Bettina Heinen-Ayech (1937-2020): Selbstbildnis mit Zigarette, 1977 / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/175102 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
Anfang Juni wurde Bettina Heinen-Ayech in den exklusiven Kreis der 50 wichtigsten historischen Frauenpersönlichkeiten in NRW aufgenommen. Der FrauenRat NRW zeichnete mit den „FrauenOrten NRW“ Frauenpersönlichkeiten aus, die die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen entscheidend mitgeprägt haben. Der FrauenRat ist ein Zusammenschluss von rund 50 Frauenverbänden und Gruppen. Ayech wurde als herausragende Künstlerin, als wichtigste Protagonistin der Solinger Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“ und für ihr Engagement als Botschafterin der Völkerverständigung zwischen Orient und Okzident ausgewählt.
Selbstbildnis mit Zigarette, 1977.
Die Solinger Aquarellistin und Plein-Air-Malerin erregte internationale Aufmerksamkeit als Künstlerin. Die damals noch unbekannte junge Malerin wurde zu der bedeutenden Gruppenausstellung „Deutsche Kunst der Gegenwart 1955/56“ eingeladen. Dort zeigte sie Werke von Karl Schmidt-Rottluff, Paul Klee, Max Beckmann, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner und Käthe Kollwitz. Dann tourte sie durch Amerika, Afrika und Asien.
Sie war die Tochter des Journalisten und Lyrikers Hanns Heinen und Erna Heinen-Steinhoff, die in den Häusern der Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“ ihren Kunst- und Literatursalon unterhielt. Hier lernte Bettina ihren wichtigsten Lehrer und Mentor kennen, den Maler Erwin Bowien (1899-1972). Sie blieb ihr Leben lang mit ihm verbunden und unternahm mit ihm zahlreiche Kunstreisen durch Europa.
Nach ihrer Ausbildung an den Kunsthochschulen in Köln, München und Kopenhagen führte Bettina Heinen-Ayech ein mehrmonatiger Aufenthalt im ägyptischen Luxor. Dort wurde ihr die Wüste und das Licht des Orients näher gebracht. 1963 zog die Malerin zu ihrem algerischen Ehemann, dem Bauunternehmer Abdelhamid Ayech, in dessen Heimatstadt Guelma.
Bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 wird Algerien im Wechsel mit Solingen ihr Lebensmittelpunkt sein. Das Ausstellungsverzeichnis der Künstlerin umfasst über 90 große Einzelausstellungen in Museen und wichtigen Kulturinstitutionen in Europa und Nordafrika. Zahlreiche Museen besitzen Gemälde von ihr.
Quelle: presseportal.de, Pressemiteilung der Bettina Heinen-Ayech Foundation
BILD zu OTS - Alexej von Jawlensky (1864–1941), Mädchen mit grüner Stola, 1909/10, Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Ach du törichtes Tülpchen, es ist mal wieder so weit: Endlich schreibe ich wieder über Expressionismus, Jawlensky, Kandinsky, Kirchner, Modersohn-Becker, Münter und andere. Diese sollen nun nämlich in einen „imaginären Dialog“ mit österreichischen Expressionisten treten, heißt es in einer Pressemitteilung der Privatstiftung Leopold Museum.
Anhand von 17 Meisterwerken aus Privatsammlungen und der Sammlung Leopold, unter anderem Gabriele Münter, Wassily Kandinsky oder Ernst Ludwig Kirchner, zeigt das Leopold Museum eine erlesene Auswahl an Gemälden des Deutschen Expressionismus. Juhu! Und wer ist jetzt gerade vor Ort, um sich das ganze reinzuziehen? Richtig! Nicht ich, sondern meine Mutter. Noice.
Deutscher Expressionismus in Wien
Die aktuelle Fokuspräsentation „Deutscher Expressionismus“ im Rahmen der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ ermöglicht einen Einblick in die unterschiedlichen Ausprägungen expressionistischen deutschen Kunstschaffens. Zu sehen sind die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
17 hochkarätige Werke von Lovis Corinth, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, haha „deutscher Expressionismus“ – if you know it, you know itPaula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und August Macke begegnen einander in der permanenten Präsentation. Im Leopold Museum findet dies erstmals in dieser fokussierten Form statt. Erinnert uns das mutmaßlich an die Ekstase der Farben beim Blauen Reiter im Münchner Lenbachhaus? Durchaus, durchaus.
Alexej von Jawlensky (1864–1941), „Mädchen mit grüner Stola“ (1909/10). Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Das macht diese farbenfrohe Kunstrichtung aus
Der Deutsche Expressionismus zeichnet sich durch die expressive Reduktion der Malmittel und eine radikale Vereinfachung von Form und Farbe aus. Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und regionaler Volkskunst vervollständigen das Bild einer überaus facettenreichen Kunstrichtung. Diese wird durch die Verbindung mit der französischen Avantgarde wie den Nabis und den Fauvisten sowie eigenständige Positionen wie die Paula Modersohn-Beckers abgerundet.
Deutsche wie österreichische Expressionisten hinterfragten und erweiterten den Schönheitsbegriff radikal. Vereint unter einem Dach treten beide Strömungen in dieser Fokus-Schau in einen imaginären Dialog.
Was hat Expressionismus mit wirtschaftlichem Fortschritt zu tun?
Der Begriff Expressionismus wurde in Deutschland erstmals 1911 im Vorwort des Kataloges zur 22. Ausstellung der Berliner Secession in Zusammenhang mit den Werken junger französischer Künstler verwendet.
