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Caricatura: Das beste Museum in FFM

Es ist das Museum mit dem mutmaßlich höchsten Komikgehalt in der deutschen Museumslandschaft: das Caricatura Museum Frankfurt. Mit Karikaturen, Bildgeschichten, Cartoons und Comics zeigt das Museum für Komische Kunst die Vielfalt des Genres.

2008 eröffnete das Caricatura in der Mainmetropole. Der Standort soll dabei kein Zufall gewesen sein: Seit den frühen 60er Jahren behauptet sich Frankfurt als Hauptstadt der Satire (und ganz nebenbei auch die der Kriminalität). Die hier gegründeten Satiremagazine Pardon und Titanic lockten zahlreiche Künstler wie F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler (der Urheber des ICH-Denkmals in Frankfurt), F.K. Waechter sowie Autoren wie Bernd Eilert, Eckhard Henscheid und Pit Knorr in die Stadt. Sie schrieben als Künstlergruppe Neue Frankfurter Schule Satiregeschichte und prägen bis heute die deutsche Komiklandschaft.

Die Sammlung im Caricatura Museum

Den Grundstock der Sammlung bilden die Werke der Neuen Frankfurter Schule mit mehr als 10.000 Originalzeichnungen von den genannten Künstlern. Die Sammlung wird ergänzt durch rund 6.500 Bilder weiterer Karikaturisten und Karikaturistinnen, darunter Franziska Becker, Greser & Lenz, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Ralf König, Marie Marcks, Felix Mussil, Bernd Pfarr, POLO und Gerhard Seyfried.

Das erste Obergeschoss des Caricatura Museums ist der Sammlung des Hauses gewidmet. Hier werden in regelmäßigen Neuhängungen die Werke des Sammlungsbestandes präsentiert. Geplant ist, das erste Obergeschoss um ein Kabinett zu erweitern, in dem kurzfristig aktuelle und vielfältige Themen und Ausflüge in die Nachbardisziplinen präsentiert werden. Zumindest schreibt das das Caricatura selbst. Ich hingegen habe dort während der Loriot-Ausstellung Loriot gesehen. Und während der POLO-Ausstellung das hier:

Die im Erdgeschoss und in der Galerie angesiedelten Wechselausstellungen präsentieren Werke weiterer namhafter Vertreterinnen und Vertreter der Komischen Kunst. Sammelausstellungen wie Einzelausstellungen. National wie international. Klassiker wie Zeitgenössisches.

Ausstellungen und Veranstaltungen

Die Ausstellungen des Caricatura Museums werden regelmäßig um verschiedene öffentliche Veranstaltungen in und vor den Räumlichkeiten des Hauses ergänzt. Dazu gehören unter anderem Führungen, Lesungen, Konzerte, Buchvorstellungen und manchmal auch Workshops, die ich bis jetzt noch nicht belegen konnte, weil sie fortwährend ausgebucht sind.

Außerdem gibt es noch das Festival der Komik, das jährlich im Rahmen des Museumsuferfestes stattfindet. Dieses präsentiert drei Tage lang „erlesenste satirische Bühnenkunst“ direkt vor den Türen des Museums, heißt es in einer Mitteilung. Persönlich muss ich sagen, dass das Caricatura mein absolutes Lieblingsmuseum ist in Frankfurt. Sorry Schirn und Städel.

Auch interessant: Hier erfährst du von den sechs besten Museen der Bundesrepublik.

Kurz zur Geschichte des Museums

Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Caricatura Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.

Das Caricatura öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.

Im Haus gibt es außerdem eine kleine Buchhandlung. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr mir oder anderen Personen, die ihr liebt, schenken sollt, geht einfach da hin. Es ist ein regelrechtes Schlaraffenland für alle, die einen zarten Dachschaden haben. Außerdem gibt es Postkarten en masse; all das natürlich mit Satire, Karikaturen, Comics, Tuschezeichnungen, Witzen und Co. Ernsthaft. Geht da hin.


Quellen:

  • Ich war mehrmals vor Ort
  • Pressemitteilung des Caricatura Museums Frankfurt
  • Website des Caricatura Museums
  • Wikipedia: Caricatura Museum für Komische Kunst
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Die Geburt einer Heldin

Gestern schrieb ich über ein brennendes Auto auf der A5. Heute wachte ich auf und eine vergessene Erinnerung war freigeschaltet: In den späten 90-ern fuhr meine Mutter mich von Sochi nach Novomihailovskyi. Damals lebten wir in einer Wohnung in Sochi, meine Großeltern aber in dem von meinem Opa erbauten Ziegelsteinhaus in Novomihailovskyi. Die Fahrt von einem Ort zum anderen dauerte etwa drei Stunden. Und wir fuhren oft hin und her. Oft. Also könnt ihr euch auch vorstellen, wie viel ich auf dieser Strecke erlebt habe: Glatteis, umgekippte Lkw (weil wilde Kurven), Honig aus eigenem Anbau und Wassermelonenverkauf am Straßenrand.

Doch diese Episode, die sich an jenem Tage zugetragen hatte, prägte mich als Mensch für alle Zeiten. Mama wie immer am Steuer ihres buttercremefarbenen Lada Samara – wir kommen in etwa 40 Minuten an. Sie trägt eine Sonnenbrille und einen selbstdesignten, hautengen Overall in Blumenmuster und offenem Rücken. Tiefer Ausschnitt, kleiner Kragen, toller Stoff – wie immer ein Stück Kleidung nicht von dieser Welt. Wie immer in High Heels.

Ich blickte aus dem Fenster, und plötzlich…

Ich bin etwa 3 oder 4 – Mama führt ein ernstes Gespräch mit mir, die hinten sitzt. Wenn sich nicht alles irrt, ging es um Bienchen und Blümchen, doch heute erinnere sie sich wohl nicht mehr dran. Maximal verwirrt von dem, was ich eben erfahren hatte, blicke ich aus dem Fenster auf der Fahrerseite und sehe auf dem entgegenkommenden Streifen: einen bereits zerschmetterten Pkw, wie er erneut in einen kleineren Transporter knallt. Natürlich wie in Zeitlupe.

Mama bremst. Der Pkw fängt Flammen, ziemlich schnell. Es brennt und die Fahrer anderer Autos halten an. Sie steigen aus ihren Fahrzeugen und eilen zum Unfallgeschehen. Ehe ich realisieren kann, was gerade passiert, springt meine Mutter aus dem Auto und eilt in ihren High Heels über die Straße zu dem brennenden Auto. Zwei Männer versuchen, die Türen mit Gewalt aufzureißen. Vergebens. Sie rufen einander etwas zu. Hektik und Adrenalin.

