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Fachwerk: Von historischer Baukunst zur Moderne

Die Fachwerk-Bauweise, eine traditionelle Methode im Holzbau, erstreckt sich durch Jahrhunderte der europäischen Architekturgeschichte. Ursprünglich in der frühgeschichtlichen Pfostenbauweise verwurzelt, hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer etablierten Bauform entwickelt, die vor allem in Deutschland, Teilen Frankreichs, Englands und Skandinaviens verbreitet war.

Das Fachwerkhaus zeichnet sich durch seine Skelettbauweise aus Holz aus, wobei die Zwischenräume typischerweise mit Lehm verputzt oder mit Mauerwerk ausgefüllt sind. Die Konstruktion stützte sich ursprünglich auf handbehauene Hölzer und verzichtete weitgehend auf metallische Verbindungsmittel.

Marktplatz Marburg
Marktplatz Marburg Copyright: Global Communication Experts GmbH

Einzigartige Gestaltung der Fachwerke

Von den Anfängen im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert dominierte diese Bauweise die Hochbauarchitektur nördlich der Alpen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sie sich vom einfachen Pfostenbau zu komplexeren Formen wie dem Stockwerkbau.

Die künstlerische Ausgestaltung des Fachwerks variiert je nach Region und Epoche erheblich. Insbesondere Schmuckformen wie geschnitzte Reliefs und farbige Gestaltungen machen jede Struktur einzigartig.

Gässchen in Bad Homburg
Winter in Bad Homburg: Auch hier entdeckte ich ein paar süße Fachwerkhäuser beim Rumlungern.

Industrialisierung und Fachwerk: Wandel in der Bauweise

Mit Beginn der Industrialisierung trat allmählich ein Wandel ein: Neuere Baustoffe wie Backstein und Beton führten zu einer Abkehr von der traditionellen Holzbauweise in Europa. Dennoch erlebte das Fachwerk im Historismus ein Comeback als dekoratives Element an sonst massiven Gebäuden.

Heute sind trotz Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg noch etwa 2,4 Millionen Fachwerkhäuser in Deutschland erhalten. Orte wie Quedlinburg zeigen die lange Geschichte dieser Baukunst, die nun unter Denkmalschutz steht und oft umfangreiche Restaurierungen erfährt. In diesen deutschen Städten findest du die ältesten Fachwerke.

Deutsche Fachwerkstraße

Die Deutsche Fachwerkstraße verbindet über 100 Städte und bietet Einheimischen wie Touristen die Möglichkeit, diese architektonische Tradition zu erkunden. In moderner Zeit sehen wir auch eine Rückbesinnung auf ökologische Baustoffe und Techniken, was dem Fachwerk neue Relevanz verleiht, insbesondere im Rahmen nachhaltigen Bauens.

Obwohl heute anders genutzt und vielfach modernisiert, bleibt das Fachwerkhaus ein lebendiges Symbol handwerklicher Kunstfertigkeit und regionaler Identität. Mehr zu der Deutschen Fachwerkstraße in Hessen findest du hier.

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Ein Blick in die Sterne

Ich will etwas Neues fühlen. Deshalb gehe ich in Richtung Wald. Es ist schon Dunkel und Frankfurt ist Frankfurt. Also bleibe ich kurz vor dem Waldrand abrupt stehen. Meine Füße wollen da nicht weiter rein. Ursprünglich wollte ich den Meteorstrom von der Schwanheimer Wiese aus beobachten und ggf. weiter zur Schwanheimer Düne gehen. Dort hat man, laut mir, freie Sicht auf den Himmel und die Lichter der Stadt stören nicht beim Blick in die Sterne. Aber ich trau mich nicht in den Wald, verdammt noch mal. Das macht mich bockig.

Wenige Minuten später liege ich auf meiner Veranda, weil ich keinen Balkon habe, und starre in den nächtlichen Himmel. Meinen Lesern versprach ich heute ab 23 Uhr Sternschnuppen en masse. Auf diese warte ich auch. Ich warte, doch sie lassen sich nicht blicken. Leise spielt meine Jazz-Playlist im Hintergrund und je länger ich nach oben blicke, desto bedeutungsloser komme ich mir vor. Desto kleiner scheint mir all das, was mich bedrückt und beschäftigt. Desto spannender erscheint mir das Funkeln der Sterne.

Ich starre sie so lange an, bis ich selbst Sternschnuppen sehe. Da eine, und dort noch eine. Bilde ich sie mir ein? Keine Ahnung. Wahrscheinlich wird das das Geheimnis bleiben, das das Universum vor mir hat. Ich lausche der Nacht. Es sind zu viele Flugzeuge am Himmel. Zu viele Gedanken in meinem Kopf, die ich längst hätte loslassen sollen und zu wenig Wörter, um sie jemals jemandem erklären zu können.

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Hier stehen die ältesten Fachwerke Deutschlands

Im südlichsten Teil von Niedersachsen, rund um die Universitätsstadt Göttingen, befindet sich eine Region zwischen Harz und Weserbergland, die geprägt ist von Fachwerkbauten aus sechs Jahrhunderten. Besonders gut erhalten und idyllisch liegen die fünf historischen Altstädte Duderstadt, Einbeck, Hann, Münden, Northeim und Osterode am Harz eingebettet in eine waldreiche Landschaft. Sie haben sich zum „Fachwerk5Eck“ zusammengeschlossen.