Der Deutsche Expressionismus wurzelt u.a. in den negativen Begleiterscheinungen des rasanten wirtschaftlichen Fortschritts der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die Schattenseiten der Industrialisierung führten unweigerlich zu sozialen Konflikten. Mit der zunehmenden Entfremdung von Natur und Spiritualität entstand eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Innerlichkeit und freiem Ausdruck. Diese bildete im wilhelminischen Kaiserreich den Nährboden für den Expressionismus.
Die expressionistische Kunst umfasste radikale künstlerische Reaktionen auf den Impressionismus und auf konservative akademische Traditionen. Die Expressionisten nahmen hinsichtlich eines freien Umgangs mit Farbe und Form Anleihen beim Schaffen der französischen Künstlergruppe Nabis („Propheten“), bei den Fauves („Wilde“) um Henri Matisse sowie beim Norweger Edvard Munch. Ebenso bezogen sie Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und aus der regionalen Volkskunst, etwa der Hinterglasmalerei.
Hier haben wir einen super frühen Henri Matisse: „Servierter Tisch“(1897), Öl auf Leinwand. Dieses Exemplar wird nicht im Leopold Museum zu sehen sein.
Wiener Leopold Museum: Schwerpunkte der Ausstellung
Die Präsentation Deutscher Expressionismus zeigt ausgewählte Beispiele aus dem Schaffen der Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke, die sich ab 1905 um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel; Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff formierte. Die Künstler rebellierten gegen den Impressionismus und die Wiedergabe der Außenwelt nach tradierten Regeln. Als Teil einer naturbezogenen Lebensreform sollte Kunst „Freiheit verschaffen“, die „unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was […] zum Schaffen drängt“ (Kirchner, 1906).
Die Malerinnen und Maler im Umkreis des Münchner Almanachs Der Blaue Reiter*engelsgesang* begaben sich auf die Suche nach einer neuen Innerlichkeit in der Kunst. Ihre Werke zeichnen sich durch klare Konturen aus, die bisweilen intensive Farbigkeit löste sich zunehmend vom Gegenstand. Die im Leopold Museum ausgestellten Exponate sollen ein eine Hinwendung vom Impressionismus zum Expressionismus nachvollziehbar machen.
Gabriele Münter von der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“: In der Erdbeerzeit (1919). Wer dieses Werk jedoch in Wien sucht, wird leider nicht fündig. Es gehört nämlich zu der fantastischsten Ausstellung der Welt im Münchner Lenbachhaus.
Expressionismus in Deutschland und Österreich
Durch die im Leopold Museum gegebene räumliche Nähe zu den Werken österreichischer Ausdruckskunst – von Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer bis zu Anton Kolig, Anton Faistauer und Herbert Boeckl – ermöglicht die Fokusausstellung zum Deutschen Expressionismus nun einen besonders guten Vergleich der länderspezifischen Ausprägungen expressionistischer Strömungen.
Zu den Höhepunkten der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ zählt neben der Kunstproduktion in Wien um 1900 insbesondere die Kunst des österreichischen Expressionismus. Das Museum zeigt auch die weltgrößten Sammlungen von Werken des Expressionismus-Vorreiters Richard Gerstl und von Egon Schiele – einem der wichtigsten österreichischen Protagonisten der Kunstrichtung. Darüber hinaus besitzt das Leopold Museum einige bedeutende Werke des deutschen Impressionismus und Expressionismus, unter anderem von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Beckmann oder Ernst Ludwig Kirchner. Ein Besuch lohnt sich also auch außerhalb aller Sonderausstellungen.
Quelle: presseportal.de: Pressemitteilung des Leopold Museums
Madeira, die portugiesische Insel im Atlantik, birgt eine Vielfalt an natürlichen Schönheiten. Unter den zahlreichen Naturerlebnissen stechen besonders die vielen Wasserfälle heraus. Von gigantischen Wasserstürzen bis zu romantischen Wasserläufen – die eindrucksvollen Kaskaden faszinieren mit ihrer Schönheit und bieten gleichzeitig unvergessliche Momente für Abenteuerlustige. Einige der Wasserfälle sind bequem mit dem Auto erreichbar. Hier sind die Top 5 Wasserfälle auf Madeira:
Wasserfall auf Madeira: Levada das 25 Fontes
Der Wasserfall Levada das 25 Fontes beeindruckt mit einem spektakulären Anblick von 25 Quellen, die in ein smaragdgrünes Becken fließen. Naturliebhaber und Hobbyfotografen können sich an den zahlreichen kleinen Wasserfällen, die sanft über die Felswände plätschern, erfreuen.
Wer mutig und kälteresistent ist, kann nach der Wanderung eine Abkühlung im See der 25 Quellen genießen. Der Weg dorthin führt entlang der berühmten Levadas. Hierbei handelt es sich um künstliche Wasserläufe, die das Wasser aus den Bergen zu den Bewässerungskanälen der Insel leiten. Die mittelschwere Route startet in Rabaçal, ein Naturschutzgebiet, das von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.
100 Meter in die Tiefe stürzt der Risco-Wasserfall
Der Risco-Wasserfall ist einer der höchsten Madeiras und stürzt ganze 100 Meter in die Tiefe. Die Wanderung zum Risco kann gut mit der Levada das 25 Fontes kombiniert werden. Die beiden Wasserfälle teilen sich nämlich den Anfang des Wanderwegs in Rabaçal. Die knapp zweistündige Route wird als leicht eingestuft. Ziel ist der Aussichtspunkt und Wasserfall Risco. Er ragt senkrecht in die Höhe und bildet eine weiße Linie, die im Kontrast zu den dunklen Felsen steht. Hier bietet sich eine idyllische und sehr fotogene Kulisse.