Die Flammen werden immer größer

Meine Mutter versucht eine der hinteren Türen aufzureißen. Es klappt nicht. Sie hat ein eiskaltes Gesicht – wie immer, wenn etwas passiert, wenn es um Leben und Tod geht. Sie reißt an der Tür, sie hört gar nicht auf und sie will allem Anschein auch gar nicht aufgeben. Die Flammen werden größer. Sie hebt ihr Bein an und drückt mit ihrem Highheel gegen das Auto, während sie weiter an der Tür zerrt. Und sie geht auf.

Meine Mutter zieht einen Mann mit Glatze vom Rücksitz. Er trägt einen grauen Sakko hält sich an ihr fest. Sein Kopf blutet, doch er macht einen recht glücklichen Eindruck – er weiß, er wird weiterleben. Inzwischen wurde auch die junge, blonde Fahrerin aus dem Auto gezogen. Sie war benommen, aber ebenfalls sichtlich dankbar dafür, dass sei eine zweite Chance bekommt. Der Mann vom Beifahrersitz kann ebenfalls gerettet werden.

Elena Wismahr-Gruzinova
Diese kleine, zierliche Frau, Leute. Hier ist übrigens ihr Insta. Fotografiert von Jenna Haag.

Meine Mutter ist eine Heldin

Und so erlebte ich meine Mutter, wie sie furchtlos und ohne nachzudenken handelte. Sie hatte sich heldenhaft verhalten und installierte auch in mir diesen Mechanismus. Jahre später sprach sie darüber, wie sie im Nachhinein die Gefahr realisierte, die ihr drohte. Während ich ihr vom Rücksitz unseres Lada zusah, wie sie zielorientiert um das Leben der Menschen kämpfte, die sie nicht kannte, saugte ich dieses Verhalten auf. Mama wurde für mich zu einem noch größeren Heiligtum.

Ich denke viel zu selten an diese Geschichte. Doch sie ist eines der wichtigsten Bausteine für mich, die mein Frauenbild geprägt hatte. Eine Frau war für mich schon sehr früh eine Heldin. Und dies baute ich immer weiter aus. Frauen können alles – und zwar ganz allein. Und zwar nicht nur Menschen aus brennenden Autos retten. Meine Mutter etwa zog mich ganz allein groß. Später auch in einem völlig fremden Land. Sie gab niemals auf. Durch ihr „richtiges Handeln“ und durch ihre „Fehler“ bin ich heute die furchtlose, wilde, energische Frau, die ich immer sein wollte. Danke Mama, dass du du bist. Danke auch dafür, dass du in mir durch dein Wesen diese verrückte Liebe zum Schönen großgezogen hast.

Was ich abschließend sagen will ist, dass jeden Tag Heldinnen geboren werden. Auch wenn die Welt für die zarte Seele oder das Herz einer Frau kein wirklich richtiger Ort ist. Dass wir dennoch wachsen, handeln und nach all dem auch noch lachen können, macht jede von uns zu einer Heldin. Sorry Boys, nächstes Mal schreib ich auch was über euch.


Foto von V T auf Unsplash

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Kunst & Architektur

Historisches Museum Frankfurt: Ich glaub‘, es hagelt

Heute besuchte ich erstmals das Historische Museum Frankfurt (HMF). Eigentlich wollte ich ins Caricatura; dieses hatte jedoch zu. Neue Sommer-Öffnungszeiten. Dann fing es wie wilde an zu hageln. Also begab ich mich ins Historische.

Gründung vor rund 150 Jahren

Das HMF wurde 1877/1878 als Initiative der Bürgerschaft gegründet. Das Museum sammelte kulturelle und künstlerische Artefakte, wobei ein besonderer Fokus auf der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Umgebung liegt. Ziel des Museums war es, eine Bildungseinrichtung zu sein und die Erinnerung an die Zeit der Freien Stadt Frankfurt am Leben zu halten.

Das Museum befindet sich in der Frankfurter Altstadt südlich des Römerbergs. Es liegt eingebettet zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Mainkai.

Raum im HMF
Schon ziemlich cool eingerichtet

Historisches Museum Frankfurt: Ein Abriss folgt dem anderen

Im Jahr 1972 wurde das noch intakte Haus Freudenberg abgerissen, um Platz für den modernen Bau des Historischen Museums zu schaffen. Viele bedauerten diesen Verlust, da dieses Haus einer der wenigen Überlebenden aus der Altstadt war, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten. Doch auch dieser Betonbau von 1972 hatte kein langes Leben. Er wurde 2011 ebenfalls abgerissen und durch einen neuen ersetzt.

Nach einer längeren Schließung aufgrund von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurde das sanierte Altbauensemble des Museums am 26. Mai 2012 wiedereröffnet und das neue Gebäude am 7. Oktober 2017 eingeweiht.

Eingangsbereich des Historischen Museums in Frankfurt
Diese schöne Aussicht hat man direkt gegenüber des Eingangs ins Museum.

Das Historische Museum im Zweiten Weltkrieg

Gehen wir mal einen Schritt zurück. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Museum schwere Schäden durch die Luftangriffe auf Frankfurt. Insgesamt warfen britische Flugzeuge während des Krieges 14.017 Tonnen Bomben auf die Stadt. Amerikanische Bomber warfen von Oktober 1943 bis März 1945 weitere 12.197 Tonnen.

Die meisten Ausstellungsstücke im Historischen Museum waren zwar 1942 ausgelagert worden. Dennoch gingen sämtliche Akten, Teile der Bibliothek und alle fest eingebauten Exponate im Krieg verloren. „Verloren“.

Historisches Museum Frankfurt nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde das Museum in seiner ursprünglichen Rolle als Bildungseinrichtung wiedereröffnet. Heute bietet es einen Einblick in die Vergangenheit und sogar Gegenwart Frankfurts.

Zurzeit zeigt das Museum eine Vielzahl von Dauerausstellungen, darunter „MainMetropole: Frankfurter Stadtgeschichte 1866 bis 2001“, „Frankfurt Jetzt!“ und andere. Zudem beherbergt es Ausstellungsstücke wie den Heller-Altar aus der Dominikanerkirche, eine Skulptur von Karl dem Großen und ein Modell der historischen Altstadt.

So fand ich das Historische Museum in FFM

Wie fand ich das Museum? Weiß ich nicht, Digger. Kommen wir erstmal zu den Punkten, die ich gut fand. Dazu gehörte das ganze Aufwendige drum rum. Es ist wirklich interaktiv und macht unter Umständen schon Spaß. Es ist cool gestaltet. Der Mix aus alt und modern, das riesige, bewegliche Karussell in dem Bereich der älteren Stadtgeschichte ist wirklich wild. Man spürt an jeder Ecke, dass da akribisch dran gearbeitet wurde, den Besuchern ein ganzes Erlebnis zu schaffen. In jeder Ecke gibt es irgend eine Action. Das Kabinett mit der Gemäldesammlung ist fucking wild. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Dazu gibt es nochmal ein ausführlicheres Stück.