Die ältesten Häuser erlebten bereits die Entdeckung Amerikas. Andere Gebäude entstanden etwa um die Zeit der Reformation und bis zur Französischen Revolution. Diese sind oft durch traditionelle Schnitzkunst verziert und gekennzeichnet. Die Erbauer waren Landwirte, Handwerker und Händler – die Städte Teil der historischen Hanse. Geschichtlich bedeutend ist die ungewöhnlich hohe Zahl der Baudenkmäler, die heute Rundgänge durch mittelalterliche Stadtkulissen erlauben, umgeben von Stadtmauern und Wallanlagen.

Fachwerke in Duderstadt – die Perle des Eichsfelds

Eines der ältesten Fachwerk-Rathäuser Deutschlands steht in Duderstadt. Besucher können es auf sieben Etagen erkunden, vom Turmfenster über die Dächer der Stadt schauen, über eine Webcam die Fledermäuse bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten und bis in die Folterkammer im Gewölbekeller hinabsteigen. Wahrzeichen der Stadt ist der Westerturm mit seiner markant gedrehten Spitze. Dort, am letzten erhaltenen mittelalterlichen Stadttor, gibt es ein kleines, modernes Museum über das Schützenwesen.

In Duderstadt kannst du eins der ältesten Rathäuser entdecken. © Daniel Li Photography

Als Kontrast dazu befindet sich am Stadtrand mit der HGN-Halle eine Ausstellung moderner Kunst. Duderstadt ist eingebettet in die Naturlandschaft des Eichsfelds mit zahlreichen Wander- und Fahrradwegen, die durch Wiesen, Felder und kleine Wälder führen. Darunter der ehemalige deutsch-deutsche Grenzstreifen, der als artenreicher Lebensraum, dem „Grünen Band“, erhalten geblieben ist. Über die Geschichte der Teilung informiert das Grenzlandmuseum Eichsfeld am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Duderstadt-Worbis.

Bier- und Oldtimerstadt Einbeck

Die Wiege des Bockbieres steht in Einbeck. Hier wird bereits seit 1378 gebraut. Die Stadt ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Fachwerke mit ganz eigenem Charakter. Zudem ist man in Einbeck am Ort der größten Oldtimersammlung Europas, dem Technikmuseum PS.Speicher. Hiergibt es auf 22.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche historische Motorräder, Autos, Busse und Nutzfahrzeuge zu entdecken. Die Stadt Einbeck ist außerdem bekannt für die traditionelle Herstellung von Stoffen im Blaudruckverfahren.

Auch in der Einbecker Senfmühle kann man nach Voranmeldung bei der Produktion über die Schultern blicken. Für Ausflüge in die Umgebung per Rad oder zu Fuß bieten sich das Leinetal und die Ruine Heldenburg an. Das große Vogelschutzgebiet Leinepolder können Besucher auf eigene Faust durch Hörstationen oder bei Führungen mit Naturscouts erkunden.

Dreiflüssestadt Hannoversch Münden

Wo Fulda und Werra zusammenfließen und die Weser ihren Ursprung hat, liegt seit dem 12. Jahrhundert die Stadt Hannoversch Münden (auch bekannt als Hann. Münden). Damals erbauten reiche Händler die Stadt der vielen Fachwerkshäuser. Die Flussnähe prägte ihre Entwicklung, sodass sie heute ein fast mediterranes Flair hat. Es lohnt ein Bummel entlang der Ufer, den sogenannten Schlagden, vorbei am Welfenschloss, dem Renaissance-Rathaus mit Glockenspiel und den Brücken bis zum bekannten Weserstein.

Für einen weiten Blick über die Stadt kann man die Tillyschanze zu Fuß von der Innenstadt aus erwandern. Wer die Wassernähe nutzen will, kann dies bei einer Flussschifffahrt oder Kanutour tun. Zahlreiche Wander- und Radwege, wie der bekannte Weserradweg, führen entlang der Flüsse. Auch Camping ist auf der Insel Tanzwerder umgeben von Wasser möglich.

Ausflugstipp: Fachwerke in Hann. Münden
Mediterranes Flair in der Dreiflüssestadt Hann. Münden © Hann. Münden Marketing GmbH

Fachwerke, Figuren und Seenplatte in Northeim

Neben all den Fachwerken ist wohl das erstaunlichste Gebäude von Northeim das Theater der Nacht – ein Figurentheater im ehemaligen Feuerwehrhaus. Die Fassade zieren Nasen, das Dach erinnert an den Rücken eines Drachen, oder den Hut einer Hexe. Im Inneren ist das Treppengeländer einem Drachengerippe nachempfunden. Angeboten werden Figurentheater-Stücke für alle Altersgruppen. Nach einem Spaziergang durch die Stadt, vorbei an einer alten Klosteranlage, einer ehemaligen Militärwache und durch die Gassen ist ein Ausflug zur Northeimer Seenplatte reizvoll. Auf dem Großen Freizeitsee können Tretboote und Stand-Up Paddling Boards geliehen werden.

Fachwerke und Co.: Osterode, das Tor zum Harz

Schon im Mittelalter war Osterode ein wichtiger Zugang zum Harz. Mit Eseln versorgten die Bewohner die Bergbaustädte mit Getreide. Daran erinnern das Harzkornmagazin, der Kornmarkt und das Eseltreiberdenkmal in Osterode.

Beim Stadtspaziergang fallen außerdem architektonisch die Ratswaage, das Alte Rathaus, das Ritterhaus und die Schachtruppvilla auf. Für Ausflüge in den Harz ist Osterode auch heute noch ein guter Startpunkt. Überregionale Wanderwege, wie der Karstwanderweg, der Baudensteig und der Hexenstieg können hier gestartet werden. Radwege gibt es sogar speziell für Mountainbiker und Rennradfahrer. Der Harz ist bekannt für seine Stauseen. Am Nordufer der Sösetalsperre liegt ein Steinbruch mit zehn Kletter-Touren. Am Südufer liegt neben einem Campingplatz eine Waldvogelstation mit heimischen Wasser-, Sing- und Greifvögeln.