Véu da Noiva: Dieser Wasserfall fällt in den Ozean
Bereits der Name dieses Wasserfalls, übersetzt „Brautschleier“, vermittelt seine elegante Schönheit. Der Véu da Noiva stürzt sich wie ein zarter Vorhang von einer Klippe hinab und mündet im Atlantischen Ozean. Auch dieser Wasserfall ist bequem mit dem Auto erreichbar – zwischen Seixal und São Vicente an der Nordküste. Ein kurzer Spaziergang führt zum Aussichtspunkt Véu da Noiva, von dem aus dieses Naturschauspiel bewundert werden kann.
Der Wasserfall Dona Beija befindet sich im westlichen Teil der Insel Madeira. Er zeichnet sich durch seine mehrstufigen Kaskaden aus, die in einen idyllischen See fließen. Der Zugang zu diesem Wasserfall ist recht einfach und liegt auf der Route des Wanderweges Levada do Alecrim – mit Startpunkt in Rabaçal. Dieser Weg führt durch eine malerische Landschaft mitten in der Natur. Wer will, kann sich im See abkühlen.
Mit seinem imposanten 140-Meter-Freifall wirkt es, als ob das Wasser des Garganta Funda in eine Kehle eintaucht. Was auch die deutsche Übersetzung seines Namens „Tiefe Kehle“ erklärt. Der Fußweg zum Aussichtsplatz des Wasserfalls beginnt im Wandergebiet Pedregal. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg von etwa 600 Metern. Wer stattdessen lieber Wandern möchte, kann in der Gemeinde Ponta do Pargo starten. Von hier aus ist auch der historische Leuchtturm Ponta do Pargo sichtbar, der auf einer 312 Meter hohen Klippe steht. Die grüne Kulisse der umgebenden Berge macht diesen Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Die autonome Region Madeira, die zu Portugal gehört und knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt ist, liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel Madeira zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel. Aber auch Kulturhungrige oder Strandurlauber kommen zum Beispiel in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten.
Quelle: presseportal.de, Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH.
Ryan Gander, ein britischer Künstler der Gegenwart, hat auf der Art Basel 2024 sein neues Werk „School of Languages“ vorgestellt. Seine Gorilla-Installation soll die Beziehung zwischen unserer evolutionären Vergangenheit und den dynamischen Aspekten der modernen Gesellschaft untersuchen. Das Kunstwerk soll Verbindungen zwischen dem täglichen Leben und dem Mystischen ziehen.
Mein erster Eindruck von Ganders Gorilla
Bevor ich mich jetzt in die Interpretation dieses Werks stürze, will ich zunächst meine Gefühle vor Ort beschreiben. Ich hatte es eilig. In einer Stunde würde die Art Basel schließen und ich musste mich beeilen, um noch schnell das Beste von der Messe mitzubekommen. Ich ließ meine Mutter also in der Unlimited-Halle stehen und raste davon. Ja, so läuft das bei uns. Sie wollte sowieso im Café chillen. Egal. Ich eilte durch die Messe und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Denn ich sah einen weißen Raum mit weißem Schreibtisch und weißem Ventilator. Um den Tisch herum versammelten sich Menschen mit großen Augen – da musste ich hin.
Als ich näher kam, schien es, als läge unter dem weißen Schreibtisch ein Hund, der da gar nicht hingehörte – so meine ersten Gedanken. Dann ging ich um das Möbelstück herum und sah: einen Gorilla. Mein Sehorgan musste ich zunächst mehrfach fokussieren, um mir ganz sicher zu sein, dass es sich um eine leblose Tierimitation handelte – so echt sah das Tier aus. Darüber hinaus atmete es, machte leichte Handbewegungen und gab auch anderweitige Geräusche von sich. Es war schon irgendwie außergewöhnlich.
Diese Bedeutungsebene hat der Gorilla laut Künstler
In Ryan Ganders Installationskunstwerk trifft der Betrachter also auf eine Mischung aus Objekten. Im Mittelpunkt steht der Büroschreibtisch im Corporate-Stil. Neben ihm befinden sich ein elektrischer Standventilator und eine digitale Wanduhr. Durch den Ventilator soll der Geruch von Feuchtigkeit und Urin verströmt werden. Vor Ort roch ich persönlich aber nichts dergleichen. Die Figur unter dem Schreibtisch stellt einen lebensgroßen, weiblichen Gorilla dar. Trotz ihrer scheinbaren Schüchternheit zeige sie den Wunsch zu lernen, indem sie Einheiten notiere – so die ikonologische Beschreibung im Katalog. What? Die Bedeutung ihrer Handlung bleibe laut Künstler jedoch für den Betrachter unklar: Notiert sie Zeiteinheiten? Währungseinheiten? Oder gar eine Akkumulation oder einen Rückgang einer anderen Größe? All diese Fragen habe ich mir natürlich nicht gestellt.
Holen wir mal ganz weit aus und ziehen den Messebesucher mit ins interpretative Boot der modernen Künste: Dadurch, dass einige Besucher unter den Schreibtisch blickten, machte es viel mehr den Eindruck, als sei der Gorilla in gewisser Weise ängstlich und nicht gerade gut auf die Menschen zu sprechen. Als würde er dort gezielt Schutz suchen. Dass der Betrachter auf die Installation einwirkt, hätte der Künstler ja aber nicht ahnen können. Oder? Da wären wir wieder bei unseren individuellen Realitäten und Paradigmen.
