Die portugiesische Hauptstadt Lissabon zieht durch ihr unvergleichliches Flair und die gelassene Atmosphäre Besucher aus aller Welt an. Insbesondere der Fluss Tejo, der die Stadt durchquert, bietet eine idyllische Kulisse für Entspannung und Erholung. Mit über 1.000 Kilometern Länge ist er einer der drei großen Flüsse der Iberischen Halbinsel. Er entspringt in Spanien, durchquert Portugal und mündet bei Lissabon in den Atlantik. Diese Aktivitäten können Reisende in Lissabon im und um den Tejo erleben:
Fluss Tejo in Lissabon: Bootstour bei Sonnenuntergang
Wer in Lissabon auf Entdeckungstour geht, sollte unbedingt mit dem Boot über das ruhige Wasser des Tejo fahren. Viele Bootsfahrten sind am Terminal Sul e Sueste, nahe Praça do Comércio im Zentrum, buchbar.
Egal ob ein klassisches Passagierschiff, Katamaran, Segelboot oder Speedboot – während den Fahrten können viele Sehenswürdigkeiten aus einer neuen Perspektive entdeckt werden. Alternativ starten Touren mit alten Segelbooten in der Nähe des Torre de Belém, im Stadtteil Belém. Hier werden das Denkmal Padrão dos Descobrimentos, Ponte 25 de Abril und dem Cristo Rei vom Fluss aus besichtigt.
Das Naturschutzgebiet am Mündungsdelta des Tejos ist das größte Feuchtbiotop in Portugal und mit Schlick und Sumpf durchsetzt. Zugvögel rasten hier auf ihren langen Flügen, andere Arten leben hier das ganze Jahr. Während der Vogelflugzeit verweilen mehr als 120.000 Vögel im Mündungsgebiet. Vor allem Säbelschnäbler machen es sich hier gemütlich. Über 20 Prozent der gesamten Population im westeuropäischen Raum legen hier einen Zwischenstopp ein. Im Herbst ist die Ankunft tausender Flamingos ein Schauspiel von einzigartiger Schönheit.
Das Tejo-Naturschutzgebiet erstreckt sich bis zum Marschland von Vila Franca de Xira. Hier sind markierte Wege, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto erkundet werden können. Reisende können das Gelände auch bei einem Ausflug mit einem der typischen „Fragatas“ erforschen. Hierbei handelt es sich um Barkschiffe, die früher Personen und Waren über den Fluss transportiert hatten.
Für jene, die aktive Entspannung anstreben, bietet sich Stand-Up-Paddeln auf dem Tejo an. Sanft über das ruhige Wasser gleiten und dabei die Stadt erleben. Ob beim Treiben lassen auf dem Board oder mit einer geführten Stand-Up-Paddel-Tour – hier können die Strände und die Festung vom Meer aus betrachtet werden. Die Touren sind für alle Erfahrungsstufen geeignet, ohne Vorkenntnisse.
Das Amsterdamer Kunstmuseum H’ART feiert mit einer großen Kandinsky-Ausstellung seine Wiedereröffnung. Mehr als 60 Werke des berühmten Malers und Pioniers der abstrakten Kunst, Wassily Kandinsky (1866-1944), sind dort ab sofort zu sehen. Es ist zugleich der Start einer Zusammenarbeit mit dem Pariser Museum Centre Pompidou. Die gezeigten Kunstwerke stammen aus dem Pariser Museum, das eine der größten Kandinsky-Sammlungen besitzt.
Die Ausstellung folgt der Lebensgeschichte des Malers von seinen frühen figurativen Werken, den impressionistischen bis zu den abstrakten Gemälden mit geometrischen Formen. „Kandinskys Lebensgeschichte ist auch die Geschichte der abstrakten Kunst“, sagte Kuratorin Birgit Boelens. Krisen, Kriege, Revolution und persönliche Schicksalsschläge beeinflussten unseren geliebten Helden Kandinsky. „Seine Geschichte spiegelt sich im Reichtum und der Diversität seiner Kunst.“ So weit, so gut.
Unser Gott Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images
Wassily Kandinsky: Spitzenwerke in Amsterdam
Wie wir bereits alle wissen, weil wir regelmäßig avec Madlen lesen, wuchs Kandinsky im russischen Zarenreich auf. Er verließ seine Heimat nach einer kurzen Karriere als Jurist 1896, um in Deutschland Künstler zu werden. Nach langen Reisen ließ er sich in München nieder. Er gehörte neben unserem Schatz Alexej Jawlensky zu den Mitgründern der Gruppe „Der blaue Reiter“. Kandinsky war auch Dozent am Bauhaus in Weimar und Dessau. Schließlich floh er vor den Nationalsozialisten nach Paris. Dort starb er 1944.
1921: Roter Fleck II 1909: Orientalisches1902: Bergige Landschaft mit See1916: Zubrovsky Platz
Zentral in der Ausstellung stehen abstrakte Spitzenwerke wie „Mit dem schwarzen Bogen“ (1912), „Im Grau“ (1919) oder „Auf Weiß“ 1923. Außerdem wurde der „Salon“ mit vier Meter hohen Wandmalereien im Amsterdamer Museum aufgebaut. Besucher können nun selbst ein Kunstwerk betreten. Das Original, das Kandinsky mit seinen Bauhaus-Studenten 1922 geschaffen hatte, gibt es nicht mehr. Doch das Werk war 1977 für die Eröffnung des Centre Pompidou rekonstruiert worden.
Moment Mal… Ist H’ART ein neues Museum in Amsterdam?
Nenene. Das Amsterdamer Museum Hermitage hatte sich 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges von seinem Muttermuseum Eremitage in Sankt Petersburg getrennt und den Namen in H’ART geändert. Eine vollkommen nötige Aktion, wenn ihr mich fragt. Denn als ich es während meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour damals noch unter dem Namen „Hermitage“ besuchte und bei der Rembrandt-Sammlung nur drei echte Rembrandts hingen, war ich etwas verwundert, dass ein solches Etablissement einen solch kraftvollen Namen trägt.
Nun ist die Kooperation aufgelöst und das Kunsthaus wird mit dem Centre Pompidou, dem British Museum in London und dem Smithsonian American Art Museum in Washington D.C. zusammenarbeiten. Dennoch stellen die mit Kandinsky einen waschechten Russen aus. Ich hoffe, sie haben seinen Steckbrief gelesen.
Das Konzept des Paradigmas hat seinen Ursprung in der Wissenschaft, wird aber heute weitläufig genutzt, um Modelle, Theorien oder Annahmen zu beschreiben. Ein Paradigma hilft uns dabei, die Welt um uns herum zu verstehen und zu interpretieren.
Paradigmen: Die Landkarten der Wahrnehmung
Denke an ein Paradigma wie an eine Landkarte. Eine Karte repräsentiert nicht das tatsächliche Land, sondern liefert uns eine Darstellung bestimmter Aspekte eines Gebiets. Genauso ist ein Paradigma eine Theorie oder ein Modell von etwas anderem – etwas Größerem. Nehmen wir an, du willst einen bestimmten Ort im Zentrum Frankfurtserreichen und hast dazu einen Stadtplan zur Hand. Was wäre aber, wenn dieser Stadtplan irrtümlicherweise der von Hannover ist? Dein Bemühen, das Ziel zu erreichen, wäre frustrierend erfolglos.
Du könntest versuchen, dein Verhalten anzupassen: Dich mehr anzustrengen, oder dich schneller durch die einzelnen Straßen arbeiten. Dennoch würde jede zusätzliche Anstrengung dich nur schneller zum falschen Ort führen. Eine positivere Einstellung könnte zwar deine Frustration lindern, aber du wärst immer noch am falschen Ort verloren.