Doch: Als ich durch die Räumlichkeiten des HMF ging, verließ mich nicht das Gefühl, das Frankfurt gar nicht in Besitz wirklich wertvoller Artefakte ist. Und an dieser Stelle spreche ich für die Exponate, die ich dort an jenem Tag persönlich gesehen habe. Alles was ich sah, war sehr gepflegt und in top Zustand – aber irgend wie ein bisschen arg schlicht. So etwa die Porzellansammlung. Die Exponate hier waren in gutem Zustand, aber sie waren anspruchslos. Ich musste zwangsweise an das Rijksmuseum Amsterdam denken, das ich bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour besuchte. Frankfurt kann da einfach nicht mitreden. Ihr erinnert euch, ich hatte sehr ähnliche Punkte am Frankfurter Museum für Angewandte Kunst auszusetzen. Die „Schneekugel“ im HMF fand ich übrigens auch semi. Sie lag nicht in meinem Interessenbereich und ich kann mir vorstellen, dass gewisse Besucher da durchaus mehr Bock drauf haben könnten, als ich.

Fazit

Werfen wir fürs Fazit einen Blick auf die Preise:

  • Dauerausstellungen (HMF + Junges Museum): 8 €/ermäßigt 4 €
  • Wechselausstellung (HMF): 10 €/ermäßigt 5 €
  • Schneekugel: 3 €/ermäßigt 1,50 €
  • 1-Tagesticket alle Ausstellungen: 12 €/ermäßigt 6 €
  • Öffentliche Führungen: Eintritt zzgl. 3 €
  • Öffentlicher Stadtgang: Eintritt zzgl. 3 €
  • Ausleihe Multimedia-Guide: 3 €

Müsste ich zahlen, würde ich keine 12 Euro blechen, um mir die Ausstellung erneut anzusehen. Was ich jedoch machen würde, wenn ich da jemals wieder Bock drauf bekomme, ist eine öffentliche Führung. Bestimmt kann ich dabei viel über Frankfurt lernen und es anschließend mit euch teilen. Bis dahin würde ich sagen: Wenns draußen hagelt und ihr in der Nähe seid – Yolo. Geht halt hin. Aber in diesen 6 Top-Museen der Bundesrepublik werdet ihr sicherlich mehr Spaß haben. Spoiler-Alarm: Leider ist keins davon in Frankfurt.


Quellen:

  • Ich war natürlich vor Ort, wie ihr sicher rauslesen konntet
  • Webseite des Museums
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Kunst & Architektur Reisen

Azulejos: Die farbenfrohen Geschichtenerzähler Lissabons

Lissabon ist bekannt für seine Kacheln, die sogenannten Azulejos. Diese kunstvollen Fliesen zieren seit Jahrhunderten die Stadt und verleihen ihr einen unverwechselbaren Charme. Die farbenfrohe Pracht gibt es an Hausfassaden, in Kirchen, auf Plätzen und in vielen öffentlichen und privaten Gebäuden zu bewundern.

Die Azulejos, ein Erbe der maurischen Kultur, haben sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem integralen Bestandteil der portugiesischen Kunst und Architektur entwickelt. Lissabon ist ein wahres Freiluftmuseum dieser Kunstform. In Vierteln wie Alfama, Mouraria und Bairro Alto leuchten die Fassaden der Häuser in kräftigen Farben und komplexen Mustern. Diese handbemalten Kacheln erzählen Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten, der portugiesischen Kultur und Traditionen und reflektieren das kulturelle Erbe Lissabons.

Wie in Lissabon, so auch in Porto: Solche kleinen szenischen Fassaden findet man praktisch überall
Hausfassade im Stadtteil Chaido: Solche kleinen, szenischen Fassaden findet man praktisch überall – wie in Lissabon, so auch in Porto. ©Turismo de Lisboa

Azulejos schmücken Kirchen, Klöster und Co.

Auch viele Kirchen und Klöster sind mit prächtigen Azulejos geschmückt. Darunter das Kloster São Vicente de Fora und die Kirche Igreja de São Roque. Die kunstvollen Fliesen zeigen religiöse Szenen und historische Ereignisse. Selbst ich habe bei mir im Zimmer eine Kachel mit dem hl. Antonius von Padua hängen. Diese brachte ich von meiner Reise durch Porto mit.

Doch zurück nach Lissabon. Sogar die Verkehrsknotenpunkte der Stadt, wie etwa der Bahnhof Rossio und zahlreiche Metrostationen, sind mit Azulejos verziert. Diese Orte verbinden moderne Funktionalität mit traditioneller Kunst und schaffen so eine einzigartige Atmosphäre. Auch Plätze wie der Praça do Comércio und der Rossio-Platz sowie viele Brunnen der Stadt sind mit bunten Kacheln dekoriert.

Azulejos: Kirche aus Gold und Kacheln in Lissabon
Igreja da Madre de Deus ©Museu Nacional do Azulejo

Ein Museum, das man in Lissabon gesehen haben muss

Ein absolutes Muss für jeden Kunstliebhaber ist das Museu Nacional do Azulejo. Dieses Museum, untergebracht im ehemaligen Kloster Madre de Deus, widmet sich vollständig der Geschichte und Entwicklung der Azulejos. Die Sammlung umfasst Werke vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart und bietet einen Überblick über die Techniken und Stile, die diese Kunstform geprägt haben.

Grande Panorama de Lisboa ©Museu Nacional do Azulejo

Die Ausstellung des Museums führt die Besucher durch die verschiedenen Epochen. Sie zeigt, wie sich die Designs im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt haben. Ein Highlight ist das Panorama von Lissabon aus Azulejos, das einen einzigartigen Einblick in das Leben und die Architektur der Stadt vor dem großen Erdbeben von 1755 bietet.


Quelle: Pressemitteilung Turismo de Lisboa/Global Communication Experts GmbH

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Kunst & Architektur

Caspar David Friedrich verlässt Berlin

Der Run auf Caspar David Friedrich hat der Alten Nationalgalerie in Berlin eine erfolgreiche Ausstellung beschert. Bis zum abschließenden Sonntag, 4. August, kamen nach Angaben des Museums knapp 298.000 Menschen. Die Sonderausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ lief seit April. Wegen des Andrangs auf die Werke des deutschen Romantikers Friedrich (1774–1840) waren die Öffnungszeiten mehrfach ausgeweitet worden.