Ein weiteres bemerkenswertes, von mir jedoch unbemerkt gebliebenes, Detail ist die „Wanduhr, die zwei Anzeigen in einem einzigen Objekt kombiniert“. Diese „divergieren in seltsamen Winkeln und erzeugen dadurch die Illusion von Doppelbildern“, heißt es weiter in dem Art Basel Unlimited-Katalog, was auch immer das bedeuten mag.
Eine kurze Info zum Künstler Ryan Gander
Ryan Gander wurde 1976 in Chester, Großbritannien geboren. Er lebt und arbeitet in Suffolk und soll dafür bekannt sein, traditionelle Vorstellungen von Sprache und Wissen herauszufordern und gleichzeitig neue Wege in der Präsentation und Schaffung von Kunstwerken zu gehen.
Das denke ich über Ganders Gorilla
Was denken wir über dieses Kunstwerk? Ich fang mal an: Es ist cool. Es war cool, bis ich die Bedeutungsebene von Gander gelesen hatte. Genau das ist der Punkt, über den ich mich bereits tausendfach ausgekotzt hatte. Moderne Künstler bekleben ihre Werke regelrecht mit irgend welchen tieferen Symbolen und Bedeutungen. Wir erinnern uns an meinen Anfall, den ich nach der Nicolas Party Ausstellung in Baden-Baden hatte. Auch damals fand ich es unerträglich, dass Banalitäten irgend welche Biblischen Bedeutungsebenen zugeschrieben wurden, die da gar keinen Platz hatten.
Nun. Bei unserem Gorilla von Ryan Gander ist es nicht so extrem. Hier kann weder die Sprache von Banalitäten noch von talentfreier Zone sein. Immerhin ist das Werk wirklich interessant und ruft bei dem Betrachter eindeutig Emotionen hervor. Aber ich persönlich nehme mir hier das Recht raus zu sagen, dass mir die Beschreibung des Künstlers bisschen zu dick aufgetragen erscheint. Ich liebe die einfachen Dinge, weil sie genial sind. Und in ebendieser Einfachheit liegt meiner Meinung nach auch eine Kunst – gewissermaßen.
Ich fand das Kunstwerk „School of Languages“ nice. Aber Lu Yangs Avatar DOKU, dessen Film „The Flow“ nur wenige Meter weiter auf der Art Unlimited ausgestellt wurde, kann der liebenswerte Gorilla leider nicht das Wasser reichen. Nicht weil das DOKU-Werk etwa einfach gemacht oder aufgebaut ist. Weil es selbsterklärend, zugänglich und durch die Darstellungen der Künstlerin tief philosophisch ist, ohne dass sie es notwendig hatte, irgendwelchen unscheinbaren Elementen eine zweite Bedeutungsebene zu verpassen. Und diesen Effekt können meistens nur Genies erzeugen.
Diese Frauen schufen nicht nur Kunstwerke sondern knüpften auch von Paris und Frankfurt aus internationale Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. Einige prägten als Lehrerinnen und Kunstagentinnen sogar die Geschichte des Städel Museums und der Städelschule.
Louise Catherine Breslau (1856-1927): Junge Frau und Chrysanthemen. Portrait von Mina Carlson-Bredberg, 1890. Öl auf Leinwand.
Städelfrauen: Meisterwerke erstmals öffentlich gezeigt
Besucher können rund 80 Gemälde und Skulpturen von 26 verschiedenen Künstlerinnen bewundern. „Wir stellen diese Künstlerinnen mit ihren individuellen Leistungen vor und machen ihre weitverzweigten Netzwerke sichtbar.“ Das erklären Alexander Eiling, Eva-Maria Höllerer und Aude-Line Schamschula, Kuratoren der Ausstellung im Städel Museum in einer Mitteilung. Sie betonen: „Es ist eine Ausstellung über die Selbstermächtigung von Künstlerinnen, die zu ihrer Zeit keine Ausnahmeerscheinungen waren“.
Die ausgestellten Exponate stammen aus renommierten US-amerikanischen und europäischen Museen sowie aus Privatbesitz. Einige dieser Arbeiten werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Auch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter Fotografien und Briefe, die von internationalen Ateliergemeinschaften, professionellen Künstlerinnenverbänden und dem kontinuierlichen Streben nach Anerkennung erzählen ergänzen die Ausstellung.
Eugenie Bandell (1857-1918): Sonne am Mittag (Wilhelmsbad), 1913. Öl auf Leinwand.
Ausstellung im Städel Museum: Spiegel der gesellschaftlichen Umbrüche
Die ausgestellten Künstlerinnen zeichnen sich durch ihre Eigenständigkeit und Professionalität aus, in einem Kulturbetrieb, der zu ihrer Zeit von männlichen „Künstlergenies“ bestimmt wurde.
Die Ausstellung zeigt die stilistisch unterschiedlichen Herangehensweisen weiblicher Künstlerinnen und spiegelt die radikalen gesellschaftlichen und ästhetischen Umbrüche ihrer Zeit wider. Dabei setzten sie sich mit ihrer eigenen Existenz in einem männlich dominierten Umfeld auseinander und stellten traditionelle Geschlechterrollen infrage. Neben Malerei und Zeichnung eroberten sie auch die als „männlichste“ Gattung geltende Bildhauerei.