Durch diese Einflüsse formen sich Paradigmen
Das grundlegende Problem hat also nichts mit deinem Verhalten oder deiner Einstellung zu tun. Es hängt damit zusammen, dass du einen falschen Stadtplan hast. Erst dann, wenn du einen richtigen Plan von Frankfurt hast, spielt dein Fleiß überhaupt eine Rolle. Wenn du unterwegs auf frustrierende Hindernisse triffst, dann kann es wesentlich auf deine innere Einstellung ankommen. Aber die erste und wichtigste Bedingung ist die Genauigkeit des Stadtplans. Ähnlich ist es mit den „mentalen Landkarten“ in unseren Köpfen, die unsere Sicht auf Realität und Werte prägen.
Hast du dich jemals gefragt, warum du Dinge so siehst, wie du sie siehst? Die Antworten liegen in unseren Paradigmen – den mentalen Rahmen oder Landkarten, die wir im Laufe unseres Lebens erstellen. Sie formen sich durch vielfältige Einflüsse: Familie, Schule, Arbeitswelt oder Freunde sind nur einige davon.
Kleine Übung: So schnell erkennst du Paradigmen
Eine einfache Übung zeigt, wie schnell diese Paradigmen unsere Wahrnehmung beeinflussen können. Hierzu führt Stephen R. Covey folgendes Bild auf, das uns allen bestimmt ein Begriff sein sollte. Je nach Perspektive sieht man beim Betrachten dieses Bildes eine alte oder eine junge Frau. Sieht man das Bild zum aller ersten Mal, so sieht man meistens nur eine der beiden Frauen. Erst wenn wir genauer hinsehen und die Darstellung auf uns wirken lassen, entdecken wir die zweite Frau.
Diesen weltberühmten Entwurf namens „Meine Frau und meine Schwiegermutter“ fertigte der Engländer William Ely Hill um 1915 an.
Dieser Entwurf wirft zwangsläufig folgende Frage auf: Sehen wir die Welt wirklich so, wie sie ist? Oder interpretieren wir einfach alles durch unsere eigenen mentalen Filter? Eher Letzteres, oder? Wir neigen dazu zu glauben, dass unsere Sichtweise objektiv ist. Aber in Wirklichkeit beschreiben wir mehr uns selbst und unsere Paradigmen als die Welt um uns herum.
Wahrnehmung ist von vielen Faktoren geprägt
Was also tun? Zunächst einmal akzeptieren, dass deine Wahrnehmung von vielen Faktoren geprägt ist. Und wenn du das nächste Mal auf eine Meinungsverschiedenheit stößt, denke daran: Es ist nicht unbedingt etwas mit der anderen Person falsch – es könnte einfach eine andere Paradigmenperspektive sein. Denke daran, dass die Welt nicht nur so ist, wie du sie siehst, sondern auch so, wie du konditioniert bist, sie zu sehen.
Deine persönlichen Erfahrungen hinterlassen ihren Abdruck auf deiner Wahrnehmung der Welt. Es ist, als ob du durch die einzigartige Brille deiner Erfahrung schaust. Doch das bedeutet nicht, dass es keine Tatsachen gibt. Stell dir vor, du und jemand anderes betrachten gemeinsam das Bild mit der jungen und der alten Dame – ihr seht dieselben schwarzen Striche und weißen Flächen. Ihr würdet beide diese Elemente als Tatsachen anerkennen. Aber wie ihr diese Fakten interpretiert, hängt von euren bisherigen Erfahrungen ab.
Anschauliches Beispiel: Geschichte über zwei Kriegsschiffe im Nebel
Zwei dem Ausbildungsgeschwader zugeteilte Kriegsschiffe übten seit Tagen bei schwerem Wetter Manöver. Ich fuhr auf dem Leitschiff und hatte gegen Abend Dienst auf der Bricke. Nebelschwaden erschwerten die Sicht, also blieb auch der Kapitän oben und überwachte alles, Kurz nach Anbruch der Dunkelheit meldete der Ausguck: „Licht steuerbord voraus!“ „Bleibt es stehen oder bewegt es sich achteraus?“, rief der Kapitän. Der Ausguck antwortete: „Es bleibt, Kapitän.“ Was hieß, dass wir uns auf einem gefährlichen Kollisionskurs mit dem anderen Schiff befanden. Da rief der Kapitän dem Signalgast zu: „Schicken Sie dem Schiff ein Signal: Wir sind auf Kollisionskurs, empfehlen 20 Grad Kursänderung.“ Zurück kam das Signal: „Empfehlen Ihnen, den Kurs um 20 Grad zu ändern.“ Der Kapitän sagte: „Melden Sie: Ich bin ein Kapitän. Kurs um 20 Grad ändern.“ „Ich bin ein Seemann 2. Klasse“, lautete die Antwort. „Sie sollten Ihren Kurs besser um 20 Grad ändern.“ Inzwischen war der Kapitän ziemlich wütend. Er schimpfte: „Signalisieren Sie, dass ich ein Kriegsschiff bin. Er soll den Kurs um 20 Grad ändern.“ Prompt wurde eine Antwort zurückgeblinkt: „Ich bin ein Leuchtturm.“ Wir änderten unseren Kurs.
Diese Kurzgeschichte verdeutlicht: Die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, wird stark von unserer begrenzten Wahrnehmung beeinflusst. Es ist wichtig zu verstehen, dass unsere subjektive Darstellung der Realität – unsere Landkarte des Lebens – nicht das tatsächliche Territorium darstellt.
Bestimmte Faktoren können wir nicht außer Kraft setzen
Wer versucht, seinen Weg durch Frankfurt mit dem Stadtplan von Hannover zu finden, wird schnell feststellen, dass seine „Landkarte“ nicht mit der Realität übereinstimmt. Daher ist es entscheidend, sich immer wieder bewusst zu machen: Prinzipien sind wie Leuchttürme, Naturgesetze, die wir nicht außer Kraft setzen können. Nur wenn wir unser Sein und unsere Sichtweise ändern, können wir auch unsere Wahrnehmung der Welt um uns herum verändern.
Wie kannst du also deine eigenen Paradigmen erkennen und sie in Einklang mit der objektiven Realität bringen? Indem du andere Meinungen anhörst und offen für neue Perspektiven bleibst. So kannst du dazu lernen und wachsen – sowohl als Einzelperson als auch in deinen Beziehungen zu anderen Menschen. Du willst Vertrauen gewinnen? Sei vertrauenswürdig. Du möchtest in deinem Talent anerkannt werden? Dann konzentriere dich zuerst auf deinen Charakter. Schaffe aus Gedanken Worte; Aus Worten Taten. Aus Taten Gewohnheiten. Lerne, dir selbst treu zu sein und deine eigenen Versprechen (vor allem die an dich selbst) einzuhalten.
Demnach liegt Schlüssel zum persönlichen Erfolg in der Philosophie „von innen nach außen“. Das bedeutet, persönliche Erfolge kommen vor öffentlichen. Es ist nutzlos, dein Image vor deinen Charakter zu stellen oder Beziehungen verbessern zu wollen, ohne zunächst an dir selbst zu arbeiten.
Quelle: Stephen R. Covey „Die 7 Wege zur Effektivität – Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg“
ARCHIV - 09.04.2024, Sachsen, Zwickau: Blick auf die Kunstsammlungen Zwickau. Wegen Bauarbeiten an dem Gebäude aus dem Jahr 1914 schließt das Museum Ende des Monats für mehrere Jahre. (zu dpa: «Kunstmuseum Zwickau schließt bis 2028 - Pechstein-Werke gehen auf Tour») Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Kunstsammlungen von Zwickau, die insbesondere das Werk des Expressionisten Max Pechstein pflegen, haben nun für mehrere Jahre ihre Pforten geschlossen. Schon bald haben Bauarbeiter das Sagen in dem denkmalgeschützten Kunsthaus. Bis zum 30. Juni konnten Besucher die Gelegenheit nutzen, und einen vorerst letzten Blick auf die Kunstsammlung werfen. Ja, auch ich habe diese Gelegenheit vollkommen verschallert.