Fachwerke in Osterode am Harz
Spaziergang durch die mittelalterlichen Gassen in Osterode am Harz © Daniel Li Photography

Region mitten in Deutschland

Die Region mitten in Deutschland bietet durch ihre historischen Altstädte, die abwechslungsreichen Naturräume und die Nähe zu Göttingen ein breites Spektrum an Aktivitäten auf engstem Raum. Über die Attraktionen informiert die Website fachwerk5eck.de.

Auch interessant: Entdecke hier das Alte Schloss von Baden-Baden.


Quelle: Pressemitteilung der Geschäftsstelle Fachwerk5Eck

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In diesen Vierteln schlägt Lissabons Herz

Die an der Flussmündung des Tejo gelegene Stadt Lissabon gehört zu den ältesten Städten Europas. Sie weist eine reiche Kultur, zahlreiche historische Gebäude und jede Menge Wahrzeichen auf. Zugleich ist die portugiesische Metropole modern, farbenfroh und kreativ. Jedes der insgesamt 162 Stadtviertel besitzt seinen ganz eigenen Charme und eigene Besonderheiten. Hier kommen fünf Stadtviertel, die man bei einem abwechslungsreichen City-Trip nach Lissabon besuchen sollte.

Baixa in Lissabon – das historische Zentrum

Der Stadtteil Baixa ist das historische Zentrum von Lissabon. Er ist, anders als die anderen Stadtteile, relativ flach. Da das Viertel nach seiner fast völligen Zerstörung durch das Erdbeben von 1755 wieder aufgebaut werden musste, konnten breite Prachtstraßen und großzügige Plätze angelegt werden – so ist etwa die Avenida da Liberade rund 90 Meter breit.

Heute bildet Baixa das Geschäftsviertel Lissabons, wo Besucher die wichtigsten Einkaufsstraßen finden, unter anderem die Rua Augusta. Diese verbindet die beiden bedeutendsten Plätze Baixas miteinander: den mit dem Triumphbogen Arco da Rua Augusta beginnenden Praça do Comércio sowie den Rossio. Für Touris lohnt sich der Aufstieg auf den Triumphbogen mit Rundumblick über die Stadt sowie der Besuch des Centro Interpretativo da História do Bacalhau (Interpretationszentrum zur Geschichte des Stockfischs) und des Lisboa Story Centres.

Parca do Comercio in Lissabon, Portugal
Praça do Comércio © Turismo de Lisboa

Altstadt und Nachtleben vereint im Stadtteil Bairro Alto

Oberhalb von Baixa liegt das Lissabonner Stadtviertel Bairro Alto. Anders als Baixa überstand dieses Viertel das Erdbeben zum großen Teil unbeschadet und zeichnet sich noch heute durch seine enge Altstadtgassen aus. Autoverkehr ist nur für Anwohner erlaubt. Am besten ist die „Oberstadt“ mit den Standseilbahnen Ascensor da Glória und Elevador da Bica zu erreichen. Früher waren hier viele Zeitungen und Druckereien ansässig, die zahlreiche Intellektuelle anzogen.

Bis heute ist Bairro Alto geprägt durch Künstler, Kunsthandwerker und sonstige Kreative. Tagsüber geht es hier eher ruhig und entspannt zu. Erst zum späten Nachmittag hin öffnen Restaurants, Clubs, Kneipen und Bars und verwandeln Bairro Alto in ein lebendiges Partyviertel mit viel verschiedener Musik und ausgelassener Stimmung. Entlang der kopfsteingepflasterten Straßen reiht sich eine Bar an die nächste. Das wahre Nachtleben findet jedoch auf der Straße statt.

Schick und vornehm – Principe Real

Nördlich von Bairro Alto befindet sich der Lissabonner Stadtteil Principe Real. Er gehört zu den schicksten und vornehmsten Vierteln der Tejo-Metropole. Sein Bild wird primär von traditionellen Stadthäusern und charaktervollen Gebäuden geprägt. Hier laden Boutiquen und edle Restaurants zum Verweilen ein. Mitten im Viertel Principe Real befindet sich ein romantischer Park. Der 1863 angelegte Jardim do Príncipe Real ist ein urbanes Refugium mit einem riesigen schirmartigen Zedernbaum. Die Äste des Baumes werden mit Spezialkonstruktionen an Ort und Stelle gehalten, wodurch sie einen natürlichen Schirm gegen die Sonne formen.

Und wer auf dem Miradouro São Pedro de Alcântara der Sonne beim Untergehen zusieht, dem bietet sich von hier aus freie Sicht bis zum gegenüberliegenden alten Lissabon mit dem Castelo de São Jorge und den engen Gassen des Stadtteils Alfama.

Castelo de São Jorge
Castelo de São Jorge © Turismo de Lisboa

Lissabon entdecken: Kultur in Chiado

Im Westen Lissabons liegt das Altstadtviertel Chiado. Es zählt zu dem kulturellen Zentrum der portugiesischen Metropole. Hier versammelten sich einst Literaten und Künstler wegen der vielen Verlage und Redaktionen. Auch befindet sich hier die älteste Buchhandlung der Welt, die Livraria Bertrand.