„Städelfrauen“ ist mal wieder eine gelungene Ausstellung. Ich bin sehr froh drum, dass die Kuratorinnen und Kuratoren des Städels sich wieder mal für ein klares Konzept entschieden haben. Jedes Mal freue ich mich über einfache und nachvollziehbare Strukturen einer Sonderausstellung, denn ich bin der Überzeugung, dass alles Geniale einfach ist.
Eugenie Bandell: Gelb und blau (Stillleben), um 1909. Öl auf Leinwand.Fragment von: Eugenie Bandell, Gelb und blau (Stillleben). Ich liebe diese spachtelähnliche Technik, die hier so präzise mit einem Borstenpinsel ausgeführt wurde.
Ich war sehr gerührt. Es war schmerzhaft zu erkennen, dass Frauen um 1900 nicht ansatzweise die gleichen Chancen hatten, wie Männer. Auch in der Kunst nicht. Aber das ist natürlich nichts Neues. Die Tatsache, dass die Künstlerinnen trotz allen Schwierigkeiten Wege fanden, um ihre Träume zu verwirklichen und ihrem Bedürfnis, Kunst auszuleben, folgten, jagt mir Tränen in die Augen. Denn bisher wusste ich gar nicht zu schätzen, was für ein Glück ich habe, dieses Handwerk – wenn auch in einer ganz anderen Dimension; wir erinnern uns, ich bin werdende Karikatur- und Comiczeichnerin – erlernen zu dürfen, ohne auch nur den Hauch eines Widerstandes zu spüren bekommen zu haben. Und das alles, weil ebendiese Künstlerinnen damals dafür kämpften, dass meine Generation alles machen kann, worauf sie Bock hat.
BILD zu OTS - Gemälde von Ernst Fuchs, 1953, Mischtechnik auf Pergament, 14 x 18 cm
Vor über einem Jahr, im Juni 2023, stahlen bislang unbekannte Täter ein Gemälde von Ernst Fuchs. Hierbei handelt es sich um das Werk „Hinter dem Schweißtuch der Veronika“. Es hing ehemals in der Otto-Wagner-Villa, dem Museum in Wien/Hütteldorf. Trotz einjähriger Fahndung der Kriminalpolizei ist die Suche bislang erfolglos geblieben. Ein Nachkomme des Künstlers reagiert nun mit einer Erhöhung des Finderlohns.
So gab das Ernst Fuchs Museum bekannt, den ursprünglich ausgeschriebenen Finderlohn von 5.000 Euro auf 30.000 Euro zu erhöhen. So sieht das vermisste Kunstwerk aus:
Gemälde von Ernst Fuchs, „Hinter dem Schweißtuch der Veronika“ aus dem Jahr 1953, Mischtechnik auf Pergament, 14 x 18 Zentimeter.
Ernst Fuchs: Sohn erklärt emotionale Komponente des Gemäldes
„Für meinen Vater hatte das Bild eine besondere Bedeutung, weil es eines der wenigen erhaltenen Werke aus der für ihn so künstlerisch prägenden Pariser Zeit war. Damals hatte er kein Atelier und schuf daher nur kleinformatige Bilder“, erzählt Tillmann Fuchs, Sohn des wichtigen Vertreters der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“. „Deshalb haben wir uns entschieden, nun den Finderlohn für Hinweise, die zur Rückgabe des Bildes führen, drastisch zu erhöhen“, so Fuchs weiter.
Hinweise (auch anonym) werden an das Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer +43 (0) 1-31310-33800 erbeten.
Die portugiesische Hauptstadt Lissabon zieht durch ihr unvergleichliches Flair und die gelassene Atmosphäre Besucher aus aller Welt an. Insbesondere der Fluss Tejo, der die Stadt durchquert, bietet eine idyllische Kulisse für Entspannung und Erholung. Mit über 1.000 Kilometern Länge ist er einer der drei großen Flüsse der Iberischen Halbinsel. Er entspringt in Spanien, durchquert Portugal und mündet bei Lissabon in den Atlantik. Diese Aktivitäten können Reisende in Lissabon im und um den Tejo erleben:
Fluss Tejo in Lissabon: Bootstour bei Sonnenuntergang
Wer in Lissabon auf Entdeckungstour geht, sollte unbedingt mit dem Boot über das ruhige Wasser des Tejo fahren. Viele Bootsfahrten sind am Terminal Sul e Sueste, nahe Praça do Comércio im Zentrum, buchbar.
Egal ob ein klassisches Passagierschiff, Katamaran, Segelboot oder Speedboot – während den Fahrten können viele Sehenswürdigkeiten aus einer neuen Perspektive entdeckt werden. Alternativ starten Touren mit alten Segelbooten in der Nähe des Torre de Belém, im Stadtteil Belém. Hier werden das Denkmal Padrão dos Descobrimentos, Ponte 25 de Abril und dem Cristo Rei vom Fluss aus besichtigt.
Das Naturschutzgebiet am Mündungsdelta des Tejos ist das größte Feuchtbiotop in Portugal und mit Schlick und Sumpf durchsetzt. Zugvögel rasten hier auf ihren langen Flügen, andere Arten leben hier das ganze Jahr. Während der Vogelflugzeit verweilen mehr als 120.000 Vögel im Mündungsgebiet. Vor allem Säbelschnäbler machen es sich hier gemütlich. Über 20 Prozent der gesamten Population im westeuropäischen Raum legen hier einen Zwischenstopp ein. Im Herbst ist die Ankunft tausender Flamingos ein Schauspiel von einzigartiger Schönheit.