Blick auf die Kunstsammlungen Zwickau. Wegen Bauarbeiten an dem Gebäude aus dem Jahr 1914 schließt das Museum Ende Juni für mehrere Jahre. Copyright: Hendrik Schmidt/dpa
Kunstsammlungen Zwickau: Bauarbeiten in Millionenhöhe
8,5 Millionen Euro hat die sächsische Stadt Zwickau als Kosten für die Bauarbeiten veranschlagt. Rund 3,3 Millionen Euro fließen als Fördermittel, wie der für Finanzen und Kultur zuständige Bürgermeister Sebastian Lasch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. Ziel sei es, vor allem den Brandschutz auf Vordermann zu bringen und das Gebäude energetisch zu sanieren. Wir kennen das ja von der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, die ebenfalls bald schließen soll.
Zu der energetischen Sanierung im Zwickauer Kunsthaus gehörten Arbeiten an Fassade und Fenstern, aber auch die Ertüchtigung von Fluchtwegen, Elektrotechnik und Brandmeldeanlagen. Lasch sagte: „Das muss dringend getan werden“, sonst drohe die Schließung. Er spricht von einer Teilsanierung. Damit werde das 1914 eröffnete Gebäude fit gemacht für weitere 30 bis 40 Jahre Museumsbetrieb.
Kunstsammlungen Zwickau. Copyright: Hendrik Schmidt/dpa
Pechstein-Gemälde gehen auf Tour
Wenn das Museum schließt, ziehen zunächst die Kunstwerke um, bevor 2025 bis 2027 die Bauarbeiten laufen. 2028 – so der aktuelle Plan – kehrt die Kunst zurück und wird wieder Besuchern zugänglich. Bis dahin befinden sich viele Werke im Depot.
Doch ganz verzichten müssen Kunstliebhaber in den kommenden Jahren nicht auf die Schätze der Sammlung. Die Gemälde des Zwickauers Max Pechstein gehen auf Reisen, um Werbung für Zwickau und die Kunstsammlungen zu machen. Lasch verspricht eine internationale Pechstein-Tournee, ohne dabei genauere Details zu nennen.
„Best of“-Schau in Zwickau
In Zwickau selbst wird eine Übergangsschau in der Galerie am Domhof eingerichtet. In drei Räumen stellt das Kunsthaus dort ab Anfang 2025 ausgewählte Werke verschiedener Künstler als «Best of» der Sammlung aus. Leben und Werk Max Pechsteins (1881-1955) wird leider nur rein digital präsentiert. Dazu gehören ein Dokumentarfilm sowie VR-Brillen, um in seine Bilderwelten einzutauchen.
Das Museum beherbergt außer Pechstein-Arbeiten auch sakrale Kunst aus Bildschnitzerwerkstätten der Vorreformation, Altmeisterliches, Kunst der Romantik und des Klassizismus bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten, wie etwa der Leipziger Schule.
MUNCH: THE SCREAM, 1893. The Scream. Tempera and pastel on board by Edvard Munch, 1893. PUBLICATIONxNOTxINxUSAxCANxUKxFRAxESPxJPN Copyright: xGRANGERx/xGRANGERx 0033509
Während der Olympischen Winterspiele 1994 hatte er in einem spektakulären Raubzug das weltberühmte Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch gestohlen. Nun ist Pal Enger im Alter von 57 Jahren gestorben. Dies berichteten norwegische Medien am Sonntag, 30. Juni 2024. Der Diebstahl in Oslo erfolgte damals am Tag der Olympia-Eröffnung in Lillehammer am 12. Februar 1994 und hatte weltweit für großes Aufsehen gesorgt.
Pal Enger und ein Kumpan hatten am frühen Morgen mit Hilfe einer Leiter die Fassade der Nationalgalerie in Oslo erklettert, ein Fenster eingeschlagen und das Gemälde herausgeholt. Der frühere Fußballspieler begründete seine Tat später damit, dass er von Munchs Gemälde „Der Schrei“ fasziniert sei. Nach dem Diebstahl versteckte er es unter einem Couchtisch. Drei Monate später kamen ihm die Ermittler auf die Spur und konnten das Kunstwerk sicherstellen.
Edvard Munch, „Der Schrei“ (1893). Tempera und Pastell auf Karton.
Munchs „Der Schrei“: Sechs Jahre Knast für den Dieb
Enger wurde im August 1997 wegen der Tat zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Später beging er weitere Kunstdiebstähle und wurde dafür ebenfalls verurteilt.
„Der Schrei“ ist weltbekannt, das 1893 entstandene Gemälde steht symbolisch für die existentielle Angst und Verzweiflung des Menschen in der Moderne. Munch schuf mehrere Versionen, das von Enger gestohlene Bild gilt unter Experten als die beste. (mad/afp)
Die Gegenwartskünstlerin Lu Yang hat auf der diesjährigen Art Basel ihr neuestes Werk vorgestellt: einen Gestaltwandler-Avatar namens DOKU. Yang ist bekannt für ihre fesselnden Animationen, die das Menschsein im 21. Jahrhundert erforschen. Seit 2018 arbeitet sie mit einem Team aus Wissenschaftlern, 3D-Animatoren und Digitaltechnikern zusammen, die sich auf dem Gebiet der Motion-Capture-Technologie (kurz MoCap) spezialisiert haben. Diese Technologie erfasst die Bewegung von Menschen oder Objekten digital und reproduziert diese in einem virtuellen Umfeld. Das Ergebnis fand ich überwältigend.
Bereits in meinem ersten Artikel über die Art Basel 2024 beschrieb ich meine Begeisterung gegenüber Lu Yang und ihrem gigantischen Kunstwerk. Es war beinahe unmöglich, sich von dem Bildschirm zu entfernen, auf dem das Abenteuer von Avatar DOKU gezeigt wurde. Nicht nur die verrückte, hyperrealistische Animation war das Fesselnde an diesem Werk. Auch die wortlose Geschichte, war spürbar packend und wirkte beinahe hypnotisch auf die vielen Zuschauer, die sich davor versammelten. DOKU entdeckte sozusagen die von Menschenleben verlassene Welt mit den Augen eines Individuums, das diese Welt erstmals betrat. Ich kann gar nicht mehr adäquat schildern, was DOKU in der Animation alles getrieben hat. Ich erinnere mich lediglich daran, all das mit weit aufgerissenen Augen inhaliert zu haben und zwischendurch fassungslos „wie?“ gefragt zu haben.
Copyright: Art Basel Unlimited (Katalog)
„Digitale Reinkarnation“: Wer ist Avatar DOKU?
DOKU ist mehr als ein virtueller Character. Er oder sie repräsentiert einen Menschen in einer digitalen Hülle. Seinen oder ihren Namen trägt DOKU aus der Phrase „Dokusho Dokushi“. Das bedeutet etwa: „Wir werden allein geboren und sterben allein“. Dieser Aspekt des Alleinseins wird in Lu Yangs vorliegender Animation, dem Erzählfilm „DOKU The Flow“, intensiv untersucht. Das Filmprojekt bezeichnet die Künstlerin liebevoll als „digitale Reinkarnation“. Derzeit umfasst es zwei Filme, wovon „DOKU The Flow“ der zweite ist, wenn ich mich nicht komplett irre.
„DOKU The Flow“ stützt sich stark auf die buddhistische Philosophie von Mādhyamika, die besagt, dass alle Phänomene frei von einer inhärenten „Natur“, „Substanz“ und „Essenz“ sind. Über eine Reihe von nichtlinearen Sequenzen präsentiert der Film komplexe 3D-Animationen und zeigt DOKU in verschiedenen digitalen Skins. Die narrative Struktur zielt darauf ab, die traditionelle Realität zu überwinden und einen tiefergehenden Einblick in die ultimative Wahrheit der Leere und Verbundenheit zu erlangen.
