellten Gemälden. Und auch noch ein grünes, in Stoff gebundenes Buch, von dem ich all diese Infos geklaut habe, ohne auch nur ansatzweise daran zu denken, den Autor dieses Buchs zu erwähnen. Schande über mich.
Quellen:
Naja, zum einen das grüne Buch da
und zum anderen: sammlung.staedelmuseum.de / „Das Paradiesgärtlein, ca. 1410 – 1420“
Die außergewöhnliche Kunst des 2022 verstorbenen Cartoonisten Andre Poloczek, besserbekannt als POLO, wird im Caricatura Museum in Frankfurt mit einer umfassenden Ausstellung gewürdigt. Die Ausstellung läuft vom 30. Mai bis zum 1. September 2024. Also bewegt lieber mal eure süßen kleinen Hintern, um noch einen Blick auf sie zu erhaschen. Denn diese Aussellung kann ich euch wärmstens empfehlen. Sie ist zum Lachen, sie ist zum Weinen, sie ist zum Nachdenken. Und sie ist eines der Gründe, warum das Caricatura Museum mein Lieblingsmuseum in FFM ist. Sie zeigt neben klassischen Cartoons auf Papier auch digitale Bildwitze, Malereien, Objekte und allerlei Spielereien.
Cartoonist Andre Poloczek alias POLO
Andre Poloczek alias POLO wurde in Wuppertal im Jahr 1959 geboren und zog später nach Haltern am See. Bereits als Schüler veröffentlichte er 1978 seine ersten Comics und Cartoons. Seine frühe Erfahrung beeinflusste seine künftige Karriere deutlich: Poloczek studierte Germanistik und Soziologie in Wuppertal und setzte seinen Fokus auf die absurden, alltäglichen Ereignisse der Gesellschaft.
Seine Karriere nahm Anfang der 1980er Jahre Fahrt auf. Neben seiner Arbeit als Fotograf schrieb er auch regelmäßig für die Westdeutsche Zeitung und die alternative Zeitung Wupper Nachrichten unter dem Pseudonym „Apo“. Dort erschuf er seine erste Cartoonfigur „Anton von de(r) Gathe“, die schnell sehr beliebt wurde.
Dann ging es mit Andre Poloczek Berg auf
Mitte der 1980er Jahre stellte POLO sein Talent bei ersten eigenen Ausstellungen unter Beweis. In den folgenden Jahren entwickelte sich sein Stil weiter, geprägt durch Comiczeichnenkurse bei namhaften Künstlern wie F.K. Waechter und F.W.Bernstein.
Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten: Im Jahr 2002 erhielt Andre Poloczek den Deutschen Karikaturenpreis in Silber. Seine Werke wurden in renommierten Zeitschriften veröffentlicht und erreichten ein breites Publikum. Von 2009 bis 2011 bildete er gemeinsam mit dem Satiriker und Grafiker Andreas Greve das Cartoon-Duo „Jünger und Schlanker“ und gewann hiermit den „Abräumer“-Sonderpreis des Deutschen Karikaturenpreises.
Zum Ende seiner Karriere engagierte sich POLO besonders für den künstlerischen Nachwuchs: Er leitete verschiedene Kurse im Bereich der Komischen Kunst und unterrichtete an der Junior Uni Wuppertal.
POLO im Caricatura Museum in Frankfurt
POLOs vielfältiges Werk, das von Cartoons über Malereien bis hin zu Illustrationen reicht, wird nun im Caricatura Museum in Frankfurt gewürdigt. Die Ausstellung zeigt nicht nur seine öffentlichen Arbeiten, sondern auch unveröffentlichte Skizzen, Montagen und Kinderbuch-Entwürfe. Persönliche Postkarten sowie extra für die Ausstellung angefertigte Zeichnungen runden die Schau ab.
Parallel zur Ausstellung erscheint ein Buch, das POLOs Schaffen als bedeutenden Vertreter der Komischen Kunst würdigt. Das Buch beinhaltet Texte von MC Graeff, Katharina Greve und Peter P. Neuhaus und ist im Lappan Verlag erhältlich. ISBN: 978-3-8303-3700-3. Wer es also in den wenigen Wochen nicht mehr schafft, das Caricatura zu besuchen, sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen. Es ist auch im Museumsshop erhältlich.
Hanauer Altstadt: In diesem Häuschen war eine kleine, nette Gastronomie. Hier fiel mir auch gleich auf, dass sich diese hübschen Laternen durch die gesamte Altstadt zogen.
Die Fachwerk-Bauweise, eine traditionelle Methode im Holzbau, erstreckt sich durch Jahrhunderte der europäischen Architekturgeschichte. Ursprünglich in der frühgeschichtlichen Pfostenbauweise verwurzelt, hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer etablierten Bauform entwickelt, die vor allem in Deutschland, Teilen Frankreichs, Englands und Skandinaviens verbreitet war.
Das Fachwerkhaus zeichnet sich durch seine Skelettbauweise aus Holz aus, wobei die Zwischenräume typischerweise mit Lehm verputzt oder mit Mauerwerk ausgefüllt sind. Die Konstruktion stützte sich ursprünglich auf handbehauene Hölzer und verzichtete weitgehend auf metallische Verbindungsmittel.
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Einzigartige Gestaltung der Fachwerke
Von den Anfängen im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert dominierte diese Bauweise die Hochbauarchitektur nördlich der Alpen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sie sich vom einfachen Pfostenbau zu komplexeren Formen wie dem Stockwerkbau.