Das Tejo-Naturschutzgebiet erstreckt sich bis zum Marschland von Vila Franca de Xira. Hier sind markierte Wege, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto erkundet werden können. Reisende können das Gelände auch bei einem Ausflug mit einem der typischen „Fragatas“ erforschen. Hierbei handelt es sich um Barkschiffe, die früher Personen und Waren über den Fluss transportiert hatten.
Für jene, die aktive Entspannung anstreben, bietet sich Stand-Up-Paddeln auf dem Tejo an. Sanft über das ruhige Wasser gleiten und dabei die Stadt erleben. Ob beim Treiben lassen auf dem Board oder mit einer geführten Stand-Up-Paddel-Tour – hier können die Strände und die Festung vom Meer aus betrachtet werden. Die Touren sind für alle Erfahrungsstufen geeignet, ohne Vorkenntnisse.
Das Amsterdamer Kunstmuseum H’ART feiert mit einer großen Kandinsky-Ausstellung seine Wiedereröffnung. Mehr als 60 Werke des berühmten Malers und Pioniers der abstrakten Kunst, Wassily Kandinsky (1866-1944), sind dort ab sofort zu sehen. Es ist zugleich der Start einer Zusammenarbeit mit dem Pariser Museum Centre Pompidou. Die gezeigten Kunstwerke stammen aus dem Pariser Museum, das eine der größten Kandinsky-Sammlungen besitzt.
Die Ausstellung folgt der Lebensgeschichte des Malers von seinen frühen figurativen Werken, den impressionistischen bis zu den abstrakten Gemälden mit geometrischen Formen. „Kandinskys Lebensgeschichte ist auch die Geschichte der abstrakten Kunst“, sagte Kuratorin Birgit Boelens. Krisen, Kriege, Revolution und persönliche Schicksalsschläge beeinflussten unseren geliebten Helden Kandinsky. „Seine Geschichte spiegelt sich im Reichtum und der Diversität seiner Kunst.“ So weit, so gut.
Unser Gott Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images
Wassily Kandinsky: Spitzenwerke in Amsterdam
Wie wir bereits alle wissen, weil wir regelmäßig avec Madlen lesen, wuchs Kandinsky im russischen Zarenreich auf. Er verließ seine Heimat nach einer kurzen Karriere als Jurist 1896, um in Deutschland Künstler zu werden. Nach langen Reisen ließ er sich in München nieder. Er gehörte neben unserem Schatz Alexej Jawlensky zu den Mitgründern der Gruppe „Der blaue Reiter“. Kandinsky war auch Dozent am Bauhaus in Weimar und Dessau. Schließlich floh er vor den Nationalsozialisten nach Paris. Dort starb er 1944.
1921: Roter Fleck II 1909: Orientalisches1902: Bergige Landschaft mit See1916: Zubrovsky Platz
Zentral in der Ausstellung stehen abstrakte Spitzenwerke wie „Mit dem schwarzen Bogen“ (1912), „Im Grau“ (1919) oder „Auf Weiß“ 1923. Außerdem wurde der „Salon“ mit vier Meter hohen Wandmalereien im Amsterdamer Museum aufgebaut. Besucher können nun selbst ein Kunstwerk betreten. Das Original, das Kandinsky mit seinen Bauhaus-Studenten 1922 geschaffen hatte, gibt es nicht mehr. Doch das Werk war 1977 für die Eröffnung des Centre Pompidou rekonstruiert worden.
Moment Mal… Ist H’ART ein neues Museum in Amsterdam?
Nenene. Das Amsterdamer Museum Hermitage hatte sich 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges von seinem Muttermuseum Eremitage in Sankt Petersburg getrennt und den Namen in H’ART geändert. Eine vollkommen nötige Aktion, wenn ihr mich fragt. Denn als ich es während meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour damals noch unter dem Namen „Hermitage“ besuchte und bei der Rembrandt-Sammlung nur drei echte Rembrandts hingen, war ich etwas verwundert, dass ein solches Etablissement einen solch kraftvollen Namen trägt.
Nun ist die Kooperation aufgelöst und das Kunsthaus wird mit dem Centre Pompidou, dem British Museum in London und dem Smithsonian American Art Museum in Washington D.C. zusammenarbeiten. Dennoch stellen die mit Kandinsky einen waschechten Russen aus. Ich hoffe, sie haben seinen Steckbrief gelesen.
Das Konzept des Paradigmas hat seinen Ursprung in der Wissenschaft, wird aber heute weitläufig genutzt, um Modelle, Theorien oder Annahmen zu beschreiben. Ein Paradigma hilft uns dabei, die Welt um uns herum zu verstehen und zu interpretieren.
Paradigmen: Die Landkarten der Wahrnehmung
Denke an ein Paradigma wie an eine Landkarte. Eine Karte repräsentiert nicht das tatsächliche Land, sondern liefert uns eine Darstellung bestimmter Aspekte eines Gebiets. Genauso ist ein Paradigma eine Theorie oder ein Modell von etwas anderem – etwas Größerem. Nehmen wir an, du willst einen bestimmten Ort im Zentrum Frankfurtserreichen und hast dazu einen Stadtplan zur Hand. Was wäre aber, wenn dieser Stadtplan irrtümlicherweise der von Hannover ist? Dein Bemühen, das Ziel zu erreichen, wäre frustrierend erfolglos.
Du könntest versuchen, dein Verhalten anzupassen: Dich mehr anzustrengen, oder dich schneller durch die einzelnen Straßen arbeiten. Dennoch würde jede zusätzliche Anstrengung dich nur schneller zum falschen Ort führen. Eine positivere Einstellung könnte zwar deine Frustration lindern, aber du wärst immer noch am falschen Ort verloren.