Lu Yang – eine Gegenwartskünstlerin mit Message
Lu Yang wurde im Jahr 1984 in Shanghai geboren. Sie nutzt verschiedene Strategien aus Religion, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften, um grundlegende Fragen zu den Zusammenhängen zwischen Körper und Bewusstsein sowie Spiritualität und Wissenschaft zu erforschen. Sie hinterfragt zudem die Grenzen des Menschseins in unserer zunehmend technologischen Welt. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Shanghai und Tokio.
Besuche Lu Yangs Website, wenn du mehr zu ihren Animationen und ihrem Schaffen erfahren willst und wenn du dir einen Eindruck zu DOKUs Bewegungsablauf und seinen oder ihren Formwandlungen verschaffen willst.
Mit der Art Basel verbinden mich besondere Emotionen und Erinnerungen. Bereits im Kindesalter liebte ich es, die Schweizer Kunstmesse zu besuchen und mir dort die Füße wund zu laufen. Da die Art Basel seit 2002 auch in Miami Beach stattfindet und seit 2013 auch noch in Hongkong, will ich an dieser Stelle verdeutlichen, dass ich auf der Art Basel in Basel war. Auf diesen Moment wartete ich schon lange. Nur kam ich in den letzten Jahren nie dazu, diese gigantische Ausstellung zu besuchen. Nun war es aber soweit: Ich hatte 3,5 Stunden zeit und 100 Prozent Bock.
Gemälde, Drucke und Co. – ich habe den leisen Verdacht, dass ich Farbe mag:
André DerainAndré Derain: Paisage de neige à Chatou (1904-05)Paula Rego: Girl with Sunglasses and Vegetables (1985)Pablo Picasso: Femme dans un fauteuil Li Songsong: I’m smiling (2021)Jörg Immendorff: beben/heben (1983)beben/heben (Fragment)Ein Künstler, dessen Namen ich nicht lesen kann, weil meine Handykamera scheiße ist (Fragment)Srijon Chowdhury: Birth (2024)Christine Tien Wang: Capitalism Cat (2024)Robert Colescott: Lydia, Life, Death and Transfiguration (1967)Liza Lou: Rising Action (2024). Alles Glasperlen, liebe Freunde.Thomás Saraceno: Cirrus unicus parvus nacreous (2024)Peter Schoolwerth: FlashForward: The Best Day of Your Life (2023) keine Ahnung, was das ist, aber ich lieb’sHannah Quinlan & Rosie Hastings: Hier Ist’s Richtig! (2024)
Mein erster Eindruck: Gut, aber nicht ergreifend
Ich habe bei Weitem nicht alles gesehen. Doch die Ausgestellten Exponate der Galeristen (im Erdgeschoss des Hauptgebäudes) habe ich mir als erstes reinziehen können. Zu meinen persönlichen Favoriten gehörten (natürlich) Werke von Alexej Jawlensky und Wassily Kandinsky. Da bekam ich kurz Herzklopfen. Die Werke standen zum Verkauf. Ähnliche sah ich bei der unvergesslichen „Blauer Reiter“ Ausstellung im Lenbachhaus München. Des Weiteren gab es mehrere Skulpturen zeitgenössischer Künstler, die mich nachhaltig beeindruckt haben.
Kandinsky: Murnau mit Kirche II (1910)Jawlensky: Abstrakter Kopf: Inneres Schauen (1927)
Dann gab es noch die andere Seite. Sehr Vieles, was ich im Erdgeschoss sah, fand ich recht ausgelutscht. Mir hat es etwas an Kreativität und Experiment mit Material und Farbe gefehlt. Für Verhältnisse der Art Basel, und wie ich sie immer in Erinnerung hatte, war es für mich persönlich nicht ergreifend genug – zumindest dieses Jahr und dieses Fragment, das ich mir angesehen hatte. Wir erinnern uns an die Art Karlsruhe, die mich ja völlig aus den Socken gescheppert hat. Noch mal: In Basel hatte ich nicht die Zeit, um mir alles anzusehen. Aber ich erinnere mich, wie die Art Basel vor vielen Jahren meine Welt erschüttert hatte. Und das nicht ein Mal. Doch dann…
Mein zweiter Eindruck von der Basel Art 2024
…dann betrat ich das Obere Geschoss des Hauptgebäudes. Und bekam das, wonach ich mich die Stunden zuvor so gesehnt hatte. Im Schnelldurchlauf raste ich durch die Hallen und konsumierte diese wunderbare Kunst mit einer Gier, die sich bereits angestaut hatte. Bei Kunstmessen, finde ich zumindest, ist es immer eine Art (höhö) Konsum der Kunst, weniger ein Genuss. Naja Genuss natürlich auch, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es ist die Masse an Exponaten, die ein Individuum überwältigt und am Ende ist man nur noch dabei, die ausgestellte Kunst zu „bingen“. Tatsache: Die obere Etage des Hauptgebäudes war absolut fantastisch und ich hätte mich gleich nach oben begeben sollen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.
Kommen wir mal zu den Skulpturen und Plastiken (EG und OG gemischt):
Grayson Perry: Rumpleforeskin (2005)John ChamberlainDiese Lady ist, ich nehme stark an, 3D-gedruckt.Richtig gesehen: Im Hintergrund hängt ein Gerhard Richter.Elmgreen & Dragset: Did I grow? (2024), Marmor, Leute!Thomas Schütte: Old Friend Revisited (2021)Keine BeschriftungAuch hier keine BeschriftungDie haben mir richtig gut gefallen. Keine Angaben zum Künstler.Jean-Michel Othoniel (kp, wie die Werke heißen). Entstanden zwischen 2023 und 2024.Ich, wenn ich meinen Husten dramatisiere. Spaß. Keine Beschriftung vor Ort.
Oh Gott, da gab es noch diese riesige, angeschimmelte Wassermelone aus Halbedelsteinen. Liebe auf den ersten Blick und definitiv mein absoluter Favorit auf der Messe. Trotz Beschaffenheit, den imitierten Schimmelflecken und der Größe dieses Kunstwerks habe ich immer noch das Bedrängnis dazu, da reinzubeißen. Es war ein beeindruckendes Spiel mit Format, Material und Thematik. Ich meine, wer will schon aus Schimmel Kunst machen? Sowohl extrem anziehend als auch abstoßend – ich war zutiefst begeistert. Die verwendeten Materialien in diesem Werk: Kirschquarz, Rosenquarz, Achat, rosa Opal, Amazonit, Türkis, Aventurin, Aquamarin, Magnesit, Karneol, Rhodochrosit, Rhyolith, Rhodonit, Quarz, Druzy-Achat, Calcit Citrin, Prehnit, Labradorit, Jaspis, Serpentin, Tigerauge, Acryl, Glas, Gusseisenfliegen, Messingfliegen, Stahlstifte auf beschichtetem Polystyrol, Fiat 850 Sport Spider-Verdeck.
Kathleen Ryan: Bad Melon (2024) – Maße: 120,65 x 128,27 x 95,25 cmRückseite
Highlights von der Art Basel Unlimited
Auch die Unlimited-Halle habe ich besucht. Hier wurden hauptsächlich großformatige Installationen gezeigt. Sehr lange stand ich vor einem Bildschirm, der ein Fantasieszenario aus der Zukunft über die Entstehung (oder den Untergang) des Lebens auf der Erde zeigte. Dieses Stück visueller Kunst faszinierte mich. Die Animation war unglaublich, das Thema war deep, der Film war extrem lang und extrem fantasievoll. Ein Genuss. Davor waren viele begeisterte Besucher versammelt – nicht nur wir. Lu Yangs „DOKU, The Flow“ war definitiv eines der Highlights von der Art Basel.
Lu Yang: DOKU, The Flow 2024.Bitte das Mensch-Kunstwerk-Größenverhältnis beachten.