Die Ausstellung zog viele Museumskollegen, Wissenschaftler und Caspar-David- Friedrich-Experten aus aller Welt an. Besucher reisten etwa aus den USA, Japan, Norwegen oder Italien an. Auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler wie Julie Mehretu, Leiko Ikemura, Thomas Demand und Mark Grotjahn seien vorbeigekommen. „Der Publikumserfolg belegt die bleibende Relevanz dieses bedeutenden Künstlers für die Gegenwart“, sagte Gleis.

Besucher vor der Alten Nationalgalerie: Alles will die Ausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ sehen. Copyright: Jens Kalaene/dpa

„Mönch am Meer“ und „Kreidefelsen auf Rügen“

In Hamburg hatte Friedrich zu Jahresbeginn rund 335.000 Menschen angelockt. Eine weitere Schau gibt es in Dresden. Die Berliner Ausstellung ist Teil einer Reihe thematisch eigenständiger Schauen: Zum Jubiläumsjahr in der Hamburger Kunsthalle, der Alten Nationalgalerie und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die drei Häuser haben die bedeutendsten Bestände an Werken Friedrichs weltweit.

In Hamburg ging es um den Maler in Bezug auf moderne Kunst. Berlin konzentrierte sich auf Arbeit und Wirken Friedrichs. In Dresden haben sich Albertinum und Kupferstich-Kabinett einen Blick auf „Wo alles begann“ vorgenommen.

Neben dem berühmten Bilderpaar „Mönch am Meer“ (1808-1810) und „Abtei im Eichwald“ (1809-1810) waren in Berlin so bekannte Werke wie „Das Eismeer“ (1823/24), „Kreidefelsen auf Rügen“ (1818/1819) oder „Lebensstufen“ (1834) zu sehen. Insgesamt wurden in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mehr als 60 Gemälde und 50 Zeichnungen aus dem In- und Ausland gezeigt.

Caspar David Friedrich
Caspar David Friedrich, „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) Copyright: IMAGO / Heritage Images

Deutschen Romantiker dem US-Publikum näherbringen

Im kommenden Jahr leihen die beteiligten Häuser zudem Werke nach New York aus, wo das Metropolitan Museum von Februar bis Mai 2025 den deutschen Romantiker Friedrich dem US-amerikanischen Publikum näherbringen will. (dpa/mad)

Auch interessant: Das sind die besten 6 Museen der Bundesrepublik.

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Reisen

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt

Inmitten einer gepflegten, weißen Häuserreihe im Stadtteil Bergen-Enkheim fand ich das „Portal“ zur unberührten Natur: das kleinste Naturschutzgebiet Frankfurts. Als ich es betrat, spürte ich sofort die kühle, nasse Luft. Von den alten Bäumen tropfte der Regen und meine Schuhe standen im Matsch. Kaum zu glauben, dass es solche „Goldgruben“ der Natur immer noch in FFM gibt. Zwar ist das Gebiet wirklich sehr klein, aber durchaus sehenswert.

Eingang in das kleinste Naturschutzgebiet von Frankfurt am Main
Direkt zwischen diesen beiden Häusern startete ich.

Das kleinste Naturschutzgebiet der Stadt

Das kleinste Naturschutzgebiet in Frankfurt ist das Mühlbachtal. Es hat eine Fläche von nur 3,28 Hektar. Dieses Gebiet, das seit 1986 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, birgt eine seltene botanische Besonderheit: den Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia). Diese Pflanze ist ein Überbleibsel eines früheren Bachauenwaldes und kommt ausschließlich in diesem Gebiet des Rhein-Main-Gebiets vor. Diese Pflanze war schon immer etwas besonderes für mich. Zwischen den Gewächsen am Wanderpfad konnte ich sie gut in der Ferne erkennen. Der Riesen-Schachtelhalm wächst im Mühlbachtal direkt an einer kleinen tropfenden Wasserquelle.

Die Botanik des Mühlbachtals wird außerdem von Feuchtwiesen, Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen geprägt. Hie und da wachsen auch wilde Pflaumenbäume. Einen besonderen Anblick schaffen Efeugewächse, die von den Baumkronen bis runter auf den Wanderweg hängen. Habe ich auf Empfehlung eines interessanten Dates, das ich kurz vor meinem Trip in die Frankfurter „Wildnis“ hatte, Bäume umarmt und bin barfuß durch die nassen Wiesen gelaufen? Vielleicht. Werde ich das näher erläutern? Wir bleiben gespannt.

Enkheimer Mühlbach – einer der kürzesten Bäche Frankfurts

Der Enkheimer Mühlbach, nach dem das Gebiet benannt wurde, ist mit etwa 180 Metern Länge einer der kürzesten Bäche in FFM. Heutzutage führt er nur noch zeitweise Wasser. Einst speisten mehrere lokale Quellen den Bach und ab 1850 auch der umgeleitete Pfingstborn. Das aus diesen Quellen stammende Wasser wurde in einem Mühlenteich aufgestaut, um die Enkheimer Mühle zu betreiben – eine Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert.

Nachdem die Mühle ihren Betrieb im Jahr 1890 einstellte und der Mühlenteich zugeschüttet wurde, mündet der Enkheimer Mühlbach heute in die lokale Kanalisation. Pläne zur Renaturierung des Baches und zur erneuten Einleitung ins Seckbacher Ried sind allerdings bereits vorhanden, um dessen Wasserhaushalt zu verbessern.

Für Naturliebhaber ist das Gebiet besonders interessant: Sowohl der Enkheimer Mühlbach als auch die Enkheimer Mühle sind Stationen des Quellenwanderwegs im Frankfurter Grüngürtel. Lese hier mehr dazu.

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Kunst & Architektur

Die 6 besten Museen der Bundesrepublik

Und jetzt mal ohne Witz: Für mich gibt es ein paar Kunsthäuser in Deutschland, die alles rausreißen. Diese Museen sind die besten in der ganzen Bundesrepublik. Für mich zumindest – aber ich habe bei Weitem nicht alle gesehen. Zumindest noch nicht. Hier sind meine absoluten Lieblingsadressen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Reihenfolge spielt übrigens keine treffliche Rolle.

Stuttgarter Staatsgalerie: bedeutende Kunstsammlung Deutschlands

Die Stuttgarter Staatsgalerie: Der Tag, an dem ich ihre Hallen betrat, wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Die Sammlung der Staatsgalerie umfasst insgesamt rund 5.000 Gemälde und Plastiken und geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die Staatsgalerie ist eines der wichtigsten Kunstmuseen in Baden-Württemberg und eine der renommiertesten Kunstsammlungen Deutschlands. Sie gewährt ihren Besuchern einen Einblick in die Vielfältigkeit der Kunstgeschichte. Gegründet wurde sie von König Wilhelm I. von Württemberg als Museum der Bildenden Künste.