Zu den ältesten Cafés der Stadt zählt auch das Café A Brasileira. Hierhin kamen die portugiesischen Schriftsteller Fernando Pessoa, Aquilino Ribeiro und Alfredo Pimenta, um Gedanken auszutauschen und Inspiration zu kriegen. Fernando Pessoa sitzt als Bronzestatue immer noch draußen auf der Terrasse, jederzeit bereit, um ein Foto mit Urlaubern zu schießen. In Chiado findest Du auch zahlreiche Azulejos, die farbenfrohen Geschichtenerzähler Lissabons.

Stadtteil Chiado in Lissabon, Portugal
Chiado © Turismo de Lisboa

Ältester Teil Lissabons mit vielen Sehenswürdigkeiten – Alfama

Der älteste Stadtteil Lissabons, Alfama, wurde auf einem der sieben Hügel erbaut. Das einstige Herz von Lissabon hat verwinkelte und enge Gassen, die zum höchsten Punkt mit einer tollen Aussicht über die Stadt führen, dem Castelo de São Jorge. Die historische Straßenbahnlinie 28E schlängelt sich quer durch Alfama hinauf bis hoch zur Burg. Arabische Einflüsse prägen das Viertel, was auch heute noch sichtbar ist. Denn das Viertel blieb von dem Erdbeben vornehmlich verschont, wodurch zahlreiche Sehenswürdigkeiten und historische Zeugnisse die Zeit überdauern konnten.

Catedral Sé Patriarcal
Catedral Sé Patriarcal © Turismo de Lisboa

So ist Alfama der ursprünglichste und traditionellste Stadtteil Lissabons und weist die höchste Dichte an Sehenswürdigkeiten auf. Neben dem Castelo de São Jorge gehört etwa die Catedral Sé Patriarcal, die älteste Kirche Lissabons, zu den wichtigsten Denkmälern der Vergangenheit. Sehenswert ist auch der Largo das Portas do Sol (Platz des Sonnentors). Dort stand früher eines der sieben Stadttore, die in die arabische Alfama führten. Von dort genießen Besucher eine herrliche Aussicht über die Stadt und den Fluss Tejo. Erfahre hier mehr über das Naturwunder Tejo, das größtes Feuchtbiotop Lissabons.


Quelle:

presseportal.de: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH: „Städtetrip Lissabon: Fünf Stadtteile, die man besucht haben muss“

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Kunst

Caricatura: Das beste Museum in FFM

Es ist das Museum mit dem mutmaßlich höchsten Komikgehalt in der deutschen Museumslandschaft: das Caricatura Museum Frankfurt. Mit Karikaturen, Bildgeschichten, Cartoons und Comics zeigt das Museum für Komische Kunst die Vielfalt des Genres.

2008 eröffnete das Caricatura in der Mainmetropole. Der Standort soll dabei kein Zufall gewesen sein: Seit den frühen 60er Jahren behauptet sich Frankfurt als Hauptstadt der Satire (und ganz nebenbei auch die der Kriminalität). Die hier gegründeten Satiremagazine Pardon und Titanic lockten zahlreiche Künstler wie F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler (der Urheber des ICH-Denkmals in Frankfurt), F.K. Waechter sowie Autoren wie Bernd Eilert, Eckhard Henscheid und Pit Knorr in die Stadt. Sie schrieben als Künstlergruppe Neue Frankfurter Schule Satiregeschichte und prägen bis heute die deutsche Komiklandschaft.

Die Sammlung im Caricatura Museum

Den Grundstock der Sammlung bilden die Werke der Neuen Frankfurter Schule mit mehr als 10.000 Originalzeichnungen von den genannten Künstlern. Die Sammlung wird ergänzt durch rund 6.500 Bilder weiterer Karikaturisten und Karikaturistinnen, darunter Franziska Becker, Greser & Lenz, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Ralf König, Marie Marcks, Felix Mussil, Bernd Pfarr, POLO und Gerhard Seyfried.

Das erste Obergeschoss des Caricatura Museums ist der Sammlung des Hauses gewidmet. Hier werden in regelmäßigen Neuhängungen die Werke des Sammlungsbestandes präsentiert. Geplant ist, das erste Obergeschoss um ein Kabinett zu erweitern, in dem kurzfristig aktuelle und vielfältige Themen und Ausflüge in die Nachbardisziplinen präsentiert werden. Zumindest schreibt das das Caricatura selbst. Ich hingegen habe dort während der Loriot-Ausstellung Loriot gesehen. Und während der POLO-Ausstellung das hier:

Die im Erdgeschoss und in der Galerie angesiedelten Wechselausstellungen präsentieren Werke weiterer namhafter Vertreterinnen und Vertreter der Komischen Kunst. Sammelausstellungen wie Einzelausstellungen. National wie international. Klassiker wie Zeitgenössisches.

Ausstellungen und Veranstaltungen

Die Ausstellungen des Caricatura Museums werden regelmäßig um verschiedene öffentliche Veranstaltungen in und vor den Räumlichkeiten des Hauses ergänzt. Dazu gehören unter anderem Führungen, Lesungen, Konzerte, Buchvorstellungen und manchmal auch Workshops, die ich bis jetzt noch nicht belegen konnte, weil sie fortwährend ausgebucht sind.

Außerdem gibt es noch das Festival der Komik, das jährlich im Rahmen des Museumsuferfestes stattfindet. Dieses präsentiert drei Tage lang „erlesenste satirische Bühnenkunst“ direkt vor den Türen des Museums, heißt es in einer Mitteilung. Persönlich muss ich sagen, dass das Caricatura mein absolutes Lieblingsmuseum ist in Frankfurt. Sorry Schirn und Städel.