Durch diese Einflüsse formen sich Paradigmen
Das grundlegende Problem hat also nichts mit deinem Verhalten oder deiner Einstellung zu tun. Es hängt damit zusammen, dass du einen falschen Stadtplan hast. Erst dann, wenn du einen richtigen Plan von Frankfurt hast, spielt dein Fleiß überhaupt eine Rolle. Wenn du unterwegs auf frustrierende Hindernisse triffst, dann kann es wesentlich auf deine innere Einstellung ankommen. Aber die erste und wichtigste Bedingung ist die Genauigkeit des Stadtplans. Ähnlich ist es mit den „mentalen Landkarten“ in unseren Köpfen, die unsere Sicht auf Realität und Werte prägen.
Hast du dich jemals gefragt, warum du Dinge so siehst, wie du sie siehst? Die Antworten liegen in unseren Paradigmen – den mentalen Rahmen oder Landkarten, die wir im Laufe unseres Lebens erstellen. Sie formen sich durch vielfältige Einflüsse: Familie, Schule, Arbeitswelt oder Freunde sind nur einige davon.
Kleine Übung: So schnell erkennst du Paradigmen
Eine einfache Übung zeigt, wie schnell diese Paradigmen unsere Wahrnehmung beeinflussen können. Hierzu führt Stephen R. Covey folgendes Bild auf, das uns allen bestimmt ein Begriff sein sollte. Je nach Perspektive sieht man beim Betrachten dieses Bildes eine alte oder eine junge Frau. Sieht man das Bild zum aller ersten Mal, so sieht man meistens nur eine der beiden Frauen. Erst wenn wir genauer hinsehen und die Darstellung auf uns wirken lassen, entdecken wir die zweite Frau.
Diesen weltberühmten Entwurf namens „Meine Frau und meine Schwiegermutter“ fertigte der Engländer William Ely Hill um 1915 an.
Dieser Entwurf wirft zwangsläufig folgende Frage auf: Sehen wir die Welt wirklich so, wie sie ist? Oder interpretieren wir einfach alles durch unsere eigenen mentalen Filter? Eher Letzteres, oder? Wir neigen dazu zu glauben, dass unsere Sichtweise objektiv ist. Aber in Wirklichkeit beschreiben wir mehr uns selbst und unsere Paradigmen als die Welt um uns herum.
Wahrnehmung ist von vielen Faktoren geprägt
Was also tun? Zunächst einmal akzeptieren, dass deine Wahrnehmung von vielen Faktoren geprägt ist. Und wenn du das nächste Mal auf eine Meinungsverschiedenheit stößt, denke daran: Es ist nicht unbedingt etwas mit der anderen Person falsch – es könnte einfach eine andere Paradigmenperspektive sein. Denke daran, dass die Welt nicht nur so ist, wie du sie siehst, sondern auch so, wie du konditioniert bist, sie zu sehen.
Deine persönlichen Erfahrungen hinterlassen ihren Abdruck auf deiner Wahrnehmung der Welt. Es ist, als ob du durch die einzigartige Brille deiner Erfahrung schaust. Doch das bedeutet nicht, dass es keine Tatsachen gibt. Stell dir vor, du und jemand anderes betrachten gemeinsam das Bild mit der jungen und der alten Dame – ihr seht dieselben schwarzen Striche und weißen Flächen. Ihr würdet beide diese Elemente als Tatsachen anerkennen. Aber wie ihr diese Fakten interpretiert, hängt von euren bisherigen Erfahrungen ab.
Anschauliches Beispiel: Geschichte über zwei Kriegsschiffe im Nebel
Zwei dem Ausbildungsgeschwader zugeteilte Kriegsschiffe übten seit Tagen bei schwerem Wetter Manöver. Ich fuhr auf dem Leitschiff und hatte gegen Abend Dienst auf der Bricke. Nebelschwaden erschwerten die Sicht, also blieb auch der Kapitän oben und überwachte alles, Kurz nach Anbruch der Dunkelheit meldete der Ausguck: „Licht steuerbord voraus!“ „Bleibt es stehen oder bewegt es sich achteraus?“, rief der Kapitän. Der Ausguck antwortete: „Es bleibt, Kapitän.“ Was hieß, dass wir uns auf einem gefährlichen Kollisionskurs mit dem anderen Schiff befanden. Da rief der Kapitän dem Signalgast zu: „Schicken Sie dem Schiff ein Signal: Wir sind auf Kollisionskurs, empfehlen 20 Grad Kursänderung.“ Zurück kam das Signal: „Empfehlen Ihnen, den Kurs um 20 Grad zu ändern.“ Der Kapitän sagte: „Melden Sie: Ich bin ein Kapitän. Kurs um 20 Grad ändern.“ „Ich bin ein Seemann 2. Klasse“, lautete die Antwort. „Sie sollten Ihren Kurs besser um 20 Grad ändern.“ Inzwischen war der Kapitän ziemlich wütend. Er schimpfte: „Signalisieren Sie, dass ich ein Kriegsschiff bin. Er soll den Kurs um 20 Grad ändern.“ Prompt wurde eine Antwort zurückgeblinkt: „Ich bin ein Leuchtturm.“ Wir änderten unseren Kurs.
Diese Kurzgeschichte verdeutlicht: Die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, wird stark von unserer begrenzten Wahrnehmung beeinflusst. Es ist wichtig zu verstehen, dass unsere subjektive Darstellung der Realität – unsere Landkarte des Lebens – nicht das tatsächliche Territorium darstellt.