Ein Blickfang ist der 1843 eröffnete Gründungsbau von Gottlob Georg Barth, die klassizistische Alte Staatsgalerie. Hier wird Malerei ab dem Hochmittelalter sowie Skulptur ab dem 19. Jahrhundert gezeigt. Der 1984 eröffnete, etwas merkwürdige Erweiterungsbau von James Stirling, setzt ein weiteres Glanzlicht. Hierbei handelt es sie um die postmoderne Neue Staatsgalerie. Sie gilt als Meisterwerk dieses Baustils in Deutschland. Kann man, muss man aber nicht verstehen.

Ich freue mich schon auf die Kunsthalle in Karlsruhe

Sehnsüchtig warte ich auf die Wiedereröffnung der Karlsruher Kunsthalle. Diese soll nach Abschluss der laufenden Bauarbeiten erfolgen. Und ich bin dann sowas von am Start, Leute. Ich weiß sogar schon, was ich anziehe, obwohl das Eröffnunfsdatum noch gar nicht feststeht und auch lange noch nicht feststehen wird. Die Ehre, die Kunsthalle selbst zu besuchen, hatte ich noch nicht, aber seit geraumer Zeit wird ein Teil der Dauerausstellung im ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) gezeigt. Unfassbar schön – Gänsehautmomente. Würde ich jederzeit wieder besuchen. Gerne auch mit Begleitung.

Die Karlsruher Kunsthalle ist ein Museum der Bildenden Kunst. Sie beherbergt überwiegend Gemälde von deutschen, französischen und niederländischen Meistern aus insgesamt acht Jahrhunderten. Sie hat beeindruckende Exponate wie etwa einige Cranachs (ihr kennt ja meine Obsession mit diesem Mann), Dürer, Hans Thoma und andere. Die Gemälde sind top restauriert und außergewöhnlich erlesen. Dort sah ich den krassesten Rodin meines Lebens. Das Motiv war ein Klassiker – die Umsetzung war das, was mich aus der Bahn warf.

Oh mein GOTT: Das ist wahrscheinlich das beste Museum Deutschlands

Die Liebe erfüllt meinen Brustraum, wenn ich an meinen Tag im Lenbachhaus in München zurückdenke. Hierbei spreche ich natürlich ausschließlich von der üppigen Dauerausstellung „Der Blaue Reiter“. Leck mich fett, das war… ich weiß nicht. Mir fehlen bis heute die Worte, um diese Ausstellung angemessen zu beschreiben. Sie war einfach wie ein feuchter Fiebertraum, bei dem du dir nie sicher sein kannst, ob du es wirklich gewagt hast, ihn zu träumen. Fahr einfach hin, ernsthaft. Du wirst es nicht bereuen – egal ob du Kunsthistoriker, Laie oder Kunsthasser bist. „Der Blaue Reiter“ wird dich mit seiner Farbekstase ich würde ja schreiben: „in alle Körperöffnungen bis zum Höhepunkt penetrieren“, unterlasse es aber und schreibe lieber inspirieren.

Im Lenbachhaus wirst du, neben den unheimlich dreisten Kassenmitarbeiterinnen und den unterirdisch schlechten Gegenwartskünstlern, Wassily Kandinsky von einer ganz neuen Seite erleben. Du wirst Werke aller Mitglieder der Künstlergruppe „der Blaue Reiter“ sehen, du wirst Alexej Jawlenskys Stil spüren, mindestens einen Orgasmus vom Gesehenen haben und schließlich das Lenbachhaus wie auf Drogen verlassen und mit einem heiteren Glow im Gesicht nach Hause fahren. Meine Münchner Freunde, die noch immer nicht im Lenbachhaus waren, kann und will ich einfach nicht verstehen. Geht doch einfach hin, verdammt.

Die besten Museen Deutschlands: Gemäldegalerie

Die gute alte Gemäldegalerie in Berlin: Sie ist eine meiner großen Lieben. Wie viele von euch wissen, vergöttere ich neben Kandinsky und Jawlensky natürlich auch die alten Meister. Und davon gibt es in der Gemäldegalerie en masse. Sandro Botticelli, Lucas Cranach (was sonst), Giovanni Bellini, Caravaggio und andere Titane der Kunstgeschichte warten auf dich in der atemberaubenden Gemäldegalerie. Du wirst in jedem Raum staunen und dir denken, wie frech es von Berlin ist, alles Schöne für sich zu beanspruchen. Die Gemäldegalerie ist eindeutig eines der Gründe, warum Berlin die geilste Stadt Deutschlands ist.

Zugegeben: Ich hatte einen kleinen „Moment“, als ich letztens wieder dort war. In einem der Rubens-Räume spürte ich ein kleines Down und erschrak. Für eine kurze Zeit fühlte es sich an, als sei ich kunstmäßig ausgebrannt. Ich sah mir seine riesigen Gemälde an – ich kannte sie ja bereits – und ich spürte keine Begeisterung, nichts. Fuck. Es ist für immer vorbei, dachte ich mir. Aber der Schreck hielt nicht lange, denn ich betrat den nächsten Raum mit den deutschen Meistern und es wurde wieder sagenhaft wie immer. Will nicht sagen, dass Rubens das Problem sei – es gibt durchaus Bilder von ihm, die mir immer wieder den Atem Rauben, aber der Moment war echt merkwürdig. Das bedeutet für mich: Erst mal kurze Pause von der Gemäldegalerie – aber du solltest unbedingt hin.

Antikensammlung im Alten Museum Berlin

Das, was im Alten Museum in Berlin ausgestellt wird, ist leider nicht mein Topic. Zumindest noch nicht. Aber anhand der Qualität, Wucht und Menge der dortigen Exponate verstehe ich genau, dass dieses Kunsthaus mich für alle anderen deutschen Skulpturensammlungen verdorben hat. Das stellte ich zuletzt im Frankfurter Liebighaus fest – obwohl die dort ausgestellte Elfenbeinsammlung beeindruckend ist, wenn auch aus einem ganz anderen Zeitalter.

Denn das Alte Museum stellt seit 1904 antike Kunst aus. Es befindet sich am Lustgarten in Berlin-Mitte und gehört zum Bauensemble der Museumsinsel und damit zum Weltkulturerbe der UNESCO. Von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente dieses bedeutende Bauwerk des deutschen Klassizismus vorübergehend als Möbelspeicher. Nach dem Wiederaufbau des Gebäudes wurden die Exponate der unglaublich geilen Antikensammlung wieder hier untergebracht.