Auch interessant: Hier erfährst du von den sechs besten Museen der Bundesrepublik.

Kurz zur Geschichte des Museums

Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Caricatura Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.

Das Caricatura öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.

Im Haus gibt es außerdem eine kleine Buchhandlung. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr mir oder anderen Personen, die ihr liebt, schenken sollt, geht einfach da hin. Es ist ein regelrechtes Schlaraffenland für alle, die einen zarten Dachschaden haben. Außerdem gibt es Postkarten en masse; all das natürlich mit Satire, Karikaturen, Comics, Tuschezeichnungen, Witzen und Co. Ernsthaft. Geht da hin.


Quellen:

  • Ich war mehrmals vor Ort
  • Pressemitteilung des Caricatura Museums Frankfurt
  • Website des Caricatura Museums
  • Wikipedia: Caricatura Museum für Komische Kunst
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Die Geburt einer Heldin

Gestern schrieb ich über ein brennendes Auto auf der A5. Heute wachte ich auf und eine vergessene Erinnerung war freigeschaltet: In den späten 90-ern fuhr meine Mutter mich von Sochi nach Novomihailovskyi. Damals lebten wir in einer Wohnung in Sochi, meine Großeltern aber in dem von meinem Opa erbauten Ziegelsteinhaus in Novomihailovskyi. Die Fahrt von einem Ort zum anderen dauerte etwa drei Stunden. Und wir fuhren oft hin und her. Oft. Also könnt ihr euch auch vorstellen, wie viel ich auf dieser Strecke erlebt habe: Glatteis, umgekippte Lkw (weil wilde Kurven), Honig aus eigenem Anbau und Wassermelonenverkauf am Straßenrand.

Doch diese Episode, die sich an jenem Tage zugetragen hatte, prägte mich als Mensch für alle Zeiten. Mama wie immer am Steuer ihres buttercremefarbenen Lada Samara – wir kommen in etwa 40 Minuten an. Sie trägt eine Sonnenbrille und einen selbstdesignten, hautengen Overall in Blumenmuster und offenem Rücken. Tiefer Ausschnitt, kleiner Kragen, toller Stoff – wie immer ein Stück Kleidung nicht von dieser Welt. Wie immer in High Heels.

Ich blickte aus dem Fenster, und plötzlich…

Ich bin etwa 3 oder 4 – Mama führt ein ernstes Gespräch mit mir, die hinten sitzt. Wenn sich nicht alles irrt, ging es um Bienchen und Blümchen, doch heute erinnere sie sich wohl nicht mehr dran. Maximal verwirrt von dem, was ich eben erfahren hatte, blicke ich aus dem Fenster auf der Fahrerseite und sehe auf dem entgegenkommenden Streifen: einen bereits zerschmetterten Pkw, wie er erneut in einen kleineren Transporter knallt. Natürlich wie in Zeitlupe.

Mama bremst. Der Pkw fängt Flammen, ziemlich schnell. Es brennt und die Fahrer anderer Autos halten an. Sie steigen aus ihren Fahrzeugen und eilen zum Unfallgeschehen. Ehe ich realisieren kann, was gerade passiert, springt meine Mutter aus dem Auto und eilt in ihren High Heels über die Straße zu dem brennenden Auto. Zwei Männer versuchen, die Türen mit Gewalt aufzureißen. Vergebens. Sie rufen einander etwas zu. Hektik und Adrenalin.

Die Flammen werden immer größer

Meine Mutter versucht eine der hinteren Türen aufzureißen. Es klappt nicht. Sie hat ein eiskaltes Gesicht – wie immer, wenn etwas passiert, wenn es um Leben und Tod geht. Sie reißt an der Tür, sie hört gar nicht auf und sie will allem Anschein auch gar nicht aufgeben. Die Flammen werden größer. Sie hebt ihr Bein an und drückt mit ihrem Highheel gegen das Auto, während sie weiter an der Tür zerrt. Und sie geht auf.

Meine Mutter zieht einen Mann mit Glatze vom Rücksitz. Er trägt einen grauen Sakko hält sich an ihr fest. Sein Kopf blutet, doch er macht einen recht glücklichen Eindruck – er weiß, er wird weiterleben. Inzwischen wurde auch die junge, blonde Fahrerin aus dem Auto gezogen. Sie war benommen, aber ebenfalls sichtlich dankbar dafür, dass sei eine zweite Chance bekommt. Der Mann vom Beifahrersitz kann ebenfalls gerettet werden.

Elena Wismahr-Gruzinova
Diese kleine, zierliche Frau, Leute. Hier ist übrigens ihr Insta. Fotografiert von Jenna Haag.

Meine Mutter ist eine Heldin

Und so erlebte ich meine Mutter, wie sie furchtlos und ohne nachzudenken handelte. Sie hatte sich heldenhaft verhalten und installierte auch in mir diesen Mechanismus. Jahre später sprach sie darüber, wie sie im Nachhinein die Gefahr realisierte, die ihr drohte. Während ich ihr vom Rücksitz unseres Lada zusah, wie sie zielorientiert um das Leben der Menschen kämpfte, die sie nicht kannte, saugte ich dieses Verhalten auf. Mama wurde für mich zu einem noch größeren Heiligtum.