Bestimmte Faktoren können wir nicht außer Kraft setzen
Wer versucht, seinen Weg durch Frankfurt mit dem Stadtplan von Hannover zu finden, wird schnell feststellen, dass seine „Landkarte“ nicht mit der Realität übereinstimmt. Daher ist es entscheidend, sich immer wieder bewusst zu machen: Prinzipien sind wie Leuchttürme, Naturgesetze, die wir nicht außer Kraft setzen können. Nur wenn wir unser Sein und unsere Sichtweise ändern, können wir auch unsere Wahrnehmung der Welt um uns herum verändern.
Wie kannst du also deine eigenen Paradigmen erkennen und sie in Einklang mit der objektiven Realität bringen? Indem du andere Meinungen anhörst und offen für neue Perspektiven bleibst. So kannst du dazu lernen und wachsen – sowohl als Einzelperson als auch in deinen Beziehungen zu anderen Menschen. Du willst Vertrauen gewinnen? Sei vertrauenswürdig. Du möchtest in deinem Talent anerkannt werden? Dann konzentriere dich zuerst auf deinen Charakter. Schaffe aus Gedanken Worte; Aus Worten Taten. Aus Taten Gewohnheiten. Lerne, dir selbst treu zu sein und deine eigenen Versprechen (vor allem die an dich selbst) einzuhalten.
Demnach liegt Schlüssel zum persönlichen Erfolg in der Philosophie „von innen nach außen“. Das bedeutet, persönliche Erfolge kommen vor öffentlichen. Es ist nutzlos, dein Image vor deinen Charakter zu stellen oder Beziehungen verbessern zu wollen, ohne zunächst an dir selbst zu arbeiten.
Quelle: Stephen R. Covey „Die 7 Wege zur Effektivität – Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg“
ARCHIV - 09.04.2024, Sachsen, Zwickau: Blick auf die Kunstsammlungen Zwickau. Wegen Bauarbeiten an dem Gebäude aus dem Jahr 1914 schließt das Museum Ende des Monats für mehrere Jahre. (zu dpa: «Kunstmuseum Zwickau schließt bis 2028 - Pechstein-Werke gehen auf Tour») Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Kunstsammlungen von Zwickau, die insbesondere das Werk des Expressionisten Max Pechstein pflegen, haben nun für mehrere Jahre ihre Pforten geschlossen. Schon bald haben Bauarbeiter das Sagen in dem denkmalgeschützten Kunsthaus. Bis zum 30. Juni konnten Besucher die Gelegenheit nutzen, und einen vorerst letzten Blick auf die Kunstsammlung werfen. Ja, auch ich habe diese Gelegenheit vollkommen verschallert.
Blick auf die Kunstsammlungen Zwickau. Wegen Bauarbeiten an dem Gebäude aus dem Jahr 1914 schließt das Museum Ende Juni für mehrere Jahre. Copyright: Hendrik Schmidt/dpa
Kunstsammlungen Zwickau: Bauarbeiten in Millionenhöhe
8,5 Millionen Euro hat die sächsische Stadt Zwickau als Kosten für die Bauarbeiten veranschlagt. Rund 3,3 Millionen Euro fließen als Fördermittel, wie der für Finanzen und Kultur zuständige Bürgermeister Sebastian Lasch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. Ziel sei es, vor allem den Brandschutz auf Vordermann zu bringen und das Gebäude energetisch zu sanieren. Wir kennen das ja von der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, die ebenfalls bald schließen soll.
Zu der energetischen Sanierung im Zwickauer Kunsthaus gehörten Arbeiten an Fassade und Fenstern, aber auch die Ertüchtigung von Fluchtwegen, Elektrotechnik und Brandmeldeanlagen. Lasch sagte: „Das muss dringend getan werden“, sonst drohe die Schließung. Er spricht von einer Teilsanierung. Damit werde das 1914 eröffnete Gebäude fit gemacht für weitere 30 bis 40 Jahre Museumsbetrieb.
Kunstsammlungen Zwickau. Copyright: Hendrik Schmidt/dpa
Pechstein-Gemälde gehen auf Tour
Wenn das Museum schließt, ziehen zunächst die Kunstwerke um, bevor 2025 bis 2027 die Bauarbeiten laufen. 2028 – so der aktuelle Plan – kehrt die Kunst zurück und wird wieder Besuchern zugänglich. Bis dahin befinden sich viele Werke im Depot.
Doch ganz verzichten müssen Kunstliebhaber in den kommenden Jahren nicht auf die Schätze der Sammlung. Die Gemälde des Zwickauers Max Pechstein gehen auf Reisen, um Werbung für Zwickau und die Kunstsammlungen zu machen. Lasch verspricht eine internationale Pechstein-Tournee, ohne dabei genauere Details zu nennen.
„Best of“-Schau in Zwickau
In Zwickau selbst wird eine Übergangsschau in der Galerie am Domhof eingerichtet. In drei Räumen stellt das Kunsthaus dort ab Anfang 2025 ausgewählte Werke verschiedener Künstler als «Best of» der Sammlung aus. Leben und Werk Max Pechsteins (1881-1955) wird leider nur rein digital präsentiert. Dazu gehören ein Dokumentarfilm sowie VR-Brillen, um in seine Bilderwelten einzutauchen.
Das Museum beherbergt außer Pechstein-Arbeiten auch sakrale Kunst aus Bildschnitzerwerkstätten der Vorreformation, Altmeisterliches, Kunst der Romantik und des Klassizismus bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten, wie etwa der Leipziger Schule.