Seit Juli 2010 wird im Obergeschoss die etruskische und römische Sammlung präsentiert. Das Hauptgeschoss beherbergt die griechische Antikensammlung. Darüber hinaus beheimatet das Alte Museum auch eine Kabinettausstellung mit antiken Münzen. Das interessiert mich aber leider nicht die Bohne. Kann man sich aber mit Sicherheit auch mal reinziehen, wenn man diese Vorliebe hat.

Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg

Nürnberg beherbergt ein wahres Juwel der Kulturgeschichte – das Germanische Nationalmuseum (GNM). Als größtes kulturgeschichtliches Museum im deutschsprachigen Raum und eines meiner persönlichen Lieblingsmuseen, zieht es jährlich über 435.000 Besucher an und ist damit eines der meistbesuchten Museen in Deutschland. Seine Sammlung umfasst 1,3 Millionen Objekte, von denen „nur“ 25.000 ausgestellt sind. Dadurch bekommen Besucher einen tiefen Einblick in die germanische Kulturgeschichte.

Damals ging ich ohne jegliche Erwartungen ins Germanische Nationalmuseum. Es hat mich völlig von den Socken gehauen. Ich entdeckte dort nicht nur meine Vorliebe für Hans Baldung, sondern konnte dort auch seine frivolen Madonnen aus der Nähe betrachten. Darüber Hinaus hat das GNM eine reichhaltige Sammlung an Lucassen Cranachen, die es sich immer zu sehen lohnt. Es war absolut sagenhaft. Das Museum gehört für mich definitiv zu den besten Deutschlands.


PS: Ich hätte dir gerne mehr Bilder gegeben, aber in der Zwischenzeit ist mein Fotohandy mit dem ganzen Material flöten gegangen.

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Tod & Erotik: Die Kunst von Hans Baldung

Hans Baldung, auch bekannt als Hans Baldung Grien wegen seiner angeblichen Vorliebe für die Farbe Grün, war ein bedeutender deutscher Maler, Zeichner und Kupferstecher der Renaissance. Geboren wurde er 1484 oder 1485 in Schwäbisch Gmünd. Im September 1545 verstarb er in Straßburg. Als einer der herausragenden Künstler seiner Zeit, arbeitete er eng mit Albrecht Dürer zusammen und hinterließ ein beeindruckendes Werk, das von Altarbildern bis zu Porträts reicht.

Hans Baldung Grien: Zwischen Nürnberg und Straßburg

1503 zog es Baldung nach Nürnberg, um bei Albrecht Dürer zu lernen. Dort wurde er schnell zu dessen wichtigstem Mitarbeiter. Während Dürers Abwesenheiten leitete er sogar dessen Werkstatt. Diese frühe Phase seiner Karriere krönte Hans Baldung mit der Schaffung zweier Flügelaltäre für die Maria-Magdalena-Kapelle der Moritzburg in Halle.

1509 kehrte er nach Straßburg zurück, erwarb das Bürgerrecht und gründete eine eigene Werkstatt, nachdem er als Meister von der Zunft „zur Steltz“ aufgenommen wurde. In dieser Zeit heiratete er auch Margarete Herlin, Tochter eines wohlhabenden Bürgers.

Dies sind die wunderbaren Bildnisse Baldungs, die ich bereits aus der Nähe betrachten durfte:

Das Hauptwerk des Renaissance-Künstlers

Zwischen 1512 und 1518 schuf Hans Baldung in Freiburg im Breisgau sein Hauptwerk: den Hochaltar des Münsters Unserer Lieben Frau. Nach seiner Rückkehr nach Straßburg im Jahr 1518 stieg seine gesellschaftliche Stellung weiter; er diente sogar als Ratsherr und nahm Schöffenamt in seiner Zunft wahr.

Sein künstlerisches Schaffen wandelte sich über die Jahre. Während religiöse Themen zunächst dominierten, widmete sich Baldung später verstärkt privaten Kunstliebhabern. Lese hier über seine erotisch aufgeladene Madonna, die zu ihrer Zeit regelrechte Forore machte. Neue Themen wie Schönheit und Tod sowie Hexen- und Pferdedarstellungen traten nun in den Vordergrund seines Werks. Seine Darstellungen von Hexen zeigen dabei oft eine verführerische Ästhetik, die sich deutlich von den damaligen Hexentraktaten abhebt.

Baldungs Interesse an Pferden fand seinen Ausdruck in detailreichen Studien dieser Tiere, die neben sakralen Motiven auch das Triebhafte im Menschen symbolisierten.

Hans Baldung Grien Selbstbildnis
Hier ist der Gute: Hans Baldung Grien, Selbstbildnis, 1507.

Porträts als wichtiger Bestandteil Baldungs Schaffens

Ein weiterer wichtiger Bereich waren Porträts; hier hat Hans Baldung eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten seiner Zeit festgehalten. Zu den bekanntesten Porträts zählen Bilder des Markgrafen Christoph I. von Baden oder des Pfalzgrafen Philipp der Kriegerische.

Seine Arbeiten signierte Hans Baldung oft mit dem Monogramm HBG – ab 1510 – was ihm half, seine Werke auf dem Kunstmarkt zu bewerben.

Hans Baldung Grien bleibt durch seine innovativen Techniken und seinen individuellen stilistischen Ausdruck eine Schlüsselfigur der deutschen Renaissancekunst.

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Warum alte Fotoalben ALLES sind

Fotoalben sind für mich das Größte. Zwei mal schenkten mir Freundinnen Fotoalben und ich garantiere euch: das waren die besten Geschenke, die ich je bekommen habe. Bis heute blättere ich darin rum und bin sofort in eine Zeit zurückversetzt, in der ich glücklich und wild war. Bin ich heute natürlich auch noch, aber bestimmte Momente erneut zu durchleben und die Liebe zu spüren, die die Personen in diese Alben gesteckt haben, ist mit nichts zu vergleichen.

Schwierige Freundschaft endet – was bleibt, sind Fotos

Das erste Album ist von einer ehemaligen Freundin. Nennen wir sie Maria Eduarda. Wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr. Maria Eduarda hatte vermutlich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung – eine etwas andere als ich. Sie äußerte sich dadurch, dass sie mich vor anderen Personen ständig versuchte runterzumachen, um sich selbst auf ein Piedestal zu heben. Ich ertrug es irgendwann nicht und verschwand aus ihrem Leben. Zuvor sprach ich sie offen darauf an und erzählte ihr, wie unwohl ich mich dabei fühle. Sie zeigte sich einsichtig, doch es dauerte nicht lange, bis das wieder von vorne losging.