Ich denke viel zu selten an diese Geschichte. Doch sie ist eines der wichtigsten Bausteine für mich, die mein Frauenbild geprägt hatte. Eine Frau war für mich schon sehr früh eine Heldin. Und dies baute ich immer weiter aus. Frauen können alles – und zwar ganz allein. Und zwar nicht nur Menschen aus brennenden Autos retten. Meine Mutter etwa zog mich ganz allein groß. Später auch in einem völlig fremden Land. Sie gab niemals auf. Durch ihr „richtiges Handeln“ und durch ihre „Fehler“ bin ich heute die furchtlose, wilde, energische Frau, die ich immer sein wollte. Danke Mama, dass du du bist. Danke auch dafür, dass du in mir durch dein Wesen diese verrückte Liebe zum Schönen großgezogen hast.

Was ich abschließend sagen will ist, dass jeden Tag Heldinnen geboren werden. Auch wenn die Welt für die zarte Seele oder das Herz einer Frau kein wirklich richtiger Ort ist. Dass wir dennoch wachsen, handeln und nach all dem auch noch lachen können, macht jede von uns zu einer Heldin. Sorry Boys, nächstes Mal schreib ich auch was über euch.


Foto von V T auf Unsplash

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Kunst

Historisches Museum Frankfurt: Ich glaub‘, es hagelt

Heute besuchte ich erstmals das Historische Museum Frankfurt (HMF). Eigentlich wollte ich ins Caricatura; dieses hatte jedoch zu. Neue Sommer-Öffnungszeiten. Dann fing es wie wilde an zu hageln. Also begab ich mich ins Historische.

Gründung vor rund 150 Jahren

Das HMF wurde 1877/1878 als Initiative der Bürgerschaft gegründet. Das Museum sammelte kulturelle und künstlerische Artefakte, wobei ein besonderer Fokus auf der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Umgebung liegt. Ziel des Museums war es, eine Bildungseinrichtung zu sein und die Erinnerung an die Zeit der Freien Stadt Frankfurt am Leben zu halten.

Das Museum befindet sich in der Frankfurter Altstadt südlich des Römerbergs. Es liegt eingebettet zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Mainkai.

Raum im HMF
Schon ziemlich cool eingerichtet

Historisches Museum Frankfurt: Ein Abriss folgt dem anderen

Im Jahr 1972 wurde das noch intakte Haus Freudenberg abgerissen, um Platz für den modernen Bau des Historischen Museums zu schaffen. Viele bedauerten diesen Verlust, da dieses Haus einer der wenigen Überlebenden aus der Altstadt war, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten. Doch auch dieser Betonbau von 1972 hatte kein langes Leben. Er wurde 2011 ebenfalls abgerissen und durch einen neuen ersetzt.

Nach einer längeren Schließung aufgrund von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurde das sanierte Altbauensemble des Museums am 26. Mai 2012 wiedereröffnet und das neue Gebäude am 7. Oktober 2017 eingeweiht.

Eingangsbereich des Historischen Museums in Frankfurt
Diese schöne Aussicht hat man direkt gegenüber des Eingangs ins Museum.

Das Historische Museum im Zweiten Weltkrieg

Gehen wir mal einen Schritt zurück. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Museum schwere Schäden durch die Luftangriffe auf Frankfurt. Insgesamt warfen britische Flugzeuge während des Krieges 14.017 Tonnen Bomben auf die Stadt. Amerikanische Bomber warfen von Oktober 1943 bis März 1945 weitere 12.197 Tonnen.

Die meisten Ausstellungsstücke im Historischen Museum waren zwar 1942 ausgelagert worden. Dennoch gingen sämtliche Akten, Teile der Bibliothek und alle fest eingebauten Exponate im Krieg verloren. „Verloren“.

Historisches Museum Frankfurt nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde das Museum in seiner ursprünglichen Rolle als Bildungseinrichtung wiedereröffnet. Heute bietet es einen Einblick in die Vergangenheit und sogar Gegenwart Frankfurts.

Zurzeit zeigt das Museum eine Vielzahl von Dauerausstellungen, darunter „MainMetropole: Frankfurter Stadtgeschichte 1866 bis 2001“, „Frankfurt Jetzt!“ und andere. Zudem beherbergt es Ausstellungsstücke wie den Heller-Altar aus der Dominikanerkirche, eine Skulptur von Karl dem Großen und ein Modell der historischen Altstadt.

So fand ich das Historische Museum in FFM

Wie fand ich das Museum? Weiß ich nicht, Digger. Kommen wir erstmal zu den Punkten, die ich gut fand. Dazu gehörte das ganze Aufwendige drum rum. Es ist wirklich interaktiv und macht unter Umständen schon Spaß. Es ist cool gestaltet. Der Mix aus alt und modern, das riesige, bewegliche Karussell in dem Bereich der älteren Stadtgeschichte ist wirklich wild. Man spürt an jeder Ecke, dass da akribisch dran gearbeitet wurde, den Besuchern ein ganzes Erlebnis zu schaffen. In jeder Ecke gibt es irgend eine Action. Das Kabinett mit der Gemäldesammlung ist fucking wild. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Dazu gibt es nochmal ein ausführlicheres Stück.

Doch: Als ich durch die Räumlichkeiten des HMF ging, verließ mich nicht das Gefühl, das Frankfurt gar nicht in Besitz wirklich wertvoller Artefakte ist. Und an dieser Stelle spreche ich für die Exponate, die ich dort an jenem Tag persönlich gesehen habe. Alles was ich sah, war sehr gepflegt und in top Zustand – aber irgend wie ein bisschen arg schlicht. So etwa die Porzellansammlung. Die Exponate hier waren in gutem Zustand, aber sie waren anspruchslos. Ich musste zwangsweise an das Rijksmuseum Amsterdam denken, das ich bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour besuchte. Frankfurt kann da einfach nicht mitreden. Ihr erinnert euch, ich hatte sehr ähnliche Punkte am Frankfurter Museum für Angewandte Kunst auszusetzen. Die „Schneekugel“ im HMF fand ich übrigens auch semi. Sie lag nicht in meinem Interessenbereich und ich kann mir vorstellen, dass gewisse Besucher da durchaus mehr Bock drauf haben könnten, als ich.