Die künstlerische Ausgestaltung des Fachwerks variiert je nach Region und Epoche erheblich. Insbesondere Schmuckformen wie geschnitzte Reliefs und farbige Gestaltungen machen jede Struktur einzigartig.
Winter in Bad Homburg: Auch hier entdeckte ich ein paar süße Fachwerkhäuser beim Rumlungern.
Industrialisierung und Fachwerk: Wandel in der Bauweise
Mit Beginn der Industrialisierung trat allmählich ein Wandel ein: Neuere Baustoffe wie Backstein und Beton führten zu einer Abkehr von der traditionellen Holzbauweise in Europa. Dennoch erlebte das Fachwerk im Historismus ein Comeback als dekoratives Element an sonst massiven Gebäuden.
Heute sind trotz Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg noch etwa 2,4 Millionen Fachwerkhäuser in Deutschland erhalten. Orte wie Quedlinburg zeigen die lange Geschichte dieser Baukunst, die nun unter Denkmalschutz steht und oft umfangreiche Restaurierungen erfährt. In diesen deutschen Städten findest du die ältesten Fachwerke.
Die Deutsche Fachwerkstraße verbindet über 100 Städte und bietet Einheimischen wie Touristen die Möglichkeit, diese architektonische Tradition zu erkunden. In moderner Zeit sehen wir auch eine Rückbesinnung auf ökologische Baustoffe und Techniken, was dem Fachwerk neue Relevanz verleiht, insbesondere im Rahmen nachhaltigen Bauens.
Obwohl heute anders genutzt und vielfach modernisiert, bleibt das Fachwerkhaus ein lebendiges Symbol handwerklicher Kunstfertigkeit und regionaler Identität. Mehr zu der Deutschen Fachwerkstraße in Hessen findest du hier.
Es ist das Museum mit dem mutmaßlich höchsten Komikgehalt in der deutschen Museumslandschaft: das Caricatura Museum Frankfurt. Mit Karikaturen, Bildgeschichten, Cartoons und Comics zeigt das Museum für Komische Kunst die Vielfalt des Genres.
2008 eröffnete das Caricatura in der Mainmetropole. Der Standort soll dabei kein Zufall gewesen sein: Seit den frühen 60er Jahren behauptet sich Frankfurt als Hauptstadt der Satire (und ganz nebenbei auch die der Kriminalität). Die hier gegründeten Satiremagazine Pardon und Titanic lockten zahlreiche Künstler wie F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler (der Urheber des ICH-Denkmals in Frankfurt), F.K. Waechter sowie Autoren wie Bernd Eilert, Eckhard Henscheid und Pit Knorr in die Stadt. Sie schrieben als Künstlergruppe Neue Frankfurter Schule Satiregeschichte und prägen bis heute die deutsche Komiklandschaft.
Das erste Obergeschoss des Caricatura Museums ist der Sammlung des Hauses gewidmet. Hier werden in regelmäßigen Neuhängungen die Werke des Sammlungsbestandes präsentiert. Geplant ist, das erste Obergeschoss um ein Kabinett zu erweitern, in dem kurzfristig aktuelle und vielfältige Themen und Ausflüge in die Nachbardisziplinen präsentiert werden. Zumindest schreibt das das Caricatura selbst. Ich hingegen habe dort während der Loriot-Ausstellung Loriot gesehen. Und während der POLO-Ausstellung das hier:
Habe ich etwas verpasst? Wem gehören diese wunderbaren Zeichnungen? Ich war mir sicher, dass sie von POLO sind. Irre ich mich? Weiß das jemand? Warum suche ich auch nicht vor Ort nach Hinweisen auf einen Urheber? Fragen über Fragen…
Die im Erdgeschoss und in der Galerie angesiedelten Wechselausstellungen präsentieren Werke weiterer namhafter Vertreterinnen und Vertreter der Komischen Kunst. Sammelausstellungen wie Einzelausstellungen. National wie international. Klassiker wie Zeitgenössisches.
Die Ausstellungen des Caricatura Museums werden regelmäßig um verschiedene öffentliche Veranstaltungen in und vor den Räumlichkeiten des Hauses ergänzt. Dazu gehören unter anderem Führungen, Lesungen, Konzerte, Buchvorstellungen und manchmal auch Workshops, die ich bis jetzt noch nicht belegen konnte, weil sie fortwährend ausgebucht sind.
Außerdem gibt es noch das Festival der Komik, das jährlich im Rahmen des Museumsuferfestes stattfindet. Dieses präsentiert drei Tage lang „erlesenste satirische Bühnenkunst“ direkt vor den Türen des Museums, heißt es in einer Mitteilung. Persönlich muss ich sagen, dass das Caricatura mein absolutes Lieblingsmuseum ist in Frankfurt. Sorry Schirn und Städel.
Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Caricatura Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.
Das Caricatura öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.
Im Haus gibt es außerdem eine kleine Buchhandlung. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr mir oder anderen Personen, die ihr liebt, schenken sollt, geht einfach da hin. Es ist ein regelrechtes Schlaraffenland für alle, die einen zarten Dachschaden haben. Außerdem gibt es Postkarten en masse; all das natürlich mit Satire, Karikaturen, Comics, Tuschezeichnungen, Witzen und Co. Ernsthaft. Geht da hin.
Buchhandlung im CaricaturaMeine LieblingspostkarteEines der drei Postkartenvitrinen