Dennoch verbrachten Maria Eduarda und ich sehr viel Zeit zusammen. Wir trafen uns eine Zeit lang jeden Tag – wir lebten nicht weit voneinander entfernt. Als ich sie das erste Mal sah, begeisterte sie mich mit ihrer Verrücktheit, ihrer Dynamik und ihrer charismatischen Energie. Wir standen uns sehr nahe, aber waren emotional nicht auf dem gleichen Level. Sie war eine dieser Freundinnen, mit der man Spaß haben konnte, ohne dabei deep zu werden. Doch das reichte mir nicht. Und ihre narzisstischen Anfälle konnte und wollte ich nicht mehr ertragen. Also war ich raus.

Das Fotoalbum lässt mich unsere Freundschaft überdenken

Vor nur wenigen Monaten sah ich sie nach langer Zeit wieder, doch sie weiß nichts davon. Ich erkannte sie von hinten an ihrer beachtlichen Größe, dem unfassbaren Haar und der Männermenge, die sie umgab. Außerdem trug sie die Jacke, die ich ihr vor Jahren geschenkt hatte, als ich mich auf eine lange Reise begab. Im Gegenzug gab sie mir ein Fotoalbum mit Erinnerungen an unsere Freundschaft.

Auf vielen Bildern sind wir zu zweit zu sehen, manche zeigen uns beim Kiffen, manche beim Saufen, in der Sauna, auf Raves, im Lift, in der Shishabar – manche zeigen ihre Katzen. Letztens beschloss ich ein paar Bilder auszusortieren, um mir Platz für jene zu schaffen, die ich lieber habe. Ich zog Maria Eduardas Bilder aus ihren Hüllen und entdeckte erstmals die Aufschriften an den Rückseiten: „Lerne, ohne Erwartungen zu leben, so kannst du die Wunder sehen, die jeden Tag geschehen… Mein Wunder ist es, Dich zu kennen“, schrieb sie mit einem grünen Stift auf die Rückseite eines Bildes von einer Party in Karlsruhe. Jetzt, in diesem Moment, tränen meine Augen, wenn ich das lese und wiedergebe. Und auch als ich Wochen später redigiere, muss ich ein bisschen heulen.

Foto von Madlen Romanowna Trefzer und einer unbekannten Freundin.
Hier waren wir auf einem verrückten Rave in Karlsruhe mit anschließender Afterhour bei Maria Eduarda. Man beachte den lila Lippenstift, der an mir etwas dunkler und an ihr SO elektrisierend aussah. Sie mochte es nicht; eine andere Wahl hatte sie aber nicht. Immerhin vergaß sie ihren Roten zu Hause.

Auf jedem Bild steht hinten etwas. Das zeigt, dass sie sich Gedanken machte und ich ihr vermutlich doch mehr bedeutet hatte, als ich immer dachte. Das macht mich emotional. Natürlich habe ich die Bilder nach dieser Entdeckung nicht mehr auswechseln oder vernichten wollen. Diese Erfahrung und das gründliche Studieren der Bildaufschriften haben mich erkennen lassen, dass diese Freundschaft nicht nur toxisch war. Wie das Leben nicht nur schwarz oder weiß ist. Es gab Gründe, warum wir zueinander fanden und ich denke gerne an diese wilde Zeit zurück. Das Bedürfnis, sie erneut zu durchleben habe ich aber nicht. Dafür reichen mir unsere Fotos.

Fotoalben: Emotion und Erinnerung an die wilden Zeiten

Unvergessliche Momente aus meiner Zeit in Heidelberg

Das zweite Fotoalbum ist gerade Mal ein Jahr alt. Dennoch fühlt es sich an, als sei es aus einem andren Leben. Ich bekam es von einer Arbeitskollegin, mit der ich eine Freundschaft entwickeln konnte, obwohl wir ganz unterschiedliche Dynamiken und Weltanschauungen hatten. Kurz gesagt: Teresa und ich hatten unterschiedliche Paradigmen, aber wir verstanden uns auf bestimmten Ebenen: Beide verträumt und kreativ, beide exzentrisch und seelisch in einer ganz eigenen Welt.

Als ich den Job bei wir-wissen-welchem-Medium aufgab, ging Teresa wenig später auch. Zu meinem Abschied schenkte sie mir ein Fotoalbum. Jedes Mal, wenn ich es sehe, lache und weine ich. Manchmal gleichzeitig. Sie gab sich wahnsinnig viel Mühe dabei, die besten Momente zusammenzustellen und den Vibe dieser verrückten und wilden Zeit, die überwiegend scheiße anstrengend war, wiederzugeben. Sie hat alles mit ihren eigenen Händen gemalt, ausgeschnitten, beklebt, recherchiert, ausgedruckt. Ich liebe dich dafür, Teresa. Ich vermisse die Zeit mit dir, mit euch. Es ist schwer die Energy unserer arbeitsinternen Girl-Gang zu schildern, aber wir hatten Momente zusammen, die ich niemals vergessen werde.

Diesmal war ich die toxische Freundin – ein bisschen jedenfalls

Ich werde niemals auf unsere Boots- und Sauftouren klarkommen. Ich werde nie unsere Interventionen und unsere Nähe zueinander vergessen. Wie sauer auf mich alle waren, als ich abgehauen bin, habe ich deutlich zu spüren bekommen und nehme es hin wie eine Frau. Der kollektive Unmut ist auch nachvollziehbar. Aber ich musste weg, weil ich die Möglichkeit hatte, mich selbst zu verwirklichen. Und diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Boots- und Sauftour im Tretboot am Neckar: ALLE Mädels waren dabei. Bester Tag ever.

Aber ja, ich weiß auch genau, was die Girls mir auf diese Argumentation antworten würden. Es ging nicht um das Gehen, sondern um das wie. Deshalb sehe ich meinen Fehler ein: ich hätte meinen Abgang mit allen persönlich besprechen sollen, statt sie mit einer kurzen Nachricht ins kalte Wasser zu werfen. Ich mache auch Fehler, die ich bereue. Und wie ich letztens zu hören bekam, bin ich auch noch ein schlechter Empath. Ich dachte immer, dem sei nicht so, weshalb ich über diese Information erstmal reflektieren muss. Aber ich schweife ab, wie so oft. Kennen wir ja. Jedenfalls deute ich mein Verhalten den Girls gegenüber als Beleg dafür, dass ich tatsächlich weniger empathisch bin, als ich immer dachte zu sein.