Fazit

Werfen wir fürs Fazit einen Blick auf die Preise:

  • Dauerausstellungen (HMF + Junges Museum): 8 €/ermäßigt 4 €
  • Wechselausstellung (HMF): 10 €/ermäßigt 5 €
  • Schneekugel: 3 €/ermäßigt 1,50 €
  • 1-Tagesticket alle Ausstellungen: 12 €/ermäßigt 6 €
  • Öffentliche Führungen: Eintritt zzgl. 3 €
  • Öffentlicher Stadtgang: Eintritt zzgl. 3 €
  • Ausleihe Multimedia-Guide: 3 €

Müsste ich zahlen, würde ich keine 12 Euro blechen, um mir die Ausstellung erneut anzusehen. Was ich jedoch machen würde, wenn ich da jemals wieder Bock drauf bekomme, ist eine öffentliche Führung. Bestimmt kann ich dabei viel über Frankfurt lernen und es anschließend mit euch teilen. Bis dahin würde ich sagen: Wenns draußen hagelt und ihr in der Nähe seid – Yolo. Geht halt hin. Aber in diesen 6 Top-Museen der Bundesrepublik werdet ihr sicherlich mehr Spaß haben. Spoiler-Alarm: Leider ist keins davon in Frankfurt.


Quellen:

  • Ich war natürlich vor Ort, wie ihr sicher rauslesen konntet
  • Webseite des Museums
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Kunst Reisen

Azulejos: Die farbenfrohen Geschichtenerzähler Lissabons

Lissabon ist bekannt für seine Kacheln, die sogenannten Azulejos. Diese kunstvollen Fliesen zieren seit Jahrhunderten die Stadt und verleihen ihr einen unverwechselbaren Charme. Die farbenfrohe Pracht gibt es an Hausfassaden, in Kirchen, auf Plätzen und in vielen öffentlichen und privaten Gebäuden zu bewundern.

Die Azulejos, ein Erbe der maurischen Kultur, haben sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem integralen Bestandteil der portugiesischen Kunst und Architektur entwickelt. Lissabon ist ein wahres Freiluftmuseum dieser Kunstform. In Vierteln wie Alfama, Mouraria und Bairro Alto leuchten die Fassaden der Häuser in kräftigen Farben und komplexen Mustern. Diese handbemalten Kacheln erzählen Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten, der portugiesischen Kultur und Traditionen und reflektieren das kulturelle Erbe Lissabons.

Wie in Lissabon, so auch in Porto: Solche kleinen szenischen Fassaden findet man praktisch überall
Hausfassade im Stadtteil Chaido: Solche kleinen, szenischen Fassaden findet man praktisch überall – wie in Lissabon, so auch in Porto. ©Turismo de Lisboa

Azulejos schmücken Kirchen, Klöster und Co.

Auch viele Kirchen und Klöster sind mit prächtigen Azulejos geschmückt. Darunter das Kloster São Vicente de Fora und die Kirche Igreja de São Roque. Die kunstvollen Fliesen zeigen religiöse Szenen und historische Ereignisse. Selbst ich habe bei mir im Zimmer eine Kachel mit dem hl. Antonius von Padua hängen. Diese brachte ich von meiner Reise durch Porto mit.

Doch zurück nach Lissabon. Sogar die Verkehrsknotenpunkte der Stadt, wie etwa der Bahnhof Rossio und zahlreiche Metrostationen, sind mit Azulejos verziert. Diese Orte verbinden moderne Funktionalität mit traditioneller Kunst und schaffen so eine einzigartige Atmosphäre. Auch Plätze wie der Praça do Comércio und der Rossio-Platz sowie viele Brunnen der Stadt sind mit bunten Kacheln dekoriert.

Azulejos: Kirche aus Gold und Kacheln in Lissabon
Igreja da Madre de Deus ©Museu Nacional do Azulejo

Ein Museum, das man in Lissabon gesehen haben muss

Ein absolutes Muss für jeden Kunstliebhaber ist das Museu Nacional do Azulejo. Dieses Museum, untergebracht im ehemaligen Kloster Madre de Deus, widmet sich vollständig der Geschichte und Entwicklung der Azulejos. Die Sammlung umfasst Werke vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart und bietet einen Überblick über die Techniken und Stile, die diese Kunstform geprägt haben.

Grande Panorama de Lisboa ©Museu Nacional do Azulejo

Die Ausstellung des Museums führt die Besucher durch die verschiedenen Epochen. Sie zeigt, wie sich die Designs im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt haben. Ein Highlight ist das Panorama von Lissabon aus Azulejos, das einen einzigartigen Einblick in das Leben und die Architektur der Stadt vor dem großen Erdbeben von 1755 bietet.


Quelle: Pressemitteilung Turismo de Lisboa/Global Communication Experts GmbH

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Kunst

Caspar David Friedrich verlässt Berlin

Der Run auf Caspar David Friedrich hat der Alten Nationalgalerie in Berlin eine erfolgreiche Ausstellung beschert. Bis zum abschließenden Sonntag, 4. August, kamen nach Angaben des Museums knapp 298.000 Menschen. Die Sonderausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ lief seit April. Wegen des Andrangs auf die Werke des deutschen Romantikers Friedrich (1774–1840) waren die Öffnungszeiten mehrfach ausgeweitet worden.