Ein weiteres herausragenderes Werk war der Käfig aus Glasperlen. Das Ding verdrehte mir den Verstand. Auch dieses fand ich in der Unlimited-Halle und bestaunte es mit offenem Munde. Es hat nämlich sehr schön gefunkelt und allein dieser Kontrast zwischen den glitzernden Glasperlen und dem Stacheldraht mit Drahtgitter zog mich sehr an.
Meine Mutter vor: Security Fence von Liza Lou (2005)DetailaufnahmeGeiles Teil.
Trotz meines ersten Eindrucks mit den „ausgelutschten“, aber nicht üblen Kunstwerken im Erdgeschoss, muss ich sagen, dass die Art Basel im Terminkalender aller Kunstliebhaber niemals fehlen darf. NIEMALS.
Das sind weitere Highlights von der Kunstmesse, die mich fasziniert haben:
David Claerbout: Birdcage (2023), Videoprojektion mit Zoom inMire Lee: The Liars (2021)So Ketten und Latexzeug faszinieren mich immer. Könnte das stundenlang betrachten.Nick Cave: Tondo (2023), hier handelt es sich um bunte Stahldrähte.Peter Zimmermann ticket to (2023), Kunstharz auf Leinwand.Jim Lambie: Sun NecklaceSun Necklace: Fragment
Ein paar kurze Fakten zur Art Basel
Kommen wir zu ein paar spannenden Fakten über die Art Basel: Die weltbekannte Kunstmesse setzt sich als führende Plattform für Galerien durch, um ihre Werke Kunstkennern, Museumsdirektoren und Kuratoren vorzustellen und zu verkaufen. Die Messe wurde 1968 von den Galeristen und Kunsthändlern Trudl Bruckner, Balz Hilt und Ernst Beyeler ins Leben gerufen und hat seitdem stetig an Bedeutung gewonnen.
In der ersten Ausgabe der Messe im Juni 1970 in Basel präsentierten 90 Galerien und 30 Verleger aus zehn verschiedenen Ländern ihre Werke. Dieses Debüt lockte 16.300 Besucher an. 2024 stellten 285 Galerien aus 40 Ländern ihre Arbeiten aus, darunter Werke von über 4.000 Künstlern aus fünf Kontinenten. Laut Angaben der Basler Zeitung besuchten dieses Jahr 91.000 Menschen die Art Basel.
Gruß……und Kuss von der Art Basel
Zum Artikelbild: Sehet, staunet, beneidet – ja, das ist meine Mutter, die auf der diesjährigen Art Basel eine eher merkwürdige Installation begutachtet. Um das ausgestellte Holzhäuschen herum war ein Feuer aus Neonlampen und innen saß die lebensgroße Puppe eines Opas am Tisch. Mit einem Messer in der Hand. Wirklich sehr suspekt. Hierbei handelte es sich um das Kunstwerk „Hell Hole“ von Alex Da Corte.
Erst neulich habe ich euch von den besten Museen der Bundesrepublik erzählt. Nun. Dieses könnte auch bald auf dieser Liste stehen. Es handelt sich um das höchst umstrittene und von der Presse verhasste Fabergé Museum in Baden-Baden. Hinter einer Paywall verstecken zahlreiche Boulevard-Magazine ihre vernichtenden Kritiken gegen das Kunsthaus. Auch die BNN schießen ordentlich dagegen. Ich kann die Vorwürfe, die gefühlt in alle erdenklichen Richtungen gehen, jedoch nicht einschätzen. Also besuchte ich das Museum unvoreingenommen als Studentin der Kunstgeschichte und sah mir die Exponate aus der Nähe an. Eines davon will ich euch heute vorstellen: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Memoare eines Meisterjuweliers: Qualität der Fabergé-Eier
Franz-Josef Bierbaum, einer der namhaftesten Meisterjuweliere, die für den berühmten Juwelier Peter Carl Fabergé gearbeitet haben, hat in seinen 1919 aufgezeichneten und erst 1992 veröffentlichten Memoaren*, Details zur Herstellung der sogenannten „Kaiser-Eier“ enthüllt.
Bierbaum hebt hervor, dass die Qualität dieser kunstvollen Ostereier während des Ersten Weltkrieges nachgelassen hatte. Anstatt der üblichen luxuriösen Materialien wie Diamanten und Gold wurden die Eier entweder nur in bescheidener Qualität, oder gar nicht hergestellt. Drei relativ einfache Eier sind aus dieser Zeit bekannt: Das „Rote Kreuz Ei“ von 1915 sowie das „Georgische Ei“ und das „Stahlei“, beide aus dem Jahr 1916. Zwei weitere wurden unvollendet: Eins aus Stein und das andere aus Holz.
Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke.
Peter Carl Fabergé: Das Kaiserliche Osterei aus karelischer Birke (1917). Zu sehen ist auch das diamantbesetzte Schlüsselchen sowie auch das passende Etui im Hintergrund.
Die Kaiserin Maria Fjodorowna liebte Kunsthandwerk aus karelischer Birke, einer kostbaren Holzsorte aus Karelien, Nordrussland. Also nehme ich mal an, dass das vorliegende Exemplar nach ihrem Geschmack gefertigt wurde. Ein besonderes Detail dieses Eis werde ich euch gar nicht zeigen können – und wahrscheinlich auch selbst nicht sehen: Den in dem Inneren des Kaiser-Eis versteckten Elefanten, der als Glücksbringer dienen sollte.
Ein Brief soll das schlichte Fabergé-Ei historisch einordnen
Das Kaiserliche Osterei wird im Fabergé Museum zusammen mit einem Schlüssel, dem Etui und zwei Begleitpapieren ausgestellt. Eins dieser Papiere ist die Originalrechnung Fabergés an den Kaiser vom 25. April 1917 und das zweite ist ein Brief vom 23.03.1917, geschrieben von Carl Fabergé an den Vorsitzenden der Übergangsregierung, den Justizminister Alexander Kerenskiy. Denn „wie bekannt, war der Russische Kaiser Nikolai der II. zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgetreten und wurde nicht ohne Gewalt in seiner Sommerresidenz unter Hausarrest gehalten“, merkt das Baden-Badener Museum an.
Diplomatisch begann Karl Fabergé seinen Brief an Kerenskiy mit der Beschreibung der schwierigen Situation, in der sich seine Mitarbeiter befanden, leitete über zu der Notwendigkeit, die Militärbestellungen zu erfüllen und erwähnt auch die anstehenden Lohnauszahlungen. Schließlich bittet er den Minister um einen kleinen Gefallen: „Bitte erlauben Sie mir, dem ehemaligen Kaiser und seiner Familie ein paar kleine Gegenstände (Erinnerungstücke, Andenken) zu übergeben, unter anderem zwei kleine Tierfigürchen und ein einfaches Osterei, ohne Luxus und fast unverziert, innen ein kleiner Elefant als „Glücksbringer“.
Geheimnisvolles Verschwinden: War dieses Fabergé-Ei wirklich so schlicht?
Tatsächlich war der Elefant, wie man der Rechnung entnehmen kann, aus Gold und mit 611 Diamantrosen besetzt. Mit einem ebenfalls diamantbesetzten Schlüsselchen (siehe Bild) konnte man den Elefanten im Ei aufziehen und „zum Laufen bringen“, heißt es in den Informationen des Museums.
Es sei durchaus möglich, dass die Übergabe der Tierfiguren genehmigt wurde. Laut dem Protokoll nach der Hinrichtung der Zarenfamilie sollen nämlich etliche solcher Figuren konfisziert und an Moskauer Museen weitergegeben worden sein. Anders sieht es mit unserem „einfachen Osterei“ aus.