„mad memories“ – ein Fotoalbum wilder als ’ne Horde Giraffen

Dieses Fotoalbum – es heißt übrigens „mad memories“, weil mein Autorenkürzel seit Anbeginn meiner journalistischen Karriere (mad) ist – fasst die besten und verrücktesten Momente zusammen, die wir in dieser viel zu kurzen Zeit miteinander hatten. Mädels, ihr habt alles Beste dieser Welt verdient. Ich hoffe, dass die, die noch dort sind, unsere Traditionen am Leben halten und immer noch zusammen auf „verbotene Reportagen“, Bootstouren, Lesungen und Co. gehen und somit alles aus diesem harten und psychisch belastenden Job mitnehmen. Ich denke an euch alle und ich liebe euch. Daran wird sich niemals etwas ändern.

links: die Gang, rechts: Chefi. Wie er es nur mit uns allen aufgenommen hat… Hätte ich ihn unkenntlich machen sollen? Egaaal, Yolo soll mich mal verklagen – das Bild ist einfach Perfektion auf Fotopapier.
Mannheim: Bundesgartenschau bei Sonnenuntergang
Das war so eine crazy Reportage. Kollegin und Freundin Mona und ich waren unterwegs auf der Eröffnung der Bundesgartenschau in Mannheim. Hier sitzen wir gerade in der Seilbahn, nachdem wir so einen wahnsinnig schönen und energetischen Tag mit fünf Kameras in einer Hand und sechs Mikros in der anderen verbracht haben.

Diese emotionalen Erfahrungen mit Fotoalben haben mich dazu veranlasst, selbst Fotoalben zu erstellen. Mit mir in der Hauptrolle, natürlich. Ich liebe es, immer mal wieder reinzuschauen und festzustellen, was für ein erfülltes und intensives Leben ich führe. Ich will einfach alles von diesem Leben. Meine Fotoalben helfen mir dabei, zu erkennen, dass ich mir auch alles nehme. Und diese Erkenntnis fühlt sich geil an. Habe ich auch ein Fotoalbum, das den Namen „EROS“ trägt? Vielleicht ;). Aber ob das jemals jemand zu Gesicht bekommen wird – das muss ich mir noch gründlich überlegen.

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Reisen

Historische Ingenieurskunst: Levadas auf Madeira

Madeira ist für seine üppigen Wälder, beeindruckenden Felsformationen und tiefen Täler bekannt. Doch was heute als Magnet für Reisende und Naturliebhaber gilt, war für die ersten Siedler auf der Insel eine Herausforderung. Denn neben gemäßigtem Klima und fruchtbarem Boden erwartete die Siedler auch eine ungleiche Verteilung von Wasser auf der Insel. Durch die Rauheit des Geländes war diese nur schwer zu meistern. Somit begannen die Siedler mit dem Bau der Levadas. Hierbei handelt es sich Bewässerungssysteme, die das Wasser von schwerzugänglichen Orten aus über den Rest der Insel verteilen.

Geschichte und Entstehung der Levadas

Die Levadas von Madeira wurden im 15. Jahrhundert entwickelt. Sie leiteten das Wasser von den regenreichen Gebirgsregionen zu den trockeneren südlichen Teilen der Insel. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Siedler die zentrale Bergkette zu durchbohren und umfangreiche Tunnel zu bauen. Ziel war es, Wasserwege von der Nord- zur Südseite der Insel zu öffnen. Einige der ältesten Levadas sind noch immer in Betrieb und sorgen weiterhin dafür, das Wassergleichgewicht auf der Insel aufrechtzuerhalten.

Heute erstrecken sich diese künstlichen Wasserläufe mit einer Gesamtlänge von 3.100 Kilometern über die Insel. Sie sind für die Wasserversorgung und Stromerzeugung auf Madeira entscheidend. Sie sind ein herausragendes Beispiel für nachhaltige Wasserwirtschaft und ein Symbol für die kreative Ingenieurskunst der frühen Siedler Madeiras.

Madeira ist für seine üppigen Wälder, beeindruckenden Felsformationen und tiefen Täler bekannt. Doch was heute als Magnet für Reisende und Naturliebhaber gilt, war für die ersten Siedler auf der Insel eine wahre Herausforderung. Denn neben gemäßigtem Klima und fruchtbarem Boden erwartete die Siedler eben auch eine ungleiche Verteilung von Wasser auf der Insel, die durch die Rauheit des Geländes nur schwer zu meistern war. Somit begannen sie mit dem Bau der Levadas – Bewässerungssysteme, die das Wasser von schwerzugänglichen Orten aus über den Rest der Insel verteilen.
Levadas: Rechts im Bild sehen wir den künstlichen Wasserlauf entlang des Wanderpfades. ©Francisco Correia

Insel Madeira entdecken – entlang der künstlichen Wasserläufe

Neben ihrer praktischen Nutzung haben sich die Levadas zu einem Paradies für Wanderer entwickelt. Parallel zu den künstlichen Wasserläufen verlaufen schmale Pfade, auf denen Besucher die Landschaft Madeiras erkunden, die Wälder des Laurissilva-Nationalparks durchqueren und spektakuläre Ausblicke auf die Berglandschaften und Küsten genießen können. Hier erfährst du alles über die 5 spektakulärsten Wasserfälle Madeiras.

Entlang des Wassers eröffnen sich Besuchern Wege und Orte, die sonst nur schwer zugänglich wären. Das macht die Levada-Wanderungen zu einer der beliebtesten Aktivitäten auf Madeira. Die gut markierten Wege bieten Wanderern aller Schwierigkeitsgrade unvergessliche Erlebnisse. Hier hat man die Möglichkeit, die vielfältige Flora und Fauna der Insel zu erleben.

Madeira ist für seine üppigen Wälder, beeindruckenden Felsformationen und tiefen Täler bekannt. Doch was heute als Magnet für Reisende und Naturliebhaber gilt, war für die ersten Siedler auf der Insel eine wahre Herausforderung. Denn neben gemäßigtem Klima und fruchtbarem Boden erwartete die Siedler eben auch eine ungleiche Verteilung von Wasser auf der Insel, die durch die Rauheit des Geländes nur schwer zu meistern war. Somit begannen sie mit dem Bau der Levadas – Bewässerungssysteme, die das Wasser von schwerzugänglichen Orten aus über den Rest der Insel verteilen.
©Francisco Correia

Auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Aufgrund ihrer außergewöhnlichen historischen und kulturellen Bedeutung wurden die Levadas für die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe nominiert. Sie wären somit die zweite von der UNESCO ausgezeichnete Sehenswürdigkeit auf Madeira. Bereits 1999 wurde der Laurisilva-Wald zum Weltnaturerbe erklärt. Der Lorbeerwald, der 20 Prozent der Insel bedeckt und über 15 Millionen Jahre alt ist, gilt weltweit als der größte Wald seiner Art.

Über die Insel Madeira

Die autonome Region Madeira, die zu Portugal gehört, liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Knapp vier Stunden fliegt man von Deutschland hier her. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen und malerische Fischerdörfer. Dabei Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel Madeira zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel. Aber auch Kulturbegeisterte oder Strandurlauber kommen etwa in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten.


Quelle: presseportal.de, Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH.

Weitere Informationen zu Madeira: www.visitmadeira.com/de/

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