Die Ausstellung zog viele Museumskollegen, Wissenschaftler und Caspar-David- Friedrich-Experten aus aller Welt an. Besucher reisten etwa aus den USA, Japan, Norwegen oder Italien an. Auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler wie Julie Mehretu, Leiko Ikemura, Thomas Demand und Mark Grotjahn seien vorbeigekommen. „Der Publikumserfolg belegt die bleibende Relevanz dieses bedeutenden Künstlers für die Gegenwart“, sagte Gleis.

Besucher vor der Alten Nationalgalerie: Alles will die Ausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ sehen. Copyright: Jens Kalaene/dpa

„Mönch am Meer“ und „Kreidefelsen auf Rügen“

In Hamburg hatte Friedrich zu Jahresbeginn rund 335.000 Menschen angelockt. Eine weitere Schau gibt es in Dresden. Die Berliner Ausstellung ist Teil einer Reihe thematisch eigenständiger Schauen: Zum Jubiläumsjahr in der Hamburger Kunsthalle, der Alten Nationalgalerie und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die drei Häuser haben die bedeutendsten Bestände an Werken Friedrichs weltweit.

In Hamburg ging es um den Maler in Bezug auf moderne Kunst. Berlin konzentrierte sich auf Arbeit und Wirken Friedrichs. In Dresden haben sich Albertinum und Kupferstich-Kabinett einen Blick auf „Wo alles begann“ vorgenommen.

Neben dem berühmten Bilderpaar „Mönch am Meer“ (1808-1810) und „Abtei im Eichwald“ (1809-1810) waren in Berlin so bekannte Werke wie „Das Eismeer“ (1823/24), „Kreidefelsen auf Rügen“ (1818/1819) oder „Lebensstufen“ (1834) zu sehen. Insgesamt wurden in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mehr als 60 Gemälde und 50 Zeichnungen aus dem In- und Ausland gezeigt.

Caspar David Friedrich
Caspar David Friedrich, „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) Copyright: IMAGO / Heritage Images

Deutschen Romantiker dem US-Publikum näherbringen

Im kommenden Jahr leihen die beteiligten Häuser zudem Werke nach New York aus, wo das Metropolitan Museum von Februar bis Mai 2025 den deutschen Romantiker Friedrich dem US-amerikanischen Publikum näherbringen will. (dpa/mad)

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Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt

Inmitten einer gepflegten, weißen Häuserreihe im Stadtteil Bergen-Enkheim fand ich das „Portal“ zur unberührten Natur: das kleinste Naturschutzgebiet Frankfurts. Als ich es betrat, spürte ich sofort die kühle, nasse Luft. Von den alten Bäumen tropfte der Regen und meine Schuhe standen im Matsch. Kaum zu glauben, dass es solche „Goldgruben“ der Natur immer noch in FFM gibt. Zwar ist das Gebiet wirklich sehr klein, aber durchaus sehenswert.

Eingang in das kleinste Naturschutzgebiet von Frankfurt am Main
Direkt zwischen diesen beiden Häusern startete ich.

Das kleinste Naturschutzgebiet der Stadt

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt ist das Mühlbachtal. Es hat eine Fläche von nur 3,28 Hektar. Dieses Gebiet, das seit 1986 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, birgt eine seltene botanische Besonderheit: den Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia). Diese Pflanze ist ein Überbleibsel eines früheren Bachauenwaldes und kommt ausschließlich in diesem Gebiet des Rhein-Main-Gebiets vor. Diese Pflanze war schon immer etwas besonderes für mich. Zwischen den Gewächsen am Wanderpfad konnte ich sie gut in der Ferne erkennen. Der Riesen-Schachtelhalm wächst im Mühlbachtal direkt an einer kleinen tropfenden Wasserquelle.

Die Botanik des Mühlbachtals wird außerdem von Feuchtwiesen, Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen geprägt. Hie und da wachsen auch wilde Pflaumenbäume. Einen besonderen Anblick schaffen Efeugewächse, die von den Baumkronen bis runter auf den Wanderweg hängen. Habe ich auf Empfehlung eines interessanten Dates, das ich kurz vor meinem Trip in die Frankfurter „Wildnis“ hatte, Bäume umarmt und bin barfuß durch die nassen Wiesen gelaufen? Vielleicht. Werde ich das näher erläutern? Wir bleiben gespannt.

Enkheimer Mühlbach – einer der kürzesten Bäche Frankfurts

Der Enkheimer Mühlbach, nach dem das Gebiet benannt wurde, ist mit etwa 180 Metern Länge einer der kürzesten Bäche in FFM. Heutzutage führt er nur noch zeitweise Wasser. Einst speisten mehrere lokale Quellen den Bach und ab 1850 auch der umgeleitete Pfingstborn. Das aus diesen Quellen stammende Wasser wurde in einem Mühlenteich aufgestaut, um die Enkheimer Mühle zu betreiben – eine Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert.

Nachdem die Mühle ihren Betrieb im Jahr 1890 einstellte und der Mühlenteich zugeschüttet wurde, mündet der Enkheimer Mühlbach heute in die lokale Kanalisation. Pläne zur Renaturierung des Baches und zur erneuten Einleitung ins Seckbacher Ried sind allerdings bereits vorhanden, um dessen Wasserhaushalt zu verbessern.

Für Naturliebhaber ist das Gebiet besonders interessant: Sowohl der Enkheimer Mühlbach als auch die Enkheimer Mühle sind Stationen des Quellenwanderwegs im Frankfurter Grüngürtel. Lese hier mehr dazu.

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