Das Fabergé-Ei aus karelischer Birke mit dünner Goldfassung wird in Carl Fabergés Brief an seinen oben bereits erwähnten Meisterjuwelier Franz-Josef Bierbaum angemerkt. Darin schreibt Fabergé, dieses dem Kaiser zu Ostern 1917 gemacht zu haben. Er geht davon aus, dass der Kaiser das Osterei nie bekommen hat. Kerenskiy habe das wohl nicht zugelassen. Wohin es verschwunden ist, wisse Fabergé nicht. „Jedenfalls war ich nach den Durchsuchungen und der ganzen Zerstörung durch die Bolschewiken im Firmengebäude und habe keine Spur von den Sachen gesehen“, heißt es in dem ausgestellten Brief.
Fabergé Museum in Baden-Baden beteuert Echtheit
Das Museum fügt an: „Eine erste Publikation des Birkeneies mit einer Abbildung erfolgte 1997 im Buch ,Kaiserliche Ostereier der Firma Fabergé‘ von Tatjana Fabergé, Valentin Skurlov und L. Proller. Die historische Abbildung wies absolute ldentität mit unserem Ei auf.“ Die Expertise der Punzierung** erfolgte durch den Werkstattmeister H. Wingström. Dieser soll die Markierung Fabergés sowie auch ein Fabergé-Label eindeutig bestätigt haben.
Auch kunsttechnisch gemmatologische und juweliertechnische Expertisen des Abdrucks eines Fabergé-Labels auf der Innenseite des Etuis sollen eindeutige Resultate ergeben haben. Sie ließen keine Zweifel an der Echtheit des Stückes, heißt es im Bericht des Fabergé Museums.
**Eine Punzierung ist eine Technik, die darin besteht, Muster und Formen von Hand in Metall oder Leder zu prägen. Das Besondere daran ist, dass das Motiv in das Material versenkt und somit als Negativ zu sehen ist. Für diese Art der Gestaltung werden spezielle Werkzeuge namens Punzen oder Punziereisen verwendet. Diese sind eigentlich Metallstifte, deren Ende durch eine einfache geometrische Form gekennzeichnet ist. Für kleine Ornamente nutzen Handwerker oft vorgefertigte Muster auf ihren Punziereisen, da diese stets gleich aussehen – ein Trick, der Zeit und Mühe spart. Die Fähigkeit, Metall oder Leder so exakt zu bearbeiten, verlangt handwerkliches Geschick und Präzision. Gepunzte Kunstwerke strahlen daher einen unverwechselbaren Charme aus und tragen die Handschrift ihres Schöpfers.
Umgezogen bin ich oft. Ich liebe es einfach, neue Städte im Detail zu erkunden, um sie dann wieder zu verlassen – wissentlich, was sie bewegt. Das Gefühl, dann eines Morgens in einer neuen Stadt aufzuwachen, rauszugehen und die ersten Vibes aufzufangen, die sie mir bereithält, ist für mich unbezahlbar. Manche fragen mich, wovor ich wegrenne – aber die haben das Leben nicht verstanden.
Das sind die Städte, in denen ich gelebt habe – chronologisch geordnet und sogar von 1 (lame) bis 10 (premium) bewertet:
Sochi (10 von 10) – die Stadt am Meer
Sochi ist das Paradies auf Erden. Von hier komme ich. Unten das Schwarze Meer und oben die verschneiten Berge – ein verrückteres Naturerlebnis habe ich sonst nirgends gesehen. Die Stadt hat 343.334 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010) und gehört zu den beliebtesten Kurorten Russlands. Ich komme gerne hierher zurück, zumal einige meiner nächsten Verwandten hier leben. Am meisten gefällt mir ihre Hektik, Pracht, das Klima (Subtropen) und das Essen.
Der Hafen von Sochi: Angeblich soll mein Uropa väterlicherseits daran mitgebaut haben. Copyright: IMAGO / Pond5 Images
Lörrach, ew… (3 von 10)
Kulturschock, nachdem Mama uns 2002 von Russland nach Lörrach brachte. Hier lebte ich bis zu meinem 20. Lebensjahr. Diese Zeit verdränge ich ganz gerne. Das einzige, was mich davor bewahrt hat, in dieser hässlichen Kleinstadt mit 48.158 Einwohnern ( Stand 2008) einzugehen, war wohl die Nähe zu Basel. Dort schien das Leben immer so farbenfroh und lebenswert. Basel besuche ich heute noch gerne – zumindest plane ich seit geraumer Zeit schon einen kleinen Besuch dort.
Man gönnt sich ja sonst nichts: Baden-Baden (9 von 10)
Vornehme Schönheit trifft auf gediegenen Rentnerflair. Genau das Richtige, was ich in dieser Zeit gebraucht hatte. Heute komme ich regelmäßig nach Baden-Baden und wundere mich immer wieder aufs Neue, wie hier so Vieles unverändert stillstehen kann. Seinen eigenen Charme hat das schon, aber wenn alles um dich herum stillsteht, drohst auch du irgendwann stillzustehen. Glaube ich. Doch manchmal tut das der Seele auch ganz wohl. Der um Baden-Baden liegende Schwarzwald ist absolut atemberaubend. Eine seltene Naturkulisse in Deutschland, die ich erst zu schätzen lernte, nachdem ich aus Baden-Baden bereits die Fliege gemacht hatte. Die baden-württembergische Kurstadt hat 55.123 Einwohner (Stand 2019) und ist die Partnerstadt von Sochi. Zufall? Ich glaube kaum. Lese hier über die Geroldsauer Wasserfälle – eins meiner Lieblings-Ausflugsziele.
Hier oben stehe ich immer wieder gerne und blicke auf das Friedrichsbad, die Baden-Badener Stiftskirche und den Rest der Stadt hernieder.
Wilde Zeit in Rastatt (8 von 10)
Rastatt als Stadt ist nicht gerade besonders. Aber ich hatte hier eine gute, wilde Zeit gelebt. Ich arbeitete extrem hart und ließ es auch ordentlich krachen. Dabei hatte ich einen sehr merkwürdigen Freundeskreis. Hier entschied ich mich dazu, Journalistin zu werden und habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Naja, paar Mal vielleicht. Höchstens vier Mal im Jahr. Rastatt hat 47.523 Einwohner (Stand 2008) und beherbergt ganz schön viele verrückte Gestalten – durchaus liebenswert.
Das Rastatter Barockschloss. Copyright: IMAGO / Pond5 Images
Hier floss das bayerische Weißbier: Lindau (6 von 10)
Die bayerische Inselstadt ist eine 10 von 10 ABER karrieretechnisch ging hier kaum etwas. Ich habe mich in Lindau vor Langeweile fast todgesoffen, kein Spaß. Ich fühlte mich extrem einsam, doch eben deshalb habe ich ein Stück weit zu mir selbst gefunden. Am meisten liebte ich die Natur: Den Bodensee, die Wanderrouten, die Sonnenuntergänge – es war ein absoluter Traum. Außerdem waren die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Lindau einfach premium. Werde nie die Birnen, Kräuter oder Äpfel vergessen. Einfach anders wild. Lindau zählt 24.673 Einwohner (Stand 2008).
Jap, das ist die Insel Lindau, Ausblick auf den Hafen am Bodensee. Copyright: IMAGO / Alexander Rochau
Karlsruhe (4 von 10) – eine Stadt für sich
Karlsruhe ist eklig, alter. Meine Karlsruher-Phase dauerte glücklicherweise nicht all zu lange und war geprägt von lauter Scheiß: Einem Lockdown nach dem anderen, meinem unerträglichen Studium der Technischen Redaktion mit Fokus auf Kommunikation- und Medienmanagement, meinem psychisch labilen Mitbewohner und Ekelwetter. Hass Karlsruhe, ehrlich. Ist wie Lörrach, nur in groß, mit 313.092 Einwohnern (Stand 2019).
Was maßen sich eigentlich die Heidelberger an? (7 von 10)
Heidelberg ist super schön. Die Natur, die Altstadt, die Sauberkeit, das Mitbestimmungsrecht der Bürger, der sorgsame Umgang der Bürger mit der Stadt und natürlich die wunderbare Uni. Weniger gefallen hat mir die Überheblichkeit der Heidelberger. Ich bin weitaus nicht die einzige, die der Meinung ist, dass die etwas zu viel von ihrer Stadt halten. Heidelberger fühlen sich so geil, dass sie die Stadt allen ernstes als europäische Kulturhauptstadt beworben haben. Alle, die nicht aus Heidelberg kommen, fragen mich „womit denn?“, wenn ich diese Tatsache droppe, die Heidelberger hingegen rallen gar nicht, warum das so abstrus ist und sagen oftmals sowas wie „Hä? Warum denn nicht? Wir haben doch ein Schloss“. Lol. Dennoch liebenswert und lustig. Einwohnerzahl: 160.355 (Stand 2019). Erfahre hier, was es sich in Heidelberg unbedingt zu sehen lohnt.
Jahaa, ihr habt ein nettes Schloss, liebe Heidelberger. Aber chillt mal, es gibt in Deutschland auch noch geilere Städte.
Mannheim – eine Stadt, die im Herzen bleibt (7 von 10)
Eine gemäßigt wilde Zeit verbrachte ich im weitaus weniger überheblichen Mannheim. Hier erlebte ich viele Abenteuer und war dankbar für jeden einzelnen Tag. Gearbeitet habe ich weiterhin in Heidelberg und pendelte im Sommer von Stadt zu Stadt mit dem Fahrrad. Lese hier, was ich eines Nachts Lustiges auf dem Weg nach Hause erlebt habe. Mannheim ist echter, einfacher und vielfältiger als Heidelberg. Mit 309.370 Einwohnern (Stand 2019) auch knapp doppelt so groß. Ich hatte wirklich Spaß dabei, die Stadt zu erkunden, wenn sie auch richtig hässliche und eklige Ecken hat. Aber auch schöne. Wirklich.
Mannheim von oben aus der Seilbahn der Bundesgartenschau 2023Auch das ist Mannheim – direkt am Wasserturm.Meine geliebten Brutaisten. Stehen schon seit Jahren zum Abriss bereit. Leider.Die Friedrich-List-Schule – eins meiner Lieblingsgebäude in MA. Architekt: Richard Perrey
Frankfurt am Main: Big crush? (7 von 10)
Nun lebe ich seit etwa einem Jahr in Frankfurt. Anfangs war es schwierig, mich mit der Stadt anzufreunden. Gründe dafür sind: Kriminalität, Dreck, Drogen, der Gestank von Kerosin und die riesigen Menschenmassen in der Innenstadt. Dann konnte ich mich jedoch einfinden und liebte eine Zeit lang mein Leben in der Mainmetropole. Die Stadt kann schon vielseitig, geil, laut, aufgeschlossen, kulturell, historisch, wild und kontrovers sein. Immerhin zählt sie 753.056 (Stand 2019) Einwohner.
Die leuchtende Frankfurter Skyline bei Nacht – ich liebe dich, FFM.Manchmal jedenfalls.
Nun muss ich sagen: ne. Nicht ganz mein Fall. Entweder, ich fand es vorübergehend so geil, weil ich das Leben in den wirklich schönen Städten bereits verdrängt hatte, oder ich atmete zu viel Crack am Bahnhof ein. (Spaß.) Frankfurt lässt mich wieder relativ kalt. Vielleicht treffe ich die falschen Menschen. Vielleicht wächst mir das Widerwärtige dieser Stadt langsam über den Kopf. Ich weiß es nicht. Diese 5 Dinge liebe ich aber an Frankfurt.
Eingenistet am westlichen Rand des Schwarzwaldes liegt die Stadt Baden-Baden. Sie ist ein Zentrum der Entspannung und Kultur. Mit einer Einwohnerzahl von etwa 57.000 Menschen bietet der kleinste Stadtkreis Baden-Württembergs eine außergewöhnliche Mischung aus historischem Charme und modernem Luxus.
Die Geschichte der Kurstadt reicht weit zurück. Schon die Römer kannten und schätzten die heißen Thermalquellen der Region. Diese natürlichen Ressourcen nutzten sie zur Errichtung eines Militärkurbads, das zum zentralen Treffpunkt für Erholungssuchende wurde. Die Thermalquellen sind bis heute ein Herzstück der Stadt und ziehen jährlich zahlreiche Besucher an.
Die Kuppel des Friedrichbads in der Innenstadt.
Riesiger Stadtbrand im Mittelalter
Im Mittelalter war die Bäderstadt eine bedeutende Residenzstadt der Markgrafschaft Baden und diente als Namensgeberin für das spätere Großherzogtum Baden. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1689 verlor sie diesen Status jedoch an Rastatt, auch eine der Städte in der ich schon lebte, blieb aber weiterhin von regionaler Bedeutung.
Das 19. Jahrhundert markierte eine neue Ära für Baden-Baden, als die Stadt zu einem Treffpunkt für Adlige und vermögende Bürger aus ganz Europa avancierte. Angezogen durch das Casino und die exklusiven Kurmöglichkeiten entwickelte sich der Ort zur „Sommerhauptstadt Europas“. Prachtvolle Gebäude wie das Kurhaus und das Friedrichsbad zeugen noch heute von dieser glanzvollen Zeit.
Hello, hello! Das ist meine Lieblings-Fotokulisse: Die Aussichtsterrasse am Neuen Schloss.
Stadtteile und markante Lagen
Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die städtische Gliederung der Kurstadt immer wieder gewandelt. Heute besteht sie aus elf Stadtteilen, darunter Balg, Ebersteinburg und Lichtental, sowie mehreren kleineren Wohnplätzen wie Gaisbach oder Gallenbach. Wie in jeder anderen Stadt, haben diese Stadtteile ganze eigene Charaktere mit ihren Besonderheiten und Mentalitäten. Diese Vielfalt in der Gemeindestruktur trägt zur charmanten Atmosphäre bei, die sowohl Einheimische als auch Besucher schätzen.
Die geografische Lage im Tal der Oos bietet nicht nur malerische Aussichten sondern auch ideale Bedingungen für den Weinbau in der Vorbergzone. Der höchste Punkt des Stadtgebietes befindet sich auf der Badener Höhe mit 1.002 Metern – perfekt für Naturfreunde und Wanderer.
Das Neue SchlossBlick auf die StiftskircheEngelsstatueNeues SchlossStiftskirche vom Alten Dampfbad gesehenGeroldsauer Wasserfall
Kulturstandort mitten im Schwarzwald
Baden-Baden dient auch als wichtiger Kultur- und Medienstandort mit wichtigen Veranstaltungen wie etwa den halbjährlichen Festspielen, internationalen Galopprennen, dem Oldtimertreff, SWR3 New Pop Festival und natürlich etlichen weiteren Veranstaltungen. Man denke nur an die philharmonischen Nächte und Konzerte. Die Stadt ist darüber hinaus auch Sitz mehrerer bedeutender Medienhäuser, wie etwa, man ahnt es, SWR3, BNN, arte und einiger anderer.
Zu den bemerkenswertesten Ereignissen zählt sicherlich die Aufnahme in die Liste der elf bedeutenden europäischen Kurstädten des UNESCO-Weltkulturerbes im Juli 2021. Dies unterstreicht einmal mehr den international anerkannten Wert dieser außergewöhnlichen Bäderstadt.
Komm nach Baden-Baden, es wird dir gefallen!
Badischer Hof, Villa Solms sowie zahlreiche Kirchen und Kurgebäude gehören zu den geschützten Denkmalobjekten innerhalb des Welterbebereichs, dessen Schutz durch nationale sowie internationale Richtlinien gewährleistet wird.
Ob du nun entspannte Tage in den historischen Thermen verbringen willst, den Schwarzwald entdecken willst, oder kulturelle und sportliche Aktivitäten suchst – Baden-Baden bietet eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Möglichkeiten, um Körper und Geist zu beleben.
Daten zur Geschichte: Beginnen wir mit „Aquae“
Um 80 n.Chr. Die Römer errichten feste Bauten im heutigen Stadtbezirk von Baden-Baden. Um 200 Erste Blüte der Stadtgemeinde „Aquae“, später Hauptort des Verwaltungsbezirks „Civitas Aurelia Aquensis“. 259/260 Alemannen beenden die römische Herrschaft.
Von der Spätantike zur ersten markgräflichen Residenz
Um 500 Fränkische Eroberungen Um 700 Anlage einer Königspfalz in der Stadt 987 Erste Stadtkirche beurkundet 1046 Bis zur Kirchenreform im 19. Jahrhundert bildet der Oosbach die Grenze der Diözesen Speyer und Straßburg. 1112 Hermann II., der Erbauer von Schloss Hohenbaden (Altes Schloss), begründet als „marchio de Baduon“ die Zähringerherrschaft und damit die Markgrafschaft Baden. 1245 Markgräfin Irmengard stiftet das Kloster Lichtenthal. Um 1250 Markgraf Rudolf I. baut das Schloss Hohenbaden aus.
Das fantastische Alte Schloss (auch bekannt als Schloss Hohenbaden)
Baden-Baden: Kuren, Kriege, Klöster
1349 Die Thermalquellen werden zur Abwehr der Pest geöffnet. 1393-1431 Markgraf Bernhard I. von Baden baut das Schloss Hohenbaden noch weiter aus. Um 1420 Gründung des Klosters Fremersberg Um 1431 Ausbau von Schloss Hohenbaden und des Neuen Schlosses durch Markgraf Jakob I. 1453 Die Pfarrkirche wird in eine Stiftskirche (Kollegiatstift) umgewandelt und zur Grablege der Markgrafen. 1473 Kaiser Friedrich III. kommt zur Badekur und zum Fürstentag nach Baden; Anzeichen für eine zweite Blüte der Stadt. 1479 Markgraf Christoph I. verlegt seine Residenz ins Neue Schloss
Seit Jahren verwahrlost leider das Neue Schloss vor sich hin. Es ist nun im Privatbesitz.
1535 Teilung Badens in die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach Ab 1556 Reformation in der Kurpfalz und der Markgrafschaft 1574 Ausbau des Neuen Schlosses durch Baumeister Caspar Weinhart und den Maler Tobias Stimmer 1580 Im Zuge der Gegenreformation kommen Jesuiten und andere Orden an den Oberrhein; es folgen Klosterneugründungen: Kapuzinerkloster (1631) und Frauenkloster vom Heiligen Grab (1687) 1689 Im Orléansschen Krieg wird Baden-Baden fast vollständig niedergebrannt und zerstört.
Aufstieg Baden-Badens zwischen den Fronten
1706 Markgraf Ludwig Wilhelm verlegt die Residenz nach Rastatt; Baden-Baden ist nach dem Stadtbrand nahezu bedeutungslos; Rastatt und Karlsruhe werden Residenzstädte. 1748 Erste Urkunde über konzessioniertes Glücksspiel 1797-99 Der Kongress zu Rastatt „entdeckt“ die Stadt als Kurort; Beginn einer dritten Blütezeit 1806 Baden wird Großherzogtum 1807 Johann Friedrich Cotta lässt durch Friedrich Weinbrenner das ehemalige Kapuzinerkloster zum ersten Luxushotel in Europa umbauen: „Hotel Badischer Hof“ (derweil auf unbestimmte Zeit geschlossen – vor der Schließung war illegales Baden im Außenpool unter Umständen möglich).
Roulette und Romantik: Ein Weltbad entsteht
1815 Die Stadttore werden niedergelegt: zuerst das Ooser Tor; 1821/22 folgen Gernsbacher- und Beuerner Tor; 1834 das Obertor. 1818 Badische Verfassung 1824 Weinbrenner prägt mit seinem klassizistischen Baustil das Stadtbild von Baden-Baden: Neues Konversationshaus (Kurhaus) 1831/32 Durch die Auffüllung des Stadtgrabens entsteht die Grundlage für die heutige Sophienstraße. 1838 Der Bau einer Staatseisenbahn Mannheim-Basel wird beschlossen; Jean Jacques Bénazet ist Pächter der Spielbank; Höhepunkt der dritten Blütezeit 1846 Beim Bau des neuen Dampfbads werden die römischen Kaiser- und Soldatenbäder freigelegt. 10.5.1849 Einmarsch der Bundestruppen unter Prinz Wilhelm von Preußen in Baden-Baden 27.7.1849 Kapitulation der Republikaner in der Garnison Rastatt 1854 Gründung des Kurorchesters
1858 Erste Internationale Rennen in Iffezheim 1862 Liberale Reformen; Judenemanzipation; Eröffnung des Neuen Theaters 1863 Gründung eines Kunstvereins auf Anregung Großherzog Friedrichs I.; Dostojewskij weilt zum ersten Mal in der Kurstadt; die Künstlerinnen Pauline Viardot-Garcia und Clara Schumann lassen sich hier nieder 1864 Johannes Brahms‘ erster Aufenthalt in der Stadt 1865 Besuch von Victor Hugo und Richard Wagner 1867 Der Norddeutsche Bund ordnet die Schließung aller Spielbanken im Bundesgebiet ab 1870 an; Baden-Baden erhält eine Fristverlängerung bis 1872. 1869 Baubeginn des Friedrichsbads 1871 Nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs kommt es in Versailles zur Kaiserproklamation durch Großherzog Friedrich I. 1872 Aufhebung der Spielbank
Ihr kennt ja diese Schilder entlang der Lichtentaler Allee, die den Flair der damaligen Zeit widergeben. Diese Darstellung ist aus dem Jahr 1885.
1875 Nietzsche hält sich hier zur Kur auf 1880 Tonkünstlerfest; Bau der Russischen Kirche 1881 Gründung des ersten Tennisclubs Deutschlands in Baden-Baden 1887 Letzter Kuraufenthalt Kaiser Wilhelms I. in Baden-Baden 1898 Die Israelitische Gemeinde baut eine Synagoge. 1909 Max Laeuger entwirft und gestaltet die Gönneranlage. 1913 Eröffnung der Merkurbahn
Die Stadt während der zwei Weltkriege
3.10.1918 Prinz Max von Baden wird deutscher Reichskanzler 10.11.1918 Großherzog Friedrich II. dankt ab 1931 Der Stadtname „Baden-Baden“ löst erst jetzt offiziell den Namen „Baden“ ab. 1933 Machtergreifung der Nationalsozialisten; Wiedereinführung der Spielbank. 30.1.1934 Auflösung des Landtags 9./10.11.1938 Reichskristallnacht: die Synagoge wird niedergebrannt 22./23.10.1940 Deportation der jüdischen Bürger nach Gurs 1943 Schließung der Spielbank
Nachkriegszeit in der Kurstadt
1945 Nach Kriegsende wird die Stadt zum Sitz der französischen Militärverwaltung in Deutschland 1946 Gründung des Südwestfunks in Baden-Baden 1950 Wiedereröffnung der Spielbank und erste Nachkriegssaison des Kurorts 9.12.1951 In einer Volksabstimmung wird über die Zusammenfassung von Baden und Württemberg zum Südweststaat Baden-Württemberg abgestimmt
1962 Das Augustabad wird abgebrochen und dafür das neue Kurmittelhaus (später Caracalla-Therme) errichtet; Neuordnung des Bäderviertels 1989 Eröffnung des Michaelstunnels 1994 Öffentlich finanzierte Bäder- und Kurverwaltung wird privatisiert; „Baden-Baden Marketing GmbH“ koordiniert die neuen Einzelgesellschaften 1995 Das Inventar des Neuen Schlosses wird versteigert, der Verkauf des Schlosses ist vorgesehen.
Quelle: Helmuth Bischoff – Baden-Baden, die romantische Bäderstadt im Tal der Oos; Kurbetrieb zwischen Casino, Park und Kloster (1996)